Weltraum (Neutral)

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Quartier] C-06 „Mira“ und Jake Relis / Dr. Ralena Anne Moore, Samin und Dany in der Sitzecke beim Cockpit / Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Jake musste schmunzeln. Das hatte er in diesem Gespräch schon erstaunlich oft getan – nicht, um jemanden in Sicherheit zu wiegen oder eigene Unsicherheiten zu überspielen, sondern einfach, weil ihm danach gewesen war. Keiner von beiden hatte am Anfang gewusst, was dieses Gespräch bringen würde. Und nun saßen sie hier, einander gar nicht mehr so fremd, jeder um das eine oder andere Geheimnis des anderen reicher und durch das damit verbundene Vertrauen ein Stück näher zusammengerückt.
Er hatte festgestellt, dass er Mira mochte. Man konnte sich gut mit ihr unterhalten, und mit ihrer Meinung hielt sie wirklich nicht hinterm Berg. Bei ihr wusste man, woran man war – zumindest, wenn sie es wollte. Jake mochte das. Überhaupt stand ihr die Selbstsicherheit, die inzwischen wieder durchkam, deutlich besser als die Ratlosigkeit darüber, wohin mit den eigenen Gefühlen.

„Alles gut, Mira. Es ist lange her, und es tut auch ganz gut, das mal wieder rauszulassen. Die Zeiten, in denen ich versucht habe, den Verlust im Glas zu versenken, sind lange vorbei. Danke, dass du zugehört hast.“
Onkel, Dad … sie würde schon sehen. Zumindest Onkel wäre schön. Der Gedanke ließ seinen Mundwinkel noch einmal zucken. Bevor Mira ihn allein im Quartier zurückließ, gab er ihr noch seine Einschätzung mit auf den Weg.

„Du bist schon schwer in Ordnung, Kleines.“

Als die Tür hinter ihr geschlossen war, blieb Jake einen Moment sitzen. Dann streifte sich mithilfe von Zehenspitzen und Fersen die Stiefel ab, um endlich aus dem grauen Overall zu kommen. Seine üblichen Sachen trug er darunter, wenn auch nach der Zeit unter dem zusätzlichen Stoff etwas zerknittert. Er zog den Saum seines Hemdes zurecht und klappte, noch auf Socken, auf der Suche nach einem Spiegel einige der großen Schranktüren auf. Dahinter fanden sich Kleidung und die üblichen Alltagsgegenstände einer oder vielleicht auch zweier Frauen. Auf den Einlegeböden lagen zusammengelegte Shirts und schlichte Tops neben einem kleinen Stapel Hosen. Darüber hingen Jacken, eine Bluse und ein Kleid, das zwischen den praktischen Alltagssachen beinahe ein wenig fehl am Platz wirkte. Ein weicher, etwas ausgeleierter Pullover war mehr zwischen die übrigen Sachen geschoben als ordentlich gefaltet worden. Weiter unten standen ein Paar robuste Stiefel und deutlich leichtere Schuhe. In einem offenen Fach lagen ein zusammengerollter Gürtel, eine Haarbürste und mehrere Haarbänder, von denen sich eines um den Bürstengriff gewickelt hatte.

Jake ließ den Blick kurz über die unterschiedlichen Kleidungsstücke wandern. Moore und Mira konnten sich ohne Zweifel die Klamotten teilen. Ob sie es tatsächlich taten und wem hier was gehörte, ließ sich allerdings kaum erkennen. Neben sorgfältig gefalteten Handtüchern stand eine kleine Tasche mit Pflegeartikeln; davor lag ein einzelner Ohrring, dessen Gegenstück sich offenbar andernorts herumtrieb. Er musste unwillkürlich schmunzeln. Besonders an Bord eines Raumschiffs fanden die kleinen Dinge Wege, verloren zu gehen. Wie oft er schon was gesucht hatte!
Die geschlossenen Schubladen ließ er geschlossen. Er suchte schließlich einen Spiegel und wollte keine Bestandsaufnahme ihres Privatlebens machen. Als er ihn endlich auf der Innenseite einer der Türen entdeckte, hängte er den Overall ordentlich auf einen freien Bügel, schob die benachbarte Jacke ein Stück zur Seite, damit nichts eingeklemmt wurde, und betrachtete sein Spiegelbild.

