N'zoth

[Kern Regionen | Imperialer Raum | Koornacht-Cluster | Orbit von N’zoth | Werft | Verwaltungsbereich | Büro des Gouverneurs]
Michael von Berchem, Darth Sikarius, Teneb Dask, UX-23


Michael blieb regungslos sitzen, während Darth Sikarius sprach. Zumindest äußerlich. Innerlich allerdings begann seine Geduld langsam zu bröckeln. Nicht nur wegen der Arroganz des Sith – die war erwartbar gewesen. Ebenso die unterschwelligen Beleidigungen, die unhöfliche Art zu sprechen. Was Michael tatsächlich störte, war die offensichtliche Ignoranz gegenüber der Realität dieses Krieges. N’zoth war kein Trainingsgelände des Ordens und Michael war auch kein nervöser Gouverneur, der beim ersten Fauchen eines Sith einknicken würde. Während dort draußen Menschen starben, Nachschub organisiert und Frontlinien sich von Minute zu Minute verschoben. Verlor sich Darth Sikarius in seinen Machtspielchen auf die Michael auch noch eingegangen ist. Michael nahm langsam seine Tasse zur Hand, trank einen kleinen Schluck und stellte es mit kontrollierter Ruhe wieder ab.

„Wisst Ihr, Mylord”, begann er schließlich ruhig, zu ruhig. „Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Macht… und Kontrolle.“

Sein Blick ruhte direkt auf Darth Sikarius. Fest und Unnachgiebig.

„Macht besitzt hier beinahe jeder zweite Offizier mit einem eigenenem Kommando. Kontrolle dagegen… besitzen nur die wenigsten.“

Für einige Sekunden herrschte wieder Stille im Raum. Michael stand langsam auf und trat einige Schritte um den Holotisch herum. Seine Hände lagen hinter dem Rücken verschränkt, während sein Blick kurz über die taktischen Markierungen Giat Nors wanderte.

„Ihr sprecht von Symbolen, von Angst und Zerstörung und glaubt offenbar, dass sich dieser Planet allein durch Gewalt brechen lässt.“

Nun wurde seine Stimme merklich kälter und strenger.

„Wenn das tatsächlich funktionieren würde, wäre N’zoth längst befriedet und ich müsste mich jetzt nicht mit euch auseinandersetzen.“

Er blieb schließlich direkt gegenüber der großen Panoramascheibe stehen. Dann drehte er sich langsam wieder um.

„Die Yevethaner kämpfen nicht weiter, weil sie glauben gewinnen zu können, wie sie es anscheinend nicht bemerkt haben, sie kämpfen weiter, weil sie überzeugt sind, dass wir sie vernichten werden, sie auslöschen werden!“

Ein kurzer Moment verstrich.

„Und genau deshalb werde ich sicher nicht blindlings irgendeinen Palast vaporisieren, nur damit irgendjemand sich fünf Minuten mächtig fühlen kann.“

Michael wusste genau, wie gefährlich es war, so mit einem Sith zu sprechen. Aber ebenso wusste er, dass jede Form von Unterwürfigkeit ihn in den Augen solcher Männer sofort schwach wirken ließ.

„Ich führe hier keinen Vernichtungsfeldzug, ich bin hier eine Permanente imperiale Herrschaft zu etablieren.“

Sein Blick verengte sich leicht.

„Das bedeutet Verwaltung. Kontrolle. Infrastruktur. Einschüchterung wenn nötig. Propaganda wenn sinnvoll. Und Gewalt dort, wo sie strategisch erforderlich ist nicht da wo ein wild gewordener Sith Lord es will, dass können sie gerne an der Kriegsfront mit der Republik veranstalten. Da wir ja auch schon beim du sind, darfst DU mich sehr gerne mit einem herr Gouverneur, Herr Viscount oder auch meinetwegen Herr von Berchem ansprechen! Ich bin Politiker, aber mit Sicherheit niemand, der eine potentielle Waffe einfach in die Tonne tritt oder sich einfach durch einen Berg von Fleisch hackt, dass kannst DU ja selber auf einem Planeten machen, wo du der Verwalter bist!”

