Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Habe End of Oak Street gesehen:

Ein sehr unterhaltsamer Film, der es in 100 Minuten schafft gleichzeitig Horrorfilm, Mystery-Thriller und Familiendrama zu sein.

Die Saurier sind weit bedrohlicher als in den letzten Jurassic-World-Filmen und das Feder-Design war mal etwas anderes. Historisch natürlich völliger Blödsinn, sind Brachiosaurus, Stegosaurus und Tyrannosaurus in der selben Epoche.

Das Ende hat mir auch weniger gefallen, wenn man die Kinder ohne Vater in die Vergangenheit zurückreisen lässt. Aber solche Logik-Buggs ist man von Zeitreisegeschichten gewohnt.

Trotzdem vergingen die 100 Minuten wie im Fluge, der Film fühlte sich herrlich altmodisch
an und war, wenn man nicht zu viel nachdenkt, ungemein unterhaltsam

7 von 10 Punkten
 
Zuletzt bearbeitet:
Vier minus drei
Barbara verliert bei einem Unfall an einem Bahnübergang ihren Mann Heli und ihre beiden Kinder Thimo und Fini. Vier minus drei basiert auf Barbara Pachl-Eberharts autobiografischem Buch und erzählt davon, wie sie danach überhaupt wieder einen Weg ins Leben findet.

Barbara und Heli sind Clowns. Er träumt von großen Auftritten und hält stur an seinen künstlerischen Vorstellungen fest, auch wenn damit nicht gerade viel Geld zu verdienen ist. Barbara arbeitet als Krankenhausclownin und sorgt für ein regelmäßigeres Einkommen. Mit ihren beiden Kindern führen sie ein etwas ungewöhnliches, aber ziemlich normales Familienleben. Es wird gelacht und herumgealbert, aber auch über Geld und Helis berufliche Vorstellungen gestritten. Mir hat gut gefallen, dass der Film daraus im Rückblick keine perfekte Familie macht. Heli wird nach seinem Tod nicht zum makellosen Ehemann und Vater. Gerade dadurch versteht man, was Barbara verloren hat.

Dass eine Clownin im Mittelpunkt einer Geschichte über Trauer steht, könnte schnell bemüht wirken. Der traurige Mensch hinter dem geschminkten Lächeln wäre schließlich eine ziemlich naheliegende Richtung. Zum Glück geht der Film diesen Weg nicht. Humor gehört tatsächlich zu Barbaras Art, mit dem Leben umzugehen, und daran hält sie auch nach dem Tod ihrer Familie fest.

Besonders deutlich wird das bei der Beerdigung. Barbara möchte keinen rein düsteren Abschied, sondern eine Feier, die zu Heli und ihrem gemeinsamen Leben passt. Clowns kommen, es wird Musik gemacht und Seifenblasen steigen auf. Das hätte leicht furchtbar kitschig werden können, funktioniert aber erstaunlich gut. Die Szene ist traurig und gleichzeitig voller Wärme.

Danach versucht Barbara schnell, wieder in ihren Alltag zurückzukehren. Sie möchte sogar wieder als Krankenhausclownin arbeiten. Dort will man sie jedoch vorerst nicht einsetzen. Ihr Schicksal ist inzwischen bekannt und man befürchtet, dass die Kinder in ihr nicht mehr Heidi Appenzeller sehen würden, sondern die Frau, die gerade ihre Familie verloren hat. Damit fällt ausgerechnet die Arbeit weg, die ihr etwas Halt geben könnte.

Gut gefällt mir, dass ihre Trauer nicht so dargestellt wird, wie man es aus vielen Filmen kennt. Barbara funktioniert zunächst erstaunlich gut. Erst nach und nach merkt man, dass sie vieles überhaupt noch nicht an sich herangelassen hat. Sie klammert sich zeitweise an die Vorstellung, möglichst schnell wieder ein Kind bekommen zu müssen, sucht die Nähe zu Männern und trifft Entscheidungen, die von außen kaum vernünftig erscheinen. Der Film erklärt nicht jedes Verhalten und verurteilt sie auch nicht dafür. Trauer muss schließlich nicht vernünftig sein.

