So, ich habe es auch endlich geschafft, mir Die Odyssee anzusehen. Selbst fast 3 Monate nach dem Kinostart war der Saal unter der Woche noch fast zur Hälfte belegt.
Ich fand den Film sehr beeindruckend und die knapp drei Stunden vergingen erstaunlich schnell und ohne, dass ich mich gelangweilt hätte. Die Bilder waren beeindruckend, der Sound ebenso. Besonders die Szenen in der Höhle des Zyklopen, dessen Schreie und sein Gemurmel waren zum Teil wirklich beängstigend. Ein Gespräch zwischen Polyphem und Odysseus hätte da einiges von der bedrohlichen Stimmung zerstört, und daher war es eine schmerzliche aber auch nachvollziehbare Entscheidung, auf "Niemand" zu verzichten. Den Ansatz, Odysseus als vom Krieg und seinen Irrfahrten gebrochenen Mann darzustellen fand ich ebenfalls einen spannenden und zeitgemäßen Ansatz. Das Thema der Gastfreundschaft und des friedlichen Zusammenlebens, im Film als "Gesetz des Zeus" bezeichnet, zieht sich durch die gesamte Geschichte. Vor diesem Hintergrund ist Odysseus innerer Konflikt sehr glaubhaft, dass ausgerechnet er, der sogar seiner Jagsbeute immer eine faire Chance gibt, mit einer List den Fall Trojas herbeigeführt hat, statt mit einem fairen Kampf. Die Pointe, dass die von den daheim Gebliebenen die nach 10 Jahren Krieg verrohten Heimkehrer als die gefürchteten "Völker von der See" wahrgenommen werden, ist ein sehr guter Twist.
Die historischen Ungenauigkeiten und der Cast haben mich kein Stück gestört. Homers Odyssee ist kein Tatsachenbericht, sondern ein Mythos, letztlich ein Märchen, in dem es von Göttern, Sagengestalten und Hexen nur so wimmelt. Insofern muss eine Verfilmung auch keine Doku sein. Dass Nolan gleichzeitig den Fantasy-Anteil so gering wie möglich hält, und quasi garkeine Götter - außer in Gesprächen oder Odysseus Athene-Vision - auftreten lässt, ist der Ernsthaftigkeit des Grundthemas geschuldet. Die Darsteller fand ich alle solide, auch wenn jetzt kein oscarreifer Auftritt dabei war.
Alles in allem drei Stunden beste Kinounterhaltung.
C.