Weltraum (Neutral)

[ Realraum, vermutlich irgendwo im Wilden Raum zwischen Molavar und Kowak (S16) | RSD 'Red Nova' | Brücke | Captain Shov Gernerel & Brückencrew ]

Es setzte keinerlei Hektik, keinerlei Panik ein - nur ein kurzer Augenblick der Stille, in dem die Offiziere ihn ansehen. Dann begann die Brückencrew sich zu bewegen wie ein Schwarmorganismus. Der Alarm wurde ausgelöst. Seine Männer und Frauen gaben strikte Befehle an ihre Untergebenen weiter. Zwei Fähnriche rüsteten sich mit Blastern aus und verließen die Brücke - Boten, die aufgrund der eingeschränkten internen Kommunikationsanlagen ausgesendet wurden und damit die letzten waren, die die Brücke verließen, ehe sie hermetisch verriegelt wurde.

“Hüllenbruch?”, fragte Shov, ohne sich umzudrehen.

“Wir hatten einen Druckverlust in Sektion 7-D. Nahe des unteren Maschinenraums.”

Wer auch immer sie hier enterte, wusste entweder ganz genau, was er tat, oder hatte gar keine Ahnung. Was wollten die Eindringlinge im Maschinenraum? Schließlich schwebte die Red Nova bereits bewegungs- und kampfunfähig im All, hatte keine Schilde und keine funktionierenden Sensoren. Sie befanden sich geradezu auf dem Präsentierteller. Unter diesen Umständen war es reiner Wahnsinn, das Kriegsschiff zu entern, das über ein volles Regiment Marineinfanterie sowie eine Kompanie Special Forces - insgesamt über zwei Tausend Soldaten - an Bord verfügte. Das war völlig sinnlos.

“Was macht die Notversorgung?”, fragte der Captain knapp.

Reys trat an den Holotisch, der flackernd wieder ein Lebenszeichen von sich gab - ein blauer Streifen leuchtete auf, als würde das Schiff selbst noch um Bewusstsein ringen.


"Redundanzsystem Vier hat wieder Energie. Jemand hat das Versorgungsmodul auf Deck 3 überbrückt. Noch keine volle Kontrolle, aber die kritischen Systeme laufen an.”

“Sensorik?”

Lieutenant Lotha tippte einen Befehl ein. “Begrenzter Zugriff auf interne Sensorik.”

“Genug, um einen Blick auf unsere Gäste zu werfen?”

Lotha beugte sich über ihre Konsole, kleine Schweißperlen auf der Stirn.

“Ich leite den Feed auf den Holotisch um … Jetzt”

Der Tisch flackerte erneut. Diffuse Silhouetten erschienen auf dem Feed. Verrauscht und ungenau. Jedoch war die Bewegung in Sektion 7-D klar erkennbar. Dann weitere - aus einer anderen Richtung. Das war kein unkontrollierter Frontalangriff. Shov verengte die Augenbrauen und zog die Stirn in Falten. Sie tasteten das Schiff ab, krabbelten durch Versorgungsschächte und Wartungstunnel, wichen jedem Ort aus, an dem potentiell Marines stationiert waren.

“Sie meiden die Verteidigung”, murmelte Reys und sprach damit aus, was Shov dachte. “Die wollen nicht kämpfen - die suchen etwas.”

Shovs Blick verengte sich.

“Der Hyperraumantrieb befindet sich im Maschinenraum in Sektion 7-D, nicht wahr?”

“Bestätigt, Sir”, kam von Lieutenant Sesh, dem Chief-Engineer.
“Zwei Gruppen nähern sich aus verschiedenen Richtungen dem Haupt-Hyperraumantrieb. Ich … moment … wir haben ein kurzes Fragment aus einer Sicherheitskamera - ich spiele es ab”, ergänzte Lotha.

Der Captain wandte sich erneut dem Holo-Tisch zu. Eine körnige Projektion erschien. Ein halbes Dutzend Gestalten mit schweren, aus verschiedenen Teilen zusammengesetzten Raumanzügen, der Lack abgesplittert, die Schweißnähte deutlich sichtbar. Einer trug eine Sensorantenne wie einen Speer in der Hand, ein anderer schleppte ein Werkzeug, das an ein Laser-Schnittgerät erinnerte. Sie zogen einen Repulsor-Schlitten hinter sich her.


“Was bei allen Sonnen …”, murmelte die junge Mirialanerin Tenlo.

“Können Sie die Kamerafeeds an Marines weiterleiten, Tenlo?”

Die Sub-Lieutenant bestätigte und machte sich an die Arbeit.

Die Eindringlinge hatten keine Chance. Obwohl sie mit beachtlicher Zielstrebigkeit vorgingen - wobei sie die zentralen Verteidigungsbereiche mieden und sich auf den Maschinenraum konzentrierten. Shov ließ den Antrieb sichern, Schotts versiegeln, Energiezuflüsse unterbrechen und die Sicherungstrupps vorrücken. Keine feindliche Einheit erreichte ihr Ziel. Nach weniger als einer halben Stunde war die kopflose Aktion vorbei. Acht Angreifer starben im Kampf. Zwei wurden schwer verletzt und, zum Entsetzen aller, sprengten sich selbst mit improvisierten Ladungen in die Luft, als ihre Position verloren ging. Keiner ergab sich.

Die Energieversorgung konnte innerhalb der nachfolgenden zwei Stunden schrittweise stabilisiert werden. Ein weiterer Notverbindungsknoten war auf Deck 3 notdürftig überbrückt worden. Sobald das Schiff wieder auf die grundsätzlichen Systemkontrollen zugreifen konnte, wurde die Verbindung zur ‘Resilience’ und zur ‘Sunshine’ erneut aufgenommen. Es dauerte eine Weile, doch auch sie brachten ihre Systeme wieder ans Laufen. Beide Schiffe meldeten ähnliche Enterversuche.

