Cranan 12

Ivor Karn

thug life
Cranan 12
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[ Infos zum Planeten: Cranan 12 (engl.) ]

[ Zugehörigkeit: Neutral ]
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Namhafte Lokalitäten
Guildspine - Die graue Hauptsiedlung des Planeten, halb Minenverwaltung, halb Frachtdrehscheibe. Ein Ort aus Förderquoten, Sirenen, Staub und Männern in zu sauberen Mänteln, die nie selbst unter Tage gehen.

Inducement Plaza
Ein sarkastischer Spitzname für den Verwaltungsbezirk, in dem Gildenvertreter, Zwischenhändler und lokale Funktionäre Geschäfte „aushandeln“. Der Name spielt auf die Mischung aus Anreizen und Drohungen an, mit der der Planet seit jeher gelenkt wird.​
Dustmarket
Ein improvisiertes Viertel aus Bars, Ersatzteilhändlern, Schrotthöfen und Schlafkojen. Wer dort arbeitet, verkauft Erzproben, Werkzeuge, Medikamente, gefälschte Papiere oder Informationen darüber, welcher Aufseher gerade Schulden hat.​
Red Marker Station
Eine abgelegene Bahnstation für Förderzüge und schwere Erztransporte. Der Ort ist klein, windig und unerquicklich, aber genau deshalb ideal für diskrete Übergaben, stille Entsorgungen und Treffen, die besser in keinem Logbuch auftauchen.​
Haven 9
Ein heruntergekommener, überraschend beliebter Arbeiterbezirk am Rand der Industriezone. Billige Schlafkapseln, laute Kantinen, Schlägereien nach Schichtende und genau die Sorte Bars, in denen man in einer Nacht mehr über Cranan 12 erfährt als aus jedem offiziellen Bericht.​

Black Vein Basin - Ein riesiges Tagebaugebiet, dessen Gestein von dunklen Erzadern durchzogen ist. Der Name klingt poetisch, ist aber bloß Arbeiterhumor für ein Loch, das täglich weitere Leben, Maschinen und Jahre frisst.

Crystal Gate - Ein Kontroll- und Zollbezirk am Rand der großen Frachtrouten. Offiziell sorgt man hier für Sicherheit entlang der Crystal Passage. Inoffiziell entscheidet sich hier, welche Ladung sauber registriert wird und welche mit ein paar Credits plötzlich unsichtbar werden kann.

Excarga Yard - Das größte Verladefeld in Orbitnähe, benannt nach der Route, über die der meiste Reichtum den Planeten verlässt. Hier stehen Erzcontainer wie Häuserblocks, und alles riecht nach heißem Metall, Treibstoff und Schweiß.

The Smelter Rows - Ein endloser Gürtel aus Raffinerien, Schmelzöfen und Abgasfahnen außerhalb der Hauptsiedlung. Tagsüber flimmert die Luft, nachts leuchtet der Horizont wie ein schmutziger Sonnenaufgang.

The Twelve Shafts - Ein alter Sammelbegriff für den historischen Kern der Abbauzonen. In der Praxis meint jeder damit etwas anderes: Förderkomplexe, Schächte, Arbeiterquartiere oder das ganze vernarbte Herz des Planeten.
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Besonderheiten
Cranan 12 liegt im Äußeren Rand, im Arkanis-Sektor des Cranan-Systems, entlang der Crystal Passage, und gilt als terrestrische Welt, deren wirtschaftlicher Wert ganz aus ihren Erz- und Mineralvorkommen erwächst. Der Planet war einst wohlhabend und produktiv, zugleich jedoch eng in die Interessen der Minengilde eingespannt: Im Arkanis-Sektor war Cranan 12 die einzige Welt, die von ihr direkt kontrolliert und ausgebeutet wurde, während ein Großteil der Lieferungen über die Cranan-Excarga-Route nach Excarga ging. Dadurch haftet dem Planeten der Charakter eines prosperierenden, aber fremdbestimmten Rohstoffstandorts an — eines Ortes, dessen Reichtum in Förderanlagen, Frachtrouten und Abhängigkeiten gebunden ist. Die Minengilde selbst reicht bis in die Frühzeit der Raumfahrt zurück, war unter der Republik eine der großen quasi-politischen Handelsmächte, überstand die zahlreichen Kriege der Galaxis und blieb auch unter dem Galaktischen Imperium eigenständig genug, um als Lieferant strategischer Rohstoffe weiterzumachen.
 
