Va'art

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Ian

Eowyn biss sich auf die Lippen. Das war nicht die erste, wenn auch diesmal sehr direkte Andeutung, die Ian seine Zukunft betreffend machte. Und sie wünschte, sie könnte etwas darauf erwidern, dass positiv war, etwas, das Hoffnung machte. Aber das konnte sie nicht, und selbst, wenn sie es tun würde - Ian würde wissen, dass es erstens nur ihre Ansicht war, dass sie nichts zu sagen hatte, und sie zweitens nicht dahinterstand. Ja, sicher, man würde sie im Rat anhören. Aber die letztendliche Entscheidung, was am Ende Ians weiteres Schicksal sein würde, war nicht die ihre. Sein Tonfall, die nebensächliche Art und Weise, wie er es sagte, täuschte nicht darüber hinweg, dass er fest damit rechnete, dass seine Freiheit mit der Ankunft auf Lianna ein Ende haben würde. Aber - als ob selbst ein Hochsicherheitsgefängnis ihn würde aufhalten können, wenn er dort nicht bleiben wollte. Und das würde dem Rat ebenfalls sehr wohl bewusst sein. Damit blieben nicht mehr viele Alternativen, und Ian schien dies zu wissen - "im besten Fall." Dennoch... "Wir haben nicht das Recht dazu, jemandes Leben einfach so zu beenden." Sie hatte es selbst gesagt, und dies galt in ihren Augen in jedem Fall. In jedem.
Würde der Rat es genauso sehen? Eowyn wusste es nicht. Es hatte keinen ähnlichen Fall in den letzten Jahren gegeben, zumindest hatte sie nichts davon gehört oder erinnerte sich nicht daran. Sie hoffte inständig, dass der Rat es genauso sehen würde. Wenn nicht... Sie schauderte. Darüber wollte sie nicht nachdenken. Erst recht nicht für Ian, aber auch nicht für sich selbst, denn in einem solchen Fall würde sie nicht wissen, ob sie so würde weitermachen können. Oh, nein, das war falsch. Sie würde wissen,
dass sie so nicht würde weitermachen können. Und es bliebe die Frage... nein. Es half nichts, sich über ungeschehene Dinge Gedanken zu machen. Momentan wusste sie noch nicht einmal, ob sie Lianna überhaupt erreichen würden. Den Beruf haben sie sicher schon gewechselt... redete sie schließlich vor sich hin, nur, um überhaupt irgendetwas darauf zu antworten. Und dann, nach längerem Überlegen, fügte sie schlussendlich doch fest hinzu: Und ich glaube nicht, dass Ihr zukünftig ein Gefängnis von innen sehen werdet. Es stimmte schließlich. Sie glaubte nicht daran - sie wusste nur nicht, ob die Alternativen besser oder schlechter werden würden. Auch wenn sie auf ersteres hoffte. Und vielleicht bemerkte er die kleine Spitzfindigkeit ja nicht.
Naja. Man konnte ja hoffen.


Sie wurde sogar ein wenig rot und wandte den Blick ab, als Ian das Wörtchen "wir" so betonte. War sie es nicht immer gewesen, die auf Zusammenarbeit gepocht hatte? Auch wenn es ein wenig gemein von ihm war, das jetzt so einzusetzen. Dennoch... er hatte sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Ja, es handelte sich um
ihr Lichtschwert, dennoch, es war jetzt wichtig für sie beide, und im Geiste der Zusammenarbeit hatte er ein Mitspracherecht. Sie selbst hatte ihm so oft vorgeworfen, dass er Entscheidungen traf und sie nicht mit ihr besprach, dass er sie bevormundete. Touché, murmelte sie. Sie konnte immerhin eingestehen, wenn sie daneben lag. Ich hoffe nur, dass wir diese Lösung auch tatsächlich finden. Aber ja. Eine beinahe unwillkommene Erleichterung durchströmte sie bei der Erkenntnis, dass er ihr quasi diese Entscheidung abgenommen hatte. Unwillkürlich wanderte ihre Rechte an ihre Seite, um zu fühlen, ob das Schwert noch an seinem Platz war - was keinen Sinn ergab, denn sie konnte das gewohnte Gewicht durchaus spüren.
Plötzlich wurde ihr unangenehm bewusst, dass sie es aufgegeben hatte, sich abzuschirmen, spätestens gestern, als ohnehin alles zusammengebrochen war. Bisher hatte sie das nicht gestört, sie hatte eigentlich nichts zu verbergen. Nicht mehr, über dieses Stadium war sie hinweg. Aber in diesem Moment... als ihr das klar wurde war sie froh, dass sie sich wieder zum Gehen gewandt hatte, denn nun wurde sie wirklich rot.
Jetzt allerdings wieder damit zu beginnen, sich abzuschirmen käme einem Eingeständnis gleich, und dazu war sie dann doch zu stolz, wie sie sich unzufrieden eingestehen musste.
Sie widerstand mit Mühe dem Drang, die Augen zu verdrehen, als Ian noch weiter auf ihrem Vorschlag herumstichelte. Ein Lichtschwert war doch nicht vergleichbar mit
Ästen... Aber gut, er hatte seinen Punkt gemacht, da musste sie nun durch. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ein Lichtschwert wärmt nicht direkt. Solltet Ihr das nicht wissen? Arglos hob sie die Augenbrauen.

Die Macht ihnen den Weg weisen. Ja. Langsam begann sie wirklich darüber nachzugrübeln, weshalb weder sie noch Ian das Gefühl hatten, dass eine Richtung besser wäre als eine andere. So völlig orientierungslos, so völlig ohne Führung... Weshalb ließ die Macht sie beide so "im Stich"? Seit dem Absturz hier hatte sie kein bisschen instinktiv gefühlt oder gehandelt, was ihre Reise anging. Und wenn das einen Grund hatte, dann konnte das nur eines bedeuten - es war egal, wohin sie gingen, denn es machte keinen Unterschied. Es war alles aussichtslos.
Sie vertraute der Macht. Tief genug, dass sie sich schon allzuoft in lebensgefährliche Situationen begeben hatte, nur mit ihr und vielleicht ihrem Lichtschwert als Schutz. Dass jetzt so eine "Stille" herrschte machte sie schon ein wenig unruhig. Doch die Ansichten und Theorien über die Macht gingen auseinander. So viel die Jedi darüber auch philosophierten, keiner wusste alles über die Macht, ihre Mysterien, ihren Ursprung. Wie auch? Und so gab es verschiedene Ansichten darüber, inwiefern es den sogenannten "Willen" der Macht überhaupt gab. Woher konnte sie wissen, wie ihre Führung funktionierte?
Und vielleicht gab es doch mehrere Gründe, weshalb sie keinen Weg bevorzugen konnte. Vielleicht erkannte sie sie nur nicht.
Aber vielleicht... vielleicht auch nicht.
Sie seufzte.

Ja, es wäre zu einfach. Auch wenn ich zugeben muss... dass es mich ein wenig beunruhigt, dass da so gar nichts ist. Nun ja. Vielleicht war ja auch der Weg das Ziel. Oder Hilfe war schon längst unterwegs.
Positiv denken. Immer weiter positiv denken.


Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Ian
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Eowyn

Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, Eowyns Bemerkung unkommentiert zu lassen. Aber in den Tagen, in denen sie nun schon miteinander gereist waren, hatten sie beide schon unkluge Dinge von sich gegeben und aller Wahrscheinlichkeit nach, spielte eine weitere Bemerkung dieser Kategorie keine Rolle mehr. „Tja, da wären wir wohl schon zu zweit.“ Ein düsterer Unterton ließ sich nun kaum vermeiden. Er mochte nicht firm mit den Gesetzen der Neuen Republik sein, aber hin und wieder hatte Ian die HNN verfolgt und ihm war die Rechtsprechung beider Fraktionen nicht gänzlich unbekannt. Natürlich, da waren Überläufer von beiden Seiten gewesen. Alisah die von den Jedi zu den Sith gekommen war. Abgesehen davon, dass ihr Hintergrund für das Imperium wohl kaum eine Rolle gespielt hatte: Welchen Rang hatte sie schon gehabt? Sie war nur eine Adeptin gewesen. Ian hingegen war Exekutor und damit in der Rangfolge so gut wie am Ende der gesamten Ausbildung zum Sith. Wie sollte es da ein mildes Strafmaß geben? Und die ganz andere Frage war, ob er überhaupt ein mildes Strafmaß wollte. Er war ein Mörder. Kein einfacher Dieb und Kleinkrimineller. Selbst wenn er nie einen Jedi oder einen Bürger des Neuen Republik getötet hatte, er blieb, was er war und die Neue Republik konnte hier wohl kaum einen Unterschied machen. Vor allem dann nicht, wenn sie auch nur halb so selbstherrlich waren, wie die Sith sie beschrieben.
Ja, ein Gefängnis würde er wohl kaum von
innen sehen. Viel eher sein eigenes Grab und selbst wenn Ian glaubte, diese Strafe wirklich verdient zu haben, ängstigte sie ihn doch. Um das Thema zu beenden, sich selbst zu beruhigen und vor allem, um nicht als Feigling vor Eowyn dazustehen sagte er: „Aber ich werde sehen und mich dem, was auch immer mich erwarten wird, stellen.“

Was ihr Lichtschwert betraf, schien sie endlich zu begreifen, wie Ian erleichtert feststellte.

„Wir werden eine Lösung finden“, wiederholte er und ging weder auf die Röte ein, die er in ihrem Gesicht zu erkennen glaubte, noch auf ihr Touché. Hier ging es nicht darum, wer im recht war und wer nicht und Ian fieberte gar nicht darauf hin immer und unbedingt richtig liegen zu müssen. Allerdings entging ihm nicht, wie Eowyns Hand zu ihrem Schwert wanderte, entweder, um sich zu vergewissern, dass es noch da war, oder um vielleicht erleichtert festzustellen, dass es sich auch künftig noch in ihrem Besitz befinden würde. Also hatte er bei all seinen Vermutungen richtig gelegen und ihre Waffe bedeutete Eowyn mehr, als sie offen zugab. Das kleine Wirrwarr spürend, das von ihr auszugehen schien, sprach er Eowyn nicht darauf an und beschäftigte sich mit etwas anderem, um ihr nicht das Gefühl zu geben, sie schon wieder durchschaut zu haben. Schließlich war Ian sich nicht sicher, ob er tatsächlich richtig gelegen hatte und selbst wenn, sicher würde er daraus keinen Triumph ziehen. Bei allen Charakterschwächen die er besaß, ein wenig Anstand hatte er doch. Und dieser Anstand war es, der ihn Eowyn nicht ansehen ließ um ihre peinliche Berühmtheit –sofern man es so nennen konnte- nicht zu verstärken. Erst ihre nächsten Worte sorgten dafür, dass sich sein Blick in den ihren bohrte und Ian selbst war froh darüber, seine Abschirmung am Abend wieder aufgebaut zu haben. Er sollte wissen, dass ein Lichtschwert nicht wärmte? Sicher war es besser diese Aussage ihrem Humor zuzuschreiben, aber die unschuldig hochgezogene Augenbraue ließ ihn etwas anderes vermuten. Etwas, das ihm ganz und gar nicht gefiel und so gelang es Ian nur mit Mühe den aufkommenden Ärger, den er so deutlich spürte, hinunter zu schlucken. Selbst wenn er seine Gefühle abgeschirmt hatte, seinen Blick hatte er längst nicht mehr so gut unter Kontrolle, wie einst. Daran würde er dringend arbeiten müssen.Sicher“, kam seine Erwiderung, in der zwar kein Ärger mehr mitschwang, aber etwas, das stark in die Richtung des Beleidigten ging. Dabei verknüpfte er seine eigene Aussage, die sie durchaus als Stichelei gesehen haben konnte, nicht mit der ihren, was vermutlich gerade deswegen nur zu einer Fehlinterpretation führen konnte. Vor allem aber schwang sein eigenes Selbsturteil mit. Er als Mörder war sicher nicht darauf bedacht gewesen, irgendjemandem Wärme zu spenden. Genug!