Das cremefarbene - früher hätte er einfach Besch gesagt, aber das hatte Jules ihm ausgetrieben - Hemd saß locker an seinem Oberkörper. Sein leicht strukturierter Stoff hatte ein paar zusätzliche Falten abbekommen, aber bei Jakes Garderobe fiel das kaum ins Gewicht. Der Kragen stand offen; die Ärmel schob er wieder bis zu den Unterarmen hoch. Darüber trug er seine dunkelbraune, beinahe schwarze Weste mit den großen aufgesetzten Taschen. Er strich sie mit beiden Händen glatt und zupfte sie an den Schultern zurecht.

Die dunkelblaue Hose mit den roten Streifen an den Außenseiten der Beine war ebenfalls etwas verrutscht. Jake rückte den breiten, abgewetzten Ledergürtel zurecht, bis dessen kantige Metallschnalle wieder mittig saß. Anschließend prüfte er mit einem beiläufigen Griff den Sitz des tief hängenden Blasterholsters an seiner rechten Seite und richtete den Lederriemen, der es am Oberschenkel hielt. Stoff, Leder und Metall zeigten deutliche Gebrauchsspuren. Alles war eingetragen, vertraut und dort, wo seine Hände es erwarteten.
Er fuhr sich einmal durch das blonde Haar, was dessen ohnehin eigenwillige Ordnung nur bedingt verbesserte, legte den Kopf leicht schief und testete die bewährten Jake-Relis-Fingerpistolen™ an seinem Spiegelbild. Dazu das passende Grinsen. Saß noch. Altbewährt.

Sein Blick wanderte an sich hinunter zu den Socken. Na gut. Die Stiefel fehlten noch.

Er schlüpfte wieder in die hohen, dunklen Lederstiefel, zog die Hosenbeine darin zurecht und warf einen letzten Blick in den Spiegel. Schon besser. Mit einem zufriedenen Zucken des Mundwinkels schloss er die Schranktür. Dann trat er zu seinem Blaster sicherte diesen im Holster. Dass Mira die ganze Zeit in ihrem gepanzerten Anszug rumgesessen hatte, hinterließ den Eindruck, das es auf Zanbar vielleicht Probleme geben konnte, die nur eine bewaffnete Konfrontation klären würde. Seinen Werkzeugkoffer hob er noch aus dem Weg, und platzierte ihn im schrank bei dem Overall. Ungesicherte Lasten konnten in Problemfällen zu tödlichen Lasten werden. Er strich noch einmal sein Hemd glatt und trat dann wieder auf den Gang. Schaute im Vorbeigehen kurz bei den Kids durch den Schottrahmen, hob grüßend die Hand. Die Kids schienen sich nicht gegenseitig umzubringen, was er schon mal als ein gutes Zeichen auffasste.


Dann fielen ihm Sanas gerötete Augen auf. Also nicht das Rot ihrer Iris, sondern das gleiche Rot, dass er zuvor auch bei Mira gesehen hatte. Tränen. 'Grrrr. Keinen Tränen auf der Seastar!'
Behutsam trat er ein und fand den Weg zu Sana und einem ihm fremden Mädchen (Naeva).

„Hi, Sana wir kennen uns schon. Aber du und ich nicht.“ Dabei deutete er zwischen sich und der Unbekannten hin- und her, bevor er leise meinte, um nicht die Aufmerksamkeit der restlichen Kindermeute zu wecken. „Hey, ich bin Jake. Ich kam nicht umher zu bemerken, dass hier Tränen geflossen sind.“ Er deutete mit einem Zeigefinger in sein Gesicht, schaute zwischen den Beiden her und landete schließlich wieder bei Sana, um zu verdeutlichen, dass ihm das nicht entgangen war. Denn wo weinte man, wenn nicht mit dem Gesicht?

Dann meinte er mit einem aufmunternden Schmunzeln. „Keine Tränen auf Seastar. Nicht wenn ich irgendwie helfen kann.“ Er deutete mit dem Daumen den Gang runter. „Ich habe eben schon welche getrocknet. Alles okay bei euch? Braucht ihr irgendwas?“, fragte er dann besorgt.


[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere, Jake Relis im Quartier / Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
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Samin, Dany, Moore; Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren


Bei der Vorstellung, gemeinsam mit Dany und Sana nach Bakura einige schöne Planeten zu besuchen, musste Samin lächeln. Das klang beinahe nach einem unerreichbaren Traum. Verdammt, wann hatte sie das letzte Mal Urlaub gemacht?

