Bastion

Bastion | Imperium | Bastion Center | Sithtempel - vor dem Haupttor | Sedros und Darel sowie der Torwächter (NSCs)


Der Lauf hatte Darel mehr Kraft gekostet, als er zugeben würde. Seine Beine waren noch immer schwer vom vorherigen Tag, doch er hielt das Tempo, das sein Lehrmeister vorgab, ohne Klage, ohne sichtbares Nachlassen. Jeder Atemzug brannte zunächst in der Lunge, jeder Schritt zog in den Oberschenkeln, doch mit jedem Kilometer fand sein Körper langsam in einen gleichmäßigen Rhythmus. Sedros lief neben ihm mit einer Leichtigkeit, die beinahe demütigend wirkte, und Darel registrierte genau, dass kein Schweiß auf der Stirn seines Meisters glänzte, kein Atem schwerer ging.

Am Raumhafen angekommen, fühlte Darel, wie sich die Resterschöpfung wieder in seinen Muskeln sammelte, doch bevor sein Körper zur Ruhe kommen konnte, folgten die Sprünge. Liegestützsprüngen. Die ersten zwanzig waren kontrolliert, die nächsten dreißig kosteten Konzentration, ab fünfzig begann das Zittern. Sein Atem wurde stoßweise, der Schweiß rann erneut, und er spürte das leichte Nachgeben in den Schultern, das gefährliche Gefühl, wenn Kraft und Koordination sich voneinander lösen wollen. Er zwang jede Wiederholung sauber zu Ende, selbst als seine Arme brannten und der Stein unter seinen Händen rutschig wurde.

Als Sedros ihn erneut zur Meditation anwies und die Hand auf seinen Kopf legte, fuhr für einen flüchtigen Moment Anspannung durch ihn, eine Erinnerung an die Tortur des vergangenen Tages. Doch diesmal war es anders. Die Macht strömte nicht wie ein Sturm durch ihn, sondern wie ein angenehmer Fluss. Darel spürte, wie Wärme in seine Muskeln floss, wie die Schwere aus den Oberschenkeln wich, wie sich die Enge in seiner Brust löste. Es war, als würde jemand eine unsichtbare Ordnung in seinem Körper wiederherstellen, Blut beschleunigen, Giftstoffe vertreiben, die Müdigkeit zurückdrängen. Als Sedros die Hand zurückzog, fühlte er sich tatsächlich leichter, klarer, beinahe erneuert – und zugleich war ihm bewusst, dass diese Fähigkeit ihm noch lange nicht gehörte.

An Bord der Obsidian Gauntlet nahm er jedes Detail in sich auf, ohne offen zu starren. Die Enge der Kabinen, die karge Nasszelle, die beinahe leere Waffenkammer. Es war kein Schiff für Komfort, sondern für Zweckmäßigkeit.

Der Frachtraum hingegen war Chaos.

Der Geruch traf ihn wie ein Schlag. Ammoniak, Futterreste, Federn. Die Porgs wuselten zwischen Kisten und Nistplätzen umher. Einer sprang gegen sein Bein, ein anderer versuchte tatsächlich, sich an seiner Schulter festzukrallen. Darel blieb ruhig. Er schob die Tiere behutsam, aber bestimmt zur Seite, während er begann, Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Die Servicedroiden arbeiteten mechanisch neben ihm, und er passte sich ihrem Rhythmus an, hob Käfige an, säuberte Flächen, richtete Nester neu aus.

Als Sedros ihn anwies, sechs alte und kranke Tiere auszuwählen, zögerte er nicht sichtbar. Er musterte die Porgs mit sachlichem Blick, achtete auf trübe Augen, struppiges Gefieder, langsame Bewegungen. Seine Hand griff zu, fing eines der Tiere ein, das in seinen Armen zappelte und quietschte. Für einen Moment spürte er das warme, schnelle Pochen des kleinen Herzens gegen seine Handfläche.

Er ließ es nicht zu lange dauern.

Im Nebenraum, als die Piranhakäfer dann über die wehrlosen Tiere herfielen, blieb sein Blick auf dem Geschehen. Die panischen Schreie schnitten kurz durch die Luft, dann war nur noch das Rascheln zahlloser Körper zu hören. Sein Magen zog sich einmal zusammen, reflexhaft, doch sein Gesicht blieb unbewegt, immerhin hatte er in der Vergangenheit schon mal Tiere schlachten müssen, als er einmal mit seinem Vater auf der Jagd war. Er zwang sich, nicht wegzusehen. Sedros beobachtete ihn – das war offensichtlich.

