Weltraum (Neutral)

[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs, republikanischer Konvoi voraus


Eine Nebulon-B. Zwei Kanonenboote. Dahinter Transporter und mehr Jäger, als ihm lieb sein konnten. Auren starrte durch das Cockpitfenster. Zwischen den Staubschichten waren die auseinandergeklappten Flügel der ersten X-Wings deutlich zu erkennen. Die Neue Republik und keine Piraten in zusammengeschweißten Schrottkisten, sondern ein militärisch gesicherter Konvoi. Für einen kurzen Moment dachte er daran, was dieser Fund in seinem Einsatzbericht hermachen würde. Dann erschienen hinter den ersten Maschinen weitere Triebwerkslichter.

Le’els Stimme fuhr ihm dazwischen. Er presste die Zähne aufeinander. Ja, verdammt, er konnte zählen. Drei TIEs gegen diese Eskorte, ohne Unterstützung und ohne verlässliche Verbindung zum Träger. Selbst wenn er einen X-Wing erwischte, würden die übrigen ihn auseinandernehmen, bevor er sich einen zweiten aussuchen konnte.

"Ich sehe sie, Acht. Keine Angriffe. Wir drehen ab"

Er sicherte die bisherigen Sensoraufzeichnungen und die eingegangenen Kennungen. Die Positionsdaten waren weiterhin widersprüchlich, aber die Bilder und Transponderantworten würden wenigstens belegen, was sie gefunden hatten. Anschließend rief er die aufgezeichnete Anflugstrecke auf.

Die Linie auf seinem Display führte durch mehrere Kurskorrekturen zurück zur letzten verlässlichen Positionsbestimmung außerhalb des dichten Nebels. Wie genau sie noch war, konnte er nicht sagen. Die eigenen Steuerbewegungen waren jedoch gespeichert. Das war mehr, als ihm diese ständig springende Positionsanzeige bot.


"Wir gehen auf unserer aufgezeichneten Anflugstrecke zurück. Acht, Neun, Sichtkontakt halten. Wende nach Backbord, jetzt"

Auren legte seinen Jäger in die Kurve, seinen aggressive Flugtechnik nur andeutend. Die Konturen des Konvois wanderten seitlich aus seinem Blickfeld, während sich die helle Kante eines Gasfelds quer über die Cockpitscheibe schob. Der Druck der Gurte ließ ihn scharf durch die Nase einatmen. Junckers Faust machte sich wieder bemerkbar. Er hielt die Bewegung gleichmäßig und richtete die Maschine auf den ersten Abschnitt des Rückwegs aus. Die Steuerung reagierte sauber. Wenigstens darauf konnte er sich gerade verlassen.

Er erhöhte den Schub, ohne gleich die volle Leistung abzurufen. Wenn er seinen beiden Piloten hier davonflog, durfte er anschließend allein versuchen, sich durch den Dreck zu finden. Er kontrollierte ihre Positionen mit einem Blick durch das Seitenfenster und wechselte auf den Staffelkanal.


"Mynock Sieben an alle Mynocks. Republikanischen Konvoi gesichtet. Eine Nebulon-B, zwei DP20, sechs Transporter. Geschätzt drei Jagdstaffeln. Kehren auf Anflugstrecke zurück. Empfang bestätigen."

Rauschen. Er wiederholte die Meldung an die Absolution. Diesmal glaubte er, hinter dem Knacken eine Stimme zu hören, aber kein einziges Wort ließ sich verstehen.

"Scheiße"

Er ließ die Sendetaste los und schaltete zurück zum Rottenkanal.

"Noch keine Bestätigung. Wir müssen weiter raus, bis uns jemand hört. Neun, vergleich deinen aufgezeichneten Anflug mit meinem. Meld dich, wenn die Strecken auseinanderlaufen. Acht, behalt unseren Rücken im Auge."

Vor ihnen verschwand der nächste schwache Stern hinter einer dunklen Staubschicht. Auren folgte der gespeicherten Flugbahn und korrigierte den Kurs nur behutsam. Er wollte schneller werden. Jede Sekunde auf diesem Rückweg gab den Republikanern Gelegenheit, ihnen jemanden hinterherzuschicken. Gleichzeitig hatte er wenig Lust, mit hoher Geschwindigkeit wieder vor einem Kanonenboot aufzutauchen, weil er sich auf die falsche Anzeige verlassen hatte. Im Bereitschaftsraum hatte Thorne von Piraten gesprochen. Davon, Kontakte aufzuklären und zu melden. Genau das hatte er getan. Niemand konnte ernsthaft erwarten, dass er mit drei Maschinen einen solchen Konvoi angriff.

Trotzdem ärgerte es ihn, mit den Waffen unbenutzt davonzufliegen. Er sah kurz auf die gesicherten Daten. Die mussten zum Träger. Wenn dieser Fund etwas wert war, dann würde sein Name darunterstehen, doch dazu musste er erst einmal zurückkommen. Eine weitere Abtastung lief über das Sensorbild. Hinter ihnen flackerten zwei Rückmeldungen auf. Auren sah hin, wartete auf den nächsten Durchlauf und hoffte einen Moment lang, dass sie wie die übrigen Fehlkontakte verschwanden.

Sie blieben. Die Entfernungswerte waren unbrauchbar, doch beide Kontakte lagen ungefähr auf ihrem Rückkurs.


"Acht, Neun. Zwei mögliche Kontakte hinter uns. Könnt ihr sie sehen?"

Er schob den Leistungshebel ein Stück weiter vor. Das Summen der Triebwerke wurde tiefer, während er den TIE auf der errechneten Rückflugstrecke hielt.

"Wir bleiben zusammen. Weiter zurück Richtung Nebelrand und Absolution"

[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Rückflug entlang der aufgezeichneten Anflugstrecke – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ //Master Suit// Mira & Jake //

„Oh.“ Es dauerte einen Moment, bis Jakes Gehirn die neuen Informationen zu Miras Wesen nachhaltig verarbeitet hatte.“ Okay.“, beschloss er schließlich, bevor der Alderaaner ihr wieder direkt in die Augen sah und überzeugt fortfuhr. „Ändert nichts an dem was ich gesagt habe.“

„Und es ist auch ein klein bisschen beruhigend.“ Seine Schultern entspannten sich. „Ich habe gedacht du würdest nicht das beste Bild von dir haben. Aber in einem Stück und aus eigener Kraft verschwinden ist immer am besten. Wenn du nicht rennen kannst, gehst du, und wenn du nicht gehen kannst, kriechst du, und wenn du das auch nicht kannst ... suchst du dir jemanden, der dich trägt.“ Einen Moment betrachtete er Mira von oben bis unten. Seine Brauen zogen sich nachdenklich zusammen, bevor er mit einem etwas schiefen Lächeln wieder zu ihrem Gesicht aufsah. „Ich hoffe ich trete dir nicht zu nahe, aber bist du schwerer als rein biologische Frauen? Wenn man dich tragen müsste, ist das ein spürbarer Unterschied? Ich überlege, ob ich dich tragen könnte?“ Samin hätte das Thema garantiert bewusst falsch interpretiert und er wäre einer weiteren Ohrfeige näher gekommen.
Mira hingegen schilderte sogar ihre Nahrungsbedürfnisse.
„Hmmmm…Hmmmm.“, meinte er genüsslich, mit einem breiten Grinsen. „Spaltbares Material, das mag ich am Liebsten!“

Die Leidenschaft für kulinarisches und Spirituosen verwunderte Jake im ersten Moment, aber umso mehr er die Freude und Neugier in ihrer Stimme auf sich wirken lies, desto besser konnte er sich das mehr und mehr vorstellen.
Eine Bar wollte sie. Für einen Moment betrachtete Jake die junge Frau, platzierte sie im Geiste in unterschiedlichsten Bars die er im Laufe seines Lebens aufgesucht hatte und sie fand erstaunlich oft einen Platz darin, den sie wie selbstverständlich für sich einnahm. Er nickte sachte. Das würde gut passen, wirkte sogar einladend charmant. Selbst vor raueren Gästen dürfte Mira kaum etwas zu befürchten haben.

„Ich kann mir das richtig gut vorstellen.“ Ein feines Schmunzeln blitzte auf, als er sich ein Stück zurücklehnte. Dann hob er eine Augenbraue und fragte, trotz der Belustigung in seinem Gesicht durchaus ernst: „Sag mal, kann ich Teilhaber werden? Ich werde bald mehr Credits haben, als gut für mich ist? Und das hört sich nach einer sicheren Investition an. Aber an einer Verköstigung würde ich trotzdem Interesse anmelden.“

Dass sie ihre Mom mochte, war wenig überraschend und gleichzeitig tiefgreifend beruhigend. Das Verhältnis der beiden schien also ganz gut und stabil zu sein. Auch zuvor hatte die Sephi - irgendwie weigerte sich sie als Androidin zu bezeichnen - schon erzählt, dass es ihre und nicht Moores Idee gewesen war, die Lebensversicherung für den Infiltrationstrupp zu sein. Er kam nicht umher zu bemerken, dass ihre Wangen rot wurden und sie offensichtlich ablenkte.

„Ich hatte ja eigentlich mit einer Antwort à la ‚Alle, die an Bord sind‘ gerechnet. Aber nun liegt irgendwie die Vermutung nahe, dass es da eine ganz spezielle Person an Bord gibt.“
Jakes Grinsen, das er vergeblich zu unterdrücken versuchte, wurde breiter. Mit gespielter Verlegenheit legte er sich eine Hand auf die Brust

„Mira ich fühle mich ja wirklich geschmeichelt. Ich weiß wir haben gerade auch einen Moment und du bist auch sehr… sehr attraktiv, aber…“ Weiter kam er nicht. Ein Lachen entwich ihm, und er senkte kurz den Kopf, während seine Schultern bebten. Immer noch belustigt fügte er hinzu: „Wenn du einen Wingman oder ne Ablenkung brauchst, sag Bescheid.“

„Ja, Tableflip.
Das muss sein, das ist so etwas wie ein kosmisches Gesetz.“ Er nickte mit übertriebener Würde, bevor er freundschaftlich ihre Schulter mit seiner anstubste. „Lachend gefällst du mir viel besser als so schweigsam, versessen ins Spiel, oder Tische rausreißend. Lachen steht dir gut.“

Ihre Tränen ließen sie weicher und nahbarer erscheinen, Jake war froh, dass sie sich diese Momente in seiner Nähe entdecken ließ. „Niemand kann immer stark sein. Jeder braucht Verschnaufpausen und wenn man mal unter einer Last zusammenbricht ist es gut Freunde zu haben, die dir aufhelfen, den Staub von deinen Schultern klopfen und dir bekräftigen, dass wenn du eine Pause brauchst, sie gerne die Last eine Weile für dich tragen. Oder dass du das kannst, je nach Situation.“

Da immer mal wieder einzelne Tränen ihren Weg über Miras Wangen liefen, fing Jake an in seinem Overall nach einem Tuch zu suchen, mit der Rüstung, könnte sie sich kaum das salzige Nass trocknen. Aber er fand nichts, ließ sich komplett rücklings auf das Bett fallen, bekam das Kissen zu greifen und richtete sich wieder auf. Mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen hielt er es ihr hin, um damit die Tränen trocknen zu können. Was besseres war aktuell nicht greifbar, und Jake war schon immer der Meinung gewesen, dass man mit dem arbeiten musste, was man hatte.

„Tränen sind gut. Sie helfen uns Gefühle zu verarbeiten und sie kommen in unterschiedlichsten Ausführungen. Ich hoffe, dass diese hier Tränen der Erleichterung sind,
einfach weil du deinen Gedanken Platz verschaffst und sie nicht mehr dein Herz zerdrücken. Manchmal braucht man auch einfach jemanden, der einen in den Arm nimmt, einfach nur da ist und einem sagt, dass man nicht alleine ist. Dass die eigenen Bedenken, Sorgen und Ängste ihre Berechtigung haben und man deswegen nicht weniger wert ist. Angst vor dem Tod zu haben, ist natürlich und gesund. Sie darf uns nur nie lähmen.“

Jake richtete sich wieder auf und breitete die Arme andeutungsweise aus. Mit leicht angehobenen Brauen wartete er einen Moment und überließ ihr die Entscheidung, ob sie das Angebot annehmen wollte. Mehr als eine Schulter zum Anlehnen und eine Umarmung anbieten konnte er nicht; sie ungefragt an sich zu ziehen, würde er sich nicht herausnehmen.

„Weißt du, eine Freundin fragte mal, ob ich soviel grinse, schmunzele oder lache, weil es die harmloseste Art ist dem Tod die Zähne zu zeigen. Und ich glaube sie hat mit der Annahme Recht, der Scheiß den ich schon überlebt habe ist nicht normal.“ Für einen Atemzug blieb er nachdenklich. Als er Mira wieder ansah, kehrte das vertraute, schiefe Grinsen zurück. „Aber vielleicht mache ich auch alles richtig, und wenn ich den Tod angrinse, grinst er nickend zurück. Ich finde das ist ne schöne Vorstellung. Wie zwei alte Freunde.“ Damit könnte Jake sprich- und wortwörtlich leben.

