Prefsbelt IV

Prefsbelt IV | Trägerschiff im Standardorbit über dem Planeten | Besprechungsraum der Betastaffel | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel

Die Nachbesprechung für die Betastaffel war insgesamt ein angenehmes Ereignis. Sie hatten wieder keine Verluste zu beklagen und gleichzeitig sehr gute Ergebnisse erzielt. Kein einziger Rebell war ihnen entkommen und die Piloten der Staffel hatten einmal mehr unter Beweis stellen können, dass der TIE/ba eine hervorragende Maschine war, die den bisherigen Standardmaschinen des Imperiums in allen belangen überlegen und damit ihre höheren Kosten mehr als wert war. Es gab eine ganze Reihe an Belobigungen auszusprechen. Unter anderem hatte Kal selbst seinen dreißigsten Abschuss erzielt und auch wenn der sechsfache Assstatus den Kuati zu einem Elitepiloten selbst unter der Elite des Sternenjägerkorps machte, nur wenige TIE Piloten überlebten lange genug, um so viele Abschüsse zu erzielen, so war ein anderer Meilenstein erheblich bemerkenswerter. Reyan Vexler hatte die magische Schwelle von 5 Abschüssen überschritten und war durfte sich nun ebenfalls zu den Assen des Sternenjägerkorps zählen. Und das wohlgemerkt bereits nach seinem zweiten Kampfeinsatz.

„Herzlichen Glückwunsch, Vex. Dieser Applaus gilt allein Ihnen. Aber ruhen Sie sich nicht auf diesem Erfolg aus. Jetzt werden die Stützrepulsoren von Ihrem Jäger entfernt. Der Welpenschutz gilt ab jetzt auch nicht mehr.“ Tosender Applaus, Pfiffe und Jubelrufe der ganzen Staffel erfüllten den Raum. Sie lebten alle auf der Schneide einer Vibroklinge und mussten jederzeit mit dem Tod. Damit ging ein Lebensstil einher, der das Leben feierte und jede Gelegenheit dazu nutzte, Feste zu feiern. Und sei ihr Anlass von außen betrachtet noch so belanglos. „Und vergessen Sie ja nicht unsere Abmachung. Nicht nur müssen Sie der Staffel jetzt einen ausgeben. Nein, ganz und gar nicht. Jedes Ass der Staffel wird Ihnen ebenfalls einen ausgeben. Und wagen Sie es ja nicht, mit einer Alkoholvergiftung umzukippen!“ Kals letzter Kommentar sorgte für erheitertes Gelächter unter den Piloten und einigen Schulterklopfern für Vex. „Eine Sache noch, bevor wir die Besprechung beenden. Betastaffel hat die meisten Abschüsse während Operations Small Hunt erzielt, damit sind wir die beste Staffel des Geschwaders. Und ich kann Ihnen sagen, dass Alpha- und Gammastaffeln von der Nachricht gar nicht begeistert waren. Also dann, damit ist die Besprechung beendet. Wir sehen uns heute Abend in der Offiziersmesse und wehe jemand kneift!“

Damit strömten die Piloten in ausgelassener Stimmung aus dem Besprechungsraum hinaus. Munter tauschten sie Geschichten über ihre Erfolge der vergangenen Tage aus und soweit Kal es beurteilen konnte, könnte die Moral der Staffel aktuell kaum höher sein. Captain Sunstrider aber schien reservierter zu sein. Der Kuati konnte nur vermuten, dass ihr der Status als best arbeitende Staffel aktuell nicht gefiel. Colonel Rorsam war ein eitler Mann und sein Speichellecker Major Dimbain war nicht viel besser. Heute aber war ein Tag zum Feiern und morgen konnten sie sich immer noch um derlei sorgen. Also trat Kal zu seiner Staffelführerin und holte ein Datapad in dem Versuch heraus, sie aufzumuntern. „Damit ist unser kleines Abenteuer auf Prefsbelt IV wohl vorbei, Captain. Nur eine Sache fehlt noch.“ Bei ihrem fragenden Blick reichte er ihr das Datapad mit der Einladung, die heute aus dem Gouverneurspalast gekommen war. „Das Büro des Gouverneurs lädt auf einen Ball ein. Ich dachte daran, dass Sie mein +1 sind, um mich für die Veranstaltung in der Akademie zu revanchieren. Es werden viele einflussreiche Gäste kommen, deren Bekanntschaft gemacht zu haben, nicht das schlechteste sein wird. Laut der Einladung wird wohl sogar der Moff des Sektors Aren Vayliuar höchst persönlich sich die Ehre geben. Also, was sagen Sie?“

Kal schenkte Captain Sunstrider sein charmantestes Lächeln, um sie zu überzeugen. In ihrem Fahrwasser zu schwimmen hatte ihm bisher nichts als Vorteile gereicht und daher wollte er sich tatsächlich bei ihr revanchieren. Natürlich geschah das nicht ganz uneigennützig, denn was seiner Kommandantin zum Vorteil reichte, würde auch dem Kuati selbst nützen. Aber das sollte ja nicht Captain Sunstriders Schaden sein. „Na schön, wenn Sie es so ausdrücken, kann ich kaum Nein sagen. Mit dem aufflammenden Krieg können wir nicht sagen, wann wir das nächste Mal unsere Ausgehuniformen wieder anziehen können, also sollten wir diesen Ball besuchen.“ Kal entging keineswegs, wie sich die Augen seiner Vorgesetzten kurz anspannten, als sie betonte, was sie tragen würden. Er konnte es ihr keineswegs verdenken und er hatte vor, der perfekte Gentleman zu sein. „Sehr gut, wen wollen wir noch mitnehmen? Ich dachte da an die Flight-Lieutenants Perlim und Vexler. Sie haben hervorragende Leistung in der letzten Schlacht erzielt und das wäre eine gute Belohnung, die uns nichts kostet...“
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Am Abend in der Offiziersmesse dann war die Stimmung der Betastaffel wieder ausgesprochen ausgelassen. Noch bevor die Feier richtig losgehen konnte, nahm
Kal aber Vex und Perlim zur Seite, um sie auf den kommenden Ball einzustimmen. „Bringen Sie Ihre Ausgehuniformen auf Vordermann, wir sind auf einen Ball im Gouverneurspalast eingeladen. Machen Sie Captain Sunstrider und mir ja keine Schande, ich will Sie von Ihrer besten Seite sehen. Heute Abend aber feiern wir erst einmal unseren Sieg.“ Damit waren alle Arbeiten für heute aber erledigt. Jetzt ging es nur noch darum, den Erfolg der Staffel zu feiern und Vex so betrunken wie möglich zu machen. Es gab einige Asse in der Staffel, er würde also eine ganze Menge trinken müssen heute.

Prefsbelt IV | Trägerschiff im Standardorbit über dem Planeten | Offiziersmesse | Kal Andrim
, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel
 
[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Lambda-Shuttle ] - Aren Vayliuar

Das Lambda-Shuttle hatte das Hangar des Sternenzerstörers verlassen und befand sich im Anflug auf den Raumhafen von Blue One. Es gab gerade so viel, was Aren beschäftigte, sodass er auch auf dieser kurzen Fahrt kaum richtig zum durchatmen kam. Der Besuch seines Großvaters auf Yaga-Minor hatte viel aufgewühlt, doch es galt nun, nicht zu viele Gedanken daran zu verschwenden. Robert Kern war in Gewahrsam genommen worden und Prefsbelt IV, einer der wichtigsten Planeten seines Sektors, sowie ein Kernstück seines Plans für diesen Flecken im All, hatte einen wesentlichen Schritt zurück in die festigende Ordnung der Imperialen Verwaltung gemacht. Seine Reise nach Gerretnhum um dort endlich die Familie von Adriana kennenzulernen war bereits in groben Zügen geplant. Nach Truuine würde es direkt in den galaktischen Süden gehen, bevor eventuelle Kriegshandlungen eine solche Reise um ein vielfaches erschweren könnten. Er hoffte nur, dass es zu keinen Spontanitäten mehr kam, die ihm dort hingehend einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Damit würde er einen wesentlichen Schritt auf den Patriarchen seiner Familie wieder zu gehen. Hoffentlich. Nun aber war er auf Prefsbelt IV und eigentlich bot sich dieser Moment doch ideal zum durchatmen an. Es war ein rundherum positiver Besuch. Der ehemalige, verräterische Gouverneur war gefasst, es würde Fest geben und Aren würde vielleicht endlich bereits viel zu lange offene Lücken in seiner Regierung nun endlich schließen können. Die kurze Durchsage des Captains durchriss seine Gedankensprünge. Sie befanden sich bereits im direkten Luftraum über dem Raumhafen.

Aren stand auf und strich seine Uniform glatt, richtete seinen bronzenen Orden, welchen ihn als Mitglied des Imperialen Ritterordens auszeichnete, und straffte final seinen Mantel. Ein letztes Mal ging er mit der Hand prüfend durch Bart und Frisur. Alles saß, alles war bereit. Seine Leibgarde hatte bereits Formation angenommen und ein Sekretär stand ebenfalls bereit. Er gehörte zum Stab von Julius, welcher auf Yaga-Minor hatte verbleiben müssen, um dort weiterhin das allgemeine Tageswerk zu regeln. Er kannte diesen Sekretär nicht wirklich, Perrain Mohain hieß er wohl, doch Aren hatte vollstes Vertrauen in Julius, dass er ihm keine blutigen Anfänger mitgeben würde. Das Shuttle wurde kurz leicht durchgerüttelt, sie hatten aufgesetzt. Die Haltung der ohnehin schon in Formation stehenden Garde straffte sich erneut, als sich die Tür des Shuttles öffnete. Die Rampe war bereits ausgefahren und stand jetzt konnte Aren noch nicht wirklich herausblicken. Seine Garde verließ als erstes das Shuttle, Aren ließ einen kurzen Augenblick verstreichen, dann folgte er, den Sekretär direkt hinter sich. Er wirkte ernst, als er die Rampe herunterschritt. Er musste sich nicht umschauen, um all den Pomp zu registrieren, der seinetwegen veranstaltet wurde. Es gefiel ihm durchaus. Sturmtruppen, planetarer Sicherheitskräfte und die von Gouverneur Zesh eingerichtete Blaue Legion standen als unverrückbares Sinnbild der imperialen Ordnung neben planetaren Würdenträgern. Sobald er das Shuttle verlassen hatte, begann eine Kapelle zu spielen. Aren sog diesen Moment in sich auf. Es war das erste Mal, dass er als Moff wirklich einen Regierungsbesuch antrat. Es war ohne Frage ein anderes Gefühl, als als Gouverneur.

Gouverneur Zesh wartete bereits einige Meter von der Rampe entfernt, umgeben von seinen engsten und hochrangigsten Mitarbeitern, wie Aren vermutete. Aren schritt ihm entgegen und blickte ihm in die Augen, während sich auf seinem Gesicht die Andeutung eines Lächelns abzeichnete. Erst als er direkt vor dem Mann stand, welcher ihm ebenfalls entgegen gekommen war, lächelte er tatsächlich und reichte ihm die Hand zur Begrüßung.


,,Gouverneur Zesh, es ist mir eine Freude euch endlich persönlich zu treffen. Ein äußerst gelungener Empfang, Prefsbelt IV macht ohne Frage einen wahrlich guten ersten Eindruck."

Aren deutete mit einer Geste um sich herum und nahm sich den Moment, um nun erstmals für einen kurzen Augenblick nun auch selbst seine Augen über die Szenerie schweifen zu lassen. Der Gouverneur wusste ohne Frage, wie man Dinge richtig in Szene setzen konnte.

,,Anders als angekündigt kann meine Verlobte leider noch nicht dabei sein, Sie fühlt sich etwas unpässlich und verweilt derzeit noch auf der "Heart of Prefsbelt"."

Mit einem kurzen Fingerzeig wies Aren in Richtung der Sternenzerstörer über Blue One.

,,Ich hoffe aber, dass Sie später, gegen Abend, sich besser fühlt und zu uns dazustoßen kann."

Aren lächelte leicht in Richtung des Gouverneurs und atmete einmal kurz durch. Sollte der Rest dieses Besuchs ebenfalls so gut inszeniert sein, würde er vielleicht doch wirklich etwas auf andere, positivere Gedanken kommen.

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Raumhafen | VIP-Hangarbucht ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Büro im Amt für Vergabewesen Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ

Die folgenden Stunden verbrachte Nerio Kreeger mit jener stilleren, unerquicklicheren Form der Gewalt, die im Imperialen Sicherheitsdienst oft wirkungsvoller war als jede Zwangsmaßnahme: Mit dem geduldigen Auseinandernehmen eines Systems, das über Jahre hinweg gelernt hatte, seine eigenen Anomalien in Verwaltungsprosa aufzulösen. Der Arbeitsraum, den man ihm zugeteilt hatte, lag inzwischen im Halbdunkel. Nur die Projektionsflächen auf der Wand und das kalte Licht seines Datenpads warfen scharfe, bleiche Kanten über Tisch, Hände und Gesicht, während Schichten aus Akten, Freigaben, Veranstaltungsprotokollen, Transportmeldungen und öffentlich zugänglichen HoloNet-Hinweisen sich vor ihm zu einem neuen, tiefer reichenden Befund zu ordnen begannen. Kreeger arbeitete nicht in der Hoffnung auf den einen belastenden Satz, die eine kompromittierende Unterschrift, den einen Namen, der alles erklärte. Er suchte nach Rhythmen, nach jenen feinen, unscheinbaren Übereinstimmungen zwischen öffentlicher Oberfläche und internem Materialfluss, die einen Apparat verrieten, lange bevor ein Mensch es tat.
Er legte die Sonderfreigaben aus
Sellia Drays früherer Abteilung neben die protokollarisch erfassten Gouverneursveranstaltungen der letzten beiden Standardjahre unter Robert Kern und glich sie mit einer Sorgfalt ab, die an Obsession grenzte, ohne je die Grenze zur Unordnung zu überschreiten. Empfänge, die offiziell einen überschaubaren Rahmen gehabt hatten, zogen plötzlich zusätzliche Lichtsysteme, mobile Sichtschutzmodule, kurzfristige Sonderkontingente an Kommunikationszubehör und Sicherheitsmarkierungen nach sich, die in keinem Verhältnis zu dem standen, was das HoloNet später als bloße Repräsentation verzeichnete. Ein Empfang für lokale Industrievertreter. Eine Ehrung für Veteranen der Blauen Legion. Zwei protokollarische Abendveranstaltungen ohne nennenswerte Außenwirkung. Auf den ersten Blick harmlose Datenpunkte. Auf den zweiten eine Folge stiller Aufblähungen, die sich stets über dieselben administrativen Arterien in Bewegung gesetzt hatten. Nicht groß genug, um Alarm auszulösen. Nicht klein genug, um belanglos zu sein.

Kreeger vergrößerte eine Reihe von Zeitfenstern und zog zusätzlich die offenen Quellen heran, auf die andere oft mit einem leisen Anflug von Geringschätzung blickten, weil sie öffentlich waren und deshalb als ungefährlich galten. Lokale HoloNet-Meldungen über die Vorgänge in der Verwaltung erwiesen sich als geschönt und wenig aufschlussreich. Unscheinbare Kurzhinweise zu Verkehrslenkungen hingegen waren da fruchtbarer, denn sie offenbarten ein System aus Lieferungen, doch wo gingen diese hin? Aus öffentlichen Hinweise auf temporäre Zufahrtsbeschränkungen konnte er erkennen, dass die Umleitungen dieser Waren immer wieder die Oberfläche des Planeten verließen und in Tunnelsysteme unterhalb der Oberfläche führten. Bilder aus regionalen Pressearchiven, aufgenommen am Rande von Gouverneursveranstaltungen zeigten Dray mit Funktionären aus der Wirtschaft, beispielsweise Danos Vrek, deren eigentliche Aussage nie im Zentrum der Berichterstattung gestanden hatte. Doch Vrek, so recherchierte er weiter, war ein ausgefuchstes Kerlchen. Einer Anamnese gleich stellte sich heraus, dass Vrek als aggressiver Investor galt und kürzlich interne Dokumente des ISB herausgefunden hatten, dass dieser über Strohmänner mehrere Grundstücke in Blue One und Prefsbelt Green kontrollierte. Auffällig war dabei, dass Vrek während Kerns Herrschaft mehrfach Enteignungen zu seinem Vorteil beschleunigen lassen konnte. Doch Kreeger entdeckte noch eine Auffälligkeit: In einem dieser Ausschnitte, eine schlechte Außenaufnahme, überbelichtet, inhaltlich eigentlich wertlos, erkannte er im Hintergrund die Konturen eines modularen Sichtschutzsystems der Firma Kaas Solutions Inc., das in den internen Freigaben als dekorative Maßnahme für einen protokollarischen Empfang geführt worden war. Dekorativ. Er ließ sich das Wort in Gedanken auf der Zunge zergehen wie einen Befund, der noch nicht ausgesprochen, aber bereits endgültig war. Niemand bestellte in dieser Größenordnung Sichtschutz, um Würdenträger vor einem Windzug zu bewahren. Kaas Solutions Inc. war vor allem wegen der vermögenden Witwe Mirelle Kaas in den Schlagzeilen der Regenbogenpresse Prefsbelt IV. Eine interessante Wechselwirkung, die sich hier offenbarte.

Ein Signalton durchschnitt die Stille des Raumes. Interne Prioritätsstufe.
Kreeger öffnete die Meldung, und für den Bruchteil eines Augenblicks trat etwas in seinen Blick, das bei einem weniger kontrollierten Mann Ungeduld genannt worden wäre. Master Agent Corvin Threx verlangte einen Zwischenstand zum Ende des Zyklus, schriftlich und knapp, ohne methodische Exkurse. Andere lieferten bereits Sichtbares. Andere würden mit Namen, Zugriffen und unmittelbaren Verdachtsmomenten aufwarten. Wer sich unter solchen Bedingungen noch immer mit Systemlogik befasste, tat gut daran, bald etwas vorzulegen, das sich nicht nur denken, sondern auch verwerten ließ.

Kreeger stand wenige Minuten später selbst wieder in Bewegung. Er wollte aus den Daten nun eine Richtung extrahieren, die den nächsten Schnitt verlangte. Die Sonderfreigaben mussten aus dem Bereich abstrakter Verwaltungslogik heraus und in die Hände jener Menschen zurückgeführt werden, die sie körperlich in die Welt getragen hatten. Nicht der hohe Apparat, zurück zu denjenigen, die Kisten sahen, Versiegelungen entgegennahmen, Zugangsslots umprogrammierten und doch nie gelernt hatten, dass ihr Gedächtnis eines Tages Beweiswert erlangen könnte.
Sein erster Halt war die interne Ausgabestelle für Veranstaltungs- und Sicherungsmaterial, ein nüchterner, langgestreckter Bereich im Untergeschoss des Komplexes, in dem Metallregale, Materialscanner und Transportkarren in so geordneter Weise nebeneinanderstanden, dass die ganze Szenerie den Eindruck erweckte, Ordnung sei hier nicht bloß Arbeitsprinzip, sondern moralische Forderung. Dort ließ er sich den zuständigen Schichtkoordinator kommen: einen Mann namens
Tavin Resk, untersetzt, früh ergraut, mit den schweren Lidern und jener vorsichtigen Bewegungsarmut, wie sie Menschen entwickelten, die viele Jahre lang gelernt hatten, Verantwortung in kleinen Dosen zu tragen, aber jede Form von Sichtbarkeit zu meiden.

Resk war zunächst höflich, beinahe stumpf korrekt. Ja, Sonderbedarfe habe es gegeben. Ja, Veranstaltungsaufträge seien naturgemäß oft kurzfristig erfolgt. Ja, unter Gouverneur Kern habe man besondere Prioritäten gekannt. Kreeger unterbrach ihn nicht. Er fragte nach nichts, was Resk nicht sofort hätte beantworten können. Stattdessen ließ er sich die Routinen erklären: Wer welche Codes freigab, welche Marker auf Frachtlisten eine beschleunigte Bearbeitung auslösten und wie Material zwischen dekorativen und sicherheitsrelevanten Verwendungszwecken unterschiedslos verschoben werden konnte, sofern die Einstufung bereits in den Oberlagen verändert worden war. Erst als Resk sich in der Monotonie seiner eigenen Fachsprache eingerichtet hatte, setzte Kreeger den ersten wirklich präzisen Reiz.

