Kolonie-Planet 1

[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie-Planet 1 | Administrationssektor | Militärischer Bereich | Versios Büro] Garrick Versio

Als sich die Tür seines Büros hinter ihm verriegelte, blieb Garrick Versio für einen Moment regungslos stehen. Das Summen der Beleuchtung, das leise Klicken der Klimaanlage und die entfernten Schritte eines Wachpostens auf dem Korridor waren die einzigen Geräusche, welche die Ruhe des militärischen Bereiches durchbrachen. Er legte das Datenpad auf den Schreibtisch, zog langsam die Handschuhe aus und warf einen kurzen Blick aus dem schmalen Fenster hinaus in die künstlich beleuchtete Nacht des Administrationssektors. Selbst jetzt, zu einer Stunde, in der auf den Kernwelten längst die wichtigsten Büros leer gewesen wären, arbeitete die Kolonie weiter. Lastengleiter bewegten Material zwischen den Hallen, Schichten wurden gewechselt, Wachmannschaften marschierten ihre Routen. KP-1 war noch jung, roh und unvollständig, doch sie lebte. Gerade deshalb war sie verwundbar. Versio setzte sich, rief die Übersichten der einzelnen Sektionen auf und las sie mit derselben nüchternen Aufmerksamkeit, mit der andere Männer vielleicht ein Spielbrett oder ein Kunstwerk betrachtet hätten. Sensorik, Taktik, Maschinenraum, Versorgung, Rekrutierungsstelle, planetare Orbitalabwehr. Nichts davon war katastrophal, aber fast alles war unzureichend, wenn man es nicht an dem maß, was die Kolonie gestern gewesen war, sondern an dem, was sie morgen werden sollte. Zwei Verteidigungssatelliten, mehrere Sensorikplattformen, die Victory als einziges wirklich kampffähiges Schiff im System und ein wachsender Strom ziviler und halbprivater Transporte. Das war kein Verteidigungskonzept, das war eine Zwischenlösung. Er tippte einige Anmerkungen in sein Pad, strukturierte sie in die Ordnung, die er am nächsten Mittag mit seinen Offizieren besprechen wollte, und hielt dann inne, als ein Bericht des Kommunikationsdienstes eingeblendet wurde. Zwei Konvoianfragen aus dem inneren System, dazu ein Ersuchen der Fourb-Gruppe nach zusätzlicher Sensorpriorisierung entlang einer Transportroute zu einer ihrer Anlagen. Versio verzog kaum sichtbar den Mund. Von Bühl verstand es, Forderungen stets so zu formulieren, als handle es sich um eine Selbstverständlichkeit im Interesse des Imperiums. Vielleicht war es das sogar. Vielleicht aber auch nur im Interesse der Fourb-Gruppe. In einer Kolonie wie dieser waren wirtschaftliche Notwendigkeit und politischer Einfluss niemals sauber voneinander zu trennen.Er öffnete die Akte der Gouverneurin und legte sie neben die Planungen der Flotte. Viola Winters dachte in klaren Linien und harten Prioritäten. Das schätzte er an ihr, auch wenn es die Zusammenarbeit nicht immer leichter machte. Winters wollte Ordnung, Geschwindigkeit und sichtbare Resultate. Sie akzeptierte keine Verzögerungen, keine Unklarheiten, keine Schwäche. In den Grundzügen entsprach das durchaus seinem eigenen Verständnis von Dienst, doch es bedeutete ebenso, dass jeder Vorschlag, den er ihr unterbreitete, bereits ausformuliert, begründet und praktisch umsetzbar sein musste. Für theoretische Erörterungen gab es in dieser Kolonie keinen Raum. Ein Summer an der Tür unterbrach seine Gedanken.

„Herein.“
Der diensthabende Unteroffizier trat ein, salutierte knapp und hielt ein versiegeltes Datacard-Gehäuse in beiden Händen. „Sir, eine Prioritätsnachricht von der Victory. Lieutenant Commander Sloane ließ ausrichten, dass sie zwar keine sofortige Entscheidung erfordert, aber noch heute Ihre Kenntnisnahme.“
Versio nahm die Karte entgegen. „Gut. Rühren.“

Der Unteroffizier verschwand, und wenige Sekunden später erschien auf dem Projektor über dem Tisch das Gesicht seiner XO in sachlicher Aufzeichnung. Rea Sloane stand auf der Brücke, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, die Haltung straff.
„Sir, ich habe die Rundgänge abgeschlossen. Die Moral der Mannschaft ist stabil, der Landgang zeigt Wirkung. Im Maschinenraum gibt es keine kritischen Ausfälle, Lieutenant Gray bittet jedoch um Priorität für zusätzliche Ersatzteile an den Schildemittern. Zudem habe ich die beiden Rekruten, die der Wachbrücke zugeteilt wurden, in den regulären Beobachtungsdienst eingewiesen. Beide wirken brauchbar, aber unerfahren. Ferner hat die Sensorik erneut schwache Kontakte an der äußeren Systemgrenze erfasst. Kein eindeutiges Bedrohungsprofil, keine aktive Annäherung. Ich habe Beobachtung befohlen und die Alarmbereitschaft der Jäger unangetastet gelassen.“
Das Bild erlosch. Versio stützte die Ellbogen auf den Tisch und dachte nach. Wieder Sensorflecken. Wieder Dinge, die noch nicht gefährlich genug waren, um sofort zu handeln, aber lästig genug, um sich im Kopf festzusetzen. Der unbekannte Raum verzieh keine Nachlässigkeit; und Piraten, Kundschafter oder opportunistische Händler rochen Schwäche meist eher, als Sensoren sie erfassen konnten. Er stellte ein neues Dokument zusammen und überschrieb es mit einer kurzen, nüchternen Zeile: Maßnahmenkatalog Sicherung Koonie. Darunter ordnete er Punkt für Punkt an: Ausbau der Orbitalverteidigung. Rotationsplan für Konvoischutz. Ausbildung von Nachwuchspersonal an Bord der Victory. Besetzung zukünftiger Versorgungsplattform. Klärung der Zuständigkeiten zwischen Gouverneurin, Armee und Flotte im Krisenfall. Abstimmung mit Fourb über Sicherheitsleistungen für Unternehmensanlagen. Kein schöner Text, kein politisches Papier. Ein Werkzeug.
Dann ließ er sich die Personalakten jener Kadetten und Rekruten anzeigen, welche in der Kolonie bereits registriert waren und für eine spätere Offizierslaufbahn in Frage kamen. Die Kolonie besaß nun ein Rekrutierungsbüro, doch Rekrutierung allein schuf keinen brauchbaren Offizier. Wer Raumverteidigung in einem Grenzraum kommandieren wollte, brauchte Disziplin, Nerven und die Fähigkeit, auf unvollständige Informationen zu reagieren, ohne dabei die Ordnung zu verlieren. Versio machte sich zu drei Namen Notizen und schob die Datensätze in einen separaten Ordner. Er arbeitete noch fast eine Stunde weiter, bis die erste Fassung seiner Lageeinschätzung stand. Danach erhob er sich, ging zum Fenster und sah erneut hinaus. In der Ferne blinkten die Lichter der Landeplattformen, darüber, kaum sichtbar, der dunkle Himmel, in dem die Victory wie ein stummer Wächter im Orbit lag. Dieses System war klein. Es war unfertig. Es war in den Augen der Oberkommandos vermutlich entbehrlich. Aber es war ihm unterstellt, und das genügte.

Versio aktivierte das Interkom. „Verbindung zur Victory. Lieutenant Commander Sloane.“

Es dauerte nur wenige Sekunden. Dann erklang ihre Stimme. „Sloane.“

„Morgen beginnen wir nicht nur mit der Besprechung“
, sagte er ruhig. „Stellen Sie zusätzlich für die nächsten Tage ein Ausbildungsprogramm für vier Kadettenanwärter zusammen. Brücke, Sensorik, Gefechtsstand und Schadensabwehr. Ich will Reserven aufbauen, bevor wir sie brauchen.“
„Jawohl, Sir.“
„Und lassen Sie die Sensorik die schwachen Kontakte weiterverfolgen. Ohne Provokation, aber ohne Nachlässigkeit.“
„Bereits veranlasst.“
„Sehr gut.“


Er beendete die Verbindung, zog die Uniformjacke wieder glatt und sammelte seine Unterlagen ein. Morgen würde er Forderungen stellen müssen, Kompromisse ablehnen, Zuständigkeiten festnageln und vielleicht auch neue Feinde benennen, bevor diese überhaupt den Mut hatten, sich offen zu zeigen. Doch genau dafür war er hier.Mit einem letzten Blick auf das gedimmte Büro löschte Garrick Versio die Projektionen und verließ den Raum.

[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie-Planet 1 | Administrationssektor | Militärischer Bereich | Gang] Garrick Versio
 
[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie-Planet 1 | Administrationssektor | Militärischer Bereich | Lagezentrum] Garrick Versio, Rea Sloane, Leighton Bennett, Brody Gray, Elliot Michell, Harrison Armstrong, weitere leitende Offiziere

Am nächsten Mittag war der Besprechungsraum des militärischen Lagezentrums bis auf den letzten Platz, mit den leitenden Offizieren der Victory, gefüllt. Ein langer Tisch aus dunklem Metall dominierte den Raum, darüber schwebte bereits das Hologramm des Systems: die blasse Sonne, die markierte Umlaufbahn von KP-1, die beiden Verteidigungssatelliten, die Sensorsatelitten, das Provisorischeraumdock und die Position der Victory. Garrick Versio wartete, bis auch der letzte Offizier eingetroffen war, bevor er sich langsam vom Kopf des Tisches erhob. Seine Hände lagen hinter seinem Rücken, die Haltung gerade, die Miene so ruhig, dass sie fast kühl wirkte.

