Bastion

[Bastion | Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle | Damen-Nasszelle] - Saphenus Zoey Liviana; Sane; in der Ferne: Darth Ignavius (NPC); Mara Sakiko (EVE Yui); Chronor Tallax; Janus Sturn; Voth Terrix; Jorax Kevora; Steven und Michael

Dieser Moment gehörte zu jenen, die ihm bewusst machten wie armselig und nutzlos sein bisheriges Leben gewesen war. Auf Taris, bevor der „Unfall“ passierte, bevor er gezwungen wurde nach Bastion zu fliehen und in die Dienste Hybris‘ zu treten hatte er von der Macht, die er jetzt besaß, nur träumen können. Unzählige Male hatte er sich Tagträumen hingegeben in denen er die degenerierten Freunde Je’anas quälte, verstümmelte und für ihre Arroganz und Überheblichkeit bestrafte. In seiner Vorstellung genoss er ihre panikerfüllten Gesichter und ihre flehenden Schreie sie doch zu verschonen. Nun war Je’ana tot und ihre Freunde weit weg, doch früher oder später würden sie dafür bezahlen wie sie ihn verhöhnt hatten. Jetzt war er auf Bastion und konnte geradewegs in die furchterfüllten Augen Zoeys sehen, die gleichzeitig Zorn und Ärger ausstrahlten. Sie musste sich ebenso machtlos fühlen wie er sich immer gefühlt hatte als er den Hohn und die Schmach ertragen musste öffentlich gedemütigt zu werden. Jetzt stand sie dort wo er einst gestanden hatte und er war in der Rolle des Überlegenen. Er genoss es, es fühlte sich fantastisch an. Zwar konnte man nun glauben er könnte nachempfinden wie sich ein Opfer fühlte, doch dem war nicht so. Er war keines mehr und würde nun ebenso seinen Egoismus ausleben wie es sonst auch alle taten. Gelassen hörte er mit an wie Zoey ihm vorwarf, er würde glauben sie gehöre nicht hierhin, implizit warf sie ihm vor sie zu verachten, weil sie die Macht nicht nutzte. Zumindest letzteres stimmte, dachte er.

„Oh, meine liebe Dr. Liviana, Sie verstehen das völlig falsch. Würde ich glauben Sie gehörten hierhin…es wäre ein Armutszeugnis für Sie. Ich selbst gehöre nicht hierhin, ebenso wenig wie alle anderen mit einem Funken Verstand und Intellekt. Wir sollten es nicht nötig haben bei den Reichen und Schönen um ihre Aufmerksamkeit und ihr Geld zu buhlen. Sie mögen die Macht zwar nicht nutzen können, doch…“


Saphenus hielt inne. Das war kein Thema für eine Nasszelle, besonders nicht in Hörweite des Bodyguards.


„Ich spüre, dass mit Ihnen etwas geschehen ist, vielleicht während Ihrer letzten Mission? Wir beide werden noch genug Zeit haben um darüber zu sprechen. Zu schade, dass Sie keine Sith sind. Sie hätten sich ebenso vor den Überresten des Vogels schützen können. So lustig es auch war, ich gebe zu Ignavius hat nicht seine charmanteste Seite gezeigt indem er den Vogel explodieren ließ.“


Er lächelte sie mit einer Mischung aus Anteilnahme und Belustigung an. Es war interessant zu sehen wie sich ihre Augen vor Zorn verfärbten, kurz stach ein gelbes Leuchten durch die braun-grünen Augen. Dieses unwissende Ding, dachte Saphenus fast mitfühlend. Es hat keine Ahnung welche Begabung es hat. Entspannt dachte er daran, dass sie beide demnächst sehr viel Zeit miteinander verbringen würden. Genug Zeit um diesem Thema auf den Grund zu gehen. Hybris war an der Archäologin interessiert, vielleicht schaffte er dieses Wissen für sich zu nutzen. Eine Träne stahl sich unbemerkt aus ihrem Augenwinkel, er spürte wie viel Kraft es sie kostete seinen Blick aufrecht zu erhalten. Er streckte seinen dürren Finger aus und wischte sie von ihrer Wange. Ihre Haut war weich, so weich wie die von Je’ana. Er unterdrückte den plötzlichen Impuls ihr ebenso wie seiner Frau das Leben aus dem Körper zu zerren. Vorsichtshalber wich er einen Schritt zurück.


