Lianna

Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Straßenrand auf dem Basisgelände | Fayr Ced, Neelyn Vandrik, Major Chonda

Sehr zur Irritierung des Corellianers folgte sein Kollege nicht seinem Beispiel und schenkte Major Chonda tatsächlich reinen Wein ein darüber, was aus seiner Sicht heute passiert war. Fayr ließ von seiner Irritation nichts nach Außen dringen, zumindest nicht, bis ihr Staffelführer außer Sicht- und Hörweite war und Neelyn Gelegenheit gehabt hatte, seine Beweggründe darzulegen.

„Es geht doch nicht um heute Abend, Vandrik. Wenn es sein muss lasse ich mich auch den ganzen Tag von einem Vorgesetzten anschreien. Das ist nicht das Problem.“

Fayr hob verärgert die Schultern und rümpfte auch seine Nase, um seinen Unmut auszudrücken.

„Mit ein wenig Pech wird uns diese Affäre aber mehrere Wochen beschäftigen. Wenn nicht mehr. Aussagen bei der Militärpolizei, anschließende Gerichtsverhandlung...all' das dauert und das nur, weil einer nicht seine Klappe halten konnte.“

Jetzt schnalzte der Corellianer sogar ungehalten mit seiner Zunge.

„Und was unsere Beteiligung angeht? Ihnen ist offenbar entgangen, dass wir uns vom Tatort entfernt haben, ohne auf die Militärpolizei zu warten. Das kann man uns nachteilig auslegen. Und die Verteidigung der Infanteristen wird alles daran legen, uns die Schuld an der Affäre anzuhängen, um die eigenen Mandanten zu entlasten.“

Fayr schüttelte missbilligend den Kopf.

„Sie hatten sich doch über Ihren alten Job beklagt. Je nachdem, wie es läuft, werden Sie vielleicht bald wieder Zivilfrachter fliegen dürfen. Hoffen wir, dass es stattdessen bei einer Verwarnung, eventuell einer Woche Arrest – hoffentlich auf der Stube und nicht in der Zelle - und vielleicht einem Monat Soldeinbehalt bleibt oder dergleichen.“

Kurz darauf waren sie dann auch schon vor Major Chondas Büro angekommen. Der Corellianer strich seine Uniform glatt, atmete tief durch und klopfte dann an die Tür, um sich anzukündigen. Nachdem er hereingerufen wurde, trat Fayr ohne zu zögern ein, schloss die Tür hinter sich und salutierte zackig vor dem Schreibtisch, hinter dem der Pantoraner saß.

„Melde mich wie befohlen, Major!“

Der Staffelführer ignorierte Fayr zunächst komplett. Stattdessen widmete er sich ganz dem kleinen Hologramm auf seinem Schreibtisch, das den vorläufigen Bericht der Militärpolizei verlas. Erst als sich Chonda von der jungen Offizierin verabschiedet hatte und das Hologramm erlosch, schaute der Pantoraner auf und nahm Fayrs Salut ab.

„Rühren Lieutenant. Also, was haben Sie mir zusagen?“

Fayr nahm Habachtstellung ein und starrte einen imaginären Punkt an der Rückwand des kleinen Büros an.

„Ich habe der Aussage von Lieutenant Vandrik nichts hinzuzufügen, Sir.“

Major Chonda verengte die Augen und starrte Fayr still an. Er ließ die Stille erdrückend werden, bevor er wieder die Stimme erhob, die eiskalt und gefährlich ruhig war.

„Führen Sie mich Schritt für Schritt durch Ihren Tag Lieutenant. Und fangen Sie ja nicht an, meine Zeit zu verschwenden. Überspringen sie alles triviale und verkaufen Sie mich nicht für dumm.“

Innerlich verfluchte Fayr seinen Kollegen noch einmal, ließ von seiner Verärgerung aber nichts nach außen dringen.

„Nachdem Lieutenant Vandrik und ich unsere Arbeiten für heute beendet haben, haben wir uns einen Gleiter vom Fuhrpark ausgeliehen und damit die Basis verlassen, um im nächst gelegenen Ort ein Steak zu essen und uns auszutauschen. Kaum hatten wir aufgegessen, ist dann das passiert, was Lieutenant Vandrik Ihnen bereits beschrieben hat.“

Damit verstummte der Corellianer wieder. Er hatte nicht vor, Major Chonda mehr mitzuteilen als unbedient nötig. Der Pantoraner hatte sich bisher nicht gerade als Menschenfreund gezeigt, also wollte Fayr ihm nicht mehr Munition geben als unbedingt nötig. Außerdem gewährten Verfassung und Militäregularien jedem Soldaten gewisse Rechte, darunter das Recht zu schweigen, um sich nicht selbst zu belasten. Erwartungsgemäß nahm Major Chonda diese Schweigsamkeit alles andere als gut auf.

