Darlo Lassiter
Kommandant der 'Repulse'
Yaga-Minor-System – Imperiale Orbitalwerft – DRD ‚Repulse‘ – Maschinenabteilung – Commander Darlo Sion Lassiter, Investigator Serena Vhal, Lieutenant Commander Selene Varek
Je tiefer der Turbolift in die Eingeweide der alten Dreadnought vordrang, desto deutlicher wurde, dass die Reparaturarbeiten an der ‚Repulse‘ noch lange nicht abgeschlossen waren. Das gleichmäßige Summen der Lüftungsanlagen wurde vom gelegentlichen Dröhnen schwerer Maschinen überlagert. Mehrmals war ein dumpfer Schlag zu hören, dessen Ursprung irgendwo jenseits der zahlreichen Decks und Schotten liegen musste. Darlo stand mit hinter dem Rücken verschränkten Händen neben der Investigatorin und betrachtete die langsam wechselnden Deckanzeigen. Sein Spiegelbild zeichnete sich schemenhaft in der polierten Metallverkleidung ab. Er rückte das Käppi ein wenig zurecht. Als der Turbolift schließlich zum Stillstand kam und sich die Türen öffneten, schlug ihnen ein Schwall warmer, metallisch riechender Luft entgegen. Der Korridor vor ihnen war kaum wiederzuerkennen. Wo normalerweise eine breite Verbindung zwischen den Maschinen- und Versorgungssektionen verlief, hatten die Werftmannschaften einen regelrechten Umschlagplatz eingerichtet. Provisorische Energieleitungen zogen sich entlang der Wände, geöffnete Bodenplatten gaben den Blick auf darunterliegende Versorgungsschächte frei. An einer Kreuzung stand ein schwerer Lastenschlitten, auf dem mehrere neue Kühlmittelverteiler festgezurrt waren. Daneben versuchte ein Arbeitsdroide, sich zwischen zwei Transportkarren hindurchzumanövrieren, deren Fahrer offenbar unterschiedliche Auffassungen darüber vertraten, wer wem auszuweichen hatte. Ein Petty Officer der Bordbesatzung erkannte seinen Captain und nahm Haltung an. Darlo erwiderte den Gruß knapp, blieb jedoch stehen, als er bemerkte, dass der Mann offenbar gerade dabei gewesen war, einem sichtlich erschöpften Techniker zu helfen, einen schweren Werkzeugbehälter von einer Transportplattform zu heben.
„Weitermachen, Petty Officer. Ich möchte ungern der Grund sein, weshalb hier noch weniger gearbeitet wird als ohnehin schon.“
Der Petty Officer salutierte abermals und wandte sich seiner Arbeit zu. Neben ihm betrachtete Serena das geschäftige Durcheinander mit unverhohlenem Interesse. Ihre weiße Uniform wirkte inmitten der verschmutzen Arbeitskleidung und der grauen Borduniformen beinahe fehl am Platz. Einige der vorbeieilenden Techniker warfen ihr flüchtige Blicke zu, bevor sie sich eilig wieder ihren Aufgaben widmeten. Er Mann von Taanab bemerkte es natürlich, er beschloss, die Angelegenheit nicht zu kommentieren.
Wenige Minuten später erreichten sie einen geöffneten Wartungsbereich, in dessen Zentrum eine ganze Gruppe von Ingenieuren und Technikern versammelt war. Über ihnen verliefen mehrere dicke Rohrleitungen, von denen einige bereits durch neue Komponenten ersetzt worden waren. Zwei mobile Diagnosegeräte zeigten fortlaufend Messwerte an. Dazwischen spannte sich eine auffällig improvisierte Verbindung aus flexiblen Leitungen, schweren Ventilblöcken und zusätzlichen Halterungen. Vor einem der Terminals stand Lieutenant Commander Selene Varek. Ihre dunklen Haare hatte sie zu einem praktischen Knoten zusammengebunden. Die Ärmel ihrer Arbeitsuniform waren ordentlich gekrämpelt, doch an einer Schulter und auf dem linken Unterarm zeichneten sich dunkle Verschmutzungen ab. Eine schmale Werkzeugtasche war an ihrem Oberarm befestigt, und das Datapad in ihrer Hand hatte offensichtlich schon bessere Tage gesehen. Sie war gerade dabei, einem hochgewachsenen Mann in der blaugrauen Dienstkleidung der Werftverwaltung etwas auf der Anzeige zu erläutern. Der Mann schien wenig überzeugt. Als Varek ihren Captain bemerkte, unterbrach sie ihre Ausführungen und nahm Haltung an.
„Captain.“
Darlo erwiderte den Gruß und ließ seinen Blick über die geöffneten Leitungen und die daneben abgestellten Werkzeuge wandern.
„Lieutenant Commander. Wie ich sehe, ist die befürchtete Explosion bislang ausgeblieben. Ein ausgesprochen erfreulicher Anfang.“
Ein kaum wahrnehmbares Zucken ging über Vareks Mundwinkel.
