Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, alleine

Eowyn hatte gerade erst ein paar Minuten der Sendung zugesehen, als es an der Tür klopfte. Sie bat die Person herein – Ian. Er kommentierte ihre Aktivität, und Eowyn zuckte mit den Schultern. Was war schon erholsam... Immerhin erholsamer, als diese Rehaübungen. Zumindest, was ihren Körper anging. Und erholsamer, als sich ihren Gedanken hinzugeben, was für eine Katastrophe sie angerichtet hatte... Er griff kurz nach ihrer Hand, und Eowyn stellte erstaunt und ein wenig erleichtert fest, dass es sie kaum mehr störte. Dass es sich immer... natürlicher anfühlte.

Sie deaktivierte natürlich den Holoschirm und wandte sich Ian zu, welcher verwirrend förmlich zu sein schien, als hätte er etwas auf dem Herzen. Geduldig wartete sie ab, was er zu sagen hatte. Und als er sprach, fiel es ihr auch wieder ein. Richtig... Murrrar hatte es ihr gesagt, als er bei ihr gewesen war, um von der Ratssitzung zu berichten, von der man sie ausgeschlossen hatte. Es waren so viele Informationen gewesen, dass sie ein wenig begraben worden war, und außerdem war Eowyn klar gewesen, dass sie ihm nichts davon sagen würde, bevor der Rat es tat.
Ians Reaktion war... unklar. Eowyn war sich nicht sicher, was er von diesem Angebot hielt, als er die Stirn runzelte. Dass er es erst für einen Witz oder ein Missverständnis gehalten hatte, sprach in ihren Augen Bände, er unterschätzte seine Fähigkeiten, seinen Weg und seinen Einfluss noch immer. Immerhin hatte er nicht rundheraus abgelehnt, sondern wollte darüber nachdenken. Sie wollte ihn gerade fragen, in welche Richtung er tendierte, doch er machte keine Pause und sprach weiter. Er hatte Murrrar mit etwas überfallen, das er auch bei ihr ansprechen wollte – was? Etwas, das ihm gekommen sein musste, als er vorhin bei ihr gewesen war. Etwas, das veranlasst hatte, dass er den Raum so schnell verlassen hatte...

Er machte eine kurze Pause, was Eowyn zum Anlass nahm, ihn anzusehen, und dann wartete sie. Unruhig, weil diese lange Vorrede kein gutes Zeichen war, und weil das alles ihr kein gutes Gefühl gab...

Sie hörte sich dann an, was er zu sagen hatte, ohne, dass in ihr irgendein Gefühl aufkam. Die Öffentlichkeit... und alles darlegen. Alles. Über ihn, über Bastion, über Allegious. Das wäre sein Todesurteil gewesen, wenn die Republik ihm nicht schon Brief und Siegel gegeben hätte. Und trotzdem konnte es zu einem Aufschrei führen, oder eher, würde es sicher. Ein Mörder unter den Jedi, ein Mörder, der seine Strafe nicht verbüßt hatte, ein Mörder, der zwar vollen Einsatz um das C-Virus gezeigt hatte und bereute – aber noch immer ein Mörder. Die ganze Virussache würde doch vermutlich untergehen... Hatte er das bedacht? Vermutlich schon... Es war Ian, er war kein Dummkopf.
Sie verstand sogar, weshalb er auf diese Idee kam, auf verquere Art und Weise. Es war wohl ein ähnliches Motiv wie das, weshalb sie in Betracht zog, sich Vendar zu stellen. Herumsitzen und gar nichts tun, während man vielleicht die kleine Chance hatte, etwas zu verändern... schwierig.

Sie schwieg ein paar Sekunden, starrte ins Nichts, während sie darüber nachdachte. Ob es für sie in Ordnung wäre, fragte er, direkt, nachdem er ihr gesagt hatte, wie sehr es ihn quälte, nichts zu sagen. Als ob sie irgendetwas dagegen sagen konnte, wenn sie wollte... wollte sie? Vielleicht. Durfte sie? Auf gar keinen Fall.


Du hast dir das gut überlegt, denke ich, sagte sie schließlich und gab sich Mühe, ihn wieder anzusehen. Es war... schwer, und ihr Blick wich dem seinen immer wieder aus, ohne, dass sie etwas tun konnte. Wenn es dir so wichtig ist, dann ist es natürlich in Ordnung für mich. Ich würde nur empfehlen, Telos nicht als erstes zu erzählen. Damit untergräbst du deine Autorität und niemand wird dir mehr zuhören.
Wirst du auch von der Mission nach Bastion berichten? Und was hat Murrrar dazu gesagt?


Nur, weil er das wollte, hieß es noch lange nicht, dass der Rat das billigen würde, wobei Eowyn sich vorstellen konnte, dass die Situation so verzweifelt war, dass ihnen alles recht war. Wenn sie glauben würden, dass ihre Auslieferung etwas nutzen würde... Gut möglich, dass man sie nicht davon abgehalten hätte. Warum auch.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

Kurz sah Eowyn ihn an, entfloh dann immer wieder seinem Blick, doch Ian beschloss zu reden, nicht zu denken, nicht zu hinterfragen. Er wollte unbedingt loswerden, was ihn zu Murrrar geführt hatte - und eigentlich hätte er viel eher mit Eowyn sprechen sollen. Zuerst mit ihr, dann mit dem Rat. Aber Eowyn war mit Malek zusammen gewesen und die Idee war gerade in dieser Konstellation erst in Ian gereift. Zuerst schwieg Eowyn und Ian wartete geduldig ab, was auch immer sie sagen würde.

Als sie feststellte, dass er sich das Ganze gut überlegt hatte, nickte der Mann. War die Bedenkzeit auch kurz gewesen, sie war intensiv genug, um genau das sagen zu können: Er wusste genau, was er tat. Hatte es schon gewusst, als er den Jedi gestanden hatte, als er viel früher Eowyn gestanden hatte. Ein drittes Mal zu sprechen, es würde nichts schlimmer machen. Ian fürchtete sich nicht vor möglichen Konsequenzen für ihn. Viel eher würde das ganze Heldenthema so sehr schnell wieder vom Tisch sein und das war etwas, was ihm viel eher gefiel. Er wollte kein geläuterter Held sein, sich nicht in ein besseres Licht rücken. Ian wollte, dass die Galaxis die Wahrheit erfuhr und er wollte Eowyn und Brianna aus dem Schussfeld nehmen. Nicht aus Edelmut, sondern weil es einfach wichtig war, denn die Schmutzkampagne, die vom Imperium gestartet war, die vermutlich weiter gehen würde, sie sollte nicht sein. Sie basierte auf Lügen, auf falschen Tatsachen und Ian war es leid, dass Lügen vorrangig das waren, was das Imperium verbreitete. Womit es den größten Schaden anrichtete.

Telos.
Als Eowyn Telos erwähnte, zuckte Ian unwillkürlich zusammen.
Telos.
Es waren die Bilder von Telos, die ihn seit Bastion wieder heimsuchten. Zurückgekehrte Erinnerungen. Bilder. Gefühle. Die Vergangenheit, die sich mit der Gegenwart vermischt hatte. Ihm den Schlaf vollends geraubt hatte.
"Ich muss dir etwas über Telos sagen", kam dann, leise und Ian wusste nicht, ob er widerwillig klang, ob da überhaupt ein Gefühl in seiner Stimme lag. Da waren zwei unbeantwortete Fragen, die in der Luft hingen, doch auch das bemerkte Ian nicht.
Viel mehr spürte er, wie sich sein Brustkorb zusammen zog, wie sein Sichtfeld enger wurde und Ian atmete hörbar aus. Einmal. Zweimal. Dreimal. Das Sichtfeld wurde klar. Die Enge blieb. Das Zittern, das ihn erfassen wollte, kam nicht auf.
"
Ich kann mich wieder erinnern. An alles. An den Tag, an dem ich nach Hause geeilt bin, weil ich so deutlich gespürt habe, dass etwas nicht stimmt. Mit Tahiri. Ich ... erinnere mich wieder, Eowyn."
Und Ian klang nicht dankbar dafür und spürte erneut, wie ihn die Vergangenheit einholen wollte, wie sie nach ihm zerrte. Wieder geriet das, was er sah ins Wanken, wurde unscharf, um etwas anderem Platz zu machen. Ihrer kleinen Wohnung in Telos. Dem kleinen Tisch, der neben ihrer Eingangstüre stand, auf den Tahiri immer, wirklich immer irgendetwas gelegt hatte. Kleidungsstücke, ihr Com. Ihren Schlüssel. Flugblätter. Ein kleiner antiker Tisch, riesiges Chaos. So oft hatte er ihre die Sachen hinterher geräumt. So oft.


Der Tisch hatte auf dem Boden gelegen, als er nach Hause gekommen war. Irgendwie hatte Ian das registriert. Gleich, nachdem er die Spuren an der Tür gesehen hatte. Ob er das vor oder nach den Geräuschen wahrgenommen hatte, die zu ihm gedrungen waren? Die jetzt, jetzt in diesem Moment wieder hörbar wurden?
Er war in die Wohnung gerannt, sein Körper auf voller Anspannung. Ins Wohnzimmer und dann hatten ihn Hände gepackt. In eisernen Griffen hatten ihn Hände, hatten ihn Arme gepackt, hatten seinen Arm auf seinen Rücken gedreht, ihn auf die Knie gezwungen und Ian wusste, dass er nichts von all dem gespürt hatte, weil das, was er gesehen hatte, weil das, was sich vor ihm ... zutrug, alles in den Hintergrund gerückt hatte.
Nicht nur er war auf den Boden gedrückt worden, sondern auch Tahiri und Ian erinnerte sich. Sah, wie sie am Boden lag. Sah, was sie ihr antaten. Hörte, was sie ihr antaten. Und er erinnerte alles, was sie sagten. Tahiri hatte versucht sich zu wehren, er hatte versucht, sich aus den Griffen zu lösen. Da war ein Arm gewesen, der sich um seine Kehle gelegt hatte. Aber auch das - irgendwann hatte sie kaum noch einen Laut von sich gegeben. Sie hatte auf dem Boden gelegen und nicht mehr an einen Menschen erinnert. Der Geruch, das Blut. Eine Szene. Eine grausige, furchtbare Szene.

So sehr er versucht hatte zu ihr zu kommen, beim ersten, beim Zweiten. Beim Dritten.
Der letzte hatte etwas anderes getan - der Letzte musste Mitleid empfunden haben. Ian hatte kaum registriert, wie der letzte ein Messer gezogen hatte. Da war nur noch Tahiri gewesen, zu der er gekrochen war. Die er in seine Arme gezogen hatte. Der er nicht mehr hatte helfen können.

"
Ich... konnte nichts dagegen tun. Nichts. Ich. Es war einer von ihnen. Einer von ihnen, der die anderen zur Rechenschaft gezogen hat." Die Worte kamen unenträglich langsam aus seinem Mund. Für jedes musster er atmen.

"
Damals. War ich mager. Schmächtig. Konnte mich aus keinem Griff wenden. Ich sehe es wiede. Ich, ich... Ich spüre es. Und deswegen. Deswegen. Deswegen hätte ich dich nie nach Bastion bringen dürfen. Weil. Weil ...." Es war wie auf Telos gewesen und Tom West sie hatte foltern wollen, hatte er nicht für Eowyn, sondern für sich entschieden. Hatte nicht sie, sondern sich gerettet. Indem er den anderen abgehalten hatte etwas zu tun, das Ian niemals ertragen hätte.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Vielleicht hätte sie Telos lieber nicht erwähnen sollen, denn ihr Gegenüber zuckte merklich zusammen. Hatte er vorgehabt, es gar nicht erst zu erzählen? Aber die Presse würde es ohnehin herausfinden, sobald er im Fokus der Öffentlichkeit stand... oder vielleicht nicht? Immerhin war seine Akte Top Secret. Suchte man ihn auf Telos wegen dem, was er mit seiner Familie getan hatte? Eowyn wusste es nicht einmal.

Sie legte den Kopf schief, als er damit begann, ihr etwas erzählen zu müssen. Hatten sie das nicht alles schon längst durch? Sie war der Meinung gewesen, dass Ian ihr alles gesagt hatte, was es zu sagen gab. Was konnte da noch sein, das er ihr nicht erzählt hatte, und weshalb? Es schien ihm äußerst schwer zu fallen, und Eowyn runzelte die Stirn. Ein "du musst nicht" lag auf ihrer Zunge. Er atmete schwer; abgesehen davon, dass er ihr wirklich nichts sagen
musste, konnte das für seine Gesundheit nicht gut sein. Du musst gar nichts, flüsterte sie schließlich, aber war sich nicht sicher, ob er sie überhaupt hörte. Kurz darauf sprach er schließlich, und Eowyn war für ein paar Momente irritiert und verwirrt. Er erinnerte sich... er hatte sich doch schon an alles erinnert? Erst, als er Tahiri erwähnte, wurde ihr klar, dass er die anderen Morde meinte; nicht die an seiner Familie. Die, für die sie ihn sogar ein wenig... verstand.

Und jetzt begriff sie auch, weshalb ihn das alles so mitnahm. Er... erinnerte sich. Sie wusste noch, dass er einen Filmriss gehabt hatte, dass er nicht mehr genau gewusst hatte, was geschehen war. Was musste es mit ihm machen, dass er sich wieder erinnerte? Dass er gesehen hatte, was geschah? Dass er sich nun an die Morde erinnerte, die er begangen hatte?
Er schien so weit weg zu sein, gar nicht mehr hier, in diesem Zimmer, und Eowyn wusste nicht, was nun besser war. Wie sollte, konnte sie ihm helfen? Was würde ihm helfen, was würde es schlimmer machen? Zögernd griff sie nach seiner Hand, hielt sie in ihrer, während er quälend langsam weitersprach.

Moment mal... einer von ihnen? Das... sie runzelte die Stirn, während ihre Gedanken versuchten, das alles auseinanderzupuzzeln und wieder zusammenzufügen. Das bedeutete... Aber er sprach schon weiter. Er
sah es. Das musste... In Eowyn zog sich alles zusammen, es schmerzte, ihn so zu sehen, zu ahnen, wie schrecklich dieses Gefühl sein musste. Sachte drückte sie seine Hand, ohne zu wissen, ob sie alles schlimmer machte. Sie wünschte jetzt, sie wäre körperlich flexibler, sie könnte auch ihre zweite Hand nehmen, oder gar ihn umarmen, aber dazu war sie in der momentanen Position nicht in der Lage.

Es tut mir so Leid, flüsterte sie schließlich. Es tut mir so Leid, Ian. Ich... ich kann mir nicht vorstellen, wie es dir gehen muss. Was hatte es ausgelöst? Warum erinnerte er sich so plötzlich wieder? Ich bin da, falls du mehr reden möchtest. Deine Gedanken teilen möchtest. Es fühlte sich seltsam an, diese Worte zu sprechen, vor allem, da sie seit der Rückkehr solche Dinge nicht miteinander geteilt hatten. Aber vielleicht war es einfacher, Dinge zu teilen, die zeitlich weiter zurücklagen? Vielleicht wäre es ein Anfang. Und es war offensichtlich ein Vertrauensbeweis, dass er überhaupt mit ihr sprach, denn seit sie wieder auf Coruscant waren, hatte auch er sich geweigert ihr zu sagen, was wirklich in ihm vorging, war ihr immer wieder ausgewichen – ähnlich wie sie selbst.

