Agamar

/// Agamar ʭ Calna Muun ʭ Rand des südlichen Gewerbegürtels ʭ Ivor Karn \\\​

Als der graue Servicetransporter von Dornik Transit Services Ladehof Sieben verließ und zwischen den Silos im morgendlichen Frachtverkehr verschwand, blieb Ivor Karn noch einige Minuten in seinem gemieteten Gleiter sitzen, trank den inzwischen kalten Kaf und wartete darauf, dass irgendwo Sirenen angingen. Nichts geschah. Keine Sicherheitsfahrzeuge, kein hektischer Funkverkehr, kein Fahrer, der plötzlich mit sehr großen Augen aus Richtung Malden zurückkam. Pumpkin war damit dort, wo Ivor ihn haben wollte, und ab diesem Punkt gehörte der Einsatz dem Droiden. Karn hatte die Tür gebaut, den Schlüssel gefeilt und einen Mann bezahlt, der beide Seiten zusammenbrachte. Wie viel Verwüstung Pumpkin hinter der Tür anrichtete, fiel für einige Stunden außerhalb seiner Zuständigkeit.

„Mach keinen Scheiß, Kürbis“, murmelte er, startete den Gleiter und fädelte sich in den Verkehr Richtung Calna Muun ein. Nach wenigen Sekunden zeigte er seine Zähne.

Sein eigener Auftrag wartete.
Latch hatte während der Nacht geliefert und dabei genau das getan, wofür Ivor ihn bezahlte: Einen kleinen Teil eines viel größeren Systems untersuchen, ohne zu wissen, weshalb dieser Teil überhaupt interessant war. Der Slicer kannte weder den Namen von Karns Auftraggeber noch die verlangten Zielpersonen, ebenso wenig wusste er etwas von dem Kompromat, das am Ende der Arbeit stehen sollte. Für ihn bestand der Auftrag aus einem externen Frachtportal, mehreren privilegierten Benutzerkonten und einem abgeschotteten Register, in dem bestimmte Lieferungen mit militärischen Prioritätsmarkern versehen wurden. Ein Puzzle aus drei Teilen, während Ivor den Karton mit dem Bild darauf behielt.

Zurück in der Silver Heron machte er es sich im kleinen Aufenthaltsbereich bequem, legte die Stiefel auf einen Frachtcontainer und rief über ein isoliertes Pad
Latchs Ergebnisse auf. Der Slicer hatte sechs privilegierte Konten gefunden, dazu die Zugriffszeiten zweier leitender Logistikangestellter und eine technische Besonderheit, die Ivors Aufmerksamkeit sofort packte. Das geschützte Frachtregister lag zwar hinter dem internen Netz des Agrarunternehmens, erhielt seine Synchronisierung jedoch über einen lokalen Wartungsknoten, dessen Diagnosezugang bei jeder automatisierten Systemprüfung kurzzeitig Verbindungen zu einem externen Dienstleister akzeptierte. Es war ein Fenster, das alle paar Stunden jemand zum Lüften auf Kipp stellte. Der Thuggatoris aktivierte den Wegwerfkanal.

Latch.

Bin da.

Der Wartungsknoten. Ich will wissen, wer ihn betreut, wann das nächste Diagnosefenster öffnet und welche Identität das System dabei erwartet.

Die drei Punkte neben dem Antwortfeld bewegten sich eine Weile.

Das geht tiefer als vereinbart.

Ivor biss von einem Proteinriegel ab, kaute mit sichtbarer Enttäuschung und schrieb zurück.

Deshalb bekommst du mehr Geld.

Wie viel?

Genug.

Das ist keine Zahl.

Dann streng dich an. Vielleicht wird sie größer.

Es dauerte neun Minuten, bis
Latch zustimmte. Ivor lehnte sich zurück und schaltete den Kanal stumm. Genau deshalb mochte er Wegwerfagenten. Man gab ihnen ein Problem, eine Summe und einen Ausschnitt der Wahrheit. Danach ließ man ihre Gier den Rest erledigen. Latch musste weder loyal noch mutig sein. Er musste lediglich kompetent genug bleiben, bis Karn hatte, was er brauchte. Sollte der Slicer erwischt werden, führte sein Auftrag zu einem toten Kommunikationskonto, einer erfundenen Identität und einer Zahlungskette, die nach drei Sprüngen in einer Glücksspielplattform auf Nar Shaddaa versickerte.