„Meine Herren. Lieutenant Commander Sloane“

begann Versio ohne jede Einleitung

„Wir verschwenden keine Zeit. Diese Besprechung dient nicht der Höflichkeit, sondern der Feststellung eines Problems und der Umsetzung seiner Lösung.“

Ein kurzes Nicken seiner XO genügte, und die Anzeige wechselte zu einer Zusammenstellung von Meldungen, die jeder im Raum bereits kannte, aber nun in ihrer Gesamtheit sehen musste. Zivile Verkehrszahlen stiegen. Die Zahl der Materialtransporte nahm zu. Die Fourb-Gruppe und weitere Investoren weiteten ihre Aktivitäten aus. Sensorische Auffälligkeiten an der Systemgrenze hatten zugenommen. Gleichzeitig verfügte die Kolonie trotz aller Fortschritte weiterhin nur über eine begrenzte militärische Präsenz. Versio tippte auf den Projektor. Sofort erschien die Victory in hervorgehobener Darstellung.

„Aktuell ist dieses Schiff die einzige echte Reaktionsreserve der Kolonie. Das ist keine Stärke. Das ist ein Risiko. Solange wir das nicht ändern können, müssen wir unsere Abläufe so disziplinieren, dass aus einem einzelnen Schiff ein belastbares Verteidigungsinstrument wird.“

Leighton Bennett räusperte sich leicht.

„Sir, wenn ich einwerfen darf: Unsere Feuerkraft reicht gegen verschiedenste Arten von kleineren Verbänden, bewaffnete Transporter oder Gruppen von Verbrechern ohne schwere Unterstützung aus. Das Problem ist nicht die einzelne Gefechtslage, sondern die Fläche. Wir können nicht gleichzeitig Konvois absichern, den Orbit halten und auf einen Notruf außerhalb der unmittelbaren Umgebung reagieren.“

„Korrekt“


erwiederte Versio knapp.

„Und genau deshalb ändern wir nicht die Realität, sondern unseren Umgang mit ihr.“

Er ließ eine neue Grafik einblenden: Alarmketten, Einsatzsektoren, Prioritäten. Der amtierende Kommandant der Bodentruppen der Victory, Major Armstrong, erhielt die Zuständigkeit für abgestufte Bereitschaftsmaßnahmen in der Kolonie. Lieutenant Gray sollte eine Liste mit allen technischen Engpässen ausarbeiten, die bei längeren Alarmflüge der Victory kritisch werden könnten.Lieutenant Commander Bennett bekam den Auftrag, Abfangprotokolle für unidentifizierte Kontakte zu standardisieren. Sloane würde die Schichtpläne der Brücke so anpassen, dass jederzeit erfahrenes Personal auf den Schlüsselpositionen saß. Einer der jüngeren Navigationsoffiziere meldete sich zu Wort.

„Sir, rechnen Sie mit einem unmittelbaren Angriff?“

Versio sah ihn so lange an, bis der Mann die Schultern unmerklich straffte.

„Ich rechne mit der typischen Schwäche krimineller Elemente“

antwortete er dann trocken.

„Sie greifen dort an, wo sie Unordnung vermuten, nicht dort, wo sie Widerstand erwarten. Unsere Aufgabe ist es daher, jede relevante Annäherung als Fehler erscheinen zu lassen.“

Ein leises, zustimmendes Murmeln ging durch den Raum. Sloane blendete daraufhin die Konvoirouten ein, insbesondere jene, die innerhalb des Systems zur Fourb-Anlage und zu den provisorischen Außenposten führten. Mehrere Linien waren markiert, an einigen blinken kleine Warnsymbole.

„Wir haben hier drei Routen mit erhöhtem Risiko. Nicht weil bereits Angriffe erfolgt wären, sondern weil die Wege lang genug sind, um durch bloße Präsenz verunsichert zu werden. Sensorik ist dort unvollständig. Zudem gehen wir davon aus, dass Transporte oft zu geregelten Zeiten aufbrechen, was Muster erzeugt.“
„Dann durchbrechen wir diese Muster, Abfahrtszeiten variieren. Kommunikationsdisziplin wird verschärft. Jeder zivile Konvoi, der imperiale Begleitung fordert, hat sich den militärischen Vorgaben zu unterwerfen. Keine Ausnahmen wegen wirtschaftlicher Bequemlichkeit.“


Gray hob kurz das Kinn.

„Die Fourb-Leute werden darüber nicht erfreut sein.“
„Sie müssen nicht erfreut sein, sie müssen lediglich gehorchen, solange sie imperialen Schutz beanspruchen.“


Einige Sekunden lang herrschte Schweigen. Dann legte Versio die Hände auf den Tisch und beugte sich leicht nach vorn.

„Es gibt einen zweiten Punkt. Personalaufbau. Wir haben mit dem Rekrutierungsbüro erstmals die Möglichkeit, Nachwuchs vor Ort zu sichten. Ich werde vier Kadettenanwärter über mehrere Tage an Bord der Victory ausbilden lassen. Nicht aus Großzügigkeit, sondern weil diese Kolonie in naher Zukunft entweder mehr Verantwortung oder mehr Personal erhalten wird. In beiden Fällen brauchen wir Leute, die nicht erst dann lernen, wenn die Schüsse fallen.“

Sloane bestätigte das mit einem knappen Nicken. Bennett schien interessiert, Michell eher skeptisch.

„Sir, Kadetten sind an Bord in Alarmzeiten auch ein Sicherheitsrisiko.“
„Dann sorgen wir dafür, dass aus Sicherheitsrisiken brauchbare Offiziere werden, in kontrollierten Abläufen. Ohne jede Nachsicht bei Fehlern.“


Niemand widersprach. Es war genau die Art von Satz, bei der jeder wusste, dass weitere Einwände nicht erwünscht waren. Im zweiten Teil der Besprechung wurden Details festgelegt. Welche Abteilungen im Notfall welchen Abschnitt des Planeten priorisieren sollten. Wie schnell Landungsschiffe bemannt werden konnten. In welchem Rahmen die Bodentruppen von Colonel Vogelberg eingebunden wurden, ohne dass die Flotte in planetare Routineaufgaben abglitt. Versio notierte mehrere Punkte, die mit der Gouverneurin abgestimmt werden mussten. Besonders die Finanzierung zusätzlicher Plattformen und Satelliten würde nicht allein über das Militär zu lösen sein. Als die wichtigsten Beschlüsse gefallen waren, stand er wieder auf.

„Sie erhalten bis Morgen früh Zeit die schriftlichen Anordnungen fertigzustellen. Ab sofort gilt: Keine Meldung über Unbekanntkontakte bleibt unbearbeitet. Keine Route wird aus Gewohnheit genutzt und kein Offizier in diesem Raum verwechselt die relative Ruhe im System mit Sicherheit.“

Er sah in die Runde, langsam und kontrolliert.

„KP-1 ist kein Paradeprojekt im Kern der Zivilisation. Es ist ein Vorposten, den wir ausbauen wollen. Genau deshalb wird man uns prüfen. Durch Zufall, durch Gier oder durch Kalkül. Ich beabsichtige nicht, jemanden lernen zu lassen, dass diese Kolonie leicht zu übernehmen ist.“

Mit einer knappen Geste entließ er die Offiziere. Stühle rückten, Datenpads wurden aufgenommen, kurze Saluts wurden ausgetauscht. Nur Sloane blieb noch einen Moment.

„Die Gouverneurin?“
„Morgen und danach von Bühl. Beide müssen verstehen, dass Schutz kein dekorativer Begriff ist.“
„Und wenn sie das nicht wollen?“


Versio nahm sein Datapad.

„Dann werden sie es dennoch akzeptieren müssen.“

Damit verließ er den Raum, während hinter ihm bereits die ersten Offiziere damit begannen, seine Anordnungen in Arbeitsabläufe zu übersetzen.

[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie-Planet 1 | Administrationssektor | Militärischer Bereich | Lagezentrum] Garrick Versio, Rea Sloane
 
[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Orbit KP-1 | ACC Victory | Brücke] Garrick Versio, Rea Sloane, Kadetten, Brückencrew

Nachdem Versio die Gouverneurin und Herrn von Bühl auf den aktuellen Stand gebracht, die Lage erklärt und die nächsten Schritte umrissen hatte, setzte er wieder auf die Victory über. Auf der Brücke herrschte das wohlbekannte, kontrollierte Durcheinander einer Wachablösung: kurze Befehle, bestätigte Meldungen, ein Wechsel aus Bewegung und Routine. In einem ruhigeren Abschnitt standen etwa ein halbes Dutzend Personen in Uniform – jedoch ohne Rangabzeichen. Kadetten, die die kommende Zeit an Bord lernen sollten. Versio winkte seine XO heran und trat mit ihr zu der Gruppe.

„Achtung!“

Die Kadetten blickten einen Moment irritiert über die Brücke, als müssten sie erst verarbeiten, wo sie überhaupt standen. Dann formierten sie sich hastig in einer Reihe vor Versio und Sloane. Versio strich sich kurz über die Stirn und warf Sloane einen Seitenblick zu. „Hat denn keiner von ihnen die Grundausbildung abgeschlossen?”
Sloane blieb äußerlich ruhig. „In Zukunft wird das schneller gehen, Commander.“
Versio trat einen Schritt vor, ließ den Blick über die Reihe wandern und sprach dann klar und mit einer gewissen Strenge, wie man es auf einer Brücke tat und auch gewohnt war.

