Cirrus

[Cirrus - Greenton - Kafhaus 'Zum tänzelnden Bantha' - Terrasse - Jake Ferell]


Wie wunderbar Greenton an einem warmen Sommertag doch war. Die ehemalige Residenzstadt erstrahlte wie ein ungschliffener Diamant im Schein der Sonne. Der Stein, aus welchem ein großer Teil der Häuser und der Stadtmauer bestand, war war an einigen Stellen so gleißend hell das man ihn nicht direkt ansehen konnte. Die Ortschaft lag günstig an den abfallenden Hängen einer Hügelkette, auf welcher unübersehbar, Greenton Castle trohnte.

Jake Ferell saß auf der sonnenbeschienen Terasse eines der vielen Kafhäuser, welche die Burgstraße, die sich vom Meer bis hinauf zum Burgtor ertreckte, säumten. Von dort hatte er einen ungeinderten Blick auf die golden schimmernde See und die stattliche Anzahl von Booten aller Größe, welche rund um den kleinen Hafen unterwegs waren. Von unterhalb war das geschäftigte Treiben eines der großen Markplätze zu hören.

Greenton war ihm so etwas wie ein Zuhause geworden. Der Imperiale Commander und Agent der er gewesen war hätte es für unmöglich gehalten hätte, dass es so etwas geben konnte, denn damals war er ein kleines Werkzeug des Imperators und seiner Verwalungsmaschinerie gewesen. Doch mit etwas Abstand zu diesen Dingen kam er nicht umhin diese lebendige Stadt mit ihrem Flair ins Herz zu schließen. Seufzend nahm er die Tasse und trank genüsslich den Rest seines Kafs.

Just in dem Moment in dem er auf die Straße trat hatte er das eigenartige Gefühl das Etwas nicht stimmte. Er hatte mit der Zeit gelernt auf diese Zeichen zu achten, zwar befand er sich auf einem neutralen und sehr friedvollen Planeten, doch stand er immer noch auf der Gesuchten-Liste des imperialen Geheimdienstes. Jemand der sich einen Eintrag in dieser exquisiten Publikation verdient hatte war gut beraten jederzeit auf der Hut zu sein. Statt sich in Richtung des Hafens zu begeben, wie er es vorgehabt hatte, schlenderte er gemächlich den Hügel in Richtung des zentralen Marktplatzes hinauf. Auf dem Weg dorthin sah er sich immer um und tat so als würde er die eindrucksvollen Gebäude, welche die Straße säumten, bestaunen. Damit war er in dieser Stadt, welche tagtäglich Menschen aus allen Ecken Cirrus' anzog, nicht alleine.

Eigentlich wollte er vor dem Marktplatz in das dortige Gewühl an kleinen Gassen abtauchen, allerdings fand er sich in einer großen Menschentraube wieder, welche ihn mit in das noch dichtere Gedränge des Marktes schob. Dort war die Masse an Leuten so groß das er keine andere Wahl hatte als mit dem Strom zu schwimmen um - hoffentlich - irgendwann am anderen Ende wieder herauszukommen. Heute war Feiertag, der Geburtstag des hiesigen Lords, wie ihm schlagartig einfiel und die Bürger der Stadt und des Umlandes waren hierher gekommen um exotische Waren feilzubieten und einzukaufen. Der ganze Platz glich einem Jahrmarkt samt Gauklern, Gastronomie und der ein oder anderen tierischen Attraktion. Hinter einer Bühne, auf welcher ein gezähmter Wolfsbär Kunststückchen aufführte stand die Tür zu einem kleinen Laden, der minderwertig gefertigte Lederwaren anbot, offen. Von außen sah er nicht allzu vertrauenserweckend aus, Jake wusste aber das es eines der wenigen Lokale des Platzes war, welches eine weitere Tür in die Gassen hatte. Deshalb entschied er sich, der schrulligen alten Besitzerin, welche ihm bei seinem letzten Besuch ein beinahe zerschlissenes Zaumzeug andrehen wollte, einen Besuch abzustatten. Immerhin würde er hier verschwinden und wer würde ihn hier vermuten?

Der Ex-Imperiale betrat das dämrige und beinahe überwätigen nach Leder und Pferd riechende Geschäft und kündigte sich mit einem lauten "Hallo" an. Nichts rührte sich. Nachdem sich nichts rührte und die Ladeninhaberin im Moment nicht da zu sein schien, beschloss er das es wohl das beste wäre seinen Weg zu den Seitenstraßen fortzusetzen. Aber kaum hatte er einen Schritt in Richtung der Tür gemacht spürte er einen leisen Luftzug, irgendetwas an seinem Hinterkopf und fiel bewusstlos zu Boden.


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Irgendetwas war ganz und gar falsch. Sein Kopf dröhnte noch immer von dem Schlag den er bekommen hatte. Und obendrein wusste er nicht wo er war und wer ihn niedergeschlagen hatte. Er brauchte einige Augenblicke um wieder einigermaßen Herr seiner Sinne zu werden. Langsam wurde ihm bewusst, dass er auf dem Rücken lag. Als er versuchte aufzustehen gaben seine Beine nach und er fiel Gesicht voran auf den kalten Steinboden. Der Sturz war wohl etwas unglücklich, denn seine Nase gab ein ekeleregendes Knacken von sich und beinahe sofort floss eine warme Flüssigkeit, welche wohl Blut sein musste, über seine Lippen zum Kinn.

Fängt ja gut an, dachte er bei sich, als es ihm beim vierten oder fünften Anlauf endlich gelang sich aufzusetzen. Der stetige Blutstrom aus seinem Riechorgan war mittlerweile versiegt hatte allerdings einen unangenehmen Geschmack in seinem Mund hinterlassen. Die Ungewissheit seiner Situation ließ ein Gefühl, welches er schon lange nicht mehr so stark wahrgenommen hatte aufkommen: Angst. Vermutlich hatte ihn das Imperium mittlerweile gefunden und würde jetzt die Methoden anwenden, welche ihm in der Geheimdienstausbildung auf Borosk beigebracht worden waren. Aber bevor er sich weitere Gedanken über sein Los machen konnte wurde er von einer Stimme aus seinem Rücken angeherrscht:


"Auf die Beine."

Er öffnete die Augen und musste blinzeln als er direkt in die Sonne schaute. Wenige Augenblicke später hatte er sich an die Helligkeit gewohnt und er konnte mehr als nur Konturen wahrnehmen. Der Raum oder vielmehr die Halle war weitläufig und geschmackvoll mit holzgetäfelten Wänden, Wandteppichen und einem übergroßen Bodenmosaik eingerichtet. Viele verschiedene Gedanken drängten sich nun wieder in seinem Kopf, wovon die wichtigste war, wer da hinter ihm stand. Langsam drehte er sich zu seinen Häschern um. Sie waren alle hoch gewachsen und in die dunkelblauen Uniformen des Ducal Cirrus Police Service, der planetenweiten Polizeieinheit, gekleidet. Irgendwie beruhigte das Jake. Sicher wären solche Kleidungsstücke für imperiale Agenten einfach zu bekommen, allerdings hatte der Sprecher den typisch cirresischen Akzent gehabt. Als die Polizisten mitbekamen das er nun wieder bei vollem Bewusstsein war, sagte einer von ihnen:

"Mitkommen"

Sie nahmen ihn in die Mitte und geleiteten in aus dem Raum. Es ging durch einen kurzen, mit rotem Teppich ausgelegten Flur direkt in ein großzügiges Treppenhaus in das sicherlich ein normales Wohnhaus gepasst hätte. Schnellen Schrittes stiegen sie mehrere Treppen hinauf und bogen in einen breiten Gang ein an dessen Ende eine Doppeltür aus dunklem Holz war. Ohne zu zögern oder zu klopen trat die kleine Gruppe in das Zimmer. Es war, bis auf die elegante und hochwertige Inneneinrichtung leer. Zwar mussten sie sich hier im dritten oder vierten Stockwerk befinden, dennoch kam es Jake komisch vor das sich die Polizisten kurz darauf gesammelt aus dem Raum bewegten. Er wusste nicht was das werden sollte, dies sah weniger wie ein Verhörraum aus, als das Arbeitszimmer irgendeines wichtigen Menschen.

"Weiß er denn in welche Schwierigkeiten er sich gebracht hat?", sagte eine Stimme aus Richtung der Tür. Jake drehte sich um. Ihm gegenüber stand ein Mann mittleren Alters, welcher zwar unauffällig gekleidet war, aber Autorität ausstrahlte. Auch die Art wie er sprach machte deutlich, dass er gewohnt war die Befehle zu geben. Er konnte sich nur keinen Reim darauf machen wer diese Person war, sie sah keiner der hohen Persönlichkeiten ähnlich, welche ihm bekannt waren. Es war nicht der Governor und auch keiner der Minister, denn deren Bilder hatte er sich während seiner Zeit in der Grenzbehörde einprägen müssen. Und es war definitiv nicht der Herzog, wer war es also? Während er im Kopf in Sekundenschnelle die Bilder der ihm bekannten Politiker mit dem Gesicht seines Gegenübers verglich, fiel ihm ein Detail von dessen Aufzug ins Auge. Am Ringfinger der rechten Hand des Anderen war, wie in den höheren Gesellschaftsschichten üblich, ein Siegelring aufgesteckt, doch dieser hatte eine ungewöhnliche Form: er war dreieckig. Es gab auf Cirrus nur eine Person die ein solches Wappen führte.

"Mylord" Jake verbeugte sich tief vor dem Lord Steward, dem Stellvertreter des Herzogs, der ein Lächeln andeutete und sich dann in den Sessel auf der einen Seite des massiven Schreibtisches

"Er möge sich setzen und verzeihen wie er herhergebracht worden ist. Die Anweisung war das er hierherkommen möge, nicht niedergeschlagen und hergezerrt wie ein Hund. Danach möge er erzählen wie er so eine Dummheit hat begehen können."

Ah, deshalb war er hier. Der kleine Zwischenfall, welcher den Schüler des Thronerben bei dessen letzten Besuch getroffen hatte, war wohl auch dem Steward zu Ohren gekommen. Dies war kaum verwunderlich, verließ sich der Herzog doch vermehrt auf die nachgeordenete Hierachie. Doch die Tatsache, dass es um dieses Thema ging, gepaart mit der Art seiner Ankunft in diesem Haus lies ein ungutes Gefühl in ihm aufkommen. Zumal es die selbe Methode war mit der er selbst etwas durchsetzen wollte. Jetzt würde er die Geschichte erzählen müssen, denn würde er hier verschwinden, wäre er sein neues Zuhause gleich wieder los und würde fortan von zwei Geheimdiensten gesucht.

