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Brasso Nunkai stellte sich ein weiteres Mal vor und diesmal deutete Tenia eine leichte Verbeugung an. Jetzt, da sie ihn das erste Mal genauer ansehen konnte, waren da viele kleine Details die ihr jetzt erst bewusst wurden, oder die noch deutlicher hervortraten. Der Mann vor ihr wirkte wie jemand, der das raue Leben auf der Straße kannte oder wie jemand, der hart und viel gearbeitet hatte. Sein Gesichtsausdruck, die sichtbaren Narben, ja seine ganze Haltung deuteten darauf hin. Obwohl Brasso groß war, wirkte er beinahe klein, denn er stand nicht ganz aufrecht und Tenia war sicher, dass das nicht mit der Schlägerei von eben zu tun hatte. Sie konnte nicht einschätzen, wie alt ihr Gegenüber war, sie hatte noch immer keine Ahnung, welcher Spezies Brasso angehörte. Doch Tenia war überzeugt, dass Brasso jünger war, als sie ihn schätzen würde. Ihr Blick wanderte schließich zu der Händlerin. „Ich danke Euch, dass ihr geblieben und geholfen habt“. Sie hätte genausogut die Flucht ergreifen können, vielleicht schon lange bevor die Halunken ihr Spiel getrieben hatten. Doch die Händlerin war geblieben, war noch immer hier.

Waren Schmerzen ehrlich, wie Brasso erwähnte? Vielleicht. Aber oft genug waren sie nur eine Andeutung dessen, was wirklich war oder kam. Ihre eigene Narbe war das beste Beispiel dafür. Als die Blitze von Zion sie getroffen hatten, war der Schmerz unerträglich gewesen. Das was sie ausgelöst hatten, die Narbe, war bis dahin nicht zu erahnen gewesen. In jedem Fall lag auch das in der Vergangenheit. Gas, Dämpfe und Bracca (Tenia wusste nicht, was das war), lagen wohl auch in der Vergangenheit, die, wie der andere richtig feststellte, das Schiff nicht verändern würde.
„Ich schätze, nichts verändert die Vergangenheit.“ Kein Wunsch, kein Wesen, kein Jedi, niemand. Das, was war, war. Es lies sich nicht verändern und das zu akzeptieren war das Beste, was man tun konnte. Es galt das Jetzt zu verändern und genau das tat Brasso, der seinen Wagen reparieren wollte. Steven und Tenia brauchten ihre Hilfe gar nicht erst anzubieten – die Griffe des anderen waren so geschickt und flink, dass sie ihm vermutlich nur im Weg gestanden hätten.
Dass sie Gauner von eben wieder kommen würden, war leider mehr eine Sicherheit als eine Befürchtung und so warf Tenia Steven einen Blick zu. Sie würden nicht ewig hier bleiben können, aber vielleicht waren diese zwei Tage eine Option? Eigentlich gefiel Tenia der Gedanke nicht, zwei Tage zu bleiben, um dann wieder mit der Gewissheit zu verschwinden, dass wieder alles seien gewohnten Bahnen gehen würde. Aber auch diese Tatsache war eine, die es besser zu akzeptieren galt.
„Wisst ihr, mit welchen Leuten wir sprechen sollen?“ In diesem Stadtteil gab es so viele, dass es unmöglich sein würde, die „richtigen“ Leute anzusprechen. Vermutlich hatte jeder, der hier Handel trieb schon einmal ein Problem gehabt.

Es war gut, dass Brasso Nunkai seine Lunge prüfen lassen würde, doch seine Metapher über Hoffnung und Credits, vor allem aber seine Aussage darüber, dass er nicht einfach gehen würde, nun, das war weniger gut. Auch wenn ihn ehrte, jeden Ort ein bisschen besser machen zu wollen – klug war das nicht. Tenia überlegte, ob sie ihm offen widersprechen sollte und sah noch einmal kurz zu Steven. Sie wollte nichts Falsches sagen, aber auch nicht schweigen. Irgendwie funktioniert leider nicht immer“, war das Einzige, was ihr einfiel. Die Nullianerin war noch nie sonderlich geschickt darin gewesen, diplomatische Worte zu finden. Sie wollte den anderen nicht belehren, vor allem nicht, da er wirkte, als hätte er einen Haufen Lebenserfahrung.

„Wir werden morgen früh da sein.“ Beinahe hätte sie erneut zu Steven gesehen, immerhin entschied sie gerade für ihn, aber vielleicht war das etwas, was sie später noch besprechen konnten.