Gegen Mittag begann sich unterdessen
Malden in den lokalen Nachrichten bemerkbar zu machen. Zunächst tauchten lediglich Meldungen über verzögerte Frachtabfertigungen auf. Einige Lieferungen seien falsch ausgezeichnet worden, mehrere Droiden zeigten technische Auffälligkeiten, ein automatisiertes Lager habe kurzfristig den Betrieb reduziert. Nichts davon war spektakulär genug für eine große Nachrichtensendung, doch für jemanden, der am Morgen einen Kampfdroiden mit falschen Papieren dorthin geschickt hatte, ergaben die kleinen Meldungen ein ausgesprochen unterhaltsames Muster. Ivor saß vor dem Terminal und hob langsam eine Augenbraue.

„Subtil“, presste er zwischen den Lefzen hervor.

Am Nachmittag wurden daraus Beschwerden über fehlerhafte Frachtmanifeste und eine lokale Störung im Droidennetz. Eine Nachricht erwähnte einen Zwischenfall zwischen Sicherheitsdroiden und Werkswachen, der angeblich rasch unter Kontrolle gebracht worden war.
Ivor starrte auf die Zeile. Dann griff er nach seinem Getränk.

„Sehr subtil.“

Er fragte
Pumpkin trotzdem nicht nach seinem Status. Kein unnötiger Funkkontakt, solange die Operation lief. Falls der Droide Hilfe brauchte, kannte er den Kanal. Falls er keine brauchte, war Schweigen die billigste Form professioneller Anerkennung.

Latch meldete sich gegen frühen Abend zurück. Der Wartungsknoten gehörte einem externen Systemdienstleister, dessen automatisierte Diagnoseprogramme zweimal täglich Zugriff erhielten. Noch interessanter war die verwendete Authentifizierung: Für das eigentliche Unternehmensnetz war sie wertlos, für das Wartungssystem hingegen reichte ein rotierendes Servicetoken, das auf den mobilen Terminals der Außentechniker zwischengespeichert wurde. Latch hatte außerdem herausgefunden, dass einer dieser Techniker jeden zweiten Abend denselben öffentlichen Ladehof am westlichen Rand von Calna Muun anfuhr, bevor er seinen Dienst beendete. Der Thuggatoris setzte die Füße vom Container. Jetzt wurde aus Recherche eine Möglichkeit.

Zieh mir den Namen des Technikers, Fahrzeugkennung und Dienstplan

Danach bin ich raus.

Danach warst du nie drin.

Latch verlangte diesmal keine weitere Erklärung. Eine halbe Stunde später lag alles vor ihm. Ivor überwies die vereinbarte Summe samt kleinem Bonus, wartete auf die Bestätigung und löschte anschließend den Kommunikationskanal vollständig. Latch bekam keine Verabschiedung, keinen Folgeauftrag und keinen Hinweis darauf, welchen Zweck seine Arbeit erfüllt hatte. Falls Karn ihn irgendwann wieder benötigte, würde ein anderer Mittelsmann eine andere Anfrage stellen.

„Danke für die Mitarbeit, beehre mich nie wieder“
, murmelte Ivor in den leeren Aufenthaltsraum und warf den Proteinriegelrest in den Abfall.

Sein Comlink vibrierte, was er da las war keine Nachricht, nur zwölf Zeichen. Das Passwort.
Ivor blieb einen Augenblick still, dann zog er den Datenstick hervor, gab die Kombination ein und beobachtete, wie die gesperrten zwanzigtausend Credits freigegeben wurden. Pumpkin war draußen. Mehr musste er nicht wissen. Das breite Grinsen kehrte zurück, während er den Stick einsteckte und gleichzeitig auf dem zweiten Display das Profil des Wartungstechnikers öffnete, dessen Servicetoken ihm den nächsten Schritt zu seinem eigenen Ziel ermöglichen konnte.
Ein Geschäft abgeschlossen, das nächste gerade erst warmgelaufen.

Der Reptiloide erhob sich, griff nach seinem Mantel und kontrollierte den Sitz der Bryar unter der Stoffbahn. Draußen senkte sich bereits der Abend über Calna Muun, und irgendwo am westlichen Stadtrand glaubte ein vollkommen ahnungsloser Systemtechniker vermutlich, sein Arbeitstag sei beinahe vorbei.
Karn schaltete das Licht der Silver Heron aus und ging zur Rampe.