„Du meinst einzigartig.“ Jake hob das Kinn ein wenig und zwinkerte Mira mit dem linken Auge zu. „Zugegeben, ich bin was für Kenner.“
Mittlerweile hatte er angefangen mit dem rechten Bein zu wippen und wollte noch so vieles wissen. Vielleicht half es auch ihr die Gedanken und Pläne an später zu ordnen. Denn später würde nach Bakura sein, es half Ziele zu haben die einem durch schwere Zeiten motivierten.

„Weißt du schon wo du die Bar aufmachen willst? Was für ein Flair du haben willst und wo deine Bar gut hinpassen würde? Es gibt viele tolle Orte in der Galaxie und wenn du einen Piloten brauchst, kann ich dir ein gutes Angebot machen." Während er sprach, beschrieb er mit einer Hand einen kleinen Bogen, als könne er die Möglichkeiten vor ihnen ausbreiten. "Ich vermute es soll eher ein Ort für einen angenehmen Abend oder zum Feiern sein? Kein Wasserloch irgendwo in den Randgebieten oder auf einer Waystation?“ Er hob fragend die Brauen.


// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ //Master Suit// Mira & Jake //
 
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| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Sitzecke beim Cockpit |
Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder


Samin überraschte etwas, dass Dany sich so entschieden gegen die Idee aussprach, Mira im Ernstfall zurückzulassen. Die Mandalorianerin hatte gerade noch über den zerstörten Sabacctisch geschimpft und erklärte nun, dass sie die Androidin keinesfalls ihrem Schicksal überlassen würde. Aber warum eigentlich nicht? Genau für solche Situationen war sie konstruiert worden und offenbar so widerstandsfähig, dass sie Dinge überleben konnte, der jedes andere Mitglied der Gruppe töten würde. Wenn man diese Fähigkeit nicht nutzte, wozu war sie dann überhaupt dabei? Samin betrachtete Dany einen Moment von der Seite. Irgendwie war es dennoch ziemlich anständig von ihr. Auch, wenn die Chiss ihre Bedenken nicht vollständig teilen konnte.

„Ich glaube, es bringt nichts, jetzt schon darüber zu diskutieren, wer auf Bakura zurückgelassen wird“
, warf sie schließlich als Neutralitätsversuch ein und sah zwischen den beiden Frauen hin und her. „Im Optimalfall kommen wir mit allen zurück.“

Sie lächelte Dany kurz zu, ehe Moore ihre Erklärung fortsetzte. Diese war also selbst keine Androidin, sondern eine Sephi mit Implantaten, die es ihr ermöglichten, unmittelbar mit allerhand Technik zu interagieren. Samin zog eine Augenbraue hoch. Das war nicht weniger seltsam, erklärte aber einiges, wie die merkwürdigen Holoprojektionen in Moores Appartement. Dass die beiden Frauen darüber hinaus Informationen und sogar Gefühle miteinander teilen konnten, war dann die eigentlich gewöhnungsbedürftigere Vorstellung. Sie konnte also einfach mit ihrem Kopf auf Computer zugreifen und mit Mira kommunizieren, ohne dass irgendjemand etwas davon mitbekam? Samin versuchte sich vorzustellen, wie das funktionieren sollte und dachte unweigerlich daran, wie es wohl wäre, wenn sie und ihre Tochter einfach so Gedanken und Emotionen austauschen konnten. Würde es die Sache vereinfachen? Oder nur noch verkomplizieren?

„Das heißt, Mira kannte Ihre Karten und Sie kannten Miras? Und trotzdem hat Dany gewonnen?“

Samin presste beeindruckt die Lippen aufeinander, pfiff anerkennend und wackelte mit dem Kopf in Richtung der Mandalorianerin.

„Nicht schlecht, Dany.“

Moore ging kurz darauf auch noch auf die Frage ein, ob sie Mira selbst erschaffen hatte. Sie war zumindest an ihrer Entwicklung beteiligt. Maßgeblich. Samin hörte aufmerksam zu, während die Sephi beschrieb, wie das Projekt eigentlich gedacht und schließlich eingestellt worden war.

„Sie haben sie also praktisch zweimal erschaffen?“
, fragte Samin nachdenklich. „Erst als Waffe. Dann als Tochter?“

Die Chiss betrachtete Dr. Moore mit einer eigenartigen Mischung aus Anerkennung, Faszination und Ablehnung. Immerhin hatte sie etwas getan, dass Samin durchaus nachvollziehen konnte. Sie hatte in ihren eigenen Augen ein Kind gerettet, das sonst keine Zukunft gehabt hätte und ihm ein Zuhause gegeben. Als Moore schließlich erklärte, weshalb sie Mira überhaupt zu ihrer Tochter gemacht hatte, weichte Samins Gesichtsausdruck auf. Die harten Züge ihrer Chiss-Herkunft wichen den weicheren, nahbaren menschlichen Konturen. Die erste Version ihrer Implantate hatte die Sephi unfruchtbar gemacht. Sie konnte keine eigenen Kinder bekommen.

„Das tut mir leid“,
sagte Samin nach einer Weile, weil sie nicht wusste, was sie darauf erwidern sollte. Die Offenbarung war unerwartet persönlich. So sehr, dass es Samin beinahe unangenehm war und sie sich fühlte, als wären ihre Fragen zu sehr in die Privatsphäre ihrer Auftraggeberin eingedrungen. Aber sie mussten nun einmal wissen, mit was sie es zu tun hatten. Und nun hatte sie einen Ansatz, den sie nur zu gut verstehen konnte: Den Wunsch nach einem Kind und die Angst, dieses Kind wieder zu verlieren. Die Wissenschaftlerin hatte ihnen gerade etwas anvertraut, was sie vermutlich nicht jedem erzählte. Entsprechend wollte Samin darauf nicht mit irgendeiner oberflächlichen Bemerkung reagieren. Denn es machte tatsächlich einen Unterschied, das Warum zu kennen.

„Jetzt verstehe ich es. Ich habe meine Tochter dreizehn Jahre lang nicht gesehen. Und jetzt, wo ich sie endlich wiederhabe, würde ich vermutlich alles tun, um sie nicht noch einmal zu verlieren.“

Sie lächelte schwacher, ehe sie den Blick senkte. Es war merkwürdig, dass sie ausgerechnet mit dieser Frau etwas gemeinsam hatte. Eine Frau, die offensichtlich für die Black Sun arbeitete, mit einer künstlich erschaffenen Tochter, die gleichzeitig Kampfmaschine war, zusammenlebte und über technische sowie finanzielle Möglichkeiten verfügte, von denen Samin bis vor wenigen Minuten nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

„Jetzt verstehe ich, warum Sie Mira Ihre Tochter nennen“
, ergänzte sie und sah wieder auf.

Der Blick ihrer roten Augen fiel auf Dany. Die Mandalorianerin hatte sich trotz der noch recht frischen Bekanntschaft bereits als ausgesprochen verlässliche Begleiterin erwiesen. Und das, obwohl ihr Aufeinandertreffen mit einer Schießerei, einem zerstörten Frachter und einer Festnahme begonnen hatte. Inzwischen kam es Samin beinahe selbstverständlich vor, dass ihre kleine Gruppe zusammengehörte. War das nicht absurd? Vielleicht war das einfach ihr innerer Drang nach einer Einheit?


„Wisst ihr, was verrückt ist? Vor zwei Wochen war ich noch eine imperiale Heldin.“

Sie ließ den Blick zwischen Moore und Dany wandern.

„Ich kannte keinen von euch. Jetzt fliegen wir diese Luxusyacht, ich habe mehr Credits als jemals zuvor, meine Tochter ist ein paar Räume weiter und ich unterhalte mich mit einer Mandalorianerin und einer kybernetischen Wissenschaftlerin über deren Androiden-Tochter.“

Von dem alten Freund, der aus dem Nichts aufgetaucht war, ganz zu schweigen. Sie schnaubte amüsiert und schüttelte dann lachend den Kopf.

„Ich weiß nichts über euch. Und trotzdem kommt es mir nun vor, als würde ich euch gut genug kennen, um euch zu vertrauen. Ich hoffe, dass ich das nicht bereuen werde.“

Nun suchte sie gezielt den Blick der Sephi.

„Ihre Tochter wird auf Bakura nicht sterben. Egal, was Sie beide geplant haben. Dafür sorgen wir schon.“

Samin legte Dany eine Hand auf die Schulter, wofür sie sich auf die Zehenspitzen stellen musste.

„Vielleicht bekomme ich einfach noch etwas mandalorianisches Schießtraining? Nur für den Fall der Fälle.“

Erneut lächelte die Chiss.

„Wo hast du eigentlich kämpfen gelernt? Und von wem?“

Es war an der Zeit, noch mehr über die Mitglieder dieser selten merkwürdigen Crew zu erfahren. Und wo blieb eigentlich Jake?


| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Sitzecke beim Cockpit |
Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira im Quartier //

Dany hatte die Arme noch immer vor der Brust verschränkt. Moores zunächst recht kühle Antwort gefiel ihr nicht besonders. Vorhin hatte sich das alles schließlich noch ganz anders angehört. Lebensversicherung, Feindfeuer auf sich ziehen und möglicherweise nicht zurückkommen. Und jetzt sollte das plötzlich nur eine von unzähligen Möglichkeiten sein, die man selbstverständlich bereits durchgerechnet hatte? Welche Mutter kalkulierte überhaupt so nüchtern den Tod ihrer eigenen Tochter ein, auch wenn der angeblich nur eine Notlösung sein sollte?

Allerdings ließ Dany die
Silberhaarige ausreden. Je länger Moore sprach, desto mehr verstand sie zumindest, wie es zu dieser Planung gekommen war. Es gab also doch einen Rückzugsweg für Mira. Sogar mehrere. Dass die Androidin unter bestimmten Voraussetzungen wiederhergestellt werden konnte, war ebenfalls eine ziemlich bemerkenswerte Information. Dany war sich nur nicht sicher, ob sie das wirklich beruhigend finden sollte. Mira war schließlich kein kaputter Blaster, bei dem man einfach ein paar Teile austauschte und anschließend weitermachte.

Aber immerhin hatte
Moore ihre Tochter keineswegs einfach abgeschrieben.

Die eigentliche Überraschung folgte jedoch erst danach. Dany hörte zu, wie die Silberhaarige von
Miras Erschaffung berichtete, von einem gescheiterten Experiment und davon, wie sie die Überreste dessen vor der Abschaltung gerettet hatte. Dass Moore selbst keine Kinder bekommen konnte und Mira deshalb nicht nur als technisches Projekt, sondern tatsächlich als Tochter hatte großziehen wollen, ließ Danys anfängliche Empörung allmählich schwinden.

Das war schon eine verdammt andere Geschichte. Sie betrachtete
Moore nachdenklich. Die Frau hatte sich also nicht einfach irgendeine künstliche Kampfmaschine angeschafft und ihr zum Spaß das eigene Gesicht verpasst, auch wenn sie diesen Teil der Story noch immer etwas befremdlich fand. Sie hatte einem "Wesen", das andere längst aufgegeben hatten, ein zweites Leben ermöglicht.

Und offenbar hatte sie dabei selbst erst lernen müssen, was es bedeutete, eine Mutter zu sein.

Dany konnte sich nicht vorstellen, wie das alles funktioniert hatte. Aber sie wusste, wie es war, in einer Familie aufzuwachsen, in der man sich aufeinander verlassen konnte. Auf Shinbone war das nie besonders kompliziert gewesen. Ihre Eltern hatten gearbeitet, sich um ihre Kinder gekümmert und dafür gesorgt, dass niemand allein mit seinen Problemen dastand. Dass
Moore sich für Mira genau das gewünscht hatte, konnte Dany durchaus verstehen.

Ihr Gesichtsausdruck wurde allmählich weicher. Ganz überzeugt war sie noch immer nicht. Aber sie musste der Wissenschaftlerin wohl zugestehen, dass diese ihre Tochter keineswegs leichtfertig opfern wollte.

Als
Moore sich schließlich sogar dafür bedankte, dass Dany für Mira eingetreten war, löste die Mandalorianerin ihre verschränkten Arme. Für einen Moment wirkte sie beinahe verlegen. Dann nickte sie der Silberhaarigen zu.

"Schon gut"

Ein kleines Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

"Sie sollten ihr nur beibringen, entweder besser Sabacc zu spielen oder mit Niederlagen besser umzugehen"

Ihr Blick wanderte zu den noch immer verstreuten Karten und Chips.