Die standesgemäße Herablassung des Adels ausblendend, berichtete Jake von dem Auftrag den er kurz nach der Parade zum Geburtstag des Herzogs erhalten hatte. Er hätte den jungen Michael Aeren festsetzen und seinen Auftraggebern übergeben sollen, welche versuchen wollten ihn gegen den Baron of Cirrus aufzuhetzen und so zwei Fliegen mit einer Klatsche - oder einem Jedi - zu erlegen. Doch der Plan war in dem Moment schief gegangen als einer seiner Männer dem Schüler ein Messer an die Kehle gehalten war. Irgendwie hatte es dieser geschafft das Messer an sich zu reißen und im Blutrausch damit mehrere von Jakes Männern niederzustechen. Jake selbst war gerade noch rechtzeitig aus dem Weg gesprungen als der Messerstecher die Straße verlassen hatte.


"Er sagt er habe nach Auftrag gehandelt. Wer hat ihm diesen erteilt?"

Er schluckte. Seine Aussage würde wohl die Regierung in Schwierigkeiten bringen, doch was sollte er sonst tun? "Der Lord Governor am Tag der Geburtstagsparade".

[Cirrus - Grafschaft Stanley - Chatham Palace - Büro des Lord Steward - Floyd Chatham, Jake Ferell]
 
[Cirrus - nahe der Hauptstadt - Hauptstraße - Marcus Dominik Montagu und weitere NPCs]


Strahlend hell erhob sich die Sonne langsam über die Hügel Ciranshires und tauchte die Umgebung, welche von weiten Wiesen und Feldern geprägt war, in goldenes Licht. Inmitten dieses wunderschönen Naturschauspiels befand sich eine Gruppe von 20 Personen samt ihrer Reittiere auf einer eiligen Reise in die nahe Hauptstadt. Weit über ihnen, nur als schwarze Flecken am Horizont erkennbar, kreuzten Raumschiffe durch den Orbit, importierten und exportierten Güter und bewachten den Planeten vor unerlaubten Eindringlingen.

Für den intergalaktisch weitgereisten Betrachter mochte diese Szene komisch anmuten, standen doch seit langer Zeit Wunderwerke der Technik zu angemessenem Preis zur Verfügung um Landreisen zu verkürzen und bequemer zu machen. Doch Floyd Chatham, seines Zeichens Lord Steward eben jenes Planeten, zog die hiesige Art der Forbewegung den auf anderen Planeten genutzten Metallkisten vor. Etwas ursprüngliches und ganz und gar Eigenes haftete dieser Art und Weise an.

Nur Reiter und Pferd, teilweise meilenweit keine weiteren Menschen oder Siedlungen. Sicher hätte ihm der gesamte Fuhrpark des cirresischen Hofes zur Verfügung gestanden, welcher Gleiter mit dem allerneusten Schnickschack samt Chaffeur beherbergte, allerdings war ihm diese unpersönliche Art der Fortbewegung verhasst. Zwar waren er und seine Begleiter nun bereits seit vier Tagen unterwegs, auf der - im Vergleich zu den Lichtjahren die man zwischen Welten zurücklegte - kurzen Strecke zwischen Chatham Castle und Ciran, doch hatten sie diese Zeit nicht müssig vergehen lassen. Auf dem Weg hatte er sich in mehreren Grafschaften um Streitigkeiten unter Angehörigen des Adels gekümmert, hatte sich die Sorgen und Nöte verschiedenster Bürger angehört und die Gastfreundschaft alter Bekannter genossen.

Der beste Ort war für ihn auf den großteils befestigten Wegen Cirrus, hier hatte er seine Ruhe und konnte ungestört nachdenken ohne sich zuviel über unnötige Anrufe von irgendwelchen Ministern oder delegierte Aufgaben des Herzogs zu ärgern. Nur ein Gedanke ging ihm nicht aus dem Sinn. Er musste den Governor aufhalten.
Dieser Emporkömmling von Politiker, aufgestiegen aus dem niedrigsten Landadel, hatte es wirklich geschafft innerhalb von 6 Jahren alle Macht an sich zu reissen ohne das Floyd oder der Kronrat etwas hätten unternehmen können. Der Herzog hatte seine Aufgaben sogar dankbar abgegeben und den Einwänden des Stewards, welcher sein eigentlicher Vertreter gewesen wäre, wenig Beachtung, ja teilweise sogar Hohn geschenkt.

Nun hatte sich der Governor, quasi als Sahnehäubchen auf dem Kuchen der Herrschaft, etwas Neues einfallen lassen um die Macht auf sich zu vereinen. Morgen würde das Parlament über einen Gesetzesentwurf zur Änderung der Erfolge angehört werden. Zwar war die Überzahl seiner Quellen der Meinung dieser Entwurf würde es keinesfalls durch eine Abstimmung schaffen, doch Floyd teilte diese Zuversicht nicht.

Der Stachel ob des aktuellen Thronfolgers, diesem allgemein als Verräter verschrienem Jedi, saß bei vielen der Angehörigen des höheren Adels tief. Sicher, die meisten würden nicht den Mumm oder die Dummheit besitzen für diesen Vorschlag zu stimmen, doch wenn sich die Mehrheit enthalten würde, würde eine kleine Gruppe von Verblendeten bereits ausreichen. Und genau das wollte der Steward verhindern.

Während er noch in Gedanken war, nahm der Verkehr auf der Straße zu. Bald würden sie Ciran erreicht haben.


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Mit einem Ruck öffnete sich die die hölzerne Doppeltüre wie von Geisterhand. Selbst durch den niederen Türstock konnte man die enormen Ausmaße des dahinterliegenden Raumes erahnen. Aus dem Inneren des Raums war eine tiefe Stimme zu hören, welche die Ankunft des Lord Stewards von Cirrus ankündigte und alle Anwesenden dazu aufforderte sich zu erheben. Dort wo zuvor noch angeregte Gespräche in unterschiedlichsten Lautstärken zu hören gewesen waren wurde es, abgesehen vom hundertfachen Geräusch aufstehender Menschen, ruhig.

Als Floyd Chatham Augenblicke später zu den Klängen der herzöglichen Hymne durch den Türrahmen schritt, war es so still, dass man eine Stecknadel zu Boden hätte fallen hören. Gemessenen Schrittes durchquerte er den ovalen Innenraum des Saals. Vorbei an der Regierungsbank, deren Mitglieder eine Mischung aus Schrecken und ungläubiger Wut zur Schau trugen, vorbei an den Rednerpults und vorbei a erhobenen Sitz des Lord Speakers, des Vorsitzenden dieses hohen Hauses, welcher ihm ein ermutigendes Lächerln zuwarf. Langsam erklomm der Steward die marmorne Treppe und erreicht dann seinen Sitz. Als er sich setzte, erhoben sich wieder Gespräche und die Abgeordneten begannen sich niederzulassen.

Von seinem Platz zur Linken des großen, reich verzierten Thrones, welcher diese Seite des Planarsaals dominierte, hatte man einen hervorragenden Blick auf die Geschehnisse im Saal, welcher heute bis auf den hintersten der 350 Plätze gefüllt war. Einige der Anwesenden hatten nicht einmal mehr Sitze bekommen und standen dicht gedrängt an den mit Teppichen und roten Tapeten verzierten Wänden. Floyd schätzte das etwa 400 Angehörige des hohen und mittleren Adels der Ladung zum Parlament gefolgt sein mussten. Seufzend ließ er sich in seinen Sessel zurücksinken und blickte zu seiner Rechten.

Eigentlich vertrat er nur den Herzog, allerdings war dies bereits zur Gewohnheit geworden, denn der viel zu jung gealterte Monarch hatte sich nach dem Tod seiner Gemahlin immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen und seine Aufgaben delegiert. So kam es das der goldene Thron die meiste Zeit unbesetzt war. Auch der kleinere Sitz zur rechten des Throns war so gut wie unbenutzt. Das letzte Mal war er vor 15 Jahren vom heutigen Herzog genutzt worden, denn dieser Platz war dem Thronfolger vorbehalten. Und der jetzige Inhaber dieses Titels hatte ihnen diesen Ungemach erst eingebrockt.

In der Reihe unter ihm kam etwas Bewegung auf als die sieben Markgrafen ihre Plätze, welche als Zeichen ihrer Macht und Würde direkt unter dem Thron standen, einnahmen. Es schien, als würde es ein interessanter Nachmittag werden.



[Cirrus - Ciran - Parlamentsgebäude - House of Lords - Marcus Dominik Montagu und weitere NPCs]
 
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[Cirrus - Ciran - Palace Square - verdeckte Kräfte des III. Zuges]
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Der Palace Square erwachte früh am Morgen mit freundlichen Gezwitscher der heimischen Vogelwelt. Die Sonne war noch nicht vollständig über dem Horizont erschienen, als die ersten Gleiter über den breiten Boulevard glitten. Ihre Strahlen umhüllten die alten Gemäuer der Hauptstadt in einen goldenen Glanz. Lieferfahrzeuge hielten derweil vor Cafés und Geschäften, Angestellte öffneten Türen, stellten Werbetafeln auf den Gehweg oder wischten Tische der Außengastronomie sauber. Straßenreiniger arbeiteten sich über die hellen Flächen, welche aus wertvollen Mamor und anderen edlen Gesteinen zu bestehen schien. Am Rande der Szenerie standen bereits zwei Kutschen vor einem Hotel nahe des Platzes. In der kühlen Morgenluft dampfte der Atem der Pferde leicht aus ihren Nüstern. Ein älterer Kutscher fütterte eines der Tiere aus der einen Hand und streichelte den Hals des kräftigen Tieres mit der anderen. Cirrus liebte nicht nur seine Traditionen und seine Vergangenheit, es hatte anscheinend auch gelernt, sie touristisch zu vermarkten.

Zwei Männer saßen einige Straßenzüge entfernt in einem kleinen Café. Sie waren unauffällig gekleidet, wirkten nicht wie kampferfahrene Veteranen und niemand hätte in ihnen imperiale Soldaten erkennen können. Einer las eine lokale Nachrichtenausgabe und betrachtete dabei voller Interesse die Berichte über das mutmaßliche Privatleben des Thronerben. Der andere rührte seit beinahe drei Minuten mit einem silbernen Löffel in seinem Kaffee umher. Unter dem Tisch lag zwischen ihren Füßen eine unscheinbare Tasche und darin befand sich nichts, was bei einer Kontrolle besonders verdächtig gewirkt hätte. Nur ein unauffälliger Sender und ein stinknormales Datapad.


„Wachwechsel.“ Der Mann mit der Zeitung bewegte die Lippen kaum, sein Blick immer noch auf den Boulevardteil des Papier gerichtet.

Sein Gegenüber sah ebenfalls nicht auf:
„Zeit?“

„Sechs einundfünfzig.“ sagte der Zeitungsleser ohne jegliche Emotion. Der zweite Mann tippte mit einem Finger zweimal unauffällig gegen seine Tasse. Bestätigung.

