The Wheel (Besh-Gorgon-System)

// The Wheel // Hangarbay // Dawn Chaser // Dany, Samin, Gongboy und seine Gang; Sana, Naeva und die anderen Kinder an Bord //

Die Dawn Chaser hatte wirklich noch nie so voll gewirkt. Dany war kaum einige Schritte weit ins Schiff gekommen, als sich zwölf zusätzliche Personen bereits bemerkbar machten. Taschen wurden abgestellt, Kinder wichen einander im Korridor aus und aus dem Frachtraum kamen die ersten Stimmen. Einer wollte wissen, wo sie hinflogen. Ein anderer hatte offenbar schon eine Sitzgelegenheit entdeckt, die jemand anderes ebenfalls für sich beanspruchte. Sie war ihr gesamtes Erwachsenenleben mehr oder weniger alleine gereist, doch seltsamerweise störte sie der Trubel nicht einmal besonders. Dieser Tag fühlte sich wie ein Aufbruch ins Ungewisse an. Und wenn sie an ihre letzten Monate dachte, konnte es kaum schlimmer werden.

Und zum ersten Mal war wirklich Leben an Bord. Dany schob eine Tasche mit dem Fuß aus dem Durchgang und bedeutete zwei der Jüngeren, weiter in Richtung Frachtraum zu gehen.
Samin würde gleich nachkommen und ihnen erklären, wie es weiterging. Nur kam Samin nicht. Dany hielt inne. Zunächst war es kaum mehr als ein Gefühl, doch sie spürte, dass sich etwas verändert hatte.

Die Geräusche aus der Hangarbucht waren leiser geworden. Nicht vollkommen still, aber anders. Die Stimmen waren verstummt und stattdessen hörte sie schwere Schritte - mehrere. Die Mandalorianerin drehte den Kopf zur offenen Rampe. Von ihrer Position aus konnte sie Samin gerade noch erkennen. Die Chiss stand noch draußen. Und sie bewegte sich nicht. Danys Gesicht verlor das kleine Lächeln, das die fremden Kinder ihr zuvor entlockt hatten. Ihr Blick fiel für einen Sekundenbruchteil auf eine der Seitenkonsolen neben dem Zugang. Die Tasche. Zweihundertdreiunddreißigtausend Credits, offen durch das Rad getragen. Shab, sie hatte es ihr gesagt.


"Haran..."

Dany atmete einmal langsam durch die Nase aus. Kein Grund, die Kinder nervös zu machen.

"Macht schon mal weiter"

Sie sagte es beiläufig zu denjenigen, die noch im Korridor standen. Ihr Blick fiel zu Sana. Sie wirkte wie die reifste unter ihnen. Und irgendwas verriet Dany, dass das Mädchen wusste, was zu tun war. Ruhe bewahren und die Angelegenheit ihnen überlassen.

"Samin und ich sind gleich da"

Dann wandte sie sich scheinbar vollkommen unbeeindruckt einer schmalen Verriegelung in der Wand zu. Das kleine Waffenfach öffnete sich. Dany griff hinein und zog ihre S-195 heraus. Das vertraute Gewicht lag sofort richtig in ihrer Hand. Sie überprüfte die Energieanzeige mit einem kurzen Blick, schloss das Fach wieder und hielt den Blaster verdeckt und eng hinter ihrem Körper, während sie zurück zum Zugang ging.

Erst jetzt konnte sie sehen, was draußen tatsächlich wartete. Ein Mensch bei den Ersatzteilkisten. Ein Weequay auf der anderen Seite. Dann der verdammte
Gongboy und der hatte Gesellschaft mitgebracht - einen Nikto und einen Rodianer. Letzterer hatte sich zumindest die Mühe gespart, seine Waffe zu verdecken.

Dany verzog kaum merklich den Mund. So viel dazu, dass er es auch umsonst getan hätte. Sie trat auf die Rampe. Ihre Schritte waren langsam und völlig unaufgeregt. Die rechte Hand blieb hinter ihrem Körper verborgen, den S-195 nach unten gerichtet, sodass er von vorne erst einmal kaum zu sehen war. Der linke Arm hing locker an ihrer Seite. Keine hektischen Bewegungen. Keine unnötige Eskalation.

Noch nicht. Stufe für Stufe ging sie hinunter. Dann trat sie neben
Samin. Dany sah zuerst zu der Chiss, nur einen Moment lang. Anschließend wanderte ihr Blick demonstrativ zu der schwarzen Tasche an ihrer Schulter. Wieder zurück zu Samin. Es brauchte keine Worte dafür. Erst dann wandte Dany ihre Aufmerksamkeit Gongboy und den anderen zu. Ihr Gesicht blieb ruhig. Die Pistole noch immer hinter ihrem Körper verborgen.

"Tut mir leid"

Eine kurze Pause. Dann deutete sie mit einem kaum merklichen Kopfnicken zurück zur Dawn Chaser.

"Die Plätze sind alle belegt"

Während sie sprach, hatte Dany die Situation längst ein zweites Mal durchgerechnet. Die Truppe vor ihnen sah auf den ersten Blick nicht überdurchschnittlich gefährlich aus. Ein offen getragener Blaster, ein paar Gestalten, die eher nach Hafengesindel als nach professionellen Killern aussahen und Gongboy selbst. Nichts davon ließ sie glauben, dass sie hier gerade einem Killerkommando gegenüberstand. Das bedeutete allerdings nicht besonders viel. Sie wusste nicht, was Gongboy tatsächlich auf dem Kasten hatte. Vielleicht war der bleiche Kerl mit dem Irokesenschnitt tatsächlich nur ein dahergelaufener Pilot mit zweifelhaften Freunden. Doch Äußerlichkeiten waren eine miserable Grundlage dafür, jemanden zu unterschätzen.

Dany ließ ihren Blick scheinbar beiläufig von einem zum nächsten wandern. Die Rampe war hinter ihnen und die Kinder im Schiff. Falls es hässlich wurde, würde sie vermutlich schnell genug an ihre S-195 kommen, um den ersten Schuss nicht
Gongboy zu überlassen. Aber genau darauf wollte sie es nicht ankommen lassen. Ein Feuergefecht wenige Meter vor einem Schiff voller Kinder war selbst dann eine beschissene Idee, wenn man glaubte, es gewinnen zu können.

Also blieb der Blaster vorerst hinter ihrem Rücken. Vielleicht ließen sich die Probleme auch anders lösen.


"Du hast deine Credits. Also klären wir das doch auf die langweilige Art, bevor sich noch jemand verletzt."

// The Wheel // Hangarbay // Rampe der Dawn Chaser // Dany, Samin, Gongboy und seine Gang; Sana, Naeva und die anderen Kinder an Bord //
 
[The Wheel | abgelegene Hangarbay → Hangarbay der Dawn Chaser] Sana, Naeva und die anderen Kinder | Samin, Dany und Gongboy

Später also.

Mehr brauchte Sana aus dem kleinen Nicken, mit dem Samin ihren Blick beantwortete, zunächst nicht herauszulesen, denn rings um sie herum kam ohnehin Bewegung in die bis gerade eben noch halbwegs geordnete Enge der Scrapwing. Decken wurden zusammengerollt, Taschen gesucht und gleich wieder geöffnet, weil irgendjemand ganz sicher gewesen war, noch etwas darin vergessen zu haben. Einer der Kleineren versuchte gleichzeitig seine eigenen Sachen und eine von Gongboys Kisten einzupacken, bis Samin klarstellte, dass nur mitkam, was ihnen auch tatsächlich gehörte.

Eigentlich keine besonders komplizierte Regel.

Sana sah auf den kleinen Hydrospanner in ihrer Hand. Der Ring war noch immer grau. Irgendwann zwischen dem Aufstehen und dem allgemeinen Packen musste sie das Werkzeug automatisch vom Boden genommen haben. Einen Moment lang drehte sie es zwischen den Fingern und betrachtete die schmale dunklere Stelle an der Einfassung, an der man mit ausreichend gutem Willen vielleicht noch irgendeine andere Farbe erkennen konnte. Dann legte sie den Spanner zurück zu den übrigen Werkzeugen.Er gehörte ihr schließlich nicht.


„Kommst du?“

Naeva stand bereits mit ihrer Tasche ein Stück weiter Richtung Rampe. Sana nickte, schob ihre eigene über die Schulter und ging zu ihr. Besonders viel befand sich darin nicht. Ein paar Kleidungsstücke, Kleinkram und das Wenige, was den Weg aus dem Heim, durch einen Frachtcontainer und schließlich bis hierher überstanden hatte. Entsprechend lange brauchte sie mit dem Packen auch nicht.

Als sich die Gruppe langsam an der Rampe sammelte, brauchte Naeva nur einmal über die Kinder hinwegzusehen und Sana wusste bereits, wonach sie suchte. Ihr eigener Blick wanderte automatisch in die andere Richtung. Zwei der Kleineren standen noch zwischen den Kisten, ein dritter hatte sich von Gongboys halb zerlegter Küchenzeile ablenken lassen und weiter hinten versuchte jemand, eine Decke so an einer viel zu kleinen Tasche festzubinden, dass sie wahrscheinlich keine zwanzig Meter halten würde. Sana ging hinüber, nahm eine der Schlaufen entgegen und zog sie noch einmal neu fest.


So.

„Das war schon fest, das hatte ich auch gemacht."

Sie betrachtete den Knoten.

Nicht wirklich...aber jetzt ist es fest und jetzt los."

Der Junge verzog den Mund, dampfte dann aber in Richtung der anderen ab. Dass Samin kurz darauf ausgerechnet Sana und Naeva bat, darauf zu achten, dass alle zusammenblieben, fühlte sich deshalb nicht besonders neu an. Naeva hatte meistens zuerst im Blick, wer wo hingehörte und hatte spätestens nach der zweiten Nacht auf der Scrapwing Regeln für Dinge aufgestellt, bei denen Sana nicht einmal auf die Idee gekommen wäre, dass man dafür Regeln brauchte. Sana hielt sich aus den meisten davon heraus, wusste inzwischen aber trotzdem ziemlich genau, was gemeint war, wenn Naeva in eine Richtung sah und dabei nur leicht die Augenbrauen hob. Dann schaute Sana eben in die andere. Wenn sie darüber nachdachte, kam das dem, was sie sich unter Schwestern vorstellte, vermutlich ziemlich nahe. Jedenfalls brauchten sie nicht besonders viele Worte dafür.

