Axxila - Anflug auf die Kitanis-Kette (Inselkette) - Fähre, Tamis
Also wirklich. Es war ja klar, dass Fährpiloten nun nicht die allerbesten waren, aber hatte man da jemanden in der Grundausbildung ans Steuer gelassen oder was? Die Fähre, welche Tamis runter auf den Planeten brachte, flog nicht gerade sehr ruhig, und an den Wetterbedingungen da draußen konnte es doch eigentlich nicht liegen. Axxila war doch ein relativ gemäßigter Planet, was das anging, zumindest so weit Tamis wusste. Also konnte es folgerichtig nur am Piloten liegen, fertig.
Sie seufzte leise, lehnte sich dennoch zurück und schlug die Beine übereinander. Ein paar Minuten hatte sie noch, bis die Fähre vermutlich sehr unsanft im Hangar der Raumjägerbasis aufsetzen würde, und dann begann ein neuer Abschnitt. Verrückt. Einfach nur verrückt, dass sie heute hier war. Vor ein paar Monaten noch hatte sie an Bord der "Stardust" die Galaxis durchstreift und dabei versucht, dieses Ungetüm von einem Frachter irgendwie am Leben zu erhalten, was ihr wirklich außerordentlich gut gelungen war. Sie hatte keine Ahnung, wie Tereb das nun ohne sie schaffte, aber gut, das war nicht ihr Problem. Der Captain hatte sie ja quasi aufgefordert, sich offiziell der Republik anzuschließen, und tada, hier war sie nun. Während ihre Mutter vor Panik riesige Augen bekommen hatte bei dem Gedanken, dass ihre Tochter bald in einem Kampfjäger sitzen würde. Ihr Vater hatte das ganze gelassener und sogar ein wenig stolz hingenommen. Zugegeben: so eine Jägerkarriere war vermutlich besser vor den Freunden und Bekannten als "meine Tochter schlägt sich irgendwo auf eigene Faust in der Galaxis durch und ich habe keine Ahnung, wo sie gerade steckt". Aber andererseits, vermutlich war aus Sicht von Eltern fast alles irgendwie besser als das? Wahrscheinlich. Naja.
Tamis zuckte mit den Schultern und sah aus dem Fenster. Sie konnte die Basis nun schon erkennen, sie sah aus wie... Wie eine Basis halt. Gebäude, Hangar, grau. Nichts besonderes. Aber es würde ja auch nicht für immer ihr Zuhause bleiben. Das war ja nur vorübergehend, bis sie im aktiven Dienst waren. Dieses Gereise nervte langsam zugegeben schon ganz schön. Was ein wenig paradox war, auf der "Stardust" war sie noch mehr gereist, aber das Schiff war so etwas wie ihr Zuhause gewesen. Ein sehr enges Zuhause, aber hey, besser als nichts. Andererseits war es schon nett, wenn man nicht mit anderen stinkenden Männern in einem engen Raum schlafen musste. Zwar hatte Tamis sich ab und an mal bei Zwischenstops eine Unterkunft gegönnt, schließlich hatte sie irgendwann Geld dafür gehabt, aber das war ja mehr ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Jetzt würde sie ja wohl auf Dauer eine Zimmergenossin bekommen. Hoffentlich war das keine Idiotin. Doppelt nicht, sie würde ja auch mit ihr in der Staffel fliegen, da wäre das äußerst ungünstig. Sie hatte ja viele Qualitäten, aber das mit der Teamarbeit war zugegeben nicht ihre Paradedisziplin, und wenn es dann noch Trottel waren mit denen sie zusammenarbeiten musste, dann gute Nacht. Aber kam Zeit, kam Rat, das würde schon schief gehen. Wer es mit Thanatos aufgenommen hatte wie sie, der überlebte auch alles andere.
Ein Ruck durchfuhr die Fähre und Tamis rollte mit ihren großen Mon Cal-Augen. Beim Meeresaal, da würde ja sie hundertpro eine sanftere Landung hinbekommen, und sie saß bisher kaum an irgendwelchen Fährkontrollen. Hoffentlich würde ihr Flügelmann oder ihre Flügelfrau mehr draufhaben als diese Person, sonst konnte sie gleich Abschied nehmen von dieser Galaxis. Und darauf hatte sie echt keine Lust.
Tamis schnallte sich ab und nahm ihre zwei großen Gepäckstücke je über eine Schulter, bevor sie sich zur Rampe begab. Die allermeisten Pilotinnen und Piloten reisten nur mit einem Seesack, aber wie bitteschön sollte in einem Seesack all ihre Kleidung unterkommen?! Schlimm genug, dass sie sich nun so gut wie immer mit diesem schrecklichen, orangenen Pilotenoverall würde kleiden müssen, aber man brauchte doch wenigstens etwas Abwechslung, wenn es möglich war? Und dann ihre Pflegeprodukte... nein. Ein Seesack war definitiv zu wenig, und sie wusste wirklich nicht, wie die anderen das anstellten. Bisher hatte sie es auch immer durchbekommen mit ihrem Gepäck, und das würde sie natürlich auch weiterhin, keine Frage.
Sie betrat zum ersten Mal den Hangar ihres neuen Zuhauses und tat, was sie immer tat, wenn sie irgendwo neu hinkam - sich einen Moment Zeit nehmen, um die Luftfeuchtigkeit zu testen. Sie hatte innerlich erleichtert aufgeseufzt als sie herausgefunden hatte, dass Axxila eine Welt mit Meeren war und die Basis sogar in der Nähe eines Meeres lag. Sie war also optimistisch gestimmt, dass sie sich hier wesentlich wohler fühlen würde als auf Lianna. Und Tatsache, hier lag wirklich eine sanfte Meeresfeuchte in der Luft. Es könnte mehr sein, damit sie sich wirklich wohlfühlte, aber das passte schon. Manche Landgänger würden es womöglich schon wieder fast zu viel finden.