War er überhaupt noch "hier"? So schwer, wie er atmete...
Du bist in Sicherheit, Ian, sagte sie leise. Ich bin in Sicherheit. Wir beide sind es. Spür meine Hand. Wir sind nicht in Gefahr. Zumindest nicht unmittelbar.
Und du hast mich nicht nach Bastion gebracht. Ich meine, ja, natürlich war es dein Schiff und dein Gedanke, aber es war meine Enscheidung, es zu betreten. Meine, Ian. Ich war damit einverstanden. Es war meine Verantwortung. Sie hatte gewusst, was geschehen konnte. Dass trotz aller Vorbereitungen, trotz des Wissens, vieles so schrecklich schief gelaufen war, hieß nicht, dass er dafür verantwortlich war. Du konntest nichts dafür. Du bist nicht schuld an dem, was mit Tahiri geschehen ist, und auch nicht bei mir. Die Sith waren es – und in manchen Fällen sie selbst. Sie hatte die falschen Entscheidungen getroffen, mehrmals. Aber er hatte mit alldem nichts zu tun. Du hattest deine Aufgabe, ich hatte meine. Das wars. Verstehst du das?

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eo

Ewig hatte er Tahiri in den Armen gehalten, sie an sich gedrückt, versucht, ihren Kopf zu halten, und es hatte ewig gedauert, bis die Erkenntnis zu ihm durchdringen konnte: Sie war tot. Deswegen war ihr Kopf wieder und wieder von seinen Schultern gerutscht. Deswegen. Deswegen ...

Irgendwann, und tatsächlich hatte Ian kein Zeitgefühl gehabt, hatte sein Verstand für Sekunden übernommen, Tahiri vorsichtig auf den Boden gelegt, eine Decke genommen.

Das Messer. Warum er es genommen hatte? Er wusste es nicht. Noch als er danach gegriffen hatte, kam ihm, es sofort fallen zu lassen. Beweise. Fingerabdrücke. Panisch hatte er es fallen gelassen, den Notruf gewählt, und danach war wieder alles im Nebel. Seine Erinnerungen Fetzen. Ein Gespräch mit einem Uniformierten. Die Wohnung. Die Leere darin. Die Unerträglichkeit, sie zu betreten. Arbeiten, essen. Alles war unmöglich gewesen.

In Sicherheit? Langsam drangen Eowyns Worte zu ihm. Sie waren in Sicherheit. Hier auf Coruscant. Nicht Telos.
Aber sie begriff die Verbindung nicht, und vielleicht, vielleicht hatte Ian sie bis eben selbst nicht begriffen.

Lange sah er sie an, schweigend, und diesmal entging ihm kein Detail. Die Farben unter ihrem blauen Auge, die Narben, die ihr gesamtes Gesicht zeichneten. Die feinen Linien, die sich wie ein Netz über ihr Gesicht sponnen. Es war ein Fehler gewesen, sie nach Bastion zu bringen, und jetzt kam die Erkenntnis so deutlich wie ein Paukenschlag.

Bastion war sein zweites Telos gewesen, und wann war es jemals sinnvoll, nicht nur in ein Trauma zu kaufen, sondern einer anderen Person den Vorschlag zu machen, mitzugehen? Niemals.
So edel die Motive gewesen waren, so falsch war die Mission in dieser Konstellation gewesen.

Natürlich, bereuen konnte er nicht, dafür hatten sie zu viel geschafft, und das war es, was Ian davon abhielt, den Verstand zu verlieren. Sie hatten gewusst, dass sie etwas auf Bastion zurücklassen würden – nur das Ausmaß, das hatten sie nur erahnen können.


"Ich glaube, es war mehr als das. Aufgaben und Verantwortung", kam dann, nach einer halben Ewigkeit.
"Und ich wünschte, es wäre anders verlaufen. Wenn ich gewusst hätte ... Wenn ich gewusst hätte, dass Telos und Bastion sich verbinden ...

Ich hätte dich in der Zelle nicht aufsuchen sollen. Ich hätte dich nicht herausholen sollen. All das, ich wünschte, ich hätte es nicht getan. Tom West"
, sagte er dann. "Wenn ich ihn nicht aufgehalten hätte, ich weiß nicht, was ich getan hätte. Das ... habe ich für mich getan, Eowyn. Ich habe es für mich getan." In der Sekunde, in der West ihr das erste Leid zugefügt hätte – Ian wäre verrückt geworden. Und da war keine Pille gewesen, auf die er hätte beißen können.

"Ich habe mir die Pille nicht einsetzen lassen. Und das, vielleicht war das das Einzige, was gut und wichtig war. Denn hätte ich sie gehabt, ich hätte darauf gebissen. Ich hätte darauf gebissen, um diese Ohnmacht nicht zu ertragen."


Das Ende von Tahiri – er war dabei gewesen, all die quälenden Minuten, in denen er nichts, gar nichts hatte tun können.

Und Bastion? War es nicht beinahe das Gleiche gewesen? Mit den Versuchen, irgendwie doch über irgendetwas Kontrolle zu erlangen?
Es war schlimm gewesen, Eowyns Qualen zu spüren – aber hätte er sie direkt gesehen, oder wäre er aus der Zelle gegangen? Er hätte den Verstand verloren. Absolut.


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Die ganzen Posts wurden vorab per PN geschrieben, über einige Wochen. Damit sich keiner wundert^^
 
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Er sah sie an, lange. Eowyn wusste nicht, ob er sie überhaupt sah, ob er sie gehört hatte, ob er wahrnahm, was um sich herum vor sich ging, denn er hatte auf keines ihrer Worte bisher reagiert. Vielleicht hatte sie aber auch etwas falsches gesagt. Vielleicht sollte sie ihm nichts Gegenteiliges sagen, was seine Überzeugung anging, für ihre Anwesenheit auf Bastion verantwortlich zu sein. Nicht nur vielleicht. Sie sollte es eigentlich ganz sicher nicht tun.

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, in der Eowyn kaum zu atmen wagte und in der sie überlegte, ob oder was sie sagen sollte, sprach er wieder. Verantwortung - das verstand sie nicht. Natürlich waren sie verantwortlich gewesen - jeder für seine Aufgabe. Eowyn war nicht klar, was er ihr damit sagen wollte, doch sie schwieg, ließ ihn sprechen.
Ja, auch sie wünschte, es wäre anders verlaufen, andererseits war sie froh, am Leben zu sein. Es hätte auch in die andere Richtung anders ausgehen können, da machte sie sich nichts vor, im Gegenteil – Eowyn hatte noch immer nicht ganz begriffen, dass sie
lebte.
Telos und Bastion hatten sich verbunden? Er hätte sie nicht besuchen oder herausholen sollen... Darüber hatten sie schon kurz gesprochen. Über das herausholen. Ja, vermutlich war es ein Fehler gewesen, aber hatte er das ahnen können, es war ein Versuch gewesen... Als er weitersprach, musste sie allerdings erst einmal gedanklich sortieren. Der Moment, der für sie so entscheidend gewesen war, der Moment, in dem sie gefühlt, richtig gespürt hatte, wie die alte Eowyn verschwand, weil sie auf Bastion einfach nichts verloren hatte, weil sie planlos war, weil sie
Stolz besaß, weil sie nichts verstand, weil sie sich wehrte; dieser Moment, in dem sie das Gefühl gehabt hatte, er hätte sie verraten und seinem Willen unterworfen... er war für ihn genauso schlimm gewesen wie für sie.

Sie hatte eigentlich nicht mit ihm darüber reden wollen. Sie wusste, dass es nur zu Missverständnissen führen würde, oder, schlimmer noch, zu Vorwürfen, vielleicht von ihnen beiden. Nichts gutes konnte daraus entstehen, und dazu kam, vor allem, dass sie darüber auch wirklich nicht reden
wollte. Wenn sie an diese Momente zurückdachte... Atmen. Sie musste atmen, und es beiseite schieben. Diese Eowyn, wer auch immer sie gerade war, ließ sich davon nicht einschüchtern. Und genaugenommen musste sie nicht mit ihm darüber reden, zumindest nicht jetzt, heute oder in ausführlicher Art und Weise. Aber was deutlich war: Er hatte es getan, weil er nicht sie, sondern Tahiri gesehen hatte. Er hatte es getan, weil er nicht noch einmal daneben stehen konnte. Er hatte es getan, weil er selbstverständlich nie über dieses Ereignis hinweggekommen war, wie auch, er hatte sich bis vor kurzem nicht einmal erinnert. Sie verstand es. Natürlich verstand sie es. Es war nicht schwer, zu begreifen, wie schlimm es für ihn gewesen sein musste. Er war... nicht er gewesen. Und was auch immer er getan hatte, sie durfte es ihm nicht vorwerfen. Und erst recht würde sie ihm niemals sagen dürfen, absolut niemals, was wirklich in dieser Zeit geschehen war. Er hatte es nicht gewusst. Er hatte nicht anders gekonnt.

Und die Pille... nein, Eowyn glaubte nicht, dass er sie in diesem Moment genutzt hätte. Ganz bestimmt nicht hätte er sie alleine gelassen. Es wäre eine unvorstellbare Qual für ihn gewesen, aber er hätte sie nicht zurückgelassen.
Doch sie widersprach nicht. Dafür gab es keinen Grund, die Situation war rein theoretisch und sie hatte keine Belege, nur ihr... Gefühl.

Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Was er erwartete, oder was angebracht war. Womit sie helfen konnte. Was alles nicht noch schlimmer machen würde. Aber auch warten würde es schlimmer machen.
Ich verstehe, sagte sie schließlich leise und bemühte sich, ihm in die Augen zu blicken. Ich verstehe sehr gut. Und... es tut mir sehr Leid. Ich... ich wünschte... du hättest das nicht noch einmal erleben müssen. Ich wünschte... Ich wünschte... Sie presste leicht die Lippen zusammen und schüttelte sachte den Kopf. Da war so vieles. Dass sie es ihm erspart hätte... dass es nie so weit gekommen wäre. Dass sie sich nicht so lange an etwas geklammert hätte, das sowieso sinnlos war. Manches, was sie ihm einfach nicht sagen konnte. Und manches, was sie nicht zu sagen wagte. Ich wünschte, das alles wäre nicht passiert. Ich wünschte, du hättest weder... Tahiri, noch mich sehen müssen.
Sie überlegte kurz. Es war zu simpel, zu offensichtlich. Es war ein jämmerlicher Versuch, aber... Aber es war anders. Ich lebe noch. Es ist nicht das gleiche geschehen. Ich... will nicht sagen, dass du falsch empfindest oder empfunden hast, ganz im Gegenteil. Ich möchte nur... dass du vielleicht nach vorne sehen kannst. Dass du diesmal nicht hilflos warst. Dass alles gut gegangen ist. Ich... bin noch da. Ja, ich wünschte, du hättest es nicht noch einmal so erleben müssen, wiederholte sie, aber es ist geschehen, und du hast es durchgestanden. Es ist... vorbei.

Es war vorbei. Etwas, das sie sich selbst immer wieder würde sagen müssen. Es war vorbei. Und sie wusste daher genau... was sie sagte, waren nur Worte, nur Floskeln, sie stocherte im Nebel. Denn es war nicht vorbei. Vielleicht würde es nie vorbei sein.

Es tut mir Leid, sagte sie deshalb leise und senkte den Blick endgültig. Er wäre hilfreicher in so einer Situation. Vielleicht... sollte sie... mehr Ian sein? Was ich sage ist nicht hilfreich. Ich weiß nicht... ich wünschte, ich könnte dir helfen. Weißt du, was dir helfen würde? Oder was ich für dich tun kann?

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Die Pille hätte alles verändert, da war Ian sicher. Der Mangel, das Fehlen von ihr hätte ihn gezwungen weiter zu machen, ganz egal was geschehen wäre.
Sein Versprechen, sich nie wieder ganz der dunklen Seite hinzugeben, nie wieder jemanden zu ermorden: um wie viel schwerer wäre es einzuhalten gewesen, mit der Giftpille in einem holen Zahn?
Dabei waren das die unwahrscheinlichsten Optionen gewesen. Durchzudrehen vor Sorge hingegen? Nicht. Da war außerdem eine Gewissheit, die zwar keine absolute Sicherheit war, aber wäre Eowyn etwas zugestoßen, hätte Ian bis zum Schluss gekämpft? Hätte er, wenn er alles verloren hätte, überhaupt weitergekämpft?
Schon einmal hatte Ian alles verloren und damals hatte ihn die Flucht zu den Sith gerettet. Auch wenn es nichts war, dass er gerne zugab. Das Gefühl, nicht mehr zu existieren, seiner Lebensgrundlage beraubt worden zu sein, die Ablehnung der Jedi – es hatte Ian in die Arme der Sith laufen lassen und jeder Akt von Gewalt, der ihm selbst dort widerfahren war, hatte geholfen etwas anderes zu spüren, als die elende Leere, die sich damals in ihm breit gemacht hatte.

Hass und Wut waren eine willkommene Abwechslung gewesen, waren so viel leichter zu ertragen gewesen, als das, was er davor gefühlt hatte.
Ian konnte beinahe fühlen, was er damals gespürt hatte. Als junger, gebrochener Mann. Es kam mehr, als einem Wunder gleich, dass er jetzt war, wo er war. Mit Eowyn. Wie anders hätte sein Leben verlaufen können. Wie anders wäre es wohl gewesen, hätte er all das verloren, was ihn als Mensch definierte. Er hatte Glück gehabt. Neben all dem Unglück, das ihm widerfahren war. Oh, er hatte so viel Glück gehabt. Denn wer, wenn nicht er, wäre ein perfekter Kandidat dafür gewesen, alles und jeden leiden sehen zu wollen, nachdem Leid mehr als sein halbes Leben definiert hatte? Ihm war angeboten worden, ein Jedi zu werden. Dabei hätte er genauso gut ein Lord sein können. Oder ein toter Mann.

„Ich habe Murrrar darum gebeten, dass er mir hilft, Unterstützung zu suchen. Ich weiß nicht, ob du etwas tun kannst. Ich glaube, Hilfe von Außen wäre gut.“ Die letzte Frage war die Einzige, die irgendwie zu Ian durchdrang.
„Vermutlich brauche ich sie doppelt, wenn die Presse mich auseinandernimmt.“ Und das würde sie.
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Und wieder wusste sie nicht, was oder ob Ian sie gehört hatte. Es wirkte beinahe so, als rede er mit sich selbst, zumindest zum Großteil, denn auch, wenn sie kaum Fragen gestellt hatte, er ging beinahe gar nicht auf das ein, was sie gesagt hatte – nur auf ihre letzte Frage. Vielleicht war es besser so. Wer wusste schon, ob ihre Worte ihn nicht verletzt hätten? Andererseits hätte sie sich gewünscht, er hätte realisiert, dass sie verstanden hatte. Sie war sich nicht sicher, ob er das begriffen hatte...