„Ich möchte doch nicht Mr. Krayne nervös machen.“,


scherzte er und wurde dann wieder ernst. Er hörte zufrieden mit an wie seine Taktik aufging. Indem er an den Stolz und den Ehrgeiz der Archäologin appelliert hatte konnte sie nicht anders als ihn nach Korriban zu begleiten. Zwar schwang ein Funken Enttäuschung mit, denn viel zu gerne hätte er bei einer Ablehnung gesehen wie sich ihre Meinung änderte sobald er Hybris‘ neuen Auftrag erwähnte, doch auch so hatte er sein Ziel erreicht. Wie leicht es war Zoey zu manipulieren. Es war offensichtlich, dass sie ihn verabscheute, dass sie seine Art hasste und am liebsten weg von ihm wollte. Dennoch brachten Angst und die Aussicht auf Ruhm sie dazu an seiner Seite zu bleiben und ihn an einen Ort zu begleiten, der bedrohlicher für sie nicht sein konnte.


„Ich bin sehr erfreut, dass Sie wissen wenn sich Ihnen eine einmalige Gelegenheit ergibt. Sie treffen die richtige Entscheidung, Hybris wird sie auf Korriban nicht belästigen. Dafür werde ich Sorge tragen.“


Er fing an zweideutig zu grinsen. Sie hatte doch keine Ahnung worauf sie sich einließ. Sie selbst wetzte gerade die Messer, die sich alsbald in ihre Brust bohren würden.


„Sie haben eben zu mir gesagt sie wären nicht reich, sie wären nur eine Archäologin. Das wird sich danach ändern, das kann ich Ihnen versprechen. Danach werden Sie…sehr viel mehr sein. Ich bin mir sicher, dass unsere Zusammenarbeit überaus….angenehm werden wird.“


Zumindest für mich, fügte er noch gedanklich hinzu und zeigte seine Zähne.


„Aber genug für diesen Abend, wir werden bald genug Zeit haben um uns in Ruhe zu unterhalten. Wir werden schon bald aufbrechen, um genau zu sein hält uns nur noch diese Gala davon ab Kurs auf Korriban zu nehmen. Ich denke wir sehen uns noch. Ich möchte übrigens noch sagen, das Blut in ihrem Gesicht stand Ihnen. Es sah schön aus.“


Langsam und genüsslich drehte er sich um.


„Danke, Mr. Krayne. Sehen Sie, es war keine Sorge nötig, ich habe ihr kein Haar gekrümmt.“


Er nickte ihm zu und humpelte dann in Richtung Tür. Kurz bevor er sie erreichte, drehte er sich nochmal um.


„Ich will ehrlich sein: ich bin froh, dass Sie sich entschieden haben mich zu begleiten. Hybris war heute Abend hier. Nicht als Gast der Gala, er hat mich nach draußen beordert um dort mit ihm zu sprechen. Er ist noch mächtiger geworden als zuvor und es war interessant seine Reaktion auf Ihre Anwesenheit zu sehen. Zum Glück hatte er ein anderes Thema im Kopf, ein wichtigeres. Ansonsten hätte er wohl eine persönliche Unterhaltung mit Ihnen gesucht. Wir sollten uns also nicht zu viel Zeit lassen.“


Er warf ihr einen letzten Blick zu verließ schließlich die Nasszelle. Er blieb stehen und atmete tief durch. Ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, sein Körper entspannte sich. Ein Gefühl von Triumph und Sieg durchströmte seinen Körper. Zwar würde er sich erst auf die Schulter klopfen wenn Zoey in seinem Schiff und sie beide im Weltraum waren, doch er war sich sicher, dass sie kommen würde. Sie hatte keine andere Wahl. Zufrieden ignorierte er den Schmerz in seinem Oberschenkel und humpelte langsam durch die Menge.


