Ich würde da zwischen „einfach“ und „dünn“ unterscheiden. Die Geschichte von Eine neue Hoffnung ist tatsächlich ziemlich einfach. Ein junger Mann wird aus seinem bisherigen Leben gerissen, trifft auf einen Mentor, findet ein paar Gefährten, rettet eine Prinzessin und hilft am Ende dabei, den großen Sieg gegen einen übermächtigen Gegner zu erringen. Auch die Figuren sind zunächst ziemlich klar gezeichnet. Viel Raum für Grautöne gibt es nicht.
Dünn finde ich den Film deshalb aber nicht. Mich beeindruckt eher, wie viel Lucas in knapp zwei Stunden erzählt, ohne alles ausführlich erklären zu müssen. Luke steht vor den beiden Sonnen und ich verstehe sofort, dass er weg will und sich nach einem anderen Leben sehnt. Han Solo braucht nur wenige Szenen, bis ich weiß, was für ein Typ er ist. Obi-Wan erzählt ein wenig aus der Vergangenheit und schon entsteht der Eindruck einer Geschichte, die weit über diesen einen Film hinausgeht. Auch über das Imperium erfahre ich eigentlich erstaunlich wenig. Trotzdem muss mir niemand lange erklären, wer hier die Bösen sind und warum sie eine Bedrohung darstellen.
Die Frage, wie ich den Film wahrgenommen hätte, wenn ich Star Wars erst als Erwachsener kennengelernt hätte, finde ich trotzdem spannend. Wäre ich 1997 mit Mitte 20 ohne irgendwelche Vorkenntnisse in die Special Edition gegangen, hätte ich wahrscheinlich manches kritischer gesehen. Die klare Trennung zwischen Gut und Böse, einige Dialoge und die sehr klassischen Figuren wären mir vermutlich stärker aufgefallen. Ob mich das Ganze deshalb weniger gepackt hätte, weiß ich allerdings nicht. Schließlich war ich mit 25 auch von Das fünfte Element und Men in Black ziemlich hingerissen. Beide kamen ebenfalls 1997 ins Kino und beide leben nicht davon, besonders komplizierte Geschichten zu erzählen. Sie haben mich mit ihren Figuren, ihren Welten, ihrem Humor und vor allem mit ihrem Einfallsreichtum bekommen. Insofern spricht einiges dafür, dass ich mich auch als erwachsener Neueinsteiger auf Star Wars hätte einlassen können.
Man darf dabei außerdem nicht vergessen, was Eine neue Hoffnung 1977 gewesen ist. Die eigentliche Geschichte war schon damals nicht besonders neu. Die Art, wie sie auf die Leinwand gebracht wurde, dagegen schon. Diese Mischung aus Märchen, Western, Kriegsfilm, Science-Fiction und Abenteuer, dazu das Design, die Effekte und natürlich John Williams Musik, muss damals etwas Besonderes gewesen sein. Heute haben wir außerdem fast fünfzig Jahre Filme, Serien und Spiele gesehen, die von Star Wars beeinflusst wurden. Da kann das Original im Rückblick schnell konventioneller wirken, als es damals tatsächlich war.
Eine einfache Geschichte ist für mich ohnehin nichts Schlechtes. Das habe ich zuletzt auch bei Masters of the Universe gemerkt. Dessen Handlung ist ebenfalls ziemlich simpel und gewinnt sicher keinen Preis für besondere Raffinesse. Trotzdem habe ich mich von dem Film sehr gut unterhalten gefühlt. Mir ist letztlich wichtiger, was ein Film aus seiner Geschichte macht, ob die Figuren funktionieren, ob mich die Welt interessiert und ob ich mich auf das Abenteuer einlassen kann. Eine komplizierte Handlung macht einen Film schließlich nicht automatisch besser.
Deshalb würde ich Episode IV durchaus als einfach bezeichnen, aber eben nicht als dünn. Für mich gehört es sogar zu den großen Stärken des Films, wie schnell aus dieser überschaubaren Geschichte eine riesige Welt entsteht. Und manchmal ist eine gut erzählte einfache Geschichte eben mehr wert als eine komplizierte, die sich selbst im Weg steht.