Militärgeschichte

Heute vor genau 400 Jahren, am 27.08.1626 (greg.) ereignete sich nahe der namensgebenden Ortschaft die Schlacht bei Lutter am Barenberge. Dies war die entscheidende Schlacht der zweiten Phase des Dreißigjährigen Krieges, des sogenannten dänisch-niedersächsischen Krieges. In ihm standen sich die Heere der katholischen Liga unter Johann t'Serclaes Graf von Tilly und dem dänischen König Christian IV. gegenüber.

Zu dieser bedeutsamen Schlacht habe ich vor einigen Jahren bereits einen längeren Beitrag verfasst, den ich noch immer sehr lesenswert finde. ;)

C.
 
Heute vor genau 85 Jahren, am 08.09.1941 eroberten Truppen der deutschen Heeresgruppe Nord die Stadt Schlüsselburg am Ladoga See. Damit war die Stadt Leningrad zumindest in der eisfreien Zeit komplett eingeschlossen. Es folgte die längste Blockade einer Stadt während des II.WeltkrII.Weltkrieges.
 
Freischärler-Psychose oder Franktireurs in jeder Hecke: Tatsächliche und vermeintliche Guerillakriegsführung in Belgien während des Ersten Weltkriegs
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Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 brachte sich das Deutsche Reich durch die völkerrechtswidrige Besetzung der neutralen Staaten Luxemburg und Belgien in eine ungünstige außenpolitische Lage: Beide Staaten hatten keine feindselige Politik gegenüber Berlin verfolgt und die Absicherung der belgischen Neutralität und Souveränität durch das Vereinigte Königreich ließ London (wollte es seine Glaubwürdigkeit nicht verspielen) kaum eine andere Wahl, als seine zunächst noch zurückhaltende Rolle aufzugeben und direkt in den beginnenden Weltkrieg einzugreifen. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung in vielen neutralen Staaten stand das Deutsche Reich als Aggressor und Friedensstörer da. Das Primat militärischer Erwägungen in Form des Schlieffen-Plans über außenpolitische Rücksichtnahme sollte schwer wiegende Folgen haben und ist exemplarisch für eine fehlende Gesamtstrategie des Deutschen Reichts, das zwischen Kaiser, Kanzler und Oberster Heeresleitung als teils erbittert rivalisierende Machtzentren zerrieben wurde. Die Ereignisse in Folge des Einmarschs in Belgien taten ein übriges, um dem Ruf des Deutschen Reichs zu schaden und großes Leid über die Bevölkerung Belgiens zu bringen: Im Glauben, überall würden sogenannten Franktireurs (französisch für Freischützen bzw. Freischärler) lauern, also bewaffnete Zivilisten oder irreguläre Truppen ohne Uniform, die aus dem Hinterhalt heraus agierten, begingen deutsche Soldaten mehrere Massaker, darunter das in der Stadt Löwen, bei dem etwa 200 Zivilisten getötet und zahlreiche Häuser in Brand gesteckt wurden, darunter die weltberühmte Bibliothek als Wahrzeichen der Stadt.

Für die deutsche Regierung und die Soldaten war die Sache scheinbar klar: "Die Belgier" kämpften feige, hinterhältig und ohne Rücksicht auf die Haager Landkriegsordnung, weshalb schärfste Maßnahmen im Rahmen des Kriegsvölkerrechts oder auch darüber hinaus mindestens notwendig waren, wenn nicht sogar moralisch und politisch geboten, um der Lage Herr zu werden und den unter einem strengen Zeitplan stehenden Vormarsch nicht zu verzögern. Jedoch: Nie konnte ein Beweis dafür gefunden werden, dass es tatsächlich eine auch nur annähernd organsierte oder großflächig erfolgte Partisanenaktivität gab. Der teils erbitterte belgische Widerstand wurde durch die ca. 300.000 Mann starke reguläre Armee und die Gendarmerie der Garde Civique geleistet (zu ihr später mehr). Es gibt keine Quellen, die darauf hinweisen, dass belgische Zivilisten angesichts der Empörung über die Invasion in Eigenregie zu den Waffen griffen, eher strömten viele als Freiwillige zur Armee. Und dennoch schienen zahlreiche deutsche Soldaten noch Jahrzehnte später überzeugt gewesen zu sein, es mit einem Heer von Freischärlern zu tun gehabt zu haben. Was war also passiert?