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Wenn Cranan 12 ein Herz besaß, dann schlug es tief unter der Kruste, eingeklemmt zwischen Förderbohrern, hydraulischen Pressen und den schmutzigen Gebeten jener Arbeiter, die jeden Morgen mit Staub in den Augen und Metallgeschmack auf der Zunge erwachten. An der Oberfläche blieb davon nur ein grauer Puls aus Sirenen, Abgasfahnen und endlosen Güterzügen, die sich durch die Industrieebenen fraßen wie eiserne Würmer durch faulendes Fleisch. Über Guildspine hing der Himmel in der Farbe alter Asche, niedrig, schwer und vom permanenten Glimmen der Schmelzöfen entzündet, als habe jemand den Horizont in Brand gesetzt und anschließend vergessen, das Feuer wieder zu löschen. Darüber hingen, fast schon verhöhnend, die riesigen Darius-G-Klasse Frachter der Minengilde, welche die aus der porösen und stark perforierten Kruste des Planeten herausgebrochenen Schätze in die Galaxis transportierten.
Die Hauptsiedlung des Planeten war halb Verwaltungsapparat, halb Frachtnarbe, ein Ort, an dem selbst der Regen schmutzig fiel und auf den Panzerplatten der Gehwege ölige Schlieren hinterließ. Tagsüber krochen Kolonnen aus Arbeitern aus den Wohnblöcken von Haven 9 in Richtung The Smelter Rows, eingepackt in billige Atemfilter, geflickte Thermojacken und jene stumme Erschöpfung, die ein Wesen bekam, wenn sein Leben in Schichten, Quoten und Lohnabzügen gemessen wurde. Nachts fraßen sich die Neonreklamen des Dustmarket durch den Staub, in kranken Farben, die auf rostigen Fassaden flackerten und Dinge versprachen, die auf Cranan 12 immer teurer waren als angegeben: Schlaf, Rausch, Wärme, Medizin, Vergessen.


Ivor Karn hatte in diesem Drecksloch inzwischen vier Wochen verbracht. Vier Wochen waren auf einem Planeten wie diesem genug, um den Husten der Arbeiter von den Lügen der Aufseher unterscheiden zu lernen. Genug, um zu wissen, welcher Sicherheitsmann am Crystal Gate seine Mutter in einem Pflegehabitat auf Arkanis finanzierte, welcher Zwischenhändler am Inducement Plaza seine Bestechungsgelder in Glücksspielchips verwandelte und welcher Bahnmeister an der Red Marker Station jeden dritten Förderzug zehn Minuten zu früh aus dem System loggte. Genug, um aus einem Auftrag eine Untersuchung zu machen und aus einer Untersuchung eine Liste von Namen, Schulden, Gewohnheiten, Angstreaktionen und gebrochenen Versprechen. Er war als Vollstrecker gekommen, mit einem Black-Sun-Auftrag im Gepäck und genug Feuerkraft im Mantel, um aus einem Missverständnis ein lokales Ereignis zu machen. Geblieben war er als Detektiv, widerwillig, schlecht gelaunt und mit jener besonderen Sorte Geduld, die nur Wesen besaßen, die gelernt hatten, dass Gewalt oft am besten wirkte, wenn sie noch im Raum stand und lächelte.

„Vier Wochen für ein verschwundenes Paket“, hatte er am Morgen in den beschlagenen Spiegel seiner Schlafkapsel in Haven 9 geknurrt, während das rote Licht seines Kyberauges zwischen Rostflecken und alten Rasierklingen reflektierte. „Ich werde langsam häuslich. Jemand erschießt mich besser, bevor ich Vorhänge kaufe.“

Niemand hatte gelacht. In den Nachbarkapseln hatten zwei erschöpfte Minenarbeiter geschnarcht, ein Rodianer hatte in ein Tuch gehustet, und irgendwo hinter der Wand hatte eine defekte Heizleitung geklungen wie ein sterbendes Ronto. Ivor hatte trotzdem mit einem müden Grinsen seine Reißzähne präsentiert. Manche Witze waren für die Galaxis gedacht. Andere nur für das eigene Überleben.

