Truuine

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Bar in der Nähe des Praxeums] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kael Reed, Lilivienne d'Oridin, Alizée

Die Gouverneurin von Bastion brachte die amüsante Situation recht gut auf den Punkt. Man ahnte nichts böses, wollte eigentlich nur einen kleinen Absacker trinken, bevor die Gala beginnen würde und plötzlich befand man sich im Gespräch mit Gouverneuren und Wirtschaftsmoguln. Es wäre ja auch zu normal gewesen, wenn es sich bei Kael tatsächlich einfach um einen Offizier der Streitkräfte gehandelt hätte. Aren musste lächeln. Zufälle waren doch das, was das Leben erst so interessant gestaltete und solch angenehme Zufälle, wie sich just in diesem Augenblick in einer solchen Gesellschaft wiederzufinden, ließ Aren doch sehr gerne über sich ergehen. Plötzlich wurde Aren sich eines leichten Vibrierens in seiner Hosentasche bewusst. Er zückte sein Comlink und nahm mit einem weiteren Lächeln zur Kenntnis, dass nun auch Adrina sich auf dem Weg zu der Bar befand. Ja, dieser Abend würde wirklich noch eine sehr sehr nette Einstimmung für seinen zweiten Besuch auf Truuine bilden.

Es lag wohl daran, dass er gerade auf sein Comlink geblickt hatte, so war ihm entgangen, dass sich Captain Andrim ihnen genähert hatte. Auch er schien sich für den eher anonymen Weg entschieden zu haben und trug nicht seine Uniform sondern einen Anzug. Der Kuati begrüßte ihn und Theranos freundlich. Aren reichte ihm die Hand.


,,Ich habe gerade eben eine Nachricht von ihr erhalten. Sie war gerade noch mit einer Freundin unterwegs, wird sich jetzt aber zu uns gesellen. Sehr freundlich, dass sie fragen."

Auch den übrigen Anwesenden begegnete Andrim mit ausgesuchter Höflichkeit. Gerade in Richtung der Gouverneurin von Bastion und ihrer Begleitung fiel diese ... besonders aus. Aren hatte beinahe ein wenig die Standesdünkel des Adels vergessen, aber mit Lady d'Oridin und noch mehr durch den Vertreter der Andrim Familie befanden sich hier natürlich zwei äußerst hochrangige Vertreter dieser sozialen Gruppe unter ihnen. Gerade der Begleitung der Gouverneurin schien dabei der Stand des neu hinzugekommenen Captains die Röte ins Gesicht zu treiben, wie Aren leicht grinsend bemerken musste.