Die letzten Worte klangen beinahe verächtlich. Dann glitt sein Blick kurz zu dem Schüler von diesem Idioten. Michael vermied es bewusst, den Schüler direkt anzusprechen oder ihn aktiv in die Unterhaltung hineinzuziehen. Sith oder nicht beide waren eigenständige Akteure und Michael war klug genug, sich nicht unnötig zwischen deren interne Konflikte einzumischen, auch wenn der Mann vielleicht irgendwann ein interessanter Verbündeter werden könnte. Stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit wieder vollständig auf Darth Sikarius.

„Falls DU glaubst, ich würde hier draußen einfach irgendein weiterer Bürokrat sein, den man mit ein paar Drohungen oder Machtspielchen beeindrucken kann, dann unterschätzt du mich gewaltig, ich hab mich bei dir anscheinend aber gewaltig verschätzt. Und im Übrigen, hast du etwa im Chaos hinter Csilla gelebt? Wir sind im Krieg mit der Republik, ja ich habe hier Personalmangel, meine Streitkräfte sind nicht mal auf 70 Prozent der ursprünglichen Stärke, Imperiale Truppen sind nur begrenzt einsatzfähig da diese… IM! KRIEG! SIND! Ich hab nicht mal eine verfluchte Putzfrau der ich einen Blaster in die hand drücken könnte, bist du etwa SO oder tust du gerade nur so realitätsfern? Und du Droide falls ich noch ein Wort aus deinem Blechkörper höre mache ich dir ein loch in deinen Blechkörper!”

Michael stand mit seinen Fäusten auf dem Tisch direkt vor den Sith, er war gereizt von diesem sich selbst zu wichtig nehmenden Sith der anscheinend denkt das er auch noch irgendwas intelligentes von sich gegeben hat außer sein idiotisches ‘Draufhauen und dann versuchen Kontrolle zu etablieren’ Gedankengut.

“Und nehmen sie ihre verdreckten Stiefeln von meinen Möbeln, bevor ich den Beistelltisch noch zertrümmer."

Michael musste erst einige tiefe Atemzüge nehmen, bevor er wieder einen annehmbaren Puls hatte. Michael fuhr fort, nachdem er sich wieder etwas gefangen hatte.

„Verwechselt meinen Respekt für euch nicht mit Hörigkeit. Ich bin keiner eurer Diener.“

Sein Blick blieb unbeirrt auf Darth Sikarius ruhen. Bei seinem vorausgehenden Ausbruch wird der Sith vielleicht sein Betragen nochmal überdenken und ihn gemäß seines Imperialen Ranges entsprechend ansprechen, da stand die Chance den Konflikt morgen friedlich zu beenden aber deutlich höher.

„Denn während Sith kommen und gehen… bleibt am Ende trotzdem irgendjemand zurück, der diesen verdammten Planeten tatsächlich regieren muss. Sie werden immerhin wieder an die Front gehen und ich bin hier und muss damit arbeiten was dann noch bleibt. Ich will versuchen die Yevethaner zur Kooperation zu bringen und wenn das gerade nur durch das sichern von Symbolen ist um den Yevethanern zu zeigen das wir als Imperium gewillt sind ihre Kultur zu bewahren indem wir Kunst und Kultur vor einem Inferno bewahren gibt es eine Chance eine erneute Rebellion zu verhindern. Sture Machtpolitik und Unterdrückung hat ja ganz offensichtlich nicht gefruchtet, ebenso wenig wie rohe gewalt, also reiche ich ihnen nach einer gehörigen Lektion die Hand. Die Yevethaner können sich dann immer noch für den Krieg entscheiden und ihre Spezies vernichten.“

Michael wusste zwar, dass die Chancen darauf, dass die Yevethaner ihre Krieger-Kultur aufgeben würden oder zumindest nicht mehr gegen das Imperium arbeiten würden, dennoch schien der Weg, sie einfach so lange zu töten, bis sie aufgeben nicht zu funktionieren.

