Coruscant

~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ mit Eowyn und irgendwo Steven Crant neben Elise und Riuen, Faith hinter ihm, Tenia in den hinteren Reihen sowie zahlreiche weitere Jedi ~



Die letzte Trauerfeier auf der Ian gewesen war, war die Tahiris gewesen und dort war nur eine kleine Gruppe aus Menschen gewesen. Eine kleine Gruppe – und er selbst und jeder hatte etwas gesagt, und Ian war es kaum möglich gewesen, zu sprechen. Damals schien so unendlich lange her und Ian hatte diesen Tag beinahe völlig aus seiner Erinnerung gedrängt. Alle hatten geweint und die Umstände Tahiris Tod war mehr, als ein Schatten gewesen, der über den Trauernden geschwebt hatte. Alle hatten versucht sich darauf zu konzentrieren, etwas zu sagen, das Tahiri ehrte, das ihre besondere Person hervorhob, sie hatten angestrengt versucht, ihr die letzte Ehre zu erweisen. Sie war nicht einmal dreißig geworden und jetzt, jetzt auf dieser Trauerfeier wünschte Ian sich beinahe, dass Tahiri eine Jedi gewesen wäre, die beim Versuch, alle anderen zu retten, gestorben wäre. Dieser Umstand wäre traurig genug gewesen. Doch ihr Tod war unerträglich gewesen. Die Umstände. Die Bilder. Alles. Alles.
Ian spürte, dass er weinte und versuchte nicht, seine Tränen aufzuhalten, die Ahna und Tahiri, die all den Opfern galt, die das C-Virus und dessen Umstände verschuldet hatte.
271 Jahre hatte Ahna dem Orden gedient und nun war sie tot obwohl sie, wie Wes erklärte, noch so viel Zeit vor sich gehabt hätte. Wie hatte Ahna gefühlt, in all den Jahren, in denen sie mit hatte ansehen müssen, wie Republik und Imperium immer wieder in Kämpfe verwickelt waren, wie Imperatoren kamen und gingen. Eigentlich war all das unvorstellbar. Dass es Wesen gab, die ähnlich alt oder noch älter wurden, die so viel Geschichte miterlebten, Hoffnungen, Wünsche, Träume. Wo standen sie jetzt und wie oft hatte die Galaxis in Kriegen gesteckt die wieder und wieder Opfer forderten? Aber in all der Trauer durfte Ian eines nicht vergessen: Es hatte immer wieder Zeiten des Friedens gegeben. Zeiten des Glücks und all diese Momente galt es festzuhalten und alles daran zu setzen, für diese Momente zu kämpfen und Sorge dafür zu tragen, dass sie nicht nur Momente blieben, sondern lange Zeitspannen.

Was Eowyn schließlich über Ahna zu erzählen hatte klang für den Dunkelhaarigen auch wie eine Erzählung über sie und vielleicht war Eowyn weit mehr als ein ‚Ersatz‘, den es nicht geben konnte. Eowyn würde ihr Vermächtnis ganz sicher bewahren, weil sie bereits jetzt schon das tat, was Ahna immer getan hatte. Ohne zu zögern alles geben, um denen zu helfen, die sie liebte oder die für das Gute eintraten.

Trauer und Stolz erfüllten Ian gleichermaßen und als Eowyn vom Podium zu ihrem Platz zurückkehrte, griff er fest nach ihrer Hand, ließ diese nicht los und blieb neben ihr sitzen, auch wenn er den vorgelesenen Namen die letzte Ehre erwies.

„Ahna wäre auch sehr stolz auf dich gewesen“, wandte Ian sich schließlich mit einem warmen, ehrlichen Lächeln zu Eowyn, als die Trauerfeier beendet wurde und die erste leise Unruhe sich im Saal ankündigte, weil sich nun Gespräche bildeten. Und er wünschte, er wäre dabei gewesen. Aus so vielen Gründen. Allerdings durfte er Kast hier kaum erwähnen, auch wenn eine kleine Gruppe in diesem Raum wusste, dass Ahnas Tod anders war, als das, was offiziell gesagt worden war.
Ian wusste, dass er ihren Tod nicht hätte verhindern können – und doch, doch war da ein großer Teil, der auf Kast hätte sein wollen und natürlich war da auch ein Teil, der gerne mit Ahna getauscht hätte. Nicht, weil Ian seines Lebens müde war, sondern weil es irgendwie gerecht gewesen wäre. Da war so viel, was er gerne getan oder gesagt hätte, und wiederum so viel, das einfach schweigen wollte. „
Ich bin es“, wiederholte er stattdessen, sah hinüber zu dem Holo von Ahna und dann wieder zu Eowyn, die nun vielleicht auch mit anderen Anwesenden sprechen wollte.