Was wichtig war, war, dass er Murrrar um Hilfe gebeten hatte. Das war gut, überhaupt gar keine Frage. Aber es wirkte beinahe so, als ob er Hilfe von ihr... ablehnte. Oder aber er war sich dessen überhaupt nicht bewusst, oder wollte sie nicht belasten. Wie es am Ende auch war, es lief darauf hinaus, dass er sie erneut nicht an sich heranließ. Eowyn verstand es, nur zu gut, schließlich ging es ihr selbst ähnlich. Bloß... wenn sie raten dürfte, würde sie sagen, dass er sich dessen überhaupt nicht klar war.
Aber das mit dem raten war etwas, das ihr nicht zustand.


Das war sehr gut. Ich bin mir sicher, das wird dir helfen. Er hätte eigentlich schon viel früher Hilfe bekommen sollen. Bloß war da das Problem mit der Geheimhaltung gewesen, welches jetzt keine große Rolle mehr spielte. Erst recht nicht, wenn er an die Öffentlichkeit ging. Was wiederum aufwerfen würde, dass die Presse sich auf ihn stürzen würde, zum aktuellen Zeitpunkt umso mehr. Es war wirklich gut, wenn er dann Unterstützung von anderer Seite hatte, besonders, da sie ihm nicht helfen konnte oder durfte. Was ist mit Bastion, und was hat Murrrar überhaupt dazu gesagt? Ist er einverstanden, oder machst du es gegen den Wunsch des Rates? Die Fragen hatte er ihr zuvor nicht beantwortet, und sie würde nicht ausschließen, dass er den Rat ignorierte und tat, was er für richtig und wichtig hielt. Schließlich war er jetzt auf die Jedi nicht mehr angewiesen, und ob er sich ihnen wirklich anschließen würde? Sie hatte es schon damals im Garten bezweifelt, als Wes es zum ersten Mal angesprochen hatte. Seither hatte sich kaum etwas geändert. Er hielt noch immer nicht viel von den Jedi, und wofür brauchte er sie? Überhaupt nicht. Sie war der einzige Grund, der ihn hierhielt... Und nun, wo das Virus vernichtet war und seine Amnestie bestätigt, hielt ihn theoretisch nichts, absolut gar nichts, davon ab, zu tun und zu lassen, was er wollte.

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"Ich hoffe es. Vermutlich ... hätte ich das schon viel früher tun sollen."
Ja, es wäre klug gewesen, hätte er sich noch vor Tahiri professionelle Hilfe geholt. Vielleicht hätte es ihn vor seinem Weg zu den Sith, vor seiner Rache, vor allem, auf dass er absolut nicht stolz war, bewahrt. Doch Ian hatte gelernt, dass es sinnlos war, darüber nachzudenken, was, wenn gewesen wäre. Die Vergangenheit war nicht zu ändern, egal wie sehr man sich danach sehnte. Was er in der Hand hatte, war das jetzt und damit seine Zukunft. Nur sie konnte der Mann verändern.
Was mit Bastion war?
"Ich bin nicht sicher, was genau du mit Bastion meinst. Ob ich es erwähnen werde? Ja. Ja, das werde ich. Ohne Namen zu nennen und erstaunlicherweise war Murrrar einverstanden. Ich weiß nicht, wa sich getan hätte, hätte er nein gesagt." Irgendwie wäre es seltsam gewesen, sich gegen den Rat zu stellen, wo Eowyn ein Teil davon war.
"Er hat mir erklärt, dass es Möglichkeiten gäbe, Fragen an mich zu unterbinden, aber das habe ich abgelehnt. Ich glaube, dass es das Beste ist, wenn ich mich offen und ehrlich stelle. Ohne Vorbereitung. Ich, ich möchte authentisch sein, verstehst du? Es soll nicht wirken, als wäre es gestellt. Ein paar Dinge soll ich auslassen, er will mit Rornan sprechen. Die beiden werden ebenfalls vor der Presse sprechen." Ian wusste nicht, ob das eine vertrauliche Information gewesen war - selbst wenn. Er wollte keine Geheimnisse vor Eowyn haben.
"Du könntest mich begleiten, wenn du was willst und auch sprechen", sagte er dann, vorsichtig und suchte ihren Blick. "Und wenn du erlauben würdest, würde ich offen machen, was uns verbindet. Dass du der Anstoß für so viel Veränderung in mir gewesen bist." Was ihn erstmals wieder zu einem warmen Lächeln brachte. "Irgendwie habe ich Hoffnung, dass all das dem Ansehen der Republik helfen könnte. Mehr noch, dass es dir und Brianna hilft. Ich..." Ian schüttelte den Kopf. "Ich kann das, was im Holonet über euch gesagt wird, kaum ertragen. Und wenn ihr die Hauptfeinde des Imperiums seid, dann, ich weiß, dass es absurd klingt, will ich auch dazu gehören." Ein leises Lachen folgte. "Na ja, eigentlich möchte ich nicht, dass irgendwer von uns in den Schlagzeilen steht. Aber ich kann und werde diese Lügen nicht umkommentiert lassen." Wer danach noch immer glaubte, dass die Republik oder einzelne Jedi Schuld an dem Krieg waren, dem war ohnehin nicht mehr zu helfen. Aber es ging nicht darum, jene zu erreichen, die ohnehin so weit entfernt und verblendet waren, dass sie die Augen vor allem verschlossen.
"Mir ist wichtig, dass du nur mitgehst, wenn du es auch willst. Wenn du dich bereit fühlst. Ich werde dich nicht vor die Öffentlichkeit zerren, hörst du?"

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Ja, vermutlich hätte Ian sich früher Hilfe holen sollen. Aber das Problem der Geheimhaltung... jetzt sah es besser aus. Es war schon so viel ans Tageslicht gekommen, da würden ein paar mehr Dinge keinen Unterschied machen, falls es irgendein Leck gab.
Und davor? Ein Sith bei einem Therapeuten? Eine Vorstellung, die so absurd war, dass Eowyn darüber nicht einmal hätte lachen können, wenn ihr nach lachen zumute gewesen wäre. Also war es gut, dass er den Schritt wenigstens
jetzt ging.

Und was Bastion anging, so war der Rat wenigstens seiner Meinung. Eine Sache weniger, um die sie sich Gedanken machen musste. Natürlich, die Namen der Missionsmitglieder spielten absolut keine Rolle, es ging um das Ziel und was hinter der ganzen Sache gesteckt hatte. Und auch, zumindest für sie, darum, dass er zeigte, wie viel er getan hatte. Nicht, um wiedergutzumachen - das war nicht möglich, zumindest nicht, was die Toten anging, die durch seine Hand gestorben waren. Aber um zu zeigen, dass er ein anderer Mensch war. Vielleicht würde das die ein oder andere Person dazu bringen, ihm nicht sofort auf offener Straße aufzulauern.
Sie nickte langsam.
Ich kann mir vorstellen, dass der Rat endlich bereit ist, in die Offensive zu gehen. Ehrlich gesagt wundert es mich, dass man damit gewartet hat, bis das Imperium es tut, aber das ist nicht meine Entscheidung. Sie war schließlich nicht dabei gewesen, und selbst wenn, sie wusste nicht, was sie dazu gesagt hätte.
Er würde also das komplette Programm durchziehen, inklusive Fragen. Eine leichte Sorge kribbelte in ihr, die sich fragte, ob es nicht zu viel sein würde. Was, wenn er die Fassung verlor? Was, wenn er falsche Worte wählen würde? Sie wusste noch, wie sorgsam sie bei ihrer Beförderung vorgegangen war, und da war alles vielfach einfacher gewesen als das, was Ian nun bevorstand. Es überraschte sie nicht, dass er sich nicht vorbereiten wollte, denn es passte zu ihm. Trotzdem war sie sich nicht sicher, ob es eine gute Idee war. Er war traumatisiert, zusätzlich gerade zwei Mal dem Tod von der Bahre gesprungen – und dann eine solche Situation, in der er unter Druck spontan korrekt reagieren musste? Schwierig. Aber wenn Rornan und Murrrar ebenfalls anwesend sein würden, dann, so hoffte Eowyn, würden sie hoffentlich dafür sorgen, schlimmeres zu verhindern. Und es wäre falsch, ihn nun zu verunsichern. Er würde es tun, wie er wollte, und ihr blieb, zu hoffen, dass er gefasst blieb.

Ohnehin wäre nicht viel Zeit gewesen, ihre Bedenken zu äußern. Er fuhr fort und erwähnte, dass sie ihn begleiten konnte. Und selbst
sprechen konnte. Sprechen, vor der gesamten Galaxis... über was? Was dort geschehen war? Was zu dieser Mission geführt hatte? Sollte sie wirklich vor unzähligen Lebewesen ausbreiten, was sie zu verdrängen versuchte, worüber sie eigentlich mit niemandem reden wollte?
Auch darüber konnte sie nicht lange nachdenken. Er wollte... ihre Beziehung offenlegen. Und wirkte dabei so... ja, fast ein wenig positiv.
Hoffnung. Er hatte tatsächlich Hoffnung. Etwas zu bewirken, etwas damit auszulösen. Etwas Gutes zu tun. Und Eowyn war froh, und auch dankbar, dass er diese Hoffnung hatte, dass er in der Lage war, sie zu empfinden. Hoffnung konnte helfen, sich an etwas festzuhalten. Doch gleichzeitig... was, wenn sein Plan nach hinten los ging? Würde ihn das noch viel tiefer hinabstoßen? Denn für Eowyn war weder klar, ob es der Republik, noch, ob es Brianna und ihr helfen konnte. Vielleicht, ja. Vielleicht. Aber das vielleicht... war groß. Er wollte all das tun, weil er nicht ertrug, was sie über sie sagten. Aber was würde es helfen, wenn die Leute begannen, auch über ihn all diese Dinge zu schreiben? Und über die Dinge, die vor ihrem Kennenlernen geschehen war? Wie würde es ihr damit gehen?

Es war viel, was in ihrem Kopf herumschwirrte, und es war nicht einfach, alles auseinander zu dividieren. Und er wollte nur, dass sie mitging, wenn sie
wollte... wer konnte so etwas wollen? Von wollen konnte definitiv nicht die Rede sein. Im Gegenteil. Es wäre demütigend, im Schwebestuhl, mit all den Narben... Bloß. Würde es helfen? Und musste sie sich nicht der Presse stellen, musste sie nicht auch dafür sorgen, dass man nicht weiter Lügen verbreitete, auch über Brianna, war sie es der Echani nicht schuldig, nachdem sie ihr und Ian das Leben gerettet hatte? Und wäre sie dann nicht in der Lage, auch von Ian abzulenken? Aber andererseits, warum sollte sie von ihm ablenken, wenn gerade sein Ziel war, doch von ihr abzulenken? Was sie nicht gut fand. Es war eine Sache, sich der Galaxis zu öffnen, weil man die Wahrheit ans Licht bringen wollte, aber eine ganz andere, es zu tun, um von ihr abzulenken...
Und wenn er ihre Beziehung offenlegte – was würde dann geschehen? Würde es ihn nicht noch viel mehr in den Fokus rücken, und sie auch? Nein, stellte Eowyn schnell fest, es machte keinen Unterschied. Er und sie würden ohnehin ganz oben auf der Liste des Imperiums landen. Und wenn man die eine durch den anderen treffen konnte, was sollte es? Sie würden sowieso acht geben müssen. Sie beide.
Es ging also eher darum, ob sie wollte, dass Ian über sein Umdenken sprach. Aber war das denn so relevant? War es wichtig für das, was am Ende stand - nämlich die Wahrheit? War es nicht egal, wie er zur Erkenntnis gekommen war? Sie fand, ja. Aber er? Und alle anderen? Konnte das einen so großen Unterschied machen?

Also eines nach dem anderen...


Ich weiß nicht, ob... ich sprechen möchte, begann sie zögernd. Was wäre das Ziel? Meine Verteidigung? Oder eher, weshalb wir nach Bastion gegangen sind? Was dort geschehen ist? Oder alles? Ich weiß nicht, ob ich nicht die ganze Situation noch schlimmer machen würde. Was, wenn ich einen Fehler mache, etwas falsches sage? Andererseits muss es wohl sein, wenn es hilft. Was, wenn das hier eine dieser Entscheidungen war, die vieles verändern konnten? Was, wenn das hier ein Bruchpunkt war? Oh, Ahna. Verflucht, sie brauchten sie. Sie brauchte sie. Ahna hätte genau gewusst, was zu tun gewesen wäre. Und womöglich hätte sie sie mit Knopf im Ohr noch vom Rand aus unterstützt. Nein, sie waren nie Freundinnen gewesen, und es wäre vermessen zu sagen, Eowyn hätte Ahna gut gekannt, ganz im Gegenteil. Außerdem waren so manche Entscheidungen, die die Rätin getroffen hatte, in Eowyns Augen nicht unbedingt richtig gewesen. Aber erst jetzt sah sie, wie hilflos sie ohne die Pau'anerin war...

Und was uns beide angeht – glaubst du wirklich, es macht einen Unterschied? Fragend sah Eowyn Ian an. Geht es am Ende nicht darum, dass du dich den Jedi geöffnet hast, und nicht warum? Würde es, im Gegenteil, nicht noch alles schlimmer machen, falls man auf die Schiene kommt, dass eine Jedi liebesblind einem ehemaligen Sith vertraut und so viel aufs Spiel gesetzt hat? Und der Rat diesem Urteil vertraut hat? Es war nie klar, auf welche Seite sich die Presse schlagen würde. Und momentan standen sie auf ihrer Gegnerseite, was es noch schwerer machen würde, sie von irgendetwas zu überzeugen. Natürlich, mit all den Beweisen, die dem Orden theoretisch vorlagen, würde man eigentlich in der Lage sein, die Sache zu klären. Außer, die Öffentlichkeit hatte schon beschlossen, ihnen überhaupt nichts mehr zu glauben... Wobei es auch davon abhing, wie die Senatssitzung laufen würde.
Eowyn widerstand dem Drang, einfach ihre Augen zu schließen. Es war zwar vorbei, Bastion war vorbei, aber... nein, es war nicht vorbei, es war nur anders. Sie wollte sich am liebsten alle Sinne zuhalten und nicht darüber nachdenken, welcher Schritt richtig oder falsch sein würde, und außerdem wollte sie ihre Ruhe. Einfach ihre Ruhe von der Galaxis, von der Politik, von der Politik des Ordens. Sie wollte... sie wusste nicht, was sie wollte, nur, was sie nicht wollte. Wie sollte sie das auch wissen – man hatte ihr nicht die Zeit gegeben, herauszufinden, wie sie weitermachen wollte, jetzt, wo sie... weg war. Sie musste weiterhin funktionieren, genau wie Ian. Sie beide, sie funktionierten, sie machten weiter, als wäre nichts gewesen, dabei war einfach
alles gewesen. Alles. Und noch so viel mehr.