Draußen öffnete sich eines der Seitentore des Palastes. Vier uniformierte Gardisten traten hinaus, vier andere verschwanden hinein. Ein Liefergleiter wartete etwas seitlich des Eingangs. Es gab keine vollständige Kontrolle, sondern nur einen kurzen, routinierten Blick in den Laderaum. Dann öffnete sich das Tor wie selbstverständlich. Nach sechs kurzen Sekunden schloss es sich wieder.

Der Mann mit dem Kaffee lächelte.
„Gum wird das gefallen.“

„Gum kennt dich nicht.“ Erwiderte sein Gegenüber mit einem deutlich genervten Ton.

„Stimmt.“ Die Zeitung wurde umgeblättert. Auf der Titelseite befand sich ein Bild des Herzogs, darunter eine Meldung über irgendeine parlamentarische Debatte. Kein Wort über das Imperium, keines über die Rebellen der Neuen Republik, kein Wort über auffällige Truppenbewegungen und schon gar kein Wort über irgendeinen Krieg.

Dann blieb plötzlich ein schwarzer Gleiter am Rand des Platzes stehen. Die beide Männer bemerkten ihn gleichzeitig, er passte nicht in die Szenerie, denn er war zu modern und seine Scheiben zu dunkel. Zwei Personen in ziviler Kleidung stiegen aus, aber die Art, wie sie sich bewegten, war falsch. Einer sah zuerst zum Palast, dann zur Straße, dann wieder zum Palast. Diesmal betrachtete er jedes einzelne Fenster ganz genau.

Der Mann mit der Zeitung blätterte weiter.
„CIS?“

„Vielleicht.“

Die beiden Fremden gingen in einem flotten Schritt über den breiten Boulevard und betraten anschließend das Café. Jetzt könnte es unangenehm werden. Einer setzte sich an einen freien Tisch, während der andere am Tresen stehen blieb. Keiner schien etwas zu bestellen. Die Aufklärer sahen einander nicht an, sie mussten es auch nicht. Der Sender unter dem Tisch blieb ausgeschaltet und selbst wenn, würde es hier keine Verstärkung geben. Die Männer des III. Zuges waren auf sich allein gestellt. Der Fremde am Tresen bestellte nun doch einen Caf. Dann drehte er sich ein Stück in den Raum, sein Blick wanderte durch das noch nicht komplett gefüllte Lokal. Erst zu einem Kellner, dann zu einem älteren Paar, der aufmerksame Blick wanderte weiter zu dem Mann mit der Zeitung. Dort blieb er kurz hängen, eine Sekunde, vielleicht zwei. Dann schaute sich der Tresen-Kerl weiter um. Der Aufklärer las denselben Absatz zum dritten Mal, doch er hätte später nicht einmal sagen können, worum es darin überhaupt ging.
Der Fremde bekam seinen Caf. Er trank einen Schluck und beobachtete die Straße. Fünf, sieben, neun, zehn Minuten. Dann verließen die beiden das Café. Der schwarze Gleiter fuhr wieder davon. Erst als er außer Sicht war, legte der Mann seine Zeitung zusammen.


„Das war knapp.“

„Nein, erst wenn sie zurückkommen wird es knapp.“

Beide warteten weitere fünfzehn Minuten. Dann aktivierten sie den Sender. Ein Datenpaket, drei Sekunden. Das imperiale Gerät war zuverlässig und effektiv. Der Inhalt der Nachricht war simpel und doch reichte er für alle Informationen aus, die hier beobachtet wurden: Wachwechsel, Toröffnung, Fahrzeug. Und als zusätzliche Markierung: MÖGLICHE CIS-AKTIVITÄT, PALACE SQUARE. Dann war der Sender wieder tot.



[Cirrus-System - Imperialer Verband - Truppentransporter - Kommandosektion - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar, 2nd Lt. McKing, Staff Sgt. Gumbart]
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Der Planet wuchs langsam im Sichtfenster. Cirrus. Grüne Wälder, weiße Städte und die berühmten goldenen Meere im Licht der Sonne. Friedlich, traditionell und vollkommen ohne einen Schimmer was auf sie wartete. Lucius fand das angemessen.

„Status?“

Damar antwortete zuerst: „II. Zug bereit. Zielobjekte wie geplant.“

„McKing?“

„Alle Aufklärungsteams im Standby. Zwei bleiben am Raumhafen. Zwei im Regierungsviertel. Zwei an den Verkehrsachsen. Die Palastgruppe beobachtet den westlichen und südlichen Zugang.“

„Cass?“

„Landefolge steht. Fahrzeuge bewegen sich unmittelbar nach Freigabe.“

Der erste imperiale Transporter setzte auf. Es hätte für eine planetare Invasion nicht unspektakulärer sein können: Kein Laserfeuer, keine Sirenen, keine große Flotte, die den Himmel verdunkelt. Nur grauer Stahl, der in der Morgendämmerung auf einer befestigten Fläche südlich von Ciran niederging. Doch genau so sollte es auch sein. Die Rampe öffnete sich.

Cass' Fahrzeuge kamen heraus. Eines nach dem anderen. Präzise, fast meditativ, manch einer würde sagen langweilig. Lucius mochte langweilige Landungen, denn bei aufregenden starben für gewöhnlich Menschen und imperiale Soldaten waren ein besonders wertvoller Schlag Menschen. Über dem Horizont lag Ciran. Die hellen Gebäude der Hauptstadt fingen das Morgenlicht wie auf einem Gemälde ein. Hinter ihnen glänzte das Meer. Gold, tatsächlich Gold. Der Captain hatte es nun zum ersten Mal von der Oberfläche aus gesehen. Lucius stand am Rand der Rampe und zum ersten Mal roch er Cirrus. Salz, feuchte Morgenluft dazwischen Abgase moderner Gleiter. Und irgendwie dann tatsächlich nach Pferdestall. Er sah nach links und ein kleines Fuhrwerk bewegte sich auf einer Nebenstraße entlang. Plötzlich stoppte der Fahrer, er starrte voller Angst auf die imperialen Transporter. Lucius hob leicht die Augenbraue.


„Guten Morgen!“

Gumbart stand neben ihm. „Soll ich ihn festsetzen?“

„Den Bauern?“ Lucius sah auf das Fuhrwerk, der Mann hatte inzwischen die Zügel herumgerissen.

„Nein.“ Das Gefährt setzte sich in Bewegung. Erstaunlich schnell für so einen Pferdekarren. „Niemand wird ihm glauben.“

Gumbart sah den Bauern an und dann wieder zu Lucius. „Und selbst wenn: In fünfzehn Minuten ist es ohnehin kein Geheimnis mehr.“ Dann stieg Lucius die Rampe hinunter. Der Krieg hatte Cirrus erreicht.

[Cirrus - Ciran - Regierungsviertel - Palace Square - Captain Lucius Black, Staff Sgt. Gumbart, Aurek-Squad]​

Vierzehn Minuten später ertönten über Ciran die ersten Sirenen. Keine imperialen, sondern cirresische. Zu spät für sie.

McKings Männer hatten ihre Arbeit getan und unterstützen nun die schwere Infanterie, Damar war bereits auf dem Weg zu den militärischen Einrichtungen und Cass kontrollierte die Hauptverkehrsachsen, hielt die Kompanie beweglich. Ein Zugangsbereich des Raumhafens befand sich bereits unter imperialer Kontrolle. Kommunikationsstellen wurden besetzt und es war noch kein einziger Schuss gefallen. Lucius saß im hinteren Bereich eines gepanzerten Transportfahrzeugs. Er zog den Gurt seines taktischen Einsatzhelm fester und überprüfte den Blaster. Zwölf Männer des Aurek-Squads saßen um ihn herum. Schwarze taktische Ausrüstung, Blaster, Helme und Fesseln. Gumbart saß ihm gegenüber. Niemand sprach. Typisch Aurek-Squad. Das unmarkierte Fahrzeug bewegte sich schnell und poräzise durch die Straßen. Auf einem kleinen Display sah Lucius Ciran an ihnen vorbeiziehen. Den hellen Stein, Geschäfte, Menschen auf Gehwegen. Ein Gleiter zog hastig an einer Kreuzung davon und eine Kutsche stand mitten auf der Straße. Der Kutscher hielt seine beiden nervösen Pferde mit aller Kraft zurück, während der imperiale Transporter an ihm vorbeirauschte. Die Tiere scheuten auf. Lucius betrachtete die Szene durch den kleinen Sichtschlitz. Willkommen auf Cirrus.


„Dreißig Sekunden.“ durchbrach die Stimme von Gumbart plötzlich die angespannte Ruhe.

Helmgurte wurden geschlossen, Visiere heruntergeklappt, die Blaster entsichert. Lucius überprüfte seinen eigenen Blaster erneut. Ein Captain sollte nicht als erster durch eine Tür gehen, aber er sollte wissen, wie man es tat.


„Zehn.“ Das Fahrzeug bremste hart und unvermittelt. Lucius wurde gegen seinen Gurt gedrückt, die Luft aus seinen Lungen. Er spürte die Fliehkräfte auf seinen Körper wirken. Dann kam das Fahrzeug zum Stillstand.

„Los.“

Die Seitentür öffnete sich. Gumbart war als erster draußen, zwei Männer folgten, dann weitere. Lucius stieg als fünfter aus. Palace Square und nun zum ersten Mal nicht auf einer Holoprojektion. Der Platz war noch beeindruckender, als der imperiale Captain erwartet hatte. Breite Straßen, edler, heller Stein. Auf den Fassaden hingen rot-goldenen Banner: Schwarze Adler, Goldene Türme. Das Wappen von Cirrus. Am anderen Ende erhob sich der Palast. Und plötzlich begannen Menschen zu schreien. Ein militärischer Transporter war keine touristische Kutsche. Zivilisten liefen auseinander. Ein Kellner ließ ein Tablett fallen und die Gläser zersprangen auf dem harten Stein. Ein Gleiter stoppte so abrupt, dass ein zweiter beinahe in ihn hineinfuhr, vielleicht tat er dies auch. Die imperialen Soldaten waren so konzentriert, dass sie für diese nebensächlichen SChauplätze kaum Beachtung fanden. Palastwachen reagierten. Erst langsam, dann sehr schnell.

„Waffen!“ Gumbarts Stimme hallte über den Platz und Aurek verteilte sich. Zwei Gardisten am Haupteingang hoben ihre Gewehre.

„Nicht feuern!“ Lucius' Stimme hallte nun auch über den offenen Platz. Ob die Wachen ihn hörten oder ignorierten, wusste er nicht.

Eine von ihnen feuerte auf die imperialen Truppen. Der rote Blasterbolzen schlug in eine Säule rechts knapp neben einem Truppler von Aurek ein. Heller Stein zersprang und Splitter regneten über den Boden. Für eine Sekunde war der Platz still. Dann antwortete das Imperium. Zwei blaue Betäubungsringe jagten über den Vorplatz und der erste Gardist brach zusammen. Der zweite schaffte es noch, einen weiteren Schuss abzugeben aber er traf nichts von Relevanz. Dann fiel auch dieser Cirrese nach einem präzisen imperialen Treffer bewusstlois zu Boden.