„Wir arbeiten daran, dass das so bleibt, Sir.“
Der Kommandant der ‚Repulse‘ wandte sich dem Werftingenieur zu. Dessen Dienstabzeichen wies ihn als einen der leitenden technischen Verantwortlichen für die Reparaturarbeiten aus. Er hatte ein kantiges Gesicht, ergrautes Haar und die angespannte Miene eines Mannes, dessen sorgfältig ausgearbeiteter Zeitplan gerade durch eine unangenehme Wirklichkeit durcheinandergebracht wurde. Darlo schenkte ihm ein höfliches Lächeln.
„Guten Tag. Commander Lassiter, Captain der ‚Repulse‘. Ich nehme an, wir haben ein kleines Problem?“
Der Ingenieur stellte sich vor und erläuterte anschließend, dass die provisorische Kühlmittelverbindung im Steuerbordbereich dringend entfernt werden müsse. Sie blockiere nicht nur den Zugang zu mehreren neuen Verteilern, sondern behindere auch die Montage weiterer Komponenten. Jede Verzögerung wirke sich unmittelbar auf den ohnehin eng bemessenen Zeitplan aus. Darlo hörte ihm zu, ohne ihn zu unterbrechen.Als der Mann geendet hatte, wandte er sich an seine leitende Ingenieurin.
„Und Ihre Einwände, Lieutenant Commander?“
Varek trat an das Diagnoseterminal und rief mehrere Messreihen auf.
„Der neue Primärverteiler ist eingebaut, Sir. Die Leitungen sind angeschlossen, die Druckprüfung wurde abgeschlossen und bislang gibt es keine Beanstandungen an den Dichtungen. Was fehlt, ist ein vollständiger Funktionstest der neuen Kühlmittelverteilung unter einer entsprechenden thermischen Belastung.“
Sie deutete auf einen der angezeigten Kreisläufe.
„Die provisorische Verbindung sichert gegenwärtig die Kühlung der betroffenen Systeme. Entfernen wir sie jetzt, verlieren wir unsere Rückfallebene, bevor die neuen Komponenten nachgewiesen haben, dass sie zuverlässig arbeiten.“
„Und sollte bei der Inbetriebnahme ein Fehler auftreten?“
„Dann müssten wir die betreffenden Anlagen sofort herunterfahren. Je nach Ursache hätten wir anschließend ein ziemlich unangenehmes Problem mit der Wärmeabfuhr.“
„Wie unangenehm?“
Die Ingenieurin betrachtete ihn für einen Augenblick.
„Unangenehm genug, dass ich Ihnen den nächsten Bericht lieber persönlich überbringen würde, Sir.“
Darlo nickte langsam, eine Antwort, die wenig Raum für Missverständnisse ließ. Der Werftingenieur warf ein, dass die neuen Komponenten bereits sämtliche vorgeschriebenen Einzelprüfungen bestanden hätten und dass es keinerlei Anlass gebe, ihre Zuverlässigkeit infrage zu stellen. Die abschließenden Tests könnten im weiteren Verlauf der Arbeiten durchgeführt werden. Darlo richtete seine Aufmerksamkeit erneut auf den Mann. Er war nicht grundsätzlich gegen die Argumentation der Werftleitung. Er kannte den Druck, unter dem die Mannschaften auf Yaga Minor arbeiteten. Überall wurden Schiffe gebraucht, Ersatzteile waren knapp, Dockplätze noch knapper und jede zusätzliche Stunde, die ein Kriegsschiff untätig in einer Reparaturanlage verbrachte, belastete die gesamte Flottenplanung. Er wusste auch, dass diese Leute nicht nach Belieben arbeiten konnten. Hinter jedem ihrer Arbeitspläne standen Lieferketten, Personalverfügbarkeiten und ein beträchtlicher Verwaltungsapparat. Dennoch gab es einen Unterschied zwischen einer unangenehmen Verzögerung und einem unnötigen Risiko. Und auf einem Kriegsschiff war dieser Unterschied gelegentlich eine Frage von Leben und Tod.
„Ich verstehe Ihre Schwierigkeiten durchaus. Aber wenn ich Sie richtig verstanden habe, möchten Sie eine bereits funktionierende Sicherung entfernen, bevor deren Ersatz seine Funktionsfähigkeit unter Betriebsbedingungen nachgewiesen hat.“
Der Ingenieur versuchte, die Unterschiede zwischen einer Einzelprüfung und einer vollständigen Systemabnahme zu erläutern, Darlo ließ ihn ausreden. Dann blickte er zu Varek.
„Können wir die neuen Verteiler prüfen, solange die provisorische Verbindung noch vorhanden ist?“
„Ja, Sir. Wir müssen dafür die Durchflussregelung anpassen und einen zusätzlichen Prüfkreislauf aufbauen. Das kostet Zeit, wäre aber technisch möglich.“
„Wie viel Zeit?“
„Wenn wir das benötigte Material bekommen, einige Stunden für den Aufbau. Danach die Prüfung selbst. Vorausgesetzt natürlich, wir finden nichts.“
„Eine Bedingung, die ich mittlerweile mit einer gewissen Skepsis betrachte.“
Der Commander wandte sich wieder dem Werftingenieur zu.