"Sonst haben Sie bald keine Tische mehr"

Samins Bemerkung über den Kartensieg hatte Dany zwischenzeitlich allerdings ebenfalls aufhorchen lassen. Moore und Mira hatten ihre Karten gekannt? Beide? Und trotzdem hatte sie gewonnen? Natürlich, die Chiss hatte recht. Shab, das machte den Sieg ja noch viel besser!

Dany erwiderte den anerkennenden Blick der Chiss mit einem ausgesprochen zufriedenen Grinsen.


"Alles eine Frage der richtigen Taktik"

Welche Taktik das gewesen sein sollte, ließ sie natürlich offen, weil es für sie offenbar keine Funktionierende gab. Anschließend hörte sie Samin zu. Vor zwei Wochen noch eine imperiale Heldin, jetzt eine gesuchte Deserteurin auf einer Luxusyacht mit einer mandalorianischen Kopfgeldjägerin, einer Wissenschaftlerin und deren künstlich erschaffener Tochter. Dany musste bei dieser Aufzählung selbst etwas schmunzeln.

Vor zwei Wochen hatte sie immerhin noch ein Schiff besessen. Ein beschissenes Schiff zwar, bei dem ständig irgendetwas kaputtging, aber immerhin ihr eigenes. Jetzt war ihre Dawn Chaser Geschichte, dafür hatte sie Aussicht auf eine halbe Million Credits und saß mit Leuten zusammen, deren Lebensläufe teilweise so absurd waren, dass Dany sich inzwischen ernsthaft fragte, ob sie überhaupt noch irgendetwas überraschen konnte.

Dass Samin ihnen trotz der kurzen Bekanntschaft bereits vertraute, ließ Dany allerdings kurz nachdenklich werden. Sie hätte vermutlich dasselbe sagen können. Zwei Jahre lang war sie mehr oder weniger allein durch den Outer Rim gezogen. Von Planet zu Planet, von einem Kopfgeld zum nächsten. Anfangs hatte ihr die Vorstellung gefallen, niemandem Rechenschaft schuldig zu sein und einfach ihr eigenes Ding zu machen. Doch besonders glücklich war sie damit nie gewesen. Irgendwann waren selbst die Abende in der Dawn Chaser verdammt einsam geworden. Nicht, dass sie deshalb gleich nach einer Ersatzfamilie gesucht hätte oder so einen Shab. Aber es war schon angenehm, wieder Leute um sich zu haben, mit denen man reden, lachen und sich gelegentlich über ein ausgeartetes Kartenspiel aufregen konnte.

Dany ließ den Blick kurz zwischen Moore und Samin wandern. Vor wenigen Tagen hatte sie keinen dieser Menschen gekannt. Jetzt saß sie hier und stellte fest, dass sie ihre Gesellschaft tatsächlich mochte. Sogar die der Verrückten. War sie nur noch wegen des Geldes hier? Wahrscheinlich nicht.

Als die Chiss schließlich erklärte, dass Mira auf Bakura nicht sterben würde, und Dany dabei eine Hand auf die Schulter legte, sah die Mandalorianerin zu ihr hinunter. Die Berührung überraschte sie ein wenig und Dany merkte, wie sie etwas versteifte. Nicht weil es ihr unangenehm gewesen wäre. Im Gegenteil. Sie erwiderte
Samins Lächeln.

"Na, das will ich hoffen"

Dann kam die Frage nach ihrem Schießtraining. Dany hob leicht die Braue.

"Auf Shinbone"

Sie zuckte mit den Schultern, als wäre damit eigentlich schon alles erklärt. Wenn man diesen Ort kannte, dann wusste man eben Bescheid.

"Hauptsächlich von meinem Vater. Meine Eltern haben in der Minensiedlung gearbeitet, in der ich aufgewachsen bin. Und Piraten hatten leider regelmäßig die Idee, dass sie sich dort einfach bedienen könnten."

Dany schnaubte leise.

"Also musste sich irgendwann jeder verteidigen können. Mein Vater hat mir beigebracht, wie man mit einem Blaster umgeht. Später kamen andere dazu. Ein bisschen Nahkampf, Schießen, Deckung suchen und solche Sachen. Was man eben braucht, wenn irgendwelche Arschlöcher mit Waffen vor der Tür stehen."

Sie ließ den Blick kurz zwischen Moore und Samin wandern.

"War jetzt keine besonders ruhmreiche Kriegerausbildung, falls du das meinst. Meine Eltern waren Arbeiter. Keine berühmten Söldner oder irgendwelche legendären Mandalorianer. Aber auch in ihren Adern fließt deren Blut. Das meiste habe ich ohnehin erst durch praktische Erfahrung gelernt, seit ich vor zwei Jahren losgezogen bin, um mir als Kopfgeldjägerin meine Credits zu verdienen."

Dazu kamen natürlich hunderte Stunden körperlichen Trainings. Sie sah Samin wieder an.

"Aber wenn du Schießtraining willst, können wir das gerne machen. Sobald wir auf Zanbar einen geeigneten Platz finden."

Ein schelmisches Grinsen zog über ihr Gesicht.

"Und dafür zeigst du mir vielleicht ein paar von deinen Flugmanövern. Aber am besten so, dass ich meinen Mageninhalt behalten kann."

Dany legte leicht den Kopf schief.

"Abgemacht?"

Dann fiel ihr noch etwas ein. Dany wandte sich wieder Moore zu, diesmal mit einem deutlich freundlicheren Gesichtsausdruck.

"Ach, und Dr. Moore? Sie können mich übrigens ruhig duzen. Dany reicht völlig."

Sie grinste leicht.

"Bei Miss Valthor komme ich mir immer so vor, als hätte ich irgendwas ausgefressen"

// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore //
 
[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, republikanischer Konvoi voraus



Mit jeder weiteren Schiffskontur, die sich aus dem Dunst schälte, verlor Zarev ein wenig mehr die Lust an dieser Aufklärung. Eine Nebulon-B und zwei Kanonenboote waren bereits ausreichend Gründe, den Rückweg anzutreten. Als zwischen den Transportern auch noch die Triebwerkslichter der Jäger auftauchten, entwich ihm ein unwilliges Geräusch.

„Für Piraten haben die einen ziemlich großzügigen Ersatzteiletat“, murmelte er in seinen Helm, ohne die Sendetaste zu betätigen.

Sein Blick blieb an den X-Wings hängen. Schilde, Hyperantrieb und vermutlich ein Astromechdroide, der sich um einen Teil der technischen Probleme kümmerte. Er gönnte den Piloten ihre Maschinen in diesem Augenblick ausgesprochen wenig. Besonders, weil sie gleich Gelegenheit bekommen könnten, auf seine zu schießen.
Tylas Aufforderung zur Flucht traf ziemlich genau seine eigene Einschätzung. Zarev sah zu Hardlights TIE und wartete auf die Entscheidung. Komm schon,Grummel. Heute war ein hervorragender Tag, um mit einem Bericht zurückzukehren und anschließend weiterzuleben.
Als der Befehl zum Abdrehen kam, ließ die Spannung in seinen Schultern etwas nach.


„Neun, verstanden. drehe bei.“

Er folgte der Backbordwende und passte den Schub an, während Aurens Maschine vor ihm durch die wechselnden Gasfelder zog. Bei der Kursänderung behielt er den Abstand im Auge; ausgerechnet jetzt an einem Kameraden einen Solarflügel abzureißen, würde ihm noch fehlen. Erst als sie auf dem Rückkurs lagen, richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Anzeigen.


Die gespeicherten Daten des Anflugs waren vorhanden. Zarev rief sie auf, nahm Aurens übermittelte Strecke hinzu und legte beide Darstellungen übereinander. Die springende aktuelle Positionsbestimmung machte die Sache unübersichtlich genug, dass er sie zunächst ausblendete. Er wollte sehen, welche Bewegungen ihre Maschinen aufgezeichnet hatten, ohne dass ihm die Navigation ständig einen anderen Aufenthaltsort dazwischenwarf.


„Vergleiche die Strecken, Sieben.“

Er ging die letzten Kursänderungen rückwärts durch und suchte nach den Stellen, an denen sie auf die unbekannten TIEs reagiert hatten. Dort unterschieden sich die Linien erwartungsgemäß etwas. Er war seitlich hinter Hardlight geflogen und hatte dessen Kurve mit einem anderen Radius genommen. Zarev vergrößerte den betreffenden Abschnitt, verglich den Verlauf danach und merkte erst beim nächsten Blick nach draußen, dass der Abstand zu Aurens Maschine angewachsen war.

„Scheiße.“ sagte er ohne dabei die Sendentaste zu drücken.

Mit einer kleinen Leistungsanpassung schloss er wieder auf. Das Display würde ihm wenig helfen, wenn er beim Lesen seinen Rottenführer im Nebel verlor. Er richtete die Darstellung so ein, dass er mit kurzen Blicken zwischen den Daten und Hardlights Jäger wechseln konnte.
Die aufgezeichneten Wendepunkte passten bislang zusammen. Zumindest hatte keiner ihrer Rechner eine zusätzliche Kurve gespeichert, von der der andere nichts wusste.


„Sieben, hier Neun. Die Anflugaufzeichnungen passen bislang zusammen. Kleine Unterschiede durch unsere Positionen in der Formation, aber keine zusätzliche Kursänderung auf meiner Strecke.“

Er überprüfte noch einmal den nächsten Abschnitt.

„Ich gleiche weiter ab. Ob uns das exakt an den alten Punkt bringt, kann ich mit den gestörten Positionsdaten nicht sagen.“

Mehr wollte er nicht versprechen. Ihm wäre selbst wohler gewesen, wenn sie irgendwo einen verlässlichen Bezugspunkt gehabt hätten. Ein Stern, eine brauchbare Entfernungsmessung oder die Stimme eines Flugkontrolleurs, über dessen Tonfall man sich hinterher beschweren konnte. Im Moment hätte er sogar Thornes Gebrüll mit einer gewissen Freude gehört.

Aurens wiederholte Meldungen an den Träger verschwanden im Rauschen. Zarev presste die Lippen zusammen und hielt den Blick auf den nächsten aufgezeichneten Streckenabschnitt gerichtet. Sie hatten etwas gefunden, das die Absolution dringend erfahren sollte, und konnten es niemandem sagen. Ausgerechnet jetzt, wo er sich einmal ausgesprochen gern an eine Meldevorschrift gehalten hätte.
Dann meldete Hardlight die beiden möglichen Kontakte hinter ihnen.

Zarev sah auf seine eigene Erfassung. Auch dort tauchten undeutliche Rückmeldungen auf, deren Entfernungswerte ihm kaum etwas brachten. Er versuchte, eine stabilere Erfassung zu bekommen, und wandte anschließend den Kopf, soweit Helm, Gurte und Cockpit es zuließen. Zwischen den Streben des Sichtfensters und dem eigenen Solarflügel blieb ihm nur ein begrenzter Ausschnitt.

Er hasste dieses Gefühl, etwas hinter sich zu wissen, das er nicht vernünftig sehen konnte.
Für einige Augenblicke konzentrierte er sich auf die Wärmekontraste, die seine arkanischen Augen zusätzlich wahrnahmen. Im Dunst zeichnete sich stellenweise ein schwacher heller Fleck ab, verlor sich jedoch wieder, sobald sich die Sichtlinie verschob. Zarev suchte dieselbe Richtung erneut ab. Ob er dabei tatsächlich einen der gemeldeten Kontakte sah oder nur einen anderen Bereich des Nebels, konnte er nicht zuverlässig unterscheiden.
Er wandte sich wieder nach vorn und prüfte seine Position zu Hardlight.


„Keine sichere Sichtbestätigung. Ich bekomme achtern gelegentlich einen Wärmekontrast, aber keine erkennbare Silhouette. “

Seine Finger lagen inzwischen fester um die Steuergriffe. Er lockerte sie bewusst, nahm Aurens höhere Leistung auf und hielt den Abstand. Einfach den Schubhebel nach vorn zu drücken, war verlockend. Dann wären sie schneller weg von diesem Konvoi, wenigstens solange die aufgezeichnete Strecke sie tatsächlich von ihm fortführte. Aber blind vorauszuschießen und anschließend allein nach dem Träger zu suchen, gefiel ihm noch weniger.
Zarev kontrollierte den nächsten Wendepunkt und verglich ihn mit Hardlights Daten. Noch liefen ihre Aufzeichnungen zusammen.


„Rückflugstrecken stimmen weiterhin überein, Sieben. Ich bleibe dran.“

Danach ließ er den Rottenkanal frei und wechselte den Blick zwischen Aurens Maschine, dem aufgezeichneten Anflug und den unsteten Rückmeldungen hinter ihnen. Vorhin hatte er sich noch darüber gefreut, dass alle drei Jäger ordentlich reagierten. Nun hoffte er vor allem, dass sie lange genug Gelegenheit bekamen, das auch zu nutzen.


