Weltraum (Imperium)

Weltraum | Hyperraum zwischen Artek III und Athiss, Richtung Athiss | Svelte-Class Shuttle "Fury" | Teneb Dask, Darth Sikarius und UX-23 sowie der Pilot [NPCs]
Der enge Korridor der Fury vibrierte noch immer vom Nachhall des Hyperraumsprungs, und das bernsteinfarbene Notlicht, das sich stumpf über Metallwände, Kabelkanäle und die schmalen Schatten der drei Gestalten legte. Teneb Dask stand mit dem Lichtschwert Kal Fraans an der Hüfte und der schmalen, versengten Wunde am Oberschenkel in jener angespannten Erschöpfung da, die jede spitze Bemerkung unmittelbarer traf, als ihm lieb war, und als Sikarius ihm sein Versagen im Umgang mit dem echten Lichtschwert wie einen nassen Lappen ins Gesicht warf, entwich ihm bloß ein dumpfes, grollendes Murren, tief aus der Brust, rau vor Schmerz, Zorn und der unerquicklich klaren Einsicht, dass der Bastard im Kern recht hatte. Der Umstand, dass die Worte trafen, machte sie schwerer zu ertragen, und Teneb hasste in diesem Augenblick weniger den Hohn als die Genauigkeit, mit der sein Meister die Schwäche benannt hatte.

„Beim nächsten Mal wird das nicht passieren, Meister.“ entgegnete er und deutete eine Senkung seines Haupts an. Kein Argument oder verbale Spitze würden darüber hinwegtäuschen, dass er in diesem Punkt sich im direkten Gefecht eine Blöße gegeben hatte.

Er hob den Blick erst wieder, als
UX-23 in seinem üblichen, kalten Tonfall die Zuguruk einordnete, und etwas in Tenebs Gesicht veränderte sich dabei kaum merklich. Er erinnerte sich an die Reiter in der Ebene, an die wachsende Welle aus Präsenz, Wut, Entschlossenheit und jener schwer zu fassenden Dichte, die er im ersten Moment fast mit etwas Verwandtem verwechselt hatte. Ihre Auren hatten eine Schwere getragen, ein Drängen, das ihm auf eigentümliche Weise bekannt vorgekommen war. Nicht vertraut im menschlichen Sinn, eher wie eine entfernte Verwandtschaft in der Dunkelheit.

„Die Zuguruk“, sagte er schließlich und ließ den Namen langsam durch den Mund gehen, als prüfte er Gewicht und Klang gleichermaßen, „was sind sie genau? Nomaden, gut. Aber da unten hat es sich anders angefühlt.“ Sein Blick glitt kurz zwischen Sikarius und dem Droiden hin und her. „Ihre Präsenz war… verdorben. Rau.Fast, als stünden sie näher an der dunklen Seite als dieses Pack von Dörflern. Sind sie auch eine Art Sith oder bloß ein Haufen Barbaren mit einem Talent für die falsche Richtung?“

Das Schiff summte um sie herum weiter, und für einen kurzen Moment hing die Frage im Korridor wie etwas, das mehr berührte als reine Neugier. Denn Teneb fragte nicht allein nach einer fremden Kultur. Er fragte nach Verwandtschaftslinien in der Gewalt, nach den Formen, die Dunkelheit außerhalb des Tempels annehmen konnte, und vielleicht auch danach, wie viele Sprachen Macht eigentlich sprach, ehe der Sith-Orden sie sich aneignete und ihr Namen gab.

Während
UX-23s Worte über Beschwerden, Filmspur, Notwehr und ausbleibende Sanktionen nachhallten, spürte Teneb, wie sich in ihm ein anderer Gedanke formte, kälter und nüchterner als die Wut, die ihn auf Artek III so oft getragen hatte. Es war unerquicklich, aber nicht überraschend. Die Galaxis liebte keine Wahrheit. Captain Strelli würde sich herauswinden. Die Garnison würde sich herauswinden. Rousseau und seine Dorfratten würden ihre Geschichte haben und die Sith würden ihre eigene besitzen.
Teneb dachte kurz daran, etwas beißendes darüber zu sagen, ließ es dann aber wieder sinken. Seine Erschöpfung saß zu tief, sein Zorn war noch zu roh, und ein Teil von ihm wollte nicht, dass gerade jetzt irgendeine flüchtige Bemerkung die ganze Schwere dessen verriet, was er in den letzten Stunden begriffen hatte. Stattdessen legte er die Finger fester um den kalten Metallrand der Schiffswand neben sich, als müsse er sich für den nächsten Gedanken daran vergewissern, dass hier überhaupt noch etwas fest war.

„Und wohin fliegen wir jetzt?“
, fragte er dann, die Stimme flacher, kontrollierter, als sie sich in seinem Inneren anfühlte. „Weg von Artek III ist das eine. Irgendein Ziel wirst selbst du dir nicht spontan aus dem Bug gezogen haben.“ Sein Blick blieb an Sikarius hängen, scharf genug, um den Spott anzudeuten, ohne ihm ganz nachzugeben.

Der Korridor schwieg einen Herzschlag lang, erfüllt vom Dröhnen der Antriebe und jenem schmalen, gespannten Zwischenraum, der immer dann entstand, wenn die nächste Bewegung noch nicht gefallen, aber bereits unvermeidbar geworden war.
Teneb stand darin mit schmerzendem Bein, zu Stolz direkt nach einem Bacta-Spray zu fragen.

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“Das hoffe ich für dich.”

, antwortete Leto auf das Versprechen des Schülers, dass eine Verletzung durch die eigene Waffe nicht noch einmal passieren würde, und grinste über die eigene Doppeldeutigkeit. Sein Tonfall war natürlich drohend gewesen - man musste sich ja selbst treu bleiben! - aber er hoffte wirklich, dass der Junge nicht aus purer Unfähigkeit Potential verschenkte. Leto hatte damals den Verlust eines Armes und eines Auges wenigstens mit dem Tod seines alten Meisters erkauft. Er hatte zu viel Zeit in diese Ausbildung gesteckt, um ungerührt zu verfolgen, wie der sich die Nüsse absäbelte, oder von Konvergenzen der dunklen Seite versklaven ließ. Das wäre doch auch einfach Verschwendung gewesen!

Auf die Frage nach den Zuguruk zuckte Leto dann jedoch nur die Schultern.


“Macht es einen Unterschied?”

, fragte er. Er kannte die Antwort nicht und hatte auch kein Interesse daran, sie zu erfahren. Diese Kreaturen waren so weit unter ihm, da juckte es ihn nicht, ob sie sich nun im Dorf in Gassen drückten oder auf Fathieren durch die Gegend ritten. Es waren keine Menschen, das machte sie sowieso erst einmal minderwertig und dann waren es auch noch Nichtmenschen, die zu dumm waren sich Häuser zu bauen. Was für eine primitive, minderbemittelte Kultur bekam denn nicht einmal das auf die Reihe?!

“Zuguruk sind eine von drei Sklavenkasten einer Spezies, die als Sith, Sith Reinblüter oder einfach nur Rote Sith bekannt sind. Sie sind in diesem, als Stygian Caldera bekannten, Teil der Galaxis heimisch und stammen ursprünglich aus dem Horuset-System.”

, schaltete sich UX-23 ein, der natürlich keine ausreichend beantwortete Frage stehen lassen konnte.

“Du hast wohl mal wieder an nem Lexikondroiden genuckelt?!”

, warf Leto ein, doch die Maschine fuhr ungerührt fort:

“Zuguruk machten die Ingenieurskaste des alten Sith-Reiches aus, neben der Priesterkaste der Kissai und der Kriegerkaste der Massassi. Wie alle Roten Sith zeichnen sie sich durch eine höhere Machtsensitivität und Affinität zur Dunklen Seite der Macht aus. Bei den auf Artek III heimischen Zuguruk handelt es sich möglicherweise um die Nachfahren der dort zu Glanzzeiten angesiedelten Sith. Noch immer zeugen Industrieruinen von der Rolle, die Artek III im Sith-Imperium einst spielte.”

“Also eine Art Sith UND ein Haufen Barbaren. Glücklich?”

Leto verschränkte die Arme vor der Brust.

“Beweist nur wieder, dass Potential alleine nicht reicht. Als sie Sklaven waren, waren sie ein großes Reich und jetzt schause dir an. Wenn’s um so minderwertige Spezies geht, muss man sie eben manchmal zu ihrem Glück zwingen.”

Er warf dem Umbaraner vor ihm einen ausdruckslosen Blick zu und wollte sich schon zum Gehen wenden. Die Unterhaltung war langweilig und unerquicklich. Nicht einmal seine Fantasie, dass die überlebenden Dörfler vom Imperium gerichtet werden würden, würde sich bewahrheiten. War doch alles Kacke mal wieder! Da stellte der Schüler aber doch noch eine Frage, die Leto aufhorchen ließ. Wohin würde es nun gehen? Ihm selbst war dieser Gedanke gar nicht erst gekommen. Auf Nkllon war er auch ohne sein Zutun angekommen und Artek III hatte er selbst als Ziel ausgewählt. Nun hatte er keine eigene Richtung und wäre für den Moment auch vermutlich nicht auf dem Trip gewesen, sich eine zu suchen.