„Kadetten. Ich heiße Sie an Bord des Acclamator-Kreuzers Victory willkommen. Sie haben für die nächsten Wochen das Privileg, hier zu lernen und zu dienen. Sie werden an Bord schlafen, arbeiten und die Abläufe einer aktiven Einheit kennenlernen nicht aus Lehrbüchern, sondern im Betrieb.“

Er machte eine kurze Pause, um sicherzugehen, dass jedes Wort ankam.

„Jeder von Ihnen hat mindestens eine Empfehlung Ihrer Ausbilder erhalten. Enttäuschen Sie diese Erwartung nicht. Sie stellen sich jetzt der Reihe nach vor: Name, beabsichtigte Laufbahn innerhalb der Flotte und Ihre Spezialisierung. Anschließend werden Sie Sektionen zugewiesen und in einem von uns festgelegten Rhythmus rotieren.“

Versio nickte leicht in Richtung der Brückenoffiziere.

„Jeder Offizier auf dieser Brücke kann Fragen beantworten und Ihnen helfen – aber verwechseln Sie Hilfe nicht mit Nachsicht. Hauptverantwortlich sind Lieutenant Commander Sloane und ich. Wir werden Sie beurteilen und, wo nötig, unterrichten und militärisch Erziehen.“

Einer nach dem anderen trat vor, nannte Namen, Ziele und Fachrichtungen. Sloane teilte sie danach den zuständigen Sektionsoffizieren zu. Die ersten Tage würden die Kadetten vor allem beobachten, Abläufe kennenlernen und punktuell unterstützen, ebenfalls werden sie lernen, wie sich Disziplin anfühlte, wenn sie nicht nur gefordert, sondern gebraucht wurde. Der Unterricht hingegen, den Sloane und Versio übernehmen würden, war weniger freundlich: Analyse realer Gefechte, Entscheidungsfindung unter Druck, Führung ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Einige dieser Kadetten würden später vielleicht nicht weiter kommen als bis zur Leitung einer Sektion. Aber bei dem ein oder anderen war etwas Potenzial für ein Kommando. Nachdem die Kadetten an ihre jeweiligen Offiziere übergeben worden waren, trat Sloane wieder zu Versio an das Sichtfenster an der Spitze der Brücke. Draußen lag KP-1 im Halbdunkel, eingerahmt vom kalten Glimmen der Anzeigen.

„Das wird einiges an Arbeit und wir sind mit ihnen an Bord nicht mehr ganz so beweglich.“
„Das wussten wir, bevor sie hier waren, aber je früher wir unser künftiges Personal formen, desto eher lenken wir sie in die Bahnen, die wir brauchen.“


Sloane nickte knapp.

„Das stimmt.“

[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Orbit KP-1 | ACC Victory | Brücke] Garrick Versio, Rea Sloane, Brückencrew, Kadetten
 
[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie Planet 1 | Militärischer Sperrbereich | ACC „Victory“ | Besprechungsraum 2] Garrick Versio, Kadetten der Kolonie, Rea Sloane, Diensthabende Unteroffiziere

Als Garrick Versio am nächsten Morgen, um 0500 Bordzeit, den Unterrichtsraum betrat, verstummte das leise Murmeln augenblicklich. Es war kein großer Saal, sondern ein funktional gehaltener Raum des Schiffes, mit grauen Wänden, einer fest installierten Holoprojektionsfläche und zwei Reihen sauber ausgerichteter Sitze. Die Kadetten, die erst vor kurzem über das Rekrutierungsbüro der Kolonie der Flotte zugewiesen worden waren, saßen bereits aufrecht an ihren Plätzen und bemühten sich um jene Form von Haltung, die noch nicht aus Erfahrung, sondern aus Anspannung entstand. Für Versio war das nicht überraschend. Die meisten von ihnen hatten bisher nur die Vorstellung vom Dienst auf einem Kriegsschiff gekannt, nicht aber dessen Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit war selten glanzvoll. Sie bestand aus Disziplin, Wiederholung, Verantwortlichkeit und aus einer Kette von Entscheidungen, die im Ernstfall über das Leben hunderter Menschen entschied. Versio blieb vor der Projektionsfläche stehen, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und sah die junge Gruppe einen Moment lang schweigend an. Gerade dieses Schweigen zwang sie dazu, stillzuhalten. Manche Offiziere begannen Unterricht damit, sich vorzustellen, ihre Laufbahn zu erwähnen oder die Bedeutung der Einheit zu beschwören. Versio hielt wenig davon. Ein Offizier musste sich nicht durch Ausschmückungen legitimieren. Seine Haltung, seine Sprache und die Präzision seines Auftretens mussten genügen.

„Sie befinden sich an Bord der ACC Victory. Dieses Schiff ist der Kern der gegenwärtigen imperialen Sicherung von Kolonie Planet 1. Solange das System weder über ausreichende Plattformen noch über eine zahlenmäßig angemessene Flotte verfügt, wird die Verantwortung für Ordnung, Abschreckung und schnelle Reaktion in erster Linie auf diesem Kreuzer liegen.“

Er sprach nicht laut. Gerade deshalb lauschte jeder im Raum. Hinter ihm erschien die schematische Darstellung der Victory über dem Holotisch: die langgezogene Rumpfform, die Hauptsektionen, die Hangarbereiche, die Brücke, die Maschinenräume und die inneren Sicherheitsachsen. Neben dem Schiff wurde das Orbitalschema von KP-1 eingeblendet, mitsamt den vorhandenen Sensor- und Verteidigungssatelliten, den Versorgungskorridoren und der provisorischen Werft, welche mehr ein einfaches Raumdock zum betanken und um einfache Reparaturen vor zu nehmen ist. Es war ein System im Aufbau, keines im Gleichgewicht. Versio wollte, dass die Kadetten das von Beginn an verstanden.

„Viele von Ihnen werden den Fehler begehen, ein Schiff wie dieses zunächst über seine Bewaffnung zu definieren. Das ist die Denkweise eines Außenstehenden. Die Waffen der Victory sind ein Werkzeug. Nicht ihr Wesen. Dieses Schiff erfüllt seine Aufgabe nur, wenn jeder Bereich – Brücke, Taktik, Sensorik, Kommunikation, Sicherheit, Technik und Flugbetrieb – als Teil derselben Ordnung arbeitet.“

Er ließ den Blick von Gesicht zu Gesicht wandern. Zwei Kadetten hielten ihm stand, drei wichen unmerklich aus, einer wirkte, als wolle er unbedingt jede Silbe mitschreiben und keine verpassen. Auch das registrierte Versio. Jedes Verhalten in den ersten Minuten sagte etwas aus.

„Sie sind nicht hier, um Eindruck zu machen, Sie sind hier, um belastbar zu werden. Wer auf einem Schiff der Flotte dienen will, muss lernen, unvollständige Informationen zu verarbeiten, unter Zeitdruck zu handeln und Befehle nicht bloß zu hören, sondern in ihrer Funktion zu verstehen. Ein unüberlegter Eifer ist ebenso wertlos wie Zaghaftigkeit.“

Am Rand des Raumes stand Rea Sloane, seine Erste Offizierin, mit einem Datenpad in der Hand. Sie sagte nichts. Sie musste es auch nicht. Ihre bloße Anwesenheit machte deutlich, dass dies kein symbolischer Begrüßungstermin war, sondern der Beginn einer tatsächlichen Ausbildung. Versio hatte die Kadetten nicht aus dekorativen Gründen an Bord genommen. Die Kolonie würde früher oder später weiteres Personal benötigen. Die geplante Versorgungseinrichtung, das wachsende Satellitennetz und jede denkbare Verstärkung des Systems bedeuteten zusätzlichen Bedarf an verlässlichen Offizieren. Nachwuchs musste also früh geprüft und geformt werden. Die Projektion wechselte. Nun war ein Schnittbild der Brücke zu sehen, daneben die Darstellung eines typischen Alarmablaufs. Versio erläuterte nicht jedes technische Detail, sondern die Logik dahinter. Ein Schiff im Grenzraum, konnte nicht darauf vertrauen, stets rechtzeitig Unterstützung zu erhalten. Die Victory war schnell, atmosphärentauglich und in ihrer Form war vielseitig genug, um Konvoischutz, Abfangen, Orbitalüberwachung und Truppentransport zu vereinen. Genau das machte sie für KP-1 so wertvoll – und zugleich so unersetzlich. Wenn dieses Schiff versagte, gab es im System keinen zweiten gleichwertigen Pfeiler.

„Merken Sie sich deshalb eines: Auf einem Schiff wie diesem ist Nachlässigkeit keine private Schwäche. Sie ist ein Sicherheitsrisiko. Jeder unpräzise Bericht, jede falsch verstandene Anweisung und jede Nachlässigkeit in der Durchführung setzt nicht nur Sie selbst, sondern das gesamte Gefüge dieses Schiffes herab.“

Die Worte trafen. Einige der Kadetten saßen nun noch gerader, als hätten sie erst in diesem Moment begriffen, dass der Dienst auf der Victory nicht die Fortsetzung einer Akademie, sondern der Eintritt in eine belastbare Befehlskette war. Versio ließ die Projektion auf das Orbitalschema von KP-1 zurückspringen.