„Dann schlage ich vor, dass wir genau das tun. Sie stellen meiner leitenden Ingenieurin die notwendigen Mittel zur Verfügung. Wir prüfen die neuen Systeme unter geeigneten Bedingungen, halten die provisorische Versorgung bis dahin betriebsbereit und entfernen sie erst, wenn beide Seiten die Abnahme bestätigen können.“
Der Ingenieur machte auf die zusätzlichen Verzögerungen aufmerksam. Darlo nickte verständnisvoll.
„Ja, das ist ausgesprochen bedauerlich. Aber ich möchte Ihnen etwas versichern: Eine weitere Verzögerung von einigen Stunden wird meine Stimmung erheblich weniger beeinträchtigen als der Verlust eines Reaktorkühlkreislaufs.“
Er trat einen halben Schritt näher an das Terminal und betrachtete die schematische Darstellung der Leitungen.
„Ich brauche dieses Schiff einsatzbereit, meine Herren. Nicht lediglich rechtzeitig aus dem Dock. Das sind zwei verschiedene Dinge.“
Er ließ den Blick zwischen den Anwesenden wandern, ohne seine Stimme zu heben.
„Und ich werde es nicht verantworten, dass wir die Lehren aus Tizon vergessen, nur weil irgendwo eine Terminplanung eingehalten werden muss.“
Für einen kurzen Augenblick herrschte Schweigen. Darlo hatte den letzten Satz etwas schärfer ausgesprochen, als er ursprünglich beabsichtigt hatte. Vielleicht war das unvermeidlich gewesen. Er dachte an die Männer und Frauen, die bei Tizon in den Maschinenräumen gefallen waren. An die Verwundeten, deren Namen noch immer auf seinen Verlustlisten standen. Und an Rellan Voss, der sich mit lebensgefährlichen Verletzungen durch eine zerstörte Reaktorsektion gekämpft hatte, damit seine Kameraden und sein Schiff überlebten. Nein. Er würde gewiss nicht zulassen, dass man hier leichtfertig neue Risiken schuf, nur um anschließend einige Stunden früher eine Erfolgsmeldung absetzen zu können. Seine Stimme nahm wieder den gewohnten, beinahe freundlichen Ton an.
„Lieutenant Commander Varek übernimmt die technische Abnahme für die ‚Repulse‘. Ich erwarte, dass die erforderlichen Prüfungen gemeinsam durchgeführt und ordentlich dokumentiert werden. Falls es weitere Schwierigkeiten gibt, möchte ich davon erfahren, bevor sich jemand bemüßigt fühlt, eine wichtige Leitung zu entfernen.“
Er bedachte seine Ingenieurin mit einem kurzen Blick.
„Und Sie, Varek, versuchen bitte, mit unseren Gästen etwas nachsichtiger umzugehen. Die Herren haben schließlich den undankbaren Auftrag, dieses alte Schiff wieder zusammenzusetzen.“
„Aye, Captain.“
„Ausgezeichnet. Dann sehe ich keinen Grund, weshalb wir uns weiter von der Arbeit abhalten sollten.“
Er nickte dem Werftingenieur höflich zu und trat ein Stück zur Seite, damit die Techniker wieder an ihre Geräte gelangen konnten. Varek folgte ihm ein paar Schritte. Erst als sie sich außerhalb unmittelbarer Hörweite der Werftleute befanden, senkte sie ihre Stimme.
„Danke, Sir.“
Darlo betrachtete sie mit leicht hochgezogener Augenbraue.
„Wofür? Dass ich verhindere, dass mein Schiff beschädigt wird? Ich hatte gehofft, das gehöre zu meinen gewöhnlichen Dienstpflichten.“
Sie lächelte flüchtig.
„Dass Sie mir den Rücken freihalten, Captain.“
Er erwiderte ihr Lächeln nicht sofort. Vor wenigen Wochen noch hatte sie unter Voss gearbeitet, hatte dessen Entscheidungen vorbereitet, seine Anweisungen umgesetzt und wahrscheinlich ebenso häufig mit ihm gestritten wie alle anderen Angehörigen der Maschinenabteilung. Nun lag die Verantwortung für die gesamte technische Funktionsfähigkeit dieses alten Kreuzers auf ihren Schultern. Es war keine leichte Aufgabe. Besonders nicht auf einem Schiff, dessen Besatzung sich erst daran gewöhnen musste, dass der alte Chefingenieur nicht mehr zurückkehren würde.
„Ich habe Sie nicht befördern lassen, damit Sie mir sagen, was ich hören möchte, Lieutenant Commander. Wenn Sie der Ansicht sind, dass eine Entscheidung die Sicherheit dieses Schiffes gefährdet, erwarte ich, dass Sie widersprechen.“
Er ließ eine kleine Pause verstreichen.
„Allerdings wäre es mir ausgesprochen recht, wenn Sie mich beim nächsten Mal informieren könnten, bevor sich die halbe Werftverwaltung gegen Sie verschworen hat.“
„Ich werde es versuchen, Sir.“
„Wie beruhigend.“
Die Ingenieurin salutierte und kehrte zu ihrem Terminal zurück. Darlo sah ihr noch einen Augenblick nach. Sie hatte ihre Sache gut gemacht. Vielleicht fehlte ihr noch etwas von der Ruhe und Gelassenheit, mit der Voss selbst die größten technischen Katastrophen kommentiert hatte. Andererseits war diese Gelassenheit bei seinem früheren Chefingenieur nicht selten mit einer bemerkenswerten Auswahl unflätiger Ausdrücke einhergegangen. Varek würde ihren eigenen Weg finden müssen. Und er würde ihr die Gelegenheit dazu geben müssen… Neben ihm räusperte sich Serena Vhal leise.
