Prefsbelt IV

Prefsbelt IV | Trägerschiff im Standardorbit über dem Planeten | Besprechungsraum der Betastaffel | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel

Die Nachbesprechung für die Betastaffel war insgesamt ein angenehmes Ereignis. Sie hatten wieder keine Verluste zu beklagen und gleichzeitig sehr gute Ergebnisse erzielt. Kein einziger Rebell war ihnen entkommen und die Piloten der Staffel hatten einmal mehr unter Beweis stellen können, dass der TIE/ba eine hervorragende Maschine war, die den bisherigen Standardmaschinen des Imperiums in allen belangen überlegen und damit ihre höheren Kosten mehr als wert war. Es gab eine ganze Reihe an Belobigungen auszusprechen. Unter anderem hatte Kal selbst seinen dreißigsten Abschuss erzielt und auch wenn der sechsfache Assstatus den Kuati zu einem Elitepiloten selbst unter der Elite des Sternenjägerkorps machte, nur wenige TIE Piloten überlebten lange genug, um so viele Abschüsse zu erzielen, so war ein anderer Meilenstein erheblich bemerkenswerter. Reyan Vexler hatte die magische Schwelle von 5 Abschüssen überschritten und war durfte sich nun ebenfalls zu den Assen des Sternenjägerkorps zählen. Und das wohlgemerkt bereits nach seinem zweiten Kampfeinsatz.

„Herzlichen Glückwunsch, Vex. Dieser Applaus gilt allein Ihnen. Aber ruhen Sie sich nicht auf diesem Erfolg aus. Jetzt werden die Stützrepulsoren von Ihrem Jäger entfernt. Der Welpenschutz gilt ab jetzt auch nicht mehr.“ Tosender Applaus, Pfiffe und Jubelrufe der ganzen Staffel erfüllten den Raum. Sie lebten alle auf der Schneide einer Vibroklinge und mussten jederzeit mit dem Tod. Damit ging ein Lebensstil einher, der das Leben feierte und jede Gelegenheit dazu nutzte, Feste zu feiern. Und sei ihr Anlass von außen betrachtet noch so belanglos. „Und vergessen Sie ja nicht unsere Abmachung. Nicht nur müssen Sie der Staffel jetzt einen ausgeben. Nein, ganz und gar nicht. Jedes Ass der Staffel wird Ihnen ebenfalls einen ausgeben. Und wagen Sie es ja nicht, mit einer Alkoholvergiftung umzukippen!“ Kals letzter Kommentar sorgte für erheitertes Gelächter unter den Piloten und einigen Schulterklopfern für Vex. „Eine Sache noch, bevor wir die Besprechung beenden. Betastaffel hat die meisten Abschüsse während Operations Small Hunt erzielt, damit sind wir die beste Staffel des Geschwaders. Und ich kann Ihnen sagen, dass Alpha- und Gammastaffeln von der Nachricht gar nicht begeistert waren. Also dann, damit ist die Besprechung beendet. Wir sehen uns heute Abend in der Offiziersmesse und wehe jemand kneift!“

Damit strömten die Piloten in ausgelassener Stimmung aus dem Besprechungsraum hinaus. Munter tauschten sie Geschichten über ihre Erfolge der vergangenen Tage aus und soweit Kal es beurteilen konnte, könnte die Moral der Staffel aktuell kaum höher sein. Captain Sunstrider aber schien reservierter zu sein. Der Kuati konnte nur vermuten, dass ihr der Status als best arbeitende Staffel aktuell nicht gefiel. Colonel Rorsam war ein eitler Mann und sein Speichellecker Major Dimbain war nicht viel besser. Heute aber war ein Tag zum Feiern und morgen konnten sie sich immer noch um derlei sorgen. Also trat Kal zu seiner Staffelführerin und holte ein Datapad in dem Versuch heraus, sie aufzumuntern. „Damit ist unser kleines Abenteuer auf Prefsbelt IV wohl vorbei, Captain. Nur eine Sache fehlt noch.“ Bei ihrem fragenden Blick reichte er ihr das Datapad mit der Einladung, die heute aus dem Gouverneurspalast gekommen war. „Das Büro des Gouverneurs lädt auf einen Ball ein. Ich dachte daran, dass Sie mein +1 sind, um mich für die Veranstaltung in der Akademie zu revanchieren. Es werden viele einflussreiche Gäste kommen, deren Bekanntschaft gemacht zu haben, nicht das schlechteste sein wird. Laut der Einladung wird wohl sogar der Moff des Sektors Aren Vayliuar höchst persönlich sich die Ehre geben. Also, was sagen Sie?“

Kal schenkte Captain Sunstrider sein charmantestes Lächeln, um sie zu überzeugen. In ihrem Fahrwasser zu schwimmen hatte ihm bisher nichts als Vorteile gereicht und daher wollte er sich tatsächlich bei ihr revanchieren. Natürlich geschah das nicht ganz uneigennützig, denn was seiner Kommandantin zum Vorteil reichte, würde auch dem Kuati selbst nützen. Aber das sollte ja nicht Captain Sunstriders Schaden sein. „Na schön, wenn Sie es so ausdrücken, kann ich kaum Nein sagen. Mit dem aufflammenden Krieg können wir nicht sagen, wann wir das nächste Mal unsere Ausgehuniformen wieder anziehen können, also sollten wir diesen Ball besuchen.“ Kal entging keineswegs, wie sich die Augen seiner Vorgesetzten kurz anspannten, als sie betonte, was sie tragen würden. Er konnte es ihr keineswegs verdenken und er hatte vor, der perfekte Gentleman zu sein. „Sehr gut, wen wollen wir noch mitnehmen? Ich dachte da an die Flight-Lieutenants Perlim und Vexler. Sie haben hervorragende Leistung in der letzten Schlacht erzielt und das wäre eine gute Belohnung, die uns nichts kostet...“
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Am Abend in der Offiziersmesse dann war die Stimmung der Betastaffel wieder ausgesprochen ausgelassen. Noch bevor die Feier richtig losgehen konnte, nahm
Kal aber Vex und Perlim zur Seite, um sie auf den kommenden Ball einzustimmen. „Bringen Sie Ihre Ausgehuniformen auf Vordermann, wir sind auf einen Ball im Gouverneurspalast eingeladen. Machen Sie Captain Sunstrider und mir ja keine Schande, ich will Sie von Ihrer besten Seite sehen. Heute Abend aber feiern wir erst einmal unseren Sieg.“ Damit waren alle Arbeiten für heute aber erledigt. Jetzt ging es nur noch darum, den Erfolg der Staffel zu feiern und Vex so betrunken wie möglich zu machen. Es gab einige Asse in der Staffel, er würde also eine ganze Menge trinken müssen heute.

Prefsbelt IV | Trägerschiff im Standardorbit über dem Planeten | Offiziersmesse | Kal Andrim
, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel
 
[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Lambda-Shuttle ] - Aren Vayliuar

Das Lambda-Shuttle hatte das Hangar des Sternenzerstörers verlassen und befand sich im Anflug auf den Raumhafen von Blue One. Es gab gerade so viel, was Aren beschäftigte, sodass er auch auf dieser kurzen Fahrt kaum richtig zum durchatmen kam. Der Besuch seines Großvaters auf Yaga-Minor hatte viel aufgewühlt, doch es galt nun, nicht zu viele Gedanken daran zu verschwenden. Robert Kern war in Gewahrsam genommen worden und Prefsbelt IV, einer der wichtigsten Planeten seines Sektors, sowie ein Kernstück seines Plans für diesen Flecken im All, hatte einen wesentlichen Schritt zurück in die festigende Ordnung der Imperialen Verwaltung gemacht. Seine Reise nach Gerretnhum um dort endlich die Familie von Adriana kennenzulernen war bereits in groben Zügen geplant. Nach Truuine würde es direkt in den galaktischen Süden gehen, bevor eventuelle Kriegshandlungen eine solche Reise um ein vielfaches erschweren könnten. Er hoffte nur, dass es zu keinen Spontanitäten mehr kam, die ihm dort hingehend einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Damit würde er einen wesentlichen Schritt auf den Patriarchen seiner Familie wieder zu gehen. Hoffentlich. Nun aber war er auf Prefsbelt IV und eigentlich bot sich dieser Moment doch ideal zum durchatmen an. Es war ein rundherum positiver Besuch. Der ehemalige, verräterische Gouverneur war gefasst, es würde Fest geben und Aren würde vielleicht endlich bereits viel zu lange offene Lücken in seiner Regierung nun endlich schließen können. Die kurze Durchsage des Captains durchriss seine Gedankensprünge. Sie befanden sich bereits im direkten Luftraum über dem Raumhafen.

Aren stand auf und strich seine Uniform glatt, richtete seinen bronzenen Orden, welchen ihn als Mitglied des Imperialen Ritterordens auszeichnete, und straffte final seinen Mantel. Ein letztes Mal ging er mit der Hand prüfend durch Bart und Frisur. Alles saß, alles war bereit. Seine Leibgarde hatte bereits Formation angenommen und ein Sekretär stand ebenfalls bereit. Er gehörte zum Stab von Julius, welcher auf Yaga-Minor hatte verbleiben müssen, um dort weiterhin das allgemeine Tageswerk zu regeln. Er kannte diesen Sekretär nicht wirklich, Perrain Mohain hieß er wohl, doch Aren hatte vollstes Vertrauen in Julius, dass er ihm keine blutigen Anfänger mitgeben würde. Das Shuttle wurde kurz leicht durchgerüttelt, sie hatten aufgesetzt. Die Haltung der ohnehin schon in Formation stehenden Garde straffte sich erneut, als sich die Tür des Shuttles öffnete. Die Rampe war bereits ausgefahren und stand jetzt konnte Aren noch nicht wirklich herausblicken. Seine Garde verließ als erstes das Shuttle, Aren ließ einen kurzen Augenblick verstreichen, dann folgte er, den Sekretär direkt hinter sich. Er wirkte ernst, als er die Rampe herunterschritt. Er musste sich nicht umschauen, um all den Pomp zu registrieren, der seinetwegen veranstaltet wurde. Es gefiel ihm durchaus. Sturmtruppen, planetarer Sicherheitskräfte und die von Gouverneur Zesh eingerichtete Blaue Legion standen als unverrückbares Sinnbild der imperialen Ordnung neben planetaren Würdenträgern. Sobald er das Shuttle verlassen hatte, begann eine Kapelle zu spielen. Aren sog diesen Moment in sich auf. Es war das erste Mal, dass er als Moff wirklich einen Regierungsbesuch antrat. Es war ohne Frage ein anderes Gefühl, als als Gouverneur.