„Und wenn“, fragte er mit jener fast beiläufigen Ruhe, die in Wahrheit das Gegenteil von Beiläufigkeit war, „ein Veranstaltungsbedarf formell protokollarisch, faktisch aber sicherheitsrelevant behandelt werden sollte, woran hätten Sie das erkannt?“

Resk hob den Blick. Nur kurz. Nur zu kurz. Doch genau darin lag die Antwort.

„An gar nichts“, sagte er nach einem Atemzug. „Wenn die Kennzeichnung von oben sauber gesetzt war, lief der Vorgang als Veranstaltungsbedarf.“

„Sauber gesetzt“, wiederholte Kreeger.

„Mit Zusatzmarkern.“ Resk zögerte. „Interne Prioritätskürzel. Nicht für uns erklärt.“ führte er weiter mit beinahe bürokratischer Knappheit aus.

„Bekannt durch wen?“


„Man... wusste es irgendwann einfach.“ Wieder dieses gefährliche Wort: Irgendwann. Kein Anfang, keine Entscheidung, kein Täter. Nur Gewöhnung in der Verschleierung. „Wenn etwas aus der Beschaffungsstelle mit bestimmten Zusatzfreigaben kam, stellte niemand weitere Fragen. Nicht, wenn man seinen Bereich behalten wollte.“

Das war mehr, als
Resk beabsichtigt hatte. Kreeger sah es im Moment danach, in dem der Mann zu begriffsstutzig wirkte, um sein eigenes Abrutschen noch zu kaschieren. Also drängte er nicht nach. Er ließ ihn stattdessen Dokumente nachreichen, Kopien alter Ausgabemarkierungen, interne Kurzlisten von Materialgruppen, die wiederholt unter protokollarischer Tarnung ausgegeben worden waren. Nichts davon war für sich genommen spektakulär. In ihrer Summe jedoch schälte sich etwas heraus, das gefährlicher war als direkte Beihilfe: Eine administrative Technik der Verschleierung, die es erlaubte, sicherheitsrelevante Bewegungen im Kleid bloßer Repräsentation durch den Apparat zu schleusen.

Von dort führte ihn die Spur weiter, nicht zu einer zweiten großen Befragung, sondern zu einem Test.
Kreeger kehrte in seinen Arbeitsraum zurück und formulierte mit äußerster Sorgfalt eine interne Anforderung, klein genug, um keinen offenen Alarm auszulösen, aber präzise genug, um alte Reflexe zu reizen. Es handelte sich um eine harmlose Materialnachfrage für eine fiktive protokollarische Sichtung. Nichts, das echte Relevanz besaß , versehen jedoch mit einem jener Zusatzmarker, die in den alten Sonderfreigaben aufgetaucht waren. Dann speiste er den Vorgang nicht in den offiziellen Untersuchungsfluss ein, sondern in einen Nebenkanal, wie er ihn aus den historischen Akten rekonstruiert hatte. Danach tat er das, was viele Ermittler am wenigsten beherrschten: Er wartete. Nicht lange. Keine zwei Standardstunden später erhielt er die erste Reaktion. Die Anforderung war nicht regulär weitergeleitet worden. Sie war aus dem offenen Lauf genommen, intern umetikettiert und auf einen stillen Prüfpfad verschoben worden, der in keinem aktuellen Standardhandbuch auftauchte, wohl aber fast deckungsgleich mit jener administrativen Logik verlief, die unter Robert Kern Sonderfreigaben entlastet hatte. Das alte Verfahren war also nicht tot. Es arbeitete noch. Vielleicht, weil Menschen in Apparaten selten aufhörten, nützliche Abkürzungen zu benutzen, nur weil die Verwaltungsspitze wechselte.

Kreeger saß reglos, während die entsprechenden Daten auf seiner Projektion aufglommen, und empfand jene kalte, schmale Form von Genugtuung, die bei ihm nie Freude war, sondern die Bestätigung eines Befundes. Sellia Dray war damit noch nicht greifbar, nicht direkt. Aber der Raum um sie herum hatte begonnen, Gestalt anzunehmen. Ihre Sonderfreigaben waren keine isolierten Verwaltungsvorgänge gewesen. Sie gehörten zu einem Verfahren. Und dieses Verfahren lebte weiter, leiser vielleicht, vorsichtiger, namenloser aber nicht weniger gefährlich.

Als er schließlich den ersten knappen Zwischenbericht für
Corvin Threx formulierte, erwähnte er weder jede Vermutung noch jede Richtung. Dafür war es zu früh. Doch eines schrieb er mit jener kontrollierten Klarheit, die im ISB mehr Gewicht besaß als jedes rhetorische Ornament: Unter der früheren Gouverneursverwaltung existierte auf Prefsbelt IV ein administrativer Mechanismus, mit dem Sonderbedarfe unter protokollarischer Tarnung beschleunigt und aus der regulären Prüftiefe herausgenommen werden konnten. Vorläufige Indizien deuteten darauf hin, dass dieser Mechanismus nicht vollständig beseitigt worden war.

Dann sandte er die Nachricht ab, legte die Hände ineinander und sah auf die langsam rotierende Projektion der verschobenen Vorgänge. Irgendwo in diesem Geflecht aus Kennziffern, Gewohnheiten und stillen Dienstwegen lag nicht nur der Schatten Robert Kerns, sondern auch der Punkt, an dem aus bloßer Mitwirkung wieder aktive Gegenwart werden konnte.
Nerio Kreeger wusste, mit jener nüchternen Schärfe, die in ihm jedes Mal aufstieg, wenn eine Untersuchung begann, sich gegen die Gegenwart zu wenden, dass Prefsbelt IV aufgehört hatte, ein bloßer Nachsorgefall zu sein. Der Patient zeigte wieder frische Symptome.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Büro im Amt für Vergabewesen Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Raumhafen ] Theranos Zesh, Aren Vayliuar, sowie NPC´s Legat Gregor Bayl, Legat Veran Koss, Commander Rethan Vaal.



Theranos hatte seine Position eingenommen, doch bevor sich der Moment vollständig entfaltete, ließ er den Blick noch einmal über die gesamte Szenerie gleiten, langsam, aufmerksam, mit jener inneren Gewohnheit, die ihn selbst in den letzten Augenblicken dazu brachte, jedes Detail ein weiteres Mal aufzunehme. Als würde sich in der Wiederholung eine zusätzliche Klarheit finden lassen, während sich vor ihm die geordnete Weite der Landebucht öffnete und sich dahinter die Formationen, die geladenen Gäste und die jenseits der Absperrungen versammelte Bevölkerung zu einem geschlossenen Gesamtbild verbanden.
Für einen kurzen Moment ließ er diesen Eindruck auf sich wirken und nahm bewusst wahr, was in den vergangenen Tagen entstanden war, wie sich Planung, Abstimmung und Ausführung ineinandergefügt hatten, bis aus einzelnen Maßnahmen eine Struktur geworden war, die sich nun ohne Brüche präsentierte, getragen von der ruhigen Bewegung der Einheiten, der exakten Platzierung der Kameraplattformen und dem Zusammenspiel von Licht, Klang und Präsenz, das sich über die gesamte Anlage spannte.

Sein Blick folgte den Linien der Banner, wanderte über die gestaffelten Reihen der Blauen Legion, blieb für einen Augenblick an den Offizieren hängen, die letzte Feinabstimmungen vornahmen, und fand schließlich die Kapelle, die ihre Formation änderte und sich in jene Position brachte, die den Moment der Ankunft begleiten würde, während sich ihre Bewegungen in denselben Rhythmus einfügten, der die gesamte Szenerie bestimmte.
Ein letzter prüfender Gedanke zog durch seinen Kopf, leise, kaum greifbar, die Frage, ob irgendwo noch eine kleine Unschärfe verborgen lag, ein Detail, das sich noch feiner hätte setzen lassen, doch dieser Gedanke löste sich ebenso ruhig wieder auf, wie er entstanden war.

Dann senkte sich bereits die Lambda-Fähre.
Zunächst als Bewegung in der Höhe wahrnehmbar, dann klarer, greifbarer, als die Konturen der Lambda-Fähre aus dem Licht traten und langsam in die Landebucht glitten, begleitet von dem tiefen, vibrierenden Klang der Triebwerke, der sich über die Fläche legte und den Moment unmissverständlich markierte.

Theranos richtete sich unmerklich auf, während sein Blick nun fest auf die Fähre gerichtet blieb, und in diesem Augenblick zeigte sich eine Spannung, die sich von der ruhigen Kontrolle der vergangenen Tage unterschied, feiner, persönlicher, während sich seine Hände für einen Moment leicht feucht anfühlten und sein Herz einen spürbar schnelleren Rhythmus annahm.
Er kannte diesen Mann. Aus Gesprächen, aus Entscheidungen, aus Verbindungen, die über Distanz entstanden waren und dennoch Gewicht hatten, während sich nun zum ersten Mal die tatsächliche Begegnung in greifbare Nähe rückte, getragen von der Bedeutung, die dieser Moment für ihn selbst besaß.
Zusätzlich hatten sie eine weitere Verbindung durch den Vater von Theranos, der mit dem Moff vor ein paar Jahren gemeinsame Geschäfte gemacht hatte. Was lt. Theranos Meinung sicher auch dazu beigetragen hatte, das er diesen Posten überhaupt bekommen hatte.

Ein leiser Atemzug folgte, mehr inneres Ordnen als sichtbare Bewegung, während sich diese Spannung in jene Form brachte, die sein Auftreten bestimmte.

Die Rampe der Fähre senkte sich mit ruhiger Gelassenheit, während sich entlang des ausgerollten Teppichs die Formationen strafften. Gewehre synchron in eingeübter Präzision und sich das Spalier zu beiden Seiten in eine geschlossene Haltung brachte, während die Kapelle einsetzte und der Klang sich über die Fläche legte, klar, getragen und fest im Gesamtbild verankert.
Die ersten Gardisten traten aus der Fähre, ihre Bewegungen exakt abgestimmt, ihre Präsenz ruhig und sicher, während sich die Aufmerksamkeit der gesamten Umgebung auf den Ausgang der Rampe konzentrierte und sich der Moment weiter verdichtete.

Dann erschien der Moff.


Theranos ließ einen kurzen Abstand vergehen, genau gesetzt, eingebettet in den Ablauf, bevor er sich in Bewegung setzte, ruhig, gleichmäßig, während er dem Moff entgegenging.
Der Gouverneur trat ihm die letzten Schritte entgegen, getragen von jener ruhigen Präzision, die sich aus Haltung und innerer Ordnung ergab, während sein Blick sich direkt auf Aren richtete und dort für einen Moment verweilte.

Als Aren ihm die Hand reichte, erwiderte Theranos diese Geste ohne Zögern, fest und kontrolliert, während sich in seinem Gesicht eine ruhige, aufrichtige Höflichkeit zeigte, die aus seiner Disziplin heraus entstand.


„Moff Vayliuar“, begann er mit klarer, ruhiger Stimme, „die Freude ist ganz auf meiner Seite.“
Für einen Moment ließ er den Blick gemeinsam mit Aren über die Szenerie schweifen, über die aufgestellten Formationen, die Banner und die wartende Bevölkerung, während die Musik der Kapelle den Raum erfüllte und dem Moment eine zusätzliche Tiefe verlieh.

„Prefsbelt IV ist geehrt, Euch hier begrüßen zu dürfen“, setzte er fort, begleitet von einem leichten Nicken, „und es war mir ein persönliches Anliegen, diesem Anlass den Rahmen zu geben, der seiner Bedeutung gerecht wird.“
Als Aren die Abwesenheit seiner Verlobten erwähnte, reagierte Theranos mit einer feinen Anpassung in seiner Aufmerksamkeit und neigte leicht den Kopf und verzog leicht das Gesicht.

„Ich hoffe sehr, dass es sich um nichts Ernstes handelt“, erwiderte er ruhig, „und selbstverständlich kann Ihre Gattin jederzeit im Hangar des Gouverneurspalastes landen, sollte sie sich später entscheiden, zu uns zu stoßen.“
Ein kurzer Moment der Ruhe entstand, getragen vom gleichmäßigen Klang der Umgebung und dem entfernten Dröhnen der TIE-Jäger am Himmel.
Theranos löste die Hand des Moffs in einer fließenden Bewegung und wandte sich leicht zur Seite, sodass sich der Blick in Richtung der vorbereiteten Route öffnete, an deren Beginn die Straße vor dem Raumhafen und die Cabrio-Schwebelimousine wartete.


„Wenn Ihr gestattet“, sagte er, während seine Hand ruhig die Richtung vorgab, „würde ich Euch nun durch Blue One begleiten, damit Ihr Euch selbst ein Bild von der Entwicklung des Planeten machen könnt.“
Sein Blick kehrte noch einmal kurz zu Aren zurück, ruhig, sicher.
„Die Stadt und Ihre Bevölkerung freuen sich darauf Euch willkommen zu heißen.“

Theranos sich in Bewegung, während sich hinter ihnen die Reihen schlossen, die Musik ihren Höhepunkt hielt und der nächste Abschnitt dieses Tages begann. Dann blickte er wieder zu Moff Vayliuar, "Ich hoffe ihre Reise nach Prefsbelt IV, war nicht allzu erschwerlich, werter Moff?"



[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Raumhafen ] Theranos Zesh, Aren Vayliuar, sowie NPC´s Legat Gregor Bayl, Legat Veran Koss, Commander Rethan Vaal.
 
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Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Büro im Amt für Vergabewesen Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ

Die erste wirkliche Beschleunigung der Sache kam nicht in Gestalt einer Aussage, sondern in einer Reaktion, die so klein war, dass ein unaufmerksamer Ermittler sie womöglich für bloßes Systemrauschen gehalten hätte. Agent Kreeger hatte den Zwischenbericht an Master Agent Corvin Threx bereits abgesandt und wollte die Projektion der umetikettierten Vorgänge eben auf einen engeren Ausschnitt reduzieren, als in einem der unteren Datenstränge ein kaum sichtbarer Nebenausschlag erschien: Seine fingierte Anforderung war nicht nur auf den stillen Prüfpfad verschoben, sondern in einem zweiten Schritt mit einer Altstruktur abgeglichen worden, die in keinem aktuellen Organigramm der Verwaltung mehr offen auftauchte. Jemand hatte, fast unmittelbar nach der Umleitung, die historischen Routingtabellen der Unterflurtransporte geöffnet, die Materialgruppen des alten Veranstaltungsbestands mit früheren Sichtschutzsystemen der Firma Kaas Solutions Inc. gegengeprüft und sodann zwei Grundstückscluster aufgerufen, deren Kennungen Kreeger bereits aus den Unterlagen zu Danos Vrek kannte: Parzellen in Blue One und Prefsbelt Green, vormals kommunal, später nach beschleunigten Enteignungsverfahren in Besitz von Strohmännern überführt. Man hätte es als bloße, plumpe Panikreaktion lesen können, doch war etwas weit Präziseres und deshalb Beunruhigenderes hier geschehen: Ein alter Reflex, noch immer lebendig genug, um auf den richtigen Reiz sofort mit Kontrolle zu antworten hatte hier ein Lebenszeichen gegeben.
Kreeger verharrte, seine Augen gebannt auf den Bildschirm geheftet, während die Daten auf seiner Sichtfläche aufglommen und wieder abebbten, wie die Ausschläge eines Patientenmonitors, die einem kundigen Auge verrieten, dass unter sedierter Oberfläche noch immer Erregbarkeit vorhanden war. Dann stand er mit jener ruhigen Konsequenz auf, mit der ein Diagnostiker den Moment erkennt, an dem Beobachtung allein in Nachlässigkeit umzuschlagen droht. Wenn das System auf seinen Köder mit einem Blick in die Tunnelkarten und Vreks Grundstücksstrukturen reagierte, dann bedeutete dies zweierlei: Erstens, dass die alten Wege nicht nur in Akten, sondern in gegenwärtigen Abläufen fortlebten. Zweitens, dass jemand in diesem Apparat genau wusste, wo die empfindlichen Stellen lagen.

Der Weg führte ihn tiefer in das Verwaltungszentrum hinab, vorbei an den helleren, saubereren Etagen der repräsentativen Abteilungen, hinunter in jene älteren Sektoren, in denen die Architektur nicht mehr vorgab, Macht müsse sich in Glätte ausdrücken, sondern nur noch Funktion kannte. Die Wände wurden schmaler, das Licht härter, die Luft trockener. Hinter versiegelten Sichtscheiben verliefen Leitungsschächte, Wartungsgänge und Datenknoten, deren eigentliche Bedeutung nie in den offiziellen Lageplänen verzeichnet war, weil Städte wie Prefsbelt City unter ihrer Oberfläche immer mehr verbargen, als sie an ihrer sichtbaren Gestalt zugaben.
Kreeger folgte einer Reaktionskette: Vom stillen Prüfpfad zur Materialrevision, von dort weiter zu einem Tunnelroutenknoten, der formal dem zivilen Verkehrsmanagement unterstand, tatsächlich aber seit Jahren als Pufferzone für all jene Bewegungen gedient hatte, die in der offiziellen Logik des Planeten keine offene Sprache finden sollten.
Der Knotenpunkt selbst lag hinter einer unauffälligen Sicherheitsschleuse im Untergeschoss eines Versorgungstrakts, dessen Beschilderung so unerquicklich nüchtern war, dass man darüber leicht vergaß, wie viel Macht in unscheinbaren Verwaltungsbezeichnungen lag. Unterflächenlogistik – Sektor C/7. Als sich die Tür zischend vor ihm öffnete, empfing ihn ein Raum von jener unpersönlichen Zweckmäßigkeit, in der Menschen klein wirkten, selbst wenn sie darin arbeiteten. Drei Sichtterminals. Zwei Archivsäulen. Ein halb geöffneter Schredderbehälter. Die Luft roch nach erhitzter Elektronik und dem feinen, trockenen Staub von Kunststofffaserpapier.
Doch der Agent war nicht alleine und fand genau die Wunde, die das System ausblutete. Am seitlichen Archivpult stand ein Mann in der grauen Dienstkleidung der unteren Koordinationsstufen, den Rücken
Kreeger zugewandt, den Arm noch halb ausgestreckt zu einer Konsole, auf deren Oberfläche sich die letzten Schritte einer hastigen Sitzung abzeichneten. Der Mann fuhr herum, nicht mit der panischen Übertreibung eines Schuldigen, sondern mit der schlechter verborgenen Erstarrung eines Beamten, der in der Routine ertappt wird, aus der er sein ganzes berufliches Selbstverständnis bezogen hatte. Sein Dienstausweis identifizierte ihn als Iven Sall, Leitungsassistent für Unterflurtransport und Materialumlagerung.

„Oh, hoher Besuch von oben.“, sagte Sall mit einer Trockenheit, die den Witz in seiner Aussage konterkarierte, und verriet, dass seine Gedanken schneller liefen, als sein Gesicht sie bereits glätten konnte. Ein Blick auf die Uniform Kreegers veränderte etwas in der Körperhaltung des Mannes. „Ich wusste nicht, dass dieser Knoten für die laufende Untersuchung freigegeben ist.“

„Das wussten Sie vor drei Minuten auch noch nicht“, erwiderte Kreeger gelassen, während sein Blick über die geöffnete Konsole wanderte. Er trat nicht drohend näher. Der Agent von Hosnian Prime hatte nie verstanden, warum so viele Vernehmer glaubten, Körperdruck sei wirksamer als die Erfahrung, bereits gelesen worden zu sein. „Und doch hielten Sie es für nötig, historische Routentabellen mit Grundstückskennungen aus Blue One und Prefsbelt Green abzugleichen, unmittelbar nachdem eine intern markierte Anforderung auf Ihrem Prüfpfad auftauchte. Das ist, wenn Sie mir die Bemerkung gestatten, ein ungewöhnlich reges Interesse für einen Bereich, der angeblich nur technische Durchleitung betreibt.“

Sall öffnete den Mund, schloss ihn wieder und versuchte dann den Umweg über formale Korrektheit, den Menschen seiner Art gern einschlugen, wenn sie hofften, Präzision könne Schutz gewähren. „Es handelt sich um eine Altstrukturprüfung. Bestimmte Kennungen lösen automatisierte Vergleichsvorgänge aus. Ich habe lediglich kontrolliert, ob ein veralteter Marker irrtümlich weiter aktiv ist.“

„Und ist er das?“

Die Frage kam so mild, dass sie beinahe teilnahmslos wirkte und deshalb war sie schwerer abzuwehren. Sall sah zu lange auf das Terminal, bevor er antwortete.