[Bastion | Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle] - Saphenus; in der Ferne: Zoey Liviana; Sane; Darth Ignavius (NPC); Mara Sakiko (EVE Yui); Chronor Tallax; Janus Sturn; Voth Terrix; Jorax Kevora; Steven und Michael
 
---][Bastion - Center - Darth Arthious-Gedächtnishalle - auf eine Art Innenhof - Darth Ignavius, Gouverneur von Korriban und Sith Warrior des Sith Ordens , Janus Sturn und sein Schüler Voth, ansonsten nur unwichtige stumme Nebencharaktere][---

Er war eindeutig der Schüler von Sturn, doch ähnlich wie bei Saphenus wollte Ignavius nicht so einfach aufgeben. Es würde schwieriger werden den ... Moment mal, besaß der Apprentice etwa vier Arme? Der Gouverneur sah in die Richtung des Twi'lek, dann wieder auf die halb leere Flasche und schließlich wieder zum Schüler. Okay, womöglich hatte er doch zu viel getrunken. Aber nur weil seine Augen und seine Machtsinne nicht mehr so richtig funktionierten, musste das noch lange nicht auch für Gehirn und Zunge gelten. Auf die sarkastischen Kommentare des Grafen hatte er sogleich eine passende Antwort:


„Und ich nehme an, ihr habt euch statt Lichtschwertübungen und Grundlagen zu verinnerlichen, lieber mit Sarkasmus beschäftigt, Sturn. Vermutlich sogar die richtige Wahl, taugt ihr doch ohnehin nicht zum echten Sith. Wer das eine nicht kann, muss sich zwangsläufig auf etwas leichteres konzentrieren. Benimmregeln und so etwas, das ist seicht, simpel. Passt zu euch. Sogar perfekt. Doch euer Schüler kann noch gerettet werden!“


Dieses mal stand Ignavius nicht auf. Auch weil ein schwacher Nieselregen eingesetzt hatte und die Sitzbank im trockenen stand, während der Bereich zwischen den beiden anderen Sith und ihm frei lag. Nicht auszudenken wenn seine kostbare Robe nass werden würde!

„Wir ihr schon sagtet Vo....ff, es braucht den richtigen Mann um damit fertig zu werden. Und der bin ich ganz eindeutig. Ihr kennt Korriban nicht, nicht so wie ich. Wart nicht die letzten Jahre dort, habt nicht die weniger bekannten, aber nichtsdestotrotz wichtigen Gräber von unzähligen Lords und Ladys ihrer Schätze beraubt. Euer Meister mag euch erzählen wollen was er will, er hat keine Ahnung was ich geborgen habe. Wie könnte er auch, er hatte ja … hah, besseres zu tun.“

Ignavius versuchte sich an einem Glucksen, verschluckte sich aber dabei und musste daraufhin erst einmal eine halbe Minute lang husten und den Würgereiz unterdrücken. Danach fuhr er jedoch ungerührt fort, sah die beiden Sith aber immer noch nicht an. Das bleiche Gesicht des Grafen weckte Aggressionen, die ihm das Denken erschwerten, in ihm.