„Die Kolonie wächst. Mit ihr wachsen ihre Anfälligkeiten. Versorgungsschiffe, zivile Transporte, Materialbewegungen und äußere Kontakte schaffen Angriffsflächen. Ihre Ausbildung beginnt deshalb nicht mit Heldengeschichten, sondern mit Ordnung. Wer Ordnung beherrscht, kann im Ernstfall bestehen. Wer sie missachtet, wird nie Verantwortung tragen.“

Er unterbrach sich kurz. Das Schweigen danach war bewusst gesetzt.

„Dies ist Ihr Einführungsunterricht, Sie haben einen groben Überblick über die Victory und ihre Abläufe erhalten, das heißt für Sie, ab dem heutigen Dienstantritt werden Sie beobachten, auswerten, mitarbeiten und geprüft werden. Sie werden sich Ihre Position nicht dadurch verdienen, dass Sie ehrgeizig wirken. Sondern dadurch, dass Sie zuverlässig sind.“

Niemand stellte auch eine Frage, Versio hatte damit gerechnet, zumindest für den Augenblick war das gut. Fragen würden später kommen, sobald die Kadetten verstanden hatten, dass sich der Dienst nicht in Worten, sondern in Abläufen maß. Er nickte Sloane kurz zu, wandte sich wieder der Gruppe zu und entließ sie nicht sofort. Erst nachdem jeder einzelne seinen Blick noch einmal erwidert hatte, gab er den knappen Befehl zum Aufstehen. Die verschiedenen Sektionsunteroffoffiziere traten im Anschluss zu den ihnen zugewiesenen Kadetten und händigten ihnen ihre Dienstpläne und Unterrichtsmaterialien aus, ebenfalls erhielt jeder der Kadetten einen Codezylinder, damit dieser den neuen Tätigkeiten nachkommen konnte.

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// Outer Rim Territorien /\ KP-1 /\ Nadari-Strom /\ Außenposten /\ Landeplattform /\ Turrow, Syren, Besatzung, Arbeiter \\​

Der Regen setzte ein, noch bevor die Wayward Mynock vollständig auf der Landeplattform aufgesetzt hatte. Nicht der dünne, schmutzige Niederschlag Nar Shaddaas, der Ruß und Abgase aus der Luft wusch und anschließend als schwarze Brühe von den Dächern tropfte. Dieser Regen kam mit solcher Gewalt vom Himmel, dass er innerhalb weniger Augenblicke das Sichtfeld vor den geöffneten Frachttoren in eine graue Wand verwandelte. Turrow stand an der Rampe und sog die feuchte Luft tief durch die Nase. Wasser, Erde, moderndes Holz, Pflanzen, unzählige Pflanzen. Dazwischen Treibstoff, heißes Metall, Schweiß und die öligen Ausdünstungen schwerer Maschinen. Und darunter etwas anderes, Leben. So viel davon, dass es beinahe schwierig war, die einzelnen Gerüche auseinanderzuhalten. Das gefiel ihm.

Hinter den provisorischen Gebäuden und den hohen Schutzwällen des Außenpostens begann der Dschungel. Eine Wand aus gewaltigen Bäumen, Farnen, Lianen und Pflanzen, deren Blätter größer waren als manche Humanoiden. Nebel hing zwischen den Kronen und irgendwo jenseits der ersten Baumreihen erklang ein tiefes, langgezogenes Brüllen. Turrow hob leicht den Kopf. Ein zweiter Laut antwortete weit entfernt, seine Lefzen verzogen sich zu einem Grinsen. KP-1. Kolonieplanet Eins. Vielleicht war der Name doch nicht das Dümmste an dieser Welt. Hinter ihm begann es wieder im dritten Käfig zu schlagen. Ein Arbeiter, der gerade mit einem Repulsorschlitten die Rampe hinaufkommen wollte, blieb stehen und sah zu dem vibrierenden Transportbehälter. Dann zu Turrow. Dann wieder zu dem Käfig.
„Was ist da drin?“ Turrow zuckte mit den Schultern. Der Arbeiter wartete, der Wookiee wartete ebenfalls. Schließlich erklang die Stimme von Syren an seinem Quergurt.„Die Frachtpapiere bezeichnen den Inhalt lediglich als lebendes biologisches Material.“ Ein dumpfer Schlag ließ den Käfig erneut erzittern, der Arbeiter machte einen Schritt zurück. „Und ist es gefährlich?“ Turrow zeigte die Zähne und gab ein kurzes, bellendes Grollen von sich. „Rrraaawwww hrrrmmm.“ Einen Augenblick schwieg Syren. „Mein Meister hält diese Frage für wahrscheinlich überflüssig.“ Der Mann sah noch einmal auf den Käfig und entschied offenbar, dass es keinen Grund gab, dieser Einschätzung zu widersprechen.

Das Ausladen dauerte länger als der Flugbesatzung lieb war. Die Landeplattform bestand zwar aus befestigten Segmenten, doch bereits wenige Meter daneben hatte der Regen den roten Boden in tiefen Schlamm verwandelt. Arbeiter in durchnässter Kleidung bewegten Container, Versorgungskisten, Ersatzteile und Baumaterial zwischen Frachtern und den provisorischen Lagerhallen. Repulsorschlitten summten über die Plattform, Kräne schwangen Bauteile über halbfertige Dächer und von irgendwoher dröhnte ein Generator, der entweder dringend repariert werden musste oder schon immer so geklungen hatte. Der Außenposten wirkte weniger wie eine Siedlung und mehr wie jemandes Versuch, eine Siedlung zu bauen, während der Dschungel gleichzeitig versuchte, sie wieder zu verschlucken. Turrow konnte damit etwas anfangen. Die Pflanzen standen stellenweise unmittelbar hinter den äußeren Barrieren. Ranken hatten sich bereits um Kabelschächte gelegt und an einem der Beobachtungstürme wuchs eine breite, dunkelgrüne Pflanze zwischen zwei Bodenplatten hervor. Wie lange stand dieser Außenposten hier? Nicht lange genug. Der Dschungel war trotzdem schon wieder da, das gefiel dem Wookiee noch mehr.

Beim dritten Käfig weigerten sich zwei Arbeiter schließlich, ihn vom Frachter zu holen. Turrow sah sich das eine Weile an. Einer deutete auf die deformierte Seitenplatte. Der andere schüttelte energisch den Kopf. Ein dritter erklärte ihnen, dass die Fracht abgezeichnet werden müsse, bevor der Kapitän die Plattform wieder verlassen dürfe. Niemand fasste den Käfig an. Turrow schnaubte. Dann hängte er den Bowcaster über die Schulter, packte die Führung des Käfigs und half dabei, das Ding gemeinsam mit dem Repulsorschlitten die Rampe hinunter zu bewegen. Im Inneren wurde es augenblicklich unruhig, etwas kratzte, etwas schnüffelte. Dann kam wieder dieses tiefe Fauchen. Der weiße Wookiee antwortete mit einem leisen Grollen, der Arbeiter neben ihm sah zu ihm herüber.
„Kennst du das Vieh?“ Turrow schüttelte den Kopf. Das schien den Menschen nicht zu beruhigen.

Als die Fracht schließlich übernommen und die entsprechenden Daten bestätigt worden waren, drückte der Kapitän der Wayward Mynock Turrow einen kleinen Credit-Chip in die Pranke. Nicht viel, aber vereinbart. Damit war die Sache für den Wookiee erledigt. Transport und Verpflegung gegen Bewachung. Beide Seiten hatten ihren Teil erfüllt, eine gute Vereinbarung. Der Kapitän deutete über die Plattform hinweg auf die Ansammlung modularer Gebäude hinter dem Lagerbereich.
„Wenn du Arbeit suchst, versuch es beim Verwaltungsgebäude oder unten bei den Handelsständen. Abends eher im Pub. Hier fehlen überall Leute.“

Turrow blickte zu den Gebäuden. Dann zum Dschungel, dann wieder zum Kapitän. Überall Leute fehlten? Das klang ebenfalls gut. Er warf sich seine verbliebene Ausrüstung über, überprüfte den Sitz von Syren an seinem Quergurt und stapfte von der Landeplattform. Der Regen wurde schwächer, hörte aber nicht auf. Wasser rann durch sein Fell und färbte das rostrote Kinnfell dunkler. Der Wookiee störte sich nicht daran. Nach den metallenen Gängen Nar Shaddaas und den engen Decks des Frachters fühlte sich selbst dieser unfertige Außenposten beinahe weitläufig an. Überall wurde gebaut. Eine Reihe modularer Wohncontainer stand bereits, bei zwei weiteren waren Arbeiter noch damit beschäftigt, Dachplatten zu befestigen. Auf einer erhöhten Fläche lagen große Mengen geschnittenen Holzes unter Planen. Weiter hinten waren die hellen Außenwände eines medizinischen Gebäudes zu erkennen. Daneben standen provisorische Labormodule, Werkstätten und Lagerhallen. Über allem ragten Antennen, Scheinwerfer und Beobachtungstürme auf. Imperiale Kennzeichnungen waren ebenso zu sehen wie die Zeichen verschiedener privater Unternehmen. Doch dazwischen gab es Händler, Arbeiter, Forscher, Piloten, Söldner und Glücksritter. Und Wesen, die Turrow nicht sofort einer dieser Gruppen zuordnen konnte. Eine Kolonie war offenbar ein Ort, an dem noch nicht für jedes Wesen entschieden worden war, wo es hingehörte.