Auf der ‘Resilience’ hatte man frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten können - Commander Oswens erprobte Veteranen hatten ebenfalls keine Gefangenen gemacht. Die ‘Sunshine’ hatte härter zu kämpfen. Auf dem Warrior-Klasse-Kanonenboot gab es nur zehn Marines. Die Eindringlinge schafften es, einen ihrer Reaktorpylonen zu entfernen, bevor sie neutralisiert wurden. Es gab drei Tote und fünf Verwundete auf der eigenen Seite. Lieutenant commander Kedd meldete den Vorfall mit grimmiger Stimme und einem Blick in seinem Bothanischen Gesicht, der mehr sagte als seine Worte: Das schlimmste wurde verhindert.

Noch während die Engineur-Teams an Bord damit beschäftigt waren, die Schäden zu katalogisieren, meldete Lotha ein neues Signal: Eine Massenkonzentration in einem entfernten Trümmerfeld. Etwa viertausend Kilometer vom aktuellen Standort entfernt. Die Langstreckenpräzisionssensoren identifizierten die Struktur als künstlich.

Es handelte sich um die Station der Angreifer.

Was man anfangs dabei für ein altertümliches Wrack hielt, entpuppte sich bei Näherung als eine Sammlung von Dutzendend alten Schiffsrümpfen. Sie war unregelmäßig geformt, fast wie ein Pilz aus ineinandergeschweißten Rümpfen von Transportern, Frachter, Schleppern, Korvetten und Fregatten. Nur ein Bruchteil der Hüllensegmente standen unter Druck. Der Großteil war dem Vakuum ausgesetzt. Ein zentraler Schacht führte tief ins Zentrum, durchzogen von Kabelsträngen und modifizierten Verbindungstunneln.

Als die Jäger der ‘Sunshine’ und ‘Red Nova’ sich näherten, dockten mehrere zusammengeflickte Uglies von der Station ab. Sie waren offenbar zusammengebaut aus allem, was sich finden ließ. Es waren fliegende Katastrophen - aber sie flogen.

Die Staffeln der Eingreiftruppe versuchten eine Kontaktaufnahme. Sie schlug fehl. Die Uglies reagierten auf keine Frequenz und keine Lichtzeichen. Sobald sie in Reichweite waren, eröffneten sie ansatzlos das Feuer. Ein kurzes, aber intensives Gefecht folgte. Gegen die modernen, neurepublikanischen Jäger hatten sie keinerlei Überlebenschance. Unter den Wrackteilen der Tiefraumpiraten fanden sich eindeutig Teile der beiden verschwundenen T65-Aufklärer der ‘Red Nova’. Aufgeschnitten, neu lackiert, ausgeschlachtet, wild mit anderem Material zusammengeschweißt. Ihre Seriennummern waren halb übermalt, aber noch erkennbar. Das Schicksal von Lieutenant Cas Denholm und seiner Flügelfrau Sub-Lieutenant Ryla Andrez war somit bekannt. Sie waren in diesem unbenannten System gestorben, im Dienst der Neuen Republik. Einen höheren Lebenssinn gab es nicht. Shov würde dafür sorgen, dass sie postum für Orden vorgeschlagen werden.

Shov ließ die Station anschließend blockieren, um jeden Fluchtweg zu unterbinden. Dann begannen die Republikaner ihrerseits mit einem Entereinsatz - gestaffelt, koordiniert von Colonel Wokawoo, unterstützt von Technikspezialisten und Spec Ops. Die Innenstruktur der Station war ein wahres Labyrinth aus altertümlichem Schrott, Schweißnähten und Wahnsinn. Belebte Bereiche wechselten mit Vakuumkammern, an den Wänden hingen Zeichen, die nur als pseudoreligiös interpretierbar waren. Niemand konnte mit den Verteidigern sprechen. Auch hier gab es keine Gefangenen. Jeder bereitete seinem eigenen Leben ein Ende, bevor er auch nur in Gefahr geriet, geschnappt zu werden. Was für ein Wahnsinn. Der traurige Höhepunkt waren die letzten Überlebenden, die flohen, nur um sich selbst in scheinbar rituelle Kammern einzusperren und die Luftschleusen zu öffnen. Unter ihnen befanden sich Frauen und Kinder.

Die Aufzeichnungen, die man in einem der zentralen Kontrollkerne sicherstelle, ließen dann erste Schlüsse zu, die unfassbar waren. Es hatte einst ein System an diesem Ort gegeben - vor Jahrtausenden. Alte Karten wiesen auf ein Doppelsystem hin - zwei Sonnen, drei Planeten mit mehreren Monden. Irgendwann war das Zentrum des Systems aus einem unerfindlichen Grund vollständig verschwunden - zurück blieb eine Gravitationssenke mit den abnormen Eigenschaften in Hyper- und Realraum, die sie selbst zu Spüren bekommen haben. Aus uralten republikanischen - einer jahrtausende alten Republik wohlgemerkt - Archiven, die sich im antiquierten Computer eines der Wracks befanden, ging hervor, dass eine Waffe für diese Katastrophe verantwortlich war, die sie Masseschattengenerator nannten. Es handelte sich wohl um ein - zuminest war das die naheliegendste Vermutung - Waffentest. Das Ergebnis: Hyperrauminstabilitäten, Masseverwefungen, Navigationsverzerrungen. Angemerkt wurde in den Archiven jedoch auch, dass es sich um reine Legenden handeln konnte. Das Schiff, das inzwischen als Wrack als Wohnort der Piraten diente, war ausgesendet worden, um diese Berichte zu verifizieren. Sie kehrten nie nach Hause zurück.

