Tagespolitik allgemein

Aber wie lange würde es dauern, mehrere 10.000 Schuss Munition und 62 Kilo Sprengstoff verschwinden zu lassen?

Kommt auf den Durchsatz an. Bei Schießübungen gehen für 30 Soldaten gerne mal 10.000 Schuss/Tag drauf. Der Durchsatz dürfte beim KSK nochmal deutlich höher sein, mit wesentlich mehr Schießtagen.
Sprengstoff ist wahrscheinlich noch einfacher. Ob man eine Sprengung mit 4 oder 5 kg durchführt fällt wahrscheinlich wirklich nur dem auf der die Ladung vorbereitet.
 
Wenn eine von 4 KSK-Kompanien bereits ersatzlos aufgelöst wurde, so richtig mit Kompaniechef, Spieß, Waffenkammer und allem, was sonst noch so dazu gehört, dann ist das schon ziemlich heftig. Da war offensichtlich noch sehr viel mehr im argen, als unsaubere Bücher und eine geschlamperte Meldekette.

Das bestreitet ich auch gar nicht, mir geht es nur um die Differenzierung.
 
Das bestreitet ich auch gar nicht, mir geht es nur um die Differenzierung.

Aber ich bitte dich, was sollen wir hier noch differenzieren? Es geht offensichtlich aus Unterlagen hervor, dass 48.000 Schuss und 62 Kg Sprengstoff fehlen. Und niemanden hat das bis vor eine Woche ernsthaft interessiert?

Bei den Ermittlungen stellte das Ministerium nun fest, dass die vorgeschriebene Protokollierung des Munitionsverbrauchs beim KSK total chaotisch lief. Laut dem Bericht für den Bundestag fehlen in den Beständen derzeit 48.000 Schuss und 62 Kilogramm Sprengstoff.

Quelle: https://www.spiegel.de/politik/deut...eswehr-a-b798424a-e10e-4697-969e-74ab0eb32570

Die Protokolle sind Mist und der Protokollführer macht einfach 'irgendwas'. Der Kompaniefeldwebel sagt nix dazu. Der Kompanietruppführer sagt nix dazu. Der Hauptmann sagt nix dazu. Der Stab sagt nix dazu. Der Kasernenkommandeur sagt nix dazu.

Irgendwo muss diese Meldekette ja anscheinend unterbrochen worden sein, denn erst das Bundesministerium der Verteidigung stellt in dieser Sache urplötzlich Unregelmäßigkeiten fest. Und das sind nur die Mengen, von denen man weiß. Wenn @David Somerset nämlich Recht behält, dann kann man sich jetzt bereits an einer Hand abzählen, dass noch wesentlich mehr Material "verschwunden" wurde.
 
Aber ich bitte dich, was sollen wir hier noch differenzieren? Es geht offensichtlich aus Unterlagen hervor, dass 48.000 Schuss und 62 Kg Sprengstoff fehlen. Und niemanden hat das bis vor eine Woche ernsthaft interessiert?

Ich kenne die Prozesse in solchen Fällen nicht. Es ist aber auch nicht sonderlich geschickt, etwas vertuschen zu wollen und dann Dokumente anzulegen, die das auch noch beweisen.

Zumindest den Erfahrungen von @David Somerset nach ist es praktisch relativ einfach, Munition außerhalb der Bücher verschwinden zu lassen.
 
Ich kenne die Prozesse in solchen Fällen nicht. Es ist aber auch nicht sonderlich geschickt, etwas vertuschen zu wollen und dann Dokumente anzulegen, die das auch noch beweisen.

Diese Dokumente müssen angelegt werden, das ist Teil des Vorschriften- und Bürokratiewesens der Bundeswehr. Wenn man gar nix schreibt, fällt man sofort auf, einfach weil dann halt ALLES an Material fehlt.

Meine Denke: Auch ne Kompanie bekommt das Zeug ja von irgendwem und das wird ebenfalls dokumentiert. Es wird da zu nem Crosscheck gekommen sein, wo nicht nur das Datenmaterial der Kompanie geprüft wurde, sondern eben auch das des Zulieferers. Ne Inventur der Waffenkammer und der Munitionsbehälter ist das letzte Puzzlestück. Ein Ministerium hat Zugriff auf all diese Informationen, aber einzelne Leute aus einer Kompanie? Eher nicht.

Zumindest den Erfahrungen von @David Somerset nach ist es praktisch relativ einfach, Munition außerhalb der Bücher verschwinden zu lassen.

Aber um genau diese Mengen geht es ja gerade nicht.
 
Aber wie lange würde es dauern, mehrere 10.000 Schuss Munition und 62 Kilo Sprengstoff verschwinden zu lassen?

