[ Teke Ro-System | Cona | Ban'daar | "Obsidian Veil" Restaurant & Casino ] Lucien
Lucien schlenderte zwischen den Tischen hindurch und näherte sich dem Übergang zum hinteren Bereich, wobei er bereits begann, einzelne Spiele zu erkennen, von denen ihm einige vertraut waren, während andere offenbar lokale oder zumindest in dieser Region verbreitete Varianten darstellten.
Am Zugang zum Spielsalon erwartete ihn eine junge Twi’lek, die hinter einem Empfangspult stand und ihm bereits beim Näherkommen ein höfliches, routiniertes Lächeln schenkte.
Ihre Haut besaß einen hellen aquamarinblauen Farbton, der unter der warmen Beleuchtung des Restaurants beinahe seidig wirkte, während zwei lange Lekku hinter ihren Schultern hinabfielen und von schmalen, goldfarbenen Schmuckreifen eingefasst wurden. Ihr Gesicht zeigte weiche, ausgesprochen ebenmäßige Züge, hohe Wangenknochen und dunkle, leicht mandelförmige Augen, deren aufmerksamer Ausdruck deutlich machte, dass ihr vermutlich nur wenig von dem entging, was sich vor ihrem Empfang abspielte.
Auch ihre Kleidung entsprach weniger dem Bild einer gewöhnlichen Angestellten als dem eleganten Anspruch des Hauses. Sie trug ein bodenlanges Kleid aus dunkelrotem, beinahe weinfarbenem Stoff, dessen asymmetrischer Schnitt eine Schulter frei ließ, während die andere von einer schmalen Stoffbahn eingefasst wurde, die sich diagonal über ihren Oberkörper zog.
Das Kleid lag an Taille und Hüften körpernah an, ohne übermäßig freizügig zu wirken, und öffnete sich erst weiter unten in einem seitlichen Schlitz, der beim Gehen einen Teil ihres Beines erkennen ließ. Einige feine goldene Elemente an Taille, Handgelenken und Lekku griffen die warme Beleuchtung des Raumes auf und verliehen ihrem Erscheinungsbild gerade genug Schmuck, um luxuriös zu wirken, ohne mit dem Rest ihrer Erscheinung um Aufmerksamkeit zu konkurrieren.
Lucien musste ihr zugestehen, dass sie ausgesprochen attraktiv war und für Lucien, der einer schönen Erscheinung grundsätzlich nur ungern die gebührende Anerkennung verweigerte, war das selbstverständlich Grund genug, sein ohnehin freundliches Lächeln eine Spur charmanter werden zu lassen.
Die Twi’lek erwiderte seinen Blick mit jener routinierten Freundlichkeit, die vermutlich bereits unzählige Gäste vor ihm erhalten hatten, und neigte leicht den Kopf, als Lucien schließlich vor dem Empfangspult zum Stehen kam und beinahe selbstverständlich einen Arm darauf ablegte. Für einen kurzen Augenblick wanderte sein Blick noch einmal an ihr vorbei zu dem geöffneten Durchgang, hinter dem zwischen gedämpfter Beleuchtung, eleganten Sitzgruppen und mehreren halbtransparenten Raumteilern bereits die ersten Spieltische zu erkennen waren, ehe er sich wieder seiner Gastgeberin zuwandte.
„Guten Abend. Kann ich Euch behilflich sein?“
„Davon gehe ich aus“, erwiderte Lucien mit jener selbstverständlichen Zuversicht, die kaum Zweifel daran erkennen ließ, dass er tatsächlich mit einer positiven Antwort rechnete.
„Ich würde gerne den restlichen Tag in dem Etablissement hinter Ihnen verbringen.“
Das Lächeln der Twi’lek veränderte sich nur geringfügig, erhielt jedoch jenen bedauernden Ausdruck, den Lucien bereits aus zahlreichen Hotels, Restaurants und gesellschaftlichen Einrichtungen kannte und der beinahe immer bedeutete, dass gleich irgendeine vollkommen unnötige Regel zwischen ihm und seinem eigentlichen Vorhaben stehen würde.