Glaubst du, es wird dir danach besser gehen?, fragte sie schließlich leise und sah ihn an. Sie hoffte es. Sie wusste nicht, weshalb das eintreten sollte, aber sie war nicht Ian.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

Ian konnte den Rat der Jedi noch immer schlecht einschätzen, auch wenn er für manche der Mitglieder, wie @Sarid Horn oder @Joseline durchaus Symapthien empfand. Mit ihnen hatte Ian sich eingehender unterhalten, Sarid hatte er sogar sein Testament gegeben. Doch wie offensiv der Rat an Sachen heranging – von all dem hatte der Dunkelhaarige keine Ahnung. Was er nicht begriff war, wie der Rat überhaupt zu Entscheidungen kam, denn nach allem, was er bisher erlebt hatte, schienen Absprachen nicht gerade zu den Stärken des Rates zu zählen. Doch Ians Einblick war so klein, dass er sich irren konnte.
„Die Entscheidungen des Rates habe ich bisher allgemein kaum verstanden“, gab Ian dennoch zu. Wer sprach wann mit wem, was durfte allein, was wurde gemeinsam entschieden? Bei den Sith war all das anders gewesen. Es gab keine Absprachen, keine Genehmigungen. Jeder tat, wie er wollte, ein Imperator an der Spitze. Aber was hatten damals Allegious oder Phollow einzelne Missionen interessiert? Gar nicht.

Eowyn wusste nicht, ob sie vor der Presse sprechen wollte und das war alles andere als verwunderlich.
Ich denke, das Ziel vom Rat wäre, glaubhafter zu sein. Mein Ziel? Nein, mein Wunsch wäre, dass du die Möglichkeit bekommst, die Wahrheit zu sagen. Mein Wunsch ist, dass die Galaxis erfährt, was wirklich geschehen ist, wer wirklich verantwortlich ist. Ich will, dass alle begreifen, dass dieser Krieg nicht die Schuld von zwei Jedi und einem ehemaligen Sith ist. Die Galaxis soll wissen, dass dieser Krieg geplant war, von Anfang an. Und …“ Ian spürte, wie seine Aufregung sich durch seine Stimme zog und atmete tief durch. „Ich glaube nicht, dass du einen Fehler machen und etwas Falsches sagen könntest. Wahrheiten sind nicht falsch, aber oft unangenehm. Aber ich will dich keiner weiteren Hölle aussetzen. Du hast genug Dinge getan, die du nicht wolltest und die du nicht steuern konntest. Das, das Eowyn, möchte ich nicht mehr. Ich schaffe es auch allein zu sprechen. Du musst mir nur sagen, was ich sagen darf. Über dich. Über uns. Und ich akzeptiere absolut, we.. falls du zu allem nein sagen würdest.“ Dabei sah er Eowyn fest in die Augen und drückte kurz ihre Hand. Er wollte sie nicht retraumatisieren und vielleicht war es am klügsten, wenn Eowyn zuerst mit ihrer Therapeutin und nicht mit der Presse sprach. „Vielleicht wäre es besser, wenn du erst mit deiner Therapeutin sprichst“, zog er sie in seien Gedanken hinein. „Ich will dir nicht schaden. Nicht noch mehr. Ich weiß nicht, ob es dir helfen würde zu reden. Auch nicht, ob es klug wäre. Ich weiß nur, dass ich sprechen möchte.“ Ja, die Wahrscheinlichkeit war groß, dass sie ihn ins Kreuzverhör nehmen würden, dass er danach auf der Abschussliste von wem auch immer stand. All das, es war Ian bewusst. Mochte der Rat und die Republik ihm auch Amnestie gewährt haben, andere würden ihn nur als das sehen, was er war. Als einen Massenmörder. Man würde ihm den Vorwurf machen, dass er versuchte, Wiedergutmachung zu leisten – all das, all die Vorwürfe, die kommen konnten, nichts davon spielte eine Rolle. Ian wusste, was er war. Wer er war. Dass Bastion keine Wiedergutmachung war. Mord ließ sich nicht wiedergutmachen, auch dann nicht, wenn die Ermordeten selbst keine Unschuldigen gewesen waren.

„Vermutlich ist nicht wichtig, ob ich mich den Jedi deinetwegen geöffnet habe, oder, dass ich es überhaupt tat. Aber ich denke, dass ohnehin bekannt werden wird, dass da etwas ist, zwischen uns. Ich meine, die Gerüchte, dass du mit einem Sith zusammen warst, gibt es ohnehin schon. Ich glaube nicht, dass du als liebesblinde Jedi gesehen würdest. Aber vielleicht würde es dich schwächen, auf die ein oder andere Art, ich meine dein Bild nach außen. Ich", Ian hielt inne, beinahe verzweifelt. "Ich weiß es nicht. Aber aufs Spiel gesetzt und blind vertraut?“
War es logisch, dass die Außenwelt zu diesem Schluss kommen würde? Nach Va’art, nach der Gefangenschaft bei den Jedi? Nachdem der NRGD ihn gefilzt hatte?
„Ich kann mir vorstellen, dass das Schlimmste sein wird, dass man dir vorwerfen könnte, deine Ideale zu verraten. Zusammen mit einem Mörder. Mit jemand, der gegen alles war, wofür Jedi stehen? Ich meine … Das, was ich war, wird nicht jeder in die Vergangenheit setzen. Ich werde in den Augen mancher oder vieler ein Sith und Mörder sein. Jemand, der Schaden angerichtet hat. Jemand, der viel zu spät das Ruder herumgerissen hat. Und dass du mit so jemandem zusammen bist?“ Ian seufzte und wurde leise. „Das ist etwas, das man dir vorwerfen kann. Das weiß ich. Und ich weiß auch, dass es etwas ist, das so oder so ans Licht kommen wird. Weil du schon in der Öffentlichkeit stehst. Und so hättest du vielleicht die Möglichkeit, dummen Gerüchten zuvorzukommen.“ Für ihre öffentliche Reputation war er alles andere als etwas Gutes. Doch aus dieser Nummer würden sie nicht herauskommen – nicht einmal, wenn sie sich Lügen bedienen würden und das war etwas, das Ian nicht wollte.

Die Frage, ob es ihm danach besser gehen würde, konnte Ian nicht ohne weiteres beantworten und so sah er Eowyn eine ganze Weile an und überlegte.

„Auf eine gewisse Weise vielleicht. Mich werden eine Menge Wesen danach hassen. Das ist nichts, was mir gefällt. Aber darum geht es mir nicht. Mir würde es besser gehen, wenn die Wahrheit etwas erreicht. Aber das lässt sich leider nicht steuern. Die Möglichkeit besteht, Eowyn. Und mir wird erst besser gehen, wenn wir es schaffen, all das zu verarbeiten. Vielleicht, na ja, vielleicht ist der Schritt an die Öffentlichkeit ein Schritt in diese Richtung.“ Am liebsten hätte er sie jetzt umarmt, Ian wusste nicht einmal wieso, doch der Drang, sie zu berühren wurde so groß, dass Ian spürte, wie er unruhig wurde. Als er diesmal ihren Blick suchte, war da etwas Hilfloses in ihm. „Und vielleicht kannst du mir helfen, Eowyn. Ich weiß nicht mehr, ob ich dich berühren darf. Ich weiß nicht, was noch in Ordnung ist für dich. Und irgendwie habe ich mein Gefühl dazu, für das, was geht oder nicht, nicht mehr.“ Es wiederzuhaben, es würde helfen.
„Und mir würde helfen, wenn du nach dir gehst: nach dir. Ich weiß nicht, was die neue Eowyn denkt, fühlt oder will. Aber ich möchte die neue Eowyn kennenlernen.“ Ja, ein Teil von ihm sehnte sich nach der alten Eowyn zurück. Aber das war etwas, das Ian nicht aussprechen konnte - nicht jetzt, nicht so. Zu groß war die Angst, dass es wie ein Vorwurf klingen könnte.
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Es stimmte. Die Entscheidungen des Rates waren mitunter wirklich schwer zu verstehen, aber wenigstens standen sie dieses Mal auf Ians Seite, das war die Hauptsache. Sie selbst wusste auch nicht wirklich, warum der Rat was entschied, schließlich war sie nicht einmal bei der letzten Sitzung anwesend gewesen. Aber sie würden ihre Gründe haben - und sicher war es wie auch in der "großen" Politik auch oft so, dass es Kompromisse geben musste.

Aber sie hatten sich auf Ians Idee eingelassen, und darum mussten Entscheidungen her. Der Rat wollte glaubhafter sein... ja, vermutlich würde es die Geschichte tatsächlich intensivieren, wenn direkte Augenzeuginnen anwesend waren, und aktuell war nun einmal nur sie verfügbar. Ian hingegen wollte, dass sie die Chance auf die Wahrheit bekam. Die Wahrheit... schön wäre es. War dieser Speeder nicht schon längst abgefahren? Würde man ihr überhaupt ernsthaft zuhören?
Vielleicht. Vielleicht würde man ihr auch mehr glauben, wenn sie sprach, als wenn sie sich verschanzte. Und Brianna war nicht hier - letzten Endes musste sie die Entscheidung auch so treffen, dass es für die Echani besser war, sie war jetzt für sie beide verantwortlich, was die Meinung der Öffentlichkeit anging. Dabei wäre Brianna so viel geeigneter gewesen... doch hättewärekönnte half ihr nicht weiter.
Und er hatte vielleicht recht. Die Situation war so verfahren, so katastrophal... konnte sie überhaupt etwas schlimmer machen? War nicht alles, was sie sagen konnte, ein Schritt in die richtige Richtung, stand sie nicht ohnehin mit dem Rücken zur Wand?

Sie rechnete es Ian wirklich hoch an, dass er ihr die Entscheidung ohne unbewussten Druck überließ und sie darauf hinwies, was ihm wichtig war. Es war... Er war wieder einmal äußerst mitfühlend und empathisch, und das, obwohl es
ihm wirklich mindestens genauso gehen musste wie ihr. Was der Grund war, wieso sie ihm, selbst wenn sie sich diese Entscheidung zutrauen würde, ganz sicher nicht ausreden würde, diesen Auftritt genau so hinzulegen. Er musste tun, was er tun musste. Fertig.
Er hatte auch recht damit, dass sie vielleicht erst mit einem Profi reden sollte, doch... die Galaxis wartete nicht darauf, wann sie sich in der Lage fühlte, sich zu äußern. Bis dahin konnte die Republik längst im Krieg mit dem Imperium sein, und das womöglich ohne die Jedi, falls der Graben sich immer weiter ziehen würde. Sie war mitverantwortlich für das, was geschehen war. Sie hatte nicht 'Nein' gesagt, als Ahna mit der Mission um die Ecke kam, dabei hätte sie alles stürzen können, indem sie ihre Teilnahme verweigerte. Musste sie nicht auch die Konsequenzen tragen für das, was sie getan hatte, egal, ob es ihr gefiel oder nicht?

Sie nickte Ian zu, als er meinte, dass
er sprechen wollte, und drückte ebenfalls sachte seine Hand.
Ich verstehe das, und ich unterstütze dich dabei. Ich möchte, dass du tun kannst, was auch immer dir vorschwebt. Auch, wenn es ihr nicht gefallen mochte.

Das Thema, was er zu ihnen beiden offenbaren würde, war jedoch mindestens genauso schwer. Wenn es nach ihr gegangen wäre, so hätten sie Stillschweigen bewahrt. Es ging niemanden etwas an, und es war völlig irrelevant.
Absolut irrelevant. Doch was hatte schon Wes zu ihr gesagt? "Du bist eine Jedi, Eowyn, und die Beziehungen von Jedi sind niemals Privatsache." So war es wohl. Sie wollte es nicht sehen, sie war sogar angewidert von diesem Gedanken, aber anscheinend hatte der Rat recht mit diesem Satz, denn Ian führte seinen Gedanken weiter aus, und sie musste ihm leider zustimmen. Denn es würde ans Licht kommen, früher oder später. Irgendjemand würde reden. Im Tempel war es kein großes Geheimnis, und die Gerüchte nach ihrem Verschwinden waren, so wie sie verstanden hatte, ohnehin extra in diese Richtung forciert worden. Man würde es also herausfinden. Und war es dann nicht sinnvoller, in die Offensive zu gehen?
Was Ian aufzählte, das war ihr im Prinzip egal. Was kümmerte es sie noch, wie man
sie von außen sah, ihr Bild war sowieso völlig zerstört. Und ihre Ideale hatte sie ohnehin längst verraten, allerspätestens, als sie sich auf Duval eingelassen hatte. Es wären also, wenn auch auf andere Art und Weise, keine falschen Anschuldigungen.
Sie fand es furchtbar, derlei im Mittelpunkt zu stehen. Ihre öffentliche Beförderung war schlimm und Demütigung genug gewesen, das hier würde nicht besser werden, im Gegenteil. Aber Ian hatte recht. Egal, ob sie dabei war, oder nicht... es war vermutlich besser, offen mit allem umzugehen. Die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit zu nennen, so lange es eben möglich war...


Also gut, sagte sie dann leise und sah auf die Bettdecke. Sprich offen, leg alles offen. Ich... finde es nicht gut. Ich finde es sogar ziemlich furchtbar und schrecklich. Aber ich denke, noch schlimmer werde ich es finden, wenn die Presse nach und nach unser Leben enthüllt und immer tiefer gräbt. Du kannst ihnen so ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen, und so wird es keine schockierenden geheimen Nachrichten der Regenbogenpresse über unsere Beziehung geben, wenn doch alle eigentlich über Allegious reden müssten. Oder zumindest weniger. Vielleicht... Sie blickte auf und sah ihn unsicher an. ...kannst du es eher... beiläufig erwähnen, als wäre es eben irrelevant? Und es nicht so sehr in den Fokus rücken, so weit es geht? Dann würde diese ganze Sache vielleicht weniger Raum einnehmen, als sie befürchtete.

Und ich schätze... Sie schluckte. Schloss die Augen. Atmete einmal tief durch. Und noch einmal. Sie hatte keine Wahl. Ian zwang sie nicht, ganz im Gegenteil sogar, aber Wes hatte nicht nur recht gehabt, was ihre Beziehung anging. Ihr Leben selbst war keine Privatsache mehr, nicht mehr nach Kast. Vielleicht hatte sie Glück und irgendwann würde es wieder mehr zu ihrem Leben werden, aber momentan war sie nur ein Spielball mitten zwischen den Großmächten. Sie konnte sich natürlich problemlos weigern, sagen, dass sie nicht wollte, nicht konnte, aber was würde es bringen? Man würde darüber reden, dass sie sich nicht äußerte. Man würde sich fragen, wieso sie es nicht tat. Man würde immer lauter nach ihr verlangen. Man würde nicht richtig zuhören, was andere, was Ian, die anderen Räte, sagten. Und was spielte es schon für eine Rolle, wenn sie ein weiteres Mal für die Galaxis schauspielerte? Ein Mal mehr oder weniger, was sollte es.
Sie öffnete wieder ihre Augen.

Ich schätze ich werde sprechen müssen. Nicht, weil du es willst oder gar verlangen würdest, ich weiß, dass du das nicht tust. Und ich bin dir wirklich sehr dankbar dafür. Sie sah Ian an und hoffte, er verstand; hoffte, er wusste, dass sie es nicht wegen ihm tat. Ich mache es nicht wegen dir, sondern wegen dem, was vielleicht passiert, wenn ich es nicht tue. Und im Prinzip... habe ich nicht viel zu verlieren. Ob nun 99 Prozent der Galaxis sie hassten oder alle, was spielte das noch für eine Rolle. Und außerdem, weil Brianna nicht hier ist, um sich selbst zu verteidigen. Ich bin mitschuld an der jetzigen Lage. Ich muss dafür sorgen, dass der Graben zwischen Jedi und Republik nicht noch größer wird.

