Va'art

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro

Eowyn hob die Augenbrauen. Meine Kleidung? Meine ist ganz wunderbar. Zweifelnd blickte sie dann jedoch an sich herab. Ganz so Unrecht hatte er sicher nicht. Aber ihre Wechselkleidung sah vermutlich noch viel schlimmer aus durch den heftigen Regen gestern und dadurch, dass sie sich in der Nacht absolut nicht darum gekümmert hatte, ob sie auf dem Boden saß oder nicht... Von einem gewissen Standpunkt aus.
Weiterhin empört blickte sie Ian an und stützte ihre Hände in die Hüften. Du gibst es also sogar noch zu? Unverschämt. Und dieses Lächeln auf seinem Gesicht... Und dann musste sie sich vorstellen, wie sie selbst aussehen musste; zerzaust, mit kaputter, verdreckter Kleidung, plappernd, empört und albern. Da prustete sie wieder los, ging schnell in ein Kichern über und schließlich in ein Grinsen. Ich kann dich nicht davon abhalten. Aber sei dir sicher, das wird das erste und das letzte Mal sein. So weit käme es noch! Sie stubste ihn in den Arm. Warst du überhaupt schon einmal angetrunken?

Seine Erklärung über das Trinken klang logisch, und als sie ein paar Sekunden darüber nachgedacht hatte nickte Eowyn zufrieden. In Ordnung, das war wirklich sinnig. Warum mehr tun, als unbedingt notwendig? Wobei sie sich das auch für den heutigen Abend fragte. Mehr tun als unbedingt notwendig... nah. Sie fand, sie hatten sich eine Auszeit verdient nach den letzten harten Tagen. Und zwar beide. Ian hatte Recht, was sollte hier schon passieren? Nein, stra...pazieren klingt nicht gut, und daher solltest du dich wirklich ausruhen, weißt du. Die letzten Tage so gut wie nichts zu essen war sicher nicht einfach, sonst mache ich mir noch Sorgen um dich. Machte sie das nicht ohnehin schon? Aber sicher. Nur, das waren andere Sorgen. Und viele Sorgen auf einmal waren immer schlechter als weniger Sorgen. Und von Sorgen hatte sie ohnehin genug.

Ians Hand auf ihrem Arm fühlte sich gut an. Tröstend, beruhigend. Bestätigend, dass er da war. Es erinnerte sie an alles, was heute Nacht, aber vor allem heute... morgen? mittag? geschehen war, und kurz war sie abgelenkt von seinen Worten. Es erinnerte sie an den Halt, den er ihr gegeben hatte, und gerade jetzt, wo sie Zweifel hatte, ob die Entscheitung, Coruscant zu verlassen richtig gewesen war, war Halt das, was ihr wirklich helfen konnte. Seine Worte nahm sie nur entfernt war, nicht ihr Fehler... Lianna... Dringlichkeit. Alles was sie sah war nur seine Hand, die er dann wieder löste und sie aus ihrer eigenen Welt riss. Seine letzten Worte hörte sie wieder bewusst, und ungeachtet aller Gedanken und Erinnerungen musste sie lächeln. So schlecht war es gar nicht, wenn man sich darauf verlassen könnte, dass jemand einfach Recht hatte, und der Einfachheit halber und weil sie ohnehin nicht sicher war, was sie denken sollte, beschloss sie, ihm einfach zu glauben. Er hatte so oft Recht, warum nicht auch jetzt? Es würde schon stimmen. Er würde sie schon nicht anlügen.

Während Ian ihr die Bürste reichte und sie versuchte, vorsichtig einzelne Strähnen wieder zu ordnen, schlichen ihre Gedanken sich wieder ein paar Stunden zurück. Jetzt, mit einigem Abstand und mit diesem seltsamen Gefühl im Kopf, kam ihr alles noch viel absurder und fremder vor als heute morgen. Ob es eine gute Idee war, jetzt darüber nachzudenken? Ihre Emotionen kippten offensichtlich von einem ins andere Extrem, das hatte sie gerade eben bei ihren Gedanken an Wes deutlich gemerkt. Sie realisierte es, aber sie konnte es nicht abstellen, was sie beinahe schon wieder frustrierte und andererseits aber auch nicht kümmerte. Zu verzwickt... alles zu verzwickt. Sie waren sich so nah gewesen, und alles hatte sich verändert, aber im Laufe des Tages war sie sich nicht sicher, ob ein Teil Einbildung gewesen war. Oder lag es daran, dass sie jetzt nicht genau wusste, wie ihre Warnehmung funktionierte? In ihrem Kopf drehte sich alles... Vielleicht lag es auch daran, dass sie unterbrochen worden waren, von ihrem eigenen, verräterischen Magen, der dann noch mehr zum Verräter wurde, als er hungrig nach immer mehr Essen verlangt hatte und sie überhaupt erst in diese Situation gebracht hatte. Was wäre geschehen, wenn ihr Bauch nicht protestiert hätte? Sie hatten beide gegen sich selbst gekämpft, es schließlich beide zugelassen, aber... was dann, was nun? Die Hand, von der sie heute morgen noch gedacht hatte, sie immer ergreifen zu können, schien plötzlich unerreichbar fern. Sie spürte, wie sich langsam eine Traurigkeit über sie legte, von der sie nicht einmal genau wusste, woher sie kam, aber gegen die sie vor allem machtlos war, auch wenn sie versucht hätte, sich dagegen zu wehren. Und das unterließ sie, denn darin sah sie keinen Sinn.
Sie blickte auf, von ihrer Tätigkeit und ihren Gedanken.
Ja, das hat es... Es brauchte sich nicht um andere Dinge zu kümmern, es konnte tun, was ihm gefiel, es konnte sein eigenes Leben leben. Es konnte angetrunken sein, wenn es wollte, ohne, dass irgendjemand ihm dabei zusah oder zuhörte, ohne, dass dabei seltsame Gedanken in seinen Kopf kamen die da nicht hineingehörten. Essen, so viel es wollte, hatte keinen Hunger, der plötzlich andere Dinge unterbrach, und wenn es Glück hatte, dann gab es da zwei Menschen, die ihm sogar Trost und Nähe gaben. Es konnte Gefühle haben, welche immer es wollte und vor allem, für wen. Es störte nicht, was andere von ihm hielten. Es war, was es war... und das war gut so.
Sie starrte einige Momente auf das Tier, dachte darüber nach, und irgendwann hätte sie nicht mehr sagen können, ob sie ihre Gedanken nicht eventuell doch laut ausgesprochen hatte oder nicht.


Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro

Natürlich war ihre Kleidung ganz wunderbar, völlig sauber, ohne auch nur die geringste Spur von Schlamm. Ein aufgeweichter Boden haftete schließlich nicht an Stoff. Und da sie nie, niemals auf dem Boden gesessen hatte, sondern immer den Komfort eines Stuhls hatte genießen können, war ihre Kleidung erst recht sauber.
„Natürlich“, grinste Ian daher von einem Ohr zum anderen und amüsierte sich im Stillen köstlich über diese Aussage. Und natürlich gab er auch zu, sich einen Spaß daraus zu machen. Ein unschuldiges Schulterzucken folgte. „Ich würde dich ja um Verzeihung bitten…“ Aber dann hätte er Eowyn mitten ins Gesicht lügen müssen. Nein, er hatte wirklich seinen Spaß, denn auch wenn ihm längst nicht alles gefiel, was Eowyn da sagte - manches hatte schlussendlich die Kraft, ihn ein wenig verlegen werden zu lassen – war es gut, sie so losgelöst von Sorgen zu sehen. Ian hielt zwar sehr wenig von Alkohol, aber er gönnte Eowyn den Moment mehr sie selbst sein zu können, auch wenn er im Stillen hoffte, dass es neben Fusel auch etwas anderes geben würde, dass ihr dabei helfen konnte, mehr bei sich zu sein.
„Nein, war ich nicht“, war demnach seine ehrliche Antwort. „Ich konnte bewusstseinsverändernden Mitteln nie wirklich etwas abgewinnen.“ Zumindest nicht bis zu dem Zeitpunkt, als da nur noch der Wunsch nach Vergessen gewesen war. Doch selbst nach Tahiris Tod hatte Ian keinen Trost im Alkohol gesucht. Er hasste Alkohol, was nicht zuletzt an Jerome gelegen hatte. In den sehr seltenen Fällen, in denen er betrunken gewesen war, war er anders gewesen. Schlimmer als sonst und es war beinahe so gewesen, als hätte der Alkohol das allerschlimmste aus ihm hervorgekitzelt. Das, was seine ‚Menschlichkeit‘ sonst vielleicht verhindert hätte. Dabei war Menschlichkeit so schon kaum in einem Satz mit Jerome Dice zu bringen.

Auch wenn es amüsant war, wie Eowyn ihre Sorge um Ian kundtat, brachte ihre Sorge die eigene doch wieder zurück. Da war etwas, ein kleiner Teil, den es berührte, dass es jemanden gab, der sich um ihn sorgte. Der viel größere Teil aber verhinderte, dass Ian dieses Gefühl zu intensiv wahrnehmen konnte und dieser Teil war schlicht wieder die Angst. Wes. Er musste bloß an Wes denken. Er würde für Eowyn da sein und wenn es jemanden gab, der dafür sorgte, dass Eowyn nicht alleine war, war die größte Sorge doch verschwunden. Vielleicht konnte Wes ihr auch dabei helfen, mehr in Einklang mit sich selbst zu kommen, mehr auf sie zu achten, mehr zu leben. Fast hätte Ian geseufzt, konnte das aber noch rechtzeitig verhindern. Es war absurd, wie seine eigenen Gefühle einander ständig ablösten. Oder gegeneinander kämpften und mal gewann das eine die Oberhand, um dann wieder zu unterliegen.

Ian entging nicht, wie Eowyn auf seine Hand sah und auch sein Blick wanderte auf diese. Und unweigerlich schlich sich ein völlig fremdes Bild in Ians Kopf, dass schlussendlich dafür sorgte, dass er seine Hand schneller wieder wegnahm, als vielleicht notwendig gewesen wäre. Wes mochte für ihn ein Fremder sein, aber Fremde konnten erstaunlich Kontur annehmen und in Ians Vorstellungskraft war Wes das Gegenteil von ihm. Zumindest charakterlich. Vielleicht wurde Wes sogar zu dem, was Ian einmal gerne hatte sein wollen. Diesmal war es kein Seufzen, das Ian unterdrücken musste, sondern ein Zusammenzucken. Dieses Bild hatte ihm einen gehörigen Stich versetzt, einen schlimmeren, als Ian überhaupt zugeben wollte. Mit Eifersucht hatte dieses Gefühl diesmal überhaupt nichts gemein. Eher mit etwas anderem, dass Ian nicht genau zu benennen wusste. Verlust? Das Gefühl ein Versager zu sein? Nicht zu genügen? Das Gefühl - oder die Gefühle - und der Gedanke waren so absurd, dass Ian beides verdrängte. Schließlich war es gut, das es Wes gab, auch wenn seine Existenz gleich zwei Dinge in Ian auslösten. Das wichtigere von beiden aber war, die Beruhigung. Alles andere... nun, alles andere konnte Ian gut verdrängen, denn in dieser Sache konnte es viel weniger um seine eigenen Wünsche gehen, als um das, was gut für Eowyn war.

Nicht nur Ians Emotionen wechselten sich ab, die von Eowyn taten es auch.
Ihre eigene Traurigkeit schwappte dabei nicht nur zu dem Dunkelhaarigen hinüber, sondern hatte fast die Kraft, ihn selbst völlig einzunehmen. Ob Eowyn hörte, was sie dann sagte oder sich überhaupt bewusst war, dass sie ihre Gedanken laut aussprach? Ian wusste es nicht, doch was sie da von sich gab, machte es völlig unmöglich, den Kampf gegen seinen eigenen Kummer zu gewinnen.

„Du wirst deinen Weg finden, Eowyn, davon bin ich überzeugt.Allein deshalb, weil er es sich wünschte. Außerde war sie auf einem guten Weg, sie würde ihr eigenes Leben leben. Vielleicht nicht sofort, aber es würde ihr gelingen. Ian wollte ihr ein aufmunterndes Lächeln schenken, viel wahrscheinlicher aber, war es ein trauriges. „Und so lange ich hier bin… kann ich vielleicht ein Bisschen Trost und Nähe spenden.“ Es war unklug es auszusprechen und Ian wusste es, sah sie dabei nicht einmal an. Aber vielleicht wusste sie schon morgen nur noch die Hälfte davon und selbst wenn nicht. Dann würden sie einander verlegen anlächeln und sich nichts weiter dabei denken.

Die nächsten Worte hingegen waren noch viel schwieriger auszusprechen, aber sie mussten gesagt werden
. „Und vielleicht kann Wes diesen Part übernehmen, wenn wir hier weg sind.“ Ob es sich schlimmer anfühlte diese Worte ausgesprochen zu haben, sie zu denken oder sie zu verschweigen? Nun, was zumindest teilweise überwog war die Hoffnung, dass Wes für sie da sein konnte. Für sie da sein würde, ja für sie da sein musste.
„Außerdem sollte es dich wirklich nicht stören, was andere von dir halten.“ Sollte er nun wieder etwas Unkluges sagen? Da waren so viele unkluge Worte gefallen, dass es auf ein paar mehr doch auch nicht ankam. Außerdem… machte Eowyn sich am Ende vielleicht ohnehin lustig darüber und dann verloren sie an der bedeutungsschwere, die sie für Ian hatten.
„Zumindest ich halte viel von dir“, und da lächelte er doch und sah sie an. „Egal ob angetrunken oder nicht.“

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro
 
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Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro

Beinahe schade. Wenn Ian sie so... anders erlebte, es wäre nur fair gewesen, das auch umzukehren. Bloß war das ohnehin ein kurzes Hirngespinst, denn hier auf Va'art würden sie beide sich hüten, und Lianna... Lianna stand ohnehin auf einem völlig anderen Flimsi. Außerdem war es prinzipiell ja ganz gut so. Alkohol war nun einmal eine gefährliche Sache, es war besser, damit gar nicht erst anzufangen. Genussmittel gab es auch so genug.