Der Abschied von Gongboy fiel unter den Kindern unterschiedlich aus. Einige riefen ihm noch etwas zu, andere sahen wenigstens ein letztes Mal nach der Scrapwing zurück. Sana tat weder das eine noch das andere. Der Palliduvaner hatte ihnen Wasser besorgt, etwas zu essen aufgetrieben und sie mehrere Tage auf seinem Schiff schlafen lassen. Daran änderte auch nichts, dass Sana sich noch ziemlich genau daran erinnerte, wie der andere Mann vor einigen Tagen zu Boden gegangen war. Sie hatte nie recht gewusst, was sie von Gongboy halten sollte. Irgendwann hatte sie zumindest aufgehört, jedes Mal aufzusehen, wenn er hereinkam. Damit war es für sie vorerst gut gewesen.

Der Weg durch das Rad war kurz genug, dass eigentlich niemand verloren gehen sollte und lang genug, dass mehrere der Kinder es trotzdem beinahe schafften. Natürlich nicht absichtlich. Es gab nur überraschend viele Dinge, die interessanter waren als weiterzulaufen, darunter einen halb zerlegten Servicedroiden, dessen geöffneter Brustkorb genug Kabel offenbarte, dass Tavin stehenblieb und den Kopf hineinstecken wollte, bis Sana ihn am Ärmel erwischte.

Komm.

„Ich wollte nur gucken.“

Kannst du im Laufen.

Er sah sie an, als wäre das offensichtlich unmöglich. Sana ließ seinen Ärmel los und ging weiter. Zwei Sekunden später folgte er. Naeva bekam davon weiter vorne nichts mit. Sie hatte gerade zwei andere Kinder wieder in die richtige Richtung geschickt und war damit beschäftigt, Dany nicht aus den Augen zu verlieren, was zugegebenermaßen ziemlich schwierig gewesen wäre. Die Mandalorianerin ragte deutlich über die meisten Leute im Korridor hinaus und ihre Rüstung machte sie zwischen Arbeitern, Droiden und Frachtern nicht gerade unauffälliger.

Sanas Blick blieb trotzdem mehrmals daran hängen.

Nur aus Interesse.

Die Dawn Chaser erkannte sie erst daran, dass Dany direkt darauf zuging. Im Gegensatz zu Samin sagte ihr die Bauart nichts und sie hätte weder Triebwerke noch Sensoren oder irgendwelche Reparaturen vernünftig beurteilen können. Ein Blick genügte trotzdem, um festzustellen, dass das Schiff deutlich weniger zusammengewürfelt wirkte als die Scrapwing. Sana sah zur Rampe. Diesmal fragte sie nicht, ob es wirklich flog.

Spätestens im Inneren verlor sich die Ordnung der Gruppe innerhalb weniger Augenblicke. Taschen landeten dort, wo gerade Platz war, zwei Kinder wollten denselben Sitz und irgendwo aus Richtung des Frachtraums kam bereits die erste Frage danach, wohin sie überhaupt flogen. Sana stellte ihre Tasche zunächst an einer Wand ab und schob sie kurz darauf wieder fort, nachdem jemand beinahe darüber gestolpert wäre. Dany bewegte sich währenddessen erstaunlich selbstverständlich zwischen ihnen, obwohl Sana sich kaum vorstellen konnte, dass auf diesem Schiff normalerweise zwölf Kinder durcheinanderliefen.

Eigentlich hätte Samin inzwischen nachkommen sollen.

Sie hatte gesagt, dass sie ihnen auf dem Schiff erklären würde, wie es weiterging und Sana erinnerte sich ziemlich genau daran. Das kleine Nicken zuvor hatte wohl dasselbe gemeint.

Nun waren sie hier.

Samin noch nicht.

Zunächst störte sie das nicht besonders. Vermutlich redete sie draußen noch mit jemandem oder hatte irgendetwas vergessen. Sana half einem der Kleineren dabei, seine Tasche weiter aus dem Gang zu bekommen und sah erst wieder zur Rampe, als Dany plötzlich innehielt. Es war keine besonders große Bewegung. Die Mandalorianerin drehte lediglich den Kopf in Richtung des offenen Zugangs und blieb einen Moment so stehen, als lauschte sie auf etwas, das im Durcheinander innerhalb des Schiffes sonst niemand wahrgenommen hatte. Dann sah sie zu Sana.


„Macht schon mal weiter.“

Der Tonfall klang beiläufig genug. Sana kannte solche Tonfälle aus dem Heim und wusste, dass sie nicht immer besonders viel bedeuteten. Manchmal aber schon. Danys Blick blieb noch einen Augenblick auf ihr liegen.

„Samin und ich sind gleich da.“

Sana nickte und hätte die Sache vermutlich damit stehen lassen, wenn Dany sich anschließend nicht einer schmalen Verriegelung in der Wand zugewandt hätte. Das Fach dahinter enthielt eine Pistole, die sie herausnahm, kurz überprüfte und anschließend so hinter ihrem Körper hielt, dass sie von draußen kaum zu erkennen war. Sana sah auf die Waffe. Das passte nicht ganz zu gleich da.

„Was ist?“

Naeva war neben sie getreten, nahe genug, dass ihre Stimme zwischen den anderen Kindern nur Sana erreichte. Sie deutete mit dem Kinn zur Rampe. Dany verschwand gerade nach draußen. Naeva sah ihr nach, anschließend über die Kinder und wieder zurück.


„Die Kleinen nach hinten.“ Sana nickte. Mehr musste dazu nicht gesagt werden.
Während Naeva damit begann, die Gruppe weiter in den Frachtraum zu verteilen und nebenbei den Streit um einen Sitzplatz beendete, nahm Sana einem der Jüngeren eine Tasche ab und stellte sie aus dem Gang.


„Wo ist Dany?“

„Bei Samin.“

„Warum?“

„Weiß ich nicht.“

Das Kind blickte an ihr vorbei Richtung Rampe.

„Können wir gucken?“

„Nein.“

„Du guckst doch auch.“

Sana hielt kurz inne.

„Nein.“

Die Antwort kam ein bisschen zu schnell.
Das Kind grinste und ließ sich von Naeva weiter nach hinten treiben. Sana wartete, bis es außer Sicht war. Dann sah sie zur Rampe. Nur kurz. Von ihrer Position aus konnte sie nicht besonders viel erkennen. Wenn sie allerdings die zwei Schritte bis zur nächsten Wand machte und sich dort ein wenig vorbeugte, wurde aus nicht besonders viel immerhin genug. Die Tasche in ihrer Hand stellte sie deshalb an der Wand ab.

Damit sie nicht im Weg stand.

Dann ging sie die zwei Schritte. Samin stand am unteren Ende der Rampe und Dany inzwischen neben ihr. Das allein wäre noch nicht ungewöhnlich gewesen.
Gongboy schon eher. Vor wenigen Minuten hatten sie sich von ihm verabschiedet. Nun war er wieder da und diesmal nicht allein. Neben ihm erkannte Sana einen Nikto und einen schmalen Rodianer, weiter hinten zwei weitere Gestalten, deren Verteilung in der Hangarbucht kaum zufällig wirkte. Der Blaster in der Hand des Rodianers machte ohnehin deutlich genug, dass keiner von ihnen nur gekommen war, um noch einmal Tschüss zu sagen.
Sie zog den Kopf ein kleines Stück zurück.

Ausgerechnet Gongboy.

Er hatte ihnen geholfen. Wasser, Essen, einen Platz zum Schlafen. Sana hatte trotzdem nie vergessen, was vor einigen Tagen passiert war. Deshalb hatte sie ihm auch nicht vertraut, jedenfalls nicht so, wie einige der Kleineren es vielleicht irgendwann getan hatten. Trotzdem hatte sie gedacht, dass die Sache mit ihm jetzt vorbei war. Offenbar nicht.

Sana beugte sich noch einmal gerade weit genug vor, um Dany sehen zu können. Die Mandalorianerin ging langsam die Rampe hinunter und hielt die Waffe so, dass Gongboy sie vermutlich nicht erkennen konnte. Ihre Bewegungen wirkten dabei beinahe gelangweilt. Wahrscheinlich machte sie das absichtlich.


„Sana!“

Sie drehte den Kopf. Naeva stand am Zugang zum Frachtraum und sah sie an. Nicht vorwurfsvoll, eher so, als wüsste sie ohnehin ziemlich genau, was Sana gerade tat.

„Ich komme.“

Nach einem letzten Blick nach draußen ging sie zurück.

Ein kleiner Junge hatte seine Tasche mitten im Durchgang geöffnet, weil ihm offenbar genau jetzt eingefallen war, dass er etwas darin suchte. Sana stieg zunächst darüber hinweg, machte zwei Schritte und kehrte doch wieder um, nachdem inzwischen der halbe Inhalt auf dem Boden lag.


„Was suchst du?“

„Mein Holo.“

„Das kleine?"

Er nickte. Sana griff in eine Seitentasche, die er offenbar vergessen hatte, zog das Gerät heraus und gab es ihm.

„Oh.“

„Bitte.“

Sie half ihm, den Rest wieder einzupacken. Währenddessen drangen Stimmen von draußen herein. Nicht jedes Wort schaffte es durch die Hangarbucht und das Durcheinander innerhalb des Schiffes, Dany war jedoch deutlich genug zu verstehen, als sie Gongboy erklärte, dass auf ihrem Schiff kein Platz mehr sei.

Sana hielt kurz inne.

Also ging es um das Schiff.

Oder darum, wer mitdurfte.