Nie. Sie hatte noch nie Urlaub gemacht.
Und ein richtiges Zuhause? Das letzte, was dem relativ nahekam, war ein kilometerlanger Supersternzerstörer namens Intimidator. Nicht die Art von Zuhause, die sie für Sana in Zukunft vorsah. Die Mandalorianerin stellte sich wohl auch eher eine Art Basis vor, zu der sie zwischen ihren Aufträgen zurückkehren würde. Zumindest interpretierte die Chiss ‚einen Ort, von dem aus sie arbeiten konnte‘ so. Samin sah vor ihrem inneren Auge vielmehr einen sicheren Planeten, am besten Abseits vom Krieg, mit einer Schule für Sana, freundlichen Nachbarn und möglichst wenig Ärger. Ein wenig beneidete sie Dany darum, dass ihre Familie noch immer ein normales Leben auf Shinbone lebte und sie jederzeit zurückkehren konnte, sofern sie es denn wollte. Für Samin gab es diese Möglichkeit nicht. Sowohl ihre gebürtige Heimat - das Chiss-Reich -, als auch die imperiale Staatsangehörigkeit waren von nun an nur noch alte Stationen in ihrem Lebenslauf. Spätestens mit der Desertion hatte sie diese Türen geschlossen. Und selbst wenn nicht, würde sie ihrer Tochter die Familie Nuruodo niemals zumuten wollen.


„Ich würde gerne irgendwo wohnen, wo Sana eine richtige Kindheit haben kann. Oder zumindest den Rest davon.“

Samin griff sich mit einer Hand an das schmale Kinn und sah in Richtung Cockpitdecke. Dass sie ja eigentlich für eine Freundin gefragt hatte, war schon wieder völlig vergessen.

„Wie sieht es auf Zanbar denn aus?“

Die Augen wanderten wieder herab. Zuerst zur Mandalorianerin, dann zur Sephi.

„In das Imperium zurück kann ich jedenfalls nicht. Chandrila und Bespin fallen damit raus. Und die Neue Republik ist nicht weniger eine Verbrechensorganisation als die Black Sun.“

Die Chiss nickte Moore kurz zu.

„Nichts für ungut. Auch wenn Naboo klasse klingt. Ich gehe das Risiko nicht ein, dass diese Jedi-Spinner Sana in die Hand bekommen, wo ich sie gerade weit genug von den Sith weggebracht habe.“

Jene berichtete inzwischen von den verschiedenen Stationen ihres Lebens. Professorin, Sector Rangers, Republikanischer Geheimdienst? Was hatte die Frau eigentlich noch nicht gemacht? Bald kam noch raus, dass sie selbst eine waschechte Jedi war. Spätestens dann musste sich Samin langsam doch noch mal Gedanken machen.

„Ein paar Millionen Credits Sachschaden?“

Samin klang verblüfft. Dabei hatte sie im Dienst des Imperiums sicherlich ebenfalls eine entsprechende Summe an schrottreifen Jägern hinterlassen. Ihr Name ‚Crash‘ kam nicht von ungefähr. Wobei die großen Klappen ihrer Staffelkammeraden und jener, die nicht dabei gewesen waren, natürlich nie die wahren Hintergründe kannten. Einen jeder Defender, den Samin an den Boden brachte, hatte sie an die technische und anatomische Leistungsfähigkeit getrieben, war jedes Mal siegreich davongekommen und hatte am Ende Situationen überlebt, die weniger exzellenten Piloten das Leben gekostet hätte. Jeder Crash war ein Tod, den sie nicht gestorben war.

Die Chiss verträumte fast, wie die Sephie wieder auf Sana zu sprechen kam. Der Name ihrer Tochter riss sie natürlich gleich aus ihren Gedanken. Moore war sehr nachsichtig mit ihr. Ob Sana erwartete, dass Samin auf alles eine passende Antwort hatte, war in ihrem Kopf gar tatsächlich nicht die Frage. Samin verlangte es wirklich von sich selbst. Und sie konnte mit einer weiteren Sache rechthaben. Wenn sie wollte, dass sie ihre Tochter kennenlernte, musste sie ihr auch Gelegenheit dazu geben. Sie nickte, lächelte zurückhaltend und nahm sich vor, genau das bei nächster Gelegenheit zu tun.