Gumbart zeigte nach links.
„Tor!“

Vier Männer bewegten sich. Schnell und präzise. Lucius folgte knapp hinter ihnen. Ein dritter Palastgardist trat plötzlich aus einer Seitentür. Sein Blaster zeigte direkt auf Lucius, der Captain sah zuerst die Waffe. Dann das Gesicht des Cirresen: Jung, viel zu jung. Der Gardist zögerte vermutlich aus UNerfahrenheit, Lucius nicht. Sein Blaster hob sich in einem Bruchteil einer Sekunde und ein blauer Ring traf den Gardisten. Der Mann fiel nach hinten um. Lucius blieb nicht stehen und Gumbart warf dem am Boden liegenden Cirresen einen kurzen Blick zu. Das Seitentor war geschlossen. Ein Mann aus Aurek kniete am Bedienfeld.

„Verriegelt.“

„Umgehen.“

„Zwanzig Sekunden.“

Gumbart sah zur breiten Zufahrt. Sirenen wurden lauter, von Irgendwo kamen Fahrzeuge. Lucius blickte auf die roten und goldenen Banner über ihnen. Der Wind bewegte sie. Noch.

„Zwölf Sekunden.“

Ein cirresischer Sicherheitsgleiter bog viel zu schnell auf den Platz. Gumbart hob die Waffe.

„Warten.“

Der Gleiter bremste und drei Sicherheitskräfte sprangen heraus. Ihre Waffen waren gezogen. Lucius ging einen Schritt nach vorn.

„Blaster fallen lassen!“ Einer der Männer sah zum Palast, dann zu den bewusstlosen Gardisten, dann zu den imperialen Soldaten. Er verstand und sein Blaster fiel. Der zweite Mann folgte dem Beispiel, aber der Dritte nicht. Er feuerte und Aurek antwortete. Ein einziger roter Bolzen traf ihn in die Schulter. Der Mann drehte sich und fiel hinter den Gleiter. Lucius verzog das Gesicht.

„Ich sagte Betäubung.“

„War nicht ich“, antwortete Gumbart. Hinter ihnen hob einer der Aurek-Soldaten kurz die Hand und Lucius sah ihn ernst an. Das Tor summte ehe der Captain reagieren konnte.

„Offen!“

„Weiter.“

[Cirrus - Ciran - Herzoglicher Palast - westlicher Versorgungstrakt - Captain Lucius Black, Staff Sgt. Gumbart, Aurek-Squad]​

Der erste Eindruck des Palastes war keiner eines beklemmenden, aristokratischen Verwaltungsgebäudes, sondern er war Gold und Licht. Hohe Fenster warfen die Morgensonne auf helle Steinböden, Säulen flankierten breite Korridore und goldene Verzierungen an der Decke reflektierten das warme Sonnenlicht. Die Szene wirkte beinahe friedlich und verschlafen, wären da nicht die schweren Stiefel, die schnellen und aufmerksamen Schrittes über den Marmorboden eilten. An den Wänden hingen Gemälde und gewebte Banner, alte Herzöge blickten von ihren schweren Rahmen auf die imperialen Soldaten herab, als hätten sie persönlich Einwände gegen deren Anwesenheit.

Aurek bewegte sich durch die Gänge. Zwei Soldaten vorn, dann
Gumbart und Lucius, zuletzt der Rest dahinter. Eine Dienerin stand wie versteinert an einer Wand. Sie streckte beide Arme in die Luft, ihre Hände zitterten. Ein Tablett lag vor ihr auf dem Boden und das edle Porzellan war zerbrochen. Lucius sah sie im Vorbeigehen an.


„Dort bleiben!“ zischte der imperiale Offizier bestimmend. Sie nickte. Er bezweifelte, dass sie sich in den nächsten zehn Minuten überhaupt bewegen konnte.

„Kreuzung.“ hauchte Gumbart, hob die Faust und Aurek stoppte.

Mehrere Stimmen und Schritte. Dann erschien ein Mann in der dunkelroten Uniform der Palastgarde. Hinter ihm folgten zwei weitere. Sie sahen die Imperialen und für einen winzigen Augenblick sahen sich beide Seiten einfach nur an. Dann zog der erste Gardist seinen Blaster.


„Waffe fallen lassen!“ raunte Gumbart. Der Mann hob sie dennoch und ein Betäubungsring traf ihn mitten auf der Brust. Die beiden anderen verschwanden hinter einer Säule. Wieder flogen Blasterbolzen durch die Luft, heller Stein splitterte von den Wänden. Ein imperialer Soldat ging zu Boden. Lucius duckte sich hinter eine Säule. Ein Bolzen schlug dort ein, wo eben noch sein Kopf gewesen war. Wärme, Staub und der Geruch von verbrannten Steinen erfüllten die Sinne des Captains. Gumbart feuerte zweimal mit Betäubungsschuss auf die Gardisten. Zwei Aurek-Soldaten bewegten sich durch einen Nebenbogen. Lucius hörte Schritte, dann einen Aufschrei.

„Sicher!“

Lucius trat aus der Deckung. Der gefallene imperiale Soldat saß inzwischen am Boden, an die verzierten Wände angelehnt. Ein dunkler Brandfleck zog sich über seine Schulterplatte.

„Status?“

„Panzerung hat gehalten.“ Der Soldat verzog das Gesicht. „Tut trotzdem weh.“

Lucius musste lächeln, ging dann gezielt weiter den Gang entlang. Der Soldat lachte trotz Schmerzen, als ein Kamerad ihm beim Aufstehen half. Gumbart wartete an der nächsten Tür. Alarm erfüllte nun den Palast, ein tiefer wiederkehrender Gong. Fast würdevoll. Selbst ihre Alarmanlagen mussten auf Cirrus offenbar Tradition besitzen. Lucius konnte nicht anders:

„Stil haben sie, gefällt mir.“

Gumbart lächelte. Welch seltener Anblick. Sie erreichten eine große Galerie. Fenster auf der linken Seite, der Blick nach Außen offenbarte grüne Gärten und weite Rasenflächen. Alte Bäume, Statuen und jenseits davon das berühmte goldene Meer. Für einen absurden Moment war es wunderschön. Dann schlug ein Blasterbolzen gegen die Fensterfassung und Holz splitterte auf den Boden.

„Deckung!“

Gumbart riss Lucius hinter eine Säule. Feuer aus dem gegenüberliegenden Ende der Galerie. Vier Gardisten, vielleicht fünf tauchten aus dem Nichts auf, aber diesmal vorbereitet. Aurek antwortete mit Betäubungsringen, die durch die Halle schnitten, rote Blasterbolzen flogen zurück. Ein Fenster zerbarst und Glas regnete in den Garten. Eine altehrwürdige Statue verlor den Kopf, Lucius sah ihn über den Boden rollen. Alter Herzog, wahrscheinlich sehr kostbar. Bedauerlich, da nicht notwendig.

„Linke Seite!“

Gumbart zeigte, sein Kopf ahmte die Bewegung nach, zwei Männer bewegten sich. Einer warf eine kleine Blendgranate. Weißes Licht und ein dumpfer Knall erfüllten die Galerie. Dann Bewegung und kurz danach lagen drei Gardisten bewusstlos am Boden. Ein vierter saß an der Wand und hielt sich die blutende Stirn, seine Waffe lag mehrere Meter entfernt. Lucius blieb vor ihm stehen. Der Mann sah hoch. „Imperiale Schweine.“

Lucius betrachtete ihn nüchtern. „Das ist keine besonders überzeugende Kapitulation.“ Der Gardist spuckte auf den Boden.

Gumbart trat näher heran und Lucius hob die Hand.
„Lassen Sie ihn.“ Er sah wieder auf den Mann hinunter. „Sie werden noch Gelegenheit bekommen, Ihren Wortschatz zu verbessern.“

Der Palast war größer, als Lucius gehofft hatte aber kleiner, als seine Bewohner vermutlich glaubten. McKings Männer hatten einen großen Teil der öffentlichen und funktionalen Bereiche kartiert. Aber alte Gebäude besaßen die unangenehme Eigenschaft, jahrhundertelang Türen, Gänge und versteckte Örtlichkeiten anzusammeln. Hinter einer Tür fanden sie zwei verängstigte Küchenangestellte, hinter der nächsten einen Lagerraum. Hinter der dritten einen Mann, der noch in seine Nachtkleidung gekleidet wa und der offenbar keine Ahnung hatte, warum zwölf imperiale Soldaten durch den Korridor liefen. Gumbart sah ihn an.

„Name und Funktion!?“

„Doktor Gori... Leibarzt des Herzogs.“

Lucius blieb stehen. „Wo ist er?“

Der Arzt blickte zwischen ihnen hin und her. „Wer?“ Lucius sah ihn streng an und der Arzt verstand. „Ich weiß es nicht.“

Gumbart machte einen bedrohlichen Schritt vor. „Halt.“ Der Staff Sergeant blieb unvermittelt stehen. Lucius ging näher an den Arzt heran.

„Doktor,“ seine Stimme war ruhig, „in diesem Gebäude befinden sich bewaffnete Männer, die glauben, sie könnten die politische Lage von Cirrus mit einem Blaster beeinflussen.“

Der Arzt schluckte. „Je länger ich den Herzog suchen muss, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass einer dieser Männer einen Fehler macht.“

„Er war im Ostflügel.“

„War?“

„Vor... vielleicht zwölf Minuten.“

„Mit wem?“

„Einige Minister, mehrere Sicherheitsleute.“ Lucius sah zu Gumbart.

„Innerer Ostflügel“, sagte der Sergeant. Der Arzt hob beide Hände noch ein Stückchen höher in die Luft und mit einem Schlag von Gumbarts Blasterkolben sackte der Mediziner bewusstlos zu Boden.

Auf dem Weg in den Ostflügel bemerkte Lucius, dass der Widerstand abnahm. Das konnte gut oder schlecht sein, denn Palastgarden verschwanden für gewöhnlich nicht einfach. Entweder hatten sie verstanden, dass der Kampf verloren war oder jemand zog sie zusammen. Letzteres gefiel Lucius Black weniger. Sein Kommunikator vibrierte und eine kurze verschlüsselte Meldung erschien.
Damar.


„Black.“

„Militärbezirk unter Kontrolle. Zwei Einheiten haben Waffen abgegeben. Eine verweigert noch.“

„Ziele festsetzen und auf weitere Befehle warten.“

„Verstanden.“ Eine zweite Stimme schaltete sich ein. Cass.

„Hauptverkehrsachsen gesichert. Ziviler Verkehr wird umgeleitet. Es bildet sich Stau auf der nördlichen Achse. Blockiert vermutlich Nachschubweg.“

Lucius beendete die Verbindung ohne ein weitere Wort. Gumbart sah ihn an.

