Filmreihe Scream

Zuschauer in Deutschland (Quelle: InsideKino)
Scream - Schrei!: 1.792.646 Zuschauer
Scream 2: 1.550.099 Zuschauer
Scream 3: 1.804.426 Zuschauer
Scream 4: 430.315 Zuschauer
Scream: 343.358 Zuschauer
Scream 6: 362.825 Zuschauer


Weltweite Einnahmen (Quelle: Box Office Mojo)
Scream - Schrei!: $173.046.663
Scream 2: $172.363.301
Scream 3: $161.834.276
Scream 4: $97.231.420
Scream: $137.743.924
Scream 6: $166.577.232
 
Während aktuell Scream 7 einerseits finanziell gut punktet und andererseits in der Kritik eher nicht so sehr wegkommt, habe ich - quasi beseelt von diesen Umständen - überhaupt das erste Mal mit der "Scream"-Reihe begonnen. Da ich jetzt quasi die hier dem Thread seinen Titel gebende Trilogie durch habe, bietet sich ein erstes Zwischenfazit an.

Interessanterweise fühlte ich mich nach Teil 1 so, wie es @Sam Rockwell für Teil 7 schreibt: Die Figuren fand ich allesamt nicht sonderlich interessant, die Dynamik, die hier einige sehen, wollte sich für mich nicht einstellen, und auch das Whodunnit hat für mich nicht funktioniert. Zum einen war mir zunächst einmal gar nicht klar, dass ich da miträtseln sollte, zum anderen fand ich die Auflösungen auch unterwältigend: Bei dem einen Knilch wusste ich erst einmal gar nicht, wer das sein soll, bei dem anderen war mir die Motivation für die anderen Morde nicht klar.

Man muss vielleicht dazu sagen, dass ich vermutlich auch einfach nicht zur Zielgruppe gehöre, da ich tatsächlich Slasher-Filme einfach nicht mag. Aber so von der Außenwahrnehmung her dachte ich halt, dass mich der Metaaspekt der Reihe durchaus abholen könnte. Dabei fand ich das alles gar nicht so clever, sondern es waren vielleicht gerade mal 5 Minuten in dieser ganzen Laufzeit, in denen der Film für mich tatsächlich mehr war als ein Slasher, den ich nicht mochte. Wirklich nachhaltig funktioniert hat bei mir eigentlich nur die Szene, in der auf der Party beim "Halloween"-Gucken alle Pubertiere ausrasten, weil sie "Jamie Lees Titten" sehen, während sich oben Sydney ebenfalls auszieht, der Blick auf Neve Campbells Oberweite dem Zuschauer aber verwehrt wird - das war mir einfach deutlich zu wenig.

"Scream 2" fand ich dahingehend dann sogar noch etwas schwächer. Da war das häufig ein Fall von "Wir machen uns einfach über die Klischees lustig, dann kommen wir schon damit durch, wenn wir die Klischees selbst alle erfüllen". Etwas besser war dann für mich "Scream 3": Es tut dem Metaaspekt IMO sehr gut, dass ein Großteil der Handlung während der Dreharbeiten zum neuesten "Stab"-Film stattfindet - so wird dieser postmoderne Touch, wegen dem ich überhaupt mal in die Reihe reingeschaut habe, irgendwie "omnipräsenter", wenngleich das alles für mich irgendwie doch mittelmäßig bleibt.

Meine Wertungen auf Letterboxd wären:
  • Scream: 2 von 5 Sternen
  • Scream 2: 1,5 von 5 Sternen
  • Scream 3: 2,5 von 5 Sternen
Und jetzt könnt ihr den Ghostface-Killer auf mich loslassen ;)
 
Ich kann deine Reaktion nachvollziehen, wenn man mit der Erwartung an die Reihe geht, sie sei in erster Linie ein cleverer Meta-Kommentar auf das Horror-Genre. Das ist so ein Bild, das sich über die Jahre ziemlich verfestigt hat. Wenn man dann tatsächlich zum ersten Mal den ersten Teil schaut, merkt man relativ schnell, dass Scream -Schrei! im Kern immer noch ein ganz klassischer Slasher ist. Der Film kommentiert das Genre, aber er steht nicht außerhalb davon. Er macht sich nicht wirklich darüber lustig und er versucht auch nicht, es zu dekonstruieren. Er spielt eher damit.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum er bei Leuten, die Slasher grundsätzlich nicht mögen, oft nicht so richtig zündet. Ein Großteil der Spannung und auch des Humors entsteht nämlich daraus, dass der Film die bekannten Muster benutzt und sie nur leicht verschiebt. Die Figuren wissen zum Beispiel selbst, welche Regeln Horrorfilme normalerweise haben. Aber sie geraten trotzdem in genau diese Situationen. Das ist weniger ein ironischer Kommentar als eine zusätzliche Ebene von Spannung.