[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Rückflug entlang der aufgezeichneten Anflugstrecke – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, zwei mögliche Kontakte achtern
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Quartier] C-06 „Mira“ und Jake Relis / Dr. Ralena Anne Moore, Samin und Dany in der Sitzecke beim Cockpit / Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

In der kurzen Pause, die Jake ihr tatsächlich ließ, überlegte Mira noch, ob sie ihm etwas genauer erklären sollte wie die Varianten einer Flucht aussahen. Er kam ihr aber zuvor und war dann gedanklich schon dabei, sie im Ernstfall aus einer Anlage zu schleppen. Er sah sie genauso an wie zuvor und musterte sie schließlich von oben bis unten, offenbar um abzuschätzen, ob er sie tragen konnte. Mira musste trotz der feuchten Wangen wieder grinsen. Der Mensch meinte es mit seinem Versprechen anscheinend verdammt ernst. Wenn er nur nicht so quatschen würde wie ein Bier versiegender Wasserfall. Sie kam kaum dazu, eine seiner Bemerkungen für sich zu sortieren, bevor er bereits bei der nächsten angekommen war und hob bei der Frage nach ihrem Gewicht schließlich die Brauen.

„Selbst ich weiß inzwischen, dass man Frauen weder nach ihrem Alter noch nach ihrem Gewicht fragt, wenn man sich keine fangen will. Stehst du auf Ohrfeigen?“

In Gedanken daran das er heute bereits ein paar kassiert hatte musste die Androidin beinahe kichern. Zeitgleich musste sie sich selbst noch daran gewöhnen, dass sie ihm von der Bar erzählt hatte und er wollte sich bereits daran beteiligen. Dass er sich das tatsächlich vorstellen konnte, gefiel ihr. Über die nötigen Credits hatte sie sich bisher kaum Gedanken gemacht, weil sie immer einen Weg gefunden hatte, sich zu beschaffen, was sie haben wollte.

„Danke. Aber Geld ist jetzt nicht so das Problem. Da komme ich schon dran, wenn ich welches brauche.“

Sie stellte sich vor, wie Jake an ihrer Theke saß und ihr ebenso ausdauernd etwas erzählte, während sie ihm ein Getränk hinschob. Wahrscheinlich würde er dabei auch wieder so viel mit den Händen reden. Mira hatte gerade angefangen, sich das mit einem kleinen Lächeln auszumalen, als seine Vermutung über eine ganz spezielle Person sie ziemlich gründlich ablenkte.

Offenbar hatte ihr Gesicht ausgereicht, obwohl sie noch nicht einmal einen Namen genannt hatte. Die Wärme in den Wangen war sofort wieder da und es ärgerte sie, dass Jake sie auf etwas ansprach, das sie selbst kaum verstand. Wieder daran zu denken machte es gerade auch nicht besser und Mira hätte ihm am liebsten erklärt, dass ihn das überhaupt nichts anging. Vor allem konnte er sich dieses Grinsen sparen. Sie setzte schon zu einer Antwort an, als er sich die Hand auf die Brust legte und erklärte, sich geschmeichelt zu fühlen.


„Du? Nicht mal für Geld...“

Dann musste sie selbst grinsen und bei seinem Schulterstupser leise lachen, obwohl sie sich mit diesem bescheuerten Spitznamen noch immer nicht recht anfreunden konnte. Als er plötzlich rücklings auf das Bett fiel, sah sie ihm verdutzt nach. Eben hatte er ihr noch erklärt, wie Freunde einander helfen konnten, nun angelte er etwas umständlich nach einem Kissen und hielt es ihr hin. Mira nahm es in die gepanzerten Hände und tupfte sich mit einer weichen Ecke vorsichtig die Wangen ab.

„Danke.“

Auf die angebotene Umarmung schüttelte sie leicht den Kopf und behielt das Kissen auf dem Schoß. Ihre Augen brannten noch etwas, doch sie saß inzwischen bequemer auf der Bettkante und hörte ihm zu, während er davon erzählte, wie er dem Tod zugrinste. Wie oft musste man eigentlich beinahe umkommen, um auf solche Gedanken zu verfallen... oder was für einen Schaden musste man haben? War Jake Relis vielleicht defekt? Für ihre Bar fiel ihr inzwischen vor allem das Rad ein. Das Stimmengewirr in den Gängen und die Musik aus den Lokalen waren ihr vertraut. Dort konnte sie sich vorstellen, abends hinter einer Theke zu stehen, etwas zuzubereiten und Leute um sich zu haben, die sich amüsieren wollten.

„Auf dem Rad, denke ich. Eine richtige Bar, vielleicht mit einem Club dazu. Da ist wenigstens was los.“

Jake hatte auf so vieles eine Antwort gehabt, worüber sie selbst erst hatte nachdenken müssen. Bei ihm hörte sich das alles erheblich einfacher an. Er hatte schließlich viel mehr Zeit gehabt, die Dinge auszuprobieren, die er ihr empfahl und herauszufinden, was er selbst davon am besten fand. Mira war neugierig, ob er sich da ebenso sicher war wie bei seinen Ratschlägen.

„Und was willst du eigentlich aus deinem Leben machen? Also, so alt, wie du bist... hast du manchmal das Gefühl, dass du bisher ziemlich viel deiner Zeit vergeudet hast?“

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„Das könnte Missionsrelevant sein.“, protestierte Jake schmunzelnd, entschied sich aber, dass ihre Antwort vermutlich eher darauf verwies, dass sie nicht wirklich schwerer wäre als andere Frauen ihrer Statur. „Nicht wirklich, auch wenn Ohrfeigen das Eis brechen können.“ Er neigte den Kopf leicht, einer Erinnerung folgend, seine Mundwinkel zogen sich dabei in die Höhe und abschließend nickte er zufrieden. Auch wenn es nicht sehr lange hielt, die Sephi nahm ihm mit ihren folgenden Worten ein wenig den Wind aus den Segeln.

„Mira, es geht dabei gar nicht so sehr um die Credits, als vielmehr meinen Wunsch, deinen Traum zu unterstützen, ein Zeichen meines Vertrauens in deine Befähigung eine Bar zu führen, das kann symbolisch nur 1 Credit sein, oder mehrere hunderttausend. Und in irgendwelchen Papieren will ich sowieso nicht auftauchen.“ Jake zuckte mit den Schultern, blickte ihr aufmunternd in die Augen und meinte: „Würde mich freuen, wenn du es dir vielleicht überlegst. Muss auch nicht jetzt sein, wir haben noch eine Weile bevor es relevant wird.“ Mit einem kleinen Lächeln lehnte er sich zurück und ließ das Angebot zwischen ihnen stehen.

Bei den nächsten Worten der Sephi griff er sich gespielt schwer getroffen mit beiden Händen ans Herz, wenn er dabei nur nicht so grinsen würde, hätte man es ihm vermutlich auch nicht geglaubt. Seine Züge wurden schließlich ernsthafter und schüttelte bedächtig den Kopf. „Niemals für Geld. Es muss echt sein, es braucht einfach Gefühle.“

Das Rad also, wo immer was los war. Nun, da würde sie vermutlich keinen Piloten brauchen, aber sich vielleicht auch der ein oder anderen Erfahrung berauben. Aber es war schließlich ihr Leben und sie musste dafür die Weichen stellen. Ihre nächsten Worte ließen ihn schmunzeln, als er Miras Blick suchte und anerkennend nickte. Ein schöner Seitenhieb auf sein Alter, das konnte er anerkennen, auch wenn er es nicht mit einer Reaktion würdige würde.

„Vergangenes bereuen bringt nichts, was war kann ich nicht ändern. Nur heute kann ich beeinflussen und auch das nur im Rahmen meiner Möglichkeiten, ob die Zukunft so mitspielt wie ich es mir wünsche steht auf einem ganz anderen Flimsi.“ Seine Stimme war nachdenklich geworden und seine Worte erinnerten ihn selbst an ein altes Sprichwort, das er Mira mit auf den Weg geben konnte und wollte. „Man muss die Karten die das Schicksal austeilt so nehmen wie sie kommen und auch dann gilt: Jedes Blatt ist ein Gewinner und jedes Blatt ist ein Verlierer. Was man draus macht ist entscheidend, Tableflip.“ Er blieb dabei ernst, kämpfte das Zucken um die Mundwinkel nieder und nahm sich einen Moment, um in ihren Zügen zu lesen, ob sie nachvollziehen konnte, was er meinte. Als er zufrieden war nickte Jake sachte und fuhr fort.

„Zeit die man genießt ist niemals verschwendet.“ Ein feines Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück. „Ich will noch so vieles sehen, die hängenden Gärten von Dreena, die
biolumineszenten Wälder Felucias und ich hätte auch nichts dagegen einen weiteren doppelten Sonnenuntergang auf Tatooine zu sehen, um nur ein paar zu nennen.“ Während er sprach, schweifte sein Blick für einen Moment in die Ferne, als könnte er die fremden Landschaften bereits vor sich sehen.

„Einen Heimathafen finden, an dem ich mich wirklich wohl fühle.“ Er wandte sich Mira wieder zu. „Und auch wenn du es gleich wieder kitschig nennst, bin ich immer noch auf der Suche nach der einen Frau die mich immer wieder herausfordert, für die ich besser sein will als ich bin und alles daran setze es zu werden. Eine Liebe die nichts bedingt und doch gemeinsam alles möglich macht.“ Bei den letzten Worten wurde seine Stimme etwas leiser, das Lächeln verträumt.

Seine Nachdenklichkeit hielt einen Moment an, sein Blick wanderte konzentriert zu den Bodenplatten und er lehnte sich vor, seine Ellenbogen ruhten auf den Oberschenkeln. „Ich beabsichtige, deiner Mom den Hof zu machen.“ Jake stockte, selbst überrascht von seinen Worten. „Wow. Okay, das hörte sich superalt an.“ Mit einem verlegenen Schnauben fuhr er sich über den Nacken und warf Mira einen vorsichtigen Seitenblick zu.
„Ahm, ja. Ich vermute nicht, dass ich dazu deine Zustimmung brauche, aber ich würde auch ungerne als Origamijake enden.“ Ein schiefes Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. „Nur, dass du es mal gehört hast, wenn du es dir nicht schon längst denken konntest.“

Sein Blick glitt noch einmal zu den Deckplatten, ehe er den Kopf hob und Mira wieder ansah. Die Worte eines Poeten kamen ihm in den Sinn. Er sprach sie leise aus und ließ sich dabei Zeit, als wöge er jedes einzelne ab. Er offenbarte hier etwas von großer Bedeutung für ihn, einen Leitspruch. „Des Menschen Streben sollte über das hinausgehen, was er fassen kann – wozu sonst gibt es den Himmel und die Sterne?“


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Bei Danys letztem Satz zuckten Moores Mundwinkel. Für das Gefühl, etwas ausgefressen zu haben, hatte sie mit ihrer Anrede vorhin recht absichtlich gesorgt, allerdings war von ihrem Ärger inzwischen wenig übrig geblieben. Sie blieb am Cockpitfenster stehen, den beiden Frauen zugewandt. Was sie ihnen über Mira und sich erzählt hatte, ließ sich kaum zurücknehmen, beide wussten nun recht genau, womit man Moore wirklich treffen konnte. Gewöhnlich behielt sie solche Dinge aus gutem Grund für sich. Nun hatte Samin ihr gerade versprochen, ihre Tochter heil zurückzubringen.

„Dann Dany. Und ihr dürft mich beide ebenfalls duzen. Ach genau und bitte einfach bei Moore bleiben... Ich habe ein sagen wir schwieriges Verhältnis zu Vornamen.“

Vielleicht weil sie sie so oft wechselte? Sie bezog die Chiss mit einem Blick ein und erwiderte deren Lächeln. Die Bemerkung über ihre unverhoffte Gesellschaft hatte sie durchaus amüsiert, auch wenn Moore sich zunächst eher gefragt hatte, wie wohl die ehemalige imperiale Heldin über diese Reise berichten würde. Inzwischen hätte sie gern erlebt, wie Samin irgendwann von ihrer Tochter erzählte, ohne dabei um sie fürchten zu müssen.

„Ich bin froh, dass du das sagst, Samin. Im Prinzip bin ich auf euer Vertrauen genauso angewiesen wie ihr auf meines. Wenn es euch hilft, wahrscheinlich habe ich in den letzten Siebzig Jahren nicht so viel darüber geteilt was in mir vorgeht. Für das, was wir auf Bakura vorhaben, ist mir sehr daran gelegen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Manchmal spielt das Leben anders als man denkt und plötzlich ist da eine Tür in einer sorgfältig hochgezogenen Mauer...“

Sie wandte den Blick wieder gen Fenster.