Dann setzten sie ihren Weg weiter fort, begleitet vom Geräusch des Regens, der auf ihre Köpfe nieder prasselte und dem Geräusch ihrer Schuhe, die sich immer und immer wieder aus dem Schlamm lösen mussten. Und während des Wegen suchte ian fieberhaft nach einer Möglichkeit, die Raupen -neben der Flucht- abhängen oder besiegen zu können. Feuer hatte sie nicht abgehalten, näher zu kommen. Abgelenkt hatte sie aber das Bild des Gamorreaners. Würde auch ein Machtschrei helfen, es zu verjagen? Oder der Ruf eines Krayt-Drachens? Und was war, wenn er das nächste mal angestrengter versuchte die Fäden nicht nur abzulenken, sondern wirklich auf die Raupe zurück zu werfen? Würde das helfen? Er hatte keine Ahnung und eigentlich war all das auch nichts, was Ian unbedingt herausfinden wollte.


Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Eowyn
 
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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Ian

Was sollte sie darauf noch sagen? Ehrlich musste sie noch immer bleiben, es hatte sich nichts an ihren Überlegungen geändert. Sie hatte richtig gelegen, er rechnete offensichtlich mit dem Schlimmsten. Oder schloss es zumindest nicht aus. Und dabei tat er das alles nicht, weil er es musste, weil jemand ihn dazu zwang, nein. Er lief quasi bewusst ins offene Messer. Und das machte alles noch viel, viel schwerer... Wer vom Rat würde auf Lianna sein? Als sie losflog, waren sowohl Sarid als auch Chesara dagewesen. Aber das nun einige Zeit her, gut möglich, dass sie nicht mehr da waren. Eleonore noch vermutlich. Satrek war unterwegs gewesen, ebenso wie Wes. Wo der Rest steckte... sie hatte keine Ahnung. Dennoch, es machte keinen Unterschied. Sie würden nichts alleine entscheiden. Wer nun vor Ort war, das war nebensächlich.
Es war ein drohender Gedanke, der über ihnen schwebte. Und der alles nicht wirklich einfacher machte.
Was, wenn sie Wochen brauchen würden, um hier wegzukommen? Dann war das Virus vermutlich schon völlig ausgebrochen, unausweichlich. Ians Warnung würde so gut wie nutzlos sein
, die einzige Information wäre diejenige, dass der Imperator alles mit Vorsatz so arrangiert hatte, und das würde nicht mehr viel helfen.
Sie durfte diesen Gedanken nicht weiterdenken.
Das grenzte an Hochverrat.
Aber würde sie Ian ernsthaft aufhalten
können, wenn er sich entschloss, doch einen anderen Weg zu gehen? Es wäre ihre Pflicht, dessen war sie sich sicher, aber...
Es spielte keine Rolle. Erst einmal mussten sie von hier wegkommen. Alleine diese Chance war schon so gering, dass sie sich wirklich nicht über Dinge den Kopf zerbrechen musste, die niemals eintreten würden. Das waren nur Gedankenspielchen, die sie aus der Fassung bringen würden.
Ja, wir werden sehen. Es gab nichts anderes zu sagen. Es gab Dinge, da war sie nun einmal machtlos. Langsam erkannte sie es, langsam lernte sie, es zu akzeptieren.
Zumindest momentan.


Und jawoll. Ian gehörte offenbar auch zumindest zum Teil zu der Gruppe, die ihren Humor nicht verstand. Eowyn seufzte leise. Es war auch definitiv nicht der richtige Ort, nicht die richtige Zeit für Witze. Auch wenn es vielleicht einfacher wäre, wenn sie zumindest für ein paar Momente vergaßen, weshalb sie hier waren. Trotzdem, sie würde sich wieder zurückhalten. Falsch verstandender Humor konnte das wackelige Verhältnis zwischen ihnen nur drücken.

Es könnte so schön sein hier. Dieser Dschungel war so voll von interessanten Dingen - alleine die Bäume, gar nicht zu reden von den Pflanzen auf dem Boden. Tiere sah sie kaum, wenn sie allerdings ein Tier wäre, dann würde sie auch abwarten, bis der Regen nachgelassen hatte. Hin und wieder sah sie kleine braune Fellknäule verschwinden, und sie war sich nicht sicher, ob der eine Ast auch wirklich ein Ast gewesen war. Seine abstehenden Ästchen hatten verflucht wie viele kleine Beine ausgesehen. Allerdings war sie über die mehr oder wenige Abwesenheit der Tierwelt auch gespaltener Meinung. Über kurz oder lang würden sie jagen müssen, aber andererseits war sie auch froh, keine Tiere zu sehen - sie wusste schließlich nicht, welche Tiere hier gefährlich waren. Dem Ungetüm vorhin hatte man es auf Anhieb angesehen, aber es gab genug Tiere, die unauffällig und unschuldig aussahen, aber tödlich waren.
Dennoch, die Pflanzenwelt war faszinierend. Die Farben teils so intensiv, die Formen außergewöhnlich. Wenn... ja, wenn da nicht der Regenguss wäre, ungeheuer große Raupen und... der ganze Rest eben. Beiläufig strich sie hin und wieder über ein paar Blätter, an denen sie vorbeiging, und genoss ihre unterschiedlichen Strukturen. Samtig, weich, kalt, voller Adern, wächsern. Die Vielfalt war beeindruckend. Die teils riesigen Blüten hingegen waren atemberaubend, unter denen sich manchmal noch kleinere, aber nicht weniger ansehnliche Blumen versteckten, wie sie hin und wieder zufällig sah. Es war eine so andere Welt hier, kein Vergleich zu Lianna oder gar Coruscant. Und auch nicht zu Tirahnn. Wildnis, wohin das Auge reichte. Würde Eowyn hier nicht so in der Patsche stecken würde sie es schön finden, dass es solche Orte gab.
Aber sie steckte in der Patsche, und damit war der Reiz des Neuen und Unbekannten leider nur eine kurze Ablenkung. Wenn auch eine willkommene.
Sie schob zum was-wusste-sie-schon-wievielten-Male einige Blätter beiseite, um sich einen Durchgang zu schaffen, als zwei große, kugelrunde Augen sie anstarrten und Eowyn erschrocken zurückfuhr.


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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Eowyn

Er würde sich stellen. Und nicht als Feigling dazustehen war da nur der kleinste, winzigste Grund, wenn er überhaupt als solcher herangeführt werden konnte. All das, was geschehen war, seit Nar Shaddaa hatte Ian nur mehr bekräftigt, diesen Weg zu gehen und bei allen Irrwegen auf denen er bis jetzt gewandelt war, war es das erste Mal, das Ian sich absolut sicher war, den richtigen zu gehen. Da waren genug Missionen gewesen, die eigentlich seinen Tod gefordert hatten und jedes Mal war er ihm entronnen. Ein verdeckter Tod hatte auf ihn gelauert und nun war es eher so, als wäre jener aus seinem Versteck hervorgekrochen um sich offen zu zeigen. Ihn sichtbar zu rufen. Dabei war das absurde an dieser Sache, dass diese so offensichtliche Tatsache viel beängstigender war. Aber das spielte keine Rolle. Ängste galt es zu besiegen und größer als die Angst vor dem eigenen Tod war der Wunsch endlich etwas richtig zu machen. Bereinigen konnte er nichts mehr, wieder gut machen auch nicht. Aber wenn seine letzte Chance darin bestand, etwas richtig zu machen, dann ergriff er diese und dabei spielte jede darauf folgende Konsequenz keine Rolle. Sicher, spätestens, wenn er kurz vor dem Eingang des Ordens stehen würde, würde die Herausforderung ihn ein weiteres Mal überfallen. Aber auch diesen letzten Schritt würde er tun. Letzter Schritt. Das Wort war in dieser Hinsicht so furchtbar doppeldeutig, brachte Ian sogar kurz dazu, zu frösteln. Ja, sie würden sehen, wenn sie endlich hier weg kamen. Va’art hielt sie auf, aber er würde diesem Mond nicht die Kraft und die Macht geben, ihn ewig aufzuhalten. Sie würden von hier verschwinden, davon war Ian felsenfest überzeugt. Auch wenn noch nicht sicher war, wie es ihnen gelingen würde, diesen Mond zu verlassen. Es würde gelingen, weil es gelingen musste.

Der Weg wurde nicht einfacher, weil der Boden mehr und mehr aufweichte und der Regen ihnen zusehends die Sicht nahm. Eigentlich war es fast nur noch möglich auf den Boden zu starren, weil ihnen der Regen ins Gesicht peitschte. Dennoch schirmte Ian sein Gesicht hin und wieder mit der Hand ab um in die Ferne zu sehen und um angestrengt zu schauen, ob sie wieder auf eine Raupe treffen würden. Viel wahrscheinlicher aber war, dass jedes halbwegs intelligente Wesen jetzt in seiner wohligen Höhle oder wo auch immer saß, um darauf zu warten, das der Regen endlich nachließ. Dennoch, eigentlich konnten Eowyn und Ian sich glücklich schätzen, auf Va’art und nicht woanders gelandet zu sein. Sie hätten es deutlich schlimmer treffen können. Ein Wüstenplanet beispielsweise oder eine Eiswelt. Va’art konnte, wenn man sich Regen und Riesenraupen wegdachte, fast schon als gemütlich bezeichnet werden. Ein riesiger Dschungel mit einer Vielfalt von Pflanzen, die Telos nur vermissen lassen konnte. Nicht einmal der Garten der Dices konnte mit einem Dschungel mithalten und das, obwohl Jerome viel Zeit und Arbeit in ihn investiert hatte. Dabei war Ian völlig unverständlich, warum er jetzt gerade an seine Familie denken musste, wo er sich doch eigentlich Gedanken darüber machen wollte, wie er und Eowyn dem nächsten Raupenangriff standhalten konnten. Jerome hatte chemische Mittel gegen Ungeziefer verwendet. Der Dunkelhaarige schüttelte den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben, aber er scheiterte. Wie konnte ein Mann wie Jerome so viel Liebe in seinen Garten verwenden und Ian im Gegenzug dazu.

Hör auf damit.

Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen, überhaupt gab es für solcherlei Gedanken keinen richtigen Zeitpunkt. Es war unnötige, verschwendete Zeit. Verschwendete Gedanken. Was, wie und warum spielte keine Rolle mehr. Jetzt galt es seine Aufmerksamkeit darauf zu fokussieren, was hier auf Va’art geschah und was sie dafür tun konnten, nicht nur von hier zu verschwinden, sondern auch lange genug zu überleben, um verschwinden zu können. Seine Gedanken hatten Ian derart abgelenkt, dass er beinahe mit Eowyn zusammenstieß, die einen Schritt zurück machte und auf irgendetwas starrte. Automatisch wanderte Ians Hand zu dem geliehenen Blaster, als er die beiden gelblichen Augen sah, die aus einem Gesicht hervortraten und Eowyn fixierten. Um was auch immer es sich handelte, es war klein, pelzig und es hatte seine Finger, die weniger flauschig als der Rest des Wesens waren, um einen Ast geschlungen. Man hätte es sogar als niedlich bezeichnen können, so wie es dasaß, Eowyn nahezu hypnotisiert anstarrend. Da ging keine Gefahr von ihm aus, zumindest nicht spürbar. Aber warum saß es mitten im Regen? Sein braunes Fell war noch längst nicht durchnässt und schien den Regen ein wenig abzuweisen. Und wie es so da saß, konnte Ian dem Drang, vorsichtig die Hand auszustrecken, nicht widerstehen. Da erst bewegte es sich wieder, schwerfällig, langsam, irgendwie humpelnd und da erkannte Ian, dass es verletzt sein musste. Es hatte sich kaum fünf Zentimeter bewegt, als es sitzenblieb und Eowyn erneut entgegen sah. Was eigentlich Beute oder etwas Essbares für sie darstellen konnte, war für Ian unmöglich als solches zu sehen und was auch immer ihn dazu verleitete zu sagen:
Ich glaube, es ist verletzt, wir müssen ihm helfen“, klang viel mehr nach einem kleinen Jungen, als nach einem erwachsenen Mann.