Dann aber war ihr wichtig zu wissen, was Ian hoffte, aus dieser Aktion mitzunehmen. Er nahm ihre Frage ernst, nahm sich Zeit für seine Antwort, und Eowyn wartete geduldig.
Was er dann sagte, machte auf gewisse Weise Sinn. Die Wahrheit war ihm immer wichtig gewesen. Und diese Ansprache als Teil der Verarbeitung... Er war einfach offener, zielstrebiger, flexibler als sie selbst. Gut möglich, dass das für ihn wirklich funktionieren konnte. Sie wünschte es ihm so sehr.
Sie nickte langsam. Ja, doch. Das konnte funktionieren.

Aber das war noch nicht alles. Sie sollte ihm helfen? Sein nächster Satz war etwas, das wusste sie genau, was ihr furchtbar wehgetan hätte, wenn sie noch mehr spüren würde, und sogar jetzt war da ein leises Kratzen. Nicht, weil er sie verletzt hatte, sondern weil
sie ihn verletzte, und das ohne, dass sie es wollte. Nichtsdestotrotz tat sie es, und sie war froh, dass er dieses Problem äußerte. Und das auch noch auf eine so wertschätzende und vorsichtige Art und Weise... Er war verletzt, war zwei Mal beinahe gestorben, hatte psychische Narben der letzten Monate davon getragen, von denen sie nicht ahnen konnte, wie tief sie waren, aber er saß hier und bemühte sich um sie. Weil er sie liebte... oder, weil er die alte Eowyn geliebt hatte.
Und sie wusste nicht wirklich, was sie ihm sagen sollte. Und dabei wollte sie, so unbedingt, dass sie ihm helfen konnte. Irgendwie. Doch sie hatte nicht den blassesten Schimmer, wie.

Also blieb wohl nur, sich Mühe zu geben. Und zu hoffen, ihm nicht noch mehr wehzutun.


Ich verstehe das Problem, begann sie langsam und vorsichtig. Und... es tut mir Leid. Es tut mir sehr Leid. Du hast mit so vielen Dingen zu kämpfen, und dann... bin da auch noch ich. Dabei wäre es so wichtig, dass du danach schaust, was dir guttut... Und das ist mir wichtig. Ich... ich hasse es regelrecht, dass so viele nur nach mir sehen, während du mindestens die gleiche Hilfe benötigst wie ich. Und dass du nur danach siehst, was mir guttut, und nicht, was mit dir ist. Und weißt du... ich kenne sie doch selber nicht. Ich weiß nicht, was ich denke... was ich fühle. Was ich möchte. Ich... Sie atmete zitternd einmal tief durch. Ich habe das Gefühl auch nicht mehr. Wie auch - sie war niemand. Sie war nur jemand, wenn Personen anwesend waren, und außerhalb dieser Zeit? War sie... nichts. Aber Ian das sagen? Sie brachte es nicht über sich. Sie konnte nicht. Sie sollte eigentlich, das wusste sie, sie musste ehrlich sein, aber... sie konnte nicht. Sie konnte nicht für noch mehr Schmerz in seinen Augen verantwortlich sein. Das schaffte sie einfach nicht.
Vielleicht müssen wir gemeinsam ausprobieren, was in Ordnung ist und was nicht, sprach sie leise weiter. Vielleicht... müssen wir sie beide kennenlernen. Vielleicht kannst du eher mir helfen, dabei herauszufinden, was die neue Eowyn möchte. Und was ihr guttut. Und was nicht. Falls du dazu bereit bist. Falls es in Ordnung ist, dass ich auch einmal Nein sage... und falls du mir nicht übel nimmst, wenn ich das tue.
Vielleicht... vielleicht kannst du einfach tun, was du früher getan hättest. Und dann sehe ich, was geht, und was nicht?


Unsicher sah sie ihn an. Sie wusste nicht, ob das zu viel verlangt war. Schließlich gab sie ihm damit zur Aufgabe, vielleicht ihre Grenzen zu überschreiten, und sie wusste, dass er derlei Dinge sehr ernst nahm. Aber selbst wissen, was sie wollte, was sie brauchte, selbst entscheiden, selbst erfühlen - wie sollte sie das tun? Woher sollte sie all das wissen? Manchmal, ja, da hatte sie das Gefühl, es zu wissen, aber häufig... war sie blank. Und selbst, wenn sie es wusste, woher wusste sie, ob es stimmte? Ob sie nicht erneut die falsche Entscheidung traf? Es war... schwierig. Äußerst schwierig. Vielleicht würde es besser funktionieren, wenn sie nicht so viel darüber nachdachte, wenn sie ihren Körper sprechen ließ und ihre Instinkte. So wie sie es früher im Kampf getan hatte - vielleicht funktionierte das auch im echten Leben.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

Ich werde unsere Beziehung nicht in den Vordergrund rücken“, bestätigte Ian noch einmal. Weshalb auch? Doch es erschien unklug, ihre Beziehung geheim zu halten. Ian hätte sich so oder so an die Jedi gewandt – dessen war er sicher. Wahrscheinlich hätte es nur länger gedauert. Hätte er Eowyn nicht vorher getroffen, nicht mit ihr gesprochen: vermutlich hätte sich alles verzögert. Aber die Galaxis im Unwissen zu lassen? Ian seufzte, als er sich selbst bildlich sehen konnte, wie er die Drogen, nach denen er sich so sehr gesehnt hatte, in den Händen hielt, um sie in der letzten Sekunde, kurz bevor sie seine Lippen berührten, wegzuschleudern. Dann wandte er den Blick von Eowyn ab und spürte eine alte Scham in sich aufsteigen. Es kostete ihn Überwindung, seinen Blick wieder zu heben.

„Ich würde dir das lieber ersparen und ich hoffe inständig, dass man all meine Verbrechen und Fehler allein mir anrechnet und nicht dir. Ich will nicht und für mich bist du nicht, die Frau, die ihre Prinzipien verrät. Vielleicht wird das, was manche sagen, sehr unter die Gürtellinie gehen und vielleicht werden manche schlimmer finden, dass du dich für mich entschieden hast, als das, was ich getan habe.“ Eine Jedi, die bereitwillig die Beine für einen Mörder breit machte. Eine Rätin, die sich nicht darum scherte, mit wem sie das Bett teilte. Ian kannte solche Sätze zur Genüge, denn war es nicht noch immer so, dass Frauen die waren, deren Ansehen mehr litt, als das der Männer? Dann seufzte Ian erneut. Er glaubte nicht, dass Eowyn auch nur im Ansatz Schuld an der jetzigen Lage trug. Nein, sie war eine mehr als willkommene Stellvertreterin, Alibi des Imperiums. Doch Ian widersprach der Frau, die er liebte, nicht, denn er wusste, dass nichts, was er dazu zu sagen hatte, ankommen würde. Weder bei der alten, noch bei der neuen Eowyn.

Vielleicht ist der Graben nicht zu verringern“, sagte er stattdessen. „Vielleicht fehlt den Senatorinnen und Senatoren, denen, die die Republik vertreten, Weitsicht. Es wäre zu einfach, diesen Graben, der schon bestanden haben muss, auf die aktuelle Lage zu schieben. Zu einfach und feige.“
Ian musste an Tahiri denken, an die Flugblätter, an ihre Treffen in ihrer gemeinsamen Wohnung. An ihren Eifer gegen das Imperium und er wünschte, sie wäre hier. Ja, vielleicht war es das erste Mal seit einer Ewigkeit, dass er sich wünschte, sie wäre genau jetzt hier. Nicht für ihn, sondern für Eowyn. Denn Tahiri hatte Politik so viel besser verstanden als er, hatte scheinbar immer gewusst, was man wann wie am besten sagte. Tahiri hätte mit glühendem Eifer gesprochen und erklärt, dass es manchmal notwendig war, Regeln zu brechen, weil ein Zögern dafür sorgen konnte, dass der richtige Moment verstrich. Bei der Macht, Ian spürte nicht nur, wie sehr er sich wünschte, sie wäre hier, sondern auch, dass da noch immer ein Teil war, der sie vermisste. Manchmal in Situationen wie diesen. Tahiri hätte ihm auch dabei helfen können, Eowyn besser zu verstehen. Denn Tahiri hatte ihr Umfeld immer verstanden, hatte, gerade so, als läge es in der Natur ihres Selbst, tröstende, heilende, ernste Worte gehabt. Er jedoch? Er spürte, dass da etwas war, etwas zwischen ihm und Eowyn, etwas, dem er keinen Namen geben konnte. Etwas war bei ihnen eingekehrt und hatte nicht nur sie beide voneinander distanziert, sondern auch ihn vor sich selbst.
Ian wusste, was ihm guttun würde. Doch nichts davon, würde er sich einfach nehmen können. Nichts davon. Er wollte Eowyn in seinen Armen halten, er wollte hören, was er längst nicht mehr spürte. Dass sie ihn liebte. Nein, er wollte spüren, dass sie es tat. Denn wenn es die alte Eowyn nicht mehr gab (woran Ian eigentlich nicht glaubte), die Frau, die ihm einst ein Ja gegeben hatte, die Frau, mit der er alt werden wollte, was empfand dann die neue Eowyn für ihn? Zwei Herzinfarkte hatte Ian gehabt, zwei Momente, in denen er sich so allein gefühlt hatte, wie schon lange nicht mehr. Damals, auf Va’art, als Eowyn zusammengebrochen war, als er durch den Regen zu ihr gelaufen war, hatte Ian eine Verbindung gespürt. War sicher gewesen, das Richtige zu tun. Diese Sicherheit, sie war verschwunden. Und wäre dieser Umstand nicht tragisch genug gewesen, kam hinzu, dass Ian nicht das Gefühl hatte, dass er Eowyn helfen konnte. Weil … weil da auch ein Abgrund in ihm war.
Obwohl er sie noch immer in seine Arme ziehen wollte, obwohl es ihm körperlichen Schmerz bereitete, es nicht zu tun, tat er etwas anderes. Er griff nach ihren Händen, nach beiden, und küsste sie sanft.

In Ordnung. Und ja, ja das müssen wir und ich glaube, dass wir dabei Hilfe brauchen. Weil ich mich davor fürchte, in manchen Momenten auf das verzichten zu müssen, was ich brauche.“ Deswegen umarmte er sie nicht – denn Ian fürchtete sich davor, dass Eowyn diese Umarmung ablehnen würde und gab es andere Situationen, in denen genau das in Ordnung gewesen wäre: Jetzt, jetzt wäre Ablehnung etwas gewesen, mit dem er nicht umzugehen vermochte. Jetzt.

Da aber fiel ihm noch etwas ein. Sie hatte gewollt, dass er ihr den Ring gab, den richtigen. Eigentlich hätte er lieber damit gewartet, der neuen Eowyn noch einmal einen Antrag gemacht. Aber vielleicht war es so besser.
"
Zählt es dazu, uns in der Vordergrund zu rücken, wenn ich dir den Ringe wieder anstecke?", fragte er, ließ eine ihrer Hände los, um den echten aus seiner Tasche zu ziehen.
"
Wenn nicht, dann könntest du ihn tragen. Oder einfach wieder haben, so wie du wolltest."

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Eowyn legte den Kopf leicht schief. Ich glaube nicht, dass du dir deshalb Sorgen machen musst. Deine Taten sind deine, meine die meinen. Ich glaube nicht, dass man das vermischen wird. Mach dir darüber keine Sorgen. Und was die Kommentare zu unserer Beziehung angeht... Sie sah kurz zur Seite, um sich zu sammeln und die richtigen Worte zu finden. Weißt du... ich weiß genau, dass es mich früher kein bisschen interessiert hätte. Und auch jetzt... ich bin, glaube ich, ganz gut darin, die Regenbogenpresse zu ignorieren. Sie werden mir so vieles zu recht vorwerfen können, irgendwelche haltlosen Empörungen... spielen doch keine große Rolle.
Sie taten es ja jetzt schon. Sie galt ja ohnehin schon gemeinsam mit Brianna inoffiziell als Mörderin von Allegious, und das, obwohl es noch nicht einmal ein öffentliches Statement gegeben hatte. Und genauso galt sie bei manchen als Verbrecherin, weil sie einen Krieg provoziert hatte. Aus Sicht der Leute machte es ja auch Sinn. Wer nichts vom Virus wusste... es war ein Fehler gewesen, die Sache nicht sofort öffentlich zu machen, als sie in Sicherheit waren. Aber hinterher war man immer klüger.

Sie nickte auf seinen Vorstoß, was die Republik anging.
Das ist richtig, ich glaube nicht, dass ich viel ausrichten kann, den Graben zu verringern... aber wenigstens, ihn nicht noch größer zu machen. Das wäre ein gutes Ziel. Und ein wenig Verständnis anzustoßen. Außerdem... vielleicht wird man uns eines Tages glauben und vor allem verstehen. Nicht heute, nicht morgen, aber... irgendwann einmal. Und dafür... kann es wichtig sein...

Viel wichtiger aber, für sie, war, was Ians Ziel war, und auch, wie es ihm mit all dem ging. Wie schon zuvor erwiderte er kaum etwas auf ihre Sorgen. Es schien, als ignorierte er es, vermutlich überhaupt nicht bewusst, wann immer sie etwas über seine Eindrücke, seine Empfindungen zu sagen hatte. Aber konnte sie ihm das verübeln? Absolut nicht. Sie selbt verhielt sich ja nicht anders, auch wenn sie sich, vermutlich genau wie er, bemühte; das war ihr nur allzu sehr bewusst. Dass sie sich wünschte, dass er sich ihr öffnete und ihr sagte, was ihm wirklich guttun würde, war nicht wirklich etwas, worauf sie ein Recht hatte. Nicht, wenn sie es andersherum nicht genauso konnte, wie sie ihm gerade zu erklären versuchte. Vielleicht wusste er es ja auch nicht. Vielleicht wusste er nicht, was ihm guttun würde. Und sie würde definitiv nicht nachhaken. Er würde mit ihr sprechen, wenn er so weit war.
Und genauso wusste sie, dass sie vielleicht zu viel von ihm verlangte, wenn sie ihn darum bat, sich "normal" zu verhalten. Er stimmte ihr zu, nahm aber ihre Hände und küsste sie. Eowyn wusste nicht, ob er dergleichen schon jemals getan hatte. Passte es dazu, dass sie ihn darum bat, sich wie früher zu verhalten? Nicht wirklich, dennoch ließ sie natürlich absolut zu, dass er so verfuhr. Er sprach außerdem "Hilfe" an. Was genau meinte er damit? Noch eine therapeutische Hilfe? Im nächsten Satz nahm er allerdings seine Zustimmung zur Hälfte wieder zurück. Mit absoluter Berechtigung... ihre Idee war nicht gut gewesen. Wenn sie "nein" sagte, und er sie aber brauchte... das war schwierig und nicht praktikabel. Und hier war sie ihm wirklich dankbar dafür, dass er sagte, was er dachte und fühlte. Waren diese Gedanken der Grund für die Handküsse gewesen?


