The Wheel (Besh-Gorgon-System)

[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Sana, Samin; Dany, Moore, Mira, Naeva und die anderen Kinder schlafend im Appartement

Sana ließ Samin ausreden.

Je länger sie sprach, desto weniger versuchte Sana überhaupt noch, für jeden neuen Satz sofort eine Antwort zu finden, denn dafür kam inzwischen zu vieles zusammen: Samin war damals zu jung gewesen, ihre Mutter hatte Druck auf sie ausgeübt, irgendwo hatte angeblich bereits eine andere Familie gewartet, die Sana ein besseres Leben hätte geben sollen, und aus einer Entscheidung, von der Samin sich damals offenbar eingeredet hatte, sie wäre die richtige, waren dreizehn Jahre geworden, die sich weder kleinreden noch irgendwie zurückholen ließen. Jetzt wollte sie wiederkommen, wusste aber nicht einmal, ob Sana das überhaupt wollte, und entschuldigte sich schließlich nicht nur dafür, dass sie nun nach Bakura gehen würde, sondern für damals.

Sana saß noch immer mit angezogenen Beinen an ihrem Ende der Couch, die Decke darübergezogen und eine kleine Falte des Stoffes zwischen zwei Fingern, an der sie schon herumgestrichen hatte, bevor das Gespräch überhaupt angefangen hatte. Mittlerweile hielt sie sie nur noch fest. Am anderen Ende der Couch lagen Samins Hände ineinander verkrampft, ihre Stimme hatte während der letzten Sätze mehrmals kaum noch getragen und als Sana schließlich kurz zu ihr hinübersah, glänzten ihre Augen feucht im wenigen Licht, das aus dem Flur bis in den Wohnbereich fiel.

Sanas Finger blieben an der Decke.

Als Samin sagte, dass sie ihre eigene Tochter nicht kannte, musste Sana ihr zumindest darin nicht widersprechen. Sie wusste nicht einmal, was Sana gern aß, und Naeva hätte wahrscheinlich schon bei der Frage die Augen verdreht, weil es so vieles gab, das man nach dreizehn gemeinsamen Jahren einfach wusste, ohne darüber nachdenken zu müssen.

Doch daran blieb Sana nicht hängen.

Ihre Großmutter hatte von ihr gewusst.

Und irgendwo hatte eine Familie auf sie warten sollen.


Ich hatte aber keine Familie.

Der Satz kam so leise heraus, dass er kaum weiter tragen musste als bis ans andere Ende der Couch.

Sana sah hinunter auf ihre Hände.


Also … so eine.

Natürlich waren Naeva und die anderen da gewesen, später jedenfalls, und im Heim hatte es Betreuer gegeben, manche länger, manche kürzer, manche netter als andere. Das war aber nicht die Familie, von der Samin gesprochen hatte, bei der Sana angeblich hätte aufwachsen sollen, mit Leuten, die sich entschieden hatten, dass ausgerechnet sie dazugehören sollte.

Da war keine.

Es hatte Zimmer gegeben, dieselben Flure, Mahlzeiten zu denselben Zeiten und Betten, die manchmal plötzlich leer standen, weil ein Kind, das gestern noch neben einem gesessen hatte, seine Sachen zusammenpacken durfte. Neue Kinder kamen dazu, einige blieben nur Monate, andere Jahre, und wenn eine Familie Interesse an jemandem hatte, merkte man es meistens schon vorher daran, dass Erwachsene auftauchten, geredet wurde, irgendeines der Kinder häufiger aus der Gruppe geholt wurde und irgendwann eine Tasche neben dem Bett stand.

Als Sana kleiner gewesen war, hatte sie bei solchen Besuchen jedes Mal hingesehen und sich gefragt, um wen es diesmal ging; später hatte sie damit aufgehört.

Irgendwann wusste man einfach, wer noch da war.

Naeva.

Tavin.

Einige der anderen, die jetzt irgendwo in Moores Appartement unter Decken lagen.

Und Sana.


