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Lilivienne Évarielle d'Oridin, Loise Évarielle, viele Gäste
Drei Tage nach der Zeremonie im Thronsaal des Sith-Tempels war die Galaxie eine andere. Der Imperator ermordet, die Neue Republik auf dem Vormarsch. Kashyyyk überfallen. Eine Zeitenwende. Sie war der Einladung des Duvins gefolgt. Das Cygnische Sternenimperium war ein Verbündeter des Galaktischen Imperiums. Lily selbst war ein Spross der cygnischen Kultur. Der Einladung in den Salon nicht nachzukommen, wäre einem politischen, kulturellen und nicht zuletzt persönlichem Affront gleichgekommen.
Der cygnischen Salon war kein Ort, an dem es besonders laut wurde. Er war dafür gedacht, dass sich unzählige Grüppchen in ineinander verwickelte Gespräche vertieften, deren Inhalte in dem leisen Hintergrundrauschen der Gesellschaft untergingen. Gedämpftes Licht fiel durch hohe Fenster auf den polierten weißen Steinboden, der fast belästigend in den Augen
glänzte. Zwischen schlanken Säulen aus makelosem Marmor hingen abstrakte Landschaften und Farbkompositionen aus Grün und Silber auf großformatigen Leinwänden. Cygnische Kunst. Nie eindeutig, stets etwas für jene Kulturinteressierte, die sich für überlegen hielten.
Lilivienne trat ein, ohne stehen zu bleiben. Fast demonstrativ trug sie ihre graue Gouverneursuniform, die in ihrem strengen Schnitt einen starken Kontrast zu den farbenfrohen Gewändern der cygnischen Gäste bildete. Über ihren Schultern lag lediglich ein Cape im genormten Rot des Imperiums. Das Rangabzeichen auf ihrer Brust war klar sichtbar, korrekt positioniert. Wer sie heute Abend hier sah, sollte keinerlei Zweifel daran haben, in welcher Funktion sie hier war.
Als wollte sie die Gedanken ihrer Tochter ins Lächerliche ziehen, bewegte sich Loise Évarielle mit der mühelosen Selbstverständlichkeit einer Baroness neben ihr, die sich nahtlos einpflegte. Ihr Kleid aus blauer Seide war mit silbernen Fäden durchzogen und folte jeder ihrer Bewegungen, so als wollte es ihre Körperform unterstreichen. Ihre Präsenz war ein Auftritt. Als die beiden - die kunsthandelnde, cygnische Baroness und ihre Gouverneurstochter - den Salon betraten, verstummten die Gespräche nicht. Doch sie wurden deutlich leiser, präziser, so als hätte jemand den Fokus verändert. Lilivienne bemerkte es, tat jedoch so, als würde sie es nicht tun.
Versammelt war cygnischer Adel, die Hochgesellschaft, Geschäftsleute, Künstler. Darunter die Diplomaten der Botschaft, die mit ihren schmalen Lächeln fast schon herausstachen aus dem Prunk. Ihre Uniformen, grün und elfenbeinfarben, waren fein bestickt. Außerdem waren einige Imperiale anwesend. Offiziere, Beamte. Vielleicht jene, die - wie Lily - einen cygnischen Migrationshintergrund hatten.
Ein leises Streichquartett spielte nahe der Fensterfront. Keine imperiale Hymne, kein Pathos. Es war etwas Älteres, Langsamer es. Es war Musik, die Raum für Gedanken und für Austausch ließ.
"Sie sehen dich an," sagte Loise leise, ohne den Kopf zu wenden. Lilivienne hob das Glas, das man ihr bereits nahe der Tür in die Hand gedrückt hatte. Es war mehr Reflex als Geste.
"Damit habe ich gerechnet."
"Sie überlegen, wie sie dich einordnen sollen", kommentierte Lilys Mutter weiter, als hätte sie die Worte ihrer Tochter nicht gehört. "Was bist du? Verkleidete Baroness, die Gouverneurin spielt, oder treue Imperiale, auf den Spuren ihres Vaters?"
Lily antwortete nicht. Sie kannte die Antwort. Sie spielte nichts. Die Uniform, die sie trug, war echt. Sie hatte sich aus eigenem Verdienst an die aktuelle Position herangearbeitet und würde sie nun nutzen, um ihren Wert zu beweisen. Stattdessen glitt ihr Blick über die Anwesenden. Tatsächlich sah sie eine Art Abwägen in ihren Augen, das Stille Kalkulieren, dass unter der Gesellschaft des cygnischen Adels so allgegenwärtig war. Ob Lily an diesem Abend mit Erwartungshaltungen brach, oder sie bestätigte, war ihr jedoch relativ egal. Sie wollte ein Signal senden. Sie kam als Gouverneurin von Bastion, unter einer neuen Imperator in, nach einer Krönung, die nicht nur die beiden verbündeten Imperien, sondern die gesamte Galaxie erschüttert hatte. Das hier war kein gesellschaftliches Ereignis. Es war ein Abtasten. Wo stand man?