“Lord Baobhan hat bereits vor mehreren Wochen verfügt, euch beide nach abgeschlossener Grundausbildung in den Koornacht-Cluster zu verlegen. Ihr werdet der Lokalverwaltung helfen, die letzten Nester yevethanischen Widerstandes auf N’zoth zu vernichten.”

Für einen Moment riss Leto ungläubig sein Auge auf, bevor er mühsam seinen Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle brachte. N’zoth? Wieder N’zoth?! Nein! Das konnte nicht sein! Er mochte auf der yevethanischen Hauptwelt reiche Ernte gehalten haben, doch er hatte nicht vergessen, wie es war, auf einem Planeten zu existieren, auf dem ihm alles, was dachte töten wollte. Und konnte. Nach der Hölle Nkllons, ausgerechnet N’zoth?!

“Wer genau ist denn jetzt dieser Baobhan nochmal?!”

, grollte Leto und hob drohend eine Faust.

“Ich würde ihm nur zu gerne das letzte Bisschen Widerstand in seinem A*schloch ausmerzen.”

“Ich bin nicht autorisiert, diese Information an euch weiterzugeben.”

Warum wohl, dann hätte Leto ja auch die Chance gehabt, seine verdammten Ketten zu sprengen!

“Jedoch erwartet er tadelloses Betragen gegenüber den Vertretern der imperialen Verwaltung.”

“Das ist ja schön für ihn.”

Letos Blick war starr auf den Droiden gerichtet.

“Wozu eigentlich N’zoth?!”

, fing er nochmal an.

“Kal Fraan ist tot. Durch meine Hand! Der da hat sogar sein Lichtschwert.”

Für niemanden im Raum war die Information neu, doch das war ihm grade mal egal.

“Die Yevethaner sind besiegt, was sollen wir denn da NOCH?”

“Zum Leidwesen des Oberkommandos wurde der yevethanische Widerstand nicht durch den Tod ihres Darama gebrochen. Die letzten Jahre über wurden sie Schritt für Schritt zurückgedrängt und stehen nun auf N’zoth mit dem Rücken zur Wand. Für den letzten Schlag wurdest du als das stumpfe Instrument der Wahl zur Verfügung gestellt.”

Bildete er es sich ein, oder hörte er da einen süffisanten Unterton in der normalerweise emotionslosen Vokoderstimme? Blöder P*sser. Blitzschnell schlug er mit der geballten Faust zu und erwischte den Droiden gut gezielt im roten Auge. Die Maschine wurde zurückgerissen, knallte scheppernd gegen die Rückwand des Ganges und gab ein elektronisches Kreischen von sich, wohl während sie versuchte, sich zu orientieren.

“Mach das nicht nochmal!”

, schnauzte UX-23, doch Leto grinste nur über den sichtbaren Sprung im Photorezeptor des Droiden, den der Schlag hinterlassen hatte.

“Stumpfe Waffen sind gut gegen Blech. Ich würde ja aufpassen...”


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Weltraum | Hyperraum zwischen Artek III und Athiss, Richtung Athiss | Svelte-Class Shuttle "Fury" | Teneb Dask, Darth Sikarius und UX-23 sowie der Pilot [NPCs]

Teneb Dask hörte UX-23 zu, obwohl sein verletzter Oberschenkel bei jeder Verlagerung des Gewichts mit einem heißen, eng gezogenen Schmerz antwortete. Es öffnete sich in seinem Denken für einen Moment ein größerer Raum, ein Raum aus Geschichte, Blutlinien, Namen und jener eigentümlichen Ironie, mit der die Galaxis manchmal Begriffe zerkaute, bis ihre ursprüngliche Bedeutung nur noch als Knochenrest übrig blieb. Sith. Sith-Reinblüter. Rote Sith. Zuguruk, Kissai, Massassi. Ingenieure, Priester, Krieger. Kasten eines alten Reiches, dessen Schatten noch immer über der Stygian Caldera lagen, in Ruinen, Ritualen und in den Körpern jener Nomaden, die eben noch auf Fathieren über die Ebene geritten waren und mit geplünderten Garnisonswaffen nach ihnen geschossen hatten.

Er hatte die dunkle Tendenz in ihnen gespürt, diese rauhe, dichte Schwere in der Macht, und nun bekam sie eine Herkunft. Es war ein schweres Erbe, Blut und Geschichte. Ein Echo jener Macht, die aus dem Wort Sith erst einen Orden, dann eine Philosophie, dann einen Schrecken gemacht hatte. Für einen Augenblick begriff Teneb mit unangenehmer Schärfe, wie wenig sauber die Begriffe waren, mit denen er in den vergangenen Monaten zu denken gelernt hatte. Sith war ein Volk gewesen, ein Reich, eine Kaste von Herrschern, eine Lehre, eine Waffe, eine Beleidigung, ein Versprechen. Sikarius trug den Begriff wie eine Klinge und wie einen Fluch zugleich;
UX-23 trug ihn wie eine Akte; der Tempel hatte ihn wie einen Hunger getragen. Die Zuguruk dagegen trugen ihn im Fleisch, herabgesunken in die Form von Nomaden, deren Ahnen vielleicht einst Maschinen, Mauern und Kriegswerke für ein Imperium errichtet hatten, das ihnen nun nur noch als Legende, Blutspur und dunkle Neigung blieb.

Sikarius’ abfällige Bemerkung über Sklavenkasten, große Reiche und die Notwendigkeit, minderwertige Spezies zu ihrem Glück zu zwingen, glitt nicht unbemerkt an Teneb vorbei, auch wenn er keine sichtbare Reaktion darauf zeigte. Es war der Ton seines Meisters, der ihn inzwischen weniger überraschte als beschäftigte. Sikarius dachte in Hierarchien, in Wert und Unwert, in Herrschaft und Unterwerfung, oft plump, oft widerlich, aber niemals ganz außerhalb jener Ordnung, die Teneb auf Zygerria in ihrer schamlosesten Form gesehen hatte. Wer Macht besaß, zwang. Wer Macht verlor, wurde gezwungen. Wer sein Erbe nicht behauptete, verrottete in der Steppe oder in Käfigen oder in der Bürokratie irgendeines Kommandos, das entschied, wie viel Gewalt gerade vertretbar war. Der Kodex hatte in all dem wieder eine neue Schärfe bekommen. Durch Macht erlangte man Sieg. Der Sieg zerbrach Ketten. Doch was geschah mit denen, deren Ketten zerbrachen und die danach nichts aufbauten, das stark genug war, sie zu ersetzen? Die Zuguruk hatten vielleicht einst einem Reich gedient. Nun ritten sie über frostige Ebenen und wurden von Dörflern als Kammerjäger gerufen. Potential allein reichte tatsächlich nicht. Darin lag das Widerliche: Sikarius konnte aus den falschen Gründen etwas Richtiges sagen.

Darth Baobhan
. Der Name blieb in des Bleichen Denken hängen wie ein Haken. Bisher war diese Gestalt vor allem durch andere aufgetreten: durch Pai Lai, durch Befehle, durch UX-23s Autorität, durch die indirekte Schwere eines höheren Willens, der Sikarius selbst in Bewegung setzte, ohne sich zeigen zu müssen. Wenn diese Mission tatsächlich von dort kam, lag darin Gefahr und Möglichkeit zugleich. Ein höherer Sith hatte entschieden, dass Sikarius und sein Schüler in den Koornacht-Cluster geschickt werden sollten. Jemand, dessen Gunst Gewicht haben konnte. Jemand, der Sikarius’ Ketten hielt oder zumindest an ihnen zog. Der Gedanke war leise, fast widerwillig, aber er war da: Wenn Teneb dort bestand, wenn er auf N’zoth mehr war als Gepäck, mehr als Schüler, mehr als die bleiche Kreatur hinter Darth Sikarius, dann konnte dieser Einsatz eine Tür öffnen, die Artek III ihm nie geöffnet hätte. Doch ein Kriegsgebiet gegen xenophobe Bestien war ein extrem hoher Preis für eine Tür.

Als
Sikarius UX-23 ins Gesicht schlug und der Droide scheppernd gegen die Wand knallte, zuckte Teneb nur leicht mit den Augen, mehr aus Berechnung als aus Mitleid. Der Sprung im roten Photorezeptor des Droiden glühte wie ein winziger Riss in einer Ordnung, die sich für unantastbar gehalten hatte. Es war fast komisch. Es war zugleich bezeichnend. Sikarius schlug gegen alles, was ihn daran erinnerte, dass andere über seine Richtung bestimmten. Teneb verstand diesen Impuls inzwischen zu gut, um ihn ganz verachten zu können.
Er wartete, bis das elektronische Kreischen verklungen war und sich das Summen des Schiffes wieder als Grundton durchgesetzt hatte. Dann hob er den Kopf, die Stimme ruhig, mit jener vorsichtigen Schärfe, die in den letzten Monaten häufiger in seine Worte getreten war.


