Lucan Vito Bellori
Alte Schule
[Bastion - Bastion-Center - Regierungsgebäude - Flur]
Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl
Bastion Center hatte Lucian schon bei früheren Aufenthalten nicht sonderlich beeindruckt und auch diesmal änderte sich daran wenig. Natürlich war die schiere Größe der imperialen Thronstadt kaum zu übersehen. Ministerien, Verwaltungsgebäude und gewaltige Wolkenkratzer erstreckten sich über ganze Bezirke, während über der Skyline meistens ein Sturm wütete. Doch vielleicht lag es gerade an dieser gewaltigen Konzentration imperialer Macht, dass Lucian immer schon etwas anderes und noch größeres erwartet hatte. Noch vor wenigen Tagen hatte der Verwalter in seinem kaum fertig eingerichteten Büro auf Brentaal gestanden und Cassian Varro erklärt, weshalb er überhaupt keinen Grund sah, seine neue Wirkungsstätte schon wieder zu verlassen. Inzwischen musste er sich widerwillig eingestehen, dass sein Vizegouverneur mit seiner Einschätzung vermutlich nicht vollkommen daneben gelegen hatte.
Brentaal IV mochte eine der wirtschaftlich bedeutendsten Welten des Imperiums sein und Lucians Ernennung zu ihrem Gouverneur stellte den größten Sprung seiner bisherigen Laufbahn dar. Bastion war dennoch eine andere Kategorie. Hier saßen jene Menschen, die Ministerien lenkten, mit dem Dunstkreis der Imperatorin verkehrten und über das Schicksal des gesamten Imperiums verfügten. Wenn man ihn also in diesen scheiß Expertenrat berief, dann würde Lucian also verdammt noch einmal teilnehmen. Nicht weil er besondere Freude daran verspürte, sich von anderen erklären zu lassen, welche Probleme es zu lösen galt, sondern weil er nach all den Jahren nicht vorhatte, eine offene Tür deshalb zu ignorieren, weil ihm der Raum dahinter nicht gefiel. Dass er Brentaal währenddessen in den Händen Cassians zurücklassen musste, bereitete ihm überraschend wenig Sorgen. Der Mann war ein selbstgefälliger, aalglatter Schnösel und besaß die ausgesprochen störende Angewohnheit, dies mit einer solchen Gelassenheit zu tragen, dass Lucian ihm nur schwer einen Vorwurf daraus machen konnte. Leider war er ebenso kompetent. In den vergangenen Wochen hatte Varro mehrfach bewiesen, dass er sehr genau wusste, welche Hebel innerhalb einer Verwaltung bewegt werden mussten, damit sich tatsächlich etwas bewegte. Lucian vertraute ihm deshalb keineswegs blind, doch ausreichend, um für einige Tage nach Bastion zu reisen, ohne alle zwei Stunden nachzufragen, ob sein Büro noch stand.
Seine Schritte hallten gleichmäßig über den Boden des Korridors. Lucian trug seine dunkelgraue Gouverneursuniform, hatte auf zusätzliche zeremonielle Elemente jedoch verzichtet. Eine Rangplakette genügte vollkommen. Wer innerhalb dieses Gebäudes nicht wusste, welche Stellung ein Gouverneur einnahm, war vermutlich ohnehin nicht wichtig genug, um ihn länger zu beschäftigen. Seine Stimmung hatte sich seit seiner Ankunft überraschend stabil gehalten. Der Flug war ruhig gewesen, seine Unterbringung akzeptabel und bislang hatte niemand versucht, ihm auf den Sack zu gehen. Gemessen an seinen vergangenen Wochen war das beinahe ein gelungener Vormittag.
Dann hörte er seinen Namen.
