Lantillies – Festgelände außerhalb der Hauptstadt – auf dem Hügel mit den Shipspottern – Rrooow und ihre Meute
Eigentlich mochte Rrooow die Atmosphäre hier mitten unter den Leuten. Das war nicht, was sie als Politikerin wider Willen so gewohnt war. Das war ihr Studentinnenleben und das hier Grunde eines der Festivals, das sie auf Rudrig besucht hatte. Diese Leute hier waren ausgesprochene Nerds, wie viele Ihrer Komillitonen. Es war die Sorte Leute, mit denen sie sich bis vor wenigen Jahren hauptsächlich zu tun gehabt hatte. Locker und ungezwungen. Nicht wie Politiker es sein mussten. Im Grunde wäre es ganz schön, hierzubleiben, aber dann wäre sie nicht besser wie ihre Begleiter, die sich bei der erstbesten Gelegenheit von ihrer Aufgabe ablenken ließ.
Die Togruta, die Ehmaaa eben noch die Flugdaten erklärt hatte, rief ihren Kumpanen ein kryptisches Kürzel zu und plötzlich brandete großer Jubel auf. Nhmetor spielte mit seinem Kom einen kurzen Jingle der Hymne der neuen Republik ab. Die Shipspotter waren ganz aus dem Häuschen.
»Wass isst loss? Warum die Hymne?«
Fragte sie den Zabrak. Der war aber total aufgeregt und schien überhaupt keine Zeit für sie zu haben.
»Das machen wir immer,«
Erklärte er knapp und wandte sich im selben Atemzug an die Frau am Datapad.
»Kennung?«
»MC80a Trident of Riusto mit ihren Begleitschiffen Wavecrest und Javelin, laut ihren Kennungen. Habe Bestätigung der Lantillies-Flugkontrolle.«
Bei Rrooow fiel der Dezicred. Sie stellte fest:
»Immer wenn ihr ein republikanisschhes Sschhifff ssichhtet sspielt ihr die Hymne.«
»Jaein, nur bei den großen. Bei den kleinen spielen wir was anderes. Nebenbei, Sie sollten sich echt ein besseres Schiff zulegen. Wart ihr alle in diesem winzigen T-6?«
»Begrüßt haben wir es aber trotzdem,«
Warf die Togruta in versöhnlichem Tonfall ein.
»Ja, natürlich. Aber ich nehme an, ihr habt schon ganz konkrete Vorschläge, welches Lantilles-Schiff wir stattdessen nehmen sollten?«
Nhmetor wirkte wieder abgelenkt.
»Senza, Sichtkontakt?«
»Mit der Mantle of Freedom ja, den MonCal noch nicht. Versuche eine gute Aufnahme der ganzen Formation zu bekommen,«
Erklärte der Mensch beiläufig, während er konzentriert an einem Reglerpult Einstellungen vornahm, das komplizierter aussah als alle Instrumente im Cockpit ihres völlig zu Unrecht herabgewürdigten T-6 zusammen. Ihrem Gesprächspartner schien gerade wieder einzufallen, dass sie auch noch da war.
»Sorry! Da gäbe es mehrere spannende Schiffe, die als Ersatz in Frage kämen…«
Rrooow ließ die Schnurrhaare entspannt sinken als Zeichen, dass sie es ihm nicht übelnahm. Aber sie fand, sie musste sich trotzdem irgendwie revanchieren:
»Okay, sschhickt meinem Asssisstenten einffachh eine Lisste. Er will schon lange ein neuess Sschifff.«
Dabei deutete die Katzenfrau aus Sirion. So verzückt, wie er durch das Makroteleskop durchguckend wirkte, war da inzwischen wohl mehr zu sehen als nur ein Schiff. Er schien sie gar nicht mehr wahrzunehmen.
»Aber meinten Sie nicht, es würden keine MC80 kommen?«
Fragte Nhmetor plötzlich und erwischte Rrooow beinahe auf dem falschen Fuß. Sie erinnerte sich an ihre Worte. Sie hatte genug mit Wortverdrehern zu tun um schnell zu lernen wie wichtig es war, zu wissen, welche Worte es waren, die man vor fünf Minuten gesagt hatte und aus denen ihnen jemand nur einen Strick drehen wollte. Sie wusste, dass ihre Formulierung so gewesen war, dass keine hapanischen Schiffe zu erwarten wären. Das hatte sie zwar nicht gemeint, aber gesagt, von daher… Außerdem, wie wirkte das denn, wenn sie den Eindruck machte, nicht genau zu wissen, wie groß die Flottille war, die heute zu Besuch kommen würde, vor dem Hintergrund der Bedenken, dass man ja nicht wie eine Invasionsstreitmacht wirken wollte, die die Isolationisten verschreckte.