Bei uns sind immer wieder welche gegangen“, sagte sie nach einer Weile. Mit Familien.

Aus einem der Zimmer kam ein leises Rascheln, worauf Sana für einen Augenblick innehielt, bis wieder Ruhe eingekehrt war.

Wir sind geblieben.

Ihre Stimme war beim zweiten Satz noch leiser.

Es hatte geholfen, dass sie nicht allein geblieben war, dass Naeva am nächsten Morgen immer noch am selben Tisch saß, Tavin noch da war und irgendwann aus den Kindern, die niemand abgeholt hatte, eben die geworden waren, die zusammengehörten. Darüber hatten sie nie besonders viel reden müssen.


Irgendwann denkt man halt, dass einen keiner nimmt.

Sana zog die Decke etwas näher an ihre Beine und hob dann wieder den Blick.

Meine Großmutter wusste von mir?

Samin hatte es gerade deutlich genug gesagt, trotzdem musste Sana die Frage stellen.

Also schon damals?

Sie achtete selbst darauf, leise zu bleiben. Naeva sollte schlafen, die anderen ebenfalls, und Sana wollte nicht, dass plötzlich irgendjemand im Flur auftauchte und fragte, was los war.

Dann wusstet ihr ja beide, dass es mich gibt.

Früher hatte Sana genug Geschichten gehört, in denen Familien auseinandergerissen wurden, weil irgendwo Krieg war, weil jemand etwas verbot oder weil zwischen zwei Menschen plötzlich eine halbe Galaxis lag; meistens wurde es erst schlimmer, manchmal dauerte es Jahre, aber irgendwann machte sich jemand auf den Weg und suchte.

Als Sana kleiner gewesen war, hatte sie diesen Teil immer gemocht.


Ich hab immer gedacht …

Sie stockte und verzog ein wenig den Mund, weil der Satz laut plötzlich viel kindischer klang, als er vorher in ihrem Kopf gewesen war.

Sie sagte ihn trotzdem.


Wenn man jemanden wirklich lieb hat, findet man doch irgendwann einen Weg.

Ihre Finger wanderten wieder über die Decke.

In den Geschichten jedenfalls.

Sana sah Samin jetzt direkt an.

Hast du mich nicht genug lieb gehabt, um mich trotzdem zu behalten?

Diesmal kam der Satz schneller heraus, als Sana ihn noch hätte zurückhalten können.

Oder war dir wichtiger, was sie wollte?

Samins Augen glänzten noch immer feucht. Als Sana weitersprach, wurde ihre Stimme eher leiser als lauter.

Ich dachte immer, du hast mich einfach nicht gewollt.

Sie zog ein Knie noch ein Stück näher an sich.

Dann wusste ich wenigstens, warum.

Sana sah wieder auf den Stoff über ihren Beinen.

Jetzt weiß ich, dass meine Oma auch von mir wusste.

Einige Sekunden vergingen, bevor sie weitersprach.

Dann wollte die mich ja auch nicht.

Der Satz blieb zwischen ihnen liegen.

Sana sagte zunächst nichts mehr dazu, und aus einem der anderen Räume kam ebenfalls kein Laut. Ihre Finger strichen einmal über die Falte in der Decke und blieben dann darauf liegen.

Trotzdem blieb noch etwas, viel einfacher als all die Gründe, die Samin vorher genannt hatte.


Wenn du wirklich dachtest, dass ich bei denen bin …

Sana hob den Blick wieder.

Warum hast du dann nie nachgeguckt?

Ihre Stimme war inzwischen kaum mehr als ein Flüstern.

Also nur einmal.

Sana hielt ihren Blick noch kurz auf Samin.

Dann hättest du doch gesehen, dass ich noch da bin.

Ihre Finger lösten sich von der Decke.

Sie sah weg, rutschte tiefer in die Couch und zog den Stoff wieder über ihre Beine.


Mach doch, was du willst. Wie immer.

Dann drehte Sana sich auf die Seite, zog die Beine an und die Decke bis über die Schulter, wandte Samin den Rücken zu und schloss die Augen.