Ich glaube auch, dass viele Zuschauer den Film stark über seine Figuren wahrnehmen. Nicht unbedingt, weil sie extrem tief geschrieben wären, sondern weil die Gruppe als Ganzes erstaunlich lebendig wirkt. Das liegt viel an den Dialogen und an der Dynamik zwischen den Figuren. Sidney wirkt nicht wie ein typisches Final Girl aus den Achtzigern, sondern wie jemand, der tatsächlich mit der Geschichte um den Mord an ihrer Mutter zu kämpfen hat. Tatum hat eine Präsenz, die über eine normale Nebenrolle hinausgeht. Randy funktioniert gleichzeitig als Genre-Nerd und als Comic Relief. Diese Figuren reden miteinander wie Teenager der Neunziger, nicht wie Horrorfilmfiguren, die nur darauf warten, als nächste dran zu sein.

Beim Whodunit verstehe ich aber deinen Punkt. Wenn man den Film wirklich als klassischen Krimi mitraten möchte, ist er gar nicht so ausgefeilt. Die Auflösung funktioniert eher über einen dramaturgischen Trick. Dass es zwei Täter gibt, war damals im Slasher-Kino ziemlich ungewöhnlich. Ein Teil des Publikums war deshalb überrascht, weil viele Szenen im Film erst dadurch logisch werden. Dass Billy relativ früh verdächtig wirkt, ist im Grunde sogar Absicht. Der Film spielt bewusst damit, dass der offensichtlichste Verdächtige vielleicht zu offensichtlich ist.

Interessant finde ich auch deine Einschätzung zu Scream 2. Viele Fans sehen den tatsächlich fast auf Augenhöhe mit dem ersten Teil. Der Film verschiebt den Meta-Aspekt ein bisschen. Statt über die Regeln von Horrorfilmen zu reden, geht es jetzt mehr um die Regeln von Fortsetzungen. Warum Sequels größer werden, brutaler, lauter. Gleichzeitig macht der Film genau das selbst. Größere Schauplätze, mehr Figuren, mehr Chaos. Das ist eigentlich ziemlich elegant gebaut, auch wenn man natürlich sagen kann, dass er sich trotzdem stark an die Struktur des ersten Films hält.

Dass du Scream 3 etwas besser fandest, ist dagegen eher eine Minderheitenmeinung. Der Film treibt den Meta-Aspekt stärker auf die Spitze, weil er direkt im Hollywood-Milieu spielt und die Stab-Filme zum zentralen Element macht. Dadurch ist dieser selbstreflexive Ton viel präsenter. Gleichzeitig wirkt der Film für viele Zuschauer auch deutlich alberner. Ein Teil davon hängt mit den Produktionsumständen zusammen. Das Drehbuch wurde mehrfach umgeschrieben, und nach Columbine wollte das Studio deutlich weniger explizite Gewalt im Film haben. Deshalb rutscht er stellenweise stärker in Richtung Komödie.

Man darf auch nicht vergessen, wie sehr der erste Film von seinem historischen Moment lebt. Mitte der Neunziger war das Slasher-Genre eigentlich ziemlich erschöpft. Nach der Welle der Achtziger waren die meisten Filme extrem formelhaft geworden. Als Wes Craven dann mit diesem Film zurückkam, wirkte das plötzlich frisch. Ein Horrorfilm, der seine eigenen Regeln kennt und trotzdem ernsthaft Spannung erzeugt.

Wenn man heute ohne diese Zeitperspektive an die Reihe herangeht und ohnehin kein großer Fan von Slashers ist, bleibt wahrscheinlich vor allem der Teil übrig, den man ohnehin nicht besonders mag. Für viele andere funktioniert der Film eher als sehr gut gemachter Genrevertreter mit einer ironischen Selbstwahrnehmung. Nicht als großer Meta-Kommentar, sondern als Slasher, der ein bisschen klüger ist als der Durchschnitt.
 
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