Jetzt stand er im Dustmarket, dort, wo die Hauptstraße aus aufgeplatztem Ferrobeton zwischen Ersatzteilbuden, Imbissständen und illegalen Medkiosken hindurchführte, und ließ den Blick über eine Menge gleiten, die zu müde war, um neugierig zu wirken, und zu arm, um ungefährlich zu sein. Sein Kamm ragte über die meisten Köpfe hinweg, knapp über zwei Meter Raubtierkontur unter einem Mantel, dessen Säume vom Säureregen ausgefranst waren. Aschgraue Schuppen zogen sich über seine breite Schnauze, von Narben und alten Brandstellen unterbrochen, während sein organisches Auge in einem matten Orangegelb brannte. Das andere Auge glühte rot in der zerfurchten linken Gesichtshälfte, wo Metall, Kunstnerven und grob eingesetzte Panzersegmente die Erinnerung an einen Thermaldetonator zusammenhielten. Der Cyber-Scanner-Arm an seiner rechten Seite tickte leise, als die Sensoren durch das Gewühl tasteten. Billige Implantate in einer billigen Welt. Es passte zu Cranan 12 wie Dreck unter Fingernägeln. An einem Stand verkaufte eine alte Weequay-Frau aufbereitete Atemfilter, deren Dichtungen so porös wirkten, dass selbst Optimismus hindurchsickern würde. Daneben feilschten zwei Nautolaner um gefälschte Schichtmarken für The Twelve Shafts, während ein Mensch mit glasigem Blick kleine Ampullen gegen Schmerzen anbot, die garantiert halfen, solange man weder Leber noch Zukunft brauchte. Über allem hing der Geruch von altem Frittieröl, heißen Kabeln, nassem Staub, billigem Schnaps und Erzpartikeln, die in jede Falte krochen und den Leuten langsam beibrachten, wie es sich anfühlte, von innen zu rosten.

Seine organischen wie kybernetischen Augen glitten über verschiedene Läden, während er seine Kontakte mental durchging. Da war
Vexa Brill, eine falleenische Barkeeperin aus Haven 9, deren Lächeln sanft genug war, um Männer zum Reden zu bringen, und deren Gedächtnis schärfer arbeitete als jede Kamera im Gildenbezirk. Da war Toorn Pakk, ein Ughnaught-Schrotthändler am Rand des Dustmarket, der angeblich alles besorgen konnte, solange es irgendwann einmal Schrauben besessen hatte. Da war Myr Vanthe, eine menschliche Zollschreiberin am Crystal Gate, deren Loyalität zur Mining Guild immer exakt bis zur nächsten unbezahlten Glücksspielschuld reichte. Und da war Galdren Zoska, Bahnaufseher der Red Marker Station, ein Twi'lek mit schlechten Zähnen, guten Ohren und der Angewohnheit, bei jedem Satz so zu schwitzen, als stünde sein eigener Name bereits auf einem Leichenschein. Aus solchen Leuten baute man auf Cranan 12 Wahrheit. Aus Feigheit, Gier, Sehnsucht, verletztem Stolz und der gelegentlichen Drohung, jemandem das Leben mit einem Lächeln aus den Gelenken zu drehen.

Die verschwundene Fracht war aus dem Excarga Yard gekommen, offiziell eine Reihe falsch verbuchter Erzcontainer, inoffiziell ein Black-Sun-Paket, dessen Inhalt auf keinem Manifest stand und dessen Wert hoch genug war, dass drei Männer inzwischen tot, zwei Datensätze gelöscht und ein Sicherheitsdroide der Mining Guild in Einzelteilen im Abwasserkanal unter The Smelter Rows gelandet war. Der Auftrag war simpel formuliert gewesen: Fracht finden, Beteiligte identifizieren, Schaden begrenzen. Simpel formulierte Aufträge hatten in Ivors Erfahrung dieselbe Verlässlichkeit wie gebrauchte Thermaldetonatoren. Am ersten Tag hatte er geglaubt, irgendein lokaler Frachtdieb habe sich übernommen. Am siebten Tag roch es nach einem internen Leck am Crystal Gate. Am vierzehnten Tag führte die Spur zu einem Zwischenkonto am Inducement Plaza, sauber genug gewaschen, dass nur jemand mit Verwaltungszugang den Dreck darunter hätte verbergen können. Am einundzwanzigsten Tag tauchte eine medizinische Lieferung in Haven 9 auf, bezahlt mit Credits, die aus genau jener verschwundenen Frachtkette stammten. Am achtundzwanzigsten Tag hatte Ivor begriffen, dass jemand die Ware genutzt hatte, um Arbeiterquartiere zu versorgen, Streikzellen zu bewaffnen und Transportpässe für Familien zu kaufen, die aus den Schächten verschwinden wollten, bevor die nächste Quote sie endgültig verschluckte. Das machte die Sache ärgerlich.