„Sie scheinen Ihren Offizieren ein erhebliches Maß an Eigenverantwortung einzuräumen, Captain.“
Darlo wandte sich ihr zu. Sie stand mit hinter dem Rücken verschränkten Händen neben einer geöffneten Wartungskonsole und betrachtete ihn mit jener unerschütterlichen Aufmerksamkeit, die er inzwischen nur zu gut kannte.
„Ich beschäftige Fachleute, Investigatorin. Es wäre ausgesprochen verschwenderisch, ihre Fähigkeiten nicht zu nutzen.“
„Und wenn deren Urteil dem Ihren widerspricht?“
„Dann hoffe ich sehr, dass sie gute Argumente besitzen.“
Er blickte noch einmal zu den arbeitenden Technikern.
„Auf der Brücke kann ich Befehle erteilen, so viele ich möchte. Wenn die Maschinen nicht mitspielen, hilft mir das herzlich wenig. Es erscheint mir daher vernünftig, gelegentlich auf diejenigen zu hören, die sich damit auskennen.“
Die Investigatorin lächelte.
„Ein bemerkenswert pragmatischer Standpunkt für einen Mann mit Ihrer familiären Herkunft.“
„Meine Liebe, auch in einer aristokratischen Familie lernt man recht schnell, dass ein defekter Heizungskreislauf keinen sonderlichen Respekt vor Stammbäumen besitzt.“
Sie lachte leise. Bevor sie ihre Unterhaltung fortsetzen konnten, meldete sich der Kommunikator an Darlos Gürtel. Der Captain warf einen missbilligenden Blick auf das Gerät. Offenbar hatte der Tag beschlossen, ihm auch weiterhin keine Ruhe zu gönnen.
„Lassiter.“
„Captain, Satras. Eine Nachricht des Flottenstabes. Sie werden zur Besprechung der Führungsoffiziere auf der ‚Avenger‘ erwartet. Besprechungsraum Aurek.“
Die ruhige Stimme seines Ersten Offiziers klang so nüchtern wie gewöhnlich, Darlo richtete sich ein wenig auf.
„Wann?“
„In Kürze, Sir. Der genaue Beginn ist in der übermittelten Dienstanweisung vermerkt. Ich habe bereits eine Fähre anfordern lassen.“
„Ausgezeichnet. Sie haben die Unterlagen?“
„Die bisher freigegebenen, Captain. Ich übermittle sie auf Ihr Datapad.“
„Danke, Commander. Und Satras?“
„Sir?“
„Unsere leitende Ingenieurin hat gerade beschlossen, eine Auseinandersetzung mit der Werftverwaltung zu gewinnen. Ich möchte, dass Sie die weitere Entwicklung im Auge behalten. Falls die Herren erneut versuchen, ein Stück unseres Schiffes vorzeitig zu entfernen, sollen sie vorher mit Ihnen sprechen.“
Eine kurze Pause entstand.
„Verstanden, Captain. Soll ich davon ausgehen, dass Sie den betreffenden Antrag bereits abgelehnt haben?“
„Mit ausgesuchter Höflichkeit.“
„Selbstverständlich, Sir.“
Die Verbindung endete, Darlo betrachtete den Kommunikator für einen Augenblick, ehe er ihn wieder am Gürtel befestigte. Die Besprechung auf der „Avenger“ war keine Überraschung. Seit Tagen wurden im Orbit von Yaga Minor Einheiten zusammengezogen, Einsatzverbände neu zusammengestellt und Schiffe für bevorstehende Operationen vorbereitet. Auch über die künftige Verwendung der ‚Repulse‘ waren bereits Gespräche geführt worden. Dennoch war es ein Unterschied, ob man am Schreibtisch über mögliche Einsätze sprach oder persönlich vor dem Führungsstab einer Gefechtsflotte erschien. Er wandte sich an Serena.
„Wie es scheint, Investigatorin, muss ich unsere kleine Besichtigung leider abkürzen. Die Flotte verlangt nach meiner Anwesenheit.“
„Dann sollten Sie Ihre Vorgesetzten nicht warten lassen, Captain.“
„Ein Grundsatz, den ich während meiner Laufbahn gelegentlich schmerzlich erlernen durfte.“
Er deutete mit einer höflichen Bewegung in Richtung des Ausgangs.
„Wenn Sie gestatten, werde ich Sie zunächst in einen etwas weniger industriell geprägten Bereich meines Schiffes zurückbegleiten.“
Die Investigatorin nahm die Einladung mit einem angedeuteten Lächeln an. Gemeinsam verließen sie die Maschinenabteilung, während hinter ihnen bereits wieder das geschäftige Stimmengewirr der Ingenieure einsetzte. Der Mann von Taanab hoffte inständig, dass dies für den Rest des Tages die letzte Auseinandersetzung über Kühlmittelleitungen gewesen sein würde. Eine Hoffnung, die er selbst für ausgesprochen optimistisch hielt.