Lady Ujhi und ihr Bruder Lord Hak'ol, Darth Xi und Darth Xeynu, die ehemaligen Ratsmitglieder Lord Wett, Lord Ssihuss und Lady Liop, der große, wenn nicht der größte Alchemist aller Zeiten, Lord Rekhal'istu und noch viele mehr. Ihr Gräber befanden sich nicht im Tal der Sith, waren nirgendwo eingezeichnet. Doch ich habe sie gefunden, habe ihre Wächter ausgeschaltet und ihre Holocrone an mich genommen. Ihr, Sturn, werdet in eurem Leben niemals so viele davon sehen wie ich schon in den Händen gehalten habe, werdet niemals mit so vielen Geistern, Seelen und Hologrammen verstorbener Sith Lords reden wie ich es getan habe, werdet niemals und ich betone niemals, so viel Macht in Händen halten wie ich es getan habe und immer wieder tun kann, wann immer mir danach ist.“

Jetzt sah er die beiden doch noch an, wobei er sich bewusst auf den Twi'lek konzentrierte. Und bemerkte, dass der immer noch vier Arme hatte. War der Schnaps etwa vergiftet gewesen? Dieser Gedanke hätte ihm durch den Kopf gehen können. War er aber nicht, denn er hatte eine Geschichte zu erzählen.

„Ihr haltet mich für einen Säufer, hm? Glaubt das ich unfähig wäre, wie? Als ob das nicht alle Sith auf diesem Planeten glauben. Was sie nicht verstehen, ob nun können oder wollen, fürchten sie und wollen es daher natürlich klein reden. Kommt mich auf Korriban besuchen, Noch-Schüler von Sturn und ihr könnt euch selbst davon überzeugen das ich nicht lüge. Und das ich deutlich kompetenter bin als ihr alle glaubt. Wie sonst hätte ich Lord Gehi'jas Sith Schwert bergen können, hm? Nicht nur das sein Grab nur in einer einzigen Aufzeichnung erwähnt wurde, nein, man konnte sie nicht einmal mit herkömmlicher Technik aufspüren. Ich musste tagelang meditieren um auch nur die äußeren Mauern seines Tempels aufspüren zu können und dann nochmals genau so lange um den ewig weit entfernt liegenden Eingang aufzuspüren. Macht das mal wenn der Lord genau so etwas hat verhindern wollen! Und dann seine Fallen, seine untoten Diener. Sogar Sith Spawn hatte er mit Hilfe der Sith Alchemie an Götzenstatuen gebunden. Geister, grässlicher und mächtiger selbst als ich, musste ich austricksen und gegeneinander aufhetzen. Die Luft war Gift, der Druck über das erträgliche Maß hinaus. Mehr als einmal lockte man mich in Fallen und doch überlebte ich sie alle, vernichtete einen Diener nach dem anderen. Ganze drei Lichtschwerter habe ich...“

Und so weiter und so weiter. Ignavius schaffte es sogar während seiner Geschichte nicht ein einziges Detail auszulassen, sodass Sturn und Vo-sowieso sich, ausreichend Phantasie vorausgesetzt, genaustens vorstellen konnte wie das Grab von innen ausgesehen und wie viele erschlagene Leiber, in Luft aufgelöste Geister und zum Leben erweckte Steinkreaturen er hinter sich zurückgelassen hatte. Nicht ein einziges mal kam ein Diener, ein Droide oder sonst etwas vor. Er, ganz auf sich allein gestellt, war zwei Tage und Nächte lang in dem Grab gewesen und hatte ein Holocron, eine wirklich sehr antike Sith Waffe, eine Art Stab, und noch eine ganze Truhe voll Amulette und anderen Schmuck herausgetragen. Und er war selbstverständlich ohne jeden Kratzer herausgekommen. Er musste zugeben, das seine Kehle am Ende doch ein wenig trocken gewesen war, aber ansonsten hatte ihm die Macht alles nötige gegeben. Oh ja, Ignavius war zweifelsohne der beste Archäologe im Universum, der begabteste Sith Warrior des Imperiums und der weiseste Gouverneur in dieser Galaxie. Und Janus Sturn und sein merkwürdiger, vierarmiger Twi'lek Schüler Vo-irgendwas, wussten das nun auch. Aber vielleicht auch noch nicht zu 100%, weshalb Ignavius bereits seine zweitbeste Geschichte aus dem Gedächtnis herauszog. Er musste nur noch die unzähligen Details richtig anordnen...