Ob überhaupt was verschwunden ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt gewisse Über- und Unterbestände, die noch im Rahmen einer Inventur innerhalb der ganzen DSK geklärt werden müssen. Natürlich ist es möglich, dass dort abgezweigt wurde, aber ebenso kann es sein, dass irgendwo einfach in der Erfassung geschlampt wurde. Man darf nicht vergessen, dass das KSK bisher auch irgendwie immer ein wenig außerhalb der regulären Truppe existierte und Dinge des täglichen Bedarfes auch mal über eigene Kanäle beschafft wurden und nicht über das träge Beschaffungssystem der regulären Truppe.
 
Irgendwo muss diese Meldekette ja anscheinend unterbrochen worden sein, denn erst das Bundesministerium der Verteidigung stellt in dieser Sache urplötzlich Unregelmäßigkeiten fest. Und das sind nur die Mengen, von denen man weiß. Wenn @David Somerset nämlich Recht behält, dann kann man sich jetzt bereits an einer Hand abzählen, dass noch wesentlich mehr Material "verschwunden" wurde.

Das glaube ich auch. Worüber jetzt diskutiert wird, ist fehlende Ausrüstung, deren Fehlen zumindest mal irgendwo erfasst wurde. Aber wenn jemand einfach weniger verbraucht als er angibt, würde das dann überhaupt irgendwo auffallen? Wenn man wie im Beispiel von @David Somerset 5 kg Sprengstoff offiziell verbraucht, aber nur 4 kg nutzt, kann man doch das 1 kg mit nach Hause nehmen, ohne dass es je irgendjemandem in einem Register auffallen könnte?
 
Wenn es derartig einfach ist, bei der Bundeswehr Munition und Sprengstoff verschwinden zu lassen, dann frage ich mich, warum dann bei Inventuren überhaupt Unregelmäßigkeiten auffallen. :verwirrt:
 
Wenn es derartig einfach ist, bei der Bundeswehr Munition und Sprengstoff verschwinden zu lassen, dann frage ich mich, warum dann bei Inventuren überhaupt Unregelmäßigkeiten auffallen.

Wir reden hier von Munition und Sprengstoff, also Verbrauchsmaterialien. Da hat vielleicht die Kiste mit 1000 Schuss eine Inventarnummer, aber bestimmt nicht jede einzelne Patronen. Bei Plastiksprengstoff wie PETN ist es ja noch schlimmer. Die kommen in 10 kg Blöcken und werden dann ganz individuell portioniert.
 
Wir reden hier von Munition und Sprengstoff, also Verbrauchsmaterialien. Da hat vielleicht die Kiste mit 1000 Schuss eine Inventarnummer, aber bestimmt nicht jede einzelne Patronen. Bei Plastiksprengstoff wie PETN ist es ja noch schlimmer. Die kommen in 10 kg Blöcken und werden dann ganz individuell portioniert.

Aber würde das in dem Fall irgendwann auffallen, wenn ein Soldat etwas "privat einlagern" möchte? Ursprünglich ging es ja um Materialien, welche mutmaßlich laut Unterlagen fehlen. Nach eurer Diskussion heute habe ich eher den Eindruck, dass da vielleicht jemand nicht sorgfältig war und entsprechende "Kreise" beim KSK oder der Bundeswehr allgemein über die Jahre ganz andere Größenordnungen an Munition und Sprengstoff beiseite geschafft haben könnten, ohne dass es irgendwann irgendjemandem auffallen könnte.
 
Stand jetzt ist, dass nicht mehr nachvollziehbar ist wie viel Munition und Sprengstoff fehlt. Das sind teilweise Schätzungen, da Unterlagen falsch oder fehlerhaft geführt wurden.
Ich habe über die Möglichkeiten gesprochen was Munition und Sprengstoff angeht und eine Erklärung wie man diese verschwinden lassen kann. Ob das so war? Keine Ahnung, aber es erklärt warum laut BMVg letztes Jahr noch rund 20.000 Schuss in der ganzen Bundeswehr gefehlt haben* und jetzt, 6 Monate später, alleine beim KSK rund 50.000 Schuss. Das ist eine Diskrepanz die nur dadurch zustande kam, dass jetzt jemand genauer hingeschaut hat, als lediglich Meldungen abzuhaken wie es in der Regel gemacht wird. Das ist alles nur aufgefallen weil man die Munition gefunden hat und jetzt erklären muss wo sie herkommt.

*von denen übrigens 3500 Schuss wieder aufgetaucht sind...falsche Buchführung gibt es nämlich auch.
 
Nächste Ausschreibung an die Waffenschmiede: Gewehre mit Fingerabdrucksensor und Schusszähler und Patronenhülsen mit persönlich kodierten RFID-Chips.
 
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