Die Fähre löste sich mit einem leichten Ruck von der Andockvorrichtung. Durch das seitliche Sichtfenster konnte Darlo beobachten, wie die graue Außenhülle der ‚Repulse‘ langsam zurückwich. Aus dieser Entfernung wirkten die beschädigten Bereiche besonders deutlich. Die große Öffnung an Steuerbord, die provisorischen Verstrebungen und die ausgedehnten Werftgerüste bildeten ein wenig schmeichelhaftes Bild. Es war ein Anblick, an den er sich nur schwer gewöhnen konnte, seine ‚Repulse‘ hatte schon bessere Tage gesehen. Andererseits war sie noch immer da. Das war mehr, als man von einigen anderen Schiffen behaupten konnte, die den Koornacht-Feldzug nicht überstanden hatten. Er lehnte sich zurück und ließ den Blick noch einmal über den alten Kreuzer gleiten, bevor die Fähre abdrehte und zwischen den gewaltigen Werftanlagen hindurch Kurs auf den Verband der Dritten Gefechtsflotte nahm. Jenseits der Docks lagen mehrere imperiale Kriegsschiffe in Formation. Versorgungstransporter näherten sich ihren Hangars, während kleinere Patrouillenboote zwischen den größeren Einheiten verkehrten. Vereinzelt zogen Sternjäger auf ihren vorgeschriebenen Flugbahnen vorbei. Die gesamte Szenerie erinnerte ihn an die Stunden vor einem größeren Flottenmanöver, nur dass es diesmal nicht um eine Übung ging. Darlo hatte sein Datapad auf den Knien liegen und überflog die Unterlagen, die Satras ihm übermittelt hatte. Wie üblich enthielten sie eine bemerkenswerte Menge organisatorischer Angaben, aber nur begrenzte Informationen über die eigentlichen operativen Ziele. Eine Reihe von Einsatzgruppen war aufgeführt. Andere Abschnitte waren noch nicht vollständig ausgefüllt oder unterlagen zusätzlichen Freigabebeschränkungen. Er betrachtete die Aufstellung der ihm bekannten Einheiten. Seine eigene kleine Kampfgruppe nahm in diesen Planungen einen besonderen Platz ein. Die ‚Repulse‘ lag schließlich noch immer in der Werft. Ehe er auch nur daran denken konnte, mit ihr einen Einsatz anzutreten, mussten die Reparaturen abgeschlossen, die Maschinen erprobt und die Besatzung wieder vollständig in ihre Gefechtsstationen eingewiesen werden. Anschließend würde sich zeigen müssen, welchen Auftrag die Flottenführung für seinen Verband vorsah. Eine Aufgabe, die angesichts der begrenzten verfügbaren Kräfte sorgfältig ausgewählt sein wollte. Er hatte durchaus Vorstellungen davon, wozu ein alter Dreadnought-Kreuzer mit einer Handvoll Begleitschiffe geeignet war. Und wozu nicht. Mit einem leisen Seufzen schaltete er das Datapad ab. Inzwischen war das Ziel ihrer Reise durch das Sichtfenster zu erkennen. Der Imperiale Sternenzerstörer „Avenger“ beherrschte den Raum vor ihnen mit jener selbstverständlichen Monumentalität, die diesen Schiffen eigen war. Sein gewaltiger keilförmiger Rumpf wirkte neben den kleineren Einheiten der Flotte beinahe wie eine künstliche Landschaft. Die Aufbauten erhoben sich über den grauen Panzerplatten, während zahllose Positionslichter die Konturen der gewaltigen Konstruktion markierten. Darlo betrachtete das Schiff mit dem nüchternen Interesse eines Berufsoffiziers. Er konnte die Vorzüge moderner Sternenzerstörer durchaus anerkennen. Ihre Feuerkraft, ihre Jägerkapazitäten, die enormen Möglichkeiten zur Truppenverlegung und die gewaltigen Ressourcen, die einem solchen Schiff zur Verfügung standen. Dennoch empfand er beim Anblick der „Avenger“ nicht jene Bewunderung, die manche jüngeren Offiziere beim Anflug auf ein derartiges Kriegsschiff kaum verbergen konnten. Er hatte sich längst daran gewöhnt, dass die Größe eines Schiffes nur wenig über die Fähigkeiten seiner Besatzung aussagte. Und gelegentlich noch weniger über die seines Kommandanten. Die Fähre näherte sich dem Hangarbereich des Sternenzerstörers. Leitstrahlen führten sie durch die Öffnung, das blau schimmernde Atmosphärenfeld glitt über die Sichtfenster hinweg. Wenige Augenblicke später setzte das Schiff mit einem leichten Stoß auf der Landefläche auf. Darlo wartete, bis die Triebwerke heruntergefahren waren, nahm sein Datapad und erhob sich.
