Artek III

Kommend aus dem Weltraum (Imperium)

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Das Erste, was Leto sah, als er die Kabine verließ, war das bleibe Gesicht des Diebes, der nervös in Richtung der Tür geschaut hatte. Einen Moment lang begegnete Leto seinem Blick, ignorierte ihn dann jedoch. Auch jetzt hatte er absolut keine Lust sich mit dem absolut irrelevanten Typen zu beschäftigen und nur dass er nun auf den Beinen war, hatte daran nichts geändert. Grade wollte er sich ganz abwenden, da ertönte plötzlich die mechanisch verzerrte Stimme von UX-23:

„Du bist also auch noch anwesend, Sikarius.“

Leto stöhnte.

„Ich hätte dich auf Nkllon lassen sollen…“

, gab er nach einigen Sekunden als Antwort zurück. Der Droide sah scheiße aus. Richtig scheiße. Schlimmer als auf Nkllon, wenn man das so sagen wollte. Doch schien der Dieb ganze Arbeit geleistet zu haben, die Maschine wieder notdürftig fitzumachen. Noch immer hing das Ding schief in der Luft, aber immerhin spuckte es keine Funken mehr. Dafür sah es an allen Enden aufgerissen und wieder geflickt aus, in einem Sammelsurium improvisierter Reparaturen, die Leto nicht einmal beginnen konnte nachzuvollziehen.


„Das wäre ein schwerer Fehler gewesen.“

, dröhnte es aus dem Vokoder. Leto rollte die Augen, schwieg dann jedoch. Der Droide hatte Recht und vermutlich musste er ihm sogar dankbar sein, nicht vor dem Schüler den Grund zu enthüllen, warum.

Mit langsamen Bewegungen trat Leto auf die noch immer geschlossene Laderampe zu und lehnte sich müde gegen die Seitenwand. Nur entfernt konnte er eine Schweißnaht in der Wand durch den dicken Stoff des nklloner Exoanzugs spüren, den er noch immer nicht ausgewechselt hatte. Eine Weile lang geschah nichts. Leto konnte nicht sagen ob Sekunden, oder Minuten verstrichen. Vielleicht auch länger. Wer wusste das schon? Das Einzige, was er schließlich bemerkte, war eine leichte Erschütterung des Schiffes und das Zischen der Laderampe, als sie sich schließlich zu öffnen begann.

Artek III lag so vor ihm, wie er es verlassen hatte. Wind peitschte kalten Regen auf die Rampe und ging in Böen auf das gesprungene Landefeld nieder. Es bedurfte keiner geringen Kraftanstrengung – für Leto – sich von der Wand zu lösen und mit schweren Gliedern hinabzustaksen. Doch es hatte sich gelohnt. Nach der Hölle Nkllons genoss er das kalte Wasser, das Augenblicklich damit begann in den oben offenen Anzug zu fluten, wie einen alten Freund. Mit geschlossenen Augen blieb er einige Momente auf dem Landefeld stehen und genoss. Erst dann sah er sich um, um sich zu orientieren.

Sie waren auf dem Landefeld der Garnison angekommen, die grau und klobig vor ihnen aufragte. Manche Teile des Gebäudes waren in eine alte Kirche längst vergessener Eingeborener gebaut worden, andere hatten die neuen Hausherren erst dazugebaut. Alle wurden sie durch dicke grünen Ranken umwunden und von der Natur zurückgefordert. In Letos Rücken ragte die Klippe des zerstörten Sith-Tempels auf. Manche Teile sahen fast intakt aus, während andere bis auf die Grundmauern von orbitalem Feuer pulverisiert worden waren. Halb geschmolzene Durastahlstreben reckten sich wie vielfach gebrochene Finger in den wolkenverhangenen Himmel. Alle Fenster waren dunkel, die meisten Scheiben eingeschlagen. Es war die einzige Heimat, die Leto benennen konnte.

Schließlich, nach gefühlt einer halben Ewigkeit, setzte er sich in Bewegung. Der Weg ins Dorf führte außen rum, über einen schlammigen Trampelpfad. Angehörige des Militärs konnten die Abkürzung durch die Garnison nehmen, doch offensichtlich hatte man sie nicht als derart wichtig eingestuft. Nicht einmal ein Empfangskomitee hatte sie auf dem Landefeld erwartet. Schweigend ging Leto den Pfad entlang, UX-23 und den Schüler im Schlepptau.


„Dies ist die Hauptstadt von Artek III. Törcsván.“

, erklärte der Droide dem Dieb leise, während Leto nur die Augen rollte. Eine schöne Hauptstadt war das. Hier wurden so dicke Anführungszeichen benötigt, dass das Wort darunter nicht mehr erkennbar wäre. Es dauerte keine fünf Minuten das Dorf zu umrunden, dann betraten sie den kleinen Marktplatz von der richtigen Seite. Noch immer standen rostige Pfähle um seinen Rand herum im Kreis, auch wenn inzwischen ein oder zwei mehr als beim letzten Mal zu Boden gefallen waren. Hier wartete auch dann das Begrüßungskomitee auf sie.

Die ganze spärliche Bevölkerung Törcsváns war grade im Begriff sich auf dem kleinen Platz einzufinden, zurückgehalten von gefühlt achteinhalb Soldaten der Garnison. Insgesamt konnten es nicht mehr als zweihundert Anwesende diverser Spezies sein, die missbilligend, aber schweigend auf die Neuankömmlinge starrten. Die meisten von ihnen identifizierte Leto als Zuguruk diverser Hautfarbe, auch wenn er einzelne Menschen und eine Handvoll Zygerrianer unter ihnen erkannte. Keiner von ihnen sah freundlich aus.


„Darth Sikarius hat sich während seiner Anwesenheit hier keine Freunde gemacht.“

, kommentierte der Droide und fügte nach einer kurzen Pause in Letos Richtung hinzu:

„Uns wurden Zimmer Bei Rousseaus zur Verfügung gestellt.“

Kaum merklich nickte er und lenkte seine Schritte in Richtung des örtlichen Pubs. Vor seinem Eingang überspannte eine Plane, die ein erfinderischer Geist an zwei der rostigen Pfähle gebunden hatte, einen Außenbereich. Ohne, dass die Soldaten viel tun mussten, machten die Einwohner Törcsváns eine Gasse frei. Leto beachtete sie nicht. Sie waren irrelevant. Genauso irrelevant wie der Dieb – nein eigentlich noch irrelevanter. Entsprechend sah er auch die Flasche nicht kommen, die schlecht gezielt (oder vermutlich gut) seinen Kopf knapp verfehlte und splitternd auf dem unregelmäßigen Kopfsteinpflaster zerschellte. Ein kollektives Keuchen ging durch die Menge und die Soldaten begannen Anweisungen zu rufen, doch das hätte es gar nicht gebraucht. Während Leto langsam den Kopf hob und sich suchend nach dem Übeltäter umsah, löste die Menge sich bereits auf wie Schnee im Sommerregen. Niemand begegnete seinem Blick und ein paar Herzschläge später waren nur noch die Soldaten Anwesend.

„Keine Freunde, eh? Aber Schiss haben ’se trotzdem.“

, kommentierte Leto trocken und ging weiter. Einen Moment später hatte er den ‚überdachten‘ Außenbereich des Pubs erreicht und betrat das warme Gebäude. Einer der menschlichen Dörfler – vermutlich Rousseau – erwartete sie bereits und verwies mit einem Kopfnicken auf zwei Zimmer im Erdgeschoss.


„Ich werde in der Garnison zu Reparaturen einkehren.“

, erklärte der Droide in Richtung des Diebes, bevor er an Leto gewandt hinzufügte:

„Morgen wirst du damit beginnen ihn auszubilden.“

„Leck mich am Arsch. Mal schauen.“

, gab der Angesprochene zurück und verschwand in der geteilten Nasszelle, um endlich den Schmutz Nkllons abzuwaschen.


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Das Shuttle setzte mit einem tiefen, vibrierenden Dröhnen auf, ganz anders als die hastige Landung auf Nkllon. Hydraulik ächzte, Magnetklammern griffen, und für einen Moment schien das Schiff selbst den Atem anzuhalten. Dann folgte ein scharfes Zischen, als die Landeplattform sich senkte und Stück für Stück freigab, was darunter lag: kein gleißender Feuerhorizont, keine flirrende Hitze, sondern nasser Stein, dunkles Holz und das matte Grün von Ranken, die sich über alte Mauern zogen. Regen fiel schräg aus einem bleigrauen Himmel, kühl und stetig, und mit ihm offenbarte sich ein Ort, der nicht brannte, sondern verrottete. Damit war Artek III auf eine Weise lebendig, die fast unheimlicher war als jede Hölle, denn ihre Lebendigkeit speiste sich aus der Vergänglichkeit.

Der Sith, der sich seinen Meister schimpfen wollte, würdigte ihn nur eines gefühlt ewigen Blickes, der aber konsequenzlos blieb.
Teneb Dask folgte ihm und dem Droiden schweigend. Es war nicht Gehorsam im klassischen Sinn, sein Körper hatte längst begriffen, was sein Verstand noch zu sortieren versuchte: Widerstand hatte hier keinen Ort, an dem er sich sinnvoll hätte entfalten können. Artek III empfing sie mit Regen, kalt und unablässig, und jeder Tropfen fühlte sich an wie eine Erinnerung, die er nicht bestellt hatte. Nkllon war noch nicht aus ihm heraus, nicht aus den Muskeln, nicht aus dem Atem. Der metallische Nachhall von Hitze, Blut und verbrannter Luft hing ihm noch immer im Rachen, während der Regen über seinen Mantel lief und ihn bis auf die Haut durchnässte.
Er registrierte
Darth Sikarius' Haltung nur am Rande. Wie der Sith sich an die Rampe lehnte, wie er den Regen genoss, als sei er Belohnung und nicht bloß ein weiteres Extrem. Wie selbstverständlich er diesen Ort beanspruchte, diese Ruinen, diesen verfallenen Tempel im Rücken, als wären sie Verlängerungen seiner selbst. Heimat. Das Wort stach, obwohl es nicht ausgesprochen wurde. Teneb hatte lange keine Heimat mehr gehabt, aber selbst ihm war klar, dass das hier keine war, sondern ein Grab, das gelernt hatte, aufrecht zu stehen.
Der Weg durch das Dorf war kurz, beschämend kurz. Törcsván war kaum mehr als ein Reflex der Garnison, ein Anhängsel aus rostigem Metall, Schlamm und Blicken, die offen sagten, dass sie ihn nicht wollten. Dass sie ihn alle nicht wollten. Der Umbaraner kannte die Blicke, spürte die Feindseligkeit wie ein elektrisches Feld auf der Haut, doch sie galt nicht ihm. Nicht primär. Sie galt dem Schatten, der vor ihm ging. Dem Namen, den niemand aussprach.
Darth Sikarius.

Als die Flasche zerschellte, zuckte
Teneb unwillkürlich zusammen. Nicht aus Angst vor der Geste, sondern wegen der Selbstverständlichkeit, mit der sie verpuffte. Ein Akt des Widerstands, klein, wirkungslos, sofort verschluckt von der Erkenntnis, dass Mut hier nur ein anderes Wort für Selbstmord war. Die Menge wich zurück, löste sich auf, und zurück blieb nichts als nasser Stein und Soldaten in Uniform. Der Slicer a.D. verstand: So sah Herrschaft aus, wenn sie nicht glänzte. Nicht Jubel, schon gar nicht Loyalität. Nur Furcht und Abscheu, sorgfältig voneinander getrennt und daher eine stumpfe Form von Autorität und Macht. Was ihn überraschte war, wie belanglos dieser schwache Akt des Widerstands von Sikarius notiert wurde. Eine zahnlose Entgegnung, kein Massaker. War der Sith zu müde? Fehlte es ihm an Lebensenergie, die er anderen entnehmen konnte? Das wäre doch ein perfektes Mahl gewesen. Durfte er vielleicht gar nicht? Er erinnerte sich an den verbalen Schlagabtausch zwischen dem Sith und dem Droiden, der ihn herumkommandieren durfte. Für den Umbaraner wurden mehr Fragen aufgeworfen als Antworten zur Verfügung standen, doch dämmerte es ihm, dass er zeitnah keine Antwort darauf erhalten würde. Es blieb ihm nur zu beobachten.