„Sie haben mich wohl nicht richtig verstanden, Lieutenant Ced! Ich habe gesagt, Sie sollen meine Zeit nicht verschwenden! Also Rücken Sie schon raus mit der Sprache, verdammt!“

Der Rücken des Corellianers versteifte sich noch mehr, wenn das überhaupt möglich war. Innerlich fluchte Fayr seinen Staffelführer. Chonda war viel zu versessen auf Regularien für seinen Geschmack und offensichtlich erkannte er weder, gegen eine Wand anzurennen noch das riesige 'Fick dich!', das er sich rhetorisch auf die Stirn gemalt hatte. Er atmete einmal tief durch, bevor er weitersprach.

„Sie wollen also die ganze Wahrheit hören, Major?“

Jetzt schlug Chonda mit der Faust auf den Tisch.

„Da haben Sie verdammt nochmal recht, Lieutenant! Endlich macht es Klick, also reden Sie schon!“

Damit fühlte sich der Corellianer nur in seiner Entscheidung bestätigt, Chonda reinen Wein einzuschätzen. Sollte er ihn und Vandrik doch ein Strafverfahren anhängen und sie aus dem Dienst entfernen, mittlerweile war es ihm tatsächlich egal.

„Sagen Sie später nur nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt, Sir. - Nach Dienstschluss haben wir die Basis verlassen, um in einem der örtlichen Lokale ein Steak zu essen. Während wir überlegt haben, was wir zum Nachtisch essen wollen, kamen ein paar betrunkene Infanteristen zur Tür herein und fingen an die Gäste zu belästigen. Als sie an unseren Tisch kamen, forderten sie all' unser Geld und sonstige Wertsachen ein. Alle unsere Beschwichtigungsversuche wurden ignoriert, stattdessen wurden wir weiter verspottet und es wurde sogar ein Bier über meine Hose gekippt und vor meine Füße gespuckt, um mich zu provozieren. Selbst dann haben wir noch versucht zu deeskalieren, doch als die Trunkenbolde sich Lieutenant Vandrik vornehmen wollten, da ich nicht auf ihre Provokationen eingegangen bin, habe ich präventiv zugelangt und einen Twi'lek mit beherztem Griff in seinen Lekku zu Boden befördert, bevor Lieutenant Vandrik zu Schaden kommen konnte. Danach brach eine Schlägerei zwischen den anwesenden Piloten und den Infanteristen aus und ich kann nicht ohne Stolz vermelden, dass das Raumjägerkorps den Schlammstampfern ganz schön den Arsch versohlt hat, Sir!“

So laut das Geschrei in dem kleinen Büro bis zu diesem Punkt gewesen war, so bedrückend war die Stille, die sich nun ausbreitete. Man hätte ganz sicher die sprichwörtliche Stecknadel fallen lassen können. Major Chonda schienen einfach die Worte zu fehlen und der Pantoraner blieb so lange still, dass Fayr schließlich argwöhnte, der Mann habe einen Herzinfarkt erlitten, sodass er einen Sekundenbruchteil runter zu dem Pantoraner zu schauen. Und Chonda schien tatsächlich mit einem Tobsuchtsanfall zu ringen oder was für seine Spezies dafür durchging.

Plötzlich ging die Tür auf und die stellvertretende Staffelführerin Lieutenant Lannah Sartori stürmte in das kleine, mittlerweile fast überfüllte Büro herein. Sie kam gar nicht dazu, irgend etwas zu sagen, bevor sie von Chonda angeherrscht wurde.

„Ich will für Sie hoffen, dass das wichtig ist. Ich hatte gesagt, dass ich nicht gestört werden will!“

Die Corellianerin zuckte sichtbar zusammen. Mit diesem Anschiss hatte sie so offenbar nicht gerechnet.

„Das ist es, Sir! Schalten Sie bitte Kanal 42 ein. Es gibt Nachrichten aus dem Imperium!“

Der Pantoraner tat wie geheißen und drehte den Ton an seiner Konsole auf, damit alle hören konnten, wie die frisch gebackene Imperatorin verkündet wurde und anschließend den Jedi so einiges vorwarf und dann Forderungen an die Republik stellte. Die Frau auf dem Ton hatte kaum ausgesprochen, da piepten die Datapads aller anwesenden Piloten. Jede der Nachrichten besagte dasselbe. Der Status der Basis war von Alarmbereitschaft auf erhöhte Alarmbereitschaft heraufgestuft worden und sämtliche Freigänge oder Urlaube waren bis auf weiteres ausgesetzt. Alle höheren Zustände fanden nur im Kriegsfall Verwendung, die Lage war verdammt ernst.

Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Major Chondas Büro | Fayr Ced, Neelyn Vandrik, Major Chonda, Lieutenant Sartori
 
[Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Auf dem Weg zum Büro des Staffelkommandanten der Mynock-Staffel] Fayr Ced, Neelyn Vandrik

„Es geht doch nicht um heute Abend, Vandrik. Wenn es sein muss lasse ich mich auch den ganzen Tag von einem Vorgesetzten anschreien. Das ist nicht das Problem. Mit ein wenig Pech wird uns diese Affäre aber mehrere Wochen beschäftigen. Wenn nicht mehr. Aussagen bei der Militärpolizei, anschließende Gerichtsverhandlung...all' das dauert und das nur, weil einer nicht seine Klappe halten konnte.“

Neelyn nahm mit einer eigenartigen Mischung aus Trotz und Schuldgefühlen zur Kenntnis, dass Ced ihm seine ehrliche Antwort an Chonda übelnahm. Aber was genau hatte er erwartet? Der Pilot hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm Offenheit und Professionalität wichtig war und auch in der Cantina hatte er angemerkt, dass es Zeit gewesen wäre, die Militärpolizei selbst zu benachrichtigen, was Ced gepflogen ignoriert hatte. Von der eigenartigen Meldung des Corellianers ganz zu schweigen: „Diese Meldung wollen Sie nicht hören!“ Was genau erwartete er, wenn er dem Major eine derartig alberne Aussage präsentierte? Gleichzeitig stellte Vandrik fest, dass es ihm leid tat seinen Staffelkameraden in – vielleicht? – unnötige Schwierigkeiten gebracht zu haben und ihm eine Menge an Papierkram aufgehalst zu haben. Er mochte Ced, auch wenn sie wohl beide gänzlich unterschiedliche Herangehensweisen an ihr Offizierspatent hatten.

„Denken Sie eigentlich Chonda ist ein Idiot, Ced?“ fragte Neelyn halb irritiert, halb ahnend, was die Antwort des Corellianers auf diese rhetorische Frage sein würde. „Wir kommen mit demolierten Gesichtern hier an und Sie antworten dem Major auf seine Nachfrage, dass er – der mir in Pedanterie in wenig nachsteht – die Details nicht hören will? Haben Sie ihm eigentlich in den diversen Briefings auch einmal zugehört? Damit haben Sie ihm quasi den perfekten Vorwand geliefert den harten Kath-Hund zu spielen!“

Ced merkte an, dass es Fragen aufwerfen würde, dass sie den Tatort vor dem Eintreffen der Militärpolizei verlassen hatten. Da hatte er ohne Zweifel recht – Neelyn hatte zuvor nicht darüber nachgedacht, was dieser Fakt für Sie bedeuten würde. Gleichwohl sah er nicht ein, wieso er sich von dem wütenden Trandoshaner die Gesichtsknochen hätte rearrangieren lassen sollen, nur um in diesem Fall den Regeln zu entsprechen, in dem er darauf wartete, dass die Militärpolizei seine Überreste vom Cantina-Boden abkratzte. Selbst seine Vorliebe für Dienst nach Vorschrift hatte Grenzen. Noch dazu gab es genügend Zeugen - Personal, Service-Droiden, andere Piloten – die ihre Version des Ablaufs des Geschehens bezeugen konnten. Dementsprechend war er – vielleicht naiverweise, wie er bereit war einzuräumen – wenig besorgt.

„Ich mag vielleicht regelverliebt sein, aber auch ich lasse mir nicht von einem wütenden Trandoshaner die Fresse polieren, damit die Militärpolizei mich retten kann, wenn sie denn irgendwann einmal eintrifft,“ antwortete Neelyn trocken. „Vielleicht wäre sie ja sogar rechtzeitig unterwegs gewesen, wenn Sie meinen Hinweis beachtet hätten und sie selbst alarmiert hätten …“ Vandrik seufzte unzufrieden. Sie legten die letzten Meter auf dem Weg zu Chondas Büro zurück. „Bevor Sie da rein gehen, Ced,“ begann er in versöhnlicherem Ton. „Denken Sie dran: wir arbeiten seit Wochen unter Alarmbereitschaft und die politische Lage ist beschissen. Ich bezweifle, dass Chonda es sich leisten kann uns ernsthaft aus dem Dienst zu entfernen. Auch wenn er niemand ist, mit dem ich gerne Ale trinken würde – im Gegensatz zu Ihnen – hat er uns alles in allem anständig geführt. Sie hat er sogar erfolgreich für einen Orden vorgeschlagen, auch wenn sie fliegen als gäbe es kein Morgen mehr und ich mir ziemlich sicher bin, dass er weiß, das Sie gelegentlich unerlaubt am Antrieb Ihres XJ-Flüglers rumbasteln. Chonda weiß, was wir können. Ganz abgesehen davon: er braucht uns gerade. Also machen Sie sich da drin nicht unglücklich.“

