Chommell Minor

Faye fuhr herum, als Farlorns Schrei den Laborraum durchschnitt. Der grelle Blitz der Explosion brannte sich in ihre Netzhaut, und sofort roch es nach verbranntem Fleisch und geschmolzenem Kunststoff.


Farlorn!“

Ihr verletztes Bein protestierte mit einem scharfen Stich, als sie humpelnd vorwärtsdrängte, doch sie ignorierte es.

Kontakt! Feind im Raum! Darn, sofort zu Farlorn! Medkit raus!“

Darn war schon in Bewegung, noch bevor sie den Satz beendet hatte. Der blonde Corellianer warf sich neben dem Sergeant auf die Knie, riss das Medkit von seiner Hüfte und drückte einen Druckverband auf die schlimmsten Brandwunden.

Scheiße,– er sieht übel aus. Gesicht und Arme haben ordentlich was abbekommen. Er atmet noch, ist aber bewusstlos. Wir können ihn tragen, aber nicht lange rennen.“ Seine Stimme war angespannt, der sonst so lockere Ton komplett verschwunden.


Faye drückte sich mit der Schulter gegen einen schweren Labortisch und scannte den Raum. Das Gluckern aus den Leitungen war jetzt deutlich lauter, fast schon ein bedrohliches Rauschen.


Verstanden. Wir ziehen uns sofort zurück !“ Sie hob die Stimme, klar und befehlsgewohnt. „Ihr zwei – helft Darn mit Farlorn! Der Rest sichert den Gang hinter uns. Rückzug zum Hauptkorridor, geordnet und schnell!“

Darn nickte knapp, während er Farlorn zusammen mit den beiden Infanteristen auf die improvisierte Trage hievte. „Du hast gehört, was die Corporal gesagt hat, Leute. Hoch mit ihm! Und pass auf seinen Kopf auf, verdammt.“


Faye aktivierte ihr Kommlink, die Stimme angespannt.

Fat Lady, hier Toolmann. Feindkontakt im Labor. Sergeant Farlorn schwer verwundet durch Blend-/Brandgranate. Wir sichern ihn und ziehen uns jetzt zurück. Wassergeräusche werden stärker – der Bunker flutet vermutlich. Brauchen schnelle Evakuierung am Eingang.“

Darn warf ihr einen kurzen Blick zu, während er mit half, Farlorn zu tragen. „Faye, dein Bein… du humpelst schlimmer als vorhin. Wenn du zusammenklappst, müssen wir dich auch noch schleppen.“


Halt die Klappe und lauf,“hab sie trocken zurück, ein schwaches Grinsen trotz der Schmerzen. „Ich bin schon groß.“


Jaja, ‚nur ein Kratzer‘, klar…“ murmelte Darn, klang aber erleichtert, dass sie noch Witze reißen konnte. Er wechselte kurz den Griff an der Trage. „Der Wasserdruck steigt wirklich. Hört sich an, als würde gleich der ganze Sumpf hier reinkommen. Wir sollten machen, dass wir rauskommen, bevor dieser Schrotthaufen uns alle ersäuft.“


Faye blieb etwas zurück, den Blaster im Anschlag, und deckte den Rückzug der Gruppe ab. Sie zielte nicht auf die Schränke, sondern behielt sie nur misstrauisch im Auge.


Während sie den Gang erreichten sah Darn sich besorgt um.Das Rauschen aus den Leitungen wurde lauter. Faye fluchte leise.
 
[ Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | im ehemaligen Laborbunker (100 Klicks vom FOB entfernt) | auf dem Weg zum subaquatischen Hintereingang ] Käpt’n Lazlo Haintir, Piega


Während sie durch die feuchten Korridore rannten, hörten sie noch die gedämpften Schreie und Befehle der Soldaten hinter sich, aber konnten keine einzelnen Worte verstehen. Wahrscheinlich nahmen die die Verfolgung auf!
Nach vielen Windungen und Durchgängen – Käpt’n Haintir wunderte sich, wie gut sich die Bothanerin den Weg eingeprägt hatte – erreichten sie heftig schnaufend den Eingangsraum mit dem gefluteten Becken. Jetzt mussten sie nur noch durch die Luke ins Freie tauchen.