Gouverneur Zesh wartete bereits einige Meter von der Rampe entfernt, umgeben von seinen engsten und hochrangigsten Mitarbeitern, wie Aren vermutete. Aren schritt ihm entgegen und blickte ihm in die Augen, während sich auf seinem Gesicht die Andeutung eines Lächelns abzeichnete. Erst als er direkt vor dem Mann stand, welcher ihm ebenfalls entgegen gekommen war, lächelte er tatsächlich und reichte ihm die Hand zur Begrüßung.


,,Gouverneur Zesh, es ist mir eine Freude euch endlich persönlich zu treffen. Ein äußerst gelungener Empfang, Prefsbelt IV macht ohne Frage einen wahrlich guten ersten Eindruck."

Aren deutete mit einer Geste um sich herum und nahm sich den Moment, um nun erstmals für einen kurzen Augenblick nun auch selbst seine Augen über die Szenerie schweifen zu lassen. Der Gouverneur wusste ohne Frage, wie man Dinge richtig in Szene setzen konnte.

,,Anders als angekündigt kann meine Verlobte leider noch nicht dabei sein, Sie fühlt sich etwas unpässlich und verweilt derzeit noch auf der "Heart of Prefsbelt"."

Mit einem kurzen Fingerzeig wies Aren in Richtung der Sternenzerstörer über Blue One.

,,Ich hoffe aber, dass Sie später, gegen Abend, sich besser fühlt und zu uns dazustoßen kann."

Aren lächelte leicht in Richtung des Gouverneurs und atmete einmal kurz durch. Sollte der Rest dieses Besuchs ebenfalls so gut inszeniert sein, würde er vielleicht doch wirklich etwas auf andere, positivere Gedanken kommen.

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Raumhafen | VIP-Hangarbucht ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Büro im Amt für Vergabewesen Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ

Die folgenden Stunden verbrachte Nerio Kreeger mit jener stilleren, unerquicklicheren Form der Gewalt, die im Imperialen Sicherheitsdienst oft wirkungsvoller war als jede Zwangsmaßnahme: Mit dem geduldigen Auseinandernehmen eines Systems, das über Jahre hinweg gelernt hatte, seine eigenen Anomalien in Verwaltungsprosa aufzulösen. Der Arbeitsraum, den man ihm zugeteilt hatte, lag inzwischen im Halbdunkel. Nur die Projektionsflächen auf der Wand und das kalte Licht seines Datenpads warfen scharfe, bleiche Kanten über Tisch, Hände und Gesicht, während Schichten aus Akten, Freigaben, Veranstaltungsprotokollen, Transportmeldungen und öffentlich zugänglichen HoloNet-Hinweisen sich vor ihm zu einem neuen, tiefer reichenden Befund zu ordnen begannen. Kreeger arbeitete nicht in der Hoffnung auf den einen belastenden Satz, die eine kompromittierende Unterschrift, den einen Namen, der alles erklärte. Er suchte nach Rhythmen, nach jenen feinen, unscheinbaren Übereinstimmungen zwischen öffentlicher Oberfläche und internem Materialfluss, die einen Apparat verrieten, lange bevor ein Mensch es tat.
Er legte die Sonderfreigaben aus
Sellia Drays früherer Abteilung neben die protokollarisch erfassten Gouverneursveranstaltungen der letzten beiden Standardjahre unter Robert Kern und glich sie mit einer Sorgfalt ab, die an Obsession grenzte, ohne je die Grenze zur Unordnung zu überschreiten. Empfänge, die offiziell einen überschaubaren Rahmen gehabt hatten, zogen plötzlich zusätzliche Lichtsysteme, mobile Sichtschutzmodule, kurzfristige Sonderkontingente an Kommunikationszubehör und Sicherheitsmarkierungen nach sich, die in keinem Verhältnis zu dem standen, was das HoloNet später als bloße Repräsentation verzeichnete. Ein Empfang für lokale Industrievertreter. Eine Ehrung für Veteranen der Blauen Legion. Zwei protokollarische Abendveranstaltungen ohne nennenswerte Außenwirkung. Auf den ersten Blick harmlose Datenpunkte. Auf den zweiten eine Folge stiller Aufblähungen, die sich stets über dieselben administrativen Arterien in Bewegung gesetzt hatten. Nicht groß genug, um Alarm auszulösen. Nicht klein genug, um belanglos zu sein.

Kreeger vergrößerte eine Reihe von Zeitfenstern und zog zusätzlich die offenen Quellen heran, auf die andere oft mit einem leisen Anflug von Geringschätzung blickten, weil sie öffentlich waren und deshalb als ungefährlich galten. Lokale HoloNet-Meldungen über die Vorgänge in der Verwaltung erwiesen sich als geschönt und wenig aufschlussreich. Unscheinbare Kurzhinweise zu Verkehrslenkungen hingegen waren da fruchtbarer, denn sie offenbarten ein System aus Lieferungen, doch wo gingen diese hin? Aus öffentlichen Hinweise auf temporäre Zufahrtsbeschränkungen konnte er erkennen, dass die Umleitungen dieser Waren immer wieder die Oberfläche des Planeten verließen und in Tunnelsysteme unterhalb der Oberfläche führten. Bilder aus regionalen Pressearchiven, aufgenommen am Rande von Gouverneursveranstaltungen zeigten Dray mit Funktionären aus der Wirtschaft, beispielsweise Danos Vrek, deren eigentliche Aussage nie im Zentrum der Berichterstattung gestanden hatte. Doch Vrek, so recherchierte er weiter, war ein ausgefuchstes Kerlchen. Einer Anamnese gleich stellte sich heraus, dass Vrek als aggressiver Investor galt und kürzlich interne Dokumente des ISB herausgefunden hatten, dass dieser über Strohmänner mehrere Grundstücke in Blue One und Prefsbelt Green kontrollierte. Auffällig war dabei, dass Vrek während Kerns Herrschaft mehrfach Enteignungen zu seinem Vorteil beschleunigen lassen konnte. Doch Kreeger entdeckte noch eine Auffälligkeit: In einem dieser Ausschnitte, eine schlechte Außenaufnahme, überbelichtet, inhaltlich eigentlich wertlos, erkannte er im Hintergrund die Konturen eines modularen Sichtschutzsystems der Firma Kaas Solutions Inc., das in den internen Freigaben als dekorative Maßnahme für einen protokollarischen Empfang geführt worden war. Dekorativ. Er ließ sich das Wort in Gedanken auf der Zunge zergehen wie einen Befund, der noch nicht ausgesprochen, aber bereits endgültig war. Niemand bestellte in dieser Größenordnung Sichtschutz, um Würdenträger vor einem Windzug zu bewahren. Kaas Solutions Inc. war vor allem wegen der vermögenden Witwe Mirelle Kaas in den Schlagzeilen der Regenbogenpresse Prefsbelt IV. Eine interessante Wechselwirkung, die sich hier offenbarte.

Ein Signalton durchschnitt die Stille des Raumes. Interne Prioritätsstufe.
Kreeger öffnete die Meldung, und für den Bruchteil eines Augenblicks trat etwas in seinen Blick, das bei einem weniger kontrollierten Mann Ungeduld genannt worden wäre. Master Agent Corvin Threx verlangte einen Zwischenstand zum Ende des Zyklus, schriftlich und knapp, ohne methodische Exkurse. Andere lieferten bereits Sichtbares. Andere würden mit Namen, Zugriffen und unmittelbaren Verdachtsmomenten aufwarten. Wer sich unter solchen Bedingungen noch immer mit Systemlogik befasste, tat gut daran, bald etwas vorzulegen, das sich nicht nur denken, sondern auch verwerten ließ.

Kreeger stand wenige Minuten später selbst wieder in Bewegung. Er wollte aus den Daten nun eine Richtung extrahieren, die den nächsten Schnitt verlangte. Die Sonderfreigaben mussten aus dem Bereich abstrakter Verwaltungslogik heraus und in die Hände jener Menschen zurückgeführt werden, die sie körperlich in die Welt getragen hatten. Nicht der hohe Apparat, zurück zu denjenigen, die Kisten sahen, Versiegelungen entgegennahmen, Zugangsslots umprogrammierten und doch nie gelernt hatten, dass ihr Gedächtnis eines Tages Beweiswert erlangen könnte.
Sein erster Halt war die interne Ausgabestelle für Veranstaltungs- und Sicherungsmaterial, ein nüchterner, langgestreckter Bereich im Untergeschoss des Komplexes, in dem Metallregale, Materialscanner und Transportkarren in so geordneter Weise nebeneinanderstanden, dass die ganze Szenerie den Eindruck erweckte, Ordnung sei hier nicht bloß Arbeitsprinzip, sondern moralische Forderung. Dort ließ er sich den zuständigen Schichtkoordinator kommen: einen Mann namens
Tavin Resk, untersetzt, früh ergraut, mit den schweren Lidern und jener vorsichtigen Bewegungsarmut, wie sie Menschen entwickelten, die viele Jahre lang gelernt hatten, Verantwortung in kleinen Dosen zu tragen, aber jede Form von Sichtbarkeit zu meiden.

Resk war zunächst höflich, beinahe stumpf korrekt. Ja, Sonderbedarfe habe es gegeben. Ja, Veranstaltungsaufträge seien naturgemäß oft kurzfristig erfolgt. Ja, unter Gouverneur Kern habe man besondere Prioritäten gekannt. Kreeger unterbrach ihn nicht. Er fragte nach nichts, was Resk nicht sofort hätte beantworten können. Stattdessen ließ er sich die Routinen erklären: Wer welche Codes freigab, welche Marker auf Frachtlisten eine beschleunigte Bearbeitung auslösten und wie Material zwischen dekorativen und sicherheitsrelevanten Verwendungszwecken unterschiedslos verschoben werden konnte, sofern die Einstufung bereits in den Oberlagen verändert worden war. Erst als Resk sich in der Monotonie seiner eigenen Fachsprache eingerichtet hatte, setzte Kreeger den ersten wirklich präzisen Reiz.

„Und wenn“, fragte er mit jener fast beiläufigen Ruhe, die in Wahrheit das Gegenteil von Beiläufigkeit war, „ein Veranstaltungsbedarf formell protokollarisch, faktisch aber sicherheitsrelevant behandelt werden sollte, woran hätten Sie das erkannt?“

Resk hob den Blick. Nur kurz. Nur zu kurz. Doch genau darin lag die Antwort.