Als Moore schließlich eine kleine Box hervorholte und ihnen den Inhalt präsentierte beugte sich Samin neugierig vor. Was bei der Spucke des Imperators, waren Neural-Comlinks? Die flachen Geräte sahen ziemlich unscheinbar aus. Die Worte der Sephi machten sie derweil jedoch direkt skeptisch.


„Was tun die? Werden die implantiert?“

Sie betrachtete die Geräte noch genauer, ohne eines herauszunehmen. Die Dinger wirkten ihr höchst suspekt.

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Samin, Dany, Moore; Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum; Mira in den Quartieren
 
[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Gefecht an einer Staubfront – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, republikanische X-Wings und Piraten-Uglies



Tylas Bestätigung kam durch, während Zarev seine Flugbahn weiter nach außen versetzte. Wenigstens hatte sie die Neuankömmlinge ebenfalls gesehen. Zwischen den Staubschichten schnitten inzwischen grüne und blaue Salven hindurch, und er musste genauer hinsehen, um überhaupt noch unterscheiden zu können, welcher Feuerstoß von wem kam. Ein Ugly geriet unter republikanischen Beschuss; kurz darauf flammte an dessen Antrieb etwas auf.

Offenbar hatten die Piraten ebenso wenig Interesse an den X-Wings wie sie selbst. Zarev hätte diese Gemeinsamkeit unter anderen Umständen vielleicht gewürdigt. Hier draußen machte sie es hauptsächlich schwieriger, eine freie Flugbahn zu finden.

Auf Tylas Meldung, dass sie einen neuen Anflugvektor brauchte, suchte er ihre Maschine zwischen den wechselnden Konturen.


"Acht Sende dir einen neuen Anflugvektor"

Schnell übermittelte Zarev Tyla über mehrere Pings einen neuen Anflugvektor, da tauchten vor ihm die gekreuzten Flächen eines X-Wings auf. Die Silhouette wurde rasch größer. Zarev nahm den Steuergriff fester in die Hand und begann, seinen Anflug seitlich zu versetzen. Ein frontaler Schlagabtausch mit besseren Waffen und einem Schildgenerator auf der anderen Seite war kein Geschäft, bei dem ihm die Bedingungen gefielen.

Tylas nächste Meldung kam gerade recht. Sie wollte nach unten wegziehen und dem herankommenden Ugly den Weg abschneiden.


„Gesehen. Danke, Acht!“

Ihr TIE zog unter ihm durch. Zarev rollte in die entgegengesetzte Richtung und nahm seinen Jäger aus dem direkten Anflug auf den Republikaner. Er wollte Abstand gewinnen, ohne den X-Wing hinter dem eigenen Solarflügel verschwinden zu lassen. Für einen kurzen Augenblick bekam er dessen Flächen noch seitlich zu sehen, dann schob sich wieder Staub dazwischen.

Weiter unten leuchtete unter Tylas Beschuss ein Schild auf.

War ja klar, selbst diese zusammengewürfelten Bastarde hatten Schilde. Er würde nach dem Einsatz ernsthaft darüber nachdenken müssen, ob man für einen brauchbaren Ausrüstungsstandard zunächst das Sternjägerkorps verlassen und irgendeinem bewaffneten Schrottsammler beitreten musste.

Aurens Warnung vor weiteren Uglies riss ihn aus dem Gedanken.



„Noch mehr?“, entfuhr es ihm im Helm.

Er sah in die gemeldete Richtung und erkannte zusätzliche Triebwerkslichter hinter den bereits bekannten Maschinen. Damit wurde seine ursprüngliche Zählung endgültig wertlos. Die Aussicht, sich durch das Durcheinander hindurch abzusetzen, gefiel ihm dagegen ausgesprochen gut.


„Neun, verstanden. Vor den Piraten kreuzen, dann unten weg.“

Zarev richtete seine Flugbahn entsprechend aus und behielt die Staubkante im Blick, hinter der sie sich sammeln sollten. Er musste sich dazu zwingen, bei dem beabsichtigten Anflug zu bleiben, statt jedem Lichtblitz mit einer neuen Bewegung auszuweichen. Eine zu frühe Kurve würde ihn womöglich genau dort festhalten, wo er überhaupt nicht bleiben wollte.