Während Theranos die Frage der Gouverneurin beantwortete, wie Andrim so schnell in der Hierarchie der Streitkräfte aufsteigen konnte, lehnte Aren sich ein wenig zurück. Er hatte den Mann zwar befördert, wusste aber außerhalb von dem, was in seiner Akte stand und was die Gespräche auf seiner Yacht ergeben hatten nicht all zu viel über den Captain, hier konnte er also gut das Feld Theranos und dem Captain selbst überlassen. Stattdessen blickte er erneut aus dem Augenwinkel zu Madame Alizée herüber. Er war sehr froh darüber, dass seine Familie alt und wohlhabend war, aber gleichzeitig nicht in diesen starren Strukturen des Adels gefangen war, wo es einem sofort die Schamesröte ins Gesicht trieb, wenn man einen jungen Captain traf, der sich vor allem durch seinen Nachnamen auszeichnete. Er war in diesem Moment fast ein wenig froh darüber, dass der Name seiner Familie einem nicht zwangsläufig bekannt war, wenn man sich nicht mit Bergbau und ähnlichem beschäftigte. Der Umstand, dass sein Großvater wesentlich die Rebellion gegen den Adel Uyters mitgetragen hatte und schließlich so dafür gesorgt hatte, dass auf seiner Heimat die Republik ausgerufen wurde, wäre wohl bei einigen der Anwesenden nicht all zu gut angekommen. Da würde es wohl auch nicht helfen, wenn man hervorhob, dass diese Unterstützung hauptsächlich aus Opportunismus zustande gekommen war und sich ihr Blut seitdem auch immer wieder mit dem von Vertretern des Adels gemischt hatte. Ja, seine eigene Verlobte gehörte ja sogar als Nachfahrin des Lord Figgs, der vor mehreren Jahrhunderten den galaktischen Süden und vor allem den Greater Javin erforscht und erschlossen hatte, einem nicht unbedeutenden Adelshaus im Süden des Imperiums an. Aren hingegen war aber nichtsdestotrotz froh darüber, aus einer Dynastie von Unternehmern zu entstammen, der Nachfahre von Minenbesitzern und Generaldirektoren, nicht von altem Adel, der seit Jahrhunderten nicht mehr hatte wirklich arbeiten müssen. Doch seine Gedankengänge wurden zu politisch. Der Cognac sorgte wohl dafür, dass ihm die Worte seines Lieblingsonkels Ismael zu sehr in den Kopf stiegen, der während der Revolution vielleicht ein wenig zu aktiv gewesen war und sich nicht immer mit seinen Wertvorstellungen zurückgehalten hatte. So wenig ihm das Alter eines Titels automatisch Respekt oder gar Ehrfurcht einflößte, so wenig konnte ein solcher Titel gleichzeitig dafür sorgen, dass der ihm sehr sympathische Captain Andrim oder auch Lady d'Oridin weniger sympathisch werden würden.

Theranos orderte schließlich noch ein Glas für Captain Andrim und nachdem sie nun alle versorgt waren, griff Aren erneut seine Worte von gerade auf.


,,Wo ich gerade schon meinte, dass alle Karte offen auf dem Tisch lägen, kommen doch immer noch neue hinzu, mein werter Captain. Zumindest sind Sie kein so mysteriöses Blatt wie manch anderer. Ein Nachname wie Andrim und die Arbeit mit einem so aufmerksamen Sector Adjutanten wie Zesh zusammen, der ihren Lebenslauf wohl offenkundig besser widergeben kann, als es eine Akte könnte, lässt da nicht viel Raum für Anonymitäten."

Aren wandte sich leicht grinsend in die Runde. Doch er hatte kaum zu Ende gesprochen, da fuhr er kurz zusammen und wandte sich reflexartig nach links. Er konnte kaum seinen Augen und Ohren trauen. Als er das altbekannte Gesicht sah, fiel die Anspannung sofort von ihm ab, die ihn gerade ob der Stimme direkt neben ihm kurz befallen hatte. Freudestrahlend wandte er sich zu einer brüderlichen Umarmung Agustin zu und begrüßte direkt danach Abella ebenso herzlich.

,,Dass du nicht Bescheid gibst, dass du kommst!"

Aren lachte kurz auf.

,,Wir sprachen gerade noch darüber, wie sehr diese Bar heute doch vom Zufall geprägt wird. Es wird dich, und gerade auch dich Abella, sehr freuen, dass Adriana mir gerade erst schrieb, dass sie auch gleich zu uns dazustoßen wird. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, du bist wirklich Unglaublich."

Auch ein weiteres auflachen konnte Aren sich nicht verkneifen. Er hätte davon erfahren, wenn Agustin sich bereits frühzeitig dazu entschieden hätte, die Gala zu besuchen. Das hier war offensichtlich eine recht ausgefeilte Überraschung seines wohl engsten Partners. Und Aren musste unumwunden zugeben, dass diese Überraschung ihm mehr als nur geglückt war. Eilig wandte er sich den restlichen Anwesenden zu, für die diese Situation wohl gerade auf den ersten Blick noch ein wenig komischer wirkte, als sie schon bereits für Aren war.