„An gar nichts“, sagte er nach einem Atemzug. „Wenn die Kennzeichnung von oben sauber gesetzt war, lief der Vorgang als Veranstaltungsbedarf.“

„Sauber gesetzt“, wiederholte Kreeger.

„Mit Zusatzmarkern.“ Resk zögerte. „Interne Prioritätskürzel. Nicht für uns erklärt.“ führte er weiter mit beinahe bürokratischer Knappheit aus.

„Bekannt durch wen?“


„Man... wusste es irgendwann einfach.“ Wieder dieses gefährliche Wort: Irgendwann. Kein Anfang, keine Entscheidung, kein Täter. Nur Gewöhnung in der Verschleierung. „Wenn etwas aus der Beschaffungsstelle mit bestimmten Zusatzfreigaben kam, stellte niemand weitere Fragen. Nicht, wenn man seinen Bereich behalten wollte.“

Das war mehr, als
Resk beabsichtigt hatte. Kreeger sah es im Moment danach, in dem der Mann zu begriffsstutzig wirkte, um sein eigenes Abrutschen noch zu kaschieren. Also drängte er nicht nach. Er ließ ihn stattdessen Dokumente nachreichen, Kopien alter Ausgabemarkierungen, interne Kurzlisten von Materialgruppen, die wiederholt unter protokollarischer Tarnung ausgegeben worden waren. Nichts davon war für sich genommen spektakulär. In ihrer Summe jedoch schälte sich etwas heraus, das gefährlicher war als direkte Beihilfe: Eine administrative Technik der Verschleierung, die es erlaubte, sicherheitsrelevante Bewegungen im Kleid bloßer Repräsentation durch den Apparat zu schleusen.

Von dort führte ihn die Spur weiter, nicht zu einer zweiten großen Befragung, sondern zu einem Test.
Kreeger kehrte in seinen Arbeitsraum zurück und formulierte mit äußerster Sorgfalt eine interne Anforderung, klein genug, um keinen offenen Alarm auszulösen, aber präzise genug, um alte Reflexe zu reizen. Es handelte sich um eine harmlose Materialnachfrage für eine fiktive protokollarische Sichtung. Nichts, das echte Relevanz besaß , versehen jedoch mit einem jener Zusatzmarker, die in den alten Sonderfreigaben aufgetaucht waren. Dann speiste er den Vorgang nicht in den offiziellen Untersuchungsfluss ein, sondern in einen Nebenkanal, wie er ihn aus den historischen Akten rekonstruiert hatte. Danach tat er das, was viele Ermittler am wenigsten beherrschten: Er wartete. Nicht lange. Keine zwei Standardstunden später erhielt er die erste Reaktion. Die Anforderung war nicht regulär weitergeleitet worden. Sie war aus dem offenen Lauf genommen, intern umetikettiert und auf einen stillen Prüfpfad verschoben worden, der in keinem aktuellen Standardhandbuch auftauchte, wohl aber fast deckungsgleich mit jener administrativen Logik verlief, die unter Robert Kern Sonderfreigaben entlastet hatte. Das alte Verfahren war also nicht tot. Es arbeitete noch. Vielleicht, weil Menschen in Apparaten selten aufhörten, nützliche Abkürzungen zu benutzen, nur weil die Verwaltungsspitze wechselte.

Kreeger saß reglos, während die entsprechenden Daten auf seiner Projektion aufglommen, und empfand jene kalte, schmale Form von Genugtuung, die bei ihm nie Freude war, sondern die Bestätigung eines Befundes. Sellia Dray war damit noch nicht greifbar, nicht direkt. Aber der Raum um sie herum hatte begonnen, Gestalt anzunehmen. Ihre Sonderfreigaben waren keine isolierten Verwaltungsvorgänge gewesen. Sie gehörten zu einem Verfahren. Und dieses Verfahren lebte weiter, leiser vielleicht, vorsichtiger, namenloser aber nicht weniger gefährlich.

Als er schließlich den ersten knappen Zwischenbericht für
Corvin Threx formulierte, erwähnte er weder jede Vermutung noch jede Richtung. Dafür war es zu früh. Doch eines schrieb er mit jener kontrollierten Klarheit, die im ISB mehr Gewicht besaß als jedes rhetorische Ornament: Unter der früheren Gouverneursverwaltung existierte auf Prefsbelt IV ein administrativer Mechanismus, mit dem Sonderbedarfe unter protokollarischer Tarnung beschleunigt und aus der regulären Prüftiefe herausgenommen werden konnten. Vorläufige Indizien deuteten darauf hin, dass dieser Mechanismus nicht vollständig beseitigt worden war.

Dann sandte er die Nachricht ab, legte die Hände ineinander und sah auf die langsam rotierende Projektion der verschobenen Vorgänge. Irgendwo in diesem Geflecht aus Kennziffern, Gewohnheiten und stillen Dienstwegen lag nicht nur der Schatten Robert Kerns, sondern auch der Punkt, an dem aus bloßer Mitwirkung wieder aktive Gegenwart werden konnte.
Nerio Kreeger wusste, mit jener nüchternen Schärfe, die in ihm jedes Mal aufstieg, wenn eine Untersuchung begann, sich gegen die Gegenwart zu wenden, dass Prefsbelt IV aufgehört hatte, ein bloßer Nachsorgefall zu sein. Der Patient zeigte wieder frische Symptome.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Büro im Amt für Vergabewesen Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Raumhafen ] Theranos Zesh, Aren Vayliuar, sowie NPC´s Legat Gregor Bayl, Legat Veran Koss, Commander Rethan Vaal.



Theranos hatte seine Position eingenommen, doch bevor sich der Moment vollständig entfaltete, ließ er den Blick noch einmal über die gesamte Szenerie gleiten, langsam, aufmerksam, mit jener inneren Gewohnheit, die ihn selbst in den letzten Augenblicken dazu brachte, jedes Detail ein weiteres Mal aufzunehme. Als würde sich in der Wiederholung eine zusätzliche Klarheit finden lassen, während sich vor ihm die geordnete Weite der Landebucht öffnete und sich dahinter die Formationen, die geladenen Gäste und die jenseits der Absperrungen versammelte Bevölkerung zu einem geschlossenen Gesamtbild verbanden.
Für einen kurzen Moment ließ er diesen Eindruck auf sich wirken und nahm bewusst wahr, was in den vergangenen Tagen entstanden war, wie sich Planung, Abstimmung und Ausführung ineinandergefügt hatten, bis aus einzelnen Maßnahmen eine Struktur geworden war, die sich nun ohne Brüche präsentierte, getragen von der ruhigen Bewegung der Einheiten, der exakten Platzierung der Kameraplattformen und dem Zusammenspiel von Licht, Klang und Präsenz, das sich über die gesamte Anlage spannte.

Sein Blick folgte den Linien der Banner, wanderte über die gestaffelten Reihen der Blauen Legion, blieb für einen Augenblick an den Offizieren hängen, die letzte Feinabstimmungen vornahmen, und fand schließlich die Kapelle, die ihre Formation änderte und sich in jene Position brachte, die den Moment der Ankunft begleiten würde, während sich ihre Bewegungen in denselben Rhythmus einfügten, der die gesamte Szenerie bestimmte.
Ein letzter prüfender Gedanke zog durch seinen Kopf, leise, kaum greifbar, die Frage, ob irgendwo noch eine kleine Unschärfe verborgen lag, ein Detail, das sich noch feiner hätte setzen lassen, doch dieser Gedanke löste sich ebenso ruhig wieder auf, wie er entstanden war.

Dann senkte sich bereits die Lambda-Fähre.
Zunächst als Bewegung in der Höhe wahrnehmbar, dann klarer, greifbarer, als die Konturen der Lambda-Fähre aus dem Licht traten und langsam in die Landebucht glitten, begleitet von dem tiefen, vibrierenden Klang der Triebwerke, der sich über die Fläche legte und den Moment unmissverständlich markierte.

Theranos richtete sich unmerklich auf, während sein Blick nun fest auf die Fähre gerichtet blieb, und in diesem Augenblick zeigte sich eine Spannung, die sich von der ruhigen Kontrolle der vergangenen Tage unterschied, feiner, persönlicher, während sich seine Hände für einen Moment leicht feucht anfühlten und sein Herz einen spürbar schnelleren Rhythmus annahm.
Er kannte diesen Mann. Aus Gesprächen, aus Entscheidungen, aus Verbindungen, die über Distanz entstanden waren und dennoch Gewicht hatten, während sich nun zum ersten Mal die tatsächliche Begegnung in greifbare Nähe rückte, getragen von der Bedeutung, die dieser Moment für ihn selbst besaß.
Zusätzlich hatten sie eine weitere Verbindung durch den Vater von Theranos, der mit dem Moff vor ein paar Jahren gemeinsame Geschäfte gemacht hatte. Was lt. Theranos Meinung sicher auch dazu beigetragen hatte, das er diesen Posten überhaupt bekommen hatte.

Ein leiser Atemzug folgte, mehr inneres Ordnen als sichtbare Bewegung, während sich diese Spannung in jene Form brachte, die sein Auftreten bestimmte.

Die Rampe der Fähre senkte sich mit ruhiger Gelassenheit, während sich entlang des ausgerollten Teppichs die Formationen strafften. Gewehre synchron in eingeübter Präzision und sich das Spalier zu beiden Seiten in eine geschlossene Haltung brachte, während die Kapelle einsetzte und der Klang sich über die Fläche legte, klar, getragen und fest im Gesamtbild verankert.
Die ersten Gardisten traten aus der Fähre, ihre Bewegungen exakt abgestimmt, ihre Präsenz ruhig und sicher, während sich die Aufmerksamkeit der gesamten Umgebung auf den Ausgang der Rampe konzentrierte und sich der Moment weiter verdichtete.

Dann erschien der Moff.


Theranos ließ einen kurzen Abstand vergehen, genau gesetzt, eingebettet in den Ablauf, bevor er sich in Bewegung setzte, ruhig, gleichmäßig, während er dem Moff entgegenging.
Der Gouverneur trat ihm die letzten Schritte entgegen, getragen von jener ruhigen Präzision, die sich aus Haltung und innerer Ordnung ergab, während sein Blick sich direkt auf Aren richtete und dort für einen Moment verweilte.

Als Aren ihm die Hand reichte, erwiderte Theranos diese Geste ohne Zögern, fest und kontrolliert, während sich in seinem Gesicht eine ruhige, aufrichtige Höflichkeit zeigte, die aus seiner Disziplin heraus entstand.


