Zygerria

Kila Scythe

Sklavenhändlerin der Black Sun
Zygerria
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[ Infos zum Planeten: Zygerria (engl.) | Zygerria (dt.) ]

[ Zugehörigkeit: Neutral ]​

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Namhafte Lokalitäten

Kantolia – Die planetare Hauptstadt ist die Heimat all der Reichen und Schönen, die mit Sklaverei ihren Lebensunterhalt bestreiten. Unzählige Parks und eine weitläufige Vergnügungsmeile machen das Leben hier lebenswert. Ebenfalls steht hier der ausschweifende Königspalast, in dem Verenta Tesusa, genannt ‚Die Gerechte‘ oder ‚Die Gutmütige‘ mit samtenen Pfoten lenkt, die jederzeit ihre scharfen Klauen entblößen könnten.

Volleron-Bar
Tief in der Vergnügungsmeile gelegen, ist das kleine Lokal ein Geheimtipp. Normale Gäste können die exquisiten Getränke und die geschmackvolle Livemusik unter der verspiegelten Decke im Erdgeschoss genießen, während VIPs im ersten Stock weit mehr geboten bekommen. Hier ist der Boden aus Einwegglas, das einen exzellenten Blick auf die Normalsterblichen zu ihren Füßen ermöglicht. Teure, schalldichte Wandverkleidungen hindern selbst geschriene Geschäftsgeheimnisse daran an falsche Ohren zu gelangen.​

Stand: Beitrag #3, 28.02.2018
Arlen
 
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[ Zygerria - Kantolia (Hauptstadt) - Vergnügungsmeile - Volleron-Bar ]

Sie saß auf einem Barhocker und musterte ihren Drink. Ein ungesunder Mischmasch aus verschiedenen Alkoholsorten. Es war ein Drink der von Menschen entwickelt worden war, "Kamikaze" wurde er genannt. Sie mochte ihn sehr. So sehr das sie nun schon den dritten innerhalb von 45 Minuten trank. Der Alkohol war aber nicht herauszuschmecken und bewegt hatte sie sich bis jetzt noch nicht, aber ein gewisses Gefühl sagte ihr, dass sie wenn sie denn Aufstand, wohl die volle Wucht des Alkohols zu spüren bekommen würde. Kein Spaß ohne Gefahr. Sie hickste einmal auf und kippte den Rest des Drinks hinunter.

Sie saß jetzt schon den halben Tag mit ihren Leuten in dieser Bar. Es war ein gutes Lokal, sehr gepflegt und für manche eine wahre Vergnügungsoase. Natürlich hatten sie die VIP Lounge bekommen. Der Besitzer kannte sie und als sie ihm zwei ausgezeichnete Sklaven geschenkt hatte, bot er ihr an sie immer in der Lounge unterzubringen, wenn sie zu Besuch war. Ihr war es ganz recht. Nur das beste für mich. Die Lounge lag über dem eigentlichen Barbereich und man konnte durch den Boden der Lounge nach unten auf die Gäste sehen, die sich angeregt unterhielten, während in einer Ecke der Bar eine kleine Musikgruppe ein paar jazzlastige Lieder zum besten gaben. Sie mochte es hier, sehr sogar. Ihre Leute wussten nur das sie hier für wenig Geld viel trinken konnten, aber da war noch mehr, zumindest für sie. Ihre Anführerin und Meisterin, in gewisser weise. Ein leises Lachen überlief sie. Dann sah sie zu einer Couch die verweist da stand und sie sah etwas vor ihrem inneren Auge.

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Der Sommerabend vor sechs Jahren. Es war eine große Sache für sie gewesen das erste mal in der VIP Lounge zu sein. Die Leute sahen so schick aus und sie in ihrem neuen Abendkleid fühlte sich so fehl am Platz, als würde sie herausstechen wie eine Gans unter Pfauen. Sie ließ sich auf einer Couch nieder und zog einen kleinen Handspiegel hervor, um ihr Make-up zu untersuchen. Alles noch da wo es sein sollte. Sie seufzte erleichtert auf und sah sich wieder um. Die Leute standen in Gruppen beisammen und redeten entweder miteinander, oder tanzten auf der kleinen Tanzfläche im sanften Rhythmus der Lieder. Sie wünschte sich auch tanzen zu können, aber mit wem bloß. Niemand besah sie sich wirklich, nur ein streifender Blick hier und da.
Viele der Frauen sahen zudem mit ihren perfekt proportionieren Körpern besser aus als sie. Dann trat ein junger Mann an sie heran. Er hielt die Hände auf dem Rücken verschenkt und sah sie mit entschlossener, aber auch angespannter Miene an.


"Guten Abend." Guten Abend," sagte sie. "Ich äh wollte sie fragen, nun sie sitzen hier so alleine und ich bin auch alleine." Er stockte und schluckte. Seine elegante Kleidung und das schöne Braun seines Fells, in Kombination mit seinem freundlich wirkendem Gesicht und dem etwas plumpen, aber süßen Gebaren, fesselte sie. "Wollen sie mit mir tanzen?" "Ja sehr gerne." Sie bot ihm ihre Hand an und gemeinsam schritten sie zur Tanzfläche. "Mein Name ist Kal. Kal Harf." "Ich bin Kila Scythe, für Freunde einfach Kila." "Ein schöner Name." Sie wiegten sich auf der Tanzfläche hin und her und nach einiger Zeit senkte er den Kopf und ihre Lippen....

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Nein. Sie warf das leere Glas auf die Couch, zog ihre Laserpeitsche und drosch auf das Möbelstück ein. Als sie fertig war rauchte dieses leicht und wies viele Striemen und Risse auf. Ihre Leute waren still geworden und sahen sie aus alkoholgeschwängerten Augen an. Bodham sah sie an und bemerkte wohl das es an der Zeit war zu gehen. Leise sagte er allen bescheid und diese standen auf und begaben sich zum Ausgang. Sie ging zum Barmann, der vor Schreck nichts sagen konnte. 1000 Credits klirrten auf die Theke und er nahm sie ohne ein Wort zu sagen an sich. Sie zwinkerte ihm zu und ging die Treppe nach unten.

Dort hatte man nichts von ihrem Wutanfall mitbekommen. Die Wände und der Boden waren vollkommen schalldicht und der Boden aus einem Einwegglas gemacht. So hatte sie niemand sehen können. Der Besitzer der Bar grüßte sie freudig und sie winkte ihm zu und lächelte kokett. Nun bemerkten sie auch die anderen Gäste und sahen sie an. Ja so war es gut, seht mich nur an. Nun bin ich das was eure Männer begehren und für diese so unerreichbar das es beiden schmerzt. Ihr langes grün goldenes Abendkleid, mit der kurzen Schleppe lies sie zudem wie der Adel erscheinen, die sie war. Unter den Blicken der vielen Leute durchschritt sie den Ausgang der Bar und wollte sich auf die Straße der Vergnügungsmeile begeben, doch da packte sie jemand am Arm. Sie sah sich um. Ein junger Zygerrianer stand vor ihr. Seine Kleidung war sauber und strahlend weiß, was sein dunkles Fell betonte. Er grinste breit und fragte:

"Hallo meine hübsche, wohin denn des Weges. Die Nacht ist doch noch so jung." Sie zog die Brauen nach oben. "Und wenn man mich so fragte würde ich glatt mit ja antworten, aber wer ist denn der der mich anspricht." Sie sandte ihre Leute und den Besitzer der Bar mit einer Geste beiseite und warf Bodham einen Blick zu. Dieser ging an ihnen vorbei und gab dem Besitzer einen kleinen Beutel mit Creditchips. Als er wiederkam sagte er so leise das ihr Gegenüber, der begonnen hatte sich vorzustellen es nicht mitbekam: "Bitte die Sauerei nach draußen gehen lassen." Unterdessen war der Mann mit seiner Vorstellung beinahe fertig. "...Und trotz all dieser Ehrentitel, darfst du meine Liebe mich Avalon nennen, oder auch Herzensbrecher." "Avalon. Schöner Name sehr melodisch, soll ich dir meinen Verraten", fragte sie Honigsüß.

Sie beugte sich vor und ging mit ihm so drei Schritte rückwärts. Sie stand nun auf der Schwelle der Bar. Hier war es richtig. "Gerne doch." Avalon lächelte siegessicher. Sie beugte sich vor und hauchte ihm ihren Namen entgegen. "Kila." Dann presste sie die Lippen auf die seinen und er erwiderte die Zärtlichkeit. Ihre Vibrokrallen wanderten seine Kleidung hinauf, bis zu seiner Brust. Sein Herz klopfte so schnell. Dann stach sie zu. Genau in die Lunge. Avalon verkrampfte sich, während sich sein Mund mit Blut füllte. Sie aber führte den Kuss weiter fort und sammelte mit der Zunge kleine Blutstropfen auf, die ihren Geschmacksnerven Freude bereitete. Sie zog eine schmale Phiole aus ihrem Kleid und hielt es an die Wunde. Damit wird sich ein gutes Bild malen lassen. Das Blut floss hinein und als sie voll war lies sie den Kuss enden.