Schuldige mit guten Gründen waren die schlimmsten. Sie redeten zu viel, starben schlecht und ließen einem am Ende Gedanken zurück, die sich mit Schnaps allein kaum vertreiben ließen. Ein Hologramm flackerte über einem nahen Verwaltungsmast auf und zeigte das Emblem der Mining Guild, flankiert von einer sanften Frauenstimme, die eine Erhöhung der Sicherheitsstufe im Black Vein Basin als Maßnahme zum Schutz der Arbeitsgemeinschaft bezeichnete. Unten auf der Straße spuckte ein alter Nikto in den Staub. Ein Kind mit zu großen Augen sammelte leere Nährpastebehälter aus einer Rinne, während zwei private Sicherheitskräfte der Gilde vorbeimarschierten, sauber gepanzerte Stiefel, saubere Blaster, saubere Gesichter hinter verspiegelten Visieren. Alles an ihnen sah aus, als wäre es gerade erst ausgepackt worden. Alles um sie herum sah aus, als wäre es schon vor Jahren weggeworfen worden.
Ivor zog den Mantel enger um die Flakweste und ließ die Metallfinger seiner rechten Hand einmal knacken. Das Geräusch ging im Dröhnen eines startenden Erztransporters beinahe unter.

„Na schön, Cranan“, murmelte er und setzte sich in Bewegung. „Zeig mir, wo du deine Leichen versteckst. Ich habe heute gute Schuhe an.“

Sein Ziel lag jenseits des Dustmarket, draußen bei der Red Marker Station, wo die Förderzüge aus The Twelve Shafts kurz hielten, bevor sie Richtung Excarga Yard weiterliefen. Voss hatte endlich geredet. Eine Übergabe sollte stattfinden, spät in der Schichtpause, zwischen zwei Transportfenstern, in einem Wartungstunnel unter Gleis Drei. Angeblich brachte jemand eine Datenspule mit, auf der die echten Frachtumleitungen verzeichnet waren. Angeblich wollte dieser Jemand nur Credits und sichere Passage. Angeblich hatte die Mining Guild keine Ahnung. Ivor glaubte an "angeblich" ungefähr so fest wie an günstige Kybernetik mit lebenslanger Garantie.
Der Weg zur Station führte durch ein Viertel, das auf keiner touristischen Karte existiert hätte, sofern Cranan 12 überhaupt Touristen gesehen hätte, die ihre eigenen Organe behalten wollten. Schlafbaracken standen dort in Reihen wie Strafblöcke, aus dünnem Plasteel, innen feucht vom Atem zu vieler Körper, außen verkrustet vom Staub der Raffinerien. Zwischen ihnen hingen Kabelbündel wie schwarze Lianen. Aus offenen Türen drang das Klappern billiger Geschirrbleche, das Husten von Kindern, das Murmeln alter Holoübertragungen und der Streit von Leuten, denen die Kraft für echte Wut längst fehlte. Über einer Kantine blinkte ein Schild, auf dem ein lächelnder Droide eine dampfende Mahlzeit präsentierte. Darunter löffelten Arbeiter graue Brühe aus Schalen, deren Rand bereits abgeschlagen war. Der Thuggatoris sah hin, länger als er wollte. Vielleicht, weil er aus solchen Rändern kam. Vielleicht, weil jeder Planet seine eigene Art hatte, Wesen klein zu machen. Vielleicht, weil
Dravin Ryk’sa in manchen Nächten mit derselben brüchigen Hilflosigkeit in seinem Stuhl saß wie diese Leute in ihren Kantinen, und Ivor für einen Moment daran erinnert wurde, dass man manche Schulden in keinem System sauber ausbuchen konnte.

Dann vibrierte sein Comlink. Das Signal kam verschlüsselt, dreifach umgeleitet, mit einem Black-Sun-Schlüssel, der alt genug war, um beleidigend zu wirken.
Ivor nahm den Anruf an, ohne stehen zu bleiben.

Eine verzerrte Stimme legte sich in sein Ohr.
„Krayt. Dein Zeitfenster schließt sich. Die Fracht interessiert inzwischen höhere Ebenen.“

„Höhere Ebenen“, knurrte Ivor. „Klingt nach Leuten, die lange genug oben waren, um Höhenangst verdient zu haben.“

„Du wurdest geschickt, um ein Problem zu lösen.“

„Ich löse gerade fünf. Eins davon redet mit mir.“

Ein kurzes Schweigen. Dann: Bring die Ware zurück. Die Umstände sind zweitrangig.“

Der hünenhafte Reptiloide trat über eine Pfütze, in der sich das rote Glimmen seines Kyberauges spiegelte. Für einen Moment sah es aus, als würde etwas Kleines und Böses aus dem Wasser zurückstarren.