Sie wechselten einen kurzen Blick. Lazlo nickte zum Container auf Piegas Rücken.
Sie brachte ein schiefes Lächeln zustande:
„Ja, ich glaub‘ ich hab‘ den Prototypen. Aber keine Ahnung, ob er noch funktioniert.“
Der Käpt’n nickte nur und warf sich dann mit einem eleganten Köpfer ins Wasser. Die Bothanerin folgte ihm, widerwillig die Stufen ins modrige Nass tapsend.


[ Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | Aurora-Basis | an Bord der „Wellenreiter“ ] Käpt’n Lazlo Haintir, Piega, Raki und weitere NPCs


Die Bothanerin Piega saß mit einem Badetuch umwickelt und einer Tasse Tee im kleinen Besprechungsraum auf der „Wellenreiter“. Der Raum war erfüllt vom Geruch nach ihrem feuchten Fell, aber daran schien sich niemand zu stören. Es gab wichtigeres.

„Leute, wir haben zwei Probleme“, leitete der Käpt’n die Lagebesprechung im Kreis seiner wichtigsten Crewmitglieder ein.
„Erstens: Es handelt sich eindeutig um eine militärische Operation der Reps. Und sie wissen nun, dass wir hier sind. Wir haben zwar keine Ahnung, ob sie schon von Aurora hier Wind bekommen haben, aber wenn sie nicht total grün hinter den Kiemen sind, werden sie die alte Basis auf den Karten finden und als das beste Versteck für uns erkennen.“

Zustimmendes Gemurmel.

„Zweitens: Wir haben den Prototypen zwar gefunden, aber er ist scheinbar durchgebrannt und unseren besten Techniker, der das Teil vielleicht hätte reparieren können, haben wir verloren. Es ist davon auszugehen, dass die Reps Anno gefangen genommen haben, zumindest haben wir seine Leiche bei der Flucht nicht gesehen. Im Gegensatz zu Pallio, den hat’s definitiv erwischt. Wir haben also zwei Mann weniger und einen defekten Prototypen.“

Mentaki, ein dunkelhäutiger Mensch mit rotem Kopftuch meldete sich zu Wort. Er war der Anführer der drei R41-Sternjäger der Freibeuter. „Kann man das Teil nicht auch so verkaufen. Klar, nicht zum vollen Preis, aber da wird sich doch jemand finden, der das Ding auseinandernehmen und untersuchen will, oder?“

Der Käpt’n nickte und seufzte gleichzeitig. „Ja, hoffentlich. Aber da er kaputt ist, können wir nicht glaubhaft beweisen, dass es sich tatsächlich um das wertvolle Teil handelt. Ich werde auf jeden Fall versuchen, Kontakt zu Kastus aufzunehmen, er wird sehen, ob die ursprünglichen Interessenten noch Interesse haben oder ob er jemand anderen findet.“

Eine kurze Pause trat ein, dann räusperte sich Raki, die Kundschafterin. Sie lehnte im Türrahmen, mehrere Bandagen zierten ihren Oberkörper und ihren Kopf. Sie war noch gut davongekommen, aber seit dem Verlust ihres geliebten Scharfschützengewehrs war ihre Stimmung auf dem Tiefpunkt.

„Wir sollten ihre T-47 Gleiter abschießen, sobald sie der Basis nahe kommen. Kann gut sein, dass das die einzigen Luftfahrzeuge sind, die sie haben. Dann hätten wir die Lufthoheit.“ Das war mehr an Mentaki gerichtet als an den Käpt’n. Aber der Jägerpilot schaute trotzdem zu Haintir, was der dazu sagte.

Der Quarren verzog seinen Mund und wiegte den Kopf hin und her. Er war nicht überzeugt.
„Klar, das wäre ein großer Vorteil. Aber sehr riskant. Ich weiß, dass du wütend bist und nach Rache dürstest, Raki, und mir geht’s ähnlich. Trotzdem wäre es mir am liebsten, wenn wir so schnell wie möglich von hier verschwinden. Ich fürchte nur, dass wir unsere Zelte nicht schnell genug abbrechen können, bevor sie uns hier finden.“

Er überlegte und seine Gesichtstentakel kräuselten sich um seine Finger. Dann befahl er:
„Also gut. Alles auf einen Angriff vorbereiten. Barrikaden, Minen, Geschützstände. Mentaki, deine Jäger in Bereitschaft halten. Falls sich die T-47 der Reps hier blicken lassen, versucht sie abzuknallen. Alle andern: Alles abbrechen, einpacken, abflugbereit machen. Und gebt die Nachricht auch an die Außenposten und alle Streuner dort draußen im Sumpf weiter. Ich habe keine Lust, jemanden zurückzulassen, aber wer zu spät kommt, hat Pech gehabt.“


[ Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | Aurora-Basis | an Bord der „Wellenreiter“ ] Käpt’n Lazlo Haintir, Piega, Raki und weitere NPCs
 
[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | im Sumpf nahe eines ehemaligen Außenpostens (100 Klicks vom FOB entfernt)| A-A5 Speedertruck 'Fat Lady'] SSgt. Jae Sovv & Truck-Besatzung (NPCs), ein Fireteam Kundschafter mit Aufklärungsdroiden, Anno

Staff Sergeant Jae Sovv stierte auf den Feed des Aufklärungsdroiden – und sah nichts. Gut, Schlamm, ranzige, krumme Bäume und noch mehr von diesen ekligen Riesenblutegeln war nicht nichts. Aber es war zumindest nichts, weswegen sie dieses wunderschöne fliegende Gimmick der Kundschafter bestellt hatte. Der Sullustaner rümpfte unbewusst ein wenig die Nase. Es war selten, dass er die Gelegenheit diese Sorte von Spielzeug im Feld zu benutzen. Es war enttäuschend, dass der Droide da draußen jetzt im Wesentlichen eine Holodoku zur abstoßenden Fauna von CM-04 drehte, statt Feinde über Wärmebildoptiken abzulichten. Fast ärgerte es ihn ein wenig, dass es schien, als sei jenseits des Scharfschützen, der ihr Hauptgeschütz ruiniert hatte, niemand weiteres da draußen im Schlamm. Dann rauschte für plötzlich das Komm und Toolmanns Stimme drang hervor.

Fat Lady, hier Toolmann. Feindkontakt im Labor. Sergeant Farlorn schwer verwundet durch Blend-/Brandgranate. Wir sichern ihn und ziehen uns jetzt zurück. Wassergeräusche werden stärker – der Bunker flutet vermutlich. Brauchen schnelle Evakuierung am Eingang.“

Sovv kratzte sich schniefend unter einer seiner herabhängenden Backen, bemüht die neuerliche Anspannung und einen Anflug von Wut zu unterdrücken. Natürlich war schon wieder jemand verletzt worden. Natürlich flutete jetzt wohl dieses sumpfige Dreckloch da unten. Warum auch nicht?! Sie hatten jetzt erheblich mehr Verletzte als ihm lieb war. Ein nasales, mürbes Knurren drang aus seiner Kehle. Er hatte sich nichts vorzuwerfen, auch wenn es sich nicht unbedingt so anfühlte. Ob der Captain das auch so sehen würde, war eine andere Angelegenheit.

Toolmann, hier Sovv. Verstanden, der Motor läuft. Passen Sie auf sich auf und kommen Sie aus dem Loch raus!“

Er gab die nötigen Befehle, sammelte Aufklärer und Droiden ein und machte schließlich Meldung im FOB und kaum war er fertig, kam die Pionierin mit ihren Soldaten aus dem ranzigen Betonzugang heraus, wobei einer ihrer Leute Farlorn wie einen nassen Sack über die Schulter geschlungen hatte. La’Seca, es geht los,“ rief er vom Passagierraum ins Cockpit, kaum das seine Passagiere vollständig in der warmen Umarmung der 'Fat Lady' Platz genommen hatten, und dann hieb er mit fest geschlossener Faust auf den Knopf, der die gepanzerte Laderampe schloss. „Gut festhalten,“ brummte der Sergeant, während er besorgt die Brandwunden des Verletzten musterte. "Wir werden mit Höchstgeschwindigkeit zum FOB zurückkehren. ETA 40 Minuten. Stabilisieren Sie Farlorn so gut sie können und halten Sie mich auf dem Laufenden ...“ Und damit stapfte er nach vorne durch und schien für außenstehende, einem erfahrenen Reiter gleich, die starke Beschleunigung des Panzertrucks vorauszuahnen und wurde im Gegensatz zu einem der Scouts kaum vom deutlichen Ruck unter ihren Füßen tangiert.


[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | Kleeque-Transporter "Dorn-7" im Landeanflug auf FOB Nebelsumpf | Gang oberhalb der Laderampe] Sergeant Owain Bleddyn

Nur wenig später etwa 100 Klicks entfernt ...