Vor dem Verwaltungsgebäude befand sich eine Reihe von Informationsanzeigen. Einige enthielten Baupläne, Warnhinweise und Anweisungen für neu eintreffendes Personal. Andere zeigten Karten, von denen erstaunlich große Bereiche außerhalb des Außenpostens schlicht leer waren. Turrow blieb davor stehen. Der Nadari-Strom zog sich wie eine gewaltige Ader durch die dargestellte Region. Stromaufwärts waren die Akaru-Fälle markiert. Weit im Norden erhob sich das Kharon-Massiv. Dazwischen? Grün, sehr viel Grün und auffällig wenig Linien. Der Wookiee legte den Kopf leicht schief. Karten ohne Wege waren ehrlicher als Karten, die Wege versprachen, wo keine waren. Neben der Karte wechselten verschiedene Meldungen durch. Arbeiter wurden gesucht, Techniker, Piloten, medizinisches Personal und Wesen, die sich mit der Pflanzenwelt dieses Planeten auskannten. Dann erschien eine andere Ausschreibung. Syren begann sie vorzulesen.


„Auftragskennung NAD-SEC-017. Bewaffnete Begleitung für einen Vermessungstrupp gesucht. Tätigkeitsbereich außerhalb der befestigten Koloniezone. Erfahrung im Umgang mit gefährlicher Fauna und unerschlossenem Gelände erwünscht. Interessenten melden sich bei der Expeditionskoordination im Verwaltungsmodul Zwei.“

Turrow betrachtete die Anzeige noch einen Augenblick, bevor sie von der nächsten verdrängt wurde. Diesmal blinkte eine gelbe Warnmarkierung am Rand.

„Auftragskennung NAD-WILD-004. Prämienausschreibung. Mehrere Angriffe auf Arbeiter und Versorgungspersonal im südlichen Bauabschnitt. Gesucht wird das für die Angriffe verantwortliche Raubtier. Identifikation und Beseitigung werden vergütet. Nachweis erforderlich. Interessenten melden sich beim Sicherheitsbüro des Außenpostens.“

Der Wookiee richtete sich etwas auf. Raubtier? Das klang schon besser. Die Anzeige wechselte erneut.

„Auftragskennung NAD-SURV-022. Führer und Sicherheitspersonal für Arbeiten entlang des Nadari-Stroms gesucht. Aufgaben umfassen Orientierung, Erkundung und Begleitschutz von Arbeits- und Versorgungstrupps. Interessenten melden sich beim Logistik- und Expeditionsbüro an der Landeplattform.“

Turrow starrte auf die drei Ausschreibungen, die nun verkleinert nebeneinander am unteren Rand des Displays erschienen. Vermesser beschützen, ein Tier jagen, Leute durch den Dschungel führen. Zumindest auf diesem Planeten schienen Wesen für vernünftige Dinge bezahlt zu werden. Sein Blick blieb an der Ausschreibung für das Raubtier hängen. Mehrere Angriffe, ein unbekanntes Tier, bezahlung für die Jagd. Turrow hob eine Klaue und tippte gegen die entsprechende Anzeige. „Rrrrraaaauuwww. Hrrruuuh?“ Syren schwieg einen kurzen Augenblick. „Ja, Meister. Die angegebene Summe ist tatsächlich eine Bezahlung und nicht lediglich eine Aufwandsentschädigung.“ Turrow brummte zufrieden und sah noch einmal auf die Ausschreibung. Sicherheitsbüro, das konnte er finden. Doch bevor er sich in Bewegung setzte, wanderte sein Blick hinaus zu den gewaltigen Bäumen hinter den Befestigungen.

Etwas schrie dort draußen, ein anderes Wesen antwortete. Der Wookiee sog die feuchte Luft erneut tief durch die Nase. Erde, Wasser, Pflanzen, Tiere. Und irgendwo da draußen wahrscheinlich Blut. Keine Abgase, keine überfüllten Straßen. Keine Hutten, die von Freundschaft faselte, während sie das Eigentum anderer verspielten. Nur ein riesiger Dschungel, von dem kaum jemand wusste, was darin lebte. Turrow verstand nicht, warum das Imperium offenbar beschlossen hatte, dass diese Welt ihm gehörte. Der Dschungel sah jedenfalls nicht so aus, als wäre er darüber informiert worden. Das Problem konnte das Imperium selbst klären. Turrow interessierte etwas anderes. Ein breites Grinsen schob sich in das Gesicht von »Madclaw«. Nar Shaddaa hatte ihn im Sand liegen sehen, KP-1 kannte diese Geschichte nicht. Und dem Dschungel war sie ohnehin egal.


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[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie-Planet 1 | Außenposten der Nadari-Expedition ] Flocke


„Chuba!“ fluchte der Kadas’sa’Nikto und schob die Schweißer-Brille auf die behornte Stirn. Resigniert schaltete er den Schweißbrenner ab und trat ein paar Schritte zurück, um sein Werk zu betrachten. Handwerkliches Können war sicher noch nie eine herausragende Fähigkeit von ihm gewesen, aber langsam nahm die Front des alten Frachtcontainers trotzdem die äußere Erscheinung einer Bar an. Flocke bog ächzend den schmerzenden Rücken durch und sah sich um. Die unmittelbare Umgebung seines zukünftigen Etablissements sah auch nicht besser aus. Ein paar Wohncontainer, an denen bereits Moos und Farn sprießte, obwohl sie noch nicht lange hier sein konnten. Manche davon gestapelt, dazwischen Baugerüste, Baugruben, Baumaschinen, Bauleute. Alles, was irgendwie „Bau“ im Name hatte, aber immer die abgespeckte, kleine, schäbige Version. Selbst jemand wie Flocke erkannte auf den ersten Blick, dass hier nicht eine neue Perle der Imperialen Zivilisation entstand, sondern ein mickriger Außenposten von einem Vorposten.


~


Gonzo hatte sich in diese lächerlichen Lumpen kleiden müssen, um mit seiner gefälschten ID, getarnt als menschlicher Kolonist, durch die Kontrollen von KP-1 zu kommen. Seine muskulösen Arme pendelten neben seinem massigen, tonnenförmigen Oberkörper hin und her, während er sich seinen Weg durch die Baustellen dieses Dreckslochs bahnte. Für Gonzo war’s natürlich ein Vorteil, dass sich der Stinker an einen so überschaubaren Ort verkrochen hatte. Mit seinen scharfen Augen hielt er Ausschau nach dem grünen Nikto, und schließlich entdeckte er ihn vor einem großen Frachtcontainer, aus dessen Front stümperhaft eine breite Fläche herausgeschnitten war.

Es war eine Weile her, seit Gonzo Flocke das letzte Mal gesehen hatte, aber er hatte sich nicht verändert:

Grüne Haut mit rostroten Einsprengseln, Arme bis zu den Schultern mit irgendwelchen Sonnenanbeter-Mustern tätowiert und die markanten Hornauswüchse im Gesicht, die an einen wuchernden Backenbart erinnerten. Er trug ein rotes Kopftuch, unter dem sich – wie Gonzo wusste – eine auffällige Narbe über seinen Schädel zog. Gonzo richtete sich zu seiner imposanten Erscheinung auf und marschierte zielstrebig auf den Wicht zu.


~


Aus dem Augenwinkel bemerkte Flocke eine Bewegung. Ein gedrungener Mensch mit praller Wampe watschelte mit schwingenden, haarigen Keulenarmen und dem Gesichtsausdruck eines empörten Ebers auf ihn zu.

Poodoo, dachte er unangenehm überrascht.

„Gonzo, alter Sleemo, was suchst du denn hier? Und was soll der lächerliche Aufzug, bist du auf `nem Mähdrescher hergeflogen?“

Anstatt darauf zu antworten, ging ihm Gonzo direkt an den Kragen.

„Halt dein schuppiges Krötenmaul, Flocke. Du weißt genau, warum ich hier bin: Ich nehm‘ deine fliegende Krabbenschere mit.“

Flocke machte sich los, indem er Gonzo ein wie herbeigezaubertes Vibromesser an die durchtrainierte Wampe hielt, und zwar so, dass das spärliche Sicherheitspersonal es nicht sehen konnte. „E chu ta! Der YT-1300 gehört mir, ich hab ihn mir hart erarbeitet, genauso wie ich dieses stinkende Hotel für Rumtreiber auf Bilbringi aus dem Boden gestampft hab.“

Gonzo grinste böse.
„Schön und gut, aber du weißt, wie’s läuft: 40 Prozent von allem, das du in ihrem Namen verdienst, gehört der Familie, Bechesmy. Keine Ausnahmen, auch nicht für grüne Sonnenanbeter wie dich!“

Zähneknirschend musste Flocke einsehen, dass er kaum eine Wahl hatte. Er steckte vorsichtig das Messer ein und winkte dem Menschen, ihm in die unfertige Bar zu folgen.