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Eowyn und einem pelzigen Wesen :kaw:
 
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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Ian und knuffigem Pelztier

Eowyn lächelte ein wenig verlegen, als sie sofort erkannte, dass die Augen vor ihr nicht zu einer Bedrohung gehörten, sondern zu einem kleinen Tier - einem zugegebenermaßen sehr süßen, kleinen Tier. Die riesigen Augen starrten Eowyn an, und ihr Herz schmolz bei diesem Anblick regelrecht dahin. Was für ein Unterschied zu dem riesigen Tier zuvor. Sein sonderbares Fell glänzte, und es wandte den Blick nicht von ihr ab. Womöglich hatte es sich genauso erschrocken wie sie selbst und wagte es jetzt nicht wegzusehen, aus Angst, sie würde ihm etwas tun. Aber wie könnte man diesem kleinen Wesen etwas antun? Seine Niedlichkeit, seine kugelrunden Augen sorgten vermutlich schon automatisch dafür, dass jedes halbwegs intelligente Wesen nur den Drang verspürte, es zu beschützen, nicht, es zu verspeisen. Denn obwohl es das erste Tier war, das für ein Mittagessen in Frage käme, dachte Eowyn nicht eine Sekunde daran.
Kein Wunder, dass auch Ian nicht widerstehen konnte, vorsichtig seine Hand auszustrecken. Sie hätte damit gerechnet, dass es jetzt sofort die Flucht ergreifen würde, aber nein, es rückte nur ein Schrittchen zur Seite... War es so zahm, hatte es so wenig Angst? Nein. Ians Erklärung klang realistischer, und als Eowyn die Bewegungen des Tieres genauer beaboachtete sah sie es auch. Der mitleiderregende Blick, den es Eowyn dann wieder zuwarf sorgte dann dafür, dass auch ihre letzte Zurückhaltung aufgegeben wurde.

Eowyn nickte. Das war gar keine Frage... Vorsichtig näherte sie sich wieder dem kleinen Pelznkäuel, sandte beruhigende Gefühle aus und berührte es schließlich zart mit ihren Fingerspitzen.
Na, mein Kleiner?, murmelte sie besänftigend. Das Tier zuckte nicht zurück, und so wurde sie ein wenig mutiger. Das Fell fühlte sich fremdartig seidig an, gleichzeitig nass und trocken, und sie strich sanft darüber. Anfangs zitterte es noch ein wenig, doch das ließ bald nach. Was hast du denn, hm? Während sie mit einer Hand weiterhin über das Fell strich untersuchte sie behutsam die fellbehangenen Beine. Das eine Hinterbein sah böse aus, zumindest das, was sie erkennen konnte. Autsch, zuckte sie mitleidig zusammen. Das sieht tatsächlich übel aus... Kein Wunder, dass der Kleine kaum lief und sein Schwänzchen nur schlaff den Ast hinabhing. Wenn sie ihm wirklich helfen wollten wäre es allerdings vielleicht geschickter, es näher an sich dran zu haben, und vor allem ein wenig festhalten zu können.
Ununterbrochen weiterstreichelnd begann sie, allmählich die kleinen Fingerchen vom Ast zu lösen und nahm es schließlich langsam auf den Arm, darauf bedacht, das Hinterbein nur wenig und von unten zu berühren. Wie war das nur geschehen? War es irgendwo hängengeblieben, hatte ein anderes Tier es attackiert?
Schschsch... machte sie, als das Wesen nun endlich bemerkte, dass es seinen gewohnten Ast verlassen hatte, plötzlich in einer anderen Umgebung war und sich ein wenig unruhig zu räkeln begann. Beruhigend ließ Eowyn ihre Hand auf seinem Rücken ruhen, als sie zu Ian aufsah. Könnt Ihr da irgendetwas machen? Das kleine Gewicht lag warm in ihrem Arm - seltsam, wie es so trocken blieb, obwohl Eowyn selbst die Regentropfen in Bächen hinunterliefen. Aber andererseits war das nur sinnig. In einer Umgebung wie dieser musste ein Tier sich eben anpassen - oder es blieb auf der Strecke.
Seine Augen blickte Eowyn unentwegt an - noch immer so mitleiderregend, dass sie das Gefühl hatte, auf es aufpassen zu müssen. Wie konnte etwas nur
so einnehmend und niedlich sein?

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Ian und knuffigem Pelztier auf dem Arm
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Eowyn und einem pelzigen Wesen


Dieses Tier bildete einen extremen Kontrast zu der Raupe, mit der sie Bekanntschaft gemacht hatten, denn es war das komplette Gegenteil von jener. Klein, pelzig, harmlos und ja, es gab kein anderes Wort als niedlich dafür. Sein kleiner Fluchtversuch, als Ian die Hand nach ihm ausstreckte scheiterte, aber ohnehin war es – genau wie die Raupe zuvor- nur auf Eowyn fixiert. Ein Lächeln huschte über Ians Gesicht, bei dem Gedanken, dass sie scheinbar jedes Tier in ihren Bann zog. Am Ende war sie Eowyn die Meisterin der Tierbetörerinnen? Zumindest schien sich das zu bestätigen, als sie das Tierchen vorsichtig streichelte und es dann vom Baum löste, um es in ihren Armen zu wissen. Und Ian kam gar nicht umhin dieses Bild vielleicht einen Moment zu lange zu betrachten. So wie sie dastand, behutsam auf das Tierchen einredete und es streichelte, löste es etwas längst Vergessenes in Ian aus. Und hätte er in diesem Moment einen Spiegel gehabt und gewagt, sich anzusehen, hätte er in ein viel jüngeres Gesicht geblickt, mit einem Lächeln und einem Ausdruck in den Augen, als hätte er nie etwas Schlimmes gesehen.

Ian gelang es erst seinen Blick von Eowyn und dem Tier loszureißen, als sie ihn offensichtlich ansprach und in einer Geste der Verwirrtheit, als wäre das, was sie sagte, schon vor fünf Minuten fällig gewesen, schüttelte Ian den Kopf um anschließend zu nicken.

„Ich weiß nicht“, murmelte er scheinbar gedankenverloren, als er sich das Tier näher ansah, ohne es zu berühren und dann seine Machtsinne hinaus sandte, um es auf andere Art zu sehen. Dabei waren die Quelle und der kleine Schmerzherd, der nun eindeutiger von dem Tier ausging deutlich spürbar. Das Bein war aus dem kleinen Gelenk gesprungen, wahrscheinlich war das Tier unglücklich gestürzt. Da war keine weitere Verletzung, nur das ausgekugelte Gelenk.
Die Stimme nun selbst in seltsamer Sanftheit verzerrt, ein wenig fremd, wandte Ian sich an das Tierchen, machte einen Schritt näher auf es zu.
Ich werde dir nicht weh tun.“ Langsam, streckte er erneut die Hand aus und diesmal –in Sicherheit von Eowyns Arm- versuchte es nicht, zu fliehen. Und während Ian behutsam mit Zeige- und Ringfinger über das samtene, pelzige Köpflein strich, suchte er es mit der Macht zu beruhigen, es den Schmerz so wenig wie nötig wahrnehmen zu lassen, um den Heilungsprozess einzuleiten. Ein winziges Zucken ging durch den Körper des Tieres und dann war das Bein auch schon wieder in der richtigen Position. Kurz trafen sich die Blicke des kleinen Wesens. Es schien, als würde diese stumme Geste bedeuten, dass sie nun wussten, dass keiner dem andren etwas tun würde. Vielleicht war es auch nur Einbildung. In jedem Fall war es geheilt und schien sich ein wenig mehr an Eowyn zu schmiegen.
„Ich glaube, es ist wieder gesund.“ Seine Stimme sollte besser auch wieder einen normalen, gesunden Tonfall annehmen und so räusperte Ian sich, mit einer Mischung aus Scham und Verlegenheit. „Vielleicht hat es Hunger…“, war sicher nicht das, was er sagen wollte, aber die Worte fanden allein den Weg aus seinem Mund.Er räusperte sich erneut. "Sicher ist es klüger, es hier zu lassen und weiter zu gehen."

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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit knuffigem Pelztier auf dem Arm - und Ian

"Ich weiß nicht" klang schon einmal besser als "nein, ich bin doch kein Tierarzt". Spielte es eine Rolle, ob man sich um kleine oder große Lebewesen kümmerte? Vermutlich allerdings nicht. Darüber hatte sie sich noch nie Gedanken gemacht... Vielleicht musste man vorsichtiger sein, und natürlich konnte man einem Tier nicht erklären, was gleich geschehen würde. Aber Ian widmete sich der Sache mit seiner vollsten Aufmerksamkeit. Das kleine Bein stand völlig falsch ab, es musste dem Tier furchtbare Schmerzen verursachen.
Die Sanftheit in Ians Stimme stand völlig im Kontrast zu dem Tonfall, den er noch vorhin genutzt hatte. Als er sich nun genauso sanft auf das Fellknäuel auf ihrem Arm konzentrierte wandte auch sie sich wieder dem Tier zu, um es weiterhin zu beruhigen, während ein leichtes Lächeln ihre Lippen umspielte. Wenn dieses es sogar schaffte, dass der sonst so abweisende und eisern auf Abstand bedachte Ian sanft und wurde... Naja, dann brauchte sie sich nicht wundern, wenn sie selbst sich völlig in den süßen, treu blickenden Augen verlor. Es war überhaupt nicht ihre Schuld. Sie war wohl schlicht machtlos.


Sie spürte sowohl physisch als auch durch die Macht sofort, als Ian eingegriffen hatte, aber offensichtlich hatte seine Vorsicht sich gelohnt. Es sprang weder panisch von ihrem Arm, noch schrie es irgendwie auf. Im Gegenteil, jetzt schien es sich auf ihrem Arm richtig wohl zu fühlen, und Eowyn war dem theoretisch nicht abgeneigt. Es war ein schönes Gefühl, sich um etwas zu kümmern, das die Hilfe anstandslos akzeptierte, etwas, das dankbar dafür war - und vor allem, etwas, dem sie auch wirklich helfen konnte. Na gut. Den Großteil der Hilfe hatte wohl Ian übernommen. Dennoch, diese kleine Sache füllte ihr Herz, ließ sie ein wenig durchatmen. Kleine Schritte, kleine Dinge. Nie hatte sie das so deutlich gesehen wie gerade eben. Kaum Aufwand für sie beide... aber für dieses kleine Tierchen bedeutete das die Welt. Wieso hatte sie das bisher nicht sehen können?
Abgesehen davon war es auch schön, diese Dankbarkeit direkt zu spüren.

Das Gefühl habe ich auch. Wie gebannt blickte Eowyn auf das kleine Wesen in ihrem Arm, spürte seine kleinen Finger auf ihrem Arm. Ians ruhiger, sachter Tonfall passte wunderbar in ihre Gedanken, erst als er sich räusperte kehrte sie langsam wieder in die Wirklichkeit zurück. Hunger? Ihre Stirn kräuselte sich. Vermutlich. Mit dem verletzten Bein hatte es wahrscheinlich nur schwer etwas zu fressen finden können. Jetzt sollte es eigentlich wieder alleine klarkommen. Sollte sein andauerndes Räuspern ein dezenter Wink mit dem Zaunpfahl sein, dass es nun aber genug war mit der Marschpause? Ja, das ist es wohl... Mit einem Seufzen und einem leisen Bedauern hob Eowyn ihre Arme und setzte das Tier behutsam wieder zurück auf seinen Stamm. Immerhin, gut zu wissen, dass Va'art durchaus auch nette Dinge zu bieten hatte. Ein kleiner Lichtblick am regenverhangenen Horizont.

Sie warf den großen Augen einen letzten Abschiedsblick zu, um sich dieses Bild im Gedächtnis zu halten. Für schlechtere Zeiten... und um sich zu erinnern. Dann also weiter.
Langsam nahm sie den Regen schon gar nicht mehr wirklich wahr. Das Prasseln klang unaufhörlich in ihren Ohren, und sie musste sich ganz schön konzentrieren, immer noch auf verdächtige Geräusche zu achten. Sie gingen eine Weile weiter, bis Eowyn beschloss, dass sie es wirklich wissen wollte.
Nur aus reiner Neugier... was ich mich gefragt habe... macht es für Euch bei der Heilung einen Unterschied, ob es ein kleines oder... Sie blieb stehen. Bildete sie sich das ein? Schon seit geraumer Zeit meinte sie, ein dauerhaftes, leises Rascheln zu hören, das vorhin nicht dagewesen war, aber so hauchzart, dass sie sich einfach nicht sicher war. Beunruhigt suchte sie die Gegend ab, konnte aber keine Gefahr spüren. Würde sie von diesem Riesenvieh von vorher allerdings überhaupt eine ausgehende Gefahr spüren? Hört Ihr das eigentlich auch? Der Regen war nun wirklich hinderlich. Sie sahen so wenig von ihrer näheren Umgebung.
Langsam drehte sie sich um sich selbst. Sie war doch nicht bescheuert. Da war etwas gewesen... aber nun war es wieder weg.
Bis sie urplötzlich eine Gewichtsveränderung auf dem Rucksack spürte und in einer fließenden Bewegung aus dem Rucksack schlüpfte.


Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und ???
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Eowyn und einem pelzigen Wesen

Für jemanden der über so lange Zeit kaum noch etwas empfunden hatte, war dieses kurze, durch den Regen nur undeutlich zu erkennende Bild dennoch fast so, als blende ihn die Sonne. Was Ian sah und vor allem fühlte, war für diesen Moment kaum zu überbieten. Sicher, es mochte nur Eowyn sein, die schlicht ein kleines Tier in den Armen barg und sanft und behutsam auf es einredete. Ein einfaches Bild, eine einfache Geste, sicher nichts, was für irgendwen von großer Bedeutung gewesenen wäre. Nichts, was unbedingt auffällig oder besonders war. Nichts, was nicht irgendwo anders ständig geschah. Warum also rührte es Ian so an? Schlicht, weil das, was er sah, nicht in die Welt passte, in der er bisher gelebt hatte? Weil er jetzt eine Realität sah, an die er zu glauben aufgehört hatte? Frieden in kleinen Dingen. Das Nichtausnutzen einer stärkeren Position. Was Ian sah, passte viel eher zu längst vergessenen Wünschen und nicht zur Realität. Und jetzt verband sich etwas Surreales mit etwas Realem und das war äußerst seltsam. Als dränge sich etwas in der Vordergrund, was eigentlich zu weit entfernt war. Sein Kopfschütteln und das darauffolgende Nicken so wie sein Satz, waren wohl nur ein kleines Zeichen der Überforderung. Aber fest stand ohnehin etwas anderes: Dieses Bild würde er nicht vergessen. Weder das Bild, noch das Gefühl, das es ausgelöst hatte.

Ian wiederstand dem Drang, Eowyn den Vorschlag zu unterbreiten, das Tierchen einfach mitzunehmen, auch wenn genau das vielleicht ein innerer Impuls gewesen wäre. Peinlich genug. Dieser Gedanke war absurd, zumal es hier in den Dschungel gehörte und nicht zu ihnen. Allein die Überlegung, dass Tier könnte Hunger haben und das laute Aussprechen dieser, sorgte ohnehin schon dafür, dass Ian seltsam warm wurde. Bloß, das man ihm weitaus weniger –praktisch gar nicht- ansehen konnte, wenn er verlegen war. Rot geworden war er nur ein einziges Mal, in einer gänzlich anderen Situation.



Mit einem Seufzen setzte Eowyn das Tier schließlich zurück auf den Ast und die beiden Menschen setzten ihre Wanderung fort, nicht ohne, dass Eowyn sich noch einmal umblickte.
Ein kleines Rascheln war zu hören, das Ian geflissentlich ignorierte. Auch wenn sich genau in diesem Augenblick ein kleiner Verdacht in dem Dunkelhaarigen zu regen begann, ihm nachgehen würde er sicher nicht. Keine Raupe, keine Gefahr und damit auch keine Notwendigkeit dem Geräusch mehr Beachtung zu schenken. Für einen Nichtmachtnutzer hätte der Regen vermutlich alles übertönt, tatsächlich aber schien das Rascheln –das Ian im Gegenzug umso deutlicher hörte- nicht zu verschwinden, sondern ihn und Eowyn leise zu begleiten. Während die Jedi sich umsah, versuchte Ian weitaus gelassener zu reagieren, denn sein Verdacht wurde zu einer kleinen Vorahnung. Eowyn, nun doch wieder im Hier und Jetzt, setzte zu einer Frage an, um schlussendlich doch innezuhalten und Ian zu fragen, ob er es auch hörte. Dabei musste sie
das gar nicht definieren. Er hörte es, wahrscheinlich genau wie sie, schon die ganze Zeit. Während Eowyn sich um die eigene Achse drehte, versuchte Ian sich an einem unschuldigen Gesicht, denn aus den Augenwinkeln heraus sah er, was er ohnehin schon in Verdacht gehabt hatte. „Ich höre es auch“, grinste er halb und wollte Eowyn gerade beschwichtigen, als ein dumpfes Geräusch ertönte, das eindeutig vom Rucksack herrührte, den Eowyn augenblicklich fallen ließ. Bevor er den Boden erreichen konnte, hielt Ian ihn allerdings mit der Macht fest und so schwebte er nahezu in gleicher Höhe wie Eowyns Rücken, vor ihnen.
Das Wesen war ihnen nicht nur gefolgt, sondern hatte sich geradewegs auf den Rucksack plumpsen lassen
. „Ich hab doch gesagt, es hat Hunger“, stellte Ian fest und verkniff sich mühsam ein Lächeln, als er zurück zu einem anderen Gedanken kam. Eowyn, Meisterin der Tierbetörer. Dann griff er vorsichtig um den Rucksack herum. „Wenn Ihr es kurz herunter nehmt, kann ich einen Energieriegel aus dem Rucksack holen.“ Verschwendung? Wahrscheinlich. Aber sie befanden sich im Dschungel, sie würden etwas finden. „Es sei denn, es spricht irgendetwas dagegen.“ Und da kehrte seine kindliche –wie sonst hätte er sie beschreiben sollen?- Freude auch schon fast wieder zurück. Ohnehin hatte er sich abgeschirmt, was sollte ihm da also peinlich sein? Dagegen das Tier zu füttern, sprach im Übrigen viel. Nicht nur der Mangel an Riegel, nein. Es zu füttern würde sein ohnehin schon zu stark vorhandenes Zutrauen nur weiter schüren und da es ihnen bis eben gefolgt war, würde es das vielleicht weiter fortsetzen. Aber warum sollten sie sich daran stören, wenn sie einen Begleiter hatten?

Falscher Gedankengang.

Aber... welche Rolle spielte das schon?


Dschungelmond von Va'art, im Dschungel mittendrin, mit Eowyn (der Tierbetörerin :D) und einem pelzigen Verfolger
 
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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und ???

Er hörte es auch? Es klang aber nicht so, als ob Ian sich Sorgen machen würde. Eowyn warf ihm gerade einen irritierten Blick zu - wusste er mehr als sie? Weshalb grinste er so? - als das Gewicht auf ihrem Rucksack landete. Ihre Hand war schon auf halbem Weg zu ihrem Lichtschwert, als sie sich umgedreht hatte und verblüfft sah, dass der Rucksack nicht etwa auf den Boden gefallen war, sondern in der Luft schwebte. Viel verblüffender war jedoch der Anblick des kleinen Tierchens, und nach einer kurzen Begriffsekunde musste Eowyn unwillkürlich lachen. Ach je, war sie schreckhaft geworden! In dieser Umgebung zwar vermutlich eher eine nützliche Sache, aber um ein Haar hätte sie das arme Tier heftig auf den Boden fallen lassen. Wenn, ja wenn... Darum hatte er so gegrinst. Woher hatte er es gewusst? Sie zog die Augenbrauen hoch und blickte zu Ian.
Weshalb habe ich nur das Gefühl, dass Ihr nicht einmal halb so überrascht seid wie ich?
Das bisschen Ruckeln schien dem Wesen nicht viel ausgemacht zu haben. Es lag weiterhin bequem auf dem Rucksack und blickte mit seinen großen Augen ruhig um sich. Der Platz schien ihm zu gefallen, und es machte keine Anstalten, herunterzuspringen. Hunger. Ah ja, meinte sie nüchtern. Da war es langsam nicht das einzige Wesen hier. Ihr scheint Euch ja gut auszukennen. Ihr beide habt aber nicht zufällig geheime Absprachen getroffen? fragte sie das Tier, während sie sich ihm wieder vorsichtig näherte. Warum war es nur so verdammt niedlich, wie es dalag und sich mit seinen Fingerchen festhielt, die kleinen Ohren neugierig aufgestellt? Es wehrte sich kein bisschen, als Eowyn es auf den Arm nahm. Nein, im Gegenteil, es kuschelte sich wieder zutraulich an sie und legte sich zurecht, das Schwänzchen gemütlich eingerollt.

Nur zu... nickte sie Ian zu. Es wird ohnehin nicht sonderlich viel davon futtern können. So groß ist es ja nicht, und wenn mir so ein Riegel für einige Zeit ausreicht... Auf die paar Brocken kam es nun auch nicht an.
Schief blickte sie auf das Durcheinander von Fell, Schwanz, Fingern, Ohren und Nase auf ihrem Arm. Du hast es ja bequem. Und erreicht, was du wolltest, hm? Beim Klang ihrer Stimme hob das Tier ein Ohr, reagierte aber ansonsten gar nicht. Das nehme ich als Zustimmung... murmelte Eowyn, auch wenn nicht verstand, was an einem Arm oder Rucksack bequemer sein sollte als auf dem Ast. Im Gegenteil, der Ast war vermutlich bei weitem nicht so nass gewesen wie sie es war. Aber spürte das kleine Tier das überhaupt mit seinem beinahe wasserabweisenden Fell?
Der Energieriegel war bald gefunden, und kaum hielt Eowyn dem Tier ein kleines Krümelchen vor die Nase bewegte es sich wieder und schnupperte. Ein wenig misstrauisch beäugte es sie, dann wieder den Krümel auf der Hand, bevor es schließlich eine lange Zunge ausfuhr und den Krümel mit einer schnellen Bewegung von der Hand schnappte. Kurze Zeit später tauchten die großen Augen, die wieder im Fell verschwunden waren, wieder auf und starrten sie an. Hat's geschmeckt? fragte sie trocken und hielt einen weiteren Brocken auf ihrer Hand hin, der sogleich wieder verschwunden war. Die Zunge auf ihrer Hand kitzelte, aber es war kein unangenehmes Gefühl.
Wollt Ihr es auch mal versuchten? fragte sie Ian grinsend.

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und Fellkugel
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und einem kugeläugigen Pelztier

Unschuldig hob Ian die Schultern.Weil Eure Logik vielleicht schlüssiger ist als meine, meine Paranoia dafür etwas sensibler?“ Natürlich konnte er auch sagen, dass Gefühle eine seltsame, manchmal trügerische Sache waren. Aber er hatte das kleine Tier allein deshalb schon früher wahrgenommen, da er es gewohnt war mehr, als nur ein wenig Acht auf seine Umgebung zu geben. In der Zeit, in der er mit Alisah zusammen gewesen war, hatte seine Vorsicht nicht ausgereicht und Ian hatte zwangsläufig gelernt, Augen und Ohren überall zu haben. Nicht umsonst waren Verschleierung und Abschirmung zwei der eher passiven Fähigkeiten, die er bemüht und fleißig gelernt hatte. Eowyn leicht erschreckt, dann lachend, Ian die Ruhe selbst und dann das Tierchen, das sich umsah, als liefe alles seinen gewohnten Gang, waren ein Bild für die Götter und spätestens Eowyns nächster Kommentar in Verbindung mit ihrem vorherigen Lachen, sorgte dafür, dass Ian seine Zurückhaltung verlor, kurz ein das Lachen einstimmte und auch sein Lächeln nicht länger zurückzuhalten versuchte.
„Ich schätze die zwei Sekunden, die wir uns Auge in Auge gegenüberstanden, haben eine gewisse Verbindung geschaffen. Sicher nicht so stark wie die Eure, aber absolut ausreichend,“ war die stellvertretende Antwort Ians, die durch einen kurzen Blick des Pelztieres zu ihm wie bestätigt schien.