[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Sana, Samin; Dany, Moore, Mira, Naeva und die anderen Kinder schlafend im Appartement
 
[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Dr. Ralena Anne Moore, C-06 „Mira“, Samin, Dany, Sana, Naeva und die anderen Kinder

Das Appartement war noch still, als Moore durch den Wohnbereich ging und dabei mehrere Dinge dort vorfand, wo sie unter gewöhnlichen Umständen nichts verloren hatten. Eine Decke hing halb über die Lehne ihres viel zu teuren Sofas, irgendwo zwischen Tisch und Wand standen zwei Paar Kinderschuhe, mehrere Taschen waren über den Boden verteilt und auf einem der niedrigen Beistelltische hatte jemand einen Becher vergessen, den sie im Vorbeigehen zwar bemerkte, diesmal jedoch stehen ließ, während aus den abgedunkelten Nebenräumen nur das gelegentliche Rascheln eines Schlafenden und die leise Arbeit jener Systeme drang, die sich von der unerwarteten Überbelegung ihrer Wohnung ebenso wenig beeindrucken ließen wie von Tageszeiten.

Moore kannte das Appartement anders, berechenbarer vor allem, wenngleich diese Feststellung angesichts dessen, was sich hinter seinen Wänden tatsächlich verbarg, wahrscheinlich nur für sie selbst Sinn ergab. Aria wuchs hinter versiegelten Türen, Shara war noch immer mehr Versprechen als Person, Laborsysteme, Schildkomponenten und Rechencluster hatten längst mehrere Räume übernommen und selbst ihr Wohnzimmer war seit Jahren weniger Wohnraum als jener Teil ihres Arbeitsplatzes, in dem zufällig ein Sofa stand und regelmäßig Wein getrunken wurde. Trotzdem hatte alles seinen Platz gehabt, selbst Mira, soweit sich ihre Tochter überhaupt dauerhaft irgendwo einordnen ließ.

Auf dem Weg zur Küche kam sie an ihrem Schlafzimmer vorbei, dessen Tür nicht vollständig geschlossen worden war und durch den schmalen Spalt fiel ihr Blick auf Dany, die nach den vergangenen Tagen so tief in die Matratze gesunken war, dass von der Frau, die gestern noch in Rüstung durch Moores Wohnung gelaufen war, im Augenblick nur eine ungewöhnlich friedliche Version übriggeblieben war. Irgendwann während der Nacht hatte sich Mira ebenfalls ins Bett gelegt, offenbar ohne sich sonderlich darum zu kümmern, dass Moore ihr dieses nicht angeboten hatte und zwischen den beiden befand sich nun auch noch der Kleinste der Kinder, eng an Miras Körper geschmiegt, während deren Arm locker um ihn lag und das weiße Haar ihrer Tochter in ungeordneten Strähnen über Kissen, Schulter und einen Teil des kleinen Kopfes gefallen war.

Ohne das übliche selbstbewusste Lächeln, die bissigen Kommentare und die kaum weniger aufdringlichen Datenfäden ihres HNAI wurde an Mira etwas sichtbar, das sich im Alltag leicht hinter ihrer Geschwindigkeit, ihrem Verstand und einem Körper verlor, den Moore von Anfang an erwachsen konstruiert hatte. Zwischen dem ersten bewussten Öffnen dieser eisblauen Augen und diesem Morgen lag lächerlich wenig Zeit, vollkommen unabhängig davon, wie weit Mira inzwischen in manchen Dingen gekommen war und wie wenig brauchbar chronologisches Alter ohnehin wurde, sobald man künstliche Organismen, beschleunigte Entwicklung und eine Persönlichkeit in dieselbe Gleichung zwang. Jetzt schlief sie so tief mit einem Kind im Arm, dass nicht einmal ein Diagnosefaden durch die Verbindung ihrer HNAIs wanderte.

Moore zog die Tür ein wenig weiter zu und ging in die Küche.