Die Tür öffnete sich. Vandrik, Sie warten einen Moment vor der Tür, bis ich Sie dazu bitte. Ced, Sie kommen rein. Ich würde zu gerne Ihre volle Meldung hören …“ Ein schuldiges Lächeln huschte über Neelyns Gesicht, während der Corellianer seine Uniform zurecht zog. "Viel Glück," flüsterte er leise. Und damit verschwand Ced in Chondas Büro. Neelyn seufzte abermals und ließ sich langsam an die kalte Metallwand zurückfallen, wo er versuchte sich einigermaßen bequem anzulehnen. Aus dem Büro ihres Staffelkommandanten war nichts zu hören, also blieb ihm wenig anderes als zu warten. Es war kühl hier tief im durastählernen Bauch des Wolkenkratzers, der an seiner abgeflachten Spitze ihren Militärflugplatz beherbergte. Immerhin: im Gegensatz zu den sterilen Gängen der zahlreichen Trägerschiffe der Republik war die Luft hier frisch und schmeckte nicht trocken und abgestanden auf der Zunge. Mit einem ungeduldigen, leicht gelangweilten Grummeln schaute er sich um. Was hier fehlte waren eindeutig ein paar Pflanzen. Der Stützpunkt hatte wenig Dekoration jenseits von einigen republikanischen Siegeln und den Wappen der hier stationierten Militäreinheiten, die vereinzelt aushangen. Neelyn schreckte auf, als er plötzlich laute Stimmen durch die geschlossene Tür dringen hörte. Zwar konnte er keine Sätze oder auch nur mehr als einzelne Worte ausmachen, aber er hörte zuerst Chonda dann Ced Schreien. Mit einem Seufzen legte er seine Hand in den Nacken und massierte langsam seine Muskeln. „Ach verdammt, Ced …,“ brummte er unzufrieden. Dann hörte er eilige Schritte.

Im Laufschritt kam ihr XO, Lt. Sartori den Gang lang gelaufen. Auch wenn die blonde Corellianerin deutlich lockerer war als ihr Staffelkommandant, war Neelyn überrascht, dass sie seine unerwartete Präsenz und auch die geplatzte Lippe in seinem Gesicht komplett ignorierte. Im letzten Moment bevor sie die Tür zu Chondas Büro aufreißen konnte, drehte sie sich kurz zu ihm um, die Miene gespenstisch, das Gesicht bleich. Vandrik, nehmen Sie Ihr Pad zur Hand und verbinden Sie sich über das Netz des Stützpunkts zum Nachrichten-Livefeed. Kanal 42!“ blaffte die stellvertretende Staffelkommandantin, bevor sie ins Büro verschwand. Ein weiterer Aufschrei von Chonda war zu hören, ehe mit einem Mal gänzliche Stille zu herrschen schien. Irritiert beschloss Neelyn zu tun wie geheißen und nahm sein Datapad zur Hand. Die Transkription der Übertragung im Nachrichtenfeeds des Senders ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Der Imperator war tot – und seine Nachfolgerin, warf dem Jedi-Orden vor ihn ermordet zu haben, stellte der Republik gar ein Ultimatum. Da war er also, der Grund für die Nachrichtensperre im Imperium, der Grund, wieso die Streitkräfte und Sektorverteidigungskräfte überall mobilmachten und sie nach dem Ende von ‚Schwarzer Nebel‘ unter Hochdruck ins republikanische Gebiet zurückverlegt worden waren. Könnte das Alles etwas mit dem plötzlichen Verschwinden des C-Virus zu tun haben?! Das bittere Krisensüppchen, das tage-, ja wochenlang vor sich hin geköchelt hatte, war nun bereit gegessen zu werden. Und Neelyn war sich ziemlich sicher, dass es beschissen schmecken würde.