Der Trümmerhaufen, der nun als Piratenstation diente, war über Jahrzehnte - vielleicht Jahrhunderte - aus gestrandeten Schiffen entstanden, die genau wie die ‘Red Nova’ und ihre Schwesterschiffe an diesen Ort gezogen - oder gelockt worden waren.
Wer die ersten waren, ließ sich dabei nicht mehr rekonstruieren. Aber irgendwann hatten sich Überlebende zusammengeschlossen. Gestrandete, Abtrünnige, Piraten. Sie haben die Trümmer zu einer Station umgewandelt, Raumschiffe ausgeschlachtet, andere gestrandete überfallen und nur jene aufgenommen, die nützlich waren. Mit jeder Generation wurden sie wahnsinniger, gründeten eine Parallelzivilisation, eine Religion. Diejenigen, auf die sie getroffen waren, war der traurige Rest, nachdem sie sich Jahre zuvor bereits beinahe gegenseitig ausgelöscht hatten. Ihr Ziel war eh und jeh die Flucht. Alles, was sie brauchten, war ein Hyperraumgenerator, der stark genug war, sie aus der Massesenke herauszubringen.

Und dann kam die ‘Red Nova’. Der RSD verfügte über ein solches. Es war ihr Ende.

Es dauerte eine Standardwoche, bis alle drei Schiffe wieder voll funktionsfähig waren. Notfallsysteme mussten ersetzt, Hüllen notdürftig repariert und alle Navigationskerne neu kalibriert werden. Die beschädigten Teile wurden teilweise aus den Schiffswracks der Station geborgen, bevor man sie zerstörte. Shov wollte dem Ganzen ein Ende setzen.

Sie haben das System verlassen können. Dank ihrer modernen Technik, die auch den Piraten die Flucht ermöglicht hätte. Shov hätte sie sogar aufgenommen und gerettet. Wenn ihre verblendete Ideologie ihnen nicht den freundlichen Kontakt mit ‘Fremden’ verboten hätte.



Jetzt stand er in einem der Bereitschaftsräume, den Blick auf das Holodisplay vor sich gerichtet. Die Übertragung zum Kommando der zweiten Flotte bei Bothawui war stabil. Am anderen Ende sah er das faltige Gesicht eines Mon Calamari-Adjutanten.


“Captain Gernerel, Ihre Berichte sind umfassend und bemerkenswert. Ich sehe … wenig Raum für Interpretationen.”

Shov nickte, sagte jedoch nichts. In Wahrheit wussten sie nur ein Bruchteil dessen, was sich in diesem System ergeignet hatte.

“Die Station wurde vollständig vernichtet?”

“Ja, Sir. Wir haben sämtliche Strukturen ausgelöscht.”

“Und der vermisste Konvoi?”

Shov hob leicht das Kinn. Der ursprüngliche Auftrag, den sie nicht erfüllen konnten.

“Keine Spur, Sir. Keine Wrackteile. Keine Kennungen. Keine Signale. Wir haben nichts.”

Am anderen Ende der Kommunikationsleitung herrschte für einen Moment Stille.

Dann sagte der Adjutant ruhig:
“Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit, Captain. Sichern Sie ihre daten und leiten Sie sie an das Flottenarchiv weiter.”

“Aye, Sir.”

“Sobald Sie zurück im Bothawui-System sind, erhalten Sie neue Befehle.”

Damit endete die Verbindung. Shov blieb einen Moment stehen, dann wandte er sich zum Fenster. Draußen zog das Sternenlicht langsam an der ‘Red Nova’ vorbei. Er drückte den Knopf, um das Intercom zu nutzen.

“Bereit zum Sprung.”

[ Realraum bei Molavar | RSD 'Red Nova' | Besprechungsraum | Captain Shov Gernerel ]
 
Kommend von Weltraum (Imperium)

Hyperraum | Outer Rim | Mäßig kartierte Route Artek III → Zygerria | Svelte-Class "Velvet Talon" | Teneb Dask und Pilot

Als die Sterne sich ein weiteres Mal zu langen, silbernen Linien streckten und der Hyperraum das Sternenfeld verschluckte, blieb Teneb Dask noch einige Sekunden reglos im Cockpit der Velvet Talon stehen, während der vertraute Druck des Sprungs den Raum erfüllte und sich als kaum wahrnehmbares Ziehen durch seinen Körper zog, ein Gefühl, das sich nur schwer beschreiben ließ und dennoch von jedem erfahren wurde, der regelmäßig durch jene unnatürlichen Strömungen reiste, die jenseits der gewöhnlichen Physik existierten. Die Anzeigen der Navigationskonsole stabilisierten sich, die Linien des Flugpfades legten sich ruhig in die Projektion der Sternenkarte, und der Pilot widmete sich bereits wieder mit routinierter Gleichgültigkeit den Berechnungen des nächsten Abschnitts, als wäre der kurze Moment des Misstrauens, den Teneb ihm entgegengebracht hatte, kaum mehr gewesen als eine lästige Unterbrechung seiner Arbeit.
Der Umbaraner blieb noch einen Augenblick stehen und ließ seinen Blick über die Instrumente gleiten, über die leise pulsierenden Anzeigen, die das Schiff wie die Vitalzeichen eines metallenen Organismus darstellten, bevor er sich schließlich abwandte und den engen Korridor entlangging, der zurück zu den Kabinen führte. Die Struktur der Velvet Talon vibrierte weiterhin unter dem gleichmäßigen Puls der Antriebssysteme, und das metallene Brummen der Maschinen war zu einer ständigen Hintergrundpräsenz geworden, die sich wie ein ferner Herzschlag durch die Wände zog.