Yaro hatte sich eingekuschelt auf den Felsen gelegt, scheinbar zufrieden mit sich und der Welt. Der Gedanke war zumindest ein kleines bisschen tröstlich - es gab Wesen, denen es gut ging, denen es egal war, ob das Imperium herrschte, die Neue Republik oder gar jemand völlig anderes. Yaros stoische Ruhe lenkte jedoch trotzdem nicht davon ab, was Eowyn durch den Kopf ging. Sie wurde beeinflusst, das war klar, dennoch wusste sie genauso, dass Alkohol nicht dazu führte, dass man log, sondern eher, dass er die Wahrheit hervorbrachte. Der einzige Unterschied war eben nur, dass sie sich manchmal nicht sicher war, was sie tat, oder eben unüberlegt sprach. Das, was sie jedoch sagte... sie war sich sicher, dass alles zutraf.
Sie riss den Blick von Yaro los, als Ian wieder Worte an sie richtete. Ihren Weg finden? Sagte man nicht, der Weg sei das Ziel? Aber selbst wenn... Das war es eigentlich nicht. Sie war, wer sie war, daran würde sich nichts ändern... Welchen Weg auch immer sie beschritt. Yaros Leben war einfach... Unkompliziert. Es gab keine Verbote, keinen Jedi-Kodex, an den er sich halten musste. Er machte sich keine Gedanken über die Folgen seiner Handlungen und seiner Gefühle. Über die Zukunft. Sie versuchte, Ian ein kleines Lächeln zu erwidern, aber wirklich funktionieren wollte es nicht.
Erst jetzt begriff Eowyn, dass sie tatsächlich mehr von ihren Gedanken ausgesprochen haben musste, als ihr bewusst gewesen war. Was hatte sie nur gesagt? Offensichtlich genug über Trost und Nähe... Und ihr war jetzt glasklar, dass sie sich diese Dinge so sehr wünschte, zumindest jetzt, aber vermutlich nicht nur. Es war ein Grundbedürfnis, und sie hatte länger darauf verzichtet, als ihr lieb war, sie hatte darüber nicht nachgedacht. Und da sie letzte Nacht einen Hauch davon hatte spüren dürfen war es ihr schmerzlicher bewusst denn je. Über Ians offene Worte konnte sie momentan jedoch nur staunen und war vermutlich zum ersten Mal seit der Überdosis Früchte sprachlos. Eine Unsicherheit überkam sie, was meinte er damit?
Wie meinte er das? Lag es an ihr, dass sie daraus nicht schlau wurde? Vermutlich... Und daher war es klüger, jetzt wirklich nichts zu erwidern, auch wenn ihr etwas in den Sinn kam.

Völlig verständnislos blickte Eowyn jedoch zu Ian, als dieser über die weitere Zukunft sprach. Wovon redete er? Wer sollte was übernehmen? Wes, meinte er ihren Wes? Der Alkohol musste noch stärker wirken, als sie gedacht hatte, denn jetzt verstand sie Ian tatsächlich nicht mehr. Wenn sie ihn vorhin richtig verstanden hatte, und jetzt ebenfalls... nein, ihr Gehirn dachte nur seltsam. Ian konnte niemals denken, dass sie und Wes... oder doch? Sie versuchte, sich zu erinnern, was sie Ian von Wes erzählt hatte, aber nichts davon erschien ihr so, dass man dies darauf schließen konnte... erinnerte sie sich falsch? Hatte sie sich einmal wieder falsch ausgedrückt?
Sie verstand ihn falsch. Eine andere Möglichkeit gab es nicht, und sie konnte ihrem Kopf ohnehin nicht vertrauen. Sie setzte dazu an, nachzufragen, was Ian ihr sagen wollte, doch dieser hatte schon weitergesprochen, und selbst beschwipst hatte sie genug Anstand, ihre Anmerkungen zu verschieben.


Es störte sie eigentlich gar nicht, was andere von ihr hielten. Sie zog alles durch, das sie wollte, unabhängig davon, was für einen Ruf sie dann zu erwarten hatte. Gerade diese Mission machte es deutlich, aber... so klar wie vieles andere lag es vor ihr (der Alkohol machte wirklich einiges klarer), dass es ihr nicht darum ging, was andere, sondern eher, was einige wenige ausgewählte Personen von ihr hielten. Und zu diesem Kreis gehörte auch eine Person, die direkt bei ihr saß. Es stört mich auch nicht... wenn es mich stören würde, dann hätte ich ein großes Problem... aber manchmal... manchmal... Nachdenklich starrte sie Löcher ins Wasser. Da stört es mich eben doch...
Als hätte er verstanden, was sie hatte sagen wollen, redete Ian weiter, aber Eowyn war sich dieses Mal sicher, dass es nicht daran liegen konnte. So gut konnte selbst Ian sie nicht lesen. Selbst nicht in diesem Zustand. Er musste von sich aus darauf gekommen sein... Und ergaben die anderen Dinge, die er gesagt hatte, nicht vielleicht doch auch einen Sinn? Sie stützte sich mit einer Hand auf dem Felsen ab. Wenn sie nüchtern gewesen wäre, dann würde sie es vielleicht besser verstehen... oder wäre sich sicher, dass das, was sie verstanden hatte, richtig war. Aber wenn sie sich konzentrierte, dann sagte ihr Kopf ihr, dass die naheliegensten Ergebnisse in der Regel auch die richtigen waren. Es lag nicht daran, dass sie beschwipst war, sondern dieser Zustand sorgte erst dafür, dass sie überhaupt zweifelte. Und das... war alles zu verwirrend.

Ich... bin froh, dass du das sagst... Denn das gehört zu diesem "manchmal"...
Aber... Ich bin mir nicht sicher, ob mein Kopf verrückt spielt, daher sage mir Bescheid, wenn ich mich jetzt blamiere, aber... Ian, Wes - Wes ist...
Selbst angetrunken wusste sie nicht, was sie sagen sollte. Wes ist ein Freund. Nicht mehr, nicht weniger, ich würde nicht einmal so weit gehen zu sagen, dass er ein Vertrauter sei... dafür haben wir zu lange nicht geredet... Wes ist jemand ganz Besonderes, aber... er wird sicher nichts übernehmen. Und das wöllte ich auch gar nicht. Es musste am Alkohol liegen. Sicher. Denn sie sprang in ihren Emotionen durch das ganze Raster, ihre Traurigkeit war noch immer vorhanden, war jetzt aber mit durchdrungen von Unsicherheit und gleichzeitiger Sicherheit, während gleichzeitig... irgendetwas anderes hineinschlich. Sie ruckte ein wenig näher an Ian heran, so dass sie direkt neben ihm saß und ergriff seine Hand, die Hand, die eben noch so weit entfernt gewesen war. Was jetzt aus ihr heraussprudeln wollte tat sie sicher ebenfalls nicht ganz freiwillig. Aber vielleicht war es besser so, denn sonst würde es ihr wohl nie über die Lippen kommen. Ein bisschen Trost und Nähe wäre schön... aber von dir, Ian, von niemandem sonst. Und nicht nur für jetzt. Auch später, weißt du... Ihr Kopf sank auf seine Schulter, es war zu spät, sich jetzt Gedanken darüber zu machen, wie Ian reagieren würde, und zu spät, sich Sorgen darüber zu machen, ob sie ihn falsch verstanden hatte, vielleicht genauso falsch, wie er sie in Bezug auf Wes... Es kümmerte sie momentan nicht, es würde sie kümmern, sobald der Alkohol verflogen war, und dann, erst dann würde sie mit den Gedanken beginnen. Halt mich einfach fest... murmelte sie.

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro

Vielleicht war es doch nicht so gut, dass Eowyn so wenig von dem mitbekam, was sie sagte. Denn was würde geschehen, wenn sie sich am nächsten Morgen daran erinnerte und ihr jedes gesagte Wort peinlich sein würde? Auch ihn – der vollkommen nüchtern war – riss sie zu Worten hin, die es besser zu vermeiden gegolten hätte. Aber da war schon zu viel, das Eowyn wusste. Machte es da wirklich noch einen großen Unterschied, ihr mehr zu sagen? Schließlich hatte er ihr mehr als einmal gesagt, dass sie ihm etwas bedeutete und sagte diese Aussage nicht vielleicht schon genug aus? Immerhin, sagte Ian Eowyn nicht, dass er sich für sie wünschte, dass sie ihr eigenes Leben leben konnte. Ohenhin war da so viel mehr, dass er sich für sie erhoffte.

Mit allem was sie sagte, löste sie sehr seltsame Empfindungen in dem Dunkelhaarigen aus. Er verstand ihre Worte, glaubte genau zu wissen, von was sie sprach, aber er schloss sich aus dieser Gleichung aus, war nicht bei sich, sondern bei ihr. Da waren nur wenige Tage, die er sie kannte, aber in diesen Tagen schien Kennen eine andere Bedeutung zu haben. Es fühlte sich an, als wäre er ihr schon lange Zeit vorher begegnet und vielleicht machte das Ians Gefühl nur noch schlimmer. Sie sollte nicht alleine sein und eigentlich sollte sie keinen der Sätze, die sie gesagt hatte, überhaupt sagen dürfen, sie nicht einmal sagen können. Trost und Nähe. Wäre er dazu in der Lage gewesen, diese Bedürfnisse nicht nur zu stillen sondern sofort aufzufüllen, er hätte es sofort getan und vielleicht war es genau dieser Wunsch, der Ian dazu brachte, seine Worte laut zu formulieren? Dabei waren sie absurd, denn Ian wusste, dass er nicht der sein durfte, der auch nur eines von beidem gab. Trost oder Nähe. Noch weniger durfte er es, wenn es da einen Wes gab. Wes, den er auch wieder erwähnen musste, obwohl er ihn nicht wirklich erwähnen wollte. Aber waren sie hier nicht an genau dem Punkt angelangt, an dem sie schon einmal gestanden hatte? Der Frage, was Eowyn verdiente? Und das, was sie verdiente bekam mit einem Mal einen Namen. Wes. Der Name bekam außerdem Gestalt. Liebenswert, besonders, talentiert und Rat. Auf der anderen Seite war da Sith, Mörder und Monster und Ian musste keinen Vergleich ziehen, der Unterschied war so schon zu deutlich. Auch wenn Wes ein Fremder war und Ian ihn nie gesehen hatte, war der Wes, der in seiner Fantasie auftauchte, wohl genau der Mensch, den Ian sich für Eowyn wünschte. Wie also hätte er da wagen können, ihn nicht im nächsten Satz zu erwähnen?

Wenn sie sich nach Trost und Nähe sehnte, sollte sie sich wenigstens keine Gedanken darum machen, was andere von ihr halten konnten und vielleicht war es dem Dunkelhaarigen möglich, seinem Gegenüber wenigstens diese Angst nehmen. Sie machte sich keine Gedanken darüber, was andere dachten? Nur manchmal? Spätestens diese Aussage verleitete Ian doch dazu, Eowyn zu sagen, dass er alles andere als wenig von ihr hielt. Und vielleicht konnte er diese Worte ohne Bedenken sagen, ohne die Furcht davor, dass ihm diese Worte nicht zustanden. Er schien sogar den richtigen Nerv getroffen zu haben, denn Eowyn erklärte, dass sie froh darüber war und so schenkte Ian ihr einfach nur ein aufrichtiges Lächeln, das dahinbröckelte, als sie weiter sprach.

Wes ist ein Freund.

Und so wie sie es sagte, so wie sie klang….


Nicht mehr, nicht weniger…

Freude und Trauer. Zwei Gefühle, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, traten auf. Wes war nur ein Freund.

Nicht einmal ein Vertrauter.

Die Trauer überwog.

Er würde sicher nichts übernehmen…

Jeder Anflug von Freude wurde im Keim erstickt.

Dabei hatte sie doch eben noch etwas völlig anderes gesagt! Da war Wes… Ein liebenswerter Jedi-Rat mit sehr gutem Musikgeschmack. Ian musste die Augen schließen, als das kleine, dürre Kartenhaus aus Hoffnung zusammenbrach. Natürlich. Sie hatte den Satz nicht aussprechen können, damals. Gestern. Es würde sie niemand auffangen müssen. Sie hatte den Satz nicht aussprechen können, aber jetzt tat sie es. Nicht es würde sie niemand auffangen müssen. Nein. Es würde sie niemand auffangen können. Niemand. Kein Wes. Sie hatte sich zwar beeilt zu behaupten, dass da Aketos und andere waren, aber jetzt, genau jetzt, sagte sie doch genau das, was nicht sein durfte. Da war niemand. Kein Wes und selbst wenn, Trost und Nähe wollte sie nicht von ihm.

Und sie machte es schlimmer, Eowyn machte es noch schlimmer. Nicht nur, dass sie da gerade seine Hoffnung für sie zerstört hatte, nein. Warum auch immer sie näher rückte, es fühlte sich fürchterlich an. Denn die bodenlose Angst, der einzige zu sein, der da war, rückte mit ihr in den Vordergrund. Wer würde sie am Ende auffangen?


Konnten Situationen die schon schlimmer waren, noch schlimmer werden? Schlimm, schlimmer, am schlimmsten… Eowyn griff nach seiner Hand und sorgte nur mehr dafür, dass Ian sie völlig bewegungslos anstarrte. Das durfte sie nicht. Sie durfte es nicht und dieses Mal durfte sie es nicht nur um ihretwillen nicht, nein. Auch nicht um seinetwillen. Aber schlimmer wurde abgelöst vom Schlimmsten.

Ein bisschen Trost und Nähe wäre schön.

Es fühlte sich an, als würde er ersticken, in genau jedem Moment und Ian schluckte schwer, was ihn fast zu einem Keuchen gebracht hätte.

Ein bisschen Trost und Nähe wäre schön, aber von ihm, Ian? Von niemandem sonst?

Eowyn war angetrunken. Sie wusste doch gar nicht, was sie da sagte. Sie war nicht Herrin über sich und ihre Worte, sagte unüberlegte Dinge, die sie am Ende nicht so meinte und spätestens morgen bereute. Sie durfte so etwas nicht sagen! Wusste sie denn nicht, was sie damit anrichtete? Spürte sie denn nicht, was sie damit anrichtete? Sie schadete sich und sie schadete ihm, ja sie schadete ihm. Bei der Macht, er musste aufstehen und gehen. Trost und Nähe. Aber die Nähe, die sie gerade herstellte, wurde ihm zu viel und die Bedeutung ihrer angetrunkenen Worte wog zu schwer. Zu schwer für ihn.

Ein bisschen Trost und Nähe wäre schön, aber von dir Ian, von niemandem sonst. Und nicht nur für jetzt. Auch später, weißt du.

Nein, nein, er wusste nicht und er wollte nicht wissen, wollte nicht verstehen und noch weniger interpretieren. Sie war… angetrunken! Eowyn wusste doch nicht was sie sagte, aber warum, warum nur löste das, was sie sagte so viel aus, obwohl es doch nur Worte waren, die aufgrund ihres Zustands aus ihr heraussprudelten? Weil Alkohol nicht nur die Zunge, sondern auch die Wahrheit löste… Nein.