~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ mit Eowyn und irgendwo Steven Crant neben Elise und Riuen, Faith hinter ihm, Tenia in den hinteren Reihen sowie zahlreiche weitere Jedi ~
 
[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Große Halle] Ganner, Brianna, Elise, Riuen, Faith, Steven, viele Jedi

Nun wollte die Echani also doch etwas über ihn erfahren. Ausgerechnet bei seinem Abschied von der Marineinfanterie hätte Ganner dabei allerdings nicht begonnen. Zwischen damals und seinem Entschluss, zu den Jedi zu gehen, lagen Jahre, über die er auch mit einem freundlicheren Gegenüber kaum beim ersten Kennenlernen gesprochen hätte.

„Ich bin aus familiären Gründen ausgeschieden. Die Entscheidung für die Jedi kam erst einige Jahre später, auch wenn ich von meiner Begabung schon wusste. Ich hatte damals anderes im Kopf und habe das ziemlich lange vor mir hergeschoben, bis ich irgendwann eingesehen habe, dass ich damit allein nicht recht weiterkomme.“

Inzwischen gelang ihm immerhin einiges, das er sich früher kaum hätte vorstellen können. Es gab Abende, an denen er mit dem Ergebnis einer Übung zufrieden in sein Quartier zurückging und schon darüber nachdachte, was er am nächsten Tag versuchen wollte. An anderen Tagen kam er mit derselben Sache stundenlang nicht voran und ertappte sich dabei, wie bereitwillig er sich ablenken ließ. Er hatte sich das schließlich selbst ausgesucht, nur konnte es trotzdem verdammt eintönig werden. Zurück zur Marineinfanterie zog es ihn deshalb noch lange nicht. Die Frage nach seiner Kampferfahrung fiel ihm leichter. Solange es noch nicht begonnen hatte konnte er ja immerhin so nett sein und auf die Fragen der Echani Antworten.

„Zur Genüge... Ich habe als NCO gedient und bin Ehrenhaft mit etwas über drei Dutzend aktiven Kampfeinsätzen in die Reserve entlassen worden.“

Als Brianna auf Ahna zu sprechen kam, stellte er seine eigenen Überlegungen zurück. Sie erzählte von einem Auftrag nach Alderaan und davon, dass die Rätin während einer schwierigen Zeit für sie da gewesen war. Ganner hörte genauer hin, als sie auf den Unterricht zu sprechen kam. Die Echani schien recht genau zu wissen, was sie ihr verdankte. Dass sie ohne Ahnas Hilfe nicht die Jedi wäre, die sie heute war, sagte sie ganz offen, und Ganner nickte bei ihren letzten Worten. „Mein Beileid.“, in seiner Stimme schwang ein gewisser Ernst und eine eigene Trauer mit. Immerhin hatte die Eiskönigin vielleicht auch nicht so eisige Seiten... und sie hatte hier die Chance sich gebührend von einem anderen Wesen zu verabschieden, etwas was nicht jedem vergönnt war. Es war keine Floskel für ihn, diese einfache Anteilnahme.

Am Podium begann die Eröffnung und die Gespräche um sie herum verstummten, bis nur noch die Stimme des Redners durch die Halle trug. Auch die übrigen Opfer der Krise wurden in das Gedenken eingeschlossen. Ganner betrachtete das Hologramm der Pau’anerin, deren Gesicht er aus der Todesnachricht kannte. Die nächste Rednerin berichtete von ihrer frühen Zeit im Orden. Ahna war als kleines Kind in den Tempel gebracht worden und hatte hier gelernt, lange vor dem Imperium. Er sah unwillkürlich zu den hohen Wänden hinauf. Wie oft mochte sie später durch diese Halle gegangen sein und sich dabei noch daran erinnert haben, wie groß ihr als Kind alles vorgekommen war? Er versuchte, sie sich bei ihren ersten Übungen vorzustellen, zwischen anderen Kindern, während ein Meister ihnen erklärte, worauf sie achten mussten. Der Wandel den manche Völker der Galaxis mitansehen konnten, war für sich genommen schon Eindrucksvoll... die Pau'anerin hatte somit gut und gerne Jahrzehnte des Ordens mitgestaltet.