"Ich stehe nur leider nicht auf solche wie dich." Avalon röchelte. Es war still geworden. Alle sahen sie an. Ja so ist es gut. Sie ließ Avalon los, der augenblicklich zusammenbrach und über die Schwelle fiel. Sie nickte dem Besitzer zu leckte sich das Blut von Lippen und ging auf die Vergnügungsmeile hinaus.

Draußen warteten ihre Leute auf sie. Alle schwiegen, dann.

"Ha! Das war mal eine Vorstellung. So etwas ist wahr Kunst meine Freunde und jeder der etwas anderes behauptet ist ein Idiot." Lad hatte gesprochen und er schien zwar wie immer sturz betrunken, aber ehrlich. "Och Dankeschön. Lad du alter Schmeichler hör besser auf, sonst werde ich noch ganz rot." "Sind sie doch schon." Sie sah an sich hinab. Mist. Ihr Kleid war besudelt. Sie seufzte. "Der Punkt geht an dich, aber nächstes mal werde ich darauf achten deinen Komplimenten was entgegenzusetzen, du scharfzüngiger Trunkenbold du." Sie lachte herzhaft. Sie begannen die Meile entlang zu gehen.

Sie sah Zabukta an. "Hast du noch etwas Spice da? Mir ist gerade danach." Der Dug grinste und zog einen kleinen Beutel aus einer seiner Jackentaschen. "Wer wäre ich, wenn ich das nicht hätte." "Ein Niemand", scherzte sie und rempelte ihn scherzhaft an. Der Alkohol zeigt Wirkung. Normalerweise war sie sehr viel strenger in Ton und Umgang, aber wenn sie die Moral aufrecht erhalten wollte, dann war es wichtig das sie auch ein gutes Verhältnis mit ihrer Crew hatte. Sie zog ein bisschen des Pulvers durch die Nase. "So nun. Wo feiern wir als nächstes."

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Kal nahm sie an der Hand und lief mit ihr über die belebte Vergnügungsmeile und zog sie in Richtung eines kleinen Parks. Durch den leichten Alkoholnebel fühlte sie sich beschwingt und hatte Vorfreude auf das was sie als nächstes tun würde. Aber der Park. Er war dafür berüchtigt das Männer Frauen mit hinein nahmen, um mit ihnen ein paar ungestörte Stunden zu verbringen. Sie und Kal hatten sich von beginn sehr gut verstanden und viel geredet. Und sie wollte mehr von ihm wissen. Er hielt mit ihr an einem kleinen Teich an, ließ sich fallen und zog sie mit. Sie landete neben ihm im weichen Graß, dessen Stängel sie leicht kitzelten. Kal lag neben ihr und sagte eine ganze Zeit lang nichts. Dann fragte er sie: "Glaubst du an Seelenverwandschaft?" "Bis heute nein, aber nun.....", sie sah ihn eindringlich an. Er lachte. "Dann frage ich dich was magst du am liebsten. Halt warte wir sagen es gleichzeitig und sehen ob es gleich ist." Sie lachte und er zählte bis drei: "Gunargaauflauf." Beide sahen sich an und sie spürte ein warmes Gefühl in sich aufsteigen...

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Sie erwachte in ihrem Bett und setzte sich ruckartig auf. Wie war sie hierher gekommen. Egal. Sie sprang auf und sah auf die Uhr. 11 Uhr. Sie würde es noch rechtzeitig schaffen. Schnell zog sie sich an und ging leise durch ihr großes Haus, das einst ihren Eltern gehört hatte auf die Straße. Es war belebt und die Leute feilschten mit fliegenden Händlern um Preise für Essen, Kosmetik und Sklaven. Ein ganz normaler Tag. Sie beeilte sich und kam gegen 11:50 Uhr an ihrem Ziel an. Etwas außer Atem ging sie zu dem Blumenhändler auf der anderen Straßenseite und ließ sich einen schönen Strauß zusammenstellen, so wie sie es einmal in zwei Wochen tat. Sie wäre gerne öfter da, aber die Arbeit hinderte sie leider daran.

Sie trat durch das große Tor und suchte die Reihen ab, bis sie die richtige gefunden hatte. Sie ging weiter und suchte. Da war es. Sie stellte sich auf und betrachtete das kleine Grab, das zwischen den großen Gräbern beinahe vollkommen unterging. Sie legte die Blumen ab.

Hier liegt der Spross von Kal Noub und Kila Scythe. Möge seine Seele in Frieden ruhen.

Sie musste wie immer schluchzen und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Diesen einen Moment der Schwäche gestatte sie sich. Sie hatte ihrem Kind keinen Namen geben können, da es sofort nach der Geburt auf die Intensivstation gebracht worden war. Aber sie nannte es Hallraw. Das bedeutete Sonne in der Sprache ihres Volkes. Sie ließ den Blick sinken und eine Träne benetzte die Blumen. Dann wandte sie sich um und verließ die Stätte ihres unsäglichen Leids.

Als sie wieder in ihrem Haus ankam, saß Bodham am Küchentisch und rauchte eine Zigarre. Lad lag neben ihm am Tisch und schnarchte leise. Bodham stand auf und hielt ein Datapad nach oben. Auf diesem erhielten sie Aufträge. Sie nickte und ging mit ihm ins Wohnzimmer. Sie streckte die Hand aus. Er reichte es ihr und studierte das Datapad genau.

Nachdem sie zu ende gelesen hatte, sah sie auf. "Nun das ist ja mal eine freudige Nachricht. Wir haben uns wirklich an die Spitze gearbeitet. Weck die Männer auf. Wir werden uns unverzüglich auf den Weg zu Palast der erlauchten Majestät begeben. Immerhin soll man eine Monarchin ja nicht warten lassen habe ich gehört. Der Adel kann bisweilen ein leicht reizbares Temperament besitzen. Akror muss sie wohl kontaktiert und von meiner Arbeit geschwärmt haben, der alte Tunichtgut." Sie stand auf. "Also los worauf warten wir?!"

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[ Zygerria - Kantolia (Hauptstadt) - Köngspalast - Eingangshalle ] Kila Scythe

Sie musste warten, sie hasste es zu warten. Mit verschränkten Armen stand sie vor dem hohen Portal, dass in den Thronraum führte. Sie selbst war eine Frau, die nichts mit der Monarchie anzufangen wusste und viel mehr der Anarchie zugetan. Aber sie hatte ja nicht das Kommando, zumindest nicht hier. Vielleicht eines Tages, aber bis dahin musste sie der Königin gehorchen und halt warten. Sie tippte ungeduldig mit dem Fuß auf und warf dem Gardisten der ihr gegenüberstand, einen finsteren Blick zu. Diesem war ihr Ruf wohl gewahr und er versteifte sich leicht. So war es gut, sollten sie sie alle fürchten und sich vor ihr winden wollen. Sie verstärkte ihr starren und der Gardist wurde noch angespannter. Das Unbehagen war unter seinem Helm deutlich zu sehen. Endlich nach einer schieren Ewigkeit wurde sie hereingebeten. Sie ging an den Gardisten vorbei und betrat den Thronraum.

Dieser war äußerst pompös gestaltet. Mit viel Gold und Edelsteinen. Der Prunk stach ihr beinahe schmerzhaft in die Augen. Auf einem hohen und natürlich auch vergoldetem Thron saß die Anführerin ihre Volkes: Verenta Tesusa. Die Gutmütige, die Gerechte und wie sie denn alle nannten. Sie beschrieb sie lieber als Miststück. Ihr hohes und aristokratisches Gesicht zeigte zwar ein äußerliches Lächeln, aber ihre Augen erreichte es nie. Sie war für sie nur eine weitere Person, die ihr auf dem Weg zur Macht im Weg stand. Sie war zwar die Figur, die ihre Pläne zum wanken bringen konnte, aber sie war immerhin so dumm, dass sie Gefahr nur weit weg sah, doch vor ihrer Nase witterte sie ihn nicht. Dumm und Naiv. Die Königin lies sich heute sogar dazu herab sie mit einem Kopfnicken zu begrüßen.


"Guten Tag liebe Kila." Sie senkte den Kopf und küsste die beringten Finger der Königin. Dann sah sie auf. "Wie geht es der besten Sklavenhändlerin von Zygerria? Bist du bereit einen Auftrag für deine Königin zu übernehmen?" Sie nickte. Natürlich war sie das. Was meinte sie denn wer sie war. "Ja meine Königin." Sie musste sich zusammennehmen um nicht ein, sehe ich etwa nicht so aus hinzuzufügen. "Dann geh und führe meinen Befehl aus, die Details werden dir zugesandt." Wie jedes mal.