„Kürbis hat Feierabend“, murmelte er. Seine Reißzähne blitzten im letzten Licht des Schiffsgangs. „Dann bin wohl ich mit Ernten dran.“

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||Outer Rim Territories || Lahara Sektor || Mirgoshir-System || Agamar|| Calna Muun (Hauptstadt) || Südliche Ernte-Logistikunternehmen: 'Malden Agricultural Distribution Cooperative' || Umland, in einem Transporter || Pumpkin, NPC

Während das Fahrzeug des Ernte-Logistikunternehmens sich entfernte, verstaute der HK-Droide seinen Blaster in einer Waffenkassette und übermittelte dem Fahrer den nächsten Auftrag, sodass das Droidennetzwerk, beziehungsweise das Unternehmen, welches dieses leitete, die Überstellung eines neuen Droiden logisch erschien. Kaum waren die Daten übermittelt, suchte er nach etwas, um den Blastertreffer am Chassis reinigen zu können. Immerhin hatte dieser eine Verfärbung hinterlassen, und wenn er den Treffer behalten würde, würde dies unweigerlich unbequeme Fragen aufwerfen. Er schaute sich mit seinen Infrarot-Photorezeptoren um, fand einen gebrauchten Lappen und etwas Industrie-Reiniger (Glow-cutter) an der Werkbank, die sich gegenüber den Droidenhalterungen befand, und rubbelte eilig die Rußpartikel der verbrannten Plasmagase an seiner Brust weg. Der Fleck erwies sich hartnäckiger, als angenommen und, zu seinem Missfallen, stoppte das Transportfahrzeug kurz. Für eine Sekunde erstarrte er, bis er Stimmen hörte. Sie waren wohl erst am Haupttor, das von zwei automatisierten Laser-Geschützen flankiert wurde. Da der Droide keinen wirklichen Blick nach außen hatte, kümmerte er sich eher um den Makel an seinem Chassis, während er hörte, wie wohl ein Wachmann nach ID-Transponder und Grund der Fahrt fragte. Immer noch Pellon, reichte der Wache einige Lieferberichte, welche die Wache entgegennahm, sich etwas wunderte, warum Ceres Defensive Logistic seinen Kampfdroiden zur Piratenabwehr hierher schickte, doch für Fragen wurde die Wache nicht bezahlt und winkte den Fahrer durch.Kaum rüttelte das Fahrzeug wieder, bemerkte der Droide, dass er – mit 'einmal darüber wischen' – das Problem nicht beseitigen könne.Leichte Verfärbungen müssten mit abrasiven Werkzeugen mechanisch weggeschliffen und anschließend glatt poliert werden. Als er merkte, dass er damit nicht weit kam, scannte er die kleine Werkbank ab und berechnete eine andere Methode, die er schnell umsetzen konnte. Er würde sie nun als normalen Arbeitsdreck tarnen wollen, indem er Altöl, Schmierfett, mit etwas Ruß mischte und sich dies großzügig um die Verfärbung herum verteilte. Droiden in Frachtern liefen selten fabrikneu herum und eine 'schlecht gewartete' Chassis-Platte erregte ohnehin keinerlei Verdacht. Das Transportmittel hielt an, noch eilig die Finger vom Altöl und Schmierfett rudimentär befreit, stand er in seiner Halterung, kurz bevor das Rolltor des LKWs hochgezogen wurde. Seine Systeme für einen Wimpernschlag noch in Passivmodus versetzt, wirkte der orange Droide wie ein gewöhnlicher Kampfdroide, der durch die Gegend geschickt wurde. Pellon betrat die Ladefläche, aktivierte den Droiden, worauf sich seine orangen Photorezeptoren aktivierten. Kaum wurde der Droide aus dem Frachter gebracht, konnte der HK-Droide erkennen, wo sie waren. Sie befanden sich auf dem Verladedeck, sprich Warenannahme, wo sich auch gleich ein Droidentechniker - mit einem Padd bewaffnet - näherte, um sicherst einmal eine Zigarette anzuzünden und zu rauchen.