Wie um seinen Gedanken zu untermalen, piepte sein Pad und er sah, dass die Alarmbereitschaft noch einmal hochgestuft worden war. Krieg. Der Gedanke jagte ihm ein kaltes Schaudern über den Rücken. Gleichwohl spürte er auch eiserne Entschlossenheit irgendwo tief aus seinem Unterbewusstsein aufsteigen. Wenn sie Krieg wollten, würden Sie ihn bekommen! Es war vermutlich das Erste mal seit ihm seine Eltern Heldengeschichten von den Jedi, den heldenhaften Kriegern der Republik, erzählt hatten, dass er eine gewisse Bewunderung für den Orden verspürte. Endlich einmal sprangen sie über ihren verdammten Schatten, hörten auf mit dem ewigen Schwadronieren von Frieden und Gerechtigkeit und taten wirklich etwas dafür, dass die Menschen dieser Galaxis eine Chance auf echte Gerechtigkeit hatten! Seine Gedanken wurden unterbrochen, als Sartori mit ernstem Gesicht die Tür zum Büro aufstieß und ihn hineinwinkte. Es war eng in dem kleinen Büroraum und nur der Major selbst schien es auf seinem Sessel einigermaßen bequem zu haben. Ceds Blick war kaum zu deuten, während Sartori irgendwo zwischen Aufregung und Entschlossenheit zu schwanken schien. Chonda selbst schien die Wut, die er noch Minuten zuvor hörbar aus sich herausgeschrien hatte, wie auf Knopfdruck beiseitegeschoben zu haben. Sein Gesicht war hart, kühl und kontrolliert.

„Gentlemen, angesichts der Situation ist nicht davon zu reden, dass es angesichts des heutigen Vorfalls zu einem großen Verfahren kommen wird,“ sagte er in seinem besten, distanzierten Tonfall, mit einem Hauch von Bedauern in der Stimme. „Was nicht heißt, dass es keine Konsequenzen haben wird, aber ich bin sicher der Captain der Militärpolizei wird mir nicht widersprechen, wenn ich ihm sage, dass er die Ermittlungen auf Eis legen soll.“ Ein mürrisches, hauchdünnes Lächeln stand in seinem blauen Gesicht. „Meine Herren, Ihre noch ausstehenden Urlaubstage sind gestrichen – ja, auch die, die an die Sie mich seit Ihrer Ankunft bei der Staffel zuverlässig jede Woche erinnern, Lieutenant Ced – und bis auf weiteres werden Sie die Basis nicht verlassen.“ Das Lächeln wurde ein wenig breiter, als er sah, dass es bei Neelyn Klick gemacht hatte: erhöhte Alarmbereitschaft hieß im Wesentlichen ohnehin genau das, was er ihnen gerade als „Strafe“ aufgedrückt hatte.

„Und jetzt sammeln Sie die Piloten Ihrer Rotten. Erwarten Sie ein Briefing in einer Stunde auf Hangarebene Forn-3. Ich bin sicher unsere Marschbefehle werden nicht auf sich warten lassen …“ Sein strafender Blick traf beide ein letztes Mal. „Weggetreten!“
[Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Büro des Staffelkommandanten der Mynock-Staffel] Fayr Ced, Neelyn Vandrik, Major Layo Chonda & Lieutenant Lannah Sartori (NPCs)
 
Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Hangar 42 | Fayr Ced

Kaum zwei Tage waren seit dem Ende der Schlacht von Kashyyyk vergangen. Das Raumjägerkontingent der Challenger hatte erhebliche Verluste einstecken müssen und daher war sie nach Lianna zurück beordert worden, um ihr Raumjägerkontingent zu erneuern und sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Commander Bothab und Major Chonda hatten sowohl Neelyn als auch Fayr selbst dazu einiges zu sagen gehabt. Der Corellianer blickte mit sehr gemischten Gefühlen auf das Gespräch zurück. Natürlich fühlte er sich geehrt für die geplanten Auszeichnungen. Er scheute auch keine Herausforderungen und hatte sich auch bereit erklärt, die neue Rolle als Staffelführer anzunehmen. Dennoch war er nicht überzeugt davon, dass er in Friedenszeiten so schnell befördert worden wäre. Nun aber gehörten Neelyn und Fayr quasi zur Elite des Raumjägerkommandos und die Führung schien gewillt, die Piloten mit frischer, handfester Erfahrung im Kampf gegen das Imperium so schnell wie möglich in der Flotte zu verteilen, damit junge, frisch ausgebildete Piloten von ihrem Wissen profitieren konnten.

Fayr betrachtete sich selbst im Spiegel. Er war immer noch ziemlich blass, aber davon abgesehen war von der Strahlenkrankheit zum Glück nichts zurück geblieben. Natürlich fühlte sich der Corellianer immer noch ausgelaugt, aber er vertraute den Ärzten so sehr wie den eigenen Fliegerkünsten. Und so schluckte er ohne Bedenken zwei weitere der Pillen, die ihm verschrieben worden waren, bevor er die Uniformjacke der Ausgehuniform bis zum Kragen zuknöpfte und anschließend an eben diesem Kragen zog. Die Jacke passte an sich perfekt und trotzdem war ihm der Kragen einfach zu eng. Das mochte vielleicht am Druck liegen, der auf ihm fortan liegen würde, aber davon abgesehen bevorzugte er auch einfach die einfache Dienstuniform und vor allem den Fliegeroverall. Heute aber war für die Ehrungszeremonie die Ausgehuniform obligatorisch. Ein letztes Mal steckte Fayr seine Rangabzeichen als Lieutenant an. An sich geschah dies aus dem Muskelgedächtnis, hatte er es doch unzählige Male zuvor schon genauso getan. Und doch wurde der Corellianer einen Moment wehmütig. Mit dem heutigen Tag schloss sich ein Kapitel seines Lebens. Er würde eine Tür durchschreiten, durch die es kein zurück gab.

