Vold Trembor
Zivilist
I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Senatsgebäude I|I Kleiner Besprechungssaal I|I Vold Trembor, Botschafterin Vey, Senator Hendrey, Senator Serris, Senatorin Nashana, Senatorin Adinara und Vorsitzender Chetlak I|I
Es gehörte zu den angenehmeren Eigenschaften politischer Gremien, dass sich ihre Mitglieder mitunter ganz von selbst offenbarten, sofern man ihnen nur ausreichend Gelegenheit dazu gab. Ein beiläufiger Einwurf, eine unbedachte Formulierung oder die scheinbar harmlose Entscheidung, einem Kollegen öffentlich beizupflichten, konnten aufschlussreicher sein, als die sorgfältig aufbereiteten Dossiers, mit denen sich Vold Trembor gewöhnlich auf seine Termine vorbereitete. In den vergangenen Minuten hatte der Skakoaner gleich mehrere solcher Gelegenheiten erhalten und während die Unterhaltung am Konferenztisch zwischen den großen Fragen republikanischer Selbstbestimmung und den erheblich kleineren Vorzügen der lokalen Teekultur pendelte, hatte er wenig Anlass gesehen, sich erneut in den Mittelpunkt zu drängen. Seine Wortmeldung hatte ihren Zweck bereits erfüllt. Die Frage war gestellt, die Aufmerksamkeit auf einen Sachverhalt gelenkt worden, der ihm wichtig erschien, und nun war es an den übrigen Anwesenden, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu erkunden.
Senator Hendrey hatte sich dieser Aufgabe mit bemerkenswerter Begeisterung angenommen. Hinter den dunklen, spiegelnden Sichtgläsern seiner Atemmaske verfolgte Trembor die Ausführungen des Eriaduaners, dessen Stimme sich mit jener mühelosen Selbstverständlichkeit durch den Raum bewegte, die gewöhnlich das Ergebnis jahrelanger Übung war. Hendrey sprach von Eigenständigkeit, gemeinsamer Sicherheit und der Verpflichtung, Pantoras Identität innerhalb der Republik zu bewahren. Er sprach in wohlgesetzten Bildern, die ohne jede weitere Erläuterung verständlich blieben und hatte damit innerhalb weniger Augenblicke eine verwaltungsrechtliche Fragestellung in ein politisches Versprechen verwandelt. Vold konnte sich lebhaft vorstellen, wie einzelne Passagen bereits am nächsten Morgen durch die einschlägigen HoloNet-Kanäle wanderten, versehen mit dem Namen ihres Urhebers und einem schmeichelhaften Porträt. Wahrscheinlich würde man sogar die Gelegenheit finden, die Formulierung mit einem jener pathetischen musikalischen Motive zu unterlegen, deren Beliebtheit sich seinem persönlichen Verständnis seit jeher entzog.Er musste dem Mann zugestehen, dass er sein Handwerk verstand.
Als Hendrey ausdrücklich auf seine vorherige Wortmeldung Bezug nahm, neigte Vold den Kopf um wenige Grade. Die Bewegung war kaum mehr als eine höfliche Anerkennung, doch sie erfolgte bewusst. Es kostete ihn nichts, dem Senator von Eriadu zu signalisieren, dass dessen Unterstützung registriert worden war. Im Gegenteil. Zwischen zwei Politikern, die sich erst seit wenigen Minuten persönlich kannten, konnte eine solche Geste den Anfang einer durchaus nützlichen Gewohnheit bilden. Hendrey besaß eine öffentliche Präsenz, die sich nicht allein durch Sachkenntnis erwerben ließ, und hatte spätestens mit seiner jüngsten Rede vor dem Senat bewiesen, dass er politische Stimmungen aufzunehmen und zu verstärken verstand. Sein Einfluss war für Vold gerade deshalb interessant, weil er sich auf eine andere Art von Autorität gründete als die eigene. Es war bemerkenswert, dass ausgerechnet jener Senator, dessen Auftritt im Plenum Katal Ambors politische Schwierigkeiten noch verschärft hatte, nun einem Gedanken seines Stellvertreters öffentlich Gewicht verlieh.