Der Junge vor ihr bemerkte nichts davon und versuchte zum dritten Mal, seine Tasche zu schließen, obwohl ein Ärmel im Verschluss klemmte. Sana stopfte ihn hinein und zog den Verschluss zu.

Von draußen kamen weitere Worte.

Credits.

Verletzt.

Mehr verstand sie nicht.

Sie sah wieder in Richtung Rampe.
Vorhin hatte Gongboy noch dagestanden und sie verabschiedet. Jetzt war er mit mehreren Leuten zurückgekommen und mindestens einer davon hielt eine Waffe. Vielleicht hatte sich draußen irgendetwas geändert, von dem Sana nichts wusste. Wahrscheinlich sogar. Sie hätte trotzdem gerne gewusst, was. Der Junge nahm seine Tasche entgegen und verschwand damit Richtung Frachtraum.

Sana blieb noch einen Moment sitzen und sah über die anderen Kinder hinweg zu Naeva, die gerade eine Decke aus dem Durchgang zog. Diese bemerkte ihren Blick und hob fragend eine Augenbraue.
Sana schüttelte kaum merklich den Kopf.

Noch nichts. Zumindest nichts, was sie verstanden hätte.

Von draußen drang Danys Stimme erneut herein. Sie wollte die Sache offenbar klären, ohne dass jemand verletzt wurde.
Sana blickte zur offenen Rampe und blieb diesmal dort, wo sie war. Vor wenigen Minuten hatte sie noch gedacht, sie würden Gongboy einfach hinter sich lassen. Jetzt war er wieder da und anscheinend mit einer eher unfreundlichen Absicht.


[The Wheel | Hangarbay | an Bord der Dawn Chaser] Sana, Naeva und die anderen Kinder | Samin, Dany, Gongboy und seine Leute an der Rampe
 
| The Wheel | Hangarbay | Rampe zur Dawn Chaser
Samin, Dany, Gongboy und seine Gang, Sana, Naeva und die anderen Kinder in der Dawn Chaser

Es war fast niedlich, dass Dany versuchte, die Situation noch auf die gewaltlose Art zu regeln. Wobei in ihrem Unterton auch eine unmissverständliche Drohung mitschwang. Gongboy lachte lauthals. Es war ein kehliges, unangenehmes Lachen. Er hob die mit den langen Fingern bestückten Hände demonstrativ unbewaffnet nach oben, was natürlich vollkommen dadurch konterkariert wurde, dass seine Begleiter nun allesamt Waffen gezückt hatten.


„Verzieh dich, Gongboy, rief Samin durch die Hangarbay. Niemand hatte je behauptet, dass die Chiss eine besonders deeskelierende Ader besaß. „Und nimm dein stinkendes Pack gleich mit.“

„Crash. Crash. Crash“, säuselte der Palliduvaner, während er nähertrat. Samin verfluchte sich in diesem Moment dafür, nicht wenigstens ein paar Hundert der Credits, die sie in der schwarzen Tasche über der Schulter trug, in einen Blaster investiert zu haben. Natürlich hätte sie mit so etwas rechnen müssen. Allerdings war sie, aus welchem Grund auch immer, davon ausgegangen, im Fall der Fälle nur mit Gongboy fertig werden zu müssen. Dany wäre dafür mehr als ausreichend gewesen. Der Kerl war ein Gangster, kein Soldat. Mehrere Gangster konnten jedoch auch einem Mandalorianer gefährlich werden.

In einem Abstand, der nah genug war, um jederzeit schnell reagieren zu können, aber sich noch immer so weit weg befand, dass die Situation nicht automatisch in einen Blasterabtausch mündete, blieb Gongboy zunächst stehen.


„Mich mit dieser mickrigen Summe abzuspeisen, wo du doch offensichtlich noch so viel mehr bei dir hast … dank mir dazu noch …“

Er schüttelte den Kopf, während er die Hände in die Hüften stemmte.

„Stirb nicht für sie, Dany. Das ist es nicht wert. Wie viel zahlt die liebe Samin dir dafür? Egal was es ist, ich verdoppele es.“

Samin machte vorsichtig einen Schritt zurück und warf Dany einen Blick zu. Nun würde sich zeigen, ob ihr Vertrauen in die Ehre und Würde der Mandalorianer begründet war, oder ob sie damit von Vornherein schon alles zum Scheitern verurteilt hatte.

„Fünfzehntausend sind mehr als genug, Gongboy. Ich sag es nur noch ein Mal: Verzieh‘ dich.

„Hat sie dich auch mit einer lächerlichen Summe abgespeist? Komm, sag es mir. Wie viel zahlt sie dir?“

Nun lachte er erneut und warf seinen Leuten einen bedeutungsschwangeren Blick zu.

„Weißt du überhaupt, wer das ist? Du hast keine Ahnung, oder?“

Der Palliduvaner schlug seine knochigen Hände ineinander. Es klatschte unangenehm.

„Wenn ich sie beim imperialen Geheimdienst abgeliefert hätte, wäre ich wahrscheinlich mit 10 von diesen Taschen ausgestattet worden.“

Er machte ein betont angewidertes Gesicht.

„Unglücklicherweise hab‘ ich Prinzipien und dich nicht direkt beim imperialen Geheimdienst abgeliefert. Da wusste ich aber noch nicht, was du für ein hinterhältiges Schnäpfchen bist. Die zahlen ein nettes Sümmchen für ihre berühmte Lieutenant ‚Crash‘ Samin, wusstest du das, Dany?. Heute Morgen lag das Kopfgeld auf ihr noch bei Vier Millionen.“

Nun wurde Samins Blick tatsächlich nervöser.

„Vier Millionen! Und sie denkt, ich wäre mit fünfzehntausend zufrieden."

In sein erneutes Lachen stimmten nun auch seine verwegenen Gefährten mit ein.

„Wie wäre es, Mandalorianerin? He? Vier Millionen? Und wir teilen sie fair? Für die Kinder gibt es wahrscheinlich auch noch was extra. Und der Inhalt der schwarzen Tasche ist ja auch noch da.“

Die Chiss biss sich auf die Unterlippe. Dany hatte nun die Chance, eine neue Freundin auf Lebenszeit zu gewinnen, oder verdammt reich zu werden.

| The Wheel | Hangarbay | Rampe zur Dawn Chaser
Samin, Dany, Gongboy und seine Gang, Sana, Naeva und die anderen Kinder in der Dawn Chaser
 
// The Wheel // Hangarbay // Rampe der Dawn Chaser // Dany, Samin, Gongboy und seine Gang; Sana, Naeva und die anderen Kinder an Bord //

Dany hatte geglaubt, die Situation einigermaßen verstanden zu haben. Gongboy hatte seine Credits bekommen, Samin wollte zwölf Kinder nach Centares bringen und ein paar zwielichtige Gestalten hatten offenbar beschlossen, dass eine kleine Chiss mit einer schwarzen Tasche voller Geld eine Gelegenheit darstellte, die man nicht ungenutzt vorbeiziehen ließ. Unangenehm, vielleicht gefährlich, aber im Grunde überschaubar. Dann nannte Gongboy einen Rang, einen Spitznamen und eine Zahl, die innerhalb weniger Sekunden alles durcheinanderbrachte. Vier Millionen Credits.

Dany sagte zunächst gar nichts.
"Lieutenant Crash" Samin. Ihr Blick wanderte langsam zu Samin. Das war sie also: eine imperiale Pilotin.

Plötzlich ergaben einige Dinge deutlich mehr Sinn. Diese fast schon unverschämte Selbstverständlichkeit, mit der
Samin über Schiffe gesprochen hatte. Ihr Satz, dass sie niemand mehr aufhalten könne, sobald sie ein laufendes Triebwerk unter dem Hintern hatte. Ihr Wissen über militärische Einrichtungen und die Art, wie sie Moores Pläne betrachtet hatte. Selbst diese schwer greifbare, beinahe schon anziehende Coolness, die Dany an ihr aufgefallen war.

Sie war also keine Schmugglerin, die zufällig ein Cockpit bedienen konnte. Zumindest behauptete
Gongboy das. Dany sah Samin direkt an.

"Stimmt das?"

Die Reaktion fiel kaum merklich aus. Kein empörtes Dementieren, kein verständnisloses Stirnrunzeln. Kein sofortiges "Was redet der da?"
Samin antwortete beinahe überhaupt nicht. Dany hielt ihren Blick noch einen Augenblick auf ihr. Das genügte.

Der W**hser hatte recht.

Ihre Augen wanderten zurück zu
Gongboy. Vier Millionen. Die Zahl war so absurd, dass sie beinahe etwas Unwirkliches bekam. Moores halbe Million hatte Dany vor wenigen Stunden bereits dazu gebracht, gedanklich ihr halbes Leben neu einzurichten. Vier Millionen waren noch einmal etwas vollkommen anderes. Ein neues Schiff, wenn sie wollte. Eine richtige Rüstung. Waffen, Ausrüstung, eine Basis. Beskar.
Gongboy verlangte nicht einmal, dass sie sich mit weniger als der Hälfte zufriedengeben musste. Er brauchte ihre Hilfe. Danys Blick glitt kurz zu seinen Begleitern. Dann wieder zu Samin.

Vier verdammte Millionen. Eine Kopfgeldjägerin konnte schlechtere Tage erwischen. Ihr Gesicht blieb vollkommen ruhig.

"Wie wäre es mit vierzig Prozent für mich?“

Für einen Moment bewegte sich niemand. Dany neigte den Kopf etwas zur Seite.