Als
Teneb die Tür zu der kleinen Kabine wieder öffnete, schlug ihm sofort der vertraute Strom aus Klang entgegen, den er selbst zuvor entfesselt hatte. Die Musik füllte den Raum noch immer mit ihrer rohen Intensität, und die Lautsprecher ließen die dünnen Metallplatten der Wände in einem kaum wahrnehmbaren Rhythmus mitschwingen, als wollten sie den Lärm körperlich im Raum verankern. Für einen Moment blieb er einfach stehen und lauschte, nicht der Musik selbst, sondern der Art und Weise, wie sie jeden anderen Laut verschluckte, jede Bewegung und jedes Geräusch unter sich begrub.
Er setzte sich langsam wieder auf die schmale Koje, während der Gedanke an Flucht erneut seinen Weg zurück in sein Bewusstsein fand, diesmal nicht mehr als die verführerische Idee eines gebeutelten Wesens, sondern als eine immer konkreter werdende Perspektive seiner Zukunft ohne die Sith, die sich wie ein geduldiger Parasit in seinem Denken festsetzte. Fünftausend Credits, vielleicht ein vergiftetes Geschenk seines ehemaligen Meisters? Die fünftausend Credits in seiner Tasche und die Möglichkeit, auf Zygerria einfach nicht zurückzukehren, mochten auf den ersten Blick wie eine Gelegenheit erscheinen, die sich aus der Laune eines verletzten Sith ergeben hatte. Doch je länger er darüber nachdachte, desto mehr fragte er sich, ob darin nicht doch eine Absicht verborgen lag.
Sikarius war vieles, doch selbst seine impulsivsten Entscheidungen waren selten völlig ohne Hintergedanken. Was, wenn diese Freiheit nicht wirklich Freiheit war, sondern eine Falle? Keine physische, kein versteckter Peilsender, keine vorbereitete Jagd durch die Galaxis, nur eine andere Art von Falle, subtiler und auf eine Weise gefährlicher, weil sie nicht den Körper betraf, sondern den Willen? Wenn Teneb verschwand, wenn er die Credits nahm und die Gelegenheit nutzte, dann würde er damit eine Entscheidung treffen, die sich nicht mehr zurücknehmen ließ. Der Weg der Ausbildung wäre damit endgültig verschlossen. Kein weiterer Unterricht, keine neuen Techniken, keine Einblicke in jene Geheimnisse der Macht, die sich ihm gerade erst zu öffnen begannen. Vielleicht war genau das der Kern dieser Prüfung? Die Frage, die der Sith in den Kosmos hinauswarf war nicht ob der Bleiche fliehen konnte, sondern ob er bereit war, dafür alles andere aufzugeben.

Doch der Gedanke verlor jedoch schnell einen Teil seines Schreckens, als
Teneb sich daran erinnerte, wie diese sogenannte Ausbildung bislang tatsächlich ausgesehen hatte. Sikarius hatte ihn nicht mit komplexen Lehren überschüttet, keine langen philosophischen Abhandlungen über die Natur der Macht gehalten und keine geheimen Rituale offenbart, deren Verständnis Jahre gedauert hätte. Seine Anweisungen waren kurz gewesen, beinahe grob, oft kaum mehr als ein paar Sätze, bevor er erwartete, dass Teneb selbst herausfand, was damit gemeint war. Greifen. Ziehen. Spüren. Kämpfen. Vieles davon wirkte weniger wie eine sorgfältig geplante Lehre als wie ein brutales Ausprobieren, ein Koch der versuchte zu ergründen welcher Pfannkuchen, den er gegen die Wand warf, kleben blieb und welcher in den Abgrund hinabsank. Wenn das tatsächlich der Kern der Ausbildung war, dann konnte er diesen Weg ebenso gut allein weitergehen. Die Macht selbst war schließlich nicht Eigentum der Sith, und sie würde ihm nicht plötzlich den Zugang verwehren, nur weil er sich entschied, seinem Peiniger den Rücken zu kehren.
Teneb lehnte sich leicht gegen die gepolsterte Lehne zurück und ließ diesen Gedanken zu Ende reifen. Vielleicht würde Sikarius ihn einen Feigling nennen, wenn er verschwände. Eine Kreatur, die ihr eigenes Potenzial fortgeworfen hatte, bevor es sich wirklich entfalten konnte. Doch je länger Teneb über den Sith nachdachte, desto mehr begann sich auch dessen Bild zu verändern. Die Bemerkungen von UX-23, die Beobachtungen von Pai Lai und selbst einige der halb ausgesprochenen Andeutungen Sikarius’ ergaben zusammen ein Bild, das immer deutlicher wurde, je länger man die einzelnen Fragmente nebeneinanderlegte. Auch dieser Mann schien einmal einen Weg verlassen zu haben, der ihm offen gestanden hatte. Ein Schüler, der nie vollständig ausgebildet worden war? Oder ein Krieger, der sich seine Macht eher zusammenraubte als sie geordnet vermittelt zu bekommen. Vielleicht war Sikarius selbst nichts anderes als ein Beweis dafür, dass man auch ohne vollständige Ausbildung gefährlich werden konnte. Wenn das stimmte, dann war sein Beispiel unfreiwillig beruhigend und seine Existenz doch sinnvoll, denn es bedeutete, dass der Weg zur Macht nicht zwangsläufig durch Loyalität führte, manchmal genügte es, zu überleben und weiterzugehen.