„Moff Vayliuar“, begann er mit klarer, ruhiger Stimme, „die Freude ist ganz auf meiner Seite.“
Für einen Moment ließ er den Blick gemeinsam mit Aren über die Szenerie schweifen, über die aufgestellten Formationen, die Banner und die wartende Bevölkerung, während die Musik der Kapelle den Raum erfüllte und dem Moment eine zusätzliche Tiefe verlieh.

„Prefsbelt IV ist geehrt, Euch hier begrüßen zu dürfen“, setzte er fort, begleitet von einem leichten Nicken, „und es war mir ein persönliches Anliegen, diesem Anlass den Rahmen zu geben, der seiner Bedeutung gerecht wird.“
Als Aren die Abwesenheit seiner Verlobten erwähnte, reagierte Theranos mit einer feinen Anpassung in seiner Aufmerksamkeit und neigte leicht den Kopf und verzog leicht das Gesicht.

„Ich hoffe sehr, dass es sich um nichts Ernstes handelt“, erwiderte er ruhig, „und selbstverständlich kann Ihre Gattin jederzeit im Hangar des Gouverneurspalastes landen, sollte sie sich später entscheiden, zu uns zu stoßen.“
Ein kurzer Moment der Ruhe entstand, getragen vom gleichmäßigen Klang der Umgebung und dem entfernten Dröhnen der TIE-Jäger am Himmel.
Theranos löste die Hand des Moffs in einer fließenden Bewegung und wandte sich leicht zur Seite, sodass sich der Blick in Richtung der vorbereiteten Route öffnete, an deren Beginn die Straße vor dem Raumhafen und die Cabrio-Schwebelimousine wartete.


„Wenn Ihr gestattet“, sagte er, während seine Hand ruhig die Richtung vorgab, „würde ich Euch nun durch Blue One begleiten, damit Ihr Euch selbst ein Bild von der Entwicklung des Planeten machen könnt.“
Sein Blick kehrte noch einmal kurz zu Aren zurück, ruhig, sicher.
„Die Stadt und Ihre Bevölkerung freuen sich darauf Euch willkommen zu heißen.“

Theranos sich in Bewegung, während sich hinter ihnen die Reihen schlossen, die Musik ihren Höhepunkt hielt und der nächste Abschnitt dieses Tages begann. Dann blickte er wieder zu Moff Vayliuar, "Ich hoffe ihre Reise nach Prefsbelt IV, war nicht allzu erschwerlich, werter Moff?"



[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Raumhafen ] Theranos Zesh, Aren Vayliuar, sowie NPC´s Legat Gregor Bayl, Legat Veran Koss, Commander Rethan Vaal.
 
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Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Büro im Amt für Vergabewesen Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ

Die erste wirkliche Beschleunigung der Sache kam nicht in Gestalt einer Aussage, sondern in einer Reaktion, die so klein war, dass ein unaufmerksamer Ermittler sie womöglich für bloßes Systemrauschen gehalten hätte. Agent Kreeger hatte den Zwischenbericht an Master Agent Corvin Threx bereits abgesandt und wollte die Projektion der umetikettierten Vorgänge eben auf einen engeren Ausschnitt reduzieren, als in einem der unteren Datenstränge ein kaum sichtbarer Nebenausschlag erschien: Seine fingierte Anforderung war nicht nur auf den stillen Prüfpfad verschoben, sondern in einem zweiten Schritt mit einer Altstruktur abgeglichen worden, die in keinem aktuellen Organigramm der Verwaltung mehr offen auftauchte. Jemand hatte, fast unmittelbar nach der Umleitung, die historischen Routingtabellen der Unterflurtransporte geöffnet, die Materialgruppen des alten Veranstaltungsbestands mit früheren Sichtschutzsystemen der Firma Kaas Solutions Inc. gegengeprüft und sodann zwei Grundstückscluster aufgerufen, deren Kennungen Kreeger bereits aus den Unterlagen zu Danos Vrek kannte: Parzellen in Blue One und Prefsbelt Green, vormals kommunal, später nach beschleunigten Enteignungsverfahren in Besitz von Strohmännern überführt. Man hätte es als bloße, plumpe Panikreaktion lesen können, doch war etwas weit Präziseres und deshalb Beunruhigenderes hier geschehen: Ein alter Reflex, noch immer lebendig genug, um auf den richtigen Reiz sofort mit Kontrolle zu antworten hatte hier ein Lebenszeichen gegeben.
Kreeger verharrte, seine Augen gebannt auf den Bildschirm geheftet, während die Daten auf seiner Sichtfläche aufglommen und wieder abebbten, wie die Ausschläge eines Patientenmonitors, die einem kundigen Auge verrieten, dass unter sedierter Oberfläche noch immer Erregbarkeit vorhanden war. Dann stand er mit jener ruhigen Konsequenz auf, mit der ein Diagnostiker den Moment erkennt, an dem Beobachtung allein in Nachlässigkeit umzuschlagen droht. Wenn das System auf seinen Köder mit einem Blick in die Tunnelkarten und Vreks Grundstücksstrukturen reagierte, dann bedeutete dies zweierlei: Erstens, dass die alten Wege nicht nur in Akten, sondern in gegenwärtigen Abläufen fortlebten. Zweitens, dass jemand in diesem Apparat genau wusste, wo die empfindlichen Stellen lagen.

Der Weg führte ihn tiefer in das Verwaltungszentrum hinab, vorbei an den helleren, saubereren Etagen der repräsentativen Abteilungen, hinunter in jene älteren Sektoren, in denen die Architektur nicht mehr vorgab, Macht müsse sich in Glätte ausdrücken, sondern nur noch Funktion kannte. Die Wände wurden schmaler, das Licht härter, die Luft trockener. Hinter versiegelten Sichtscheiben verliefen Leitungsschächte, Wartungsgänge und Datenknoten, deren eigentliche Bedeutung nie in den offiziellen Lageplänen verzeichnet war, weil Städte wie Prefsbelt City unter ihrer Oberfläche immer mehr verbargen, als sie an ihrer sichtbaren Gestalt zugaben.
Kreeger folgte einer Reaktionskette: Vom stillen Prüfpfad zur Materialrevision, von dort weiter zu einem Tunnelroutenknoten, der formal dem zivilen Verkehrsmanagement unterstand, tatsächlich aber seit Jahren als Pufferzone für all jene Bewegungen gedient hatte, die in der offiziellen Logik des Planeten keine offene Sprache finden sollten.
Der Knotenpunkt selbst lag hinter einer unauffälligen Sicherheitsschleuse im Untergeschoss eines Versorgungstrakts, dessen Beschilderung so unerquicklich nüchtern war, dass man darüber leicht vergaß, wie viel Macht in unscheinbaren Verwaltungsbezeichnungen lag. Unterflächenlogistik – Sektor C/7. Als sich die Tür zischend vor ihm öffnete, empfing ihn ein Raum von jener unpersönlichen Zweckmäßigkeit, in der Menschen klein wirkten, selbst wenn sie darin arbeiteten. Drei Sichtterminals. Zwei Archivsäulen. Ein halb geöffneter Schredderbehälter. Die Luft roch nach erhitzter Elektronik und dem feinen, trockenen Staub von Kunststofffaserpapier.
Doch der Agent war nicht alleine und fand genau die Wunde, die das System ausblutete. Am seitlichen Archivpult stand ein Mann in der grauen Dienstkleidung der unteren Koordinationsstufen, den Rücken
Kreeger zugewandt, den Arm noch halb ausgestreckt zu einer Konsole, auf deren Oberfläche sich die letzten Schritte einer hastigen Sitzung abzeichneten. Der Mann fuhr herum, nicht mit der panischen Übertreibung eines Schuldigen, sondern mit der schlechter verborgenen Erstarrung eines Beamten, der in der Routine ertappt wird, aus der er sein ganzes berufliches Selbstverständnis bezogen hatte. Sein Dienstausweis identifizierte ihn als Iven Sall, Leitungsassistent für Unterflurtransport und Materialumlagerung.

„Oh, hoher Besuch von oben.“, sagte Sall mit einer Trockenheit, die den Witz in seiner Aussage konterkarierte, und verriet, dass seine Gedanken schneller liefen, als sein Gesicht sie bereits glätten konnte. Ein Blick auf die Uniform Kreegers veränderte etwas in der Körperhaltung des Mannes. „Ich wusste nicht, dass dieser Knoten für die laufende Untersuchung freigegeben ist.“

„Das wussten Sie vor drei Minuten auch noch nicht“, erwiderte Kreeger gelassen, während sein Blick über die geöffnete Konsole wanderte. Er trat nicht drohend näher. Der Agent von Hosnian Prime hatte nie verstanden, warum so viele Vernehmer glaubten, Körperdruck sei wirksamer als die Erfahrung, bereits gelesen worden zu sein. „Und doch hielten Sie es für nötig, historische Routentabellen mit Grundstückskennungen aus Blue One und Prefsbelt Green abzugleichen, unmittelbar nachdem eine intern markierte Anforderung auf Ihrem Prüfpfad auftauchte. Das ist, wenn Sie mir die Bemerkung gestatten, ein ungewöhnlich reges Interesse für einen Bereich, der angeblich nur technische Durchleitung betreibt.“

Sall öffnete den Mund, schloss ihn wieder und versuchte dann den Umweg über formale Korrektheit, den Menschen seiner Art gern einschlugen, wenn sie hofften, Präzision könne Schutz gewähren. „Es handelt sich um eine Altstrukturprüfung. Bestimmte Kennungen lösen automatisierte Vergleichsvorgänge aus. Ich habe lediglich kontrolliert, ob ein veralteter Marker irrtümlich weiter aktiv ist.“

„Und ist er das?“

Die Frage kam so mild, dass sie beinahe teilnahmslos wirkte und deshalb war sie schwerer abzuwehren. Sall sah zu lange auf das Terminal, bevor er antwortete.

„Offenbar.“

Kreeger trat an die Konsole. Die Anzeige war nicht vollständig geleert worden. Eine Sitzung wurde geschlossen, doch der Speicher war nicht sauber genug bereinigt, um einem geübten Auge die Richtung zu nehmen. Da waren die alten Marker der Beschaffungsstelle. Die internen Zusatzfreigaben, die Tavin Resk beschrieben hatte. Da waren die Produktkataloge von Kaas Solutions Inc., in denen modulare Sichtschutzsysteme, mobile Abschirmfelder und temporäre Kommunikationshüllen in derselben nüchternen Sprache beschrieben wurden, mit der man anderswo Gartenbeleuchtung oder Bankettmobiliar auswies. Und da waren die Tunnelkorridore unter Blue One und Prefsbelt Green, mehrfach als temporäre Einlagerungs- oder Umleitungsräume markiert, stets im engen zeitlichen Umfeld jener protokollarischen Gouverneursveranstaltungen, deren äußerer Aufwand im HoloNet nie den internen Materialfluss erklärt hatte.