Valerie Pachner spielt Barbara hervorragend. Gerade in den ruhigen Szenen merkt man, wie viel unter der Oberfläche passiert. Sie kann lachen und gefasst wirken, trotzdem hat man das Gefühl, dass diese Kontrolle jederzeit zusammenbrechen könnte. Wenn das schließlich geschieht, sind das die stärksten Momente des Films. Pachner übertreibt dabei nie und macht selbst Barbaras schwer nachvollziehbare Entscheidungen glaubwürdig.

Auch Robert Stadlober gefällt mir als Heli sehr gut. Durch die vielen Rückblenden bleibt er über weite Strecken präsent. Er spielt ihn als liebenswerten, etwas verschrobenen Idealisten, der mit seinen Vorstellungen seiner Frau durchaus auf die Nerven gehen kann. Dadurch wirkt ihre Beziehung nicht wie eine große Filmromanze, sondern wie eine echte Ehe, in der zwei Menschen sich lieben und trotzdem aneinandergeraten.

Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt. Der Film springt zwischen der Zeit vor und nach dem Unfall hin und her. Anfangs musste ich mich daran etwas gewöhnen, später fand ich diese Erzählweise sehr passend. Erinnerungen tauchen schließlich auch nicht ordentlich nach Datum sortiert auf. Die früheren Szenen sind meistens wärmer und farbiger, während die Gegenwart deutlich kühler aussieht.

Etwas schwächer fand ich das letzte Drittel. Da verliert der Film ein wenig von seiner Konzentration. Barbara versucht, neue Kontakte zu knüpfen und ihrem Leben eine Richtung zu geben. Dabei kommt auch der Schauspieler Friedrich ins Spiel, mit dem sich langsam eine Beziehung entwickelt. Anfangs konnte ich mit dieser Geschichte nicht allzu viel anfangen, später funktioniert die Figur besser. Trotzdem hätte der Film hier etwas kürzer sein dürfen.

Gut finde ich wiederum, dass es am Ende keinen großen Moment gibt, in dem Barbara ihre Trauer endgültig bewältigt hat und nun ihr neues Leben beginnt. Sie muss vielmehr akzeptieren, dass ihr bisheriges Leben nicht zurückkommen wird. Heli und die Kinder verschwinden deshalb aber nicht aus ihren Erinnerungen.

Bei dieser Geschichte könnte man erwarten, zwei Stunden lang regelrecht niedergeschlagen zu werden. So habe ich Vier minus drei überraschenderweise nicht empfunden. Einige Szenen gehen ziemlich an die Nieren, trotzdem bleibt der Film auch lebensbejahend. Das passt zu Barbara und zur Welt der Clowns, die hier erfreulich ernst genommen wird.

Für mich ist Vier minus drei vor allem deshalb gelungen, weil aus dieser unglaublichen Tragödie kein großes Rührstück wird. Der Film zeigt eine Frau, die nach einem kaum vorstellbaren Verlust weiterleben muss und dabei keineswegs immer nachvollziehbar handelt. Valerie Pachner ist großartig. Ein trauriger, manchmal unangenehmer, am Ende aber erstaunlich warmer Film, der noch eine ganze Weile nachwirkt.
 
Das Drama – Noch einmal auf Anfang
Das Drama – Noch einmal auf Anfang beginnt fast wie eine romantische Komödie. Charlie und Emma lernen sich in einem Coffeeshop kennen, er etwas unbeholfen, sie selbstbewusst und schlagfertig. Zwei Jahre später steht die Hochzeit vor der Tür. In kurzen Rückblicken sieht man, wie aus dem ersten Kennenlernen eine Beziehung geworden ist, mit gemeinsamem Alltag, kleinen Macken und jener Vertrautheit, bei der man irgendwann glaubt, den anderen ziemlich gut zu kennen.

Dann kommt ein Abend mit den Trauzeugen, reichlich Alkohol und die ziemlich dumme Idee, dass jeder erzählen soll, was das Schlimmste war, das er jemals getan hat. Als Emma an der Reihe ist, kippt die Stimmung. Was sie erzählt, sollte man vorher tatsächlich nicht wissen. Es handelt sich auch weniger um einen großen Twist als um den eigentlichen Ausgangspunkt der Geschichte.