„Was genau ist dort unser Auftrag?
Sein Blick glitt zuerst zu UX-23, dann zu Sikarius, blieb schließlich an seinem Meister hängen.
„Zwei Sith gegen eine planetare Widerstandszelle aus Fremdenhassern, die man kaum unterwandern, kaum bestechen und kaum gegeneinander ausspielen kann, klingt nach einer sehr großzügigen Definition von Lokalverwaltung unterstützen.“

Der Schmerz im Bein pochte, doch er ließ ihn stehen, wie man eine Warnlampe stehen ließ, solange der Reaktor noch lief.


„Sollen wir Anführer ausschalten? Strukturen brechen? Ziele markieren? Oder reden wir von einer Säuberung wie auf Artek III, nur im größeren Maßstab?“ Er sprach das letzte Wort flacher aus, als es sich in ihm anfühlte. Artek III lag noch zu nah hinter ihnen, der Rauch des Dorfes noch zu frisch, die Reue noch wie ein dünner, scharfer Splitter unter der Haut. Und doch war da bereits etwas anderes, etwas Kaltes, das diese neue Mission nach Nutzen, Gefahr und Aufstiegsmöglichkeiten abtastete. Teneb hasste, dass ein Teil von ihm dabei nicht zurückwich.

Sein abschließender Blick galt seinem Meister. Der Mann, der N’zoth kannte. Der Mann, der dort offenbar schon einmal durch Blut gegangen war. Der Mann, der eben noch geprahlt hatte, den Darama getötet zu haben, und nun einen Schatten im Gesicht trug, den selbst Alkohol und Wut nicht ganz überdeckten.


„Ihr wart schon dort“, sagte Teneb. „Was erwartet uns dort wirklich?"

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Leto schmunzelte noch immer über das empörte Summen des Droiden, als der Schüler ein weiteres Mal die Stimme erhob. Er wollte wissen, was denn genau ihr Auftrag werden würde und fasste die Problematik der Situation sauber zusammen. Die Yevethaner mussten bekämpft werden, da sie aus ihrer Natur heraus subtileren Methoden unzugänglich sein würden. Seine Auflistung der möglichen Einsatzgebiete klang plausibel. Für einen Moment dachte Leto, UX-23 würde die Frage keiner Antwort würdigen. Noch immer war der leuchtende Photorezepter auf ihn gerichtet, den frischen Riss von innen heraus mit einem roten Funkeln füllend. Dann jedoch ertönte ein weiteres Mal die mechanische Stimme:

“Der einzige Grund, warum N’zoth nicht einem Base Delta Zero unterzogen wurde, ist, dass der Planet signifikantes Industriepotential aufweist, das für den Krieg gegen die Neue Republik vonnöten sein wird. Dies bedeutet jedoch auch, dass eine Niederschlagung des letzten Widerstandes umfangreiche Bodenoperationen bedingen wird, die ebenfalls Ressourcen binden, die anderswo benötigt werden. Euer Aufgabenbereich wird strikt im Ermessensspielraum von Gouverneur von Berchem liegen, jedoch solltet ihr damit rechnen, vorrückende Truppen zu unterstützen, sowie Präzisionsschläge gegen ideologisch wertvolle Ziele zu verüben, um die feindliche Moral zu brechen.”

“Der Zirkel der Extinktoren ist wohl grade im Urlaub?”

, fragte Leto mit einem Schnauben.

“Der Zirkel der Assassinen auf Klassenfahrt?”

“Ich bin nicht über derlei Interna des Sith-Ordens informiert.”

, gab UX-23 mit emotionsloser Stimme zurück.

“Jedoch würde ich annehmen, dass beide Zirkel auf Schlachtfeldern mit höherer Priorität kämpfen. Sowie Fronten, die mehr Feingefühl erfordern.”

“Die Extinktoren und mehr Feingefühl? A*schlecken.”

“Es ist alles im Verhältnis zu betrachten, Sikarius. Diese Mission folgt in etwa meiner Einschätzung eines möglichen Einsatzfeldes, die ich nach deiner Mission auf Nkllon übersandt habe.”

Da war er wieder, dieser süffisante Unterton. Leto ballte die Faust, doch diesmal beherrschte er sich. Es juckte ihm in den Fingern, den Droiden weiter als Boxsack zu missbrauchen, doch er erinnerte sich noch zu gut daran was geschehen konnte, wenn er es übertrieb. Auch nach fast vier Monaten steckte ihm der Kurzschluss der Maschine am Ende der Mission auf Nkllon noch immer in den Knochen. Er spürte ein Prickeln in der Narbe in seinem Nacken, in dem ihm vermutlich Lord Baobhans Schergen eine Bombe eingepflanzt hatten. Diese W*xer.

Nun meldete sich jedoch wieder der Schüler zu Wort. Leto spürte den Schmerz, der von ihm ausging, vermutlich von der Verletzung in seinem Bein herrührend. Dennoch ließ er sich dies äußerlich nicht anmerken und stellte stattdessen die nächste Frage. Diesmal an Leto: Was würde sie auf N’zoth erwarten? Dieser verschränkte die Arme vor der Brust und überlegte für einen Moment. Suchte die richtigen Worte.


“Nach N’zoth sind wir mit einem Transporter von Galantos geschlichen. Am Raumhafen von Giat Nor haben wir gepanzerte Fahrzeuge geklaut und sind von dort an offen über die Zentralstraße auf das Regierungsgebäude zugebrettert. Wir hatten sie richtig am A*sch, die zuständigen Jäger sind am Raumhafen hochgegangen.”

Letos Stimme war stumpf, sein Blick weit entfernt an diesem Tag vor vielen Jahren. Noch immer hörte er das Schreien der Yevethaner, die in Massen gestorben- nein, verreckt waren. Nur manche von ihnen hatten wirklich kämpfen können.

“Wir wussten, die können uns nix, sie wussten, die können uns nix.”

Er zwang sich zu einem Grinsen.

“Was habense also gemacht? Sie sind aus den Häusern gekommen, haben sich auf die Straße vor uns gestellt. Mit nichts als Fleisch haben sie zu tausenden versucht, unsere Fahrzeuge abzuhalten. Vergeblich. Mücken auf der Gleiterscheibe.”

Für einen Moment starrte er ins Leere, dann richtete er seinen Blick ein weiteres Mal auf den Schüler und zog seine Mundwinkel mit Mühe wieder in die Höhe.

“Was ein geiles Blutbad.”

Das Bravado klang hohl in seinen eigenen Ohren.

“Was erwartet uns also? Ein Planet voller Fanatiker, die bereit sind ihr eigenes Leben sinnlos für ne verlorene Sache wegzuwerfen. Sie haben Klingen in den Armen - also sind alle bewaffnet. Männer, Frauen und Kinder. Sie füttern ihre Brut mit dem Blut getöteter Feinde. Das erwartet uns dort, Junge.”

Nach kurzem Zögern fügte er hinzu:

“Glaub nicht, dass ich dich nochmal rette. Wenn du dich als zu schwach erweist, einfache Anweisungen zu befolgen. Der Tempel war eine Sache, aber ich werde dir nicht in ein Haus wahnsinniger Xenos folgen, weil du Touri spielen musstest. Ich gebe keinen F*ck auf dich und wenn der Preis dich zu retten der Tod ist, kann der Blecheimer mich noch so drohen mich umzubringen. Soweit klar?!”


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Von Natur aus bewaffnete Bestien, die in ständiger Auflehnung gegenüber der imperialen Okkupation leben. Teneb Dask hörte UX-23 mit jener angespannten Stille zu, die sich in den letzten Monaten zu einer seiner nützlichsten Hüllen entwickelt hatte. Der Droide sprach von Industriepotential, Bodenoperationen, gebundenen Ressourcen und ideologisch wertvollen Zielen, als ginge es um eine sauber gegliederte Lagebesprechung in einem sterilen Strategieraum und nicht um einen Planeten, dessen Bevölkerung nach allem, was er über die Yevethaner wusste, jede imperiale Präsenz als Entweihung ihres Daseins begreifen musste. Doch gerade diese kalte Sprache der Maschine machte das Ausmaß der kommenden Aufgabe deutlicher als jede pathetische Warnung es vermocht hätte. N’zoth sollte erhalten bleiben, weil es nützlich war. Seine Fabriken, seine Infrastruktur, seine Produktionslinien, seine Arbeitskraft, seine Lage. Ein Base Delta Zero hätte das Problem gelöst, doch zugleich den Wert vernichtet, um dessentwillen man diesen Krieg überhaupt weiterführte. Also brauchte es Bodentruppen und einen dreckigen Häuserkampf, bei dem aus allen Richtungen geschossen wurde. Das ganze, schmutzige Repertoire einer Ordnung, die Zerstörung nur dort begrenzte, wo der Besitzwert des Ziels noch höher war als der Ärger, den seine Bevölkerung verursachte.
Als
Sikarius zu sprechen begann, veränderte sich die Qualität des Korridors. Der Bleiche hatte seinen Meister prahlen hören, hatte ihn wüten, spotten, auch lallen und drohen gehört, und in all diesen Tonfällen lag gewöhnlich eine aggressive Selbstverständlichkeit, als müsse die Welt sich allein durch die Lautstärke seiner Verachtung schon in die gewünschte Form biegen. Diesmal aber wurde seine Stimme stumpfer, einem Echo gleich. Die Worte über Giat Nor, gestohlene gepanzerte Fahrzeuge und die Zentralstraße klangen zunächst wie eine jener Geschichten, mit denen Sikarius seine eigene Ungeheuerlichkeit fütterte, und sich wie ein Rancor-Bulle brüllend auf die Brust schlug, doch je länger er sprach, desto deutlicher bemerkte Teneb, dass hinter dem verächtlichen Bild des Blutbads etwas anderes stand. Ein Blick, der kurz in die Ferne ging. Eine innere Verlangsamung, kaum mehr als ein Schatten, und dennoch so vertraut, dass der Umbaraner für einen Moment nicht wusste, warum sie ihn traf. Dann begriff er es. Trauma. Fleisch gewordenes Trauma, schlecht verkleidet als Triumph.