„Dreizehn Jahre sind lange... für beide Beteiligten. Das wird schon... Zeit ist mächtiger als man denkt und viele Kleine Schritte führen auch ans selbe Ziel wie ein paar Große. Als ich Mira zu mir geholt habe, wollte ich eine Tochter. Wie man eine großzieht, musste ich dann allerdings auch erst herausfinden, ist ja nicht so als gäbe es Kurse die man besuchen kann die einem erklären wie man plötzlich ein Elternteil ist. Ich hatte natürlich Vorstellungen davon. Sehr gute sogar, wie ich in meiner Naivität fand. Mira war da gelegentlich anderer Meinung.“

Bei dem Gedanken lächelte sie wieder.

„Wegen der Implantate ... danke, Samin. Die Entscheidung für die Eingriffe habe ich selbst getroffen, auch wenn ich mit diesen Folgen nicht gerechnet hatte. Es ist nun einmal so gekommen und ich lebe damit.“

An Danys Erzählung war Moore vor allem bei dem Vater hängen geblieben, der seiner Tochter den Umgang mit einem Blaster beigebracht hatte. Das war geschehen, lange bevor die Mandalorianerin beschlossen hatte, mit einer Waffe ihre Credits zu verdienen. Ob ihre Eltern es wohl gern gesehen hatten, dass sie ausgerechnet damit losgezogen war? Moore kannte Dany als selbstbewusste junge Frau, die recht genaue Vorstellungen davon hatte, wofür sie sich bezahlen ließ. Der Gedanke, dass man sie auf Shinbone womöglich noch immer vor allem als die Tochter zweier Minenarbeiter kannte, gefiel ihr.

„Durch den Kontakt mit den A'kazz habe ich ein wenig davon mitbekommen, wie wichtig ihnen der Schutz des eigenen Zuhauses und der eigenen Leute ist. Was du von deinem Vater erzählst, passt recht gut dazu. Wie sind deine Eltern eigentlich auf Shinbone gelandet, so weit außerhalb des mandalorianischen Raums? Hast du noch Kontakt nach Hause?

Moore löste über ihr HNAI die Verriegelung des Türschotts. Dann atmete sie tief ein und langsam wieder aus.

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Dass Jake sich sogar mit einem einzelnen Credit an ihrer Bar beteiligen wollte, brachte Mira zum Lächeln. Sie hatte von etwas erzählt, das sie sich wünschte und er schien sich längst sicher zu sein, dass sie es auch hinbekommen würde, obwohl sie selbst noch nicht einmal einen Namen für das Lokal hatte. „Na gut. Einen Credit. Zusätzlich darfst du der erste zahlende Kunde sein und probieren, wenn ich aufmache, ich meine Geld hast du dann ja.“ Auf ihre Frage nach seiner bisher vergeudeten Zeit hatte er dafür erst einmal ziemlich ausführlich erklärt, was man mit der Vergangenheit alles nicht mehr machen konnte. Das war ihr schon klar gewesen. Sie hatte wissen wollen, ob ihm gefiel, was er bisher aus seinem Leben gemacht hatte, doch bei seinem Gedanken an die genossene Zeit konnte sie ihm zumindest zustimmen. Sie hatte ganze Nachmittage an einem Menü herumprobiert, manchmal sogar mit ihrer Mom, bis es endlich schmeckte, wie sie es haben wollte und würde das jederzeit wieder tun.

„Dann habe ich bisher wohl ziemlich wenig verschwendet. Ich würde erst mal die Bar aufmachen. Reisen kann ich zwischendurch immer noch, wenn ich darauf Lust habe. Die Vorteile der faktischen Unsterblichkeit.“

Theoretisch konnte sie Jahrhunderte damit verbringen, ihren Einfällen nachzugehen und wenn sie irgendwann auf Reisen gehen wollte, würde sie schon jemanden finden, der eine Weile auf ihren Laden aufpasste. Oder sie hatte halt Mitarbeiter, bei sowas musste man Groß denken! Bei Jakes Spruch über den Himmel und die Sterne hatte sie über seine feierliche Art schmunzeln müssen, aber die Vorstellung, sich auch an etwas zu wagen, von dem sie noch nicht wusste, wie sie es anstellen sollte, hatte ihr gefallen. Was sie allerdings kalt erwischte war die Ankündigung, ihrer Mutter den Hof machen zu wollen. Etwas das ihr Gesicht auch definitiv wiederspiegelte, ebenso das unwillkürliche Laute Lachen als hätte er gerade den besten Gag der Welt gezündet. Sie stellte sich Jake neben Moore vor, mit diesem verträumten Gesicht und der festen Absicht, gemeinsam mit ihr die große Liebe zu finden, während ihre Mutter sich vermutlich längst überlegte, bei welcher Gelegenheit sie einen so guten Piloten noch gebrauchen konnte. Das Bild wurde nicht vernünftiger, je länger sie darüber nachdachte.

„Von allen Frauen auf diesem Schiff suchst dir ausgerechnet meine Mom aus?", sie gluckste noch einmal und sah ihn ungläubig an bevor sie weiter ausführte, "Mom weiß ziemlich genau, wie sie auf jemanden wirken muss, damit sie bekommt, was sie will und wenn du glaubst, sie dabei genauso gut zu durchschauen das du dich dem entziehen kannst, kannst du dich verdammt gründlich irren. Du greifst da in ein laufendes Getriebe, Jake und das kann dich schneller zermahlen als die lieb ist.“ Die letzten Worte hatte sie ruhiger ausgesprochen. Mira kannte Teile von Moores Erinnerungen und wusste, wie sie sich mit einer neuen Identität auch selbst ein wenig veränderte. Dass ihre Mutter Jake verführen konnte, glaubte sie sofort. Wie er daraus das gemeinsame Leben machen wollte, von dem er so überzeugt gesprochen hatte, war ihr allerdings schleierhaft. Der Mensch war nett zu ihr gewesen und meinte es mit seinem Angebot offenbar ernst. Sie wollte ihm ebenso ehrlich antworten.

„Mit jemandem zu schlafen ist für sie kein großes Problem, wenn sie Lust darauf hat oder etwas von ihm will. Bei einer Beziehung bin ich mir nicht einmal sicher, ob sie überhaupt eine möchte. Sie macht sowieso, was sie will, da werde ich mich bestimmt nicht einmischen, nicht das ich das könnte. Aber falls du das aus irgendeinem unerfindlichen Grund hinkriegst, werde ich dich trotzdem nicht Dad nennen, nur das wir das hier gleich einmal als Grenze gesteckt haben.“ Bei der Vorstellung musste sie wieder grinsen, auch wenn sie inzwischen mehr wissen wollte als nur, ob er das tatsächlich versuchen würde. Von der Halbchiss, mit der er stundenlang darüber streiten konnte, wer der bessere Pilot war, hatte Jake ebenfalls gern erzählt. „Warum eigentlich Mom? Samin scheint dir doch auch ziemlich wichtig zu sein.“

Für das, was er sich mit Moore vorstellte, hatte er ein Wort und klang, als wüsste er ziemlich genau, was er wollte. Mira wusste, wie es war, jemanden gern um sich zu haben, aber dieser Wunsch nach einem gemeinsamen Leben ging offenbar noch darüber hinaus. Sie hätte nachlesen können, was andere darüber geschrieben hatten, doch davon würde sie beim nächsten Gefühl, das sie überraschte, vermutlich auch nicht sofort wissen, was es bedeutete.

„Woran merkst du eigentlich, dass du dich verliebt hast? Also, wenn du jemanden gern um dich hast und immer wieder an ihn denken musst... woher weißt du dann, was genau das ist?“

Mira legte das Kissen neben sich aufs Bett und erhob sich, wobei sie die Arme über den Kopf nahm und sich einmal ausgiebig streckte.

„Ich geh gleich duschen. Da ich dich nicht mitnehmen werde musst du dir dann überlegen ob du hier warten oder gehen möchtest.“, Als sie ihn wieder ansah, lächelte sie. „Und danke, Jake.“

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Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder

Shinbone. Der Name sagte Samin rein gar nichts. Dass Dany aus einer Minensiedlung stammte, überraschte sie. Bei einer Mandalorianerin hatte sie sich irgendwie eine Kindheit in einer Kriegerfamilie vorgestellt, deren Nachwuchs bereits mit Blastern und Vibroklingen hantierte, noch bevor sie richtig laufen konnten. Vielleicht war das aber auch ein vollkommen albernes Vorurteil. Die Mandalorianer, die sie bisher kennengelernt hatte, entsprangen alle dem Raum des Mandalores und waren seinem Ruf gefolgt, als er sich auf die Seite von Darth Allegious im Sith-Bürgerkrieg gestellt hatte. Nun erklärte ihr Dany jedenfalls, dass ihre Eltern ganz gewöhnliche Arbeiter gewesen waren, die sich gegen Piraten verteidigen mussten. Das klang erheblich weniger exotisch, als Samin erwartet hatte.

Allerdings musste die Chiss zugeben, dass sie Danys Geschichte sympathisch fand. Nicht wegen der Piratenüberfälle natürlich, sondern weil sie aus einer bodenständigen Familie stammte. Ihr Vater hatte ihr beigebracht sich zu verteidigen und Dany war anschließend ihren eigenen Weg gegangen. So selbstverständlich, wie die Mandalorianerin darüber sprach, schien ihr das gar nicht besonders bemerkenswert vorzukommen. Für Samin war aber allein die Vorstellung faszinierend, mit Eltern aufzuwachsen, die sich in erster Linie um das Wohl ihrer Tochter sorgten. Bei Samin selbst hatte sich alles darum gedreht, was aus ihr werden sollte und wie sie später einmal Ehre für das Haus erarbeiten konnte. Es war stets vorgegeben, welche Leistungen sie erbringen musste, welche Erwartungen sie zu erfüllen hatte und bemessen wurde sie daran, ob sie diese erfüllte, oder eben nicht. Wenn ihre Mutter heute mit ihr sprechen könnte, würde sie sie auf der Stelle enterben. Nicht, dass Samin jemals darauf gepocht hätte. Außerdem war da noch Irolia, der als ältere Zwillingsschwester im Abstand von mehreren Minuten Haus und Hof zustand. Nein. Danys Minensiedlung entsprach da schon eher der Vorstellung eines relativ normalen Familienlebens. Unwillkürlich dachte Samin natürlich daran, wo ihr eigener Weg sie nun hinführen würde. Welche Restkindheit würde sie Sana bieten können?


„Abgemacht. Schießen gegen Fliegen.“

Das Angebot zum Schießtraining nahm sie sofort an und streckte Dany die Hand hin, um die Vereinbarung zu besiegeln. Bei deren Bemerkung über ihren Magen grinste die Chiss breit.

„Wir können ja langsam anfangen. Versprechen kann ich aber nichts.“

Langsam fliegen konnte schließlich sogar ein Bantha. Geschwindigkeit war es, wo der Gwerp die Locken hatte. Tatsächlich aber freute sie sich darauf, etwas mit Dany zu unternehmen. Sie mochte die jüngere Frau sehr gern.

Als sie sich schließlich alle gegenseitig das Du anboten, musste Samin abermals schmunzeln. Die Mandalorianerin hatte recht. Inzwischen hatten sie, trotz der kurzen Zeit, bereits einiges zusammen erlebt und hatten noch viel mehr gemeinsam vor. Es wäre albern gewesen, weiterhin auf förmliche Anreden zu bestehen. Allerdings war die Chiss froh, dass Moore diese Entscheidung selbst traf. Am Ende des Tages war die Sephi schließlich ihre Auftraggeberin.


„Dann also Moore“
, wiederholte sie probeweise und nickte. „Daran gewöhne ich mich.“

Eine Erklärung, warum Moore ihren Vornamen nicht mochte, blieb allerdings aus. Samin zog nicht zum ersten Mal an diesem Tag eine Augenbraue in die Höhe, entschied sich nun aber, nicht nachzufragen. Vermutlich steckte dahinter dahinter wieder irgendeine wilde Geschichte, bei der die Chiss am Ende geschockt sein würde. Von unfassbaren Überraschungen hatte sie heute aber schon genug.

Moores folgende Worte trafen sie dagegen unerwartet. Sie hatte in den vergangenen siebzig Jahren kaum jemandem so viel erzählt wie ihnen? Das musste ja ein unglaublich einsames Leben gewesen sein. Zwar kannte Samin das Prinzip, das professionelle und das private Leben strikt voneinander zu trennen und der damit gelegentlich einhergehende Umstand, dass man nur über wenig Freunde verfügte, mit denen man persönliches teilen konnte. Aber siebzig Jahre? Samin hoffte doch sehr, in diesem alter ihren Wohlverdienten Ruhestand zu genießen, mit Freunden und Familie auf irgendeinem sonnigen Planeten mit Sandstrand. Immerhin bedeutete das aber, dass die Wissenschaftlerin ihre Offenheit ihnen gegenüber ernst meinte. Samin lief inzwischen beinahe Gefahr, hinter jeder ihrer Bemerkungen irgendeinen Hintergedanken zu vermuten. Vielleicht tat sie ihr damit aber Unrecht.