Mit ähnlich gemischten Gefühlen legte sich Fayr zunächst das Kampagnenband Schwarzer Nebel an. Schon bald würde sich das Kampagnenband für Operation Homecoming an, es war erst seine zweite erfolgreich abgeschlossene Kampagne und doch fühlte sich Schwarzer Nebel so weit entfernt an, als hätte sie in einem anderen Leben stattgefunden. Damals hatte er auch den Halbmond von Calidor in einfacher Ausführung erhalten. Der Orden erfüllte Fayr tatsächlich mit einer gehörigen Portion stolz, wurde sie ihm doch dafür verliehen, Leben gerettet zu haben und der Kater, dem ihm die Ronto-Staffel anschließend bei der Siegesfeier beschert hatte, brachte tatsächlich ein Lächeln auf sein Gesicht. Abschließend zupfte Fayr noch an Hose und Ärmeln herum. Wirklich zufrieden war er nicht, aber schließlich entschied er, dass er einfach nervös war, betrachtete sich ein letztes Mal im Spiegel und fand nichts, das eine Inspektion nicht passieren würde. Also atmete er tief durch und verließ das temporäre Quartier, das ihm auf der Raumjägerbasis Liannas zugewiesen worden war.

Die Schritte führten Fayr rüber zum Hangar 42, in dem ein Podium für die Redner sowie eine Tribüne für Ehrengäste aufgestellt worden waren. Viele Piloten und auch einige Zivilisten hatten sich auch schon in der Halle eingefunden. Der Corellianer erwartete nicht wirklich, dass sich Familienmitglieder heute hier einfinden würden, also suchte er gar nicht erst nach bekannten Gesichtern. Stattdessen mischte er sich unter seine Mitpiloten. Heute zum letzten Mal als einfacher Lieutenant. Sobald die Beförderung bekannt gegeben worden war, würde sich eine gewisse Kluft zwischen ihm und den anderen Piloten auftun, das war einfach nicht zu verhindern.

Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Hangar 42 | Fayr Ced, Neelyn Vandrik, diverse Piloten und Zivilisten
 
[Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Pilotenquartiere] Neelyn Vandrik, Kaysi Jantel (NPC)

Mit einem brummigen Seufzen, dicht gefolgt von einem tiefen Schluck aus seiner Kaf-Tasse, las sich Neelyn Vandrik den Brief seines Vaters auf seinem persönlichen Pad ein weiteres Mal durch. Der alte Mann war immer noch bitter, herrschsüchtig und arrogant. Sie hatten sich, seit er dem Jägerkorps beigetreten war, nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gesehen. Trotzdem wäre es gelogen gewesen, wenn er behauptet hätte, dass ihn der Mangel an Anerkennung für seinen bisher erreichten Erfolg, egal wie wortkarg er vielleicht formuliert gewesen wäre, nicht schmerzte. Er hatte berichtet, dass man ihn für eine Beförderung vorgeschlagen hatte, einen Orden. Die Antwort war lakonisch gewesen. Knapp. Zynisch sogar. Vielleicht war es aber auch schlicht die Erkenntnis, das sein Vater seine Entscheidungen schlicht nicht respektierte, die Neelyn schmerzte. Stets hatte sein Vater von ihm verlangt, er solle ihm in der militärischen Karriere nachfolgen. Stets hatte er verlangt, er solle seinen Teil für die Republik tun. Dann hatte Neelyn nach Jahren des Frusts über seinen bisherigen Job den entscheidenden Schritt gemacht und tatsächlich eine Karriere im Militär angestrebt. Aber dann hatte der alte Mann moniert, dass er zu den arroganten „Faulpelzen“ vom Jägerkorps gegangen war – für Neelyn allerdings war die Entscheidung nur folgerichtig gewesen, für jemanden wie ihn, der Antriebstechniker und Pilot im zivilen Leben gewesen war. Für seinen Vater war es eine Schande. Seufzend warf er das Pad beiseite auf sein Bett und kratzte sich am frisch rasierten Kinn. „Wurde auch Zeit, dass du das Ding beiseitelegst,“ kommentiere Kaysi Jantel, ohne sich zu ihm umzudrehen. „Auch nach drei Mal lesen wirst du nicht durch Zauberhand freundliche Worte da drin finden.“