Sikarius prahlte von tausenden Körpern auf einer Straße, von Wesen, die sich mit bloßem Fleisch gegen Fahrzeuge geworfen hatten, als wären sie Mücken, die auf einer Gleiterscheibe zerplatzen. Nach außen suhlte er sich in der Beschreibung des Blutbads, doch das Bravado trug Risse. Was dort geschehen war, hatte selbst diesen kapriziösen, ekelhaften, brutalisierten Sith nicht kalt gelassen. Vielleicht hatte es ihn nicht mit Mitleid erfüllt, vielleicht auch nicht mit Schuld, doch es hatte sich in ihm wie ein Parasit letzter Menschlichkeit festgesetzt. In seinem Blick stand für wenige Herzschläge etwas, das Teneb an seine eigenen Laster erinnerte, sie es Peskas zerstörtes Gesicht im Nebel, die aus dem Pub strömenden Dörfler unter dem Feuer der Bordkanonen oder das süße Flüstern des Tempels im Schädel. Sikarius hatte N’zoth überlebt, und Überleben war in dieser Galaxis oft nur eine andere Form von Versehrung.

Teneb senkte den Blick leicht um den Gedanken vor einem zu frühen Ausdruck zu bewahren. Ein Planet voller Fanatiker. Jeder Körper eine Waffe. Männer, Frauen, Kinder. Klingen in den Armen. Brut, die mit dem Blut getöteter Feinde gefüttert wurde. Eine Gesellschaft, die aus Fremdenhass nicht bloß eine Meinung, sondern ein biologisches, rituelles, soziales Gesetz gemacht hatte. Gegen so etwas würde rohe Gewalt zwar Straßen mit Kadavern füllen und Gebäude brechen, doch sie würde an den falschen Stellen abprallen, wenn man sie ohne Ziel verwendete. Fanatiker starben bereitwillig, wenn ihr Tod Bedeutung behielt. Fanatiker warfen sich, wie eindrucksvoll von seinem Meister ausgeführt, vor Fahrzeuge, solange Hoffnung ihnen sagte, dass jeder zermalmte Körper ein Stein in einer größeren Mauer sei. Man konnte sie töten, ja. Das Imperium konnte Millionen töten, wenn es genug Ressourcen und Willen fand. Doch wenn die Aufgabe darin bestand, Widerstand zu brechen und Industrie zu bewahren, reichte das Massaker und damit Verlust von Arbeitskraft allein kaum aus. Man musste das zerstören, was den Körpern erlaubte, sich freiwillig auf die Straße zu stellen. Hoffnung. Nicht die helle, naive Hoffnung, von der weichere Kulturen sprachen. Die yevethanische Hoffnung musste hässlich sein, hart, schmal und fanatisch, die Gewissheit, dass Reinheit bestehen könne, dass Fremde wieder vertrieben würden, dass jeder Tote den eigenen Hass heiliger mache. Wenn man diese Hoffnung nicht angriff, würden sie jede Niederlage in Märtyrertum verwandeln. Jede Säuberung in ein Lied. Jede zerstörte Zelle in eine Keimzelle für die nächste.

„Rohe Gewalt wird sie nur dort brechen, wo sie bereits erschöpft sind“, sagte Teneb schließlich leise, mehr in den Korridor hinein als zielgerichtet zu seinem Meister, doch deutlich genug, dass UX-23 jedes Wort erfassen musste. „Wenn sie bereit sind, sich zu Tausenden vor Fahrzeuge zu werfen, ist ihr Körper schon verbrannt, bevor der Kampf beginnt. Dann muss man etwas treffen, das sie noch teurer bewerten.“

Er hob den Blick, und in seinen hellen Augen lag eine Müdigkeit, die von den letzten Stunden stammte, zugleich aber auch eine neue, scharfe Wachheit.

„Ihre Hoffnung und ihre Zeichen sowie die Gewissheit, dass Widerstand Bedeutung hat. Man muss ihnen zeigen, dass jedes Opfer leer bleibt. Ihre Anführer sterben, ohne Legenden zu werden. Dass ihre heiligen Orte brennen, ohne dass der Himmel antwortet. Dass jeder Plan, jede versteckte Zelle, jedes letzte Nest bereits gesehen wurde, bevor es handeln kann.“

Die Bemerkung seines Meisters, jene Warnung, die zugleich Drohung, Lehrsatz und Selbstschutz war, ließ
Teneb einen Moment ruhen, ohne den Blick sofort abzuwenden. Es hätte ihn verletzen können, hätte der Umbaraner inzwischen noch von diesem Mann eine Art von Schonung erwartet. Stattdessen spürte er nur, wie sich etwas Scharfes, Schleichendes und Lauerndes in ihm regte. Er neigte den Kopf ein wenig, und als er antwortete, lag in seinem Ton eine beinahe höfliche Jovialität, die gerade durch ihre Form die Klinge darunter sichtbar machte.

„Natürlich glaube ich das nicht, Meister. Ihr habt euch in dieser Frage immer vorbildlich klar ausgedrückt.“


Ein schmaler Zug ging über seine Lippen, zu trocken für ein Lächeln.


„Ich würde in einer vergleichbaren Lage auch keine wertvolle Gelegenheit verschwenden, mich für Euch töten zu lassen. Ihr habt mir schließlich beigebracht, dass ein Sith zuerst überlebt und fremde Schwäche keinen Anspruch auf Rettung verdient.“


Er hielt den Blick noch einen Herzschlag lang, lange genug, damit die Höflichkeit ihren zweiten Boden zeigte, dann senkte er den Kopf in einer ergebenen, fast makellos ausgeführten Verbeugung.


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Mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck lauschte Leto, wie der Dieb ad hoc eine Strategie vortrug, wie er den Yevethanern zu Leibe rücken wollte. Er verstand die Worte instinktiv, das kannte er aus eigenen Spielereien in der Vergangenheit. Wie einem Opfer jedwede Hoffnung rauben, bevor man es letztendlich tötete? Da hatte er früher immer wieder sehr lange drüber nachgedacht. Der Drang Leben zu vernichten war aus Leto gewichen, aber seinen daraus erwachsenen Sinn für Humor hatte er sich bewahrt, wie er zuletzt auf Artek III gezeigt hatte. Der einzige Unterschied war, dass der Dieb vorschlug, die Moral der Yevethaner auf gesellschaftlicher Ebene anzugreifen und was sie als wertvoll erachteten, so lange in den Staub zu treten, bis Tod wie die bessere Alternative schien. Leto zuckte mit den Schultern.

„Das sind ganz schön viele Worte für ‚Erwisch sie da wo’s wehtut‘. Vielleicht sollten wir eine Holostation übernehmen und mehr solche Vorträge ausstrahlen. Die Larven werden sich dann noch in ihren Kokons in die eigenen Armklingen stürzen.“

, sagte er nüchtern und schnaubte belustigt. UX-23 ging darauf jedoch gar nicht erst ein und fügte stattdessen hinzu:


„Ein glücklicher Zufall, dass du die Waffe ihres Darama erbeutet hast und nun führst. Ein erkennbareres Symbol, das wir gegen sie richten könnten, gibt es nicht. Es war fahrlässig von Sikarius das Schwert vor Jahren als Trophäe mitzunehmen, anstatt es der KOMENOR zu übergeben. Vielleicht wäre der Kampf dann bereits abgeschlossen.“

Bei diesen Worten zuckte Letos ungleicher Blick zu dem Droiden und eine dunklere Schattierung legte sich über seine ohnehin graue Haut. Seine organische Hand schloss sich um den Griff seines Scimitars, doch er hielt sich davon ab es zu ziehen.

„Geh P*sse gurgeln!“

, zischte er.

„Hätte das Imperium mir die gleiche Anerkennung zugestanden wie dem Rest, dann bräuchte ich keine Trophäe! F*ck dich und Sting und Adria und Allis faulige Leiche in sein madenzerfressenes A*schloch.“

Auch auf Letos Klarstellung, dass er dem Dieb nicht die Haut retten würde, hatte der Bleiche eine Antwort. Er glaubte Leto und würde auch ihn nicht retten, wären ihre Rollen vertauscht. Ohne eine Spur von Ironie im Gesicht nickte Leto.