Sie war so wütend. Diese Fotze behandelte sie wie eine niedere Dienerin, die es nicht wert war die Anweisungen sofort zu bekommen. Sie biss sich auf die Lippen, damit ihr keine Antwort über selbige kam und sie schmeckte Blut. Dann erhob sie sich und ging gebeugt rückwärts aus den Thronsaal. Als sie wieder vor dem Palast stand sah sie auf ihr Datapad. Die Informationen waren angekommen. Kila seufzte. Das war kein Auftrag, das war ein Test.

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Kommend von Weltraum (Neutral)

Outer Rim | Chorlian Sektor | Anflug auf Zygerria | Svelte-Class "Velvet Talon" | Teneb Dask und Pilot
Als die Velvet Talon den Hyperraum verließ und die Sterne sich jäh aus ihren silbrigen Linien zurück in feste Punkte ordneten, öffnete sich vor dem Cockpitfenster eine Welt, deren Ruf selbst in den entlegensten Randgebieten der Galaxis bekannt war: Zygerria, der Planet der Ketten und gebrochenen Träumen. Die Navigationsanzeigen bestätigten den Eintritt in das System, während sich unter ihnen eine warme, bernsteinfarbene Atmosphäre ausbreitete, durchzogen von gelblichen Wolkenschleiern und Staubströmen, die von den Kontinenten des Planeten aufstiegen. Der Pilot führte nach der bereits im Orbit erfolgten Identifikation und Landeerlaubnis das Schiff in eine sanfte Kurve, und bald darauf erschien unter ihnen die weitläufige Metropole Kantolia, die Hauptstadt der Welt. Kantolia war ein gigantisches Geflecht aus Türmen, Plattformen, Landefeldern und offenen Marktplätzen, deren Architektur so sehr auf den Handel mit erzwungener Arbeitsleistung ausgelegt war, dass selbst aus der Höhe der Eindruck entstand, die Stadt selbst sei nichts anderes als eine einzige, unaufhörliche Auktion.
Kantolia war keine Stadt im klassischen Sinn, sondern ein an den Mesa der Oberfläche vertikal gewachsenes Konglomerat aus Distrikten, die sich um die ökonomische Achse der Sklavenmärkte herum gebildet hatten. Gewaltige Arenen ragten aus dem Gewirr der Gebäude hervor, deren offenen Dächer den Blick auf kreisförmige Kampfflächen freigaben, während dazwischen breite Verkehrsadern verliefen, über die Transportgleiter, Lastspeeder und Karawanen aus repulsorgetriebenen Frachtschlitten unaufhörlich Waren, Käfige und lebende Fracht in alle Richtungen bewegten. Bereits aus der Luft konnte der Bleiche erkennen, dass ein Großteil dieser Stadt nicht aus Wohnquartieren oder kulturellen Zentren bestand, sondern aus Marktplätzen, Lagerhallen, Auktionshäusern und Unterkünften für Händler, Aufseher und Käufer. Bereits hier oben wurde deutlich, dass diese Stadt und ihre ganze Kultur nicht existierten, um zu leben, sondern um Leben zu besitzen.

Als die Velvet Talon schließlich auf einem der zahlreichen Landefelder niederging, schlug
Teneb Dask beim Verlassen des Schiffes sofort die Hitze des Planeten entgegen, begleitet von einem Geruchsgemisch, das sich nur schwer in einzelne Bestandteile zerlegen ließ. Staub lag in der Luft, vermischt mit dem beißenden Aroma von Maschinenöl, Gewürzen aus entfernten Systemen, Schweiß, Blut und dem süßlichen Geruch von Tierfutter, das in großen Mengen für die Kreaturen der Arenen gelagert wurde. Hinzu kam ein metallischer Unterton, der von den zahllosen Energiewaffen, Elektropeitschen und Schockstäben herrührte, die von den Aufsehern getragen wurden. Es war ein krasser Gegensatz zu Artek III und Nkllon, ein Angriff auf alle Sinne, der sich wie eine Kaskade über ihn ergoß. Mit dem Piloten vereinbarte er noch kurz Organisatorisches, wohlwissend, dass er seine Visage nie wieder sehen würde, wenn er sich von diesem dampfenden Rontohaufen eines Planeten abgesetzt hatte.

Der erste Schritt in diese Gluthölle war gleichzeitig auch sein erster Schritt in Richtung Freiheit. Bevor dem Piloten noch etwas einfallen konnte, hatte er sich abgesetzt. Ein dunkelgrauer, funktionaler Poncho aus der Überlebenskiste des Shuttles diente ihm als Tarnung, sowohl seiner Robe als auch des zylindrischen Gegenstands an seinem Gürtel, der hier, neben einem einem EC-17 Durchhalteblasters sein einziger Meinungsverstärker war. Das wie ein schwarzes Raubtier aussehende Shuttle geriet immer mehr zu einem Punkt der Vergangenheit, während er auf seine neue Zukunft hinsteuerte. „Durch die Macht erlange ich den Sieg. Durch den Sieg zerbersten meine Ketten. ICH werde mich befreien“ wiederholte Teneb immer wieder in Gedanken. Vom Wollen ins Tun zu kommen war, wenn der Moment der Aktion gekommen war, doch angsteinflößender, als er sich eingestehen wollte. Doch Angst hatte auch etwas belebendes, etwas das in ihm zu einem Erwachen heranwuchs. Der Bleiche spürte die Macht in ihm wie ein Unwohlsein rumoren, spürte diesen Aspekt seines Seins in Aufruhr. Angst war, so erinnerte er sich, ein Bestandteil jenes Aspektes der Macht, den er benutzte. Sie war ein weiteres Werkzeug in seinem Arsenal, das ihm helfen würde, er musste sie gefügig machen, statt sie zu überwinden.


Unweit der Plattform auf der das Shuttle gelandet waren, war bereits ein eigener kleiner Kosmos aus Bewegung. Dieser ganze Ort war ein fortwährender Angriff auf seine Machtsinne, die er noch nicht gelernt hatte abzuschirmen oder zu schützen. Die schiere Menge an Leben gebeutelter und gieriger Natur prasselte wie der Regen des soeben erst verlassenen Artek III auf ihn ein. Händler, Sklaventreiber und Käufer. Sie strömten in alle Richtungen, während Zygerrianer, Kreaturen mit katzenhaften Gesichtszügen, spitzen Ohren und Raubtieraugen allerlei Wuchses mit einer selbstverständlichen Arroganz durch die Menge schritten, die keinen Zweifel daran ließ, wer hier die Rolle des Herrn innehatte. Ihre Kleidung war unterschiedlich. Die einen katzenhaften Wesen trugen reich verziertes Gewebe, oft mit metallischen Ornamenten oder pelzbesetzten Mänteln, und viele von ihnen trugen lange Stäbe oder Elektropeitschen, deren bloße Präsenz als Zeichen ihrer Stellung genügte. Andere wiederum schienen einer unteren sozialen Schicht anzugehören, die sich dennoch über andere Nichtzyggerianer erhob und in gedeckteren Farben und einfacherem Stoff gekleidet waren.
Zwischen ihnen bewegten sich Wesen aus nahezu jeder Ecke der bekannten Galaxis. Twi’lek mit gesenkten Blicken und gefesselten Händen wurden in Gruppen durch die Straßen geführt, während Rodianer in engen Käfigen saßen, deren Gitter mit elektronischen Schlössern versehen waren. Wookiees, deren gewaltige Körper trotz Ketten noch immer Respekt einflößten, wurden von mehreren Aufsehern gleichzeitig bewacht. Ein paar Dug waren mit Halsringen versehen und aneinandergekettet, während ein Ithorianer mit gesenktem Kopf an einer Leine geführt wurde, die von einem gelangweilt wirkenden trandoshanischem Händler gehalten wurde, als handele es sich um ein besonders großes Haustier. Auch Menschen waren hier zahlreich vertreten, ebenso wie Mirialaner, Zabrak und gelegentlich sogar ein Neimoidianer oder Nautolaner, die andere Wesen mit für sie fremdartigen Physiognomien betrachtenen und ihr Interesse als wohlhabender Käufer zu wecken schienen, die exotische Bedienstete suchten.
Während der Bleiche sich durch die unterschiedlichen olfaktorischen und haptischen Angriffe dieses Ortes kämpfte, erkannte er zunehmend die Unterschiede. Diejenigen, die kamen, um zu kaufen, unterschieden sich deutlich von denen, die verkauft wurden. Viele trugen Kleidung, die ihren Reichtum offen zur Schau stellte. Lange Mäntel aus seltenen Stoffen, goldene Ringe, implantierte Datenpads oder persönliche Leibwächter. Unter ihnen befanden sich Vertreter krimineller Syndikate, Händler aus dem Outer Rim, Angehörige lokaler Adelshäuser und gelegentlich auch wohlhabende Privatleute, deren Blick durch die Käfige wanderte wie der eines Sammlers, der die Qualität einer neuen Erwerbung prüfte.