„Alles gut?“

„Cass hat viel Verkehr.“

„Tragisch.“

Sie gingen weiter. Vor ihnen lagen nun breitere Korridore, weniger Dienstbereiche. Dafür deutlich mehr Prunk, edle Teppiche an den Wänden, daneben Gemälde und über allem goldene Leuchter. Das Wappen von Cirrus erschien häufiger. Sie näherten sich also dem Zentrum der Macht. Dann sah Lucius die Türen: Groß und heller Stein im Rahmen, dunkles Holz mit vielen goldenen Beschlägen. Zwei schwarze Adler waren in die Türblätter eingearbeitet. Davor lagen drei mittlerweile bewusstlose Gardisten. Ein vierter saß mit erhobenen Händen an der Wand. Aurek hatte abgeliefert. McKings Aufklärer hatten diese Stelle des Palastes nie gesehen, aber Lucius benötigte keine Karte um zu wissen worum es sich handelt. Man baute keine solchen Türen vor einen Abstellraum.

Gumbart hob die Faust und Aurek stoppte erneut. Ein Soldat legte sein Ohr an die Wand.


„Stimmen.“

„Wie viele?“

„Unklar.“

Gumbart trat zu Lucius. „Das dürfte es sein.“

Lucius sah auf die Türen. Dahinter wartete wahrscheinlich der Herzog, vielleicht seine Familie, mit Sicherheit wichtige Minister und möglicherweise viele bewaffnete Sicherheitskräfte. Lucius zog langsam seine Handschuh zurecht. Das tat er immer, wenn er Zeit gewinnen wollte. Gumbart bemerkte es.

„Bereit?“

Lucius betrachtete noch einmal die beiden Adler auf der Tür. Das Symbol eines unabhängigen Cirrus. Noch. Dann sah er Gumbart an.

„Ich bin schließlich eingeladen.“

Der Staff Sergeant hob zwei Finger und Aurek ging in Stellung. Lucius trat einen halben Schritt zurück, die Ladung wurde an die Türrahmen gesetzt. Ein leises Piepen. Drei, zwei, eins. Die Türen flogen auf und das Chaos begann erneut.


[Cirrus - Ciran - Herzoglicher Palast - innerer Ostflügel - Captain Lucius Black, Staff Sgt. Gumbart, Aurek-Squad]​
 
- 1st Lieutenant Finn Damar -
(NPC)


[Cirrus - Ciran - östlicher Regierungsbezirk - im Anflug auf den Militärbezirk - Finn Damar, II. Zug der Sierra-Kompanie]

​
Finn Damar hasste Transporter. Er verstand ihren Nutzen durchaus und hatte über die Jahre auch gelernt, selbst ausgesprochen schlechte Modelle mit einer gewissen stoischen Dankbarkeit zu betrachten, solange sie ihn lebendig und gemeinsam mit seinen Männern an den gewünschten Ort brachten. Ein trockener Transport war dabei für jeden Soldaten natürlich ein ziemlich netter Bonus. Viel zu oft hatte er schon in älteren Modellen gesessen, auf irgendeiner Trainingsmission am Rande des Imperiums und er hasste es mit einem nassem Arsch auf alten Polstern zu sitzen, weil irgendein Transporterdach nicht ganz so dicht war wie es die imperiale Propaganda vermuten ließe. Eigentlich hasste er es, überhaupt in diesen Dingern zu sitzen. Der Innenraum war zu eng, das Licht zu schlecht und die Luft bestand nach wenigen Minuten aus einer Mischung aus Kunststoff, Blasteröl, Metall, verbrannten Gummidichtungen und dem Schweiß schwer bewaffneter Männer, die alle so taten, als wären sie vollkommen entspannt. Unter seinen Stiefeln vibrierte der Boden mit jedem Lastwechsel der Repulsoren und irgendwo hinter der Verkleidung klapperte seit der Landung ein Bauteil, das Damar spätestens nach der Operation Cass persönlich zeigen würde. Falls Cass bis dahin nicht bereits davon wusste, aber vermutlich wusste er davon sowieso bereits. Cass wusste eigentlich alles über seine Fahrzeuge.

Damar saß unmittelbar hinter dem Fahrerabteil. Sein Blastergewehr lag zwischen seinen Beinen, der Lauf nach unten gerichtet, er wollte sich schließlich nicht versehentlich seine Kronjuwelen bei der nächsten Bodenwelle weglasern. Gegenüber saßen sechs Männer, die Damar teilweise seit Jahren kannte. Keiner sprach und das war höchst ungewöhnlich. Der II. Zug konnte ausgesprochen gesprächig sein, sobald Captain Black weit genug entfernt war. Eine kleine Anzeige über der Seitentür zeigte die Entfernung zum Ziel. Noch 2,4 Kilometer. Damar sah konzentriert auf die rot leuchtenden Zahlen, dann auf seine Männer. Staff Sergeant Mellows saß zwei Plätze weiter und überprüfte zum vermutlich x-ten Mal den Sitz seines Handschuhs.


„Wenn Sie ihn noch fester ziehen, Sergeant, fällt Ihnen die Hand ab.“ Mellows sah auf. „Dann spare ich Gewicht, Sir.“

Einige Männer grinsten. Damar lehnte den Hinterkopf gegen die gepolsterte Wand. Mellows hatte da durchaus einen Punkt. Noch 2,1 Kilometer. Im Helm knackte der Funk.

„Sierra Zwei an Zwei-Eins. Kreuzung frei. Ziviler Verkehr weicht aus.“ der Soldat betätigte sein Funkcom. „Verstanden.“

Damar blickte auf das taktische Display an seinem Unterarm. Der Militärbezirk Cirans lag süd-östlich des eigentlichen Regierungsviertels, weit genug vom Palast entfernt, dass sich die Touristen dort normalerweise nicht verirrten, aber nah genug, um im Ernstfall Kräfte innerhalb weniger Minuten in das politische Zentrum der Hauptstadt bringen zu können. Genau das wollte Lucius verhindern: Die cirresischen Streitkräfte sollten ihre Kasernen nicht verlassen und im besten Fall sollten die Cirresen selbst dafür sorgen. Das war Blacks Plan. Lucius Black hatte gelegentlich Ideen, bei denen man sich erst Stunden später fragte, warum man ihnen überhaupt zugestimmt hatte. Dann erinnerte man sich gewöhnlich daran, dass sie funktioniert hatten. Jetzt noch 1,6 Kilometer.

„Lieutenant.“ Der Fahrer meldete sich knapp. „Ja?“

„Straßensperre, 12 Uhr.“

Damar richtete sich auf. „Imperial?“

„Nein, Sir.“ Natürlich nicht.. „Entfernung?“

„Vierhundert Meter.“

„Langsamer.“

Der Transporter reagierte sofort und das tiefe Summen der Repulsoren veränderte sich. Die Männer im Innenraum bewegten sich kaum merklich nach vorn, Staff Sergeant Mellows griff nach seiner Waffe, die anderen folgten seinem Beispiel. „Noch keine Waffen hoch.“ Damar stand auf, der Innenraum erlaubte es gerade so und er drückte die Hand gegen das Dach, als der Transporter leicht zur Seite schwang um seine Balance zu unterstützen. „Sierra Zwei an alle Posten. Feindliche Straßensperre vor dem Militärbezirk. Feuerbereitschaft. Feuern nur auf Befehl.“ Bestätigungen knisterten durch den Funk und Damar trat näher zum Sichtschlitz. Ciran zog nun nur noch langsam an ihnen vorbei. Heller Stein, breite Gehwege und modernisierte Leitsysteme über der Straße. Ein geschlossenes Café, Menschen standen in Hauseingängen und beobachteten den imperialen Konvoi aufmerksam. Ein Mann hielt ein Kind an der Schulter zurück und zwei Gleiter waren halb auf den Gehweg gefahren, um Platz für den Transporter zu machen. Auf der Kreuzung vor ihnen standen cirresische Sicherheitskräfte. Es waren vielleicht zwölf. Sie hatten provisorische Barrikaden aufgebaut: Ein leichter Gleiter quer über die Straße, daneben und dahinter Cirresen mit Blastergewehre. Keine schweren Waffen. Noch nicht.

„Die sehen nervös aus“, sagte Mellows hinter ihm. „Wir sehen vermutlich auch nicht besonders entspannt aus.“ Der Transporter stoppte, das Fahrzeug hinter ihnen ebenfalls. Plötzlich war das Klappern hinter der Innenverkleidung verschwunden. Damar bemerkte es sofort. Stille. Doch Stille war manchmal das Lauteste in einem Krieg.

„Tür.“ Die Seitentür glitt auf und helles Morgenlicht fiel in den Innenraum. Damar stieg aus, seine Stiefel trafen den hellen Straßenbelag. Doch er hatte keine Zeit für einen ersten Eindruck von diesem Teil der Stadt. Ungefähr Zwölf Waffen zeigten ungefähr in seine Richtung. Seine Männer stiegen hinter ihm aus. und jetzt zeigten auch imperiale Waffen ungefähr in die andere Richtung. Das gefiel Damar überhaupt nicht. Scheiße, verdammt noch eins!

„Waffen runter.“ Keine Reaktion. Damar drehte den Kopf leicht. „Ich sagte: Waffen runter!“ Hinter ihm sanken die imperialen Läufe ein Stück. Die Cirresen sahen einander verwundert an. Ein Offizier trat hinter der Sperre hervor. Dunkelblaue Uniform, drei silberne Abzeichen. Vielleicht Captain, vielleicht Major, vielleicht irgendeine anderer planetarer Dienstgrad. Damar kannte die cirresischen Rangsysteme noch nicht gut genug, um sich darauf zu verlassen. Für einen kurzen Moment wollte der imperiale Offizier schmunzeln, als er an die berühmte Traditionsliebe der Cirresen dachte. Vielleicht war er auch der Große und Hohe Lord Stallmeister.

„Dies ist ein militärischer Sperrbezirk.“ Damar blickte auf die Barrikade, dann auf die imperialen Transporter hinter sich, dann wieder auf den Offizier. „Das hatte ich gehofft.“

„Sie haben keine Durchgangsgenehmigung.“

„Das ist korrekt.“ Der Mann schien mit dieser Antwort nicht gerechnet zu haben. „Dann kehren Sie um.“

Damar atmete langsam aus. Lucius hätte jetzt vermutlich etwas über Souveränität gesagt oder über imperiale Ordnung oder darüber, dass Genehmigungen meistens von jenen verlangt wurden, die noch nicht verstanden hatten, dass sie keine mehr ausstellen würden. Doch Damar war nicht Lucius.