„Offenbar.“

Kreeger trat an die Konsole. Die Anzeige war nicht vollständig geleert worden. Eine Sitzung wurde geschlossen, doch der Speicher war nicht sauber genug bereinigt, um einem geübten Auge die Richtung zu nehmen. Da waren die alten Marker der Beschaffungsstelle. Die internen Zusatzfreigaben, die Tavin Resk beschrieben hatte. Da waren die Produktkataloge von Kaas Solutions Inc., in denen modulare Sichtschutzsysteme, mobile Abschirmfelder und temporäre Kommunikationshüllen in derselben nüchternen Sprache beschrieben wurden, mit der man anderswo Gartenbeleuchtung oder Bankettmobiliar auswies. Und da waren die Tunnelkorridore unter Blue One und Prefsbelt Green, mehrfach als temporäre Einlagerungs- oder Umleitungsräume markiert, stets im engen zeitlichen Umfeld jener protokollarischen Gouverneursveranstaltungen, deren äußerer Aufwand im HoloNet nie den internen Materialfluss erklärt hatte.

„Dekorative Maßnahme“, sagte Kreeger leise, mehr zu den Daten als zu Sall. „Ein hübscher Ausdruck für etwas, das man tief genug unter die Oberfläche bringen will, damit niemand es mehr als sicherheitsrelevant lesen muss.“

Sall schwieg. Seine Hände waren still geworden, doch nicht aus Ruhe; es war die regungslose Vorsicht eines Mannes, der ahnte, dass jeder weitere Satz seine Position verschlechtern würde, während das Schweigen längst aufgehört hatte, ihn zu schützen.

Der Agent des ISB sah ihn nun direkt an.
Wann haben Sie gelernt, dass diese Marker keine Fragen nach sich ziehen?“

Es war nicht die Art von Frage, auf die man sich vorbereiten konnte. Nicht, weil sie kompliziert gewesen wäre, sondern weil sie auf den wunden Punkt zielte: auf den Übergang von Anweisung zu Gewöhnung.

„Ich habe gar nichts gelernt“, sagte Sall zu schnell. „Es war einfach bekannt, dass bestimmte protokollarische Bedarfe nicht offen im Standardlauf bleiben sollten.“

„Bekannt durch wen?“

„Durch die Praxis.“

Kreegers Mundwinkel hoben sich um kaum mehr als den Schatten eines Lächelns. „Die Praxis. Verwaltungen lieben dieses Wort. Es klingt so gesund, selbst wenn es sich längst um eine chronische Infektion handelt.“

Sall schluckte sichtbar. Kreeger ließ ihn darin nicht schmoren.

„Hören Sie gut zu“, sagte er mit unveränderter Ruhe. „Ich untersuche im Augenblick weder Ihre persönliche Verantwortung noch die Frage, wie viele Menschen unter Robert Kern bewusst gehandelt und wie viele nur gehorcht haben. Mich interessiert, warum mein Testlauf heute sofort einen Blick auf diese Knoten ausgelöst hat. Wer wird benachrichtigt, wenn ein alter Marker wieder auftaucht?“

Jetzt kam die Antwort nicht mehr aus Trotzlosigkeit, sondern aus jener müden Einsicht, mit der Menschen sprechen, wenn sie begreifen, dass ihre eigenen Routinen bereits mehr verraten haben als jede Verteidigung. „Die Benachrichtigung läuft über eine alte Bereinigungsschleife“, sagte Sall. „Sie hängt formal an der Materialrevision. Eigentlich sollte sie seit Monaten abgeschaltet sein. Ist sie aber nicht.“

„Materialrevision“, wiederholte Kreeger. „Welcher Untersektor?“

Sall nannte die Kennung. Es war derselbe Bereich, in den Sellia Dray vor sechs Monaten versetzt worden war.

Einen Augenblick lang sagte
Kreeger nichts. Vor ihm verdichteten sich die Linien mit fast unangenehmer Klarheit. Drays frühere Sonderfreigaben. Kaas Solutions als Lieferant eines Materials, das öffentlich wie protokollarische Dekoration und intern wie operative Abschirmung behandelt worden war. Vreks beschleunigt gesicherte Grundstücke, unter denen Tunnelabschnitte lagen, die man wiederholt mit genau diesen Bedarfen gespeist hatte. Und nun eine noch immer aktive Bereinigungsschleife in eben jener administrativen Peripherie, in die Dray später versetzt worden war. Das war noch kein Beweis für persönliche Steuerung. Aber es war mehr als ein Zusammenhang. Es war ein Nerv.

Kreegers Blick fiel auf einen halbausgegebenen Papierstreifen im Schredderbehälter. Er zog ihn mit behandschuhter Ruhe heraus, strich die geknickten Fasern auseinander und las die Reste eines Ausdrucks, der zu hastig vernichtet worden war, um gründlich zu sein: KSI-Sichtmodul 7B / Umlagerung bestätigt / Zielknoten PBG-12 / Nachverarbeitung gemäß Legacy-Protokoll S.D.-4. Es konnte vieles bedeuten. Eine Serienkennung. Ein Altprotokoll. Ein Kürzel ohne Personbezug. Und doch war die Nähe zu Sellia Dray zu präzise, um sie als Zufall zu behandeln.

„Sie werden jetzt gar nichts weiter tun“, sagte Kreeger zu Sall, beinahe sanft. „Sie werden dieses Terminal sperren, die Sitzung nicht löschen, niemanden anrufen und niemanden warnen. Danach übermitteln Sie mir die vollständige Historie dieser Bereinigungsschleife, einschließlich aller Empfänger, Zeitstempel und Altprotokollreferenzen. Wenn Sie es sauber tun, behandeln wir Ihre Rolle als das, was sie im Moment vielleicht noch ist: ein Symptom. Wenn nicht, muss ich darüber nachdenken, ob Sie nicht längst Teil des Erregers sind.“

Sall nickte, zu erschöpft, um noch die Fassung eines pflichtgetreuen Technikers aufrechtzuerhalten. Es wäre zu auffällig gewesen den Mann jetzt festnehmen zu lassen. Es hätte genau jenen Staub aufgewirbelt, der ihn sichtbar gemacht hätte. Stattdessen würde er in seinem Bericht die Festnahme zu einem späteren Zeitpunkt anordnen um den Virus aus dem System mit all' seinen Nebenerscheinungen zu jagen.

Als
Kreeger wenig später den Knotenpunkt wieder verließ, war die Sache nicht einfacher geworden, aber schärfer. Der Planet hatte auf seinen Reiz reagiert, und die Reaktion hatte nicht in eine einzelne schuldige Hand geführt, sondern in eine noch aktive Leitungsbahn, die alte Gewohnheit mit gegenwärtiger Bereinigung verband. Tief unter der Oberfläche von Prefsbelt IV verliefen nicht nur Tunnel für Material und Versorgung. Dort unten bewegten sich auch die Nachwirkungen von Robert Kerns Herrschaft, in technischen Kennungen, verschwiegenen Nebenläufen und jenen stillen administrativen Reflexen, die eine Krankheit am Leben hielten, selbst nachdem man ihren sichtbarsten Träger entfernt hatte. Und zum ersten Mal seit Beginn der Untersuchung hatte Nerio Kreeger das Gefühl, nicht mehr bloß den Schatten eines Systems zu betrachten, sondern seine noch warme Spur.

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[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Raumhafen | VIP-Hangarbucht ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh

Den Mann, der ihm gegenüber stand, kannte Aren bisher nur aus Akten, doch das Bild, welches diese zeichneten schien durchaus akkurat zu sein. Ein durch und durch kontrollierter Mensch. Arens Taktik war oft, auf eine gewisse Herzlichkeit und Kollegialität bei ersten Kennenlernen zu setzen, auch wenn diese natürlich nicht von fehlender Professionalität oder Ernsthaftigkeit geschmälert wurde. Gouverneur Zesh schien eher in die Richtung eines Agustin zu gehen, auch wenn ihn von dessen Kälte noch viele Welten trennten. Aber Zesh schien Effizienz, Ordnung und Kontrolle durchaus wichtig zu sein. Dies sagte nicht nur sein Gesicht und seine Haltung aus, sondern ebenso die penibel abgestimmte Szenerie, die sie umgab und die Aren schon begutachtet hatte. Er kannte sowas nur all zu gut, doch hier wirkte alles beinahe wie mit einem Lineal nochmal feinsäuberlich abgestimmt. Das Lob, welches Aren im Hinblick auf diesen Empfang abgab, wurde mit einer, wie Aren vermutete, durch und durch ehrlichen Antwort quittiert. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass hier der Gouverneur selbst sich sehr um diesen Empfang bemüht hatte.

Kurz musste Aren schmunzeln, als Zesh über seine "Gattin". Vor gar nicht all zu langer Zeit, wäre ihm dies noch vollkommen abstrus vorgekommen, wie schnell sich doch alles geändert hatte. Adriana, der Titel des Moffs, die Imperiale Ritterschaft ... sein Leben machte einen Höhensprung nach dem nächsten und die Sorgen, die ihm noch auf dem Flug vom Sternenzerstörer zum Raumhafen beschäftigt hatten, fielen mehr und mehr von ihm ab.


,,Oh nein, keineswegs etwas all zu Ernstes. Sie möchte sich vor allem für den Ball hier auf Prefsbelt erholen und muss auch einiges an Energie für eine Gala auf Truuine sammeln, zu der wir noch eingeladen sind und auf der sie auch einige Eisen im Feuer hat, wenn man das so sagen kann. Aber definitiv nichts Besorgnis erregendes."

Über ihnen sausten TIE-Jäger durch den Himmel und gleichzeitig gab Zesh den Blick frei auf einen roten Teppich, an dessen Ende eine Cabrio-Schwebelimousine wartete. Der Gouverneur schritt voran und erläuterte, dass nun der nächste Programmpunkt eine kurze, repräsentative Tour durch die Hauptstadt des Planeten sei. Aren nickte, fügte aber mit einer gewissen Nachdrücklichkeit noch einen Punkt hinzu, der ihm sehr am Herzen lag.

,,Das klingt nach einem fantastischen Plan, Gouverneur. Besonders interessieren würde mich dabei die militärische Infrastruktur, sowie die Projekte, welche in der Zeit seit eurer Amtseinsetzung gestartet wurden. Sie wissen ja wovon ich spreche. Vielleicht findet sich gerade für letzteres auch später noch Zeit, gerade in der aktuellen Situation mit der Republik kommt all dem doch schneller eine gravierende Bedeutung zu, als manch einer dachte."

Manch einer, aber nicht unbedingt Aren. Er hatte schon gewusst, weshalb er solche Projekte mit einem solchen Nachdruck anstieß und so hoch priorisierte. Während sie in die Limousine einstiegen und dabei hin und wieder den winkenden und jubelnden Volksmassen zuwinkten und lächelten, die die komplette Umgebung säumten, erkundigte sich der Gouverneur nach seiner Reise nach Prefsbelt.

,,Ich kann mich nicht beschweren, Gouverneur Zesh. Heute Morgen gab es noch einige wichtige Meetings auf Yaga-Minor, die leider keinen Aufschub duldeten, danach konnte ich mich ganz dieser Reise dann widmen. Die "Heart of Presbelt" habe ich, für den Fall der Fälle, als Teil der Sektorverteidigung hier her beordert. Sie nehmen eine Lageanalyse vor und werden wahrscheinlich gemeinsam mit mir auch wieder verschwinden, aber das ließ ich ja alles bereits ihrem Büro mitteilen."

Die Limousine hob ab und begann sich die Straße, welche von noch mehr jubelnder Bevölkerung gesäumt wurde, entlang zu schieben. Hinter ihnen verklang dabei mehr und mehr die Musik der Kapelle.

,,Aber wie ich sehe, haben Sie Prefsbelt IV sehr gut im Griff. Ihre Berichte zeichnen ja ein ähnliches Bild. Haben Sie selbst sich denn bereits hier gut eingelebt, fühlen sie sich vielleicht schon heimisch?"

Mit seiner Frage versuchte Aren langsam vorzufühlen, wie bereit Zesh einem eventuellen Wechsel in die Sektorkapitole gegenüberstand. Noch war nichts in Stein gemeißelt, doch es standen immerhin Optionen im Raum, die durchaus eine schlechtere Wahrscheinlichkeit besitzen könnten.


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Noch im Knotenpunkt von Sektor C/7 traf Nerio Kreeger jene Entscheidung, die einen mittelmäßigen Ermittler von einem guten und einen guten von einem gefährlichen unterschied: Er schlug nicht zu. Zumindest nicht sofort. Das Legacy-Protokoll S.D.-4, die Bereinigungsschleife, die Tunnelverweise, die KSI-Sichtmodule und die fast instinktive Art, mit der das System auf seinen Reiz geantwortet hatte, bildeten keinen abgeschlossenen Befund, sondern einen lebenden Kreislauf. Wer in einen solchen Kreislauf zu früh hineinschnitt, erhielt Blut, gewiss, vielleicht sogar genug, um einen Bericht zu füllen und einen Vorgesetzten für einen Augenblick zufriedenzustellen. Doch er verlor dabei oft den einzig wirklich wertvollen Vorteil: Die Möglichkeit, dem Erreger auf seinem natürlichen Weg zu folgen und zu stoppen, statt nur die Symptome zu bekämpfen. Also sicherte Agent Kreeger mit jener trockenen Präzision, die ihn nie verlassen hatte, jede Schicht der Reaktion, ohne ihre Oberfläche zu stören. Die Sitzungshistorie aus Salls Terminal, die Zeitstempel der Umleitung, die Empfänger der Bereinigungsschleife, die Referenzen auf die Parzellen in Blue One, auch Prefsbelt City genannt, und die fast beiläufig wirkenden Materiallisten, in denen KSI-Sichtmodule, mobile Abschirmsegel und Kommunikationseinheiten unter dekorativen Sammelbegriffen geführt worden waren. Erst danach setzte er seinen zweiten Reiz. Diesmal keine allgemeine Nachfrage, denn er brauchte nun eine gezielt formulierte Prüfanforderung, die auf eine fiktive Sichtung aus Altbeständen verwies und mit einer solchen Kombination alter Marker versehen war, dass jeder noch aktive Teil des Mechanismus sie nicht nur erkennen, sondern bevorzugt behandeln musste. Als Zielknoten hinterlegte er eine interne Umlagerungsoption, die auf den ersten Blick harmlos wirkte, deren numerische Kennung jedoch exakt zu einem jener Grundstückscluster in Blue One passte, die Danos Vrek über Strohmänner kontrollieren ließ.

Er beschloss in Bewegung zu warten und holte sich in einem der zahlreichen Automaten einen Caf, um die allmählich herankriechende Müdigkeit zu bekämpfen. Die Nacht über Prefsbelt City war keine reine Dunkelheit, sondern eine matte, rußige Schicht aus Industrieglühen, neonfarbenen Reklamefarben und dem kalten Schimmer ungezählter Verkehrslinien, die sich zwischen den Baukörpern der Stadt spannten wie Adern unter dünner Haut. Die unteren Sektoren lag tiefer als die saubereren Verwaltungsebenen, älter, gedrängter, dichter an den Fundamenten jener Ordnung, die sich nach außen gern geschniegelt und beherrscht gab, im Innern aber aus Schachtanlagen, Versorgungstrakten, alten Transportröhren und verborgenen Wirtschaftsknoten bestand. Prefsbelt City hatte nie aufgehört, unter sich selbst weiterzuwachsen, und
Kreeger, der aus den Daten längst gelernt hatte, dass Kriminalität auf Planeten wie diesem selten oberirdisch ihren eigentlichen Raum fand, bewegte sich mit stiller Zielstrebigkeit durch jene Schichten, in denen Repräsentation in Funktion überging.
Der Zugang, dem er folgte, lag hinter einem stillgelegten Versorgungshof zwischen zwei Lagerkomplexen, deren Fassaden frisch genug wirkten, um Investoren Vertrauen einzuflößen, und deren Fundamente deutlich älter waren als die Schilder über ihren Eingängen.
Vreks Name stand nirgends offen an den Wänden, und doch trug der Ort den Geruch jener Besitzverhältnisse, die nicht aus öffentlicher Macht, sondern aus geräuschloser Verfügung entstanden: neue Sicherheitstüren an altem Beton, modernisierte Scanner in Fluren, die man bewusst nicht ganz saniert hatte, weil ihr eigentlicher Zweck nie in ihrer äußeren Erscheinung lag. Kreeger brauchte keine Eskorte und kein auffälliges Aufgebot. Zwei diskrete Sicherungskräfte an den äußeren Zugängen genügten, denn er war nicht gekommen, um eine Stellung zu stürmen, sondern um eine Wunde zu öffnen, die sich selbst bereits verraten hatte.

Der innere Zugang in die Tiefe war hinter einer formal stillgelegten Lastplattform verborgen, deren Wartungssiegel korrekt genug wirkten, um Routine zu behaupten, bei genauerem Hinsehen jedoch verrieten, dass sie in zu regelmäßigen Abständen erneuert worden waren, um wirklich ungenutzt zu sein. Als die Verschalung gelöst war und der Schacht sich langsam unter ihnen öffnete, schlug
Kreeger eine Luft entgegen, die nach altem Metall, Ozon, Schmierstoffen und jenem fahlen Moder roch, der nur dort entstand, wo Räume verborgen gehalten wurden. Die Plattform sank geräuscharm hinab, tiefer unter Blue One, als offizielle Baupläne für die Gegend überhaupt verzeichneten, und mit jedem Meter schien die Stadt oberhalb ihnen ferner und unwirklicher zu werden, bis nur noch die nackte Funktion blieb: Dunkelheit, Stahl, Leitungskanäle, die harte Geometrie von Versorgung und Geheimhaltung.
Der Tunnel, in dem er ankam, war Teil eines Systems, das mit Aufwand, Geduld und technischer Selbstverständlichkeit geschaffen worden war. Die Wände trugen alte Versorgungsmarkierungen aus der Zeit vor
Kerns Gouverneurschaft, darüber neuere, sauber überlegte Kennzeichnungen, die man nur verstand, wenn man die Sprache der Umnutzung beherrschte. Strom lag auf den Leitungen. Die Belüftung arbeitete. Nichts davon war laut. Alles wirkte so, als solle es gerade dadurch unsichtbar bleiben, dass es nicht den Anschein von Geheimhaltung erweckte, sondern den einer längst etablierten Nebenfunktion. Ein kranker Organismus, dachte Kreeger unwillkürlich, war nie dort am gefährlichsten, wo er schrie, sondern dort, wo er gelernt hatte, seine Fehlfunktionen in den Rhythmus des Normalen einzubetten.

Er ging langsam, die eine Hand in der Nähe seines Dienstblasters, die andere Hand am Datenpad, dessen blasses Licht über Markierungen und Schotts glitt. Schon nach wenigen Dutzend Metern wurde deutlich, dass die hier gelagerten Dinge nie bloß für Bankette und protokollarische Inszenierungen bestimmt gewesen waren. Stapelweise verpackte Sichtmodule von Kaas Solutions Inc., äußerlich als variable Kulissenelemente ausgewiesen, besaßen rückseitige Hartpunkte für modulare Energieverschaltungen, mit denen sich aus dekorativen Abschirmungen binnen Minuten ein geschlossenes Blick- und Signalhindernis errichten ließ. Kisten mit Kommunikationszubehör enthielten keine Gala-Ausrüstung, sondern verschlüsselte Relaisplatten, lokale Störsender und Signalbegrenzer. Andere Container waren mit den Farben ziviler Versorgung versehen, trugen jedoch interne Lastcodes, die
Kreeger bereits aus Resks Unterlagen kannte: Jene stillen Zusatzmarker, die aus einem dekorativen Bedarf einen unauffälligen sicherheitsrelevanten Transport gemacht hatten.