Teneb bewegte sich durch diese Welt mit der gleichen ruhigen Aufmerksamkeit, die ihm einst geholfen hatte, die labyrinthartigen Industriekorridore von Nkllon zu überleben. Sein Blick glitt über die Händlerstände, über die Käfige, über die Gesichter der Käufer und Verkäufer, während er versuchte, ein Gefühl für die Strukturen dieses Ortes zu entwickeln. Er musste Kontakte finden. Transportmöglichkeiten. Händler, die bereit waren, Fragen nicht zu stellen, solange Credits den Besitzer wechselten. Doch während er tiefer in die Märkte vordrang, wurde ihm rasch klar, dass Zygerria nicht nur ein Ort des Handels war, sondern auch eine Bühne, auf der sich das Elend in all seinen Facetten präsentierte.
An einem der offenen Auktionsstände blieb er schließlich stehen, als er bemerkte, dass der Händler eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen schien. In einem Käfig aus transparenter Legierung saß ein Mensch mittleren Alters, dessen Kleidung zwar einfach war, jedoch nicht die abgetragenen Lumpen trug, die bei vielen anderen Sklaven üblich waren. Seine Haltung war aufrecht, seine Augen wachsam, doch in ihnen lag ein Ausdruck tiefer Müdigkeit.


„Freiwillige Vertragsversklavung“, erklärte der zygerrianische Händler laut genug, dass mehrere Käufer stehen blieben. „Schulden. Familienangelegenheit. Gesundheitlich daher in einem guten Zustand, wenig Verschleiß! Greifen sie jetzt zu!“

Einer der potenziellen Käufer, ein breit gebauter Crolute mit einem pelzbesetzten Mantel, beugte sich leicht vor.

„Freiwillig?“

Der Händler zuckte mit den Schultern. „Der Mann hat unterschrieben.“

Der Blick des Gefangenen wanderte kurz zu Teneb, als hätte er gespürt, dass dieser ihn genauer betrachtete als die anderen.

„Meine Familie hatte Schulden“, sagte er leise, ohne dass jemand ihn dazu aufgefordert hätte. „Ich dachte… es wäre nur für ein paar Jahre.“

Ein Elektroschock durchfuhr den Sklaven und ließ ihn erzittern, während der Zygerrianer ihn anfauchte. Der Crolute Käufer musterte den Mann noch einmal, bevor er schließlich weiterging, offenbar nicht interessiert genug, um ein Gebot abzugeben.

Teneb blieb noch einen Moment stehen, während der Gedanke langsam in ihm nachhallte. Dieser Mann hatte sich selbst verkauft, um andere zu retten und war nun trotzdem hier gelandet. Selbstaufopferung für andere war ein Verlustgeschäft, wenn man so mochte. Gleichzeitig erinnerte ihn der Mann an das Versprechen der Sith: Halte durch, halte den Kopf für eine kurze Zeit gesenkt und tritt als befreites Wesen heraus, dass seine eigenen Ketten gesprengt hatte. Ein Handel, der auf dem Papier freiwillig gewesen war, doch in der Realität kaum anders endete als jede andere Form von Versklavung.
Er wandte sich schließlich ab und setzte seinen Weg fort, doch kam der Umbaraner in diesem engen Gewirr nur einen Straßenzug weiter, so zäh wand sich der Lindwurm aus Händlern, Käufern und Käfigen durch die Gassen Kantolias.
Ein weiterer Händler, diesmal ein Toydarianer mit einer kowakianischen Affeneidechse auf dem Rücken hatte mehrere Käfige aufgestellt, in denen sich eine kleine Gruppe Twi’lek befand. Unter ihnen war eine Frau mit zwei Kindern, deren Lekku sich nervös bewegten, während sie ihre Arme um die beiden kleinen Körper gelegt hielt. Der Händler erklärte mit professioneller Gleichgültigkeit die Vorzüge seiner Ware, während mehrere Käufer die Käfige umrundeten.


„Die Jungen werden getrennt verkauft“, sagte er beiläufig zu einer zygerrianischen Kundin die Schminke stärker verwendete, als es nötig gewesen wäre. „Die Frau arbeitet effizienter ohne Ablenkung.“

Eines der Kinder begann zu weinen und klammerte sich an die Mutter, doch ein Aufseher öffnete bereits den Käfig und zog das Kind grob von ihr fort. Die Frau schrie auf, ein Laut, der mehr nach Verzweiflung als nach Schmerz klang, während das andere Kind sich an ihren Körper klammerte.
Die Käufer reagierten, so fiel es dem in der Macht Erwachten auf, unterschiedlich. Einige wandten sich gelangweilt ab, andere lachten, beispielsweise die kowakianische Affeneidechse auf dem Rücken des Toydarianers. Die stark geschminkte Zygerrianerin hingegen nickte nur, als sei es eine Selbstverständlichkeit und zeuge nur vom fachmännischen Können des Händlers. Für sie war es lediglich ein Teil der Vorführung.
Teneb blieb nicht lange genug stehen, um den Ausgang der Auktion zu sehen. Doch das Bild blieb in seinem Kopf, während er schließlich in eine der zahlreichen Cantinas der Stadt eintrat, deren gedämpftes Licht und schattige Ecken einen willkommenen Kontrast zur grellen Brutalität der Märkte boten und seine übermüdeten Sinne überreizten. Er brauchte etwas, dass die Scharfkantigkeit dieser Erfahrungen abstumpfte und seine Müdigkeit in den Griff bekam. Sein Körper musste gehorchen und sich seinem Willen unterordnen.

Der Geruch von Alkohol, Gewürzen und Rauch hing schwer in der Luft. Händler, Söldner und Reisende saßen an niedrigen Tischen, während ein Droide mit nach Facettenaugen aussehdnen Photorezeptoren hinter der Bar Getränke ausschenkte, deren Wirkung weniger auf Geschmack als auf chemischer Effizienz beruhte. Der Bleiche setzte sich an einen freien Tisch und bestellte ein starkes Getränk namens "Hyperraumantrieb", das in den Randgebieten der Galaxis dafür bekannt war, den Geist zu schärfen und den Körper zu stimulieren. Als das Glas mit der schweren, zischenden blaurötlichen Flüssigkeit schließlich vor ihm stand, ließ er den Blick kurz über das Gemisch wandern, bevor er einen langen Schluck nahm. Die Substanz brannte angenehm in seiner Kehle, während die Eindrücke des Marktes langsam in seinem Bewusstsein nachklangen.

Zygerria war kein Ort für Illusionen. Diese Erkenntnis stellte sich nicht schlagartig ein, sondern sickerten in
Tenebs Bewusstsein wie ein langsam wirkendes Gift, das sich mit jeder Szene, die er auf den Straßen Kantolias gesehen hatte, tiefer in seine Gedanken grub. Hier existierten keine höflichen Fassaden, hinter denen Macht sich versteckte, keine politischen Rituale, die Herrschaft in Worte kleideten, und keine moralischen Rechtfertigungen, die Gewalt in akzeptable Formen pressten. Auf Zygerria lag das Gefüge der Galaxis offen vor jedem, der bereit war hinzusehen: Ein Geflecht aus Besitz und Unterwerfung, aus Einfluss und nackter Gewalt, in dem sich das Verhältnis zwischen Herr und Sklave nicht aus Recht oder Moral ableitete, sondern allein aus der Fähigkeit, den eigenen Willen durchzusetzen.
Während der Umbaraner in der schummrigen Cantina saß, das Glas in seiner Hand und den bitteren, aufputschenden Substanzen in seiner Kehle brennend, begann er zu begreifen, dass diese Welt nicht etwa eine Abweichung von der Ordnung der Galaxis darstellte, sondern vielmehr deren unverstelltes Abbild war. Auf anderen Welten wurde diese Realität von Gesetzen verschleiert, von Ideologien bemäntelt oder von politischen Institutionen abgefedert, doch im Kern blieb sie dieselbe: Die einen besaßen Macht, die anderen wurden von ihr geformt. Die einen handelten, die anderen wurden gehandelt. Sein Blick glitt über die Gäste der Cantina. Dieses ganze Pack von Individuen mit ihren arroganten, raubtierhaften Blicken und für einen Moment erschien ihm das Ganze wie ein lebendiges Schattenspiel, in dem sich ständig die Rollen verschoben. Heute war jemand Käufer, morgen vielleicht Ware. Heute war jemand Herr, morgen vielleicht Eigentum. Nur eines schien dauerhaft: Wer nicht die Kraft besaß, sich selbst zu behaupten, wurde früher oder später zum Besitz eines anderen. Unwillkürlich kehrte in Tenebs Gedanken jenes Credo zurück, das sich erst vor wenigen Stunden in seinem Inneren geformt hatte, jene Worte, die sich wie ein stilles Mantra an den Rand seines Bewusstseins gesetzt hatten. Durch die Macht erlange ich den Sieg. Durch den Sieg zerbersten meine Ketten. Hier, zwischen den Geräuschen der Cantina und den Erinnerungen an die Märkte draußen, bekam dieser Gedanke eine neue Schärfe. Die Sith mochten brutal sein, ihre Methoden grausam und ihre Prüfungen unerbittlich, doch sie verkörperten zugleich die radikalste Konsequenz aus genau jener Ordnung, die auf Zygerria so offen sichtbar war. Sie waren keine Ketten. Sie waren der Versuch, sie zu sprengen.

