[Lorrd / Raumhafen Viertel / Gasse zum Öl-Loch] Ghoral und andere müde Reisende
Ghoral lehnte an der schmutzigen Wand gegenüber der Spelunke und wartete. Der Devaronianer wartete jedoch nicht lange, da kam die Frau aus der verrauchten Bar und sah sich kurz kaum merklich suchend nach ihm um. Sie war gut dabei, man merkte, dass sie das nicht zum ersten Mal machte.
Ghoral streckte die Hand nach dem Datapad aus und war etwas erleichtert, dass sie es ihm ohne großes Murren zurückgab. Er versuchte sich das jedoch nicht anmerken zu lassen und steckte es ohne einen Block darauf zu werfen wieder ein.
Dann wollen wir mal…
, meinte er und rieb sich dabei die Hände zusammen.
Wir müssen aus diesem Moloch hier raus, Richtung der nobleren Viertel…
Er setzte sich in Bewegung und die Frau folgte ihm. Auf ihre Frage, was man sich denn über sie erzählte, zuckte er nur mit den Schultern.
So einiges… Nichts, was ich dir hier mitten auf der Straße erzählen würde.
‚Und nichts, was ich im Detail wüsste…‘
Er wusste über ein paar Ecken, dass die Chiss einen Auftrag auf Nar Shaddaa beendet hatte. Ein guter Kontakt von dem Drecksplaneten hatte ihm daraufhin einige Male in den Ohren gelegen, wie gut sie wäre. Er hoffte dass er recht behielt.
Die Gasse mündete in eine breitere Straße, auf der noch Frachtarbeiter und Händler ihrem Tagwerk nachgingen. Der Geruch der Abgase vom Raumhafen wurde immer dünner und hing weniger schwer in der Luft. Ghoral ließ den Blick wie nebenbei über die Schaufenster gleiten, in deren Scheiben sich die Straße spiegelte. Zwei Gestalten folgten Ghoral und Etara mit etwas Abstand. Er bog ein paar Mal ab, doch die beiden Fremden ließen nicht von ihnen ab.
Er drehte sich nicht um und sprach ruhig, als würde er nach der Uhrzeit fragen.
Wir werden von zwei Affen verfolgt… Gehören die zu dir?
, fragte er und legte seine Hand auf seinen Blaster, der versteckt unter seinem Mantel hing. Wenn die Chiss ihrem Ruf nachkam, den ihm sein Kontakt versprochen hatte, dann waren es ihre Männer. Daher ging Ghoral weiter, ohne eine Antwort abzuwarten.
Je weiter sie sich vom Raumhafen entfernten, desto mehr verschwand der Gestank. Die Fassaden wurden sauberer, die Leuchtreklamen wichen warmen Lampen. Irgendwann reihten sich gepflegte Hecken und schmiedeeiserne Tore aneinander, hinter denen hell erleuchtete Fenster schimmerten. Hier roch es nach Geld.
Schließlich bog er in eine schmale Seitenstraße ein und blieb vor einer unscheinbaren Tür aus dunklem Holz stehen. Nur ein kleines, geschmiedetes Weinblatt verriet, was sich dahinter verbarg. Er zog das Datapad hervor, um das Losungswort nachzulesen.
Das Pad erwachte langsam flackernd zum Leben und brauchte einige Anläufe.
‚Komisch…’, dachte sich der Devaronianer und schlug ein paar Mal gegen die Seite.
Dann endlich war das Display deutlich zu lesen. Die Wegbeschreibung war noch offen, jedoch nicht mehr an der Stelle, an der er das Dokument geschlossen hatte, sondern dort, wo seine Verschlüsselung zum Losungswort war. Er dachte sich nicht viel dabei und tippte auf das verpixelte Wort, um seine Verschlüsselung zu lösen.
Er klopfte dreimal. Ein Schlitz in der Tür öffnete sich und ein Augenpaar musterte sie.
Losungswort?