„Ich sehe, ich hab‘ dich gut gelehrt. Ein Sith mit Beziehungen is‘n schwacher Sith. Emotionale Bindungen sind nur Ketten, die du selber schmiedest. Es kommt der Tag, da wirst du deinen alten Meister abstreifen können wie ‘ne alte Haut. Verpass die Gelegenheit nicht, wenn sie endlich kommt.“

Bewusst nicht auf eine Antwort wartend, drehte Leto sich nun wirklich um und stakste in seine Kabine. Egal was der Rest noch zu sagen hatte, er hatte genug. Der sche*ß Droide, der freche Schüler… alle beide konnten ihn mal kreuzweise. Auch wenn ihm der Gedanke, dass der Dieb endlich seine Stimme wiedergefunden hatte, ein dünnes Lächeln aufs Gesicht trieb.

Der konnte ja doch sprechen, stellte sich heraus. Und Humor hatte er auch, wenn er sich nicht grade in die Hose sch*ss!

In seinem Quartier angekommen, legte Leto sich zunächst einfach nur hin und stellte laute Musik an. Seine letzten beiden Flüge hatte er quasi wach verschlafen. Er wusste nicht, wann sie auf N’zoth ankommen würden und aus Erfahrung heraus hatte er gar nicht erst danach gefragt. Es war ja ohnehin egal. Also dröhnte die Musik und Leto wartete. Darauf, dass die Zeit verschwamm, oder sie endlich ihr Ziel erreichten. Nichts von beidem stellte sich ein, bevor die Langeweile als unverhoffter Gast an die Tür seines Quartiers klopfte.

Zunächst versuchte Leto sein Unbehagen durch eine Änderung der Stellung zu kompensieren. Er drehte sich auf die andere Seite, wechselte schließlich die Seite, in die sein Kopf zeigte. Nach einer Weile lehnte er sich mit dem Rücken an die Wand, den Kopf zur Liege und die Beine in die Höhe gestreckt. Nichts half. Zu guter Letzt setzte er sich mit einem Seufzen wieder vernünftig hin, kramte sein Com aus der Tasche und suchte nach Ablenkung im Holonet. Nach ein bisschen Scrollen durch ihm nichtssagende Memes und Referenzen, deren Bezug er verpasst hatte, landete er auf einem Nachrichtensprecher, der über die neuste Situation im Krieg referierte:


„…noch immer steht Kashyyyk massiv unter Druck. Manche unken bereits, das Doppelsystem sei verloren?! Selbst wenn! Meine Herrn, es wäre falsch anzunehmen, dass eine verlorene Schlacht das Ende dieses Krieges markiert. Ganz im Gegenteil! Durch diesen hinterhältigen Angriff vor Kriegserklärung hat die Republik doch erst bewiesen, wie schwach sie doch tatsächlich ist. Nur Mut meine Freunde, wenn erst unsere Gefechtsflotten und unsere Geheimwaffe, die Sith, zum Tragen kommen, wird Kashyyyk wie von selbst wieder heim ins Reich finden. Erinnern Sie sich an meine Worte, zum Tag des Imperiums sind die Truppen wieder zuhause! Wir-“

Mit einem Schnauben schaltete Leto um. Jaja, bla bla. Die Neue Republik hatte also Kashyyyk angegriffen? Die Eier hatte er ihnen gar nicht zugetraut. Er erinnerte sich noch gut an die Nachrichten, die er ab und an während seiner Jugend auf Taris verfolgt hatte. Dort hatte immer der ein oder andere Xeno gegreint, dass man doch Kriegsrecht oder irgendso’n Blödsinn achten musste. Dass der gleiche Staat nun ohne Kriegserklärung einen Planeten angegriffen hatte? Das konnte Leto respektieren. Im Kampf musste man jeden Vorteil nutzen, was war denn sonst auch der Sinn?!

Das nächste Gesicht, das sich bläulich leuchtend über seinem Com manifestierte, gehörte einer jüngeren Nachrichtensprecherin eines anderen Senders.


„Die Berichte, die von der laufenden Schlacht um Kashyyyk zu uns durchdringen, laden bislang nicht zum Optimismus ein. Experten zufolge müssen wir uns darauf vorbereiten, dass es dem Feind gelungen ist, durch seinen Überraschungsangriff diesen ersten Erfolg zu erzielen. Ebenfalls scheint der Konsens unter Vertretern des Oberkommandos jedoch zu sein, dass der betrübliche Ablauf dieses Angriffes gleichzeitig ein Grund zur Hoffnung ist. Die Neue sogenannte Republik lässt durch ihre Wahl der Mittel tief blicken und signalisiert, dass nach Jahren der Stagnation und des moralischen Verfalls zu Friedenszeiten nur so noch ein Sieg gegen das Galaktische Imperium möglich zu sein scheint. Ein Sprecher der KOMENOR stellte klar, dass schon in Kürze mit einer Rückeroberung des Systems durch gezielten Einsatz von Flotte und Sith zu rechnen ist. Die Länge des sich nun entfaltenden Konfliktes bis zum Endsieg wird auf wenige Monate geschätzt.“

Nachdenklich musterte Leto sein Com, während er ein weiteres Mal umschaltete. Das hatte doch irgendwie alles mächtig bekannt geklungen, auch wenn er nicht so recht den Finger darauflegen konnte. Als nächstes erschien das Xenogesicht eines Muun über seinem kleinen Gerät, den ein durchlaufender Schriftzug auf Brusthöhe als Vertreter des Bankenclans auf Muunilist auswies.

„Die Märkte haben bislang auf die schwere Situation über Kashyyyk mit ehrbarer Stabilität reagiert. Den Planeten zu verlieren, scheint bereits in die Erwartungen der Anleger miteinberechnet zu sein. Oder aber, sie schließen vom Kleinen nicht aufs große Ganze. Der Clan imperialer Banken teilt die zweitere Ansicht und interpretiert das Vorgehen der Neuen Republik als Grund zum Optimismus. In der Vergangenheit handelte man auf Seiten des Feindes stets im Einklang mit intergalaktischem Recht. Dass dies nun nicht der Fall war und dass man sich zu diesem Schritt gezwungen sah, lässt Rückschlüsse über die Kampfbereitschaft der Rebellen zu. Wir empfehlen Anlegern zu diesem Zeitpunkt noch nicht erworbene Anteile von Unternehmen im Kashyyyk-System zu verkaufen, da das System schon bald in imperiale Hand zurückfallen könnte. Die Konvergenz der Gefechtsflotten mit Sith-Hilfstruppen ist imminent und daher wird eine überschaubare Dauer des Konfliktes erwart-“

Mit einem Klick schaltete Leto sein Com wieder ab, sein organisches Auge verengt und den Kopf leicht schiefgelegt. War er hier irgendwie im falschen Film gelandet, oder hatten die drei Gestalten grade mit anderen Worten quasi eins zu eins dasselbe gesagt?! Er schaute nun wirklich nicht häufig ins Holonet aber…war das normal?! Wer schaute sich die Rotze denn überhaupt noch an, wenn am Ende des Tages der einzige transportierte Inhalt war, dass Kashyyyk so gut wie gefallen war, aber sicherlich bald zurückerobert werden würde! Was zum F*ck?!

Da hatte doch sicherlich irgendwer das gleiche Script irgendwo liegen lassen, von dem die drei Sender abgeschrieben hatten. Oder war es einfach billiger einfach seine Programmpunkte irgendwo einzukaufen, als sich selbst zu überlegen was man so Kluges zu sagen hatte? Das war es vermutlich. Irgendwie peinlich, dass die drei wohl einfach den gleichen Verkäufer erwischt hatten.

Das löste jetzt aber immer noch nicht Letos Langeweileproblem. Er hatte kein Interesse daran herauszufinden an wen der windige Händler noch alles sein merkwürdiges Script verkauft hatte und somit schied der Zeitvertreib Holonet aus. Mit einem Seufzen stand er auf und machte sich auf den Weg in die Nasszelle, um – von den Umständen gezwungen – ein bisschen Zeit auf Körperpflege zu verwenden. Lang duschte er und legte ein frisches Set Roben an, die es dankenswerterweise mit auf das Schiff geschafft hatten. Mit einer eingebauten Haarschneidemaschine trimmte er seine Haare und machte sich dann nach kurzem Zögern über den verwahrlosten Bart her. Das erste Mal seit einer Weile rasierte er sich glatt und ließ nur einen (für diesen kurzen Moment) sauber getrimmten Schnauzer zurück. Das letzte Mal, als er aktiv darüber nachgedacht hatte sich einen Schnurrbart stehenzulassen, hatte sein Körper noch nicht die Fähigkeit dazu besessen. Der neue Look gefiel ihm gar nicht mal schlecht, erinnerte er ihn doch an den einen Lehrer, vor dem er als Kind fast so etwas wie Angst gehabt hatte. So konnte ein Sith den Yevethanern durchaus gegenübertreten.