“Also ich bin hier fertig, wenn ihr nicht noch etwas Weltbewegendes habt, schlage ich vor, den Yevethanern in den Arsch zu treten, um ihnen dann zu zeigen, dass wir auch anders können. Die Idee mit den Maus Droiden ist aber nicht schlecht, ich gebe dass an meinem Militärstab weiter. Einverstanden?”

[Kern Regionen | Imperialer Raum | Koornacht-Cluster | Orbit von N’zoth | Werft | Verwaltungsbereich | Büro des Gouverneurs]
Michael von Berchem, Darth Sikarius, Teneb Dask, UX-23
 
Zuletzt bearbeitet:
[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / Orbit von N'zoth / Werft / Verwaltungsbereich / Büro des Gouverneurs ] Leto, Michael und Teneb, sowie (NPCs) UX-23

Letos unversehrte Augenbraue zuckte, als Herr von und zu Gouverneur seine Strategie änderte. Sein unverwandter Blick ruhte auf dem Mann und auf seinen Lippen lag die unausgesprochene Frage, ob er zu weit gegangen war. Oder, wie weit er noch gehen konnte? Er hatte noch nie mit einem Gouverneur gesprochen. Er wusste natürlich, dass er sich auch normalerweise mit seiner zur Schau gestellten Persönlichkeit keine Freunde machte. An welchem Punkt würde der Kerl einfach seine Garde rufen, um dem Gewicht seines Amtes mit einem bisschen Plasma Nachdruck zu verleihen?

Nicht sofort, wie es schien. Mit halbem Ohr lauschte Leto den leeren Worthülsen, die der alte Sack bedeutungslose Existenz schenkte. Immerhin war sein Ton nun schärfer als zuvor! Unterschied zwischen Macht und Kontrolle; nur die wenigsten hatten die; der Planet ließ sich nicht durch Gewalt brechen… jaja, bla bla. Warum hatte das Glücksbärchi ihn überhaupt nach seiner Meinung gefragt, wenn es am Ende doch wieder alles besser wusste?! Für den Moment schwieg Leto. Stumm wartete er ab, ob das alles nur heiße Luft war, oder sich doch noch eine Konsequenz am Horizont abzeichnete.

Nein, der quatschte einfach weiter... Kontrolle, Infrastruktur, Einschüchterung, er könne das ja an einer republikanischen Front veranstalten und überhaupt hatte er generell ein Problem mit Duzen. Spätestens hier stempelte Leto das Gesabbel als machtlose Allgemeinbeschwerden ab. War sein Mund bisher eine schmale, abwartende Linie gewesen, so umspielte ihn nun wieder ein spöttisches Grinsen. Noch während der Gouverneur erzählte, hob Leto zwei Finger an die Schläfe und salutierte übertrieben.


„Alles klar, Hörr Gouverneur Schreicount vom Bärchen“, sagte er, nun mit einem wirklich breiten Grinsen auf dem grauen Gesicht. Das wars, die Luft war raus. Die Frage war beantwortet und das Resultat Affentheater und Rumgeheule. Und trotzdem ging es weiter!

„Herr Gouverneur, ich bitte vielmals um Verzeihung für sein Betragen! Er wird alles tun…“, begann UX-23. Leto schnippte ihn einfach mit der Macht gegen die nächste Wand. Ein metallisches Klangen hallte durch den nächsten Raum, doch niemand schenkte dem Droiden weitere Beachtung.

Letos ungleiche Augen ruhten nun wieder gespannt auf Bärchen, der jetzt erst zur Höchstform auflief. Leto könne ihn nicht mit seinem Betragen beeindrucken und ob er denn irgendwo im Chiss-Raum die jüngsten Ereignisse verschlafen hatte! Es gab Personalmangel, er HATTE gar keine Putzfrau, der er einen Blaster in die Hand geben konnte. Seine Tirade beendete er dann noch mit einer Drohung gegen UX-23, die Leto ein helles Lachen entlockte.
„Ich würd‘ ja aufpassen, der Blecheimer hält meine Leine…“

Der Aufforderung, die Füße von den Möbeln zu nehmen, kam Leto sogar nach. Mit einem Knall kippte der Sessel wieder mit allen vier Beinen auf den Boden und er stand auf. Mit der Macht fegte er den Beistelltisch aus seiner Bahn und trat auf den Gouverneur zu.