Lucian verlangsamte seinen Schritt und wandte sich um. Die Stimme hatte einem etwas nervös wirkenden Mann gehört, der einige Meter entfernt neben zwei weiteren Männern durch den Korridor kam und offenbar keinerlei Versuch unternommen hatte, seine Feststellung für sich zu behalten. Lucians Blick blieb einen Moment an ihm hängen, ehe er zu dem älteren der beiden Begleiter wanderte. Groß, schmal, zurückhaltend und mit jener ruhigen Aufmerksamkeit ausgestattet, die Lucian bei Menschen gewöhnlich mehr schätzte als übertriebene Geschäftigkeit. Der dritte Mann stand dagegen erkennbar im Zentrum der kleinen Gruppe.
Er war jung. Deutlich jünger als Lucian jedenfalls und vermutlich noch keine dreißig. Schwarzes Gewand, dunkles Cape, goldene Kette und eine Haltung, die verriet, dass er es gewohnt war, nicht als einer unter vielen wahrgenommen zu werden. Als sich ihre Blicke trafen, erschien für einen kurzen Augenblick ein Lächeln auf dessen Gesicht, das ungefähr so natürlich wirkte wie das eines Mannes, der einem gerade ins Waschbecken gepisst hatte, nur um im nächsten Moment zu fragen, wo er sich denn die Hände waschen könne.
Lucian blieb stehen und der junge Mann reichte ihm keine Hand. Gut, denn Lucian hatte ebenfalls nicht vor, ihm eine anzubieten. Er betrachtete ihn einen kurzen Augenblick. Leobund. Der Name sagte ihm zunächst nichts, jedenfalls nichts, das ihn unmittelbar hätte aufhorchen lassen. Der Titel erklärte hingegen zumindest einen Teil des Auftretens. Dass ein Mann dieses Alters bereits eine Abteilung im Außenministerium leitete, war bemerkenswerter. Lucian hatte in seiner Karriere genügend junge Karrieristen erlebt, die ihre Position vor allem dem richtigen Namen, den richtigen Kontakten oder dem richtigen Vater verdankten.
Der Expertenrat würde vermutlich früh genug zeigen, welche Sorte vor ihm stand. Sein Blick wanderte kurz an Percival vorbei zu dem Mann, der seinen Namen eben noch durch den Korridor getragen hatte.
"Ihr Begleiter hat freundlicherweise bereits einen Teil der Vorstellung für uns übernommen.“
Der Ton blieb vollkommen trocken. Kein Lächeln begleitete die Bemerkung, und Lucian ließ offen, ob er sie als Scherz verstanden wissen wollte. Anschließend richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Percival.
"Und ja. Wenn Sie ebenfalls zu diesem Expertenrat unterwegs sind, für den man mich kaum eine Woche nach meinem Amtsantritt hierher beordert hat, scheinen wir tatsächlich den gleichen Weg zu haben."
Lucian setzte sich wieder in Bewegung, ohne eine ausdrückliche Einladung abzuwarten. Wenn sie ohnehin dasselbe Ziel hatten, sah er wenig Sinn darin, noch länger mitten auf einem Flur herumzustehen. Für einige Schritte schwieg er und ließ seinen Blick über die Wegweiser an den Wänden gleiten, bevor er wieder zu dem jungen Abteilungsleiter sah.
"Neutrale Staaten im galaktischen Norden."
Er wiederholte die Bezeichnung eher feststellend als fragend.
"Dann hoffe ich, dass dieser Expertenrat seinem Namen gerecht wird. Ich habe schon genügend davon erlebt, in denen alles mögliche saß - außer den verdammten Experten“
Ein kurzer Seitenblick folgte.
"Hoffentlich werden Sie mir dann gleich als erster beweisen, dass es diesmal anders ist“
Lucian wandte den Blick wieder nach vorne. Er kannte Leobund nicht und hatte bislang weder Anlass, ihn zu mögen, noch ihn abzuschreiben. Das auffällige Auftreten, die unterkühlte Begrüßung und die Tatsache, dass ein Mann in diesem Alter bereits eine durchaus gewichtige Position bekleidete, genügten allerdings vollkommen, um zumindest sein Interesse zu wecken. Ob dieses Interesse nach der bevorstehenden Sitzung in Respekt oder Verachtung umschlug, würde sich zeigen.