„Dann fühle ich mich jetzt fast ein bisschen geehrt.“ Ihre Worte wurden von einem herzlichen Lächeln umschlossen. „Scheue dich jedenfalls nicht, uns noch mehr zu erzählen. Siebzig Jahre Leben. Das alles für sich zu behalten, kann nicht gesund sein.“

Samin betrachtete die Sephi erneut genauer. Was für eine glückliche Spezies, die ein solches Alter hinter einer faltenlosen Fassade verstecken konnte.

„Du musst viel erlebt haben.“

Jüngere sollten sich glücklich schätzen, an einem solchen Erfahrungsreichtum teilhaben zu können.

Als Moore anschließend auf Sana zu sprechen kam, verschwand das Lächeln nicht. Dahinter wurde Samin jedoch noch nachdenklicher. Kleine Schritte. Das klang vernünftig. Ein wenig beruhigte es sie sogar. Die Chiss hatte in den vergangenen Tagen immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, möglichst viel auf einmal über ihre Tochter herauszufinden. So als könne sie die verlorenen Jahre dadurch irgendwie aufholen. Dabei hatte sie selbst schon gemerkt, dass Sana manchmal von sich aus Nähe suchte und manchmal lieber Abstand hielt. Vielleicht musste sie tatsächlich lernen, sich damit zufrieden zu geben und die Dreizehnjährige das Tempo bestimmen lassen.


„Wahrscheinlich hast du recht“, gab sie zu, wobei auch ihr Blick aus dem Fenster, hin zu den vorbeiziehenden Lichtwirbeln des Hyperraums wanderte. „Ich bin mir nur nicht sicher, wie ich mich verhalten soll. Was erwartet Sana von mir? Was muss ich tun, was muss ich lassen?“

Sie seufzte leicht.

„Also das mit den guten Vorstellungen kenne ich. Ich sollte diejenige sein, die alles am besten weiß. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass sie mit der ganzen Situation viel besser zurechtkommt, als ich.“

Irgendwie hoffte Samin, aus der – zumindest scheinbar – normalen familiären Erfahrung von Dany etwas für ihr eigenes Mutterdasein mitnehmen zu können. Also hörte sie interessiert zu, als Moore nach ihrer Familie auf Shinbone fragte. Es war seltsam, wie selbstverständlich sich diese Unterhaltung inzwischen anfühlte. Sie standen hier und sprachen über ihre Eltern und ihre Kinder. Samin konnte nicht behaupten, dass ihr neues Leben irgendwelchen geordneten Bahnen folgte. Aber vielleicht musste es das auch gar nicht. Sie wünschte sich für den weiteren Verlauf nur, dass ihre Gespräche mit Sana sich irgendwann ähnlich selbstverständlich wie dieses anfühlen konnten.

„Wenn wir schon bei Familien sind… “
, warf sie schließlich mit einem schiefen Lächeln ein und sah zwischen den beiden Frauen hin und her, „ … wenn ihr mit eurer irgendwo sesshaft werden wolltet. Wo würdet ihr dann hingehen?“

Samin zuckte die Achseln.

„Ich frage für eine Freundin.“

War es schlau, schon für die Zeit nach Bakura zu planen? Andererseits wollte sie auch keine unnötig spontanen Entscheidungen treffen, wenn es darum ging, wo Sana und sie selbst in Zukunft in Sicherheit leben konnten.


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Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder
 
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Jake klopfte seinen Overall ab, zog dann den Verschluss bis zum Bauchnabel herunter und griff hinein. Mit leicht gerunzelter Stirn kramte er in der Brusttasche seiner Weste; darunter kam auch sein Hemd zum Vorschein. Schließlich hellte sich seine Miene auf. Mit einem triumphierenden Grinsen zog er einen Ein-Credit-Chit hervor, hielt ihn kurz zwischen zwei Fingern in die Höhe und reichte ihn Mira mit feierlicher Miene. „Mögen Träume wahr werden.“

Faktische Unsterblichkeit musste nett sein. Andererseits konnte sie auch bedeuten, dass Mira alle überleben würde, die ihr irgendwann einmal etwas bedeuteten. Bei diesem Gedanken verblasste sein Grinsen ein wenig. Er dachte ihn besser nicht zu Ende. Die Vorstellung, dass Mira eines Tages allein sein könnte, umgeben von Wesen, aber ohne jemanden, der sie wirklich verstand, würde ihn nur betroffen machen.
„Hört sich ziemlich praktisch an, alle Zeit der Galaxie zu haben.“ Er legte den Kopf ein wenig schief und schloss den Oberall wieder. „Aber Dinge, Orte und Wesen verändern sich. Nur weil du vielleicht nicht alterst, heißt das nicht, dass die Galaxie und all die sehenswerten Orte oder interessanten Personen gleich bleiben. Wenn du zu lange wartest, ist das, was einmal besonders war, vielleicht nur noch gewöhnlich.“

Miras Amüsement war ansteckend, und Jake stimmte in ihr Lachen ein.
„Als wäre das meine Wahl gewesen“, beschwerte er sich belustigt und hob abwehrend die Hände, bevor er die Schuldigen benannte. „Das da!“ Er deutete auf seine Brust, dorthin, wo sein Herz schlug. „Und das da!“ Er tippte sich an die Stirn. „Haben gemeinsam beschlossen: ‚Die da!‘“ Mit ausgestrecktem Zeigefinger deutete er auf eine imaginäre Moore im Zimmer und lachte leise. „Ich war nur der Empfänger der Botschaft.“ Er ließ die Hand sinken. Sein Lächeln blieb, wurde jedoch nachdenklicher, und als er weitersprach, senkte er die Stimme. „Nichts in dieser Galaxie, das es wert ist, es zu haben, ist jemals einfach zu erreichen.“

Bei ihrem Dad-Kommentar musste Jake herzlich lachen. Er lehnte sich ein wenig zurück und schüttelte amüsiert den Kopf, bevor er sie wieder ansah „Ich weiß nicht, ob deine Mom die Eine ist, aber ich würde es gerne herausfinden. Und das heißt auch, das Risiko zu akzeptieren, dass ich mich vielleicht in ihr täusche, sie mich benutzt oder ich auf ihrem Lidar überhaupt nicht auftauche.“ Er zuckte mit den Schultern und öffnete die Hände, als gehörten diese Möglichkeiten eben dazu. „Nur weil man jemanden mag, muss das nicht automatisch auf Gegenseitigkeit beruhen. Aber ein Blick in ihre Augen hat gereicht, um mein Schicksal zu besiegeln.“ Er schmunzelte und schüttelte den Kopf, diesmal beinahe ungläubig über sich selbst. „Sie ist gefährlich, verheißend, herausfordernd, völlig unbeeindruckt von mir und unverschämt selbstsicher. Und da war auch dieser leise Spott in ihrem Blick, der mich hätte warnen sollen, dass sie mich längst durchschaut hatte und gespannt war, was ich trotzdem versuchen würde.“ Er warf Mira einen Seitenblick zu; einer seiner Mundwinkel hob sich. „Und dann hat sie mich bloßgestellt wie einen fünftklassigen Gauner. Das hat mir schwer imponiert. Da dachte ich mir, dass diese Frau nicht nur Feuer hat, sondern einer Supernova gleichkommt.“
Für einen Moment betrachtete er seine Hände, bevor er den Blick wieder hob.
„Also ja, ich weiß, dass sie mir überlegen ist und ich mir gehörig die Finger verbrennen kann. Aber das heißt nur, dass ich hart an mir arbeiten muss, um ihr gerecht zu werden. Und wenn es nicht aufgeht, bin ich immer noch besser als vorher.“
Seine Miene wurde weicher.
„Das ist das Ding mit starken, unabhängigen Frauen. Sie brauchen einen nicht. Umso kostbarer ist die Zeit, die man mit so einer Frau verbringt.“

Schließlich ging es auch um Samin.
„Samin ist wie eine kleine Schwester für mich.“ Er blickte kurz nachdenklich zur Seite, bevor er sachte für sich selbst nickte. Als er Mira wieder ansah, war der scherzhafte Ausdruck aus seinem Gesicht gewichen. „Du hast mir ein paar sehr vertrauliche Dinge über dich erzählt. Ich denke, es ist nur fair, wenn ich auch etwas von mir offenbare. Aber das bleibt bitte unter uns.“ Nicht, dass Mira einen Grund hätte, es herumzuerzählen. Trotzdem zögerte er einen Augenblick. Seine Finger strichen über eine Naht seines Overalls, bevor er die Hände zur Ruhe brachte.
„Ich liebe Samin bis in den Tod. Thea, die Schwester, an die sie mich erinnert, ist seit fast zwanzig Jahren tot. Und irgendwie ist es sehr, sehr kostbar für mich, jemanden zu kennen, der Thea so ähnlich ist.“ Bei ihrem Namen wurde seine Stimme weicher. Er senkte kurz den Blick, und ein kleines, wehmütiges Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Klar tut es auch mal weh. Aber irgendwie lebt Thea durch Samin für mich weiter, entdeckt die Galaxie, das Leben und hat nun plötzlich eine Tochter.“
Er stockte. Dann hoben sich seine Brauen, und das wehmütige Lächeln wich einem breiten, aufrichtigen Grinsen.
„Ich bin quasi Onkel geworden!“ Er lachte leise über die Erkenntnis und sah Mira mit unverhohlener Freude an. Erst nach einem Moment wurde sein Ausdruck wieder nachdenklicher. „Ich weiß nicht, ob das Sinn ergibt oder einfach eine dieser Macken ist, die man im Laufe des Lebens so ansammelt.“ Er zuckte leicht mit einer Schulter. „Aber so nehme ich Samin wahr. Als kleine Schwester.“

Miras
nächste Frage war nicht weniger persönlich als all die anderen. Irgendwann im Laufe des Gesprächs war sie merklich aufgetaut, und inzwischen war daraus ein wirklicher Dialog geworden. Mit einem Schmunzeln stellte Jake fest, dass er sich bereits auf weitere Gespräche mit ihr freute. Er wandte sich ihr etwas mehr zu und überlegte kurz, wie er seine Antwort in Worte fassen sollte.
„Die Hälfte des Weges kennst du anscheinend längst. Du musst immer wieder an die Person denken und bist gerne in ihrer Nähe. Wenn sie da ist, ist alles Schlimme irgendwie weniger schlimm, und alles Gute wird noch ein ganzes Stück besser.“

„Und ansonsten: hier!“
Jake deutete auf seinen Bauch. „Um den Bauchnabel herum ist dieses Gefühl, als wäre man leichter als sonst. Dazu kommt dieses freudige Kribbeln. Ein bisschen wie Vorfreude, nur intensiver.“ Er sah wieder zu Mira auf und deutete mit einem Finger auf seinen Mundwinkel, der sich längst von selbst gehoben hatte. „Deine eigenen Mundwinkel können dir auch helfen, das zu erkennen. Wenn die Person den Raum betritt und du dich unwillkürlich beim Lächeln erwischst. Oder dabei, dass du lächeln willst, obwohl du dir gerade alle Mühe gibst, es dir nicht anmerken zu lassen.“

„Immer gerne, Mira.“
Sein Lächeln wurde ruhiger, und er nickte ihr zu. „Wenn du etwas brauchst, lass es mich einfach wissen.“


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Zuletzt bearbeitet:
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira im Quartier //

Dany musste etwas grinsen, als Samin ihr die Hand entgegenstreckte und schlug ohne zu zögern ein. Schießtraining gegen Flugstunden. Das klang nach einem ziemlich guten Geschäft. Und ein Feilscher wie die Mandalorianerin konnte einem solchen natürlich so einiges abgewinnen. Immerhin hatte sie selbst gemerkt, dass zwischen der Fähigkeit, ein Schiff von einem Planeten zum nächsten zu bringen und dem Können einer ehemaligen imperialen Elitepilotin vermutlich einige Welten lagen. Andererseits konnte Samin mit einem Blaster bestimmt auch nicht vollkommen unfähig sein. Trotzdem würde es Dany durchaus gefallen, der Chiss etwas beizubringen.

"Abgemacht. Aber nachher keine Beschwerden, wenn du ein paar blaue Flecken mitnimmst."

Sie grinste noch etwas breiter, ehe sie Samins Hand wieder losließ und sich Moore zuwandte. Die Silberhaarige hatte ihr Angebot zum Duzen tatsächlich angenommen und den beiden Frauen ihrerseits dasselbe angeboten. Gut so. Dieses ständige Förmliche hatte Dany ohnehin nie besonders gelegen. Allerdings schien Moore ein etwas merkwürdiges Verhältnis zu ihrem eigenen Vornamen zu haben. Warum auch immer. Vermutlich steckte dahinter wieder irgendeine Geschichte, die mindestens so verrückt war wie alles andere, was sie bisher von der Frau erfahren hatten.