„Ich habe keine Diener.“, antwortete er auf die nächste Beschwerde und hielt dem starren Blick seiner Augen stand. Das war interessant! Trotz des Schwalls bedeutungsloser Worte fand sich in ihm nichts von der Überkompensation, die er aus ihnen herauslas. „Ich habe Leute, deren Ketten ich in der Hand halte. Und Leute, die meine Ketten halten. Was von beidem bist du?“ Er legte den Kopf schief.

Nun jedoch erging Bärchen sich in der nun dritten (?) Tirade, in der er sich darüber beschwerte, dass irgendjemand ja hier noch regieren musste, wenn die Sith erst verschwunden waren. Dem Rest hörte Leto gar nicht mehr zu, stattdessen blieb er – das Scimitar in seiner Scheide in der Hand – einen Moment später unangenehm dicht vor dem älteren Menschen stehen, ihre Nasen so nah, dass sich die Spitzen beinahe berührten.


„Bist du wirklich fertig?“, fragte Leto und grinste breit. „Schon okay. Lass es raus, Alter. Nein, nichts mehr? Na gut. Klingt aber, als hättest du jemanden zum Reden gebraucht. Gern gescheh’n. Aber frag mich halt nicht, wenn du nicht mit der Antwort leben kannst.“ Fast gelangweilt warf Leto einen Blick auf sein Scimitar und hob seinen rechten Arm. „Fangen wir dann jetzt an, oder wie? Wo darf die erste Mission ‚dreckige Xeno-Kultur bewahren‘ stattfinden?“ Unvermittelt sausten Arm und Scimitar wieder hinab. Mit einem weiteren Knall bohrte sich der Sporn der Waffe in die saubere Oberfläche des Schreibtisches.


[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / Orbit von N'zoth / Werft / Verwaltungsbereich / Büro des Gouverneurs ] Leto, Michael und Teneb, sowie (NPCs) UX-23
 
Kernwelten | Farlax-Sektor | Koornacht-Cluster | Orbit von N'zoth | Werft | Büro des Gouverneurs | Teneb Dask, Darth Sikarius, Gouverneur von Berchem und UX-23 [NPC]

Mit seiner Umgebung verschmelzend stand der Sith Schüler im Schatten hinter dem Sessel seines Meisters, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, die Hände in den Ärmeln verborgen und sah zu, wie ein imperialer Gouverneur vor seinen Augen die Maske verlor. Auf Umbara hätte ein solcher Augenblick den Geschmack von Blut gehabt, auch ohne offene Gewalt. Dort war Politik Schauspiel, ein halsbrecherisches Spiegelkabinett, in dem das Messer unter Seide lauerte und schneller den Weg in den Rippenbogen fand, als einem lieb war. Das Spiel der Rootai, aus Andeutung, Blickführung und einstudierter Gelassenheit, die mit tödlicher Höflichkeit zu morden wussten. Wer die Stimme hob, hatte meist schon verloren, denn zwischen einem erstickten Schrei einer Stichwunde und dem Erbosten lag zuweilen nur eine hauchdünne Trennschärfe. Wer seine Gereiztheit zeigte, schenkte dem Gegner eine Handvoll der eigenen Haut. Kontrollverlust war dort kein profaner Ausbruch, vielmehr war es ein Riss im Gesicht, und durch solche Risse griffen andere Hände nach allem, was dahinter verborgen lag. Teneb hatte als Kind an den Rändern solcher Räume gestanden und gelernt, wie Erwachsene lächelten, während sie einander vernichteten. Er hatte gelernt, dass die schärfste Beleidigung manchmal wie Bewunderung klang, dass Schweigen einen Gegner ausbluten lassen konnte und dass ein zu rascher Atemzug mehr verriet als eine ganze Rede.