Als er die Nasszelle schließlich wieder verließ, stand er jedoch ein weiteres Mal vor demselben Problem wie vorher.

Die nächsten beiden Tage wanderte Leto durch das Schiff wie ein Geist. Es gab nichts zu tun. Rein garnichts. Das Holonet enthielt nur blödsinniges Gesabbel – er hatte es doch noch tatsächlich noch ein paar Mal versucht – und ansonsten hatte er keine Beschäftigung. Musik? War gut für den Hintergrund. Training? Wurde auch irgendwann langweilig, vor allem da an Bord der Fury einfach nicht genug Platz da war. Standardmäßig verlegte er sich darauf den anderen Anwesenden auf die Nerven zu Fallen, nur mit der Konsequenz, dass die rasch lernten ihn zu meiden. Sogar der Pilot fand einen Weg das Cockpit hermetisch abzuriegeln, wenn Leto nicht grade das Lichtschwert seines Schülers zur Hand nehmen wollte! Frech.

Vor allem am zweiten Tag wurde die Sache fast unerträglich. Es war nun schon mehr als vierundzwanzig Stunden her, dass er das letzte Mal von Rousseaus Alkohol gekostet hatte und nach drei Monaten regelmäßigen Konsums beantwortete sein Körper die Abwesenheit mit Widerwillen und Strafaktion. Er war reizbar – reizbarer als sonst – und die Abwesenheit eines Boxsacks (der Schüler versteckte sich ja) machte das nur noch schlimmer. Seine Hände zitterten, er konnte alle zwei Stunden Duschen, weil er schwitzte wie ein Schwein, und – absolut am schlimmsten von allem! – er konnte nicht schlafen!

Nach zwei Tagen, die sich durch die durchwachten Nächte deutlich länger angefühlt hatten, fand Leto sich also im Gemeinschaftsraum des Shuttles wieder. Den zentralen Dejariktisch verunzierte eine funkensprühende Kerbe, wo er nach einem gegen den Computer verlorenen Spiel die Härte seines Scimitars getestet hatte. Auch sonst glich der Raum eher einem Schlachtfeld. Die Beine hatte Leto ein weiteres Mal die Wand hochgelegt und hing nun kopfüber auf der Sitzbank, vor dem Gesicht ein Magazin, das er beim Piloten hatte mitgehen lassen, bevor dieser das Cockpit verriegelt hatte. ‚Die architektonischen Wunder Korribans (mit kleinem Sithlord als Beilage)‘.

Blegh, langweilig. Aber das Magazin nicht zu lesen wäre schlimmer gewesen. Lustlos blätterte Leto also durch die Seiten und beobachtete desinteressiert die Abbildungen von orangen Wüsten, bröckelndem Stein, abgewetzten Statuen. Warum hatte sich denn irgendein Idiot dazu herabgelassen diesen Scheiß zu holografieren?! Es sah doch alles gleich aus, irgendwie! Alles war irgendwie abgewetzt, bröckelig…hatte er schon orange gesagt? Manche Statuen trugen Inschriften in Aurebesh (die er aber trotzdem nicht lesen konnte, weil verf*ckte andere Sprache!) und andere hatten Waffen. Diesen Abschnitt hatte Leto als den interessantesten ausgemacht, dann jedoch rasch festgestellt, dass die genauso bröckelnd, orange und abgewetzt waren wie alles andere auch! Nichts hier war auch nur in irgendeiner Form interessant und wenn man schon einmal auf Korriban gewesen war (was bei Leto der Fall war!!) gab es hier nichts neues zu sehen. Sogar den kleinen Sithlord als Beilage schien der Pilot sich unter den Nagel gerissen zu haben. P*sser.

Grade wollte Leto ein weiteres Mal von vorne damit beginnen das Magazin durchzublättern, als ein eindringliches Bimmeln seines Coms ihn aus seiner gelangweilten Trance riss. Dicht gefolgt von fünf anderen Weckern, die er sich unabhängig voneinander gestellt hatte. Jäh aufgeschaltet sprang er fast schon akrobatisch auf und pfefferte das Magazin beiseite. Mit der charakteristischen Erschütterung fiel die Fury aus dem Hyperraum. Sie waren angekommen!


[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / Orbit von N'zoth / Fury ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) UX-23 und der Pilot

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Weltraum | Hyperraum zwischen Artek III und Athiss, Richtung Athiss | Svelte-Class Shuttle "Fury" | Teneb Dask, Darth Sikarius und UX-23 sowie der Pilot [NPCs]
Teneb Dask blieb noch einen Moment im Korridor der Fury stehen, nachdem Sikarius sich abgewandt hatte und in Richtung seiner Kabine davonstakste, als wäre jedes weitere Wort eine Zumutung, die unter seiner Würde lag. Der Satz des Meisters hing trotzdem weiter in der Luft. Ein Sith mit Beziehungen sei ein schwacher Sith. Emotionale Bindungen seien Ketten, die man selbst schmiede. Irgendwann werde der Tag kommen, an dem Teneb seinen alten Meister abstreifen könne wie eine alte Haut. Er solle die Gelegenheit dann nur nicht verpassen. Das würde er nicht, darauf konnte sich der Sith verlassen. Der Bleiche sah ihm nach, bis die Tür sich hinter ihm schloss, und spürte dabei eine eigentümliche Mischung aus Abscheu, Gereiztheit und einer widerwilligen Anerkennung, die er am liebsten aus sich herausgeschnitten hätte. Sikarius hatte seine Bosheit wie üblich in grobe Worte verpackt, doch der Kern darin ließ sich schwer abweisen. Bindungen konnten Ketten sein. Zuneigung, Loyalität, Dankbarkeit, selbst Mitleid konnten denselben Zweck erfüllen wie ein Halsring auf Zygerria, wenn man sie nur fest genug um den Willen eines Wesens legte. Und doch fragte Teneb sich, ob Sikarius diesen Satz wieder einmal nur halb begriffen hatte. Denn wer jede Verbindung als Schwäche verwarf, wer in jedem anderen Wesen nur Werkzeug, Last oder Gegner sah, machte sich vielleicht frei von bestimmten Ketten, schloss sich zugleich aber in eine sehr kleine Zelle aus eigenem Hass ein. Sein Meister war der lebende Beweis dafür, dass wahrlich jede Lösung eine Enthauptung sein konnte, wenn man Probleme kopflos anging. In seinen Gedanken formte sich zudem eine weitere Erkenntnis. Beziehungen waren nur dann eine Kette, wenn man sich von dieser abhängig machte. Einen Schüler zu misshandeln um ihn tiefer in die dunkle Seite zu versenken mochte zwar unmittelbare Ergebnisse erzielen, sorgte aber für Risse in der Autorität des Meisters. Wieso musste er einem Schüler Schmerzen zufügen, wenn eine ganze Galaxis dafür bereitstand? Stattdessen konnte er sich als die Oase inszenieren, an die ein nach Macht dürstender Schüler sich labte um zu wachsen und den Willen des Meisters zu manifestieren. Doch diese Erkenntnisse behielt er für sich, einem Schatz gleich, den er weder mit dem kapriziösen Meister, noch mit dem Droiden teilen würde. Es war Zukunftsmusik und um diese Partitur spielen zu können, würde er estmal die Dissonanz des Krieges auf N'Zoth überleben müssen.

UX-23 sagte zunächst nichts. Der Riss im roten Photorezeptor glomm wie eine winzige, zornige Wunde im Gesicht der Maschine, und Teneb war nicht sicher, ob der Droide schwieg, weil er eine Berechnung ausführte, weil er Sikarius’ Schlag in irgendeine Liste künftiger Sanktionen eintrug oder weil selbst seine Programmierung für einen Moment an den Grenzen dessen rieb, was sich mit Effizienz begründen ließ. Der Bleiche wandte den Blick schließlich ab. Sikarius hatte erneut diese Adria genannt, die wohl seine Vorgängerin war. Zudem erwähnte der Sith einen gewissen Sting und andere Namen ausgespien wie Gift, und gerade in dieser Tirade lag eine Information, die der Droide nicht ausgesprochen hatte: Das Schwert Kal Fraans war für den Meister mehr als eine vergessene Trophäe. Es war ein Beweisstück in einem Verfahren, das nie stattgefunden hatte. Ein Zeichen für eine Leistung, die andere in Ruhm verwandelt hatten, während Sikarius offenbar nur das Recht geblieben war, sich an einem erbeuteten Griff festzuklammern. Teneb berührte unwillkürlich das Lichtschwert an seiner Seite.
Die Waffe ihres Darama, hatte UX-23 gesagt. Ein erkennbares Symbol. Vielleicht das erkennbarste, das man den Yevethanern entgegenhalten konnte. Der Gedanke setzte sich in
Teneb fest. Kal Fraan war tot, enthauptet, ausgelöscht, doch sein Symbol war nicht verschwunden. Es hing nun an Tenebs Gürtel, und damit wurde aus einer Waffe ein Instrument, aus einem Instrument ein Zeichen und aus einem Zeichen eine mögliche Klinge gegen den Willen eines ganzen Volkes. Sikarius hatte es aus Trotz behalten, aus Kränkung, aus dem kindischen Bedürfnis heraus, sich selbst zu ehren, wenn andere es verweigerten. Jetzt konnte aus dieser Eitelkeit eine strategische Gelegenheit werden. Die Galaxis besaß offenbar eine perverse Vorliebe dafür, aus den Fehlern beschädigter Männer Werkzeuge zu machen.