Die junge Pilotin stand in der kleinen Tür zur Nasszelle des kleinen Quartiers, das man ihm auf Lianna zugewiesen hatte. Sie war dabei ihre Haare zu einer strengen Frisur hochzustecken, die der Zeremonie angemessen war, an der sie gleich in Hangar 42 teilnehmen würden. Neelyn brummte wortlos zur Bestätigung und leerte den Kaf. Seine Stimmung war in den letzten Tagen schwer zu definieren gewesen, seit die Überreste ihres Flügels mit der ‚Challenger‘ Kashyyyk verlassen hatten: melancholisch mit einem Hang zu kalter Gleichgültigkeit, unterbrochen von Momenten des Stolzes und der Dankbarkeit, dass er die Hölle der Schlacht über dem grünen Planeten nicht nur überlebt, sondern sich sogar noch ausgezeichnet hatte. Es hatte nicht geholfen, dass ihm Major Chonda ihn seiner besonderen Liebenswürdigkeit als ‚Training' für seinen neuen Führungsposten aufgetragen hatte, die Briefe an die Familien von Berand und Lya’Sei zu schreiben, in denen sie über den Tod ihrer Angehörigen informiert wurden. Verbissen betrachtete er den Rücken der Mirialanerin, so als könnte er für die brennenden Fragen in seinem Hinterkopf Antworten erzwingen, während sie die letzten Strähnen ihrer blonden Haare richtete. War er bereit für ein echtes Kommando, wenn es ihm schon so schwerfiel, passende Worte für Angehörige von Gefallenen zu finden? Würde er dem Druck standhalten, wenn es wieder daran ging Befehle zu geben, die für manche seiner Untergebenen tödlich enden würden? Für einen Moment folgte sein Blick den filigranen Händen der Mirialanerin. Und wie bei den sieben Höllen von Malachor stand er zu Jantel?

Sein Bauchgefühl gab darauf eine ziemlich eindeutige Antwort, eine die ihm sowohl Kraft schenkte als auch ängstigte. Sein Verlangen nach Professionalität widersprach der aufsteigenden Wärme in seiner Brust mit Elan, auch wenn Neelyn zugeben musste, dass ihre bloße Anwesenheit ihm eine Gelassenheit schenkte, die ihm die letzten Tage fremd gewesen war. Jantel war am vergangenen Abend mit einer Flasche synthetischen Weins und einem alten Reiseset Dejarik vorbeigekommen. Sie hatten sich unterhalten, hatten den (etwas schäbigen) Wein getrunken, hatten gespielt. Sowohl die Mirialanerin als auch er, wie sich herausgestellt hatte, brauchten ein offenes Ohr nach der Schlacht, brauchten Geselligkeit und brauchten an diesem Abend einander. Sie hatten sich geküsst. Es hatte sich trotz seines unerbittlichen Hangs zur Befolgung der offiziellen Regularien richtig angefühlt, auch wenn Jantel ihm zugestimmt hatte, es bei einem Kuss zu belassen – schließlich war er ihr militärischer Vorgesetzter. Sie hatte die Nacht im Bett gegenüber dem seinen verbracht und entgegen seiner Erwartung war er trotzdem bestens eingeschlafen. Jetzt am Morgen danach tat Vandrik sich jedoch schwerer mit den Gewissensbissen. Jantel zog ihre Ausgehuniform ein letztes Mal vor dem Spiegel zurecht und drehte sich zu ihm um. „Wir können losgehen. Und wisch dir diesen grüblerischen Ausdruck aus dem Gesicht. Passt irgendwie nicht zu einem zukünftigen Captain,“ zog sie ihn auf und warf ihm ein schnippisches Grinsen zu, bei dem er spürte, wie sein Herz einen Satz machte. Neelyn fluchte innerlich und richtete sich langsam auf, wobei er sich noch einmal über die Ärmel seiner Ausgehuniform fuhr, unsicher, ob sie angemessen gebügelt waren.

„Zeit der Veranstaltung im Hangar etwas Würde zu verleihen,“ witzelte Neelyn und wünschte sich mehr von Ceds natürlich scheinender Gelassenheit und corellianischer Souveränität. Immerhin: auch wenn sein Vater nicht mehr als ein paar schnippische, als halbgare Anerkennung getarnte Kommentare für seine Karriere übrighatte, hatte seine Schwester auf ihrer Geschäftsreise in den Norden der Republik einen Abstecher hierher gemacht, um seiner Beförderung beizuwohnen und er hoffte darauf, heute Abend in Ruhe mit ihr ein Ale trinken zu können, bevor er morgen seinen neuen Pflichten nachkommen musste.