Vold ließ den Blick über die Tischmitte wandern, wo die ersten Unterlagen des Beitrittsverfahrens in gedämpftem Blau schimmerten. Er hatte nicht die Absicht, diese kleine Ironie durch eine voreilige Bemerkung zu beschädigen. Senator Serris wiederum bewies, dass man einer Debatte auch ohne rhetorische Höhenflüge eine Richtung geben konnte. Der Vertreter Liannas hatte die Frage nach Pantoras Eigenständigkeit in ihre administrativen Bestandteile zerlegt und auf die Unterscheidung zwischen dauerhaft verbleibenden Zuständigkeiten und vorübergehenden Übergangsregelungen hingewiesen. Eine trockene Angelegenheit, gewiss, aber eine von jener Sorte, an der ganze politische Vorhaben scheitern konnten, lange nachdem ihre Urheber die entsprechenden Verträge unterzeichnet und sich vor den Kameras gegenseitig gratuliert hatten.
Vold empfand eine gewisse Sympathie für diese Herangehensweise. Die politische Vergangenheit des Mannes bei Santhe Technologies ließ vermuten, dass ihm die Schwierigkeiten industrieller und administrativer Umstellungsprozesse vertraut waren. Vor allem aber schien Serris ein Gespür dafür zu besitzen, an welchen Stellen eine allgemein formulierte Einigkeit noch lange keine praktisch belastbare Vereinbarung bedeutete. Solche Menschen waren in Ausschüssen bisweilen unbequem, weil sie dazu neigten, die richtigen Fragen zu stellen, nachdem sich alle anderen bereits auf eine Antwort verständigt hatten. Für jemanden mit Trembors Ambitionen konnten sie sich allerdings als ausgesprochen wertvoll erweisen. Er vermerkte den Namen des Liannianers in einer persönlichen Übersicht, die auf seinem Datenpad neben den offiziellen Sitzungsunterlagen geöffnet war. Eine knappe Kennzeichnung genügte. "Gespräch suchen."
Die Antwort der pantoranischen Botschafterin bestätigte unterdessen, dass ihre sorgfältige Vorbereitung mehr als eine diplomatische Zierde war. Talaria Vey hatte sich weder von Hendreys staatsmännischen Formulierungen zu einer unbedachten Zusicherung hinreißen lassen noch versucht, Serris' Detailfragen hinter allgemeinen Absichtserklärungen verschwinden zu lassen. Sie hatte über Zuständigkeiten, Fristen und die Schwierigkeiten kleinerer Unternehmen gesprochen, über die Bewahrung kultureller Eigenheiten und die Notwendigkeit, auch nach einem Beitritt gegenüber der eigenen Bevölkerung rechenschaftspflichtig zu bleiben. Vor allem aber hatte sie dort Grenzen benannt, wo ihr Mandat endete.
Das war bemerkenswert. Viele Diplomaten, insbesondere jene, die einen politisch bedeutsamen Erfolg nach Hause bringen wollten, neigten dazu, die Grenzen ihrer Zuständigkeit großzügig auszulegen, sobald sich dadurch eine Einigung beschleunigen ließ. Vey hatte sich diese Versuchung zumindest hinsichtlich Orto Plutonias versagt. Ihre Feststellung, für die dort lebenden Talz keine Zustimmung erklären zu können, war ebenso korrekt wie politisch unbequem. Sie machte deutlich, dass der Beitritt Pantoras eine Angelegenheit berührte, deren rechtliche und territoriale Konsequenzen sich durch einen Vertrag zwischen der Republik und der pantoranischen Regierung allein kaum abschließend regeln ließen.
Vold betrachtete die Botschafterin einen Moment länger. Eine Verhandlungspartnerin, die wusste, was sie nicht versprechen durfte, war einem leichtfertigen Optimisten vorzuziehen. Ihre Zurückhaltung mochte den Fortgang einzelner Gespräche erschweren, bewahrte die Beteiligten aber vor jenen späteren Überraschungen, deren Beseitigung gewöhnlich ein Vielfaches der ursprünglichen Verhandlungskosten verschlang. Das galt insbesondere dann, wenn wirtschaftliche Nutzungsrechte, Rohstoffvorkommen und konkurrierende territoriale Ansprüche miteinander verflochten waren.
