Mon Calamari (Calamari-System)

I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Senatsgebäude I|I Kleiner Besprechungssaal I|I Vold Trembor, Botschafterin Vey, Senator Hendrey, Senator Serris, Senatorin Nashana, Senatorin Adinara und Vorsitzender Chetlak I|I​

Es gehörte zu den angenehmeren Eigenschaften politischer Gremien, dass sich ihre Mitglieder mitunter ganz von selbst offenbarten, sofern man ihnen nur ausreichend Gelegenheit dazu gab. Ein beiläufiger Einwurf, eine unbedachte Formulierung oder die scheinbar harmlose Entscheidung, einem Kollegen öffentlich beizupflichten, konnten aufschlussreicher sein, als die sorgfältig aufbereiteten Dossiers, mit denen sich Vold Trembor gewöhnlich auf seine Termine vorbereitete. In den vergangenen Minuten hatte der Skakoaner gleich mehrere solcher Gelegenheiten erhalten und während die Unterhaltung am Konferenztisch zwischen den großen Fragen republikanischer Selbstbestimmung und den erheblich kleineren Vorzügen der lokalen Teekultur pendelte, hatte er wenig Anlass gesehen, sich erneut in den Mittelpunkt zu drängen. Seine Wortmeldung hatte ihren Zweck bereits erfüllt. Die Frage war gestellt, die Aufmerksamkeit auf einen Sachverhalt gelenkt worden, der ihm wichtig erschien, und nun war es an den übrigen Anwesenden, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu erkunden.

Senator
Hendrey hatte sich dieser Aufgabe mit bemerkenswerter Begeisterung angenommen. Hinter den dunklen, spiegelnden Sichtgläsern seiner Atemmaske verfolgte Trembor die Ausführungen des Eriaduaners, dessen Stimme sich mit jener mühelosen Selbstverständlichkeit durch den Raum bewegte, die gewöhnlich das Ergebnis jahrelanger Übung war. Hendrey sprach von Eigenständigkeit, gemeinsamer Sicherheit und der Verpflichtung, Pantoras Identität innerhalb der Republik zu bewahren. Er sprach in wohlgesetzten Bildern, die ohne jede weitere Erläuterung verständlich blieben und hatte damit innerhalb weniger Augenblicke eine verwaltungsrechtliche Fragestellung in ein politisches Versprechen verwandelt. Vold konnte sich lebhaft vorstellen, wie einzelne Passagen bereits am nächsten Morgen durch die einschlägigen HoloNet-Kanäle wanderten, versehen mit dem Namen ihres Urhebers und einem schmeichelhaften Porträt. Wahrscheinlich würde man sogar die Gelegenheit finden, die Formulierung mit einem jener pathetischen musikalischen Motive zu unterlegen, deren Beliebtheit sich seinem persönlichen Verständnis seit jeher entzog.Er musste dem Mann zugestehen, dass er sein Handwerk verstand.
Als
Hendrey ausdrücklich auf seine vorherige Wortmeldung Bezug nahm, neigte Vold den Kopf um wenige Grade. Die Bewegung war kaum mehr als eine höfliche Anerkennung, doch sie erfolgte bewusst. Es kostete ihn nichts, dem Senator von Eriadu zu signalisieren, dass dessen Unterstützung registriert worden war. Im Gegenteil. Zwischen zwei Politikern, die sich erst seit wenigen Minuten persönlich kannten, konnte eine solche Geste den Anfang einer durchaus nützlichen Gewohnheit bilden. Hendrey besaß eine öffentliche Präsenz, die sich nicht allein durch Sachkenntnis erwerben ließ, und hatte spätestens mit seiner jüngsten Rede vor dem Senat bewiesen, dass er politische Stimmungen aufzunehmen und zu verstärken verstand. Sein Einfluss war für Vold gerade deshalb interessant, weil er sich auf eine andere Art von Autorität gründete als die eigene. Es war bemerkenswert, dass ausgerechnet jener Senator, dessen Auftritt im Plenum Katal Ambors politische Schwierigkeiten noch verschärft hatte, nun einem Gedanken seines Stellvertreters öffentlich Gewicht verlieh.

Vold ließ den Blick über die Tischmitte wandern, wo die ersten Unterlagen des Beitrittsverfahrens in gedämpftem Blau schimmerten. Er hatte nicht die Absicht, diese kleine Ironie durch eine voreilige Bemerkung zu beschädigen. Senator Serris wiederum bewies, dass man einer Debatte auch ohne rhetorische Höhenflüge eine Richtung geben konnte. Der Vertreter Liannas hatte die Frage nach Pantoras Eigenständigkeit in ihre administrativen Bestandteile zerlegt und auf die Unterscheidung zwischen dauerhaft verbleibenden Zuständigkeiten und vorübergehenden Übergangsregelungen hingewiesen. Eine trockene Angelegenheit, gewiss, aber eine von jener Sorte, an der ganze politische Vorhaben scheitern konnten, lange nachdem ihre Urheber die entsprechenden Verträge unterzeichnet und sich vor den Kameras gegenseitig gratuliert hatten.
Vold empfand eine gewisse Sympathie für diese Herangehensweise. Die politische Vergangenheit des Mannes bei Santhe Technologies ließ vermuten, dass ihm die Schwierigkeiten industrieller und administrativer Umstellungsprozesse vertraut waren. Vor allem aber schien Serris ein Gespür dafür zu besitzen, an welchen Stellen eine allgemein formulierte Einigkeit noch lange keine praktisch belastbare Vereinbarung bedeutete. Solche Menschen waren in Ausschüssen bisweilen unbequem, weil sie dazu neigten, die richtigen Fragen zu stellen, nachdem sich alle anderen bereits auf eine Antwort verständigt hatten. Für jemanden mit Trembors Ambitionen konnten sie sich allerdings als ausgesprochen wertvoll erweisen. Er vermerkte den Namen des Liannianers in einer persönlichen Übersicht, die auf seinem Datenpad neben den offiziellen Sitzungsunterlagen geöffnet war. Eine knappe Kennzeichnung genügte. "Gespräch suchen."