Wenig später in Hangar 42 ...

„... lassen Sie uns dementsprechend jetzt zur Ehrung der tapferen Piloten kommen, die sich schon so bald nach Beginn des uns aufgezwungenen Konfliktes mit Imperium durch Tatkraft, Entschlossenheit und fliegerisches Talent hervorgetan haben,“ schloss Commodore Zertu seine etwas langatmige Rede vom Podium vor den angetretenen Soldaten und Piloten der Challenger aus. Neelyn war dankbar, dass der Quarren nun zum nächsten Programmpunkt voranschritt. Selbstverständlich sah auch er den Krieg gegen das Imperium angesichts der vorgebrachten Beweise zur Herkunft des C-Virus als mehr als nur gerechtfertigt, ja geradezu unvermeidlich an. Trotzdem empfand Vandrik es als eine eigenartige, sanft nach Propaganda riechende Perspektive, davon auszugehen, der Republik wäre ein Krieg ‚aufgezwungen‘ worden. Schließlich hatte Zertu – wie Neelyn und der Rest seiner Einheit auch – dem republikanischen Erstschlag nicht nur beigewohnt, sondern ihn zusammen mit der restlichen Flotte aktiv ausgeführt. Einen Moment lang schloss Vandrik müde die Augen, bevor er seinen Blick ein wenig wandern ließ, entschlossen den Gedankengang beiseitezuschieben und schlicht den Tag zu genießen. Am rechten Rand der Tribüne, etwa auf halber Höhe sah er seine Schwester, Jalrya, einem schicken Seidenblazer und edel geschnittenem Rock sitzen. Vielleicht würde sich ja noch eine Gelegenheit ergeben sie Ced und Jantel vorzustellen? Seine Augen wanderten weiter, während die angetretene Kapelle des Flottenmusikkorps einen patriotischen Marsch spielte.

Für einen Hangar sah ihre Umgebung tatsächlich verhältnismäßig ansprechend aus. Das Podium und die gut gefüllte Zuschauertribüne waren mit Stoffbändern in republikanischen Farben geschmückt und mehrere lange Banner mit dem Wappen der Streitkräfte und der neuen Republik hingen von der hohen Decke. Der Hangar war von den Wartungsdroiden auf Hochglanz poliert und vom normalen Gerümpel, das in einem aktiven Hangar herumstand, befreit worden. Die Buchten an den Seiten waren leer und makellos sauber – vermutlich war die normale Belegung an Jägern, Fähren und Shuttles schlicht im Einsatz oder für die Feierlichkeiten verlegt worden. Aus dem Augenwinkel schaute Neelyn kurz zu Fayr Ced neben ihm hinüber, der immer noch etwas blässlich wirkte und dem, so zumindest sein Eindruck, heute auch einiges durch den Kopf zu gehen schien. Jantel, die ebenfalls eine Beförderung zum vollen Lieutenant erwartete, stand in der beachtlich zusammengeschrumpften Formation ihres Flügels ein paar Meter links von ihm und starrte fix nach vorne. Schließlich sah Neelyn wie der Commodore mit einem Wink seiner rechten Hand Major Chonda, der zusammen mit ihrem Kommandanten, Commander Bothab, und weiteren Befehlshabern auf dem Podium angetreten war, bedeutete vorzutreten. In den Händen des Majors befand sich eine kleine Kiste aus edlem Holz, die vermutlich Rangabzeichen und Orden enthielt.

Lieutenant Fayr Ced und Lieutenant Neelyn Vandrik, treten Sie vor,“ ertönte die Stimme des Quarren aus den Lautsprechern. Vandrik atmete tief durch und marschierte dann zusammen mit seinem Staffelkollegen, musikalisch begleitet von einer Melodie aus dem Parademarsch des Jägerkorps. In steifen, förmlichen Schritten trat er dicht hinter Ced auf das Podium, schritt bis auf zwei Meter an den Flaggoffizier heran, nahm Haltung an und salutierte. Chonda vor ihm hatte den üblichen unterkühlten Gesichtsausdruck, auch wenn seine Mundwinkel vom Ansatz eines Schmunzelns umspielt wurden. Die Tentakel des Commodore zuckten für einen Moment verwundert, bevor sein amüsierter Blick an Neelyns corellianischem Staffelkollegen hängen blieb. „Habe ich Ihnen nicht schon einmal einen Orden verliehen, Lieutenant? Sie scheinen es eilig zu haben schnell nach oben zu kommen, was?“

[Lianna | NRSJK-Militärraumhafen Leth-II | Pilotenquartiere] Fayr Ced, Neelyn Vandrik, Commodore Zertu (NPC), Major Chonda (NPC), diverse Piloten und Zivilisten (NPCs)
 
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