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Der Morgen kam nicht mit einem Versprechen, sondern mit Arbeit. Ketaris Prime roch um diese Stunde nach feuchtem Stein, kaltem Metall und dem fernen Hauch von Gewürzen, die erst später ihre Schärfe entfalten würden. Das Handelsforum lag noch halb im Schlaf, die Gassen gedehnt wie Glieder nach einer Nacht auf hartem Boden. Brasso Nunkai war bereits wach gewesen, lange bevor das Licht zwischen die Dächer kroch. Sein Atem brauchte Anlauf, wie immer, ein flaches Tasten, bis die Lunge den Takt fand, den sie ihm noch zugestand. Er blieb einen Moment stehen, die Stirn gegen das kühle Blech der Werkhallentür mit dem grünen Glas gelehnt, und hörte dem Viertel zu. Tropfen. Ein frühes Hoverfahrzeug. Schritte, vorsichtig, nicht neugierig. Der Takt war da. Nicht gut. Aber brauchbar.

Er dachte an die Namen, die er gestern gehört hatte.
Steven Crant. Tenia Lumiran. Sie hatten Gewicht. Nicht wie Titel, eher wie Werkzeuge, die man nicht jeden Tag in der Hand hielt. Jedi. Das Wort hatte sich erst spät in seinem Kopf festgesetzt, nicht mit Ehrfurcht, sondern mit Vorsicht. Macht war etwas, das Dinge schneller kaputtmachen konnte, wenn man sie falsch ansetzte, so wie bei einem Hebel zu viel Gewicht und Kraft zu verwenden, sodass dieser abbricht. Aber gestern hatten sie nicht gedrückt. Sie hatten gestanden und war das, was zählte.
Brasso zog die Handschuhe über, prüfte die Riemen der Stromlanze, ließ sie hängen. Heute würde er sie nicht brauchen, wenn alles gut lief. Er trat hinaus in die Gasse, die gestern noch ein trockener Fluss gewesen war. Jetzt trug sie Bewegung. Ein Duros schob Kisten, eine alte Frau kehrte den Staub zusammen, als könne man ihn bändigen, wenn man ihn nur ordentlich sammelte. Die Händlerin von gestern war schon da. Ihr Karren stand ruhig, die Keile hielten. Sie sah Brasso kommen und nickte, ein Nicken, das mehr sagte als Dank.

„Hält“, sagte er, mehr zur Halterung als zu ihr.

„Hält“, antwortete sie und lächelte, klein, aber echt.

Er machte sich auf den Weg zum westlichen Sammelschacht. Zwei Ebenen tiefer wurde der Lärm dumpf, wie er gesagt hatte. Die Filterleitung war alt, die Dichtung spröde, das Gehäuse müde. Brasso arbeitete langsam, mit Respekt vor dem Material. Er sprach leise mit der Leitung, wie man es tat, wenn man wollte, dass etwas mitarbeitete. Fünf Schraubzüge, neue Lastverteilung. Der Rost gab nach. Der Husten meldete sich, er ließ ihn warten. Nicht jetzt. Als er fertig war, setzte er sich auf den Rand des Schachts, trank einen Schluck, sah dem Dampf zu, wie er sauber abzog. Ein paar Arbeiter hatten stehengeblieben, beobachteten, nickten. Einer fragte nach dem Trick. Brasso erklärte ihn, ohne Geheimnis. Wissen hielt länger, wenn man es teilte. Er dachte an die Frist. Zwei Tage. Heute war der erste. Die Drei würden nicht kommen, zumindest nicht offen. Vielleicht ein Blick zu viel, ein falsches Gerücht, ein Preis, der plötzlich kippte. Er würde zuhören. Das Prinzip des Scanners war kein Gerät. Es war Aufmerksamkeit.

Als er zurück nach oben kam, stand das Licht schon höher. Die Gasse war wieder Markt. Stimmen, Schritte, das Klacken von Kisten. Und am Ende der Gasse, nicht drängend, nicht protzend, sah er sie. Jedi Ritterin
Tenia Lumiran. Sie stand, wie sie bereits am Vortag gestanden hatte. Diese Gravitas, diese Körperhaltung. Wesen, die es nicht mehr gewohnt waren gebückt und geduckt durch das Leben zu gehen. In seinen Augen war dies Segen und Fluch zugleich. Brasso blieb einen Moment stehen, ließ die Lunge nachziehen, dann ging er auf sie zu.

„Morgen,“ sagte er schlicht. „Ich hoffe eure Nacht war angenehm.“ Er deutete mit dem Kinn zur Gasse.

„Wir fangen klein an. Zwei Gespräche. Drei, wenn sie bleiben. Danach sehen wir, was der Markt uns sagt.“ Er wartete nicht auf Zustimmung. Er ging los, langsam genug, dass sie mitgehen konnten. Nicht voran, sondern im Gleichschritt neben der Menschenfrau.

„Wo ist denn euer Begleiter?“, sprach Brasso die Abwesenheit des anderen Jedi an.

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