[Bastion - Bastion-Center - Regierungsgebäude - Flur]
Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl
Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl
Bastion Center hatte Lucian schon bei früheren Aufenthalten nicht sonderlich beeindruckt und auch diesmal änderte sich daran wenig. Natürlich war die schiere Größe der imperialen Thronstadt kaum zu übersehen. Ministerien, Verwaltungsgebäude und gewaltige Wolkenkratzer erstreckten sich über ganze Bezirke, während über der Skyline meistens ein Sturm wütete. Doch vielleicht lag es gerade an dieser gewaltigen Konzentration imperialer Macht, dass Lucian immer schon etwas anderes und noch größeres erwartet hatte. Noch vor wenigen Tagen hatte der Verwalter in seinem kaum fertig eingerichteten Büro auf Brentaal gestanden und Cassian Varro erklärt, weshalb er überhaupt keinen Grund sah, seine neue Wirkungsstätte schon wieder zu verlassen. Inzwischen musste er sich widerwillig eingestehen, dass sein Vizegouverneur mit seiner Einschätzung vermutlich nicht vollkommen daneben gelegen hatte.
Brentaal IV mochte eine der wirtschaftlich bedeutendsten Welten des Imperiums sein und Lucians Ernennung zu ihrem Gouverneur stellte den größten Sprung seiner bisherigen Laufbahn dar. Bastion war dennoch eine andere Kategorie. Hier saßen jene Menschen, die Ministerien lenkten, mit dem Dunstkreis der Imperatorin verkehrten und über das Schicksal des gesamten Imperiums verfügten. Wenn man ihn also in diesen scheiß Expertenrat berief, dann würde Lucian also verdammt noch einmal teilnehmen. Nicht weil er besondere Freude daran verspürte, sich von anderen erklären zu lassen, welche Probleme es zu lösen galt, sondern weil er nach all den Jahren nicht vorhatte, eine offene Tür deshalb zu ignorieren, weil ihm der Raum dahinter nicht gefiel. Dass er Brentaal währenddessen in den Händen Cassians zurücklassen musste, bereitete ihm überraschend wenig Sorgen. Der Mann war ein selbstgefälliger, aalglatter Schnösel und besaß die ausgesprochen störende Angewohnheit, dies mit einer solchen Gelassenheit zu tragen, dass Lucian ihm nur schwer einen Vorwurf daraus machen konnte. Leider war er ebenso kompetent. In den vergangenen Wochen hatte Varro mehrfach bewiesen, dass er sehr genau wusste, welche Hebel innerhalb einer Verwaltung bewegt werden mussten, damit sich tatsächlich etwas bewegte. Lucian vertraute ihm deshalb keineswegs blind, doch ausreichend, um für einige Tage nach Bastion zu reisen, ohne alle zwei Stunden nachzufragen, ob sein Büro noch stand.
Seine Schritte hallten gleichmäßig über den Boden des Korridors. Lucian trug seine dunkelgraue Gouverneursuniform, hatte auf zusätzliche zeremonielle Elemente jedoch verzichtet. Eine Rangplakette genügte vollkommen. Wer innerhalb dieses Gebäudes nicht wusste, welche Stellung ein Gouverneur einnahm, war vermutlich ohnehin nicht wichtig genug, um ihn länger zu beschäftigen. Seine Stimmung hatte sich seit seiner Ankunft überraschend stabil gehalten. Der Flug war ruhig gewesen, seine Unterbringung akzeptabel und bislang hatte niemand versucht, ihm auf den Sack zu gehen. Gemessen an seinen vergangenen Wochen war das beinahe ein gelungener Vormittag.
Dann hörte er seinen Namen.
Lucian verlangsamte seinen Schritt und wandte sich um. Die Stimme hatte einem etwas nervös wirkenden Mann gehört, der einige Meter entfernt neben zwei weiteren Männern durch den Korridor kam und offenbar keinerlei Versuch unternommen hatte, seine Feststellung für sich zu behalten. Lucians Blick blieb einen Moment an ihm hängen, ehe er zu dem älteren der beiden Begleiter wanderte. Groß, schmal, zurückhaltend und mit jener ruhigen Aufmerksamkeit ausgestattet, die Lucian bei Menschen gewöhnlich mehr schätzte als übertriebene Geschäftigkeit. Der dritte Mann stand dagegen erkennbar im Zentrum der kleinen Gruppe.