Was er hier vorfand, war damit nicht länger bloß der Nachhall einer alten Verwaltungspraxis. DIese abgestandene Hinterlassenschaft eines gefallenen Gouverneurs, die man nachträglich in Aktenform ordnen und mit dem kühlen Eifer der Rückschau katalogisieren konnte, war ein noch immer schlüssig ineinandergreifendes System aus Tarnung, Umlenkung und technischer Mehrdeutigkeit, das seine eigentliche Raffinesse gerade daraus bezog, dass jede einzelne seiner Komponenten für sich genommen harmlos, ja beinahe banal wirkte.
Kreeger blieb für einen kurzen Moment zwischen den Kisten und Sichtmodulen stehen, lauschte dem leisen Summen der Belüftung, dem fernen metallischen Knacken arbeitender Leitungen und jenem eigentümlichen Schweigen, das nur an Orten herrschte, die nie für zufällige Zeugen gedacht gewesen waren, und begriff mit jener kalten Klarheit, die ihm immer dann kam, wenn ein Verdacht in einen belastbaren Befund umzuschlagen begann, dass er die Untersuchung soeben unwiderruflich aus dem Bereich bloßer Rekonstruktion hinausgeführt hatte. Von hier an ging es nicht mehr nur darum, wie Robert Kern einst hatte geschützt werden können. Von hier an ging es darum, wer oder was diesen Schutz noch immer verwaltete.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One In den unteren Sektoren der Stadt Lager im Tunnelsystem Agent Kreeger, allein? Δ
 
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[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Raumhafen / VIP-Hangarbucht ]
Theranos Zesh, Aren Vayliuar, sowie NPC´s Legat Gregor Bayl, Legat Veran Koss, Commander Rethan Vaal.


Theranos nahm die Worte des Moffs auf, während sich die beiden bereits in Bewegung gesetzt hatten. Währenddessen gingen sie durch den Raumhafen und der Ablauf begann.
Getragen von der Präsenz der aufgestellten Einheiten, dem gleichmäßigen Klang der Kapelle und dem leisen, allgegenwärtigen Summen der Technik, das sich wie ein feiner Unterton durch den gesamten Raumhafen zog.
Während Therano´s Blick für einen kurzen Moment auf Aren ruhte und sich dort jene ersten Eindrücke festsetzten, die weit über das hinausgingen, was Berichte, Akten oder aufgezeichnete Holokommunikation je hätten vermitteln können.
Er hatte den Mann vor sich zuvor nur aus diesen Quellen gekannt, aus strukturierten Einschätzungen, aus nüchternen Zusammenfassungen, aus jener Art von Information, die darauf ausgelegt war, ein klares Bild zu zeichnen.

Was ihm jedoch schnell auffiel, war jene spürbare Freundlichkeit, die sich durch die Worte des Moffs zog, eine Offenheit im Ton, die sich mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verband, ohne an Klarheit zu verlieren, und die in ihm eine leise, fast unerwartete Zufriedenheit auslöste. Da Theranos selbst, geprägt von einer strengen Erziehung und einem Umfeld, in dem Disziplin und Kontrolle stets an oberster Stelle gestanden hatten, was lange davon ausgegangen, dass mit jeder höheren Stufe in der Hierarchie auch eine zunehmende Distanz einherging, eine Kühle, die sich in jeder Geste niederschlug und die Persönlichkeit hinter der Funktion zunehmend zurücktreten ließ.


Umso bemerkenswerter wirkte es auf ihn, dass Aren, trotz seiner Stellung, trotz der Verantwortung als Moff und trotz seiner Verbindungen in wirtschaftliche Strukturen von erheblicher Größe, eine Form von Zugänglichkeit bewahrte, die sich nicht aufgesetzt anfühlte, sondern aus einer inneren Sicherheit heraus entstand, während zugleich ein Teil von Theranos’ Aufmerksamkeit wach blieb und diese Eindrücke einordnete, sie prüfte, nicht aus Misstrauen, sondern aus jener geschulten Wahrnehmung heraus, die ihm bewusst machte, dass auch Offenheit eine Form von Strategie sein konnte.

Das kurze Schmunzeln des Moffs entging ihm dabei ebenso wenig wie die feinen Veränderungen in dessen Ausdruck, und er nahm es als positives Zeichen auf, als eine Bestätigung dafür, dass der Empfang, die Inszenierung und die gesamte Vorbereitung ihre Wirkung nicht verfehlten, während sich diese Erkenntnis still in sein Gesamtbild einfügte und ihm eine zusätzliche Sicherheit gab, ohne dass sich dies nach außen hin zeigte.
Sein Blick glitt für einen Moment über die Uniform des Moffs, blieb kurz an dem bronzenen Abzeichen haften, das dessen Zugehörigkeit zum imperialen Ritterorden markierte, und nahm dieses Detail mit jener sachlichen Anerkennung auf, die sich weniger in sichtbarer Reaktion äußerte als in der stillen Einordnung der Person vor ihm, deren Rolle sich aus mehreren Ebenen zusammensetzte, politisch, militärisch und persönlich.

Als Aren die Situation seiner Verlobten erläuterte, ließ Theranos ein leichtes, kontrolliertes Schmunzeln aufkommen, kaum mehr als eine feine Bewegung in seinem Ausdruck, die sich an die Mimik seines Gegenübers anpasste, ohne sie zu kopieren, getragen von jener Fähigkeit, die er früh erlernt hatte und die ihm erlaubte, sich in Gesprächen auf subtile Weise auf sein Gegenüber einzustellen.



„Es freut mich zu hören, dass es ihr den Umständen entsprechend gut geht“, erwiderte er in ruhigem Ton, während sie die Limousine erreichten und sich der Konvoi um sie herum bereit machte um sich in Bewegung zu setzen, „und ich kann gut nachvollziehen, dass man sich vor einem solchen Anlass die notwendige Zeit nimmt, um Kraft zu sammeln. Die Verpflichtungen, die mit einer solchen Rolle einhergehen, sind wahrlich nicht zu unterschätzen.“

Während sie in die offene Schwebelimousine einstiegen und sich das Fahrzeug sanft erhob, glitt Theranos’ Blick für einen Moment über die aufgestellten Formationen hinweg nach oben, wo die TIE-Jäger ihre Bahnen zogen und den Himmel in gleichmäßigen Mustern durchzogen, und er registrierte mit einem kurzen Seitenblick, dass auch Aren diese Szenerie bewusst wahrnahm, was sich für ihn nahtlos in das Bild eines Mannes einfügte, der nicht nur sprach, sondern ebenso beobachtete.

Als der Moff das Gespräch auf die militärische Infrastruktur und die laufenden Projekte lenkte, war Theranos innerlich bereits einen Schritt weiter, da diese Frage für ihn weder überraschend kam noch unvorbereitet traf, sondern sich logisch aus der Gesamtsituation ergab, während sich in ihm die verschiedenen Optionen ordneten, die er in den kommenden Stunden anbieten konnte.



„Selbstverständlich“, antwortete er ruhig, während sich der Konvoi und die Cabrio-Limousine sich in Bewegung setzte und sich die ersten Reihen der Bevölkerung entlang der Route begannen zu jubeln, „wir haben den Ablauf bewusst so gestaltet, dass sich mehrere Möglichkeiten anbieten.“

Sein Blick glitt kurz nach vorne, entlang der Strecke, die sich durch Blue One zog, gesäumt von Bannern, Einheiten und der sichtbaren Präsenz von Sicherheit, bevor er fortfuhr.

„Nach unserer Ankunft im Palast würde ich Euch zunächst Eure vorbereitete Suite zeigen und Euch einen Überblick über die wichtigsten Bereiche geben, dann gäbe es folgende Möglichkeiten.
Wir brechen nach kurz Nachdem Sie ihr Quartier bezogen haben wieder auf um uns die Werft persönlich ansehen. Ein kurzer Flug in das Gebiet der Werft mit einem kleinem Essen in der Lambda-Fähre sowie eine Erklärung des aktuellen Baufortschritts, um Euch einen umfassenden Eindruck zu vermitteln und fliegen dann zurück genau richtig zur Anhörung Kerns."
Theranos machte eine paar Herzschläge pause damit sich der Moff den ersten Vorschlag überlegen konnte bevor er fortfuhr.

"Oder wir essen in ruhe im Palast und gehen dann zur Anhörung am Hauptplatz welche auf einer Tribüne vor dem Gouverneurspalast stattfindet und dem das Volk von Blue One beiwohnen wird.
Dann würde wir Besichtigung der Werft auf Morgen verschieben, dafür wäre dies dann eine ausführlichere Präsentation, bei der wir im Anschluss auch die nächsten Entwicklungsschritte Werft sowie die geplante Zusammenarbeit mit Truuine und dem gemeinsamem Projekt auf dem Meer durchgehen könnten. Das wären die beiden Möglichkeiten aus dehnen Ihr wählen könnt".

Ein kurzer Moment folgte, in dem sich seine Worte mit dem gleichmäßigen Gleiten der Limousine verbanden, während die Menschenmengen zu beiden Seiten dichter wurden und vereinzelte Rufe und Gesten der Begrüßung zu ihnen herüberdrangen.

„Aber um Ihre Frage vorab zu beantworten, die Werft selbst macht sehr gute Fortschritte aufgrund von Geldern welche wir im Vorfeld von Kern konfiszieren konnten war es uns möglich die Bauarbeiten nochmals ein wenig zu beschleunigen und wir sind sogar ein paar Wochen vor dem angedachten Fertigstellungstermin “, fügte er erfreut hinzu, „und wir haben parallel bereits damit begonnen, zentrale Bereiche der planetaren Infrastruktur zu modernisieren, Handels und Logistikrouten zu stabilisieren um logistische Abläufe effizienter zu gestalten, damit Prefsbelt IV schneller in jene Einsatzbereitschaft zu führen, die im aktuellen Kontext erforderlich ist.“


Seine Stimme blieb ruhig, doch konnte man doch leicht heraushören das Theranos doch sehr glückglich über den aktuellen Stand der dinge war. Man konnte sich auch sicher sein das die Festnahme Kerns vor ein paar Tagen auch ebenfalls Maßgeblich dazu beigetragen hatte.

„Es ist mein Anspruch, dass der Planet mindestens den Anforderungen gerecht wird, die sich aus der aktuellen Lage ergeben.“
Während der Moff von seiner Reise sprach, hörte Theranos aufmerksam zu, ließ die Informationen wirken und ordnete sie ein, wobei ihn die Erwähnung der Termine auf Yaga-Minor ebenso wenig überraschte wie die Präsenz des Sternenzerstörers im Orbit, die sich für ihn als logische Absicherung darstellte, auch wenn sie zugleich ein sichtbares Zeichen der Reichweite und Handlungsfähigkeit des Moffs war.

Bei der Erwähnung der zusätzlichen Absicherung hob Theranos leicht abwehrend die Hand in einer ruhigen, beschwichtigenden Bewegung.


„Die Lage ist unter Kontrolle“, sagte er in gleichbleibendem Tonfall, auch wenn es ihm immer noch Unangenehm zu seinen schien das der Planet in der Kurzen Zeit seiner Führung diese Unruhe durchmachen musste. „Kern ist in Gewahrsam, seine Strukturen wurden zerschlagen, und wir führen gemeinsam mit dem ISB weiterhin gezielte Nachuntersuchungen durch, um auch die letzten Verbindungen aufzulösen. Zusätzlich befindet sich der Verband unter Captain Skywalker im Orbit, wodurch eine stabile Absicherung gewährleistet ist.“

Ein kaum merkliches Nicken folgte, während sich in ihm eine ruhige Zufriedenheit über diesen Stand zeigte.
Als Aren schließlich anmerkte, dass Prefsbelt IV einen gefestigten Eindruck hinterlasse, erschien für einen kurzen Moment ein ehrliches, warmes Lächeln auf Theranos’ Lippen, das sich jedoch ebenso ruhig wieder zurücknahm, wie es entstanden war.


„Es freut mich, dass dieser Eindruck entsteht“, erwiderte er, während die Limousine weiter durch die geplante Route Stadt glitt und sich die Architektur von Blue One in ihrer voller Pracht zeigte, vorbei an schönen geschmückten Plätzen, Alleen, Prunkbauten, der Planetaren Opern sowie dem ein oder anderem Museum und über allen Gebäuden thronte das Imperiale Banner. Theranos freut sich selbst über die gelungene Route, Legat Gregor Bayl hatte sich alle mühe gemacht die schönsten Plätze der Hauptstadt einzubinden. „genau darauf haben wir in den vergangenen Tagen hingearbeitet.“

Die abschließende Frage des Moffs ob er sich gut eingelebt hatte nahm er bewusst auf, ließ sie für einen Augenblick in sich wirken, während sein Blick kurz über die vorbeiziehenden Fassaden glitt und sich dann wieder Aren zuwandte, begleitet von einem feinen, kaum sichtbaren Neigen des Kopfes, als würde er die Antwort nicht suchen, sondern ordnen.

Ein kurzes, zurückhaltendes Schmunzeln huschte über sein Gesicht als ihm aus seiner Sicht die Ideale Antwort einfiel die er dann ehrlich aussprach.

„Das Imperium ist mein Heim, werter Moff “, sagte er ruhig, mit klarer Stimme, „überall, wo ich ihm dienen kann, finde ich meinen Platz.“

Für einen Moment ließ er diese Worte stehen, bevor sich sein Blick wieder leicht in die Umgebung löste.
„Prefsbelt IV bietet dafür natürlich eine hervorragende Grundlage. Der Gouverneurspalast, den mein Vorgänger hinterlassen hat, ist in seiner Ausführung… äußerst eindrucksvoll. Ihr werdet ihn gleich selbst sehen und Euch ein eigenes Bild machen können.“


Ein letzter, kurzer Gedanke glitt durch seinen Geist, während sich das Gespräch in diesem ruhigen, offenen Ton fortsetzte, und er sich bewusst war, dass dieser Austausch nicht nur Inhalt transportierte, sondern ebenso ein Gefühl, eine Linie, die er aufrechterhalten wollte, in der Hoffnung, genau jene Balance getroffen zu haben, die dieser Moment erforderte und langsam begann sich Theranos etwas zu entspannen.


[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One ]
Theranos Zesh, Aren Vayliuar, im Konvoy auf dem weg zum Palast
 
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Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One In den unteren Sektoren der Stadt Lager im Tunnelsystem Agent Kreeger, allein? Δ

Je tiefer Nerio Kreeger in die verborgenen Schichten unter Blue One hinabstieg, desto mehr schälte sich aus der bloßen Möglichkeit ein Befund. Was oberhalb noch wie ein Geflecht aus Akten, Zusatzmarkern und administrativen Unregelmäßigkeiten gewirkt hatte, begann sich hier unten in Raum, Material und Funktion zu übersetzen. Die Tunnel waren nicht improvisiert, soviel stand fest. Sie wirkten nicht wie das hastig geschaffene Versteck eines Apparats, der in den letzten Zuckungen seiner Tarnung noch ein paar belastende Reste dem Zugriff entziehen wollte. Mit seinen Fingern strich der Agent die professionell verschachteten Wände und Pfeiler entlang. Sie trugen jene kalte, fast beleidigende Selbstverständlichkeit in sich, die nur Systeme ausbildeten, die lange genug ungestört gearbeitet hatten, um ihre eigene Existenz nicht mehr als Ausnahme, sondern als stillschweigende Notwendigkeit zu begreifen. Kreeger sah sich hier einem Tumor gegenüber, der gestreut hatte, bis er den ganzen Körper der Verwaltung befallen hatte. Während das fahle Licht seines Datenpads über Schotts, Leitungskanäle und eingelassene Transportmarkierungen glitt, wurde der Agent von Hosnian Prime mit jeder neuen Wegbiegung klarer, dass er sich nicht mehr durch einen bloßen Nebenraum der alten Kern-Verwaltung bewegte. Das hier war ein künstlich geschaffenen Zwischenkörper der Kerns Absichten unterstrich einen Staat im Staat zu bilden, an dem politische Fassade, wirtschaftliche Interessen und operative Verschleierung zu etwas Eigenem zusammengewachsen waren.

Es schälte sich zudem der eigentliche Zweck des Komplexes heraus, das über einem bloßen Lager hinausging. Es war eine Pufferzone. Ein Raum zwischen offizieller Oberfläche und operativer Wirklichkeit. Material, das man in der sichtbaren Stadt nicht offen disponieren konnte, wurde hier gesammelt, umetikettiert, zeitversetzt weitergeleitet und erst dann an Orte gebracht, deren offizielle Nutzung mit dem tatsächlichen Bedarf nur noch lose verbunden war. Die Grundstücke an der Oberfläche waren also nicht bloß eine Besitzfrage
Vreks gewesen, kein netter Nebengewinn aus beschleunigten Enteignungen, sondern ein anatomischer Knotenpunkt in Kerns altem Apparat, ein verborgener Hohlraum im Körper des Planeten, in dem sich Dinge sammeln konnten, die an der Oberfläche unter den wachsamen Augen des ISB und des Imperators zu auffällig gewesen wären. In all' dem drängte sich auch für den Agenten heimlich die Frage auf, ob der Tumor in die ehrwerten Hallen des ISB gestreut hatte. Wusste ein Teil des Apparats davon? Waren Teile des ISB involviert gewesen? Auch wenn dieser Gedanke ihm überhaupt nicht schmeckte, war es nicht abwegig. Doch an diesem Punkt war dies nicht Teil seiner Anamnese.

Am Ende des Haupttunnels öffnete sich ein breiterer Raum, dessen Ausmaße selbst
Kreeger für einen Augenblick innehielten ließen. Vor ihm lag eine unterirdische Lagerhalle, so tief unter Prefsbelt City verborgen, dass die Stadt darüber kaum mehr als ein ferner Druck auf dem Gestein war. Zwischen Stützpfeilern und Lastschienen standen Reihen sauber geordneter Container, Transportkapseln, modulare Abschirmwände, versiegelte Kisten mit Kennungen, die je nach Blickwinkel nach Veranstaltungsbedarf, Sicherheitsreserve oder ziviler Infrastruktur aussahen. Und genau darin lag ihr Wert. Alles an diesem Ort war darauf ausgelegt, sich im Ernstfall in beide Richtungen erklären zu lassen. Kreeger trat an einen der Container heran und ließ die Oberfläche scannen. Der aktuelle Zeitstempel war jung. Zu jung. Nicht altlastig, nicht aus der Kern-Zeit übrig geblieben, sondern in den letzten Zyklen aktualisiert. Ein zweiter Behälter bestätigte das Bild. Umlagerung. Neuverplombung. Bestandssichtung. Wörter, die nach Inventur klangen und in Wahrheit verrieten, dass irgendjemand diese Struktur nicht nur geerbt, sondern weiter gepflegt hatte.

Ein Laut am Ende der Halle ließ seine Aufmerksamkeit herumfahren. Es war kein Schuss oder ein offener Fluchtversuch. Das metallische Echo einer sich schließenden Nebentür hallte in dieser Kammer laut wider. An einer anderen Stelle hörte er das Surren, dass ihm bekannt vorkam. AC-1 Sicherheitsdroiden, wie sie in imperialen Anlagen nicht unüblich waren, doch beschlich den Agenten das Gefühl, dass er hier mit seinem Codezylinder nicht weit kommen würde.
Kreeger setzte sich in Bewegung, schnell genug, um jede Verzögerung zu verachten, aber ohne jene kopflose Hast, die aus einem Jäger einen Lärmverursacher machte. Hinter der Tür lag ein schmalerer Seitengang, und in dessen Biegung fand er nicht mehr den Menschen, der sich eben noch dort bewegt hatte, sondern nur die Überreste seiner Eile: Ein noch aktives Terminal, eine aufgerissene Serviceklappe und auf dem Boden eine halb zerknitterte Transportkarte, die hastig fallengelassen oder weggeworfen worden war. Er hob sie auf, strich sie glatt und las die jüngste Wegmarke. Eine Weiterleitung an einen Materialrevisionsknoten, dessen Kennung mit jenem Untersektor identisch war, in den Sellia Dray vor sechs Monaten versetzt worden war.