"Und die Kinder bleiben unangetastet“

Keine Ironie lag in ihrer Stimme. Auch zu
Samin sah sie nicht mehr. Vierzig Prozent. Ihr Kopf rechnete beinahe automatisch. Eine Million sechshunderttausend Credits. Kandosii. Und zu ihrer eigenen Überraschung hatte sie die Zahl auf Anhieb richtig. Das war unter den gegebenen Umständen beinahe beeindruckend, obwohl sie als Mädchen im Unterricht immer schon ein Faible für Zahlen hatte. Aber damals waren keine Waffen auf sie gerichtet gewesen und kein Vier Millionen Ziel neben ihr gestanden. Dany ließ den Blick auf Gongboy ruhen. Mit einer Million sechshunderttausend Credits hätte sie vermutlich jahrelang kein Kopfgeld mehr annehmen müssen, das nicht mindestens fünfstellig war. Sie könnte sich aussuchen, welche Aufträge sie überhaupt noch interessierten. Keine improvisierten Reparaturen mehr, weil gerade das Geld für das richtige Ersatzteil fehlte. Kein Abwägen zwischen Energiezellen und vernünftiger Verpflegung.

Freiheit hatte offenbar eine ziemlich konkrete Zahl. Sie bewegte sich ein kleines Stück von
Samin weg. Die S-195 blieb hinter ihrem Rücken verborgen. Dany hob ihre freie Hand leicht.

"Vierzig Prozent“

Ihre Stimme blieb sachlich.

"Du bekommst den Rest. Und die Kinder interessieren dich nicht.“

Dann wartete sie.
Gongboy musste nur entscheiden, ob ihm das Angebot gefiel. Danys Blick blieb auf ihm, während die Entfernung zwischen ihnen kleiner wurde. Noch ein Schritt. Dann noch einer. Sie hob ihre freie Hand ein wenig weiter, als wolle sie den Handel endgültig besiegeln. Es war zu verdammt viel Geld.

Gongboy war jetzt nah genug, um einzuschlagen.

Doch stattdessen schlug Dany zu. Die Veränderung kam ohne jede Vorwarnung. Ihre freie Hand schoss nach vorn, packte
Gongboy an Jacke und Schulter, während sie gleichzeitig einen schnellen und aggressiven Schritt zu ihm machte. Mit einer kurzen, explosiven Bewegung riss sie ihn aus seiner Position und drehte ihn herum. Gleichzeitig kam die S-195 hinter ihrem Rücken hervor. Er war zu überzeugt gewesen, um sich vernünftig wehren zu können. Stattdessen war er vollkommen überrumpelt. Gut, denn ansonsten hätte es durchaus hässlich werden können, denn wehrlos war der Kerl keineswegs. Einen Augenblick später krachte Gongboys Rücken gegen die Metallwand. Noch bevor er sich fangen konnte, zog Dany ihn wieder vor und auf die Rampe, direkt zwischen sich und Samin und seine Begleiter. Jetzt stand er dort, wo sie ihn haben wollte. Sie hatte die perfekte Deckung.

Die Mündung des Blasters lag seitlich an seinem Kopf. Erst jetzt erschien ein schmales Grinsen auf Danys Gesicht.


"Sorry,
Gongboy"

Sie zog ihn etwas fester an der Jacke.

"Ich wüsste nicht, was ich mit einer Million sechshunderttausend Credits anfangen sollte, ohne dass mir irgendwann langweilig wird."

Eine kurze Pause. Ihr Grinsen wurde ein kleines Stück breiter.

"Ich brauche anscheinend den Nervenkitzel. Und irgendwie hab ich Gefallen an ihr gefunden."

Sie deutete mit dem Kinn in Richtung
Samin. Dann verschwand das Grinsen wieder. Dany drückte die Mündung einen Hauch fester gegen Gongboys Schläfe und ließ ihren Blick über seine Begleiter wandern.

"Also machen wir einen neuen Deal, Shabuir"

Ihre Stimme war wieder vollkommen ruhig.

"Du bekommst null Prozent vom Kopfgeld"

Sie blickte
Gongboy von der Seite an.

"Und dafür keinen Blasterbolzen in den Schädel"

Dany hielt das für ein ausgesprochen vernünftiges Gegenangebot. Ohne ihn loszulassen, wandte sie den Kopf leicht zu
Samin.

"Ich hab das hier unter Kontrolle"

Eine kurze Pause, während sie alles um sich herum scannte.

"Geh rein und hol dir mein DLT-19X. Cockpit - das Fach rechts."

// The Wheel // Hangarbay // Rampe der Dawn Chaser // Dany, Samin, Gongboy und seine Gang; Sana, Naeva und die anderen Kinder an Bord //
 
| The Wheel | Hangarbay | Rampe zur Dawn Chaser
Samin, Dany, Gongboy und seine Gang, Sana, Naeva und die anderen Kinder in der Dawn Chaser

Wie sollte Samin reagieren? Gongboy hatte natürlich Recht. Sie war eine imperiale Pilotin. Und nicht irgendeine. Alles, was sie Dany entgegnen konnte, waren zwei in die Höhe gehobene Augenbrauen und der Anflug eines Achselzuckens.

Für einen unangenehmen, sehr langen Moment hatte Samin tatsächlich an die Möglichkeit geglaubt, sich in Dany geirrt zu haben. Das Versprechen von vier Millionen Credits waren schließlich kein Betrag, den man einfach so beiseite wischte. Selbst Samin musste sich eingestehen, dass die Summe absurd war. Warum war sie dem Imperium so viel wert? Dany jedenfalls hatte überzeugend kurz darüber nachgedacht. Sie hatte gerechnet, gehandelt und sich sogar ein Stück von Samin entfernt. Immerhin ließ sie die Kinder aus ihrer Rechnung heraus.

Entsprechend lange waren die Sekunden geworden, in den die Halbchiss den Kopf langsam zu ihr gedreht hatte. Und dann hatte die Mandalorianerin Gongboy plötzlich gepackt, mit einer explosiven Bewegung gegen die Wand und anschließend auf die Rampe gerissen. Ein Blaster lag an seiner Schläfe, noch bevor irgendeiner seiner Kumpane passend reagieren konnte. Sie hatten ihre Blaster jedoch nicht gesenkt – im Gegenteil. Sowohl der Rodianer als auch der Weequay hielten sich seitlich und versuchten, einen Schusswinkel zu finden, der Gongboy nicht opferte. Die anderen beiden wirkten dabei weniger entschlossen. Samin sah es an den kleinen Bewegungen und den Blicken, die sie nicht auf Dany, sondern immer wieder einander zu warfen. Hoffentlich war sich die Mandalorianerin in ihrer Taktik nicht zu sicher davon, dass die hier versammelten feinen Herren nicht auch einfach Gongboy über den Haufen schießen würden, um an die Credits zu kommen.

Sie behauptete jedenfalls, dass sie die Sache unter Kontrolle habe und schickte Samin ins Cockpit, um ihr DLT-19X zu holen. Das war eine auffällig genaue Beschreibung für ein Scharfschützenblaster. Samin kannte es. Es gehörte zur Standardbewaffung des Imperiums. Allerdings nicht für die Flotte, und schon gar nicht für die Sternjäger-Teilstreitkraft. Vermutlich war das weder der richtige Zeitpunkt, um dieses Detail auszudiskutieren, noch zu erwähnen, dass Samin ihr Schusstraining in letzter Zeit etwas … stiefmütterlich behandelt hatte. Zudem widerstrebte es ihr, die Mandalorianerin mit einer Hand voll bewaffneter Irrer allein zu lassen. Andererseits war sie vermutlich die Expertin hier, wenn es um solche Situationen ging.


„Rechts. Verstanden“, keuchte Samin daher, nachdem sich ihre Gedanken in Windeseile sortiert hatten und hechtete rückwärts die Rampe hinauf, solange der Rumpf der Dawn Chaser noch die Sichtlinie zwischen ihr und Gongboys Leuten unterbrach. Natürlich hatte die Mandalorianerin ein Scharfschützengewehr im Cockpit und hielt es auch noch für angebracht, dass dies die Waffe der Wahl für ein Stand-Off in einer engen Hangar-Bay war.

„In den Frachtraum! Sofort!“, raunte sie in Richtung des ersten Haarschopfes, der ansatzweise im Gang zu sehen war. Wenn sie sich nicht täuschte, handelte es sich gar um Sana. Zumindest meinte sie in der Eile rote Pupillen aufleuchten zu sehen. Noch bevor sie den Hauptkorridor weg von der Rampe in Richtung des Cockpits erreichte, kam bereits eine andere Person aus der entgegenliegenden Richtung um die Ecke gehechtet. Naeva krachte gegen die Wand, als sie das Gleichgewicht verlor, schnaufte und hielt gerade so die Waffe fest. Samin konnte es kaum glauben. Das Mädchen hatte das DLT-19X bereits geholt. Die Waffe war in Gesamtlänge wahrscheinlich genauso groß wie sie. Wobei die Chiss ihren Mund da wohl nicht zu weit aufreißen sollte.

„Hier“, brachte sie schmerzerfüllt zwischen zusammengebissenen Zähnen raus und warf Samin das Blastergewehr zu, ehe sie auf den Boden sank und sich den Knöchel hielt. Offenbar hatte sie sich bei ihrem hektischen Versuch, zu helfen, verletzt. Aber was auch immer das Problem war: Es war nicht lebensbedrohlich und konnte später zu Samins Sorge werden. Alles, was die Elite-Pilotin in diesem Moment tun konnte, war ihr anerkennend zuzunicken, die Ladung der Waffe mit einem amateurhaften Blick zu kontrollieren und zurück zur Rampe zu hechten.

Als sie tatsächlich erneut die Frisur ihrer Tochter im Türrahmen entdeckte, gab sie ihr noch
"Hilf Naeva in den Frachtraum! Verbarrikadiert euch!" mit.

Erst als sie Rampe erreichte, verlangsamte sie ihre Schritte, warf sich auf den Bauch und legte auf das erste Gesicht an, das ihr vor das Visier trat.

„Schön zurück, sonst puste ich deine winzige Hirnmasse ins All!“, brüllte sie aus voller Kehle, während ihre ungeübten Finger damit beschäftigt waren, den Entfernungsmesser auf diese Kurzdistanz einzustellen.