Bei Rat Jansons Bemerkung über die eigenen besten Jahre bewegten sich seine Mundwinkel kurz. Was der Rat über Ahnas Alter sagte, ließ ihn jedoch wieder zum Hologramm sehen. Zweihunderteinundsiebzig Jahre hatte er ohne weitere Überlegung als ein ausgesprochen langes Leben hingenommen. Für eine Pau’anerin hatte offenbar noch ein beträchtlicher Teil davon vor ihr gelegen. Ganner überlegte, was sie selbst noch vorgehabt haben mochte. Vielleicht gab es eine Angelegenheit, auf die sie seit Langem hingearbeitet hatte, oder jemanden, dessen Fortschritte sie weiter hatte begleiten wollen. Der Reaktion vieler umstehenden hatte sie auf jeden Fall für viele als prägende Größe zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben eingestanden.

Dass sie sich dabei so wenig Zeit für sich selbst genommen hatte, brachte ihn unweigerlich zu sich selbst. Er kannte Tage, an denen ihm schon die Verantwortung für einen Trupp gründlich gereicht hatte. Irgendwann wollte man seine Ruhe haben und wenigstens eine Mahlzeit lang keine Frage beantworten, für deren Lösung offenbar nur die eigene Person infrage kam. Im Rückblick war manches davon lächerlich klein gewesen, nur half einem das wenig, wenn man müde war und der Nächste bereits vor einem stand. Wie Ahna das über so lange Zeit ausgehalten hatte, wusste er beim besten Willen nicht, in einer Mit-Verantwortung für Hunderte und durch eine Zeit hindurch in der die Republik mehrfach durch erbitterte Kriege mit dem Imperium erschüttert wurde. Es war ein Maß an Verantwortung und eine Konstante die man mit solch einem langen Leben darstellte die sich selbst in seinen Gedanken nur schwer fassen ließ.

Der folgende Redner ließ seine Worte von einem Droiden übersetzen und ging näher auf Ahnas diplomatische Arbeit ein, auf die großen Erfolge und die weniger bekannten Aufgaben dazwischen. Ganner blieb bei der Frage hängen, wie viel von all dem wohl noch unter den anderen Jedi weitergetragen wurde. Irgendjemand hatte mit ihr unterwegs sein müssen, ihr bei solchen Gesprächen zugehört und danach vielleicht Gelegenheit gehabt, nachzufragen, weshalb sie eine bestimmte Sache gesagt oder auf eine andere verzichtet hatte, hatte die Chance genutzt zu lernen, Einsichten und Fähigkeiten zu erwerben die nun irgendwo auch einen Teil ihres Vermächtnisses darstellen würden. Als die Frau im Schwebestuhl neben dem Podium anhielt und ihre raue Stimme durch den Raum klang, war Ganner noch bei diesem Gedanken. Sie erzählte davon, wie gut Ahna die Menschen gekannt hatte, denen sie Aufgaben übertrug, und dass sie einige sogar persönlich weiter gefördert hatte. Sein Blick wanderte kurz zu der Echani, die ja vorhin so selbstverständlich davon sprach, dass die Rätin ihr Unterricht gegeben hatte. Ahna hatte ihre Schwierigkeiten gekannt und sich die Zeit genommen, mit ihr daran zu arbeiten. Er hätte gern gewusst, wie diese Stunden abgelaufen waren und womit sie sich dabei beschäftigt hatten. Manieren konnten es nicht gewesen sein, vielleicht war bei der guten aber auch nochmal mehr auszubügeln gewesen und das hier war schon die sozialisierte Ritterin. Dann sprach die Rätin von ihrem letzten persönlichen Gespräch. Ahna war stolz auf die anderen gewesen und würde sie vermissen, sollte sie einmal gehen müssen. Ganner nahm den Blick vom Hologramm und sah wieder zu der Frau im Schwebestuhl. Er fragte sich, wie viele der Anwesenden gerade zum ersten Mal von diesen Worten hörten. Die Rätin hatte selten so offen gesprochen, wenn er die Rednerin richtig verstand. Vielleicht hatte jemand lange auf eine solche Anerkennung gewartet und hätte ihr nun gern noch etwas darauf erwidert, die Luft im Saal fühlte sich jedenfalls erdrückend als ob den Worten ein immaterielles Gewicht anhaftete.