Während der Techniker sich mit dem Fahrer unterhielt, schaute sich der HK-Droide grob um, ohne zu neugierig zu wirken, und erblickte eine hydraulische Rampe, die ihn wohl tiefer ins Gebäude führen würde.Das Gebäude selbst erwies sich als große, industrielle Halle. Der Hof vibrierte vom Lärm schwerer Repulsor-Frachter, während überall Gabelstapler-Droiden standen, die Kisten voller Droiden-Ersatzteile und Energiezellen transportierten. An der Außenwand der Halle befanden sich massive Starkstrom-Koppler, die für die riesigen, klobigen Erntedroiden waren. Diese hingen an dicken Kabeln, um ihre Plasmabatterien im Schnellverfahren aufzuladen. Während der Droide die Frage mit anhörte, warum Ceres Defensive Logistics solch ein altes Modell hierher liefern ließ, antwortete der Fahrer nur gleichgültig: 'Keine Ahnung, ich bin nur der Fahrer.' Für mehr wurde er auch nicht bezahlt. Der Techniker murrte etwas und scrollte durch die Vorprüfungslisten, während der Fahrer die Waffenkassette herausholte und etwas drängte:

Pellon: „Was ist nun?! Kann ich ihn hier lassen oder soll ich den Auftragstornieren?! Mir ist das egal. Ich weise nur darauf hin, dass der ganze Papierkram nicht von mir gemacht wird. Hab gehört, dass dieses antike, robuste Ding Ceres bereits eine Menge Aufwand gekostet hat und sie nun die Testeinheit im Einsatz sehen wollen, ob es noch was nützt oder gleich verschrottet werden muss.“

Der Techniker schaut mit hochgezogenen Augenbrauen über sein Padd und schien die Erklärung zu schlucken. Immerhin beschäftigte sich niemand gerne mit ellenlangen Verträgen, Wartungspapieren und Bedienungsanleitungen veralteter, mehrfach stark modifizierterDroiden. Seufzend, zog der Techniker an seiner Zigarette, die er auch gleich wieder fluchend austreten musste, und murmelte was von: billiger Wachdroide, den er auf eine gefährliche Route schickenkönne. Für das Unternehmen wäre der Droide quasi eine Gratis-Arbeitskraft. Der Techniker winkte mehrfach ab und willigte ein, bestätigte den Erhalt des Droiden und ließ dem Droiden seinen Blaster geben. Aus Sicht des HK-Droiden war er kurz davor, aufzufliegen, doch schlussendlich siegte die Faulheit und Ignoranz der Fleischsäcke, unwissend, was sie sich ins Werk holten. Kaum war die orange Kampfeinheit bewaffnet, schickte der Techniker den Droiden auf eine Patrouille, rund ums Werk, während er selbst sich um andere Sachen kümmern musste. Als Pumpkin seine Route übermittelt bekam, drehte er sich einmal um, um seine angewiesene Route einschlagen zu können, und sah dabei auf das Verwaltungs-Haupthaus, das direkt neben der Annahmestelle stand. Hinter ihm war die gigantisch, offene Haupt-Wartungshalle, durch deren Hangartor er endlose Reihen von Diagnosestationen, mit dutzenden Ernte- und Wartungsdroiden starr im Dämmerschlaf stehen sah. Über deren Köpfe fuhren mechanische Greifarme von der Decke, um Werkzeuge oder Updates einzuspielen, während es in der Halle selbst intensiv nach heißem Ozon, Schweißbrennern und billigem Maschinenöl roch. Jetzt links von Pumpkin, war das Verwaltungs-Haupthaus, das hinter einer verglasten Schleuse ein steriles, neonbeleuchtetes Foyer hatte. Durch die Glasfront konnte er kurz faule Büroangestellte sehen, die wohl Verleihverträge tippten, und Protokolldroiden, die Akten sortierten.Das Verwaltungs-Haupthaus würde für ihn selbst uninteressant sein, doch die Haupt-Wartungshalle umso mehr. Die Frage war nur: Wann und wie gelangte er hinein?