So weit so gut. Hoffentlich hatte Dany einen Plan. Sie war sich nämlich nicht sicher, ob sie wirklich gut genug war, die Hirnregion zu treffen.


| The Wheel | Hangarbay | Rampe zur Dawn Chaser
Samin, Dany, Gongboy und seine Gang, Sana, Naeva und die anderen Kinder in der Dawn Chaser
 
[The Wheel | Hangarbay | an Bord der Dawn Chaser] Sana, Naeva und die anderen Kinder | Samin, Dany, Gongboy und seine Leute an der Rampe

Die Erklärung ließ tatsächlich nicht lange auf sich warten, nur kam sie zunächst nicht von Samin.

Sana war dort geblieben, wo sie Naeva zuletzt mit einem kaum merklichen Kopfschütteln bedeutet hatte, dass sie selbst nicht mehr wusste als die anderen, und versuchte sich wieder auf das Durcheinander im Frachtraum zu konzentrieren, als Gongboys Stimme von draußen lauter wurde. Nicht so laut, dass jedes einzelne Wort unmittelbar zu verstehen gewesen wäre, aber laut genug, dass die Gespräche ringsum nach und nach leiser wurden, bis eines der kleineren Kinder mitten im Satz verstummte und auch Sana den Blick wieder zur offenen Rampe wandern ließ. Samin sagte etwas, deutlich schärfer als zuvor, Gongboy antwortete und irgendwann fiel ein Name, bei dem Sana einen Moment brauchte, ehe sie überhaupt verstand, dass damit dieselbe Person gemeint war, die eben noch mit ihr auf der Scrapwing gestanden hatte.

Lieutenant Crash Samin.

Das Wort Crash kannte Sana natürlich, nur nicht als Namen für Samin, und Lieutenant war ebenfalls neu. Noch bevor sie sich entscheiden konnte, welche von beiden Informationen eigentlich merkwürdiger war, redete Gongboy schon weiter und ließ noch den Imperialen Geheimdienst, ein Kopfgeld und schließlich vier Millionen Credits folgen. Von vier Millionen hatte Sana keine besonders genaue Vorstellung. Gongboy offenbar schon, denn seine Stimme klang plötzlich anders und auch Dany schien die Zahl nicht gerade klein zu finden. Sana rückte unwillkürlich ein Stück so, dass sie von der Rampe etwas mehr sehen konnte. Die Plakate kannte sie, Samins Gesicht zumindest, und das schon lange bevor Samin irgendwann tatsächlich im Heim vor ihr gestanden hatte. Was genau daneben geschrieben gewesen war, hatte Sana damals weniger interessiert. Pilotin, das hatte sie gewusst. Irgendwie wichtig für das Imperium wohl auch. Mehr nicht. Von einem Rang hatte Samin nichts erzählt und von einem Spitznamen ebenso wenig, ganz zu schweigen davon, weshalb irgendjemand vier Millionen Credits dafür bezahlen sollte, sie in die Finger zu bekommen.

Weiter kam Sana mit dem Gedanken nicht, denn Gongboy sprach bereits wieder und diesmal verstand sie den Satz vollständig. Für die Kinder ließ sich wahrscheinlich ebenfalls etwas herausholen. Sana drehte den Kopf diesmal nicht zur Rampe, sondern zu den anderen. Elf Kinder, manche größer, manche kleiner, zwei der Jüngeren so dicht beieinander, dass einer fast auf der Tasche des anderen saß. Tavin stand an einer Kiste, Mira hatte beide Beine auf einen Sitz gezogen und einer der Jungen hielt seine Tasche immer noch an die Brust, obwohl längst genug Platz gewesen wäre, sie irgendwo abzustellen. Vor nicht allzu langer Zeit hatten sie alle in einem Container gesessen und Gongboy hatte damals geglaubt, darin sei etwas, das er verkaufen konnte. Jetzt wusste er wohl irgendwie das er sie verkaufen konnte. Sana gefiel der Gedanke nicht besonders.

„Bleibt hier“, sagte Naeva leise.

Niemand widersprach. Dann sprach Dany, zunächst ruhig und beinahe beiläufig, und Sana bewegte sich ein wenig näher zum Zugang, gerade weit genug, dass sie zwischen Wand und Rampe mehr erkennen konnte. Die Mandalorianerin stand noch immer bei Samin, fragte Gongboy nach einem Anteil und nannte eine Zahl. Vierzig Prozent.

Sana blinzelte. Sie hatte richtig gehört. Dany bewegte sich ein Stück von Samin fort und redete weiter, so ruhig, als würde sie tatsächlich gerade aushandeln, wie viel sie dafür bekam, Samin auszuliefern. Sana zog sich ein wenig hinter die Wand zurück und wusste nicht recht, weshalb sie überhaupt überrascht war. Dany kannte Sie alle vielleicht seit ein paar Stunden, wahrscheinlich nicht einmal so lange, und vier Millionen waren offenbar genug Credits, dass Gongboy deswegen plötzlich mit bewaffneten Leuten vor einem Schiff stand, das ihnen eigentlich helfen sollte, von The Wheel wegzukommen. Dann hörte Sana Dany noch etwas sagen: Die Kinder blieben unangetastet. Sie konnte nicht anders und sah wieder hinaus. Das machte die Sache nicht gerade verständlicher. Dany wollte offenbar Geld für Samin und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie und die anderen in Ruhe gelassen wurden, und Sana versuchte noch, beides miteinander zusammenzubringen, als sich draußen etwas bewegte.

Der Anfang ging ihr verloren. Eben hatte Gongboy noch vor Dany gestanden, im nächsten Augenblick war er sehr viel näher an der Wand, Dany hinter ihm und ein Blaster an seinem Kopf. Das Junge Halbblut konnte nichts anderes als Dany anstarren. Oh. Hinter ihr flüsterte jemand:

„Hat sie den einfach—“

Weiter kam die Frage nicht, denn Samin kam plötzlich die Rampe hinauf, schnell genug, dass Sana automatisch einen Schritt zur Seite machte. Ihr Blick fand sie sofort.

„In den Frachtraum! Sofort!“

Sana brauchte keine zweite Aufforderung. Sie drehte sich bereits zu den anderen um, als aus Richtung des Cockpits etwas gegen die Wand krachte, gefolgt von einem metallischen Schaben und einem Geräusch, das eindeutig von jemandem kam, der sich wehgetan hatte. Als Sana herumfuhr, saß Naeva auf dem Boden und hielt sich den Knöchel. Neben ihr lag ein Gewehr, ein ziemlich großes sogar. Sana kannte das Modell nicht und hätte auch sonst nicht sagen können, was daran besonders war, nur dass es für Naeva viel zu groß aussah und diese trotzdem offenbar versucht hatte, damit irgendwohin zu kommen.

„Naeva?“

„Geht.“

Wahrscheinlich meinte sie den Fuß. Beim Versuch aufzustehen sah es allerdings nicht besonders überzeugend aus. Samin war inzwischen bei ihnen, nahm das Gewehr an sich und sah wieder zu Sana.

„Hilf Naeva in den Frachtraum! Verbarrikadiert euch!“

Sana nickte, ging in die Hocke und half Naeva, ihren Arm über ihre Schulter zu legen. Sie war nicht wesentlich größer als Sana, trotzdem zog das zusätzliche Gewicht unangenehm an ihrer Seite, sobald sie gemeinsam aufstanden.

„Kannst du laufen?“

„Ja.“

Beim ersten Schritt verzog Naeva das Gesicht. Sana kommentierte es nicht, passte ihr eigenes Tempo einfach an und stützte sie fester. Zusammen kamen sie voran, etwas schief und langsamer, als Naeva das vermutlich gefallen hätte. Die anderen Kinder waren bereits weiter zurückgewichen, manche auf eigene Faust, andere weil Naeva ihnen selbst jetzt noch kurze Anweisungen gab, und Sana konzentrierte sich hauptsächlich darauf, dass sie nicht erneut wegrutschte, als ihr auffiel, dass zwei der Jungen überhaupt nicht bei den anderen waren. Sie standen ein Stück weiter im Gang und beschäftigten sich mit etwas Rundem. Einer ließ es auf den Boden fallen. Metall traf Metall, das Ding sprang kaum hoch, rollte ein Stück und wurde vom zweiten Jungen mit dem Fuß gestoppt.

„Hab doch gesagt, der springt nicht.“

„Du wirfst auch falsch.“

„Was soll man daran falsch werfen?“

Sana blieb stehen und Naeva folgte ihrem Blick.

„Was macht ihr da?“

Der erste Junge hob den Gegenstand auf. Dunkles Metall, ungefähr so groß, dass er beide Hände dafür brauchte, mit einer schmalen Vertiefung an einer Seite.

„Na Ball spielen. Der ist nur irgendwie kaputt.“

Sana sah erst ihn, dann das Ding an.

„Das ist kein Ball.“

„Doch.“

„Der springt nicht mal.“

„Sag ich doch, der ist kaputt.“

Naeva verlagerte ihr Gewicht und verzog sofort wieder das Gesicht. Sana hob leicht das Kinn.

„Wo habt ihr den her?“

„Bei Gongboy. Der lag da rum.“

„Wir haben den mitgenommen.“

Sana wollte gerade etwas erwidern, als ein leises Zischen aus dem Gegenstand kam. Zunächst war es kaum mehr als ein scharfes Geräusch irgendwo zwischen dem Summen des Schiffes, den Stimmen aus dem Hangar und dem Durcheinander hinter ihnen, doch sie hörte es trotzdem und blickte auf den runden Gegenstand. Der Junge ebenfalls. Für einen Moment geschah nichts, dann zog sich etwas in Sana zusammen. Nicht wie Angst, jedenfalls nicht so, wie sie Angst kannte, wenn sie wusste, wovor sie sich fürchtete. Es fühlte sich eher an wie der Augenblick kurz vor einem Sturz, wenn der Fuß noch in der Luft war und der Körper trotzdem schon wusste, dass der nächste Schritt falsch gewesen war, obwohl der Kopf noch gar nicht begriffen hatte, warum. Nur stärker.

Der Junge drehte das Ding neugierig in den Händen.