Die folgenden zwei Tage im Hyperraum dehnten sich nicht ruhig, eher zäh. Die Fury war kein Ort der Erholung, nur eine metallene Unterbrechung zwischen zwei Formen von Gewalt. Sie trug die Spuren ihres Gebrauchs in jedem Gang, in jeder vibrierenden Wand, in den nach Schmierstoff riechenden Luftschächten und in der Enge, die jeden zufälligen Kontakt mit Sikarius oder UX-23 wahrscheinlicher machte, als Teneb lieb war. Der Versuch, sich abzulenken, scheiterte bereits an den materiellen Umständen. Die Dejarik-Platte, die ihm für einen Augenblick als primitive Beschäftigung in den Sinn gekommen war, zeigte noch immer den Schaden, den irgendein stumpfer, schwerer Gegenstand ihr zugefügt hatte. Die holografische Emitterplatte flackerte nur noch kränklich, warf verzerrte Schatten ohne klare Figuren und gab dann mit einem leisen, beleidigten Knacken ganz auf.
Also blieb ihm nur eine Sache, die ihn wirklich ablenken konnte: Er übte.
Nicht jene Techniken, die den ganzen Körper in Anspruch nahmen und auf engem Raum zu Verletzung, Lärm oder sinnloser Beschädigung des Schiffes geführt hätten. Keine Sprünge, keine Geschwindigkeit, keine perfektionierte Körperbeherrschung in den Gängen einer Svelte-Klasse. Die Rage ließ er unberührt, so gut er konnte, denn noch hing das Gefühl jener Raserei in ihm wie der Nachgeschmack von Blut auf der Zunge.
Stattdessen wandte er sich den Fertigkeiten zu, die in Stille wachsen konnten. Levitation. Machtgriff. Machtsinn. Kleine Gegenstände aus seiner Kabine, Schrauben, eine leere Metallkapsel, ein zerkratztes Werkzeugteil, ließ er schweben, hielt sie in der Luft, drehte sie langsam um die eigene Achse, zog sie an, stieß sie weg, fing sie erneut, bis sein Geist die Übergänge zwischen Ziehen, Halten, Drücken und Loslassen klarer unterscheiden konnte. Manchmal legte er den Griff des blauen Lichtschwerts vor sich auf die Koje und rief ihn mit der Macht in die Hand, erst langsam, dann schneller, dann aus ungünstigen Winkeln, bis die Bewegung weniger wie ein Trick wirkte und mehr wie eine Erweiterung seiner eigenen Absicht.

Zwischen diesen Übungen suchte er das HoloNet ab, was sich als Geduldsprobe erwies, nutzte sein Meister wohl zur selben Zeit den Empfänger, was die Bandbreite ihres Empfängers stark belastete. Der Umbaraner atmete tief ein. Früher hätte ihn das aufgeregt, doch im Angesicht seiner Entbehrungen erschien ihm eine einst so aufwühlende Begebenheit wie der Luxus der Unbescholtenen. Also setzte er seine Recherche mit mehr Geduld und dafür ambitionierter fort. Wenn er schon für Darth Baobhan sein Leben riskierte, dann wollte er seine Chancen zu überleben erhöhen in dem er eine Feindanalyse begann. Gezielt und methodisch, als suche der Ex-Slicer nach den Fehlern in einem Code. Zunächst über die offiziellen Kanäle, dann über Spiegelungen, Sekundärfeeds, archivierte Mitschnitte, fragmentierte Kopien auf schlecht gepflegten Relaisknoten und jene halblegalen Sammelstellen, die sich wie Pilzbefall an den Rändern imperialer Informationsräume hielten. Der Krieg gegen die Dushkan-Liga hatte genug Aufmerksamkeit erzeugt, dass Material leicht zu finden war. Die Schwierigkeit bestand darin, zwischen Propaganda, militärisch geglätteter Darstellung, sensationslüsternem Schmutz und echten Hinweisen zu unterscheiden. Teneb kannte solche Schichtungen. Jede Herrschaft erzählte von sich selbst in der Grammatik ihrer Wunschgestalt.

Imperial Holo News begann mit Fanfaren, Banner, Stimme und Pathos. Die Moderatorin blickte ernst in die Kamera, sprach von Barbaren vor den Toren, von Aufstand und Vergeltung, von loyalen Bürgern, die dem Schrecken der Yevethaner ausgeliefert gewesen seien. Die Bilder waren erwartbar und dennoch wirksam: graue, grausame Nichtmenschen, brennende Gebäude, Schiffstrümmer, kämpfende imperiale Truppen, Karten mit Ausbreitungslinien, die den Konflikt in eine verständliche Geometrie verwandelten.
Teneb sah das alles mit kühler Aufmerksamkeit. Die Sendung wollte Entsetzen erzeugen, dann Dankbarkeit, dann Stolz. Sie arbeitete sauber. Fast elegant. Die Bilder der Yevethaner waren so gewählt, dass selbst jemand, der die imperiale Bildsprache durchschaute, den Ekel nicht ganz abstreifen konnte. Vielleicht lag genau darin die Stärke guter Propaganda: Sie musste nicht lügen, solange sie die Wahrheit in die richtige Haltung zwang.
Lieutenant
Kael Reed, ein Chiss mit angespanntem, kontrolliertem Gesicht, beschrieb die Yevethaner als blutrünstige Monster, als Wesen ohne Furcht vor dem Tod, als Feinde, die Blut und Sterben verehrten und Zivilisten abschlachteten. Teneb hörte genau hin. Nicht auf die großen Worte, sondern auf die Struktur dahinter. Keine Furcht vor dem Tod. Verehrung des Blutes. Schändung der Toten. Ein Gegner, der moralische Grenzen des Imperiums weder teilte noch als Grenze akzeptierte. Ein Gegner, bei dem selbst imperiale Soldaten, die nicht gerade zimperlich waren, nach Worten griffen, die mehr nach Abwehrreaktion als nach Analyse klangen. Reed sagte außerdem, dass das Imperium ein Trauma in das Gedächtnis dieses Volkes brennen müsse, damit es solche Verbrechen nie wieder wage. Teneb hielt inne, spulte zurück, hörte den Satz erneut. Trauma als strategisches Ziel. Das war keine bloße Vergeltungsrhetorik. Ein Volk, dessen Hoffnung sich aus Reinheit, Opferbereitschaft und Hass speiste, musste in seiner Erinnerung verwundet werden, nicht nur in seinen Linien. Wieder kehrte Tenebs eigener Gedanke zurück. Man musste nicht alle Körper brechen, wenn man den Sinn brach, der diese Körper vorwärtswarf.
Der Auftritt
Darth Zions fügte dem Bild eine weitere Schicht hinzu. Die Stimme der Moderatorin wurde ehrfürchtiger, die Musik langsamer, die Kamera großzügiger. Der Sith wurde wie eine Statue inszeniert: Groß, gerüstet, gefährlich, ein Gigant eher als heroisches Werkzeug des Imperiums denn als dunkle Abweichung. Ein völlig anderes Bild eines Sith, als es sein Meister darstellte. Teneb beobachtete diesen Zion mit einem Unbehagen, das er zunächst nicht einordnete. Dieser Mann stand im Licht der Öffentlichkeit. Er sprach knapp, sehr autoritär und diszipliniert. Er lobte das Militär, betonte Zusammenarbeit, verwies auf Training und Pflicht, setzte seine Macht in einen Rahmen imperialer Ordnung. Ein Sith, der sich ins Bild des Staates einfügte, ohne darin klein zu wirken. Ein Vollstrecker, Kommandant und Symbol.
Teneb dachte an Sikarius, der im Dorf von Artek III durch Schlamm gestapft war, sich mit UX-23 stritt, an Statuen rotzte, Dorfbewohner quälte, sein Scimitar schwang wie eine private Kriegserklärung und seine Kränkungen mit Alkohol ertränkte. Der Kontrast war so scharf, dass er beinahe grotesk wirkte. Vielleicht lag darin ein Teil jenes Stachels, den Teneb zuvor gespürt hatte. Andere Sith wurden gezeigt, gerahmt, geachtet, sogar interviewt. Ihre Gewalt wurde übersetzt in Heldentum. Sikarius hingegen hatte seine Trophäe behalten müssen, weil ihm offenbar niemand eine öffentliche Statue aus Worten errichtet hatte. Eine Gefühlsmelange aus Mitleid und Spiegelbild formte sich gegenüber seinem Meister. War nicht auch er ein Ausgestoßener unter den seinen, vom Rootai verbannt und seine Blutlinie in Ungnade gefallen? Erneut musste der Umbaraner feststellen, dass sie sich in bestimmten Belangen glichen, so sehr ihn der Gedanke schmerzte.