Michael von Berchem verlor die Kontrolle anders. Der Mann zerfiel nicht. Er wurde lauter und vor allem schärfer, durchaus. Seine Worte bekamen Kanten, sein Respekt verlor jene polierte Oberfläche, die er zuvor wie eine Uniform getragen hatte, und doch wirkte es nicht wie ein Ausgleiten. Auf den Umbaraner wirkte es wie ein absichtlich geöffneter Druckausgleich in einer überhitzten Maschine. Dampf entwich, heiß und gefährlich, aber die Kolben arbeiteten weiter. Seine Wut hatte Gewicht, denn sie kam aus einer Wirklichkeit, die keine theatrale Geste war. Teneb spürte den Zorn des Gouverneurs in der Macht als dunkles, verdichtetes Glimmen, von Müdigkeit durchzogen und von jener harten Kränkung, die entsteht, wenn jemand die eigene Last wie ein Kinderspielzeug behandelt. Macht und Kontrolle. Die Worte blieben im Bleichen wie Widerhaken hängen, während die roten Linien der holografischen Oberfläche über Giat Nor pulsierten. Das Licht der Holoprojektionen zog blutige Schatten über die dunklen Glasflächen des Büros, ließ den Rauch der Zigarette wie fahle Nebelschleier über der Karte treiben und schnitt die Gesichter der Anwesenden in kalte, wechselnde Ebenen. Draußen glitt die Masse eines dolchförmigen Kriegsschiffes an der Panoramascheibe vorbei, ein dunkles Ungetüm aus Durastahl, dessen Triebwerke den Raum für einige Atemzüge in bläuliches Nachlicht tauchten. Die Station vibrierte kaum merklich unter den Schritten einer Kriegsmaschinerie, die zu groß war, um als einzelnes Geräusch wahrgenommen zu werden. Sie war einfach da, wie Schwerkraft, wie Imperium.

Der Gouverneur sprach unbeirrt fort, zog weitere rhetorische Linien als er von Herrschaft, Verwaltung und ihrer Infrastruktur sowie Einschüchterung in Form von Propaganda und Gewalt, wo sie strategisch erforderlich war. Doch er stoppte hier nicht, denn er sprach von Kunst, Kultur, Symbolen, von einer Hand, die man nach einer Lektion reichen konnte, und je länger er sprach, desto deutlicher wurde
Teneb, dass dieser Mann Yevethaner vielleicht verachtete, aber ihre Nützlichkeit noch höher bewertete als seinen Ekel. Er unterschätzte darüber hinaus maßlos die Aufmerksamkeitsspanne seines Meisters. Vielleicht war es die einzige Form, die dem Gouverneur zur Verfügung stand, dem Sith Meister irgendeine Form von Qual und Schmerz zuzufügen, auch wenn der Kapriziöse sich wahrscheinlich in einem Mantel der zur Schau getragenen Langeweile kleiden würde. Doch der Umbaraner erkannte den Wert in den Worten des Gouverneurs. Ein ausgerotteter Feind konnte keinen Tribut zahlen und keine Fabriken bedienen. Ein gebrochener Feind hingegen konnte knien, arbeiten und eines Tages vielleicht glauben, die Hand an seiner Kehle sei Schutz.