„Nein.“ Der cirresische Offizier versteifte sich. „Lieutenant?“

„Sie kennen meinen Rang.“

„Ihre imperilen Abzeichen sind nicht schwer zu lesen.“

„Dann ersparen wir uns wenigstens einen Teil der Vorstellung.“ Damar ging noch einen Schritt vor und prompt bewegten sich die cirresischen Waffen nervörs. Die imperialen ebenfalls.

„Nicht.“ Seine Männer hielten, der andere Offizier bemerkte es. „Ich habe den Befehl, den Militärbezirk zu sichern.“

„Sie befinden sich auf cirresischem Hoheitsgebiet. Das Imperium hat hier keinerlei Autorität. Cirrus ist ein unabhängiger und neutraler Planet.“

„Das ist heute ein kompliziertes Thema.“

„Für mich nicht.“ Damar sah ihn an. Der Mann war vielleicht Ende fünfzig. Graues Haar an den Schläfen, keine sichtbare Angst. Und das machte ihn gefährlich.. Nicht weil mutige Männer besser schossen, sondern weil sie länger brauchten, um sich von schlechten Entscheidungen abbringen zu lassen.

„Ihr Name?“

„Major Carven.“ Also Major und kein Hofstallmeister von besonderer Ausprägung. Damar nickte. „Major Carven. Ich möchte nicht auf Ihre Männer schießen.“

„Dann sollten Sie umdrehen .“

„Das möchte ich ebenso wenig.“ Carvens Gesicht blieb hart. „Dann haben wir ein Problem.“

„Nein.“ Damar blickte an ihm vorbei. Hinter der Straßensperre führte eine breite Straße weiter in den eigentlichen Militärbezirk. Kasernengebäude und Fahrzeughallen und Funkantennen. Soldaten bewegten sich zwischen den Gebäuden. Der Imperiale konnte ein Duzend auf einen Schlag erkennen, dann mehr als zwölf. Deutlich mehr. „Sie haben ein Problem.“

Carven folgte seinem Blick nicht. „Sie sind mit vielleicht vierzig Mann hier.“ Damar lächelte leicht. „Dann zählen Sie schlecht.“ Das war gelogen oder zumindest großzügig ausgelegt. Carven wusste es und Damar wusste, dass er es wusste. Beide entschieden, das Thema nicht weiterzuverfolgen.

Im Funk knackte eine Meldung.
„...Sierra Zwei, Meldung. Alpha hat Palace Square erreicht....“ Damar reagierte äußerlich nicht. Carven konnte den Funk nicht hören, aber Damar hörte das nächste Wort. „...Kontakt....“ Dann statisches Rauschen. Schüsse! Alpha war im Gefecht und Lucius Black war beim Palast. Damar sah weiterhin Carven an.

„Major.“

„Lieutenant.“

„Sie geben Ihren Männern den Befehl, die Waffen niederzulegen und in den Kasernen zu bleiben.“

„Nein.“

„Sie stellen sämtliche militärische Kommunikation ein.“

„Nein.“

„Sie übergeben mir Ihren Funkraum und die Fahrzeugdepots.“

„Nein.“ Damar nickte langsam. „Wenigstens sind wir hier effizient.“ Carven runzelte die Stirn. „Sie sparen mir viele Antworten.“

Hinter Damar bewegte sich etwas. Ein imperialer Soldat wechselte nur ein kleines Stückchen seine Position. Vielleicht einen halben Schritt, vielleicht nur, um besser sehen zu können, es war kaum der Rede wert. Einer der jungen Cirresen an der Sperre interpretierte die Bewegung jedoch anders. Ganz anders. Plötzlich sah Damar es: Die Augen, die Schultern und den Finger. „Nicht..“ Der Blaster schoss und der rote Energiebolzen raste an Damar vorbei und zwar so nah, dass er die Hitze am Hals spürte. Hinter ihm schlug der Schuss in die Frontplatte des Transporters. Metall sprühte Funken. Dann brach die bisher friedliche Welt auseinander. Imperiale Waffen gingen hoch, Cirresische ebenfalls. Damar warf sich seitlich hinter einen niedrigen Steinpoller. Ein zweiter Schuss schlug über ihm in eine Fassade. Mellows kniete hinter dem Transporter. „Erwidern?!“ Damar sah durch die Lücke zwischen Poller und Fahrzeug. Carven schrie seinen Männern etwas zu, die Imperialen konnten es nicht klar verstehen. Der junge Soldat, der geschossen hatte, stand noch immer mit erhobener Waffe da. Er war vollkommen überfordert und vielleicht selbst überrascht, dass er tatsächlich abgedrückt hatte. Damar hob den Blaster und wollte das Feuern gerade erwidern. Dann sah er Lucius vor sich. Also nicht wirklich, natürlich. Nur die Erinnerung an den Captain: Wir sind nicht dort, um Helden zu produzieren, weder auf unserer noch auf ihrer Seite.

„NICHT FEUERN!“ Seine Stimme ging fast im Echo der Blaster unter. „SIERRA ZWEI! FEUER HALTEN!“ Ein imperialer Soldat schoss, doch der Bolzen flog weiter über die Barrikade. „FEUER HALTEN, VERDAMMT!“ Die schweren Infanteristen gehorchten. Nicht sofort, aber schnell genug um Verluste auf beiden Seiten zu verhindern. Das imperiale Feuer verstummte und zwei Sekunden später auch das cirresische. Damar atmete schwer, sein Herz schlug gegen die Brustplatte. Er richtete sich langsam hinter der Deckung auf.

„Mellows.“

„Sir.“

„Verluste?“

„Keine. Transporter hat einen Treffer.“

„Beschädigung?“

„Lackschaden.“ Damar trat hinter dem Poller hervor.

„Sir!“ Mellows griff nach seinem Arm. „Loslassen!“ Damar zog seinen Arm frei. Dann ging er: keine Deckung, keine erhobene Waffe. Carven sah ihn kommen. Der Major stand ebenfalls wieder auf, als wäre nicht vor wenigen Sekunden die Hölle ausgebrochen. Zwischen beiden lagen nun vielleicht zehn oder fünfzehn Meter. Damar ging fünf davon, dann blieb er stehen. „Major Carven!“ Carven trat ebenfalls vor. „Lieutenant!“

„Der nächste Schuss beginnt einen Kampf, den keiner von uns mehr kontrollieren kann!“

„Ihr Mann hat ebenfalls geschossen!“

„Nachdem Ihrer angefangen hat!“

„Ein Rekrut! Er war nervös.“

Damar zeigte auf die beiden Linien bewaffneter Soldaten. „Das ist das Problem.“ Carven sah zurück zu seinen Männern. Der junge Schütze war inzwischen von einem Unteroffizier entwaffnet worden. Damar ging die letzten Meter, jetzt standen sie sich beinahe gegenüber. Keine Barrikade mehr zwischen ihnen.

„Sie besetzen meine Heimat.“

„Ja.“

„Und erwarten, dass ich nichts tue?!“

„Nein.“ Carven sah ihn überrascht an. „Kapitulation?“

„Nennen Sie es wie Sie es möchten.“

„Cirrus wird sich dem Imperium nicht kampflos ergeben. Sie haben keine Ahnung, wie viele Soldaten wir hier haben! “

„Mehr als ich.“ Carven blinzelte. Damit hatte er nicht gerechnet. „Sie haben dort mehr Männer, Major.“ Damar zeigte auf die Kasernen hinter ihm.

„Mehr Gebäude, mehr Fahrzeuge. Sie kennen den Bezirk und ich nicht.“

„Dann erklären Sie mir, weshalb ich kapitulieren sollte.“ Damar zog langsam seinen Helm ab. Die Luft war kühl, er schmeckte Staub und roch Pferdemist. Irgendwo brannte etwas Kleines an der getroffenen Transporterfront. Vielleicht die lose Gummidichtung?

„Weil Sie einen Kasernenhof verteidigen.“ Carven sagte nichts. „Mein Captain nimmt gerade den Palast des Herzogs.“ Ein Muskel in Carvens Gesicht bewegte sich, die Knöchel wurden weiß, weil der Imperiale seinen Helm voller Anspannung zu fest hielt.

„Ihre Kommunikation nach Außen wird bereits eingeschränkt. Ihre Fahrzeuge verlassen diesen Bezirk nicht mehr. Ihre Regierung hat keine Kontrolle mehr darüber, was in Ciran geschieht oder was auf ganz Cirrus geschieht. Der Geheimdienst ist blind und handlungsunfähig. Raumverteidigung ebenfalls. Erschießen Sie meine Männer ruhig, das Imperium wird mindestens zwei Sternenzerstörer schicken. Ihr Lage ist eindeutig, Major.“

„Das behaupten Sie.“

„Ja.“

„Und wenn Sie lügen?“

„Dann haben Sie später, bei ihrer Mittagspause, sehr viel Gelegenheit, sich über mich lustig zu machen.“ Carven sah Damar lange an. Dann ertönte in Damars Funk erneut eine Stimme, im Hintergrund waren Schüsse zu hlren: „...Sierra Zwei, Sierra Eins. Westlicher Zugang Palast gesichert. Alpha bewegt sich in den inneren Bereich...“ Damar sah Carven weiterhin an. „Sie hören meinen Funk nicht.“

„Nein.“ Carven verstand trotzdem. „Der Herzog?“

„Er lebt.“

„Woher wissen Sie das?“

„Das weiß ich nicht.“ Ehrlichkeit war manchmal nützlicher als Überzeugung. Vor allem unter Soldaten. „Aber mein Captain braucht ihn lebendig.“ Carven sah ihn fragend an. „Tote Herzöge schlecht regieren.“ Einige Sekunden geschah nichts. Dann blickte Carven zurück zu seinen Männern: Cirresische Soldaten standen hinter Barrikaden, Fahrzeugen und Mauern. Junge Männer, ältere, alles mehr oder weniger kampfunerfahrene Menschen. Damar trat einen Schritt näher.

„Major.“ Carven sah ihn an. „Ich brauche Ihre Kaserne nicht.“ Damar deutete auf die Männer.„Ich brauche die Leute darin.“

„Wofür?“

„Damit sie heute nichts Dummes tun. Nicht noch einmal..“ Damar blickte zu dem jungen Soldaten, der eben noch vorschnell geschossen hatte. Carven schnaubte amüsiert auf und Damar setzte den Helm wieder auf. „Ihre Männer legen ihre Waffen nieder.“

„Und dann?“

„Bleiben sie in ihren Unterkünften.“

„Gefangene.“

„Soldaten in ihren eigenen Kasernen.“

„Unter imperialer Bewachung.“

„Sie können auch auf uns schießen.“ Damar sah ihn direkt an. Der Major atmete langsam aus. „Ich brauche einen direkten Befehl des Herzogs für so etwas. Und den Beweis, dass seine Hoheit sicher ist.“

„Den haben Sie nicht.“

„Dann kann ich meine Waffen nicht niederlegen.“

„Doch.“ Carvens Blick wurde hart. Wieder der Funk und diesmal direkt an Damar. „...Sierra Zwo, hier Black...“ Damar hob eine Hand an den Helm. „Zwo hört.“ Carven beobachtete ihn. „...Status?...“ Im Hintergrund hörte Damar Bewegung und kurze Befehle. Irgendwo einen Blasterschuss, doch Lucius' Stimme blieb ruhig.