Dort stand sie zunächst vor den Schränken und betrachtete deren Inhalt, als hätte jemand anderes zu entscheiden, was man sechzehn Personen morgens vorsetzte. Ihre eigenen Bedürfnisse waren überschaubar, Mira aß vor allem deshalb regelmäßig, weil gemeinsames Essen irgendwann zu jenen sozialen Gewohnheiten gehört hatte, die Moore ihr beibringen wollte, bevor sie Nährstoffaufnahme womöglich ausschließlich nach Wirkungsgrad bewertete und Gäste hatte sie bislang gewöhnlich in einer Anzahl empfangen, bei der niemand ernsthaft darüber nachdenken musste, ob ein zweiter Stapel Teller erforderlich wurde.

Dass The Wheel beinahe jedes Lebensmittel innerhalb weniger Stunden liefern konnte, erwies sich für einmal als praktisch. Moore hatte bereits am Vorabend genug bestellen lassen, um nun einen schweren Topf hervorzuholen, die verschiedenen Eier für einen Nine-Egg Stew nebeneinanderzustellen und Stone Peppers zu schneiden, während auf einer zweiten Arbeitsfläche Mehl, Milch und weitere Zutaten für Chandrilan Waffles zusammenkamen. Credits lösten bei weitem nicht jedes Problem der Galaxis, bei Eiern, Obst und Frühstückszutaten besaßen sie allerdings eine erfreulich hohe Erfolgsquote.

Die Küchenautomatik meldete sich irgendwann ungefragt mit einem Hilfsangebot, worauf Moore sie deaktivierte und allein weiterarbeitete. Die ersten Eier verschwanden im Topf, Gewürze folgten, auf der anderen Seite entstand der Teig und irgendwann stellte sie fest, dass die vorgesehene Menge an Waffeln für eine vernünftige Gruppe Erwachsener vollkommen ausgereicht hätte, zwölf Kinder dagegen vermutlich andere Vorstellungen davon besaßen, was unter ausreichender Versorgung zu verstehen war. Also vergrößerte sie die Menge und bereitete parallel eine Reihe Ronto Morning Wraps vor, die sich warmhalten ließen und ihr später zumindest ersparten, sofort wieder in der Küche zu verschwinden.

Mit jedem weiteren Arbeitsschritt wurde der Vorgang vertrauter, weniger das Kochen selbst als die Art, in der Moore mehrere Dinge gleichzeitig vorbereitete und fertige Speisen nicht einfach dort stehen ließ, wo gerade Platz war, sondern ohne bewusst darüber nachzudenken den langen Tisch im Wohnbereich herzurichten. Erst Teller, danach kleinere Schalen und Besteck, die warmen Speisen so verteilt, dass niemand über den halben Tisch greifen musste, Getränke nicht dort, wo ein umgestoßenes Glas mehrere Teller gleichzeitig ruinierte und die Schalen mit Meilooruns, anderem Obst und Wamba-Yogurt zwischen den übrigen Dingen, bis sie irgendwann eine Serviette faltete, neben einen Teller legte und bei der nächsten Bewegung langsamer wurde.

Poliertes Holz tauchte irgendwo hinter ihren Gedanken auf, ein langer Raum, Stoff, Stimmen aus einem angrenzenden Zimmer und Licht, das sich in Glas brach, begleitet von jener längst vergessen geglaubten Gewissheit, dass ein gedeckter Tisch selbst dann bestimmten Regeln folgte, wenn kein einziger Gast sie später bewusst wahrnahm. Auf Thustra waren solche Dinge Teil einer Ordnung gewesen, die lange vor Raleen existiert hatte und vermutlich auch ohne sie weiterbestanden hätte, nur hatte irgendjemand es damals dennoch für notwendig gehalten ihr beizubringen, wie diese Ordnung funktionierte und Jahrzehnte später falteten ihre Hände die nächste Serviette noch immer auf dieselbe Art.

Geruchserinnerung, motorisches Gedächtnis, neuronale Verknüpfungen, ausreichend häufig wiederholte Bewegungen und...

Der nächste Waffelstapel war fertig.