„Also gut, komm erstmal rein. Du weißt ja, mit mir kann man über alles reden.“

„Ich bin nicht zum Reden auf diesen abgelegenen Scheiß-Planeten mit noch beschissenerem Namen gekommen.“

„Aber zu ´nem Aurora-Rum sagst du bestimmt nicht nein, oder?“


~​


In der Zwischenzweit hatte der hier übliche Regenguss eingesetzt und brachte dunstige Abkühlung in die halbfertige Bar. Und nach vier Runden Schnaps wurde der Geldeintreiber ein bisschen handzahmer. Natürlich schenkte Flocke sich immer nur einen entalkoholisierten Rum ein, den er für solche Zwecke in einer Original-Flasche hinter der Bar hatte. Bei jemandem mit der geistigen Leistung einer Wompratte wie Gonzo, war es ein Leichtes, das zu verheimlichen. Seine Gesichtszüge hatten sich etwas entspannt und das Wackeln seiner Hängebacken beim Sprechen machte Flocke ganz verrückt.

„Also gut, Nyee (Kleiner). Du hast drei Tage Zeit, die 8.000 Credits aufzutreiben. Ich komme am Taungstag wieder und entweder du hast das Geld, oder ich nehme mir den Frachter.“

Mit diesen Worten rutschte Gonzo mit seinem fetten Hintern vom Barhocker und warf Flocke einen drohenden Blick zu.

Der verdammte Bastard. Flocke wusste, dass er nicht mehr erreichen konnte. Er grinste, breitete die Arme freundschaftlich aus und sagte:
„Ich wusste doch, dass ein weiches Herz in diesem gestählten Körper steckt! Sag mir, wo ich dich finden kann und ich bring dir das Geld schon morgen."

Der Mensch schüttelte grimmig den Kopf.
„In drei Tagen. Hier.“ Er deutete mit einem Wurstfinger auf den Boden. Dann drehte er sich um und watschelte aus dem aufgeschnittenen Container.

Beim schmierigen Arsch des Hutten, das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er war zu leichtsinnig gewesen. Er hatte gedacht, es würde nicht auffallen, wenn er den YT-1300 mitnahm, zusammen mit… einigem an Vorräten. Aber es stimmte anscheinend:
„Die Familie vergisst nichts.“ leierte der grüne Nikto vor sich hin.

Jetzt schenkte er sich ein Glaß vom echten Rum ein. Zwei Möglichkeiten: Irgendwo das Geld herzaubern, oder irgendwie den schmierigen Geldeintreiber wegzaubern. Zweiteres barg unvorhersehbare Probleme in der Zukunft. Irgendwem würde irgendwann auffallen, dass Gonzo nicht mehr zurückkam. Vor allem, wenn jemand auf die 8.000 Credits wartete.

Also die erste Möglichkeit. Aber woher nehmen? Flocke ließ den Blick durch seine Bar schweifen. Ein paar abgeranzte Möbelstücke, unfertige Beleuchtung, ein Durchlaufkühler, der immer wieder mal ausfiel und ein Tresen, den er aus einem massiven Baumstamm gebaut hatte. Besser gesagt, der hier schon am Jungelboden gelegen hatte und über den er den Frachtcontainer einfach drübergesetzt und ihn dann in Form geschnitten hatte. Sowas wurde woanders vielleicht als Kunst bezeichnet, aber tatsächlich war es Improvisationstalent.

Flocke leerte den Rum und knallte das Glaß auf den Baumstamm.

Improvisation war sein zweiter Vornahme. Zumindest wenn man ihn nach den Umständen seiner Geburt benannt hätte. Es würde sich etwas ergeben. Irgendwas ergab sich immer. Hier im Nadari-Außenposten kamen stündlich neue Glücksritter an. Es reichte ja, wenn er einem davon ein vielversprechendes Investment aufschwatzte...

Sein Blick wanderte nach Draußen, durch die breit aufgeschnittene Flanke des Bar-Containers zum gegenüberliegenden Verwaltungsgebäude. Der Regen hatte sich etwas beruhigt, erfahrungsgemäß würde es in ein paar Minuten schon wieder aufhören. Und durch den Dampf blieb Flockes Blick an einer hünenhaften Gestalt hängen, die vor den Info-Paneelen stand. Der silberweiße Wookiee war definitiv neu hier, der wäre ihm aufgefallen! Vielleicht war das eine Lösung für sein kleines Problemchen.

Flocke rutschte vom Hocker, schnappte sich den Rum und stellte sich in den Eingang.


„Hey Großer! Auf ein Wort!“ rief er durch den Regen hinüber und schwenkte einladend die Flasche. Nach einer womöglich langen Anreise hatte sich ein jeder ein Schlückchen verdient, besonders bei diesem Wetter…


[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie-Planet 1 | Außenposten der Nadari-Expedition ] Flocke in seiner noch namenlosen, halbfertigen Cantina, Mad Claw auf der Straße gegenüber
 
[Unbekannte Regionen | Imperialer Raum | Kolonie-Planet 1 | Außenposten der Nadari-Expedition ] Ein Wachmann auf Posten


Der Wachmann stieg die letzten Sprossen auf dem westlichen Beobachtungsturm hoch und blickte sich um, während es um ihn herum regnete.
Er hatte sich schon daran gewöhnt, dass der Außenposten jeden Morgen ein wenig anders aussah als am Abend zuvor. Irgendwo war wieder ein weiterer Wohncontainer hinzugekommen, eine neue Plane zwischen zwei Gerüsten gespannt worden, ein neues Zelt errichtete oder ein Stück Dschungel verschwunden, das am Vortag noch bis an die provisorischen Schutzwälle herangereicht hatte. Seit etwas mehr als drei Wochen arbeiteten sie nun hier am Nadari-Strom, und noch immer wirkte die gesamte Anlage weniger wie eine fertige Siedlung als wie ein großer Entwurf, den jemand mitten in den Regenwald gestellt hatte das sich nun Stück für Stück mit Leben füllte.

Immerhin war schon viel geschehen, wenn man daran dachte, dass vor kurzem hier außer Wildnis noch gar nichts war.

Unter ihm zog sich die befestigte Landeplattform durch das gerodete Gelände, auf der in regelmäßigen Abständen kleinere Frachter, Shuttles und Versorgungstransporter niedergingen. Einige blieben kaum länger als nötig, andere standen über Stunden zwischen gestapelten Containern, Treibstoffbehältern und Baumaterial, während Arbeiter ihre Ladung entgegennahmen und auf Repulsorschlitten weiterverteilten. Dahinter lagen die ersten Reihen modularer Unterkünfte, einfache Verwaltungscontainer, eine kleine medizinische Station, mehrere provisorische Lagerhallen und jene Werkstatt, die inzwischen beinahe rund um die Uhr arbeitete. Speeder, Generatoren, Baufahrzeuge und schwere Rodungsmaschinen wurden dort repariert, oft noch bevor das Personal überhaupt Zeit fand, den roten Schlamm von den Fahrwerken zu waschen.

Der Außenposten beherbergte inzwischen vielleicht zweihundert Menschen und Angehörige verschiedener Spezies, wobei kaum jemand behauptet hätte, dass dafür bereits ausreichend Platz vorhanden war. Viele lebten in kleinen und einfachen Wohnmodulen, andere teilten sich Unterkünfte, die ursprünglich für deutlich weniger Personen vorgesehen gewesen waren. Zwischen den Gebäuden verliefen befestigte Wege aus verdichtetem Erdreich und provisorisch ausgelegten Platten, die wenigstens verhindern sollten, dass sich das Gelände während der täglichen Regenfälle vollständig in Morast verwandelte. Wo diese Wege endeten, begann beinahe unmittelbar wieder der Dschungel.


Und trotzdem entwickelt sich langsam etwas, das man mit einigem guten Willen als gesellschaftliches Leben bezeichnen konnte.

Nahe dem Verwaltungsbereich stand ein frisch eröffneter Pub, dessen Besitzer vermutlich der Erste gewesen war, der erkannt hatte, dass mehrere hundert Arbeiter, Piloten, Techniker, Soldaten und Forscher irgendwann etwas anderes trinken wollten als Wasser und den Inhalt imperialer Verpflegungspakete. Das Gebäude bestand größtenteils aus zwei miteinander verbundenen Frachtcontainern, einem überdachten Vorbau, einer Reihe zusammengewürfelter Tische und einem gewaltigen Baumstamm als Bartresen, doch am Abend war es regelmäßig voller als manche Kantine in der Hauptkolonie. Niemand wusste genau, ob der Betreiber überhaupt schon sämtliche Genehmigungen besaß, allerdings schien sich bisher auch niemand besonders dafür zu interessieren, solange er und seine Gäste nicht zu viele Schwierigkeiten verursachten.

Nicht weit davon entfernt hatte sich bereits ein kleiner Markt gebildet. Vielleicht ein halbes Dutzend Händler hatte ihr Stände zwischen Lagercontainern und einem breiten Versorgungskorridor aufgebaut und verkaufte alles, von zusätzlicher Arbeitskleidung und Werkzeug über Lebensmittel bis hin zu Ersatzteilen, Tabak, Alkohol und Dingen, deren tatsächlicher Nutzen vermutlich nur ihren Verkäufern bekannt war. Einige von ihnen waren den Bautrupps aus der Hauptkolonie gefolgt, andere hatten zuvor im Administrationssektor Geschäfte betrieben und offenbar beschlossen, dass dort längst zu viele Konkurrenten auf zu wenige Kunden warteten.
Hier draußen hingegen war alles neu, jeder brauchte irgendetwas, und wer bereit war, einige Tage Regen, Schlamm und mangelhafte Unterkünfte zu ertragen, konnte möglicherweise ein gutes Geschäft machen. Da sowieso fast jeden Tag eine neue Handvoll Glücksritter hier eintraf um nach Arbeit zu suchen von der es ja mehr als Reichlich gab machte er sich um die Händler auf jeden Fall keine Sorgen.