„Der reguläre Zugang zum Spielsalon ist für heute bereits geschlossen. Die Gäste im Inneren können ihre laufenden Spiele selbstverständlich fortsetzen, allerdings nehmen wir zu dieser Stunde keine neuen, unregistrierten Besucher mehr auf.“
Lucien schwieg zunächst und ließ seinen Blick langsam an ihr vorbei zu jenem ausgesprochen geöffnet wirkenden Spielsalon wandern, in dem sich nach wie vor zahlreiche Personen zwischen den Tischen bewegten, ehe er wieder die junge Twi’lek betrachtete. Offenbar entwickelte Cona allmählich eine gewisse Konsequenz darin, ihn entweder warten zu lassen oder ihm mitzuteilen, dass etwas gerade nicht möglich sei. Gerade deshalb, wollte er sich nun zumindest seinen Drink und einige Runden Glücksspiel nicht ebenfalls durch irgendetwas verderben lassen.
„Das ist ausgesprochen bedauerlich“, stellte er schließlich fest und deutete mit einer kleinen Bewegung seines Kopfes auf den Raum hinter ihr. „Vor allem, weil der Salon von hier aus betrachtet so aussieht, also wäre noch mehr als genügend Platz für noch eine Person.“
Ein kaum sichtbares Schmunzeln huschte über die Lippen der Twi’lek, bevor sie mit unverändert professioneller Ruhe erklärte, dass ein geöffneter Salon und die weitere Aufnahme neuer Gäste leider zwei unterschiedliche Dinge seien. Lucien hob daraufhin anerkennend die Augenbrauen, als hätte sie gerade einen überraschend überzeugenden wirtschaftspolitischen Einwand vorgebracht, und betrachtete sie einige Augenblicke lang schweigend.
„Nun gut“, sagteLucien ehe er sein Datenpad auf das Empfangspult legte und aus der Innentasche seines Sakkos eine schmale Credit-Stick aus dunklem Metall hervor holte, dessen Oberfläche lediglich eine kleine Kennzeichnung des ausstellenden Bankhauses sowie Luciens persönliche Sicherheitsmarkierung trug. Er legte ihn mit beinahe beiläufiger Selbstverständlichkeit auf den Tresen und schob ihn einige Zentimeter in ihre Richtung.
„Vielleicht können wir das Problem etwas weniger bürokratisch betrachten, Sie haben doch sicherlich die Möglichkeit einer Deckungsprüfung.“
Die Frau betrachtete zunächst den Cred Stick für ein paar Sekunden und anschließend wieder Lucien. „Selbstverständlich.“
„Ausgezeichnet.“ Er deutete mit einer kleinen Bewegung darauf. „Dann sein Sie doch bitte so gütig.“
Die Twi’lek musterte ihn daraufhin etwas genauer, wobei Lucien beinahe beobachten konnte, wie sie versuchte einzuschätzen, ob der junge Mann vor ihr lediglich über genügend Selbstbewusstsein verfügte, um sich einen Platz im Salon zu erschwindeln, oder ob hinter seinem Auftreten tatsächlich jene finanziellen Möglichkeiten standen, die sein maßgeschneidertes Sakko, der hochwertige Schmuck und seine gesamte Erscheinung vermuten ließen. Da Lucien diese Art von Prüfung weder unbekannt noch unangenehm war, schob er ihr die Credit-ID schließlich mit einer beiläufigen Bewegung noch weiter entgegen und forderte sie mit einem freundlichen Nicken auf, sich ruhig selbst davon zu überzeugen.
Nach kurzem Zögern nahm sie das kleine Medium entgegen und führte es in das Lesegerät ihres Terminals ein, woraufhin mehrere Informationen auf der nur für sie einsehbaren Anzeige erschienen. Lucien konnte von seiner Position aus weder die dort aufgeführten Konten noch die hinterlegten Verfügungsrahmen erkennen, kannte deren Inhalt allerdings gut genug, um auf die Reaktion seines Gegenübers zu warten. Tatsächlich wanderte ihr Blick nach wenigen Augenblicken von der Anzeige wieder zu ihm zurück, wobei die Veränderung ihres Ausdrucks vollkommen ausreichte, um Lucien zu verraten, dass die finanziellen Möglichkeiten des Hauses Velcrest offenbar auch auf Cona ihre gewünschte Wirkung nicht verfehlten. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf seine Lippen, gerade selbstgefällig genug, um erkennen zu lassen, dass er ziemlich genau mit dieser Reaktion gerechnet hatte.