Als Eowyn es vom Rucksack hob, kuschelte es sich Augenblick wieder in ihrem Arm. Völlig eindeutig, wer da Absprachen getroffen haben musste. Doch ein Kommentar in diese Richtung genügte und so kramte Ian, mit einem wissenden Lächeln einen Energieriegel hervor, um die Packung zu öffnen und ihn der Tierbetörerin ( :D ) zu reichen. Wer hätte gedacht, sie so etwas wie Normalität auf Va’art erleben würden? Wobei Normalität der denkbar schlechteste Ausdruck war. Vielleicht Normalität für Eowyn. Für Ian hingegen mehr etwas wie… angenehme Abwechslung? Das behüten und beschützen oder gar Kuscheln mit pelzigen Wesen gehörte sicher nicht zu den Alltäglichkeiten des Sith Ordens und wahrscheinlich wäre ein solches Wesen viel mehr ein wunderbares Experimentierexemplar gewesen. Doch diese düsteren Gedanken sollten den Dunkelhaarigen diesmal nicht einholen. Nein. Das Tier zumindest beäugte den Riegel erst misstrauisch, ehe es doch vorsichtig seine Zunge nach dem Krümel ausstreckte und in scheinbarer Zufriedenheit über die Nahrung kaute um Eowyn, kaum dass es fertig war, auch schon wieder anzusehen, in stummer Aufforderung nach etwas mehr. Gab es so etwas wie ein Dauergrinsen, schien Ian genau davon befallen zu sein. Es wollte erst ein wenig weichen, als Eowyn wissen wollte, ob auch Ian einmal probieren wollte, das Tier zu füttern. Es zu tun, schien genauso absurd, wie es bleiben zu lassen. Und doch sah Ian einen Moment zu der Jedi, zu dem Riegel und zu dem Tier, um sich kurz, aber sehr ernsthaft die Frage zu stellen, ob er es tatsächlich füttern wollte. Das Kind, das irgendwo in seinem inneren schlummerte war begeistert, aber alles andere?

Hör auf zu denken.

Er befand sich auf Va’art, Lichtjahre von Bastion entfernt und wem wollte er etwas bewiesen? Oder besser, vor was ängstigte er sich? Davor, zu viel zu fühlen?
Es dauerte einen Moment, ehe Ian sich einen Ruck gab, ein Stück des Riegels abbrach um es schlussendlich, mit leichtem Zögern und nicht völlig ohne Bedenken, auf seine offene Handfläche zu legen. Und kaum, dass er es darauf gelegt hatte, war der Krümel auch schon verspeist. Die Zunge war seltsam war, ein klein wenig kitzelnd und als es Ian für einen Moment so war, als könne er sich selbst beobachten, kehrte sein Räuspern, das er nun selbst als nicht ganz unoffensichtliches Zeichen von Verlegenheit erkannte, zurück
. „Ich äh, schätze, ihm hat es geschmeckt.“ Schlussendlich aber siegte das Lächeln doch. „Scheint so, als hätten wir von nun an, einen kleinen Begleiter, hm?“ Denn das Tier sah nicht wirklich so aus, als wolle es den Platz bei Eowyn gegen den an einem Ast eintauschen.

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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und Fellkugel

Ians unschuldige Erklärung war so sinnig, dass es darauf keine Antwort gab. Eowyns Sinne waren zwar geschärft, aber wenn sie Ians Leben bedachte... naja, dann zog sie wohl vermutlich den Kürzeren. Aber wirklich fies von ihm, sie einfach so ins Leere laufen zu lassen. Und sich dabei auch noch köstlich zu amüsieren. Er hatte ja wohl wirklich seinen Spaß gehabt, es musste auch zu komisch ausgesehen haben, als das kleine Ding auf ihr landete und sie so ruckartig reagiert hatte... Sie gönnte es ihm, er hatte es bitter nötig. Es war schön, ihn kurzzeitig so befreit zu sehen, nicht im Gedanken an das, was kommen würde oder das, was hinter ihm lag. Wenn es half würde sie sich noch ein paar Mal erschrecken wie ein Anfänger. Sie hatte schon weitaus dümmere Sachen einfach so getan, auch und vor allem in den letzten Tagen.
Nur, so einfach war es leider nicht.

Ich habe keine Ahnung, was es an meinem Arm so gemütlich findet, war Eowyns ehrliche, aber nicht undankbare Antwort. Aber vielleicht spürte es auch mit den manchmal sonderbaren Instinkten von Tieren, dass sie seine Nähe als genauso angenehm empfand wie vermutlich das Tier selbst. Nähe, Wärme, Geborgenheit. Nichts, was im Leben von Jedi alltäglich war, oder zumindest nicht in dem ihren. Und dennoch hieß das nicht, dass sie diese Dinge nicht brauchte, sich manchmal nicht nach ihnen sehnte. Und gerade jetzt, wo hier außer Ian sonst niemand war, da tat es seltsam gut, dieses kleine bisschen Wärme zu spüren, auch wenn es nun an ihr war, die Geborgenheit auszustrahlen. Das kleine Tier spendete ihr womöglich mehr Trost als sie ihm.

Ians Grinsen wurde schwächer, als sie ihm den Riegel hinhielt. Ha. Er dachte, er könnte nur dastehen und sich über sie amüsieren? Da hatte er sich aber geschnitten. Sie wollte schließlich auch zumindest ein bisschen ihren Spaß. Was er konnte, konnte sie schon lange. Immerhin wagte er den Versuch, auch wenn deutlich zu sehen war, dass es für ihn ungewohnt und eine kleine Überwindung war. Worüber auch immer er sich Gedanken gemacht hatte, es war umsonst gewesen, denn der kleine Krümel war aus seiner Hand genauso schnell verschwunden wie aus der ihren.
Das schätze ich auch. Lächelnd blickte sie auf. Aber ich schätze ebenfalls, dass das jetzt erst einmal genug war. Es sollte sich nicht überfressen. Vorsichtig wechselte sie den Arm, während das kleine Tier sie weiterhin erwartungsvoll anblickte. Nichts da, sagte sie halbwegs streng. Das reicht erst einmal.
Ian lag wohl richtig. Selbst, als das Tier verstanden zu haben schien, dass seine Nahrungsquelle versiegt war, machte es keine Anstalten, aus ihrem Arm zu verschwinden - wie sie teils mit Genugtuung und teils mit einem mulmigen Gefühl bemerkte. Aber was machte es schon aus? Es würde sich zukünftig sein Futter sicher selber suchen, wenn sie es nicht weiter fortlaufend fütterten. Es war ein Wildtier und würde das auch bleiben - selbst, wenn es sie nun für kurze Zeit begleiten würde.
Und vielleicht tat es ihnen beiden gut, wenn da noch etwas war, etwas anderes, etwas unschuldiges. Etwas, das nichts wusste vom Krieg und von Schuld. Etwas, das einfach nur
war.

Scheint so, bestätigte Eowyn also. Aber nur dass du es weißt... richtete sie ihre Worte wieder an das Pelztier in ihrem Arm. Wenn du denkst, dass ich dich nun die ganze Zeit trage, dann täuschst du dich. Die Antwort war ein träges Blinzeln und Schwanzzucken, und Eowyn seufzte. Diese Augen. Diese fürchterlichen, niedlichen Augen. Wie gut, dass sie keine Kinder hatte, sie wäre eine schreckliche Mutter. Na gut, brummte sie schließlich. Aber nur ein kleines Bisschen. Sie war selbst gespannt, ob sie das einhalten würde. Aber irgendwann würde das Kleine auch genug vom Liegen haben, da war sie sich sicher.

Fast.

Sie runzelte nachdenklich die Stirn.
Wenn es tatsächlich bei uns bleibt, dann braucht es wohl einen Namen... Aber das letzte Mal, als sie etwas einen Namen gegeben hatte, war das Ding abgestürzt und ausgebrannt. Kein gutes Omen für das kleine Wesen in ihrem Arm. Auffordernd blickte Eowyn Ian an. Ich mache das kein zweites Mal, das letzte Mal ging schon schief...

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und noch namenloser Fellkugel
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und einem kugeläugigen Pelztier

„Wahrscheinlich ist Geborgenheit ein Grundbedürfnis, das auch dann gestillt werden will, wenn es in Strömen regnet“, war Ians Schlussfolgerung die völlig ohne melancholischen Unterton kam, sondern viel mehr, als wisse er genau, wovon er sprach. Und was er hier ansprach, war ihm tatsächlich nicht fremd. Ian wusste um die Kostbarkeit einer Umarmung, wusste um die Bedeutung von Nähe und ja, er wusste, wie essentiell es war, Geborgenheit zu spüren. Demnach war völlig klar, warum das Tier sich in Eowyns Armen wohler fühlte, als auf einem Ast. Umarmungen und Lächeln. Zwei so einfache Dinge, mit so immenser Wirkung. Und obwohl sie so einfach waren, waren sie so selten.

Wirkung hatte zumindest auch das Füttern, denn so absurd es auch war, so sehr Ian sich innerlich gesträubt hatte, so seltsam gut, fühlte es sich gleichermaßen an, sich überwunden zu haben. Einmal kein Feind sein. Einmal etwas Gutes tun. Sich einmal keine Gedanken machen zu müssen. Dennoch wusste Ian, dass er sich hier nicht auf zu viel einlassen durfte. Nicht auf zu viel Gefühl und auch sonst nicht auf zu viel, von irgendetwas, was gut tat. Denn spätestens wenn sie Va‘art verlassen würden, würde jeder noch so unbeschwerte Moment, den er und Eowyn hier verbrachten, verschwinden. Und Ian würde sicher nicht den Fehler begehen jetzt zu viel Gefallen daran zu finden, um später ins Schwanken zu geraten. Denn mit Lianna gab er alles auf. Nicht nur das Schlechte. Eowyn nahm ihm glücklicherweise ab, in Versuchung zu geraten, einen weiteren krümel abzubrechen.
„Oho, wir sind aber streng“, richtete er schlussendlich doch das Wort an das Tier, ehe sein Blick, halb stichelnd, halb amüsiert, zu Eowyn wanderte. Vielleicht musste er sich nicht allzu schnell zurück nehmen… In jedem Fall schien das Tierchen das Ende seiner Ration nicht übel zu nehmen, viel mehr sah es so Anlass, sich dichter an Eowyn zu schmiegen, um wahrscheinlich einem Mittagschläfchen zu frönen. Hätte Ian die Jedi besser gekannt und wäre die Situation eine andere gewesen, hätte er vermutlich einen Witz darüber gemacht, dass er ein wenig neidisch wurde. Ein solcher Satz aber wäre zu missverständlich gewesen und so begnügte Ian sich lediglich mit einem Lächeln

Dass sie es nicht die ganze Zeit tragen würde, konnte sie kaum selbst ernst meinen.
„Wollen mal sehen, wer sich täuscht, wenn es Euch ansieht“, lächelte Ian in sich hinein und wandte den Blick absichtlich ab, um Eowyn nicht ganz so offensichtlich zu zeigen, wie wenig Glauben er ihren Worten schenkte. Entweder würde sie es in den Armen tragen müssen, oder es würde es sich wieder auf dem Rucksack bequem machen. In jedem Fall hatte seien Begleitung einen Vorteil. Wenn es Pflanzen oder gar Früchte aß, führte es sie früher oder später vielleicht direkt zu diesen und mit etwas Glück, waren diese Früchte dann nicht nur für seinen kleinen Magen verdaulich.

„Ein Name ist eine gute Idee“, nickte Ian, bis ihm bewusst wurde, was Eowyn danach gerade intendierte.
„Oh nein“, schüttelte er dann den Kopf, nicht ohne Bestürzung in der Stimme. „Ich werde ihm ganz sicher keinen Namen geben.“ Auf. Keinen. Fall.Es hängt an Euch, nicht an mir, ich… nein.“ Erneut schüttelte er den Kopf, lachte schlussendlich aber doch. „Außerdem, was könnte mir schon einfallen? Ihr wollt nicht, dass ausgerechnet ich ihm einen Namen gebe. Was soll dabei schon heraus kommen? Nein, nein. Das ist Eure Aufgabe. Ganz eindeutig.“ Auch wenn er es halb im Scherz sagte und die Ernsthaftigkeit nicht durch seine Stimme drang, Ian meinte, was er sagte. „Außerdem wissen wir nicht mal, was es ist. Und ich werde das auch nicht überprüfen.“



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Ian traf den Nagel auf den Kopf, auch wenn Eowyn von ihm eine solche Aussage nicht unbedingt erwartet hätte. Sie unterschätzte ihn einfach immer wieder, weshalb eigentlich? Selbst diese Erkenntnis war ja nun nicht neu.
Aber wenn das kleine Tier Geborgenheit wollte, nun, dann konnte es das bekommen. Zumindest, so lange sie hier waren. Und, wer wusste das schon, vielleicht erweichte es auch Ian ein wenig - irgendwann wurden
ihre Arme ja vielleicht zu langweilig.
Der erste Schritt war immerhin schon getan, und durch das Füttern und das Heilen musste Ians Arme doch mindestens auf der
gleichen Stufe sein wie die ihren.
Streng? Nein. Ich bevorzuge "fürsorglich", warf Eowyn Ian einen strafenden Blick zu. Ihr jüngeres Ich hätte ihm vermutlich die Zunge herausgestreckt. Und außerdem halte ich es nicht davon ab, von meinen Armen herunterzuspringen und sich selbst noch etwas zu suchen. Wenn es so faul sein möchte... bitte. Sie zuckte mit den Schultern und konnte sich ein erneutes Grinsen allerdings nicht verkneifen. Außerdem hatte er doch noch den Riegel. Und Euch halte ich ebenfalls nicht davon ab, es noch weiter zu füttern, wenn Ihr denn wollt...