Die Antwort der pantoranischen Botschafterin bestätigte unterdessen, dass ihre sorgfältige Vorbereitung mehr als eine diplomatische Zierde war.
Talaria Vey hatte sich weder von Hendreys staatsmännischen Formulierungen zu einer unbedachten Zusicherung hinreißen lassen noch versucht, Serris' Detailfragen hinter allgemeinen Absichtserklärungen verschwinden zu lassen. Sie hatte über Zuständigkeiten, Fristen und die Schwierigkeiten kleinerer Unternehmen gesprochen, über die Bewahrung kultureller Eigenheiten und die Notwendigkeit, auch nach einem Beitritt gegenüber der eigenen Bevölkerung rechenschaftspflichtig zu bleiben. Vor allem aber hatte sie dort Grenzen benannt, wo ihr Mandat endete.
Das war bemerkenswert. Viele Diplomaten, insbesondere jene, die einen politisch bedeutsamen Erfolg nach Hause bringen wollten, neigten dazu, die Grenzen ihrer Zuständigkeit großzügig auszulegen, sobald sich dadurch eine Einigung beschleunigen ließ.
Vey hatte sich diese Versuchung zumindest hinsichtlich Orto Plutonias versagt. Ihre Feststellung, für die dort lebenden Talz keine Zustimmung erklären zu können, war ebenso korrekt wie politisch unbequem. Sie machte deutlich, dass der Beitritt Pantoras eine Angelegenheit berührte, deren rechtliche und territoriale Konsequenzen sich durch einen Vertrag zwischen der Republik und der pantoranischen Regierung allein kaum abschließend regeln ließen.
Vold betrachtete die Botschafterin einen Moment länger. Eine Verhandlungspartnerin, die wusste, was sie nicht versprechen durfte, war einem leichtfertigen Optimisten vorzuziehen. Ihre Zurückhaltung mochte den Fortgang einzelner Gespräche erschweren, bewahrte die Beteiligten aber vor jenen späteren Überraschungen, deren Beseitigung gewöhnlich ein Vielfaches der ursprünglichen Verhandlungskosten verschlang. Das galt insbesondere dann, wenn wirtschaftliche Nutzungsrechte, Rohstoffvorkommen und konkurrierende territoriale Ansprüche miteinander verflochten waren.

Die beiden Togruta am Tisch erwiesen sich derweil ebenfalls als aufschlussreicher, als ihre anfängliche Ähnlichkeit hatte vermuten lassen. Senatorin
Delentes besaß jene nüchterne Vertrautheit mit administrativen Abläufen, die sich nur schwer durch politische Beratung ersetzen ließ. Senatorin Adinara hingegen hatte den Moment erkannt, an dem die informelle Unterhaltung drohte, den eigentlichen Ausschussberatungen vorzugreifen. Ihr höflicher Hinweis auf den weiterhin abwesenden Vorsitzenden war sachlich kaum zu beanstanden gewesen. Dass sie dabei ausgerechnet die Bedeutung geregelter parlamentarischer Verfahren betonte, entbehrte angesichts der jüngsten Kontroversen um Kanzler Quún einer gewissen Brisanz. Hätte Senator Ambor dieselben Worte gewählt, wären sie vermutlich innerhalb weniger Stunden als erneuter Angriff auf die Handlungsfähigkeit der republikanischen Regierung ausgelegt worden. Bei Senatorin Adinara hingegen wirkten sie wie die Erinnerung einer gewissenhaften Senatorin an die institutionellen Voraussetzungen ihrer gemeinsamen Arbeit.

Als sich schließlich die Türen öffneten und Vorsitzender
Chetlak den Raum betrat, erhob sich Vold gemeinsam mit den übrigen Anwesenden zu einer knappen, protokollarischen Begrüßung. Der Rodianer wirkte wenig erfreut über seine Verspätung, verlor allerdings keine Zeit mit ausführlichen Rechtfertigungen. Trembor begrüßte diese Eigenschaft. Entschuldigungen waren im politischen Betrieb ein notwendiges Übel, ihre Länge stand jedoch selten in einem vernünftigen Verhältnis zum tatsächlichen Informationsgehalt. Nachdem der Vorsitzende seinen Platz eingenommen und die Sitzung offiziell eröffnet hatte, richtete Vold seine Aufmerksamkeit auf die über dem Konferenztisch erscheinenden Unterlagen. Gegen die Tagesordnung erhob er keinen Einwand. Seine Haltung blieb aufrecht, die schwarz behandschuhten Hände ruhten in angemessenem Abstand zueinander auf der Tischplatte, während das gleichmäßige, gedämpfte Arbeiten seines Respirators die wenigen Augenblicke zwischen den Wortmeldungen begleitete.