Für den Bleichen war neben dem Ausbruch des Imperialen etwas anderes bemerkenswert, denn
Darth Sikarius hörte zu. Zuerst mit jenem starren und trüben, vor allem aber gefährlichen Blick, den Teneb inzwischen als Vorzeichen kannte. Dann öffnete sich einem Ereignishorizont gleich das gelbe Grinsen, das aus dem grauen Gesicht seines Meisters kroch, sobald er einen Raum innerlich für lächerlich erklärte. Der übertriebene Salut, die absichtlich verunstaltete Anrede, das breite Entblößen der verunstalteten Zähne lag zwischen Possenspiel und Drohung, und gerade darin erkannte Teneb wieder dieses widerwärtige Talent seines Meisters, jede Ordnung mit Schmutz zu bewerfen, bis niemand mehr sicher war, ob er provozierte, prüfte oder bereits angriff. UX-23 wollte es nicht drauf ankommen lassen und versuchte, den Schaden zu begrenzen, doch der Droide kam kaum weit. Ein Zucken der Macht, gefolgt von einem hässlich beiläufigen Impuls aus Sikarius’ Richtung und der metallische Körper flog gegen die Wand. Der Einschlag schnitt durch das Büro wie ein zu spät gezogener Blasterschuss. Teneb bewegte sich nicht, fast wäre ihm ein Seufzen entwichen. Nur seine Machtfühler glitten weiter durch den Raum, dünn, kalt, fast unsichtbar, an den Auren entlang, über die Kanten der Möbel, durch die Türspalte hinaus, dorthin, wo Soldaten und Wachpersonal das Geräusch gehört hatten und in jenem ersten, stummen Reflex erstarrten, der noch vor jedem Befehl kam. Hände rückten näher an Waffen, der ein oder andere Atem wurde flacher. Disziplin hielt Körper an Ort und Stelle, während Instinkt längst einen halben Schritt zurückgewichen war. Der Umbaraner war sich nicht sicher, ob er seine Klinge zuerst gegen Yevethaner oder einen der weiß gepanzerten Soldaten des Imperiums führen werden musste.

Teneb sah den Droiden aus dem Augenwinkel am Boden, beschädigt und gedemütigt, während der Sith eine markige Bemerkung machte, dass der Droide noch immer sein Herr war.
UX-23 war kein Freund. Er war Aufseher, Korrektiv und Käfigschloss für beide Sith. Doch in diesem Augenblick lag in seinem metallischen Aufprall dieselbe Wahrheit, die Sikarius überall hinterließ. Selbst seine Ketten wurden von ihm zerkratzt, verbogen, mit Säure übergossen, bis sie ähnlich ahnsehnlich waren wie sein eigener geschundener Leib. Er konnte nichts berühren, ohne es in die eigene Beschädigung hineinzuziehen. Schließlich nahm der Sith Meister die Stiefel von den Möbeln. Der Knall, mit dem der Sessel auf alle vier Beine zurückfiel, klang fast lächerlich endgültig. Der Beistelltisch wurde beiseitegefegt, und Teneb spürte, wie sich die Linien möglicher Gewalt im Raum neu ordneten. Sein Meister stand auf. Das Scimitar lag in seiner Hand, dieses plumpe, hässliche Ding, breit, bösartig, ehrlicher in seiner Grausamkeit als jedes höfische Sith-Artefakt. Wo andere Waffen Eleganz behaupteten, versprach diese nur Zerstörung. Sikarius trat auf den Gouverneur zu, zu nah, viel zu nah, bis zwischen ihren Gesichtern nur noch Atem, Rauch und der dünne Rest imperialer Etikette standen.

Tenebs Finger schlossen sich unter den Ärmeln um sein eigenes Fleisch. Er hätte in die Macht greifen können. Nur ein Faden, ein winziger Zug, bereit, Kal Fraans Schwert aus seiner Halterung zu reißen, falls der Raum in einem einzigen falschen Augenblick explodierte. Er tat es nicht. Er ließ den Impuls in sich stehen wie eine Kerze in einem zugigen Schacht und schützte die Flamme vor sich selbst. Hier ging es nicht um Rettung. Nicht um den Gouverneur, nicht um UX-23, nicht einmal um Sikarius. Hier ging es darum, zu begreifen, welche Art von Macht vor ihm stand und welche Art von Kontrolle er selbst noch nicht besaß. Der Satz seines Meisters über die Hierarchie der Ketten traf Teneb tiefer, als Sikarius beabsichtigt haben mochte. Ketten. Dieses Wort kehrte immer wieder zurück, als hätte die Galaxis selbst keine andere Grammatik. Umbara hatte sie aus Herkunft, Erwartungen und Schweigen geflochten. Zygerria hatte sie poliert, gewogen und verkauft. Der Tempel auf Artek III hatte sie ihm in der Stimme eines Versprechens angeboten. Sikarius wiederum trug sie wie Narben und schwang sie wie Waffen. Der Gouverneur nannte sie Kontrolle, Verwaltung und imperiale Herrschaft. UX-23 nannte sie Protokoll, Befehl, Zuständigkeit. Teneb kannte inzwischen genug Namen für denselben Ring um den Hals.