Ian traute sich nicht die Augen zu öffnen, noch weniger traute er sich zu atmen. Dieser Moment würde vorübergehen und wenn er die Augen öffnete, war sie wieder nüchtern, wieder bei sich und wenn. Da spürte er ihren Kopf an seiner Schulter und da spannte sich Ians Körper an, als er doch die Augen öffnen musste, um sich zu vergewissern, dass er nicht träumte. Schon einmal hatte ihr Kopf an seiner Schulter geruht, in einer Situation, in der er sie zuvor zum Weinen gebracht hatte. Sie waren sich schon nahe gewesen, aber das hier war anders. Für ihn war es anders. So anders…

Was sie gesagt hatte, war anders und was es in seinem Inneren ausgelöst hatte – auslöste - war auch anders. Ganz anders. So anders, dass es Ian Angst bereitete. Für eine Sekunde tauchte Tahiri vor seinem inneren Auge auf und das machte die Situation nahezu unerträglich, denn ihr Bild - ihr Lächeln- verblasste. Nicht aber das Gefühl, dass es hinterließ. Ein Echo der Erinnerung, das Eowyn gerade aufgriff. Etwas Vergessenes, dass sie gerade hervorholte. Etwas verdrängtes, dass sie unbarmherzig ins Licht zerrte. Und das durfte sie nicht. Nein, das durfte sie nicht. Aber da saß sie, direkt neben ihm, da war ihre Hand, da war ihre Wärme, da war dieses Gefühl und da war sein verfluchtes Versprechen und als wäre das schlimmste nicht schlimm genug, kam ihre Bitte. Wusste sie, was sie da sagte? Wusste sie, was sie da auslöste? War sie sich der Bedeutung dessen überhaupt bewusst? Ian bildete es sich ein, er musste es sich einbilden, sicher missverstand er sie nur. Aber… das was er fühlte, war so unmissverständlich, dass es zweitranig war, was Eowyn meinte. Tahiris Lächeln… Das verblassende Bild… Als wolle sie ihm sagen, dass es in Ordnung war.

Bei der Macht, Eowyn war betrunken. Morgen schon, morgen würde all das keine Bedeutung mehr haben. Und wenn es morgen an Bedeutung verlor, wenn es morgen ohnehin keine Rolle spielte, wenn sie ihn verlegen anlächeln würde, dann war alles vorbei. Zumindest für sie. Und wenn morgen alles vorbei war, bestand doch jetzt keine Gefahr? Es würde ihn umbringen, ja, es würde ihn umbringen und die Gewissheit, dass dem so war, war nie so deutlich wie jetzt. Überhaupt war nun einiges nie so deutlich wie jetzt….
Fakt aber war auch, dass es ihn jetzt nicht umbringen würde, sondern später. Deshalb…

Ian wusste nicht, wie lange er gezögert hatte und er spürte sein Herz, das schon wieder bis zu seinem Hals oder gar in diesem schlagen musste, doch morgen war alles vorbei. Und dann war genug Zeit, sich Gedanken zu machen…. Morgen. Nicht jetzt. Morgen.
So legte Ian den noch freien Arm um Eowyn, zog sie ein wenig näher an sich heran, hielt sie einfach fest. Wenn morgen ohnehin alles vorbei war, spielte doch jetzt auch keine Rolle mehr, was er tat. Und da legte er sein Kinn auf ihrem Kopf ab, schloss die Augen und verdrängte jeden Gedanken an den nächsten Morgen, um im Gegenzug dazu jede Sekunde die ihm hier geschenkt wurde, in sich aufzunehmen.


Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro

Eowyn wusste nicht, was sie dazu veranlasst hatte, all diese Dinge zu sagen und zu tun. Warum auch sollte es sie stören, schließlich war es das, was sie wollte, auch, wenn sie niemals wagen würde auszusprechen, nicht vor Ian, nicht vor sonst jemandem. Ihre Mauer um sich herum war so dicht, dass sie seit Jahren niemanden mehr hineingelassen hatte, eigentlich kein Wunder, dass sie Aketos nicht erreichen konnte. Niemand sollte wissen, was in ihr vorging, niemand sollte wissen, was ihre Träume und Sehnsüchte waren, denn das machte nur angreifbar - nicht einmal sie selbst. Und jetzt, da diese Mauer langsam bröckelte, da sie selbst Dinge erkannte, weshalb sollte sie sie nicht zulassen und letztendlich nicht auch aussprechen, wenn sie wollte? Auch das gehörte dazu. Sie machte sich selbst verletzlich damit, das war klar, aber hatte sie das nicht auch schon heute früh getan? Und war es nicht ohnehin richtig, sich zu öffnen, zuzulassen, damit sie nicht wieder alles vergrub?

Wes war ein lieber Kerl, aber sie hatte ihn nie so gesehen, wie Ian es offensichtlich verstanden hatte. Hingegen sah sie Ian, wie sie selbst es niemals vermutet hätte. Dinge änderten sich, und man tat besser daran, wenn man sich mit ihnen änderte, anstatt sich dagegen zu sträuben. Und jetzt, gerade jetzt, da fühlte sie sich so endlos traurig und alleine, dass sie es nicht mehr wagte, sich dagegen zu wehren. Sie wollte, sie brauchte diese Nähe und den Trost, aber was auch immer sie dazu trieb, und das verstand sie ganz sicher nicht, sie sehnte sich danach, dass Ian ihn ihr gab, vielleicht, weil er ihr etwas bedeutete, das sie ebenfalls nicht verstand... Sie war nicht ganz bei Sinnen, das wusste sie, vielleicht spürte sie deshalb alles so viel mehr und so viel extremer, als sie es eigentlich tun sollte, aber gerade das trieb sie dazu, all das zu sagen und zu tun - etwas zu sagen und zu tun, das tief in ihrem Inneren schon länger hatte gesagt und getan werden wollen.
Ians Hand in der ihren war warm und tröstlich, und als sie ihren schweren Kopf mit all diesen vielen Gedanken darin endlich ablegte, da tat es gut, so gut... alleine, ihn nicht mehr selber halten zu müssen war ein wunderbares Gefühl.

Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte, was Ian tun würde. Darüber hatte sie nicht nachgedacht, denn das hätte zu den Sorgen gehört, die sie sich nicht machen wollte. Das hätte auch bedeutet, sich zu überlegen, ob sie vielleicht einen Fehler machte. Ob sie das alles lieber unterlassen sollte... Aber genau das wollte sie nicht. Sie wollte schließlich endlich einmal wirklich das tun, zu dem sie das Bedürfnis hatte, das tun, was sie tun
wollte. Wenigstens ein Mal... war das zu viel verlangt? Ian selbst hatte doch gesagt, dass sie mehr sein sollte, dass sie mehr war, und das, das war nun einmal ein Teil, der sonst nicht zum Zug kam. Das war sie, das war nicht Eowyn, die Jedi. Auch, wenn dieser Teil vielleicht erst durch gewisse Umstände hervorkam. Aber - es fühlte sich richtig an, sie selbst zu sein... zumindest so lange, wie sie nicht realisierte, dass Ian genau so reagierte, wie sie es nicht wollte. Genau deshalb hatte sie darüber nicht nachdenken wollen, hatte es auf morgen verschoben, das Denken... Aber die Realität war dabei, sie einzuholen, denn Ians Körper war so angespannt, dass er kaum mehr atmen konnte, und außerdem war da etwas, das sie aufzuschnappen meinte... Ablehnung? Zweifel? Sie wusste doch, warum sie ihr Selbst so vergrub... das alles führte nur zu Scherereien, zu Fehlern und zu Verletzlichkeit. Sie hatte ihn falsch verstanden, wie auch immer, er war weit davon entfernt, zu verstehen, was in ihr vorging, und noch weiter, es zu akzeptieren. Unmöglich weit.
Da war sie wieder, mit voller Kraft - die Traurigkeit. Es war ihr nun einmal nicht vergönnt, zu sein, wer sie war, sie hatte richtig damit getan, sich selbst zu verstecken, sie hatte richtig damit getan, Yaro zu beneiden. Denn das Leben, das dieses Tierchen lebte, das würde sie niemals haben. Das, was heute früh, gestern Nacht, gewesen war
... da war doch etwas gewesen? Hatte Ian es nicht gesagt? Und da war es wieder, dieses Hin und Her, vor dem sie sich so gefürchtet hatte, weil es mehr, immer mehr wehtat. Deshalb hatte sie nicht mehr mit ihm reden wollen, weil da einfach mehr war, und es zu sehr schmerzte, dieses "mehr" zu ignorieren, wenn man normal miteinander umging. Es war alles so verworren, und sie wusste nicht, auf was es zurückzuführen war. Hatte er nicht gesagt, dass sie ihm etwas bedeutete? Hatte er nicht gesagt, er würde sie nicht allein lassen - hatte er das nicht sogar versprochen, auf so innige Weise? Hatte er nicht auch gesagt, dass er sie nicht wegstoßen wollte? War nur dieses Versprechen der Grund, dass er noch nicht aufgestanden und sie alleine sitzen gelassen hatte? Vielleicht erinnerte sie sich falsch. Woher wusste sie schon, ob ihr Kopf ihr nicht etwas vorgaukelte?

Schließlich, aber viel, viel zu spät kam das, was sie sich erwünscht, ersehnt hatte. Sein Heranziehen, sein Arm, der sie hielt. Sein Kopf auf dem ihren. Für einen Moment war es so, als ob ihre düsteren Gedanken nie gewesen wären, da war es so, als ob alles wunderbar, perfekt, einfach schön war, aber sie ließen sich nicht ignorieren. In einem Moment der Klarheit sah sie, dass er keine andere Möglichkeit gehabt hatte, als das zu tun, was er eben tat. Sie hatte ihm keine Wahl gelassen, es sei denn, er würde sein Versprechen brechen. Und Ian, das wusste sie dafür ganz sicher, würde kein Versprechen brechen, dass er ihr gegeben hatte, nicht, wenn er es irgendwie vermeiden konnte. Sie erinnerte sich an sein Verkrampfen, an die Gefühle, die von ihm ausgegangen waren. Das war nicht das, was sie wollte, was sie brauchte. Sie brauchte keine Nähe, die entstand, weil jemand sie ihr auf Grund eines Versprechens in einem schwachen Moment gegeben hatte. Er wollte diese Nähe nicht, und in ihrem Zustand hatte sie das erst nicht erkannt... Er war nur so freundlich, es ihr nicht unter die Nase zu reiben. Vielleicht gerade, weil sie beschwipst war... Es war nett von ihm, das zu tun, sie nicht so bloßzustellen, wirklich, aber es war nicht notwendig. Und es war falsch. Sie hatte ihn einfach nur falsch verstanden, es war nicht seine Schuld. Sie hatte keine Erfahrung in solchen Dingen...
Jetzt war sie es, die anspannte, die versuchte, alles, was da gerade ans Licht kommen wollte, wieder zurückzupacken in die hinterste, dunkelste Ecke, die Mauern hochzuziehen, aber dazu war sie nicht in der Lage. Morgen. Und dann würde es sie auch nicht stören, wenn sie Zeit mit ihm verbringen musste. Sie hatte jahrelang so gelebt. Es würde wieder gehen. Hatte sie das nicht auch heute früh gedacht? Vor ihrem Gespräch? Hatte alles nicht gerade deshalb begonnen? Sie wusste es nicht mehr, aber es fühlte sich ähnlich an. Hin und Her, Hin und Her, Hin und Her... Alles wirbelte durcheinander, und sie wusste nicht, was davon wegen des Alkohols wirbelte und was wegen ihrer eigenen Verwirrung... Schluss jetzt. Ein für alle mal.
Es tut mir Leid. Du musst das nicht tun, nur weil du es versprochen hast, sagte sie traurig und begann schweren Herzens, sich zu lösen. Trotz allem, auch wenn es nicht das war, was sie sich erwünscht hatte, hatte es sich doch gut angefühlt. Aber sie konnte ihn nicht dazu zwingen, das ertrug sie nicht, nicht eine Sekunde länger. Du bist mir nichts schuldig. Ich kann ein Nein aushalten, weißt du, auch wenn ich beschwipst bin... Es tut mir Leid. Ich dachte... ich habe ausnahmsweise einfach einmal nicht gedacht. Ab sofort denke ich wieder, versprochen.

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro

Eigentlich hatte er Eowyn davor gewarnt, hatte gesagt, dass er nicht vergessen wollte, so wie er gesagt hatte, dass heute und morgen anders sein würden. Und warum hatte er es gesagt? Weil es intensiver werden würde. Bloß war dieses Intensiv, von dem er gesprochen hatte, noch schwammig gewesen, durchaus irgendwo da, aber nicht ganz so greifbar, wie jetzt. Natürlich, sie war angetrunken und das meiste von dem, was sie gesagt hatte, konnte sie kaum auf diese Weise meinen. Aber... Alisah war 'bescheuert‘, dass sie ihn hatte sitzen lassen, er sei etwas Besonderes, er sei so viel mehr, sie sah so viel mehr in ihm, sie wünschte sich Trost und Nähe von ihm und das nicht nur jetzt. Nicht nur jetzt, auch später, nicht von irgendwem nein, sondern von niemandem sonst, niemanden sosnt, außer ihm, Ian. Unabhängig des Wissens, dass er all das niemals zulassen durfte, waren Gefühle doch etwas, das kaum zu beeinflussen war. Und Ian konnte sich wehren, gegen vieles, gegen so vieles, jedoch nicht gegen die Emotionen, die Eowyn da gerade aufwirbelte. Zumal sie jedes Gesagte Wort unterstrich und zwar genau mit dem, was sie tat. Mit jeder Geste. Sie hatte Wes als einfachen Freund abgestempelt und auch wenn ihr sehr wahrscheinlich nicht bewusst war, welche Gedankengänge sie da miteinander verknüpfte, welch irrsinnigen… Vorstellungen sie damit auszulösen vermochte, obwohl sie kaum das meinen konnte, was Ian sich da zusammensponn, sie tat es. Ihm beständig zu sagen, dass sie ihn mochte, ihn genau das fühlen zu lassen und sich jetzt so nahe zu ihm zu setzen und nach seiner Hand zu greifen…
Eigentlich hätte er sich dagegen wehren müssen und seine Anspannung war ein kleiner, schwacher Versuch. Aufzustehen, zu gehen, Eowyn zu sagen, dass er sie jetzt nicht halten konnte, wäre eine Option gewesen, wahrscheinlich sogar intelligent, viel ehr sogar klug oder gar weise. Aber hatte Ian sich selbst nicht derart lange zurückgewiesen und war er nicht so oft zurückgewiesen worden, dass er dieses eine Mal – in dem Eowyn ohnehin betrunken war – genau das verhindern musste? Ein kurzer, intensiver Moment? Es war zu absurd es zuzulassen, völlig falsch, aber die Sehnsucht, für einen Moment, für einen Abend etwas sein zu dürfen, war einfach zu mächtig. Kein Verachteter, kein Gehasster, kein Mensch mit dieser Vergangenheit. Jemand Besonderes, jemand, der etwas geben durfte. Trost und Nähe. Und durfte er nicht wenigstens jetzt zulassen, sich zu wünschen, dieser jemand sein zu dürfen? Jetzt da er wusste, dass es da keinen Wes gab? Durfte er nicht für einen Moment verdrängen, dass er all das nicht verdiente? Nur für diesen Abend, denn der nächste Morgen würde doch kommen. Es war egoistisch, sicher, es war bodenlos egoistisch, aber hatte Ian nicht das Recht einmal seinen Gefühlen nachzugeben – positiven Gefühlen – um etwas für sich zu tun? Eigene Bedürfnisse zu erfüllen? Eigene Sehnsüchte zu stillen? Recht oder nicht, diesmal wollte, nein diesmal würde, nein, diesmal spielte das keine Rolle. Sie war angetrunken. Ohnehin war kaum etwas wirklich real, und sich einer Fantasie hinzugeben konnte kaum verwerflich sein.