Du hast recht, erwiderte sie leise und bemühte sich um ein kleines, offenes Lächeln. Das ist kein guter Weg. Danke, dass du so offen bist. Sie würde sich verflucht anstrengen müssen, schnell herauszufinden, was sie wollte und vor allem, was sie fühlte. Wie sie wieder mehr fühlte. Ian war die ganze Zeit so vorsichtig, als hätte er eine Porzellanperson vor sich. Was sie ebenfalls verstand... auch sie wusste nicht sicher, wie weit sie bei ihm mit ihren Fragen gehen konnte und durfte, damit sie ihn nicht aufwühlte. Sie glaubte, dass es ihr helfen würde, wenn Ian sich "normaler" verhielt, wenn sie langsam wieder in einen Alltag kommen konnte, aber das durfte natürlich nicht auf Kosten Ians geschehen, auf gar keinen Fall.
Was meinst du mit 'Hilfe'? Was würdest du vorschlagen? Und falls ich irgendetwas tun kann... sag es mir, ja? Bittend sah sie ihn an und drückte sachte mit der gesunden Hand.

Dann aber zog er den Ring aus seiner Tasche. Den echten Ring, nicht den, den sie auf Bastion dabei gehabt hatte und der ihr daher beinahe wie der echte vorkam, weil er so viel mit ihr erlebt hatte. Aber diesen hatte sie Ian gegeben, als Halt, damit er etwas hatte in den Katakomben und sie wusste nicht einmal, ob er ihn noch hatte.
Ohnehin – sie wollte den echten. Es war besser, wenn sie nun den Ring trug, den er ihr wirklich geschenkt hatte, aus Liebe, und nicht, um die Sith hinters Licht zu führen. Den Ring, der ihre Zukunft hatte bedeuten sollen. Der sie zur glücklichsten Frau Coruscants gemacht hatte.


Das tut es nicht, flüsterte sie und ließ sich den Ring an ihre linke, mittlerweile unverletzte Hand anstecken. Er fühlte sich tatsächlich anders an als der andere, saß ein klein wenig enger, aber es war... gut.
Es war gut.

Danke, sagte sie leise, während sie ihn betrachtete. Sie hatte so viel Angst, aber auch so viel Hoffnung gehabt, als er ihn ihr das erste Mal angesteckt hatte. Hoffnung auf ein Leben zu zweit. Ein Leben, in dem das Virus besiegt war, das Imperium sie in Ruhe ließ und sie beide einfach glücklich miteinander sein durften. Das alles... war noch nicht verloren. Hoffentlich.

Sie sah wieder Ian an, der vor ihr saß und so anders aussah als damals. Schmaler... verhärmter. Und sie spürte, wie dieser Anblick in ihr Schmerzen verursachte. Er sollte nicht so viele Sorgen machen, es sollte ihm gut gehen. Er sollte gesund sein. Sie wollte... sie wollte einfach nur, dass Ian glücklich war. Das war definitiv etwas, was sie sich wünschte, auch, wenn sie ahnte, dass dieser Wunsch nicht angemessen war, denn es war vermessen, solche Gedanken zu hegen.
Vorsichtig legte sie, wie gestern, erneut ihre Hand an seine Wange.
Danke, wiederholte sie noch einmal und zog die Mundwinkel nach oben. Möchtest... möchtest du auch einen tragen? Ich meine... ich denke... es wird noch ein wenig dauern, bis... wir heiraten. Heiraten. Das Wort war so fremd. So absurd. So... normal. Heiraten. Weißer Kleinmädchenglitzertraum mit Konfetti und ausgelassener Freude. Wobei es bei ihnen vermutlich ohnehin anders laufen würde. Falls Ian nicht irgendwann vorher genug von ihr hatte. Und... Es war alles so seltsam. Was wollte sie, was wollte er? Warum war das alles so schwer, warum war die alte Eowyn nicht hier, um ihr zu helfen? Selbst in dieser Rolle fühlte sie sich unwohl und unsicher. Vielleicht, weil sie spürte, wie die Rolle schwand und ihr 'Nichts' langsam hindurchschien... der Tag war viel und lang.
Darf ich... ich meine... Sie nahm die Hand von der Wange, ließ auch die rechte los und rutschte mühsam ein wenig höher in eine sitzendere Position. Dann hob sie unsicher den linken Arm, ließ ihn aber sofort wieder verlegen fallen. Darf ich dich umarmen? Er hatte ihre Hände geküsst. Sie wusste nicht, weshalb... hatte es an ihr gelegen oder an ihm? An ihrem Gedanken? An seinen? Sie wusste überhaupt nichts mehr. Rein gar nichts. Nur falls du möchtest...

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant-Jedi-Tempel-Turm des hohen Rates- Ratssaal-mit Aleron und Murrar

Sie hatte ein Privileg, das war ihr bewusst. Sie legte aber vielleicht auch den Grundstein für mehr Verständnis zwischen Machtnutzern und "Normalos" wie ihr. Mehr Verstehen bei den Rangern. Sie betrat den Raum ein Stückchen nach Aleron und schloss die Tür. Leise. Und dann bezog sie Stellung neben der Tür. Ihre Hände legte sie auf den Rücken, um Aleron die Daumen zu drücken. Aber da sie wusste, das Aleron ein Empath war, versuchte sie, ihre eigne Gefühlswelt so gut sie konnte in die Pause zu schicken. Sie hatte noch nie meditiert. Noch nie auch nur irgendwas in der Richtung gemacht. Ein Mangel, den sie vielleicht beheben sollte. auch wenn sie nicht glaubte, dass das irgendwas brachte. Zumindest nicht bei ihr.

Der Wookie-Jedi-Rat begrüsste Aleron und wollte ihn kennenlernen. Fabienne lächelte. Er war wirklich sehr freundlich und geduldig. Aleron begann gleich zu erzählen und Fabienne lauschte ihm mindestens so Aufmerksam wie der Wookie. Ja, Morellianer lebten länger. Aber dennoch zuckten Fabiennes Mundwinkel etwas, als er seine.. knapp 40 Lebensjahre als "jugend" bezeichnete. Er könnte fast ihr Vater sein! Lächelnd sah sie auf die Muster auf dem Boden. Menschen hatten verhältnismässig ja ehe eine geringe Lebenserwartung. Es gab so viele Spezies, die sie um Jahrhunderte überlebten. Aber es war Zeitverschwendung, sich deswegen Gedanken zu machen. Es war, wie es war.

Dann erzählte Aleron von dem, was er als Padawan alles gesehen und erlebt hatte und wie das sein Denken über den Orden geprägt hatte. Und das er sich mit dem Gedanken nicht anfreunden konnte, dass der Jedi-Orden nicht von einer ordensfremden Instanz kontrolliert wurde. Sie hob den Kopf und wandte ihren Fokus auf die Skyline. Wer würde sich selbst auf die Fahne schreiben, dem Jedi-Orden Vorschriften zu machen? Die perfekte Lösung wär wohl, wenn Senat, Jedi-Orden und oberster Kanzler als gemeinsames Gremium aufeinander achteten. 3 Parteien konnten sich vielleicht auch schneller einigen.Aber vielleicht war es genau so? Jetzt lag ihre Aufmerksamkeit aber auf dem Jedi-Rat und seiner Antwort auf diese...Problematik.

Fabienne konnte schweigen.Konnte still stehen und einfach beobachten. Genau das, was hier ihre Aufgabe war. Und wenn Aleron befördert war, würde sie einen Bericht verfassen und ihn den anderen Rangern zur Verfügung stellen. Das sah sie als ihre Pflicht an. So hatten am Ende doch alle was von dieser Prüfung.

Coruscant-Jedi-Tempel-Turm des hohen Rates- Ratssaal-mit Aleron und Murrar
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5

Murrrar ließ dem Noch-Padawan geduldig seine Zeit, um die richtige Antwort zu finden, und er rechnete es ihm an, dass er ehrlich war, was sein Eintrittsalter bei den Marines anging. Ehrlichkeit war für ihn eine Grundvoraussetzung. Jeder machte Fehler oder entschied sich manchmal aus diversen Gründen, nicht ehrlich zu sein - aber Jugendsünden oder auch Unehrlichkeiten festzustellen, einzugestehen und dazu zu stehen waren für ihn als Wookiee und Jedi schlicht unabdingbar.
Er hatte in der Akte gelesen, dass Aleron ein Morellianer war, hatte damit aber nichts anfangen können. Umso interessierter lauschte er den Ausführungen des Mannes und nickte dankend. Hatte er mit siebzehn Jahren dann nicht womöglich noch jünger gewirkt? Doch dies war unerheblich, er musste die Physis dieser Spezies nicht verstehen. Die wenigsten Spezies wiederum verstanden die Wookiees, also glich sich das wieder aus.

Er nickte erneut, als Aleron ihm erläuterte, wie sein Werdegang ausgesehen hatte. Nach zwanzig Dienstjahren ein Schreibtischjob? Ihm würde das nicht behagen, obwohl er gerne auch stundenlang forschte und dabei die Welt um sich vergaß, aber es war das eine, sich freiwillig dafür zu entscheiden und außerdem ab und an auszubrechen, und das andere, dies tagein, tagaus zu erleben. Daher wiegte Murrrar amüsiert nachdenklich den Kopf hin und her.


[Ich bin ja bereits etwas älter, aber... noch genieße auch ich es, ab und an aus meinem Büro herauszukommen.]

Wobei 123 ja nun noch nicht wirklich alt war.

Aleron erzählte weiter, und es lag nahe, dass er diesen Schluss gezogen hatte. Er war einfach noch zu jung, um in einem Posten zu verbleiben, der ihn nicht erfüllte, und wieso dann nicht das Feld wechseln? Als Jedi konnte man der Republik schließlich genauso gut, wenn nicht vielleicht sogar besser dienen. Murrrar reichte das als Antwort. Aleron war zwar ein Jungspund, was seine und seine eigene Spezies anging, aber viele andere waren in seinem Alter bereits in der Mitte des Lebens angekommen. Er hatte sich angewöhnt, derlei Entscheidungen nicht zu hinterfragen, mochten sie ihm noch so sprunghaft erscheinen - für die Personen dahinter waren sie dennoch wohlüberlegt, und Alerons Begründung klang nachvollziehbar.


[Danke für Eure Offenheit], nickte Murrrar ihm zu. [Es scheint mir... ein logischer Schluss gewesen zu sein.]

Aleron wechselte zu seiner zweiten Frage, welche Murrrar tatsächlich nicht nur als Rat im Zuge der Beförderung, sondern auch als Jedi interessierte. Gerade die Kooperation mit den Rangern zeigte schließlich, wie wichtig es war, nicht nur die eigene Perspektive wahrzunehmen, und angesichts des Krieges, der am Beginnen war, waren diese Sichtwechsel noch wichtiger als zuvor.
Der Morellianer klang wie viele Soldaten, die zu viel gesehen hatten, aber er schien zumindest zum Großteil damit im Reinen zu sein - äußerst wichtig für einen Jedi, empfand Murrrar. Unaufgearbeitete Traumata konnten zu den ungünstigsten Momenten wieder aufbrechen, und auf dem Schlachtfeld oder in ähnlichen Situation konnten so etwas Leben kosten. Für seine jungen Jahre schien er Murrrar schon relativ reif zu sein, zumindest wenn er auch danach lebte, was er sagte. Schade, dass seine Meisterin nicht hier war, um dies aus ihrer Sicht zu beschreiben, aber man konnte nicht alles haben.
Er nickte langsam.


[Dies sind sinnvolle Lehren. Könnt Ihr Eure Metapher mit einem Beispiel aus Eurer Vergangenheit etwas ausführen?]

Murrrar wollte nicht zu tief graben, aber er musste gleichzeitig auch sehen, dass Aleron nicht nur schöne Worte nannte, sondern auch verstand und begriffen hatte, was sie bedeuteten.

[Ihr sagt, manche Eurer Erfahrungen suchten Euch bis heute heim. Die meisten, die Kämpfe oder gar Kriege hinter sich haben, werden das kennen, mich eingeschlossen. Wie geht Ihr damit um, wenn so etwas geschieht? Seht Ihr die Gefahr, dass so etwas in akuten Einsatzsituationen passieren könnte?]

Dies würde garantiert nicht Alerons Beförderung verhindern, denn Murrrar hielt absolut gar nichts davon, ehemalige Soldaten oder Krieger dafür zu bestrafen, dass sie Einsatz gezeigt hatten, aber es würde zeigen, wie der Padawan sich einschätzte und auch, ob es vielleicht notwendig sein würde, ihm etwas unter die Arme zu greifen.

Die letzte Frage des Wookiees ließ den Morellianer seinen Mund verziehen - vermutlich ein Lächeln. Und was er sagte, klang interessant und ebenfalls nachvollziehbar, je nachdem, wie man das Leben im Orden betrachtete. Murrrar kannte genug Jedi, die seine Ansicht nicht teilen würden; für sie war der Tempel ein Ort des Lernens und des Friedens, kein Ausbildungszentrum für Einsatzkräfte. Der Rat verstand beide Seiten. Zu gerne würde er die Ansicht dieser Jedi teilen, er selbst war eigentlich grundsätzlich recht friedfertig. Doch gleichzeitig sah er auch, was Aleron sah, und aus Sicht eines ehemaligen Marines
konnte das Leben hier so wirken.
Für Murrrar war es ein positives Zeichen, dass Aleron verstanden hatte, die Macht noch nicht wirklich zu kennen. Selbst er mit seinen Jahrzehnten an Übung und Beschäftigung fühlte sich oft klein und wie ein Padawan. Er war der festen Überzeugung, dass es, wenn überhaupt, nur sehr wenige Lebewesen jemals geschafft hatten, die Macht
wirklich zu verstehen, sie völlig zu durchdringen und durch und durch mit ihr zu arbeiten. Die Einsicht, dass dies noch lange nicht der Fall war, zeigte Murrrar, dass Aleron auf einem guten Weg war, denn Arroganz in dieser Hinsicht war ein Schritt in die falsche Richtung.

Murrrar musste leicht grinsen, was er schnell wieder rückgängig machte, da Wookieegrinsen auf manche recht erschreckend wirken konnte. Zwanzig bis
fünfzig Jahre Studium? Aleron musste sich wohl noch öfter bewusst machen, dass die Uhren in der restlichen Galaxis anders verliefen als bei seiner Spezies.

[Würden wir so lange brauchen, wäre der Jedi-Orden wohl schon ausgestorben], bemerkte er trocken. [Aber, und das ist vielleicht selbstverständlich, aber ich erwähne es dennoch, eine Beförderung zum Ritter bedeutet natürlich nicht, dass Eure Zeit des Lernens vorüber ist, ganz im Gegenteil, sie beginnt erst richtig. Nur sind Ritter in der Lage, dies nun ohne direkte Begleitung ihres Meisters zu tun, auch wenn das Band, das sich geknüpft hat, oftmals erhalten bleibt und der Meister auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite steht.]