Ians nächste Stichelei folgte direkt ihren eigenen Gedanken, was es wirklich schwer machte, nicht von Beginn an zuzugeben, dass sie selbst kaum daran glaubte. Hmpf, machte sie also erst einmal nur, gab aber dann doch nach längerem Überlegen ihre Schwäche zu. Es war wohl ohnehin zu offensichtlich, um es abzustreiten. Schön, ich gebe zu, es hat mich um seine kleinen Finger gewickelt. Sie seufzte grinsend und schüttelte resigniert den Kopf. Aber wer könnte bei diesen Augen nein sagen? Eowyn hielt Ian das kleine Tier hin, das gerade noch einmal schläfrig den Kopf gehoben hatte und um sich blickte. Als hätte es verstanden, dass sein treuer Mitleidsblick gerade dringend als Beweisstück A gebraucht wurde. Ich nicht. Und Ihr auch nicht. Da bin ich mir ziemlich sicher. Schließlich hatte er sie zuerst auf die Verletzung des Tieres aufmerksam gemacht.

Oh doch, widersprach sie aber sofort Ians Protesten. Ihr habt es geheilt. Und gefüttert. Es hängt an Euch genauso wie an mir. Sie schüttelte den Kopf über so viel Abwehrverhalten, nur weil er dem kleinen Ding einen Namen geben sollte. Als ob ich kreativer und vor allem glückbringender wäre. Ich mache das sicher nicht noch einmal. Das letzte Objekt meiner Namensgebung steht ausgebrannt irgendwo einige Kilometer weiter hinten. Und das wollt Ihr dem Kleinen hier doch nicht zumuten? Unschuldig hob sie noch einmal den Arm, so dass Ian direkt in die großen Augen des Tieres blicken musste. Und es kann doch nicht namenlos bleiben, das arme Ding... Warum sollte gleich etwas Schlimmes dabei herauskommen? Schlimmer als meine Folgen kann doch gar nicht mehr sein.
Nachdenklich blickte Eowyn jedoch auf das Tier, als Ian mit seinem letzten Argument kam. Da hatte er Recht. Und besonders große Lust darauf, nachzusehen hatte sie auch nicht, erst Recht nicht, wo das Tierchen so schön eingekuschelt auf ihrem Arm lag.
Aber auch dafür gab es eine Lösung. Sie lächelte Ian an.

Na dann eben ein Name, der für beide Geschlechter passt. Das kann doch nicht so schwer sein...

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„Ach so“, schmunzelte Ian bloß, als Eowyn ihre Strenge als Fürsorge bezeichnete. Vielleicht hatte sie recht. Dem Tier nicht die Chance zu bieten, sich zu überfressen, war wahrscheinlich fürsorglich. Aber was verstand ausgerechnet er von solchen Dingen? Er hatte nie ein Tier besessen und die Zeiten, in denen er fürsorglich oder gar rücksichtsvoll hätte sein müssen, waren längst vorbei und er würde bald nie wieder in Verlegenheit kommen, sich an diesen Dingen auszuprobieren. Wofür auch? Sich selbst würde er mit weitaus weniger Rücksicht und Fürsorge behandeln, als sonst jemanden und ohnehin, weder das eine, noch das andere würden ihn vor dem retten, was ihn auf Lianna erwarten würde. Trotz dieser Gedanken oder vielleicht gerade wegen dieser, stellte Ian amüsiert fest, dass Eowyns Fürsorge, ihn gerade traf. Ihr sträflichen oder strengen Blick hatte er schließlich bemerkt, auch wenn Ian diesen Blick diesmal tatsächlich als Zeichen ihres Humors und ihrer Interkation wertete.
„Vielleicht solltet Ihr jetzt fürsorglich zu Euch selbst sein und den Riegel essen. Vor den Augen dieses armen, hungernden Wesens.“ Zumindest reichte Ian der Jedi den Riegel, denn er selbst hatte –zumindest vorerst- weitaus weniger Verwendung dafür, als sie. Dabei hatte sie seit ihrem begonnen Marsch nichts zu sich genommen.

Dass Eowyn den Augen des Tieres nicht wiederstehen konnte, gab sie sogar zu, nicht ohne Ian die gleiche… Weichheit überstülpen zu wollen und so kam es, dass er lautheraus lachte
. „Ihr schätzt mich völlig falsch ein. Ich lasse mich von niemandem um den Finger wickeln“, schon gar nicht vor einem pelzigen Tier. Gut, er hatte ihm geholfen, aber bloß, weil es Hilfe gebraucht hätte. Als spielte Niedlichkeit oder ein anderer dieser scheußlichen Begriffe da auch nur die geringste Rolle. Das Tier war praktisch vor ihren Augen aufgetaucht, unübersehbar gewesen. Demnach hatte Ian nur logisch gehandelt. Helfen, ignorieren, oder erschießen. Und wahrscheinlich wäre Ian nicht der einzige gewesen, dem die letzten beiden Optionen nicht gefallen hätten.
Hingegen schien er der einzige zu sein, dem die Option, dass er dem Tier einen Namen geben sollte, missfiel.
„Das ist keine schlüssige Argumentation. Ihr tragt es auf Eurem Arm, nicht ich. Und das letzte Subjekt, dem ich einen Namen gegeben habe“, einen Spitznamen wohlgemerkt,hat sich als äußert undankbar erwiesen“ Ob Radan Alisah auch Spitznamen gab? Ob er vielleicht gerade jenen nutze, den er verwendet hatte? Und ob sie dann an Ian und ihre so wundervolle Liebe zu ihm dachte? So wie sie wahrscheinlich an radan gedacht hatte, als sie...

Schluss damit.

Nein, Ian war sicher noch untalentierter darin Namen zu verteilen und wenn jemand äußerst darin talentiert war Unheil hervorzubringen, dann wohl er. Außerdem würde eine Namengebung so etwas wie eine Bindung herstellen und dazu war Ian sicher nicht bereit.

„Ihr müsst das arme Ding retten. Ich tue es sicher nicht, meinen Teil habe ich schon geleistet. Am Ende finde ich mich mit in einem Zwiegespräch, mit diesem Tier wieder oder muss mit ihm und Euch diskutieren. Nein." Er schüttelte den Kopf und lachte, bei der Absurdität seiner eigenen Gedanken. Wenn man etwas Namen gab, sprach man wahrscheinlich auch damit, dabei war die Kommunikation mit Eowyn zuweilen schon kompliziert genug. Wobei das Pelztier wahrscheinlich weniger wortreich war als sie. Dennoch, Eowyn konnte sich auf den Kopf stellen, er würde das Wesen nicht taufen.



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Eowyn griff nach dem angebrochenen Riegel, den Ian ihr hinhielt. Es war schon richtig, sie musste bei Kräften bleiben. Und obwohl sie ganz genau wusste, dass es blödsinnig war, hatte sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie selber alle verbliebenen Riegel aufaß. Sie war es einfach nicht gewohnt, nicht zu teilen. Aber es war richtig so, sie konnten sich keine Zurückhaltung erlauben. Zu Befehl... murmelte sie und beobachtete skeptisch das kleine Tier auf ihrem Arm. Es hatte seine Augen jetzt jedoch endlich geschlossen und bekam nichts von ihrem "Verrat" mit. Nur, dass die Augen dieses armen, hungernden Wesens anscheinend zu schwer geworden sind. Besser so. Sonst hätte es sie wieder angestarrt, und ihre Selbstbeherrschung hätte niemals ausgereicht, nicht doch noch ein wenig zu teilen. Und sie war ziemlich sicher, dass Ian das wusste.
Einhändig begann sie also, den Riegel weiter verschwinden zu lassen und beobachtete Ians Lachanfall daher, ohne erst einmal irgendetwas darauf antworten zu können. Ihre Gedanken aber waren nicht durch das geschmacklose Zeug lahmgelegt.
Beinahe hätte sie ja selbst einen Lachanfall bekommen, aber das wäre wirklich nicht fair gewesen. Vielleicht wickelte ihn
jetzt niemand mehr um den Finger, auch wenn Eowyn sich ziemlich sicher war, dass er das kleine Ding zumindest annähernd so anziehend fand wie sie selbst.
Und auch wenn sie Ian nicht lange kannte und oft daneben lag, wenn sie ihn einschätzen sollte...
Jeder ließ sich irgendwie um den Finger wickeln. Man musste nur den richtigen Ansatz finden, den richtigen Hebel. Davon abgesehen war sie ziemlich sicher, dass es zumindest einmal jemanden gegeben hatte, der ihn um den Finger wickeln konnte, auch wenn sie es vermutlich nie ausgenutzt hatte. Zumindest war das der Eindruck, den Eowyn von ihr hatte.
Aber genau das wäre nicht fair gewesen, und daher beließ sie es, auch nachdem sie heruntergeschluckt hatte, nur bei einem skeptischen Blick. Sollte er doch glauben was er wollte.
Sie wusste immerhin, dass das Knäuel auf ihrem Arm mit ihr machen konnte, was es wollte. Beinahe.

Dann aber konnte sie das Schnauben nicht mehr zurückhalten. Oh, glaubt mir, es würde sich auf Eurem Arm sicher genauso wohl fühlen wie auf dem meinen. So wählerisch ist es nicht. Auch wenn es schön wäre, sich so etwas vorzustellen. Aber nein, es war ein Tier, das Wärme und Futter wollte, ihm war alles Recht.
Was wohl Ians letzter Name gewesen war? Irgendwie konnte sie sich ein Haustier im Sith-Orden nicht wirklich vorstellen... Und erst Recht nicht,
Ian und ein Haustier im Sith-Orden. Nein. Nein...
Und Ihr habt doch wohl keine Angst vor einer Unterhaltung mit mir und dieser Fellkugel? Sie grinste. Alleine schon die Vorstellung, Ian hätte Angst vor ihr oder dem kleinen Tierchen... oder gar vor ihr und dem Wesen, alleine diese Vorstellung war so albern, dass sie aus dem Grinsen nicht herauskam. Sie war wohl die letzte, vor der Ian Angst haben konnte... Zumindest momentan.
Aber ich schätze, dann muss das Kleine erst einmal namenlos bleiben. Sanft strich sie über sein Fell. Es gibt Schlimmeres... Zum Beispiel auf einem verlassenen Mond herumzurennen.

Die Realität hatte sie wieder, und diese kleine Episode der Ruhe, der Ablenkung, ja, der
Normalität war vorbei. Der Regen war wieder deutlich spürbar, das Grau um sie sichtbar und nur das kleine zusätzliche Gepäckstück zeigte, dass etwas anders war als noch vor einer halben Stunde.
Sie brummte, als ihr etwas klar wurde.
Vermutlich solltet Ihr wieder den Rucksack nehmen. Ich... komme da gerade nur sehr schlecht hinein... Hilflos zuckte sie mit den Schultern und biss ein weiteres Mal von ihrem Frühstück/Mittagessen ab. Wahnsinn, war das lecker. Schon vor Jahren hatte sie dafür plädieren wollen, diese Rationen genießbarer zu gestalten. Und immer wieder vergaß sie es, wenn sie wieder normales Essen intus hatte. Selber schuld.