„Ich versichere Ihnen“, erklärte er mit vollkommen ernster Stimme, obwohl das leichte Funkeln in seinen weißen Augen das Gegenteil vermuten ließ, „sollte ich heute Abend den dringenden Wunsch verspüren, eine wirtschaftlich ausgesprochen unvernünftige Entscheidung zu treffen, bin ich durchaus in der Lage, sie mir zu leisten.“
Nun entkam der Twi’lek doch ein leises Lachen, ehe sie bemerkte, dass sie damit vermutlich genau jene Reaktion gezeigt hatte, die Lucien hatte hervorrufen wollen.
Die Twi’lek zog seinen Credit-Stick wieder aus dem Lesegerät und hielt sie ihm entgegen, ließ sie jedoch für einen Augenblick zwischen ihren Fingern, als Lucien danach greifen wollte, und musterte ihn noch einmal mit einem deutlich weniger geschäftsmäßigen Ausdruck als zu Beginn ihres Gespräches.
„Und wem genau würde ich diese ausgesprochen großzügige Ausnahme gewähren?“
Lucien sah zunächst auf den Credit-Stick zwischen ihren Fingern und anschließend wieder in ihre dunklen Augen, wobei sich langsam jenes süffisante Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete, das meistens dann erschien, wenn er das Gefühl bekam, dass eine Situation sich zunehmend in eine Richtung entwickelte, die ihm gefiel.
„Das hätte ich natürlich längst erwähnen sollen verzeiht mir.“
Anstatt jedoch nach seinem Credit-Stick zu greifen, nahm Lucien mit jener selbstverständlichen Höflichkeit, die ihm in Aurentis beigebracht worden war und bei ihm je nach Situation irgendwo zwischen vollendeten Umgangsformen und bewusster Inszenierung lag, sanft ihre Hand. Die Bewegung erfolgte langsam genug, dass sie sie jederzeit hätte zurückziehen können, doch als sie es nicht tat, führte er ihren Handrücken ein Stück zu sich und deutete einen höflichen Kuss darauf an, bevor er den Blick wieder zu ihrem Gesicht hob.
„Lucien Aurelian Cassian Velcrest, Vicomte von Aurentis und gegenwärtig Sondergesandter im Auftrag von Gouverneur Ridley Solaris von Truuine.“
Die Twi’lek betrachtete ihn daraufhin tatsächlich einen Moment länger, wobei ihr Blick kurz zu dem offiziellen Codezylinder an seinem Sakko wanderte, dessen Markierungen seine ausgesprochen ausführliche Vorstellung zumindest teilweise bestätigten. Lucien konnte nicht genau beurteilen, ob sie nun von seinem Titel, seiner diplomatischen Funktion, seiner finanziellen Situation oder lediglich davon überrascht war, dass jemand in seinem Alter offenbar all diese Dinge gleichzeitig mit sich herumtrug, doch die kleine Veränderung ihres Ausdrucks genügte vollkommen, um seiner ohnehin nicht gerade bescheidenen Selbsteinschätzung zusätzliche Nahrung zu geben.
„Äußerst….bemerkenswert“, bemerkte sie schließlich.
Lucien ließ ihre Hand langsam wieder los und nahm nun auch seinen Credit-Stick entgegen, bevor er mit einem kleinen charmanten Grinsen erwiderte: „ Das hatte ich gehofft, denn wenn es das für Sie nicht bemerkenswert gewesen wäre, hätte ich offensichtlich ein Problem gehabt.“
Diese dann doch so direkte Aussage brachte Lucien erneut ein amüsiertes Lächeln ein, während er seinerseits befand, dass die Unterhaltung inzwischen deutlich zu angenehm geworden war.