Der Nieselregen war inzwischen zu einem richtigen Regenschauer geworden, weshalb das eine oder andere Wort von Ignavius wohl auch geschluckt wurde, doch der Gouverneur von Korriban ließ sich nicht davon abbringen. Unwissenheit musste man mit Wissen entgegentreten. Beim Grafen war das inzwischen zwecklos, der hatte sich damit arrangiert, aber Vopp konnte man noch retten. Was Ignavius nicht für ein selbstloser Mann war!

„So spannend diese Geschichte aber auch sein mag, es gibt eine, die ist sogar … nein, nicht spannender, aber verrückter. Das wird man mir kaum glauben können, doch ich versichere euch, ich lüge nicht. Es ist noch gar nicht so lange her, da stieß ich auf einen Tempel, kein Grab wohlgemerkt, der einem gewissen Darth Kayh gewidmet war. Der Anfang, also der Eingang und die Eingangshalle waren noch klassisch gewesen. Hohe Decken, riesige Säulen aus inzwischen längst vor sich hin bröckelnden schwarzen Marmor, Statuen, drei mal so groß wie ein ausgewachsener Wookiee, welche alle samt den Lord zeigten. Ach, nein, dabei muss ich wohl sagen, ob es ein Lord oder eine Lady gewesen ist, konnte man nicht wirklich sagen. Die Gestalt wurde meist als Lord bezeichnet, hin und wieder aber auch als Lady oder Darth und das hat sich bis zum Ende hin auch nicht aufgeklärt, weshalb man hier denke ich glauben mag was man will. Für mich sahen die Gesichter der Statuen immer wie eine Mischung aus Twi'lek, Nautolaner, Feeorin und Iridonianer aus. Lekku, wohin man sah, aber auch Hörner und so etwas wie Tätowierungen. Wirklich faszinierend war die künstlerische Entscheidung, die Gesichtszüge so zu gestalten, das man wirklich nicht sagen konnte ob es sich um eine Lady oder einen Lord handelte. Ich mein, wer macht denn so etwas? Wurden sie danach dafür von Darth Kayh ermordet? In die Wände selbst eingemauert? Nicht ausgeschlossen, doch dazu komme ich gleich. Sowieso, Darth Kayh war kein besonders freundlicher Sith gewesen. Überall sehr detaillierte Reliefs und Ornamente die seine Taten dokumentierten. Er war wohl ein Hexer gewesen, der in ziemlich großen Ritualen niedere Sith geopfert und mit der gewonnen Energie gewaltige Zerstörung hat anrichten können. Sehr beeindruckend. Ich habe sogar zwei davon mit zu mir genommen. Eigentlich sogar drei, doch einer der Lastendroiden ist auf dem Weg zurück einfach – puff – auseinander gebrochen und hat das wertvolle Exponat zerstört.“

Ignavius machte mit seiner rechten Hand die „Puff“-Geste und tat dann so, als würde feiner Sand aus seiner Hand in die Luft getragen und vom Wind weggeblasen werden.