Owain Bleddyn wusste nicht, was ihm weniger gefiel: der unangenehme Druck, den die Panzerplatten seiner Infanterierüstung auf die fast verheilte, aber noch überraschend sensible Verletzung an seinem Bein ausübte oder doch eher der scheußliche Anblick, der sich ihm außerhalb des Kleeque-Klasse Transporters bot. Ruckelnd drang das Schiff durch immer neue Felder tiefgrauer Wolken und wurde dabei von immer neuen Böen erfasst, wodurch immer wieder ein leichtes Zittern durch den metallenen Boden ging. Die Sichtluken des Transporters waren von gefrierenden Wassertropfen bedeckt und alles, was er unter dem Schiff trotz des zackigen Landeanfluges erkennen konnte, war eine stete grau-grün-braune Einheitsmasse, aus der ein Cluster an dreckigen Feldbefestigungen und Armeecontainern herausstach. „Was für ein Drecksloch,“ brummte er mehr zu sich selbst, war dann aber doch etwas überrascht, als leise hinter ihm die Stimme von Lieutenant Kohé zu hören war. „Die Schlammspringer von der Armee haben es passenderweise ‚Nebelsumpf‘ genannt.“ Die Stimme des Nikto war ruhig und ausdruckslos, wenn auch Owain meinte den zarten Ansatz von Amüsement herauszuhören. Vielleicht bildete er sich das aber auch ein. Irritiert vom plötzlichen Anschleichen seines vorgesetzten Offiziers, drehte er sich langsam um und nickte knapp. „Sir.“

Die kühlen Augen des Lieutenants fixierten ihn ohne übermäßige Gefühlsregung. „Sie sind sich sicher, dass Sie bereits einsatzbereit sind, Bleddyn,“ fragte der Offizier und musterte ihn aufmerksam. „Es wird da unten keine Verschnaufpausen geben.“ Eine von Owains Augenbrauen zuckte leicht nach oben. Keine Verschnaufpausen also? Klang für ihn, als plante man, seine Kompanie als gewaltsame Lösung für ein akutes Problem einzusetzen. Tatsächlich hatte er gestern beim letzten Check-Up seiner Verletzung darauf bestanden wieder in den Regeldienst entlassen zu werden. Er war es den verbliebenen Mitgliedern seines Trupps schuldig, an ihrer Spitze zu kämpfen, wenn die Marines ins Gefecht gingen. „Sir, ich ...,“ begann er und räusperte sich kurz, um sich einen Moment Bedenkzeit zu schaffen. Owain wollte dem LT keinen Anlass bieten, seine Rückkehr in den Regeldienst zu sabotieren. „ ... ich habe keine Einschränkungen mehr, die mich im Gefecht behindern würden, Sir.“ Kurze und knappe Antworten waren vermutlich die beste Möglichkeit den Offizier abzuwimmeln. Der pragmatische Nikto schätzte Präzision in Meldungen, das wusste er. Kohé nickte unmerklich und inspizierte ihn erneut mit kühlen, wenn auch nicht unfreundlichen Blicken, ähnlich wie man in einem Schützenloch einen Repetierblaster auf Verschmutzungen untersuchte. Schließlich wollte man, dass die Waffe funktionierte, wenn es darauf ankam. „Richten Sie sich im FOB ein und gehen Sie früh ins Bett. Allgemeines Briefing um 0400 in der Kantine beim Kommandobunker.“

Dann drehte sich Lieutenant Kohé wortlos ab und stapfte davon, erstaunlicherweise ebenso lautlos, wie er gekommen war. Zu gern hätte Owain gewusst, wie man es hinbekommen könnte in diesen schweren, mit Rüstplatten versehenen Kampfstiefeln herumzuschleichen. Dann richtete er den Blick wieder aus dem Sichtfenster hinaus auf die schlammige, öde Weite unter ihm. Hoffentlich würden die Forn-Kompanie nicht lange hierbleiben.

[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | Kleeque-Transporter "Dorn-7" im Landeanflug auf FOB Nebelsumpf | Gang oberhalb der Laderampe] Sergeant Owain Bleddyn
 
[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | im Sumpf nahe eines ehemaligen Außenpostens (100 Klicks vom FOB entfernt)| A-A5 Speedertruck 'Fat Lady'] SSgt. Jae Sovv & Truck-Besatzung (NPCs), ein Fireteam Kundschafter mit Aufklärungsdroiden, Anno

Der Rückweg verlief schweigend.