Als
Moore dann allerdings ganz beiläufig von den vergangenen siebzig Jahren ihres Lebens sprach, musste Dany sie noch einmal genauer ansehen.

Siebzig Jahre?!

Shab! Die Frau sah doch kaum älter aus als
Samin und sie selbst! Gut, sie war kein gewöhnlicher Mensch. Dany wusste, dass manche Spezies erheblich langsamer alterten als Menschen, aber trotzdem. Die Silberhaarige hätte ihr vermutlich auch erzählen können, dass sie schon vor einem Jahrhundert irgendwelche geheimen Forschungsprojekte geleitet hatte und Dany hätte inzwischen kaum noch gewusst, ob sie darüber lachen oder einfach nur nicken sollte.

Sie musterte
Moore für einen Augenblick mit unverhohlener Verwunderung.

"Siebzig Jahre? Shab, dafür hast du dich aber verdammt gut gehalten"

Ein anerkennendes Lächeln folgte, bevor Dany wieder zuhörte. Moore sprach über Vertrauen, darüber, wie wenig sie in all den Jahren von sich preisgegeben hatte und schließlich über Sana und die Schwierigkeiten, die das Muttersein mit sich brachte. Dany konnte sich zwar beim besten Willen nicht vorstellen, wie es sein musste, plötzlich Verantwortung für eine dreizehnjährige Tochter zu übernehmen, die man kaum kannte. Aber sie verstand durchaus, weshalb Samin sich so viele Gedanken darüber machte. Schließlich hatte sie das Mädchen gerade erst wiedergefunden.

Und
Moore hatte mit Mira offenbar ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn auch unter vollkommen anderen Umständen.

Dass Kinder gelegentlich andere Vorstellungen hatten als ihre Eltern, überraschte Dany dagegen herzlich wenig. Ihre eigenen Eltern hätten dazu vermutlich auch einiges erzählen können. Wobei sie selbst natürlich nie auch nur annähernd so schwierig gewesen war wie
Mira. Jedenfalls hatte sie bislang noch keinen Tisch aus dem Boden gerissen.

Als die Silberhaarige schließlich auf ihre Herkunft zu sprechen kam, richtete sich Dany etwas auf. Die Frage war durchaus berechtigt. Shinbone lag schließlich ziemlich weit entfernt von den Welten, die man gewöhnlich mit den Mandalorianern verband.


"Meine Eltern sind damals aus dem mandalorianischen Raum nach Shinbone ausgewandert. Da waren sie selbst noch ziemlich jung. Die Minengesellschaften haben ziemlich gute Löhne versprochen und sie wollten sich dort ein ruhigeres Leben aufbauen."

Dany zuckte leicht mit den Schultern.

"Die Mandalorianer hatten schließlich schon ein paar ziemlich turbulente Zeiten hinter sich. Meine Eltern wollten einfach arbeiten, eine Familie gründen und nicht ständig in irgendwelche Kämpfe verwickelt werden. Hat auf Shinbone nur bedingt funktioniert, aber lieber kämpft man gegen ein paar abgehalfterte Piraten, als in echten Kriegen."

Sie schnaubte amüsiert. Im Grunde war es schon ein bisschen ironisch. Ihre Eltern hatten ihre Heimat verlassen, um sich ein friedlicheres Leben aufzubauen und am Ende hatte ihr Vater seiner Tochter trotzdem beibringen müssen, wie man sich mit einem Blaster gegen bewaffnete Angreifer verteidigte. Andererseits gehörte das für Dany längst zu ihrem ganz normalen Verständnis vom Leben. Man konnte versuchen, Ärger aus dem Weg zu gehen. Aber manchmal fand der Ärger einen eben trotzdem.

Dabei stammte ihre Familie durchaus von Kriegern ab. Ihre Eltern waren Arbeiter gewesen, aber das bedeutete schließlich nicht, dass ihre Vorfahren ebenfalls ihr ganzes Leben genauso verbracht hatten. Dany erinnerte sich dunkel daran, dass sie manchmal Besuch von Zuhause hatten, als sie gerade gelernt hatte, zu sprechen.


"Kriegerische Vorfahren haben wir aber schon. Meine Mutter hat mir einiges über unsere Familie erzählt."

Sie deutete mit dem Daumen in Richtung des Ganges, irgendwo dorthin, wo ihre Ausrüstung verstaut war.

"Mein Helm und mein Dolch sind zum Beispiel Familienerbstücke. Die sind schon deutlich länger im Einsatz als ich. Den Rest meiner Ausrüstung habe ich mir größtenteils selbst zusammengesucht."

Und das sah man ihr vermutlich auch an. Ihre Rüstung war weder besonders prächtig noch aus einem dieser legendären Materialien gefertigt, mit denen manche Mandalorianer herumliefen. Aber sie erfüllte ihren Zweck. Zumindest meistens. Ein paar zusätzliche Credits für bessere Ausrüstung wären trotzdem nicht schlecht. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als ein paar.

Auf
Moores zweite Frage hin nickte Dany.

"Kontakt nach Hause habe ich schon noch. Nicht besonders regelmäßig, aber ab und zu melde ich mich. Meine Mutter würde wahrscheinlich behaupten, dass es viel zu selten ist."

Sie verzog leicht die Mundwinkel. Vermutlich hätte ihre Mutter damit sogar recht. Während ihrer Kopfgeldjagden hatte sie das eine oder andere Gespräch immer wieder auf später verschoben. Mal war sie unterwegs gewesen, mal hatte die Verbindung nicht funktioniert und manchmal hatte sie schlicht keine Lust gehabt, erklären zu müssen, weshalb sie schon wieder auf irgendeinem heruntergekommenen Planeten herumhing.

Als
Samin schließlich wissen wollte, wo sie sich mit ihrer Familie niederlassen würden, musste Dany einen Moment überlegen. Die Chiss fragte natürlich nur für eine Freundin. Na klar. Wer diese Freundin sein sollte, war angesichts der vergangenen Ereignisse allerdings nicht besonders schwer zu erraten. Dany verschränkte nachdenklich die Arme.

"Puh, gute Frage"

Sie überlegte tatsächlich eine Weile, bevor sie weitersprach.

"Ich kenne hauptsächlich den Outer Rim. Gamorra, Tatooine und solche Orte. Und glaub mir, besonders empfehlenswert ist das meiste davon nicht. Jedenfalls nicht, wenn man irgendwo in Ruhe leben und eine Familie großziehen will."

Dany schnaubte leise. Auf Tatooine konnte man wahrscheinlich froh sein, wenn einem innerhalb einer Woche nicht das halbe Eigentum gestohlen wurde. Und Gamorra? Nun, dort wollte sie erst recht keine Kinder großziehen. Shinbone war zwar ihre Heimat und sie hing durchaus an dem Ort, aber selbst dort war das Leben alles andere als bequem gewesen. An Schulbildung und Versorgung hatte es dort aber nie gemangelt.

Je länger sie darüber nachdachte, desto mehr fiel ihr auf, dass sie eigentlich überhaupt keine vernünftige Antwort auf
Samins Frage hatte. Zwei Jahre lang war sie von einem Planeten zum nächsten gezogen, hatte irgendwelche Kopfgelder verfolgt, in heruntergekommenen Raumhäfen übernachtet oder die Abende allein in ihrer Dawn Chaser verbracht. Viel gesehen hatte sie dabei schon. Nur eben hauptsächlich Orte, an denen andere Leute nicht unbedingt freiwillig leben wollten.

Dabei hatte sie selbst bereits über etwas Ähnliches nachgedacht.

Schon als
Moore zum ersten Mal die halbe Million Credits erwähnt hatte, war ihr natürlich die Vorstellung eines neuen Schiffs durch den Kopf gegangen. Eines, das nicht bei jedem dritten Hyperraumsprung irgendeine neue Macke entwickelte. Bessere Waffen, vernünftige Ausrüstung und vielleicht ein paar zusätzliche Annehmlichkeiten. Aber irgendwann hatte sie sich auch gefragt, ob sie nicht einen Teil des Geldes in eine feste Bleibe investieren sollte.

Ein eigenes Apartment vielleicht. Oder ein kleines Haus. Irgendwo, wo sie ihre Sachen unterbringen, ihre Ausrüstung warten und zwischen zwei Aufträgen einfach mal die Füße hochlegen konnte. Eine richtige Operationsbasis eben, von der aus sie ihre Kopfgeldjagden organisieren konnte.

Das Leben als Nomadin hatte durchaus seine Vorzüge. Niemand sagte ihr, wohin sie fliegen sollte. Niemand fragte, wann sie zurückkam. Und wenn ihr ein Planet nicht gefiel, konnte sie einfach die Triebwerke starten und verschwinden.

Aber es hatte eben auch mehr als genug Nachteile. Allein die Vorstellung, nach einem beschissenen Auftrag nicht schon wieder in derselben engen Schiffskabine schlafen zu müssen, hatte inzwischen ihren Reiz. Und vielleicht wäre es gar nicht schlecht, einen Ort zu haben, an den sie tatsächlich zurückkehren wollte. Nicht bloß irgendeinen Raumhafen, in dem zufällig gerade der nächste Auftrag wartete.

Dany sah wieder zu
Samin.

"Ich habe tatsächlich schon darüber nachgedacht, mir nach Bakura irgendwo eine feste Bleibe zuzulegen. Nichts besonders Großes. Einfach einen Ort, von dem aus ich arbeiten kann und an den ich zwischendurch zurückkehre."

Sie zuckte mit den Schultern.

"Wo genau, weiß ich aber noch nicht. Vielleicht gefällt es mir ja auf Zanbar. Ich war schließlich noch nie im mandalorianischen Raum."

Ein leichtes Grinsen erschien wieder auf ihrem Gesicht. Irgendwie war es schon verrückt, dass sie ausgerechnet jetzt, auf dem Weg zu einem gefährlichen Einbruch in eine imperiale Forschungseinrichtung, anfing, sich Gedanken über eine Immobilie zu machen. Aber eine halbe Million Credits eröffneten eben Möglichkeiten, die ihr bis vor wenigen Tagen noch vollkommen utopisch erschienen waren. Sie legte den Kopf ein wenig schief und betrachtete Samin.

"Aber wenn deine Freundin wirklich mit einem Kind irgendwo sesshaft werden will, würde ich ihr jedenfalls von meinen bisherigen Aufenthaltsorten abraten."

Dany lächelte nun ein wenig verschmitzt.

"Vielleicht sollten wir uns nach Bakura einfach mal ein paar schönere Planeten ansehen"

// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore //
 
[ Outer Rim // Koordinatenraster T09 // Black-Widow-Nebula // Auf dem Rückweg zur Absolution // Mynocks ]
Tyla Le'el, Auren Hardlight und Zarev Korrik in ihren TIEs | hinter ihnen Verfolger?

Tyla hatte sich darum gekümmert, den rottenseitig rückwärtigen Bereich mit ihren Sensoren abzudecken. Hardlights Versuche, die Staffel oder die Absolution zu erreichen, bekam sie über den Staffelkanal mit. Weiterhin keine brauchbare Antwort. Dafür konnte sie dem Radar dabei zusehen, wie irgendwelche Rückmeldungen in das grüne Display eingezeichnet wurden, die Sekunden später wieder verworfen wurden. Die Kiffar lockerte ihren Griff um das Steuerhorn, als sie spürte, dass ihre Finger verkrampften. Sie atmete schwer in ihr Lebenserhaltungssystem und spürte das unangenehme Kribbeln von Schweißtropfen, die ihre Stirn herunterwanderten. Ihre Gedanken kehrten unwillkürlich immer wieder zur Siebenhundertachzigsten und Ord Mantell zurück. Die meisten Leute an Bord der Absolution waren Arschlöcher. Dieses Schicksal wünschte sie ihnen trotzdem nicht.

Sie kontrollierte ihre Position. Auren war noch da. Zarev ebenfalls. Das reichte ihr gerade so, um zu realisieren, dass sie nicht allein in dieser beschissenen Situation war.

Auf Aurens Warnung hin rief sie die beiden rückwärtigen Kontakte auf. Die Entfernung sprang, aber ihre Richtung blieb deutlich beständiger als bei den Fehlermeldungen zuvor. Poodoo! Aus Instinkt wandte Tyla den Kopf und versuchte, durch die durch die oberen Sithfenster der Einstiegsluke nach hinten zu sehen. Natürlich war das nutzlos. Nebel, ein Teil des eigenen Solarflügels und ansonsten noch mehr Nebel. Sie saß in einem sogenannten Raumüberlegenheitsjäger, in dem man sich nicht einmal vernünftig umsehen konnte. Auf die Idee, das so zu bauen, musste man auch erstmal kommen.