„Militärbezirk ungesichert. Kein kontrollierter Zugang. Cirresische Garnison verweigert Entwaffnung. Kurzer Schusswechsel, keine eigenen Verluste.“

„...Führen Sie Angriff durch?...“ Damar sah Carven an. Der Major konnte die Frage nicht hören. Aber er sah Damars Gesicht. „Negativ.“

Kurze Pause. „...Warum?...“

„Weil sie noch nachdenken.“ Damar hörte Lucius atmen. „...Dann sorgen Sie dafür, dass sie schneller denken...“

„Ja, Sir.“

„...Black Ende....“ Die Verbindung brach ab. Carven hob eine Augenbraue. „Ihr Captain?“

„Ja.“

„Und?“

„Er ist enttäuscht.“ Damar trat zurück. „Ich gebe Ihnen eine Minute.“ Damar hob seinen Blaster nicht, er musste es nicht. „Danach treffe ich die Entscheidung für Sie.“ Er ging zurück. Langsam. Jeder Schritt fühlte sich länger an als der davor. Als er seine eigenen Linien erreichte, kam Mellows sofort zu ihm. „Warten. Eine Minute.“ Der Sergeant sah zur Barrikade. „Dann wird es schmutzig und laut.“ Mellows nickte, keine weitere Frage. Damar sah auf die Chrono. 00:57.

Die Männer des II. Zuges gingen in Stellung: Nicht hektisch, sondern systematisch und mit der vom Militär eingeprägten Disziplin. Schwere Blaster wurden ausgerichtet, Deckungsbereiche verteilt, zwei Soldaten bewegten sich hinter den Transporter, ein Trupp zog nach links in einen Hauseingang.
Damar beobachtete alles. 00:41.

Auf der anderen Seite tat
Carven dasselbe: Cirresische Soldaten bewegten sich langsamer als die Imperialen, unpräziser und unerfahrener. Damar konnte nicht erkennen, ob sie sich für einen Kampf vorbereiteten oder dagegen. 00:30.

Sein Mund war trocken. Der Imperialer schluckte den Rest vom Speichel den er noch im Mund hatte. 00:21.

Das war der Teil, den Holofilme niemals zeigten: Das Warten vor dem Schusswechsel, wenn jeder noch lebte, wenn jede Entscheidung noch zurückgenommen werden konnte und wenn man wusste, dass dies in wenigen Sekunden vielleicht nicht mehr gelten würde. 00:12.

Mellows entsicherte seine Waffe.
Damar hob den eigenen Blaster und zielte direkt auf Carvens Kopf. 00:08.

Carven bewegte sich, er sprach irgendetwas zu seinen Männern.
Damar spannte sich an. 00:05.

Der Major drehte sich um, er hob seine rechte Hand. 00:03.

Dann senkte er sie. Hinter ihm legte der erste cirresische Soldat sein Gewehr auf den Boden, dann ein zweiter und ein dritter.
Damar atmete aus. Er hatte nicht bemerkt, dass er die Luft angehalten hatte. Anspannung fiel ab. 00:00.

Major
Carven trat vor. Seine eigenen Blasterpistole hielt er in der Hand. Für einen Moment ging ein Ruck durch Damars Männer.
„Halten.“

Carven sah auf die Waffe, dann legte er sie auf die Barrikade. „Meine Männer bleiben in den Kasernen.“ Damar ging wieder nach vorn.

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„Die Offiziere behalten ihre Seitenwaffen.“ Carven sah überrascht auf. „Kontrollieren Sie Ihre Männer.“ Carven blickte über seine Schulter. Seine Soldaten legten weiter ihre Waffen nieder, nicht alle mit Begeisterung, einige beinahe widerwillig, andere sichtbar erleichtert.

„Was passiert jetzt?“

„Wir sichern sensible Bereiche und stellen sie unter imperiale Kontrolle.“

„Und meine Männer?“

„Essen.“ Carven sah ihn an. „Es ist noch früh.“

„Sie besetzen gerade meine Kaserne und denken an Frühstück?“

„Hungrige Soldaten treffen schlechte Entscheidungen.“ Carven lachte tatsächlich. „Sergeant Mellows.“

„Sir.“

„Sichern Sie die Blaster der Cirresen. Und begleiten Sie den Major zu seinem Büro.“

Jetzt setzte sich der II. Zug in Bewegung. Keine Sturmattacke, keine Blastersalven, doch Imperiale Soldaten gingen durch die Barrikade. Cirresische Soldaten traten zur Seite. Einige sahen sie hasserfüllt an, andere neugierig, doch viele einfach nur müde. Damar ging mitten hindurch. Er spürte ihre durchbohrenden Blicke, das Gewicht des Blastergewehrs, den Schweiß unter seinem Kragen unnd den Staub in seinem Mund. Der Militärbezirk roch nach Treibstoff, Metall und feuchtem Stein. Fast wie auf Dubrillion aber die Banner waren falsch. Noch.

Siebenundzwanzig Minuten später war es vorbei. Keine Siegesfanfare, keine Parade, keine heroische Rede warteten auf die Soldaten des II. Zuges. Die Funkzentrale war unter imperialer Kontrolle, das Fahrzeugdepot gesichert, die Waffenlager versiegelt und die cirresischen Soldaten befanden sich in ihren Quartieren oder auf ihren normalen Posten, nun unter Aufsicht des II. Zuges. Unter imperiale Aufsicht. Ein einziger Blasterschuss hatte beinahe einen Kampf ausgelöst, doch kein Mensch war gestorben.
Damar betrachtete einen Brandfleck an der Wand des Kommandogebäudes. Der Schuss war dort eingeschlagen, nachdem er an seinem Kopf vorbeigegangen war. Damar aktivierte seinen Kommunikator.


„Sierra Zwei an Black.“ Kurze Pause. Dann hörte er Lucius.

„...Black...“ Im Hintergrund waren wieder Geräusche. Damar hörte einen dumpfen Knall, gefolgt von Rufen. Lucius klang trotzdem so, als würde er gerade an einem Schreibtisch sitzen.

„Militärbezirk gesichert. Cirresische Garnison verbleibt in den Kasernen. Funk, Waffenlager und Fahrzeuge unter imperialer Kontrolle.“

„...Verluste?...“

„Keine.“ Kurze Pause. „Cirresische?...“

„Keine.“ Diesmal dauerte die Pause etwas länger. „...Sehr gut, Finn...“

Damar blickte durch das Fenster: Auf dem Hof standen cirresische Soldaten unter den Augen imperialer Infanteristen. „Danke, Sir.“

„...Halten Sie den Bezirk. Keine Provokationen. Wir sind noch nicht fertig...“

„Verstanden.“

„...Black Ende...“ Die Verbindung brach ab. Damar blieb einen Moment stehen. Wir sind noch nicht fertig.. Natürlich nicht. Lucius Black war vermutlich noch nie mit irgendetwas richtig fertig gewesen. Er erreichte nur irgendwann den Punkt, an dem er etwas Neues wollte. Damar sah hinaus auf die Stadt. In der Ferne ragte der Palast über die Dächer, von hier wirkte er fast friedlich. Über einem Teil des Regierungsviertels stieg dünner Rauch auf. Wenig und kaum erkennbar, nichts Großes. Nocht nicht. Unten auf dem Hof begann ein imperialer Soldat damit, die ersten Wachposten einzuteilen. Imperiale und cirresische Uniformen bewegten sich zwischen denselben Gebäuden. Es sah falsch aus. Vielleicht würde es sich irgendwann normal anfühlen. Er legte eine Hand auf den Rahmen des Fensters und am anderen Ende der Stadt kämpfte sein Captain vermutlich gerade durch irgendeinen viel zu teuren Korridor voller Gemälde und alter Familienwappen. Hier war es bereits so gut wie vorbei. Der Militärbezirk gehörte jetzt dem Imperium. Damar fand, dass die Faust der Sierra-Kompanie heute erstaunlich wenig hatte zuschlagen müssen.


[Cirrus - Ciran - Militärbezirk - Kommandogebäude - 1st Lieutenant Finn Damar, Major Carven, Soldaten des II. Zuges]​
 
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[Cirrus - Ciran - Herzoglicher Palast - innerer Ostflügel - Captain Lucius Black, Staff Sgt. Gumbart, Alpha Squad]

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Die Türen flogen nach innen auf. Holz splitterte, goldene Beschläge wurden aus ihren Verankerungen gerissen, die stabilen Mamorwände des Palastes wirkten für einen Augenblick als würden sie selbst der Sprengladung zum Opfer fallen und für einen weiteren kurzen Moment verschwand der Raum hinter dem Platz, wo eben ncoh eine massive Tür stand, in Staub und weißlichem Rauch. Gumbart war der Erste der hindurch ging und in jenem Rauch verschwand. Zwei Männer folgten ihm, Blaster im Anschlag, dann Lucius.

„Los, sichern!“

Alpha verteilte sich im Raum. Links, rechts, hinter den Säulen. Noch fielen keine Schüsse und Lucius blieb stehen nachdem er den Raum hinter der verschwundenen Tür betrat. Der Raum war groß, viel zu groß. Eine Art privater Ratssaal, vielleicht für Sitzungen des Herzogs mit seinen engsten Ministern oder seinem vertrauten Kreis. Hohe Fenster öffneten den Blick auf die Gartenanlagen, schwere rote Vorhänge bewegten sich im Luftzug der zerstörten Türen, an den Wänden hingen die schwarz-goldenen Adler von Cirrus und an einer Seite des Raumes stand ein imposanter Kamin, deutlich größer als der, welcher in Lucius Villa auf Dubrillion stand. In der Mitte des großen Raumes stand ein langer Tisch. Darauf waren sorgfältig Gläser, Datapads und eine noch dampfende Tasse platziert, als wäre vor wenigen Sekunden eine Ratssitzung zu Ende gegangen. Nur ein umgestoßener Stuhl trübte, neben dem Rauch und den Trümmern der Tür die elegante Kulisse. Doch hier war noch etwas, dass nicht zusammenpasste: Kein Herzog, keine Familie und keine Minister. Lucius blickte auf die dampfende Tasse, nahm sie in die Hand und betrachtete sie als wäre sie ein Hinweis auf den Aufenthaltsort ihres Besitzers.

„Interessant..“ Gumbart kam aus einem Nebenraum zurück. „Leer.“

Lucius hatte noch immer die Tasse in der Hand. Selbst durch seine Handschuhe spürte er, dass sie noch warm war. Sehr warm. Sie waren nicht Stunden zu spät, sondern vielleicht nur Minuten.