„Klar“, sagte er. „Und falls die Umstände anfangen zu schreien?“

„Dann sorg dafür, dass sie leiser werden.“

Die Verbindung brach jäh ab. Ivor blieb erst an der nächsten Kreuzung stehen. Vor ihm ragten die Transportmasten der Red Marker Station aus dem Dunst, schmal, windschief und von Warnlichtern gesäumt, während hinter ihnen die Gleise in Richtung Black Vein Basin liefen, hinaus zu jenem gigantischen Loch, das täglich Maschinen, Knochen und Lebensjahre fraß. Ein Förderzug donnerte in der Ferne über eine Brücke, beladen mit dunklem Erz, das im Licht der Raffinerien wie geronnenes Blut glänzte. Er schob eine CryoBan-Granate tiefer in die Manteltasche, prüfte mit dem Daumen den Sitz der Unterarm-Vibroklinge und ließ den EE-4 Karabiner unter dem Stoff ein Stück gegen den Riemen gleiten. Sein Grinsen kam langsam, breit und hässlich, ein Raubtierausdruck mit zu viel Humor darin.

„Leiser werden“, wiederholte er die Stimme nachäffend und ging auf die Station zu. „Immer dieselbe Musik. Keiner fragt je, ob ich tanzen kann.“

Am Eingang der Red Marker Station standen zwei Gildensöldner unter einem flackernden Heizpilz und versuchten so auszusehen, als hätten sie den Wind, den Staub und die Langeweile unter Kontrolle. Der eine legte die Hand an den Blaster, als er Ivor kommen sah. Der andere erkannte ihn früher. In seinem Helm spiegelte sich der rote Punkt des Kyberauges.

„Karn“, sagte er, und der Name klang in seinem Mund wie eine schlechte Nachricht.

Ivor blieb vor ihnen stehen, groß genug, breit genug und schmutzig genug, um den ganzen Eingang wie eine persönliche Beleidigung wirken zu lassen. Aus dem Inneren der Station wehte kalte Luft, vermischt mit Ozon, Schmierfett und dem metallischen Kreischen alter Bremsen. Irgendwo unter Gleis Drei wartete ein Informant mit einer Datenspule. Irgendwo in den Schatten wartete garantiert jemand mit einer Waffe. Und irgendwo zwischen Fracht, Aufstand, Syndikat und Gilde lag die Wahrheit, eingewickelt in so viele Lügen, dass sie beinahe nach Heimat roch.


Ivor Karn zeigte mit einem Grinsen den beiden Wachen seine Zähne.

„Jungs“, sagte er freundlich, beinahe jovial, „ich bin wegen der Führung hier. Man sagte mir, Cranan 12 hätte unterirdisch einiges zu bieten.“

Der Söldner mit der Hand am Blaster schluckte. Ivor beugte sich ein wenig vor, gerade weit genug, dass das rote Auge in dessen Visier brannte.

„Entspannt euch. Wenn heute alles glattläuft, müsst ihr nur so tun, als hättet ihr mich nie gesehen.“ Sein rechter Arm surrte, als die Metallfinger sich öffneten und wieder schlossen. „Und falls es schiefgeht“, fügte er hinzu, während hinter ihm ein neuer Förderzug durch den Staub heranbrüllte, „habt ihr wenigstens eine verdammt gute Geschichte für die Cantina.“

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Die beiden Gildensöldner wogen einen Augenblick lang ab, wie viel Dienstpflicht ihnen ihr Sold tatsächlich wert war. Es war eine dieser winzigen Pausen, in denen sich auf Cranan 12 ganze Biografien entschieden: Ein Finger zuckte am Abzug, ein Blick glitt zum nächsten Notrufpanel, ein Atemzug blieb hinter einem verspiegelten Helm hängen, und irgendwo hinter den Panzerschichten arbeitete die ganz einfache Erkenntnis, dass ein schlecht bezahlter Wachposten am Ende der Galaxis selten dafür geschaffen war, Legenden aufzuhalten. Der Ältere der beiden trat zuerst zur Seite.

„Gleis Drei ist gesperrt“, sagte er, bemüht, seine Stimme in jenem Bereich zwischen Vorschrift und Selbsterhaltung zu halten, in dem Wachleute überlebten.

Ivor nickte langsam, als hätte er eine komplizierte diplomatische Erklärung gehört.