Mit Beginn der offiziellen Beratungen wich die unverbindliche Atmosphäre einer nüchternen Auseinandersetzung mit Zuständigkeiten, Verpflichtungen und wirtschaftlichen Perspektiven. Vold Trembor fühlte sich in diesem Umfeld ausgesprochen wohl. Die Berichte des diplomatischen Korps zeichneten ein überwiegend positives Bild Pantoras. Seine Institutionen galten als belastbar, die Verwaltung als weitgehend kompatibel mit republikanischen Anforderungen. Dass sich politische Macht über mehrere Amtszeiten in denselben Kreisen konzentrierte, überraschte den Skakoaner wenig. Entscheidend war, ob die vorgesehenen Kontrollmechanismen auch unter Druck funktionierten.
Delentes' Vorschlag, bei der Besichtigung mit Vertretern außerhalb der Regierungsmehrheit zu sprechen, erschien ihm daher vernünftig.

Aufmerksam verfolgte er auch ihre Ausführungen über die Zusammenarbeit zwischen planetaren Sicherheitsbehörden und der NRSF. Die Vorstellung zweier Ermittlungsgruppen, die dieselben Verdächtigen observierten und einander dabei kaum weniger misstrauten, entbehrte einer gewissen Komik. Institutionelle Eitelkeit war schließlich ein kostspieliges Vergnügen, das sich die öffentliche Verwaltung mit bemerkenswerter Beharrlichkeit leistete.
Delentes schien hingegen zu wissen, wie sich derartige Schwierigkeiten durch klare Zuständigkeiten und funktionierende Informationswege begrenzen ließen. Vold vermerkte ihre praktische Erfahrung auf seinem Datenpad.
Die wirtschaftlichen Befunde Pantoras weckten sein besonderes Interesse. Wasseraufbereitung, geschlossene Versorgungskreisläufe, Präzisionsfertigung und industrielle Schutzbeschichtungen besaßen beträchtliches Potenzial, zumal angesichts des begonnenen Krieges. Seine Gedanken wanderten nach Metalorn und zu den weitverzweigten Produktionsanlagen der Techno Union. Pantora könnte sich als interessanter Kooperationspartner erweisen. Diskret notierte er einige Stichworte zu Marktstrukturen, Lieferbindungen und möglichen industriellen Verflechtungen. Für konkrete Schritte war es noch zu früh. Auch das vorgestellte Fördermodell betrachtete er grundsätzlich wohlwollend, wenngleich er bereits die zusätzlichen Verwaltungsverfahren erahnte, die seine Umsetzung begleiten würden. Gerade kleinere Unternehmen könnten unter den neuen Anforderungen leiden, wie Botschafterin
Vey zuvor zutreffend angemerkt hatte. Die anschließende Diskussion über die militärische Integration bestätigte wiederum, dass Pantoras Beitritt neben wirtschaftlichen Vorteilen erhebliche Verpflichtungen mit sich bringen würde. Gemeinsame Sicherheit war ein verlockendes Versprechen, solange niemand allzu ausführlich über ihre Finanzierung sprach.

Als die Karte Orto Plutonias erschien, betrachtete
Vold die umstrittenen Gebiete mit wachsendem Interesse. Ungeklärte Hoheitsansprüche waren Gift für langfristige Investitionen. Delentes' Vorschlag, Pantoras Beitritt von einer Anerkennung weitergehender Gebietsansprüche zu trennen und die Talz unabhängig anzuhören, erschien ihm deshalb vernünftig. Da Chetlak bereits entsprechende Prüfaufträge formulierte, sah Trembor keinen Anlass, sich einzuschalten. Stattdessen markierte er die offenen Fragen zu Nutzungsrechten und territorialen Zuständigkeiten.
Während der Vorsitzende seine Fragen an Talaria Vey richtete, überflog Vold das geplante Besichtigungsprogramm. Regierungsstellen, Verwaltungsbehörden und ausgewählte Wirtschaftsstandorte sollten einen Eindruck von Pantoras Leistungsfähigkeit vermitteln. Doch wer entschied eigentlich, welche Einrichtungen repräsentativ waren? Regierungen präsentierten bevorzugt ihre Erfolge, Unternehmen ihre modernsten Anlagen. Ein hervorragend ausgestatteter Industriebetrieb verriet allerdings wenig über die Schwierigkeiten kleinerer Zulieferer, die sich künftig republikanischen Standards unterwerfen mussten. Veys frühere Ausführungen boten ihm einen geeigneten Ansatzpunkt für eine gezielte Nachfrage. Vold ließ die entsprechende Passage auf seinem Display geöffnet und wartete auf eine passende Gelegenheit, sich zu Wort zu melden.

„Mich würde daher interessieren, nach welchen Kriterien jene Wirtschaftsstandorte ausgewählt werden sollen, die wir während unserer Reise besichtigen. Werden wir ausschließlich Einrichtungen kennenlernen, deren Voraussetzungen bereits besonders günstig erscheinen, oder besteht auch die Möglichkeit, mit Unternehmen zu sprechen, für die der Beitritt erhebliche praktische Umstellungen mit sich bringen dürfte?“

Vold legte die Hände wieder auf die Tischplatte.