„Dekorative Maßnahme“, sagte Kreeger leise, mehr zu den Daten als zu Sall. „Ein hübscher Ausdruck für etwas, das man tief genug unter die Oberfläche bringen will, damit niemand es mehr als sicherheitsrelevant lesen muss.“

Sall schwieg. Seine Hände waren still geworden, doch nicht aus Ruhe; es war die regungslose Vorsicht eines Mannes, der ahnte, dass jeder weitere Satz seine Position verschlechtern würde, während das Schweigen längst aufgehört hatte, ihn zu schützen.

Der Agent des ISB sah ihn nun direkt an.
Wann haben Sie gelernt, dass diese Marker keine Fragen nach sich ziehen?“

Es war nicht die Art von Frage, auf die man sich vorbereiten konnte. Nicht, weil sie kompliziert gewesen wäre, sondern weil sie auf den wunden Punkt zielte: auf den Übergang von Anweisung zu Gewöhnung.

„Ich habe gar nichts gelernt“, sagte Sall zu schnell. „Es war einfach bekannt, dass bestimmte protokollarische Bedarfe nicht offen im Standardlauf bleiben sollten.“

„Bekannt durch wen?“

„Durch die Praxis.“

Kreegers Mundwinkel hoben sich um kaum mehr als den Schatten eines Lächelns. „Die Praxis. Verwaltungen lieben dieses Wort. Es klingt so gesund, selbst wenn es sich längst um eine chronische Infektion handelt.“

Sall schluckte sichtbar. Kreeger ließ ihn darin nicht schmoren.

„Hören Sie gut zu“, sagte er mit unveränderter Ruhe. „Ich untersuche im Augenblick weder Ihre persönliche Verantwortung noch die Frage, wie viele Menschen unter Robert Kern bewusst gehandelt und wie viele nur gehorcht haben. Mich interessiert, warum mein Testlauf heute sofort einen Blick auf diese Knoten ausgelöst hat. Wer wird benachrichtigt, wenn ein alter Marker wieder auftaucht?“

Jetzt kam die Antwort nicht mehr aus Trotzlosigkeit, sondern aus jener müden Einsicht, mit der Menschen sprechen, wenn sie begreifen, dass ihre eigenen Routinen bereits mehr verraten haben als jede Verteidigung. „Die Benachrichtigung läuft über eine alte Bereinigungsschleife“, sagte Sall. „Sie hängt formal an der Materialrevision. Eigentlich sollte sie seit Monaten abgeschaltet sein. Ist sie aber nicht.“

„Materialrevision“, wiederholte Kreeger. „Welcher Untersektor?“

Sall nannte die Kennung. Es war derselbe Bereich, in den Sellia Dray vor sechs Monaten versetzt worden war.

Einen Augenblick lang sagte
Kreeger nichts. Vor ihm verdichteten sich die Linien mit fast unangenehmer Klarheit. Drays frühere Sonderfreigaben. Kaas Solutions als Lieferant eines Materials, das öffentlich wie protokollarische Dekoration und intern wie operative Abschirmung behandelt worden war. Vreks beschleunigt gesicherte Grundstücke, unter denen Tunnelabschnitte lagen, die man wiederholt mit genau diesen Bedarfen gespeist hatte. Und nun eine noch immer aktive Bereinigungsschleife in eben jener administrativen Peripherie, in die Dray später versetzt worden war. Das war noch kein Beweis für persönliche Steuerung. Aber es war mehr als ein Zusammenhang. Es war ein Nerv.

Kreegers Blick fiel auf einen halbausgegebenen Papierstreifen im Schredderbehälter. Er zog ihn mit behandschuhter Ruhe heraus, strich die geknickten Fasern auseinander und las die Reste eines Ausdrucks, der zu hastig vernichtet worden war, um gründlich zu sein: KSI-Sichtmodul 7B / Umlagerung bestätigt / Zielknoten PBG-12 / Nachverarbeitung gemäß Legacy-Protokoll S.D.-4. Es konnte vieles bedeuten. Eine Serienkennung. Ein Altprotokoll. Ein Kürzel ohne Personbezug. Und doch war die Nähe zu Sellia Dray zu präzise, um sie als Zufall zu behandeln.

„Sie werden jetzt gar nichts weiter tun“, sagte Kreeger zu Sall, beinahe sanft. „Sie werden dieses Terminal sperren, die Sitzung nicht löschen, niemanden anrufen und niemanden warnen. Danach übermitteln Sie mir die vollständige Historie dieser Bereinigungsschleife, einschließlich aller Empfänger, Zeitstempel und Altprotokollreferenzen. Wenn Sie es sauber tun, behandeln wir Ihre Rolle als das, was sie im Moment vielleicht noch ist: ein Symptom. Wenn nicht, muss ich darüber nachdenken, ob Sie nicht längst Teil des Erregers sind.“

Sall nickte, zu erschöpft, um noch die Fassung eines pflichtgetreuen Technikers aufrechtzuerhalten. Es wäre zu auffällig gewesen den Mann jetzt festnehmen zu lassen. Es hätte genau jenen Staub aufgewirbelt, der ihn sichtbar gemacht hätte. Stattdessen würde er in seinem Bericht die Festnahme zu einem späteren Zeitpunkt anordnen um den Virus aus dem System mit all' seinen Nebenerscheinungen zu jagen.

Als
Kreeger wenig später den Knotenpunkt wieder verließ, war die Sache nicht einfacher geworden, aber schärfer. Der Planet hatte auf seinen Reiz reagiert, und die Reaktion hatte nicht in eine einzelne schuldige Hand geführt, sondern in eine noch aktive Leitungsbahn, die alte Gewohnheit mit gegenwärtiger Bereinigung verband. Tief unter der Oberfläche von Prefsbelt IV verliefen nicht nur Tunnel für Material und Versorgung. Dort unten bewegten sich auch die Nachwirkungen von Robert Kerns Herrschaft, in technischen Kennungen, verschwiegenen Nebenläufen und jenen stillen administrativen Reflexen, die eine Krankheit am Leben hielten, selbst nachdem man ihren sichtbarsten Träger entfernt hatte. Und zum ersten Mal seit Beginn der Untersuchung hatte Nerio Kreeger das Gefühl, nicht mehr bloß den Schatten eines Systems zu betrachten, sondern seine noch warme Spur.

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[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Raumhafen | VIP-Hangarbucht ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh

Den Mann, der ihm gegenüber stand, kannte Aren bisher nur aus Akten, doch das Bild, welches diese zeichneten schien durchaus akkurat zu sein. Ein durch und durch kontrollierter Mensch. Arens Taktik war oft, auf eine gewisse Herzlichkeit und Kollegialität bei ersten Kennenlernen zu setzen, auch wenn diese natürlich nicht von fehlender Professionalität oder Ernsthaftigkeit geschmälert wurde. Gouverneur Zesh schien eher in die Richtung eines Agustin zu gehen, auch wenn ihn von dessen Kälte noch viele Welten trennten. Aber Zesh schien Effizienz, Ordnung und Kontrolle durchaus wichtig zu sein. Dies sagte nicht nur sein Gesicht und seine Haltung aus, sondern ebenso die penibel abgestimmte Szenerie, die sie umgab und die Aren schon begutachtet hatte. Er kannte sowas nur all zu gut, doch hier wirkte alles beinahe wie mit einem Lineal nochmal feinsäuberlich abgestimmt. Das Lob, welches Aren im Hinblick auf diesen Empfang abgab, wurde mit einer, wie Aren vermutete, durch und durch ehrlichen Antwort quittiert. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass hier der Gouverneur selbst sich sehr um diesen Empfang bemüht hatte.

Kurz musste Aren schmunzeln, als Zesh über seine "Gattin". Vor gar nicht all zu langer Zeit, wäre ihm dies noch vollkommen abstrus vorgekommen, wie schnell sich doch alles geändert hatte. Adriana, der Titel des Moffs, die Imperiale Ritterschaft ... sein Leben machte einen Höhensprung nach dem nächsten und die Sorgen, die ihm noch auf dem Flug vom Sternenzerstörer zum Raumhafen beschäftigt hatten, fielen mehr und mehr von ihm ab.


,,Oh nein, keineswegs etwas all zu Ernstes. Sie möchte sich vor allem für den Ball hier auf Prefsbelt erholen und muss auch einiges an Energie für eine Gala auf Truuine sammeln, zu der wir noch eingeladen sind und auf der sie auch einige Eisen im Feuer hat, wenn man das so sagen kann. Aber definitiv nichts Besorgnis erregendes."

Über ihnen sausten TIE-Jäger durch den Himmel und gleichzeitig gab Zesh den Blick frei auf einen roten Teppich, an dessen Ende eine Cabrio-Schwebelimousine wartete. Der Gouverneur schritt voran und erläuterte, dass nun der nächste Programmpunkt eine kurze, repräsentative Tour durch die Hauptstadt des Planeten sei. Aren nickte, fügte aber mit einer gewissen Nachdrücklichkeit noch einen Punkt hinzu, der ihm sehr am Herzen lag.

,,Das klingt nach einem fantastischen Plan, Gouverneur. Besonders interessieren würde mich dabei die militärische Infrastruktur, sowie die Projekte, welche in der Zeit seit eurer Amtseinsetzung gestartet wurden. Sie wissen ja wovon ich spreche. Vielleicht findet sich gerade für letzteres auch später noch Zeit, gerade in der aktuellen Situation mit der Republik kommt all dem doch schneller eine gravierende Bedeutung zu, als manch einer dachte."

Manch einer, aber nicht unbedingt Aren. Er hatte schon gewusst, weshalb er solche Projekte mit einem solchen Nachdruck anstieß und so hoch priorisierte. Während sie in die Limousine einstiegen und dabei hin und wieder den winkenden und jubelnden Volksmassen zuwinkten und lächelten, die die komplette Umgebung säumten, erkundigte sich der Gouverneur nach seiner Reise nach Prefsbelt.

,,Ich kann mich nicht beschweren, Gouverneur Zesh. Heute Morgen gab es noch einige wichtige Meetings auf Yaga-Minor, die leider keinen Aufschub duldeten, danach konnte ich mich ganz dieser Reise dann widmen. Die "Heart of Presbelt" habe ich, für den Fall der Fälle, als Teil der Sektorverteidigung hier her beordert. Sie nehmen eine Lageanalyse vor und werden wahrscheinlich gemeinsam mit mir auch wieder verschwinden, aber das ließ ich ja alles bereits ihrem Büro mitteilen."