Es galt also konkreter zu werden, denn seine Feinde würden nicht ohne eine gewisse Verfolgung ihn ziehen lassen. Trotz seines geringen Werts war er immer noch "Eigentum" des Sith Ordens. Das bedeutete, er musste den Preis ihn zu finden so hoch treiben, dass er es noch weniger Wert war verfolgt zu werden und das bedurfte einer sorgfältigen Planung. Er begann, die Route zu rekonstruieren, die ihm zur Verfügung stehen könnte, sobald er den Planeten erreicht hatte. Zygerria war kein Ort, an dem man lange blieb, wenn man nicht selbst Teil seines Systems werden wollte. Doch gerade deshalb bewegten sich dort ständig Schiffe, Händler, Söldner, Frachtführer, Opportunisten aller Art. Von dort aus ließen sich Verbindungen knüpfen, Wege öffnen, die für gewöhnliche Reisende unsichtbar blieben.
Sein erster Gedanke galt dem Corporate Sector, jener eigenartigen Region der Galaxis, in der wirtschaftliche Interessen längst die politischen Strukturen ersetzt hatten und in der Loyalität weniger bedeutete als Effizienz. Systeme wie Bonadan oder Etti IV lagen innerhalb erreichbarer Sprungdistanz, wenn man die richtigen Kontakte fand, und in den Handelsstationen jener Welten existierten Datenbanken und Archive, deren Integrität nicht aus moralischer Überzeugung geschützt wurde, sondern lediglich durch die Frage, wer bereit war, am meisten für ihren Zugriff zu zahlen.
Teneb stellte sich vor, wie er nach der Landung über die Sklavenmärkte gehen würde, wie er die Rolle spielte, die Sikarius ihm zugedacht hatte, während er gleichzeitig nach anderen Möglichkeiten Ausschau hielt. Ein Transporter, der ohnehin in Richtung Corporate Sector unterwegs war. Ein Händler, der bereit war, gegen genügend Credits ein paar Fragen weniger zu stellen. Ein Terminal, dessen Sicherheitssysteme nicht darauf vorbereitet waren, dass ein Slicer wie Teneb Zugriff auf seine Strukturen nahm. Der Plan wurde immer klarer, nur drängte sich ein anderer Gedanke dazwischen, schob sich wie ein lästiges Insekt vor seine Wahrnehmung.

Pai Lai. Die Erinnerung an die Parwanerin war, gemessen an der Zeit, die er mti ihr verbracht hatte, unerwartet hartnäckig. Ihre seltsame, beinahe unwirkliche Erscheinung, die Tentakel, die sich wie lebendige Seile um jede Oberfläche wickelten, die ruhige, fast entwaffnende Art, mit der sie gesprochen hatte. Sie hatte ihn nicht verspottet, nicht gebrochen, nicht wie ein Werkzeug behandelt. Stattdessen hatte sie ihm tatsächlich etwas beigebracht. Sie war für ihn die Antithese zu Darth Sikarius, zeigte ihm einen anderen Weg was bedeutete Sith zu sein. Mit diesem Bild tauchte unweigerlich ein anderer Name auf. Darth Baobhan.
Der Bleiche wusste nichts über diese Sith, doch allein die Existenz einer solchen Jüngerin wie
Pai Lai ließ eine andere Vorstellung entstehen, eine, die er zunächst nur zögernd zuließ. Was wäre gewesen, wenn sein Weg anders verlaufen wäre? Wenn nicht Sikarius ihn aus den Schatten der Schächte von Nkllon gezerrt hätte, sondern jemand wie Baobhan? Vielleicht hätte seine Ausbildung eine andere Form angenommen, weniger geprägt von Gewalt und improvisierter Brutalität, mehr von Disziplin und Struktur. Er projizierte alles, was ihm fehlte, was er sich erhoffte auf diese Sith ohne zu wissen, ob sie nicht eine ungleich grausamere Tyrannin war, als Darth Sikarius, eine Tyrannin die mit Effizienz und nicht aus einer kapriziösen Natur heraus Willen brach.

Doch dieser Gedanke blieb nicht lange und er wusste genau, warum. Weil dieser Weg bereits verschlossen war,
Sikarius hatte ihm diesen mit dieser Aktion genommen, erneut eine Tür verschlossen, so wie er es auf Nkllon bereits getan hatte. Der Bleiche richtete sich schließlich wieder auf und nahm das Trainingslichtschwert zur Hand, dessen Griff noch immer neben ihm auf der Koje lag. Die Macht fühlte sich anders an als noch vor wenigen Tagen, weniger chaotisch, weniger fremd, als hätte sein Körper begonnen zu akzeptieren, dass diese Kraft nicht außerhalb von ihm existierte, sondern durch ihn hindurch floss. Er konzentrierte sich erneut, während sein Blick auf dem Griff des Schwertes ruhte, und begann die metaphysischen Bewegung zu wiederholen, die Sikarius ihm gezeigt hatte. Greifen. Ziehen. Der Griff bewegte sich. Nicht weit, nur ein paar Zentimeter, doch er bewegte sich. Teneb wiederholte die Übung wider besseren Wissens um seine Erschöpfung immer wieder, während sein Geist gleichzeitig über eine andere Möglichkeit nachdachte, eine logische Fortsetzung der Technik, die sich beinahe zwangsläufig aus dem ergab, was er gerade tat. Wenn die Macht einen Gegenstand greifen konnte, dann musste sie auch in der Lage sein, etwas anderes zu umschließen. Einen Arm. Eine Kehle. Einen Atemweg.

Die Übungen zogen sich über lange Minuten hin, bis die Erschöpfung der letzten Tage schließlich wieder ihren Tribut forderte. Der monotone Puls der Maschinen, das gleichmäßige Rauschen des Hyperraums und die körperliche Müdigkeit verschmolzen schließlich zu einem Zustand, in dem Teneb sich auf die Koje sinken ließ und für eine kurze, unruhige Zeit einschlief. Als er später wieder erwachte, verriet ihm der Chrono, dass er zwei Stunden geschlafen hatte. Er setzte sich langsam auf, brauchte einen Moment, um seine Gedanken zu ordnen, und verließ schließlich die Kabine erneut, um zum Cockpit zurückzukehren.