,,Darf ich Ihnen allen Moff Agustin Prada vorstellen, einen meiner engsten Partner und Freunde. Verzeihen Sie mir meinen kurzen Ausbruch gerade, aber trotz all dieser Überraschungen, die uns diese Bar schon beschert hat, hätte ich eher damit gerechnet, dass tatsächlich die Imperatorin hier erscheint, wie Sie gerade meinten Lady d'Oridin, als dass Agustin Prada plötzlich neben mir stehen würde."

Aren wollte sich gerade wieder den beiden Neuankömmlingen zuwenden, bevor er sich umentschied und sein Angebot an die ganze Gemeinschaft richtete.

,,Wissen Sie was, ich erweitere mein Angebot von gerade. Fühlen Sie sich alle heute bitte herzlichst von mir komplett eingeladen. Ein solches Aufeinanderprallen von Zufällen bedarf einer entsprechenden Würdigung."

Die paar Drinks würde sein Geldbeutel wohl noch verkraften. Zudem wirkten die Koltoraffinerien am Rande von Moraband, die das von der Fourb-Gruppe geförderte Kolto verarbeiteten durchaus überaus produktiv. Mit jedem Schluck den sie taten und jedem Credit der dafür draufging wurde dort am Stadtrand also wahrscheinlich ohnehin eine Vielzahl an neuen Credits auf seine Konten gespült. Da konnte man sich ruhig mal etwas erlauben.

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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Bar am Praxeum] Kael Reed, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Alizée Marre, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella Sorovkin, Barkeeper und Barcombo (NSC)

Mit der zunehmenden Zahl an Personen um sie herum entwickelte sich der ruhige Nachmittag, mittlerweile eher frühe Abend, den Kael ursprünglich irgendwo zwischen einem brauchbaren Getränk und möglichst wenig gesellschaftlicher Verpflichtung hatte verbringen wollen, langsam aber ziemlich zuverlässig in jene Richtung, mit die er bereits während des Anfluges auf Truuine absolut keinerlei Vertrag hatte. Dabei konnte er nicht einmal behaupten die bisherige Gesellschaft als unangenehm zu empfinden, Aren kannte er lange genug um seine Anwesenheit eher als angenehme Überraschung zu verbuchen, Lilivienne und Alizée hatten sich als deutlich interessantere Gesprächspartnerinnen herausgestellt als ihr erster Eindruck vermuten ließ und auch Theranos hatte bisher wenig von jener aufgeblasenen Selbstgefälligkeit gezeigt, die Kael bei Menschen mit ausreichend langen Amtsbezeichnungen beinahe automatisch erwartete. Dass sich ausgerechnet der für Wirtschaft und Handel zuständige Sector Adjutant nebenbei mit einer eigenen Weinmarke beschäftigte und ihm eine Verkostung angeboten hatte, machte den Mann eher interessanter als unsympathisch, auch wenn Kael sich bereits vorgenommen hatte die Einladung tatsächlich als Verkostung und nicht als Gefälligkeit unter neuen Bekannten zu behandeln.

Der nächste Neuankömmling machte es ihm erheblich schwerer.

Captain Kal Andrim hatte ihm bislang objektiv nichts getan, was Kael durchaus bewusst war und den beinahe augenblicklichen Widerwillen gegen den Mann eigentlich lächerlich machen sollte. Nur funktionierte Sympathie selten nach jener sauberen Logik, auf die er sich in anderen Bereichen seines Lebens so gerne verließ und während er die Begrüßung des Kuati erwiderte, blieb sein Blick einen Moment länger an dessen Erscheinung hängen als es für eine rein höfliche Einschätzung notwendig gewesen wäre. Maßanzug, selbstverständlich hervorragend gearbeitet, vermutlich entsprechend teuer und an einem Mann aus einer Familie wie den Andrims auch keineswegs überraschend, doch eben keine Galauniform und damit für Kael ausgerechnet jenes fehlende Detail, über das er sich mehr ärgerte als es vernünftig gewesen wäre.