Der Soldat musste jedes Mal unwillkürlich schmunzeln, wenn er die bunten Planen und improvisierten Verkaufsstände sah. Keine drei Wochen waren vergangen, und dennoch hatten die ersten Wahnsinnigen bereits begonnen, sich einzurichten, als würden sie fest damit rechnen, dass aus diesem Außenposten irgendwann tatsächlich eine Stadt werden könnte.
Vielleicht hatten sie damit sogar recht.

Noch bestand der wichtigste Teil ihrer Arbeit allerdings aus Rodung. Rund um den Außenposten arbeiteten schwere Maschinen beinahe ohne Unterbrechung daran, den Dschungel zurückzudrängen, breite Sicherheitsstreifen zu schaffen und zusätzliche Flächen für Lager, Unterkünfte und neue Landefelder vorzubereiten.
Ganze Baumriesen wurden gefällt, zerteilt und auf vorbereiteten Plätzen gestapelt, während kleinere Arbeitsgruppen dichtes Unterholz beseitigten, Entwässerungsgräben aushoben und erste Wege entlang des Nadari-Stroms markierten. Der Fluss selbst lag nur wenige hundert Meter vom Kern des Lagers entfernt und war von den höher gelegenen Wachposten zwischen den Baumkronen immer wieder zu erkennen, breit und träge an manchen Stellen, an anderen schneller, als es aus der Entfernung den Anschein hatte.


Die Befehle waren eindeutig gewesen. Das Gebiet um den Außenposten sollte innerhalb der kommenden Wochen weiter vorbereitet, gesichert und für eine deutlich größere Zahl an Personal nutzbar gemacht werden.

Dass die Rodungsarbeiten derart schnell vorangetrieben wurden, hatte allerdings nicht nur mit dem geplanten Wachstum des Außenpostens zu tun. Bereits während der ersten Tage hatte sich gezeigt, dass die Wildnis jenseits der provisorischen Schutzanlagen deutlich gefährlicher war als zunächst angenommen. In den dichten Wäldern lebten zahlreiche größere Raubtiere, von denen einige kaum Scheu vor Maschinen, Licht oder fremden Geräuschen zeigten. Mehrere Angriffe hatten bereits schwere Verletzungen gefordert, mindestens zwei davon waren tödlich geendet.

Besonders in der Dämmerung und während der Nacht galten die äußeren Bereiche als gefährlich. Deshalb waren zusätzliche Wachposten eingerichtet, die Sicherheitsstreifen verbreitert und entlang wichtiger Wege Sensoren sowie Beleuchtung aufgestellt worden. Nachtarbeiten fanden nur noch unter bewaffneter Sicherung statt, während außerhalb der markierten Bereiche niemand ohne Funkgerät und wenigstens einfache Bewaffnung unterwegs sein sollte.

Da die ursprünglich eingeplanten Wachmannschaften dafür kaum ausreichten, hatte die Verwaltung zusätzliche Sicherheitskräfte aus der Hauptkolonie angefordert und zugleich über das Holonet nach erfahrenen Wachen, Scouts, ehemaligen Soldaten und registrierten Söldnern suchen lassen. Angeboten wurden überdurchschnittliche Bezahlung, Unterkunft, Verpflegung und entsprechende Gefahrenzulagen. Noch wusste niemand genau, welche Tiere in den umliegenden Wäldern lebten oder welche davon tatsächlich eine dauerhafte Bedrohung darstellten, weshalb Sichtungen und Angriffe inzwischen systematisch erfasst wurden.



Gleichzeitig trafen immer häufiger Wissenschaftler, Techniker, Geologen und Personen ein, die mit dem gewöhnlichen Aufbau eines Außenpostens wenig zu tun hatten. Bald sollten zusätzlich medizinische Module, Vermessungsausrüstung, mobile Labore, Geländefahrzeuge, Kommunikationsanlagen und ungewöhnlich große Mengen an Treibstoff eintreffen. Denn es wurde gesagt, dass von hier aus bald eine größere Erkundungs- und Erschließungsmission in das Landesinnere aufbrechen sollte.
Wohin genau, wusste kaum jemand genau.

Man sprach vom Kharon-Massiv im Norden, von den Akaru-Fällen weiter stromaufwärts und von Gebieten, für die selbst die aktuellsten Karten kaum mehr als grobe topografische Linien zeigten. Andere wiederum erzählten von seltenen Pflanzen, unbekannten Tierarten oder mineralischen Auffälligkeiten, die bei orbitalen Messungen entdeckt worden sein sollten. Der Wachmann hielt wenig von den Gerüchten. In einem Außenposten mit wenigen hundert Menschen reichten zwei Tage aus, um aus einer seltsamen Felsformation eine verlassene Tempelanlage und aus einem großen Tier eine ganze Herde menschenfressender Bestien werden zu lassen.

Er stützte die Unterarme auf die Brüstung des Turmes und sah hinaus.
Jenseits der gerodeten Fläche erhob sich der Regenwald wie eine gewaltige grüne Mauer. Selbst dort, wo sie vor wenigen Tagen mehrere Dutzend Meter zurückgeschnitten hatten, erschienen bereits wieder neue Triebe zwischen den aufgewühlten Flächen. Nebel hing über den oberen Baumkronen, während tief darunter Maschinen dröhnten, Stimmen erklangen und irgendwo ein Lastenkran piepend zurücksetzte. Von der Landeplattform stieg ein Shuttle auf, drehte über dem Fluss und verschwand schließlich zwischen den tiefhängenden Wolken.

Der Außenposten war klein, behelfsmäßig und schmutzig.
Und in vielerlei Hinsicht noch nicht mehr als eine befestigte Landeplattform und eine Ansammlung von Containern mitten in einem Dschungel, der vermutlich seit Jahrtausenden keinen Grund gehabt hatte, sich für die Pläne irgendwelcher Kolonisten zu interessieren.
Aber bald würde sich das ändern.


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Turrow hatte den ersten Schritt in Richtung Sicherheitsbüro gerade gemacht, als etwas durch den nachlassenden Regen zu ihm herüberrief. Der Wookiee blieb stehen und sah sich um. Auf der anderen Seite des Weges stand ein grüner Nikto im Eingang eines aufgeschnittenen Frachtcontainers. Eine Flasche in der Hand, mit der er in seine Richtung winkte. Noch einmal drang die Stimme herüber. Großer. Turrow ließ den Blick kurz über den Weg schweifen. Niemand in unmittelbarer Nähe war größer als er, damit war vermutlich er gemeint.Sein Blick wanderte zurück zu dem Nikto, dann zur Flasche, dann wieder zum Nikto. Ein Fremder, das allein war Grund genug, nicht einfach hinüberzustapfen. Fremde hatten ihm in den vergangenen Jahren selten etwas angeboten, weil sie plötzlich entdeckt hatten, wie gern sie mit großen weißen Wookiees teilten. Meistens kam hinter einem Getränk, einem freundlichen Wort oder einem angeblich guten Geschäft noch etwas anderes. Ein Preis, eine Forderung, oder jemand versuchte herauszufinden, wie dumm er war. Turrow verstand nicht immer die verschlungenen Wege, auf denen andere Wesen zu ihren eigentlichen Absichten gelangten. Aber er wusste inzwischen, dass diese Wege existierten.

Sein Blick wanderte erneut zur Flasche, Alkohol, wenn seine Nase ihn nicht täuschte, sogar Rum. Das wiederum war ziemlich eindeutig. Von seinem Quergurt erklang die Stimme von Syren.
„Wir kennen dieses Individuum nicht, Meister.“ Turrow brummte. „Nein. Mir ist ebenfalls kein Grund bekannt, weshalb ein völlig Fremder Euch unmittelbar nach Eurer Ankunft Alkohol anbieten sollte.“ Turrow betrachtete den Nikto noch einen Augenblick. Der Fremde wollte etwas, das war nicht ungewöhnlich. Eigentlich wollte fast jeder irgendwann etwas, die wichtigere Frage war, was. Und ob es den Rum wert war, ein tiefes Grollen kam aus seiner Kehle. „Hrrrauu... rrmmm. Graaah.“ Syren schwieg einen Augenblick länger als nötig. „Dass Ihr zunächst seinen Alkohol trinkt und anschließend herausfindet, was er von Euch möchte, beseitigt meine Bedenken nur eingeschränkt.“ Turrow zeigte ein paar Zähne und blickte über die Schulter zurück zum Verwaltungsgebäude. Das Sicherheitsbüro war noch dort, die Ausschreibung ebenfalls. Und wenn das Tier wirklich mehrere Arbeiter angegriffen hatte, würde es vermutlich auch in einer Stunde noch irgendwo im Dschungel herumlaufen. Der Rum vielleicht nicht, damit war die Sache entschieden.