Der Pilot saß noch immer an seinem Platz und blickte nur kurz auf, als Teneb eintrat.


„Was gibt's?“

Der Bleiche stellte sich neben ihn und ließ den Blick über die Anzeigen wandern, bevor er ruhig fragte: „Wie lange noch bis Zygerria?“

Der Mann zuckte leicht mit den Schultern, während seine Finger über die Navigationskonsole glitten.

„Nicht mehr lange. Vielleicht setzt du dich hin und schnallst dich an.“

Teneb schwieg einen Moment, leistete sogar dem Hinweis des Piloten Folge und ließ sich neben diesem auf dem Co-Piloten Sitz nieder, schnallte sich an und versuchte bloß nicht an eine der Steuerelemente zu geraten, bevor er eine andere Frage stellte.

„Darth Baobhan.“

Der Pilot hielt kurz inne.
„Was ist mit ihr?“

„Du arbeitest für sie.“

Der Mann schnaubte leise und antwortete mit einem schiefen Lächeln:
„Ich arbeite für Credits, die mir das Galaktische Imperium als Lohn für meine Dienste zahlt. Aktuell bin ich nur abgeordnet euch...“ der Pilot schien in seiner Flapsigkeit gegenüber einem Niemand wie dem Umbaraner ein wenig schmeichelhaftes Wort für Sith wählen zu wollen, bevor er sich eines Besseres besinnte. „... durch die Galaxis zu fliegen.“

Teneb betrachtete ihn einen Moment länger, als es notwendig gewesen wäre, und bemerkte etwas, das nicht in den Worten lag, sondern in der Art, wie sie gesprochen wurden. Eine subtile Spannung, ein vorsichtiges Zurückhalten, das sich für einen flüchtigen Moment über die Wahrnehmung der Macht in seinem Bewusstsein abzeichnete. Der Pilot wusste mehr, nur hatte dieser nicht vor, es auszusprechen. Der Umbaraner ließ die Frage schließlich fallen und richtete den Blick wieder auf das Sternenfeld, das als endlose Linien durch den Hyperraum floss.

„Nächster Halt...“, murmelte der Pilot schließlich, während ein Chrono den baldigen Wiedereintritt in den Realraum bestätigte. „... Zygerria.“
„Nächster Halt: Freiheit“ dachte der Umbaraner und vervollständigte damit in seinem Geiste den Satz des Piloten, während die Velvet Talon weiter durch die kalten Strömungen des Hyperraums glitt und die Sterne jenseits der Transparistahlkuppel zu endlosen, silbrigen Linien verzerrt wurden. Zygerria mochte der nächste Eintrag im Flugprotokoll sein, der nächste Punkt auf der Navigationskarte dieses Schiffes, doch für ihn war es mehr als nur ein weiterer Planet im Randgebiet der Galaxis. Es war eine Schwelle. Ein Ort, an dem sich der Weg teilte, an dem er entscheiden konnte, ob er weiterhin an der Seite eines launischen Sith durch dessen Welt aus Gewalt, Prüfungen und unberechenbarer Gnade kroch oder ob er den Moment nutzte, den ihm das Schicksal oder vielleicht gerade Sikarius’ eigener Hochmut in die Hände gelegt hatte. Während das Schiff unaufhaltsam seinem Ziel entgegenflog, formte sich in Tenebs Gedanken ein Credo für diesen nächsten Halt, eine, die in keinem Navigationscomputer der Galaxis verzeichnet war, die sich jedoch mit jeder vergehenden Minute deutlicher anfühlte: „Durch die Macht erlange ich den Sieg. Durch den Sieg zerbersten meine Ketten. ICH werde mich befreien“.

Hyperraum | Outer Rim | Mäßig kartierte Route Artek III → Zygerria | Svelte-Class "Velvet Talon" | Teneb Dask und Pilot
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Kommend von Zygerria

Outer Rim | Chorlian Sektor | Kantolia | Abflug von Zygerria | Svelte-Class "Velvet Talon" | Teneb Dask, Sklave und Pilot
Die Velvet Talon hatte die Triebwerke kaum vollständig hochgefahren, als sich das dumpfe Dröhnen ihrer Repulsoren mit einem anderen, schärferen Klang mischte, der aus der Richtung der Landebucht herüberhallte. Durch die schmalen Sichtfenster des Cockpits sah Teneb Dask, wie mehrere Gestalten in den Farben der zygerrianischen Hafenwache zwischen den Frachtern hervorbrachen, ihre Rufe vom metallischen Echo der Plattform verschluckt, während sie bereits die Läufe ihrer Blaster anhoben. Für einen kurzen Moment standen sie reglos da, als hätten sie den Frachter erst jetzt als ihr Ziel identifiziert, dann brach das erste Feuer los. Grellrote Energiestrahlen zuckten über das Landefeld und schlugen gegen die Hülle der Velvet Talon, deren alte Panzerplatten mit einem hohlen, vibrierenden Schlag antworteten.

„Verdammte Schatten!“ fluchte der Pilot, während seine Hände über die Steuerkonsole glitten und die Triebwerke in einen heiseren Aufschrei aus Energie und Hitze steigerten. Die Velvet Talon hob sich ruckartig von der Plattform, gerade in dem Moment, als eine zweite Salve über das Landefeld peitschte und eine der Energieentladungen nur wenige Meter unter dem Heck des Schiffes explodierte. Der Frachter schoss zwischen den dicht gedrängten Lagerplattformen hindurch in den offenen Himmel über Kantolia, während unter ihnen die Hafenanlagen rasch zu einem Gewirr aus Lichtpunkten zusammenschrumpften.