Im Inneren des Pubs war es warm. Zu warm. Der Geruch von altem Fett, Alkohol und feuchtem Holz legte sich über ihn wie eine Decke, die er nicht abschütteln konnte. Zwei Zimmer. Erdgeschoss. Praktisch. Zweckmäßig. Alles an diesem Ort schien darauf ausgelegt, das Leben nicht zu verbessern, sondern es gerade so zu dulden. Als
UX-23 erklärte, er werde in die Garnison zurückkehren, spürte Teneb einen kurzen, irrationalen Stich von Unsicherheit. Der Droide war… berechenbar. Kaputt, ja, aber berechenbar. Was blieb, war Sikarius und er. "Lass mich nicht alleine" schoss es dem Umbaraner durch den Kopf, als er sah, wie UX-23 mit seinen beschädigten Repulsorantrieb wackelig davontrieb.

Morgen wirst du damit beginnen, ihn auszubilden.

Der Satz hallte in ihm nach, lange nachdem der Droide sich entfernt hatte. Dieser einfache Satz, der für andere wie eine Erlösung und die Erfüllung ihrer Träume klingen mochte, schmeckte für
Teneb nach einem Verdikt. Ausbildung. Macht. Sith. Worte, die Gewicht hatten, obwohl er sie noch nicht verstand. Oder vielleicht gerade deshalb. Teneb blieb einen Moment im Flur stehen, während Sikarius bereits in der Nasszelle verschwand, und starrte auf seine eigenen Hände. Dieselben Hände, die Castor getötet hatten. Dieselben Hände, die das Leben der Ubese beendet hatten. Hände, die gelernt hatten, dass Leben etwas war, das man nehmen konnte und dass es einen veränderte, selbst wenn man es musste. Er dachte an das, was Sikarius ihm in der feurigen Hölle von Nkllon gesagt hatte: Angst. Abscheu. Hass. Bewahr sie dir gut auf. Teneb spürte sie alle. Der Bleiche atmete langsam aus und zwang sich, einen Schritt weiterzugehen. In sein Zimmer. In diese neue Realität. Er wusste nicht, ob das Wort Meister, das er zuvor ausgesprochen hatte, ein Lippenbekenntnis gewesen war oder der erste Stein eines Käfigs, den er selbst mitgebaut hatte. Vielleicht beides. Sicher war nur eines: Morgen würde beginnen, was immer es bedeutete, ein Sith zu werden. Und irgendetwas in ihm, tief vergraben und zutiefst angewidert von sich selbst, wusste bereits, dass dieser Weg nicht mehr zurückführte.

Teneb schloss die Tür zu seinem Zimmer leise hinter sich. Das Schloss klickte unscheinbar, beinahe höflich, und doch klang es in seinen Ohren wie ein endgültiger Punkt. Der Raum war klein, schmucklos, mit einem schmalen Bett, einem Metalltisch und einer Lampe, deren Licht zu kalt war, um Trost zu spenden. Es roch nach feuchtem Holz und altem Rauch, nach etwas, das nie ganz trocknete. Trotzdem war es sein Raum. Für den Moment. Ein abgegrenztes Volumen, in dem nichts von ihm verlangt wurde. Er lehnte die Stirn gegen die Tür und atmete. Ein, aus. Langsam. Kontrolliert. Wie er es auf Umbara gelernt hatte, lange bevor Namen wie Sikarius oder UX-23 überhaupt für ihn existiert hatten. Der Regen trommelte gedämpft gegen die Außenwand, ein gleichmäßiges, fast beruhigendes Geräusch. Für einen Augenblick stellte er sich vor, es sei möglich, einfach hier stehen zu bleiben. Den Körper ruhen zu lassen. Den Geist anzuhalten.
Doch selbst in der Stille war er nicht allein. Durch die dünnen Wände drangen Geräusche: Schritte auf dem Flur, das ferne Gurgeln von Wasserleitungen, schließlich das unverkennbare Zischen der Dusche, als sie in Betrieb genommen wurde. Teneb richtete sich auf. Sein Körper reagierte schneller als sein Denken. Instinkt. Vorsicht. Warten. Er zog den Mantel aus, legte ihn sorgfältig über den Stuhl, als ließe sich Ordnung erzwingen, wo innerlich alles zerfasert war. Darunter klebte die Kleidung noch immer an ihm, steif vor getrocknetem Schweiß, Staub und der feinen, allgegenwärtigen Asche Nkllons. Er roch nach dem Planeten. Nach Hitze. Nach Angst. Nach Dingen, die kein Wasser der Galaxis je ganz fortspülen konnte.

Als das Wasser auf dem Gang verstummte und schwere Schritte sich entfernten, wartete er noch. Zählte innerlich, ohne Zahlen. Erst als die Stille sich gesetzt hatte, öffnete er die Tür einen Spalt, lauschte und trat hinaus. Der Flur war leer. Die Duschen lagen am Ende, nüchterne Kabinen aus Metall und Fliesen, funktional bis zur Trostlosigkeit.
Teneb schloss die Tür hinter sich, drehte den Regler auf. Kaltes Wasser prasselte aus der Leitung, hart und unerbittlich. Er zog die Kleidung aus, Stück für Stück, und ließ sie achtlos zu Boden fallen. Als das Wasser seine Haut traf, sog er scharf die Luft ein. Der Kälteschock war willkommen. Er war real. Greifbar. Etwas, das nicht log, nicht drohte, nicht beobachtete.
Der Staub löste sich zuerst. Graue Schlieren liefen über seine Schultern, sammelten sich am Abfluss wie ein stummer Beweis dafür, dass Nkllon ihn tatsächlich losließ. Schweiß folgte, der salzige Film aus Anspannung und Überleben. Er rieb die Haut, bis sie brannte, fuhr sich über die kahle Kopfhaut, über den Nacken, den Rücken, als ließe sich mit genügend Druck alles abtragen, was sich dort festgesetzt hatte. Das Wasser wurde klarer. Sauberer.

Doch je länger er dort stand, desto deutlicher wurde die Grenze dessen, was Reinigung leisten konnte.


Castors Gesicht tauchte auf, ungebeten. Der Moment des Zögerns. Der Schuss. Die Erkenntnis, dass Leiden kein Versehen gewesen war, sondern eine Entscheidung. Dann die Ubese. Die Hitze. Ihr Blut. Die Worte, die er gesprochen hatte, leise, fast zärtlich, und die Wahrheit dahinter: Ich oder du. Keine Heldentat. Keine Notwehr im romantischen Sinn. Nur eine Wahl, die ihn zum Überlebenden gemacht hatte und damit zum Träger dessen, was er genommen hatte. Er legte die Stirn gegen die kühlen Fliesen und schloss die Augen. Das Wasser rann über ihn hinweg, unaufhaltsam, gleichgültig. Es konnte Staub entfernen. Dreck. Schweiß. Es konnte ihn äußerlich von Nkllon lösen. Aber es kam nicht an das heran, was tiefer saß. An die Essenzen, die er ausgelöscht hatte und die nun, ob er wollte oder nicht, an ihm hafteten. Als Erinnerungen. Als Verantwortung. Als stumme Zeugen. Teneb war sauber, als er den Hahn zudrehte. Seine blasse Haut war gerötet, seine Hände zitterten leicht. Doch in seinem Inneren blieb etwas zurück, unbeweglich wie ein Schatten, der sich nicht von der Lichtquelle trennen ließ. Er trocknete sich ab, zog frische Kleidung an und trat zurück in den Flur.

Der Weg, den er beschritten hatte, ließ sich nicht abwaschen. Und tief in ihm wusste er: Morgen würde er lernen, diesen Makel nicht loszuwerden, sondern ihn zu benutzen.


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Am nächsten Tag stand die Sonne schon tief, als UX-23 es endlich schaffte Leto durch stetes Nerven dazu zu bewegen, einen Gedanken an die Ausbildung des Diebes zu verschwenden. Über Stunden hatte die dumme Maschine wohl nichts Besseres zu tun gehabt, als ihn mit steten Befehlen und irgendwann einfach nur noch ohrenzersetzenden Pieptönen dazu zu bewegen endlich aufzustehen. Die Beinahezerstörung schien UX-23, wenn überhaupt noch anstrengender gemacht zu haben und fast war Leto schon ein bisschen beeindruckt von sich selbst, doch so lange durchgehalten zu haben. Steter Tropfen höhlte Stein, oder wie sagte man so beschissen? Heute fühlte er sich immerhin etwas besser als über die letzten Tage hinweg.

Also hatte er sich dann doch widerwillig aufgerappelt und hatte die kratzigen Sith-Roben angezogen, die gestern bei seiner Ankunft im Zimmer bereits auf ihn gewartet hatten. Vor seiner Tür an der Bar wartete schon seit einer Weile ein inzwischen kaltes Mittagessen, das er mehr aus Gewohnheit, als aus Hunger verschlang und schließlich den Blick seiner ungleichen Augen dem Dieb zuwandte. Auch dieser hatte seinem neuen Berufsstand entsprechende Kleidung angelegt und schien unter dem schweigenden Starren seines Meisters in sich zusammenzufallen. Leto schnaubte belustigt.


„Is mir immer noch ‘n Rätsel wie du es geschafft hast mir bis hierher nachzurennen.“

, kommentierte er und hob sein Messer, um sich damit eine überlebende Faser des undefinierten Gulaschs aus den Zähnen zu pulen, den Rousseau ihm aufgetischt hatte.

„Mickriges Ding das du bist. Nkllon hätte dich am Spieß braten und als Happen für zwischendurch verspeisen können, aber neee… Jetz muss ich meine Zeit mit dir verschwenden.“

Leto stützte sein Kinn in seine bionische Hand, betrachtete seinen Schüler lustlos. Schließlich stand er auf.

„Dann komm. Wenne schnell genug lernst kann ich dir nicht mehr einfach so den Hals umdrehen, wenn mir mal die Hand ausrutscht. Dann macht UX sich vielleicht nicht mehr so ins Hemd.“

Draußen war das Wetter deutlich besser als am vergangenen Tag. Einzelne Tropfen fielen in unregelmäßigem Takt, doch lugte eine goldene Nachmittagssonne durch Löcher in der unsteten Wolkendecke. Dunkel und bedrohlich ragte die Ruine des Sithtempels über dem Dorf auf, heute auch noch passend eingerahmt, von dem großen roten Rund des Gasriesen, den Artek III mit stetem Orbit umkreiste. Einige Dörfler waren grade auf dem Platz vor dem Pub, doch zogen diese sich hastig in ihre Behausungen zurück, als Leto ins Freie trat. Wie gestern auch ignorierte er sie.

Die Schritte der Sith führten sie über denselben Weg, auf dem sie gestern gekommen waren. Zur Seite des Dorfes hinaus und in Richtung des Landefeldes zurück. Bevor sie es jedoch erreicht hatten, bogen sie ab auf einen überwucherten Trampelpfad bergauf. Wasser hing in dicken Tropfen an den hüfthohen grünen und gelben Grashalmen, hängte sich jedoch, wie es schien, noch viel lieber an den schwarzen Stoff der Sithroben, während sie die Klippe hinaufstapften. Niemand sagte etwas und so waren die einzigen Geräusche ein stetes Zirpen kleiner Tiere in der Vegetation. Ab und an huschte ein Schatten kleiner Flugwesen über ihre Köpfe hinweg.