Der Kodex versprach, dass Sieg die Ketten zerbrach. Doch keiner hatte ihm gesagt, wie viele man unterwegs selbst in die Hand nahm.

Von Berchems Ausbruch veränderte sich in Tenebs Wahrnehmung erneut, während der Mann weitersprach. Auf Umbara hätte Teneb einen solchen Kontrollverlust als Schwäche gelesen, als offene Wunde, als Einladung zum Spott der Rootai und zum langsamen Mord durch Ansehen. Hier aber stand ein Mensch vor einem Sith, in einem imperialen Büro über einem umkämpften Planeten, und seine gereizte Offenheit wirkte weniger wie ein entglittenes Gesicht als wie ein Rammbock gegen eine Tür, die Höflichkeit nicht geöffnet hatte. Vielleicht war das menschliche Politik. Vielleicht aber auch ehrlicher in ihrer Lüge. Der Gouverneur sagte Sikarius ins Gesicht, dass er ihn überschätzt hatte, und Teneb spürte dabei keine bloße Kränkung, sondern den Versuch, eine Grenze in den Boden zu brennen, bevor dieser Raum endgültig Sikarius gehörte.

Das war riskant und nützlich zugleich.
Teneb sah in diesem Mann nun deutlicher einen möglichen Gegner, vielleicht eines Tages einen möglichen Hebel. Von Berchem war kein furchtloser Mann, denn Furchtlosigkeit war meist nur Dummheit mit gerader Haltung. Er fürchtete Konsequenzen, Personalverluste, Rebellion, imperiale Unordnung, womöglich auch die unberechenbare Laune eines Sith vor seinem Schreibtisch. Aber seine Furcht hatte einen Platz zugewiesen bekommen. Sie durfte ihn warnen. Sie durfte ihn nicht führen. Das unterschied ihn von vielen, die Teneb bisher kennengelernt hatte. Sikarius dagegen ließ sich von fast allem führen, solange es nur wie Trotz schmeckte, doch war es zu einfach, ihn dafür zu verachten. Zu einfach und zu gefährlich. Denn unter dem Spott, unter der widerwärtigen Grobheit und den kindischen Verunstaltungen fremder Titel lag bei ihm manchmal ein Instinkt, der schneller zur Kehle einer Sache fand als jeder Bericht.
Dann fuhr das Scimitar hinab. Der Sporn der Waffe bohrte sich mit einem schweren, hässlichen Knall in die saubere Oberfläche des Schreibtisches. Das Geräusch fraß das Summen der Projektoren für einen Atemzug vollständig auf. Teneb spürte, wie die Auren außerhalb des Raumes erneut aufflackerten. Über dem Tisch flackerte N’zoth weiter, rot markiert, geduldig verwundet, als kümmere sich der Planet nicht darum, welche Männer über seinem Abbild ihre Egos und Strategien kreuzten.
Teneb begann zu verstehen, dass N’zoth kein Ort werden würde, an dem nur Yevethaner ihre Ketten zu spüren bekamen. Dieser Krieg würde jedem zeigen, wer zog, wer hielt, wer zerrte und wer lange genug stillstand, um eines Tages im richtigen Moment loszulassen. Unter der Kapuze senkte sich Tenebs Blick auf den Sporn im Schreibtisch. Sikarius hatte seine Antwort gegeben. Jetzt blieb abzuwarten, ob der Gouverneur genug Kontrolle besaß, um sie nicht als Kränkung zu behandeln, sondern als das, was sie im Kern war, nämlich eine Zusage, auf Sikarius’ Art mit dem Töten zu beginnen.

Kernwelten | Farlax-Sektor | Koornacht-Cluster | Orbit von N'zoth | Werft | Büro des Gouverneurs | Teneb Dask, Darth Sikarius, Gouverneur von Berchem und UX-23 [NPC]
 
Zurück
Oben