Doch die Verfolger ließen nicht lange auf sich warten. Kaum hatte die Velvet Talon die oberen Atmosphärenschichten durchstoßen, als zwei dunkle Silhouetten aus dem Schatten eines orbitalen Kontrollturms hervorstießen und mit brutaler Beschleunigung auf sie zuhielten. Die RP82-Fiend-Sternenjäger wirkten wie Raubtiere aus gelb gestrichenem Metall, ihre keilförmigen Rümpfe von blassen Triebwerksflammen umspült, während ihre Bordkanonen bereits aufblitzten.


„Zwei Fiends hinter uns!“ rief der Pilot und riss das Steuer herum, als die ersten Energiesalven durch den Raum zischten. Die Velvet Talon schlingerte zwischen den Trümmerbahnen alter Satelliten und ausrangierter Frachtdrohnen hindurch, ihre Triebwerke brüllten, während sie in einem verzweifelten Steigflug auf die dünner werdende Atmosphäre zusteuerte. Hinter ihnen jagten die Jäger heran, wendig, schnell und gebaut für genau solche Verfolgungen.

Teneb stand hinter dem Pilotensitz, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, während sein Blick zwischen den Sternen und den näher kommenden Jägern hin und her glitt.


„Wie lange bis zum Sprung?“ fragte er, seine Stimme von Anspannung getränkt.

„Wenn sie uns nicht vorher zerlegen? Dreißig Sekunden!“

Ein weiterer Treffer ließ das Schiff erzittern, Funken stoben aus einer Konsole, doch in demselben Moment begann das Cockpitfenster sich mit jenem blauen Schimmer zu füllen, der den Übergang in den Hyperraum ankündigte.

„Festhalten!“

Die Sterne dehnten sich zu langen, silbrigen Linien, dann verschwand Zygerria hinter ihnen. Erst als das monotone Dröhnen der Hyperraumtriebwerke die letzten Geräusche der Verfolgung verschluckte, kehrte jene seltsame, beinahe unnatürliche Stille zurück, die jedes Schiff erfüllte, sobald es die gewöhnliche Raumzeit verlassen hatte. Teneb ließ den Blick noch einen Moment über die blauen Tunnel des Hyperraums gleiten, bevor er sich vom Cockpit abwandte und in den Frachtraum hinabstieg.

Der Kyuzo wartete dort, die Hände weiterhin hinter dem Rücken verschränkt, das Schockband um seinen Hals ein stummer Hinweis auf seine Lage. Seine Haltung war ruhig, doch seine Augen folgten Teneb mit der konzentrierten Aufmerksamkeit eines Kriegers.


„Ah, da war ja was. Wie lautet dein Name?“, sagte Teneb schließlich.

Der Kyuzo zögerte einen Moment, als prüfe er die Frage. Es schien, als hätte sich vorher kein anderer für seinen wahren Namen interessiert. Vielleicht besaß er ja einen Kampfnamen, doch schien der Fremde zu spüren, dass den Bleichen dies kaum bis gar nicht interessierte, sondern er die Fakten wissen wollte.


„Peska. Peska Khalo.“

Teneb nickte leicht. In seinem Inneren spürte er erneut die Analogie zwischen ihm und Sikarius. Er hatte erst später nach dem Namen seiner neusten Errungenschaft gefragt, als sei es vorher nicht von Belang gewesen. In dieser Hinsicht hatte er seinem Meister aber schon etwas vorraus, hatte bisher ihn nur der Droide nach seinem Namen gefragt. Dennoch beschlich ihn das Gefühl, dass die Macht, in der Form wie sie die Sith anwandten, bestimmte Verhaltensmuster förderten, denen er auch begann anheim zu fallen. „Nein“dachte er sich. Er werde anders sein, egal was es kosten würde.

„Dann hör zu, Peska Khalo. Du bleibst am Leben, solange du keinen Unsinn versuchst.“

Der Kyuzo erwiderte den Blick ohne sichtbare Furcht. Er war groß gewachsen und seine Facettenaugen strahlten eine Härte aus, die andere Spezies in der Form nicht evozieren konnten. Er wirkte nicht drahtig aber auch nicht vom Muskelwuchs eines Feeorin. Stattdessen wohnte dem Kyuzo, der sich als Peska Khalo vorgestellt hatte eine räudige Härte inne, die man nur durch die Blutmühlen der Sklavengruben einer Welt wie Zygerria erlangen konnte.

„Ich habe schon schlechtere Herren gesehen.“ entgegnete Peska und deutete eine leichte Verbeugung an. Ob es Respekt war oder ein Schutzmechanismus, wie Teneb es gegenüber Sikarius an den Tag gelegt hatte, konnte er in diesem Moment nicht deuten. Dazu fehlte ihm auch die Zeit. Stattdessen ließ der Bleiche diese Bemerkung unkommentiert, aktivierte stattdessen das Steuergerät und deutete auf eine freie Kabine am Ende des Ganges.

„Dort hinein.“

Der Kyuzo folgte wortlos. Er schaute sich kurz in der Kabine um und wenn der Umbaraner es nicht fehldeutete, spürte er sogar sowas abstraktes wie... Freude? Genugtuung? Es war zumindest keine Angst und auch keine Gram, die der Kyuzo ausstrahlte. Waren diese jämmerliche Einquartierung, die der Bleiche nur nutzte um sicherzugehen, dass der Kyuzo nicht aufmüpfig wurde, tatsächlich eine Verbesserung seiner bisherigen Zustände gewesen? Bei der Macht, er konnte es sich eigentlich nicht vorstellen, andererseits war Zygerria und seine Haupstadt ein Moloch gewesen, an den er sich nicht zurückwünschte. Erst als die Tür sich hinter Peska schloss und das Sicherheitsschloss mit einem leisen Klicken einrastete, wandte Teneb sich wieder ab.