Der Regen hatte wieder eingesetzt und trommelte gleichmäßig auf das Dach der „Fat Lady“, während sich der Speedertruck durch den morastigen Sumpf zurück in Richtung FOB Nebelsumpf kämpfte. Niemand hatte noch Lust auf Gespräche. Faye saß mit dem Rücken an der Seitenwand des Frachtraums. Ihr verletztes Bein hatte sie ausgestreckt, den Helm neben sich auf den Boden gelegt. Jeder Stoß des Trucks ließ einen dumpfen Schmerz durch ihren Unterschenkel fahren, doch sie biss nur die Zähne zusammen und sagte nichts.


Ihr Blick ruhte auf Savrek. Der Pionier lag angeschnallt auf der Trage, über ihm arbeitete ein Feldmedkit mit gleichmäßigem Summen. Darn saß neben ihm, hielt eine Hand an der Trage fest und beobachtete aufmerksam jede Regung seines Freundes.


„Er schafft das“, murmelte Darn schließlich mehr zu sich selbst als zu den anderen.


Faye nickte kaum merklich.

Ein paar Meter entfernt saß der gefangene Sullustaner mit gefesselten Händen zwischen zwei Infanteristen. Keiner schenkte ihm mehr Aufmerksamkeit als nötig. Nur das monotone Brummen der Repulsoren und das Prasseln des Regens begleiteten die Fahrt.


Nach einer Weile öffnete sich die Verbindung zum Cockpit. Faye schloss für einen Moment die Augen. Sie hatten den Bunker durchsucht. Einen Gefangenen gemacht. Hinweise auf einen geheimnisvollen Prototypen gefunden. Und trotzdem fühlte es sich nicht wie ein Erfolg an. Zu viele Fragen waren offen geblieben.


Als die ersten Lichter des FOB durch den Regen schimmerten, richtete sie sich langsam wieder auf und setzte den Helm auf.


„Na los“, sagte sie leise zu Darn. „Bringen wir Savrek zu den Ärzten.“
Faye blieb noch einen Moment stehen und sah den Sanitätern nach, bis Savrek und Sergeant Farlorn im Regen zwischen den Feldcontainern verschwanden. Erst jetzt bemerkte sie, wie schwer ihr jeder Schritt fiel. Das Adrenalin ließ langsam nach und der dumpfe Schmerz in ihrem Bein wurde mit jedem Augenblick deutlicher. Sie atmete einmal tief durch, setzte den Helm unter den Arm und humpelte in Richtung der Fahrerkabine.

„Staff Sergeant?“
, rief sie knapp, ohne näher heranzutreten. „Ich melde mich fürs Erste ab. Ich lass mein Bein im Lazarett ansehen. Sobald ich wieder einsatzfähig bin, melde ich mich zurück.“

Sie wartete einen kurzen Moment auf eine Reaktion, salutierte knapp und drehte sich anschließend um.

Der Weg zum Feldlazarett war zum Glück nicht weit. Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft auf diesem verfluchten Sumpfmond steuerte sie nicht auf eine Baustelle, einen Blindgänger oder einen Speeder zu, sondern auf die Sanitäter. Vielleicht hatte sie sich doch etwas mehr eingefangen als nur einen Kratzer.


Das Feldlazarett war erfüllt vom gleichmäßigen Piepen medizinischer Geräte und dem geschäftigen Treiben der Sanitäter. Faye ließ die Untersuchung geduldig über sich ergehen. Der Medic tastete ihr Bein vorsichtig ab, ließ sie einige Bewegungen ausführen und schüttelte schließlich den Kopf.

„Kein offener Bruch. Wahrscheinlich eine starke Prellung mit einem kleinen Haarriss im Schienbein. Sie haben Glück gehabt, Corporal.“

Faye wollte einen dummen Spruch lassen, doch sie ließ es. Stattdessen ließ sie sich das Bein ruhig schienen, nahm die Schmerzmittel entgegen und quittierte die Anweisung, es in den nächsten Tagen möglichst wenig zu belasten, mit einem knappen Nicken. Als Pionierin wusste sie selbst, dass sie sich vermutlich ohnehin nicht daran halten würde. Es war längst dunkel, als sie das Lazarett wieder verließ.