Danach las Teneb den Beitrag der Galaxy News. Weniger pathetisch, nüchterner und in seiner Kargheit fast gefährlicher offenbarte sich ihm die Schlacht über Tizon. Die feindliche Flotte schwer geschlagen. Die Pride of Yevetha schwer beschädigt, ungeordnet in den Hyperraum gesprungen, darüber hinaus eine Kollision mit Tizons Mond, die in der vollständigen Zerstörung des Trabanten mündete. Instabile Trümmer in Umlaufbahn erschwerten zukünftig den Raumverkehr, Bodenoperationen zur Rückeroberung wurden damals angestoßen. Die Folge der Zerstörung des Mondes waren darüber hinaus Erdbeben, magnetische Störungen, sowie klimatische Umbrüche.
Teneb blieb lange bei dieser Meldung. Krieg auf dieser Ebene hatte seine eigene, kalte Absurdität. Ein Schiff, ein Sprung, ein Mond, und plötzlich wurden Gezeiten, Magnetfelder, Wetter, Städte, Frontlinien, Nachschub und Zivilbevölkerung Teil derselben Gleichung.

Das obskurere Material fand er erst später. Mehrfach kopiert, neu hochgeladen, übersteuert, verwaschen, von imperialen Medien ausgeschlachtet und von Klatschblättern mit jener parasitären Neugier umkreist, die selbst aus Hinrichtungen noch ein Verhältnisdrama destillieren wollte. Vier Gestalten vor einer rotfleckigen Wand. Eine Mark-I-Zero-G-Sturmtruppenangriffsrüstung im Hintergrund, weiß, beschädigt, schmerzhaft hell. Ein bewusstloser Yevethaner in zerrissener schwarzer Uniform, die Arme verbrannt und abgetrennt, die Stirn aufgerissen. Zwei Menschen, Mann und Frau, blutüberströmt und von der Körperhaltung ähnlich selbstbewusst, geradezu autoritär wie
Darth Zion. Ein schlichtes Schwert. Ein rotes Lichtschwert. Der Ruf der Frau: Der Sieg sei ihr. Nieder mit Fraan. Vergeltung für seine Gräueltaten. Für das Imperium. Hoch lebe der Imperator.
Dann der Schnitt und ein Kopf rollte vom Rumpf. Die Ordnung sei wiederhergestellt, so die Behauptung. Teneb sah das Video einmal. Dann noch einmal. Beim dritten Mal achtete er nicht mehr auf die Enthauptung. Er achtete auf die Ränder. Auf die Anordnung der Gestalten. Auf das Framing. Auf das Fehlen.
Sikarius war nicht zu sehen. Wenn er die Wahrheit gesagt hatte, wenn Kal Fraan wirklich durch seine Hand gestorben war, dann fehlte der eigentliche Henker im Bild der Geschichte. Andere standen vor der Kamera. Andere wurden identifiziert, besprochen, begehrt, bejubelt, verrätselt. Darth Angelus, laut Kommentatoren und anderen OSINT Rechercheuren, die junge Frau mit dem roten Lichtschwert wurde als Adria Guldur identifiziert. Das war sie also, an der Seite eines anderen Siths als Sikarius. War sie vielleicht nicht Schülerin sondern Liebschaft des kapriziösen Sith gewesen? War der Grund seiner ganzen Zerrissenheit ein gebrochenes Herz? Teneb schüttelte unwillkürlich den Kopf. Einen so profanen Grund für das Sein seines Meisters konnte er nicht glauben. Fest stand, dass Sikarius offenbar das Lichtschwert bekommen hatte, wie auch immer. Eine Trophäe statt Anerkennung.

Teneb lehnte sich zurück, das kalte Licht des Displays auf seinem bleichen Gesicht, und begriff, dass sein Meister vielleicht nicht nur wegen N’zoth reagiert hatte, wie er reagiert hatte. Diese Welt war nicht einfach ein ehemaliges Schlachtfeld. Sie war ein Ort, an dem
Sikarius zugleich triumphiert und ausradiert worden war. Er hatte getötet, geerntet, überlebt, vielleicht mehr getan als andere, und doch war der Mythos an ihm vorbeigelaufen. Der Sith mit Beziehungen mochte schwach sein, hatte Sikarius gesagt. Aber ein Sith ohne Erzählung war eine Wunde, die sich selbst immer wieder aufriss.
Teneb speicherte die relevanten Ausschnitte, sortierte sie in seinem Kopf neben den taktischen Informationen und spürte dabei, wie sich eine nüchterne, gefährliche Linie bildete. Kal Fraans Schwert als öffentliches Symbol des yevethanischer Darama. Eine imperiale Propaganda, die eine Erzählung benötigte und Sikarius’ verschwiegene Rolle. N’zoth konnte also als Bühne, auf der alte Kränkungen, militärische Ziele und Tenebs eigene Aufstiegsmöglichkeiten ineinanderlaufen konnten. Wenn die Yevethaner Hoffnung aus Reinheit und Opfer zogen, dann konnte man ihnen Kal Fraans Klinge wie eine Entweihung entgegenhalten. Wenn Sikarius nach Anerkennung hungerte, konnte diese Mission ihn unberechenbarer machen als jeder Feind. Wenn Baobhan zusah, durfte Teneb weder als bloßes Gepäck noch als weitere Trophäe seines Meisters erscheinen.

Am zweiten Tag schlief er wenig. Er übte weiter, las weiter, betrachtete Karten, soweit sie verfügbar waren, suchte nach Giat Nor, nach N’zoths Industriezentren, nach alten Nachrichten über die Rückeroberung einzelner Regionen, nach Namen von Gouverneur
von Berchem und lokalen Kommandostrukturen. Vieles war gefiltert, veraltet oder propagandistisch geglättet. Dennoch reichte es für ein erstes Muster. Die Yevethaner kämpften zäh, zentral in ihrer eigenen Weltanschauung, schwer zugänglich für klassische Zersetzung, aber durchaus verwundbar, wenn man das Symbolische gegen sie wendete. Der Tod ihres Darama hatte sie nicht gebrochen. Vielleicht hatte man ihn falsch genutzt. Vielleicht hatte man aus seinem Tod kein ausreichend giftiges Zeichen gemacht.

Als die Fury schließlich aus dem Hyperraum fiel, geschah der Übergang so abrupt, dass
Teneb für einen Moment den Eindruck hatte, aus einem Gedanken gerissen zu werden. Die blauen Ströme des Hyperraums zogen sich zusammen, wurden zu Linien, wurden zu Sternen, und vor ihnen lag N’zoth. Der Planet stand im Sichtfeld wie eine dunkle, feindselige Kugel, umgeben von den Spuren eines Krieges, der seine eigene Atmosphäre in Mitleidenschaft gezogen zu haben schien. Vielleicht Rauchschleier über Kontinenten, vielleicht nur Wolken, doch Tenebs Vorstellung füllte jede Unklarheit sofort mit brennenden Städten, Industriekomplexen und Straßen voller Fanatiker, die sich vor Fahrzeuge warfen, weil ihr Hass ihnen mehr bedeutete als ihr Leben.

Er stand vom schmalen Sitz auf, das Lichtschwert
Kal Fraans an seiner Seite, die Daten der letzten zwei Tage noch frisch im Kopf, und ging durch den vibrierenden Korridor, bis er zu Sikarius aufschloss. Einen Augenblick lang sagte er nichts. Er sah nur hinaus auf die Welt, die seinem Meister offenbar mehr genommen hatte, als dieser je zugeben würde, und die nun auch ihm eine Rolle aufzwingen wollte. Dann senkte Teneb den Blick kurz auf den Griff des erbeuteten Lichtschwerts.

„Wenn sie ihren Darama noch immer als Hoffnung tragen“, sagte er leise, mehr Feststellung als Frage, „sollten sie sehen, wem seine Klinge jetzt gehorcht.“

Teneb trat schließlich ins Cockpit der Fury, langsam genug, dass sein mittlerweile durch Bacta-Spray heilendes Bein den Schritt nicht verriet, und stellte sich leicht seitlich hinter Sikarius, dort, wo das Sichtfenster N’zoth wie eine dunkle, belagerte Kugel zeigte, umgeben von orbitalen Anlagen, Patrouillenlichtern und den kalten Bewegungen imperialer Kriegsschiffe. Die Welt unter ihnen wirkte aus dieser Entfernung beinahe ruhig, doch Teneb wusste inzwischen, dass Ruhe in der Galaxis oft nur die Maske war, die Gewalt trug, bevor sie das Gesicht zeigte. Er ließ den Blick über den Planeten gleiten, dann über die metallenen Strukturen im Orbit. Seine Hände glitten in die Ärmel seiner schwarzen Robe, sodass er die Arme vor der Brust verschränkte und sprach schließlich mit gedämpfter, beinahe sachlicher Stimme, ohne seinem Meister dabei offen anzusehen, was er in den letzten zwei Tagen verstanden hatte.


„Wir werden dafür sorgen, dass man euren Namen hier nicht vergisst, Meister“
, sagte er. „Weder das Imperium noch die Yevethaner.“

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