Teneb nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas, während dieser Gedanke sich langsam in ihm festsetzte. Auf Zygerria wurde niemand aus Mitleid frei. Niemand wurde aus Gnade zum Herrn. Hier galt nur ein einziges Gesetz, ein Gesetz, das so alt war wie die Galaxis selbst: Wer nicht stark genug war, seinen Platz zu behaupten, verlor ihn.


Outer Rim | Chorlian Sektor | Zygerria | Kantolia | Cantina "Crimson Collar" | Teneb Dask und Gäste
 
Zuletzt bearbeitet:
// Nachricht an Sith-Schüler Teneb Dask \\
Absender:
UX-23
Verschlüsselte Übertragung, Textnachricht

Teneb Dask,

kehre umgehend nach Artek III zurück. Darth Sikarius war nicht dazu autorisiert dir einen Auftrag abseits des Mondes zu erteilen. Der Pilot ist informiert und wird dich auf direktem Wege zurückbringen. Kehre augenblicklich zum Schiff "Velvet Talon" zurück.

- gez. UX-23


\\ Ende der Nachricht //
 
Outer Rim | Chorlian Sektor | Zygerria | Kantolia | Straßen | Teneb Dask und Bevölkerung
Als Teneb Dask die Cantina wieder verließ, empfing ihn die Hitze Kantolias ein weiteres Mal wie eine schwere, drückende Hand, die sich über die ganze Stadt gelegt hatte und jeden Atemzug mit Staub, Maschinenöl und dem dumpfen Geruch zahlloser Lebewesen füllte, die hier nicht aus freiem Willen existierten, sondern als Ware, als Besitz oder als Käufer. Der Drink, den man ihm dort serviert hatte, arbeitete bereits in seinem Blut und ließ die Müdigkeit der letzten Tage ein wenig zurücktreten, doch statt sie einfach zu verdrängen, hatte die Mischung stimulierenden Zusätzen seine Wahrnehmung auf eine andere Weise geschärft, sodass die Bewegungen der Menschenmengen, das Kreisen der Händler und die harschen Rufe der Aufseher sich in seinem Bewusstsein zu einem klareren Bild zusammenfügten. Er wurde nicht wacher, sondern war weiterhin müde, nur schneller. Er bewegte sich nun mit jener vorsichtigen Aufmerksamkeit durch die Straßen, die ihm einst geholfen hatte, in den klaustrophobischen Existenz auf Umbara zu überleben, während seine Gedanken gleichzeitig versuchten, aus den chaotischen Eindrücken dieser Welt eine Struktur zu formen. Sein Ziel war simpel und doch bereits jetzt von Hindernissen gesäumt: Er musste Zygerria verlassen, bevor jemand bemerkte, dass er nicht die Absicht hatte, zu seinem Meister zurückzukehren.

Um dieses Ziel zu erreichen, suchte er nach einem der zahlreichen Informationsmakler, die sich auf Transit von Personen, Waren und Sonstigem spezialisiert hatten und auch Transporter und Unternehmen kannten, die nicht groß auf den Werbetafeln des Raumhafens warben, sondern von kleineren Landebuchten aus flogen. Dort würde er nicht auffallen, zumindest wäre es schwieriger seine Spur zu verfolgen. Der erste Händler, an den er sich wandte, war ein Quarren, dessen feuchte Haut selbst in der trockenen Hitze des Planeten unnatürlich glänzte, während mehrere seiner tentakelhaften Finger träge über ein abgenutztes Datapad glitten, das auf einem improvisierten Tisch aus verschweißten Metallplatten lag. Über dem Stand schwebten mehrere Hologramme mit Sternenkarten und Routen, die Verbindungen zwischen Systemen zeigten, deren Namen Teneb aus den Datenbanken der Galaxis kannte.


„Passage aus dem System“, sagte Teneb ruhigund gedämpft mit der Art und Weise, wie diese Art von Geschäften initiiert wurden.

Der Quarren hob den Blick, ließ seine schwarzen Augen kurz über den Umbaraner unter dem grauen Poncho gleiten und begann dann mit routinierter Gleichgültigkeit über das Pad zu wischen.


„Das brennende Schiff verlassen, solange es geht, huh?“ sagte der Quarren mit Blick auf seine als imperial erkannte Kleidung hin. „Wohin?“ ergänzte dieser beinahe beiläufig und nahm mit der Hand aus einer kleinen Tube eine eigenartige Gelmasse heraus und schmierte damit das Gesicht ein, was erklärte, wie er seine Haut in diesem Klima vor dem Austrocknen schützte.

„Corporate Sector.“

Die Tentakel des Händlers zuckten leicht und er machte mit seinen drei schnabelartigen Mandibeln ein schnalzendes Geräusch.

„Bonadan? Etti IV?“

Teneb zuckte unruhig mit den Schultern. „Irgendwohin, wo man nicht mehr nach Zygerria zurückschaut.“

Der Quarren drehte schließlich das Display in seine Richtung, und die Zahlen, die darauf erschienen, waren so hoch, dass Teneb sie einen Moment lang einfach betrachtete, als hätte er sich verlesen.

„Das ist der Preis für eine Kabine?“

Der Händler ließ ein kehliges Glucksen hören.

„Das ist der Preis für Diskretion. Wird bald ziemlich ungemütlich, wenn das Galaktische Imperium und die Neue Republik loslegen. Diskretion ist da kaum in Credits aufzuwiegen.“

„Das ist Erpressung.“ entfuhr es dem Umbaraner zischend, machte sich dann aber die Umgebung gewahr und blickte verstohlen ob sie jemand beobachtete.

Der Quarren zuckte mit den Schultern, als sei diese Feststellung eine Selbstverständlichkeit.


„In dieser Ökonomie? Das ist Zygerria. Viel Spaß dabei einen besseren Preis zu finden, kleine Kaulquappe.“

Teneb wandte sich schließlich fluchend ab, doch die folgenden Gespräche verliefen kaum anders. Ein Sullustaner mit goldenen Implantaten verlangte sogar noch mehr Credits, während ein Weequay ihm mit einem breiten Grinsen erklärte, dass Nar Shaddaa ein viel besseres Ziel für jemanden mit begrenzten Mitteln sei, da dort „Geschäfte einfacher“ liefen. Allerdings verlief die Route durch republikanisches Gebiet aber mit einem einfachenS Schuldschein könne man den Kredit abarbeiten. Das Schema war einfacher zu durchschauen als ein Jawa, der so tat, als wolle er den Landspeeder nicht erwerben. Die Erkenntnis, die sich daraus ergab, war ebenso simpel wie ernüchternd: Auf Zygerria konnte man Freiheit erwerben, doch ihr Preis war so angesetzt, dass sie nur für jene erreichbar blieb, die bereits Macht oder Einfluss besaßen. Während der Umbaraner sich weiter durch die labyrinthartigen Straßen der Märkte bewegte, begann sich diese Erkenntnis in seinem Geist zu verankern. Freiheit war hier keine abstrakte Idee von Armlehnenphilosophen. Freiheit war ein Begriff der festen Bestand hatte und eine Ware. Wie jede Ware folgte sie den Gesetzen von Angebot und Nachfrage aber auch dessen, der sein Monopol gegen den Willen anderer durchsetzen konnte.
Es war einige Gassen weiter, abseits der lautesten Auktionen, als sein Blick auf einen kleinen Verkaufsstand fiel, der kaum Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein alter Rodianer saß in einem Käfig aus transparentem Metall, dessen Gitter so dünn wirkten, dass sie eher symbolischen Charakter besaßen. Seine einst viridiangrüneHaut hatte jene stumpfe Farbe angenommen, die bei seiner Spezies oft ein Zeichen hohen Alters war, und seine Bewegungen wirkten langsam und vorsichtig, als hätte sein Körper längst vergessen, wie es war, ohne Schmerzen zu existieren.
Neben dem Käfig stand ein bulliger Zygerrianer, der mit gespielter Begeisterung versuchte, das Interesse der wenigen vorbeigehenden Käufer zu wecken.