Die beiden Togruta am Tisch erwiesen sich derweil ebenfalls als aufschlussreicher, als ihre anfängliche Ähnlichkeit hatte vermuten lassen. Senatorin Delentes besaß jene nüchterne Vertrautheit mit administrativen Abläufen, die sich nur schwer durch politische Beratung ersetzen ließ. Senatorin Adinara hingegen hatte den Moment erkannt, an dem die informelle Unterhaltung drohte, den eigentlichen Ausschussberatungen vorzugreifen. Ihr höflicher Hinweis auf den weiterhin abwesenden Vorsitzenden war sachlich kaum zu beanstanden gewesen. Dass sie dabei ausgerechnet die Bedeutung geregelter parlamentarischer Verfahren betonte, entbehrte angesichts der jüngsten Kontroversen um Kanzler Quún einer gewissen Brisanz. Hätte Senator Ambor dieselben Worte gewählt, wären sie vermutlich innerhalb weniger Stunden als erneuter Angriff auf die Handlungsfähigkeit der republikanischen Regierung ausgelegt worden. Bei Senatorin Adinara hingegen wirkten sie wie die Erinnerung einer gewissenhaften Senatorin an die institutionellen Voraussetzungen ihrer gemeinsamen Arbeit.
Als sich schließlich die Türen öffneten und Vorsitzender Chetlak den Raum betrat, erhob sich Vold gemeinsam mit den übrigen Anwesenden zu einer knappen, protokollarischen Begrüßung. Der Rodianer wirkte wenig erfreut über seine Verspätung, verlor allerdings keine Zeit mit ausführlichen Rechtfertigungen. Trembor begrüßte diese Eigenschaft. Entschuldigungen waren im politischen Betrieb ein notwendiges Übel, ihre Länge stand jedoch selten in einem vernünftigen Verhältnis zum tatsächlichen Informationsgehalt. Nachdem der Vorsitzende seinen Platz eingenommen und die Sitzung offiziell eröffnet hatte, richtete Vold seine Aufmerksamkeit auf die über dem Konferenztisch erscheinenden Unterlagen. Gegen die Tagesordnung erhob er keinen Einwand. Seine Haltung blieb aufrecht, die schwarz behandschuhten Hände ruhten in angemessenem Abstand zueinander auf der Tischplatte, während das gleichmäßige, gedämpfte Arbeiten seines Respirators die wenigen Augenblicke zwischen den Wortmeldungen begleitete.
Mit Beginn der offiziellen Beratungen wich die unverbindliche Atmosphäre einer nüchternen Auseinandersetzung mit Zuständigkeiten, Verpflichtungen und wirtschaftlichen Perspektiven. Vold Trembor fühlte sich in diesem Umfeld ausgesprochen wohl. Die Berichte des diplomatischen Korps zeichneten ein überwiegend positives Bild Pantoras. Seine Institutionen galten als belastbar, die Verwaltung als weitgehend kompatibel mit republikanischen Anforderungen. Dass sich politische Macht über mehrere Amtszeiten in denselben Kreisen konzentrierte, überraschte den Skakoaner wenig. Entscheidend war, ob die vorgesehenen Kontrollmechanismen auch unter Druck funktionierten. Delentes' Vorschlag, bei der Besichtigung mit Vertretern außerhalb der Regierungsmehrheit zu sprechen, erschien ihm daher vernünftig.
Aufmerksam verfolgte er auch ihre Ausführungen über die Zusammenarbeit zwischen planetaren Sicherheitsbehörden und der NRSF. Die Vorstellung zweier Ermittlungsgruppen, die dieselben Verdächtigen observierten und einander dabei kaum weniger misstrauten, entbehrte einer gewissen Komik. Institutionelle Eitelkeit war schließlich ein kostspieliges Vergnügen, das sich die öffentliche Verwaltung mit bemerkenswerter Beharrlichkeit leistete. Delentes schien hingegen zu wissen, wie sich derartige Schwierigkeiten durch klare Zuständigkeiten und funktionierende Informationswege begrenzen ließen. Vold vermerkte ihre praktische Erfahrung auf seinem Datenpad.