„Captain.“ Einer der Soldaten stand an der gegenüberliegenden Wand, dort war ein Teil der Holzvertäfelung geöffnet. Dahinter: Massiver Durastahl. Eine schmale, fast unauffällige Tür. Keinerlei prunkvoller herzoglicher Ausgang. sondern ein Fluchtweg. Lucius sah Gumbart an.

„Das stand nicht in McKings Unterlagen. Das gefällt mir nicht.“

Gumbart trat zur Tür und untersuchte das Bedienfeld.

„Verriegelt, doppelt.“ Lucius wollte antworten, doch sein Kommunikator knackte.

„...Black, McKing. Bewe... nörd... Palast... drei ziv...“ Dann nur noch Rauschen. Lucius hob die Hand an das Gerät.

„McKing, wiederholen!“ Statisches Kreischen. „McKing?“ Nichts.

Ein Alpha-Soldat versuchte einen anderen Kanal.
„Sierra Eins an Sierra Zwei. Funkcheck.“ Rauschen. „Sierra Eins an alle Sierra-Einheiten.“ Nichts.

Dann erlosch das Licht und mit einem kurzen, scharfen Zischen schossen metallene Blenden vor die Glasfenster. Dort wo man eben noch den Blick in den friedlichen, grünen Garten richten konnte, trafen die Augen der Soldaten jetzt auf Stahl. Der ganze Raum versank für zwei Sekunden in vollständiger Dunkelheit. Dunkelrote Notbeleuchtung sprang an. Die schwarzen Adler an den Wänden wirkten plötzlich wie bedrohliche Schatten. Lucius sah langsam zur Decke.


„Es ist eine Falle.“ Ein dumpfes Geräusch hallte durch den Korridor, dann noch eines. Metall, schwerfällig und massiv. Alpha drehte sich um.

„Schotten!“ Lucius trat zur zerstörten Tür. Im Gang senkten sich massive Sicherheitsschotten aus der Decke. Eines, dann das nächste. Der Weg zurück verschwand und der Palast verriegelte sich abschnittsweise.

„Sie stören unseren Funk und schneiden den Palast in Sektionen.“ Gumbart zog seinen Blaster. Lucius hatte Cirrus für traditionsverliebt gehalten, vielleicht ein wenig rückständig. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden musste er feststellen, dass Tradition und Dummheit zwei völlig unterschiedliche Dinge waren. Plötzlich schlug ein roter Blasterbolzen durch die offene Tür. Er traf die Säule unmittelbar neben Lucius. Stein oder Mamor splitterten und flogen durch den Raum. Lucius wurde von Splittern im Gesicht getroffen und warf sich instinktiv hinter den Ratstisch.

„KONTAKT!“ Alpha erwiderte das Feuer. Zwei Gardisten erschienen am Ende des Korridors, dann waren es vier und plötzlich so viele, dass der Captain es nicht mehr mit einem Blick erfassen konnte. Es waren keine panischen Palastwachen, sondern eine vorbereitete Sicherungsgruppe.
Gumbart kniete hinter einer Säule.
„Links!“

Ein Betäubungsring raste durch den Korridor und Ein Gardist fiel. Der nächste Schuss traf einen Alpha-Soldaten an der Brustplatte. Der Mann wurde nach hinten geschleudert. „Mann getroffen!“

Lucius hob seinen Blaster über die Tischkante und feuerte zweimal in die Richtung der Gardisten. Der erste Schuss ging irgendwo auf den Korridor, der zweite traf eine Wand.

„Verdammt.“ Gumbart warf ihm einen kurzen Blick zu. Lucius ließ ihn vorerst unkommentiert. Ein weiterer Bolzen schlug in den Tisch ein. Nun splitterte Holz und ein Glas mit dem halb getrunkenen Wein zerbarst. Lucius blickte kurz auf die dunkelrote Flüssigkeit, die über das Holz lief und schlussendlich an der Tischkante auf den Boden tropfte. Höchstwahrscheinlich war es ein Château Crant, ein teurer und exklusiver Tropfen von Cirrus. Als edles Getränk weit verbreitet in der Galaxis und viel zu kostbar um ihn zu verschwenden. „Barbaren.“

Gumbart schoss wütend zurück, als hätte er seinen Captain gehört und den ungesprochenen Befehl ausgeführt. Dann wurde es plötzlich still.
Keine weiteren Schüsse, nur das Summen der Notbeleuchtung. Lucius wartete: Zwei Sekunden, dann drei, dann fünf. Dann hörte er aufgeregte Schritte. Doch nicht von vorn, sondern von hinten. Der imperiale Captain drehte sich um. Ein Teil der Wandverkleidung am anderen Ende des Ratssaals bewegte sich. Eine dritte Tür!.
„Gum.“

Gumbart sah sie. „Ja.“ Die Tür öffnete sich. Zwei weitere Gardisten stürmten heraus, doch Alpha reagierte schneller. Rotes Blasterfeuer der Imperialen traf einen cirresischen Soldaten und einer der Gardisten brach zusammen. Der andere erwiderte das Feuer und der Bolzen traf Lucius seitlich. Ein stechender Schmerz bahnte sich seinen unaufhaltsamen Weg durch den Körper des imperialen Captains, dessen Welt für einen Moment weiß wurde. Etwas riss ihn von den Füßen und er schlug hart auf dem Boden auf. Für einen Augenblick hörte er nichts, nur ein dumpfes Pfeifen, er spürte nichts und konnte für den Bruchteil einer Sekunde vermutlich nicht einmal sagen wo er gerade war und wie seine Mutter mit zweiten Vornamen hieß. Dann kam der Schmerz zurück. Heiß, brutal und erneut ohne jegliche Gnade wanderte der Schmerz erneut durch den gesamten Körper. Seine rechte Seite brannte. „CAPTAIN!“ Gumbart war bei ihm. Lucius zog scharf Luft ein. Im gleichen Moment hörte er schwereres Gerät. Es war nicht nur eine Falle, es war, in Cass' Worten, eine riesige, besch*ssene Falle. Lucius konnte nur vermuten was die Ciressen dort machten, denn sein Körper weigerte sich mit jeder Faser damit, dass der Captain sich umblicken konnte. Doch dann hörte er es: E-Web. Rote Blasterbolzen flogen unaufhaltsam durch den Raum, die schweren Schüsse durchlöcherten die metallenen Blenden, durch die so entstandenen Löcher strahlte warmes Sonnenlicht in den Raum und Staub schwebte mystisch in den Lichtkegeln.

„Beruhigen.. Sie sich Staff Seargeant“

„Sie wurden getroffen.“

„Ich habe es bemerkt.“ Gumbart zog ihn hinter den Tisch und Lucius tastete an seine Seite. Die Panzerplatte seiner Uniform war schwarz angesengt. Der Treffer hatte sie nicht vollständig durchschlagen. Ein glücklicher Zufall. Seine Finger zitterten, seine Hände konnten den Blaster nicht mehr ruhig greifen. Lucius sah auf seine Handschuhe, das gefiel ihm überhaupt nicht. Irgendwo in der Entfernung hörte Lucius Schreie, dann den Ruf eines Sierra-Soldaten: Thermaldetonator. Wenige Sekunden später ertönte eine laute Explosion, wieder flogen Holz, Mamor und Staub durch den Raum. Für einen Moment verschwand nicht nur der verbliebene Rauch, sondern auch das unnachgiebige Geräusch des E-Web. Letzteres blieb ruhig. Sierra hatte seine Handlungsfähigkeit also wiederhergestellt.

„Durchschlag?“

„Nein.“

„Bleiben Sie unten.“

„Nein.“

„Sir?“ Lucius sah ihn an. „Wenn Sie anfangen mich zu bemuttern, muss ich wegen Eigenbeschuss vor dem Oberkommando Stellung beziehen.“ Gumbart betrachtete ihn einen Moment. Lucius zog sich am Tisch hoch. Langsam, denn seine Seite protestierte bei jeder Bewegung. Aber er hockte wieder, das genügte. Ein Alpha-Soldat rief aus dem Korridor: „Kontakt gebrochen!“ Gumbart richtete sich auf. „Verfolgen?“

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Lucius wollte antworten. Dann knackte sein Kommunikator erneut, doch es ertönten nur Fragmente.

„...King... drei... Gleiter... Küste... zwei... Innen...“ Dann wieder Rauschen. Lucius hob das Gerät. „McKing! Wiederholen!“ Nichts, nur Störung.

Gumbart sah ihn an.
„Drei Gleiter?“

„Vielleicht.“

„Der Herzog?“ Lucius sah auf die geheime Tür. Dann auf die zweite. Es waren also zwei Fluchtwege und drei Fahrzeuge. Eine vorbereitete Gegenwehr mit Funkstörung. Das war kein panischer Rückzug, jemand hatte einen Plan.

„Sie wussten, was sie tun müssen.“

Gumbart sah zur verschlossenen Tür. „Dann müssen wir schneller sein.“ Lucius schüttelte langsam den Kopf. „Nein.“

Er zwang sich, gerade zu stehen. Schmerz zog durch seine Seite und alles in seinem Körper wehrte sich dagegen den strammen Soldaten zu mimen. Vermutlich war es nur noch das Adrenalin in seinem Blut, dass ihm einen aufrechten Stand ermöglichte.

„Genau das wollen sie.“ Lucius ging zurück zum Tisch. Eines der Datapads war noch aktiv, eine Tischordnung befand sich unverschlüsselt darauf. Ein Abendessen also. Lucius erkannte viele Namen, konnte sie aber nicht zuordnen. Dann erblickte Rangbezeichnungen und Etikette. Der Herzog, Minister und hochrangige Gäste. Ein Platz war gestrichen. Lucius nahm das Datapad, sein Kommuni kator rauschte weiterhin nutzlos. Zum ersten Mal seit Beginn der Operation wusste er nicht, was am anderen Ende der Stadt geschah. Damar, Cass, McKing. Keiner erreichbar. Er wusste nur was hier vor sich ging, oder zumindest was er vermutete, er war hier alleine nur mit Alpha. In einem verriegelten Palast, ohne einen Herzog. Und irgendwo war irgendein Cirrese, der offenbar entschieden hatte, dass Captain Lucius Black heute nicht ganz so leicht bekommen sollte, was er wollte. Lucius sah auf den gestrichenen Namen.

„Gum.“

„Sir.“

„Wir ändern den Plan.“

„Welchen Teil?“ Lucius blickte zur geheimen Tür, dann zu den verbliebene Männern. Sierra war ausgedünnt worden.

„Ab jetzt nehmen wir an, dass jeder Teil davon falsch ist.“ Lucius verzog das Gesicht, als erneut Schmerz durch seine Seite zog. Dann lächelte er mit dem Gedanken an eine richtige Herausforderung.


[Cirrus - Ciran - Herzoglicher Palast - innerer Ostflügel - Captain Lucius Black, Staff Sgt. Gumbart, Alpha Squad]​
 
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