„Gib her.“

„Warum?“

„Gib her!“

Er zog die Hände ein Stück zurück. Das Zischen wurde höher. Sana wusste nicht, was das Geräusch bedeutete, wollte aber plötzlich nicht mehr, dass einer von ihnen dieses Ding in der Hand hielt. Eigentlich wollte sie es überhaupt nicht mehr hier haben. Sie ließ Naeva an der Wand Halt finden, ging die zwei Schritte zu den Jungen und griff nach dem Metallkörper, bevor einer von ihnen noch etwas sagen konnte.

„Hey!“

Das Ding war schwerer, als sie erwartet hatte, und kalt. Sana drehte sich zur Rampe. Zum Werfen war es zu weit, der Gang dazwischen allerdings frei, also ließ sie den Gegenstand auf den Boden fallen, wo er hart aufschlug und ein Stück weiterrollte. Nicht weit genug. Sana setzte nach, mehr aus der Bewegung heraus als nach irgendeinem Plan, und traf ihn mit der Fußspitze. Der Stoß ging ihr unangenehm bis ins Knie, doch der Metallkörper hob vom Boden ab, schoss den Gang entlang und über die offene Rampe hinaus, wo er zwischen Samin und Dany hindurch in die freie Fläche des Hangars flog.

Sana schaute dem Zischmetallkugelball etwas verdutzt hinterher. So weit hatte sie ihn eigentlich gar nicht treten wollen, nur eben weg von den anderen.

„Spinnst du?!“

Der Junge neben ihr war empört. Sana sah ihn kurz an.

„Der hat gezischt.“

„Na und?“

Der Metallkörper lag inzwischen weit draußen auf dem Deck, das unangenehme Ziehen in ihrem Bauch war trotzdem noch da.

„In den Frachtraum“, sagte sie und ging wieder zu Naeva. Diesmal protestierte keiner der beiden Jungen lange.

[The Wheel | Hangarbay | an Bord der Dawn Chaser / Richtung Frachtraum] Sana, Naeva und die anderen Kinder | Samin, Dany, Gongboy und seine Leute im Hangar
 
// The Wheel // Hangarbay // Rampe der Dawn Chaser // Dany, Samin, Gongboy und seine Gang; Sana, Naeva und die anderen Kinder an Bord //

Dany hatte eigentlich erwartet, dass Samin mit dem Gewehr wenigstens ungefähr wusste, was sie tat. Stattdessen hatte sich die Chiss mehr oder weniger auf den Bauch geklatscht und fummelte am Entfernungsmesser des DLT-19X herum, als hielte sie ein Gewehr zum ersten Mal in der Hand. Danys Blick blieb kurz an ihr hängen. Vier Millionen Credits Kopfgeld dafür? Hinter einem Steuerknüppel würde diese Summe hoffentlich plausibler wirken. Für den Moment musste es reichen, dass Samin überhaupt etwas Großes und Einschüchterndes auf Gongboys Leute richtete. Auf diese Entfernung brauchte sie den verdammten Entfernungsmesser ohnehin nicht.

Dany konzentrierte sich wieder auf
Gongboy. Die S-195 lag weiterhin an seiner Schläfe, während sie ihn dicht genug vor sich hielt, um seinen Körper zumindest teilweise als Deckung zu nutzen. Seine Leute hatten die Waffen noch immer nicht gesenkt. Geschossen hatte allerdings auch keiner.
Das war schon mehr, als sie erwartet hatte. Hinter ihr stand ihr Schiff. Darin zwölf Kinder. Neben ihr lag eine ehemalige imperiale
Elitepilotin bäuchlings auf der Rampe und versuchte herauszufinden, wie ein Scharfschützengewehr funktionierte. Es war wirklich großartig.

"Sag ihnen einfach, sie sollen die Waffen runternehmen!“

Dany sprach dicht an
Gongboys Ohr, laut genug, dass die anderen sie ebenfalls hören konnten. Doch ein Geräusch mischte sich unter ihre letzten Worte. Dany runzelte die Stirn. Ein leises, unregelmäßiges Zischen. Für einen Augenblick hielt sie es für irgendeine Leitung der Chaser. Der Gedanke allein ließ ihren Blick reflexartig zur Rampe wandern. Krev hatte dieses verdammte Schiff gerade erst wieder zum Laufen gebracht. Wenn jetzt schon wieder irgendein-

Doch da lag etwas. Dunkles Metall. Rund. Kaum größer als ihre Hand. Das Zischen wurde schneller. Dany starrte das Ding eine halbe Sekunde an. Dann wusste sie, was sie da ansah.

"Oh, shab...“

Ihr Körper reagierte schneller als der Rest ihres Kopfes.

"RUNTER!"

Dany stieß
Gongboy von sich, kaum dass sie begriff, was da vor ihnen lag. Einen wirklichen Plan hatte sie nicht. Sie machte einen Satz zu Samin und warf sich einfach auf die Chiss. Beide rollten erst ineinander verkeilt über den Boden und flogen dann von der Rampe, als der Detonator auf der anderen Seite der Rampe der Dawn Chaser hochging. Für einen Moment wurde alles weiß. Die Druckwelle ließ den Frachter seitlich erzittern und irgendwo unter ihnen brach etwas mit einem hässlichen Knall. Dann sackte die Chaser zur Seite. Eines der Landegestelle war eingeknickt, ein weiteres hatte es offenbar gleich mit erwischt.

Nein.

Nein, nein, nein.

Rauchschwaden zogen über sie hinweg und machten aus dem Hangar für ein paar Sekunden mehr oder weniger zu einem Schlachtfeld. Dany hörte kaum etwas außer einem dumpfen Dröhnen, das irgendwo tief in ihrem Schädel saß. Sie blinzelte mehrmals, versuchte den Blick scharf zu bekommen und merkte erst dann, dass sie noch immer halb auf
Samin lag.

"Osik...“

Scheiße.

Langsam stemmte sie sich hoch, zunächst nur auf die Hände, dann auf ein Knie. Alles fühlte sich einen Tick zu langsam an. Um sie herum lagen alle von
Gongboys Leuten benommen auf dem Boden oder versuchten noch nicht einmal zu begreifen, wo oben und unten war. Für den Moment taten sie gar nichts. Den Rodianer hatte es noch deutlich härter erwischt. Er hatte offenbar ausgedient. Dany blieb einen Moment an ihm hängen, bevor ihr Blick weiter durch den Rauch zur schief abgesackten Dawn Chaser wanderte. Das Dröhnen in ihren Ohren wurde nicht besser. Das Schiff neben ihnen jedoch garantiert auch nicht. Die Chaser war nun ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Im Hintergrund dröhnten verschwommene Alarmgeräusche und eilige, schwere Schritte kündigten die Ankunft des Sicherheitspersonals an. Irgendetwas verriet ihr, dass sie gleich Moore brauchen würden. Dann sah sie sofort wieder zur Chiss. Hoffentlich ging es ihr gut.


"Samin...?"

// The Wheel // Hangarbay // Schwer beschädigte Dawn Chaser // Dany, Samin, Gongboy und seine Gang (außer Gefecht); Sana, Naeva und die anderen Kinder an Bord //
 
| The Wheel | Hangarbay | Rampe zur Dawn Chaser
Samin, Dany, Gongboy und seine Gang, Sana, Naeva und die anderen Kinder in der Dawn Chaser

Samin hatte noch etwas an sich vorbeikugeln sehen, registriert, wie Dany Gongboy wegstieß und sich anschließend rücksichtslos auf den schmalen Körper der Chiss warf. Dann war da nur noch weiß. Kein Licht im eigentlichen Sinne. Samins gesamte Wahrnehmung war von einen auf den anderen Moment komplett ausgelöscht. Zuerst war da nichts, nur Hitze. Dann ein unangenehm hohes Pfeifen. Sie glaubte, geschrien zu haben. Gehört hatte sie aber weiterhin nur dieses Pfeifen. Irgendetwas Hartes hatte ihre Schulter getroffen, dann ihren Hinterkopf. Als nächstes bemerkte sie dann den Geruch. Es roch nach verbranntem Metall und irgendetwas chemischem.

Als sie langsam wieder ihre Augen öffnen konnte, war zunächst einmal alles verschwommen. Sie glaubte, den Hangar zu erkennen, aber alles war grau. Rauch schien ihn gefüllt zu haben. Mit einem Blinzeln versuchte sie das stechende Gefühl im Auge loszuwerden. Im anderen erkannte sie, dass die Dawn Chaser Beschädigungen aufwies, die ihr vorher gar nicht aufgefallen waren. Da hingen abgerissene Leitungen herunter. Der Konsistenz nach konnte es sich bei der tropfenden Flüssigkeit nur um Kühlmittel der Energiezellen handeln. Langsam wurde das Pfeifen im Ohr leiser. Die Chiss stöhnte als Antwort, als irgendjemand ihren Namen rief.

Automatisch versuchte sie sich aufzurichten und nach dem Blastergewehr zu greifen, aber es war weg. Sie kam nicht hoch. Dany, in ihrem mandalorianischen Körperpanzer, lag noch halb auf ihr und versuchte offensichtlich selbst gerade, sich zu orientieren. Immerhin spürte sie Schmerzen. Das war gut. Schmerzen in den Beinen bedeuteten in der Regel, dass sie noch da waren. Als Samin und Dany es halbwegs vollbrachten, sich gegenseitig aufzurichten, sah die Pilotin dann das volle Ausmaß der Katastrophe.

Die Dawn Chaser hatte es übel erwischt. Ihr Rumpf war auf den Boden aufgeschlagen. Teilweise hatte es Panzerung und Abdeckungen abgerissen. Flüssigkeiten traten aus. Was nicht abgerissen, oder gebrochen war, war mit einiger Sicherheit schwer verbogen. Es würde Monate und eine gehörige Summe Credits kosten, den 720er wieder flugbereit zu bekommen. Was für ein Schlamassel.
Aber was war überhaupt passiert? Samin konnte sich an diese … War da eine Granate aus dem Inneren der Dawn Chaser gerollt? Ist es das, was passiert war?