„Ich hielte es für ausgesprochen hilfreich, beide Perspektiven kennenzulernen. Schließlich sollten wir am Ende unserer Beratungen beurteilen können, welche Möglichkeiten Pantora durch seine Mitgliedschaft gewinnt und welche Voraussetzungen wir schaffen müssen, damit diese Möglichkeiten auch tatsächlich genutzt werden können.“

Die Worte waren sachlich, höflich und ohne erkennbare Forderung formuliert. Sie stellten weder die bisherigen Ergebnisse infrage noch verlangten sie eine Änderung der Tagesordnung. Es war lediglich eine Frage nach der Auswahl geeigneter Gesprächspartner für eine ohnehin vorgesehene Besichtigungsreise, doch hatte Vold Trembor selten eine Frage gestellt, ohne sich zuvor Gedanken darüber zu machen, welche Türen ihre Antwort möglicherweise öffnen würde. Hinter den dunklen Gläsern seiner bronzenen Atemmaske blieb sein Blick auf Chetlak gerichtet. In seinem Datenpad wartete bereits eine Liste pantoranischer Industriezweige, deren nähere Betrachtung er für lohnenswert hielt. Welche Unternehmen er tatsächlich kennenlernen würde, war noch offen. Dass er diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen wollte, stand für ihn hingegen längst außer Frage.

I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Senatsgebäude I|I Kleiner Besprechungssaal I|I Vold Trembor, Botschafterin Vey, Senator Hendrey, Senator Serris, Senatorin Nashana, Senatorin Adinara und Vorsitzender Chetlak I|I​
 
Dac / Coral City / Senatsgebäude / Kleiner Besprechungssaal / Senator Jon Hendrey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor, Talaria Vey, Lucan Serris und Vorsitzender Chetlak

Jon Hendrey war mit seinen bisherigen Wortmeldungen außerordentlich zufrieden. Besonders die Sache mit Pantoras Eigenständigkeit hatte ihm gefallen. Eine Welt, die der Republik beitrat, durfte schließlich nicht aufhören, sie selbst zu sein. Das klang nicht nur hervorragend, sondern entsprach sogar der politischen Überzeugung, die seine Heimatwelt Eriadu seit Jahrzehnten vertrat. Die konservative Regierung unter Führung der Republikanischen Union gehörte zu den entschiedensten Befürwortern eines starken Föderalismus innerhalb der Neuen Republik. Republikanische Einheit, selbstverständlich. Gemeinsame Verteidigung, unbedingt. Aber die Vorstellung, dass irgendein Ministerium auf Dac den Welten der Republik bis ins kleinste Detail vorschreiben sollte, wie sie ihre inneren Angelegenheiten zu regeln hatten, stieß auf Eriadu traditionell auf wenig Begeisterung.

Und das aus gutem Grund. Gerade in der Sozial- und Wirtschaftspolitik profitierte Eriadu davon, dass die republikanische Gesetzgebung den Mitgliedswelten beträchtliche Gestaltungsspielräume ließ. Was anderswo längst als selbstverständlicher Bestandteil sozialer Absicherung betrachtet wurde, galt bei den Konservativen seiner Heimat nicht selten als unnötige staatliche Einmischung. Eine weitreichende Vereinheitlichung solcher Regelungen hätte auf Eriadu vermutlich wenig Begeisterung ausgelöst, insbesondere nicht bei jenen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, die der Republikanischen Union seit Jahren außerordentlich wohlgesonnen waren. Jon bevorzugte dafür allerdings eine andere Formulierung: Die Freiheit der Bürger und Unternehmen, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Das klang besser und ersparte ihm unangenehme Diskussionen über die Finanzierung bestimmter Sozialleistungen.

Dass der stellvertretende Senator Trembor offenbar ähnliche Vorstellungen vom Verhältnis zwischen republikanischer Zentralgewalt und planetarer Eigenständigkeit besaß, hatte Hendrey deshalb mit einigem Wohlwollen registriert. Der Skakoaner war ihm auf Anhieb sympathischer geworden. Zumindest politisch. Persönlich konnte er mit dem maskierten Vertreter Metalorns noch immer nicht viel anfangen. Aber das musste er auch nicht. Politik lebte von gemeinsamen Interessen, und wenn sich zwischen Eriadu und Metalorn bereits in den ersten Minuten eine gewisse Übereinstimmung abzeichnete, war das ein ausgesprochen erfreulicher Nebeneffekt seiner kurzfristigen Ausschussmitgliedschaft.


Jon erwiderte Trembors anerkennendes Kopfnicken mit einem knappen, selbstbewussten Lächeln. Vielleicht saß dort tatsächlich ein Mann, mit dem sich in Zukunft einiges bewegen ließ. Ein Partner, womöglich sogar ein Verbündeter. Dass die beiden bislang kaum mehr als einige wohlklingende Grundsätze miteinander ausgetauscht hatten, tat dieser Einschätzung keinen Abbruch. Die großen Bündnisse der Geschichte hatten schließlich auch irgendwann einmal klein angefangen.