Von da an geht es vor allem darum, was diese neue Information mit Charlie macht. Sein bisheriges Bild von Emma bekommt einen gewaltigen Riss und plötzlich betrachtet er vieles anders. Das fand ich ziemlich interessant, weil dahinter eine einfache, aber unangenehme Frage steckt: Wie gut kennt man den Menschen eigentlich, mit dem man sein Leben verbringen möchte? Schließlich kennt man immer nur bestimmte Seiten und macht sich aus ihnen ein Gesamtbild. Was passiert, wenn etwas auftaucht, das überhaupt nicht hineinpassen will?

Robert Pattinson spielt Charlie dabei richtig gut. Anfangs hat seine unbeholfene Art noch etwas Sympathisches, später wird er immer fahriger und nervöser. Man kann ihm regelrecht dabei zusehen, wie ihm die Situation entgleitet.

Zendaya gefällt mir ebenfalls sehr gut, hat aber die schwierigere Rolle. Emma soll offenbar bis zum Schluss nicht vollständig zu durchschauen sein. Das funktioniert, führt aber gleichzeitig zu einem meiner Probleme mit dem Film. Während man Charlies Reaktion ausführlich miterlebt, bleibt Emma vergleichsweise blass. Gerade ihre Sicht auf die eigene Vergangenheit und darauf, was inzwischen aus ihr geworden ist, hätte mich interessiert. Hier hätte der Film ruhig tiefer gehen können.

Sehr gelungen ist dagegen, wie sich das Zusammenspiel zwischen Pattinson und Zendaya verändert. Die anfängliche Lockerheit verschwindet und selbst ganz normale Gespräche bekommen zunehmend etwas Verkrampftes.

Der Film wirft dabei einige spannende moralische Fragen auf. Wie stark darf die Vergangenheit eines Menschen die Gegenwart bestimmen? Wie bewertet man etwas, das vielleicht nie tatsächlich passiert ist? Und gibt es Dinge, nach denen man einen Menschen zwangsläufig anders sieht? Borgli liefert darauf keine fertigen Antworten. Das ist grundsätzlich völlig in Ordnung und macht einen guten Teil des Reizes aus. Trotzdem bleibt die Auseinandersetzung für meinen Geschmack stellenweise etwas oberflächlich, weil sich der Film so sehr auf Charlies Krise konzentriert.

Auch beim schwarzen Humor hätte Borgli ruhig noch eine Schippe drauflegen können. Die Ausgangslage bietet genug Stoff für eine richtig böse Komödie oder sogar einen psychologischen Thriller. Einige Szenen gehen bereits deutlich in diese Richtung und gerade dann macht der Film besonders viel Spaß. Insgesamt bleibt er aber erstaunlich kontrolliert. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn das Ganze noch unangenehmer und konsequenter eskaliert wäre.
 
Ich habe mir The End of Oak Street heute Abend ein zweites Mal angeschaut. Für eine grundsätzlich andere Lesart fehlen mir allerdings weiterhin die Anhaltspunkte. Die Geschichte scheint tatsächlich so gemeint zu sein, wie sie uns gezeigt wird. Umso markanter bleibt für mich das Ende.

Jeannette schafft es, ihre Familie und damit auch ihr jüngeres Ich zu warnen. Denise hingegen rettet aus ihrer eigenen Familie anscheinend nur den jüngeren Greg durch ihren Telefonanruf. Gleichzeitig warnt sie zahlreiche Menschen aus dem Viertel, wie der Fernsehbericht ausdrücklich deutlich macht. Es handelt sich also keineswegs nur um diejenigen, die dort stellvertretend zu Wort kommen und sich für ihre Rettung bedanken.

Ausgerechnet ihr jüngeres Ich und die jüngeren Ausgaben ihrer Kinder scheint Denise dagegen nicht gewarnt zu haben. Sie werden folglich erneut mit Oak Street in die Kreidezeit versetzt, diesmal allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen, da etliche Menschen, die beim ersten Mal dabei waren, nun fehlen.

Für mich passt deshalb die Harmonie am Ende des Films nicht recht zu den Konsequenzen von Denises Entscheidung. Eigentlich müssten ihre Kinder und auch der gerettete jüngere Greg sie fragen, warum sie zwar zahlreiche Menschen aus der Nachbarschaft gewarnt, ihre eigene Familie aber sehenden Auges in die Kreidezeit geschickt hat. Jeannette zeigt schließlich, dass es auch anders geht: Sie warnt ihre Familie und rettet damit zugleich ihr jüngeres Ich.
 
Zurück
Oben