Der Regen hatte endlich aufgehört. Zwischen den Wolken schimmerten vereinzelt Sterne hervor, während über dem Lager die Flutlichter summten. Generatoren brummten in der Ferne, irgendwo klapperte Werkzeug auf Metall, und aus der Feldküche zog der Geruch von aufgewärmtem Eintopf herüber. Darn saß bereits unter einem der Sonnensegel. Die Essensausgabe war lange geschlossen, weshalb nur wenige andere sich dort aufhielten.


Darn saß mit hängenden Gesicht auf der Bank, zwischen seinen Stiefeln stand eine staubige Flasche Spotchka. Als er Faye sah, hob er die Flasche wortlos ein Stück an.

„Die hab ich eigentlich für den Tag aufgehoben, an dem wir wieder von diesem Drecksloch runterkommen.“

Faye ließ sich mit einem leisen Seufzen neben ihn sinken und streckte vorsichtig das geschiente Bein aus. Darn schnaubte und schraubte die Flasche auf. Er nahm einen kräftigen Schluck, verzog sofort das Gesicht und reichte sie weiter.

„Schmeckt immer noch wie Bremsflüssigkeit.“

Faye nahm einen großen Schluck. Der scharfe Alkohol brannte sich den Hals hinunter und ließ sie husten. Darn hatte wohl eine besonders alte Flasche oder eine besonders billige gefunden. Fayes Blick lag Gedanken verloren in der Ferne. Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte sie so etwas wie Heimweh. Corellia war kein besonders schöner Planet, doch im Vergleich zu diesem Sumpf war die große Werft wunderschön.


„Meinst du, er schafft's?“ Die Stimme von Darn war leise, gerade so als wagte er es die Frage eigentlich nicht auszusprechen.

Faye drehte die Flasche langsam zwischen den Händen.

„Er ist sturer als wir beide zusammen, aber wenn er wegen den Piraten abkratzt, dann---würden sie sich liebr Tie Fighter wünschen, als mich.“
Fayes Hände ballten sich zu Fäusten. Der Spotchka löste ihre Zunge ein wenig und ließ ihre Hemmungen fallen.
[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | im Sumpf nahe eines ehemaligen Außenpostens (100 Klicks vom FOB entfernt)| A-A5 Speedertruck 'Fat Lady'] SSgt. Jae Sovv & Truck-Besatzung (NPCs), ein Fireteam Kundschafter mit Aufklärungsdroiden, Anno
 
[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | FOB Nebelsumpf | auf dem Weg zur Kantine] Sergeant Owain Bleddyn

Mürrisch stapfte Sergeant Owain Bleddyn durch FOB Nebelsumpf, pedantisch darauf bedacht mit seinen schweren Kampfstiefeln nur auf die provisorische Behelfsstraßen zu treten und nicht auf den schlammigen, saugenden Schlamm daneben. Er war müde und er hasste diesen Mond bereits, auch wenn er lediglich eine Nacht hier verbracht hatte. Die Marines hatten in überschüssigen Armeezelten genächtigt, da die zusätzlichen Baracken-Container, die mit ihrem Transporter gestern ebenfalls angekommen waren, noch nicht aufgebaut worden waren: eine Tatsache, für die manche der Schlammhüpfer von der regulären Armee hier hochgradig amüsant war. Als Unteroffizier bekam er die meisten schlechten Witze nur leise ‚geflüstert‘ mit, wenn er sich abgewandt hatte, aber er hörte sie nichtsdestotrotz. Es war immer dasselbe Spiel, wenn Marines neben der Armee eingesetzt wurde: Sticheleien, Witze, Streiche durch die altbekannte Rivalität zwischen beiden Waffengattungen. Owain gähnte herzhaft und fluchte, als er für einen Moment nicht aufgepasst hatte und neben den Weg getreten war. Es forderte etwas Kraft seinen Stiefel aus dem Schlamm zu entfernen. Ganz zu schweigen davon, dass er keine Illusionen hatte, dass er hier ständig seine Rüstung würde putzen müssen und er bevorzugte es seine Stiefel nicht alle paar Stunden von einer neuen Schlammschicht befreien zu müssen. Der Wind und der Regen hatten die ganze, eher kurze Nacht sein Zelt gepeitscht, was zur Qualität seines Schlafs nicht beigetragen hatte. Er hoffte, dass es beim Briefing wenigstens Kaf geben würde.