„Vierzig Jahre Haushaltsarbeit“, erklärte er laut genug, dass mehrere Passanten stehen blieben. „Kochen, reinigen, einfache Wartung. Kaum medizinische Kosten.“

Angesichts des Alters des Rodianers eine blanke Lüge, für die der Bleiche nicht einmal seine Machtfühler bemühen müsste, um ihren Wahrheitsgehalt zu ergründen. Ein menschlich aussehender Händler blieb kurz stehen und musterte den Rodianer mit skeptischem Blick.

„Der ist doch kurz vor dem Tod.“

Der Zygerrianer zuckte mit den Schultern. „Bei mir ist noch keiner gestorben. Er ist seinen Preis wert, Erfahrung schlägt einen Droiden jedes Mal.“

Der Käufer wandte sich ab, offenbar nicht überzeugt genug, um ein Gebot abzugeben. Der Zygerrianer seufzte und gab dem Rodianer einen abschätzenden Blick, als bewerte er den Wert des Lebewesens. Vielleicht wog er ab, ob der Rodianer die Mühe noch war oder er ihn verramschen sollte. In diesem Moment begann der alte Rodianer zu sprechen, und seine Stimme klang brüchig und panisch, als hätte sie jahrelang kaum Gelegenheit gehabt, benutzt zu werden.

„Bitte… bitte schickt mich nicht weg… ich kann noch arbeiten… ich kann die Böden reinigen… ich kann…“

Der Händler trat gegen den Käfig.

„Hör auf zu winseln.“

Doch der Rodianer klammerte sich mit seinen langen mit Saugnäpfen behafteten Fingern an die Gitterstäbe und sah mit einem Ausdruck verzweifelter Angst zu den vorbeigehenden Käufern.

„Bitte, ich habe noch Wert, ich kann was…“

Teneb blieb noch einige Sekunden stehen, während diese Worte langsam in sein Bewusstsein sickerten. Der alte Sklave fürchtete nicht die Ketten, die sein Leben bestimmt hatten, sondern die Möglichkeit, dass sie plötzlich verschwinden könnten. Jahrzehnte der Unterwerfung hatten aus einem denkenden Wesen eine Funktion gemacht, und Freiheit erschien diesem Mann nicht als Erlösung, sondern als eine Leere, in der er nicht mehr wusste, wer oder was er sein sollte. Dem zygerriansichen Händler war die Aufmerksamkeit des Bleichen nicht engangen, sodass Teneb sich schnell abwandte, bevor dieser ihn dazu belästigen würde ihm den alten Rodianer abzukaufen. Der Umbaraner wandte sich schließlich ab und setzte seinen Weg fort, doch während er durch die Straßen Kantolias ging, blieb der Gedanke an diesen Rodianer in seinem Kopf haften, als hätte er einen Blick auf ein mögliches Ende geworfen, das auf seine eigene Weise ebenso erschreckend war wie jede Form von Gewalt.

Einige Gassen weiter veränderte sich die Atmosphäre der Märkte erneut. Die groben Käfige aus Metall wichen eleganteren Plattformen, die mit weichen Stoffen und dekorativen Lampen geschmückt waren, während die Händler selbst bessere Kleidung trugen und die Käufer offenkundig wohlhabender waren als jene, die in den raueren Teilen des Marktes nach Arbeitskräften suchten. Teneb blieb stehen, als er erkannte, dass es sich hier um eine andere Art von Auktion handelte.
Ein junger Mirialaner stand auf einer kleinen Bühne, sein Körper in elegante Kleidung gehüllt, während ein glänzendes Metallband seinen Hals umschloss. Neben ihm erklärte ein Zygerrianer mit stolzem Tonfall die Vorzüge seiner Ware.

„Gebildet. Mehrsprachig. Hervorragend erzogen.“

Eine wohlhabende Twi’lek-Händlerin trat näher und betrachtete den Mann mit der gleichen prüfenden Aufmerksamkeit, mit der ein Sammler ein seltenes Kunstwerk begutachtete.

„Er spricht Huttese? Mein Meister, der ehrenwerte Brugga, legt darauf wert.“

„Fließend.“ der Zygerrianer wedelte mit dem Griff seiner deaktivierten Energiepeitsche in Richtung des Grünhäutigen.

Der Mirialaner senkte leicht den Kopf und sprach einige Worte Huttese, welche die Twi'lek Dame wohl zufriedenstellte.


„Dieses Exemplar passt zu hens Sammlung und... Vorlieben.“

Teneb spürte, wie sich in ihm eine stille Abscheu regte. Dieser Mann wurde nicht verkauft, um zu arbeiten oder um irgendeine Form von Produktivität zu liefern. Er wurde verkauft, um besessen zu werden, als lebendiges Accessoire, als Ausdruck von Status und Reichtum. Er wandte den Blick ab und wollte gerade weitergehen, als plötzlich ein Tumult am Rand der Straße entstand.

Ein Mensch hatte sich aus einer Sklavenkolonne losgerissen und rannte durch die Menge, während mehrere Aufseher gleichzeitig reagierten. Der Flüchtende schaffte kaum mehr als ein paar Schritte, bevor einer der Zygerrianer seinen Blaster hob und ohne zu zögern abdrückte. Der Schuss hallte durch die Gasse, und der Mann brach mitten im Lauf zusammen, während die Menge sich kaum mehr als einen Moment lang dafür interessierte.
Ein zweiter Aufseher trat an den Körper heran, überprüfte kurz den Puls und winkte dann mit gelangweilter Geste.

„Der Nächste.“

Die Kolonne setzte sich wieder in Bewegung, als wäre nichts geschehen. Teneb blieb noch einen Moment stehen und betrachtete die Szene und den leblosen Körper, der zeitig von zwei Gamorreanern entfernt wurde, während sich in seinem Kopf langsam ein Muster aus all den Eindrücken des Tages formte. Der alte Rodianer, der die Freiheit fürchtete, der Mirialaner, der als Luxusbesitz verkauft wurde, und der Mann, der für einen kurzen Versuch der Rebellion mit einem einzigen Schuss aus der Existenz entfernt worden war, waren keine zufälligen Ausnahmen, sondern nur unterschiedliche Erscheinungsformen derselben Ordnung. Die Galaxis war kein Ort, an dem Moral oder Mitgefühl Schutz boten. Sie war ein Gefüge aus Macht und Ohnmacht, in dem diejenigen, die nicht die Stärke besaßen, sich selbst zu behaupten, früher oder später zu Besitz wurden.

Während Teneb sich schließlich weiter durch die aufgeheizten Straßen Kantolias bewegte und das gedämpfte Brummen der Stadt sich wie ein stetiger Puls durch die Architektur aus Metall, Staub und fremdartigem Leben zog, begann sich in seinem Inneren ein leiser, zunächst kaum greifbarer Zweifel zu regen, der nicht plötzlich aufkam, sondern vielmehr aus den Eindrücken des Tages hervorsickerte wie Wasser durch feine Risse in Stein. Die Szenen, die er gesehen hatte, all das geknechtee Leben, wirkten nicht länger wie einzelne Begegnungen in einer fremden Stadt, sondern wie Spiegelbilder eines möglichen Schicksals, das jeden erwartete, der in der großen Ordnung der Galaxis keinen eigenen Platz behaupten konnte. Auch wenn Teneb bisher geglaubt hatte, dass seine Flucht ihn von den Fesseln eines Sith-Meisters befreien würde, begann sich nun eine unangenehme Frage in sein Denken zu drängen: Ob er sich mit diesem Schritt tatsächlich aus der Welt der Ketten entfernte oder ob er sich lediglich auf einem anderen Markt wiederfand, auf dem nur noch nicht entschieden war, wer am Ende Käufer und wer Ware sein würde. Entfloh er einem

Wie in einem Fiebertraum bewegte sich Teneb durch die engen Gassen Kantolias hinter sich ließ, begleiteten ihn weiterhin die Bilder des Tages. Sie begannen sich in seinem Bewusstsein zu einer einzigen, düsteren Erkenntnis zu verdichten, die mit jedem Schritt klarer wurde. Die Sith mochten grausam sein, ihre Methoden brutal und ihre Prüfungen unerbittlich, doch sie verkörperten zugleich die radikalste Konsequenz aus genau jener Ordnung, die auf Zygerria so offen sichtbar war. Es war erst einige Straßen weiter, als Teneb schließlich auf einen kleinen Vermittlungsstand stieß, der von einem nervösen Bothaner betrieben wurde. Als der Umbaraner beiläufig nach einer Passage in Richtung Corporate Sector fragte, huschte ein kurzes Zucken über das pelzige Gesicht des Händlers. Der Bothaner beugte sich leicht vor und sprach leiser.

„Nicht hier. Zu viele Ohren.“

Teneb wartete und folgte der Kreatur, über die man munkelte, dass sie besonders verschlagen seien.