Er war jung. Deutlich jünger als Lucian jedenfalls und vermutlich noch keine dreißig. Schwarzes Gewand, dunkles Cape, goldene Kette und eine Haltung, die verriet, dass er es gewohnt war, nicht als einer unter vielen wahrgenommen zu werden. Als sich ihre Blicke trafen, erschien für einen kurzen Augenblick ein Lächeln auf dessen Gesicht, das ungefähr so natürlich wirkte wie das eines Mannes, der einem gerade ins Waschbecken gepisst hatte, nur um im nächsten Moment zu fragen, wo er sich denn die Hände waschen könne.
Lucian blieb stehen und der junge Mann reichte ihm keine Hand. Gut, denn Lucian hatte ebenfalls nicht vor, ihm eine anzubieten. Er betrachtete ihn einen kurzen Augenblick. Leobund. Der Name sagte ihm zunächst nichts, jedenfalls nichts, das ihn unmittelbar hätte aufhorchen lassen. Der Titel erklärte hingegen zumindest einen Teil des Auftretens. Dass ein Mann dieses Alters bereits eine Abteilung im Außenministerium leitete, war bemerkenswerter. Lucian hatte in seiner Karriere genügend junge Karrieristen erlebt, die ihre Position vor allem dem richtigen Namen, den richtigen Kontakten oder dem richtigen Vater verdankten.
Der Expertenrat würde vermutlich früh genug zeigen, welche Sorte vor ihm stand. Sein Blick wanderte kurz an Percival vorbei zu dem Mann, der seinen Namen eben noch durch den Korridor getragen hatte.
"Ihr Begleiter hat freundlicherweise bereits einen Teil der Vorstellung für uns übernommen.“
Der Ton blieb vollkommen trocken. Kein Lächeln begleitete die Bemerkung, und Lucian ließ offen, ob er sie als Scherz verstanden wissen wollte. Anschließend richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Percival.
"Und ja. Wenn Sie ebenfalls zu diesem Expertenrat unterwegs sind, für den man mich kaum eine Woche nach meinem Amtsantritt hierher beordert hat, scheinen wir tatsächlich den gleichen Weg zu haben."
Lucian setzte sich wieder in Bewegung, ohne eine ausdrückliche Einladung abzuwarten. Wenn sie ohnehin dasselbe Ziel hatten, sah er wenig Sinn darin, noch länger mitten auf einem Flur herumzustehen. Für einige Schritte schwieg er und ließ seinen Blick über die Wegweiser an den Wänden gleiten, bevor er wieder zu dem jungen Abteilungsleiter sah.
"Neutrale Staaten im galaktischen Norden."
Er wiederholte die Bezeichnung eher feststellend als fragend.
"Dann hoffe ich, dass dieser Expertenrat seinem Namen gerecht wird. Ich habe schon genügend davon erlebt, in denen alles mögliche saß - außer den verdammten Experten“
Ein kurzer Seitenblick folgte.
"Hoffentlich werden Sie mir dann gleich als erster beweisen, dass es diesmal anders ist“
Lucian wandte den Blick wieder nach vorne. Er kannte Leobund nicht und hatte bislang weder Anlass, ihn zu mögen, noch ihn abzuschreiben. Das auffällige Auftreten, die unterkühlte Begrüßung und die Tatsache, dass ein Mann in diesem Alter bereits eine durchaus gewichtige Position bekleidete, genügten allerdings vollkommen, um zumindest sein Interesse zu wecken. Ob dieses Interesse nach der bevorstehenden Sitzung in Respekt oder Verachtung umschlug, würde sich zeigen.
[Bastion - Bastion-Center - Regierungsgebäude - Flur]
Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl