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Befehl?“ Eowyn schien ein wenig von Ians kindischen Seite hervorgelockt zu haben, oder eher von seiner unbeschwerten? Zumindest gelang es ihm so viel gespielte Empörung in dieses eine Wort zu legen, das er es sich fast selbst abgenommen hätte. „Und ich hatte die Hoffnung, ich wäre gerade fürsorglich gewesen.Ein schiefes Lächeln folgte, ehe er die Schultern zuckte. „Ein Beweis mehr, dass ich nicht dazu tauge, einen Namen zu geben.“ Womöglich auch ein Beweis dafür, dass seine Fürsorge –so wie die ihre- wie Strenge wirkte? Ein weiteres Lächeln folgte, ehe Ian seinen Gedanken mit einem Kopfschütteln verwarf.

Was Eowyns skeptischen Blick betraf, so wusste Ian diesen geflissentlich zu ignorieren. Sie war anderer Überzeugung, dem war er sich sicher und wenn er es recht überlegte, dann wusste Ian, dass ihre Skepsis durchaus angebracht war. Vielleicht ließ er sich nicht um den Finger wickeln, aber Ian wusste, dass es Personen gab –oder gegeben hatte, denen er nichts hatte abschlagen können. Dabei waren gar keine großen Überredungskünste nötig gewesen, nein. Ein Lächeln hatte ausgereicht. Bei Tahiri und auch bei Alisah. Mit dem großen Unterschied, dass Alisah Ians Gutmütigkeit nicht nur auszunutzen gewusst, sondern auch gezielt daraufhin gearbeitet hatte. Warum dachte r überhaupt vermehrt an sie? Weil er für einen kurzen Moment geglaubt hatte, dass sie sich auf Coruscant befand? Was schlicht keinen Sinn machte, immerhin war sie eine Sith.

Eowyns Schnauben quittierte Ian dafür mit genau demselben Geräusch
. „Wenn ich dieses Wesen wäre,“ und dabei deutete er auf das Pelztier, „würde ich zumindest nicht meine Arme vorziehen.“ Nein, viel wahrscheinlicher wäre Ian vor sich selbst weg gelaufen.

Eigentlich kam es einem Wunder gleich, dass er Eowyn Satz nicht als Abwertung hörte. So wählerisch war es nicht? Ein Satz der vielleicht noch vor ein paar Minuten für einen halbwegs pikierten Blick gesorgt hätte.
Und bevor ich Zweitwahl bin, belasse ich es auch lieber bei Euch.“ Zumindest dieser Scherz durfte noch erlaubt sein, um eigentlich klarzustellen, dass er das Wesen ganz sicher nicht tragen würde. Schließlich steckte hinter jedem Scherz auch ein Funken Wahrheit und der Wahrheitsgehalt dieser Aussage war unüberbrückbar. „Könnte es sprechen und hätte Eure Logik, würde mir ein Gespräch wahrscheinlich wirklich Angst machen und zwei gegen einen? Müsste das nicht selbst in Euren Ohren unfair klingen?“ , grinste er einfach zurück. Und vielleicht steckte auch in dieser Aussage ein wenig Wahrheit? Nicht, dass Eowyn ihm wirklich Angst machte, eher das, was sie in ihm auslöste oder ausgelöst hatte. Das sich, seit ihrer Begegnung etwas in ihm verändert hatte, war schließlich kaum zu Leugnen. Seine unerschütterte Hoffnungslosigkeit hatte sich zwar nicht in das Gegenteil verwandelt, aber sie hatte eindeutig Risse bekommen, tiefere, als Ian zugeben wollte. Zumindest was Hoffnung betraf, die ihn nicht mit einbezog
„Dann bleibt es namenlos“, stellte Ian schlussendlich fest, als er den Rucksack schulterte. Früher oder später würde Eowyn ohnehin nachgeben, da war Ian sich sicher. Dann setzte das neu entstandene Trio seinen Weg durch den Regen fort.
„Vielleicht haben wir sogar einen Vorteil durch dieses Tier und es wird uns zu etwas essbarem führen.Immerhin würden die Riegel nicht ewig halten und ganz undankbar würde Ian nicht sein, wenn auch er etwas aß. Es mochte für ihn noch keine Notwendigkeit darstellen, aber gegen eine Frucht würde er sicher nichts einzuwenden haben.

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und noch namenloser Fellkugel
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und immer noch namenloser Fellkugel

Ian konnte ja tatsächlich locker und fast witzig sein, und das jetzt schon eine ganze Weile. Das Aufgabeln des kleinen Tieres hatte offensichtlich mehrere Folgen. Sie musste wieder an seine Erzählungen von Tahiri denken... und von seinen Theorien über einen anderen Ort, eine andere Zeit, ein anderes Leben. Ja, immer mehr konnte Eowyn diesen anderen Ian sehen, das, was er hätte sein können.
Aber nun einmal nicht
war.
Die Realität sah anders aus.
Über seine Vehemenz, logische Argumente gegen die Namensfindung zu finden, schüttelte sie innerlich nur den Kopf. Das war albern. Sie sollte dem Kleinen einfach den erstbesten Namen geben, der durch ihren Kopf flog... Das Schlimme war nur, dass da eben keiner war. Nichts, das sie dem Kleinen antun wollte, und auf irgendeinen symbolischen Namen legte sie erst Recht keinen Wert.
Aber sie hatte ja vermutlich die nächsten Stunden, Tage, Wochen um darüber nachzudenken, sofern natürlich dem Wesen ihr Arm und ihre Gesellschaft nicht zu langweilig wurde und es die Gruppe verließ.


Oh nein. Wenn Ihr dieses Wesen wäret, kam, ohne, dass sie nachdenken konnte dann jedoch aus ihrem Mund, dann... Halt. Stop. Sie biss sich auf die Lippen, um nicht weiterzureden. Kein bissiger Humor mehr, hatte sie sich versprochen. Keine Kommentare, die die Stimmung in den Keller abrutschen lassen konnten, weil er sie missverstand. Vielleicht auch zu Recht. Allerdings fiel ihr dummerweise so schnell auch nichts anderes ein, um ihren Satz anders zu beenden. Reden war wirklich nicht ihre Stärke. Verdammt... ...hättet Ihr Euch selbst geheilt und gar nichts zu essen gebraucht. Schloss sie schließlich mit dem ersten Gedanken, der ihr durch den Kopf schoss. Na wenigstens noch halbwegs gerettet.
Denn offensichtlich schaffte sie es auch ohne humoristische Anwandlungen, dass Ian sie missverstand.
Sie verdrehte die Augen.
Nichts da, Zweitwahl. Ich meinte einfach nur, dass der Kleine nun durch Zufall auf meinem Arm liegt und nicht auf dem Euren. Das war sicher nicht abwertend gemeint. Sie warf Ian beim Gehen einen etwas genervten Blick auf seinen Hinterkopf zu, den er nur offensichtlich leider nicht sehen konnte. Musste er auch jedes ihrer Worte so genaunehmen? Wenigstens nahm er ihr seine Fehlinterpretation nicht übel.

Zwei gegen einen ist nicht per se unfair, antwortete sie. Obwohl ich das bei zwei Padawanen schon manchmal gedacht habe. Aber woher wollt Ihr wissen, dass das Tier nicht Eure Logik nutzen würde? Dann wäre sie es, die zwei gegen einen stünde. Und das, obwohl sie das Gefühl hatte, ein Ian reichte schon völlig aus, um sie mit Worten zu zerlegen, bei seiner Gabe, durch sie hindurchzusehen. Zwei Ians oder Lebewesen mit ähnlichem Gedankengang wäre eindeutig zu viel.
Wie gut, dass das Tier nicht tatsächlich beginnen würde zu sprechen, sollte es noch jemals einen Namen bekommen.


Ja, vielleicht. Wenn es dann irgendwann einmal aufwacht und etwas suchen wird. Vermutlich wird das aber noch ein Weilchen dauern. Kritisch beobachtete Eowyn das Fellknäuel in ihrem Arm, dessen Körper sich sacht hob und senkte, ansonsten aber keine Reaktionen zeigte. Sie musste zugeben, dass es mit zwei einsatzfähigen Armen doch einfacher gewesen war, durch den Dschungel zu laufen, aber glücklicherweise war das Tier so leicht, dass zumindest das bisschen Gewicht keinen Unterschied machte. Es war einfach nur... umständlicher.
Und vielleicht lag es auch daran, dass der Dschungel immer dichter wurde. Oder bildete sie sich das einfach nur ein? Aber sie hatte das Gefühl, dass sie gestern durch weniger bewachsenen Dschungel gelaufen waren, dass sie sich zumindest nicht
andauernd durch Blätter, Äste und Sonstiges gekämpft hatten. Wenn das stimmte... war es vermutlich eher ein schlechtes Zeichen. Das hieße, sie liefen in den Dschungel hinein, anstatt irgendwo außerhalb auf Leben zu treffen. Andererseits, vielleicht auch nicht. Vielleicht kämpften sie sich auch zum Rand hindurch. Es war müßig, darüber nachzudenken, es half ja doch nichts. Vielleicht sollte einfach einer von ihnen beiden auf einen Baum klettern und von oben versuchen, etwas zu sehen - nur würde alleine so eine Klettertour schon Stunden in Anspruch nehmen und sie würden nicht wissen, ob es funktionieren würde.

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und immer noch namenloser Fellkugel
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und noch namenloser Fellkugel


Eowyn geriet ins Stocken, als sie einen weiteren Kommentar anbringen wollte. Fast lächelte Ian triumphierend in sich hinein, um sich im Stillen zu fragen, ob es tatsächlich sein konnte, dass Eowyn die Argumente ausgegangen waren. Sie benötigte eindeutig zu viel Zeit, um etwas zu erwidern. Aber das lag sicher nicht an mangelnder Kommunikationsfähigkeit, wie er sich schlussendlich doch eingestehen musste, sondern daran, dass sie scheinbar nach etwas suchte, was er nicht missverstehen konnte. Seine nächsten Worte hingen kamen sehr unüberlegt, ohne groß darüber nachzudenken
. „Wenn ich wirklich dieses Wesen wäre, wäre ich wahrscheinlich dankbar und froh, mich einmal nicht um mich kümmern zu müssen, sondern völlig friedlich etwas spüren zu dürfen. Etwas zu verdienen. Nähe, Geborgenheit, etwas Schönes.Er lachte, ohne zu merken, dass er mit etwas herausrückte, dass Eowyn überhaupt nichts anging. Die Beiläufigkeit, in der er es erwähnte, ließ ihn selbst nicht erkennen, wie ernst er seine Worte eigentlich meinte und so bemerkte Ian auch nicht, das er vermutlich einen sehr versteckten Wunsch hervorgeholt hatte.Ich hätte mich den ganzen Weg tragen lassen, darauf könnt ihr Gift nehmen. Wärme geben und Wärme bekommen. Nichts falsch machen. Ich glaube, damit hätte ich mich sehr gut anfreunden können.“ Er lächelte in sich hinein, vielleicht mit einer Spur von Melancholie. Wenn Ian nicht er selbst, sondern ein glupschäugiges Tier gewesen wäre, wäre vermutlich alles anders gewesen. Keine Macht, keine Fehlentscheidungen, kein Virus. Er wäre kein abscheuliches Monster gewesen, kein Mörder, sondern irgendein liebenswertes Ding, das mehr, als Verachtung auslöste. Etwas, das man mögen konnte. Etwas, das liebenswert war. Ja, etwas, das man nicht verachten würde und etwas, dass sich kaum selbst verachten konnte, weil es unschuldiger nicht sein konnte.


Im Gehen schüttelte er dann aber doch den Kopf.
Es liegt in Euren Armen, weil es Geschmack hat.“ Sie selbst hätte, wäre sie ein Tier, wohl auch das Wesen vorgezogen, dass eine positive Ausstrahlung hatte. Etwas, das gut war, nicht jemanden wie sich. Zweitwahl blieb nun einmal Zweitwahl, da konnte Eowyn sagen, was auch immer sie wollte. Ian wusste es besser.

Natürlich waren zwei gegen einen unfair. Vor allem, wenn es
zwei von Eowyns Sorte waren. Zwei ungeduldige, kratzbürstige Wesen, die mit ihrer seltsamen Logik auf ihn einwirkten? Nun, auch Ian hatte seine Grenzen. Dennoch, da tauchte schon wieder ein Lächeln auf, dass Eowyn zum Glück nicht sehen konnte. Zwei von ihrer Sorte wären vielleicht auch amüsant gewesen. Zumindest in den leicht unbeschwerten Momenten. Und zwei von ihr, waren vermutlich sogar besser, als auch nur einer von seinem eigenen Schlage. Auch wenn Eowyn die Gabe hatte, ihn in den Wahnsinn zu treiben, gleichermaßen zeichnete sie auch etwas anderes aus. Etwas, das nichts mit Ungeduld und Kratzbürstigkeit zu tun hatte, sondern viel eher mit Sanftmut und Verständnis.


Der Dschungel wurde dichter und unwegsamer und der Regen wollte und wollte nicht nachlassen. Zwar waren sie durch das dichterwerdende Blätterdach ein wenig geschützt, dafür aber wurde es kühler und die nasse Kleidung war so noch viel deutlicher zu spüren. Ihr Weg –sofern man den matschigen Boden so bezeichnen wollte- stieg nun sogar an, was das Wandern nur weiter erschwerte. Dafür wuchsen in diesem Bereich des Dschungels ganz andere Pflanzen und an einem seltsamen Busch blieb Ian stehen.

„Vielleicht brauchen wir die Hilfe von unserem kleinen Freund gar nicht“, erklärte Ian mit einem Nicken in Richtung des Baumes, der über und über mit dunkelroten, faustgroßen Früchten behangen war. Der Dunkelhaarige brach eine Frucht ab und riss auch ein kleines Blatt mit vom Baum. Als er es berührte und damit einmal über seinen Handrücken fuhr, geschah nichts. Kein brennen entstand, kein Ausschlag erschien. Längst keine Sicherheit für die Ungefährlichkeit der Frucht, aber immerhin ein gutes Zeichen. „Ob sie giftig ist?“ Ian hatte nicht den Hauch einer Ahnung. An der Frucht riechend, war nur ein leicht süßlicher Geruch wahrzunehmen, aber wahrscheinlich hatte auch das nicht allzu viel Bedeutung, was eine eventuelle, toxische Komponente betreffen konnte. Die Schale war weich und ließ sich einfach entfernen. Das nun freigelegte, recht dunkle Fruchtfleisch, verbreitete seinen süßlichen Geruch.Kein seltsamer Geruch, keine abschreckende Farbe.Jemand musste die Frucht probieren. Ian wog sie noch einmal in der Hand ab, versuchte mit Hilfe der Macht irgendetwas herauszufinden, aber sie schwieg. „Finden wir es also heraus. Oder kennt ihr dieses Ding?“



Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und noch namenloser Fellkugel
 
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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und immer noch namenloser Fellkugel

Immerhin hatte Ian ihre... Pause entweder nicht bemerkt - unwahrscheinlich - oder aber beschlossen, es unerwähnt zu lassen. Oder er hatte ganz schlicht einfach antworten wollen. Selbstverständlich war das, was er sagte, reine Vorstellung und nur ihrem albernen Gespräch von vorhin geschuldet. Aber Eowyn kam nicht umhin zu bemerken, dass diese Dinge, die er erwähnte, so unlogisch nicht waren und vermutlich aus tieferen Gefilden kamen - auch wenn Ian das ganz sicher einmal wieder abstreiten würde.
Und vielleicht irrte sie ja auch einmal wieder, aber sie war sich ziemlich sicher, dass da mehr dahintersteckte. Alleine schon die Wortwahl... "einmal". Das klang, als hätte er irgendetwas gehörig satt.
Friedlich, Nähe. Geborgenheit. Dinge, die er so vermutlich schon seit Jahren nicht mehr kannte. Im Gegenteil... Wenn sie selbst im Orden so etwas wie direkte Nähe und Geborgenheit niemals fühlte, dann war das immer noch nichts im Vergleich zu einem Leben im Sith-Orden. Und das konnte sie behaupten, ohne jemals einen Fuß nach Bastion gesetzt, darauf würde sie alles verwetten. Auch wenn das nicht sonderlich viel war.


Sie hätte ihn getragen, so wie sie auch jetzt das kleine Tier trug. Aber Ian war nun einmal der, der er war, und der Wunsch, der immer wieder aufkam, brach auch jetzt wieder an die Oberfläche. Mehr tun. Sie wünschte, sie könnte mehr tun. Ihm irgendwie da heraushelfen, ihm Perspektiven zeigen, Auswege. Es machte sie immer wieder von neuem fertig, dass sie einfach keinen Ausweg wusste. Dass alles, was sie tun konnte, nur darin bestand, ihn bis nach Lianna zu begleiten.
Sie wünschte, sie könnte
irgendetwas von dem tragen, dass ihn belastete, dass es nicht mehr so schwer war. Aber das war so unmöglich wie sich einfach so nach Lianna zu teleportieren. Und so blieb nichts übrig als so weiterzumachen wie bisher und zu hoffen, dass es irgendwie besser werden würde.
Nichts falsch machen.
Das allerdings war ein Wunsch der vermutlich für jedes Wesen nicht erfüllbar war, einschließlich des Kleinen auf ihrem Arm. Denn wenn sie irgendwann hoffentlich Va'art verließen würde auch dieses kleine Tier irgendwie begreifen, dass es einen Fehler gemacht hatte, als es mit ihnen Freundschaft schloss, weil sie es im Stich lassen würden. So gesehen war es sehr falsch gewesen, sich auf Eowyns Arm einzukuscheln.

All diese Gedanken waren aber nicht für Ians Ohren bestimmt. Ganz sicher nicht.
Im nächsten Leben vielleicht, merkte sie also nur nebenbei in einem ähnlich beiläufigen Tonfall an und beließ es dabei. Es war wohl besser so. Wurde sie gerade tatsächlich vernünftig?

Ians weitere Worte verwirrten sie aber. Worauf wollte er hinaus? Geschmack? Sollte das ein Kompliment sein, oder nutzte er diese Worte, um sich selbst in den Schatten zu stellen? Oder war es einfach nur dahin gesagt? Herrje. Sie überinterpretierte einmal wieder zu viel. Und so lange sie nicht sicher wusste, worauf er hinauswollte, hielt sie auch hier einfach lieber einmal ihr Mundwerk.
Sie wurde
tatsächlich vernünftig.
Verrückt.
Sie war gespannt darauf zu sehen, wie lange das anhielt.


Ihre Kleidung klebte unangenehm an ihrem Körper, und sie wusste schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlte, wirklich trocken zu sein. Es war nicht kalt genug, dass sie wirklich frieren konnte, und darüber war sie wirklich dankbar. Aber... stang, wäre es so schlimm, wenn es hier ein wenig angenehmer wäre?
Der Mond schien sie erhört zu haben. Der Baum, vor dem Ian nun stand war entweder ein Lichtblick - oder aber er führte sie direkt ins Verderben. Ians ergebnislos Tests waren wirklich ein gutes Zeichen, aber sie konnten sich nicht sicher sein.
Genauso wenig konnten sie es sich allerdings leisten, keine Nahrung zu sammeln - in spätestens ein paar Tagen würden alle Riegel selbst bei sparsamster Verwendung aufgebraucht sein. Es half alles nichts. Sie mussten es probieren. Es würde auch nichts nutzen, ihren kleinen Begleiter zu wecken und zu sehen, ob er es fressen würde - sie würden nicht wissen, ob es auf gleiche Art reagierte wie sie beide.

Das sind schon einmal gute Zeichen... aber ich habe keine Ahnung, was das ist. Eowyn griff nach der Frucht und betrachtete sie. Unauffällig, nichts besonderes. Und sie spürte nichts. Ebenfalls ein gutes Zeichen? Na gut. Da Ihr definitiv verloren wäret, wenn das Ding giftig ist macht es nur Sinn, wenn ich sie probiere. Ganz davon abgesehen, dass er im absolut schlimmsten Fall nun einmal wichtiger war. Aber wer dachte schon an so etwas? Sie vertraute einfach darauf, dass ihr Gefahrensinn sie im letzten Moment warnen würde, wenn doch etwas faul war mit dieser Frucht.
Bevor Ian auf die Idee kommen konnte, zu protestieren (es gab dafür zwar keinen Grund, aber das gab es ja höchst selten) hob sie die Frucht hoch und probierte vorsichtig ein kleines bisschen.


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Im nächsten Leben vielleicht? Da war kein nächstes Leben. Zumindest nicht für ihn, aber diese Worte behielt Ian lieber für sich. Mit der Flucht von Va’art würde sein Leben enden und eigentlich hätte Eowyn das so gut wissen müssen wie er selbst. Vielleicht wusste sie sogar noch mehr, denn im Gegensatz zu ihm, war sie mit den Sitten der Jedi vertraut, wahrscheinlich auch mit den Gepflogenheiten der Neuen Republik. Dennoch, irgendetwas brachte ihn dazu, die Lippen zu etwas zu verziehen, das einem Lächeln nahe kam.
„Im nächsten Leben ganz bestimmt.“ Denn selbst wenn es in der Realität kein nächstes Leben gab, war da, nach so vielen Jahren, zumindest in seiner Fantasie etwas, das mehr beinhaltete. Eine kleine Illusion, die er sich ausschmücken konnte und die es einfacher machen würde, nach Lianna zu reisen. Vielleicht gab es Frieden in Gedanken und Ian hatte eine vage Vorstellung davon, wie dieser Frieden aussehen konnte. Ja, im nächsten Leben wäre alles anders. Er wäre nicht Ian der Mörder, sondern ein anderer Mensch. Jemand, auf den Tahiri stolz gewesen wäre. Jemand, den Eowyn nicht mit ihrer Logik hätte verwirren müssen. Vielleicht wäre diese kratzbürstige Jedi nicht nur die Trauzeugin von ihm und Tahiri geworden, sondern auch die Meisterin ihrer Kinder. Eine Vertraute. Eine Freundin. Und nicht jemand, der sich allein aus Zwang und der Aussichtslosigkeit der Situation mit ihm abgeben musste. Das Bild, dass in seinem Kopf entstand, löste doch ein Lächeln aus und Ian war Eowyn dankbar, dass es ihr gelungen war, ihn wieder träumen lassen zu können, auch wenn es utopisch war. Im nächsten Leben wäre alles anders. Ganz bestimmt.

Allerdings gelang es Eowyn recht schnell, Ians friedliche Gedanken zurück in die Gegenwart zu lenken. Diese, ihn wahnsinnig machende Frau, hatte nichts Besseres zu tun, als ihm die Frucht aus der Hand zu nehmen und davon abzubeißen und das so schnell, dass Ian nicht einmal dazu in der Lage war, sie daran zu hindern. Eigentlich wäre der richtige Zeitpunkt sie anzufahren, stattdessen aber starrte er sie an, mit einer Mischung aus Besorgnis und… Mit voller Besorgnis. War sie verrückt? „Das hättet Ihr mit mir absprechen müssen…“, erklärte er tonlos, als er sie beobachtete, gerade so, als würde sie auf der Stelle tot umfallen können. Bis Gifte wirkten, konnten Minuten vergehen. Sie anstarrend nutze er die Macht, die aber so wenig hilfreich war, wie das Starren an und für sich. „Wenn diese Frucht Euch nicht umbringt, werde ich es tun…“, murmelte er, als er ihr geistesgegenwärtig die Frucht abnahm um sie in den Dschungel zu werfen. „Das war verdammt leichtsinnig,“ kam er gar nicht umhin zu sagen. Sie befanden sich nicht in der richtigen Lage um einer eventuellen Vergiftung entgegen zu wirken. Mitten im Dschungel. Nicht einmal in einem Lager.
„Wir gehen weiter…“, erklärte er dann, sie noch immer fixierend, weil es am logischsten war, in Bewegung zu bleiben. Nicht nur, um einen halbwegs Geschützen Platz zu finden. Sondern auch, da Bewegung dafür sorgen würde ein eventuelles Gift schneller zu verbreiten. „Und wenn da irgendetwas ist… dann werdet ihr das sofort sagen.“ Er schüttelte den Kopf. Sie würde gar nichts sagen müssen, denn ob es ihr gefiel oder nicht, er würde sie mit Argusaugen beobachten. Die Früchte wuchsen in diesem Teil des Dschungel überall und wenn Eowyn in den nächsten 20 Minuten nicht umfiel, war da genug Zeit, den Rucksack zu füllen. Er würde sie umbringen, wenn sie nur ein Anzeichen haben würde. Oh ja. Und wenn sie kein Anzeichen haben würde, würde er sie erst recht umbringen. So viel stand fest.

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