Aber nein, sie war besser als das. Keine Lügen aus ihrem Maul und keine vorgeschobenen Argumente, warum diese moralisch gerechtfertigt wären. Sie war ehrlich.
»Ichh hab michh leider nichht damit befassst, welchhe Sschhiffe heute genau eintrefffen. Hätte ichh ess gewussst, dass wir unss begegnen, hätte ich mich natürlichh sschhlau gemachht,«
Meinte sie in jovialem Ton, und fügte an:
»Aber nun mal eine theoretische Frage: würden imperiale Sternenzerstörer eintreffen, würdet ihr diese ebenfalls so begrüßen?«
»Naja, diese würde ja wohl keine Kennungen aussenden, aber im Raumradar würden sie natürlich auftauchen und die Flugkontrolle ihre Bewegungen aufzeichnen, schon um Kollisionen mit dem zivilen Verkehr zu vermeiden.«
So wie er das sagte und vor dem Hintergrund der Kämpfe auf Kashyyyk drängte sich in Rrooows Kopf ein sehr unschönes Bild von riesigen keilförmigen Schlachtschiffen, die durch den zivilen Verkehr von Lantillies pflügten wie ein Tyrannosaurier durch einen Mückenschwarm. Wie gut, dass diese Gefahr nicht zuletzt durch ihren Einsatz für Lantiillies aller Wahrscheinlichkeit abgewendet war. Aber offensichtlich teilte Nhmetor dieses Gefühl nicht.
»Und ihr würdet ssie mit dem imperialen Marsschh begrüßzen?«
»Klar, man muss ihre Anwesenheit ja nicht gut finden, aber so professionell muss man als Shipspotter einfach sein. Letztes Jahr wollten wir nach Taanab, aber imperiale Visa sind so verdammt schwer zu kriegen.«
»Vielleicht müssen wir das ja bald gar nicht mehr,«
Ergänzte Senza unbekümmert, der zufrieden mit seinen Aufnahmen schien und das Teleskop inzwischen ganz Sirion überlassen hatte.
»Nein, dass ssolltet ihr euchh lieber nichht wünsschhen, ganzs ehrlichh,«
Belehrte sie den Menschen. Das war genau das, was nun hoffentlich nicht passieren würde und das letzte, was sie wollte, wäre eine Raumschlacht auf dem Gebiet der Phobium-Allianz. Die Richtung, die dieses Gespräch gerade nahm, gefiel ihr nicht und sie hatten hier schon genug Zeit vertrödelt.
»Ess war sschhön euchh kennenzulernen, aber wir müsssen nun wirklichh zsum Podium. Kommt,«
Wandte sie sich an die anderen. Tyross und Ehmaaa waren gleich bei Fuß, aber Sirion reagierte nicht.
»Ssirion?«
Keine Reaktion. Rrooow zuckte mit den Ohren.
»Ichh lassse ihn euchh da, er weißz ja wo er michh ffindet.«
Rrooow begann, sich auf ein Neues den Weg durch die Menge zu bahnen, nun etwas zielstrebiger, als es vorhin mit Sirion möglich gewesen war. Es folgten weitere kleinere Gespräche und Autogrammwünsche und irgendwann hörten sie das Röhren von Raumjägertriebwerken. Eine stattliche Anzahl X-Wings flogen in sicherem Abstand am Gelände vorbei, aber nahe genug, dass sie auch mit bloßes Auge gut zu erkennen waren. Die Leute zeigten mit ihren Fingern auf sie und es gab lautes Gejohle und Jubel. Der Togorianerin schien es, als wäre ganz Lantillies ein raumschiffverrücktes Völkchen. Sicherlich hatten die Shipspotter gerade auch ihren Spaß. Nur Jayne wirkte wieder sehr angespannt… waren es immer noch die Menschenmassen oder das Gefühl, in Sachen Feuerkraft nicht mithalten zu können?
»Ruhig, Jayne,«
Raunte sie ihrem Sicherheitsmann zu, aber der ließ sich gerade nicht beruhigen. Schließlich bemerkte auch Rrooow den Grund. Da rückte eine stattliche Anzahl Marinesoldaten in Ausgehuniformen und begaben sich in Position. Sie standen Spalier und bildeten einen Korridor für die Senatorin. Ja, das war der Grund. Jayne fühlte sich in Sachen Feuerkraft hoffnungslos unterlegen.
»Die gehören zsu unss, keine Ssorge,«
Beruhigte sie den Menschen und überlegte, dass sie ihm das nicht antun könnte. Ob das nun sein Ego war, dass seine Aufgabe gerade sinnlos geworden war oder die Paranoia, die er offensichtlich hatte oder irgendwas verrücktes, war ihr nicht klar, aber es war besser, ihn aus der Situation zu halten. Sicherlich gäbe er auf der Bühne ein komisches Bild ab in der Verfassung.