„Gut“, sagte der massige Thuggatoris. „Dann sind wir uns einig, wo ich hinmuss.“

Er ging an ihnen vorbei, ohne die Schulter einzuziehen. Sein Mantel strich über den Türrahmen, der rechte Metallarm gab ein leises Surren von sich, und hinter ihm sagte keiner der beiden etwas, was man später hätte bereuen müssen. Red Marker Station empfing ihn mit Kälte, altem Licht und dem Geräusch müder Maschinen. Die Halle war kleiner als die meisten Frachtterminals von Guildspine, aber sie trug dieselbe Hässlichkeit im Gesicht, geprägt von verwitterten Durastahlträger, abgeplatzten Warnmarkierungen, vergilbte Streckenkarten sowie lieblosen Automaten mit ausgebrochenen Tasten und Bodenplatten, in deren Ritzen sich Erzstaub, Zigarettenfilter und vertrocknete Blutspritzer zu einer Art planetarem Sediment verbunden hatten. Über den Gleisen hingen Heizstrahler, die eher nach einer Beschäftigungsmaßnahme aussahen, als nach einem wahrhaftig wärmespendenden Konstrukt. Ein paar Arbeiter kauerten darunter, in dicke Jacken gewickelt, Helme auf den Knien, die Augen glasig vom Ende einer Zwölf-Stunden-Schicht. Niemand sah Ivor länger an als unbedingt nötig. Manche Wesen entwickelten auf Welten wie Cranan 12 eine besondere Form von Weisheit, denn sie wussten, welche Gestalten in den Raum gehörten und welche aus einer Geschichte kamen, in der Statisten selten lange Atemluft bekamen.

Eine Durchsage knackte durch die Lautsprecher:
„Förderzug Aurel-Sieben nach Excarga Yard verspätet sich um sechs Minuten. Wartungspersonal für Gleis Zwei bitte zum Entkopplungsbereich.“

Die Stimme klang synthetisch freundlich und damit besonders grausam. Alles auf diesem Planeten besaß die Manieren einer Maschine, die einen beim Sterben um eine Unterschrift bat.

Ivor ließ den Blick durch die Halle gleiten. Sein organisches Auge nahm Gesichter, Haltungen und Fluchtwege auf während das rote Implantat Temperaturunterschiede wahrnahm. Am Getränkeautomaten links saß ein Duros mit zu neuem Mantel. Über dem Ausgang zur Wartungsebene stand eine Gran-Frau, deren drei Augen unterschiedliche Dinge beobachteten. Neben der Treppe zu Gleis Drei lehnte ein junger Mensch mit Gildenhelm unter dem Arm, zu sauber für einen Techniker, zu nervös für einen echten Profi. Drei falsche Flecken in einem schmutzigen Bild.

„Na, ihr hübschen kleinen Zufälle“, murmelte Ivor. „Habt ihr euch extra für mich angezogen?“

Er kaufte sich an einem Automaten einen Becher Kaf, der nach verbranntem Filter, Metall und persönlicher Niederlage schmeckte. Dann stellte er ihn auf den nächsten Abfalleimer und ließ ihn dort dampfen. Der Trick war alt, banal und zuverlässig. Wer auf den Becher sah, wartete auf eine Ablenkung. Wer auf Ivor sah, hatte genug Instinkt, um gefährlich zu werden. Der junge Mensch an der Treppe sah auf den Becher. Ivor lächelte sein breites Raubtiergrinsen.

Im Wartungstunnel unter Gleis Drei war die Luft enger, feuchter und voller Schwingungen. Über ihm liefen Förderzüge mit einer Gewalt durch die Nacht, die den ganzen Gang erzittern ließ. Rostige Rohre schwitzten Kondenswasser. Kabelstränge hingen aus offenen Schächten. Das flackernde Rot der Markierungsleuchten schnitt den Tunnel in kurze, blutige Abschnitte, in denen jede Pfütze wie frische Wunde glänzte.
Galdren Zoska wartete zwischen zwei alten Schalttafeln, wie vereinbart. Der Bahnaufseher sah aus, als habe ihn Cranan 12 bereits halb verdaut und aus Höflichkeit wieder ausgespuckt. Sein Overall war an den Ärmeln durchgescheuert, sein Gesicht hatte die Farbe alter Suppe, und der Blick, mit dem er Ivor empfing, besaß die fiebrige Schärfe eines Mannes, der plötzlich begriffen hatte, dass Gier und Angst selten dieselbe Richtung empfehlen.

„Du bist spät“, zischte Zoska, die olivgrünen Lekku nervös zuckend.

Ivor blieb drei Schritte vor ihm stehen.