Während seiner ersten Route, umrundete er die Häuser und Hallen, entlang des hohen Durastahlzaunes mit aktiven Scangittern. Dabei entdeckte er irgendwann einen Schrottcontainer, der wohl als Ersatzteillagerdiente. Ausgemusterte Droiden, Droidenteile oder wer weiß, was für Goldstücke da noch verborgen waren, würden einen weiteren Blick lohnen, doch wichtiger waren die umliegenden Überwachungskameras und Sensoren, die sowohl die Gebäude und Hallen, als auch die Verladeplätze und das Umland bewachten. Mit seinen verbesserten Sensoren, vernahm er die Reichweite der Kameras und Sensoren, während er bei gefühlt allen hundert Metern einen Statusbericht an die Zentrale liefernmusste. Zwar konnte er vereinzelte Sensorschatten und Lücken in deren Überwachung sehen, doch was ihm derzeit nervte, war die System-KI, die ihn an der kurzen Leine hielt. Also versuchte er es wieder mit einem 'Daten-Loop', indem er eine Reihe von absolut perfekten, unauffälligen Statusberichten aufzeichnete, während er normal den Außenbereich – fern der Kameras und Sensoren –ablief. Danach klinkte er seine Sendeeinheit virtuell aus und programmierte eine simple Zeitschleife, die vollautomatisch alle 100 Meter alte, aufgezeichnete Daten an die KI sendete. Er blieb einige Sekunden stehen, wartete ab, ob die KI das Schauspiel schluckte, und widmete sich dann anderen Dingen. Doch sollte die KI bemerken, dass etwas nicht stimmte, würde er den Loop abbrechen und den Weg wieder aufnehmen. Er könnte dann einfach mutmaßend erklären, dass wohl ein Übertragungsfehler vorlag und er immer noch auf der Route wäre. Sicherheitshalber folgte er seiner eigenen Spur, nur mit etwas Abstand, und scannte die Umgebung nach passenden Einfallstoren, an denen er sich zu schaffen machen konnte. Dummerweise gelangte er nach einer Weile an einen gelangweilten Wachmann, der am Zaun – wohl in einem toten Fleck der Sensoren – eine Zigarette rauchte. Der Fleischsack schaute verwundert zum 'neuen, billigen Wachdroiden', wie dieser präzise und untypisch militärisch marschierte.

Wache: „Hey, Droide! Alles in Ordnung?“

Der Blick der Wache war wachsam, aber stutzig. Pumpkin drosselte sofort seine Motoren, ließ seine Schultern etwas schlaffer herunterhängen und imitierte eine extrem dämliche, monotone Droidenstimme:

„Mitteilung: Fehlerfreie Patrouille wird fortgesetzt, Sir. Keine Schädlinge im Sektor 7 detektiert.“

Seufzend und kopfschüttelnd, ließ die Wache den orangen Droiden links liegen und ignorierte diesen, um weiter an seiner Zigarette rauchen zukönnen. Pumpkin selbst merkte sich die Stelle und ließ unauffällig – ohne den Kopf zu sehr zu bewegen – seine Sensoren über die Gegend gleiten, um zu bestätigen, dass dieser Ort wirklich ein blinder Sensorfleck wäre. Und ja, war es. Alleine im Außenbereich könnte er keinen direkten Zugriff erlangen, also musste er unweigerlich näher an das Hauptgebäude und dort über eine Schnittstelle in das System gelangen. Die System-KI war zwar immer noch eine Herausforderung, doch bestimmt könnte er diese über Umwege austricksen. Zunächst kürzte er seine Route ab und wollte seinen eigenen Loop einfangen, damit er sich zur Wartungsstation begeben konnte. Doch als er durch einen blinden Sensorbereich lief, stieß er auf einen neugierigen, kleinen, plappernden Ernte-Inspektionsdroiden, der sich erst frech in seinen Weg rollte und ihn dann gleich mit Fragen auf Binär löcherte. Fast wie in einem Verhör, fragte der Inspektionsdroide, wie der (angebliche) Wachdroide heiße, was deren Aufgabe sei, was er hier mache und was er nun vorhätte. Nicht nur, dass Pumpkin jetzt die Zeit im Nacken saß, störte der kopfgroße, kugelförmige Droide jetzt noch. Ohne wirklich zu stoppen, ging der HK-Droide weiter, antwortete auf die Fragen nur spärlich, während der Inspektionsdroide erklärte, dass die Militär-Signatur des Wachdroiden nicht zum Agrar-Profil passte.Nicht nur, dass der HK-Droide langsam seine Geduld verlor, lockte er die Einheit hinter einen Container, packte deren Körper und drückte diesen an die Containerwand, um dessen Speicher mit einem logischen Paradoxon (einer Endlosschleife) zu manipulieren. Der geschwätzige Droide verstummte sofort und regte sich nicht weiter. Eingefroren von der Logikschleife, verbuchte er dies als 'erfolgreiche Deaktivierung eines nervigen Fleischsack-Konstrukts', um schnell den letzten Standort seines Loops einzunehmen und den Loop aufzulösen. Rein visuell, hatte er sich einen groben Überblick über die Anlage gemacht, doch nun teilte er der System-KI mit, dass er sich aufladen müsse, was die System-KI nur bestätigte und bewilligte. Da sich Droiden mit toten Winkeln besser auskannten, als organische Wachen, hatte er sich – bei seinem Patrouillengang – auch schon eine Stelle ausgesucht.