Mit einem leichten Lächeln näherte Tamis sich dem offiziell und wichtig aussehenden Kerl, der in ein paar Metern Entfernung auf sie wartete.
"Sub Lieutenant Falcks meldet sich anwesend", gab sie ihm zu verstehen, und erntete ein Nicken. Keine Aufforderung, ihm zu folgen, also ließ sie ihr Gepäck erst einmal zu Boden. Nach und nach versammelten sich drei, vier weitere Leute um sie und als der Kerl beschlossen hatte, dass alle da waren, verteilte er Datapads und Zimmernummern.
"Sub Lieutenant Falcks, Sie teilen sich Ihr Zimmer mit Lieutenant Tuvores. Zimmer eins vier sieben."
Er wies dabei auf eine gefühlt zwei Meter große, blonde Menschenfrau, die ihr schon an Bord der Fähre aufgefallen war, allerdings war sie nicht davon ausgegangen, eine Pilotin vor sich zu haben. Tamis nahm das Datapad entgegen, legte dann den Kopf in den Nacken und hob grüßend ihre Flosse. Bei allen Gewässern, diese Frau passte in ein Cockpit?! Na das musste sie sehen.
Würde sie ja auch bald, zum Glück.
"Wenn Sie alle mir nun folgen würden."
Tamis nahm ihr Gepäck wieder hoch und trottete dem Mann hinterher. Nach ein paar verwirrenden Gängen fand sie sich schließlich vor dem Raum wieder, der mit "147" betitelt war.
"Finden Sie sich um elfhundert im Briefingraum Aurek ein, ein Plan der Basis befindet sich auf Ihrem Datapad. Durch die Verspätung Ihrer Fähre sollten Sie sich etwas sputen."
War ja klar, nicht nur nicht fliegen können, sondern auch noch zu langsam...
Die restliche Gruppe zog weiter, während Tuvores und sie selbst das kleine Zimmerchen betraten. Zwei schmale Betten, zwei schmale Schränke, zwei kleine Nachttische und eine Tür, das war's. War ja auch klar. Sie würde auch hier ihre Garderobe irgendwie in den Schrank quetschen müssen, aber das würde schon schiefgehen. Erst einmal ließ sie ihr Gepäck auf dem Bett sinken und drehte sich zu Tuvores um.
"Hi, ich bin Tamis." - "Allira, aber sag ruhig Alli. Hast du deinen ganzen Hausstand mit oder wieso das viele Gepäck?" - "Ach, nur dies und das. Was Frau halt so braucht... Kommst du echt klar mit dem einen Sack?"
Kritisch betrachtete die Mon Calamari das kleine Ding da in Allis Hand. Ihr Gegenüber grinste.
"Verstehe. Mittlerweile schon, aber ich gebe zu, anfangs war ich mir auch nicht so sicher. Aber das kommt mit der Zeit, vertrau mir." - "Ist also nicht deine erste Station hier?" - "Nö, ich war Y-Wing-Pilotin, aber ich mir wurde das irgendwann zu öde, und man hat herausgefunden, dass ich mich im X-Wing nicht so schlecht anstelle."
Alli begann bereits, ihre Sachen routiniert auszupacken, und Tamis beeilte sich, es ihr schnell nachzumachen. Natürlich hatte sie enorme Probleme, alles im Schrank und in der winzigen Nasszelle unterzubekommen, die sowieso nur eine Toilette und ein Waschbecken enthielt. Klar, Einzelduschen wären auch zu großer Luxus gewesen, aber immer noch besser als auf der "Stardust". Nachdem Alli fertig war, war sie so freundlich, Tamis sogar noch ungefragt unter die Arme zu greifen, so dass sie sich umzogen, rechtzeitig ihr Zimmer verließen und sich auf den Weg machten. Zwar hätte sie wirklich liebend gerne ihre Haut ein wenig erfrischt nach der Reise, aber sie sah ein, dass es wohl keinen ganz so guten Eindruck machte, beim ersten Briefing zu spät zu kommen. Auch, wenn es nicht ihre Schud gewesen wäre, schließlich war dieser irre Fährpilot ja zu langsam gewesen, nicht sie. Nur hatte sie die leichte Befürchtung, dass der oder die Staffelcaptain das irgendwie anders sehen konnte.
Sie fanden den Weg mit Hilfe der Karte und Alliras Erfahrung recht gut, und Tamis war recht stolz auf sich, dass sie daran gedacht hatte, das Datapad mitzunehmen. Vermutlich würde sie es schließlich brauchen.
Die Tür zum Briefingraum Aurek stand offen, und Tamis linste auf ihr Chrono. Noch sechs Minuten bis elfhundert, das war ja überpünktlich. Aber wohl ganz gut jetzt am Anfang. Die Mon Calamari betrat den Raum, in welchem sich schon ein paar Personen aufhielten, und ließ den Blick schweifen. Niemand, den sie kannte, aber das wäre ja auch wirklich ein seltsamer Zufall gewesen. Es gab noch genug freie Plätze, und so wählte Tamis einen der erstbesten aus, hielt höflichkeitshalber aber einen Platz Abstand zu der braunhaarigen Menschenfrau, die bereits Platz genommen hatte. Alli setzte sich auf der anderen Seite neben sie.
Noch ein weiterer Blick in den Raum, dann hob Tamis grüßend die Flosse in Richtung der Braunhaarigen.
Axxila - Kitanis-Kette (Inselkette) - Raumjägerbasis - Briefingraum Aurek, mit Shara und NPCs (u.a. Allira Tuvores)