Die Antwort auf diese Frage lässt sich in mehrere Kernpunkte aufteilen:

1. Die Streitkräfte des Deutschen Reiches hassten und fürchteten (wie alle regulären Armee) insbesondere nach den Erfahrungen aus der Spätphase des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 irreguläre Kräfte. Diese haben stets das Potential, einer regulären Armee empfindliche Verluste beizubringen und Operationen zu behindern oder sogar zu vereiteln. Für deutsche Offiziere und Soldaten war 1914 klar, dass man sich eine Verzögerung der Angriffspläne nicht leisten konnte, weshalb man bereits mit der Einstellung in Belgien einmarschierte, man würde es nahezu garantiert mit Partisanen zu tun bekommen und müsse durch maximale Härte präventiv agieren. Hier kam auch der selbst verschuldete Rechtfertigungsdruck zum Tragen: Das Deutsche Reich hatte das neutrale Belgien ohne Provokation überfallen, also musste dies irgendwie begründet bzw. entschuldigt werden. Vermeintliche Freischärler und eine Bevölkerung, die sie unterstützte, lieferten in dieser Situation eine dankbare und rückwirkende Legitimation: "Der Belgier ist feige und hinterhältig, er schießt uns in den Rücken und trägt keine Uniform, also hatte er es verdient und sie sollen nicht klagen, dass wir sie angegriffen haben."

2. Unter den hastig mobilisierten deutschen Truppen herrsche enorme Unsicherheit, Angst und Sorge. Jedes Geräusch, jede Bewegung, konnte in einer solchen Situation als Angriff gedeutet und entsprechend beantwortet werden. Manchmal genügte schon ein einzelner Knall, ein plötzlich geöffnetes Fenster oder ein durchbrechendes Pferd, dass insbesondere unerfahrene Soldaten sofort das Feuer eröffneten und der Ruf "Freischärler!" und die Schussabgabe sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Dabei oder unmittelbar danach getötete Zivilisten "mussten" ja Freischärler gewesen sein, sonst hätte man mit der moralischen Schuld leben müssen, Unschuldige getötet zu haben. Selbst deutsche Offiziere beklagten die fehlende Schussdisziplin und teilweise nackte Panik unter ihren Männern. Zudem gab es sehr häufig Fälle von Eigenbeschuss: Feuerten deutsche Soldaten irrtümlich auf ihre Kameraden, was besonders nachts geschah, wurden dafür gerne Freischärler verantwortlich gemacht und die Zivilbevölkerung entsprechend angegangen.

3. Für teilweise genuine Verwirrung sorgte die Garde Civique, primär durch ihr Erscheinungsbild: Zwar waren alle ihre Mitglieder uniformiert und trugen ihre Waffen offen, aber ihre dunkle Kleidung mit eher zivil anmutendem Hut konnte durchaus verwechselt werden, gerade in chaotischen Situationen. Zudem verweigerte das Deutsche Reich ihnen die Anerkennung als reguläre Soldaten, sondern stufte sie als Freischärler ein und drohte damit, sämtliche Gefangenen aus ihren Reihen erschießen zu lassen, was neben der geringen militärischen Wirkung der Truppe im Oktober 1914 zu ihrer Auflösung führte. Hier ist jedoch zu beachten: Die Garde Civique trug Uniform, führte ihre Waffen offen, stand unter einem Kommando und hielt sich an das Kriegsvölkerrecht, damit stand ihr gemäß der Haager Landkriegsordnung auf jeden Fall ein Status zu, der sie vor (willkürlichen) Hinrichtungen schützte.

Aus den Erfahrungen in Belgien zogen gerade jene jüngeren Offiziere und Soldaten, die sich später in den Reihen der Wehrmacht und Waffen-SS wiederfinden bzw. die Wurzeln für deren Aufbau und Ausbildung legen würden, ihre ganz eigenen Schlüsse: Nicht eine realistische Beurteilung der Lage und ein angemessener Umgang mit der Zivilbevölkerung und vermeintlichen und tatsächlichen Partisanen sollte den Sieg sichern, sondern noch mehr Härte und Grausamkeit. Bezeichnend, dass ein junger Gefreiter aus Österreich sich in Feldpostbriefen an der Brutalität berauschte: Adolf Hitler nahm die stark überzeichnete britische Gräuelpropaganda offenbar für bare Münze und forderte, sogar noch darüber hinaus zu gehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Darth Renasci

Auch wenn ich nicht jedem Wort unbedingt zustimmen würde , so muss ich doch sagen ein erstklassiger Post.
Es freut mich, dass der Post gefällt. :) Nun würde mich interessieren, in welchen Punkten Du anderer Ansicht bist. Als Ergänzung sei angemerkt, dass ich sporadische oder spontane Freischärler-Aktivitäten nicht kategorisch ausschließen will - ein Massenphänomen auch nur annähernd gemäß der deutschen Schilderungen waren sie jedoch meiner Ansicht nach nicht.
 
Es freut mich, dass der Post gefällt. :) Nun würde mich interessieren, in welchen Punkten Du anderer Ansicht bist. Als Ergänzung sei angemerkt, dass ich sporadische oder spontane Freischärler-Aktivitäten nicht kategorisch ausschließen will - ein Massenphänomen auch nur annähernd gemäß der deutschen Schilderungen waren sie jedoch meiner Ansicht nach nicht.
Sorry , ich hatte beim ersten Lesen Deines Postings etwas falsch verstanden. Ich dachte Du hättest zum Ausdruck gebracht das die Haager Landkriegsordnung Hinrichtungen von Freischärlern zwingend vorschreibt.
Ich habe mich verlesen.
 
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