Creme D’Infame
, las Ghoral ruhig von dem Display ab. Die Tür schwang auf. Er trat einen Schritt zur Seite und deutete mit einer knappen Geste hinein.
Nach dir…
Sein Auftrag war hier eigentlich erledigt. Er hatte sie hergebracht, die Credits waren so gut wie verdient. Er hätte gehen können. Stattdessen folgte er ihr und dem Türwächter durch den Gang. Er wollte wissen, was ihr Auftrag sein würde
[Lorrd / Nobleviertel / Weinkeller] Ghoral, Etara und der Türwächter
[Lorrd / Weinkeller / Separee] Valen
Valen hatte dem Besitzer des Weinkellers eine hübsche Summe gezahlt, damit dieses Hinterzimmer nirgends auftauchte. Er nutzte es gerne für Geschäfte, die nicht ganz so offiziellen Charakter hatten. Ein schlichter Holztisch stand in dem kleinen Separee und einige Kerzen auf seinem Tisch flackerten ruhig vor sich hin. Ihm gegenüber hatte er einen Holzstuhl platzieren lassen.
Die Kapuze hatte er nun abgelegt, das Glas vor ihm war halb leer. Der Wein war ausgezeichnet: ein gutes Glas Rimble Wein, man konnte ihn nicht mehr so oft finden.
Ein Blick auf sein Chrono verriet ihm, dass die Frau bald da sein müsste. Ghoral hatte versprochen, dass sie gut war… Aber Ghoral versprach vieles, solange man ihn dafür bezahlte. Zwei Finger schlugen ungeduldig gegen den Stiel des Glases. Mit dem Daumen drehte er den Siegelring an seiner Hand so, dass das Wappen nach innen zeigte.
Dann schabte die schwere Tür über den Stein. Der Türwächter trat ein, dahinter eine Gestalt mit Kapuze, deren Gang Valen sofort auffiel. Sie sah sich nur kurz um, ruhig und konzentriert.
‚Gut… Das ist schon mal etwas.‘
Dann trat Ghoral hinter ihr ein, mit einer Selbstverständlichkeit, die Valen schäumen ließ. Seine Miene blieb glatt. Nur die Kiefermuskeln spannten sich kurz an. Er hatte für eine Übergabe bezahlt. Nicht für einen Zuschauer.
Er blieb sitzen. Ein Mann seines Standes stand für Söldner nicht auf.
Setzt Euch.
, meinte Valen und deutete mit seiner rechten Hand auf den Stuhl vor sich.
Er füllte ein zweites Glas und schob es der Frau hin.
Ein halbtrockener Rimble. Alte Republik, sehr zu empfehlen…
, meinte er und wandte dann seinen Blick zu dem Devaronianer.
Ghoral, deine Dienste brauche ich nicht mehr. Du kannst verschwinden.
Dann sah er wieder die Frau vor sich an, und seine Stimme wurde ruhig und gepflegt.
Die wichtigsten Details wurden Euch sicherlich bereits zu Beginn und über das Datapad übermittelt… Nur so viel: Seit dem Tod meines Onkels liegt die Herrschaft dieses Planeten in den Händen meiner Cousine. Und… Nun ja… Ihr habt vielleicht schon einen ersten Geschmack bekommen, wie es seither um Lorrd steht…
Er ließ die Worte in der Luft hängen. Vielleicht hatte sie bereits von den Attentaten auf seine Cousine gehört. Bisher hatte er seine Spuren gut verwischen können, aber es wurde Zeit, anders vorzugehen.
Sein Blick fiel wieder auf den Devaronianer.
Du bist ja noch immer da… Verschwinde.
Ein knappes Nicken genügte, und der Türwächter legte Ghoral eine schwere Hand auf die Schulter.
Valen hob sein Glas einen Fingerbreit.
Alles Weitere besprechen wir ohne Publikum. Sagt mir, was Euch Ghoral bisher erzählt hat.
[Lorrd / Weinkeller / Separee] Valen, Etara, Ghoral, Türwächter