Für einen Augenblick sagte er nichts. Er stand dort in der künstlichen Kälte der unterirdischen Anlage, umgeben von sauber geordnetem Täuschungsmaterial, und spürte mit jener unangenehm klaren Gewissheit, die jeder guten Diagnose innewohnte, wie die Dinge sich verschoben.
Sellia Dray war noch immer nicht die Antwort. Aber sie war längst auch nicht mehr bloß eine Beamtin, deren Name in alten Freigaben zu häufig auftauchte. Ihre Verwaltungslogik, ihre Kennungen, ihre alten Verfahrensspuren lebten hier unten fort. Es entwickelte eine Nekrose, die als Totgewebe als totes Archivmaterial in der gegenwärtigen Struktur weiterlebte, die noch immer Bewegung erzeugte.

Er ließ den Blick noch einmal über die Halle gleiten, ging sicher, dass der AC-1 Droide ihn nicht fand und sah, dass sich zwei weitere gleich zu ihm gesellen würden. Es war an der Zeit zu gehen. Über KSI-Module, die nie für Dekoration gedacht gewesen waren, die er als Sichtschutz nutzte, bewegte er sich geschwind fort. Er bewegte sich flott zu einem Terminal außerhalb der Scanreichweite der binären Kreaturen und tippte die Sicherung an den Zugang nach, gab knappe Anweisungen zur versiegelten Erfassung des gesamten Komplexes und ließ das Terminal spiegeln, bevor irgendjemand auf die Idee kommen konnte, diesen Ort im Nachhinein wieder in bloßen Lagerbestand zu verwandeln.

Als er schließlich am Rand der Halle stehen blieb und das fahle Licht der unterirdischen Beleuchtung die harten Linien seines Gesichts zeichnete, hatte sich die Untersuchung endgültig verändert. Was auf den oberen Etagen noch wie eine Nachsorge für die Verfehlungen eines gefallenen Gouverneurs gewirkt hatte, war hier unten zu etwas anderem geworden: zu dem Nachweis, dass
Robert Kerns System nicht nur einst existiert hatte, sondern in Teilen weiteratmete. Prefsbelt IV war nicht länger ein Patient in Rekonvaleszenz und die Diagnose für die Stadt hatte sich verschlimmert. Tief unter Blue One hatte Nerio Kreeger gerade das pochende Herz eines noch nicht abgestorbenen Leidens gefunden.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One In den unteren Sektoren der Stadt Lager im Tunnelsystem Agent Kreeger und AC-1 Sicherheitsdroiden Δ
 
[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | vor dem Raumhafen | Gleiter ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh

Der Ablaufplan, den Gouverneur Zesh im skizzierte, nahm Aren nickend zur Kenntnis. Seine Entscheidung, welche der beiden Varianten er wählen würde, war ihm sofort klar, nachdem der Gouverneur geendet hatte. Natürlich wollte er Zesh kennenlernen, auch als Menschen, doch dieses "in Ruhe essen" war ihm zuwider. Hätte er Dinge in Ruhe tun wollen, wäre er nicht Moff geworden oder er wäre einfach auf Yaga-Minor geblieben und hätte sich auf einem der Anwesen ein sehr entspanntes Leben in diesem Posten gegönnt. Und so, wie er Zesh einschätzte, würde er genau seine Meinung auch teilen.

Doch bevor er seinen ... Wunsch, wenn man es denn so bezeichnen wollte, mitteilte, ließ er den Gouverneur zu Ende sprechen. Das nun aufkommende Thema interessierte ihn nämlich immens. Die Werft ging gut voran, hervorragend. Natürlich war auch die restliche Infrastruktur Prefsbelts von großer Bedeutung und Aren nickte zufrieden, als der Gouverneur davon sprach, dass sich diese gut entwickelte, doch die Werft stellte sein absolutes Hauptaugenmerkt da. Sie würde sich so hervorragend in seine Pläne für die Prefsbelter Rüstungs-Werke einfügen. Auf verschiedenen anderen Planeten im Sektor wurden zeitgleich ähnliche Projekte angestoßen und umgesetzt - alles zusammen Unsummen von Geld, die dafür verwendet wurden - und wenn alles so verlief, wie Aren es plante, würde der Prefsbelt Sektor bald tatsächlich dem Status der Imperialen Waffenschmiede schlechthin nahekommen.


,,Sehr gut, sehr gut. Ich würde es vorziehen, die Werft und diese guten Fortschritte so schnell wie möglich zu begutachten. Also heute noch. Großes Essen und Glamour, dafür wird ja wahrscheinlich später noch Zeit sein, wir sollten die Zeit so effizient wie möglich nutzen. Die dadurch entstehende freie Zeit morgen wird sich mit Sicherheit sinnvoll nutzen lassen."

Aren lächelte weiterhin freundlich, war dabei aber sehr bestimmend. Er unterbreitete hier keine Vorschläge. Dazu würden sie später kommen, wenn es sich anbieten würde. Vorschläge und Angebote sollten in einer entspannteren Atmosphäre gemacht werden, mit einem Glas Cognac in der Hand, der die strengen Hierarchien innerhalb des Imperiums zumindest ein wenig auflockern konnte.

Ein wenig zu wanken schien das Bild des völlig gefassten, beinahe etwas emotionslosen Verwalters, als Aren die weiteren Schiffe erwähnte, die er mit in das System gebracht hatte. Es war all zu nachvollziehbar, dass Gouverneur Zesh gegenüber ihm nicht den Hauch eines Eindrucks hinterlassen wollte, sein Verwaltungsbereich befände sich noch in einem ungeordneten Zustand. Und vielleicht spielte auch etwas mit hinein, dass er seinen Erfolg für sich haben wollte und ihn nicht, auf den letzten paar Metern, an die Sektorverwaltung abtreten wollte. Darum musste er sich aber keineswegs sorgen. Aren lehnte sich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen in seinem Sitz zurück.


,,Keine Sorge, Gouverneur. Daran zweifle ich zu keiner Sekunde. Aber nun sind wir beide nicht, oder in meinem Fall nicht mehr, im Militär ihrer Majestät tätig und für eine abschließende Situationsanalyse kann man ja nur dankbar sein. Und dabei verlasse ich mich lieber auf unsere Sektorverteidigungsflotte als auf irgendwelche fremden Militärs oder die Aktenwälzer vom ISB."

Aren lächelte erneut, beinahe etwas nonchalant, im Hinblick auf seine letzte leicht scherzhafte Bemerkung in Richtung des ISB, mit welcher er hoffte, etwas beruhigend auf den Gouverneur einzuwirken.

,,Ich vertraue wirklich voll und ganz darauf, dass Sie und Ihre Administration die Situation im Griff haben."

An ihnen glitt Blue One vorbei. Es wechselte sich eine wirklich schöne und beeindruckende Architektur ab mit jubelnden Massen von Menschen, die bereit standen und Banner durch den Wind flattern ließen. Gerade im Vergleich zu Yaga-Minor, dessen Anblick er in letzter Zeit zur Genüge gewohnt war, wirkte hier alles etwas ... natürlicher und organischer. Nicht so leblos wie die Sektorkapitole oft wirkte. Fast ärgerte Aren sich ein wenig, dass er zuvor noch nicht Prefsbelt IV besucht hatte.

Gouverneur Zesh schien ebenfalls Gefallen an der Stadt gefunden zu haben. So schien es zumindest auf seine Frage hin. Gerade die einleitenden Worte, die er wählte, schienen aber klar zu machen, dass Gouverneur Zesh durchaus bereit dafür war, seinen Dienst nicht nur hier zu verrichten. Ohne gewisse größere Ambitionen kamen halt auch nur die Wenigsten an einen Posten wie diesen. Nickend quittierte Aren die Worte seines Gastgebers. Er wusste nicht, wie lange sie noch unterwegs waren, doch wollte er versuchen, nachdem sie sich langsam bereits in diese Richtung bewegt hatten, noch mehr über den Menschen dem Amt herauszufinden und schlug so in eine etwas persönlichere Richtung.


,,Und im Vergleich zu Naboo? Ich denke sie wissen bereits Bescheid, dass meine Firma im Kontakt mit ihrem Vater auf Naboo stand. Ich selber leider nie, aber mein Großonkel betreute die Beziehungen zu Naboo und war wohl auch kurz im Kontakt mit ihrem Vater und kannte auch Naboo recht gut. Prefsbelt IV und Blue One sagen mir wirklich sehr zu, aber was mein Onkel über Theed beispielsweise erzählt hat ... es muss ein wirklich unbeschreiblich schöner Planet sein."

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | vor dem Raumhafen | Gleiter ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One In den unteren Sektoren der Stadt Lager im Tunnelsystem Agent Kreeger und AC-1 Sicherheitsdroiden Δ

Als Nerio Kreeger das unterirdische System unter Blue One hinter sich ließ und die oberen Ebenen von Prefsbelt City wieder erreichte, trug er die Kälte der Tiefe noch in den Gliedern, doch sein Denken hatte bereits begonnen, die eben gewonnenen Befunde aus dem Bereich unmittelbarer Entdeckung in jenen nüchternen, streng geordneten Zustand zu überführen, in dem aus Spuren Erkenntnis werden konnte. Er kehrte nicht in den ihm zugewiesenen Arbeitsraum zurück. Ein Ort, der für Sichtungen, Zwischenvermerke und erste Schnitte ausreichte, war für das, was nun vor ihm lag, nicht mehr angemessen. Die Untersuchung hatte jene Schwelle überschritten, an der Improvisation nur noch ein anderes Wort für Nachlässigkeit gewesen wäre. Also ließ er die gesicherten Datenpakete versiegelt an das ISB-Zentralgebäude übermitteln und begab sich selbst dorthin, in jene graue, kontrollierte Architektur, deren sterile Härte nichts von der Welt draußen spiegelte und gerade deshalb geeignet war, sie zu sezieren.

Das Zentralgebäude erhob sich über dem administrativen Kern des Planeten wie eine in Stein und Metall gegossene Behauptung von Kontrolle. Keine unnötigen Linien, keine repräsentative Geste, kein Zugeständnis an Schönheit, das nicht zugleich funktional in seiner brutalen Nüchternheit zu rechtfertigen gewesen wäre. In seinen Korridoren roch es nach gereinigter Luft, Elektronik und jener eigentümlichen Trockenheit, die Gebäuden eigen war, in denen Informationen nicht bloß verarbeitet, sondern designt wurden. Hier, weit über den Tunneladern von Blue One und doch untrennbar mit ihnen verbunden, bezog Agent
Kreeger in einem Großraumbüro eine abgeschirmte Arbeitszelle und begann mit jener unerquicklicheren, aber entscheidenden Arbeit, die jeder guten Jagd folgen musste: nicht dem Finden weiterer Spuren, sondern ihrer Ordnung.
Denn Erkenntnis, so hatte er früh begriffen, lag niemals in der bloßen Menge von Befunden, sie entstand erst in dem Augenblick, in dem man zwischen ihnen eine Linie zog, die Zufall von Struktur und Verdacht von Diagnose trennte.

Im kalten Licht der Projektionen legte er die gewonnenen Daten in Schichten übereinander. Da war
Sellia Dray, frühere Leiterin der Sachmittelvergabe, auf dem Filmsiplast unauffällig, im Befund jedoch an einer auffälligen Zahl beschleunigter Sonderfreigaben beteiligt, die protokollarischen Anlässen zugeschlagen worden waren, obwohl Umfang, Taktung und Materialart längst gegen bloße Repräsentation sprachen. Daneben standen die öffentlichen HoloNet-Hinweise zu Verkehrslenkungen und temporären Zufahrtsbeschränkungen, belanglose Meldungen für eine Öffentlichkeit, die nicht wissen sollte, was sie sah und gerade deshalb wertvoll genug für jemanden wie Kreeger, der gelernt hatte, offene Quellen nach Reibung zu lesen. Im Abgleich mit internen Lieferströmen ergab sich daraus ein Muster: Materialbewegungen, die die Oberfläche des Planeten wiederholt verließen und in jene unterirdischen Systeme hinabgeführt wurden, die man nun nicht länger vermuten, sondern belegen konnte. Er zog die Bildausschnitte aus regionalen Pressearchiven hinzu, überbelichtete Randaufnahmen und belanglose Dokumentationen lokaler Gouverneursveranstaltungen, in deren Hintergrund Dray wiederholt in der Nähe wirtschaftlicher Akteure auftauchte, unter ihnen Danos Vrek, jener aggressive Investor, dessen Name inzwischen nicht mehr nur nach Opportunismus roch, sondern nach struktureller Verflechtung. Vreks über Strohmänner kontrollierte Grundstücke in Blue One und Prefsbelt Green, die auffällig beschleunigten Enteignungen zu seinen Gunsten, die Lage der Tunnelknoten unter seinen Arealen. All diese Quellen ergaben noch keinen Beweis, wohl aber ein anatomisch sauberes Bild von Besitz als Durchleitung, von Wirtschaft als Hülle für Logistik.

Dann kam die zweite Schicht: Kaas Solutions Inc. und die Sichtmodule, die in Freigaben als dekorative Maßnahmen erschienen und in der Tiefe ihre wahre Funktion offenbart hatten. Eine operative Infrastruktur im Kostüm repräsentativer Erfordernis. Dort, wo andere vielleicht versucht gewesen wären, aus dieser Erkenntnis vorschnell ein fertiges Urteil zu formen, arbeitete
Kreeger weiter mit jener kalten Geduld, die ihn von unpräzisen Ehrgeizlingen unterschied. Er ergänzte Tavin Resks Aussage über sauber gesetzte Kennzeichnungen, jene nicht erklärten Zusatzmarker, die irgendwann einfach bekannt gewesen seien, und stellte sie neben die Reaktion des Systems auf seinen Testlauf: Die aktive Bereinigungsschleife, die Prüfung der Grundstückscluster, den Verweis auf Legacy-Protokoll S.D.-4 und schließlich den noch immer genutzten Puffer- und Umlagerungskomplex unter Blue One.

Er stand lange vor der Projektion, ohne sich zu bewegen, und ließ die Dinge ihre endgültige Form annehmen. Vor ihm lag nun kein loses Bündel verdächtiger Einzelvorgänge mehr, es etablierte sich vor seinen Augen ein System von seltener Unanständigkeit in seiner Schlüssigkeit: Unter
Robert Kern hatte auf Prefsbelt IV ein administrativ stabilisierter Mechanismus existiert, mit dem sicherheitsrelevante Materialbewegungen unter protokollarischer Tarnung aus regulären Prüfroutinen herausgenommen, in unterirdische Pufferzonen überführt und bei Bedarf weitergeleitet werden konnten. Seine eigentliche Stärke hatte nicht in offener Konspiration gelegen, sondern in der allmählichen Normalisierung des Ausnahmezustands. Tarnung war hier zur Gewohnheit geworden. Erst jetzt begann Agent Kreeger zu diktieren, und die Sprache, die er für den Bericht an Master Agent Corvin Threx wählte, war härter als seine Gedanken, knapper, klinischer, frei von jeder Versuchung zur Wirkung.

„Vorläufige Gesamteinschätzung“, sagte er, während das System seine Worte in klare Zeilen übertrug. Unter der früheren Gouverneursverwaltung Robert Kerns bestand auf Prefsbelt IV ein mehrstufiges Umleitungssystem, mit dem sicherheitsrelevante Materialbewegungen unter protokollarischer Tarnung aus regulären Prüfroutinen herausgenommen werden konnten. Die operative Voraussetzung dieses Systems war nicht primär persönliche Loyalität, sondern die administrative Normalisierung von Ausnahmevorgängen durch wiederkehrende Zusatzmarker, verkürzte Freigabewege und fortbestehende Bereinigungsschleifen.“

Er hielt kurz inne und ergänzte dann, mit jener Präzision, die mehr Gewicht hatte als jede rhetorische Schärfe:

„Zentrale Vektoren: ehemalige Sachmittelvergabe unter Leitung Sellia Drays; Lieferketten mit Überschneidung zu Kaas Solutions Inc.; infrastrukturelle Bezugspunkte in Blue One und Prefsbelt Green mit wirtschaftlicher Nähe zu Danos Vrek; aktive Fortexistenz mindestens eines Legacy-Protokolls im Bereich Unterflurtransport und Materialrevision; physischer Nachweis eines weiterhin nutzbaren unterirdischen Puffer- und Umlagerungskomplexes unter Blue One erbracht.“

Nun folgte der gefährlichste Teil, weil er trennen musste zwischen dem, was bereits Befund war, und dem, was noch nicht mehr als eine saubere, aber eben doch vorläufige Folgerung darstellte.

„Bewertung: Sellia Dray ist nach aktuellem Stand nicht als abschließend identifizierte Steuerungsinstanz, wohl aber als struktureller Schlüsselpunkt zu betrachten. Relevanz ergibt sich weniger aus direkter individueller Exponiertheit als aus der Persistenz von Kennungen, Verfahren und Altprotokollen, die mit ihrer früheren Zuständigkeit korrespondieren und in gegenwärtige Prozesse hineinreichen.“

Als die letzte Zeile stand, schwieg
Kreeger und sah auf das verdichtete Bild. Hinter den Mauern des Zentralgebäudes arbeitete Prefsbelt IV weiter mit derselben kontrollierten Routine, mit der kranke Systeme ihre Temperatur zu verbergen suchten. Doch hier, in der sterilen Ruhe des ISB, hatte sich aus losen Symptomen ein Befund geformt, und aus dem Befund eine Richtung. Robert Kern hatte nicht bloß Helfer um sich geschart. Er hatte einen Verwaltungsapparat so umgeprägt, dass Tarnung zur Gewohnheit, Gewohnheit zur Schutzfunktion und Schutzfunktion schließlich zur fortwirkenden Struktur geworden war. Und irgendwo zwischen Sellia Drays alten Freigabesignaturen, Danos Vreks Besitzinteressen und den unter Blue One weiteratmenden Logistikadern lag nun der Punkt, an dem diese Krankheit nicht länger ignoriert, sondern geöffnet werden musste.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Zentralbüro des ISB Arbeitszellenraum Agent Kreeger und andere Agenten Δ
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Unterkunft für Mitglieder des Beratungsstabs im Regierungsgebäude] - mit Dr. T'rsop
Dr. T'rsop saß auf seinem Sofa. Die langen Beine lässig über Kreuz auf den niedrigen Vorstelltisch gelegt. Neben ihm stand ein Drink und in seiner linken Hand hielt er sein Datapad. Nach dem gestrigen Gespräch mit Legat Gregor Bayl war er von einem unbestimmten Gefühl der Neugierde erfasst. Und er konnte noch nicht ganz ausmachen, worauf sich dieses Gefühl bezog. Also machte er sich wieder an die Arbeit.
Nachdem er zuerst die dringlichen Mails zur Administration der Akademie Monspolis - Rechnungsanweisungen, Organisation der Reparatur eines Sanitärtraktes im Südflügel, Vertretungsplanung und die Beschwerden nervender reicher und sehr einflussreicher Eltern im Namen ihrer aufgeblasenen und nur mittelmäßig begabt und fleißigen Sprösslinge - bearbeitet hatte, öffnete er seinen privaten Nachrichteneingang. Ja, da gab es eine Aktualisierung zu seinem persönlichen 'Forschungsprojekt'. Er las die Nachricht zu Beginn mit Freude und Interesse - aber als er an ihrem Ende angekommen war, schüttelte er wütend den Kopf.