Wenig später betrat er den Hangar der „Avenger“. Der Unterschied zur gegenwärtigen Situation an Bord der ‚Repulse‘ war bemerkenswert. Hier herrschte ebenfalls geschäftiges Treiben, doch wirkte alles von jener strengen Ordnung geprägt, die man von einem einsatzbereiten Flaggschiff erwartete. Wartungsmannschaften überprüften abgestellte Fähren, bewaffnete Soldaten sicherten die Zugänge und Offiziere eilten zwischen den verschiedenen Bereichen umher. Ein Angehöriger des Bordpersonals erwartete den eintreffenden Commander und wies ihm den Weg zu den Besprechungsräumen. Darlo bedankte sich knapp und folgte der Wegbeschreibung. Die Korridore des Sternenzerstörers waren breit und hell beleuchtet. Die sauberen Wandverkleidungen, die präzise angeordneten Hinweisschilder und die gleichmäßigen Schritte der vorbeigehenden Besatzungsmitglieder verliehen dem Schiff eine beinahe demonstrative Sachlichkeit. Alles war dort, wo es hingehörte, nichts schien provisorisch befestigt zu sein. Vor allem ragten nirgendwo offene Kühlmittelleitungen aus den Wänden. Ein Zustand, den der Mann von Taanab momentan ausgesprochen beneidenswert fand. Er erreichte schließlich den Besprechungsbereich und meldete sich ordnungsgemäß an. Seine Identität und die Zugangsberechtigung wurden überprüft, bevor ihm der Weg zum Besprechungsraum Aurek freigegeben wurde. Als er den Raum betrat, hatten die eigentlichen Einsatzbesprechungen noch nicht begonnen. Er hatte die unangenehme Angewohnheit, zu dienstlichen Terminen lieber ein wenig zu früh als auch nur eine Minute zu spät zu erscheinen. Zumindest dann, wenn sich dies vermeiden ließ. Mehrere Offiziere waren bereits anwesend. Zwischen den Sitzreihen und dem zentralen Holoprojektor herrschte jene gedämpfte Betriebsamkeit, die einer militärischen Lagebesprechung gewöhnlich vorausging. Datapads wurden eingeschaltet, Unterlagen überprüft und gelegentlich einige leise Worte gewechselt. Darlo ließ seinen Blick kurz über die Anwesenden schweifen. Er kannte einige Gesichter, andere nur aus Dienstakten und Personalübersichten. In der imperialen Flotte begegnete man sich früher oder später beinahe zwangsläufig, selbst wenn ein jahrelanger Dienst auf unterschiedlichen Kriegsschiffen dazu führte, dass sich Bekanntschaften auf flüchtige Begegnungen bei Stabsbesprechungen beschränkten. Er verzichtete darauf, aus seinem Eintreffen eine gesellschaftliche Veranstaltung zu machen. Stattdessen suchte er einen geeigneten Platz, legte das Datapad vor sich auf die Ablage und setzte sich. Das Käppi nahm er ab und platzierte es ordentlich neben den Unterlagen, für einen Augenblick betrachtete er den Holoprojektor. Es war eine Weile her, seit er an einer Besprechung dieser Größenordnung teilgenommen hatte. Seine jüngsten Erfahrungen hatten überwiegend aus Gefechtsberichten, Reparaturprotokollen und gelegentlichen wenig erfreulichen Mitteilungen der Personalverwaltung bestanden. Nun saß er wieder unter Offizieren, die sich auf einen bevorstehenden Flotteneinsatz vorbereiteten. Ein vertrautes Gefühl, und ein durchaus willkommenes. Er aktivierte sein Datapad, rief die ihm zugänglichen Einsatzunterlagen auf und begann zu lesen. Wenn die Dritte Gefechtsflotte tatsächlich zu einer größeren Operation ansetzte, wollte er zumindest eine Vorstellung davon haben, welche Rolle die einzelnen Verbände dabei spielen sollten. Und möglicherweise würde sich bei dieser Gelegenheit auch klären, wohin ihn sein nächster Einsatz führte. Vorausgesetzt natürlich, Lieutenant Commander Varek bekam seine Maschinen rechtzeitig wieder zum Laufen. Dieser Gedanke entlockte ihm ein kaum sichtbares Lächeln.