Die Limousine hob ab und begann sich die Straße, welche von noch mehr jubelnder Bevölkerung gesäumt wurde, entlang zu schieben. Hinter ihnen verklang dabei mehr und mehr die Musik der Kapelle.

,,Aber wie ich sehe, haben Sie Prefsbelt IV sehr gut im Griff. Ihre Berichte zeichnen ja ein ähnliches Bild. Haben Sie selbst sich denn bereits hier gut eingelebt, fühlen sie sich vielleicht schon heimisch?"

Mit seiner Frage versuchte Aren langsam vorzufühlen, wie bereit Zesh einem eventuellen Wechsel in die Sektorkapitole gegenüberstand. Noch war nichts in Stein gemeißelt, doch es standen immerhin Optionen im Raum, die durchaus eine schlechtere Wahrscheinlichkeit besitzen könnten.


[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | vor dem Raumhafen | Gleiter ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Sektor C/7 Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ

Noch im Knotenpunkt von Sektor C/7 traf Nerio Kreeger jene Entscheidung, die einen mittelmäßigen Ermittler von einem guten und einen guten von einem gefährlichen unterschied: Er schlug nicht zu. Zumindest nicht sofort. Das Legacy-Protokoll S.D.-4, die Bereinigungsschleife, die Tunnelverweise, die KSI-Sichtmodule und die fast instinktive Art, mit der das System auf seinen Reiz geantwortet hatte, bildeten keinen abgeschlossenen Befund, sondern einen lebenden Kreislauf. Wer in einen solchen Kreislauf zu früh hineinschnitt, erhielt Blut, gewiss, vielleicht sogar genug, um einen Bericht zu füllen und einen Vorgesetzten für einen Augenblick zufriedenzustellen. Doch er verlor dabei oft den einzig wirklich wertvollen Vorteil: Die Möglichkeit, dem Erreger auf seinem natürlichen Weg zu folgen und zu stoppen, statt nur die Symptome zu bekämpfen. Also sicherte Agent Kreeger mit jener trockenen Präzision, die ihn nie verlassen hatte, jede Schicht der Reaktion, ohne ihre Oberfläche zu stören. Die Sitzungshistorie aus Salls Terminal, die Zeitstempel der Umleitung, die Empfänger der Bereinigungsschleife, die Referenzen auf die Parzellen in Blue One, auch Prefsbelt City genannt, und die fast beiläufig wirkenden Materiallisten, in denen KSI-Sichtmodule, mobile Abschirmsegel und Kommunikationseinheiten unter dekorativen Sammelbegriffen geführt worden waren. Erst danach setzte er seinen zweiten Reiz. Diesmal keine allgemeine Nachfrage, denn er brauchte nun eine gezielt formulierte Prüfanforderung, die auf eine fiktive Sichtung aus Altbeständen verwies und mit einer solchen Kombination alter Marker versehen war, dass jeder noch aktive Teil des Mechanismus sie nicht nur erkennen, sondern bevorzugt behandeln musste. Als Zielknoten hinterlegte er eine interne Umlagerungsoption, die auf den ersten Blick harmlos wirkte, deren numerische Kennung jedoch exakt zu einem jener Grundstückscluster in Blue One passte, die Danos Vrek über Strohmänner kontrollieren ließ.

Er beschloss in Bewegung zu warten und holte sich in einem der zahlreichen Automaten einen Caf, um die allmählich herankriechende Müdigkeit zu bekämpfen. Die Nacht über Prefsbelt City war keine reine Dunkelheit, sondern eine matte, rußige Schicht aus Industrieglühen, neonfarbenen Reklamefarben und dem kalten Schimmer ungezählter Verkehrslinien, die sich zwischen den Baukörpern der Stadt spannten wie Adern unter dünner Haut. Die unteren Sektoren lag tiefer als die saubereren Verwaltungsebenen, älter, gedrängter, dichter an den Fundamenten jener Ordnung, die sich nach außen gern geschniegelt und beherrscht gab, im Innern aber aus Schachtanlagen, Versorgungstrakten, alten Transportröhren und verborgenen Wirtschaftsknoten bestand. Prefsbelt City hatte nie aufgehört, unter sich selbst weiterzuwachsen, und
Kreeger, der aus den Daten längst gelernt hatte, dass Kriminalität auf Planeten wie diesem selten oberirdisch ihren eigentlichen Raum fand, bewegte sich mit stiller Zielstrebigkeit durch jene Schichten, in denen Repräsentation in Funktion überging.
Der Zugang, dem er folgte, lag hinter einem stillgelegten Versorgungshof zwischen zwei Lagerkomplexen, deren Fassaden frisch genug wirkten, um Investoren Vertrauen einzuflößen, und deren Fundamente deutlich älter waren als die Schilder über ihren Eingängen.
Vreks Name stand nirgends offen an den Wänden, und doch trug der Ort den Geruch jener Besitzverhältnisse, die nicht aus öffentlicher Macht, sondern aus geräuschloser Verfügung entstanden: neue Sicherheitstüren an altem Beton, modernisierte Scanner in Fluren, die man bewusst nicht ganz saniert hatte, weil ihr eigentlicher Zweck nie in ihrer äußeren Erscheinung lag. Kreeger brauchte keine Eskorte und kein auffälliges Aufgebot. Zwei diskrete Sicherungskräfte an den äußeren Zugängen genügten, denn er war nicht gekommen, um eine Stellung zu stürmen, sondern um eine Wunde zu öffnen, die sich selbst bereits verraten hatte.

Der innere Zugang in die Tiefe war hinter einer formal stillgelegten Lastplattform verborgen, deren Wartungssiegel korrekt genug wirkten, um Routine zu behaupten, bei genauerem Hinsehen jedoch verrieten, dass sie in zu regelmäßigen Abständen erneuert worden waren, um wirklich ungenutzt zu sein. Als die Verschalung gelöst war und der Schacht sich langsam unter ihnen öffnete, schlug
Kreeger eine Luft entgegen, die nach altem Metall, Ozon, Schmierstoffen und jenem fahlen Moder roch, der nur dort entstand, wo Räume verborgen gehalten wurden. Die Plattform sank geräuscharm hinab, tiefer unter Blue One, als offizielle Baupläne für die Gegend überhaupt verzeichneten, und mit jedem Meter schien die Stadt oberhalb ihnen ferner und unwirklicher zu werden, bis nur noch die nackte Funktion blieb: Dunkelheit, Stahl, Leitungskanäle, die harte Geometrie von Versorgung und Geheimhaltung.
Der Tunnel, in dem er ankam, war Teil eines Systems, das mit Aufwand, Geduld und technischer Selbstverständlichkeit geschaffen worden war. Die Wände trugen alte Versorgungsmarkierungen aus der Zeit vor
Kerns Gouverneurschaft, darüber neuere, sauber überlegte Kennzeichnungen, die man nur verstand, wenn man die Sprache der Umnutzung beherrschte. Strom lag auf den Leitungen. Die Belüftung arbeitete. Nichts davon war laut. Alles wirkte so, als solle es gerade dadurch unsichtbar bleiben, dass es nicht den Anschein von Geheimhaltung erweckte, sondern den einer längst etablierten Nebenfunktion. Ein kranker Organismus, dachte Kreeger unwillkürlich, war nie dort am gefährlichsten, wo er schrie, sondern dort, wo er gelernt hatte, seine Fehlfunktionen in den Rhythmus des Normalen einzubetten.

Er ging langsam, die eine Hand in der Nähe seines Dienstblasters, die andere Hand am Datenpad, dessen blasses Licht über Markierungen und Schotts glitt. Schon nach wenigen Dutzend Metern wurde deutlich, dass die hier gelagerten Dinge nie bloß für Bankette und protokollarische Inszenierungen bestimmt gewesen waren. Stapelweise verpackte Sichtmodule von Kaas Solutions Inc., äußerlich als variable Kulissenelemente ausgewiesen, besaßen rückseitige Hartpunkte für modulare Energieverschaltungen, mit denen sich aus dekorativen Abschirmungen binnen Minuten ein geschlossenes Blick- und Signalhindernis errichten ließ. Kisten mit Kommunikationszubehör enthielten keine Gala-Ausrüstung, sondern verschlüsselte Relaisplatten, lokale Störsender und Signalbegrenzer. Andere Container waren mit den Farben ziviler Versorgung versehen, trugen jedoch interne Lastcodes, die
Kreeger bereits aus Resks Unterlagen kannte: Jene stillen Zusatzmarker, die aus einem dekorativen Bedarf einen unauffälligen sicherheitsrelevanten Transport gemacht hatten.

Was er hier vorfand, war damit nicht länger bloß der Nachhall einer alten Verwaltungspraxis. DIese abgestandene Hinterlassenschaft eines gefallenen Gouverneurs, die man nachträglich in Aktenform ordnen und mit dem kühlen Eifer der Rückschau katalogisieren konnte, war ein noch immer schlüssig ineinandergreifendes System aus Tarnung, Umlenkung und technischer Mehrdeutigkeit, das seine eigentliche Raffinesse gerade daraus bezog, dass jede einzelne seiner Komponenten für sich genommen harmlos, ja beinahe banal wirkte.
Kreeger blieb für einen kurzen Moment zwischen den Kisten und Sichtmodulen stehen, lauschte dem leisen Summen der Belüftung, dem fernen metallischen Knacken arbeitender Leitungen und jenem eigentümlichen Schweigen, das nur an Orten herrschte, die nie für zufällige Zeugen gedacht gewesen waren, und begriff mit jener kalten Klarheit, die ihm immer dann kam, wenn ein Verdacht in einen belastbaren Befund umzuschlagen begann, dass er die Untersuchung soeben unwiderruflich aus dem Bereich bloßer Rekonstruktion hinausgeführt hatte. Von hier an ging es nicht mehr nur darum, wie Robert Kern einst hatte geschützt werden können. Von hier an ging es darum, wer oder was diesen Schutz noch immer verwaltete.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One In den unteren Sektoren der Stadt Lager im Tunnelsystem Agent Kreeger, allein? Δ
 
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[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Raumhafen ]
Theranos Zesh, Aren Vayliuar, sowie NPC´s Legat Gregor Bayl, Legat Veran Koss, Commander Rethan Vaal.


