Für mich eine wahrlich janusköpfige Episode.
Ich hatte schon vorab davon gelesen, dass es eine Episode geben würde, in der das Schicksal von Benjamin Sisko zum Thema werden würde. Als großer DS9-Fan, der ich nun einmal bin, habe ich mich sehr auf die Folge gefreut. Es begann aber wirklich echt übel: Die ganze Eingangs-Sequenz wirkte auf mich wie eine überdrehte Parodie auf den Stil von "Ms. Marvel" - eine Serie, die ich jetzt auch nicht sonderlich mochte. Ich hatte nur die Hoffnung, dass das mit dem Intro aufhören würde und wurde dahingehend erst einmal nicht enttäuscht. Ich hätte es schon dämlich gefunden, wenn man ausgerechnet bei der "DS9-Episode" diesen IMO recht dämlichen Stil voll durchgezogen hätte.
Stattdessen bekomme ich einen wirklich gelungenen Liebesbrief an DS9 in die Hand gedrückt. Bisher wurde DS9 ja in den neueren Realserien sehr stiefmütterlich behandelt - über das Aufgreifen von "Sektion 31" legt man lieber einen Mantel des Schweigens -, aber hier zeigt man wirklich eine unfassbare Liebe zum Detail. Als großer DS9-Fan, der ich nun einmal bin, fand ich vor allem die kleinen Dinge toll, an die man angeknüpft hat: Ja, das Essen war immer ein wichtiger Hauptbestandteil der Serie; ja, ich wusste noch, dass Jakes Buch "Anselm" hieß; ja, Cirroc Loftons leise, aber gewichtige Auftritte hatten ihren Charme. Ja, ja, ja, bis hin zur Musik im Abspann.
Die Enthüllung am Ende fand ich im ersten Moment etwas drüber - mir war das zu viel Zufall, dass SAM ausgerechnet in diesem Kurs sich dann ausgerechnet auf das Sisko-Problem stürzt und ausgerechnet das die Dozentin des Kurses ist -, aber dann kam die Erkenntnis: Im Grunde bedeutet das, dass Dax jetzt in der Serie öfter auftauchen und z. B. auch in einem Crossover mit dem Doctor agieren könnte. Ich kann nur hoffen, dass man diese Chance nicht ungenutzt lässt.
Nun muss ich zu einem Kritikpunkt kommen, der zunächst nicht mein eigener war, aber über den ich mehr und mehr nachdenke: Auf TrekBBS habe ich gelesen, dass Avery Brooks ursprünglich mit dem Ende von Sisko nicht zufrieden war, weil dieses die "absent black father"-Trope zu stark bedienen würde. Daher hat man damals einen Satz in Siskos Abschied hineingeschrieben, in dem dieser verspricht, doch noch zurückzukommen. Nun ja, dieses Versprechen ist nun hin und das Klischee nun doch erfüllt. Während des Schauens ist mir das nicht aufgefallen, aber je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr hat das nun doch ein Geschmäckle.
Wirklich schon während der Episode hat mich aber vor allem der B-Strang genervt. Zum einen wollte er rein tonal für mich nicht zum A-Strang passen, weder als Ergänzung noch als Kontrapunkt. Zum anderen fand ich das Verhalten der Erwachsenen hier teilweise einfach zu kindisch. Nee, das war so gar nicht meins. Gerade die "Dinner-Szene" ging auch viel zu lang und hat den Fluss der Folge IMO ziemlich gestört. Ich habe dann sogar schon irgendwann einmal an meinem Handy gedaddelt.