Zwischen dem Gewimmel der Insekten nahm er etwas anderes wahr. Eine feine, kaum greifbare Präsenz, die nicht von den Käfern ausging. Die Schwerter, sie standen reglos in den Behältern, doch ihre Aura war schwach, pulsierend. Dieser Eindruck blieb ihm länger im Bewusstsein als die Schreie der Porgs.

In der Nasszelle ließ er das heiße Wasser über sich laufen, schrubbte den Geruch des Stalls von seiner Haut und betrachtete kurz die verblassten Blutspuren an seinem Ohr. Sein Körper war noch immer nicht vollständig erholt, doch er stand aufrecht und fühlte sich zumindest erfrischt, als er in frischer Robe die Kombüse betrat.

Das Essen war schlicht, aber kräftig. Er setzte sich, nahm Besteck und begann zu essen, ohne Hast. Als Sedros vom Kochen sprach und von Giften, registrierte Darel den Hinweis. Jede Tätigkeit war Unterricht.



Dann kam die Frage von Sedros was die widrigen Umstände waren, die ihn hierhergeführt hatten.

Darel legte das Besteck für einen Moment beiseite. Nicht, um Zeit zu gewinnen, sondern um die Antwort zu ordnen. Sein Blick hob sich ruhig.


„Die kurze Version“, begann er schließlich ruhig, „ist einfach.“

Seine Stimme war gefasst und ohne Bitterkeit.

„Meine Familie erfuhr von meiner Machtsensitivität. Und damit war die Entscheidung gefallen.“

Er machte eine kleine, beinahe gleichgültige Handbewegung auch wenn man vielleicht ein gewisses Maß an Enttäuschung sah.
„Ich wurde nicht gefragt. Man sah darin eine Gelegenheit. Einfluss. Prestige. Einen möglichen Vorteil für das Haus.“

Dann lehnte er sich minimal zurück, nicht trotzig, sondern sachlich.
„Die längere Version ist weniger dramatisch, als man vermuten könnte. Ich bin in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen. Kein Adel, aber mit Ambitionen. Disziplin, Ordnung, Leistung – das waren keine Tugenden, das waren Voraussetzungen. Man brachte mir früh bei, dass der Wert eines Menschen sich daran bemisst, was er beiträgt.“

Ein kaum merkliches Zucken ging durch seine Mundwinkel.
„Ich hatte keine unglückliche Kindheit. Ich wurde gefördert. Trainiert. Gefordert. Ich habe Leistung erbracht – und ich tat es gern. Weil ich glaubte, es diene der Familie. Dem Zusammenhalt. Einem großem Ganzen...wie Naiv ich war.“

Sein Blick wurde für einen Moment kühler.
„Erst als klar wurde, dass mein Leben nur als strategische Ressource betrachtet wird, verstand ich den Unterschied.“

Er schwieg kurz. Nicht nur aus Rührung. Sondern auch aus Klarheit.
„Ich wurde nicht entsandt, um gefördert zu werden. Ich wurde entsandt, weil es nützlich war.“

Seine Finger legten sich ruhig ineinander auf dem Tisch und sah Sedros direkt an, ohne Herausforderung, ohne Unterwürfigkeit.
„Ich bin niemandem mehr etwas schuldig, nur weil ich in Ihren Kreis geboren wurde. Wenn ich diene, dann aus eigener Entscheidung. Wenn ich leiste, dann weil ich davon lerne und wachse.“

Darel machte einen langsamen Atemzug.
„Mir ist bewusst, dass ich als Schüler Verpflichtungen habe. Dass Ihr Erwartungen habt. Dass der Orden Erwartungen hat. Und ich werde sie erfüllen.“

Seine Stimme blieb ruhig und ein schwaches, kontrolliertes Lächeln zog über sein Gesicht.
„Meine Familie wird eines Tages sehen, was aus ihrer Investition geworden ist. Nur wird sie nicht mehr bestimmen, wem diese Stärke gehört.“

Dann nahm er das Besteck wieder auf, als wäre das Gespräch nichts weiter als eine nüchterne Darlegung von Fakten gewesen und blickte seinen Meister an und wartet auf dessen Reaktion



Bastion | Imperium | Bastion Center | Raumhafen - an Bord der Obsidian Gauntlet, Kombüse | Sedros und Darel
 
Zurück
Oben