Theranos nahm die Worte des Moffs auf, während sich die beiden bereits in Bewegung gesetzt hatten. Währenddessen gingen sie durch den Raumhafen und der Ablauf begann.
Getragen von der Präsenz der aufgestellten Einheiten, dem gleichmäßigen Klang der Kapelle und dem leisen, allgegenwärtigen Summen der Technik, das sich wie ein feiner Unterton durch den gesamten Raumhafen zog.
Während Therano´s Blick für einen kurzen Moment auf Aren ruhte und sich dort jene ersten Eindrücke festsetzten, die weit über das hinausgingen, was Berichte, Akten oder aufgezeichnete Holokommunikation je hätten vermitteln können.
Er hatte den Mann vor sich zuvor nur aus diesen Quellen gekannt, aus strukturierten Einschätzungen, aus nüchternen Zusammenfassungen, aus jener Art von Information, die darauf ausgelegt war, ein klares Bild zu zeichnen.

Was ihm jedoch schnell auffiel, war jene spürbare Freundlichkeit, die sich durch die Worte des Moffs zog, eine Offenheit im Ton, die sich mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verband, ohne an Klarheit zu verlieren, und die in ihm eine leise, fast unerwartete Zufriedenheit auslöste. Da Theranos selbst, geprägt von einer strengen Erziehung und einem Umfeld, in dem Disziplin und Kontrolle stets an oberster Stelle gestanden hatten, was lange davon ausgegangen, dass mit jeder höheren Stufe in der Hierarchie auch eine zunehmende Distanz einherging, eine Kühle, die sich in jeder Geste niederschlug und die Persönlichkeit hinter der Funktion zunehmend zurücktreten ließ.


Umso bemerkenswerter wirkte es auf ihn, dass Aren, trotz seiner Stellung, trotz der Verantwortung als Moff und trotz seiner Verbindungen in wirtschaftliche Strukturen von erheblicher Größe, eine Form von Zugänglichkeit bewahrte, die sich nicht aufgesetzt anfühlte, sondern aus einer inneren Sicherheit heraus entstand, während zugleich ein Teil von Theranos’ Aufmerksamkeit wach blieb und diese Eindrücke einordnete, sie prüfte, nicht aus Misstrauen, sondern aus jener geschulten Wahrnehmung heraus, die ihm bewusst machte, dass auch Offenheit eine Form von Strategie sein konnte.

Das kurze Schmunzeln des Moffs entging ihm dabei ebenso wenig wie die feinen Veränderungen in dessen Ausdruck, und er nahm es als positives Zeichen auf, als eine Bestätigung dafür, dass der Empfang, die Inszenierung und die gesamte Vorbereitung ihre Wirkung nicht verfehlten, während sich diese Erkenntnis still in sein Gesamtbild einfügte und ihm eine zusätzliche Sicherheit gab, ohne dass sich dies nach außen hin zeigte.
Sein Blick glitt für einen Moment über die Uniform des Moffs, blieb kurz an dem bronzenen Abzeichen haften, das dessen Zugehörigkeit zum imperialen Ritterorden markierte, und nahm dieses Detail mit jener sachlichen Anerkennung auf, die sich weniger in sichtbarer Reaktion äußerte als in der stillen Einordnung der Person vor ihm, deren Rolle sich aus mehreren Ebenen zusammensetzte, politisch, militärisch und persönlich.

Als Aren die Situation seiner Verlobten erläuterte, ließ Theranos ein leichtes, kontrolliertes Schmunzeln aufkommen, kaum mehr als eine feine Bewegung in seinem Ausdruck, die sich an die Mimik seines Gegenübers anpasste, ohne sie zu kopieren, getragen von jener Fähigkeit, die er früh erlernt hatte und die ihm erlaubte, sich in Gesprächen auf subtile Weise auf sein Gegenüber einzustellen.



„Es freut mich zu hören, dass es ihr den Umständen entsprechend gut geht“, erwiderte er in ruhigem Ton, während sie die Limousine erreichten und sich der Konvoi um sie herum bereit machte um sich in Bewegung zu setzen, „und ich kann gut nachvollziehen, dass man sich vor einem solchen Anlass die notwendige Zeit nimmt, um Kraft zu sammeln. Die Verpflichtungen, die mit einer solchen Rolle einhergehen, sind wahrlich nicht zu unterschätzen.“

Während sie in die offene Schwebelimousine einstiegen und sich das Fahrzeug sanft erhob, glitt Theranos’ Blick für einen Moment über die aufgestellten Formationen hinweg nach oben, wo die TIE-Jäger ihre Bahnen zogen und den Himmel in gleichmäßigen Mustern durchzogen, und er registrierte mit einem kurzen Seitenblick, dass auch Aren diese Szenerie bewusst wahrnahm, was sich für ihn nahtlos in das Bild eines Mannes einfügte, der nicht nur sprach, sondern ebenso beobachtete.

Als der Moff das Gespräch auf die militärische Infrastruktur und die laufenden Projekte lenkte, war Theranos innerlich bereits einen Schritt weiter, da diese Frage für ihn weder überraschend kam noch unvorbereitet traf, sondern sich logisch aus der Gesamtsituation ergab, während sich in ihm die verschiedenen Optionen ordneten, die er in den kommenden Stunden anbieten konnte.



„Selbstverständlich“, antwortete er ruhig, während sich der Konvoi und die Cabrio-Limousine sich in Bewegung setzte und sich die ersten Reihen der Bevölkerung entlang der Route begannen zu jubeln, „wir haben den Ablauf bewusst so gestaltet, dass sich mehrere Möglichkeiten anbieten.“

Sein Blick glitt kurz nach vorne, entlang der Strecke, die sich durch Blue One zog, gesäumt von Bannern, Einheiten und der sichtbaren Präsenz von Sicherheit, bevor er fortfuhr.

„Nach unserer Ankunft im Palast würde ich Euch zunächst Eure vorbereitete Suite zeigen und Euch einen Überblick über die wichtigsten Bereiche geben, dann gäbe es folgende Möglichkeiten.
Wir brechen nach kurz Nachdem Sie ihr Quartier bezogen haben wieder auf um uns die Werft persönlich ansehen. Ein kurzer Flug in das Gebiet der Werft mit einem kleinem Essen in der Lambda-Fähre sowie eine Erklärung des aktuellen Baufortschritts, um Euch einen umfassenden Eindruck zu vermitteln und fliegen dann zurück genau richtig zur Anhörung Kerns."
Theranos machte eine paar Herzschläge pause damit sich der Moff den ersten Vorschlag überlegen konnte bevor er fortfuhr.

"Oder wir essen in ruhe im Palast und gehen dann zur Anhörung am Hauptplatz welche auf einer Tribüne vor dem Gouverneurspalast stattfindet und dem das Volk von Blue One beiwohnen wird.
Dann würde wir Besichtigung der Werft auf Morgen verschieben, dafür wäre dies dann eine ausführlichere Präsentation, bei der wir im Anschluss auch die nächsten Entwicklungsschritte Werft sowie die geplante Zusammenarbeit mit Truuine und dem gemeinsamem Projekt auf dem Meer durchgehen könnten. Das wären die beiden Möglichkeiten aus dehnen Ihr wählen könnt".

Ein kurzer Moment folgte, in dem sich seine Worte mit dem gleichmäßigen Gleiten der Limousine verbanden, während die Menschenmengen zu beiden Seiten dichter wurden und vereinzelte Rufe und Gesten der Begrüßung zu ihnen herüberdrangen.

„Aber um Ihre Frage vorab zu beantworten, die Werft selbst macht sehr gute Fortschritte aufgrund von Geldern welche wir im Vorfeld von Kern konfiszieren konnten war es uns möglich die Bauarbeiten nochmals ein wenig zu beschleunigen und wir sind sogar ein paar Wochen vor dem angedachten Fertigstellungstermin “, fügte er erfreut hinzu, „und wir haben parallel bereits damit begonnen, zentrale Bereiche der planetaren Infrastruktur zu modernisieren, Handels und Logistikrouten zu stabilisieren um logistische Abläufe effizienter zu gestalten, damit Prefsbelt IV schneller in jene Einsatzbereitschaft zu führen, die im aktuellen Kontext erforderlich ist.“


Seine Stimme blieb ruhig, doch konnte man doch leicht heraushören das Theranos doch sehr glückglich über den aktuellen Stand der dinge war. Man konnte sich auch sicher sein das die Festnahme Kerns vor ein paar Tagen auch ebenfalls Maßgeblich dazu beigetragen hatte.

„Es ist mein Anspruch, dass der Planet mindestens den Anforderungen gerecht wird, die sich aus der aktuellen Lage ergeben.“
Während der Moff von seiner Reise sprach, hörte Theranos aufmerksam zu, ließ die Informationen wirken und ordnete sie ein, wobei ihn die Erwähnung der Termine auf Yaga-Minor ebenso wenig überraschte wie die Präsenz des Sternenzerstörers im Orbit, die sich für ihn als logische Absicherung darstellte, auch wenn sie zugleich ein sichtbares Zeichen der Reichweite und Handlungsfähigkeit des Moffs war.

Bei der Erwähnung der zusätzlichen Absicherung hob Theranos leicht abwehrend die Hand in einer ruhigen, beschwichtigenden Bewegung.

„Die Lage ist unter Kontrolle“, sagte er in gleichbleibendem Tonfall, auch wenn es ihm immer noch Unangenehm zu seinen schien das der Planet in der Kurzen Zeit seiner Führung diese Unruhe durchmachen musste. „Kern ist in Gewahrsam, seine Strukturen wurden zerschlagen, und wir führen gemeinsam mit dem ISB weiterhin gezielte Nachuntersuchungen durch, um auch die letzten Verbindungen aufzulösen. Zusätzlich befindet sich der Verband unter Captain Skywalker im Orbit, wodurch eine stabile Absicherung gewährleistet ist.“

Ein kaum merkliches Nicken folgte, während sich in ihm eine ruhige Zufriedenheit über diesen Stand zeigte.
Als Aren schließlich anmerkte, dass Prefsbelt IV einen gefestigten Eindruck hinterlasse, erschien für einen kurzen Moment ein ehrliches, warmes Lächeln auf Theranos’ Lippen, das sich jedoch ebenso ruhig wieder zurücknahm, wie es entstanden war.