Die Besprechung hatte Darlo rasch daran erinnert, weshalb er solche Zusammenkünfte ungeachtet aller gelegentlichen Unannehmlichkeiten schätzte. Hier wurde über Krieg gesprochen. Nicht über Stellenpläne, die politische Verlässlichkeit einzelner Offiziere oder die Frage, welche Abteilung für die Beschaffung eines dringend benötigten Ersatzteils zuständig war. Es ging um verfügbare Kräfte, Aufklärung, Operationsziele und die Schwierigkeiten, die bei ihrer Umsetzung zu erwarten waren. Kurz gesagt: um Dinge, für die er einst beschlossen hatte, eine Laufbahn in der Flotte einzuschlagen. Er hatte den Ausführungen aufmerksam zugehört, sich gelegentlich Notizen gemacht und die vorgetragenen Informationen mit seinen eigenen Erfahrungen abgeglichen. Die Bedeutung der bevorstehenden Operation ließ sich bereits aus dem Umfang der Vorbereitungen erkennen. Auch die Vorgehensweise der Flottenführung war aufschlussreich. Nach der ersten Phase der Besprechung hatten die Einsatzgruppenkommandanten Gelegenheit erhalten, ihre jeweiligen Aufträge und die ihnen zugeteilten Kräfte zu überprüfen. Als die Offiziere nach Ablauf der vorgesehenen Zeit wieder zusammenkamen, hatte Darlo seine Unterlagen entsprechend geordnet. Er war gespannt, welche Schwierigkeiten seine Kameraden festgestellt hatten. Eine militärische Planung konnte auf einem Datapad ausgesprochen überzeugend aussehen. Meist begann das eigentliche Problem erst in dem Augenblick, in dem man versuchte, sie in die Wirklichkeit zu übertragen. Die Überprüfung begann mit TF 301. Captain Selgorias erläuterte den Auftrag seiner Einsatzgruppe, einen vermuteten republikanischen Horchposten in einem Asteroidenfeld aufzuspüren und zu neutralisieren. Darlo hob bei dieser Beschreibung unwillkürlich den Blick. Ein Asteroidenfeld? Er lehnte sich ein wenig zurück und betrachtete die über dem Projektor entstehende Darstellung. Die einzelnen Gesteinskörper waren nur schematisch wiedergegeben. Dennoch reichte die Projektion aus, um die wesentlichen Schwierigkeiten erkennen zu lassen. Unregelmäßige Formationen, eingeschränkte Anflugkorridore, zahlreiche Möglichkeiten für einen Gegner, seine Anlagen vor gewöhnlichen Sensoren zu verbergen. Der Vortrag konzentrierte sich zunächst auf die verfügbare Sensorik der „Gladius“, den Einsatz unterschiedlicher Sonden und Aufklärungsdroiden sowie die möglichen Reaktionen republikanischer Kräfte. Der Kommandant der ‚Repulse‘ machte sich einige Notizen, besonders die angenommene Reaktionszeit des Gegners ließ ihn aufmerken. Weniger als eine Stunde, das war nicht viel. Nicht, wenn man zunächst einen schwer zu erfassenden Horchposten in einem Asteroidenfeld aufspüren, anschließend seine genaue Lage bestimmen und schließlich noch Maßnahmen zu seiner Ausschaltung einleiten musste. Ein solcher Zeitrahmen konnte sich unangenehm schnell verkürzen, sobald eine einzige der zugrunde liegenden Annahmen nicht mehr zutraf. Er kannte diese Art von Problemen. Während der Operationen im Pan'wo'ta-System hatte er selbst erlebt, wie wenig Verlass unter bestimmten Bedingungen auf vermeintlich eindeutige Sensorkontakte war. Magnetische Anomalien, ungünstige Positionen und die schlichte Unübersichtlichkeit eines Asteroidenfeldes konnten selbst gut ausgebildete Sensorikmannschaften an ihre Grenzen bringen. Ein Torpedoabschuss, der nach den ihm vorliegenden Informationen gerechtfertigt erschienen war, hatte damals beinahe eine verbündete Korvette getroffen, die „Blessed Cirilla“. Darlo erinnerte sich noch gut an die unangenehmen Minuten, die darauf gefolgt waren. Seine Entschuldigung an den Kommandanten des Schiffes war aufrichtig gewesen. Die anschließende Aufarbeitung des Vorfalls hatte er persönlich angeordnet. Und die Lektion war ihm im Gedächtnis geblieben. Gerade dort, wo die eigenen Sensoren nur unvollständige Informationen lieferten, war die Versuchung groß, die vorhandenen Daten zu einer Gewissheit zusammenzusetzen, die es in Wahrheit nicht gab. Er konzentrierte sich wieder auf die Ausführungen. Selgorias sah offenbar vor, den vermuteten Horchposten nach seiner Lokalisierung durch Raumjäger vernichten zu lassen. Ein Eindringen der größeren Kriegsschiffe in das Asteroidenfeld war nicht vorgesehen, was Darlo angesichts der örtlichen Verhältnisse durchaus vernünftig erschien. Allerdings wurde auch die Möglichkeit einer Enteroperation zur Sprache gebracht. Zunächst ging es um die Verwundbarkeit konventioneller Transporter und die Gefahr, dass die republikanische Besatzung sensible Daten vernichten könnte, bevor die imperialen Soldaten den Posten erreichten. Anschließend brachte Commodore Hamley den Einsatz von Zero-G-Truppen ins Gespräch. Darlo richtete sich in seinem Sitz etwas auf, das war zumindest ein interessanter Gedanke. Ein kleiner Trupp könnte sich mit entsprechend geringer Energiesignatur durch Teile des Asteroidenfeldes bewegen, ohne dass ein Transporter unmittelbar bis an das Ziel herangeführt werden musste. Unter geeigneten Bedingungen versprach ein solches Vorgehen durchaus Vorteile. Auf der anderen Seite bedeutete es, Soldaten in ein Gebiet zu schicken, in dem bereits die Navigation eines Raumjägers erhebliche Schwierigkeiten bereiten konnte. Und anders als ein Jägerpilot, der bei einem unerwarteten Feindkontakt seine Triebwerke hochfahren und sich auf einen vorbereiteten Rückzugsvektor absetzen konnte, waren Infanteristen im freien Raum in ihren Bewegungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt. Commander Lassiter betrachtete die eingezeichneten Anflugkorridore. Ein erfolgreicher Angriff auf den Horchposten war schließlich nur die halbe Aufgabe. Man musste die eigenen Leute anschließend auch wieder herausholen. Die Entscheidung, unter welchen Voraussetzungen eine solche Enteroperation verantwortet werden könnte, sollte nun offenbar genauer geprüft werden. Dabei war von der möglichen Bereitstellung eines ganzen Platoons Zero-G-Truppen die Rede. Darlo legte sein Datapad langsam auf die Ablage. Er hatte während des bisherigen Vortrags wenig Anlass gesehen, sich einzumischen. Selgorias hatte die wesentlichen Schwierigkeiten seines Auftrages bereits angesprochen, und es lag ihm fern, einem anderen Captain lediglich deshalb ins Wort zu fallen, um dessen Ausführungen um eine weitere Wortmeldung zu ergänzen. Diesmal allerdings gab es einen Punkt, den er für bedenkenswert hielt. Er wartete, bis sich im Verlauf der Diskussion eine geeignete Pause ergab, und meldete sich schließlich zu Wort. Seine Stimme war ruhig und deutlich, ohne dass er sich bemühen musste, sie übermäßig zu erheben.