Vor einigen Jahren hätte er sich über die Vorstellung vermutlich selbst lustig gemacht. Stoff, Knöpfe, ein Rangabzeichen und ein Streifen am Ärmel änderten schließlich nichts daran wie gut ein Offizier seine Aufgabe erfüllte, doch irgendwo zwischen Aradia, Fresia, Cal-Seti und Galantos hatte sich seine Wahrnehmung davon verändert. Die Uniform war nicht länger nur etwas das Vorschriften verlangten und schon gar nicht irgendeine Verkleidung, die ihn für Holokameras möglichst imperial aussehen ließ: Sie stand für etwas, für Pflichtbewusstsein und Aufopferungsbereitschaft, persönlich für ihn inzwischen auch für einen Teil seines Lebens, den weder seine Mutter organisiert noch sein Familienname gekauft hatte, für Soldaten die mit ihm gekämpft hatten und teilweise nicht zurückgekommen waren, für Entscheidungen an deren Folgen sich auch dann nichts änderte wenn man nach einem Einsatz die Jacke auszog und letztlich für die nackten eigenen Verdienste. Gut das es sich hier beinahe schon andeutete das die Dekorierung auch aus genau jener Vetternwirtschaft stammen konnte die das Halbblut so zu verabscheuen gelernt hatte, machte es nur eher schlimmer als besser. Er war in Galauniform erschienen obwohl ein maßgeschneiderter Anzug für seine Funktion als Vertreter der Imperial Spirits Group vermutlich sogar naheliegender gewesen wäre und dass ein Captain der imperialen Streitkräfte, dessen Lebenslauf hier beinahe ausgebreitet wurde, bei derselben Veranstaltung offenbar zu einer anderen Einschätzung gekommen war, hinterließ einen Beigeschmack den Kael nur schwerlich aus seinem Hinterkopf verbannen konnte.


Captain Andrim.

Er erwiderte dessen Begrüßung ordentlich, reichte ihm die Hand und ließ dabei nichts von der inneren Bewertung in seinen Tonfall gelangen... gut außer vielleicht dieser Spur zusätzlicher Förmlichkeit die ihm eben anheim war wenn er noch taxierte, ob er jemanden lediglich nicht riechen konnte oder jemandem anhand von handfesten Gründen für einen Pfuscher, Stiefellecker, Armleuchter, Hinterweltler, Intelligenzallergiker, Untermenschen, Vieles Weiteres oder eine Kombination all dieser identifizierte.

Kael Reed.

Mehr brauchte es zunächst nicht, insbesondere weil die anschließenden Ausführungen über Andrim seinem ersten Urteil auch noch die angenehme Einfachheit nahmen. Einsätze, bestätigte Abschüsse, Auszeichnungen und eine Beförderung, also allem Anschein nach kein Sohn eines guten Hauses, dem irgendein Verwandter irgendwann zwischen zwei Empfängen ein Offizierspatent besorgt hatte, sondern jemand der zumindest genügend geleistet hatte um seinen Rang auf eine Art zu rechtfertigen, die sich zumindest halbwegs respektieren ließ, was das Treten mit Füßen dessen wofür ein Offizierspatent und die Verpflichtung dem Imperialen Militär gegenüber stand eigentlich nur noch schlimmer machte. Dass Aren selbst bei der Beförderung eine Rolle gespielt hatte und Theranos die bisherigen Leistungen beinahe mit einer gewissen Zufriedenheit aufzählte, verhinderten leider überhaupt nicht das es hier in Kaels Nase nach klassischer Vetternwirtschaft roch, die er Aren Vayliuar zwar nicht zutraute aber vielleicht war sein Radar in der Hinsicht auch etwas angeknackst. Dem Sector Adjutanten allerdings nahm er ohne zu zögern ab das der auch gerne Mal ein paar Titel und Auszeichnungen mehr verteilte.