Er ging zu einem Wartungsterminal an der Rückseite des Verwaltungs-Haupthauses, um sich ins System einzuklinken. Per Padd überspielte er ein Protokoll, das dem System vorgaukelte, er habe unerwartet von einem Arbeiter den Befehl erhalten, genau hier zuwarten. Kaum war seine digitale Tarnung aktiv, entfernte er in der Nähe ungesehen die physische Service-Klappe hinter einer Gitterblende, die direkt an den Hauptlüftungsschacht des Gebäudes grenzte. Mit einem leisen Zischen tauchte er in den Wartungsschacht ab, um – fern der Sensoren und Kameras – im Inneren nach der primären Datenader der Haustechnik zu suchen. In den engeren Kanälen legte er schließlich mit einem präzisen Schnitt seiner Unterarmklinge ein Kabel frei und klemmte sein Slicing-Padd an. Nun war er direkt mit dem zentralen Klimaanlagen- und Gebäudemanagement-Subnetz verbunden– dem perfekten, weil oft unterschätzten Sprungbrett für seinen Angriff. Zuerst nutzte er dieses Netz, um sich im Haupthaus umzusehen: Über die Sensoren der Kühlanlage lokalisierte er mühelos Anzahl und Standort jedes Fleischsackes im Gebäude und legte gleichzeitig die Routinen fest, um seine digitalen Spuren später ungesehen zu verwischen. Doch das war nur Beiwerk. Über das geteilte Netz des Gebäudemanagements überbrückte er die Barriere zu den Agrar- und Logistikprozessen und hackte sich direkt in das Subnetz der Wartungshalle. Physisch standen dort Hunderte Ernte-, Transport- und Düngerdroiden in endlosen Reihen starr in ihren Ladebuchten; über das virtuelle Netzwerk der Klimaanlage jedoch sah er die Einheiten als temporäre, halbtransparente Daten-Silos, die im schutzlosen Diagnose-Stand-by verharrten. Er nutzte die bestehende Verbindung zu den Ladestationen, um seine Schadsoftware über das Klimaanlagen-Netzwerk einzuspeisen. Er tarnte das Programm als harmloses Wartungsprotokoll der Haustechnik. Sobald die Ernte-Droiden das nächste Mal andockten, würde dieses Protokoll als vermeintliches System-Update auf sie überspringen. Der infizierte Kernbefehl war fatal: Anstatt das Grünzeug zu hegen und zu pflegen, würden die Ernte-Droiden jegliche Nutzpflanze als Unkraut einstufen und die Agrar-Landschaft dem Erdboden gleichmachen. Weiter, über manipulierte Transportmanifeste sollte sich das Virus von Droide zu Droide weiterverbreiten, bis die gesamte Logistik des Planeten zusammenbrach. Um den Sabotageakt abzurunden, nutzte er das Klimasystem gleich noch für einen physischen Coup: Er drang zu den Steuerungssensoren der Hallenbelüftung vor und veränderte dort keine Software, was die System-KI alarmiert hätte, sondern manipulierte die physischen Kalibrierungswerte. Die Sensoren meldeten nun minimale, falsche Abweichungen der Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Die Werte blieben exakt innerhalb der Toleranzgrenze, signalisierten den Systemen der Wartungshalle jedoch dauerhaft optimale Bedingungen, während sich an den Ladebuchten in Wahrheit bereits mikroskopische Kondensfeuchtigkeit bildete – die perfekte Sabotage, unsichtbar und absolut tödlich für die Elektronik. Weiterhin klingte er sich über das miserable Sicherheitssystem des Klimasystems ins Subnetz ein, um auf einen Ernte-Droiden zuzugreifen, der derzeit an einer Ladestation am Gebäude sich auflud. Diesen als 'Proxy' missbrauchend, verteilte er die Schadsoftware auf einige Wartungsterminals, Ladestationen und Kommunikationsschnittstellen, um das getarnte Firmware-Update – was in Wirklichkeit eine irritierte 'Freund-Feind-Kennung' war – aufzuspielen. Während die Sicherheits-Firewall der Hauptdatenbank des internen Subnetzes Alarm schlug und feststellte, dass wohl ein Ernte-Droide eine Fehlfunktion aufwies, wurde dessen Droiden-Signatur sofort den Wachen übermittelt, die – wie aufgescheuchte Hühner – über das Firmengelände rannten, um den Droiden und dessen Ladestation sofort abzuschalten. Während seine eigenen Spuren gelöscht waren, würde jede Spur auf den 'Software-Glitch' zum Ernte-Droiden zurückführen.