Die weiteren Ausführungen über Verwaltungsstrukturen, Zuständigkeiten und die offenen Fragen rund um Orto Plutonia verfolgte Jon mit wechselnder Aufmerksamkeit. Dass Botschafterin Vey großen Wert auf die Eigenständigkeit ihrer Heimat legte, gefiel ihm. Auch ihre Vorstellungen zur Eingliederung pantoranischer Streitkräfte klangen grundsätzlich vernünftig. Besonders aufmerksam wurde er allerdings, als Vorsitzender Chetlak im Zusammenhang mit Trembors Nachfrage auf den Umfang der geplanten Begutachtung zu sprechen kam.

"Die Anregung des stellvertretenden Senators Trembor werden wir bei der Auswahl unserer Besichtigungsziele berücksichtigen. Gerade im Hinblick auf die militärische Integration müssen wir schließlich auch feststellen, welche Kapazitäten Pantora bereits mitbringt und an welchen Stellen möglicherweise erheblicher Anpassungsbedarf besteht."

Das war sein Stichwort. Jon richtete sich ein wenig auf und legte beide Unterarme auf den Tisch. Verteidigungspolitik. Endlich ein Themengebiet, auf dem er sich nicht ausschließlich mit wohlklingenden Allgemeinplätzen durchschlagen musste. Zumindest hatte er davon ein erheblich größeres Repertoire zur Verfügung.

"Und genau hier, Herr Vorsitzender, sollten wir meiner Ansicht nach keine halben Sachen machen."


Seine Stimme gewann an Nachdruck.

"Wir sprechen über den Beitritt einer freien Welt in einer Zeit, in der unsere Republik bereits Krieg führt. Das bedeutet nicht nur neue Rechte und wirtschaftliche Chancen, sondern auch neue Verpflichtungen. Für Pantora genauso wie für uns. Gemeinsame Sicherheit darf nicht bloß auf dem Papier existieren. Sie muss robust, belastbar und vor allem einsatzfähig sein."


Jon ließ den Blick kurz über die Runde wandern. Es war eine jener Gelegenheiten, bei denen sich seine politische Überzeugung erstaunlich problemlos mit den Interessen seiner wichtigsten Unterstützer deckte. Eriadus Industrie hatte ein erhebliches Interesse an einer starken republikanischen Verteidigungspolitik, und selbstverständlich musste die Aufnahme neuer Mitgliedswelten auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. Neue Streitkräfte benötigten Ausbildung, Ausrüstung, Ersatzteile und gegebenenfalls modernisierte Systeme. Hinter jedem dieser Begriffe standen schließlich Unternehmen, Aktienkurse, Arbeitsplätze und beträchtliche Auftragsvolumen.

Gerade die großen Industrie- und Rüstungskonzerne seiner Heimat waren für solche Aufgaben hervorragend aufgestellt. Das hatten ihre Vertreter bei zahlreichen Gelegenheiten betont, nicht zuletzt gegenüber Jax Relmor, der sich stets mit bemerkenswerter Hingabe um die Beziehungen zwischen Hendreys Büro und der Wirtschaft kümmerte. Es wäre geradezu unverantwortlich gewesen, diese Möglichkeiten nicht in Betracht zu ziehen.

"Deshalb halte ich es für unerlässlich, dass wir neben der bloßen Übernahme vorhandener Streitkräfte auch ihren zukünftigen Modernisierungsbedarf prüfen. Wir haben innerhalb der Republik eine leistungsfähige Verteidigungsindustrie, die über jahrzehntelange Erfahrung verfügt. Auf Eriadu wissen wir beispielsweise sehr genau, welchen Beitrag private Unternehmen zur Sicherheit unserer Bürger leisten können."


Er unterstrich den Gedanken mit einer kleinen, offenen Handbewegung.

"Und ich bin überzeugt, dass wir Pantora mit den richtigen industriellen Partnerschaften nicht nur militärisch integrieren, sondern langfristig stärken können. Durch moderne Ausrüstung, Ausbildung, Investitionen und selbstverständlich neue Arbeitsplätze. Das ist es, was ich unter einer zukunftsorientierten Sicherheitspolitik verstehe."


Dass solche Partnerschaften vorzugsweise mit Unternehmen geschlossen werden sollten, die bereits über Erfahrung mit republikanischen Beschaffungsverfahren verfügten, musste er an dieser Stelle nicht ausdrücklich hervorheben. Ebenso wenig, dass einige dieser Unternehmen zu seinen großzügigsten politischen Unterstützern gehörten. Jon Hendrey sprach schließlich nicht über einzelne Konzerne. Er sprach über die Sicherheit der Republik.

"Demokratie und Freiheit brauchen starke Bündnisse. Starke Bündnisse brauchen eine robuste Verteidigung. Und eine robuste Verteidigung braucht eine Industrie, die liefern kann."


Damit lehnte er sich wieder zurück. Das war ein ausgesprochen gelungener Dreiklang. Vielleicht sollte Cassa Veyl daraus etwas machen. Und wenn aus dem Beitritt Pantoras am Ende neben einem weiteren republikanischen Verbündeten auch noch einige lukrative Beschaffungsprogramme hervorgingen, dann war das zweifellos ein Sieg für alle Beteiligten.