„In einer halben Stunde startet ein Frachter. Passagier ist abgesprungen, is' also dein Glückstag. Wenn du einwilligst, führ' ich dich zum Frachter“

Abgesprungen? Was war an der Sache faul, dass er dafür tuscheln und en Ort wechseln musste? Irgendwas daran war faul, doch konnte er wirklich wählerisch sein? War es potenziell ein Hinterhalt einer Diebesbande?

„Wohin?“

„Bonadan.“

In diesem Moment zurrte sein Comlink. „Dank farrik“ dachte er sich, denn dieses Comlink war imperialer Bauart und nur wenige kannten den Benachrichtigungsschlüssel. Um genau zu sein nur zwei Personen, von denen eine anorganisch war. Ein kurzer Blick auf die Benachrichtigung bestätigte seine Befürchtung und Gram überzog ihn, als er die Worte von UX-23 las. Er sollte direkt umkehren und zurück nach Artek III fliegen.
„Also, was ist?“ unterbrach der Bothaner seinen Gedankengang. „Für dreitausend Credits bist du dabei“

In einer Galaxis, in der Macht über Besitz entschied, waren er zumindest eines nicht. Er war kein Sklave.

„Einverstanden.“ sagte er schließlich.

Outer Rim | Chorlian Sektor | Zygerria | Kantolia | Straßen | Teneb Dask und Bevölkerung
 
Outer Rim | Chorlian Sektor | Zygerria | Kantolia | Straßen | Teneb Dask und Bevölkerung

Als Teneb Dask schließlich mit dem Bothaern die Gasse hinter sich ließ und wieder hinaus in die breiteren Straßen Kantolias trat, schlug ihm die Hitze des Planeten ein weiteres Mal entgegen wie eine träge, doch unerbittliche Welle, die sich zwischen den hohen Plattformen und ausgedehnten Handelsdistrikten dieser Stadt gefangen hatte und nun jeden Atemzug mit einer Mischung aus Staub, Schmieröl, scharfen Gewürzen und dem dumpfen, beinahe süßlichen Geruch überlagerte, der von dicht gedrängten Käfigen lebender Fracht ausging. Geräusche erschienen ihm deutlicher, Bewegungen der Menschenmenge strukturierter, und selbst die unzähligen Stimmen, die sich über die Straßen der Hauptstadt Zygerrias legten, wirkten nicht länger wie ein chaotisches Rauschen, sondern wie einzelne Stränge eines vielschichtigen Gewebes, dessen Muster sich ihm nun immer klarer erschloss.
Der Bothaner, der ihm zuvor eine Passage aus dem System angeboten hatte, bewegte sich einige Schritte vor ihm durch die Menge, seine schlanke Gestalt schien beinahe mühelos zwischen Händlern, Aufsehern und Sklavenkolonnen hindurchzugleiten, während seine langen Ohren in kurzen, nervösen Bewegungen zuckten, als lausche er auf Geräusche, die in dem allgemeinen Lärm der Stadt für andere längst untergegangen wären. Mehr als einmal blickte er sich kurz um, nicht mit der offensichtlichen Vorsicht eines Mannes, der verfolgt wurde, sondern mit der routinierten Wachsamkeit eines Wesens, das gelernt hatte, in einer Welt zu überleben, in der Informationen, Geheimnisse und die falsche Gesellschaft ebenso tödlich sein konnten wie ein Blaster auf kurze Distanz.


„Hier entlang“
, murmelte er schließlich, ohne sich umzudrehen, und schlug einen Weg ein, der sie aus den dicht gedrängten Marktplätzen heraus in ein Viertel führte, dessen Charakter sich langsam, beinahe unmerklich veränderte.

Die Händlerstände wurden seltener, die farbenfrohen Banner und Auktionsplattformen verschwanden, und an ihre Stelle traten zunehmend breite Lagerhallen, Frachtschächte und halb offene Plattformen, auf denen Lastspeeder, Containerstapel und kleinere Frachter darauf warteten, ihre Ladung aufzunehmen oder abzuladen. Der Lärm blieb derselbe, doch seine Qualität hatte sich verändert. Statt der schrillen Rufe der Händler und des feilschenden Stimmengewirrs der Käufer hörte man nun das tiefe Brummen repulsorgetriebener Lastschlitten, das metallische Klirren von Käfiggittern und das gelegentliche Zischen von Elektropeitschen, mit denen Aufseher ihre Kolonnen lebender Ware in Bewegung hielten.

Mehrmals passierten sie Gruppen von Sklaven, die in langen Reihen durch die Transportkorridore geführt wurden. Einige von ihnen trugen schwere Halsringe aus dunklem Metall, deren Energiefelder mit kurzen, vibrierenden Ketten verbunden waren, während andere elektronische Markierungen in die Haut gebrannt bekommen hatten, die sie auf den ersten Blick als Eigentum bestimmter Händler, Syndikate oder Adelshäuser auswiesen. Ein besonders großer Transportkäfig rollte an ihnen vorbei, gezogen von einem repulsorgetriebenen Frachtschlitten, auf dessen Ladefläche mehrere Wookiees saßen, deren gewaltige Körper trotz der Fesseln noch immer eine einschüchternde Präsenz ausstrahlten. Zwei Aufseher mit Elektropeitschen liefen neben dem Fahrzeug her, während ein dritter in regelmäßigen Abständen die Schockfunktion der Halsringe aktivierte, offenbar weniger aus Notwendigkeit als aus einer Routine, die sich über Jahre hinweg in eine Form von gleichgültiger Grausamkeit verwandelt hatte.

Teneb beobachtete diese Szene mit jenem ruhigen, analytischen Blick. Doch obwohl sein Gesicht weiterhin jene maskenhafte Gelassenheit bewahrte, die ihm auf Umbara früh beigebracht worden war, bemerkte er, wie sich die Eindrücke dieses Ortes immer tiefer in seine Gedanken gruben. Diese Welt war kein Ausnahmefall, keine groteske Abweichung von der Ordnung der Galaxis, sondern vielmehr eine ihrer ehrlichsten Erscheinungsformen. Leben war eine Ressource, und Macht entschied darüber, wer sie nutzen durfte.
Schließlich erreichten sie eine breite Plattform, die von hohen Stapeln aus Containern und Energiekäfigen umgeben war. Mehrere Frachter parkten hier in unregelmäßigen Abständen, ihre Hüllen gezeichnet von Jahrzehnten harter Arbeit im Outer Rim, ihre Lackierungen an vielen Stellen abgeblättert oder übermalt. Der Bothaner blieb stehen und deutete mit einer kurzen Bewegung seines schmalen Arms auf ein besonders heruntergekommen wirkendes Schiff, dessen Ladeklappe halb geöffnet war.


„Da ist er“, sagte er.

Teneb ließ seinen Blick über den Frachter gleiten. Es war ein alter Transporter mittlerer Größe, dessen einstige Firmenmarkierungen nur noch als verblasste Schatten auf der Hülle zu erkennen waren.


„Bonadan, wie abgemacht“
, fügte der Bothaner hinzu.

Für einen kurzen Moment glaubte Teneb tatsächlich, dass dies der Punkt war, an dem seine Flucht aus der Welt der Sith Wirklichkeit werden würde. Doch der Bothaner sprach weiter, und mit einem einzigen Satz zerbrach diese Vorstellung.


„Siebentausend Credits.“

Teneb wandte den Kopf langsam zu ihm.

„Du sagtest dreitausend.“ knurrte der Bleiche und wusste direkt, was für ein Spielchen das hier werden würde.

Der Bothaner zuckte mit den Schultern.


„Veränderte Marktlage, wirst du sicher verstehen.“
Seine gelben Augen blitzten kurz auf. „Oder du bleibst hier.“

Teneb schwieg. Er verstand sofort, was hier geschah. Der Bothaner hatte erkannt, dass er nur begrenzte Optionen besaß, und versuchte nun, diese Erkenntnis in Profit zu verwandeln. Während Teneb noch überlegte, wanderte sein Blick über den Hof. In der Nähe wurde gerade ein weiterer Käfig geöffnet, aus dem mehrere Sklaven herausgeführt wurden. Unter ihnen befand sich ein älterer Mann mit grauem Haar, dessen Kleidung noch die verblassten Reste einer Uniform trug.

„War früher Aufseher auf Kessel“, erklärte der Händler lautstark. Ein Käufer lachte.

„Und jetzt?“

Der Händler grinste breit. „Jetzt gehört er jemand anderem.“

Der Mann sah kurz zu Teneb hinüber. Seine Augen waren müde, doch in ihnen lag eine Klarheit, die fast erschreckend wirkte. In diesem Moment traf Teneb seine Entscheidung. Flucht würde nur zu einem weiteren elendigen Dasein ohne Bedeutung führen. Sie war die Antithese zu dem, was er eigentlich wollte: Freiheit und Macht.
Der Bothaner bemerkte die Veränderung in seiner Haltung nicht einmal, bevor die unsichtbare Hand der Macht sich um seine Kehle legte. Zuerst war es nur ein Druck, kaum mehr als ein unangenehmes Gefühl, doch innerhalb eines Herzschlags verwandelte sich dieser Druck in eine eiserne Umklammerung, die ihm die Luft aus den Lungen presste und seinen Körper langsam vom Boden hob. Seine Augen weiteten sich, während seine Finger nach der unsichtbaren Kraft griffen, die ihn hielt.