Aus dem Augenwinkel sah er wie sich die Echani über die Wange wischte. Jemand so bissiges Tränen vergießen zu sehen war schon ein wahnsinniger Kontrast. Dann fiel ihm ein, wie sie von Ahnas Hilfe gesprochen hatte, und er blieb mit etwas gesenktem Kopf sitzen. Beinahe schämte er sich für die Schublade in der er die Frau so schnell gepackt hatte, die hatte immerhin gerade emotional einiges zu verarbeiten, nicht gerade fair von ihm jemanden zu verurteilen und in eine Box zu packen, über deren Umstände er gar nichts wusste. Eigentlich war er doch auch hier im Orden geblieben um sich selbst zu bessern? War anscheinend noch ein langer Weg Als die nächste Rätin die übrigen Opfer und auch die Verschollenen erwähnte, dachte er an Joreen. Ob er irgendwann erfahren würde, was mit ihr geschehen war? Er wollte diese Antwort noch immer, nur wusste er im Augenblick nicht, wo er danach suchen sollte. Solche Veranstaltungen holten echt einiges wieder hoch was er doch so tief hatte vergraben wollen... um klar zu kommen.

Als zur Verlesung der Namen darum gebeten wurde, sich zu erheben, stand er mit den anderen auf. Hinter ihm scharrte ein Stuhl über den Boden, dann begann die Aufzählung. Auch Anwärter und Padawane waren darunter. Bei den ersten achtete er unwillkürlich stärker auf den genannten Rang, während der Sprecher bereits mit dem nächsten Namen fortfuhr. Weiter vorn senkte jemand den Kopf, und an einer anderen Stelle legte eine Frau dem Mann neben sich die Hand auf den Rücken. Ganner legte die Hände hinter dem Rücken ineinander und blieb stehen, während die Liste weiterging. Als sie endete, war es noch einen Moment still genug, dass er das Rascheln von Kleidung hören konnte. Um sie herum kehrten langsam die leisen Gespräche zurück, manche Besucher standen noch an ihren Plätzen, andere traten bereits in die Gänge. Die junge Frau in der Reihe hinter ihnen beugte sich nach vorne und fragte, ob sie Ahna persönlich gekannt hätten. Als sie sich den anderen als Faith Navalon vorstellte, wandte Ganner sich ihr zu und bezog den Jedi bei Elise mit einem kurzen Nicken in die Vorstellung ein.


„Ganner Fel. Persönlich kannte ich sie nicht, nein. Ich hatte von ihrer Arbeit gelesen und wollte heute wenigstens hier sein. Von dem Frieden, an dem sie mitverhandelt hat, habe ich als Ex-Marine immerhin auch etwas gehabt.“

Die Vertrautheit zwischen Faith und dem anderen Jedi erklärte sich im weiteren Gespräch. Beide waren Schüler derselben Meisterin gewesen, und bei der Frage nach Chesara stellte sich heraus, dass auch er keine Nachricht von ihr hatte. Ganner ließ den Blick zwischen den beiden wandern. Einen Augenblick lang hatte er selbst auf eine andere Antwort gewartet, obwohl er die Frau, um die es ging, überhaupt nicht kannte.

„Ich hoffe, dass Ihr bald etwas von ihr hört. Diese Seuche hat viel zu viele das Leben gekostet...“

Ganner sah wieder zu Brianna hinüber. An vielen Plätzen waren die Besucher noch im Gespräch und vorerst blieb auch er sitzen. Die Aussicht, eine Aufgabe zu übernehmen, bei der er seine bisherigen Erfahrungen gebrauchen konnte, gefiel ihm und er wollte hören, was sie vorhatte auch um seiner ersten Ablehnung vielleicht ein wenig entgegen zu wirken. Er war sich weiterhin nicht sicher, wie gut er mit ihr zurechtkommen würde, aber über eine konkrete Aufgabe konnte er mit ihr reden.