Zumindest, wenn es möglich war, schließlich verschwanden oder starben auch einige Jedi viel zu früh.
Aleron bestätigte Murrrars Worte, der Wookiee hatte eigentlich auch nichts anderes erwartet.

Murrrar hatte Aleron ermutigt, zu erwähnen, was ihn sonst beschäftigte, und der Padawan kam seiner Aufforderung nach. Selbstbewusst genug, um vor einem Rat eine vielleicht sogar leicht kritische Aussage zu tätigen, grundsätzlich erst einmal eine positive Eigenschaft. Murrrar nickte.


[Es ist sehr verständlich, dass dieses System kritisch gesehen werden kann, und Ihr seid nicht der erste, der diese Gedanken äußert - und werdet auch nicht der letzte sein. Es ist durchaus ein komplexes Thema, welches auch historische Hintergründe hat. Wir Jedi sind prinzipiell ein unabhängiger Orden, welcher ganz regulär den Regeln der Republik untersteht, so lange wir uns auf ihrem Grund und Boden aufhalten. Wir stehen nicht über dem Gesetz. Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Senat haben wir allerdings durchaus ein paar... Privilegien inne, das ist richtig, doch diese kommen wiederum in der Regel wieder der Republik zu Gute. Es ist eine Art symbiotische Arbeitsweise, wenn man so will. Der Senat könnte jedoch jederzeit diese Zusammenarbeit aufkündigen und uns diese Privilegien entziehen. Gut wäre das in meinen Augen für keine der beiden Seiten. Wir sind uns nicht immer einig, sind jedoch bisher immer in der Lage gewesen, Wege zu finden.]
Es würde sich zeigen, ob diese Zusammenarbeit auch nun noch funktionieren würde, nachdem das Vertrauen des Kanzlers und des Senats in die Jedi einen gewaltigen Riss bekommen hatte. Murrrar hoffte aber, dass die baldige Pressekonferenz auch hier den Wind etwas mildern konnte. [Wir arbeiten eng mit dem Militär und dem Geheimdienst zusammen, um das Verständnis für beide Seiten zu fördern. Vielleicht werdet Ihr einges Tages den Weg eines Beschützers einschlagen und diese Zusammenarbeit weiter stärken.

Natürlich ist es richtig - wenn die Jedi wollten, so könnten wir unsere Macht missbrauchen; so mancher würde sagen, dies sei schon ein- oder mehrmals geschehen. Aber das gleiche könnte man von Militär oder Geheimdienst behaupten, wenn diese ernsthaft wollten. Wir haben gewiss eine andere Sicht auf die Galaxis als die meisten anderen, was es manchmal nicht leicht macht. Am Ende ist es aber Vertrauen, das uns alle zusammenhält. Das oberste Ziel für uns Jedi ist der Frieden - in uns selbst, in der Galaxis. Und unser Orden steht dafür, die Neue Republik zu beschützen. Wir würden unseren Sinn und Zweck verlieren, würden wir dagegen verstoßen.


Vielleicht hilft Euch das bei Euren weiteren Überlegungen. Lasst mich gerne wissen, falls Ihr noch Fragen habt.]

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5
 
Eowyn legte den Kopf leicht schief, eine ihm so bekannte, so vertraute Geste, dass Ian sofort warm ums Herz wurde. Sie tat das immer, wenn es ein Thema betraf, bei dem sie ihn genauso gut liebevoll Dummerchen hätte nennen können.
Ich weiß, dass die Galaxis ziemlich unfair ist, vor allem Frauen gegenüber.“ Das Imperium war es in besonderem Maße, aber eigentlich war es in erster Linie nicht das Imperium, das sie überzeugen wollten.
Siehst du, dann sollte ich mir eine Scheibe von dir abschneiden. Ich“, und Ian seufzte, „werde lernen müssen, darüber zu stehen. Aber hey, für mich ändert sich nicht viel. Einmal der Böse, immer der Böse, hm?“ Am Ende wussten sie beide, dass es ihm nicht um sich ging. Ian wollte nicht, dass andere schlecht über Eowyn sprachen, aber das war etwas, das er nicht vermeiden konnte. Presse und Außenwelt – all das lag außerhalb seines Handlungsrahmens und Ian hatte sich fest vorgenommen, keine Versuche zu starten, etwas verändern zu wollen, das nicht in seinem Rahmen lag. Nicht nur Bastion hatte das deutlich gemacht.
Man wird uns eines Tages glauben, ich hoffe früher als später.“ Zumindest das war für Ian absolut sicher. Wahrheit siegte immer – auch wenn es mitunter länger dauern konnte, bis sie den Dunst aus Lügen vertrieb und eine klare Sicht ermöglichte. Musste Wahrheit auch noch dafür sorgen, all die Lügen, die man sich selbst einredete, zu lösen, dauerte es noch einmal länger. Hätte Ian sonst nicht von Anfang an hinter Tahiri gestanden, als sie vor dem Imperium gewarnt hatte, und das so oft und so deutlich wie nur möglich? Früher hatte er nicht infrage gestellt, wer oder was das Imperium war. In ihm aufgewachsen, ein Teil davon, hatte Ian ganz andere Sorgen gehabt, und zu seiner Schande musste er gestehen, nie hinterfragt zu haben. Ja, Tahiri war eine glühende Gegnerin aller Imperatoren gewesen, hatte hinter die Propaganda gesehen. Doch für Ian war alles verlogen gewesen. Imperium, Republik – er hatte keine großen Unterschiede gesehen, nicht zuletzt, weil er so lange ein Einzelkämpfer gewesen war, ein Überlebenskünstler. Vielleicht, nun vielleicht hatte er Tahiris Eifer nie richtig ernst genommen, denn als er mit ihr zusammengekommen war, hatten erstmals in seinem Leben Liebe und Zufriedenheit einkehren können. Da war kein Platz für anderes gewesen, etwas, das ihn heute beschämte.
Eowyn hingegen wollte er bewusst in allem, was sie sagte, ernst nehmen, und ihre Idee war gut, doch sie schien zu missverstehen.
Doch, doch, es ist eine gute Idee, Eowyn. Ich meinte es anders. Ich glaube…“ Ian holte tief Luft, suchte ihren Blick und hätte ihn gleichzeitig lieber vermieden. „Ich bin selbst unsicher, verstehst du? Ich würde gerne anknüpfen, wo wir vor Bastion aufgehört haben, aber ich fühle mich unsicher und ich habe Angst.“ Was vollkommen untertrieben war, und so wurde sein Blick ernst, nein, er wurde beinahe alt. „Ich habe Angst. Vor dem, was war. Vor all dem Ungesagten. Ich habe Angst vor dem, was ich gespürt habe, vor meinen Vorahnungen, Angst vor dem, was dir wirklich zugestoßen ist. Ich“, und Ian wurde leise, „habe Angst vor den Nächten, vor den Bildern, die ich sehe und die sich längst vermischt haben. Du, Tahiri. All das. Und deswegen glaube ich, dass es gut ist, wenn uns jemand begleitet. Denn wenn ich nicht weiß, was ich sagen oder tun soll, wie sollst du mir dann helfen können?“ Jetzt zwang er sich, sie anzusehen, sie bewusst anzusehen, weil er wollte, dass Eowyn begriff. „Wie könnte ich einfach meinem Bedürfnis nachgehen, dich halten zu wollen, wenn ich nicht weiß, ob eine Berührung etwas auslöst. Etwas, das vielleicht auf Bastion geschehen ist.“ Etwas, von dem er nicht wusste, ob und wie er sie ansprechen sollte. Da waren so viele Befürchtungen, und Ian hatte nicht den Hauch einer Ahnung, ob es klug, ob es ratsam, ob es überhaupt gut war, Eowyn diesbezüglich Fragen zu stellen.
Eigentlich war es verrückt, jetzt auf den Ring zu sprechen zu kommen. Der Moment schien aus mehr als einem Blickwinkel unpassend, aber vielleicht machte er deutlich, dass Ian zu Eowyn stand. Dass er immer zu ihr stehen würde und dass es ihm ernst gewesen war, als er ihr die Frage gestellt hatte, ob sie ihn heiraten wollte. In guten und in schweren Tagen.
Es war seltsam, ihr den Ring erneut über den Finger zu streifen, es fühlte sich vertraut an und gleichzeitig unwirklich. Dabei erinnerte er sich an sein Gespräch mit Brianna, in dem er ihr anvertraut hatte, zu bereuen, Eowyn nicht vor Bastion geheiratet zu haben, und ein Teil der Reue kam in diesem Augenblick zurück, vor allem, als Eowyn ihre Hand an seine Wange legte. Ob auch er einen Ring tragen wollte? Auf diese Idee wäre Ian niemals gekommen. Auf Telos war es Tradition, dass der Mann seiner Angebeteten einen Ring ansteckte. Auch für Tahiri damals hatte er nur einen Ring gehabt.
Ja“, hörte er sich dennoch sagen und spürte beinahe so etwas wie Dringlichkeit darin. „Ich würde sehr gerne einen Ring tragen.“ Zumal wirklich fraglich war, wann sie heiraten konnten. Sofort, sagte etwas in ihm, aber das war mehr Trotz. Er wollte eine schöne Hochzeit mit Eowyn. Keine riesige, keine, die besonders Aufsehen erregte – aber er wollte, dass sie beide in einem Zustand heirateten, in dem sie mehr von sich, mehr von dem mitbekamen, das gut war. Vielleicht war das auch der falsche Gedanke, vielleicht war Normalität genau das, was sie brauchten, aber nichts, nichts war nach Bastion normal, und solange sie nicht einmal wussten, ob sie sich berühren durften.
Dann kam die Frage, ob sie ihn umarmen durfte, und Ian wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte.
„Das darfst du immer.“ Absolut immer.
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Vielleicht würde man ihr ja Dinge vorwerfen, die absurd waren, auszuschließen war es nicht. Aber bei alldem, was man ihr wirklich vorwerfen konnte... Unnötig, ihr da noch Ians Verfehlungen an den Kopf zu schmeißen. Und selbst wenn, das würde keinen großen Unterschied mehr machen.
Viel mehr stach sie, dass Ian seinen Kopf hinhalten würde. Bisher war er nicht in diese Sache verwickelt, aber morgen würde das anders aussehen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, dann hätte er sich niemals der Presse gestellt, aber das war nicht ihre Entscheidung. 'Einmal der Böse, immer der Böse' – ein Satz, der ihr wirklich... ja, wenn sie in sich hineinhorchte,
weh tat. Es tat weh. Sie wollte nicht, dass er all das abbekam. Sie wollte ihn schützen. Sie wollte, dass es ihm gut ging, so gut es eben möglich war. Sie wollte... sie wollte, dass er endlich nicht der Böse war, denn das war er nicht. Das hatte er einfach nicht verdient...
Sie schluckte hart.
Ja. Scheint wohl so. Wenn sie könnte, wenn sie dürfte, sie würde das morgen verhindern. Sie wollte, dass Ian endlich in Frieden leben konnte, aber damit würde es erst einmal vorbei sein. Und sein Traum von einem Studium? Würde nicht all das... zerstört werden?

Er hatte es sicher bedacht. Es war nicht ihre Entscheidung.

Ihr Vorschlag, sich erst einmal so normal wie möglich zu verhalten, war nicht so gut, wie sie zuerst angenommen hatte – dachte sie, aber Ian widersprach, und sie zuckte dabei innerlich zurück. Dann aber erklärte er, was er meinte, und sie atmete erst einmal durch. Er war unsicher und hatte Angst... Ging es ihr nicht genau gleich? Und war es nicht unfair, dann alles auf ihn zu schieben? Nein, sie musste selber aktiv werden, selber einen Weg finden. Wie sie es selbst gesagt hatte – alle sahen nur danach, wie es
ihr ging, nicht, was mit Ian war. Und sie selbst machte den gleichen Fehler. Sie musste... ihn sehen. Sie durfte nicht auf ihn abschieben, was sie nicht wusste. Dabei ging es ihm doch mindestens genauso mies wie ihr, das wusste sie – und hätte es spätestens begriffen, als sie in seine Augen blickte und ihm weiter zuhörte. Er hatte Angst vor dem, was war... vor dem, was es verändern würde? Tahiri und sie vermischten si... oh.
Ooooh.
Eowyns Augen wurden kurz etwas größer, und da war wieder... ein Stich. Sie tat ihm weh. Indem er nichts erfuhr, tat sie ihm anscheinend weh. Aber... wie konnte sie? Sie konnte ihm nicht sagen... sie... es war zu... wenn sie die Augen schloss... wenn er erfuhr, was alles geschehen war... aber war es besser, sich noch schlimmeres vorzustellen? Was, wenn seine Vorstellungen aber
nicht schlimmer waren? Sie hatte besonders über den letzten Tag mit... mit ihrem Peiniger nicht mit ihm reden wollen. Weil sie wusste... weil sie ganz genau wusste...
Er sprach weiter, und Eowyn musste den Gedanken erst einmal beiseite schieben. Jemand sollte sie begleiten. Also... wirklich ein Therapeut? Noch einer? Wenn er es für nötig befand, dann musste es wohl sein.

Sie nickte leicht.
Okay. Kannst du... dich darum kümmern? Oder soll ich? Aber wegen mir... Riskiere es ruhig. Diese Auslöser würden doch ohnehin immer und immer wieder geschehen, und sie musste lernen, damit klarzukommen. All das zu ertragen und vielleicht sogar irgendwann auszuschalten. Er schaffte das doch auch. Brianna, Elise... sie alle schafften das auch.

Er war dann deutlich, was einen Ring für ihn selbst anging, was Eowyn zu einer Folgefrage führte.
Möchtest... du ihn aussuchen? Oder ich, oder gemeinsam? Oder gibt es einen, der dazugehört? Sie lag zwar hier, aber irgendwann würde sie sicher die Gelegenheit haben, einen Ring über das Holonet anzusehen, falls er das wünschte. Er sollte es handhaben, wie es ihm am liebsten war. Genauso, was das Umarmen anging. Es war so seltsam, das alles nicht zu wissen. Sie selbst war unsicher, was sie wollte oder fühlte, wie sollte sie dann erkennen, was Ian sich wünschte? Sie war schon immer so schlecht darin gewesen, diese Dinge zu erkennen. Und all die Dinge, die zwischen ihnen lagen... Sicher, er wollte einen Ring tragen, aber das hieß noch lange nicht, dass alles gut war bei ihnen beiden. Das hieß eigentlich nur, dass sie es weiterhin gemeinsam versuchen wollten, aber mehr? Mehr würde sich zeigen. Vielleicht würde sie sich verhalten müssen wie früher, und das würde ihnen beiden helfen. Vermutlich wurde eher so herum ein Schuh daraus, das zeigte ihr auch seine Antwort. Sie dürfe das immer... Sie wusste nicht, ob das eine gute Idee war, aber er hatte ihr eben ihren Verlobungsring angesteckt. Auch, wenn es das zweite Mal war, sie wollte diesen Moment nicht einfach übergehen, und sie musste sich dazu zwingen, über ihre Grenzen hinauszugehen. Es würde ihr guttun, sich nicht selbst so einzusperren, ganz sicher. Also breitete sie vorsichtig ein wenig ihre Arme aus und bedeutete Ian, näher zu kommen, denn mehr, als sich so aufzurichten, wie sie es getan hatte, war schwierig. Sie hasste diese Unflexibilität so sehr... Kurze Zeit später schloss sie ihre Arme wieder, spürte den vertrauten Körper an ihrem und atmete tief ein.