Die Hauptwege durch das FOB führten alle zum selben Ort: einem Hauptquartierbereich mit Befehlsstand, Komm-Zentrale und recht geräumiger Kantine – alles zusammengebaut aus diversen Fertigbauteilen und modularen Feldcontainern der Armee. Durch zwei weit offene Schiebetüren trat Owain ein in den lauten, warmen und muffig riechenden Kantinenbereich. Ein schneller Blick verriet ihm, dass er wohl besser etwas früher aufgestanden wäre, denn es gab Sitze für knapp über eine Kompanie und da sich der Großteil der republikanischen Soldaten auf diesem Schlammloch in diesem Raum befand, wenn man vom diensthabenden Zug an Wachsoldaten absah, standen bereits zahlreiche der Männer und Frauen zwischen den Bänken und Stühlen herum. Auf der rechten Seite der Kantine sah er in der Entfernung seinen Freund Sergeant Sokar und ein paar Meter weiter Lieutenant Kohé stehen. Owain zwinkerte Sokar zur und deutete in Kohés Richtung einen Salut an, den dieser mit einem kühlen Nicken erwiderte. Ein sonores Brummen und Rattern lenkte ihn genau im richtigen Moment ab, als sich ein Servierdroide durch die lauthals schnatternde Menge an Soldaten drückte. Noch während dieser an ihm vorbeifuhr, schnappte er sich gierig mit beiden Händen aus der Drehung heraus zwei der dampfenden Tassen auf seinem Tablett. Einige der umstehenden Infanteristen warfen ihm angesichts seiner Gier einige vorwurfsvolle, abschätzige Blicke zu, aber als ihr Blick über seine Rang-Pips und sein wenig beeindrucktes, mürrisches Gesicht mit seiner unschönen Brandnarbe wanderte, schienen sie es zu bevorzugen, keinen Protest einzulegen.

Mit wenig Elan versuchte er sich durch die Gruppen an Soldaten zu drücken, um zu den anderen Marines aufzuschließen, gab dann aber den Versuch unweit einiger Pioniere auf, als er sah, dass einige Offiziere den Raum betreten hatten, darunter auch Captain Javal, seine Kommandantin. Das Briefing würde demnächst beginnen und es war ihm lieber noch in Ruhe einige Schlücke Kaf zu trinken, nachdem die Besprechung endete, bevor ihn irgendjemand, wie z.B. Lieutenant Kohé, durch die Gegend hetzen konnte. Schließlich hatte er es ja versucht zum Rest der Kompanie durchzukommen, aber es wäre natürlich tragisch, wenn er den Beginn des Briefings verpasste, weil er versuchte sich durch die Menschenmengen zu drücken. Mit dem Ansatz eines Grinsens im Gesicht stellte er sich strategisch hinter eine grünhaarige Pionierin und ihren Begleiter, sodass Kohé nur schwer Blickkontakt zu ihm aufnehmen konnte. Owain musterte sie interessiert, während er sich hinter seiner ‚Deckung‘ an die Wand lehnte. Grüne Haare, zahlreiche Werkzeuge und ihm unbekannte Gerätschaften an der Koppel und am Gürtel und eine Schiene am Bein. Eine Einsatzverletzung? Schlürfend nahm Bleddyn einen vorsichtigen Schluck des heißen Kafs und grinste breit. „Bleiben Sie genau so stehen, Corporal.“ Sie durchbrach die Sichtlinie zum LT nahezu perfekt. „Das ist ein Befehl,“ setzte er in amüsierten Ton hinterher.

[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | FOB Nebelsumpf | hinterer Bereich der Kantine] Sergeant Owain Bleddyn, Corporal Faye Toolmann
 
[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | FOB Nebelsumpf | hinterer Bereich der Kantine] Sergeant Owain Bleddyn, Corporal Faye Toolmann
Der Morgen hatte für Faye nicht sonderlich gut gestartet. Ein fluchender Sgt. Maides hatte sie aus dem Bett geschrien und die ganze Pioniertruppe Strafrunden über die Faldstraßen laufen lassen, dabei schonte ihre Beinverletzung sie ganz und gar nicht. Der Alte Mann hatte es wohl nicht sonderlich gut vertragen, dass er mit Kotze in den Stiefeln aufgewacht war. Warum hatte er seine dreckigen Stiefel auch außerhalb seines Containers gelassen? Aus zuverlässiger Quelle wusste sie das Savrek seinen Mageninhalt in die Stiefel entehrt hatte. So ein gerade so überlebter Einsatz mit anschließendem Koma musste doch wohl festlich gefeiert werden!