»Ichh habe genug Sschutzs jetzst. Magsst du nichht zsurück zsu Ssirion gehen, damit der unss nichht abhanden kommt?«
Jayne nickte dankbar, schlug die Hacken zusamenn und machte kehrt. Der Rest des Weges war für Rrooow nun einfach und schnell zu bewältigen. Es gab genug Platz, damit die auf drei Togorianer zusammengeschrumpfte Delegation bequem zum Podium marschieren konnte, ohne sich an anderen Leuten vorbeizwängen zu müssen. Sie schaffte es gerade rechtzeitig, einzutreffen, als die beiden Captains vom Spalier in die Mitte des Podiums durchgelassen wurden. Delres Briant, der Rest der lantillianischen Regierung und Senatorin Turima warteten bereits auf sie.
Was Rrooow auffiel: da war ein freier Shuttle-Landeplatz neben den beiden Militärfähren und dem stilvollen hapanischen Gefährt von Belandri. Ihr freier Landeplatz… das hatte sie Sirion zu verdanken. Nicht daran denken, Festtagsmiene aufsetzen, das war ja auch so gerade nochmal gutgegangen.
Die hochgestellten Persönlichkeiten trafen sich in der Mitte. Eigentlich hatte Rrooow mit einem General oder Admiral gerechnet, aber vermutlich war auch das eine Abwägungsfrage ähnlich derer, mit welcher Anzahl von Kreuzern man die Shipspotter beglücken wollte. Die Menschenfrau (Ley'eth)und der Mon Calamari (Reyess) waren beide Captains, das sah die Togorianerin an ihren Abzeichen. Sie hatte schon mehrere Captains kennengelernt, um das zu wissen. Was sie auch wusste: bei den Begrüßungen die richtige Reihenfolge einzuhalten. Weiter hinten sah sie Ulariel. Eigentlich hatte Rrooow das Bedürfnis, sie persönlich zu sehen, aber das müsste warten müssen. Die Vorsitzende hatte sich zu ihr umgedreht und sah sie an.
»Grüße, Senatorin. Wie ich sehe, haben Sie es doch noch geschafft.«
»Guten Tag, Vvorsitzsende. Ja, wass lange währt…«
Entgegnete Rrooow und merkte, dass Briant nicht vom langen, anstrengenden Beitrittsprozess sprach.
»Ffür eine Togorianer isst ess nichht sso sschwierig, ssichh den Weg durchh eine Menge zu bahnen. Die meissten Leute machhen einem zsiemlich bereitwillig Platzs. Nur Botsschhaffter Athsmithstacsia haben wir eingebüßzt, aber ichh vverssichhere Ihnen, er isst ganzs in sseinem Element.«
Als nächstes war Senatorin Belandri an der Reihe, zweifellos die hochgestellteste und bedeutendste Persönlichkeit des Tages, aber das Protokoll sah vor, dass die Staatschefin der Beitrittswelt als erstes kam. Sie begrüßte die Hapanerin und nach einem ähnlichen kurzen Smalltalk traf sich mit den Flottenoffizieren.
»Guten Tag, Captains. Ichh bin die Botschaffterin vvon Lantilliess, Ssenatorin Rrooow, und ess isst mir eine Ffreude, Ssie heute hier auff unsserer Sschhönen Welt begrüßzen zsu dürfften,«
Trug die Togorianerin ihren Text vor. Das war so verrückt. Was war sie denn nun, Botschafterin oder Senatorin? Sie war auch nicht von Lantillies und war hier selber nur zu Gast… Nur sah das Protokoll eben vor, dass Rrooow die Vertreterin von Lantillies war, der Beitrittswelt. Die Vertreterin der neuen Republik war an diesem Tag Senatorin Belandri. Die Denkweise war ungewohnt und löste Knoten im Hirn aus, aber ein bisschen hatte sie sich im Laufe der Beitrittsprozess schon daran gewöhnt. Nur interessierte es auf Dac in den Ausschüssen und Arbeitsgruppen niemanden, wenn sie sich mal in ihren Rollen verhaspelte. Hier vor all den Leuten und vor laufenden Holokameras wäre das dagegen ziemlich peinlich.
Lantillies – Festgelände – auf dem Podium unter dem Empfangspavillion – Abgesandte Ulariel Nykantia von Contruum, Regierungsmitglieder von Lantillies, Vorsitzende Delres Briant, Ehmaa und Tyross (alles NPCs), Senatorin Turima Belandri (inaktive SC), Captains Daraay und Korrill, Rrooow (und viele andere mehr)