„Ich bin dramatisch...“, sagte er. „... und warte nicht gern.“

Zoska fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Hast du die Credits?“

„Hast du die Spule?“

Der Bahnaufseher griff in die Innentasche seines Overalls. Ivors rechter Arm hob sich nur um wenige Zentimeter, beinahe lässig, doch im Gelenk spannte sich genug Gewalt, um einen Schädel gegen die Schalttafel zu drücken, falls Zoska plötzlich zur falschen Art von Bewegung fand. Aus der Tasche kam eine kleine Datenspule, schwarz, verkratzt, mit einem roten Gütesiegel der Minengilde, das jemand mit einem Messer halb weggekratzt hatte.

„Da ist alles drauf“, sagte Zoska. „Frachtcodes, Umleitungen, tote Container, manuelle Overrides am Crystal Gate. Ich habe sogar den internen Marker gefunden. Das Ding lief durch höhere Freigaben.“

„Hoffen wir, dass dein kleines Spielzeug hält, was es verspricht.“, sagte Ivor trocken.

Zoska lachte heiser, einmal, viel zu kurz. Du verstehst das falsch. Das kam von oben und unten zugleich. Jemand aus der Verwaltung hat die Tür geöffnet. Jemand aus den Schächten hat die Ware genommen. Und jetzt zerfleischen sie sich gegenseitig, während die Gilde so tut, als wäre alles ein Buchungsfehler.“

Der Reptiloide nahm die Spule und musterte diese. Sein kybernetisches Auge fokussierte kurz, tastete die Oberfläche ab und registrierte Mikrorisse, Staubanhaftungen, Fettspuren, sogar eine winzige Gravur am Rand. Drei Zeichen, hastig eingeritzt: H9-A. Haven 9. Abschnitt A, natürlich. Er steckte die Spule in eine seiner zahlreichen Taschen in seinem Duster ein.

„Wer hat dich bezahlt, Galdren?“

Zoska schluckte. „Ich will raus.“

„Das war der Wunsch. Ich fragte nach dem Namen.“

Über ihnen donnerte ein Zug vorbei. Die Wand bebte, Staub rieselte aus einer Fuge. In diesem Lärm sah Ivor die Bewegung eher, als dass er sie hörte. Ein Schatten am Ende des Tunnels, ein kurzes Blinken von Optikglas, der matte Lauf eines Blasters hinter einem Rohr. Sein Metallarm riss Zoska am Kragen nach unten, während die erste Salve über sie hinwegbrannte und die Schalttafel in einen Regen aus Funken verwandelte. Voss schrie. Ivor grinste breit, halb in den Staub gedrückt, halb schon in Bewegung.

„Siehst du“, knurrte er, während er den EE-4 unter dem Mantel hervorriss, „genau darum hasse ich Papierkram. Immer kommt jemand mit Korrekturen.“

Er feuerte, bevor der Schütze seinen zweiten Schuss sauber setzen konnte. Der Karabiner bellte in der Enge des Tunnels wie ein wütendes Tier, grünes Mündungsflammen warfen Ivors Schatten riesenhaft gegen die Wand. Der erste Angreifer wurde aus seiner Deckung gerissen und verschwand hinter den Rohren, begleitet von einem metallischen Krachen und einem sehr menschlichen Laut. Zwei weitere Gestalten lösten sich aus der Dunkelheit. Gildensöldner oder Streikzellenkämpfer, die Panzerteile waren zu gemischt, die Bewegungen zu hastig, die Absicht eindeutig genug.

Ivor stieß Zoska hinter einen Wartungskasten und warf sich seitlich in Deckung. Blasterfeuer fraß glühende Löcher in die Wand. Ozon brannte in der Nase. Sein Cyberauge flackerte, korrigierte, flackerte erneut. Für einen halben Herzschlag zog ein Schmerz hinter seiner Stirn auf, heiß und vertraut, wie eine alte Rechnung, die wieder Zinsen verlangte.

„Jetzt gerade?“, fauchte er dem Implantat zu. „Wirklich? Du billiges Stück Banthamist.“

Das Bild stabilisierte sich. Gut genug. Er schnappte sich eine CryoBan-Granate, biss den Sicherungsring mit den Zähnen frei und warf sie flach über den Boden. Sie schlitterte durch eine Pfütze, prallte gegen eine Schiene und detonierte mit einem weißen Atemzug aus Kälte. Frost kroch über Rohre und Stiefel, zwei Angreifer verloren Halt, einer schlug hart gegen eine Strebe. Ivor war bereits über ihnen, Mantel flatternd, Zähne im Licht der Warnlampen, der rechte Arm ein hässliches Versprechen aus Servos und zerkratztem Metall.