Außerdem ging es nicht allein um ihn, nicht allein um das, was er sich da gerade wünschte. Nein, sie hatte ihn doch darum gebten. Und ging es so nicht vor allem um sie? Ordnete er seinen eigenen Wunsch nicht dem ihren unter? Schließlich tat er da nichts von sich aus.... Sie hatte es forciert. Eowyn hatte doch erst darum gebeten. Zum Dianoga in den Müllschacht, mit diesem verfluchten Eogismus, der überhaupt keiner war! Sie hatte sich zuerst gewünscht, er hatte zuerst geben wollen. Trost und Nähe. War es da so verwerflich auch etwas daraus zu ziehen?
Nachdem er gab? Dadurch, dass er gab?

Wäre da doch nicht diese verfluchte, anfängliche Anspannung gewesen. Denn kaum, dass sie verschwunden war, kaum, dass Ian sich erlaubte, was er sich erst gar nicht hätte erlauben dürfen, war es Eowyn, die sich anspannte. Das war einfach nicht fair, nein, das war einfach nicht fair und genau das war der erste Gedanke, der Ian durch den Kopf schoss, als Eowyn sich langsam löste. Hätte sie das nicht erst morgen tun können? Damit er wenigstens für diese eine Nacht ein Gefühl behalten konnte, dass am nächsten Tag automatisch wieder verschwinden musste? Erneut zerfiel ein Kartenhaus. Ein Fallen lassen ins leere. Genau damit war es gleichzusetzen, mit dem wunderbaren Unterschied, dass da jetzt nichts Bodenloses war. Nein, als würde man sich in die ausgestreckten Arme einer Person fallen lassen, die dann einfach einen Schritt zurück tat. Ganz genau so fühlte sich dieser verfluchte Moment an.

Nicht tun, nur weil er es versprochen hatte? Oh, es war zum Verzweifeln, dass Eowyn immer nur das spürte, was negativ war, genauso, wie sie ständig das negativste aus seinen Worten hörte. Und sein Vergleich mit dem Fallen traf wohl nicht nur auf ihn zu, sondern gleichermaßen auch auf sie. Wie absurd…
Als würde er sie Halten, nur weil er versprochen hatte, sie nicht von sich zu stoßen. Dieses Versprechen hatte er doch nicht einfach so gegeben. Bei der Macht, er gab doch kein versprechen einfach so, konnte sie das nicht wenigstens in einem angetrunkenen Zustand begreifen? Nein, allem Anschein nach nicht. Ihren Worten nach zu urteilen überhaupt nicht.


„Eowyn“,


richtete er schlussendlich das Wort direkt an sie, sie dabei ansehend. Nein, diesmal würde er nicht denken, denn wahrlich, er war es satt und leid. Diese verfluchte Nacht. Einmal Egoismus. Für diesen Abend. Und es war nicht allein Egoismus. Keine Abwägen, nein. Diesmal nicht und eigentlich half sie ihm sogar dabei.


„Auch ich tue, was ich will. Und könntest du mir einfach einen Gefallen tun, etwas für mich tun und etwas für dich?“
Er formulierte es in einer Bitte aber ob es allein eine Bitte war? Dessen war Ian sich nicht sicher.
„Kannst du einfach wieder nicht denken, wenigstens für jetzt und erst morgen wieder damit anfangen?“ Kurz sah er zu Boden, dann aber wieder zu ihr auf. Dieses ständige Hin und Her zwischen Halt geben, Halt bekommen und Halt verlieren.... Nein, heute nicht. „Und vielleicht… kann ich ein Nein jetzt nicht aushalten?“

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro
 
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Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro

Sie wagte es nicht, ihn anzusehen. Es war eine unangenehme Situation, die gar nicht erst entstanden wäre, wenn sie das mit dem Denken nicht eingestellt hätte. Selbstkontrolle, eine Jedi hatte Selbstkontrolle zu haben, selbst in Situationen wie diesen. Der Alkohol mochte ihr Gehirn vernebeln, aber das hieß nicht, dass sie alles zulassen musste. Sie konnte sich dagegen wehren. Sie musste, denn sonst würden die Stunden morgen voll von peinlich berührten Momenten sein, die sie nur durch das unüberlegte Handeln jetzt hervorrief. Am einfachsten würde es sein, jetzt darüber hinwegzugehen. Sich vielleicht sogar schon schlafen zu legen. Und morgen würden sie beide wissen, dass die Situation nur des Alkohol wegen so entstanden war... oder zumindest konnten sie beide so tun, als ob nicht mehr dahinter steckte.
Wie es dann weiterging würde sich zeigen. Aber momentan wollte und konnte sie nicht weiterdenken als bis zu den nächsten Stunden. Ihre Brust schmerzte, aber das würde vorübergehen. Alles würde vorübergehen, und irgendwann würde sie vielleicht auch verstehen, vielleicht sogar schon morgen, wenn ihr Kopf nicht mehr so... anders war. Vielleicht war ja gar nicht alles so schlimm? Oder eben noch schlimmer...
Er musste nichts sagen. Im Gegenteil, es wäre besser, wenn er nun nichts sagte, damit alles bald vorbei war. Es tat Eowyn fürchterlich Leid, ihn so überrumpelt zu haben, auch wenn sie nur zum Teil Schuld daran war. Aber schließlich hatte sie eine Ausbildung zur Jedi hinter sich, sie wusste, wie man gegen gewisse Dinge ankämpfte. Nur hatte sie es einfach nicht für so notwendig gehalten.


Ian tat ihr den Gefallen jedoch nicht, alles einfach zu übergehen. Bei ihrem Namen blickte sie auf. Er klang ernst... hatte sie mehr falsch gemacht, als sie dachte?
Natürlich tat er, was er wollte, dennoch gab es schließlich Situationen, in denen es nicht möglich war, weil man sonst anderen auf die Füße trat oder jemanden verletzte. Auf was für einen Gefallen wollte er hinaus? Unsicher blickte sie ihn an. Natürlich würde sie tun, was sie konnte, das wusste er. Bloß war sie sich nicht so sicher, ob sie das jetzt, direkt nach ihrem Irrtum hören wollte.
Sie sollte... was? Jetzt... verstand sie nichts mehr. Gar nichts mehr. Sie hatte seine Ablehnung doch gespürt? Seinen verkrampften Körper? Sein Zögern? Sie hatte sich das doch nicht eingebildet... oder doch? Konnte man sich so etwas einbilden? Hatte sie sich gar nicht geirrt, sondern nur darin, dass sie irrte?


Wieder nicht denken. Weil er ein Nein nicht aushielt. Das war doch... deutlich, oder nicht? Oder interpretierte sie wieder zu viel? Ich... Sie hatte die Situation ohnehin schon schlimmer gemacht, wenn sie jetzt falsch verstand, worauf Ian hinauswollte, dann... Nicht denken. Er hatte gesagt, sie sollte nicht denken, für ihn und für sie. Für sie beide. Einfach... einfach nicht mehr denken, so wie gerade eben, als sie getan hatte, was sie tun wollte, einfach so, als sie sie selbst war, ohne Gedanken an Folgen und Risiken. Ihren Körper und ihr Unterbewusstsein tun lassen, was sie tun wollten, fühlen, was sie fühlen wollte, und was das war, das wusste sie ganz genau.

Es brauchte erst einmal keine Worte. Für Worte müsste sie denken. Sie lehnte sich wieder an Ian, ergriff wieder seine Hand und hielt sie fest. Und dieses Mal würde sie sie nicht so schnell wieder loslassen... Ihr Kopf fiel wieder auf seine Schulter, noch einmal ließ sie los. Dieses Mal aber spürte sie ihr Herz klopfen, und spürte, wie eine Ruhe sie überkam, die die Traurigkeit und Einsamkeit von ihr fortzutreiben begann. Sie ließ alles geschehen, versuchte, dieses Mal nicht darüber nachzudenken, ob das, was sie da tat, nicht richtig war. Sie schloss die Augen, genoß den Halt, genoß seine Wärme und einfach seine Anwesenheit, jede Sekunde, während sie alles andere aus ihrem Kopf verbannte. Und schlussendlich sprudelten auch Worte aus ihr heraus, über die sie wiederum ebenfalls nicht nachdachte, sondern die sich einfach auf den Weg machten. Ich dachte, du wolltest nicht... Ich dachte, dass du nur nett sein willst. Ich weiß nicht, was von dem, was ich sage oder tue, nur wegen der Früchte geschieht oder was ich auch so sagen oder tun würde... und daher weiß ich einfach nicht, was zu viel ist, ich weiß nicht, wo ich Grenzen überschreite, deine, vielleicht auch meine... Ich weiß, dass ich nur die Wahrheit sage, und, dass ich mich selten so... wie ich selbst gefühlt habe... Aber... ich will dich nicht verletzen... Ich will nicht, dass du denkst, du seist mir zu etwas verpflichtet... und ich will dir einfach nicht wehtun, verstehst du?

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro

Wenn der Moment sich schon jetzt so seltsam angespannt anfühlte, blieb ihnen genau das vielleicht morgen erspart? Wobei da genug Möglichkeiten und leider auch eine viel zu hohe Wahrscheinlichkeit war, dass es morgen schlimmer werden würde. Es sei denn, sie begannen endlich damit, sich wie erwachsene Menschen zu benehmen, die sie nun einmal waren. Ohne peinliches Berührstein. Kinder hatten die wundervolle Gabe, sich zu nehmen, was sie gerade brauchten oder dafür zu sorgen, es auch zu bekommen. Wann ging diese Gabe verloren? Ab wann stahlen sich Gedanken, Ängste und Zweifel ins Leben um wieder und wieder Bedürfnisse zu verhindern? Erwachsene hatten wahrlich eine seltsame Form der Selbstbestrafung. Lieber gar nichts fühlen, als Gefahr zu laufen, Verletzt zu werden. Lieber zurückstecken, als Gefahr zu laufen, etwas im Vorhinein nicht zu bekommen. Sich lieber selbst Verletzen, als dem anderen dazu die Chance geben. Die einen Möglichkeiten. Dann natürlich die noch viel absurden, aber ihnen allen war immer eins gemein: Angst. Lehrten denn nicht beide Orden wenigstens hier etwas Gutes? Sich seinen Ängsten nicht hinzugeben? Eine Wahrheit musste doch in beiden Orden zu finden sein. Lebe und denke nicht an morgen. Diesen Titel hatte einer Tahiris Romane getragen, den Ian nie gelesen hatte und auch nie lesen würde. Doch wenn es einen passenden Zeitpunkt gab, sich an diesen Titel zu erinnern, dann jetzt!

Ein paar Herzschläge verstrichen, in denen Eowyn ihm entgegen sah und hoffentlich trotz ihrer offensichtlichen Verwirrung verstand. Einfach nicht zu denken war nicht einfach, aber sicher einfacher, als sich jetzt in seltsamen Erklärungen zu verlieren. Ein ‚Es ist schon in Ordnung‘ hätte der Sache vielleicht schon viel eher geholfen und wenn es diesen Satz bedurfte, konnte Ian sich diesen immer noch zu Nutze machen. Eowyn überlegte, eine Sekunden, zwei und gerade, als Ian ansetzen wollte zu sprechen, fand sie aus diesem Gedankenchaos heraus und da brach die Erleichterung über den Dunkelhaarigen herein und diesmal zögerte er nicht. Nein, vielleicht kam Ian Eowyn sogar in ihrer Bewegung entgegen, als auch er seine vorangegangenen Gesten wiederholte, bloß viel bestimmter und derart selbstbewusst, dass da kein Zweifel mehr übrig blieb. Als sein Kopf erneut auf dem ihren zu ruhen kam, war da sogar wieder ein Lächeln, das zu einem Schmunzeln wurde.
Da waren ganz schön viele Ichs hintereinander, die da aus Eowyns Mund kamen, doch genau das war gut.

Ob er wissen wollte, was von dem, was sie da tat, nur aufgrund der Früchte geschah? Nein, nein, das wollte er nicht wissen und gerade weil er es nicht wissen wollte, ließ er diesen Gedanken – der nur wieder Zweifel säen konnte – gar nicht erst an sich heran. Was viel eher eine Rolle spielte war, dass sie nichts tat, was sie nicht wollte. Natürlich, wenn jemand getrunken hatte, verschob sich auch das. Aber eine Umarmung war vergleichsweise harmlos und es war nicht die erste.

Das denke ich auch nicht, Eowyn“, denn Ian wusste, dass sie ihn zu nichts verpflichtete. Dann seufzte er leise.Und das andere möchte ich in Bezug auf dich auch nicht.“ Kurz hielt Ian inne, als er ihre Worte noch einmal durchhing. Sie hatte von Grenzen gesprochen, die sie nicht überschreiten wollte. Seine und ihre. „Hör zu“, sagte er schließlich, hob vorsichtig den Kopf, um sie ansehen zu können, weil es ihm wichtig war.Ich werde keine Grenzen überschreiten, oder ausnutzen, hörst du? Vor allem nicht deine und vor allem nicht mit Absicht.“ Ein fast schüchternes Lächeln folgte. Was seine Grenzen betraf… nun, damit wollte er lieber gar nicht anfangen, denn seine Grenzen hatte er schon längst überschritten. Aber damit würde er schon umgehen. Irgendwie.

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro

Ians Arm umschloss sie wieder, und dieses Mal konnte Eowyn die Nähe annehmen und genießen. Von ihm gehalten zu werden nahm vieles von ihr, es war gleich, ob es nun länger anhielt oder nicht, auch wenn sie diesen Moment festhalten und nicht so schnell wieder aufgeben wollte. Sich fallen zu lassen, ohne Angst zu haben, abzustürzen, loszulassen, und sich sicher sein zu können, dass sie gehalten wurde. Und jetzt konnte sie sicher sein, dass Ian sie hielt. Seine Umarmung gab ihr eine Geborgenheit, die sie so nicht kannte, an die sie sich erst einmal gewöhnen musste. Aber sie würde sich daran gewöhnen können, das stand außer Frage. Die Sicherheit, mit der er ihre Bewegung dieses Mal entgegenete half ungemein. Die Ablehnung war fort, und nichts ließ irgendwie erahnen, dass da noch vor wenigen Minuten so viele Zweifel und so viele Missverständnisse gewesen waren.

Sie spürte, wie sein Kopf sich wieder sacht von dem ihren hob und seine Worte etwas ernster klangen. So veränderte auch Eowyn ihre Position, so dass sie zu ihm aufblicken konnte. Sie erwiderte sein Lächeln, ein Lächeln, das endlich einmal wieder tief aus ihrem Innersten kam.
Ian... daran würde ich niemals zweifeln, nicht eine Sekunde. Sie neigte den Kopf wieder zurück, denn auf Dauer wurde die Position ein wenig unbequem. Ich zweifle momentan eher an mir selbst... Sie seufzte. Vielleicht hätte sie einfach noch ein bisschen des Energieriegels essen sollen. Half essen nicht bei Alkoholkonsum? Das Schlimme war tatsächlich, dass sie das Gefühl hatte, dass alles ein wenig abflaute, sie sich aber erstens nicht sicher war und zweitens... woher wollte sie das sicher wissen? Sie hatte ja nicht einmal gemerkt, als es begonnen hatte. Außerdem, dafür war es vermutlich noch zu früh. Hatte sie sich jetzt vielleicht besser im Griff? Darauf konnte sie sich aber nicht verlassen.