Dac / Coral City / Senatsgebäude / Kleiner Besprechungssaal / Senator Jon Hendrey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor, Talaria Vey, Lucan Serris und Vorsitzender Chetlak
 
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Bei der Beschreibung der kleinen Galerie hob Talaria den Blick von ihrem Datenpad. Eine öffentliche Ausstellung unmittelbar am Riff, mehrere Ebenen unter der Wasserlinie, hatte sie bei ihren Überlegungen für einen ersten Spaziergang durch Coral City bislang kaum berücksichtigen können. Schon während Nashana von dem nachmittäglichen Licht erzählte, versuchte sie sich vorzustellen, wie es durch das Wasser fiel und sich auf den Wänden eines solchen Raumes bewegte. Ihr Lächeln wurde etwas breiter.

„Dann weiß ich bereits, wofür ich mir einen Nachmittag freihalten möchte. Vielen Dank, Senatorin.“, erwiderte sie und bezog Ylsara mit einem Blick ein. „Auch für Ihren Hinweis auf die älteren Viertel. Ich werde meinen Zeichenblock wohl häufiger mitnehmen müssen, als ich ursprünglich vorhatte.“

Sie hielt den Namen der Galerie in einer kurzen Notiz fest. Dass Nashana diesen Ort aus ihrer Studienzeit kannte, machte die Empfehlung für sie besonders reizvoll. Vielleicht würde zwischen den anstehenden Gesprächen tatsächlich Gelegenheit bleiben, Coral City auf diese Weise kennenzulernen.
Ylsaras anschließenden Hinweis auf die noch ausstehende Sitzungseröffnung nahm Talaria mit einem verständigen Nicken auf. Sie hatte die Fragen gern beantwortet und war dankbar für das erkennbare Interesse gewesen. Zugleich konnte sie nachvollziehen, weshalb die Senatorin Wert darauf legte, die eigentliche Besprechung im vorgesehenen Rahmen zu führen. Als Chetlak schließlich eintraf, erhob sie sich zu seiner Begrüßung.

„Vorsitzender Chetlak, ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen. Vielen Dank für Ihren Empfang und Ihre Zeit.“

Nachdem sie wieder Platz genommen hatte, rief sie die Tagesordnung auf ihrem Datenpad auf und wartete die Behandlung des ersten Punktes aufmerksam ab. Ihr Blick wechselte zwischen dem Vorsitzenden und den Unterlagen, während er anschließend die Ergebnisse des diplomatischen Korps zusammenfasste.

Vieles davon war ihr vertraut. Sie kannte die Einrichtungen, die Gegenstand der Prüfung gewesen waren, und hatte sich während ihrer Vorbereitung eingehend mit den verbliebenen Anpassungen beschäftigt. Dennoch fühlte es sich anders an, die Befunde nun hier zu hören. Die Beschreibungen ihrer Heimat standen zwischen republikanischen Verfahrenshinweisen und den Fragen jener Personen, die später über eine Empfehlung an den Senat entscheiden würden. Als Chetlak die nachvollziehbaren Verwaltungszuständigkeiten und die grundsätzlich günstige rechtliche Bewertung ansprach, richtete sie sich unwillkürlich ein wenig auf.

Bei seiner Bemerkung zur demokratischen Legitimation löste sich dann eine Anspannung, die sie bis zu diesem Augenblick kaum bewusst wahrgenommen hatte. Talaria atmete ruhig aus; ihre Finger lagen anschließend etwas lockerer um den Stylus. Die Veränderung war gering und hätte sich ebenso gut durch eine bequemere Sitzhaltung erklären lassen.
Die hohe politische Stellung ihrer Familie gehörte für sie seit ihrer Kindheit zum Alltag. Der Name des Hauses Vey war seit Generationen mit Personen, Ämtern und Entscheidungen verbunden, über die zu Hause regelmäßig gesprochen wurde. Viele derjenigen, die heute politische Verantwortung auf Pantora trugen, hatte sie lange vor ihrer eigenen politischen Tätigkeit kennengelernt. Ihre Entsendung war aus diesem Umfeld heraus unterstützt worden, mit jener großen Zuversicht, die sie auf dem Weg hierher begleitet hatte. Dass dieselbe Beständigkeit aus der Entfernung Fragen nach der Wirksamkeit politischer Kontrolle aufwarf, konnte sie verstehen.
Trotzdem tat es ihr gut, zu hören, dass die Prüfung ihre Heimat als funktionierende Demokratie erfasst hatte.

Nashanas Vorschlag, auch mit Abgeordneten außerhalb der Regierungsmehrheit zu sprechen, notierte sie sich. Manche dieser Gespräche würden gewiss unbequem ausfallen. Talaria kannte genügend öffentliche Debatten, um sich darüber keine Illusionen zu machen. Sie wollte allerdings auch nicht, dass die Delegation Pantora später nur anhand jener Stimmen beschrieb, die ihrer Familie ohnehin nahestanden.

Während Nashana anschließend von den Schwierigkeiten zwischen BST und NRSF erzählte, wurde aus der kurzen Notiz eine zweite, etwas ausführlichere. Talaria hielt die Begriffe Ansprechpartner, Informationszugang und Übergabe fest. Besonders bei dem knappen „Irgendwann“ der Senatorin sah sie auf.
In den vorbereiteten Übersichten wirkten die Zuständigkeitswechsel überschaubar. Die Vorstellung zweier Ermittlungsgruppen, die dieselben Verdächtigen beobachteten und einander dabei Informationen vorenthielten, verlieh diesen Tabellen eine wesentlich praktischere Bedeutung.