An genau an dieser Stelle hätte Vergangenheitskael angefangen sich im Kopf eine Liste zurecht zu legen. Eine Liste von Argumenten und Gründen für eine etwaige moralische Auseinandersetzung. Nicht weil die Situation es verlangte, sondern weil es fast schon zu seinen zuverlässigeren Eigenschaften gehörte und gehört hatte, eine einmal gefasste Abneigung solange mit Beobachtungen zu füttern bis daraus irgendwann eine hinreichend plausible Rechtfertigung entstand, sich dem Betreffenden gegenüber genauso unangenehm zu verhalten wie er es innerlich längst beschlossen hatte. Dass diese Methode weder besonders erwachsen noch besonders nützlich war hatte ihn einige Jahre, mehrere Vorgesetzte und mehr als ein Gespräch gekostet das im Nachhinein betrachtet vollkommen anders hätte verlaufen können selbst wenn diejenigen denen diese Dinge galten allesamt trotzdem weiterhin Armleuchter waren. Mit einer gewissen Genugtuung stellte Kael fest, inzwischen war er zumindest weit genug gekommen um den Moment zu erkennen an dem er begann in genau dieses Muster zurückzufallen und sich selbst durch andere den eigenen Tag zu verderben.

Vielleicht würde Andrim sich als ausgesprochen fähig herausstellen.

Vielleicht würde Kael ihn trotzdem nicht leiden können. Höchstwahrscheinlich sogar.

Beides schloss sich aus seiner Sicht vollkommen problemlos miteinander aus, nur musste er nicht mehr zwangsläufig innerhalb der nächsten zehn Minuten herausfinden welches davon schwerer wog und sich dabei nebenbei einen Abend ruinieren, auf dem er zwar keineswegs aus eigenem Antrieb erschienen war oder große Lust hätte ihn überhaupt zu beginnen, der ihm aber sowohl als Offizier als auch als Vertreter seiner Familie genügend Möglichkeiten bot um nicht ausgerechnet aus kindischem Trotz jede davon mit Anlauf gegen eine Wand zu fahren. Das tat er immerhin auf dem Schlachtfeld auch nicht und in gewisser Weise war das hier ja auch ein Schlachtfeld. Nur die Waffen waren andere.

Noch bevor er sich länger mit dieser Feststellung beschäftigen konnte erweiterte sich die ohnehin bereits bemerkenswerte Runde erneut und bei Agustin Prada brauchte Kael zumindest keinen Augenblick um Namen und Gesicht miteinander zu verbinden. Dafür war der Moff des Myto-Sektors im Imperium zu bekannt, ganz abgesehen davon dass ihre Wege sich bereits auf Fondor zumindest aus der Entfernung gekreuzt hatten und dessen mediale Verbindung zum neuen Moff des Prefsbelt-Sektors kaum als Geheimnis gelten konnte. Die Herzlichkeit mit der die beiden Verwalter einander begrüßten erklärte ohnehin ziemlich schnell, dass hier nicht lediglich zwei Amtskollegen zufällig in derselben Bar gelandet waren. Daher erhob sich der Chiss weit genug aus seiner Haltung am Tresen um Prada und dessen Begleitung die gebotene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Zuerst selbstverständlich der Dame wie es sich geziemte und dann dem Hauptakteur selbst.


Moff Prada. Kael Reed.

Sein Händedruck fiel fest aus ohne daraus irgendeine Demonstration machen zu wollen. Schlicht und ergreifend respektvoll und neutral.

Freut mich. Ich glaube zwar Aren und Theranos können ihre ursprünglich ruhige Unterhaltung inzwischen endgültig abschreiben, aber dafür scheint die Alternative bislang zumindest nicht die schlechteste zu sein.

