Truuine

[ Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Stand von Imperialis Sensus ] Kanto Garison, Theranos Zesh, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Kael Reed


Die gutaussehende Gouverneurin von Bastion hakte sich kurzerhand bei Kanto unter, was dieser mit einem charmanten Lächeln begrüßte. Er war nicht nur froh, der Fachsimpelei über Wein zu enkommen, sondern natürlich auch erfreut, dass Lady Évarielle d’Oridin offenbar seine Gesellschaft der des Sektoradjutanten vorzog.

„Selbstverständlich führe ich Sie durch den Stand von Quarzite. Und da ich bereits für meine Bescheidenheit gerügt wurde, werde ich mich darin üben, es auch möglichst objektiv zu halten, ohne Sie zu langweilen, werte Lady.“

Schon während sie sich entfernten, hörte Kanto, dass sich Theranos und Leutnant Reed schon wieder dem Wein widmeten. Subtil neigte er den Kopf in deren Richtung und bemerkte: „Und diese beiden scheinen ohnehin sehr gut ohne uns auszukommen.“

Sie beantwortete seine Frage nach ihrer Empfehlung zu den Sehenswürdigkeiten der Gala mit dem Beitrag ihrer eigenen Verwaltung, was zwar wenig überraschend war, aber das musste ja nicht bedeuten, dass es nicht tatsächlich empfehlenswert war. Bei der Art, wie sie es sagte, war sich Kanto allerdings nicht sicher, ob sie den Beitrag überhaupt selbst gesehen hatte. Er zuckte gedanklich die Schultern. Ganz im Gegensatz zu ihm hatte die Gouverneurin von Bastion mit Sicherheit gutes Personal für solche Entscheidungen und musste sich um derartige Nichtigkeiten nicht selbst kümmern.

„Nun, dann werde ich mir die Zeit auf jeden Fall nehmen. Was ist denn der Beitrag genau? Oder ist das ein Geheimnis?“, fragte er mit einem schelmischen Grinsen.

Mit den Weingläsern in Händen näherten sie sich dem kleinen Ambiente von Quarzites Ausstellung. Ein angedeutetes Kopfschütteln zu den beiden Bediensteten an der Bar sagte diesen, dass er hier keine Unterstützung brauchte. Stattdessen führte er die Gouverneurin direkt zu der schmalen, dunklen Gletscherspalte, die in der Wand der Höhle klaffte.


„Bitte nach mir, Lady Évarielle.“

Langsam folgte er ihr in den gewundenen, schmalen Gang und kam nicht umhin, die durchaus verführerischen Kurven zu bewundern, die sich unter ihrem seidenen Umhang andeuteten. Aber das Licht wurde immer weniger und sie zu einem bloßen Schemen vor ihm, bis sie schließlich einen Hohlraum im Eis mit vielleicht 15 Metern Durchmesser betraten.
Vor ihnen, in der Mitte der Höhle, erhob sich eine vier Meter hohe Skulptur aus rosa-violett leuchtendem Kristall. Er war die einzige Lichtquelle im Raum und tauchte alles in das fahle Licht, das Kanto mittlerweile so vertraut war, war es doch die einzige natürliche Quelle von Helligkeit auf Quarzite.

Kanto sagte bewusst nichts und ließ die Skulptur auf die Gouverneurin wirken. Sie waren die einzigen Personen in der Höhle und die Geräusche der Gala drangen durch den dicken Gletscher nicht mehr bis hier hier. Nur das leise, atmosphärische Klimpern von Glas oder Kristallen drang aus verborgenen Lautsprechern und schuf ein mystisches Ambiente.

Einzelne Kristallsplitter in Gelb und Blau waren in die Skulptur eingearbeitet. Zwei davon, in einem intensiven Aquamarin starrten wie Augen auf sie herab. Der Kopf einer femininen Gestalt schien sich würdevoll und gnädig auf sie herabzusenken und mehrere Armpaare streckten sich ihnen einladend entgegen, mit dem Versprechen seliger Geborgenheit.

Kanto sah das Kunstwerk nicht zum ersten Mal und trotzdem überraschte ihn wieder die Anziehung, die diese Gestalt ausübte, obwohl ihre vielen Arme so grotesk fremdartig waren.

Er hielt sich im Hintergrund und ließ Lilivienne Zeit zur Betrachtung. Dann sagte er leise:
„Die Allmutter… Die oberste Gottheit der Kage. Eine rückständige Alienspezies von Quarzite.“

Bedächtig wanderte er um die Skulptur herum, die von jeder Seite eine andere Figur offenbarte. Einmal den grausigen Schädel eines Milodon, des insektoiden Reittieres der Kage. Dann entdeckte er in der Rückseite eingeschnitzt einen Schwarm kleiner Flederdrachen, die kopfüber dort zu hängen schienen, so wie sie an den Höhlendecken auf Quarzite zu schlafen pflegten. Von jedem Blickwinkel schien die Kristallschnitzerei etwas anderes zu zeigen. Das war die eigentliche Kunst, musste Kanto anerkennen.

Und trotzdem interessierte ihn Lilivienne Évarielle d’Oridin mehr als die Skulptur. Verstohlen beobachtete er sie im Dämmerlicht, während sie den Kristall betrachtete. Er hätte sich kurz entschuldigen können und sich von einem der Bediensteten draußen alle Infos über die Gouverneurin geben lassen können, aber das würde ja den Spaß verderben. Wozu trockene Daten lesen, wenn man ein persönliches Gespräch führen konnte. Er schätzte die Frau auf sein Alter, vielleicht sogar etwas älter, wobei das bei der Aufmachung schwer zu sagen war. Sie bewegte sich sehr routiniert auf der Gala, was bei ihrem Hintergrund nicht verwunderlich war. Aber Kanto hatte in ihren Nachfragen zu politischen und wirtschaftlichen Situation Quarzites auch eine gewisse strategische Klarheit herausgehört. Wahrscheinlich war sie nicht nur eine geübte Gesellschafterin, sondern eine berechnende Strategin. Aber das war nur geraten.

Außerdem wusste sie ihre weiblichen Reize offenbar durchaus einzusetzen, was bei der männerdominierten Verwaltungsriege des Imperiums vielleicht von Vorteil sein konnte, wenn man es nicht übertrieb. Kanto jedenfalls hätte nichts dagegen, sie später beim Ball zum Tanz aufzufordern, wenn man es so ausdrücken wollte. Aber da waren noch ein paar Stunden hin…



[ Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Kunstinstallation von Quarzite ] Kanto Garison, Lilivienne Évarielle d'Oridin
 
Zurück
Oben