Ian.

Ihre erste Umarmung letztens war ein Heimkommen gewesen, diese hier, wünschte sie sich, sollte mehr sein. Sie wollte die Nähe zurück, die tiefen Gefühle; sie wollte wieder spüren, wie sich alles in ihr nach ihm sehnte. Sie wollte all das zurück, was die alte Eowyn gehabt hatte – irgendwie wollte sie jetzt auch die alte Eowyn zurück. Sie war nicht perfekt gewesen, ganz im Gegenteil, sie war... eigentlich ein großer Fehler gewesen, aber war sie nicht immer noch so viel besser als das, was sie jetzt war? War nicht
alles besser als das, was sie jetzt war?
Vielleicht mussten sie das regelmäßig tun. Sich umarmen, sich spüren... vielleicht würde sie dann auch lernen, sich selbst wieder mehr zu spüren. Sich mehr erinnern. Aber das würde nicht
Ians Ängste lösen. Welcher Angst vor dem hatte, unter anderem, was auf Bastion geschehen war... 'Das, was Tahiri passiert ist, darf dir nicht passieren.' So oder so ähnlich hatte er es ihr gesagt, vor Bastion. Bevor sie begriffen hatte, wie Tahiri gestorben war. Bevor er ihr gestanden hatte, die Dunkle Seite zu hören. Bevor sie ihm gestanden hatte, sich die Pille einsetzen zu lassen.
Sie... musste ihm nicht erzählen, was geschehen war. Sie musste ihm nicht alles sagen. Es... reicht erst einmal, nur zu sagen, was
nicht geschehen war, oder? Dass da nicht rein gar nichts gewesen war, dass er... sie... berührt... geküsst... Eowyn atmete tief ein und verdrängte. Ian musste das nicht wissen, das hatte sie sich schon dort gesagt. Es reichte, aber ihm seine Gedanken erst einmal zu erleichtern. Es war keine Lüge. Ian war der, der zählte, und Ian war der, den sie spürte. Du brauchst keine Angst zu haben, raunte sie an seiner Brust. Das mit... Tahiri... das... ist nicht geschehen. Es braucht sich nicht vermischen. Sie hatte ihm versprochen gehabt, sich mit allem zu wehren, was sie hatte, und das hatte sie getan. Beinahe hatte dieses Wehren ja dazu geführt, dass es noch schlimmer geworden wäre, aber... er hatte abgelassen. Und Ian hatte sie rechtzeitig geholt, bevor er sich hatte rächen können... Beinahe hätte sie Ian erzählt, was sie getan hatte, aber dann hätte Eowyn zugeben müssen, wie nahe dran er gewesen war. Also schwieg sie darüber. Es ist nicht geschehen, wiederholte sie. Es ist alles... in Ordnung. Hörst du?

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

„Vielleicht lieber gemeinsam“, bestätigte Ian und lachte dann leise, ein wenig auch in sich hinein. „Irgendwie wäre es komisch, wenn ich mir alleine den Ring aussuche, obwohl ich deinen ja auch ausgesucht habe.“ Wobei Ian bestimmt nicht wählerisch sein würde. Es klang sehr viel einfacher, einen Ring für sich selbst zu finden. Als er den für Eowyn ausgesucht hatte, hatte Ian lange überlegt, weil er einen passenden hatte finden wollen, einen, der auch dann nicht stören würde, wenn sie ihr Lichtschwert trug. Außerdem hatte er Eowyn nie wirklich Schmuck tragen sehen, was die Auswahl noch einmal schwieriger gemacht hatte.

Schwierig war allerdings für das Thema, das folgte, kein passender Ausdruck. Ian hatte vorher noch erklärt, dass entweder ihre Therapeutin oder der seine sicher auch Paargespräche anbieten würde und er sich sonst kümmern würde. Aber etwas riskieren, einfach so? Nein, das machte ihm eine viel zu große Angst, die er ihr schließlich offenbarte.
Sie jetzt in den Arm zu nehmen, von ihr umarmt zu werden, tat unheimlich gut, aber die Angst vertrieb es nicht, ganz und gar nicht. Nein, seine Angst wurde auch nicht kleiner, als Eowyn zu sprechen begann und wie hätte sie kleiner werden sollen, wenn er ihr bei dem, was sie da sagte, nicht einmal in die Augen sehen konnte, weil ihr Kopf an seiner Brust lehnte?
Er brauche keine Angst zu haben. Das hätte sie immer gesagt, egal in welchem Zustand, egal ob es die alte, oder die neue Eowyn war, die da gerade die Oberhand hatte. Immer, immer hätte sie versucht zu beruhigen. Doch Ian hatte zu viel gespürt und in seiner Vergangenheit schlicht zu viel erlebt. Das mit Tahiri war nicht geschehen und brauchte sich nicht zu vermischen? Ian schluckte schwer, vor allem, als sie noch einmal erklärte, mit zu vielen Unterbrechungen, dass nichts geschehen, dass alles in Ordnung sei. Er glaubte ihr nicht. Nein, Ian glaubte kein einziges Wort – nicht, weil er davon ausging, dass Eowyn ihn bewusst belog, sondern … Sie war zu schnell. Sie versuchte ihm zu schnell seine Befürchtungen zu nehmen und sie klang nicht einmal sicher dabei und bei der Macht, wie konnte Ian ihr das verübeln. Noch einmal schluckte Ian, als er Eowyn vorsichtig löste.
Das hier, das war vermutlich genau eines dieser Gespräche, dass er viel lieber mit jemandem an ihrer Seite geführt hätte.

„Du musst das nicht tun, Wyn. Du sollst das nicht tun. Mich schonen, es mir einfacher machen.“ Klang es nicht, als würfe er ihr vor, zu lügen? „Ich meine damit…“ Er brach ab. Musste anders anfangen. „Ich glaube dir, wenn du das sagst. Aber glaube du mir auch eins: Für mich würde sich meine Sicht auf dich niemals verändern, hörst du? Was auch immer auf Bastion war, was auch immer dir zugestoßen ist, ganz unabhängig der … Ebene.“ Sagte man das so? Er wollte nicht, dass sie ihn missverstand. Und gleichzeitig wollte er nicht, dass sie glaubte, dass er glaubte, dass ganz sicher etwas geschehen sein musste, das mit Missbrauch, nein, mit sexueller Gewalt zu tun hatte. Es geschah wieder. Wieder drängten sich Bilder auf und erneut hielt Ian dagegen. Für Sekunden wurde sein Gesicht starr, bis er den Kopf schüttelte, sie abschüttelte und Eowyn wieder ansah. „Durch deine sichtbaren Narben … habe ich eine Ahnung davon, was dir körperlich zugestoßen sein muss. Ich möchte einfach nur, dass du weißt … dass es für, dass sich für mich, dass ich dich nicht anders sehe, egal welche Form von Gewalt es war. Egal welche Übergriffe es waren. Missbrauch, Nötigung …“, warum bei der Macht sprach er es nicht aus, „Vergewaltigung, all das. Ich sehe dich nicht anders.“ Und obwohl das Blut in seinen Ohren rauschte, hörte Ian seine Überzeugung deutlich darüber hinweg.
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Gemeinsam also. Um ehrlich zu sein, ging es Eowyn auch besser damit, wenn sie nicht alleine einen Ring für Ian aussuchen musste. Sie hatte so gar keine Erfahrung damit, und es war ihr schon schwer genug gefallen, das Medaillon auszuwählen. Gemeinsam war ein guter Kompromiss. Sie würden sich nur Zeit nehmen müssen dafür.

Das war allerdings vergessen, als sie in seinen Armen lag und auch die ihren um ihn schloss. Das Bantha im Raum waren die Geschehenisse auf Bastion, und Eowyn beschloss, es zumindest ein wenig schrumpfen zu lassen. Es fiel ihr nicht so leicht, auch, wenn sie nur die Wahrheit sagte, doch es brachte sie näher daran, überhaupt darüber zu sprechen, und das wollte Eowyn nicht – mit niemandem, aber zu allerletzt mit Ian. Niemals sollte er erfahren, was dort alles geschehen war. Wenn er es wusste... er würde sie anders sehen, und außerdem, viel wichtiger, würde es ihn verletzen. Er hatte gelitten, als der Gardist den IT-O in den Raum gebracht hatte, wie würde er erst leiden, wenn sie davon sprach, was alles vorgefallen war? Nein. Das alles war Vergangenheit. Aber sie konnte, und musste, ihm wenigstens sagen, was
nicht geschehen war.
Er antwortete erst einmal nicht, und dann... trennte er sich vorsichtig von ihr, löste die Umarmung, die damit wesentlich kürzer gedauert hatte, als Eowyn erhofft hatte.
Sie runzelte leicht die Stirn. Sie musste das nicht tun? Was, darüber reden? Nein... ihn schonen. Aber... wo schonte sie ihn? Das Stirnrunzeln wurde tiefer, bis der Credit mit den nächsten Worten fiel. Er... Er sagte, er glaubte ihr, aber... offensichtlich... tat er es doch nicht? Es war... verwirrend. Wenn er ihr glaubte, wieso dachte er dann, dass sie ihn schonte? Das ergab keinen Sinn?
Er versicherte ihr, dass sich nichts ändern würde, aber hier fiel es Eowyn wirklich sehr schwer, ihm zu glauben. Andererseits, wenn er es so sagte? Bloß, vielleicht glaubte er es selbst, war sich ganz sicher, nur konnte nicht ganz einschätzen, wie er reagieren würde?

Kurz schien er weit weg zu sein, bevor er sie wieder wahrnahm. Und ihr weiter versicherte, dass sich nichts änderte. Weil er ihr wohl wirklich nicht glaubte. Vermutlich war das aber nur natürlich, oder? Und vielleicht hätte sie ihn wirklich angelogen, wäre das der Fall gewesen, Eowyn wusste es nicht, konnte es auf jeden Fall nicht ausschließen. Also musste sie irgendwie überzeugender sein. Bezeichnend, dass er so davon ausging, dass sie ihn schützen würde, dass er nun nicht einmal die Wahrheit glaubte.

Ich verstehe. Sie schwieg einen Moment und sah auf die Bettdecke. Da war... Gewalt, ja. Aber... vertrau der Macht. Hör zu. Wenn er es schon bei ihr nicht tat, vermutlich verständlicherweise. Die Macht konnte ihm vielleicht sagen, ob sie die Wahrheit sprach oder nicht. Ich wurde nicht... vergewaltigt. Es ist alles in Ordnung. Hörst du?, fragte sie ihn erneut, sah nach oben und ihm in die Augen. Er musste ihr doch glauben. Was kann ich tun, damit du mir glaubst? Damit du verstehst?

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Kommend von Denon

[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Orbit von Coruscant / RM-09 Allianz-Shuttle ] Arlen, Faith und Tha'klen, sowie (NPCs) ein Pilot

Mit einem letzten Ruck fiel das RM-09 Allianz-Shuttle aus dem Hyperraum und der Tunnel aus hellen Streifen verschwand. Licht wich dunklem All. Mit verschränkten Armen schaute Arlen auf die glühenden Streifen von Coruscants Weltkugel hinab und fragte sich stumm, welche Zukunft dort auf ihn warten würde. Hier lag eines der schlagenden Herzen der Republik vor ihm. Eines das er vor langer Zeit hinter sich gelassen und für das er doch seither gekämpft hatte. Der Anblick weckte schlechte Erinnerungen. Ereignisse, die ihn radikalisiert hatten, die ihn auf den Pfad Keladas gelenkt hatten. Wie Coruscant ihn wohl nun empfangen würde? Verändert wie er sich hatte?

Zunächst einmal mit Gleichgültigkeit. Außer ihnen wollten noch tausende andere Schiffe landen und der Pilot des Shuttles verortete die Mission nicht wichtig genug, um militärische Vorrangscodes zu benutzen. Wie gewöhnliche Zivilisten reihten sie sich also in die Schlange ein, die ein Schiff nach dem anderen durch den Planetenschild gelassen wurden. Manche wurden von Zollschiffen kontrolliert, doch wenigstens dies blieb ihnen erspart. Nach einer gefühlten Ewigkeit bekam auch ihr RM-09 die Freigabe und der Pilot legte ein weiteres Mal den Vorwärtsgang ein.

Vermutlich hätte er es begrüßt, wenn Arlen und Faith nun wieder in den hinteren Bereich des Schiffes gegangen wären. Der coruscanter Verkehr war notorisch dicht und Arlen spürte den Wunsch aus dem Pilotensessel nicht abgelenkt zu werden. Kurz erwog er dem unausgesprochenen Wunsch folge zu leisten, konnte sich dann aber doch nicht dazu durchringen sich von dem vertrauten, aber doch so fernen Anblick abzuwenden. Wie viele Jahre hatte er die Skyline und die hohen Türme des Jeditempels nicht gesehen? Ein halbes Jahrzehnt mindestens.

Langsam arbeitete sich das Shuttle durch den geschäftigen Verkehr vor und hielt dabei direkt auf die Türme des Tempels zu. Heute war es nicht so schlimm wie Arlen es in Erinnerung gehabt hatte und doch war es viel mehr als alles, was er auf Kelada je gesehen hatte. Mit einem Stich Wehmut dachte er an die Basis auf Lianna zurück, die er sogar noch länger als den Jedi-Tempel nicht mehr besucht hatte.

Schließlich setzte das Shuttle auf einer der dafür vorgesehenen Landeplattformen auf. Mit ein paar kurzen Worten und einem Nicken verabschieden sich Arlen und Faith von dem Piloten und gingen nun endlich doch nach hinten. Tha’klen wartete bereits auf sie und stand erwartungsvoll vor der sich rasch absenkenden Laderampe. Noch einmal atmete Arlen tief durch, packte den Gurt seines Rucksacks fester und warf Faith einen Blick zu.


„Da wären wir. Ob du’s glaubst oder nicht, das ist Coruscant.“

, ein amüsierter Unterton hatte sich in Arlens Stimme geschlichen, doch erreichte die gute Laune seine Augen nicht. Seit ihrer Abreise von Kelada hatte sie das nicht mehr getan. Zu dunkel war sein Pfad gewesen und zu dunkel warf er noch immer seinen Schatten auf das, was noch kommen mochte. Ein weiteres Mal fragte er sich was Coruscant, was der Tempel für ihn bereithielt. Ein weiteres Mal durchlebte er den Schock, als Faith in New IndSec von seinen Taten auf Kelada erfahren hatte.

Unvermittelt gab Arlen sich einen Ruck und schritt zügig die Laderampe hinab. Schneller als er es gemusst hätte, als fürchte er das Schiff würde ihn zurückzerren. An seiner Seite ging Faith, die seine Hand genommen hatte. Er spürte ihre Wärme und war froh, wenigstens diese eine Sache auf seiner Mission nicht verbockt zu haben. Auch wenn er verdammt nah dran gewesen war.


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Landeplattform ] Arlen, Faith und Tha'klen
 
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