Zwischen den fremden Jägern leuchteten erneut Waffen auf. Zarev zog die Nase seines TIEs nach unten und rollte aus der bisherigen Fluglage, während über ihm Schüsse durch den Dunst verschwanden. Die Gurte spannten sich über seinen Körper. Er hielt die Bewegung durch, gab wieder Schub und suchte den markierten Bereich.


„Neun bricht nach unten weg!“

Als Hardlights Aufforderung zum Rückzug kam, war er bereits dabei, unter dem Gefecht hindurchzuziehen. Er ließ die Staubfront zwischen sich und den Beschuss kommen und kontrollierte seine Anzeigen. Kein Trefferhinweis. Die Triebwerke reagierten, die Steuerung ebenfalls. Für den Moment genügte ihm das vollkommen.

Auf Aurens Statusabfrage sendete er seine Kennung und näherte sich dessen Position.


„Neun, hinter der Staubkante. Keine Trefferanzeigen, Maschine reagiert normal, wie siehts bei euch und euren TIE´s aus?“

Kurz darauf erkannte er Hardlights TIE durch den Dunst und wenig später auch die zweite vertraute Maschine. Zarev merkte erst jetzt, wie fest er die Zähne zusammengebissen hatte. Er lockerte den Kiefer und schluckte gegen die Trockenheit im Mund an.

Drei Jäger. Das sah bereits erheblich besser aus als die Aussicht, allein durch diesen Nebel zurückzufinden.

Er nahm auf Befehl Leistung heraus und überließ Tyla die Beobachtung des Gefechts. Den übrigen Raum abzusuchen war bei diesen Sensoren eine undankbare Aufgabe, aber wenigstens wusste er wieder, worauf er seine Aufmerksamkeit richten sollte. Er wechselte zwischen den Rückmeldungen und den sichtbaren Lücken im Dunst, wobei er auch die Bereiche oberhalb und unterhalb ihrer bisherigen Flugbahn prüfte.


„Neun übernimmt den übrigen Raum.“

Die etwas geringere Triebwerksleistung ließ das Summen in seiner Kanzel ruhiger werden. Zarev nutzte den Augenblick, um die Temperaturanzeige und die Energieversorgung zu kontrollieren. Alles blieb im Rahmen. Beim anschließenden Blick nach draußen versuchte er zusätzlich, auffällige Wärmekontraste auszumachen, die sich unabhängig von den Gasfeldern bewegten.

Seine Infrarotsicht gab ihm gelegentlich etwas mehr als die gewöhnlichen Konturen. Eine sichere Übersicht bekam er damit trotzdem nicht.



Dann meldete Hardlight den beschädigten X-Wing.
Zarev wandte den Kopf und suchte die angegebene Richtung. Durch eine Lücke bekam er den Republikaner zu sehen, dazu die beiden Piraten, die ihm nachsetzten. Der Antriebsbereich des X-Wings glühte ungleichmäßig. Sie waren gerade erst aus diesem Durcheinander herausgekommen, und an Aurens Tonfall hörte er bereits, dass es dabei nicht bleiben würde.

Die nächsten Befehle bestätigten seinen Verdacht.
Er atmete hörbar aus. Ein Anflug, dann wieder hinaus. Wenigstens hatte Hardlight diesen Teil ausdrücklich dazugesagt.


„Verstanden, Sieben. Ein Anflug.“ Zarev erhöhte die Leistung und suchte die beiden Uglies. „Acht, ich nehme den weiter außen. Ich komme von Steuerbord rein.“

Der TIE beschleunigte, und unter der Anspannung regte sich ein wenig Angriffslust. Dieser Pirat vor ihm war mit dem beschädigten Republikaner beschäftigt. Zarev wollte die Gelegenheit nutzen, bevor sich das änderte.

Er hielt den Anflug zunächst flach, suchte einen freien Schusswinkel und führte die Nase vor die erkennbare Flugbahn des Uglies. Die Zielmarkierung sprang noch immer unzuverlässig über sein Display. Zarev orientierte sich an der sichtbaren Maschine und gab einen kurzen Feuerstoß ab, einer seiner Schüße traf.

Aber beim Versuch, unmittelbar nachzusetzen, antwortete nur eine seiner Kanonen.

Er sah auf die Waffenanzeige. Die Steuerbordkanone war wieder bereit, während der Ladebalken der Backbordkanone auffällig langsam weiterwanderte. Zarev drückte den Auslöser erneut, bekam einen einzelnen Schuss und ließ mit einem scharfen Fluch los.