Sie stutzte. Ihre Worte konnte man auch falsch verstehen.
Was nicht heißt... nein, ich zweifle nicht daran, dass das was ich möchte, nicht wirklich das ist, was ich will. Ich... sagen wir, ich vertraue mir nicht. Das hier... sie drückte sacht Ians Hand, ist genau, was ich möchte, und da bin ich mir sicher. So sicher wie selten... Sie schloss die Augen. Ja, sie war sich sicher. Sie wusste nicht, weshalb, und wo diese Sicherheit herkam, aber sie war da, und alles andere interessierte sie nicht. Und morgen? Morgen würde vielleicht ein kleines bisschen von dieser Sicherheit verschwunden sein. Aber sie wusste genau, dass sie es nicht bereuen würde, im Gegenteil. Und außerdem - was interessierte sie das "morgen"? Morgen konnte ohnehin wieder alles anders sein. Ein Jedi sollte im Hier und Jetzt leben, nicht in der Vergangenheit oder Zukunft. Sich ihrer bewusst sein, ja, aber auch nicht mehr. Also... würde sie im Hier und Jetzt sein und alles andere ignorieren. Sollte sich die Eowyn von morgen darum kümmern.

Sie spürte, wie etwas ihre Beine berührte und öffnete die Augen. Yaro war es wohl zu einsam geworden und kroch nun auf sie beide zu. Eowyn lächelte leicht und streichelte das kleine Tier, das es sich nun auf ihren Beinen gemütlich machte, vorsichtig mit ihrer freien Hand.
Weißt du... nachdenklich blickte sie auf das Pelzwesen. Vielleicht liegt es an dem Nebel und Chaos in meinem Kopf und an der Ruhe in dieser Höhle und überhaupt... aber... es ist nichts Falsches daran. Im Gegenteil. Es ist so richtig und momentan so einfach und gut... Und wenn etwas so gut ist... warum wehren wir uns dagegen?

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro

Gut“, lächelte er Eowyn dabei an und klang dennoch voller Überzeugung. Grenzen anderer zu wahren war wichtig, vor allem dann, wenn es Dinge ging, die ebenfalls so voll von Bedeutung waren. Grenzüberschreitungen hatten die Macht Beziehungen nachhaltig zu schädigen, sie gar zu zerstören und nichts lag Ian ferner, als bewusst auf so etwas hinzuarbeiten. Dafür war, das, was entstanden war viel zu kostbar. Lieber würde er sich jeden Wunsch verbieten – schließlich hatte er darin Erfahrung -, lieber würde er jedes eigene Bedürfnis bei Seite schieben, als irgendwas zu tun, womit er Eowyn schaden konnte.

Dass sie an sich selbst zweifelte, war nicht gut, aber leider nachvollziehbar, auch wenn ihre Zweifel wohl ganz andere waren, als jene, die Ian an ihrer Stelle hätte nennen können. Dennoch wollte ihm nichts Gutes zu Sagen einfallen, dass ihre Zweifel vielleicht zerstreut hätte und so beließ es Ian einfach dabei, ihr mit der Hand des Armes, mit der er sie hielt, über ihren Arm zu streichen.

Eowyn gelang es erneut ihn zu berühren, allein mit der Versicherung, dass die Nähe, die sie hergestellt hatte, nicht zu dem gehörte, was sie in Frage stellte und er glaubte ihr nicht nur, sondern spürte oder glaubte zu spüren, dass ihre Worte ernst waren und sich auch morgen nicht verändern würden. Sicher war es töricht, sich daran zu klammern. Nicht nur töricht, nein, vielleicht war es auch gefährlich, sich in dieser Weise wieder auszuliefern. Und ein Ausliefern war es. Ein Ausliefern und Zulassen von einer Menge Dinge, die der Dunkelhaarige sich eigentlich verboten hatte.


„Ich glaube wir wehren uns gegen alles, wovor wir uns fürchten und das, was uns anderen näher bringt, birgt die Angst des Verlustes. Diese Angst schützt und verhindert. Sie schützt, vor tieferen Empfindungen, vor Zurückweisung und vor Verletzungen. Aber gleichzeitig verhindert sie, dass das genau das Gegenteil entstehen kann. Nähe, Vertrauen und Halt.“
Er seufzte leise.Vielleicht haben wir immer dann Angst vor etwas, wenn es unser Innerstes und damit unser zerbrechlichstes berührt?“ War es nicht wirklich so?Vielleicht aber, sind wir auch einfach nicht weise genug, weil wir zu viel denken, wo wir eigentlich fühlen sollten und zu viel fühlen, wo es besser wäre, zu denken?
Vielleicht war es schlicht der Trieb zu Überleben und am besten überlebte man, indem man Gefahren zu verhindern wusste. Klug oder nicht, vielleicht war es ein Instinkt. Aber Ian wollte sich darüber nicht den Kopf zerbrechen, nicht schon wieder. Da waren genug zermürbende Ängste und wenn sie nun Sicherheit spürte, sie und auch er, sollten die Ängste bleiben, was sie waren. Schemenhafte Schatten, die in der Dunkelheit verschwanden. Nicht lauerten, nein, sondern verschwanden.
„Es ist nicht falsches daran“, wiederholte er so und tat das vielleicht sogar mehr für sich. Es war nichts falsch daran. Und lag Eowyn nicht völlig richtig? Wenn sich etwas so gut anfühlte, konnte es nicht falsch sein, nein, das war einfach nicht möglich.

„Außerdem“, und langsam aber sicher spürte Ian die Erschöpfung des Laufens und die damit einhergehende Müdigkeit, „vertraue ich dir und Yaro tut es auch.“ Er lächelte auf das Tier hinab, dass sich zu ihnen gesellt hatte. „Wenn wir es also beide tun, solltest und kannst auch du damit beginnen.“ War Vertrauen - vor allem Selbst-Vertrauen – nicht ein wirksames Mittel gegen Angst? Sicher war es das, aber Ian spürte, wie seine Gedanken schwer wurden, genau wie seine Lider.
Es war nichts falsch daran. Zumindest so viel war sicher und dieser Gedanke, nein dieser Satz, den Eowyn ausgesprochen hatte, zusammen mit der Nähe, die da gerade zwischen ihnen existierte, sie verband, ließ Ian in den Schlaf sinken, und es war das erste Mal seit Jahren, dass ihn keine quälenden Bilder heimsuchten.


Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro

Abwesend streichelte Eowyn Yaro, der die Augen geschlossen hatte, während sie Ians logischen Worten zuhörte. Furcht, Angst... Waren Furcht und Angst nicht ohnehin Gefühle, die ein Jedi nicht haben sollte? Aber in diesem Zusammenhang hatte sie es niemals so gesehen, in diesem Zusammenhang, da hatte Ian Recht, hatte sie mit allergrößter Furcht gelebt, tagein, tagaus. Furcht, die sie hatte schützen sollen, und es vielleicht auch getan hatte, wer wusste das schon? Keine Verbindung zu anderen Jedi bedeutete, dass ihr Verlust sie nicht so schmerzte, obgleich auch das selten zutraf, denn der Verlust von Joras, Rinson und Shen hatte geschmerzt. Vermutlich wäre es nur noch viel schlimmer gewesen, wenn die drei ihr näher gestanden wären. Aber sie hätte ihnen eher Vertrauen geben sollen, Halt - dann wären sie gar nicht erst gegangen. Paradox, das Ganze. Man musste das Risiko manchmal eingehen, verletzt zu werden, denn sonst... offensichtlich wurde man ohnehin verletzt. Nur ohne all die positiven Dinge waren diese Schläge um einiges härter zu verkraften.

Ians Worte trafen so genau, dass es dem nichts hinzuzufügen gab. Je mehr es um etwas Persönliches ging, desto mehr stieg die Angst... und die Weisheit, die er ansprach, war wohl so treffend, dass man diesen Satz beinahe als Spruch auf einer dieser seltsamen Karten mit Lebenshinweisen anbringen konnte. Mehr fühlen. Und manchmal weniger... Es klang so leicht. Aber sie hatte gerade selber gemerkt, wie schwer es sein konnte, das Denken abzustellen. Wäre es ihr jemals gelungen, ohne die Hilfe von Alkohol? Sie bezweifelte es stark. Und dennoch musste es funktionieren, denn Alkohol war in dieser Hinsicht absolut keine Lösung. Sie musste lernen, wieder mehr zu fühlen, mehr zuzulassen. Sicher mit ein Grund, weshalb ihre Instinkte so verrückt spielten... Es passte schließlich alles zusammen. Es war alles so logisch.
Sie hoffte intensiv, dass es morgen auch noch so sein würde. Und vor allem, dass sie sich daran erinnerte.


Es tat gut zu hören, dass Ian es genauso sah. Es war nicht falsch, das konnte es nicht. So sehr konnten ihre Instinkte nicht falsch liegen. Das alles hier... es war auf eine seltsame Art und Weise so richtig, dass es keine Worte dafür gab.
Sie spürte und hörte, wie Ian müder wurde. Sie waren heute weniger gelaufen als sonst, aber die vorherige Nacht war für sie beide nicht erholsam gewesen, der Tag außerdem sehr ereignisreich und zusätzlich zehrte es vermutlich an ihrer beiden Kräften, dass dies nun der vierte Tag war, der hier zu Ende ging. Eowyn lächelte bei seinen Worten. Er vertraute ihr... das klang... seltsam schön, denn ihr schoss sein Bild von Nar Shaddaa in den Kopf. Ian, freudlos auflachend... "Ich habe mein Vertrauen mehr als einmal in die Falschen gesetzt und es wäre töricht, diesen Fehler ständig zu wiederholen."
Sie hoffte, dass er diesen Fehler tatsächlich gerade nicht noch einmal wiederholte. Aber sie würde ihr Bestes geben, ihn nicht zu enttäuschen.
Sich selbst vertrauen? Schwierig. Sehr schwierig... Nach all dem, was sie falsch gemacht, zerstört hatte. Und Vertrauen in sich selbst war ohnehin niemals ihre Stärke gewesen, auch wenn Tionne es immerhin geschafft hatte, ihr den anfangs nötigen Glauben an sich mit auf den Weg zu geben. Aber Ian hatte schließlich Recht. Es blieb eigentlich keine andere Wahl. Und wenn sie es geschafft hatte, dass
Ian ihr vertraute... dann sollte sie selbst es doch eigentlich auch schaffen, oder? Ich werde mir Mühe geben... Zumindest momentan hatte sie das fest vor.

Sie hörte, wie Ians Atmung gleichmäßiger wurde. Konnte er so tatsächlich schlafen? Vermutlich... vermutlich hatte er Erfahrung damit in unbequemen Sitzpositionen. Sie selbst wurde langsam ebenfalls müde, aber noch nicht müde genug, um gleich wegzudämmern. Sie genoß die Stille, die Ruhe, die hier gerade herrschte. Die Gefahren der Natur größtenteils ausgesperrt war das hier ein idealer Rückzugsort, gab zusätzliche Sicherheit zu der, die Ian ihr gab, selbst wenn er schlief. Es war... ein Moment, den sie sich halten wollte. Wann war es ihr persönlich zuletzt so gut gegangen, wann hatte sie zuletzt so viel zugelassen und gleichzeitig aber auch eingefordert? Wann hatte sie zuletzt so viel gefühlt? Es war abstrakt, wenn ihr in den Sinn kam, weshalb sie hier waren, aber dennoch konnte der Gedanke den Moment nicht zerstören. Es war nun einmal, wie es war. Sie konnte an der Gesamtsituation momentan nichts ändern. Das sollte sie nicht davon abhalten, positive Momente zu erkennen, wenn sie kamen... und sie kamen selten. Sehr selten. Sie war... ja. Zufrieden. Glücklich? Und es war richtig so.
Vielleicht sollte sie den Früchten dankbar sein. Es war nichts schlimmes geschehen... hoffte sie zumindest, aber sie hatten ihr Dinge offengelegt, die sonst vermutlich niemals ans Licht gekommen wären. Die einzige Frage war, ob sie sich morgen an alles würde erinnern können. Und auch wenn vielleicht einige unangenehme Momente dabei gewesen waren, die sie zum Teil erst morgen würde realisieren können, das würde sie in Kauf nehmen für all das andere. Es gab allerdings nichts, was sie dafür würde tun können, außer zu hoffen.
Und dafür zu hoffen, dass dies hier keine einmalige Sache gewesen war. Ja, genau das war es, weshalb sie so etwas nicht zulassen wollte, konnte - denn es machte auf gewisse Weise abhängig. Jetzt, wo sie in Ians Armen lag - in Ordnung, genau genommen war es nur einer - da konnte sie es sich nicht vorstellen, diese Geborgenheit aufzugeben. Diese Nähe, diesen Halt, diesen Trost, dieses Vertrauen jetzt zu spüren, aber nur für diese Nacht, und dann nie mehr...
Nein, das sollte es ihr nicht zerstören. Sie sollte dankbar sein, dankbar für diese Sekunden, Minuten, vielleicht Stunden. Und was später geschah, das würde sie sehen. Weniger denken. Mehr zulassen.
Bevor sie den Schlaf zulassen konnte wurde es aber Zeit für ihr neues unermüdliches Einschlafritual, und so versuchte Eowyn erneut, jemanden auf Lianna zu erreichen, oder aber Aketos zu spüren. Wieder stieß sie nur auf Nichts, was wenig Raum für Hoffnung ließ
, doch man konnte es nie wissen. Vielleicht höhlte steter Tropfen den Stein... und sie würde nicht aufgeben damit, denn es konnte womöglich ihre einzige Chance sein.
Ihr Kopf, ihre Augenlider wurden immer schwerer, und auch sie überkam nun eine Schläfrigkeit, gegen die sich Eowyn nicht wehrte. Schon im Halbschlaf spürte sie jedoch, wie sie ihren Kopf an Ians Schulter nicht mehr halten konnte, und so machte sie es sich auf seinem Schoß liegend bequem, während sie noch immer Ians Hand in der ihren hielt.


Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro

Da war ein ganzer Haufen von Ängsten, viel mehr eine Ansammlung kleinerer und größerer Berg davon, auch bei Ian. Und vielleicht war die Angst vor einem möglichen Verlust der allergrößte? Ian kannte Verluste, aber der Schmerz, den ein Verlust einbrachte war nichts, woran er sich je gewöhnen würde. Eigentlich hatte er sich fest vorgenommen nie wieder zu vertrauen und nie wieder irgendein Wesen derart nahe an sich heran zu lassen, dass ein Verlust etwas ausmachen würde. Alisah war die letzte Person gewesen, der er sein Vertrauen geschenkt und auch die letzte, die es missbraucht hatte. Danach hatte der Dunkelhaarige sich abgeschottet und sich sehr gut damit arrangiert. Außerdem war nach Telos ohnehin alles anders gewesen, selbst das Gefühl für Alisah. Jede Intensität die einmal da gewesen war und jedes andere positive Gefühl war so abgeschwächt, so schwer wahrnehmbar gewesen. Als wäre er taub. Gefühlstaub. Alisah hatte ein wenig davon hervorgeholt, leise Töne, leise Gefühle zurückgebracht, nur um sie ihm wenige Stunden später gänzlich zu entreißen und dabei war sie derart grob vorgegangen, dass es ein Wunder war, dass sich erneut alles verändert hatte. Die Fähigkeit zu Lächeln hatte Ian auf Bastion eingebüßt, an jenen verhängnisvollen Tag im Werkraum des Ordens der Sith. Die innere Leere, die sich damals ausgebreitet hatte, war allumfassend gewesen und hatte dafür Sorge getragen, dass viele Veränderungen gekommen waren. Selbst seine Art auszubilden war anders geworden, was nicht zuletzt daran gelegen hatte, dass Iouna nur wenig später als Torryn aufgetaucht war. Iouna, die letzte und einzige Überlebende, die ihn an seine Kindheit erinnerte. Die Steinchenwerferin die sich mit seinem Schüler gegen ihn verbunden hatte. Keinem von beiden hatte er je wirklich getraut, aber durch das Ausbildungsverhältnis war da dennoch etwas zwischen Schüler und Meister gewesen. Ein dünnes Band, zum Zerreißen gespannt, um dem Druck am Ende nicht Stand zu halten. Und Eowyn? In wie vielen Tagen war es ihr gelungen diese Sicht zu ändern, diese Leere auszufüllen, ihm mehr, als nur sein Lächeln zurück zu bringen? Ian wusste es nicht, wusste nur, dass es gefährlich war, sich auf all das einzulassen. Doch er würde es darauf ankommen lassen, schließlich würde Lianna alles beenden, bevor es zerstörerisch werden konnte.


„Gut“, murmelte er mehr, als das er es sprach, nachdem Eowyn versprach, sich zu bemühen und da forderte die Anstrengung der letzten Tage, vielleicht sogar die Anstrengung dieser absurden Gefühle, ihren Tribut. Ian konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal mit einem derart guten Gefühl einschlief, das so weit weg von Sorge war, als gäbe es diese überhaupt nicht. Das letzte, was er wahrnahm war Eowyns Hand in der seinen, ihr Kopf an seiner Schulter und diese seltsame Wärme, die sie spendete, die ihn irgendwie ausfüllte, dann sackte er ein wenig in sich zusammen und schlief, halb über sie gebeugt, ein.

Das erste, was Ian wahrnahm, als er erwachte oder das, was ihn wohl erst dazu brachte, überhaupt wach zu werden, war ein unangenehmer Schmerz in seinem Rücken, der von seiner sehr seltsamen Schlafposition ausgelöst worden war. Dennoch, da stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht, denn was unweigerlich nach der ersten Wahrnehmung folgte, war Eowyn, die noch immer schlief. Obwohl jeder Muskel und jeder Knochen nur darauf wartete, sich endlich strecken und bewegen zu können, tat Ian nichts dergleichen. Stattdessen erlaubte er sich für einen Moment Eowyn zu betrachten, fast froh darüber, dass sie schlief und ihn dadurch nicht sehen konnte. Da lag sie, halb zusammengerollt, halb auf seinem Schoß, Ians einen Arm irgendwie als Kissen nutzend. Und dann war da noch das kleine Pelzwesen, das ebenfalls zusammengerollt auf Eowyns Schoß eingeschlafen war. Ians Lächeln breitete sich aus, erreichte seine Augen und es kostete ihn eine ganze Menge Mühe, nicht dem Impuls, Eowyn eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen, nachzugeben. Ja, es kostete ihn sogar mehr, als nur eine ganze Menge und ob die Strähne alleine Auslöser für den Impuls gewesen wäre? Wahrscheinlich nicht, so ehrlich konnte Ian sein. Doch noch gestern hatten sie über Grenzen gesprochen und auch wenn Eowyn vielleicht überhaupt nichts davon mitbekommen hätte, Ian unterdrückte diesen Impuls. Stattdessen gab er sich, mit einem lautlosen Gähnen, dieser Vorstellung hin, was sie zwar kaum ersetzen konnte, aber wenigstens ein bisschen mehr als nichts war. Hoffentlich würde Eowyn, wenn sie erwachte, nicht gleich dazu übergehen irgendein beschämtes Gefühl über sich siegen zu lassen, denn was gestern nicht falsch war, sollte es auch heute nicht sein.

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Sie konnte es hören, das Klappern der Teller und das leise Rütteln der Maschine, die den Kaf zubereitete, denn sie war schon älter und klickte und ratterte in einem ihr wohlbekannten Rhythmus. Ratter - Klick - Ratterratter - Klick - Ratter... Sie lächelte, denn obwohl diese Maschine bei Weitem nicht so klang, als ob sie funktionieren konnte bestand ihre Mutter darauf, sie zu behalten, ihrer Ansicht nach war es der beste Kaf, den man nur trinken konnte. Ihre Eltern stritten sich immer wieder scherzhaft darüber, die alte Klapperkiste endlich auszutauschen, ihr Vater beschwerte sich regelmäßig über den Lärm am Morgen. Es machte Spaß, ihnen beiden dabei zuzuhören, denn man konnte die Liebe spüren, die zwischen den spöttischen und stichelnden Worten mitschwangen. Eowyn wusste genau, dass sie es nicht ernst meinten, dass sie sich niemals absichtlich verletzen würden. Der Geruch des Kafs wurde langsam in ihr Zimmer getragen, und Eowyn fühlte sich so wohl in ihrem Bett, umwoben von diesem Geruch und den Geräuschen unten in der Küche, dass sie kurz die Augen schloss und sich noch einmal lächelnd in ihre Decken kuschelte. Da... sie hörte ein Murmeln. Ihr Vater mit seinen üblichen Neckereien, und ihre Mutter, die protestierte, ihre Maschine verteidigte. Dann Stille, wie meistens... vermutlich lagen sie sich wieder in den Armen, die Zweisamkeit kurz genießend, da sie selbst gleich zum Frühstücken unten sein würde...
Die Stille wurde allerdings nicht durchbrochen vom Rufen ihrer Mutter, so wie normalerweise. Keine Stimme, die sie zu Tisch rief, und das Bild ihres Zimmers um sie herum, ihre Bücherregale, ihr Bantha, das helle Fenster und ihr Schreibtisch, sie alle verschwanden
, denn Eowyn realisierte langsam, während sie langsam erwachte, dass sie sich nicht in ihrem Zimmer befand, dass sie keine zwölf mehr war und ihre Eltern beide nicht mehr waren. Ein kurzes Gefühl der Traurigkeit überfiel sie, Traurigkeit darüber, dass ihre Eltern, die gemeinsam so glücklich gewesen waren, nicht mehr Zeit gehabt hatten, und darüber, dass sie beide nicht hier sein konnten, um ihr Hilfe und Rat zu geben. Das Gefühl der Geborgenheit jedoch blieb, das Gefühl, dass alles dennoch in Ordnung war und sie selbst nicht alleine, und sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, wo sie tatsächlich war.
Va'art. Virus. Ian.
Und die Wirkung der Früchte gestern abend.


Nein, sie hatte nichts vergessen, zumindest glaubte sie das. Es war ihr alles noch lebhaft in Erinnerung. Teilweise zu lebhaft... Hatte sie tatsächlich seine... was auch immer als "bescheuert" bezeichnet? Ian gepiekst und geboxt, ihn versucht zu beschimpfen, nur um kläglich zu scheitern? Vor sich hingesummt? Wes als wahnsinnig lieben und schrägen Kerl beschrieben? Zum Glück war wenigstens er nicht hiergewesen... Nun ja, Ian hatte das alles sehr erheiternd gefunden, so weit sie sich erinnerte, er hatte ihr nichts übel genommen. Sie selbst konnte jetzt entweder jedem seiner Blicke ausweichen und sich hinter allen möglichen Bäumen verstecken, oder aber sie stand dazu. Schließlich war alles ja irgendwo die Wahrheit gewesen, was sie da gesagt hatte, auch wenn sie das "bescheuert" vielleicht hätte taktvoller ausdrücken können.
Und dann war da natürlich noch das Ende gewesen. Das Hin und Her, ihre Verwirrung, und auch das war alles noch da, in ihrem Kopf, wenn auch nicht mehr ganz logisch nachvollziehbar. Aber so, wie sie es gestern schon vermutet hatte... sie bereute nichts. Nein. Es war nicht falsch gewesen, und sie fühlte sich noch immer... wie am richtigen Ort. Ausnahmsweise einmal.

Sie lag noch immer in Ians Schoß, und was sie da mit seinem Arm angestellt hatte... hm. Es würde allerdings langsam Zeit werden, die Augen zu öffnen und sich allem zu stellen, denn wenn sie sich nicht völlig irrte, war Ian schon wach. Augen auf und durch.
Sie öffnete die Augen. Das erste, was sie sah, war das Wasser, das ihre Plattform umgab - offensichtlich dämmerte es draußen zumindest schon, wenn der Tag nicht schon voll angebrochen war. Die Sonne glitzerte teilweise im Wasser
, die Höhle hatte nichts von ihrer Schönheit verloren.
Ihr Kopf schmerzte ein kleines bisschen und irgendetwas hatte unangenehm unter ihren Beinen gelegen, aber ansonsten ging es ihr erstaunlich gut... und außerdem lag sie noch immer relativ bequem.
Ian allerdings konnte nicht bequem sitzen, nicht nach so vielen Stunden schlafen in immer der gleichen Position, und so richtete Eowyn sich langsam auf, während sie doch ein wenig Steifheit in ihren Gelenken bemerkte.
Guten Morgen... Zurückhaltend und verlegen lächelte sie Ian zu. Sie dachte, sie würde sich an alles erinnern, aber... man konnte sich nicht an etwas erinnern, das man vergessen hatte. Und sie hoffte dringend, dass da nichts war.

Sie streckte sich, bewegte vorsichtig ihre Glieder, während sie ein wenig unsicher wurde. Und nun? Gestern hatte sie sich die ganze Zeit gedacht, dass sie sich nicht um "morgen" kümmern wollte, aber nun war nun einmal morgen und sie genauso schlau wie zuvor. Würden sie so tun, als wäre nichts gewesen? Das wollte sie nicht, nein, es waren ihr die Augen geöffnet worden, und die verschwimmende Erinnerung ihres Traumes, dieses guten Gefühls war noch immer leicht in ihren Gedanken vorhanden - aber es lag nicht in ihrer Hand.
Und außerdem war da noch ihr Verhalten gestern.
Sie seufzte, strich sich die etwas verwirrten Haare aus dem Gesicht und blickte schief lächelnd zu Ian. Angriff war noch immer die beste Verteidigung.

Nur zu. Schieß los, ich bin bereit für die Witze über betrunkene Jedi und all die spöttischen Dinge, die du dir gestern vielleicht verkniffen oder für heute aufgehoben hast.

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Nein, was gestern nicht falsch gewesen war, würde es auch heute nicht sein und Ian würde im Notfall dafür sorgen, dass der heutige Morgen gar nicht erst schlimm werden würde. Dafür war das Gefühl mit dem er aufgewacht war, einfach zu gut. Und Eowyn würde er schon irgendwie überzeugen, wenn sie auf die Idee kam, heute ihre Meinung zu ändern.


Da aber, erreichte Ian ein zurückhaltendes, verlegenes Lächeln, dem ein ‚Guten Morgen‘, vorausgegangen war. Alles in allem aber klang das nicht schlecht – fast sogar gut - und einen Guten Morgen hatte er nicht nur lange nicht mehr gehabt, nein, mindestens ebenso lang, hatte ihm auch niemand einen solchen gewünscht.
Guten Morgen“, musste Ian da also erwidern und schreckte fast ein wenig vor dem leicht … euphorischen Klang in seiner Stimme zurück. Nur fast, denn da war sein eigenes Lächeln, das schlicht direkt aus seinem Inneren kam und vielleicht noch etwas mit dem unterdrückten Impuls von vorhin, aber dem zugelassenen Gedanken daran, zusammenhing.

Jetzt, da Eowyn wach war und sich erhob, konnte auch Ian dazu übergehen, sich endlich ausgiebig zu strecken, was ihm schlussendlich auch dabei half, einen Teil seines Lächelns zu unterbinden. Bloß, wollte Ian auch das nicht lange gelingen, denn Eowyns Worte holten es schon wieder hervor. Außerdem… war da eine derart seltsam gute Laune, dass es viel zu anstrengend gewesen wäre, sein Lächeln zu unterdrücken
. „Betrunkene Jedi?,“ hakte er schließlich nach.. „Ich weiß überhaupt nicht, von was du sprichst!“ Sich einmal in der Höhle umblickend, suchend, sah er Eowyn schließlich wieder an. „Ich sehe keine betrunkene Jedi. Bloß eine ausgeschlafene Jedi und einen…“ Nun ja. „Alten Mann mit Rückenschmerzen?“ Sein Rücken schmerzte tatsächlich, auch wenn sich über das Alter vermutlich streiten ließ. So streckte Ian sich erneut, was dem Problem nicht unbedingt Abhilfe verschaffte, um schlussendlich einmal zum Rand der Plattform vorzutreten. In die Hocke gehen fühlte er sich wirklich ein wenig alt, als er sich mit dem kühlen Wasser das Gesicht wusch. „Aber ich erinnere mich da leise an warmes Wasser, für das eine gewisse Jedi sorgen könnte. Und das da,“ er deutete auf das kleine Gewässer und versuchte möglichst vorwurfsvoll zu klingen,ist ziemlich kalt.“ Wieder ein Lächeln. Oder immer noch?

Sein Gesicht mit seinem Oberteil trocknend, kramte Ian schließlich in dem Rucksack.
„Da ist noch was, an das ich mich erinnere. Da ich dir gestern schon kein Abendessen geboten habe, heute wenigstens ein Frühstück?“ Mit einem verschmitzten Lächeln, reichte Ian Eowyn zumindest einen Energieriegel.Ich glaube, der ist besser verträglich, als die Früchte.Und das Zwinkern in seiner Stimme war wohl unüberhörbar. „Zugeben, nicht wirklich lecker, aber sicher hilfreich und für den Fall, dass du Kopfschmerzen hast – warum auch immer – vielleicht sogar nützlich?“
Ob es seine gute Laune war, die ihn dazu hinriss, so viel zu sprechen? Vermutlich. Aber vermutlich spielte das auch keine große Rolle?