Nun stand sie nach einer eiskalten Dusche in der übervollen Kantine und kaute auf einem Stück Knäckebrot herum. Sie blickte auf ihre Gürteltasche und bemerkte auf der Reflektion des Metalls auf einem der Werkzeuge einen Mann hinter sich. Langsam drehte die grünhaarige Pionierin den Kopf ein Stück zur Seite und sah über ihre Schulter. Ihr Blick wanderte von Bleddyn zu Kohé und wieder zurück. Für einen Moment sagte sie nichts. Dann hob sie eine Augenbraue.

„Natürlich, Sergeant“, erwiderte sie trocken. „Soll ich mich noch ein wenig breiter machen, oder genügt meine derzeitige taktische Funktion als mobile Sichtschutzwand?“

Ein kurzes, schiefes Grinsen huschte über ihr Gesicht. Sie verlagerte ihr Gewicht vorsichtig auf das unverletzte Bein, wodurch die Schiene leise gegen eines der Werkzeuge an ihrem Gürtel stieß. Statt zur Seite zu treten, blieb sie demonstrativ genau dort stehen. Schließlich war ein Befehl ein Befehl.

„Nur damit wir uns verstehen: Sollte der Lieutenant mich deswegen gleich durch die halbe Basis scheuchen, schulden Sie mir einen Kaf.“ Ihr Blick fiel auf die beiden Tassen in seinen Händen. „Und zufälligerweise sehe ich dort bereits eine passende Anzahlung.“
Faye wartete auf eine Antwort des anderen während sie die Stellung hielt. Doch bevor der Neuankömmling auch nur die Chance hatte etwas zu sagen drückte sich Savrek durch die eh schon volle Kantine und schlug Faye heftig auf die Schultern.

"Faye, hast du die Affen von der Marine gesehen? Die haben mit ihren Landungsschiffen die halbe Feldstraße zerlegt und beschweren sich jetzt, dass der Boden nicht tragfähig genug war.“

Faye hob sofort den Kopf. Mit einem kaum merklichen Nicken deutete sie hinter sich. Gleichzeitig räusperte sie sich demonstrativ.

Savrek ignorierte den Hinweis vollkommen.

„Man sollte meinen, wer ein Schiff fliegen kann, erkennt den Unterschied zwischen einer Landefläche und einem Schlammloch. Aber vermutlich stand das nicht in ihrem Bilderbuch.“


Faye räusperte sich dieses Mal deutlich lauter.

„Ähem.“

„Jetzt wünschen sie sich wahrscheinlich noch beheizte Container, damit sie sich zwischen zwei heldenhaften Angriffen auf die Infrastruktur die Stiefel wärmen können—“


Savrek hielt mitten im Satz inne und sah sie irritiert an. „Hast du einen Schlaganfall?“


Sie verdrehte nur die braunen Augen und machte mit einem kaum merklichen Blick hinter sich. Endlich schien in Savrek ein Funken Verstand zu erwachen und er folgte dem Blick seiner Kammeradin nach hinten. Savreks Grinsen starb augenblicklich.

„Sergeant.“ brachte er hervor ehe er peinlich berührt den anderen ansah. Wenn Faye es nicht besser wüsste, würde sie vermuten dass sie dem Gehirn des blonden gerade live beim arbeiten zu sah.

„Ich sprach natürlich von einer anderen Marine.“ Er trat einen Schritt zurück. „Auf einem anderen Planeten.“ Noch ein Schritt weiter Richtung Ausgang .„In einem vollständig hypothetischen Schlammloch.“ Dann drehte er sich um und verschwand zügig zwischen den übrigen Soldaten.

Faye ließ die Luft hörbar entweichen, blieb aber immer noch wie befohlen stehen um einen Sichtschutz für den anderen dazustellen.

"Bitte verzeihen Sie meinen Kameraden. Seit dem Koma ist er nicht mehr der selbe." log die Grünhaarige und sah sich weiter in der Kantine um. "Ich glaube ich schulde ihn einen Kaf als Entschädigung."


[Chommell Minor-System | CM-04 Sumpfmond | FOB Nebelsumpf | hinterer Bereich der Kantine] Sergeant Owain Bleddyn, Corporal Faye Toolmann
 
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