Nahe dem Dorf war der Trampelpfad einigermaßen angenehm zu gehen. Nach einigen hundert Metern jedoch wurde es immer steiniger. Einzelne verdrehte Bäume krallten ihre Wurzeln in den Boden und machten ihren Weg trügerisch. Meterbreite, mit Wasser gefüllte Krater taten sich immer wieder vor ihnen auf, von denen ein schaler, abgestandener Geruch ausging. Der Trampelpfad schlängelte sich um sie herum, was ihren Marsch nur verlängerte. Grade war ‚Sommer‘ und besonders um die Krater herum war die Luft erfüllt von paarungswilligen Insekten, die nicht den Selbsterhaltungstrieb hatten, sich von den Sith fernzuhalten.

Erst in der Nähe des Tempels wurde es besser. Leto konnte das zerstörte Bauwerk nicht mehr auf dieselbe Weise spüren wie früher, doch stellten sich seine Nackenhaare trotzdem auf, als sie endlich den alten Prachtgarten erreichten. Hier gab es mehr Krater, aber doch summten paradoxerweise weniger Insekten durch die Luft. Das Gras an diesem Teil des Hanges war kurz und braun und tat nur wenig, um die zerschmetterten Statuen vergangener Sith unter sich zu begraben. Einst war dieser Ort einer der prächtigsten Teile des Tempels gewesen, heute glich der Garten jedoch eher einem Friedhof. Vermutlich verbargen sich sogar zwischen den Steinen auch die sterblichen Überreste der alten Bewohner.


„Willkommen im alten Orden.“

, sagte Leto unvermittelt in Richtung des Diebes und blieb stehen. Vor ihnen ragte die Tempelruine auf. Hinter ihnen gab die Landschaft den Blick auf eine fruchtbare grüne Ebene auf der einen Seite und das peitschende Meer auf der anderen Seite frei. Die wenigen Häuser Törcsváns wirkten wie unten auch: Unwichtig.

„Du kommst ein paar Jahre zu spät fürchte ich. Ich aber auch.“

Leto grinste.

„Dieser Ort war zerstört, bevor mein alter Meister auch nur daran dachte mich aus den Lüftungsschächten von Taris zu pulen. Aber ganz ehrlich? Ich bevorzuge den Look.“

Mit knackenden Gliedern streckte Leto sich für einen Moment und trat dann auf die Beine und Unterleib einer Statue zu. Wer auch immer dies einmal gewesen sein mochte, war lange nicht mehr nachvollziehbar, der Torso lange geschmolzen in unerbittlichem orbitalem Feuer. Kurioserweise standen die Beine noch. Für einen Moment schaute Leto sich suchend um, bückte sich und zog einen halb überwucherten Kopf aus einem flachen Krater. Der steinerne Rodianerschädel hatte einmal eine Kapuze getragen, doch war von diesem Teil nicht mehr viel erhalten. Mit einem Klacken stellte Leto den Kopf unsicher auf die Bruchkante der zerstörten Statue.

„Du willst also Sith werden.“

, begann er langsam und warf seinem Schüler einen gelangweilten Blick zu.

„Was mich von denen da unten“

Vage gestikulierte er in Richtung Törcsván.

„unterscheidet, ist die Macht. Jetzt grade bist du wie die da unten. Wie deine kleinen Freunde auf Nkllon, wie die Ratte, die du abgeknallt hast. Du könntest ein Hund sein, aber du gibst dich mit der Existenz eines Nagetiers zufrieden…“

Für einen Moment überlegte Leto. Irgendwie hatte die Metapher sich ausgesprochen nicht so gut angehört wie in seinem Kopf.

„Was ich damit sagen will… wenn du lernst die Macht zu benutzen, wirst du mehr werden, als du dir in deinem mickrigen Leben jemals zu erträumen gewagt hast. Schau mich an. Bevor ich ein Sith war, war ich ein dummer W*xer.“

Leto stieß ein freudloses Lachen aus.

„Und jetzt? Bin ich immer noch ein dummer W*xer. Aber immerhin mit Droiden im Nacken, der mich dazu zwingen soll, etwas aus meinem Potential zu machen. Bist du auch ein dummer W*xer? Ich glaube nicht. Jetzt stell dir vor was aus dir werden kann.“

Irgendwie hatte er den Faden verloren, bei was auch immer er hatte sagen wollen. Genervt zuckte er die Schultern. Je schneller er fertig wurde, desto schneller ging ihm der dumme Droide nicht mehr auf den S*ck.

„Jedenfalls… lernst du heute auf dein Potential zuzugreifen. Wir fangen mit dem Machtstoß an, das ist einfach wie Scheißen.“

Mit langsamen Bewegungen trat Leto neben den Dieb und richtete seinen Blick auf den präparierten Steinkopf. Dann, blitzschnell, stieß er seinen rechten Arm nach vorne und fegte das Ding wie von Geisterhand in den nächsten Krater. Wasser spritzte und schluckte den schweren Stein. Einen Moment blieb alles ruhig, dann stieg der tropfende Kopf wieder in die Höhe, kam auf sie zu und senkte sich erneut auf die Überreste der Statue hinab.

„Diesen Scheiß lernst du später. Für jetzt, konzentrier dich auf den Stoß. Stell dir vor es zu tun. Stell dir vor, wie du ihn mit der Hand runterstößt. Egal, dass du zu weit wegstehst.“

Während sein Schüler es versuchte, strich Leto um ihn herum wie eine Katze um ihre Beute. Natürlich funktionierte es nicht auf Anhieb. Das hatte er auch gar nicht erwartet. Für einen Moment überlegte er, wie es damals bei Adria gewesen war, doch dann gab er es auf. Er erinnerte sich nicht mehr daran. Alles, was er vor sich sah, war die tödliche, grüne Hölle Noe’ha’ons.

„Und jetzt stell dir vor, dass da ist mein Kopf.“

, sagte er schließlich und legte dem Dieb seine Hände auf die Schultern. Bis auf wenige Millimeter senkte er seinen Mund an dessen Ohr und flüsterte:

„Du erinnerst dich, was ich über deinen Hass, deinen Abscheu gesagt habe? Erinner dich genau. Das ist deine Munition. Lass sie durch dich fließen. Nur zu. Zerstöre meinen Kopf. Du wärst frei…“


[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Tempelklippe / Zerstörter Prachtgarten ] Leto und Teneb
 
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Die Nacht brachte keine Ruhe. Teneb Dask schlief schnell und fest ein, aber sein Schlaf war brüchig, ein Abgleiten in Bilder, die sich nicht ordnen ließen. Castor stand immer wieder vor ihm, halb im Schatten, mit offenem Mund, als wolle er etwas sagen, das nie mehr Form annahm. Dahinter tauchte die Ubese auf, reglos, die Maske rissig, aus den Ritzen quoll Dunkelheit statt Atem. Manchmal waren es keine Gestalten, sondern nur Hände, die nach ihm griffen, kalt und fordernd, als wollten sie ihn zurückziehen dorthin, wo sie geblieben waren. Jedes Mal, wenn er hochschreckte, war der Raum still, doch das Gefühl, beobachtet zu werden, wich erst mit dem grauen Licht des Morgens.
Der Umbaraner erwachte nicht abrupt, sondern schälte sich verschwitzt und schwer atmend aus dem Nachtmahr seines unruhigen Schlafes auf. Der Raum roch nach abgestandenem Alkohol, nassem Holz und dem dumpfen, metallischen Nachhall von zu vielen Gesprächen, die hier geführt worden waren. Irgendwo klapperte Geschirr, gedämpft durch Wände, und ein fernes Stimmengewirr sickerte durch die Dielen wie Wasser durch porösen Stein. Sein Zimmer war klein, kaum mehr als ein Verschlag mit einem Bett, dessen Matratze schon bessere Jahrzehnte gesehen hatte. Das Licht war grau, gefiltert durch Regen und Schmutz an einem schmalen Fenster. Artek III begrüßte niemanden freundlich.

Für einen Moment blieb
Teneb reglos liegen und lauschte seinem eigenen Atem. Jeder Muskel fühlte sich schwer an, als hätte die Schwerkraft hier ein anderes Maß. In seinem Kopf lag noch der Nachhall der vergangenen Tage: Nkllons Hitze, das Kreischen des Droiden, das Blut, das er nicht hatte abwaschen können. Er zwang sich aufzustehen, wusch sich notdürftig mit kaltem Wasser aus einer Schüssel und zog die Kleidung an, die er unter dem EVO-Anzug auf Nkllon getragen hatte. Noch konnte er keine Regung seines "Meisters" vernehmen, sodass er abwartete. Tatsächlich dauerte es einige Stunden, bis er die sich öffnende Tür aus dem Zimmer nebenan hörte. Als er den Schankraum betrat, war Sikarius bereits da. Präsenz war das einzige Wort, das Teneb dafür fand. Kein Blick, kein bewusstes Registrieren, und doch war der Mann unausweichlich. Er spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. Die Erinnerung an Nkllon war zu frisch, zu roh, um von der nüchternen Umgebung des Pubs überdeckt zu werden.
Was ihn traf, war nicht offene Feindseligkeit, sondern etwas Kaltes, Beiläufiges. Die Art, wie über ihn gesprochen wurde. Nicht als jemand, der gezwungen worden war mitzukommen, sondern als hätte er sich selbst an diesen Ort gekettet. Als hätte er sich aufgedrängt. Wut flackerte auf, scharf und bitter. Sie hatten ihn mitgenommen wie eine Geisel, aus Berechnung, aus Notwendigkeit und nun stand er hier am anderen Ende der Galaxis, reduziert auf eine lästige Verpflichtung und verhasst bei allen, die er in den letzten Jahren als soziale Kontakte erkämpft hatte. Die Verzweiflung darüber lag ihm schwer im Magen. Er hatte keine Wahl gehabt. Keine einzige. Hinter seinem Rücken ballte der Umbaraner die Fäuste, senkte aber den Kopf, erwiderte nichts und ließ seinen vermeintlichen Meister sprechen, bis dieser sich schlurfend in Bewegung setzte.

Der Weg aus dem Dorf führte sie wieder hinaus in die feuchte Landschaft. Der Regen hatte in der Nacht nachgelassen, doch alles war noch getränkt, schwer vom Wasser.
Teneb folgte, schweigend, die Schritte automatisch gesetzt. Mit jedem Meter, den sie sich von Törcsván entfernten, löste sich etwas von der Enge in seiner Brust. Die Tempelklippen lagen vor ihnen wie ein offenes Grab, überwuchert, zerfressen, ein Monument des Scheiterns. Die Ruine selbst wirkte weniger wie ein Ort als wie ein Überrest. Geborstener Stein, geschmolzene Kanten, Krater von der kinetischen Energieentladung der schweren Tibanna-Gas getränkten Turbolaser Salven. Derweil wie Leichen verstreute Statuen, die zu Fragmenten degradiert worden waren. Teneb betrachtete die Überreste mit einem eigentümlichen Ziehen im Inneren. Das hier war kein ehrwürdiger Ort mehr, sondern ein Kadaver. Und doch lag etwas in der Luft, das er nicht benennen konnte. Ein Echo vielleicht, der Nachhall einer sinistren Aura oder nur die Projektion dessen, was man ihm darüber gesagt hatte.

Die Gedanken, die
Sikarius über den Tempel laut äußerte, wirkten nach. Zerstörung als Zustand, nicht als Ende. Ein Ort, der nicht trotz seines Verfalls Bedeutung trug, sondern gerade deswegen. Teneb fragte sich, ob das auch für Menschen galt. Für ihn. Dann kam die Rede über Macht. Nicht als Versprechen, sondern als Vergleich. Über das, was Teneb war und was er werden konnte. Über das Dasein gewöhnlicher Wesen, die im Schlamm lebten und starben, ohne je über sich hinauszuwachsen. Und der unausgesprochene Gedanke, dass selbst Sikarius nur eine Zwischenstufe war. Kein Ziel. Nur ein Maßstab. Der Umbaraner hasste, wie sehr ihn das traf. Die Worte gruben sich wie ein Krayt-Drache tief in seinen Brustkorb, weil er in seinem Innersten wusste, dass es wahr war. Er war, um das Gleichnis des kapriziösen Sith zu nehmen, ganz unten und er hasste es. Mindestens so sehr, wie er Sikarius hasste. Doch dann tat Sikarius etwas, womit der Bleiche nicht gerechnet hätte: Introspektion. Die Tatsache, dass Sikarius wusste, dass er der Dreck unter den Fingernägeln eines Rancors war, machte seine Taten nur umso grausamer. Gleichzeitig zeigten sie, dass seine Megalomanie klare Grenzen hatten und er wusste, dass er sein volles Potenzial nicht ausschöpfte. In Teneb keimte für diese Form der Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und seine doch vorhandene Fähigkeit sich zu reflektieren etwas auf, was er in Bezug auf Sikarius in der kurzen Zeit ihrer widerwillig gemeinsamen Zeit nicht erwartet hatte: Respekt.
Bisher hatte er Angst, Abscheu und gar Hass für diesen Sith empfunden, doch war sie nie von Respekt getränkt gewesen. Jetzt hingegen begann er ihn mit einer anderen Linse zu betrachten. Unter diesem Filter erkannte er, dass die Macht ihn zwar von dem Abschaum der Galaxis unterschied, aber nur weil er Premium Abschaum war, ihn das noch lange nicht zu einem Überwesen machte. Der Hinweis, was wohl aus ihm selbst werden könne, wenn er sein Potenzial fokussiert nutzen könnte, war der zweite Treffer den Sikarius mit der Wucht eines Turbolasers traf.

Als der Steinkopf auf die Bruchkante gesetzt wurde, wirkte er lächerlich. Ein improvisiertes Ziel, ein totes Gesicht aus Stein.
Teneb stellte sich davor, spürte den Abstand, die Lächerlichkeit der Aufgabe. Er sollte ihn stoßen. Ohne Berührung. Ohne Werkzeug. Er schloss die Augen. Für ihn war das in diesem Moment zu abstrakt. Wenn es so einfach war, hätte er das nicht längst schon aus dem Affekt getan? Wer war nicht schonmal so von Wut und Zorn durchtränkt, dass er sich wünschte eine Person oder einen Gegenstand in seine Atome zu zerreißen oder durch den Äther zu schleudern. Wenn also die Gleichung Machtnutzung ist physikalische Auswirkung durch Wille, dann würde es doch häufiger vorkommen.
Mit dieser verkopften Herangehensweise war es daher kein Wunder, dass nichts geschah.
Er versuchte es erneut, denn er spürte den wie ein Raubtier ihn umrundenden Sikarius, dessen Aura, dass wie ein Geschwür ihm zusetzte. Er stellte sich vor, wie seine Hand den Kopf traf, wie Gewicht nachgab, wie Stein fiel. Er versuchte die Demonstration dessen, was der Sith ihm gezeigt hatte, vor seinem inneren Auge wieder abzuspielen und diesmal sich vorzustellen, er sei die ausführende Hand. Sein Geist glitt ab, rutschte in Bilder, die nichts mit dem Hier zu tun hatten: Nkllon.
Castor. Die Ubese. Blut. Wieder nichts. Der Kopf blieb stehen, unbewegt, ein stilles Urteil.
Mit jedem gescheiterten Versuch sammelte sich etwas in ihm. Frustration, Scham, ein alter, vertrauter Ekel gegen sich selbst. Gegen seine Schwäche, seine Angst, sein Zögern. Und darunter, tiefer, der Hass. Nicht rein, nicht klar aber zerrissen, widersprüchlich. Hass auf
Sikarius, auf die Art, wie er ihn ansah. Hass auf sich selbst, weil ein Teil von ihm zuhören wollte. Hass auf diejenigen, die ihn zu dem geformt hatten, was er jetzt war: Die Gesellschaft von Umbara, sein Vater, die Häscher, die den Tod seines Bruders zu verantworten hatten. Etwas regte sich in ihm, versuchte sich auf das zu konzentrieren, dass ihm weh tat und versuchte diesen Schmerz wie in einem Netz aufzufangen und von sich wegzustoßen.
Er erinnerte sich an das, was ihn immer ausgezeichnet hatte: Kontrolle. Analyse. Abstand. Doch hier war kein System, das sich hacken ließ. Kein Code, der nachgab, wenn man ihn nur lange genug studierte. Hier war nur Platz für Irationales. Gefühle, die roh und ungefiltert waren. Abscheu vor dem Mann hinter ihm. Angst vor dem, was er wegen ihm geworden war und der Wunsch, nicht mehr klein zu sein.
Teneb öffnete die Augen. Er zwang sich, nicht an Freiheit zu denken, sondern an Druck. An das Bedürfnis, etwas von sich wegzuschieben. Weg von sich. Weg aus sich heraus. Nicht elegant. Nicht stark. Einfach nur… fort.

Er spürte die Nähe
Sikarius’ wie ein Gewicht im Nacken. Als dieser ihn mit seiner Hand berührte, zuckte der Bleich unwillkürzlich zurück, als habe er einen Stromstoß erhalten. Keine Berührung, die tröstete, sondern eher eine Präsenz, die forderte, die ihn auf sich selbst zurückwarf. Der Sith stand so dicht, dass Teneb dessen Atem hörte, so ruhig, so sicher, als gehöre dieser Moment bereits ihm. Die Hände an seinen Schultern waren kein Halt, sondern eine Erinnerung daran, wie leicht sie sich schließen konnten. Und in dieser Nähe lag eine unausgesprochene Zumutung: Wenn du fällst, dann jetzt. Wenn du stößt, dann richtig. Teneb ließ den Gedanken zu, der ihm am meisten widerstrebte. Nicht Flucht. Nicht Erlösung. Sondern den Wunsch, dass alles vor ihm verschwände: Der Blick, das Urteil, die unausweichliche Bindung. Er stellte sich vor, wie der Stein nicht mehr dort war. Wie er dem Raum weichen musste, den Teneb einnahm. Kein Ritual, kein Gebet. Nur Verdrängung. Er ließ seinen Gedanken freien Lauf. Sikarius war es, der für seine Misere verantwortlich war. Sikarius war es, der ihn entführt hatte und nun Gaslighting betrieb, indem er behauptete, er wollte hier sein. Wollen? WOLLEN? Er musste jemanden töten, der ihm nahe stand, weil dieser ungewaschene Grobian es von ihm verlangt hatte.
Vor seinem inneren Auge etablierte sich das Bild, wie seine Finger sich langsam in die Augenhöhlen des Sith schoben, einer
Bowlingkugel gleich um dann den Kopf von seinem Rumpf zu lösen und vor seinem imaginären Auge wegzuschleudern. Er spürte, als betrachte er sich von außen, wie er die Lippen linkseitig hochzog, ein Knurren ihm entstieg als greife er auf animalische Instinkte zurück und sein Gesichtsausdruck sich kurzzeitig zu einer angestrengten Fratze verzerrte.

Es war kaum mehr als ein Zittern, ein falscher Schwerpunkt. Ein Moment, den man übersehen konnte, wenn man nicht verzweifelt genug hinsah.
Teneb hielt den Atem an, als würde jede Regung den Faden zerreißen. Dann kippte der Kopf weiter, langsam, widerstrebend, als kämpfe er noch gegen eine Entscheidung, die längst gefallen war. Er rutschte von der Kante, schlug dumpf auf und blieb im feuchten Gras liegen.
Teneb rührte sich nicht doch in seinem Inneren löste sich ein Knoten, als habe er gerade ein kosmisches Rätsel im Alleingang gelöst. Sein Blick haftete beinahe schon gierig an dem umgestürzten Stein, sein Triumph eines gebeutelten Willens. Etwas in ihm hatte geantwortet. Zwar nicht stark, nicht sauber aber eindeutig. Eine Regung, die nicht von außen kam. Und in dem stillen Nachhall dieses Moments, dort, wo Schuld, Angst und ein neuer, unerwünschter Hunger ineinandergriffen, wusste er mit beunruhigender Klarheit: Das war kein Zufall gewesen. Und es war auch kein Anfang, den man wieder auslöschen konnte.

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Mit einem dumpfen Geräusch landete der Steinkopf im verdorrten Gras. Kaum merklich hatte sich etwas um ihn verschoben und ein Außenstehender hätte vielleicht denken können, dass Leto ihn einfach schlecht auf den Sockel gelegt hatte. Doch er wusste es besser. Der Dieb hatte es geschafft. Es hatte es geschafft das erste Mal in seinem unbedeutenden Leben bewusst auf die in seinem Inneren schlummernden Kräfte zuzugreifen mit ihnen etwas zu bewegen. Sicher, unbewusst tat er das schon lange – der Moment auf Nkllon in dem Leto sein Potential erkannt hatte bewies das. Doch jetzt, dieser Moment auf Artek III, markierte den Beginn seines bewussten Lebens als Machtnutzer.

Und dafür war der kleine Schubs gar nicht mal schlecht. Sie waren keine halbe Stunde hier und schon hatte er Letos vage Anweisungen in eine konkrete Aktion umgesetzt. Leto hatte im Sith-Tempel schon Jünger gesehen, die sich Wochen für diesen ersten, banalen Schritt abgemüht hatten. Aber es hatte natürlich seine Gründe, warum das hier sein Schüler war. Der Dieb war kein Sithtempel-Bodensatz, der grade begabt genug war, um nicht auf die Straße gesetzt zu werden.

Der erfolgreiche Schubs sagte jedoch zum Pech des Schülers aber auch aus, dass da deutlich mehr Potential war, als er grade zeigte. Ein Jedi hätte ihm nun sicherlich den Kopf getätschelt und ihn gelobt, wie fein er das doch gemacht hatte; Leto glaubte an andere Lehrmethoden. Hinter dem Rücken des Diebes ungesehen, holte er mit seiner unmodifizierten Linken aus und verpasste ihm dann eine so harte Nackenschelle, dass es klatschte.


„DAS nennst du einen Machtstoß?!“

, fauchte Leto seinen Schüler an und musste sich nicht einmal anstrengen, um seinen Ton mit Verachtung zu füllen. Alles, was er tun musste, war die innere Stimme, die ihn seit ihrer Abreise von Nkllon nicht in Ruhe gelassen hatte, nach außen zu lenken.

„Warum bilde ich überhaupt aus, wenn es am Ende eh nicht mal für einen feuchten Furz reicht?! Ich hab‘ schon Meeresschnecken mit mehr Feuer gesehen, du schwachbrüstiges Milchgesicht!“

Kaum merklich ruckte Letos Kopf in Richtung des gefallenen Übungsobjektes.

„Na los, heb die Scheiße auf. Glaub nicht, dass ich für dich Hausmädchen spiele!“

Fast belustigt schaute er zu, wie der Schüler den Steinkopf nun wieder selbst aufstellte und anschließend zurückkam. Fast hätte er gegrinst, doch Sinn der Übung war ja eben Demütigung durch Ablehnung. Der Schüler hatte bewiesen, dass er grundsätzlich einen Zugang zu seiner Macht gefunden hatte, jetzt musste er auf den Geschmack der Dunklen Seite kommen. Geduldig wartete Leto, bis der Dieb an seine Seite zurückgekehrt war und wies dann mit einer unwilligen Handbewegung auf den Steinkopf.

„Nochmal! Wenn der nächste wieder so’n laues Sommerlüftchen wird, muss mit dem Droiden sprechen. Vielleicht haben die da unten doch noch nen Suppentopf in Rattengröße für dich.“

Einen Moment wartete er ab. Lang genug, dass sich der Steinkopf auf die eine oder andere Weise wieder im Gras wiederfand. Erneut trabte der Schüler unter stetigen Beschimpfungen los, stellte den Originalzustand wieder her und kam zurück. Mit verschränkten Armen erwartete Leto ihn und sagte schließlich in einem ganz leicht entschärften Tonfall:

„Fühlt sich scheiße an, was? Du musst lernen das zu kanalisieren. Aktuell blubbert‘s dir aus allen Löchern.“

Durchdringend starrte Leto dem Dieb in die Augen.

„Du bist wütend. Du hast Angst. Du hasst mich. Das ist Macht! Macht, die du in einem einzelnen, verf*ckten Schuss rausblasen sollst! DU WILLST MICH TOT SEHEN, JUNGE. Willst du mich zu Tode furzen, oder was?!“

Unvermittelt zuckte seine bionische Rechte vor und verpasste dem Schüler eine schallende Ohrfeige. Blut benetzte das Kinn des Umbaraners, dass in einem roten Rinnsal aus seiner geplatzten Unterlippe floss.

„Du bist ein Sith! Zeig mir aus welchem Stoff du gemacht bist, du armseliger Duckmäuser! Bis jetzt konntest du einfach die Fresse halten und mitlaufen. Was für ne traurige Vorstellung das war. Du bist ‘n Killer, Junge! Das hab‘ ich dir nicht erst eingepflanzt. Stell dich da hin! Drück deinen verf*ckten Rücken durch. Du bist ein SITH. Und du hasst MICH! ZEIG MIR wie sehr du mich tot sehen willst!“

Leto Gesicht war nur Zentimeter von dem des Schülers entfernt, während er ihn anschrie:

„GIB. MIR. EINEN. MACHTSTOß."

Leise, fast schon mit einem Flüstern fügte er hinzu:

Oder ich zwinge dich einen der Dörfler abzuknallen.“


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Der Schlag kam ohne Vorwarnung. Nicht einmal die Zeit, den Körper zu verspannen, nur das trockene Klatschen von Haut auf Haut, das kurze Aufblitzen von Schmerz, das ihm die Sicht verengte. Teneb Dask taumelte einen halben Schritt nach vorn, fing sich gerade so. Für einen Atemzug roch die Welt nach Eisen. Warmes Blut sammelte sich an seiner Unterlippe, rann über das Kinn und tropfte lautlos ins Gras. Er sagte nichts. Nicht aus Trotz. Nicht aus Mut. Sondern weil etwas in ihm begriff, dass jede Rechtfertigung hier nur eine weitere Einladung war.
Die Worte, die auf ihn einprasselten, trafen tiefer als der Schlag. Beleidigungen hatte Teneb sein Leben lang gehört, auf Umbara, in den Schattenzonen der Galaxis, von Wesen, die stärker waren oder glaubten, es zu sein. Nein. Es war die Treffsicherheit. Die Art, wie
Sikarius sprach, als wüsste er bereits, wo die Sollbruchstellen lagen. Die Präzision, mit der selbst ein Charakter wie der kapriziöse Sith ihn in seinen Schwachstellen gerochen hatte wie ein Firaxa-Hai das Blut erschreckte ihn. Lauerte und zehrte er von den negativen Gefühlen anderer, wie es ein Widergänger täte?
Sikarius hatte nicht blind geprügelt, wie er es auf Nkllon getan hatte, nicht einmal wahllos provoziert. Er hatte gesehen, wo er drücken musste und hatte die dünne Naht zwischen Berechnung und Schuld gefunden, zwischen dem Überlebenden und dem Henker, und genau dort angesetzt. Wie jemand, der nicht rät, sondern erinnert. Der den Nagel nicht sucht, sondern ihn bereits im Holz stecken sieht und dann mit einem einzigen, gezielten Schlag versenkt.

Der Umbaraner hob den Steinkopf wieder auf. Die raue Oberfläche rieb über seine Handflächen, Schmutz setzte sich in die feinen Risse seiner Haut. Er stellte ihn zurück, sorgfältiger, als nötig gewesen wäre. Ein altes Reflexverhalten: Ordnung herstellen, wo Kontrolle fehlte. Dann trat er zurück an seinen Platz, den Blick gesenkt, den Körper still. In ihm aber war nichts still. Wut sammelte sich, aber sie war nicht explosiv. Sie war zäh. Schwer. Sie kroch aus Erinnerungen hervor, die er jahrelang sauber verpackt hatte:
Castors Blick, kurz bevor er fiel. Die Ubese, der letzte Atemzug in der Hitze Nkllons. Das Wissen, dass er es gewesen war. Nicht gezwungen im letzten Moment aber bewusst entscheidend.

Er stellte sich nicht vor, zu stoßen. Er stellte sich vor, dass
Sikarius nicht mehr dort stand. Dass die Luft, die er einnahm, ihm zustand. Dass alles, was ihn niederdrückte, die Stimme, die Nähe, die unausweichliche Forderung, nachgab. Er dachte an Druck. An Verdrängung. An das schlichte, brutale Nein. Sein Rücken spannte sich unwillkürlich durch. Die Schultern gingen zurück. Sein Atem wurde flach, kontrolliert. Nicht ruhig, sondern fokussiert. Und dann ließ er los. Der Steinkopf zitterte. Er wackelte, deutlicher als zuvor. Kippte ein Stück, fing sich noch einmal, als wollte er widersprechen. Dann gab er nach. Glitt von der Kante, schlug dumpf auf und rollte ein Stück durch das verdorrte Gras, bevor er liegen blieb.

Du bist ein Killer.

Das Wort traf ihn nicht wie ein Vorwurf, sondern wie eine Diagnose.
Teneb spürte, wie sich etwas in ihm sträubte. Nicht gegen die Macht, gegen das Bild, das Sikarius ihm aufzwingen wollte. Hass als Werkzeug. Abscheu als Treibstoff. Und doch… war da diese hässliche Wahrheit: Er hasste ihn. Nicht laut, nicht glühend. Sondern auf diese leise, kalte Art, die aus Ohnmacht geboren wurde. Weil Sikarius ihn gebrochen hatte, ohne sich Mühe zu geben. Weil er überlebt hatte, während andere gestorben waren. Weil er prosperierte.

Der nächste Schlag, eine gepfefferte Ohrfeige, ließ
Tenebs Kopf zur Seite schnellen. Sterne tanzten vor seinem Blick. Für einen Moment dachte er, er würde fallen. Tat er aber nicht. Stattdessen richtete er sich langsam auf, schmeckte das eisenhaltige Blut und spürte das Pochen in seiner Lippe. Etwas veränderte sich. Nicht sichtbar. Kein Aufbäumen, kein Schrei. Aber innerlich verschob sich ein Gewicht. Teneb dachte nicht mehr an den Steinkopf. Er dachte an den Raum zwischen sich und Sikarius. Du Bastard. Du elender, verdammter Bastard,schoss es ihm durch den Kopf und vergaß alle Konsequenzen, die ihn bisher zurückgehalten hatten. Es war eine Sache sich vorzustellen seinen Kopf vom RUmpf zu lösen, eine andere diese widerliche Fratze vor seinem Gesicht zu haben und ihm seine Emotionen ins Gesicht zu schleudern. Er hasste ihn mit derselben innigen Konsequenz, mit der ein Scheiterhaufen das Holz liebt, das man ihm darbietet. Darth Sikarius sollte wie eine von Metastasen zerfressene kowakianische Affeneidechse leiden.

Teneb stand da, die Hände noch leicht erhoben, als hätte er etwas losgelassen, das er nicht zurückrufen konnte. In seinem Inneren war es stiller geworden. Nicht leer. Aber geordnet. Und in dieser Ordnung lag etwas Neues, Beunruhigendes: das Wissen, dass er das eben gewollt hatte. Dass es sich richtig angefühlt hatte. Er hob langsam den Blick. Nicht trotzig. Nicht unterwürfig. Nur wach. Abscheu als Treibstoff. Eine Mechanik, so simpel wie grausam. Und doch … war da diese hässliche Wahrheit, die sich nicht wegargumentieren ließ: Er hasste ihn. Nicht laut, nicht glühend, nicht in jener theatralischen Form, die nach Erlösung schrie. Sondern leise. Kalt. Klinisch. Ein Hass, der aus Ohnmacht geboren wurde, nicht aus Größe. Weil Sikarius ihn gebrochen hatte, ohne sich Mühe zu geben. Weil er ihn nicht einmal wichtig genug gefunden hatte, um ihn gezielt zu vernichten. Weil alles, was Teneb verloren hatte, für diesen Mann nur Kollateraleffekte gewesen waren. Geräusche im Hintergrund eines Rausches. Castor war tot. Die Ubese war tot. Und Sikarius stand noch immer hier, atmend, lauernd, stärker als zuvor, als hätte das Universum selbst beschlossen, ihm Recht zu geben. Und genau das war der eigentliche Schnitt. Nicht die Gewalt, nicht die Drohung. Sondern die Erkenntnis, dass Überleben allein kein Maßstab für Würde war. Dass Macht nicht gerecht war, nicht einmal konsequent. Sie belohnte nicht den Richtigen, sie belohnte den Letzten. Den, der blieb, weil er fähig war, alles andere zu verbrennen. Sikarius prosperierte, weil er keine Rechnung aufmachte. Weil er nahm, ohne zu erinnern. Weil er fraß und weiterging. Der Bleiche hingegen erinnerte sich an jedes Gesicht. An jedes Zögern. An den Moment, in dem er sich entschieden hatte, weil es keine gute Option mehr gegeben hatte. Und in diesem Erinnern lag seine Schwäche aber vielleicht auch das Einzige, was ihn von dem Monster vor ihm unterschied. Vielleicht war das der Punkt, an dem der Hass ansetzte: nicht als Wunsch nach Zerstörung, sondern als bitteres Wissen, dass dieser Mann alles verkörperte, was funktionierte. Und dass ein Teil von Teneb sich fragte, ob genau das der Preis war, den man zahlen musste, um nicht mehr auf der falschen Seite der Gleichung zu stehen.

Zuerst war es kaum mehr als ein Reflex. Ein stoßweises Entladen in Richtung seiner widerlichen Visage, ungerichtet, roh, als würde
Teneb die Luft selbst von sich wegdrängen wollen. Die Wut über das eigene Versagen diesem elenden Köter von einem Sith wehzutun machte ihn innerlich rasend vor Wut. Er musste es schaffen. Erneut warf er seine negativen Emotionen in Form einer Visualsiierung diesem Scheusal in Menschenhaut entgegen. Dann noch einmal. Und noch einmal. Mit jedem Versuch löste sich etwas in ihm, riss eine weitere Naht seiner Zurückhaltung auf. Der Hass, den er so lange sauber gefaltet und weggeschlossen hatte, begann sich zu bewegen, schwoll an wie ein unterdrückter Schrei, der endlich einen Spalt fand. Er schleuderte ihn hinaus, immer wieder, in kurzen, hastigen Stößen, die sich an Sikarius brachen, ihn allenfalls zum Wanken brachten und doch da waren. Spürbar. Echt.
Mit jeder Entladung verdichtete sich die Kaskade. Angst mischte sich hinein, dann Schuld, dann diese brennende, bittere Eifersucht auf einen Mann, der nahm, was er wollte, und daran wuchs. Die Luft zwischen ihnen vibrierte, als hätte jemand die Welt einen Ton tiefer gestimmt. Der Bleiche spürte, wie seine Gedanken schärfer wurden, dunkler, fokussierter. Sein Atem ging stoßweise, die Zähne aufeinandergepresst, während die Macht nun nicht mehr nur durch ihn floss, sondern aus ihm herausdrängte – ungeordnet, wütend, hungrig. Der stärkste Stoß traf
Sikarius schließlich nicht wie eine Waffe, sondern wie ein Schlag aus nächster Nähe: ein dumpfer, konzentrierter Impuls, vergleichbar mit einem laschen Fausthieb in die Magengrube. Nicht genug, um ihn zu Boden zu zwingen. Nicht genug, um ihn ernsthaft zu verletzen oder gar einen Schritt zurückschreiten zu lassen. Aber genug, um keinen Zweifel zu lassen, was der Umbaraner für ihn empfand. Für einen flüchtigen Moment hatte Teneb nicht gebeten, nicht gezögert, nicht gerechnet. Er hatte gewollt. Und in diesem Wollen lag etwas, das er selbst kaum wiedererkannte – eine dunkle, erschreckend klare Freude daran, dass sein Hass nicht länger stumm blieb.

Und irgendwo, tief unter Schuld und Angst, unter der Erinnerung an all jene, die er nicht hatte retten können, wusste
Teneb Dask mit bitterer Klarheit: Das war kein Spiel mehr. Und kein Weg, den man beschönigen konnte.

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Langsam, wie Wasser in der zurückweichenden Flut, entblößten Letos Lippen seine gelben Zähne zu einem breiten Grinsen. Der Schüler versuchte es – und wie er es versuchte! Leto spürte die stetigen Wellen aus Emotion zwar nicht mit seinem toten Machtsinn, doch stellten sich seine Nackenhaare trotzdem auf. Ein wiederkehrender Wind strich ihm über die grauen Gesichtzüge und kühlten die befeuchteten Lippen ab.

„Gut, guuut, lass deinem Hass freien Lauf!“

, zischte er und verfolgte mit Genugtuung, wie das Crescendo des Schülers seinen Höhepunkt erreichte. Ein letzter entfesselter Machtstoß, stärker als alle bisherigen zusammengenommen, brach über ihn herein, doch Leto sah ihn meilenweit kommen. Lässig hob er eine Hand und parierte die anbrandende Energie mit einem Gedanken. Lediglich seine Haare wehten für einen Moment im unnatürlichen Wind, dann legte sich wieder Stille über den ehemaligen Prachtgarten. Zufrieden nickte er.

„So will ich das sehen.“

, kommentierte er gelassen und musterte den Dieb neugierig. Es war schwer zu sehen, immerhin hatte der junge Mann hatte sich den Mund vollgeblutet. Kam manches davon aus seiner Nase? Leto erinnerte sich noch zu gut an seine eigenen Erfahrungen mit Machtfeedback. Grade frische Machtnutzer kamen rasch an den Punkt, an dem sie sich überanstrengten. Dann begann ein stärker werdender Kopfschmerz, der Anwender bei weiterem Machtgebrauch rasch übermannte und oft mit Nasenbluten einherging. Die einzige Kur? Ausruhen und es später wieder zu versuchen. Wie ein Muskel konnte die Toleranz trainiert werden.

„Du hast den ersten Schritt auf einem langen Weg getan, Junge.“

, sagte Leto, nickte zufrieden und grinste.

„Darf ich vorstellen: Schüler, das war die Dunkle Seite der Macht. Dunkle Seite der Macht,“

Er warf dem zerstörten Tempel einen Blick zu, als spräche er direkt zu ihm.

„das ist mein Schüler. Möge eure Ehe viele Kinder gebären und noch vielen mehr den Tod bereiten!“

Leto stieß ein heiseres Lachen aus und klopfte dem Dieb mit der flachen Hand fast freundschaftlich auf die Schuler. Ein weiteres Monster war erschaffen. Das Milchgesicht hatte gesehen zu was es fähig sein konnte und den süßen Schierlingsbecher der Dunklen Seite gekostet. Selbst wenn Leto ihn jetzt freigab, war sein Weg trotzdem vorherbestimmt. Hinab in die Dunkelheit und die Abgründe, die sie für jeden ihrer Liebhaber bereithielt. Doch Leto dachte gar nicht daran ihn freizugeben – UX-23 hatte es ja verboten.

„So. Die Aktion will ich jetzt verlässlich auf andere Ziele als mein Gesicht angewendet sehen. Das geht nur mit Übung, aber dafür muss ich dir nicht das Händchen halten. Viel Spaß, ich gehe zurück zum Dorf.“

Das kurze, braune Gras knisterte unter seinen Stiefeln als er den Dieb stehen ließ und zurück zum Trampelpfad ging. Grade wollte er sich gänzlich abwenden, als ihm noch eine letzte Sache einfiel:

„Achso, eins noch. Geh nicht in den Tempel.“

Ein weiteres Mal warf Leto den düsteren Ruinen einen Seitenblick zu.

„Das hier ist ein hungriger Ort und er wurde lang nicht mehr gefüttert.“

Seine ungleichen Augen kehrten zu denen des Diebes zurück und bohrten sich förmlich in die grau umrahmten Pupillen.

„Geh nicht in den Tempel. Egal wie logisch dir der Grund auch erscheinen mag.“

Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab und machte sich auf den Weg zurück den Hang hinab. Im Pub erwartete ihn ein frühes Abendessen und ein scharfes Getränk, das er für ein lokales Akoholgebräu hielt. Beim Essen dachte Leto nicht an viel und ignorierte auch den Droiden zunächst, der nach einer Weile hereingeschwebt kam. Das Kinn in eine Hand gestützt, starrte er ins Leere, während die Maschine ihn mit nur wenigen Punkten und Kommata zutextete:

„Es wird dich freuen zu hören, dass dein Psychiater auf dem Weg nach Artek III ist. Du warst lange genug auf deiner aktuellen Dosis, dass du neu eingestellt werden kannst. Ich habe deinen Fortschritt und auch deine Probleme rigoros dokumentiert, sodass Verbesserungen vorgenommen werden können. Er benötigt von dir noch einen Bericht über deinen Zustand aus deiner Sicht…“

Leto schnaubte. Dass UX-23 so etwas sagen konnte, ohne anzufangen zu lachen. Ein schriftlicher Bericht? Pff. Wo war er denn, in der Schule?! Eine Weile versuchte der Droide weiter seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, gab es jedoch schließlich auf. Grade wollte Leto aufatmen, da fiel UX-23 die Abwesenheit des Milchgesichts auf.

„Wo ist dein Schüler, Sikarius? Ich habe ihn seit eurem Training nicht mehr gesehen.“

„Oben beim Tempel. Er soll seinen Machtstoß üben, da muss ich ihm nicht die Eier für halten.“

Für einen Moment breitete sich Stille im Raum aus. Lediglich ein leises Quietschen war zu hören, während Rousseau Gläser abtrocknete. Schließlich sagte der Droide:

„…Du hast deinen Schüler alleine beim Tempel gelassen?“

„Und wenn?“

Eine weitere Pause. Amüsiert verfolgte Leto wie das Visorlämpchen der Maschine flackerte. Da war wohl jemand noch nicht ganz wiederhergestellt.

„Wir beide wissen welche Gefahr von dieser Ruine für Machtnutzer ausgeht. Du selbst konntest ihrem Einfluss nicht widerstehen.“

Gelassen rollte Leto sein überlebendes Auge.

„Ich war aber auch weiter. Der Dieb ist grade mal ein kleines Häppchen – nicht die Mühe wert. In ein paar Monaten vielleicht. Und sowieso, ich hab's auch überlebt. Besser wenn er’s jetzt lernt.“

„Du warst aber auch weiter, Sikarius! Das Risiko ist inakzeptabel!“

, schnappte die Maschine, ihm seine eigenen Worte ins Gesicht schleudernd.

„Ich werde diesen transparenten Versuch ihn loszuwerden nicht tolerieren! Geh ihn jetzt wieder einsammeln. Sofort!“

„Seh‘ ich aus wie dein Butler? Geh selbst, wenn du so wenig Vertrauen hast. Aber ich sag dir, so schnell passiert da nichts. Adria und die anderen sind auch einfach so wieder abgereist.“

Der Vokoder der Maschine knisterte, bereit zur nächsten Erwiderung, dann jedoch schien die Maschine es sich anders zu überlegen. Mit einem mechanischen Schnattern wirbelte sie in der Luft herum und verließ den Pub, wohl um den Dieb suchen zu fliegen. Erneut rollte Leto sein Auge, legte die Stiefel auf der Bar hoch und fuhr mit einem zufriedenen Brummen damit fort, Löcher in die Luft zu gucken.


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Der Wind hatte gedreht, ohne dass der Bleiche es bemerkt hatte. Er kam nun von der See herauf, trug Salz, Kälte und etwas Altes mit sich, das nichts mit Wetter zu tun hatte. Als Darth Sikarius den Hang hinabging und seine Schritte im Zirpen der Insekten verschwanden, blieb Teneb allein zurück. Sein Körper zitterte noch. Nicht vor Kälte, sondern von dem Nachhall der Energien, die er freigesetzt hatte. Die Machtstöße hatten ihn ausgelaugt wie Fieberträume, jeder einzelne hatte ihm ein Stück von sich herausgerissen und irgendwohin geschleudert, wo es nicht zurückforderbar war. Sein Mund schmeckte nach Eisen, die Schleimhäute brannten, und hinter den Augen pochte ein dumpfer Druck, der bei jedem Atemzug lauter zu werden schien. Er hätte sich setzen sollen. Oder gehen. Oder liegen. Irgendetwas, das vernünftig war. Doch wer den Pfad der dunklen Seite betrat ließ die Vernunft zurück und begab sich an den Rand eines Abgrunds, manchmal sogar einen Schritt weiter.

Stattdessen blieb er stehen. Der Steinkopf lag dort, wo er gefallen war, halb im Gras versunken, ein Riss quer über die Stirn gezogen wie eine alte Wunde.
Teneb starrte ihn an, und für einen flüchtigen, beschämenden Moment glaubte er, darin Züge zu erkennen. Nicht Sikarius’. Auch nicht seine eigenen. Sondern etwas Drittes, Unbestimmtes, ein Vakuum mit Gewicht.

Er hatte es also getan. Nicht gut. Nicht stark. Aber er hatte es getan. Die Macht hatte geantwortet, nicht weil er würdig gewesen wäre, sondern weil er laut genug gehasst hatte. Diese Erkenntnis war schlimmer als jede Beleidigung. Sie setzte sich fest wie ein Parasit: Dass all das, was ihn vorwärtsbrachte, aus genau dem bestand, wovor er sich selbst immer gefürchtet hatte und vor allem das war, was Darth Sikarius verkörperte. Die Stelle, an dem die Pranke des kapriziösen Sith ihn, hätte der Bleiche es nicht besser gewusst, fast schon freundschaftlich getätschelt hatte, brannte wie ein Fluchmal nach.

Hass funktionierte.

Der Tempel ragte hinter ihm auf. Er hatte ihn die ganze Zeit im Rücken gespürt, wie einen Blick, den man nicht abschütteln konnte. Jetzt drehte er sich langsam um. Die Ruine wirkte aus dieser Nähe weniger monumental als erwartet, eher ausgezehrt, ausgebrannt. Die Ruinen ragten wie das löchrige schwarzgraue Gebiss eines gefallenen Titanen auf. Porös und voller Schmerz. Kein heroischer Verfall, kein ehrwürdiger Tod. Nur zerborstene Linien, geschwärzter Stein, offene Räume, wo einst Wände gewesen waren. Und doch – oder gerade deshalb – lag etwas darin, das zog. Nicht rief. Zog. Es war mit einem Flüstern voller süßer Versprechen vergleichbar, eine Art von Liebkosung die zärtlich und grausam zugleich war.

Sein... Meister hatte gesagt, er solle nicht hineingehen. Während das Wort "Meister" noch wie Asche in seinem Mund zerfiel, ging ein Impuls durch ihn durch. Wille, geformt zu einer Bewegung, die dem Sog dieses Ortes nachgeben wollte. Der Gedanke daran kam nicht als Trotz. Nicht als Rebellion. Er kam logisch, sauber, beinahe sachlich. Wenn dieser Ort hungrig war, dann wusste er vielleicht etwas über Hunger. Wenn er Macht kannte, dann vielleicht auch deren Preis. Vielleicht musste er einen Preis dafür bezahlen mehr Macht zu erhalten, doch konnte er diese Macht nutzen um Sikarius zur Strecke zu bringen und sich von den Ketten zu lösen, die dieser imaginär um seinen Hals geschlungen hatte. Vielleicht war dieser Preis, dieses Opfer eine Investition, die doch lohnenswert war und der Elende wollte einfach nur verhindern, dass er ihn überflügeln würde. Hatte es Sikarius nicht selbst noch gesagt? Er hatte das Potenzial. In ihm wohnte eine Macht, von der selbst dieses Wesen dachte, dass es ihn überflügeln könnte.
Teneb dachte an Castor, an die Ubese, an das Gefühl, als etwas durch ihn hindurch genommen worden war, das nicht ihm gehört hatte, aber nun fehlte. Wächter ihrer letzten Sekunden, unfreiwilliger Archivar ihres Endes. Vielleicht,nur vielleicht, lag hier eine Erklärung. Oder zumindest ein Name für das, was ihn nun begleitete. Vielleicht musste er auch der Archivar der letzten Sekunden dieses Siths werden. Vielleicht lag in den kahlen Ruinen dieses von allen guten Geistern verlassenen Ortes das Werkzeug dafür bereit.

Er machte einen Schritt. Dann noch einen. Das Gras wurde kürzer, brauner, als würde der Boden selbst sich erinnern. Mit jedem Meter schien die Luft dichter zu werden, nicht schwer, sondern gespannt, wie kurz vor einem Gewitter.
Teneb merkte, wie sich seine Gedanken ordneten, nicht beruhigten, sondern schärften. Der Kopfschmerz war noch da, doch er trat zurück, als hätte ihm jemand den Stuhl unter dem Gewicht weggezogen. Ein Teil von ihm wusste, dass dies der Moment war, an dem man umkehrte. Ein anderer, kleinerer, älterer, ehrlicherer wusste, dass er es nicht tun wollte. Als er die erste zerbrochene Schwelle des Tempels erreichte, flackerte etwas in der Luft. Kein Licht, kein Geräusch. Nur das unmissverständliche Gefühl, dass er gesehen worden war. Nicht von Augen, sondern von Erinnerung. Von etwas, das lange gewartet hatte und nun abwog, ob dieser schmale, zitternde Mensch genug war, um wenigstens einen Bissen wert zu sein. Teneb schluckte schwer.

Er blieb einen Herzschlag lang an der Schwelle stehen. Dann kam das Flüstern. Es war kein Laut, der durch die Luft wanderte. Es hatte keine Richtung, keine Sprache, keine Stimme im eigentlichen Sinn. Es war eher ein Eindruck, der sich direkt an sein Inneres legte, wie warmer Atem auf nackter Haut. Süß. Versprechend. Und zugleich von einer Grausamkeit, die nicht drohte, sondern versprach, dass sie sich lohnen würde.

Komm.

Nicht als Befehl. Nicht einmal als Bitte. Eher wie eine Erinnerung an etwas, das er immer schon gewollt hatte, ohne je zu wissen, dass es existierte.

Das Flüstern strich über seine Gedanken wie eine zärtliche Hand, verweilte bei den Rissen, bei den Brüchen, bei all dem, was nie geheilt hatte. Es lobte ihn nicht. Es tröstete ihn nicht. Es erkannte ihn. Und diese Anerkennung war schlimmer als jede Verachtung. Sie sagte ihm, dass sein Hass gesehen wurde. Dass seine Schuld Gewicht hatte. Dass das, was er auf Nkllon getan hatte, nicht sinnlos gewesen war. Eine Liebkosung, ja. Aber eine, bei der man spürte, dass sie die Haut auf Dauer abschleifen würde.
Teneb atmete flach. Sein Herz schlug schneller, nicht vor Angst, sondern vor einer unheilvollen Vertrautheit. Dieses Gefühl kannte er. Nicht die Worte, nicht die Bilder aber die Mechanik. So hatte es sich auch angefühlt, kurz bevor er geschossen hatte. Kurz bevor er zugelassen hatte, dass etwas durch ihn hindurch handelte. Der Tempel versprach keine Erlösung. Er versprach Bedeutung. "Du bist nicht schwach", hauchte das Flüstern, ohne es je auszusprechen. Du bist nur unfertig.

Teneb schloss für einen Moment die Augen. Er wusste, dass dies kein Ruf war, den man beantworten konnte, ohne etwas zurückzulassen. Dass jeder Schritt weiter hinein ein stilles Einverständnis war. Kein Vertrag, kein Schwur – nur ein langsames, williges Öffnen.Als er die Augen wieder öffnete, lag Dunkelheit vor ihm. Keine absolute Finsternis, sondern jene Art von Schatten, in der Konturen gerade noch zu erahnen waren, als warteten sie darauf, benannt zu werden.

„Schüler, bleib sofort stehen! Gehst du einen Schritt weiter handelst du entgegen einer Anweisung deines Meisters, was schwere Konsequenzen haben wird!“

Die Stimme holte ihn wie einen Peitschenschlag zurück ins luzide. Die Worte des Droiden schnitten durch das Flüstern wie ein vibrierendes Messer durch Nebel. Mit einem Schlag war der Bleiche wieder brutal präsent. Das Hier und Jetzt stürzte mit voller Wucht über ihn herein: Das Brennen in seinen Schläfen, das dumpfe Pochen hinter den Augen, der bittere Geschmack von Blut in seinem Mund. Seine Muskeln zitterten, nun da die Macht nicht mehr alles überlagerte, und der Schmerz der Überanstrengung meldete sich zurück wie ein alter, beleidigter Bekannter. Für einen qualvollen Augenblick machte das den Ruf des Tempels nur noch verführerischer. Dort drinnen, das wusste er plötzlich, würde all das aufhören. Kein Zittern. Kein Widerstand. Nur dieses warme, grausame Versprechen, das sich wie Samt um seine Gedanken legen wollte.

„Komm.“ erfolgte die Aufforderung des Droiden, der er Folge leistete.

Er stand wieder auf Artek III. Im Wind. Im Regen. Im Schmerz und wusste, dass der Tempel nicht aufgehört hatte, auf ihn zu warten.


Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Tempelklippe | Zerstörter Prachtgarten | Teneb Dask & UX-23 und die Versuchung
 
[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Pub "Bei Rousseaus" ] Leto

Es dauerte nicht wirklich lange, bis UX-23, den Schüler im Schlepptau, zurückkehrte. Augenblicklich füllte sich der Raum mit dem Geruch feuchten Stoffes und Leto brummte unwillig auf. Seine eigene Kleidung war grade eben erst ausreichend getrocknet, dass der Raum nicht mehr so modrig gerochen hatte. Und dass von der ‚frischen‘ Kleidung die ihnen zur Verfügung gestellt worden war! Was’n Scheiß.

Der Droide schien jedoch nicht über olfaktorische Rezeptoren zu verfügen – oder es war ihm schlicht egal – denn seine Beschwerde richtete sich ein weiteres Mal an Leto. Und nicht an den Dieb. War ja mal wieder typisch.


„Sikarius! Ich habe deinen Schüler nur knapp davon abhalten können in den Tempel zu gehen. Deine Leichtsinnigkeit und deine Pflichtvergessenheit suchen wirklich Ihresgleichen!“

„Na ich hoffe die suchen nicht hier.“

, gab Leto lakonisch zurück und versuchte einen Löffel von seinem Abendessen auf einem Finger zu balancieren. UX-23 schien etwas erwidern zu wollen, doch fuhr er da schon in Richtung des Schülers fort:

„Aber auch: Was ‘ne dumme Idee, Junge! Du bist’n kleiner Fisch. Dich frisst der Tempel zum Frühstück. Mich hat das Ding zu seinem Maul gemacht damals…“

Leto grinste und sah aus dem Augenwinkel ein Zucken des Barkeepers. Gelassen schaute er zu Rousseau hinüber, der in diesem Moment wie zufällig etwas fallenließ und hinter der Bar verschwand. Feiges Pack.

„In jedem Fall wärst du gut beraten meine Warnungen hier ernst zu nehmen…“

, sagte er gedehnt.

„Darth Sikarius, ich verbiete dir deinen Schüler in Zukunft in der Nähe des Tempels alleinzulassen!“

, quatschte der Droide doch noch dazwischen.

„Dir wurde Zeit gewährt ihn auszubilden! Nicht um zu Faulenzen und sein Leben durch Untätigkeit zu riskieren! Wenn du deinen Pflichten nicht nachkommst, wird des Konsequenzen geben!“

Leto rollte sein Auge und stand auf. Geräuschvoll kratzten die Beine seines Stuhls über den Boden.

„Deine Mutter.“

, gab er eloquent zurück und verschwand in seinem Zimmer. Laut knallte die Tür hinter ihm zu und mit einem resignierten Seufzen legte er sich auf sein Bett. Froh darüber, dass der Tag endlich endete, schloss er sein Auge.

Am nächsten Morgen kam er deutlich früher aus den Federn als am Vergangenen. Insgesamt schien sein Befinden sich auf dem aufsteigenden Ast der Sinuskurve zu befinden und so nahm er den Schüler schon kurz nach dem Mittagsessen für eine weitere Trainingseinheit mit hoch zum Tempel. Heute standen ein weiteres Mal Machtstöße auf dem Lehrplan. Zwar hatte der Schüler gestern die Grundlagen gelernt, doch machte bekanntlich Übung den Meister. Er würde die Technik einfach weiter Anwenden müssen, bis sie ihm ins Blut überging. Daher hatte Sikarius heute auch gar nicht so viel zu sagen, sondern schaute ihm einfach gelangweilt von der erhöhten Position einer geborstenen Statue zu und warf ab und an vage hilfreiche Kommentare ein.

Das Bild änderte sich auch an den nächsten beiden Tagen nicht, doch am fünften Morgen ihres Trainings entschied Leto, dass die Zeit gekommen war, einen weiteren Happen Wissen zu enthüllen. Unvermittelt sprang er also von seinem hohen Sitz herunter und trat auf den Dieb zu, der das, was von ihrem ursprünglichem Trainingskopf noch übrig war, grade platschend in den nächsten Krater befördert hatte. Momentan gnädig eingestellt, sammelte Leto das inzwischen vielfach geborstene Stück Stein mit der Macht ein und ließ es wieder auf die Statue schweben.