Moore stellte ihn auf eine Platte, reduzierte am Topf die Temperatur und bemerkte dabei eine Bewegung unter einer der Decken im Wohnbereich, die kurz darauf wieder still wurde. Sie probierte den Stew, gab noch etwas hinzu und wandte sich danach den Wraps zu, wobei ihr irgendwann auffiel, dass sie seit einer guten Weile weder versucht hatte die Decken zu ordnen noch die herumstehenden Taschen beiseitezuräumen. Selbst der Becher stand noch immer auf dem Tisch, während Moore stattdessen darüber nachdachte, ob die Waffeln wirklich reichen würden und noch eine weitere Portion ansetzte.

Vielleicht lag es daran, dass das Appartement mit all den fremden Dingen und schlafenden Menschen plötzlich auf eine Art bewohnt aussah, die sie von ihm nicht kannte. Mira und sie lebten hier natürlich schon lange genug zusammen und allein die Tatsache, dass ihre Tochter Kleidung mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit an Orten zurückließ, an denen Moore sie später finden musste, lieferte ausreichend Beweise dafür, doch selbst ihre Zweiergemeinschaft besaß inzwischen eine technische Ordnung, einen Rhythmus, der kaum noch Aufmerksamkeit verlangte. Zwölf Kinder beanspruchten Raum, selbst wenn sie schliefen, Samin und Dany hatten ihre eigenen Dinge mitgebracht und irgendwo zwischen Decken, Taschen, fremden Schuhen und zu vielen Tellern war aus der eleganten Tarnung über einem illegalen Forschungskomplex etwas geworden, für das Moore gerade keinen besonders guten Begriff fand, während sie das Stew weiterrührte und sich nicht sonderlich darum bemühte einen zu finden.

Ihr Blick blieb irgendwann an den sechzehn Gedecken hängen und wanderte von dort beinahe automatisch zu den Schlafplätzen. Samin und Dany waren längst erwachsene Frauen, keine Kinder und beide hätten vermutlich sehr deutliche Worte gefunden, falls Moore auf eine gegenteilige Idee gekommen wäre, doch zwischen deren Lebensjahren und ihren eigenen lag trotzdem eine Strecke, die in diesem vollgestellten Appartement sichtbarer wurde als sonst. Sana und die übrigen Kinder machten diese Differenz nur deutlicher und Mira verwandelte jede vernünftige Betrachtung von Alter ohnehin in eine Übung, die selbst Moore vor dem ersten Caf des Tages nicht ernsthaft durchführen wollte.

Am ehesten erinnerte die Szenerie sie noch an Perelyan, nur hatte ein volles Haus damals einer festgelegten Ordnung gehorcht, die vollkommen unabhängig von ihr funktioniert hatte. Hier war nichts davon geplant gewesen. Gestern hatte Moore noch darüber nachgedacht, wie man zwölf Kinder möglichst schnell von The Wheel fortbekam, heute Morgen stand deren Frühstück auf ihrem Tisch.

Sie schob eine Schale mit Obst einige Zentimeter nach links, betrachtete die Veränderung und ließ sie dort.

Das sonderbare Ziehen irgendwo zwischen Brustbein und Magen hätte sich wahrscheinlich ebenso in Erinnerung, Neurotransmitter und soziale Konditionierung zerlegen lassen wie jeder andere Zustand eines organischen Gehirns. Moore wusste genug darüber, um mehrere überzeugende Erklärungen zu finden, entschied sich jedoch stattdessen, noch einmal nach dem Stew zu sehen.

Gefühle waren ausgesprochen schlechte Messinstrumente.

Die fertigen Morning Wraps verteilte sie auf zwei Platten, stellte sie neben den Nine-Egg Stew und die Stapel Chandrilan Waffles und ergänzte schließlich die Schalen mit Obst und Wamba-Yogurt, blaue Milch, Meiloorun-Saft und eine große Kanne Caf. Danach ging Moore noch einmal um den Tisch, rückte zwei Teller zurecht und hielt kurz inne, bevor sie auch die letzte Serviette geradezog.