„Im Hangar ging’s doch noch, du undankbarer Schrotthaufen!“

Sein erster Impuls war, die Feuersteuerung aufzurufen. Dafür hätte er allerdings den Gegner aus den Augen lassen müssen. Er unterdrückte den Griff zum entsprechenden Schalter und korrigierte stattdessen seine Flugbahn.

Ausgerechnet seine Maschine. Die er durchgesehen, nachgezogen und beinahe zärtlicher behandelt hatte als alles andere auf diesem Träger.


„Neun, Backbordlaser lädt verzögert.“

Die Kanone fiel immerhin nicht vollständig aus. Er musste ihr nur mehr Zeit zwischen den Feuerstößen geben, was ihn in diesem Augenblick fast ebenso sehr ärgerte. Ein paar Sekunden zuvor hatte er noch gedacht, endlich eine brauchbare Gelegenheit zu haben.

Zarev wartete, bis beide Bereitschaftsanzeigen wieder aufleuchteten, passte seinen Vorhalt an und drückte den Auslöser bewusst kurz. Dieses Mal feuerten beide Kanonen. Die grünen Blitze jagten dem Ugly entgegen, doch ob sie trafen, konnte er zwischen den wechselnden Konturen nicht sicher erkennen.

Er ließ den Abzug los. Hinterherzuziehen und sich dabei erneut mitten im Gefecht festzubeißen, gehörte nicht zu ihrem Auftrag. Zarev begann, seinen Jäger aus dem Anflug zu nehmen, und suchte gleichzeitig nach Tyla.

Seitlich voraus zuckte grünes Feuer auf. Er bekam Hardlights TIE und den beschädigten X-Wing noch für einen Augenblick gemeinsam ins Blickfeld, dann platzte der republikanische Rumpf hinter dem Cockpit auseinander. Die Aufhellung zeichnete sich grell gegen den Dunst ab, während Trümmer aus der auseinanderbrechenden Maschine hervorschossen.

Zarev zog seine Flugbahn weiter von dem Bereich weg. Für einen Moment fiel die angestaute Anspannung von ihm ab, und ein raues, begeistertes Lachen entwich ihm.


„Boom, HaHa! Das war mal ein Feuerball! Guter Schuss, Sieben!“

Noch während sein Lachen langsam verklang, flackerten seitlich des Gefechts weitere Triebwerkslichter auf. Zwei zusätzliche X-Wings schoben sich durch eine dünnere Nebelschicht, während ihnen aus einer anderen Richtung mehrere ungleichmäßig geformte Jäger entgegenkamen. Zarev erkannte die zusammengewürfelten Aufbauten gerade rechtzeitig, bevor auch dort die ersten Waffen aufleuchteten. Grüne und blaue Salven kreuzten sich zwischen den Staubfeldern, und er passte seine Flugbahn an, um außerhalb dieses neuen Schlagabtauschs zu bleiben.

Augenscheinlich begannen die Republikaner und die der Piraten sich immer mehr anzugreifen, das könnte der Moment sein das Schlachtfeld zu verlassen.
Er warf einen verärgerten Blick auf die noch immer nachladende Backbordkanone und betätigte die Sendetaste.


„Sieben, da kommen noch mehr X-Wings und Uglies dazu. Sollten wir nicht langsam zurück das der Absolution melden?“

Zarev suchte Hardlights Maschine im Dunst und hoffte, dass sein Rottenführer diese Frage als ausreichend deutlichen Vorschlag verstand. Sie hatten eine republikanischen Konvoi gefunden, die Piraten inzwischen ebenfalls und reichlich Gelegenheit gehabt, sich von deren Bewaffnung zu überzeugen. Seiner Ansicht nach durfte man eine Aufklärung damit durchaus als erledigt betrachten.

Er hielt die Nase seines TIEs in Bewegung und prüfte, ob ihm einer der Neuankömmlinge besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die durften sich seinetwegen noch stundenlang gegenseitig die Verkleidungen vom Rumpf schießen. Er hätte seine eigene inzwischen ausgesprochen gern wieder über einem imperialen Wartungssteg gesehen. Falls Hardlight jetzt den Rückkurs befahl, würde Zarev ihm jedenfalls mit einer Begeisterung folgen, die mehr als vorbildlicher Gehorsam durchgehen konnte.



[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – am Rand des Gefechts – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, republikanische X-Wings und Piraten-Uglies
 
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