„Admiral, wenn ich dazu eine Überlegung anstellen dürfte.“
Er erhob sich und deutete mit einer offenen Hand auf die Darstellung des Asteroidenfeldes.
„Der Gedanke, Zero-G-Truppen einzusetzen, hat zweifellos seine Vorzüge. Insbesondere dann, wenn wir tatsächlich hoffen dürfen, den Horchposten zu nehmen, bevor dessen Besatzung ihre Aufzeichnungen vernichten kann.“
Sein Blick glitt über die eingezeichneten Anflugwege und blieb kurz auf einem der engeren Bereiche hängen.
„Was mir allerdings Sorge bereitet, ist weniger der Hinweg als vielmehr die Frage, wie wir diese Männer anschließend wieder herausholen wollen. Wir sprechen von einer gegnerischen Reaktionszeit von möglicherweise weniger als einer Stunde. Und das ist lediglich die kürzeste uns bekannte Schätzung, keine Garantie dafür, dass nicht schon früher republikanische Kräfte eintreffen.“
Er verschränkte die Hände locker hinter dem Rücken.
„Ich habe während des Koornacht-Feldzuges die Erfahrung machen dürfen, dass Asteroidenfelder eine bedauerliche Neigung besitzen, unseren Sensoren mehr Gewissheit vorzugaukeln, als tatsächlich vorhanden ist. Ein Umstand, der mich beinahe ein verbündetes Kriegsschiff gekostet hätte.“
Für einen Augenblick lag ein ausgesprochen trockenes Lächeln auf seinen Lippen.
„Eine Erfahrung, auf deren Wiederholung ich nach Möglichkeit verzichten würde.“
Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder der eigentlichen Frage zu.
„Ich würde daher empfehlen, eine Enteroperation nur dann in Betracht zu ziehen, wenn wir bereits vor dem Absetzen der Truppen einen verlässlichen Rückzugsweg und eine gesicherte Aufnahmemöglichkeit festgelegt haben. Wir müssten außerdem wissen, wie lange der Trupp tatsächlich für Annäherung, Zugriff und Rückweg benötigt. Andernfalls laufen wir Gefahr, den Horchposten zwar erfolgreich zu nehmen, anschließend aber mit einem Platoon im Asteroidenfeld festzusitzen, während die Republik Verstärkung heranführt.“
Er machte eine kurze Pause, ehe er seinen Gedanken abschloss.
„Sollte sich die Gelegenheit bieten, die feindlichen Aufzeichnungen zu sichern, wäre das ohne Zweifel ein wertvoller Erfolg. Ich würde diesen zusätzlichen Gewinn allerdings nicht zur Voraussetzung für die Erfüllung unseres eigentlichen Auftrages machen. Die Vernichtung des Horchpostens muss jederzeit möglich bleiben, ohne dass wir dafür unsere eigenen Soldaten opfern.“
Der Commander ließ die Hand sinken und betrachtete noch einmal die holografische Darstellung des Asteroidenfeldes. Sein Einwand war damit vorgebracht. Er hatte nicht die Absicht, Captain Selgorias dessen Einsatzplanung aus der Hand zu nehmen, und noch weniger verspürte er das Bedürfnis, eine grundsätzliche Debatte über die Vorzüge verschiedener Enterverfahren zu eröffnen. Aber wenn man schon darüber nachdachte, Soldaten in ein Asteroidenfeld zu schicken, dann sollte man sich seiner Ansicht nach zumindest vorher überlegen, wie man sie wieder herausbekam… Er neigte höflich den Kopf in Richtung der Flottenkommandantin und nahm wieder Platz. Sein Datapad lag noch immer aktiviert vor ihm, doch fürs Erste ließ er es unbeachtet. Nun würde sich zeigen, ob seine Bedenken geteilt wurden.
Yaga-Minor-System – Hoher Orbit – ISD „Avenger“ – Besprechungsraum Aurek – Führungsoffiziere der Dritten Gefechtsflotte – Commander Darlo Sion Lassiter, Admiral Nerethin, Führungsoffiziere der Dritten Flotte