„Nachdem Ihr nun beinahe meine finanzielle Lebensgeschichte kennt und außerdem meinen vollständigen Namen ertragen musstet, wäre es vermutlich nur gerecht, wenn ich wenigstens erfahren dürfte, wem ich meine hoffentlich bevorstehende Ausnahme zu verdanken habe.“
Für einen kurzen Moment schien sie zu überlegen, ob sie ihm diese kleine persönliche Information tatsächlich geben wollte, ehe sie schließlich mit einem leichten Neigen des Kopfes und weicher Stimme antwortete.
„Nalia.“
Lucien wiederholte ihren Namen ganz leise, als wollte er zunächst ausprobieren, wie dieser klang, wobei sein Blick für einen Moment unverhohlen über ihre Gesichtszüge wanderte, bevor er wieder ihre Augen fand.
„Nalia“, sagte er mit einem zufriedenen Lächeln. „Ein sehr schöner Name…..äußerst....passend.“
Ob er damit tatsächlich nur ihren Namen meinte, ließ er mit jener Absicht offen, die Nalia offenbar durchaus verstand, denn sie schüttelte leicht den Kopf, während ein kaum verborgenes Schmunzeln über ihre Lippen zog. Schließlich wandte sie sich halb zu den beiden Sicherheitskräften um, die einige Schritte hinter dem Empfangsbereich standen und das Gespräch bislang mit professioneller Zurückhaltung verfolgt hatten.
„Lassen Sie Herrn Velcrest durch.“
Lucien legte beinahe theatralisch gerührt eine Hand an seine Brust und bedankte sich mit einer kleinen Verbeugung, woraufhin Nalia ihn allerdings unmittelbar darauf hinwies, dass sie lediglich eine Ausnahme mache und diese sehr schnell ihre letzte sein würde, sollte er im Inneren irgendwelche Schwierigkeiten verursachen. Bereits halb auf dem Weg zum Durchgang blieb Lucien daraufhin noch einmal stehen, drehte sich zu ihr zurück und betrachtete sie mit einer derart überzeugend gespielten Entrüstung, als hätte sie soeben seinen gesamten guten Ruf infrage gestellt.
„Nalia, bitte. Sehe ich etwa aus wie jemand, der Schwierigkeiten verursacht?“
Ihr Blick wanderte daraufhin langsam von seinen weißen Augen über das selbstzufriedene Lächeln, ehe sie eine Augenbraue anhob und belustigt antwortete. “Wollen Sie diese Antwort wirklich hören?”. Lucien musste lachen und entschied, dass eine Vertagung dieser Frage vermutlich in seinem eigenen Interesse lag, bevor er ihr noch einmal kurz zuzwinkerte und sich endgültig dem Spielsalon zuwandte.
Schon nach wenigen Schritten wusste er, dass sich die kleine Diskussion am Empfang gelohnt hatte, denn der hintere Bereich des Hauses war erheblich größer, als es vom Restaurant aus den Anschein gehabt hatte. Mehrere Spieltische verteilten sich über einen weitläufigen, elegant eingerichteten Saal und wurden durch niedrige Raumteiler, halbtransparente Hologramme sowie kleinere Sitzgruppen voneinander getrennt, während gedämpfte Gespräche, gelegentliches Gelächter und die charakteristischen Geräusche unterschiedlicher Spiele mit der zurückhaltenden Musik des Hauses verschmolzen. An einigen Tischen erkannte Lucien vertraute Varianten von Sabacc und anderen Kartenspielen, während andernorts mit Würfeln, holografischen Spielfeldern oder Apparaturen gespielt wurde, deren Regeln sich ihm auf den ersten Blick nicht erschlossen und gerade deshalb zumindest einen zweiten Blick wert waren.
Zwischen den Gästen bewegten sich elegant gekleidete Bedienstete mit Getränken und kleinen Speisen, während an einzelnen Tischen Summen ihren Besitzer wechselten, die vermutlich ausgereicht hätten, um auf weniger wohlhabenden Welten ganze Familien für Monate zu versorgen. Lucien ließ seinen Blick mit wachsendem Wohlgefallen durch den Raum schweifen und musste sich dabei eingestehen, dass Cona offenbar doch nicht ausschließlich aus Hitze, Ammoniak und Verwaltungsbeamten bestand, die ihn möglichst lange auf irgendwelche Termine warten lassen wollten. Wenn der Planet weiterhin Einrichtungen dieser Art hervorbrachte, war er durchaus bereit, seine bisherige Bewertung zumindest vorläufig ein wenig nach oben zu korrigieren.