„Du—“ Der Rest des Satzes erstickte in einem heiseren Keuchen. Teneb versuchte den Griff zu verstärken, doch gelang es ihm nicht ,egal wie zornig er über diesen Betrugsversuch wurde.

Ein Schuss durchschnitt die Luft und ließ ein kauterisiertes Loch zurück. Der Körper des Bothaners fiel schlaff zu Boden. Die wenigen Männer der Frachtercrew, die die Szene beobachtet hatten, tauschten kurze Blicke, entschieden sich jedoch offenbar kollektiv dafür, dass es klüger war, sich nicht einzumischen, sondern strebten wie Kakerlaken auseinander, wenn das Licht in der Küche anging. Teneb wurde sich bewusst, was er gerade getan hatte und wandte sich schließlich ab und verschwand zwischen den Containern. Er hatte gemordet. Er hatte aus einem Impuls heraus gehandelt. Er war nicht besser als
Darth Sikarius. Doch während er durch die dunkleren Straßen Kantolias zurücklief, wurde ihm eine andere Tatsache bewusst. Wenn er jetzt zurückkehrte, würde er mit leeren Händen zurückkehren und Sikarius würde das, trotz aller Worte von UX-23, nicht akzeptieren. Er musste schnellstens hier weg und schnellstens etwas auftreiben, was alle zufriedenstellen würde. Instinktiv klemmte er den zylindrischen Gegenstand so um, dass er zu sehen war, wenn er den Poncho wie einen Umhang umwarf. Ganz oder gar nicht.

Der Gedanke führte ihn schließlich zu den Gladiatorengruben, deren Lärm schon aus der Ferne zu hören war. Die Arena war von Händlern, Käufern und Söldnern umgeben, während mehrere Käfige mit verschiedenen Kämpfern entlang der Eingänge aufgestellt waren.
Teneb ging wie ein gehetztes Raubtier zwischen ihnen hindurch, bis sein Blick schließlich auf einen Kyuzo fiel. Er erinnerte sich die Worte seines Meisters. Finde einen bösartig aussehenden Kämpfer. Der Gladiator saß ruhig auf dem Boden seines Käfigs, doch seine Haltung war angespannt wie die eines Raubtiers, das nur darauf wartete, losgelassen zu werden. Der feiste zygerrianische Händler mit einer Energiepeitsche bemerkte das Interesse des Bleichen und trat näher.

„Der ist teuer, eure Lordschaft.“ sagte dieser mit Blick auf den Gürtel des Umbaraners.

Teneb sah ihn ruhig an und entschloss sich das Spielchen mitzuspielen.


„Wie teuer?" fragte der Bleiche und vesuchte dabei den wirschen und ungeduldigen Tonfall seines Meisters zu imitieren, während er versuchte seine Machtsinne auf Gefahren hin auszubreiten.

„Sechstausendfünfhundert Credits und jeden einzelnen davon ist er wert.“

Teneb nickte langsam.

„Fünftausend und ihr könnte eine Rechnung schreiben.“

Der Händler runzelte die Stirn.

„Fünftausendfünfhundert Credits, mein letztes Angebot.“

„Wenn ihr die Fünftausend nicht akzeptiert, wird es euer letztes Angebot sein.“ knurrte der Umbaraner und versuchte Druck auf den Geist des Zygerrianers auszuüben, wie er es damals auf Nkllon bei Sikarius versucht hatte und schon zuvor hier und da Erfolg hatte, als er noch nicht wusste, was die Macht war.

„Äh....“ begann der Beleibte und sah sich nach den Wachen um, doch musste dieser feststellen, diese wären nicht so schnell bei ihm, um ihm zu helfen, wie ein Sith ihn töten konnte. Natürlich würden sie ihm schaden, doch das würde seiner Leiche egal sein können. Resignation machte sich auf den katzenhaften Gesichtszügen des Zygerrianers breit. „An wen soll diese adressiert werden?“

„Die Velvet Talon in der Landebucht AR-93-O.“

Der Händler zuckte mit den Schultern.
„Mir egal, wer zahlt.“ Seine Aura drückte eindeutig Misfallen und den Wunsch aus, diesen Mann so schnell wie möglich loszuwerden. Der Handel war damit von einer beinahe erschreckenden Nüchternheit abgeschlossen, als hätte man nicht das Schicksal eines lebenden Wesens entschieden, sondern lediglich den Besitz eines weiteren Werkzeugs übertragen. Der Kyuzo wurde aus seiner engen Zelle geführt, und während die schweren Metallriegel mit einem trockenen Knacken zurückglitten, trat der beleibte Händler dicht an Teneb heran und drückte ihm ein kleines, kantiges Steuergerät in die Hand, dessen matte Oberfläche von Gebrauchsspuren übersät war.

„Für das Halsband“, brummte er beiläufig und deutete mit einem dicken Finger auf den metallenen Ring um den Hals des Kriegers, „und für das Implantat im Nacken. Falls er auf dumme Gedanken kommt.“

Teneb nahm das Gerät wortlos entgegen und ließ den Blick kurz über den Kyuzo gleiten, dessen schmale Gestalt sich nun aus der Zelle erhoben hatte wie ein Raubtier, das zwar gefesselt war, dessen Bewegungen jedoch noch immer eine gefährliche Geschmeidigkeit besaßen. Mit einer knappen, scharfen Handbewegung bedeutete Teneb ihm, zu folgen. Der Kyuzo gehorchte ohne ein Wort, doch in dem ruhigen, wachsamen Blick, den er seinem neuen Besitzer zuwarf, lag eine unverkennbare Spannung, als warte er nur auf jenen einen Moment, in dem sich die Kräfteverhältnisse zu seinen Gunsten verschieben könnten.

Als
Teneb schließlich zur Velvet Talon zurückkehrte, lag das Landefeld bereits in jenem schmutzigen Zwielicht, das Kantolia überzog, sobald die Sonne hinter den staubgeschwängerten Wolkenschichten des Planeten zu versinken begann. Die Plattformen des Hafens glühten noch immer vor gespeicherter Hitze, während sich zwischen abgestellten Frachtern, repulsorgetriebenen Lastschlitten und halb entladenen Containern lange Schatten zogen, die das geschäftige Treiben des Viertels in ein unruhiges Geflecht aus Bewegung und Dunkelheit verwandelten. Der Pilot stand bereits am Fuß der Rampe der Velvet Talon, eine Zigarette zwischen den Fingern, deren Glut in der warmen Luft träge aufleuchtete, während sein Blick aufmerksam über den Platz wanderte, als hätte er längst bemerkt, dass sein Passagier nicht allein zurückkehrte. Als Teneb näher trat, hob der Mann langsam den Kopf, musterte zuerst den Umbaraner, dann die gefesselte Gestalt des Kyuzo an dessen Seite, und in seinem Gesicht erschien jener Ausdruck vorsichtiger Skepsis, der bei Männern aufkam, die lange genug im Outer Rim gearbeitet hatten, um zu wissen, dass jede unerwartete Fracht selten eine einfache Geschichte mit sich brachte.

„Was zur Hölle ist das?“

„Fracht.“ antwortete Teneb ruhig.

Der Pilot lachte kurz.
„Ich fliege sicher keinen Arena-Sklaven durch die Galaxis.“

Teneb zog langsam das Trainingslichtschwert von seinem Gürtel. Der Pilot wusste nicht, dass es kein echtes Lichtschwert war.

„Du bezahlst die Rechnung“, sagte Teneb ruhig. „Der Rest braucht dich nicht zu kümmern. Diese Darths interessieren sich nicht für uns, töte ich dich, wirst du ersetzt. Mach also einfach.“

Der Pilot schwieg, dann seufzte er. „Verdammter...“

Doch Teneb hörte ihn nicht. Er sah sich um,was der Kyozo tat doch dieser stand mit nach hinten verschrenkten Armen an der Seite, stumm und still. Als die Rampe sich schließlich schloss und die Triebwerke der Velvet Talon erwachten, blickte Teneb ein letztes Mal auf die Lichter Kantolias.
Er war auf diese Welt gekommen, um zu fliehen, Doch er verließ sie mit einer anderen Erkenntnis. In einer Galaxis wie dieser gab es nur zwei Rollen. Herr oder Besitz. Teneb Dask hatte beschlossen, dass er niemals wieder zur zweiten gehören würde und lieber am Rand des Abgrunds einen Schritt weiter gehen würde.


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