Nicht nur, dass er gefälschte Protokolle und gefälschte Liefermanifeste eingeschleust hatte, um die gesamte Logistik und Erntearbeit zu (zer-)stören, er hatte nicht nur den Ernte-Droiden den 'Befehl' gegeben, jegliche Ernte zu vernichten, sondern auch alle Droiden angewiesen, die Schadsoftware weiter zu verteilen und Erntetransporter an Orte zu schicken, wo sie nicht hingehörten. Innerhalb weniger Tage würde Agamar vor einer Nahrungskrise stehen. Doch bevor er sich aus dem System zurückziehen würde, stieß er zuvor noch auf eine interessante Datenbank von Mandanten mit Sicherheitsarchitekturen aller Kunden. Zuvor hatte er in der Lobby gesehen, wie die organischen Bürokraten – mithilfe von Protokolldroiden – allerlei Verträge tippten, und an diese Daten wollte er gelangen. Schnell stellte sich heraus, dass er von hier nicht auf die Daten zugreifen konnte, doch wenn er tiefer in das logische Herz des Verwaltungsgebäudes vordringen würde, könnte er anderswo zugreifen. Da solche sensiblen Daten nicht auf dem öffentlichen Haustechnik-Netz lagen, sondern im zentralen Datenkern (Mainframe) der Verwaltung, geschützt durch eine extrem starke Firewall, musste er nur bis zum Serverraum kriechen. Der Lüftungsschacht führte ihn entlang der Rohre einfach bis zum Sammelpunkt, wo die Hauptdatenleitung mit den dicken Kühlungsrohren der Klimaanlage zusammentraf. Hier musste er nicht mal direkt in den Raum gelangen, da das Anzapfen der Datenleitung, welche direkt in den Serverraum führte, komplett ausreichte. Da die Haustechnik (also Klimaanlage) und die Kundendatenbank auf getrennten Systemebenen waren, brauchte er eine Brücke. Durch seinen vorherigen Hack, fingen einige Systeme der Belüftungssensoren an, verrückt zu spielen, und die Ladestationen der Ernte-Droiden meldeten die ersten Fehler. Die System-KI der Verwaltung war nun mit Diagnoseprotokollen beschäftigt, worauf er ein legitimes Wartungsprotokoll – also ein System, das bei Überhitzung der Server automatisch Sicherheitsberichte an die Verwaltung schickte – um die Firewall zu tunneln. Er infizierte den Server, der für die Raumkühlung zuständig war, und arbeitete sich von dort aus in den eigentlichen Datenbank-Server vor. Da er nicht massenhaft alle Daten herunterladen konnte, ohne die Bandbreitenüberwachung zu alarmieren, baute er eine permanente Backdoor ein, um über einen legalen, dauerhaften Kommunikationskanal die Daten zu senden. Da das Verwaltungsgebäude ständig automatische Logistikberichte, Steuerdaten oder Backups über das HoloNet-Relais an übergeordnete Behörden sendete, nistete er sich übr das HoloNet-Transmitter-Modul ein und modifizierte deren ausgehenden Datenstrom minimal, indem er die sensiblen Kundenakten in den regulären, langweiligen Fracht- und Agrarberichten einhängte und mitsendete. Für die lokale Überwachung sah es nach normalem Datenverkehr aus. Doch gleichzeitig programmierte er einen versteckten 'Zuhörer'-Port, damit er später von einem anderen Ort aus, über das HoloNet, ein bestimmtes, scheinbar fehlerhaftes Datensignal ('Trigger-Code') an dieses Gebäude senden konnte, damit das modifizierte Modul eine verschlüsselte Verbindung aufbaute und er darüber die gewünschten Updates über die Sicherheitslücken der Kunden bekam. Fortan würde das System bei jedem regulären Datenabgleich die sensiblen Kundenprofile häppchenweise und tief verschlüsselt ins HoloNet einspeisen, versteckt im digitalen Rauschen der Agrar-Manifeste. Mit diesen Daten hatte der HK-Droide eine detaillierte digitale Akte über die Sicherheitsarchitektur und Schwachstellen aller ihrer Kunden, ein Verzeichnisbaum, streng nach Firmennamen geordnet. Damit konnte er die exakten Spezifikationen der Sicherheitsbarrieren, Verschlüsselungscodes und Admin-Passwörter jedes Agrarriesen auf Agamar sichtbar machen, alle Wartungsprotokolle der Firmen auflisten, welche gerade defekte Sicherheitsdroiden hatten, und zeigen, wo die Sensoren der Düngersilos fehlerhaft waren. Letzteres war für ihn sehr interessant, weil seine letzte Baustelle ein Düngersilo sein würde. Doch nun hatte er eine Blaupause für den technologischen Zusammenbruch des gesamten Planeten, wo die Schwachstellen der anderen Firmen lagen – damit Passwörter und Schwachstellen fein säuberlich angesammelt – damit er auch seinen nächsten Job ausführen konnte. Doch bevor er hier seine Arbeit abschloss, bereitete er eine Nachricht an Ivor vor, übermittelte diesen die Adresse zum Unternehmen und den Zugang zum Hintereingang, mit dem 'Trigger-Code', damit das Unternehmen – kleckerweise – die Informationen an Ivor senden konnte. Natürlich müsste Ivor aus den Unmengen an Daten, die verschlüsselten, angehängten Informationen suchen, doch mit diesem Einfallstor und etwas Zeit, hätte Ivor eine 'Einnahmequelle' zum Credits generieren. Abgesehen von dem 'Trigger-Code' – bestehend aus einem fehlerhaften Protokoll, mit langen Texten, Buchstaben und Zahlen –, sendete er dem Fleischsack von Thuggatoris noch den Hinweis: 'Nicht gierig!' Die Datenmengen, die gesendet werden mussten, waren schon immens, und um brauchbare, vollständige Informationen zu bekommen, bräuchte es wohl bestimmt 2–3 Übermittlungen, ohne dass die Unternehmens-Sicherheitssysteme etwas bemerkten. Doch der HK-Droide setzte voraus, dass der Fleischsack schlau genug war, dies zu verstehen. Zuletzt, löschte er alle Zugänge und Spuren seiner Bewegungen und zog das Kabel seines Slicing-Padds ab.