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Ian erwiderte ihr Lächeln, um einiges sicherer als sie selbst, und das wiederum gab ihr ein kleines Bisschen ihrer Sicherheit zurück. Nicht viel, aber immerhin ein kleines Bisschen. Und während Eowyn sich selbst ein wenig lockerte beobachtete sie Ian, der wesentlich gelöster wirkte als sonst, und der sein Lächeln niemals gänzlich verlor. Er strahlte so viel Positives aus... Ihm schien es wirklich gut zu gehen, und das, obwohl ihm vermutlich der ganze Körper wehtat.
Ians gespielte Suche schließlich ließ ihr schiefes Lächeln weiter und intensiver werden. Nun ja, sie beschwerte sich nicht, wenn die Witze auf ihre Kosten ausbleiben würden. Oder verschoben wurden.
Ich weiß nicht, ich muss wohl... noch geträumt haben. Wo ich doch so ausgeschlafen bin... Das nächste Prusten ließ sich dann aber tatsächlich nicht unterdrücken. Ian und ein alter Mann? Wenn er nicht gerade einer Spezies, die wie Menschen aussah, aber extrem langsam alterte angehörte, dann konnte er doch nicht älter als... was... 30, 35 sein? Galt sie selbst dann auch schon als alt? Du und alt? Du bist doch höchstens... kritisch betrachtete sie Ian von oben bis unten. 50. Plus, minus ein paar Jahre... Übertrieben tröstend fuhr sie fort. Und das ist noch lange nicht alt, nicht bei den Möglichkeiten der Medizin... Ihre Mundwinkel zuckten, aber ansonsten schaffte sie es, ernst zu bleiben. Aber im Ernst, jetzt wollte sie es wirklich wissen. Wie alt war Ian eigentlich? Vielleicht würde sie ihn nachher fragen, wenn er nicht von selbst damit herausrückte, um ihre Schätzung geradezurücken.

Warmes Wasser? Unschuldig blickte sie Ian an. Das ginge schon... nur würde ich für diese Wassermenge wohl... einige Stunden brauchen. Also wenn du hier nicht den ganzen Tag verbringen möchtest, dann fürchte ich, dass du mit dem kalten Wasser vorlieb nehmen musst. Eowyn hockte sich nun selbst an den Rand der Plattform und tauchte ihre Hände ins kalte Wasser. Es war wirklich kalt... Aber sie ließ sich ihren Schauder nicht anmerken und schaufelte das kalte Wasser in ihr Gesicht. Es ist wirklich... ein wenig kalt... gab sie schlussendlich dennoch leicht lächelnd zu. Diesen Tatsachen musste man ins Auge blicken. Wenigstens macht es wach... Sie rubbelte mit dem Gesicht über ihren Ärmel. Ja, jetzt war sie wirklich wach.

Sie setzte sich, als Ian ihr den Riegel reichte, und seufzte. Du erinnerst dich aber an ganz schön viel von gestern... Ich dummerweise auch. Sie hatte zwar noch den halben Riegel von gestern Nachmittag in ihrer Gürteltasche, aber der konnte gut für unterwegs herhalten, und so ergriff sie das... konnte man es wirklich "Nahrungsmittel" nennen? Danke. Und ja, das ist er sicher... Die Früchte würde sie sicher weiterhin essen können, aber vielleicht... in größeren Abständen verteilt und nicht mehr als eine auf einmal. Nur zur Sicherheit.
Jetzt könnte man aber beinahe meinen, Ian hätte einen Scherzkeks gefrühstückt, denn da kamen die Spötteleien, verspätet, aber sie kamen. Es wäre ja auch zu schön gewesen. Sie sah ihn an.
Es macht dir noch immer wahnsinnigen Spaß, oder? Eowyn grinste schlussendlich aber ebenfalls, als sie die Verpackung des Riegels öffnete. Schließlich war es zu komisch, und es war besser, er machte sich über sie lustig, als ihr irgendetwas von dem, was sie gesagt oder getan hatte, übel zu nehmen. Ich dachte eigentlich, bei Kopfschmerzen helfen Tabletten oder trinken, nicht essen... Wo wir dabei sind, du hast nicht zufällig eine dabei... Die Kopfschmerzen waren zwar durchaus im erträglichen Rahmen, aber bei der Aussicht, damit heute den ganzen Tag durch den Dschungel zu laufen, wäre eine Tablette schon etwas Gutes. So ein Pech, dass sie so gut wie keine Ausrüstung hatten.
Sie biss in den Riegel. "Nicht wirklich lecker" war leicht untertrieben... Und so sehr sie eigentlich über den Abend gestern nicht reden wollte, aber sie musste es wissen, nachdem sie mühevoll heruntergeschluckt hatte. Sie griff nach einer ihrer Haarklammern und spielte ablenkend damit herum.
Ich meine zwar, mich an alles zu erinnern, was gestern war, aber... Ian, ich habe nichts besonders Dummes gesagt oder getan, oder? Vermutlich schon, wenn man ihr Nähebedürfnis und ihren Anfall von Offenheit bedachte... Von einem gewissen Standpunkt aus, zumindest.

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„Wahrscheinlich, denn ich weiß nicht, von was du redest“,
zuckte Ian wieder einmal unschuldig die Schultern bis Eowyn dazu überging ihn aufzuziehen. „50?“ Er lachte. „Würdest du diesen Schmerz fühlen, würde dir das Lachen vergehen.“ So schüttelte Ian, erneut lachend den Kopf, aber seine Glieder schmerzten tatschlich und nicht allein der Rücken, nein. Nahezu jeder Muskel in einem Arm und seinen Beinen schien völlig verspannt. Kurzum: Jedes Körperteil, das Eowyn beansprucht hatte tat weh, nur beschweren würde er sich darüber nicht, denn am Ende kostete ihn das vielleicht die Nähe. Und was waren ein paar lächerliche Schmerzen schon im Vergleich zu gestern Abend?
„Aber es ist sehr beruhigend, dass du so besorgt um mich bist. Wenn ich also in fünfzehn Jahren wirklich fünfzig bin, begleitest du mich hoffentlich zu einem guten Spezialisten?“ Seine gute Laune ließ ihn sogar vergessen, dass er wahrscheinlich nicht einmal 36 wurde, es sei denn, sie saßen noch drei Monate auf diesem Mond.

„Ich weiß nicht, erst die Kränkung bezüglich meines Alters, jetzt noch kaltes Wasser… Du machst dich schwer unbeliebt, wenn es so weiter geht.“ Und da sah auch Ian ihr mit gespieltem Ernst entgegen. Aber was die Kälte betraf, ihr musste es genauso gehen, da war Ian sich sicher. Auch wenn sie sich keine Blöße gab, als sie sich ebenfalls das Gesicht wusch und dann gab sie es sogar zu, und Ian hob bloß wissend die Augenbrauen. Sie hatte außerdem Recht, das Wasser sorgte wirklich dafür, dass der letzte Rest an Müdigkeit verschwand.

Natürlich erinnerte er sich an gestern und auch allgemein war Ian – eher zu seinem Leidwesen – mit einem guten Gedächtnis gesegnet. Sie erinnerte sich
dummerweise auch noch gut an gestern? Ein kurzer, leicht unsicherer Blick wanderte schließlich zu ihr herüber, doch als Eowyn weitersprach, verflog der kleine Anflug von Sorge so schnell, wie er gekommen war.
Ian nickte, noch eher er antworten konnte, denn es wäre sinnlos gewesen das Gegenteil zu behaupten oder auch nur zu versuchen, hier etwas vorzuspielen.
„Ich gebe es wenigstens zu und ich bin so edelmütig, mit meinem Spott hinter dem Berg zu halten.“ Wobei es neben dem Pieksen und Boxen nicht so viel gegeben hatte, über das er sich wirklich lustig machen konnte. Schließlich war das meiste, was sie gesagt hatte, eher positiv gewesen und so hätte er im Besten Fall Witze über sich selbst machen können. „Kommt ganz auf das Getränk an“, war dennoch ein weiterer Witz, der seine letzte Aussage wohl Lügen strafte, den Ian aber einfach nicht für sich behalten konnte, als er Eowyn eine Flasche Wasser reichte. „Tabletten habe ich nicht, aber ich glaube, ich kann dir anders helfen, wenn es zu schlimm ist.“ Ob eine Wanderung Kopfschmerzen verschlimmerte oder verbesserte? Ian hatte, was das betraf, keinerlei Erfahrung. Frische Luft, so sagte man, half bei vielem, aber auch bei einem leichten Kater? Nun, er würde ihr anders helfen können, so viel stand fest.

„Eowyn“, und diesmal klang er wieder ernster, „du hast keine Grenze überschritten. Nichts besonders Dummes gesagt, nichts besonders Dummes getan.“
Sie hatte Alisah gleich zwei Mal beleidig, wohingegen sie an einer Beleidiigung für ihn gescheitert war. Aber dumm war all das nicht gewesen. Vielleicht nicht sonderlich nett Alisah gegenüber, aber ehrlicherweise störte Ian das nicht und ‚bescheuert‘ war ein vergleichsweise harmloser Begriff.

Die anderen Dinge, die sie getan hatte, waren auch nicht Dumm gewesen. Sicher nicht klug, aber das bedeutete nicht automatisch, dass sie dumm waren. Ob bewusst oder nicht, Eowyn hatte gestern einiges ausgelöst, aber vielleicht war Ian derjenige, der besonders Dumm war, weil er es zugelassen hatte? Dumm. Nein, das war einfach nicht das richtige Wort. Leichtsinnig, unvorsichtig, aber nicht dumm.

„Eine schlimme Sache aber hast du getan!“ Ein wenig musste er sich rächen, zumindest für ihr kleines Spiel sein Alter betreffend. „Du hast mich geschlagen, mich, einen armen, alten Mann und dabei hättest du fast meinen arthritischen Knochen gebrochen.“ Da deutete er mit einem schmerzvollen Ausdruck im Gesicht, auf seinen Oberschenkel. „Wenn ich jetzt humpelnd durch diesen Dschungellaufen muss, ist das allein deine Schuld, ich hoffe, das weißt du."

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Es war wirklich kein Wunder, dass sein Rücken ihm wehtat. Bei der Sitzposition... sie bekam ein kleines bisschen ein schlechtes Gewissen, ohne sie hätte er womöglich bequemer geschlafen. Aber offensichtlich hatte er zumindest ruhig geschlafen, denn sie selbst war in der Nacht kein einziges Mal aufgewacht. Und in der Regel tat sie das, wenn sie draußen schlief und sich etwas viel bewegte. Andererseits... was war gestern Abend schon "normal" gewesen? Vielleicht hätte sie auch geschlafen, wenn neben ihr ein Sternzerstörer abgestürzt wäre.
Natürlich bin ich besorgt, und natürlich begleite ich dich. Sie schmunzelte. 35 also? Er war tatsächlich älter als sie, wenn auch nur ein kleines bisschen. Interessant. Schon alleine um dann Erkundigungen für mich einzuholen, schließlich wäre ich dann auch bald... alt.

Sie ergriff dankend die Flasche Wasser, die Ian ihr reichte, und spülte damit ein wenig des staubigen, geschmacklosen Energieriegelgeschmacks fort. Das Wasser tat tatsächlich wahnsinnig gut, sie trank und trank, als hätte sie es seit Tagen nicht mehr getan, ehe sie bemerkte, dass sie es vielleicht nicht übertreiben sollte und die Flasche absetzte. Mit dem Spott hinter dem Berg halten, hm? Die Augenbrauen hochziehend sah sie ihn an. So ganz hatte das wohl nicht funktioniert. Und er war wirklich gut gelaunt. Wahnsinnig gut gelaunt... Wenn sie nicht absolut sicher hätte sein können, dass er es nicht tun würde, hätte sie beinahe denken können, er hätte auch ein paar Früchte gefrühstückt. Ihn so sehen zu können hob auch ihre Laune trotz Kopfschmerzen beträchtlich an und verschaffte ihr ein warmes Gefühl. Dieses Getränk hier ist zumindest sehr hilfreich. Eowyn gab ihm die Flasche zurück und rieb ihre Schläfen. Ich weiß nicht. Es geht schon irgendwie, denke ich... Zumindest habte ich mich definitiv schon schlimmer gefühlt. Es würde schließlich besser werden, sie wusste ja, wo die Kopfschmerzen herkamen.

Erleichtert nahm sie Ians Beruhigung zur Kenntnis. Sie erinnerte sich noch gut an ihr Gespräch über Grenzen, und sie hätte nur äußerst ungern gehört, dass sie etwas zerstört hatte. Stirnrunzelnd sah sie ihn dann jedoch an... er würde es ihr sagen, oder? Er würde es nicht einfach unter den Tisch kehren, wenn da doch etwas gewesen war... Sie traute es ihm eigentlich zu. Aber nein, er hatte sehr ehrlich geklungen. Er meinte es ernst. Das war gut... Wenigstens etwas.
Sie legte die Klammer, mit der sie herumgespielt hatte wieder zu den anderen und betrachtete sie missmutig. Es würde ihren Kopfschmerzen sicher nicht entgegenwirken, ihre Haare jetzt wieder festzuzurren, aber alles andere war einfach zu unpraktisch... Bevor sie sich dazu aufraffen konnte, nach der Bürste zu greifen ergriff Ian jedoch wieder das Wort.

Erschrocken horchte sie auf, blickte zu ihm. Was hatte sie getan? Was hatte sie vergessen? Hatte sie sich doch nicht geirrt, hatte er ihr doch etwas verschwiegen, nur um jetzt damit herauszurücken?
Mit jedem seiner nächsten Worte wurde jedoch klarer, dass er sie auf den Arm nahm, dieser... Hmpf, und sie spürte, wie sie leicht errötete. Er hatte sie tatsächlich erwischt. Schon wieder, denn dieser... Stubs von gestern war genau aus dem gleichen Grund erfolgt. Sie lernte es einfach nicht.
Sie lehnte sich zurück, stützte sich mit beiden Händen ab und betrachtete Ian aus schmalen Augen.
Du armer, das tut mir schrecklich Leid... aber vielleicht, nur vielleicht hat dieser arme, alte Mann das auch verdient gehabt, weil er nicht damit aufhören konnte, unschuldige Jedi zu ärgern? So wie jetzt, und du kannst nur froh sein, dass ich weiß, dass du ohnehin schon humpeln musst. Sie lächelte ihn schließlich unschuldig an. Aber für einen solch großartigen Heiler wie dich sollte das doch kein Problem darstellen, oder?

Kopfschüttelnd und lächelnd wandte sie sich wieder ihrer auf der Platte liegenden Bürste zu und betrachtete sie weiterhin verdrießlich, ohne sie zu ergreifen. Wer den Schaden hatte... Gestern hatte sie sich gelöst gefühlt, unbesorgt, frei. Heute war es wieder anders. Heute lasteten wieder einige Sorgen auf ihr, und sie konnte längst nicht mehr so ungehemmt reden und sich bewegen. Es war richtig so, und sie würde es sicher nicht noch einmal widerholen wollen. Aber die Erfahrung war interessant gewesen, und auch wenn sie sich nicht mehr so fühlte, da war noch eine Erinnerung daran, wie es gewesen war, sie selbst zu sein. Es war schön gewesen... und es hatte die Dinge zwischen Ian und ihr noch einmal verändert. Dauerhaft? Ians beinahe überschwängliche gute Laune mochte ein Hinweis darauf sein, dass er nicht vorhatte, die Dinge zwischen ihnen noch einmal zu verkomplizieren, was auch immer die "Dinge zwischen ihnen" waren. Was hatte er gestern gesagt, kurz bevor er eingeschlafen war... Zu viel denken, anstatt zu fühlen, zu viel fühlen, anstatt zu denken... so ungefähr. Ihr Denken allerdings heute abzustellen war weitaus schwieriger als gestern. Man konnte Dinge zerreden, manchmal war es besser, nichts zu sagen, genau wie es besser war, nicht zu denken. Aber nachdem sie gestern nicht sonderlich zurechnungsfähig gewesen war... und Ian niemals, niemals ihre Grenzen überschreiten würde, so viel war klar... Sie blickte noch einmal auf und suchte nach den richtigen Worten. Die es wie immer nicht gab. Du weißt, dass ich nichts bereue, ja? sagte sie leise, und es war eigentlich keine Frage, sondern eher eine Aussage. Es klang nicht richtig, denn da war schließlich nichts, was man hätte bereuen können, es war an und für sich nichts Besonderes geschehen, aber es klang so, als hätten sie etwas Verbotenes getan. Das war es vielleicht auch, irgendwie, wenn man rational darüber... aber sie sollte schließlich nicht denken. Ich meine... ich denke immer noch... es war... richtig.