Turrow wandte sich von den Informationsanzeigen ab und stapfte über den feuchten Weg. Seine schweren Schritte drückten Wasser und roten Schlamm unter den Füßen hervor. Der Regen hatte inzwischen deutlich nachgelassen, doch noch immer tropfte es von Gerüsten, Dächern und Planen. Wasser rann aus seinem silberweißen Fell und ließ das rostrote Haar an Kinn und Kehle dunkler wirken. Je näher er kam, desto besser konnte er erkennen, was der Nikto offenbar zu einer Bar machen wollte, einen alten Frachtcontainer. Oder zumindest etwas, das einmal einer gewesen war, bevor jemand einen großen Teil seiner Front herausgeschnitten hatte. Darin standen ein paar zusammengewürfelte Möbelstücke. Leitungen und Beleuchtung wirkten noch nicht vollständig verlegt. Irgendwo summte technische Ausrüstung, die nicht unbedingt den Eindruck erweckte, als hätte sie vorgehabt, das für immer zu tun. Und quer durch den Innenraum verlief ein massiver Baumstamm. Bearbeitet, geschnitten, ein Tresen, fast wie auf Kashyyyk. Turrow blieb kurz vor dem Eingang stehen und betrachtete das Ganze, Container, Dach, etwas zum Sitzen,ein Tresen, Alkohol. Seine Lefzen verzogen sich leicht, eine Bar, ein simple, aber funktionierende Bar. Warum andere Wesen daraus offenbar eine kompliziertere Angelegenheit machten, erschloss sich ihm nicht. Syren hingegen schien zu einer etwas differenzierteren Bewertung gekommen zu sein.
„Das Etablissement befindet sich offenbar noch in einer frühen Phase seiner Fertigstellung.“ Turrow sah zum Tresen, dann zu den Sitzgelegenheiten, dann zur Flasche in der Hand des Nikto. „Rrrrhhh.“ Es entstand eine kurze Pause. „Ja, Meister. Die für Euch wesentlichen Bestandteile scheinen bereits vorhanden zu sein.“

Der Wookiee trat unter das Dach. Wasser tropfte aus seinem Fell auf den Boden. Er schüttelte sich nicht. Zumindest nicht vollständig. Ein kurzes Rucken durch Schultern und Oberkörper genügte, um einige schwere Tropfen aus seinem Fell zu schleudern, bevor er sich wieder aufrichtete. Aus der Nähe musterte er den Nikto genauer. Grüne Haut mit rostroten Flecken. Tätowierungen auf den Armen. Ein rotes Tuch um den Kopf. Hornartige Auswüchse im Gesicht. Nicht besonders groß, nicht besonders schwer, keine sichtbare Rüstung, aber wahrscheinlich trotzdem bewaffnet… Fast jedes vernünftige Wesen auf einer solchen Welt war das. Der Nikto hatte ihn von der Straße gerufen, mit einer Flasche in der Hand. Und zumindest bisher machte er nicht den Eindruck, als hätte ihn die Vorstellung beunruhigt, einen völlig fremden Wookiee in seine unfertige Bar zu locken. Entweder wusste er sehr genau, was er tat, oder überhaupt nicht.

Turrow war sich noch nicht sicher, welche Möglichkeit ihm besser gefiel. Sein Blick wanderte kurz durch den Container. Der Eingang, schmale Fensteröffnung, der Tresen. Keine zweite sichtbare Person, die ihm sofort wichtig erschien. Dann wanderte sein Blick wieder zum Nikto und der Flasche. Die Reihenfolge war wichtig. Turrow hob langsam eine große Pranke und deutete zunächst auf den Rum. Ein tiefes, fragendes Brummen folgte.
„Rrrrmmm?“ Syren übernahm die Übersetzung. „Mein Meister möchte zunächst wissen, ob Eure Einladung tatsächlich den Inhalt dieser Flasche einschließt.“ Turrow blickte nach unten zu ihr. Zunächst? Das hatte er nicht gesagt. Syren schien den Blick zu ignorieren. Der Wookiee schnaubte, ließ es jedoch dabei bewenden. Sie kannte diese Dinge besser als er. Dafür trug er sie schließlich mit sich herum. Seine Aufmerksamkeit kehrte zu dem Nikto zurück. Er deutete anschließend mit einer Klaue über die Schulter zurück in Richtung des Verwaltungsgebäudes. Ein paar raue Laute folgten, dann ein kurzes Grollen. „Grrrauh... hrrrra. Rrraah.“ „Wir waren auf dem Weg zum Sicherheitsbüro.“ Noch ein Laut. „Rrrauh.“ „Mein Meister interessiert sich für eine dort ausgeschriebene Jagd.“ Turrow brummte zufrieden. Das war zumindest nahe genug an dem gewesen, was er gesagt hatte. Dann legte er den Kopf etwas schief und betrachtete den Nikto erneut. Da blieb noch die andere Frage. Warum? Warum winkte ein Fremder einen Wookiee von der Straße? Der Alkohol erklärte, womit er ihn herüberbekommen wollte, nicht weshalb. Einige tiefere Laute folgten. „Hrrrmmm... rraugh. Grrra.“ Diesmal antwortete Syren nicht sofort. Turrow sah zu ihr hinunter, sie ließ einen weiteren Moment verstreichen. Dann erklang ihre Stimme wieder, höflicher als sein ursprüngliches Grollen und wahrscheinlich auch etwas weniger drohend. „Und mein Meister würde anschließend gern erfahren, weshalb Ihr einen völlig Fremden von der Straße in Eure Bar bittet.“ Der Wookiee richtete den Blick wieder auf den Nikto. Syren hatte den Satz verändert. Nicht sehr, aber genug.Turrow konnte damit leben. Seine Aufmerksamkeit wanderte ein letztes Mal zur Flasche. Dann streckte er die Pranke aus, er würde den Rum nehmen. Danach konnte der Fremde erklären, was er wollte.


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Flocke beobachtete den Wookiee durch den Regen. Der reagierte definitiv auf ihn, schien dann aber irgendwie ein Selbstgespräch zu führen, bevor er langsam die Straße überquerte. Das war schon mal kein so gutes Zeichen.

Flocke senkte die Rumflasche und wartete geduldig. Das Pelzvieh hatte ein Fell, wie er es noch nie bei dieser Spezies gesehen hatte. Silbrig-grau und mit einem großen, dunkelroten Fleck vom Mund die Kehle hinab. Mit jedem schmatzenden Schritt, den das Biest näherkam, wurde der Nikto nervöser. Der Wook machte einen ziemlich gefährlichen Eindruck. Flocke erinnerte sich selbst daran, dass es die inneren Werte waren, die zählten, nicht die äußeren. Und die imposante Erscheinung des Monstrums war ein Grund mehr, ihn sich zum Freund zu machen.

Also winkte er ihn noch einmal einladend herein und wischte sich in der Bewegung unauffällig den Nervositätsschweiß von der Stirn. Als der Wookiee unter die Plane des provisorischen Vordaches trat, bemerkte Flocke erst den kleinen Droiden, der an seinem Körpergurt hing. Damit unterhielt er sich also! Gut. Also nicht zwingend verrückt.

Flocke begrüßte ihn noch einmal.


„Komm rein, Prachtkerl. Grade erst angekommen, oder? Leider haben die hier kein offizielles Begrüßungkomitee, aber dafür gibt’s den guten alten Flocke.“

Der Wook grollte etwas und der kleine Droide übersetzte prompt. „Mein Meister möchte zunächst wissen, ob Eure Einladung tatsächlich den Inhalt dieser Flasche einschließt.“

Der Wirt grinste breit und schielte kurz zu der halbvollen Flasche.
Ach, scheiß drauf, der ist die Investition sicher wert.

„Selbstverständlich! Ich bin kein Mann leerer Worte. Aber komm doch mit zur Bar, dann schenk ich mir auch einen ein.“ Er drehte sich um und ging hinter den Tresen, während sein Gast weiterjaulte und der Droide übersetzte, dass sie sich für die kürzlich ausgeschriebene Jagd interessierten. Und dann wollte er noch wissen, weshalb er in die Bar eingeladen worden war. Zum Schluss schnappte er sich die Rumfalsche einfach vom Tresen. Flocke erschrak kurz, fasste sich aber gleich wieder. Wer brauchte schon gute Manieren, wenn er so aussah…
Stattdessen zwang er sich zu seinem üblichen Barkeeper-Grinsen und zauberte noch ein Gläßchen auf die Platte, in das er sich wieder von dem entalkoholisierten Rum einschenkte, während er antwortete.


„Zweiteres ist leicht zu beantworten: Ich bin ein geselliger Typ. Sonst hätte ich wohl kein Pub, nicht wahr? Und hier in so einer feindlichen Umgebung, wie sie dieser Dschungel um uns herum ist, sollten wir alle zusammenhalten. Also, wie ich schon sagte: Nur ein kleiner Willkommensgruß. Zum Wohl!“, prostete er dem Wookiee zu und stürzte das Glaß hinunter. Dann kam er auf das Thema Jagdauftrag zurück.

„Du bist also ein Großwildjäger? Nun, rein äußerlich hast du auf jeden Fall das Zeug dazu. Und wenn du gut bist, dann gibt’s hier jede Menge Arbeit für dich.“

Er schenkte sich wieder ein. „Und falls du hin und wieder mal Aufträge von privater Seite annehmen willst, schau bei mir rein. Hier flattert immer wieder mal etwas rein. Das kann durchaus lukrativ sein, im Vergleich zu den mageren Pauschalen, die die Verwaltung hier zahlt.“

Flocke selbst hatte da schon die ein oder andere Idee, wie sich der haarige Muskelprotz gewinnbringend einsetzen ließ, aber er ging vorerst nicht weiter auf das Thema ein. Erst würde er den Kerl – oder war es eine Sie? – besser kennen lernen müssen.

„Also gut, meinen Namen hab ich ja schon verraten. Man nennt mich Flocke und ich betreibe hier die einzige Bar im Nadari-Außenposten. Und mit wem habe ich die Ehre, Großwildjäger?“

Mit diesen Worten hob er nochmals das Glaß, um dem Gast zuzuprosten.


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