Bevor sie die Gelegenheit hatte, die Antwort darauf in Erfahrung zu bringen, begannen ihre Beine bereits von selbst zu laufen. Sie fiel dabei mehrfach fast hin, immerhin drehte sich noch alles, konnte sich aber an den Überresten der Rampenhydraulik festkrallen und sich irgendwie in die Öffnung ziehen. Da waren zwölf Kinder drin. Sana war da drin. Die plötzlich einsetzende Erkenntnis jagte ihr einen Adrenalinschub durch den Körper, der sie irgendwie funktionieren ließ. Der stechende Schmerz in Beinen und Schulter konnte in diesem Moment genauso ignoriert werden wie Gongboy und seine Schergen. Waren sie pulverisiert? Lagen sie irgendwo herum? Standen sie noch immer aufrecht, Blaster gezückt und bereit, Dany und Samin kalt zu machen? Es war alles egal.


SANA?!“, brüllte Samin durch den verrauchten Korridor der Dawn Chaser. Es war schwierig, sich vorwärts zu bewegen. Der Boden war schief. Erleichtert stellte sie fest, dass aus der Richtung des Frachtraums Stimmen zu hören waren. Da waren auch Rufe, aber die kamen von draußen durch die Hangarbay herein. Viele Rufe. Irgendjemand war gekommen. Aber was auch immer draußen geschah, konnte warten. Sie arbeitete sich weiter durch den schiefen Korridor, beide Hände an den Wänden, um sich abzustützen. Überall blinkten kleine Warnanzeigen und hier drin roch es noch stärker nach Kühlmittel. Immerhin sah sie kein Feuer. Rauch schon, aber nicht genug, dass sie nichts anderes mehr erkennen konnte.

Sana?!“, rief sie erneut, diesmal etwas weniger panisch, weil die Stimmen aus dem Frachtraum noch immer da waren. „Naeva? Ist jemand verletzt?“

Mehrere Stimmen gleichzeitig antworteten ihr. Sie konnte es nicht eindeutig verstehen. Irgendjemand hustete. Eins der jüngeren Kinder weinte offensichtlich. Von weiter hinten kam Bewegung. Sie schob sich weiter vor, bis sie den Zugang erreichte und mehrere der Kinder erkennen konnte. Bewegung. Sie bewegten sich. Alle. Automatisch begann sie zu zählen. Zwölf. Ohne, dass sie es steuern konnte, suchten ihre Augen nur nach einem Gesicht. Schwarzes Haar, rote Augen, blassblaue Haut. Sie musste Sana nicht einmal sofort vollständig sehen, bevor sie auf den Knien zu ihr herüberrutschte, ihren Kopf mit beiden Händen griff und an sich drückte. Ein Knoten löste sich in ihrer Brust, von dem sie bis dahin nicht einmal gemerkt hatte, dass er da war.

Nun donnerten Stimmen durch den Korridor des Frachters.


„ALLE STEHENBLEIBEN! HÄNDE SICHTBAR NACH OBEN!“

Die Lautstärke war eindeutig elektronisch verstärkt und unterschied sich deutlich von allem, was Gongboys zusammengebastelte Bande an Ausrüstung dabeihatte. Sicherheitskräfte. Endlich.

Die Halbchiss hob langsam beide Hände nach oben und bedeutete den Kindern, es ihr gleichzutun. Gleichzeitig drehte sie sich über ihre schmerzende Schulter soweit, dass sie das Ende des schiefen Korridors erkennen konnte. Mehrere Gestalten bewegten sich durch den Rauch.


„Wir sind unbewaffnet“, sagte Samin ruhig in den Rauch hinein. „Da hinten sind zwölf Kinder. Wir wurden angegriffen.“

„Nicht bewegen!“, war die Antwort des ersten Mannes, der sie als erstes erreichte.

„Ich bewege mich gar nicht.“

„Hände höher“, war seine Anweisung, während er den Blick über Samin und die Kinder im Frachtraum fliegen ließ. Samin hob sie tatsächlich etwas höher.

„So besser?“

Der Man trug einen Helm, der sich nun kaum merklich neigte.

„Wir haben hier Kinder!, rief er nun nach hinten, in Richtung der Leute, die ihm folgten.

„Und Sie sind verhaftet", fuhr er fort, während er Samins Handgelenke packte, nach unten schob und Handschellen anlegte.

| The Wheel | Hangarbay | Frachtraum der Dawn Chaser
Samin, Sana, die anderen Kinder und The Wheel-Sicherheitspersonal | Dany, Gongboy und seine Gang sowie mehr Sicherheitspersonal draußen
 
[The Wheel | Hangarbay | an Bord der Dawn Chaser] Sana, Naeva und die anderen Kinder | Samin und Dany im Hangar

Sana hatte Naevas Arm wieder über ihre Schulter gezogen und war mit ihr gerade weit genug in Richtung Frachtraum gekommen, dass auch die beiden Jungen endlich hinter ihnen herliefen, als Dany draußen etwas brüllte.

„RUNTER!“

Das Wort drang nur gedämpft durch den Korridor. Sana wandte noch den Kopf in Richtung Rampe, ohne von hier aus etwas erkennen zu können, dann fuhr ein Stoß durch den Rumpf der Dawn Chaser und riss ihnen den Boden unter den Füßen weg.

Naeva glitt ihr aus dem Griff, Sana selbst wurde zur Seite geschleudert und schlug mit Schulter und Ellenbogen auf dem Deck auf, während ringsum Gepäck, Kisten und mehrere der Kinder gleichzeitig ins Rutschen kamen. Das Krachen ging beinahe sofort in einem hohen Pfeifen unter, sodass für einige Sekunden nur noch einzelne Bewegungen zu ihr durchdrangen: ein Junge, der sich auf Händen und Knien abfing, eine Tasche, die über den Boden schlitterte, Naeva ein Stück weiter an der Wand.
Noch bevor Sana richtig hochkam, bewegte sich das Schiff erneut. Diesmal hielt die Bewegung an. Der Boden neigte sich unter ihr, alles Lose folgte der tieferen Seite des Frachtraums und Sana rutschte hinterher, bis sie mit einer Hand eine Strebe erwischte und sich festklammern konnte. Irgendwo schlug Metall gegen Metall, dann kam die Dawn Chaser mit einem schweren Ruck zur Ruhe.

Ein Kind weinte, weiter hinten hustete jemand.

Sana zog sich an der Strebe hoch und suchte zwischen den anderen nach Naeva.

„Naeva?“

Die saß einige Schritte entfernt an der nun tieferen Seite des Korridors, eine Hand gegen die Wand gedrückt, die andere wieder am verletzten Knöchel.

„Bin da.“

Sana arbeitete sich zu ihr hinüber.

„Der Fuß?“

Naeva versuchte ihn aufzusetzen und verzog das Gesicht.

„Tut weh.“

Sana ging neben ihr in die Hocke, schob einen Arm unter ihren und half ihr so weit hoch, dass sie sich vernünftig gegen die Wand lehnen konnte. Ringsum kamen inzwischen ebenfalls die ersten Kinder wieder auf die Beine oder krochen zwischen verrutschtem Gepäck hervor.

„Alle noch da?“

Naeva begann zu zählen.

Sana suchte gleichzeitig den Frachtraum ab. Die beiden Jungen waren da, einer noch auf dem Boden und der andere daneben, Tavin schob sich gerade hinter einer verrutschten Tasche hervor und weiter hinten halfen zwei der Älteren einem kleineren Kind auf. Mira saß mit dem Rücken an einer Kiste und weinte. Naevas Lippen bewegten sich noch einmal.

„Zwölf.“

Über ihnen flackerten mehrere Warnanzeigen. Eine Beleuchtungsleiste blieb dunkel, eine andere sprang nach einigen Sekunden wieder an, während aus Richtung des Korridors dünner Rauch in den Frachtraum zog. Kurz darauf kam der Geruch dazu, scharf und chemisch, vermischt mit verschmortem Kunststoff.
Sana ging zu Mira hinüber.

„Komm.“

Das Mädchen sah zu ihr auf.

„Was war das?“

„Weiß ich nicht.“

„Ist das Schiff kaputt?“

Sana blickte über das Gepäck, das sich an der tieferen Seite des Raumes gesammelt hatte, die blinkenden Anzeigen und den Rauch im Zugang.

„Keine Ahnung. Komm erstmal.“

Sie hielt ihr die Hand hin. Mira brauchte einen Moment, griff dann aber danach und kam auf die Beine. Ihre Finger schlossen sich so fest um Sanas Hand, dass es unangenehm wurde, doch gemeinsam kamen sie zurück zu den anderen. Naeva stand inzwischen ebenfalls wieder, hauptsächlich auf einem Bein, und bedeutete zwei der Älteren, die Kleineren weiter vom Zugang wegzuholen.

„Alle da“, sagte Sana.

Naeva nickte.

Hinter ihnen fragte eines der Kinder, was draußen passiert sei, ein anderes gleich darauf, ob jemand auf sie geschossen habe. Das Pfeifen in Sanas Ohren wurde langsam schwächer und darunter kamen das Knistern beschädigter Elektronik, die Warnsignale des Schiffes und Stimmen aus Richtung Hangar zurück. Für einen Augenblick erinnerte sie sich wieder an das Zischen und den kalten Metallkörper in ihren Händen. Dann rief jemand ihren Namen.

„SANA?!“

Die Stimme kam verzerrt durch den Korridor und ging beinahe zwischen den Alarmtönen und dem Husten unter. Sana hob den Kopf und lauschte, während Mira weiterhin ihre Hand hielt.

„Sana?! Naeva? Ist jemand verletzt?“

Samin.

„Hier!“

Sana rief so laut, dass sie ihre eigene Stimme trotz des Pfeifens wieder hören konnte.

„Hier!“

Naeva wandte sich ebenfalls zum Zugang.