Irgendwo hinter ihr raschelte eine Decke, gefolgt von dem leisen Geräusch kleiner Füße, die sich offenbar noch nicht ganz entschieden hatten, ob Aufstehen wirklich notwendig war.

Moore nahm ihre Tasse wieder auf und blieb dort stehen.


[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Dr. Ralena Anne Moore, C-06 „Mira“, Samin, Dany, Sana, Naeva und die anderen Kinder
 
Zuletzt bearbeitet:
// The Wheel // Moores Appartement // Schlafzimmer // Dany, Mira, eines der Kinder //

Dany wachte mit dem unangenehmen Gefühl auf, dass irgendetwas nicht stimmte. Sie hatte sich irgendwann im Schlaf ziemlich großzügig in Moores Bett breitgemacht und spürte unter ihrer Hand eindeutig Haut.

Dany öffnete langsam die Augen und erkannte Haare. Helle Haare - sehr helle Haare. Für einen kurzen Moment brauchte ihr noch nicht vollständig hochgefahrenes Gehirn, um den Hinterkopf vor ihr einzuordnen.
Moore? Nein. Es war ihre "Tochter" Mira. Warum sie das ausgerechnet von hinten, im Halbdunkel und verschlafen unterscheiden konnte, hätte Dany vermutlich selbst nicht erklären können. Letztlich war es wohl die Tatsache, dass Dr. Moore dazu in der Lage war, professionelle Distanz zu wahren, die die Unterscheidung ermöglichte, waren die beiden ja doch identisch.

Shab, ihre Hand war irgendwie auf
Miras Schulter gelangt. Dany hob sie langsam an, als könnte bereits die Bewegung irgendeine Katastrophe auslösen. Erst dabei bemerkte sie, dass zwischen ihnen noch etwas lag. Oder vielmehr jemand. Ein kleines Kind hatte sich im Schlaf zwischen sie und Mira geschoben und klebte nun so selbstverständlich an beiden, als wäre das schon seit Wochen sein angestammter Platz. Für einige Sekunden starrte die Mandalorianerin die Szenerie vor sich an, dann schaltete sie um.

Vorsichtig stützte sie sich auf einen Ellbogen. Mira bewegte sich nicht und das Kind ebenfalls nicht. Gut. Sehr langsam schob sie die Decke zurück, zog erst ein Bein und dann das andere über die Bettkante und ließ sich seitlich hinuntergleiten. Dany blieb einen Augenblick stehen, warf noch einen Blick auf die beiden Schlafenden und schlich dann beinahe lächerlich vorsichtig zur Tür. Keiner wachte auf. Ebenso lautlos ließ sie die Tür hinter sich schließen.

Das Appartement schien noch zu schlafen. Dany bewegte sich vorsichtig durch den Wohnbereich und setzte die Füße so auf, dass sie weder über irgendwen stolperte noch auf irgendein herumliegendes Spielzeug trat. Dann hörte sie weiter hinten Geräusche. Und noch bevor Dany überhaupt die Küche erreichte, von wo aus die Geräusche kamen, roch sie etwas. Etwas ziemlich Gutes.

Ihr Magen meldete sich beinahe im selben Moment. Dany blieb kurz stehen und stellte fest, dass sie seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr Vernünftiges gegessen hatte. Wann überhaupt zuletzt? Irgendwann vor ihrer Landung auf dem Rad. In der Küche traf sie dann schließlich auf
Moore. Dany fuhr sich einmal durch die noch immer etwas zerzausten Haare und lehnte sich für einen Moment an den Türrahmen.

"Jate vaar'tuur."

Guten Morgen. Ihr Blick wanderte an Moore vorbei über das, was dort vorbereitet wurde.

"Das riecht wirklich lecker“

Ihr Magen meldete sich erneut leise.

"Ich glaube, ich hab nichts mehr gegessen, seit ich Fuß auf The Wheel gesetzt habe"

// The Wheel // Moores Appartement // Küche // Dany, Moore; die anderen noch im Appartement //
 
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