Sie schätzte, dass Delentes gerade diese Erfahrung mit ihnen teilte. Eine fertige Struktur ließ sich leicht als Erfolg vorstellen. Zu erklären, weshalb sie zunächst Schwierigkeiten verursacht hatte, konnte Pantora bei der eigenen Vorbereitung erheblich weiterhelfen.
Die wirtschaftlichen Befunde verfolgte Talaria mit stiller Zufriedenheit.
Hinter den aufgeführten Versorgungssystemen, Werkstoffen und Textilien standen Betriebe, in denen ihre Landsleute täglich arbeiteten. Dass diese Fähigkeiten hier als mögliche Beiträge zur Republik wahrgenommen wurden, bedeutete ihr viel. Beim vorläufigen Förderrahmen vermerkte sie den projektbezogenen Ansatz und den noch ausstehenden Abgleich des tatsächlichen Bedarfs.
Eine Zahl allein würde den betroffenen Einrichtungen wenig darüber sagen, welche Unterstützung sie schließlich erhalten konnten.

Als die Besprechung zu den Streitkräften wechselte, wurde ihr Ausdruck nachdenklicher. Ein neuer Diensteid und eine Anpassungsausbildung ließen sich in wenigen Zeilen zusammenfassen. Für die betroffenen Angehörigen der pantoranischen Verbände würden damit neue übergeordnete Vorgesetzte, andere Dienstorte und möglicherweise Einsätze weit entfernt von ihrer Heimat verbunden sein. Sie hatte diese Konsequenzen bei ihrer Vorbereitung bedacht.
Hier, im Senat einer bereits Krieg führenden Republik, bekamen sie dennoch eine andere Nähe.

Mit der Darstellung Orto Plutonias wanderte ihre Aufmerksamkeit zur Tischmitte. Sie betrachtete die gekennzeichneten Standorte und die vorsichtiger erfassten Zwischenräume.
Für einen kurzen Augenblick legten sich zwei feine Falten zwischen ihre Brauen, während Nashana die unabhängige Kontaktaufnahme zu den Talz ansprach.
Talaria verstand, dass die Republik wissen wollte, welche Verpflichtungen sie mit Pantoras Aufnahme einging. Trotzdem hatte sie der Frage nach einer Anhörung der Talz für dieses Gespräch weniger Raum zugemessen.
Der Antrag, den sie vertrat, betraf ausschließlich Pantora. Die Lebensverhältnisse und Ansprüche der benachbarten Gemeinschaften würden dadurch weiterhin eigene Gespräche verlangen und hatten mit ihrem Antrag ihrer Meinung wenig zu tun. Offenbar hielt der Ausschuss es für erforderlich, diesen Zusammenhang bereits jetzt genauer zu erfassen.
Sie ließ den Gedanken vorerst bei sich und hörte Chetlaks Fragen zu Ende.


Auch Trembors anschließende Nachfrage zur Auswahl der Wirtschaftsstandorte fand ihren Weg in ihre Notizen. Hinter seinen dunklen Sichtgläsern blieb sein Gesicht für sie unlesbar; seine Worte waren jedoch konkret genug. Talaria hatte selbst auf die Schwierigkeiten kleinerer Unternehmen hingewiesen. Es erschien ihr folgerichtig, dass die Delegation diese Betriebe nun ebenfalls kennenlernen wollte.
Bei Hendreys Ausführungen hob sie erneut den Blick. Seine offen geführte Handbewegung und der Nachdruck seiner Stimme ließen seine Unterstützung greifbar wirken.
Ausbildung, industrielle Zusammenarbeit und Investitionen waren Möglichkeiten, über die sie gern mehr erfahren würde. Auf ihrem Datenpad ergänzte sie allerdings noch Wartung und laufende Kosten. Ausrüstung musste auch Jahre nach ihrer Anschaffung zuverlässig betrieben werden können.
Als sich ihr Gelegenheit zur Antwort bot, legte sie den Stylus neben das Gerät und wandte sich zunächst dem Vorsitzenden zu.

„Herr Vorsitzender, hinsichtlich Orto Plutonias sehe ich grundsätzlich eine Grundlage für die von Ihnen vorgeschlagene Formulierung. Pantoras Beitritt muss keine weitergehende Anerkennung territorialer Ansprüche durch die Neue Republik enthalten. Den konkreten Wortlaut werde ich meiner Regierung zur Prüfung vorlegen.
Dabei wäre uns wichtig, dass die bestehenden pantoranischen Siedlungen sowie die dort tatsächlich wahrgenommenen Verwaltungsaufgaben angemessen berücksichtigt werden.“


Sie ließ ihren Blick kurz zu den entsprechenden Markierungen auf der Karte wandern.
„Dort leben Personen, deren Versorgung und alltägliche Sicherheit weiterhin gewährleistet sein müssen. Ich halte es deshalb für sinnvoll, diese praktischen Fragen im Vertragsentwurf ausdrücklich zu erfassen.“