Ein älterer Mann war der erste, der näher an sie herantrat. Er hatte winterweißes Haar und trug die Uniform eines Marquis. Sie war tadellos, in etwas altmodischem Schnitt. Er verneigte sich leicht und den Rängen angemessen.
"Gouverneurin d'Oridin", begann er in der galaktischen Gemeinsprache. "Gouverneurin Évarielle d'Oridin, Marquis de Uloir", korrigierte Elois ohne Umschweife in cygnischem Zungenschlag und doch mit einem Ton, der den Tadel mit einem Charme übermittelte. "Verzeiht", antwortete der Marquis nun fast theatralisch seinerseits in Cygnisch. "Ich wollte keinen Affront provozieren."
"Papalapap, Marquis, wir sind doch unter uns", fuhr Lilys Mutter fort.
Nun begriff Lily. Der vertraute Tonfall, in dem gesprochen wurde. Die Lautstärke. Der Ort. Sie befanden sich fast in der Mitte des Salons. Ihre Mutter hatte diese Unterredung eingefädelt und wollte irgendeine ihrer Inszenierungen veranstalten, die Lilivienne nur zu gut aus ihrer Kindheit in Erinnerung hatte. Doch ihr Vater hatte ihr schon früh beigebracht, die Manipulation zu erkennen und entschieden darauf zu reagieren.
"Entschuldigen Sie, Marquis. Mutter, der Duvain wartet auf dich." Mit einer sanften, aber bestimmten Handbewegung beförderte sie ihre Mutter in die entsprechende Richtung, der keine andere Wahl blieb, als darauf einzugehen und die Flucht anzutreten, wenn sie ihr Gesicht wahren wollte. Die Überraschung war dem Marquis nur kurz anzumerken.
"Die Imperatorin hätte sich keine bessere Verwalterin für Bastion aussuchen können. Cygnus gratuliert Ihnen zu Ihrer Ernennung."
"Danke, Marquis. Auch wenn ich hoffe, mehr Führung und Inspiration als krude Verwalterin zu sein", entgegnete Lilivienne ruhig. Der Marquis lächelte, als hätte er genau diese Antwort erwartet. "Das sieht die Imperatorin sicher ebenso."
Der Satz war beiläufig formuliert. Doch Lily erkannte die Prüfung dahinter.
"Die Imperatorin hat bei ihrer Krönung deutlich gemacht, was sie erwartet: Ordnung, Geschlossenheit und Verantwortung."
"So wie die Jedi sich verantworten müssen?", fragte der Mann nun in leiserem Ton. Lily ließ keine Regung erkennen.
"Die Jedi sind eine außenpolitische Frage."
"Ah! Sind wir Cygner das nicht auch?"
Nun war es Lily, die lächelte. "Das sind die Cygner auch.", bestätigte sie mit einem Nicken.
Das genügte. Der Marquis hatte seine Antwort bekommen und die Umstehenden daran teilhaben lassen. Er verabschiedete sich, sichtlich zufrieden. Andere folgten ihm. Kurze Gespräche, der Austausch von höflichen Worten. Es gab Andeutungen über den Wunsch wirtschaftlicher Zusammenarbeit, kulturellen Austausch und die Frage, ob es eine neue Rolle für das Cygnischer Sternenimperium gäbe. Und immer wieder dieselbe Frage zwischen den Zeilen: Wo stehen Sie, Gouverneurin?
Lily beantwortete sie auf ihre Weise. Ruhig, unausgesprochen und dennoch klar.
Als sie sich schließlich einen Moment zurückzog, an den Rand des Salons, kehrte Loise zurück. Für einen Augenblick schwiegen sie beide einander an, hörten der Musik zu und beobachten das gesellschaftliches Spiel aus Nähe und Distanz, das sie beide nur zu gut kannten.
"Du hast dich entschieden", sagte ihre Mutter schließlich. Es war keine Frage.
"Ich bin zu aller erst Gouverneurin von Bastion. Erst dann Baroness von Oridin.", sagte Lily mit einem kaum merklichen Nicken.
"Und Évarielle?"
"Ich habe ein Amt und Verantwortung."
Loise sah sie an, lange, prüfend.
"Und dich selbst?"
"Und mich selbst."
Sie hielt dem Blick ihrer Mutter stand.
Draußen senkte sich die Nacht über Center. Die Lichter der imperialen Metropole spiegelten sich in den Fenstern des Salons, tausende kleine Punkte, die zusammen ein Ganzes ergaben. Bastion war das Herz des Imperiums. Cygnus war ein Verbündeter, ja, aber seine Bedeutung begrenzt. Lilivienne wusste, dass sie zwischen beiden stand. Aber sie stand fest, aufrecht, wissend, dass es auf jene Fragen klare Antworten gab. Sie war nicht hier, um den Cygnern einen Gefallen zu tun, oder weil sie die Tochter ihrer Mutter war - eine Évarielle. Sie war hier, um Bastion zu vertreten.
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