„So. Scheint als hast du bloßes Stoßen endlich drin. Jetzt wird es etwas komplizierter. Ich will, dass du den Klumpen nicht wegstößt, sondern schweben lässt. So:“

Ein weiteres Mal hob Leto das Ding mit der Macht an, ließ es für einige Herzschläge in der Luft hängen und setzte es dann wieder ab.

„Viel kann ich da gar nicht erklären. Du musst ein Gefühl dafür entwickeln. Deine Emotionen werden dir helfen, aber nur wenn du sie richtig kanalisierst. Du willst das Ding nicht durch die Gegend ballern, du willst es hochheben. Meinetwegen projizier deine Emotionen drauf, aber halt von allen Seiten. Nicht nur von dir aus. So, etwa…ach keine Ahnung.“

Einen Moment lang rang Leto mit sich, während er versuchte die richtigen Worte zu finden. Er wusste, was er tat, wenn er einen Stein schweben ließ. Doch wie sollte er das erklären? Wie sollte er jemandem, ohne Hände erklären, was Finger waren? Kurz zog er in Erwägung doch lieber zuerst mit Meditation anzufangen, doch fürchtete er mit innerer Ruhe und Harmoniegeschwafel die Emotionslektion der letzten Tage zu untergraben. Nein, Meditation würde einfach später kommen müssen, wenn es an den Machtsinn ging…


[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Tempelklippe / Zerstörter Prachtgarten ] Leto und Teneb
 
Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Trainingsmontage | Teneb Dask, Darth Sikarius & UX-23

In den letzten fünf Tagen verengte sich Teneb Dasks Welt auf einen einzigen, wiederkehrenden Ablauf: Den Weg hinauf zu den Tempelklippen, den zerborstenen Garten, den immer gleichen Stein und den Machtstoß. Stunde um Stunde bestand aus nichts anderem als Anspannung, Ausstoß, Scheitern und erneutem Versuch. Anfangs fühlte sich jeder Stoß an wie ein innerer Riss, roh und unkontrolliert, begleitet von Kopfschmerz, Nasenbluten und einem dumpfen Druck hinter den Augen. Mit jedem Tag wurde die Bewegung weniger explosiv, weniger zufällig, auch wenn sie ihn nie wirklich gehorchte. Der Erfolg kam nicht als Triumph, sondern als Erschöpfung. Er musste mehr Ruhe und weniger Zufall in seine Abläufe bekommen, musste lernen die Anwendung der Macht von reiner Stochastik zu einer Muskelerinnerung zu transmutieren.
Der umgekippte Stein wurde kein Endpunkt, sondern ein Maßstab, an dem er sich verbiss. Er stellte den Kopf immer wieder auf, schob ihn erneut von der Kante, zwang seinen erschöpften Geist dazu, denselben inneren Riss noch einmal aufzureißen. Jeder weitere Versuch brannte stärker, fraß tiefer, ließ seine Schläfen pochen und den Magen verkrampfen, doch er ignorierte die Warnzeichen. Der Stoß wurde nicht mächtiger, aber verlässlicher, weniger ein Ausbruch und mehr ein gezielter Akt des Wollens. Zwischen zwei Atemzügen spürte er manchmal dieses kurze, kalte Einrasten in sich,als hätte etwas Unsichtbares kurz Halt gefunden. Und selbst wenn der Stein nur wackelte oder sich kaum merklich verschob, trieb ihn genau das weiter: Die Ahnung, dass Wiederholung ihn nicht nur erschöpfte, sondern veränderte.

Das Training empfand er nicht als Lehre, sondern als Auszehrung. Es gab kein Lob, keine Struktur, nur Wiederholung und Demütigung. Und doch merkte er, widerwillig, dass sich etwas veränderte: Der Moment zwischen Wille und Wirkung wurde kürzer. Der Stoß kam schneller. Manchmal, ganz selten, präziser. Im Hintergrund stets die lauernde, sinistre Präsenz des schwarzen Monolithen des ehemaligen Sith Tempels, dass ihn zu bewerten und messen schien. Die Worte des Sith blieben ihm dabei im Ohr, wie der Tempel ihn wie Beute aufzehren würde.
Mit diesen Erkenntnissen kamen jedoch auch Auswirkungen auf sein Selbstbild. Seine alte Kleidung begann er in dieser Zeit zu hassen. Der Stoff war noch immer vom Staub Nkllons durchzogen, roch feucht, metallisch, nach Schweiß und fremden Orten. Selbst nach dem Trocknen blieb ein Gefühl von Unreinheit, als trüge er die Station, das Blut und die Enge der Schächte noch immer auf der Haut. Kurz hatte er überlegt, ob er nach neuer Kleidung fragen sollte, doch wollte er verhindern, dass dies zu einer weiteren vermeintlichen Lehrstunde
Sikarius' über Verdienst, Wert und dessen Fehlen wenn es um ihn ging, ausartete. Erst am vierten Tag, als er zufällig UX-23 begegnete, sprach er ihn darauf an. Der Droide reagierte zwar im gewohnt schnippischen Stil, doch fanden sich am nächsten Tag ein Bündel mit zwei Sätzen Kleidung in seinem Zimmer. Schwarz, funktional. Eine Mischung aus Robe und militärischer Kleidung. Wahrscheinlich zusammengestellt aus den kargen Vorräten der Garnison und dessen, was von der Pracht der Sith an diesem Ort übrig geblieben war. Der Bleiche wollte überhaupt nicht darüber nachdenken, ob jemand bereits in diesen Fasern gestorben war.
In der Taverne wiederum gab es jeden Abend dasselbe: dicke Eintöpfe aus Wurzelgemüse, zähem Fleisch und etwas, das einmal Kräuter gewesen sein mochte, dazu hartes Brot und ein bitteres, lokal gebrautes Getränk, das den Magen wärmte, aber nichts betäubte. Teneb aß mechanisch, ohne Geschmack, meist schweigend in einer Ecke, während seine Gedanken bereits wieder bei der nächsten Bewegung waren. Beim nächsten Stoß. Beim nächsten Versuch, die Macht nicht nur aus sich herauszuschleudern, sondern ihr Stand zu halten.

Teneb hörte die fasrigen Erklärungen, die ihm Sikarius gab, doch sie legten sich nicht sofort zu Bedeutung. Sie standen erst einmal nur im Raum, schwer wie feuchte Kleidung, wie der Geruch von altem Regen und Schweiß, der sich in den Stoffen festgesetzt hatte. Schweben lassen. Nicht stoßen. Nicht weg. Halten.
Er stand vor dem zerschlagenen Rest dessen, was einmal ein Kopf gewesen war, die Oberfläche rissig, voller Kerben von vorherigen Versuchen. Der Krater darunter war dunkel vom Wasser, das sich dort gesammelt hatte, und spiegelte einen grauen Himmel, der nie wirklich hell wurde. Artek III war kein Ort für klare Linien. Alles hier war Übergang, Verfall und Wiederholung. Teneb schloss die Augen zunächst nicht. Das hatte er gelernt. Sobald er die Lider senkte, kamen Bilder, die er nicht rufen wollte. Stattdessen fixierte er den Stein. Zwang sich, präsent zu bleiben.
Nicht "ballern". Hochheben. Sein erster Versuch verpuffte. Nichts geschah. Nicht einmal das vertraute, dumpfe Ziehen hinter der Stirn, das die Machtstöße begleitet hatte. Nur Stille. Dann, beim zweiten Versuch, ein leichtes Flimmern in der Luft, kaum wahrnehmbar, wie Hitze über Asphalt. Der Stein rührte sich nicht. Frustration kroch in ihm hoch, scharf und unangenehm. Nicht die heiße Wut der letzten Tage, sondern etwas Tieferes. Ein Gefühl von Unzulänglichkeit, von erneutem Versagen. Er hatte überlebt, wo andere gestorben waren, und selbst jetzt, hier, reichte es kaum aus, um einen verdammten Stein zu bewegen. „Projizier dich drauf. Von allen Seiten.“ rief er sich erneut in Erinnerung. Der Bleiche atmete ein. Langsam. Spürte den Boden unter seinen Füßen, den nassen Stoff der Robe an den Waden, den leichten Schmerz in den Schultern von den vergangenen Tagen. Er stellte sich den Stein nicht als Ziel vor, sondern als etwas, das ihn berührte. Das Gewicht. Die Kälte. Die Schwere. Und dann, widerwillig, ließ er die Emotionen zu, die er sonst wegdrückte.

Nicht nur Hass. Auch Schuld. Die Erinnerung daran, wie leicht es gewesen war, den Abzug zu betätigen. Wie endgültig. Diese Gefühle legten sich wie ein unsichtbares Netz um den Stein, nicht ziehend, sondern umfassend. Für einen Moment passierte nichts. Dann löste sich der Stein mit einem leisen, nassen Geräusch aus der Mulde. Nur ein paar Zentimeter. Unsicher. Zitternd, als würde er jeden Augenblick wieder zurückfallen.
Teneb riss die Augen auf. Sein Atem stockte, denn der Stein hielt. Kurz. Zu kurz. Dann kippte er, verlor die Balance und fiel mit einem dumpfen platsch zurück in den Krater und blieb liegen als sei diese Manifestation seines Willens das süße Geheimnis dieses Trios. Der Umbaraner blieb stehen, das Herz bis zum Hals schlagend. Es war kein Erfolg im eigentlichen Sinne. Kein sauberes Schweben, kein kontrolliertes Halten. Aber es war mehr gewesen als nichts. Mehr als Zufall sondern eine Proklamation seiner Kraft und seines Willens. Er wusste, ohne es benennen zu können, dass dies der eigentliche Unterschied war: Beim Stoßen hatte er etwas aus sich herausgeschleudert. Jetzt hatte er etwas berührt. Festgehalten. Und losgelassen.

Seine Hände zitterten leicht. Nicht vor Erschöpfung allein, sondern vor der Erkenntnis, dass die Macht nicht nur ein Ventil war. Sie war ein Spiegel.
Langsam hob er den Blick zum Tempel hinter ihm. Die Ruine stand still, lauernd, als hätte sie all das beobachtet. Als wüsste sie bereits, dass er gelernt hatte, etwas zu halten. Und dass sie geduldig war.
Nach diesem ersten, kaum zu leugnenden Gelingen fand Teneb keinen inneren Abschluss, sondern eine offene Wunde, in die er immer wieder griff. Er begann von vorn, zwang seinen Geist erneut in jene unbequeme Haltung, in der Wille wichtiger war als Kraft. Der Steinkopf wurde aufgerichtet, fiel, wurde wieder aufgerichtet, manchmal von seiner Hand, manchmal schon halb zitternd durch das Nachwirken der Macht. Jeder neue Versuch fühlte sich anders an: Mal wie Druck hinter den Augen, mal wie ein Ziehen tief im Brustkorb, mal wie kalte Finger, die von innen an seiner Wirbelsäule entlanggriffen. Er lernte, die Frustration nicht mehr zu bekämpfen, sondern sie stehen zu lassen, sie anzustarren, bis sie sich verhärtete und als Impuls nach außen drängte. Der Kopf kippte kein zweites Mal so sauber wie beim ersten Erfolg, doch er bewegte sich. Ein paar Fingerbreit, ein kaum sichtbares Rucken, ein leises Schaben von Stein auf Stein. Genug, um den Bleichen weitermachen zu lassen, auch als seine Beine schwer wurden und seine Gedanken zu flimmern begannen. Denn irgendwo zwischen Erschöpfung und Zwang setzte sich die Erkenntnis fest, dass Fortschritt hier nicht belohnend war, sondern fordernd: etwas, das man sich nicht verdiente, sondern abnutzte, Stück für Stück, an sich selbst.


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