„Was genau habt Ihr für einen Auftrag im Sinn? Wo soll es hingehen, und welche Arbeit würde dort auf mich warten?“

[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Große Halle] Ganner, Brianna, Elise, Riuen, Faith, Steven, viele Jedi
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Große Halle, mit Ian; weiter weg auch Brianna, Ganner, Wes, Elise, Riuen, Steven, Faith, Tenia, diverse NPCs und andere Jedi

Eowyn reihte sich wieder an ihrem Platz ein und starrte leer nach vorne. Sie hatte etwas völlig anderes gesagt, als sie sich vorgenommen hatte, und sie hoffte nur, dass sie vage genug geblieben war. Ahna hätte eigentlich verdient gehabt, dass jeder wusste, welch Leben sie gelebt hatte, aber das war unmöglich; und die Pau'anerin hatte es immer gewusst. Trotzdem... trotzdem.
Ian griff nach ihrer Hand, hielt sie fest, ließ sie nicht los, während Eleonore vorne begann, die Erinnerung auszuweiten auf alle, die im Zuge der C-Krise verstorben waren. So viele.
Viel zu viele. Und Ian... wäre fast ebenfalls einer von ihnen gewesen. Es war so knapp gewesen. Es... war ein Fehler, dass sie noch nicht wieder miteinander umgingen wie vor Bastion. Sie mussten jede Sekunde miteinander auskosten, denn jede Mission konnte ihre letzte sein. Aber gleichzeitig... wie sollte das gehen.

Vielleicht musste sie sich einfach mehr zwingen.

Eleonore war fertig und rief Meister Nackl nach vorne. Der Sullustaner war auch heute verantwortlich für das, was er am besten konnte: recherchieren und ordnen. Die meisten Anwesenden kamen seiner Bitte, sich zu erheben nach; Eowyn natürlich blieb sitzen – frustriert und peinlich berührt. Sie war sich nicht sicher, ob Ians freundliche Geste, neben ihr sitzen zu bleiben, sie mit Dankbarkeit oder noch mehr Scham erfüllte. Sie musste arbeiten. Sie musste noch mehr, noch
härter arbeiten. Jetzt, wo sie ihre Zehen wieder bewegen konnte, musste sie am besten in jeder freien Sekunde dafür sorgen, dass ihre Beine bald wieder funktionsfähig waren. Sie hatte dem Rat gerade - relativ unbeabsichtigt zwar, aber dennoch - quasi eine Kampfansage gemacht, dass sie die Schatten übernehmen würde...

Eine Woche.
Sie würde sich höchstens noch
eine Woche geben, dann musste sie im Büro sitzen. So ging es nicht weiter. Sie war so nutzlos... sie hatte zugelassen, dass die Ärzte und Heiler über ihr Leben bestimmten. Das war auch akzeptabel gewesen, als ihr Rücken noch völlig hinüber gewesen war, aber jetzt, wo sie daran arbeiten konnte, musste sich das ändern. Vielleicht konnte Alexander schon früher beginnen, sie in die akuten Dinge einzuweihen. Denn sie würde übernehmen, das war für sie nun keine Frage mehr. So lange der Rat niemanden vorzuweisen hatte, der oder die definitiv geeigneter war als sie, musste sie Ahnas Wunsch folgen. Wie konnte sie nicht, nach heute? Sie würde den Posten gerne räumen, sobald jemand passendes aufkreuzte, aber nicht vorher. Sie hatten sie im Rat gewollt. Nun... mussten sie damit leben.

"...Anwärterin Sol Zlad. Ritter Nilmor Kor'ey. Padawan Jezem Blanot. Meisterin Mon Fydonost..."

Eowyn begriff, dass sie kaum zugehört hatte, während Meister Nackl die Namen vorgelesen hatte. Ihre Gedanken waren völlig abgeschweift, was umso blamabler war, da sie nicht einmal stand. Aber gut... niemand wusste, ob sie zugehört hatte oder nicht. Und letzten Endes, nun ja... es waren Namen. Namen von Personen, die sie nicht kannte. Es war furchtbar, wie viele es waren, aber sie hatte zu keinem der Namen, die sie gehört hatte, irgendein Bild.
Auch das... auch das musste sich ändern. Wie sollte sie die Schatten führen, wenn sie kaum jemanden kannte? Ahna hatte sie alle gekannt. Sie mit ihrem Vorsprung von so vielen Jahren... Wie sollte sie das schaffen? Wie sie gesagt hatte, es war unmöglich, Ahna zu ersetzen. Alles, was sie tun konnte, war Schadensbegrenzung zu betreiben.