Es dauerte noch einige Augenblicke, bis Samin im schiefen Korridor auftauchte. Sie arbeitete sich mit beiden Händen an den Wänden entlang, rutschte mehrmals weg und kam nur langsam vorwärts, während unter ihren Füßen kleinere Gegenstände immer wieder zur tieferen Seite des Schiffes glitten. Ihr Haar war durcheinander, ihre Kleidung voller Staub und dunkler Flecken, und als sie den Frachtraum erreichte, antworteten mehrere Kinder gleichzeitig auf ihre Frage, ob jemand verletzt sei. Sana blieb neben Naeva stehen.Samins Blick ging über die Gruppe, von einem Gesicht zum nächsten, während ihre Lippen sich beim Zählen bewegten. Dann sah sie Sana.

Die letzten Meter legte sie mehr auf den Knien als auf den Füßen zurück, nahm Sanas Kopf mit beiden Händen und zog sie an sich. Sanas Arme blieben zunächst an ihren Seiten. Samin hielt sie fest, ihr Atem ging schnell und ihre Kleidung roch nach Rauch und dem scharfen Zeug, das inzwischen durch das Schiff zog. Eine ihrer Hände lag an Sanas Hinterkopf, während Sana einen Moment brauchte, ehe sie selbst eine Hand hob und den Stoff an Samins Rücken zu fassen bekam.

Ihre Finger schlossen sich darum. Mehr tat sie nicht. Für einige Augenblicke standen sie so, bis elektronisch verstärkte Stimmen durch den Korridor donnerten.

„ALLE STEHENBLEIBEN! HÄNDE SICHTBAR NACH OBEN!“

Mehrere der Kinder zuckten zusammen.

Samin löste sich von Sana und hob langsam die Hände, während sie den anderen bedeutete, dasselbe zu tun. Sana trat zurück zu Naeva und hob ebenfalls die Hände. Mira stand wieder dicht neben ihr, sah erst zu den näherkommenden Gestalten und dann zu Sana.

„Hände hoch“, sagte Sana leise.

Mira gehorchte und rückte dabei so dicht an sie heran, dass ihre Schulter Sanas Rücken berührte.

Mehrere Sicherheitskräfte kamen durch den Rauch näher. Helme, Uniformen und Waffen füllten den ohnehin kleinen Frachtraum schnell aus, während sich die jüngeren Kinder hinter Sana und Naeva zusammendrängten.

„Wir sind unbewaffnet“, sagte Samin weiter vorne. „Da hinten sind zwölf Kinder. Wir wurden angegriffen.“

„Nicht bewegen!“

„Ich bewege mich gar nicht.“

Sana sah kurz zu ihr.

„Hände höher.“

Samin hob sie noch ein Stück.

„So besser?“

Sana nahm ihre eigenen Hände ebenfalls etwas höher.

Der Sicherheitsmann warf einen Blick an Samin vorbei in den Frachtraum.

„Wir haben hier Kinder!“, rief er nach hinten.

Mira begann neben Sana wieder leise zu weinen. Da sie die Hände oben halten musste, konnte Sana wenig tun, außer einen kleinen Schritt zur Seite zu rücken, sodass Mira hinter ihrer Schulter stand. Auf der anderen Seite hatte sich eines der jüngeren Kinder ähnlich dicht an Naeva geschoben, die weiter ihren verletzten Fuß entlastete und trotzdem stehenblieb. Dann trat der Mann zu Samin.

„Und Sie sind verhaftet.“

Er nahm ihre Handgelenke und führte sie nach unten.

Sana beobachtete, wie die erste Handschelle einrastete, dann die zweite.
Hinter ihr rückten die Kinder noch etwas enger zusammen. Eine kleine Hand griff nach ihrem Ärmel und hielt sich daran fest. Sie blieb neben Naeva stehen, die Hände weiterhin erhoben, während die Finger den Stoff an ihrem Arm fest umklammert hielten.

[The Wheel | Hangarbay | Frachtraum der schwer beschädigten Dawn Chaser] Sana, Naeva, Samin und die anderen Kinder | Sicherheitspersonal | Dany und weitere Sicherheitskräfte draußen
 
// The Wheel // Sicherheitsbereich // Arrestzelle // Dany //

Ein Thermaldetonator hatte ihre gerade erst reparierte Dawn Chaser auf die Seite gelegt, zwölf Kinder durch den Frachtraum geschleudert und Dany selbst für einige Minuten das Gehör genommen. Danach hatte sie sich kaum wieder auf ein Knie gestemmt, ehe die Sicherheit des Rads den Hangar gestürmt und offenbar beschlossen hatte, zunächst einmal jeden einzusammeln, der noch halbwegs aufrecht stehen konnte. Jetzt saß sie in einer Arrestzelle. Eigentlich hätte sie darüber vermutlich wütend sein sollen. Stattdessen kehrten ihre Gedanken immer wieder zu demselben Bild zurück: die Chaser, schief auf ihrem Rumpf liegend, zwei Landegestelle im Arsch und Kühlmittel irgendwo aus Leitungen tropfend, die Krev vor wenigen Tagen erst wieder zusammengeflickt hatte. Dany hatte noch nicht einmal angefangen auszurechnen, was sie das kosten würde. Sie wusste nur bereits, dass ihr das Ergebnis nicht gefallen würde. Sie saß auf der schmalen Pritsche und hatte den Rücken gegen die kalte Wand gelehnt. Wenigstens hatte man ihr freundlicherweise erlaubt, die Panzerplatten abzunehmen. Brustplatte, Schulterpanzer, Armschienen und der Rest lagen neben ihr auf dem Boden, während sie nur noch das schwarze Shirt, Hose und Stiefel trug. Ihr Helm stand auf der Pritsche neben ihrem Oberschenkel.

Die Waffen hatte man natürlich behalten. Dany hob eine Hand und fuhr sich vorsichtig über die Seite ihres Kopfes. Das Pfeifen war inzwischen verschwunden. Dafür meldeten sich Schulter, Rücken und praktisch jede Stelle, mit der sie beim Sprung auf
Samin oder anschließend auf dem Hangarboden Bekanntschaft gemacht hatte. Immerhin lebten die Kinder. Das war etwas. Und die Chiss ebenfalls. Vermutlich jedenfalls. Sollten sie hier zeitnah herauskommen, lebte Moores Mission also noch. Vorausgesetzt sie hatte nach diesem Desaster nicht entschieden, doch lieber mit Profis zusammenarbeiten zu wollen.

Dany verzog das Gesicht und dachte wieder an
Samin,

Sie war nach der Explosion praktisch noch im Halbschlaf aufgesprungen und schreiend nach
Sana in die Chaser gestolpert. Gut so. Hoffentlich hat sie ihrer Tochter in der verfügbaren Zeit ordentlich die Leviten gelesen. Was zum Teufel hatte eines der Kinder überhaupt mit einem Thermaldetonator gemacht? Sie hatten die Situation schließlich unter Kontrolle gehabt. Mehr oder weniger. Dany ließ den Hinterkopf wieder gegen die Wand sinken. Jetzt konnte sie vermutlich erst einmal einen neuen Frachter davon kaufen. Toll.

Die nächsten Stunden vergingen langsam. Dany schlief irgendwann ein, wachte mit einem steifen Nacken wieder auf, lief zweimal durch die kleine Zelle und setzte sich schließlich wieder hin. Ohne Comlink hatte sie keine Ahnung, wie spät es war. Noch weniger wusste sie, was draußen eigentlich passierte. Ob
Gongboy bereits in einer anderen Zelle saß. Was mit seinen Leuten war. Ob Samin ebenfalls festgehalten wurde. Und vor allem, ob irgendjemand inzwischen festgestellt hatte, dass Dany nicht aus Langeweile beschlossen hatte, einen Thermaldetonator im eigenen Schiff hochgehen zu lassen. Irgendwann hörte sie Schritte im Gang.

Dany hob den Kopf. Sie kamen näher und blieben schließlich vor ihrer Zelle stehen. Ein Mann in der Uniform der Stationssicherheit trat vor das Sichtfeld der Tür. Seine Abzeichen sahen wichtig genug aus, dass Dany davon ausging, keinen gewöhnlichen Wachmann vor sich zu haben. In einer Hand hielt er ein Datapad.


"Miss Valthor“

Dany richtete sich etwas auf.

"Die Überwachungskameras wurden auf Anregung einer gemeinsamen Bekannten ausgewertet. Sie sind entlastet. Sie können gehen.“

Für einen Augenblick sagte Dany nichts. Eine gemeinsame Bekannte.
Moore. Dany schnaubte leise durch die Nase.

"Gut“

Die Tür öffnete sich kurz darauf. Ihre Waffen würden ihr außerhalb des Sicherheitsbereichs wieder ausgehändigt werden, erklärte man ihr. Für die Rüstung bekam sie stattdessen eine einfache dunkle Stofftasche. Dany sah die Tasche an. Dann begann sie die einzelnen Panzerplatten hineinzustopfen. Brustplatte zuerst, danach Schulterpanzer und Armschienen. Die Beinschienen passten nur diagonal hinein und der Helm zuletzt gerade noch obenauf. Elegant war etwas anderes. Immerhin musste sie nicht mit einem halben mandalorianischen Rüstungssatz unter beiden Armen durch die Station laufen. Dany zog den Reißverschluss so weit zu, wie es mit dem Helm noch möglich war, schulterte die Tasche und trat aus der Zelle. Ein paar Minuten später ließ sie den Arrestbereich des Rads hinter sich.

Keine Handschellen mehr. Keine Zelle mehr. Und draußen wartete irgendwo der traurige Rest ihrer Dawn Chaser. Dany verzog den Mund - vielleicht hätte sie die vier Millionen doch nehmen sollen.


An einer Bank gegenüber nahm sie Platz und vergrub für einen Moment das Gesicht in den Händen. Wenn alles halbwegs normal lief, würde sie in ein paar Minuten eine blauhäutige Ex-Pilotin, womöglich in Begleitung von zwölf Kindern, aus der Station spazieren sehen.

// The Wheel // Sicherheitsbereich // Gegenüber des Ausgangs des Arresttrakts // Dany //
 
Zurück
Oben