Gerade, als er aus dem Schacht kroch und sich Gedanken machen wollte, wie er vom Ort des Verbrechens fliehen konnte, ertönte ein durchdringender Alarm auf dem gesamten Werkshof. Es schien so, als hätte die System-KI etwas bemerkt. Anscheinend hatte der HK-Droide die System-KI unterschätzt, weil diese beim forensischen Abgleich eine Unregelmäßigkeit im Klimasystem und den Zugriff auf die Subsysteme bemerkt hatte. Beim Abgleich des Zeitpunkts der ersten Anomalie mit den Systemprotokollen des Wartungsterminals, bemerkte die System-KI ein gefälschtes Protokoll. Aber es war nicht die Schadsoftware selbst, sondern das anfängliche Protokoll, das er als Tarnung einschleuste, das er – aufgrund eines Befehls eines Arbeiters – dort warten solle. Jeder Droide hinterließ beim Slicing einen digitalen Fußabdruck, in diesem Fall seine spezifische Hardware-Signatur, worauf die System-KI provisorisch seine Droiden-ID digital sperrte und ihn auf eine 'globale Blacklist' im Komplex setzte. Alle lokalen Netzwerke, Türen, Aufzüge und Terminals wurden für ihn gesperrt und nun als 'defekte/feindliche Einheit' markiert. Doch zu spät. Der Schaden war implementiert und bald angerichtet. Automatisch wurde ein Notfall-Rücksendeauftrag an die Herstellerfirma – die auf dem gefälschten Lieferauftrag stand – eingeleitet. Die System-KI notierte im Logbuch für die menschlichen Verwalter, dass der 'Kampfdroide zur Piratenabwehr' während des ersten Testlaufs wohl einen Systemabsturz, aufgrund 'Software-Konflikte' mit der lokalen KI hatte und daher sofort zurück in die Fabrik geschickt werden müsse, bevor dieser Amok liefe. Direkt von der System-KI, wurde ihm der Befehl erteilt, sich sofort an die Warenannahme Drei zu bewegen und sich dort vom Transporteur friedlich entwaffnen und aufladen zu lassen, damit die Einheit zum Hersteller zurückgesendet werden konnte. Für den HK-Droiden kam der Moment nur sehr günstig, denn für ihn war der Auftrag erledigt. Dass seine ID nun 'verbraucht' war, war kein Weltuntergang. Immerhin hatte er noch eine zweite ID, die er für das Düngermittel-Silo noch gebrauchen konnte.

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