Die wirtschaftlichen Befunde Pantoras weckten sein besonderes Interesse. Wasseraufbereitung, geschlossene Versorgungskreisläufe, Präzisionsfertigung und industrielle Schutzbeschichtungen besaßen beträchtliches Potenzial, zumal angesichts des begonnenen Krieges. Seine Gedanken wanderten nach Metalorn und zu den weitverzweigten Produktionsanlagen der Techno Union. Pantora könnte sich als interessanter Kooperationspartner erweisen. Diskret notierte er einige Stichworte zu Marktstrukturen, Lieferbindungen und möglichen industriellen Verflechtungen. Für konkrete Schritte war es noch zu früh. Auch das vorgestellte Fördermodell betrachtete er grundsätzlich wohlwollend, wenngleich er bereits die zusätzlichen Verwaltungsverfahren erahnte, die seine Umsetzung begleiten würden. Gerade kleinere Unternehmen könnten unter den neuen Anforderungen leiden, wie Botschafterin Vey zuvor zutreffend angemerkt hatte. Die anschließende Diskussion über die militärische Integration bestätigte wiederum, dass Pantoras Beitritt neben wirtschaftlichen Vorteilen erhebliche Verpflichtungen mit sich bringen würde. Gemeinsame Sicherheit war ein verlockendes Versprechen, solange niemand allzu ausführlich über ihre Finanzierung sprach.
Als die Karte Orto Plutonias erschien, betrachtete Vold die umstrittenen Gebiete mit wachsendem Interesse. Ungeklärte Hoheitsansprüche waren Gift für langfristige Investitionen. Delentes' Vorschlag, Pantoras Beitritt von einer Anerkennung weitergehender Gebietsansprüche zu trennen und die Talz unabhängig anzuhören, erschien ihm deshalb vernünftig. Da Chetlak bereits entsprechende Prüfaufträge formulierte, sah Trembor keinen Anlass, sich einzuschalten. Stattdessen markierte er die offenen Fragen zu Nutzungsrechten und territorialen Zuständigkeiten.
Während der Vorsitzende seine Fragen an Talaria Vey richtete, überflog Vold das geplante Besichtigungsprogramm. Regierungsstellen, Verwaltungsbehörden und ausgewählte Wirtschaftsstandorte sollten einen Eindruck von Pantoras Leistungsfähigkeit vermitteln. Doch wer entschied eigentlich, welche Einrichtungen repräsentativ waren? Regierungen präsentierten bevorzugt ihre Erfolge, Unternehmen ihre modernsten Anlagen. Ein hervorragend ausgestatteter Industriebetrieb verriet allerdings wenig über die Schwierigkeiten kleinerer Zulieferer, die sich künftig republikanischen Standards unterwerfen mussten. Veys frühere Ausführungen boten ihm einen geeigneten Ansatzpunkt für eine gezielte Nachfrage. Vold ließ die entsprechende Passage auf seinem Display geöffnet und wartete auf eine passende Gelegenheit, sich zu Wort zu melden.
„Mich würde daher interessieren, nach welchen Kriterien jene Wirtschaftsstandorte ausgewählt werden sollen, die wir während unserer Reise besichtigen. Werden wir ausschließlich Einrichtungen kennenlernen, deren Voraussetzungen bereits besonders günstig erscheinen, oder besteht auch die Möglichkeit, mit Unternehmen zu sprechen, für die der Beitritt erhebliche praktische Umstellungen mit sich bringen dürfte?“
Vold legte die Hände wieder auf die Tischplatte.
„Ich hielte es für ausgesprochen hilfreich, beide Perspektiven kennenzulernen. Schließlich sollten wir am Ende unserer Beratungen beurteilen können, welche Möglichkeiten Pantora durch seine Mitgliedschaft gewinnt und welche Voraussetzungen wir schaffen müssen, damit diese Möglichkeiten auch tatsächlich genutzt werden können.“
Die Worte waren sachlich, höflich und ohne erkennbare Forderung formuliert. Sie stellten weder die bisherigen Ergebnisse infrage noch verlangten sie eine Änderung der Tagesordnung. Es war lediglich eine Frage nach der Auswahl geeigneter Gesprächspartner für eine ohnehin vorgesehene Besichtigungsreise, doch hatte Vold Trembor selten eine Frage gestellt, ohne sich zuvor Gedanken darüber zu machen, welche Türen ihre Antwort möglicherweise öffnen würde. Hinter den dunklen Gläsern seiner bronzenen Atemmaske blieb sein Blick auf Chetlak gerichtet. In seinem Datenpad wartete bereits eine Liste pantoranischer Industriezweige, deren nähere Betrachtung er für lohnenswert hielt. Welche Unternehmen er tatsächlich kennenlernen würde, war noch offen. Dass er diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen wollte, stand für ihn hingegen längst außer Frage.
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