"Bantha-Poodoo! Diese Idioten!", fluchte T'rsop leise vor sich hin. Hinter den vielen Zeilen wohlformulierter Phrasen tarnte sich erbärmlich schlecht ein großer Haufen von nichts. Die von ihm angestellten Experten und Wissenschaftler, die der Gelehrte quasi mit jedem Credit aus seinem Privatvermögen bezahlte, den er nicht zum Leben brauchte, brachten wieder keine Ergebnisse. Entweder sollten sie welche liefern, oder ihm klar mitteilen, wenn sein Gedanke - dass es ein noch elementareres Prinzip des Seins geben musste als die Macht - nicht mittels klassischer Naturwissenschaften nachweisbar sei. Wenn er zurück in seinem Haus auf Monspolis ist, würde er sich direkt darum kümmern. Bis dahin gab er dem Team noch Zeit - und würden sie dann noch Ausflüchte suchen, würde er ihnen genaustens und ungeschönt sagen, was er von Wesen hielt, die keine Ergebnisse brachten. Bei dem Gedanken daran musste T'rsop freudig-gemein grinsen. Das war ein guter Plan - und ein kleiner Teil von ihm wünschte sich fast, dass er ihn umsetzen müsste. Er gönnte sich einen Schluck und ließ die Flüssigkeit seine Zunge und Gaumen umspielen. Er schloss die Augen und genoss einen Augenblick. Dann schluckte er runter, öffnete seine Augen und wandte sich der nächsten seiner Aufgaben zu.
Seine Finger eilten über sein Datapad, während er beiläufig eine Karte von Prefsbelt IV aus dem Holoprojektor vor ihm entstehen ließ. Sein Blick glitt hin und zurück. Er hatte den spannenden Auftrag von
Gouverneur Theranos Zesh hatte ihm aufgetragen, die Tunnelsysteme zu untersuchen, sich gegebenenfalls um die Reste des Korruptionsnetzes von Robert Kern zu kümmern. In Zusammenarbeit mit dem ISB - welches bis jetzt noch nicht auf ihn zugekommen war. "Naja, ich habe Zeit. Und die Imperiale Sicherheits-Bürokratie muss ihrem Namen ja auch alle Ehre machen", dachte er ironisch bei sich selbst.
Aber er konnte schonmal den Teil der Aufgaben angehen, der mit der Thematik zusammenhing - aber nicht an dem Bereich der Korruptionsbekämpfung anknüpfte. Schließlich plante
Theranos auch eine Verbindungsroute zwischen Red One und Blue One. Das war zwar nicht seine primäre Aufgabe, aber schaden würde es nicht, dorthingehend schon einmal vorzudenken. Schließlich war er ja Sonderberater des Gouverneurs und damit nicht sklavisch an bestimmte Bereiche gebunden. So betrachtete er die überirdische Landschaft und dann die Tunnel-Systeme zwischen den beiden wichtigen Städten. Am effizientesten wäre tatsächlich eine unterirdische Verbindungsstrecke - durch die große Wüste würden Instellationen zu sehr von Korrosion und den Stürmen angegriffen sein. Außerdem waren unterirdische Bewegungen viel schwerer aufzuspüren und per Scans zu erkennen oder gar auszuspionieren, als dies an der Planetenoberfläche der Fall war. Ganz besonders interessant für das Militär.
Red One hatte schon ein ausgeklügeltes und relativ weitreichendes Tunnelsystem. Was er von den offiziellen Daten einsehen konnte, zeigte sich aber, dass Blue One zwar auch unterirdische Strecken hatte. Diese waren aber bei weitem nicht so ausgebaut wie die der Mienenstadt. Und eine gut nutzbare Verbindung - oder einen Tunnel, den man zu so einer ausbauen konnte - zwischen den beiden Städten gab es nicht. "Noch nicht", wie der Gelehrte energisch dachte. Es müssten also gewisse Verbindungen geschaffen werden. Neue Tunnel gegraben - und alte ausgebaut werden. Eine so große Strecke infrastrukturell zu verbinden, war keine leichte Aufgabe. Aber wenn er sie meistern würde, würde eine neue Lebensader auf Prefsbelt IV schlagen und der ganzen Gesellschaft zu Gute kommen.
So markierte er etliche Punkte auf der Karte, die sich ein Expertenteam aus Geologen, Architekten und Transportfachleuten anschauen und erproben sollten. Doch...
"Moment mal. Da war doch mal etwas..." T'rsop wurde von dem Namen einer zerklüfteten Region, nämlich von 'Hard Canyon', aus seinem Denkfluss geworfen. Doch nur: Warum? Der Pau'aner schloss seine Augen und gab sich seinen Emotionen hin. Ja! Er hatte diesen Namen schonmal wahrgenommen. Doch der Grund seiner Erinnerung blieb außerhalb seines bewussten Zugriffs. Aber das nahm er als Anreiz. Und so gab er den Namen in sein Datapad ein. Las und las Artikel um Artikel. Und schließlich: "Hab ich dich!", rief T'rsop aus und gönnte sich einen weiteren kleinen und genießerischen Schluck.
Hatte er es doch gewusst - er hatte von der Region schon einmal gehört. Und zwar im Zusammenhang eines kleinen Erdbebens von vor 137 Jahren. Dem letzten mit nennenswerter Stärke zur Berichterstattung. Bei diesem Erdbeben ist ein Teil der Region ein erhebliches Stück abgesackt und hatte auch einige sehr tiefe Risse und Löcher bekommen. "Keine perfekte Lage für ein Tunnelsystem, wenn die Region so anfällig ist", dachte der Gelehrte. Und erstellte sofort eine Sondergruppe unter Leitung von Dr. Theresa Klia, die sich genau mit der dortigen Stabilität, Plattentektonik und weiterer Faktoren der Lebenszeichen der planetaren Geographie beschäftigen sollte.
Zu guter Letzt für diese erste Arbeitseinheit des Tages stellte er noch den Grobrahmen für die Finanzierung dieses Großprojektes auf und schickte diese mit kurzen Begründungen versehen auch direkt an
Theranos. Noch musste dieses Mammutprojekt nicht finanziert werden. aber es lohnte sich, zumindest den Beginn von Bauprojekten schon vorzufinanzieren, damit sie schnell und ungehindert umgesetzt werden sollten. Neben den klassischen Finanzierungsmöglichkeiten wie verkraftbare Steuererhöhung (welche dann nach Fertigstellung durch die neuen Arbeitsplätze quasi durch Steuersenkungen zurückgegeben werden könnte) legte er den Fokus vor allem darauf, Gewinne aus den Fertigungsanlagen und der baldig einsatzbereiten Werften gezielt und gut in einen, durch einer PR-Aktion an die Bevölkerung kommunizierte, Infrastrukturfond für genau dieses Projekt fließen zu lassen. Außerdem hatte T'rsop auch die Vision, dass die Haupthaltestellen der Verbindung erstens mit unter- und ebenerdigen Geschäften gesäumt werden sollten, in die sich Firmen und Unternehmen durch Mitfinanzierung des Baus einkaufen konnten. Und zweitens sollten Plätze und Haltestellen der Verbindung nach berühmten Personen und Institutionen benannt werden, die dafür spenden durften, aber nicht mussten. (So wurden sie durch sozialen Druck implizit dazu aufgefordert, hatten die Öffentlichwirksamkeit als Lockvogel und Goodie und - das wichtigste Argument in den Augen des Beraters - die Gesellschaft selbst wurde mit dem Projekt integriert und bekam Identifikationsmöglichkeiten.) Und zusätzlich verschlüsselt fragte er den Gouverneur noch, wie es mit dem natürlich nicht existierenden Schattenhaushalt des Militärs aussah - ob man den nicht traumhafter Weise auch dafür einsetzen könnte. Natürlich mit dazugehörenden Selbstverständlichkeiten wie Einbeziehung in besondere Bau- und Infrastrukturprojekte.
T'rsop versandte seine Vorüberlegungen und Anfragen und gab einige von ihnen schon in Auftrag. Der Tag hatte schonmal produktiv begonnen, wie er zufrieden feststellte, erneut an seinem Drink nippte und sich dann weiteren Aufgaben zuwandt.

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Wenige Tage später war T'rsop auf dem Weg zum Gerichtsprozess gegen Robert Kern. In der einen Hand hielt er eine Tüte mit seinem Lieblingsschnuck: Von Schokolade umgossene rohe Meeresfrüchte. Mit der anderen Hand pickte er sich genüsslich eines dieser Exemplare und kaute sie zufrieden. Gestern hatte er noch via Holo-Übertragung sein Seminar der Rhetorik für Monspolis gehalten. Da er ja in Blue One verweilte, um schnell und vernetzend agieren zu können, hatte er sich kurzerhand entschlossen, dass er die Lehreinheit nicht ausfallen oder vertreten ließ, sondern dass er die Rede über Holographie zum Thema machte und den Studenten zeigte und sie üben ließ, wie sie mit der Größe der Holo-Projektion, dem Detailreichtum oder der Detaileinschränkung der Übertragung und weiterer Funktionen ihre Rede und ihren Auftritt perfektionieren konnten. Danach hatte er sich die Tunnelverzeichnisse angeschaut und erste Skizzen für die Idee einer unterirdischen Schnellverbindung zwischen den großen Städten Prefsbelts IV. erstellt.
Und nun würde das Kapitel Robert Kern einen offiziellen Abschluss finden - auch wenn die Nachwehen zumindest den inneren Kreis der Verwaltung von Prefsbelt IV sowie dem ISB noch wochenlang beschäftigen würden. Inzwischen war er nur noch wenige Meter von der Kontrolle hin zu dem Gerichtsplatz entfernt. Also aß er noch schnell die letzten beide Leckereien aus seiner Tüte und warf diese in einen der nahestehenden Müllsammler. Nun war er bereit. Er fischte aus einer seiner Gewandtaschen seine ID-Anstecknadel und befestigte sie, strich sein Gelehrtengewand glatt und machte sich mental auf dem Prozess bereit. "Hoffentlich wird das kein Schauprozess, sondern wirklich die Suche nach Wahrheit und der Bedeutung der Taten Kerns. Ein Aufeinandertreffen von Argumenten und Präsentation. Denn das Volk soll ja nicht nur gesagt bekommen, dass Kern falsch gehandelt hat. Es muss begreifen, wie lächerlich diese egoistische Korruption war. Es muss fühlen - emotional fühlen - dass Theranos und die Regierung von Prefsbelt IV überlegen sind. Und nicht Abscheu gegen diese entwickeln, da der Prozessausgang schon feststeht - und schon gar nicht sollte Mitleid erweckt werden, wenn Kern gar keine Chance hätte sich zu verteidigen. Aber wir werden sehen", dachte T'rsop, bevor er schließlich in die Sicherheitsüberprüfung eintrat.

[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gerichtsplatz] - mit Dr. T'rsop und anderen
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Zentralbüro des ISB Besprechungsraum Agent Kreeger und Master Agent Corvin Threx, Agent Serik Halven, Agent Darius Kel und Agent Cassandra Voss [NPCs] Δ

Der Konferenzraum im oberen Sektor des ISB-Zentralgebäudes war von jener kühlen, fast beleidigenden Nüchternheit, mit der imperiale Institutionen ihre eigene Ernsthaftigkeit zu unterstreichen pflegten. Nichts an ihm war darauf ausgelegt, Menschen zu gefallen, denn alles daran diente dazu, Gedanken zu ordnen, Aussagen zu verdichten und Eitelkeiten auf jene Größe zu stutzen, die man in einem Apparat wie diesem noch als funktional duldete. Eine lange, dunkle Tischfläche durchschnitt den Raum wie eine sauber gesetzte Inzision, darüber schwebte bereits die gedämpfte Projektion des planetaren Verwaltungsnetzes von Prefsbelt IV, Linien und Knoten in blassem Blau, als handele es sich nicht ausschließlich um Aktenwege, Besitzverhältnisse und Sicherheitsstrukturen, hingegen mehr um den schematischen Blutkreislauf eines Patienten, der nur deshalb noch aufrecht stand, weil niemand den Mut gehabt hatte, seine inneren Blutungen beim Namen zu nennen.
Nerio Kreeger trat als Letzter ein, nicht aus demonstrativer Verspätung, sondern weil er sich die paar zusätzlichen Minuten genommen hatte, um seine Unterlagen nicht bloß zu ordnen, sondern auf jene genaue Form zu reduzieren, in der sie vor einem Mann wie Master Agent Corvin Threx überhaupt Gewicht besaßen. Im Raum warteten bereits die anderen drei Agenten, jeder in jener kontrollierten Haltung, die nach außen hin nichts als professionelle Bereitschaft signalisierte und in Wahrheit doch nur die kultivierteste Form von Konkurrenz war. Agent Voss saß mit übereinandergeschlagenen Händen, geschniegelt, aufmerksam, der Blick so glatt wie eine frisch gezogene Klinge. Darius Kel lehnte sich nur so weit zurück, dass es noch als Beherrschung und nicht als Übermut gelesen werden konnte, während Agent Serik Halven, wie fast immer, die Ruhe eines Mannes angenommen hatte, der es vorzog, sich kleiner erscheinen zu lassen, als er war, weil unterschätzte Präzision oft die wirksamste blieb.
Corvin Threx trat wenige Augenblicke später ein, begleitet nur von einem einzigen Datastab, den er trug, als sei er bloß eine Verlängerung seiner Hand. Der hochgewachsene imperiale Offizier des Sicherheitsbüros hielt sich nicht mit einleitenden Höflichkeiten oder Gesten auf, die Autorität hätte behaupten müssen. Er nahm seinen Platz am Kopfende ein, legte den Datastab vor sich und ließ den Blick der Reihe nach über die vier Agenten gleiten. Es war kein langer Blick, nur einer der entscheiden würde, wer hier im Morast der Strukturen steckenbleiben würde und wer nach den Sternen greifen können würde.

„Berichten Sie“, sagte der Vorgesetzte dieser Agenten schließlich. „Bitte fassen Sie sich aber, entgegen ihrer eingereichten Berichte, kurz und erwähnen nur Relevantes.“

Cassandra Voss war die Erste, die sprach. Natürlich.

„Die fiskalische Seite bestätigt, dass wir es nicht mit bloßem Verwaltungsrauschen zu tun haben“, begann sie, und ihre Stimme hatte jene kontrollierte Präzision, die darauf ausgelegt war, nicht nur informiert, sondern unentbehrlich zu wirken. „Ich hatte Kontakt mit Marcon Felth, Legat für Finanzen, Vermögen, Register und fiskalische Kontrolle. Offiziell gibt er sich kooperativ, tatsächlich versucht er, die Vergangenheit in eine Serie administrativer Unschärfen aufzulösen. Bemerkenswert ist jedoch, dass unter der alten Regierung auffällig viele Vermögensumschichtungen und beschleunigte Grundstücksfreigaben in Blue One über fiskalische Korrekturkanäle liefen, die formal sauber genug waren, um nicht automatisch Alarm auszulösen. Meine Recherchen ergaben darüber hinaus Verstrickungen zwischen Kerns Regime und Egran Faltus, Bauunternehmer, der mehrere Großaufträge für Wohnprojekte in Blue One erhielt. Auf dem Papier handelt es sich um urbane Verdichtung. Im Materialfluss und in der Taktung der Baugenehmigungen eher um das Schaffen diskreter Zugriffspunkte in strategisch günstigen Lagen.“


Kel ließ ein kaum hörbares Geräusch vernehmen, nicht laut genug, um offen unhöflich zu sein, aber zu bewusst, um als Zufall durchzugehen.

Voss blickte nicht einmal zu ihm.
„Wenn Sie dazu einen Einwand haben, Agent Kel, bitte mit Substanz.“


„Nur eine Beobachtung“, erwiderte Kel mit glatter Höflichkeit. „Bauunternehmer neigen dazu, dort zu bauen, wo sie Aufträge erhalten. Ich wäre vorsichtig, aus jedem Fundament gleich ein Komplott zu machen.“

„Ich wäre vorsichtig,“ gab Voss zurück, „Sicherheitsstrukturen für selbsterklärend zu halten, nur weil ein Mann in Uniform daruntersteht.“

Der Satz hing einen Moment im Raum, scharf genug, um den Schlag zu markieren, sauber genug, um nicht nach persönlicher Feindseligkeit zu klingen. Threx griff nicht ein. Noch nicht.

„Das wäre erstmal genug, Agent Voss. Fahren Sie fort, Agent Kel.“

Kel setzte sich leicht vor, als hätte der kurze Austausch ihn eher geschärft als irritiert. „Die sicherheitsrelevanten Kontakte liefern ein anderes, aber kompatibles Bild. Legat Veran Koss, zuständig für Inneres und Sicherheit, verteidigte der vorherige Legat die alte Struktur nicht offen, aber er spricht von ihr in einem Ton, der weniger nach Distanz als nach Verwaltungsnostalgie klingt. Interessanter ist laut meinen Recherchen, dass einige Soldaten der alten Garde eine neue Rekrutierung in der Blauen Legion fanden. Eine... überzeugende Befragung dieser Individuen ergab, das unter Kern mehrere ungewöhnliche Umstellungen der alten Garde als protokollarische Verstärkungen bei Gouverneursveranstaltungen vorgenommen wurden. Verstärkungen, die auffällig oft zeitlich mit geschlossenen Korridoren, abgesperrten Zonen und temporären Kommunikationssperren zusammenfielen.“

Er ließ die entsprechenden Zeitmarken kurz auf der Projektion aufblinken, die insinuierten, dass die Blaue Legion unter Kern dazu missbraucht wurde in einer Parallele zu diplomatischer Immunität räumlich wie zeitlich Korridore zu schaffen, in denen mit Absicherung der Blauen Legion Personen oder Waren unbehelligt den Ort wechseln konnten.

„Zusätzlich sprach ich mit Jarn Till, vormals Polizeichef von Red One, kurz vor der Machtübernahme pensioniert. Till ist verbittert genug, um nützlich zu sein, und stolz genug, um seine Bitterkeit als staatsbürgerliche Sorge zu tarnen. Nach seiner Darstellung wurden polizeiliche Zuständigkeiten gegen Ende der alten Regierung systematisch aus genau jenen Bereichen zurückgedrängt, in denen Veranstaltungen des Gouverneurs plötzlich sicherheitsrelevanter behandelt wurden, als ihr offizieller Charakter es erklärt hätte.“

„Entblindet?“ fragte Halven, ohne die Stimme zu heben. „Ein unvorsichtiger Begriff.“

Agent Kel wandte den Kopf nur minimal in seine Richtung. „Nur wenn man das, was danach geschah, immer noch für ein Versehen hält.“

„Gute Arbeit, Agent Kel. Teilen Sie bitte Ihre Erkenntnisse, Agent Halven.“

Serik Halven sprach nun selbst, nicht als Replik, sondern mit jener trockenen Ruhe, die seine Beiträge nie größer wirken ließ, als sie waren, und ihnen gerade dadurch Nachdruck gab. „Meine Kontakte bestätigen, dass diese Entwicklung auch sozial und kulturell abgesichert war. Vendan Olvar, ehemals Politiker von Prefsbelt, öffentlich loyal gegenüber jeder Administration, die ihm das Überleben sicherte, beschreibt die späte Kern-Zeit als eine Phase, in der Zugang nicht mehr über offizielle Gremien, sondern über Nähe organisiert wurde. Der zweite Kontakt, Daro Lendrin, Kulturfunktionär und früher Berater im Palast, offiziell im Ruhestand, faktisch aber immer noch ein Mann mit Gedächtnis für Gästelisten, Einladungen und informelle Sitzordnungen, hat eingeräumt, dass etliche Empfänge unter Kern einen doppelten Charakter hatten: nach außen protokollarisch, intern jedoch als Selektionsräume genutzt. Wer anwesend war, war weniger wichtig als wer unregistriert Zugang zu Annexen, Nebenräumen und Nachgesprächen erhielt.“

„Wirtschaft, Sicherheit, Gesellschaft“, sagte Voss, diesmal ohne offenen Angriff, aber mit jener feinen Schärfe, die erkennen ließ, dass sie die Architektur des Bildes sofort begriffen hatte. „Es fehlt nur noch jemand, der uns erklärt, dass all das auch verwaltungstechnisch möglich gemacht werden musste.“

Threx’ Blick wanderte zu Kreeger. Nerio sprach nicht sofort. Er legte seine schmale Notizfläche vor sich ab, als hätte er nichts weiter vor, als einen bereits bekannten Sachverhalt in eine brauchbare Reihenfolge zu bringen. Doch als er begann, zog sich die Aufmerksamkeit im Raum spürbar zu ihm.