Gerade als ein Bediensteter mit einem Tablett an ihm vorbeiging, auf dem mehrere schmale Gläser mit einem bernsteinfarbenen Getränk standen, griff Lucien beinahe beiläufig nach einem davon, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, für welchen Tisch die Bestellung eigentlich bestimmt gewesen war. Der Mann bemerkte den unerwarteten Zugriff erst, als Lucien das Glas bereits in der Hand hielt, blieb irritiert stehen und setzte gerade zu einer Bemerkung an, woraufhin dieser ihm lediglich ein freundliches Lächeln schenkte und das Getränk leicht in seine Richtung hob.
„Das eine werden sie doch bestimmt nicht vermissen.“
Noch bevor der Bedienstete entscheiden konnte, ob er einem Gast mit offenbar ausreichender Bonität und einer bemerkenswert selbstverständlichen Art tatsächlich wegen eines einzelnen Glases widersprechen wollte, war Lucien bereits weitergegangen und hatte bereits einen ersten Schluck genommen.
Zu seiner Zufriedenheit stellte Lucien fest, dass er zumindest bei der Auswahl fremder Getränke ein durchaus glückliches Händchen bewiesen hatte. Mit dem Glas in der Hand setzte er seinen Rundgang fort, blieb gelegentlich an einem der Tische stehen und beobachtete einige laufende Partien, wobei seine anfängliche Gereiztheit über die Verwaltung zunehmend jener angenehmen Leichtigkeit wich, die sich bei ihm zuverlässig einstellte, sobald er das Gefühl hatte, für einige Stunden keinerlei vernünftige Entscheidungen mehr treffen zu müssen.
Schließlich blieb er an einem der größeren Tische stehen, um den sich mehrere Gäste versammelt hatten und an dem gerade die Vorbereitungen für eine neue Runde getroffen wurden. Vor den Spielern lagen unterschiedlich große Stapel an Spielmarken, einige Gläser und persönliche Credit-Medien, während sich aus den Gesprächen unschwer erkennen ließ, dass hier nicht mehr ausschließlich um symbolische Beträge gespielt wurde. Lucien beobachtete das Geschehen zunächst mit sichtlichem Interesse und nahm dabei einen weiteren Schluck aus seinem Glas, bis einer der Männer am Tisch seinen Blick bemerkte und ihn einige Augenblicke lang musterte.
„Willst du nur zusehen“, fragte der Fremde schließlich und deutete mit dem Kinn auf einen noch freien Platz, „oder kannst du auch spielen Junge?“
Diese Frage genügte, um jenes beinahe jungenhafte Grinsen auf Luciens Gesicht erscheinen zu lassen, das bei Personen, die ihn besser kannten, vermutlich bereits als Warnsignal gegolten hätte. Er trat näher an den Tisch, stellte sein Glas neben dem freien Platz ab und zog den Stuhl mit einer beiläufigen Bewegung zurück, während sein Blick einmal über die übrigen Anwesenden wanderte und seine anfängliche Vorfreude endgültig die letzten Reste seiner schlechten Stimmung verdrängte.
„Aber selbstverständlich kann ich spielen“, erwiderte er, ließ sich bequem auf dem freien Stuhl nieder und lehnte sich mit jener entspannten Selbstsicherheit zurück, die vermuten ließ, dass er entweder ausgesprochen gut wusste, was er tat, oder zumindest keinerlei Zweifel daran besaß. „Die wesentlich interessantere Frage ist doch, ob wir noch länger darüber reden wollen oder endlich anfangen.“
Mit einem erwartungsvollen Lächeln griff Lucien nach seinem Glas, während vor ihm die nächste Runde vorbereitet wurde und er zu diesem Zeitpunkt noch nicht den geringsten Grund hatte anzunehmen, dass die Entscheidung, an genau diesem Tisch Platz zu nehmen, seinen Aufenthalt auf Cona schon sehr bald erheblich interessanter machen würde, als ihm lieb sein konnte.
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