Damit war für den Augenblick genug gesagt und nachdem die ersten Begrüßungen erledigt waren überließ Kael die Neuankömmlinge ohne demonstrativen Rückzug den anderen, nahm sein mittlerweile drittes Glas wieder auf und verlagerte sich lediglich einige Plätze weit entlang des Tresens um den Hinzugekommen Platz zu machen. So saß er außerdem nah genug um nicht den Eindruck zu erwecken plötzlich vor der Gesellschaft zu fliehen und ebenso nah genug, dass die Unterhaltung weiterhin an sein Ohr drang, nur eben nicht mehr mit der Notwendigkeit auf jede Wendung unmittelbar reagieren zu müssen. Ein Ohr reichte für den Moment vollkommen aus und bot ihm nebenbei die Gelegenheit den unangenehm vertrauten Impuls wieder etwas abkühlen zu lassen, aus einer anfänglichen Antipathie gegenüber Andrim unbedingt noch vor Beginn der Gala ein Problem machen zu wollen. Nach all den Jahren sollte er wenigstens gelernt haben, dass nicht jeder Gedanke ausgesprochen werden musste nur weil er sich im ersten Moment ausgesprochen klug anhörte. Was zum Glück auf viele seiner Gedanken zutraf.

Das andere Ohr fand ziemlich schnell eine angenehmere Beschäftigung. Die kleine Musikergruppe hatte bereits gespielt als er die Bar betreten hatte, war aber in der ständig größer werdenden Gesprächsrunde zunächst irgendwo zwischen Hintergrundgeräusch und Einrichtung verschwunden. Erst jetzt, da Stimmen, Ämter und gesellschaftliche Zuordnungen nicht mehr seine vollständige Aufmerksamkeit beanspruchten, hörte Kael genauer hin und stellte nach einigen Minuten fest, dass die Combo durchaus wusste was sie tat. Kein künstlerischer Höhepunkt für den irgendwelche Leute quer durch die Galaxis reisen würden, aber ordentlich aufeinander abgestimmt, zurückhaltend genug um Gespräche nicht zu erschlagen und mit einer Sängerin, deren Stimme wesentlich mehr her gab als die Begleitung zunächst vermuten ließ. Das erste Stück verfolgte er nur nebenbei, während sein Blick noch einmal zur Runde zurückwanderte und irgendeinen Teil eines Gespräches zwischen Aren und Prada auffing, beim zweiten ertappte er sich dagegen bereits dabei eine Akkordfolge im Kopf weiterzuführen und darüber nachzudenken, weshalb der Musiker an der Saitenbegleitung deren Auflösung einen Takt später anders setzte als er selbst es wahrscheinlich getan hätte.

Es war ein erheblich angenehmeres Problem. Vor allem eines, bei dem niemand seinen Rang, seine Familie oder irgendeine geschäftliche Erwartung an ihn knüpfte. Sein Blick fiel dabei auf den Flügel.

Das Instrument stand etwas seitlich hinter der Combo, geschlossen und für die gegenwärtige Besetzung offensichtlich ungenutzt, ein dunkles, gepflegtes Stück das wahrscheinlich mehr kostete als die gesamte restliche Einrichtung mancher Bars und deshalb entweder regelmäßig Verwendung fand oder der Besitzer ein ausgesprochen teures Verständnis von Dekoration besaß. Kael nahm noch einen Schluck, hörte den folgenden Teil des Stückes inzwischen beinahe vollständig und stellte dabei fest, dass ihm der Wechsel der Aufmerksamkeit besser tat als erwartet. Vielleicht bestand ein Teil jener Entwicklung, die andere Menschen immer so gerne in komplizierte Begriffe verpackten, am Ende auch nur darin zu wissen wann man sich für einige Minuten aus einer Situation herausnehmen sollte bevor man selbst zum unangenehmsten Teil davon wurde. Er wartete das Ende des Stückes ab, stellte sein Glas anschließend auf dem Tresen etwas weiter nach hinten und winkte den Barkeeper mit einer kleinen Bewegung zu sich.


Der Flügel dort hinten, gehört der zur Combo oder steht der nur hier damit das Lokal teurer aussieht?