Anschließend sah sie wieder zu Chetlak und Nashana.
„Wenn das Diplomatische Korps mit den Talz sprechen möchte, unterstütze ich die Vorbereitung gern und vermittle die uns bekannten Kontakte. Ich würde mich freuen, wenn bei den Gesprächen auch eine pantoranische Person als Beobachter teilnehmen dürfte, sofern die Gesprächspartner damit einverstanden sind. Sie könnte den Austausch mitverfolgen und bei Bedarf tatsächliche Angaben zu pantoranischen Einrichtungen, Verwaltungsabläufen oder Standpunkten erläutern.“

Talaria formulierte die Bitte ruhig. Ihr lag daran, dass unterschiedliche Darstellungen des Zusammenlebens früh erkennbar wurden. Eine unzutreffende Angabe musste schließlich nicht aus böser Absicht entstehen; bereits verschiedene Vorstellungen darüber, wer an einem bestimmten Ort welche Aufgaben wahrnahm, konnten dennoch später erhebliche Schwierigkeiten verursachen.
„Die Gesprächsführung und die unmittelbare Verständigung mit den Talz würden selbstverständlich beim Diplomatischen Korps liegen.“

Sie nahm einen kleinen Schluck ihres inzwischen abgekühlten Getränks und stellte die Tasse wieder ab, bevor sie auf die übrigen Anregungen zurückkam.
„Für die Besichtigung Pantoras möchte ich Ihnen ebenfalls unsere Unterstützung zusagen. Das gilt auch für Gespräche mit Aufsichtsstellen und Abgeordneten in und außerhalb der Regierungsmehrheit. Wenn der Ausschuss seine gewünschten Ansprechpartner benennt, werde ich die organisatorische Vorbereitung gern veranlassen.“

Der Blick, den sie dabei Nashana zuwandte, war offen.
„Und ich danke Ihnen für das Beispiel aus Barancar, Senatorin Delentes. Gerade die anfänglichen Schwierigkeiten sind für unsere Vorbereitung hilfreich. Wir könnten für die Reise einen Fallablauf vorbereiten, den pantoranische Fachleute gemeinsam mit den zuständigen republikanischen Stellen durchgehen. Dabei ließe sich feststellen, ob Ansprechpartner, Zugriffe und Übergaben tatsächlich so ineinandergreifen, wie die Unterlagen es vorsehen.“

Danach bezog sie Trembor mit einer leichten Wendung ihres Oberkörpers ein.
„Bei den Wirtschaftsstandorten würde ich Ihre Anregung ebenfalls gern aufgreifen, stellvertretender Senator. Eine Auswahl sollte verschiedene Branchen, Betriebsgrößen und Regionen berücksichtigen. Dazu gehören junge Unternehmen ebenso wie lange bestehende etablierte Betriebe und ausdrücklich auch solche, denen die bevorstehenden Umstellungen Schwierigkeiten bereiten.“

Talaria blickte kurz zum Vorsitzenden, bevor sie ihr Angebot konkretisierte.
„Wir können gerne eine entsprechend breite Übersicht bereitstellen, aus der der Ausschuss und das diplomatische Korps ihre Gesprächspartner auswählen. Gespräche mit den Betriebsleitungen und den Beschäftigten könnten dann zeigen, wo genau Unterstützung gebraucht wird. Bei einem Unternehmen mag es an technischen Voraussetzungen fehlen, bei einem anderen an geschultem Personal oder an der Finanzierung zusätzlicher Nachweise. Das sollten wir möglichst früh auseinanderhalten.“

Die Aussicht auf solche Gespräche gefiel ihr. Sie würden Gelegenheit bieten, Erwartungen und Schwierigkeiten an konkreten Arbeitsplätzen zu betrachten. Für Talaria gehörte dazu auch die Bereitschaft, von Betrieben zu hören, die dem Beitritt bisher mit Zurückhaltung begegneten.
Hendrey schenkte sie schließlich ein freundliches, aufmerksames Lächeln.
„Senator Hendrey, die von Ihnen angesprochenen Möglichkeiten zur Ausbildung der Streitkräfte und der industriellen Zusammenarbeit interessieren uns ebenfalls. Bei der Prüfung des Modernisierungsbedarfs sollten wir von Anfang an die Wartung, die Ersatzteilversorgung und die langfristigen Betriebskosten berücksichtigen. Ebenso würde ich gern untersuchen lassen, an welchen Stellen pantoranische Fachkräfte und Unternehmen eingebunden und weiter ausgebildet werden können.“


Ihre Hände ruhten locker neben dem Datenpad.
„Über geeignete Partnerschaften möchte ich deshalb gern weiter sprechen, sobald die Bestandsaufnahme den konkreten Bedarf erkennen lässt. Dann können wir gemeinsam beurteilen, welche Maßnahmen unsere Kräfte zuverlässig in die republikanischen Strukturen einbinden und welchen Beitrag Pantora dauerhaft tragen kann und mit was für Mittel und Unterstützung seitens der Republik zu rechnen ist.“

Für einen Moment sah sie noch einmal auf ihre Notizen. Zwischen dem Namen der kleinen Galerie und den Vermerken zur militärischen Integration lagen nur wenige Zeilen. Der Unterschied erinnerte sie daran, wie viel an diesem Tag gleichzeitig neu für sie war. Sie hob den Blick wieder zum Vorsitzenden und wartete aufmerksam auf die Fortsetzung der Besprechung.


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