Sie prüfte den Kontaktverlauf über mehrere Abtastungsintervalle hinweg. Die Kontakte verschwanden kurz hinter einem Störelement und tauchten danach wieder auf. Immer noch hinter ihnen. Immer noch auf ungefähr ihrer Route.


„Die Kontakte bleiben dran. Glaub‘ kaum, dass das Nebel ist.“

Tyla erhöhte die Leistung auf das Niveau von Hardlights Beschleunigung und beobachtete, wie dich der Abstand zu seinem TIE entwickelte. Sie gab gerade genug Schub, um nicht zurückzufallen, aber auch nicht vorbeizuziehen. Dabei wanderten ihre Augen ständig auf den hinteren Sensorbereich. Einer der Kontakte bekamen die aktiven Sensoren für einen kurzen Zeitraum deutlicher zu fassen, dann riss sie wieder ab. Keine Rückmeldung der Feinderkennungssysteme. Natürlich nicht. Selbstverständlich ließ sie ihre Waffen scharf.

„Sieben, wenn das republikanische Jäger sind, führen wir sie gerade zur Absolution.“

Sie wusste nicht, ob das gut oder schlecht war. Einerseits war die Unterstützung ihres Trägers durchaus willkommen, andererseits konnten die feindlichen Kräfte dann auch ihre Position an deren Verband melden. Das war eine Entscheidung, die ihr Rottenführer verantworten sollte. Da war sie raus. Was sie allerdings tun konnte, war sich zu vergewissern, ob und was ihnen da auf den Fersen war.

„Jungs, ich breche ein Stück seitlich raus. Schließe gleich wieder auf.“

Sie wartete, bis sich eine geeignete Lücke im Nebel auftat. Dann zog sie ihren Jäger in einer flachen Steuerbewegung aus der Formation und zog eine weite Kurve, um einen Blick mit ihren Augen nach hinten werfen zu können. Erst sah sie wieder nichts außer dem magentafarbenen Nebelschwaden. Dann erschienen seitlich von ihr Lichtpunkte zwischen zwei dunkleren Staubschichten. Weitere folgten, kurz darauf mehrere dicht beieinander. Triebwerke. Tyla lehnte ihren Kopf zurück an den Sitz und korrigierte die Fluglage, bis sich eine längliche Silhouette gegen einen helleren Gasbereich abhob. Vier überkreuzende Flügelflächen. Dafür brauchte sie die Feinderkennungssysteme weiterhin nicht.

„X-Wings bestätigt. Zwei auf sieben Uhr. Vielleicht noch mehr.“

Unter ihrem Helm zog sie den Mund schief. Diese Bastarde hatten sich also gedacht, sie könnten sich ja mal an ihren Arsch klemmen und schauen, wo sie hinwollten. Tyla schloss gerade wieder zu ihren Rottenkameraden auf, ehe plötzlich mehrere Warnsysteme gleichzeitig einen hektischen Schrillton von sich gaben. Sie wich gerade noch so aus, wobei sie fast Zarevs Solarflügel rammte.

„Die schießen!“

Blaue Laserstrahlen schossen an ihrem Jäger vorbei. Auf diese Entfernung? In ihrem Kopf ging sie die Theoriestunden der Akademie durch.

„T-65XJ3“, spulte es fast mechanisch aus ihrem Mund. „Blaue Laserstrahlen. Bessere Zielcomputer. Die haben ‘ne viel größere Wirkungsreichweite als wir!“

Kaum hatte sie das ausgesprochen, zogen bereits die nächsten Lichtblitze an ihnen vorbei. Diesmal weiter vorne. Jo, war ja klar, dass die sich zuerst auf den Rottenführer stürzen würden.

"Neun, roll nach Steuerbord!"

Nun mit Zarev zusammenzustoßen, weil sie beide in dieselbe Richtung ausweichen wollten wäre ja mal echt beschissen gewesen. Also rollte Tyla ihre Maschine selbst nach Backbord, um etwas Abstand zwischen sich und den Flügelmännern zu gewinnen. Ein leichtes Ziel wollte sie nicht abgeben. Der Moment war gekommen. Den gleichmäßigen Lastwechsel konnten sich die Wartungstechniker sonst wohin stecken.

„Befehle, Sieben?!“

Ihr Herz schlug schneller. Sie hatte mal so gar keinen Bock auf einen Dogfight, aber davonrennen konnten sie nun nicht mehr. Nicht bei der Reichweite dieser verdammten X-Wings, die offensichtlich auch noch über bessere Sensorik verfügten, wenn sie ihnen so problemlos durch den Nebel folgen konnten.

[ Outer Rim // Koordinatenraster T09 // Black-Widow-Nebula // Auf dem Rückweg zur Absolution // Mynocks ]
Tyla Le'el, Auren Hardlight und Zarev Korrik in ihren TIEs | hinter ihnen Verfolger!
 
[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs, republikanische Verfolger


Die erste Salve zog seitlich an seiner Kanzel vorbei. Auren riss den Steuergriff zurück. Eine weitere Salve verschwand dort im Dunst, wo seine Maschine eben noch gewesen war. Die Gurte pressten ihn in den Sitz und unter seinen Rippen stach es so heftig, dass er für einen Moment die Luft anhielt. Le’els Erklärung drang zwischen den Warntönen zu ihm durch. T-65XJ3. Sie hatte recht - ihre Maschinen waren unterlegen.

"Ausweichen! Nicht auf geradem Kurs bleiben!"

Er änderte die Flugbahn erneut und kontrollierte die Positionen seiner beiden Piloten. Die Rückmeldungen der Verfolger verschwanden kurz, tauchten aber bei der nächsten Abtastung wieder auf. Noch immer hinter ihnen und noch immer nahe genug, um zu schießen.

Sie mussten Richtung Absolution. Irgendwie aus diesem verdammten Nebel heraus, bis jemand ihre Meldung verstand. Oder eine andere Rotte finden, die sie weitergeben konnte. Der Träger musste erfahren, was hier draußen unterwegs war. Andererseits hatte
Le’el recht. Wenn sie die X-Wings bis zur Absolution führten, würden deren Piloten möglicherweise genau das erreichen, was ihnen selbst gerade nicht gelang: ihrem Verband eine brauchbare Feindposition melden. Eine Fregatte, zwei Kanonenboote und drei Jagdstaffeln. Hunter würde ihm kaum dankbar sein, wenn das alles wenig später vor seinem Hangar auftauchte.

Eine neue Salve schnitt durch den Dunst. Auren wich nach unten aus und fing die Maschine mit einer knappen Gegenbewegung ab. Der Schmerz in seinem Bauch blieb diesmal länger.

Außerdem mussten sie den Rückweg erst einmal überleben.

Er wechselte auf den Staffelkanal.


"Mynock Sieben. Mindestens zwei republikanische X-Wings verfolgen uns. Stehen unter Beschuss. Republikanischen Konvoi hinter unserem Suchabschnitt aufgeklärt. Benötigen Unterstützung. Empfang bestätigen!"

Ein Knacken. Dann nichts, womit er etwas anfangen konnte. Auren fluchte stark und schaltete zurück und sah auf die beiden Kontakte. Einer lag etwas weiter außen, während der andere ziemlich genau ihren bisherigen Rückkurs hielt.

Zwei erkennbare Gegner. Drei eigene Maschinen. Er hätte sich über diese Rechnung gern mehr gefreut.


"Wir müssen sie abschütteln, bevor wir weiter zum Träger gehen. Acht, Neun, ihr nehmt gemeinsam den äußeren X-Wing. Ich beschäftige den anderen."

Er übermittelte die Markierung, solange seine Erfassung die Kontakte noch auseinanderhalten konnte.

"Bleibt als Paar zusammen. Einer setzt ihn unter Druck, der andere hält ihm den Flügelmann vom Hals, falls er rüberzieht. Ich ziehe meinen nach Backbord weg."

Auren schluckte und sah wieder hinaus. Vor ihnen verlief die dunkle Kante einer Staubfront. Dahinter würde er wenden müssen, ohne sicher zu wissen, wie viel die Republikaner davon mitbekamen.

"Hinter der Staubkante drehen wir gegen sie! Auf mein Zeichen"

Er erhöhte die Leistung und hielt die Nase in Bewegung. Die Temperaturwarnung flackerte auf. Ein blauer Schuss verschwand unterhalb seines Sichtfensters, ein weiterer weiter außen. Er zwang sich, nicht sofort herumzureißen. Noch ein Stück. Die Staubfront wanderte über die Kanzel und verschluckte das Licht der Sterne.

"Jetzt!"

Auren nahm Schub heraus und zog den TIE in eine enge Backbordwende. Sein Körper drückte gegen die Gurte. Er stieß die Luft zwischen den Zähnen aus, hielt den Steuergriff aber weiter gezogen, bis die Nase zurück in Richtung der Verfolger zeigte. Dann gab er wieder Leistung.

Aus dem Dunst lösten sich vier Flügel.

Er hatte kaum Zeit, die Maschine richtig zu erfassen. Der X-Wing änderte bereits seinen Kurs. Auren zog die Nase vor dessen Flugbahn und schoss einen kurzen Feuerstoß. Grüne Blitze verschwanden neben dem republikanischen Jäger. Noch während er korrigierte, leuchteten dessen Waffen auf. Er riss seinen TIE aus der Schusslinie.

Zu langsam.

Ein harter Schlag fuhr durch die Maschine. Die Kanzel vibrierte, und auf seiner Statusanzeige flammte eine Warnung am Steuerbordflügel auf. Auren fluchte laut. Der Jäger reagierte noch. Kein Druckverlust. Die Triebwerke liefen. Für alles Weitere fehlte ihm gerade die Zeit. Der X-Wing schoss seitlich an ihm vorbei.

Auren zog herum, so eng, dass die Warnung der beschädigten Fläche erneut aufblinkte. Er wollte hinter ihn, bevor der andere seinen Anflug neu aufbauen konnte. Für einen kurzen Moment bekam er den republikanischen Jäger tatsächlich vor die Nase. Er feuerte zweimal knapp hintereinander. Einer der grünen Blitze ließ den hinteren Schild des X-Wings aufflackern.

Kein Abschuss - nicht einmal eine erkennbare Beschädigung. Dann nahm der Republikaner seine Maschine aus Aurens Schussfeld.

Auren folgte zu spät. Sein nächster Feuerstoß ging ins Leere, und plötzlich hatte er nur noch Staub vor sich. Er ließ den Auslöser los und suchte das Sensorbild ab. Der Kontakt erschien seitlich, verschwand und tauchte weiter hinten wieder auf.

Scheiße.

Er rollte und zog den TIE nach unten, bevor die Warnung ganz angeschwollen war. Blaue Blitze schnitten schräg durch sein Sichtfeld. Der andere war bereits wieder in einer Schussposition. Auren hielt die Kurve, nahm etwas Leistung heraus und änderte dann abrupt die Richtung. Sein Bauch schmerzte inzwischen bei jeder Bewegung. Schweiß lief ihm in die Augenbrauen, und unter dem Helm konnte er nichts dagegen tun. Er bekam den X-Wing kurz zu sehen, verlor ihn hinter dem eigenen Solarflügel und musste sich wieder auf diese beschissene Anzeige verlassen.

Das war keiner, den er mit einer engen Kurve erschrecken konnte.


"Macht euren fertig! Ich beschäftige den anderen. Dann nehmen wir den zu dritt in die Zange."

Er hätte gern etwas gesagt, das weniger angestrengt klang. Stattdessen musste er erneut ausweichen. Der TIE schüttelte sich unter der Belastung und Auren nahm den Druck vom Steuergriff gerade weit genug zurück, um die Maschine wieder sauber zu führen. Nicht überziehen. Nicht blind hinterher. Er kannte diese Fehler. Er hatte sie anderen im Simulator oft genug vorgehalten.

Er biss die Zähne zusammen und suchte nach dem X-Wing. Dieser Bastard hatte ihn getroffen und jagte ihn jetzt vor sich her, als müsste er nur noch auf den passenden Moment warten. Auren spürte, wie die Wut seine Angst zurückdrängte. Er wollte ihn vor das eigene Visier bekommen. Wollte sehen, wie lange diese verdammten Schilde hielten, wenn sie alle drei darauf schossen. Als er erneut die Sendetaste drückte, sprach er leiser. Die Worte kamen hart und deutlich.


"Von denen geht heute keiner mehr nach Hause"

Der TIE schüttelte sich unter der Belastung und Auren nahm den Druck vom Steuergriff gerade weit genug zurück, um die Maschine wieder sauber zu führen. Nicht überziehen. Nicht blind hinterher. Er kannte diese Fehler. Er hatte sie anderen im Simulator oft genug vorgehalten. Jetzt saß ein Republikaner hinter ihm und wartete darauf, dass er selbst einen machte...

[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Gefecht an einer Staubfront – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs, zwei republikanische X-Wings
 
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