Und dafür musste sie ins Büro.

Vielleicht sogar nur fünf Tage...


"...Padawan Vesso Clath. Ritterin Me Nibrinoss."

Meister Nackl beendete seine lange Liste an Namen und machte eine kleine Pause.

"Mögen sie ihren Frieden in der Macht finden."
Er senkte für einen Moment den Kopf und hob ihn dann wieder. "Ich danke allen für ihr Kommen. Bitte lasst keine persönlichen Dinge in der Großen Halle zurück."

Nach einem Nicken in die Runde begann der Sullustaner, umständlich wieder vom Schemel herunterzusteigen. Das war wohl das offizielle und wenig glamuröse Schlusswort für diese Veranstaltung. Ian wandte sich sogleich an sie, und Eowyn nickte langsam, blickte noch immer geradeaus. Sie war stolz auf mich... dort. Sie hat es gesagt. 'Ich bin so stolz auf euch alle und ich werde euch vermissen.', wiederholte sie die Worte der Pau'anerin, die sich in ihr Gedächtnis gebrannt hatten. 'Die Verantwortung für die Schatten ist jetzt deine.', fuhr sie leise, beinahe nicht hörbar, fort. Und ich fürchte, ich muss ihrem Wunsch Folge leisten. Ob ich will oder nicht. Ob der Rat will oder nicht... Aber das war kein Ort für dieses Gespräch. Dass der Rat sich nicht einig war, egal in welchem Punkt, sollte nicht nach außen dringen, und je länger sie darüber sprachen, desto mehr liefen sie Gefahr, dass sie vergaßen, dass diese Dinge nur für die Ohren des Rates bestimmt waren. Eigentlich nicht einmal für Ians, aber... es betraf sie, und somit würde sie in diesem Fall eine Ausnahme machen. Sie sah noch einmal hinüber zu Ahnas lebensgroßem Hologramm. 'Leb wohl, Ahna. Wo auch immer du jetzt bist... Ich werde dich auch vermissen.' Sie nickte dem Hologramm noch einmal zu, dann sah sie das erste Mal Ian an.

Du musst sagen, dass du stolz auf mich bist, du bist mein Verlobter, antwortete sie in dem vermutlich miserablen Versuch, so etwas wie Leichtigkeit oder alte Vertrautheit zwischen ihnen aufleben zu lassen. Sie blickte sich um und erkannte, dass die Versammlung begann, sich aufzulösen. Jedi wandten sich einander zu, begannen Gespräche, und wieder etwas ernster fuhr Eowyn fort: Lass uns verschwinden von hier. Außer, du möchtest noch mit jemandem reden, Riuen zum Beispiel oder so... Wenn sie jetzt den Moment verpasste, in dem sie von hier abhauen konnte, dann würde sie nicht mehr wegkommen. Das hier war ihr erster öffentlicher Auftritt nach der Pressekonferenz, und bald schon würde der Takt der anderen Jedi verschwinden. Man würde sie ansprechen, und sobald der Bann einmal geplatzt war...
Ian hatte nichts dagegen, die Große Halle zu verlassen, und so legte Eowyn eine ihrer undurchdringlichen und abweisenden Mienen auf und bemühte sich gleichzeitig, niemandem der hier Anwesenden in die Augen zu blicken. Bei den meisten war das kein Problem, waren sie doch viel größer als sie selbst in ihrem Schwebestuhl, nur bei den kleineren Spezies musste sie darauf acht geben, dass sie nicht in den Augenkontakt trat.

Schließlich aber hatten sie die Halle verlassen. Zwar war es hier noch voller als gewöhnlich, aber die größte Hürde war geschafft. In stillem Einverständnis machten sie sich auf den Weg zum Ratssaal, und im Turbolift zu eben jenem dann waren sie irgendwann endlich alleine. Innerlich atmete Eowyn auf und blickte dann zu Ian nach oben.
Alles okay?, fragte sie leise.

Coruscant - Jedi-Tempel - Turbolift zur Ratsebene, mit Ian
 
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