Zurück im Cockpit stand der Pilot noch immer über seine Instrumente gebeugt.


„Kurs?“ fragte Teneb kurz angebunden, die Hand sichtbar am Griff seines Trainingslichtschwerts, als sei dieser ein veritabler Meinungsverstärker. Der Pilot sah ihn wiederum nur kurz an, als sei er eine vorrübergehende Last, die er ertragen musste. Die Szene an der Landebucht hatte sicherlich auch nicht dafür gesorgt, dass der Umbaraner in allzu freundlicher Erinnerung bleiben würde, was er wissentlich in Kauf nahm.

„Artek III. Genau wie du gesagt hast.“ entgegnete der Mann, dessen Namen er nie gefragt hatte.

Teneb musterte ihn einige Sekunden. Kein Wunder, dass er ihn bis in die letzte viel zu große Pore hasste. Er hatte nichte einmal nach seinem Namen gefragt, das simpelste Modikum des gemeinsamen Miteinanders. Teilte er doch viel merh Ähnlichkeiten mit seinem Meister, als es ihm lieb war, als er es ertrug sich selber einzugestehen? Übelkeit überkam ihn und ein Drang dem Piloten zumindest verbal Paroli zu bieten.

„Du stellst keine Fragen.“

Der Pilot schnaubte leise.

„Wenn jemand mit einem Lichtschwert an Bord kommt, einen Arena-Gladiator kauft und uns dann von der halben Hafenwache beschießen lässt, stelle ich keine Fragen. Dafür werde ich nicht bezahlt und die Konsequenzen muss auch nicht ich tragen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich gehe nur davon aus, dass irgendwer später sehr wütend auf dich sein wird.“

„Lass' das mal lieber meine Sorge sein.“ antwortete der Umbaraner erneut in einer Schroffheit, die er von sich nicht gewohnt war. Woher kam diese Anwandlung unter Stress? Woher dieser Ton?

Er wartete die Antwort des Piloten nicht mehr ab, stattdessen wandte er sich ab und ging den schmalen Gang entlang zu seiner Kabine und schloss diese hinter sich. Erst dort, fern vom Brummen der Konsolen und dem Blick des Piloten, ließ er sich auf die schmale Koje sinken. Die Anspannung der letzten Stunden fiel nun mit einem Mal von ihm ab, und während draußen im Hyperraum die Sterne weiterhin zu endlosen Linien verschwammen, übermannte ihn eine tiefe, erschöpfte Müdigkeit. Seine Gedanken kehrten unweigerlich zu dem Piloten zurück, dessen überraschend bereitwillige Kooperation ihn mehr beschäftigte, als dieser vermutlich geahnt hätte. Ein Mann, der im Outer Rim lange genug überlebt hatte, um ein Schiff zu besitzen, tat selten etwas ohne Berechnung, und doch hatte der Pilot keinen Versuch unternommen, Kurs zu ändern, keine versteckten Signale gesendet und auch nicht die naheliegendste Möglichkeit genutzt, einen gefährlichen Passagier einfach bei der nächsten Patrouille zu melden. Stattdessen flog er geradewegs nach Artek III, als hätte er selbst erkannt, was
Teneb inzwischen mit nüchterner Klarheit begriff: Dass dieser Flug für den Umbaraner keine Rettung darstellte, sondern vielmehr eine Rückkehr zu einem Urteil, dessen Ausgang ungewiss war. Die Nachricht von UX-23 lag noch immer schwer in seinem Gedächtnis, und je länger er darüber nachdachte, desto deutlicher wurde ihm, dass der Pilot vermutlich zu derselben Schlussfolgerung gelangt war wie er selbst: Niemand, der freiwillig zu einem Sith-Meister zurückkehrte, eine Denunziation mehr fürchten musste, weil die wahre Strafe bereits am Ziel wartete. In dieser Erkenntnis lag eine seltsame, beinahe zynische Logik, die Teneb nicht entging. Er hatte Zygerria verlassen, um der Rolle des Besitzes zu entkommen, und doch führte ihn genau diese Entscheidung nun zurück zu Darth Sikarius, jenem Mann, dessen Methoden so grausam waren wie die Welt, die er gerade hinter sich gelassen hatte. Und dennoch spürte Teneb, während seine Gedanken durch die Erinnerungen der letzten Tage wanderten, keine reine Furcht vor der Begegnung, die ihn erwartete. Sikarius war brutal, unberechenbar und in vieler Hinsicht ein Wesen, dessen Blick auf die Galaxis von einer Härte geprägt war, die kaum Raum für Schwäche ließ, doch gerade in dieser Brutalität lag auch eine Konsequenz, die Teneb inzwischen besser verstand als zuvor. Zygerria hatte ihm gezeigt, dass die Galaxis ohnehin von denselben Prinzipien beherrscht wurde, nur mit mehr Lügen, mehr Fassaden und mehr Selbsttäuschung. Vielleicht war Sikarius nicht das Monster, als das er ihn einst gesehen hatte. Vielleicht war er lediglich ehrlicher als der Rest der Galaxis. Als dieser Gedanke sich langsam in Tenebs Bewusstsein setzte, wurde ihm klar, dass seine Rückkehr zu den Sith weniger eine Kapitulation war, als vielmehr eine Entscheidung, die er nun selbst aus eigenem Antrieb und ohne direkten Zwang getroffen hatte. Dann sank er in einen schweren, traumlosen Schlaf und sollte erst erwachen, als die Velvet Talon bereits kurz davor war in den Realraum von Artek III einzudringen.

Hyperraum | Outer Rim | Mäßig kartierte Route Zygerria → Artek III | Svelte-Class "Velvet Talon" | Teneb Dask, Peska Khalo und Pilot (NPCs)

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