Der erste bekam den Kolben des EE-4 ins Visier. Der zweite zog ein Vibromesser, schnell genug für eine Gasse in Haven 9, viel zu langsam für jemanden, der vier Wochen lang gelernt hatte, wie Cranan 12 seine Leute tötete.
Ivors Unterarmklinge sprang heraus und fing das Messer mit einem Kreischen ab. Er trat dem Mann das Knie weg, packte ihn am Brustgurt und schleuderte ihn gegen die Wand.

„Bleib liegen“, sagte Ivor. „Ich möchte ungern eine weitere Witwe meiner Sammlung hinzufügen.“

Dann war es stiller. Nur der Tunnel atmete, die Rohre tropften, Voss wimmerte hinter dem Wartungskasten, und irgendwo in der Station über ihnen begann ein Alarm zu heulen, erst zaghaft, dann mit wachsender Überzeugung. Ivor zog einen der Angreifer am Kragen hoch. Unter dem beschädigten Helm kam ein junges Gesicht zum Vorschein, staubig, blutend, kaum älter als zwanzig. Kein Gildensoldat. Haven-9-Arbeiter. Abschnitt A, vermutlich. In den Augen lag dieser widerliche Mix aus Angst und Entschlossenheit, der jede einfache Lösung ruinierte.

Der junge Mann spuckte Blut auf den Boden.
„Du arbeitest für sie.“

Ivor hielt ihn mit seiner krallenbewehrten Pranke fest, während sein rotes Auge hörbar nachjustierte.

„Junge“, sagte er ruhig, „ich arbeite für Leute, die zahlen. Heute ist dein Glückstag. Ich bin außerdem neugierig.“

„Dann frag die Gilde, was in der Fracht war.“

Ivor beugte sich näher. Der Alarm war inzwischen laut genug, um die nächsten Minuten sehr kompliziert zu machen.

„Ich frage gerade dich.“

Der Arbeiter sah zur Seite, zu Zoska, dann wieder in das rote Licht.

„Medizin“, presste er hervor. „Waffen. Pässe. Und etwas, das sie aus Black Vein Basin geholt haben. Etwas, wofür sie ganze Schichten verschwinden lassen.“

Ivor sagte einen Moment lang gar nichts. Draußen kreischten Bremsen. Schwere Schritte näherten sich über den oberen Gangrosten. Gildenverstärkung, schnell, zahlreich, schlecht gelaunt. Voss kroch aus seiner Deckung, bleich und zitternd.

„Du hast gesagt, du bringst mich raus“, stammelte er.

Ivor sah den Arbeiter an., dann wieder zu dem Twi'lek und dann den Tunnel hinab, wo die roten Lampen wie ein Countdown blinkten. Sein Grinsen kehrte zurück, langsamer diesmal, gefährlicher, mit einem Schatten von Müdigkeit darunter.

„Tja“, sagte er und lud den EE-4 mit einem satten Klicken nach. „Sieht aus, als müsste ich heute aus Versehen ein paar Leben retten. Hasst es, wenn mein Kalender spontan moralisch wird.“

Er packte Zoska am Kragen, riss den Arbeiter auf die Füße und stieß beide in Richtung des seitlichen Wartungsschachts.

„Bewegt euch. Und falls einer von euch lügt, werfe ich ihn dem anderen als Vorspeise vor.“

Dann drehte sich Ivor Karn zur Treppe um, aus der bereits die ersten Helmlampen der Gildensicherheit in den Tunnel schnitten, stellte sich breit in den roten Staub und hob den schweren Mehrlader.

„Na los, Jungs“, rief er in den Lärm. „Cranan 12 wollte mir doch seine Unterwelt zeigen.“

Hinter ihm verschwanden Zoska und der junge Arbeiter im Seitenschacht, stolpernd, fluchend, halb getragen vom eigenen Überlebenswillen, während vor ihm die ersten Gildensöldner durch den Rauch der CryoBan-Kälte brachen. Ivor spürte das alte Kribbeln vor dem Aufprall, dieses hässliche, warme Versprechen von Chaos, das ihm vertrauter war als jedes Zuhause. Das rote Licht seines Cyberauges schnitt durch den Dunst, sein Grinsen wurde breiter, und als die Helmlampen der Männer ihn erfassten, hob er den EE-4 wie einen Toast auf eine Welt, die seit vier Wochen versuchte, ihn zu Tode zu langweilen.

/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Guildspire ʭ Red Marker Station ʭ Wartungstunnel unter Gleis Drei ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und der junge Arbeiter [NPC] \\\
 
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