„Es wurde möglich gemacht“, sagte er ruhig, „indem Ausnahmevorgänge so lange wiederholt wurden, bis niemand sie mehr als Ausnahme behandelte.“

Er hob eine Hand, und auf der Projektion glitten nun seine eigenen Befunde nach vorn: Materialflüsse, Altprotokolle, Tunnelknoten, Grundstücke, Lieferketten.

Unter Robert Kern existierte auf Prefsbelt IV ein administrativ stabilisierter Mechanismus, mit dem sicherheitsrelevante Materialbewegungen unter protokollarischer Tarnung aus der regulären Prüftiefe herausgenommen werden konnten. Die Beschaffungsstelle unter Sellia Dray spielte dabei nicht zwingend die Rolle eines sichtbaren Befehlszentrums, wohl aber die eines strukturellen Scharniers. Wiederkehrende Zusatzmarker, verkürzte Freigabewege, entlastende Umklassifizierungen und bis heute aktive Bereinigungsschleifen haben dafür gesorgt, dass Material, das an der Oberfläche wie dekorativer Veranstaltungsbedarf aussah, unter Prefsbelt City in operative Pufferzonen gelangte.“

Er ließ Bilder aus dem Lagerkomplex unter Blue One aufscheinen: KSI-Sichtmodule, Kommunikationsausrüstung, Lastcodes, die man in beide Richtungen lesen konnte.

„Diese Struktur ist nicht tot. Ich habe unter Blue One einen weiterhin nutzbaren Lager- und Tunnelkomplex lokalisiert. Dort befinden sich Bestände von Kaas Solutions Inc., die offiziell als Kulissen- und Sichtschutzelemente geführt wurden, tatsächlich aber modulare Abschirmung, Signalkontrolle und Kommunikationssperren ermöglichen. Die dazugehörigen Umlagerungen führen wiederholt zu Grundstücksclustern in Blue One und Prefsbelt Green, die mittelbar mit Danos Vrek verbunden sind.“ Mit einem kurzen Blick zum Master Agent signalisierte er, dass ihm bewusst war, dass Kürze in diesem Moment essenziell war. „Kurz gesagt: Wirtschaftliche Besitzverhältnisse, protokollarische Veranstaltungen, sicherheitsseitige Sonderbehandlung und verwaltungstechnische Entlastung bilden einen ehemals geschlossenen und in Teilen noch aktiven Kreislauf.“

Agent Kel schob den Unterkiefer einen Hauch vor. „Vorausgesetzt, man akzeptiert Ihre Prämisse, dass die vorhandenen Altstrukturen noch immer bewusst gesteuert werden und nicht bloß als Nachwirkung weiterlaufen.“

„Wenn ein Organismus nach einem Reiz zielgerichtet reagiert“, erwiderte Kreeger, den Blick weiterhin auf Master Agent Threx gerichtet, „spricht man nicht mehr von Nachwirkung.“

„Man spricht“, sagte Voss kühl, „unter Umständen auch von einem Ermittler, der sich in seine eigene Eleganz verliebt.“

Kreeger wandte ihr nun doch den Blick zu, und in seinem milden Lächeln lag nichts von Freundlichkeit, aber alles von Form. „Agentin Voss, Eleganz ist in Ermittlungen nur dann ein Mangel, wenn sie ohne Befund bleibt. Das hier tut sie nicht.“

Halven schwieg, doch sein Blick glitt über die Projektion mit jener Aufmerksamkeit, die verriet, dass er den Punkt erkannte, an dem aus Konkurrenz Respekt werden konnte, ohne die Konkurrenz deshalb zu mindern.

Der Master Agent hob die Hand, und der Raum verstummte augenblicklich.


„Genug.“

Er trat einen Schritt an die Projektion heran, betrachtete nacheinander die Linien, Namen und Knoten, die seine Agenten in den letzten Zyklen freigelegt hatten, und sprach erst, als das Schweigen lang genug gedauert hatte, um wieder Gewicht zu gewinnen.

„Agentin Voss, sagte er, „Ihre Arbeit war präzise. Felth und Faltus verankern die wirtschaftliche Seite des Bildes. Ohne Besitzverschiebungen und fiskalische Entlastung hätte dieser Apparat nie die räumliche Bewegungsfreiheit entwickelt, die er offenbar besaß.“

Voss nahm das Lob mit kaum merklicher Genugtuung entgegen.

„Agent
Kel. Koss, Vaal und Till haben bestätigt, dass man den Sicherheitsapparat nicht als Schutz des Planeten, sondern als Instrument kontrollierter Sichtbarkeit benutzt hat. Eine wertvoll Einsicht, die in diesem Fall über eine rein performative Beobachtung hinausgeht.“

Kel nickte knapp. In seiner Miene lag der kontrollierte Stolz eines Mannes, der mit weniger Lob nicht zufrieden gewesen wäre.

„Agent
Halven.“ Threx’ Stimme blieb gleichförmig, doch nicht abwertend. Olvar und Lendrin liefern die soziale Oberfläche. Die Empfänge waren offensichtlich Trägermedien. Halten Sie diese Linie offen.“

Agent
Halven antwortete mit einem knappen „Sir“, nicht mehr.

Dann fiel Threx’ Blick auf Kreeger.

„Agent
Kreeger.“

Es war bemerkenswert, wie wenig ein einzelner Name brauchte, um die Spannung im Raum neu zu ordnen.


„Sie haben den Mechanismus sichtbar gemacht. Nicht nur einzelne Vorteile, einzelne Männer oder einzelne Lieferungen. Den Mechanismus. Das ist der erste Befund in dieser Sache, der mehr ist als ein Bündel verdächtiger Parallelitäten.“

Für einen Moment herrschte absolute Stille. Kreeger ließ sich äußerlich nichts anmerken, doch tief unter der reglosen Oberfläche nahm er die Wirkung dieses Satzes mit derselben klaren Nüchternheit wahr, mit der er einen gelungenen Einschnitt registriert hätte. Threx wandte sich dem Datastab zu, aktivierte einen weiteren Vermerk und ließ eine neue Akte in die Projektion gleiten.

„Ich selbst habe Miss Marris befragt, die derzeitige Assistenz und faktische rechte Hand von Gouverneur Theranos Zesh. Zesh versucht, den Eindruck administrativer Erneuerung aufrechtzuerhalten. Marris hingegen ist klüger, als ihm lieb sein dürfte, und aufmerksam genug, um zu wissen, was in einem Haus nicht stimmt, lange bevor es offiziell benannt wird.“

Die Projektion zeigte mehrere Terminketten, Gästelisten und Anmerkungen.

„Nach Marris’ Aussage existierten unter der alten Regierung wiederkehrende ‚protokollarische Annexregelungen‘ für ausgewählte Abendveranstaltungen. Formell bedeutete das Sonderzugänge, erweiterte Nachbereitung, diskrete Abwicklung empfindlicher Gästebedarfe. Tatsächlich liefen über diese Annexregelungen jene Material- und Personalbewegungen, die unsere bisherigen Befunde nun zusammenführen. Besonders häufig tauchen dabei zwei Namen im Umfeld auf:
Sellia Dray – in der vorbereitenden Freigabelogik – und Mirelle Kaas, deren gesellschaftliche Präsenz weit größer war als ihre bloß wirtschaftliche Funktion es erklärt.“

Der Name blieb einen Moment lang wie ein eigener Lichtpunkt im Raum stehen.

Mirelle Kaas wird in drei Zyklen auf dem Empfang des Moffs Vayliuar anwesend sein. Als gesellschaftliche Konstante eines Netzwerks, das offenbar Geschäft, Repräsentation und diskrete Infrastruktur miteinander verband, trägt ihre Präsenz Gravitas.“

Master Agent Threx deaktivierte die Anzeige wieder und sah nun nur noch Kreeger an.

„Agent
Kreeger, Sie begleiten mich zu diesem Empfang.“

Voss’ Blick flackerte kaum sichtbar. Agent Kel blieb reglos, doch sein Kiefer spannte sich an. Halven wiederum hob die Augenbrauen so minimal, dass es fast nur eine Veränderung der Aufmerksamkeit war. Jeder im Raum verstand, was dieser Auftrag bedeutete. Es war Nähe. Zugang. Vertrauen. Der Master Agent hingegen sprach weiter, als habe niemand auf diese Entscheidung innerlich reagiert.

„Sie haben sich bereits mit Kaas Solutions,
Mirelle Kaas und der Tarnlogik ihrer Lieferketten befasst. Außerdem verfügen Sie“, seine Stimme verlor nicht die Spur ihrer Trockenheit, „über die geeignete Gesprächsführung für einen Abend, an dem niemand offen sagen wird, was er weiß.“

Kreeger neigte dankend den Kopf. „Verstanden, Sir. Es ist mir eine Ehre.“

Sellia Dray“, fuhr Threx fort, „wird unverzüglich zur Befragung eingeholt. Wir müssen vermeiden ihr die Zeit für eine narrative Rekonstruktion zu geben. Ich will, dass sie hier ist, bevor sich herumspricht, in welchem Ausmaß Blue One kompromittiert ist.“

Nun glitt sein Blick noch einmal über alle vier Agenten.

„Von diesem Moment an behandeln wir den Fall nicht länger als retrospektive Korruptionsuntersuchung. Wir gehen von einem in Teilen fortbestehenden Netzwerk aus, das administrative Routinen, soziale Räume und materielle Infrastruktur weiterhin zur Verschleierung nutzt. Das ändert die Maßstäbe. Wer mir ab jetzt berichtet, berichtet nicht mehr über Geschichte, sondern über ein lebendes Problem.“

Niemand antwortete sofort. Die Worte hatten den Charakter der Ermittlung verändert, und jeder im Raum wusste es.


Threx sammelte den Datastab ein. „Agentin Voss, vertiefen Sie die Eigentumslinien rund um Vrek und prüfen Sie Querverträge zu Kaas. Agent Kel, ich will wissen, welche Teile der Blauen Legion unter Vaal in den letzten Zyklen Zugriffsrechte auf unterirdische Sicherungsbereiche hatten. Agent Halven, arbeiten Sie die soziale Karte um Mirelle Kaas auf, besonders in Hinblick auf inoffizielle Patronage. Übermitteln Sie Agent Kreeger ihre Ergebnisse noch vor dem Empfang.“

Das letzte Wort fiel ohne Betonung und besaß gerade deshalb das Gewicht einer kleinen, sauberen Grenzziehung.

Als die Besprechung sich auflöste, tat sie es äußerlich mit jener professionellen Ökonomie, die im ISB jede offenere Form von Missmut untersagte. Niemand sprach ein falsches Wort. Niemand gestattete sich eine sichtbare Regung. Und doch konnte
Kreeger, als er seine Unterlagen wieder aufnahm, die Veränderung im Raum beinahe körperlich spüren. Das Buhlen um Threx’ Gunst war nicht verschwunden. Es hatte nur eine neue Schärfe bekommen. Aus der Konkurrenz um den besten Befund eine Konkurrenz um Nähe zum eigentlichen Schnitt geworden. Während draußen jenseits der versiegelten Fenster Prefsbelt IV weiter in seiner kontrollierten Fieberruhe verharrte, wusste Nerio Kreeger, dass sich die Untersuchung ab diesem Punkt in zwei Richtungen zuspitzen würde: Einerseits nach innen, zu Sellia Dray, deren verwaltungstechnische Handschrift sich nicht länger im Nebel der Zuständigkeiten verlieren würde, zum anderen nach außen, in die blendende, höfliche, von Geld und Ansehen parfümierte Welt eines Moff-Empfangs, an dessen Rändern Mirelle Kaas vielleicht noch immer glaubte, sie bewege sich in sicheren Kreisen. Sie tat es nicht.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Zentralbüro des ISB Besprechungsraum Agent Kreeger und Master Agent Corvin Threx, Agent Serik Halven, Agent Darius Kel und Agent Cassandra Voss [NPCs] Δ
 
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[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | in einer schwebelimousine ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh


Theranos nahm die Worte des Moffs aufmerksam auf, während die Limousine gleichmäßig und der Konvoi durch die Straßen von Blue One glitt und sich das Bild der Stadt in stetigem Wechsel an ihnen vorbeizog. Getragen von der Präsenz der andauernden jubelnden Bevölkerung, den wehenden Bannern, den immer wieder über den Himmel jagenden TIE-Jägern und der klar strukturierten Ordnung, die sich in jeder Ecke erkennen ließ.

Als Aren seine Entscheidung hinsichtlich der Werft ohne Umschweife traf, zeigte sich in Theranos’ Innerem eine leise Bestätigung, dass er den Moff richtig eingeschätzt hatte. Da die vorbereiteten Abläufe genau auf diese Priorität ausgerichtet worden waren, während sich ein kaum merkliches Nicken in seiner Haltung zeigte, begleitet von einem ruhigen, zustimmenden Ausdruck.


„Wird sofort umgesetzt“, erwiderte er in einem gleichmäßigen und freundlichen Ton, der sich mühelos in das Gespräch einfügte, während sein Blick kurz über die vor ihnen liegende Route glitt, während Theranos kurz die Pläne das Moffs über ein eingebautes Comlink in der Limousine an seine Sekretärin weitergab. Dann wandte er sich dem Moff wieder zu, „die entsprechenden Vorbereitungen laufen nun, sodass wir ohne Verzögerung zur Werft aufbrechen werden sobald wir im Palast angekommen sind und Sie Ihre Suit bezogen haben.“

Für einen Moment ließ er diese Worte stehen, während die Limousine an einer weiteren Reihe von Zuschauern vorbeizog und sich das Bild der Stadt zunehmend verdichtete.

„Es gibt in der Tat ausreichend zu sehen und zu besprechen“, fuhr er fort, „und ich bin überzeugt, dass wir die Zeit mehr sinnvoll nutzen werden.“
Das freundliche, zugleich bestimmte Auftreten des Moffs nahm er bewusst wahr, ebenso wie die klare Linie, die sich in dessen Worten zeigte, und es fügte sich für ihn nahtlos in das Bild eines Mannes ein, der gewohnt war, Entscheidungen ohne Umwege zu treffen. Während Theranos diese freundliche Direktheit keineswegs als Druck empfand, sondern als eine Form von Effizienz sowie Autorität, die er selbst mochte und schätzte. Etwas, das nach Theranos Meinung jede Person in höheren Positionen haben sollte.

Die anschließenden Worte zur Lageeinschätzung und zur Präsenz weiterer Kräfte nahm er ebenso auf, während sich in ihm eine ruhige Klarheit einstellte, die ihn dazu veranlasste, die Situation erneut präzise einzuordnen, ohne dabei den Ton des Gesprächs zu verändern.

Als Aren die Rolle der Sektorverteidigungsflotte und des ISB mit einem leichten, beinahe beiläufigen Unterton ansprach, zeigte sich auf Theranos’ Lippen ein feines, zurückhaltendes Grinsen, das sich nur für einen kurzen Moment hielt und weniger als Reaktion, sondern vielmehr als stilles Einverständnis zu verstehen war, während er diese Bemerkung in seiner eigenen Bewertung der Lage aufnahm.


„Ich weiß dieses Vertrauen zu schätzen, Moff Vayliuar“, antwortete er ruhig, während seine Stimme jene kontrollierte Beständigkeit beibehielt, die sein kontrolliertes Auftreten prägte, „und wir werden weiterhin mit der nötigen Sorgfalt vorgehen, um sicherzustellen, bis alle verbleibenden Aspekte vollständig geklärt sind.“


Während sie weiter durch die Stadt glitten und sich unterhielten, veränderte sich die Umgebung spürbar, je näher sie dem Zentrum kamen.

Die Straßen wurden um einiges breiter und wandelten sich in schöne Alleen, was das Bild der Stadt nochmals um einiges aufwerten. Gebäude gewannen an Höhe und Detailreichtum, während sich zwischen ihnen immer wieder offene Plätze auftaten, auf denen sich Menschen versammelt hatten, deren Aufmerksamkeit sich auf die vorbeiziehende Limousine richtete, begleitet von freudigen Rufen, erhobenen Händen und dem stetigen Spiel von Licht und Bewegung, das sich über Fassaden und Banner legte.

Zwischen den verschiedensten Prachtbauten von denen viele mit Arkaden versehen waren, erhoben sich kulturelle Einrichtungen, deren Architektur sich noch bewusster von der funktionalen Struktur der übrigen Stadt abhob, und für einen kurzen Moment blieb Theranos’ Blick an einem dieser Gebäude hängen. Einem Opernhaus, dessen weit geschwungene Linien und hellen Fassaden sich deutlich von den umliegenden wenn auch sehr kunstvollen Strukturen komplett absetzten, während sich in ihm eine leise Anerkennung für die ästhetische Seite dieser Stadt regte, die er selbst bewusst gefördert hatte. Waren doch die Verschönerung und Begrünung der Hauptstadt doch eines seiner ersten persönlichen Projekte gewesen.


Die Worte des Moffs über Naboo führten seinen Blick für einen Moment von der unmittelbaren Umgebung fort, hin zu Erinnerungen, die sich nicht in Bildern aufdrängten, sondern eher als leise Präsenz im Hintergrund seines Denkens lagen, während sich ein kaum sichtbares, leicht nachdenkliches Lächeln in seinem Ausdruck zeigte.


„Naboo ist zweifellos ein bemerkenswerter Planet“, begann er schließlich, während seine Stimme einen leicht reflektierenden Unterton annahm, die Verbindung von Architektur, Natur und kulturellem Selbstverständnis schafft dort eine Atmosphäre, die man nur schwer in Worte fassen kann. “

Sein Blick glitt für einen Moment über die vorbeiziehenden Fassaden, als würde er die beiden Welten unbewusst miteinander vergleichen.

„Theed insbesondere besitzt eine Eleganz, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat, getragen von einer klaren gestalterischen Linie und einem ausgeprägten Sinn für Proportion ,Harmonie und gleichzeitig Sinnhaftigkeit .“

Ein kurzer Moment der Stille folgte, während sich seine Gedanken weiterentwickelten, ohne dass sich dies in sichtbarer Regung zeigte.

„Es gehört ohne Frage zu den eindrucksvolleren Orten, die ich bisher sehen durfte“, fügte er hinzu, bevor sich seine Stimme wieder leicht veränderte, kaum merklich, doch in ihrer Nuance deutlich genug, um eine weitere Ebene anzudeuten.

„Auch wenn die politischen Strukturen dort… mitunter eine gewisse Trägheit aufweisen, die Entwicklungen erschwert, Korruption begünstigt und leider vor Neid nur so protzt. Somit kommt es dort leider nur langsam zu Entscheidungen, die andernorts” er hob leicht die Gäste um verstehen zu geben das Prefsbelt IV ein solcher Ort war ”mit größerer Konsequenz umgesetzt werden und viel schneller zu Ergebnissen und besseren Wohlstand führen. Dennoch bin ich großer Hoffnung eines Tages nach Naboo zurück zu kehren und Theeds Hauptplatz mit den Bannern des Imperiums geschmückt zu sehen."

Für einen Moment ließ er diese Worte wirken, ohne sie weiter auszuführen, während sich in seinem Inneren eine klare Abgrenzung formte, die ihn letztlich nach Prefsbelt geführt hatte.