„Es freut mich, dass dieser Eindruck entsteht“, erwiderte er, während die Limousine weiter durch die geplante Route Stadt glitt und sich die Architektur von Blue One in ihrer voller Pracht zeigte, vorbei an schönen geschmückten Plätzen, Alleen, Prunkbauten, der Planetaren Opern sowie dem ein oder anderem Museum und über allen Gebäuden thronte das Imperiale Banner. Theranos freut sich selbst über die gelungene Route, Legat Gregor Bayl hatte sich alle mühe gemacht die schönsten Plätze der Hauptstadt einzubinden. „genau darauf haben wir in den vergangenen Tagen hingearbeitet.“

Die abschließende Frage des Moffs ob er sich gut eingelebt hatte nahm er bewusst auf, ließ sie für einen Augenblick in sich wirken, während sein Blick kurz über die vorbeiziehenden Fassaden glitt und sich dann wieder Aren zuwandte, begleitet von einem feinen, kaum sichtbaren Neigen des Kopfes, als würde er die Antwort nicht suchen, sondern ordnen.

Ein kurzes, zurückhaltendes Schmunzeln huschte über sein Gesicht als ihm aus seiner Sicht die Ideale Antwort einfiel die er dann ehrlich aussprach.

„Das Imperium ist mein Heim, werter Moff “, sagte er ruhig, mit klarer Stimme, „überall, wo ich ihm dienen kann, finde ich meinen Platz.“

Für einen Moment ließ er diese Worte stehen, bevor sich sein Blick wieder leicht in die Umgebung löste.
„Prefsbelt IV bietet dafür natürlich eine hervorragende Grundlage. Der Gouverneurspalast, den mein Vorgänger hinterlassen hat, ist in seiner Ausführung… äußerst eindrucksvoll. Ihr werdet ihn gleich selbst sehen und Euch ein eigenes Bild machen können.“


Ein letzter, kurzer Gedanke glitt durch seinen Geist, während sich das Gespräch in diesem ruhigen, offenen Ton fortsetzte, und er sich bewusst war, dass dieser Austausch nicht nur Inhalt transportierte, sondern ebenso ein Gefühl, eine Linie, die er aufrechterhalten wollte, in der Hoffnung, genau jene Balance getroffen zu haben, die dieser Moment erforderte und langsam begann sich Theranos etwas zu entspannen.


[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One ]
Theranos Zesh, Aren Vayliuar, im Konvoy auf dem weg zum Palast
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One In den unteren Sektoren der Stadt Lager im Tunnelsystem Agent Kreeger, allein? Δ

Je tiefer Nerio Kreeger in die verborgenen Schichten unter Blue One hinabstieg, desto mehr schälte sich aus der bloßen Möglichkeit ein Befund. Was oberhalb noch wie ein Geflecht aus Akten, Zusatzmarkern und administrativen Unregelmäßigkeiten gewirkt hatte, begann sich hier unten in Raum, Material und Funktion zu übersetzen. Die Tunnel waren nicht improvisiert, soviel stand fest. Sie wirkten nicht wie das hastig geschaffene Versteck eines Apparats, der in den letzten Zuckungen seiner Tarnung noch ein paar belastende Reste dem Zugriff entziehen wollte. Mit seinen Fingern strich der Agent die professionell verschachteten Wände und Pfeiler entlang. Sie trugen jene kalte, fast beleidigende Selbstverständlichkeit in sich, die nur Systeme ausbildeten, die lange genug ungestört gearbeitet hatten, um ihre eigene Existenz nicht mehr als Ausnahme, sondern als stillschweigende Notwendigkeit zu begreifen. Kreeger sah sich hier einem Tumor gegenüber, der gestreut hatte, bis er den ganzen Körper der Verwaltung befallen hatte. Während das fahle Licht seines Datenpads über Schotts, Leitungskanäle und eingelassene Transportmarkierungen glitt, wurde der Agent von Hosnian Prime mit jeder neuen Wegbiegung klarer, dass er sich nicht mehr durch einen bloßen Nebenraum der alten Kern-Verwaltung bewegte. Das hier war ein künstlich geschaffenen Zwischenkörper der Kerns Absichten unterstrich einen Staat im Staat zu bilden, an dem politische Fassade, wirtschaftliche Interessen und operative Verschleierung zu etwas Eigenem zusammengewachsen waren.

Es schälte sich zudem der eigentliche Zweck des Komplexes heraus, das über einem bloßen Lager hinausging. Es war eine Pufferzone. Ein Raum zwischen offizieller Oberfläche und operativer Wirklichkeit. Material, das man in der sichtbaren Stadt nicht offen disponieren konnte, wurde hier gesammelt, umetikettiert, zeitversetzt weitergeleitet und erst dann an Orte gebracht, deren offizielle Nutzung mit dem tatsächlichen Bedarf nur noch lose verbunden war. Die Grundstücke an der Oberfläche waren also nicht bloß eine Besitzfrage
Vreks gewesen, kein netter Nebengewinn aus beschleunigten Enteignungen, sondern ein anatomischer Knotenpunkt in Kerns altem Apparat, ein verborgener Hohlraum im Körper des Planeten, in dem sich Dinge sammeln konnten, die an der Oberfläche unter den wachsamen Augen des ISB und des Imperators zu auffällig gewesen wären. In all' dem drängte sich auch für den Agenten heimlich die Frage auf, ob der Tumor in die ehrwerten Hallen des ISB gestreut hatte. Wusste ein Teil des Apparats davon? Waren Teile des ISB involviert gewesen? Auch wenn dieser Gedanke ihm überhaupt nicht schmeckte, war es nicht abwegig. Doch an diesem Punkt war dies nicht Teil seiner Anamnese.

Am Ende des Haupttunnels öffnete sich ein breiterer Raum, dessen Ausmaße selbst
Kreeger für einen Augenblick innehielten ließen. Vor ihm lag eine unterirdische Lagerhalle, so tief unter Prefsbelt City verborgen, dass die Stadt darüber kaum mehr als ein ferner Druck auf dem Gestein war. Zwischen Stützpfeilern und Lastschienen standen Reihen sauber geordneter Container, Transportkapseln, modulare Abschirmwände, versiegelte Kisten mit Kennungen, die je nach Blickwinkel nach Veranstaltungsbedarf, Sicherheitsreserve oder ziviler Infrastruktur aussahen. Und genau darin lag ihr Wert. Alles an diesem Ort war darauf ausgelegt, sich im Ernstfall in beide Richtungen erklären zu lassen. Kreeger trat an einen der Container heran und ließ die Oberfläche scannen. Der aktuelle Zeitstempel war jung. Zu jung. Nicht altlastig, nicht aus der Kern-Zeit übrig geblieben, sondern in den letzten Zyklen aktualisiert. Ein zweiter Behälter bestätigte das Bild. Umlagerung. Neuverplombung. Bestandssichtung. Wörter, die nach Inventur klangen und in Wahrheit verrieten, dass irgendjemand diese Struktur nicht nur geerbt, sondern weiter gepflegt hatte.

Ein Laut am Ende der Halle ließ seine Aufmerksamkeit herumfahren. Es war kein Schuss oder ein offener Fluchtversuch. Das metallische Echo einer sich schließenden Nebentür hallte in dieser Kammer laut wider. An einer anderen Stelle hörte er das Surren, dass ihm bekannt vorkam. AC-1 Sicherheitsdroiden, wie sie in imperialen Anlagen nicht unüblich waren, doch beschlich den Agenten das Gefühl, dass er hier mit seinem Codezylinder nicht weit kommen würde.
Kreeger setzte sich in Bewegung, schnell genug, um jede Verzögerung zu verachten, aber ohne jene kopflose Hast, die aus einem Jäger einen Lärmverursacher machte. Hinter der Tür lag ein schmalerer Seitengang, und in dessen Biegung fand er nicht mehr den Menschen, der sich eben noch dort bewegt hatte, sondern nur die Überreste seiner Eile: Ein noch aktives Terminal, eine aufgerissene Serviceklappe und auf dem Boden eine halb zerknitterte Transportkarte, die hastig fallengelassen oder weggeworfen worden war. Er hob sie auf, strich sie glatt und las die jüngste Wegmarke. Eine Weiterleitung an einen Materialrevisionsknoten, dessen Kennung mit jenem Untersektor identisch war, in den Sellia Dray vor sechs Monaten versetzt worden war.

Für einen Augenblick sagte er nichts. Er stand dort in der künstlichen Kälte der unterirdischen Anlage, umgeben von sauber geordnetem Täuschungsmaterial, und spürte mit jener unangenehm klaren Gewissheit, die jeder guten Diagnose innewohnte, wie die Dinge sich verschoben.
Sellia Dray war noch immer nicht die Antwort. Aber sie war längst auch nicht mehr bloß eine Beamtin, deren Name in alten Freigaben zu häufig auftauchte. Ihre Verwaltungslogik, ihre Kennungen, ihre alten Verfahrensspuren lebten hier unten fort. Es entwickelte eine Nekrose, die als Totgewebe als totes Archivmaterial in der gegenwärtigen Struktur weiterlebte, die noch immer Bewegung erzeugte.

Er ließ den Blick noch einmal über die Halle gleiten, ging sicher, dass der AC-1 Droide ihn nicht fand und sah, dass sich zwei weitere gleich zu ihm gesellen würden. Es war an der Zeit zu gehen. Über KSI-Module, die nie für Dekoration gedacht gewesen waren, die er als Sichtschutz nutzte, bewegte er sich geschwind fort. Er bewegte sich flott zu einem Terminal außerhalb der Scanreichweite der binären Kreaturen und tippte die Sicherung an den Zugang nach, gab knappe Anweisungen zur versiegelten Erfassung des gesamten Komplexes und ließ das Terminal spiegeln, bevor irgendjemand auf die Idee kommen konnte, diesen Ort im Nachhinein wieder in bloßen Lagerbestand zu verwandeln.

Als er schließlich am Rand der Halle stehen blieb und das fahle Licht der unterirdischen Beleuchtung die harten Linien seines Gesichts zeichnete, hatte sich die Untersuchung endgültig verändert. Was auf den oberen Etagen noch wie eine Nachsorge für die Verfehlungen eines gefallenen Gouverneurs gewirkt hatte, war hier unten zu etwas anderem geworden: zu dem Nachweis, dass
Robert Kerns System nicht nur einst existiert hatte, sondern in Teilen weiteratmete. Prefsbelt IV war nicht länger ein Patient in Rekonvaleszenz und die Diagnose für die Stadt hatte sich verschlimmert. Tief unter Blue One hatte Nerio Kreeger gerade das pochende Herz eines noch nicht abgestorbenen Leidens gefunden.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One In den unteren Sektoren der Stadt Lager im Tunnelsystem Agent Kreeger und AC-1 Sicherheitsdroiden Δ
 
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