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
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Als Eowyn schmunzelte, musste Ian ihr dieses, in Verbindung mit einem Kopfschütteln gleichtun.
„Wie gut, dass ich mich auf die Schmerzen bezog und auf nichts anderes.Das war die einfachste Art, ihr zu widersprechen, ohne sich in einem Kompliment oder ähnlichem zu verlieren, dabei hätte Ian nicht einmal lange überlegen müssen, um etwas zu finden, das er Eowyn hätte erwidern können. Zwei Mal schon hatte er Gelegenheit gehabt, sie näher zu betrachten und zwei Mal war er dabei zu ein und demselben Urteil gekommen. Dennoch, ein drittes Mal würde er sie nun kaum mustern, nicht auf die Gefahr hin, dass sein Blick irgendetwas verraten würde. Wahrscheinlich, zumindest schätzte Ian Eowyn so ein, hätte sie einen solchen Blick nicht einmal verstanden. Aber Ian wollte nicht überlegen, ob Eowyn zu den Menschen gehörte, die sonderlich viele Komplimente bekommen hatten, denn da war ein kleiner Verdacht der sich aufdrängte, einer jener, die er nicht bestätigt haben wolle. Wenn sie aber nie Zeit für sich selbst gehabt hatte, dann wohl ebenso wenig Zeit, sich die Wahrheit über sich selbst anzuhören…

Das Getränk nahm sie dankend entgegen und Ian trank aus der zweiten Flasche, was dafür sorgte, dass sein leises Hungergefühl, das entstehen wollte, wieder verschwinden ließ. Eine Frucht wollte an jetzt weniger zu sich nehmen und die Riegel – so hatte er längst entschieden – waren Eowyns vorenthalten.


„Gut, ansonsten kannst du selbst auf diese Schmerzen einwirken, ein bisschen so, wie als du mein Fieber gesenkt hast. Eine Art Beruhigung, keine Heilung in dem Sinne, aber effektiv.“ Eine Handlung, bei der sie Erfolg haben musste, allein wegen der Ähnlichkeit zu dem, was sie schon geleistet hatte. Das würde Eowyn gleich zwei Erfolge bescheren. Zum einen, die Verbesserung ihres Allgemeinzustandes und zum anderen hoffentlich ein wenig von ihrem Gefühl, nur unwirksame oder unbrauchbare Techniken erlernt zu haben. Wie auch immer.


Sie aufzuziehen war anfangs mit Erfolg gekrönt, ihr erschrockener Blick hätte Ian fast zu einem Grinsen verleitet. Doch es gelang ihm, seine ernste Miene beizubehalten und einen Sekundebruchteil später hatte Eowyn, die leicht errötete, den Witz ebenfalls erkannt.
„Du würdest mich also erneut schlagen?“, fragte er mit einer Mischung aus Unglaube und Schockiertheit. „Ob es das ist, was du Fürsorge nennst? “ er schmunzelte in sich hinein. „Natürlich ist das ein Problem. Ich kann äußere Verletzungen heilen, aber nicht solche, die aufgrund von … Gemeinheit zugefügt wurden und etwas Inneres getroffen haben!“ Ein Witz, der vielleicht ein Quäntchen zu viel war, vor allem, wenn der Dunkelhaarige den Wahrheitsgehalt hinter diesen Worten bedachte. Innere Verletzungen konnte er wirklich nicht heilen, nicht solche, die durch Worte oder bestimmte Handlungen zugefügt wurden.

Nun doch nach einer Frucht greifend, hielt Ian beim Schälen inne, als er etwas spürte, dass seiner guten Laune doch einen kleinen Dämpfer verpasste, etwas, das von Eowyn ausging. Und kaum, dass Ian es spürte - genau zu benennen vermochte er es nicht – sprach sie auch schon. Davon, dass sie nichts bereute und davon das sie noch immer dachte, dass es richtig war und da musste er leise Seufzen. So wie sie ihre Worte formulierte, die Unsicherheit und die Pausen darin… Es fühlte sich an, als hätten sie irgendetwas Verbotenes getan, von dem sie sich nun selbst überzeugen musste, dass es nicht schlimm gewesen war. Diese Worte brachten ein ungutes Gefühl, denn dadurch, dass sie formuliert worden waren, hallten sie nach und vermittelten den Eindruck, tatsächlich etwas Falsches getan zu haben. Da seufzte Ian erneut, denn eigentlich hatte sein nahezu euphorisches Gefühl bis eben angehalten und wirklich gewillt, es loszulassen war er nicht. Dafür hatte es sich zu gut angefühlt und dafür hatte er es schlicht zu lange nicht besessen. Sie hatten nichts Schlimmes getan, längst nichts Verbotenes. Einen Satz, den Ian sich selbst einmal vorsagen musste. Gut, er hatte sich da gestern einem Gefühl hingegeben, aber von diesem konnte Eowyn kaum etwas gespürt haben. Denn hätte sie, sie hätte kaum erneut die Nähe zu ihm gesucht.

„Das seltsame an solchen Sätzen ist, dass sie trotz oder durch ihre Botschaft das Gefühl vermitteln, als hätte man etwas Verbotenes getan.“ Eine Wahrheit, die Ian aussprechen musste. „Vielleicht gelingt es uns, dieses Gefühl nicht die Oberhand gewinnen zu lassen?“ Eigentlich war das weniger Bitte, als Wunsch und vor allem war es die Formulierung einer kleinen Sorge. Einer kleinen? Nein…
Gestern noch hatte er sich nicht grundlos völlig versteift, um diesen Kampf im Anschluss zu gewinnen. Heute wollte er nicht wieder vor diesen Ängsten stehen, denn wenn sie gewannen, würde nur die Unsicherheit zurückkehren. Eine Unsicherheit, die Ian nicht verspüren wollte. Sie hatte ihn doch nur um Halt gebeten und das nicht zum ersten Mal. Vielleicht war da der kleine, feine Unterschied, dass er ihn zuvor angeboten hatte und das Eowyn ein bisschen mehr preisgegeben hatte? Dass sie schlussendlich etwas ausgelöst hatte, dass sie vielleicht nicht hätte auslösen dürfen? Nein. Nein, er würde nicht zulassen, dass ihn jetzt der Schwermut übermannte. Sie hatten nichts Verbotenes getan. Sie hatten gefühlt. Er hatte gefühlt und daran war nichts falsch.



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Eowyn hörte Ian aufmerksam zu und nickte. Ich werde es nachher vielleicht versuchen...
Kopfschüttelnd lauschte sie dann seinen weiteren Ausführungen. Ich, arme, schwache Jedi, dich schlagen? Wo denkst du hin. Sie lächelte unschuldig. Aber wer weiß, was sonst so alles passieren kann... Dieser Mond ist voller Gefahren... Und wenn die Gelegenheit kam, dann würde er ja sehen, dass sie zurückschlagen konnte. Im übertragenen Sinne, selbstverständlich... Und was meine Fürsorge betrifft... ich kann nun einmal nicht überall sein. Sie zuckte mit den Achseln und betrachtete ihn dann mit hochgezogenen Augenbrauen.
Na dann ist es ja gut, dass deine gemeinen Worte mich nicht zutiefst verletzt haben, nicht wahr? Sie grinste und wandte sich ab. Schließlich hatte er die ganze Zeit sie geneckt, und die "Inneren Verletzungen" durch ihren "Schlag" waren sicher nicht metaphorischer Art. Angetan hatte sie ihm allerhöchstens die sehr realen Rückenschmerzen.

Als sie weitersprach, ihre Gedanken äußerte, spürte sie, wie Ians gute Laune verschwand, und da bereute sie auch schon, alles überhaupt angesprochen zu haben. Sie konnte schließlich nicht in Worte fassen, was sie spürte und empfand. Und richtig. Genau das, was sie nicht hatte ausdrücken wollen, kam anscheinend an, im Gegensatz zu der Nachricht, die sie eigentlich hatte durchscheinen lassen wollen. Sie seufzte ebenfalls. Sie sollte das Reden einfach lassen. Die Klappe halten. Es gehörte nun einmal einfach nicht zu ihren Fähigkeiten. Sie sollte nur noch reden, wenn es notwendig war, oder wenn es um unwichtige oder sachliche Dinge ging. Das bekam sie hin. Alles andere... Sie konnte so viel fühlen, manches auch verstehen, aber selbst in ihren eigenen Gedanken fand sie für manches einfach keine Worte. Sie merkte es meistens selbst, aber dann war es in der Regel schon zu spät...
Nein, das haben wir nicht. Und das wollte ich auch nicht ausdrücken... Im Gegenteil. Das lasse ich nicht zu. Sie griff nach ihrer Bürste und begann, sich endlich die Haare zu ordnen. Du weißt doch, dass ich so etwas nicht kann. Sie lächelte ein wenig traurig. Nein, ich wollte nur sagen... Erneut ein Seufzen. Stang, das ist... Er würde sie doch nur wieder falsch verstehen. Hilflos blickte sie Ian an. So war das sinnlos, und sie machte alles nur noch immer weiter kaputt. Ich wollte dir nur sagen, wie ich... Schluss damit. Sie atmete einmal tief durch. Kommunikation lief nicht nur über Worte. Gesten, Mimik, Berührungen.

Und gestern - gestern? - hatte es doch auch schon einmal ähnlich funktioniert. Sie schloss die Augen und versuchte sich zu erinnern, wie sie sich gestern abend gefühlt hatte. Es war nicht ganz einfach, denn der Abend gestern war so voll von vielen Dingen gewesen, neuen Eindrücken, seltsamen Verhaltensweisen. Und so sehr sie sich auch erinnerte, das Gefühl von gestern zurückzurufen war nicht so einfach, jetzt, wo sie wieder mehr dachte und mehr Sorgen im Kopf hatte. Eowyn ging noch einen weiteren Schritt zurück, erinnerte sich daran, wie diese Leere sie ausgefüllt hatte, und dann ging sie wieder vorwärts. Ließ alles durch sich strömen, was sie gestern empfunden hatte. Sicherheit, Zuversicht, Halt, Trost, Geborgenheit. Und dann dieses Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Das Gefühl, ein bisschen mehr sie selbst zu sein. Ein Gefühl von Zufriedenheit, ein leises, zurückhaltendes, aber doch so wichtiges Gefühl von Glück. Und all das versuchte sie nun Ian offen zu zeigen, ihm zu zeigen, wie richtig all das für sie gewesen war. Und immer noch war. Und selbst, als sie aufhörte, sich bewusst darauf zu konzentrieren und auszustrahlen, ein Teil davon blieb, als sie die Augen öffnete und Ian anlächelte. Das
wollte ich dir sagen. Es war richtig.

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Ian und Yaro
 
Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro

„Arme, schwache Jedi?“ Gut, dass er das nicht behauptet hatte – aber auch nie behaupten würde -und fast noch besser, dass sie ihre eigene Logik völlig über den Haufen warf. „Ich weiß nicht… fast habe ich das Gefühl, dass ‚arme, schwache‘ ist nur Tarnung. Ich hoffe es sogar, denn wenn hier so viele Gefahren lauern und du wirklich bist, was du behauptet hast…oh weh.“ Ihren unschuldigen Blick versuchte er zu übertrumpfen, aber sein schelmisches Grinsen sprach wohl für sich. Für schwach und arm hielt er Eowyn tatsächlich nicht und auch wenn er seine Abneigung gegen die Jedi im Allgemeinen nicht so schnell würde ablegen wollen, auch sie hielt er nicht für schwach. Auf Corellia hatte er genug Gelegenheit gehabt, zu sehen, dass Jedi Sith ebenbürtig waren und damals hätte er während der Schlacht einen Kampf beinahe verloren, wäre ihm Camie nicht zur Hilfe gekommen.
„Gemeine Worte von mir?“, er winkte ab. „Ich bin die Nettigkeit in Person, ich kenne keine gemeinen Worte. Nicht mal für Jedi, die sich betrinken. Und ich war auch nicht derjenige, der gleich vier Beleidigungen an einem Abend ausgesprochen hat.“ Na gut, es waren eher zwei Beleidigungen und zwei gescheiterte Versuche gewesen. Wobei… Auch die Sith hatte Eowyn beleidigt. Alisah und die Sith, um genau zu sein.

Von einem doch eher scherzhaften Thema, gingen Eowyn und Ian schließlich doch wieder zu etwas über, das der guten Laune einen kleinen Dämpfer verpasste. Die Schwierigkeit lag wohl vor allem darin, dass Eowyn hier Samen auf fruchtbaren Boden warf. Per se hatten sie weder etwas Verbotenes, noch etwas Falsches getan. Nein, von außen betrachtet waren sie zwei einfache Menschen, die schlicht und ergreifend füreinander da gewesen waren. Bedachte Ian aber die Tatsache, wer er gewesen war und was er getan hatte änderte sich die Sachlage einfach und dann waren sie auch zurück bei dem Thema, wer etwas verdiente und wer nicht. Ein Thema, das Ian gar nicht mehr bedenken wollte, weil im Vorhinein klar war, zu welchem Schluss er sonst wieder gelangen würde. Daher tat es gut, auch von Eowyn zu hören, dass sie dem annahenden Gefühl, etwas Falsches getan zu haben, keine Chance lassen wollte. Dabei hatte er sehr wohl verstanden, was sie gemeint hatte. Spätestens, als sie ihm eine ganze Reihe an Gefühlen übermittelte, was beinahe ein wenig unheimlich war.


„Ich glaube, ich habe es verstanden“, kam so ein doch verlegenes Lächeln. „Aber dieses Denkfühlproblem, oder wie auch immer man es nennen möchte, ist auch mir nicht fremd.“ Ganz im Gegenteil und so gut Ian wusste, dass er viel zu oft Gedanken sezierte, wusste er auch, dass das Gefühl nicht zu genügen ihn ständig begleitete. Nur war es diesmal tatsächlich etwas angenehmer, sich nicht selbst zu genügen, als zu glauben, es für einen anderen ebenfalls nicht zu tun. Gedanken, Scheuklappen, Ängste. Ein ganzer Haufen an Dingen, an denen Ian zu arbeiten hatte, an denen er arbeitete.

Dschungelmond von Va'art, in einer Wasserhöhle, mit Eowyn und Yaro
 
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