Die Diskussion ist ja mal super spannend! Die moralische Komponente des Angriffs der Neuen Republik wird uns viel Potenzial bieten und zeigt, dass auch eine Demokratie, bzw.
die Guten™ nicht immer moralisch gute Entscheidungen treffen, auch wenn sie moralisch gute Intentionen gehabt haben dürften.
Die Frage, die aber dann immer noch im Raum steht, ist, ob es in der GFFA überhaupt formale Kriegserklärungen vor einem Angriff gibt - und das ist relevant dafür, wie man den Angriff bewertet.
Die Lage ist, in Ermangelung eines Star Wars spezifischen Worts, völkerrechtlich (gemäß es gäbe ein Pendant in der GFFA) knifflig. Die Liste der Versuche Kriege als "gerecht" und "richtig" einzustufen, sind so alt wie die Menschheit selbst (
bellum iustum usw.), aber mit der UN Charta wurde dies erstmals international anerkannt beschlossen. Wie gut das klappt, ist eine andere Sache, die hier nicht den Raum benötigt, da das hier kein TaPo Thread ist. Auch die kriegsrechtliche Frage, ob Präventivkriege erlaubt sind, obwohl nach internationalem Recht nur Verteidigungskriege legitim sind, führt zu weit, ist aber faktisch gesehen eine Argumentationsmöglichkeit für die Neue Republik im PSW diesen Angriff zu begründen.
Stattdessen ist die Transferleistung nach dem UN Pendant in der GFFA zu suchen und das ist die Alte Republik. Dort trafen (beinahe) alle Spezies der Galaxis im Senat zusammen und verhandelten Rechte und Gesetze, Probleme und Konflikte aus (siehe Episode I). Diese Ordnung zerbrach, als Darth Sidious (bzw. die PSW Version) die Alte Republik zum Galaktischen Imperium transformierte und den (Imperialen) Senat auflöste.
Was also bleibt? Kriegsrecht und Friedensschlüsse gab es bereits auf interplanetarer Ebene, das heißt ein gewisses Verständnis von Kriegserklärungen etc. dürfte es in der GFFA geben. Allerdings auch Kriege, die ohne formale Kriegserklärung gestartet wurden, siehe den Großen Galaktischen Krieg aus Star Wars: The Old Republic:
"But it would not ultimately be conclusive. While a strategic defeat for the Republic, the end of the war left both powers standing, engaged in an
undeclared conflict for supremacy on numerous disputed worlds."
Wenn also dort von "undeklarierten Konflikten" die Sprache ist, muss es auch offiziell deklarierte Konflikte geben.
Ein Beispiel mit gewissen Ähnlichkeiten aus dem Legends zur hiesigen Situation stellt der
Sith-Imperiale Krieg dar, in dem das Galaktische Imperium unter Roan Fel die Galaktische Allianz (Nachfolger der Neuen Republik) angriff, als vermeintliche Biowaffenangriffe der Yuuzhan Vong zahlreiche Welten verdörrten. Ein Biowaffenangriff, der für einen Kriegsausbruch taugt, ist also dort in ähnlicher Weise valide gewesen. Ich möchte hier natürlich nicht unterschlagen, dass die vermeintlichen Biowaffenangriffe von Sith manipuliert waren um einen Kriegsgrund zu geben, etwas dass ich unseren Jedi nicht vorwerfen würde.
Auch die Klonkriege, so fingiert sie auch waren, begannen offiziell mit der Schlacht von Geonosis, weil zwei Jedi gefangen genommen wurden und diese befreit werden sollten. Der Übertrag aufs PSW ist hier also, dass es durchaus auch in der GFFA legitim erschien einen militärischen Konflikt zu beginnen, um Jedi (in ihrer Position als Hüter der Republik) zu schützen.
Ich persönlich finde für das Rollenspiel interessanter, wie die Charaktere nach ihrem eigenen moralischen Kompass diese Kriegserklärung bewerten. Denn auch wenn ein Krieg vermeintlich rechtens oder illegal ist, kann die Bewertung dessen ganz individuell ausfallen und demgemäß auch inplay für super Diskussionsstoff sorgen. Ich denke auch, dass es gar nicht so abwegig ist, dass egal was der offizielle legale Status ist, auch in der GFFA mit Halbwissen der Charaktere agiert werden kann, die überzeugt sind, dass es absolut gerechtfertigt/ungerechtfertigt ist und wir auch keine definitive Antwort benötigen, ob es nun legal/illegal war.
Zuletzt wollte ich noch meinen Dank der OL und der Spielleitung dafür aussprechen, dass sie das rege Interesse der Spielerschaft aufgenommen und (moderiert) ihren Lauf gelassen hat, um uns die Möglichkeit zu geben über dieses doch recht komplizierte Themenfeld von Krieg und Frieden gemeinsam auszutauschen. Ich fand das sehr bereichernd und freue mich auf die inplay ausgespielten Konfrontationen militärischer Natur wie auch über die Bewertung dieser Frage im Senat und woanders.