Der Mann folgte seinem Blick.

Zur Bar. Die Besetzung wechselt häufiger, heute haben sie keinen Pianisten dabei.

Kael nickte leicht.

Und wenn jemand spielen möchte?

Diesmal wurde er etwas genauer gemustert, wobei Kael nicht entscheiden konnte ob der Blick eher seiner Uniform oder dem Glas galt das er gerade beiseite gestellt hatte.

Wenn die Musiker einverstanden sind und Sie wissen was Sie tun, habe ich nichts dagegen.

Die Formulierung ließ seine Mundwinkel ein wenig nach oben wandern. Nicht weil sie besonders witzig gewesen wäre, sondern weil ihn tatsächlich seit Jahren niemand mehr gefragt hatte ob er wusste was er an einem Instrument tat. Eine nette Abwechslung.

Für einen Abend hier sollte es noch reichen.

Er ließ das Glas stehen, zog mit einer kurzen Bewegung die Vorderseite seiner Galauniform glatt und wartete das Ende des nächsten Stückes ab, bevor er Aufstand und sich der kleinen Gruppe näherte. Die Sängerin bemerkte ihn zuerst, kurz darauf auch die übrigen Musiker, und die Mischung aus fragender Aufmerksamkeit und leichter Vorsicht in ihren Gesichtern war nachvollziehbar genug. Ein Offizier der mitten während ihres Auftrittes auf sie zukam gehörte vermutlich nicht zu den Dingen, auf die man sich bei einer Probe vorbereitete.

Keine Sorge, ich möchte mich nicht über Ihre Musik beschweren."

Kael ließ seinen Blick kurz über die Instrumente wandern und deutete anschließend auf den unbesetzten Flügel.

Im Gegenteil. Ich höre Ihnen jetzt seit einigen Stücken zu und Sie sind gut genug aufeinander eingestellt, dass ich mir vorstellen könnte für eines davon dazuzukommen, sofern Sie nichts dagegen haben. Der Barkeeper hat mir zumindest versichert, dass der Flügel nicht ausschließlich dekorative Aufgaben erfüllt."

Die Sängerin sah erst zum Instrument und dann wieder zu ihm.

Sie spielen?

Seit einiger Zeit nicht mehr regelmäßig.“, Kael ließ sich mit der Antwort einen Moment Zeit, denn alles andere wäre schlicht gelogen gewesen. Das man einem Offizier der wahrscheinlich eher mit Waffen spielte fasste er auch nicht als ernsthafte Beleidigung auf.Aber lange genug, dass ich Ihnen zumindest anbieten kann Ihre qualitative Linie für ein Stück ein wenig nach oben zu korrigieren, anstatt sie vollkommen zu ruinieren.

Einer der Musiker verzog leicht die Mundwinkel, während die Sängerin ihn weiterhin prüfend betrachtete und schließlich mit dem Kopf in Richtung des Flügels deutete.

Ein Stück.

Kael nickte und trat an ihr vorbei.

Nur eins? Ihr Pech.

Er legte eine Hand auf die Rückenlehne des Sitzes und sah noch einmal kurz über die Schulter zurück zur inzwischen absurd hochrangig besetzten Theke, an der aus seinem ursprünglich ruhigen Drink innerhalb überraschend kurzer Zeit eine Ansammlung aus Moffs, Gouverneuren, Verwaltern und Offizieren geworden war. Noch vor einigen Jahren hätte er vermutlich mitten darin gesessen und darauf gewartet, dass irgendjemand ihm einen ausreichenden Anlass gab seine eigene Laune zu rechtfertigen, heute erschien es ihm ausnahmsweise sinnvoller, die Gelegenheit nicht selbst zu zerstören bevor die eigentliche Gala überhaupt begonnen hatte.

Der Flügel war dafür vermutlich die angenehmere Alternative.

Kael zog den Sitz zurück und nahm vor den Tasten Platz, ohne sie bereits zu berühren
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