„Prefsbelt IV und sein Sektor bieten in dieser Hinsicht mannigfaltige Möglichkeiten“, setzte er schließlich fort, während sein Blick wieder klar nach vorne gerichtet war, „und genau das macht es so interessant.“


Während die Limousine eine sanfte Kurve nahm, öffnete sich der Blick auf den näherkommenden Gouverneurspalast und den Hauptplatz, was Theranos ein fast andächtiges “seht werter Moff der Gouverneurspalast kommt in Sichtweite” entlockte. Dessen gewaltige Struktur sich nun langsam aus der umgebenden Architektur herauslösten und sich in ihrer gesamten Ausdehnung präsentierte, getragen von jener prunkvollen, klar gegliederten Bauweise, die sowohl Größe als auch Ordnung vermittelte.

Die Fassaden erhoben sich in hellen, fein gearbeiteten Flächen, durchzogen von Säulen, Bögen und weitläufigen Terrassen, während sich die Wege und Zufahrten in präzisen Linien auf das Zentrum des Gebäudes ausrichteten, eingerahmt von gepflegten Anlagen, deren Gestaltung die gleiche Sorgfalt erkennen ließ wie die Architektur selbst und überall waren schöne blaue Details zu sehen.

Theranos’ Blick ruhte für einen Moment auf diesem Anblick, und in diesem kurzen Augenblick zeigte sich eine leise Zufriedenheit, die sich nicht aus Gewohnheit speiste, sondern aus einer bewussten Wertschätzung dessen, was dieser Ort darstellte. Der ihn immer wieder verzauberte.


„Ihr werdet Euch gleich selbst ein genaues Bild machen können“, sagte er ruhig, während sich die Limousine dem Palast näherte und sich die Tore langsam öffneten, „der Bau ist… äußerst eindrucksvoll.“

Ein letzter, kaum wahrnehmbarer Gedanke glitt durch sein Bewusstsein, während sich der Konvoi dem Ziel näherte und der nächste Abschnitt dieses Besuchs unmittelbar bevorstand, getragen von der Gewissheit, dass dieser Austausch sich weiterhin in genau jener Linie bewegte, die er sich erhofft hatte.


[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | in einer schwebelimousine ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh
 
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Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Zentralbüro des ISB Verhörzelle Agent Kreeger und Beschuldigter [NPC] Δ

Bevor sich eine Gala als Operationssaal sozialer Gefüge beweisen konnte, gab es jedoch noch bestimmte Befunde einzuholen. Das imperiale Sicherheitsbüro war eine Institution, die es schaffte selbst im Vorhof einer prestigereichen Veranstaltung genug Arbeit zu schaffen, um nicht in den Genuss einer Vorfreude kommen zu können. Für den emsigen Agenten des ISB war die Aussicht auf eine, wie Agent Kel es gerne "überzeugende Befragung" nannte, zweifelhaft. Er genoss nicht die Angst seiner zu befragenden Subjekte, hatte keinen Gefallen daran ihnen körperlich oder seelisch weh zu tun. Für ihn war es eine reine Formsache zu einem Ergebnis zu kommen und je einfacher es ihm seine Subjekte machten, desto besser für alle beteiligten Parteien.

Die Luft im Zentralbüro des ISB von Prefsbelt City war stiller als anderswo im Galaktischen Imperium. Hier herrschte kein Lärm der Stadt, kein Rufen, kein Verkehr, nur das gedämpfte Summen der Energieverteiler hinter den Wänden und das regelmäßige Zischen der Luftaufbereitung. In den Fluren des Imperialen Sicherheitsdienstes roch alles nach Metall und Ordnung. Steril, kontrolliert, klinisch. In dieser Welt der grauen, weißen und schwarzen Uniformen und geschlossenen Türen war Agent
Nerio Kreeger in seinem Element. Während andere Offiziere des Galaktischen Imperiums an der Front kämpften oder über Flotten kommandierten, führte Kreeger seine Schlachten in Räumen ohne Fenster. Dort, wo Wahrheit und Angst ineinander übergingen, wo Loyalität wie Gewebe geprüft wurde. Er verstand sich nicht als Soldat, sondern als Diagnostiker. Und jeder, der diesen Raum betrat, war ein Patient, egal ob er wollte oder nicht. Der Funktionär der alten Verwaltung rang mit seiner Fassung. Die Stirn glänzte unter dem kalten Deckenlicht, seine Finger zuckten nervös. Nerio Kreeger beobachtete das wie ein Arzt die Zuckungen eines Patienten. Keine Bewegung entging ihm.


„Sehen Sie,“ begann er das Gespräch mit dem bisher unkooperativen Subjekt erneut, die Stimme von unerschütterlicher Ruhe getragen, „ich bin kein Soldat. Ich trage keine Rüstung, ich befehle keine Legionen. Mein Werkzeug ist das Gespräch.“ Er tippte mit dem behandschuhten Finger sachte gegen die Mappe, als sei sie ein Stethoskop. „Aber ein Gespräch reicht, um Fieber zu senken, um eine Infektion einzugrenzen. Ein Eingriff ist nicht immer nötig. Manchmal genügt schon ein ehrliches Wort.“

Der Mann atmete hektisch ein und aus, die Hände fest ineinander verschränkt. „Ich… ich habe niemandem geholfen. Ich schwöre es.“

„Niemandem geholfen?“ Kreeger hob eine Braue, sein Lächeln blieb unverändert.Das ist ein interessanter Begriff. Helfen. Helfen ist ein Symptom, wissen Sie. Ein sehr menschliches. Menschen helfen anderen, selbst wenn sie es nicht sollten. Ein kleiner Gefallen hier, ein weitergegebener Name dort… und ehe man sich versieht, hat man das Fieber schon in den eigenen Händen getragen.“

Er ließ eine Pause entstehen, so schwer, dass man beinahe das Summen der Beleuchtung hörte. Dann beugte er sich langsam vor, die Hände gefaltet, als wolle er dem Mann ein Geheimnis anvertrauen. „Ich werde Ihnen etwas verraten.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, eindringlich, vertraulich. „Ich habe nichts gegen Sie persönlich. Ich habe auch nichts gegen jene, die Robert Kern geholfen haben. Warum sollte ich? Ich kenne sie nicht. Ich kenne nur Symptome. Und glauben Sie mir: Ich bin ausgesprochen gut darin, sie zu erkennen.“

Der Funktionär wich mit den Augen aus, als könne er dem Blick nicht standhalten. „Sie… Sie können mir nichts beweisen.“

Kreeger lachte leise. Kein hartes Lachen, sondern ein beinahe freundliches, als hätte man ihm einen charmanten Scherz erzählt. „Beweisen? Mein Lieber… Beweise sind etwas für Gerichte. Ich bin sowas wie ein Arzt, kein Richter.“ Er griff nach der Mappe, schlug eine Seite um und deutete auf eine markierte Passage. „Aber sehen Sie: Hier ein Dokument, das Ihre Präsenz in einem unterirdischen Lagerhaus in den Tunnelsystemen unterhalb des Raumhafens von Red One belegt. Dort verschwanden Waren, die nie hätten verschwinden dürfen. Arzneimittel, die… wie ironisch… das Leben imperialer Soldaten retten sollten.“ Er schüttelte den Kopf, als sei er selbst beinahe betrübt. „Und gleichzeitig taucht ein Name auf. Immer wieder. In den Gesprächen, die wir aufgefangen haben. Ihr Name.“

Die Stirn des Mannes perlte vor Schweiß. „Das… das war ein Missverständnis. Ich—“

„—Ah!“ Kreeger schnitt ihm sanft das Wort ab, indem er die Hand hob, als wollte er ihn beruhigen. „Missverständnisse sind wie bakterielle Infektionen. Sie beginnen klein, unscheinbar, oft harmlos. Aber ignoriert man sie…“ Seine Stimme senkte sich, sein Blick verhärtete sich. „…dann breiten sie sich aus. Sie zerstören Gewebe. Und am Ende verliert man nicht nur den Finger, sondern die ganze Hand.“

Er lehnte sich wieder zurück, das Lächeln kehrte zurück, sanft, beinahe väterlich. „Ich gebe Ihnen die Möglichkeit, die Hand zu retten. Vielleicht sogar den Arm. Aber dafür brauche ich die Wahrheit. Namen. Kontakte. Wer Ihre ‚Hilfe‘ im Namen Kerns in Anspruch genommen hat. Ich will nicht Ihr Fleisch schneiden. Ich will nur Ihre Worte hören.“

Er nahm das Datenpad, tippte langsam darauf, so dass das leise Klicken die Stille durchbrach. „Einmal. Klar und deutlich, das genügt bereits. Glauben Sie mir, Ihr Herz wird leichter schlagen, wenn Sie die Last abwerfen. Wie nach einer erfolgreichen Operation.“

Wieder ließ er die Stille wirken, lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und sah den Mann lange an. Ein Arzt, der den Patienten ansieht, wissend, dass die Diagnose längst gestellt ist.

„Also, sagen Sie mir,“ fragte er schließlich in einem Ton, der zugleich höflich und unausweichlich war, „mit wem haben Sie gesprochen?“

Der Mann schwieg. Sein Blick irrte zwischen den weißen Wänden, als könne er dort eine Fluchtmöglichkeit finden. Dann fixierte er den Tisch, die Kanten, die Schattierung der Lichtreflexe. Alles, nur nicht den Mann ihm gegenüber. Nerio Kreeger wartete. Er bewegte sich nicht, sprach nicht. Geduld war das schärfste Skalpell. Schweigen war oft der Moment, in dem der Patient sich selbst öffnete. Das Summen der Deckenleuchte wurde zum Puls der Zelle. Dann, nach endlosen Sekunden, ein Flüstern.

„Ich… habe nur den Kontakt hergestellt. Nur ein Mal.“

Kreeger hob langsam den Blick von seinem Datenpad, als hätte er das gar nicht gehört. „Einmal?“ fragte er sanft. „Ein einziges Mal? Wie ein erster Husten, bevor das Fieber kommt?“

Der Funktionär sah ihn an, und Kreeger lächelte schmal. Nicht kalt, sondern beinahe tröstlich. Er tippte den Namen in sein Pad ein, ein leises Klicken, das wie ein Herzschlag klang.

„Und wem haben Sie den Zugang gewährt?“

„Einer Frau“, sagte der Mann hastig. „Sie nannte sich... Yrda. Siallé. Ich weiß nicht, ob das ihr richtiger Name war. Sie… sie wusste Dinge. Über uns. Über die Lieferungen.“

„Siallé Yrda.“ Kreeger sprach den Namen aus, langsam, prüfend. Es klang nach einem Anagramm für Sellia Dray. Dann nickte er leicht. „Klingt nabooisch. Interessant. Sie sehen, wie einfach das war? Kein Schmerz, keine Schreie. Nur Worte. Worte sind das, was heilt. Oder tötet.“

Er legte das Datenpad beiseite, faltete die Hände. „Und sagen Sie mir, Herr…“ er sah in die Akte und tat so, als lese er den Namen zum ersten Mal, als wüsste er nicht bereits, wer der Patient vor ihm sei.Renver, war es? Herr Renver. Wie kam diese Siallé Yrda an Sie heran? Zufällig? Oder haben Sie ihr, sagen wir, den Kontakt ermöglicht?“

Renver zögerte. „Sie… sie kam über einen Kollegen. Ich wusste nicht—“

„Natürlich wussten Sie es nicht.“ Kreeger nickte, als bestätige er die Diagnose eines Patienten, der sich selbst beruhigt. „Niemand weiß je etwas. Das ist die Natur von Infektionen. Sie verstecken sich. Sie tarnen sich als harmlos, bis es zu spät ist.“

Er stand auf, trat langsam um den Tisch und blieb hinter dem Mann stehen. Seine Stimme senkte sich, ruhig, beinahe fürsorglich. „Aber wissen Sie, was mich interessiert? Warum Sie, Herr Renver. Warum nicht jemand anderes? Warum dieser Kontakt gerade Sie fand. Sie müssen doch etwas ausgestrahlt haben. Eine Schwäche, ein Spalt im Gewebe, durch den die Krankheit eindringen konnte.“

Renver presste die Lippen zusammen. Der Schweiß glänzte jetzt an seinem Nacken. „Ich… ich wollte nur helfen.“

Kreeger legte ihm eine Hand auf die Schulter. Der Druck war kaum spürbar, doch Renver versteifte sich, als würde ihn ein Messer berühren.

„Ich glaube Ihnen das,“ sagte Kreeger leise. „Helfen ist menschlich. Aber Menschlichkeit ist wie Fieber. Sie kann nützlich sein, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Oder tödlich, wenn man sie laufen lässt.“

Er ging wieder um den Tisch, nahm Platz, als wäre nichts geschehen. Seine Stimme wurde wieder sachlich, fast geschäftlich. „Sie werden mir alle Namen nennen, die Ihnen in Verbindung mit Siallé Yrda begegnet sind. Danach bringe ich Sie zu einem Kollegen, der eine formelle Erklärung aufnimmt. Wenn Sie kooperieren, kann ich veranlassen, dass Ihre Familie nicht in die Untersuchung einbezogen wird.“

Renvers Kopf schnellte hoch. „Meine Familie? Aber—“

„—Ah, da ist es,“ unterbrach der Offizier des ISB leise aber bestimmt. „Der Fieberherd. Dort sitzt der Schmerz. Ich habe ihn gefunden.“
Er lehnte sich zurück, betrachtete den Mann mit mildem Bedauern. „Glauben Sie mir, ich möchte Ihnen nicht wehtun. Ich will nur verhindern, dass sich Ihre… Krankheit ausbreitet.“

Er nahm wieder sein Pad, und die Tasttöne klangen wie Tropfen in einer endlosen Stille.
„Fangen wir noch einmal von vorn an,“ sagte er schließlich.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Zentralbüro des ISB Verhörzelle Agent Kreeger und Mr. Renver [NPC] Δ
 
[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | vor dem Raumhafen | Gleiter ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh

Um sie herum änderte sich zusehends das Stadtbild und man konnte merken, dass Prefsbelt IV durchaus ein Planet mit Tradition war, der nicht nur aus rein logistischen Gründen in die Höhe gezogen worden war. Der Gouverneur teilte ihm währenddessen mit, dass seine Pläne bezüglich der Tagesplanung bereits umgesetzt wurden und dankte ihm auch für das Vertrauen, welches er in dessen Fähigkeiten setzte. Gerade letzteren Punkt hätte Aren fast mit einem Grinsen kommentiert. Für manch einen Verwalter mochte es durchaus wagemutig, ja fast schon idiotisch erscheinen, einen Gouverneur anzufordern, den man nicht nur selbst nicht kannte, der aber gleichzeitig auch das von ihm zu verwaltende Gebiet überhaupt nicht kannte und noch dazu recht frischen Blutes war, wenn man so wollte. Durchaus ein gewisses Risiko, das wollte Aren kaum bestreiten, doch er hatte einen Plan gehabt, welcher sich voll auszuzahlen schien. Es war genau dieses neue Blut, welches er und welches der Prefsbelt-Sektor brauchten. Keine verknöcherten Bürokraten oder weitverzweigte und vernetzte Dynasten (auch wenn er wohl selbst in gewisser Weise zu letzterem zählte). Er brauchte einen neuen Wind im Sektor, mit dem man etwas bewegen, etwas anstoßen und verändern konnte. Und wenn Aren den Worten seines Gastgebers lauschte und gleichzeitig aus dem Gleiter hinaus blickte und die pittoresken Straßenzüge und die jubelnde Bevölkerung betrachtete, schien ihm das durchaus gelungen zu sein. Gouverneur Zesh lieferte einen guten Start, doch man wollte den Tag nicht vor dem Abend loben, immerhin stand für den Gouverneur doch einiges auf dem Spiel, auch wenn dieser es wohl kaum wusste.

Als Aren das Thema Naboo ansprach, schien sich der sonst so gefasste und kühle Gouverneur etwas in Gedanken zu verlieren - in durchaus positiven wie sein Lächeln bewies. So, wie sein Gastgeber den Planeten beschrieb fühlte Aren sich fast ein wenig an Uyter und Visdic erinnert. Nach der Militärbasis auf Bacrana und Bastion Center war Uyter, Visdic und die malerischen Landstriche die die Landhäuser seiner Familie umgaben eine Idylle ohne Gleichen gewesen, welche für immer einen besonderen Platz für Aren einnehmen würde. Er musste durchaus zugeben, dass er besorgter war als manch ein anderer Mann in seiner Position, wenn er von der nicht ideal verlaufenden Verteidigung auf Kashyyk hörte, welches doch so nah an diesem Kleinod von Planeten lag, der für Aren wahrscheinlich mehr Heimat war als alles andere und den seine Familie als Stammsitz so gut nutzen konnte.


,,Ich verstehe Ihre Schwärmereien nur zu gut, Gouverneur. So sehr ich auch Effizienz und Ordnung auch zu schätzen weiß, solche Orte wie Naboo, oder auch meine "Wahlheimat" auf Uyter sind schon etwas sehr besonderes."

Doch der Gouverneur verstand es, Parallelen zu diesem so wichtigen Besuch zu ziehen. Das Naboo wohl etwas träge war, konnte Aren sich gut vorstellen. Eine Welt der Künstler und Freidenker, der Lustwandler und Phantasten - so schön und gut dies in vielerlei Fällen auch sein konnte, eine effiziente Verwaltung förderte es wohl kaum. Das Prefsbelt IV in dieser Hinsicht anders war, hoffte Aren nicht nur, davon ging er sogar stark aus. Es freute Aren sehr zu hören, dass sein Gastgeber - genau wie er selbst - die vielen Möglichkeiten sah, die der Planet und Sektor zu bieten hatte. Die Hoffnung von Gouverneur Zesh, eines Tages in Theed das Banner der Imperiums zu hissen, konnte Aren sehr gut nachfühlen, doch war dies wohl Gegenstand illusorischer Tagträumereien aktuell. So realistisch musste man sein, auch wenn Aren nichts gegen Optimismus und eine Vision einwenden wollte, ganz im Gegenteil.

Der Gouverneurspalast, welcher sich nun nach einer Kurve vor ihnen erhob, lenkte das Thema aber schnell wieder in eine andere Richtung. Man konnte durchaus erkennen, dass Gouverneur Kern ein gewisses Faible für Selbstdarstellung besessen hatte, aber auch, dass Prefsbelt IV nicht irgendein Planet innerhalb des Galaktischen Imperiums war.


,,Je tiefer ich in Blue One vorstoße, desto mehr bereue ich, dass ich den Planeten erst jetzt besuche. Äußerst beeindruckend."

Sie näherten sich dem gewaltigen Gebäude, welches Opulenz und gleichzeitig selbstbewusste Macht ausstrahlte und Gouverneur Zesh, wie Aren meinte nicht ganz ohne Stolz, wies darauf hin, dass er sich bald selbst ein genaueres Bild machen konnte. Die Tore des Palastes öffneten sich und ihr Gleiter stieß in das verwaltungstechnische Allerheiligste des Planeten vor.

,,Ich bin äußerst gespannt, was der Rest Ihrer Verwaltungszone hier hergibt, aber ohne Frage ein äußerst beeindruckender Start, sie legen die Messlatte recht hoch, für den weiteren Besuch, Gouverneur Zesh."

, erwiderte Aren nicht ganz ohne ein kleines auflachen seinerseits.

,,Ich freue mich darauf, Ihnen weiterhin zu folgen und mit einigen der Verantwortlichen zu sprechen, die auf einer etwas tieferen Gehaltsstufe ihren Dienst tuen. Sagen Sie Gouverneur, wird hier auch der Ball stattfinden? Ich werde meiner Verlobten schreiben, sobald ich meine Suite bezogen habe, dann kann Sie sich dort weiter ausruhen, ich hoffe, es wird ihr gut genug gehen. Es wäre eine Freude, wenn Sie hier ein Hangar für unsere Yacht bereitstellen könnten. Diese Umstände, die wir Ihnen in dieser Hinsicht machen, tun mir Leid."

Den Ball würde Adriana sich auf keinen Fall entgehen lassen wollen und Aren freute sich darauf, mit ihr ein wenig zu tanzen. Es würde ihr schon wieder besser gehen und um die Sicherheit hier auf Presbelt IV machte er sich kaum noch Gedanken. Der Gouverneur schien die Lage wirklich geklärt zu haben.

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | vor dem Gouverneurspalast | Gleiter ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh
 
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