„Aber der wirklich interessante Teil kam erst danach, nach der Eingangshalle mit diesen ganzen protzigen Selbstdarstellungen. Es fing schon bei den Gängen an. Sie waren alle recht niedrig, dafür aber umso breiter. Es wurde nirgendwo erwähnt, aber ich glaube das hat Darth Kayh so gewollt, damit man stets auf den Knien blieb wenn man sich seinem Heiligtum näherte. Ziemlich anstrengend, das kann ich euch sagen, aber einen Darth Ignavius konnte das selbstverständlich nicht aufhalten. Ich war gefühlt Stunden in diesen Gängen unterwegs, habe unterwegs genau darauf abgestimmte vielbeinige Tiere, die durch wer weiß was am Leben erhalten wurden, vernichten müssen. Hauptsächlich Insekten, eindeutig nicht auf Korriban beheimatet und giftige Reptilien, die wiederum zum Teil aus den lebensfeindlichsten Wüstenabschnitten des Planeten kamen. Marmor auflösender Speichel, Gift das die Luft verbrennt, das war wirklich ätzend! Aber die Macht war mit mir und mein Wissen ausreichend, selbst für diese Gefahren. Und das selbst auf den Knien hockend, manchmal mit dem Rücken zur Wand oder auf dem Rücken liegend. Versucht einmal in solchen Gängen mit dem Lichtschwert zu kämpfen. Da musste ich ja ständig damit rechnen, dass einem die Decke auf dem Kopf fällt oder andere Fallen ausgelöst werden. Nur meinem Geschick war es zu verdanken, dass der Tempel überhaupt noch steht und nicht während der Kämpfe zusammenbrach! Als ich dann aber durch war und in den ersten Räumen ankam, wurde es richtig merkwürdig.“

Ignavius sah Sturn an.

„Euch hätte der Raum gefallen, Janus. Alle paar Meter änderten sich die Schwerkraftverhältnisse. Versteinerte Pflanzen, die eigentlich an der Decke hätten hängen sollen, hingen nun kreuz und quer im Raum. Und die Dornen waren nach wie vor intakt, das Gift darin mit Sicherheit lähmend oder tödlich. An ihnen entlang hangeln musste ich mich, und eng wie immer alles war, war ich mehr als einmal knapp an den tödlichen Spitzen vorbei geschrammt! Ich hatte den halben Raum kaum durchquert, da sah ich schon das in einiger der Gravitationsplattformen Wasser und andere Flüssigkeiten festgehalten wurde und ich musste da durch! Doch schwimmen sie mal kopfüber durch so eine Blase, wenn die Projektoren immer wieder versuchen einen ins Zentrum zu drücken. Doch auch das bewältigte ich, genau so die aus Sand und Insekten bestehenden Kugeln. Und kaum sah es so aus, als wäre ich durch, verschoben sich Steinplatten und ein weiterer dieser Räume lag vor mir, während der hinter mir verschwand. Kein Ausweg, keine Möglichkeit Verstärkung heran zu holen. Ganz auf mich allein gestellt...“

Hörten die beiden überhaupt noch zu? Ignavius war sich nicht sicher, denn der Regen prasselte nur zwei Meter neben ihm mit ganz schöner Wucht auf die Bodenplatten. Wind war auch noch aufgekommen, doch die Robe des Gouverneurs war so standhaft wie ihr Besitzer. Da rührte sich nichts!

„... und dann hielt ich endlich das Holocron in den Händen! Was für ein Anblick! Wären da nicht die Sith Spawn, welcher sich nach meinen Eingeweiden sehnten, es wäre ein wahrhaft glorreicher Moment gewesen. Aber im Gegensatz zu euch aufgeblasenen Adligen, können wir uns solche Momente nicht einfach kaufen! Ich flüchtete also, die legendäre Kriegswaffe auf dem Rücken, das Holocron und die drei Bücher in der Umhängetasche und das knappe Dutzend Rollen unterm Arm. Mehr als eine der verwesenden Kreaturen war einfach durch die Schutzscheiben ihrer Tangs gebrochen und griffen mich nun wie wahnsinnig an. Aber nicht mit Darth Ignavius. Machtstöße fegten die meisten hinfort, anderen brach ich einfach die Glieder, wieder andere wurden von eben jener Waffe in Stücke gehakt, die sie hatten vor mir schützen sollen. Hah! Ihre Gesichter hättet ihr sehen müssen … also das, was davon noch übrig gewesen ist. Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, wo diese ehemals wahrscheinlich recht hübsche reinblütige Sith mich umarmen und ihre paar noch verbliebenen fauligen Zähne in den Hals rammen wollte. Der Gestank, meine Herren, sie machen sich keine Vorstellung. Ach, sie sowieso nicht Sturn. Sie kriegen vermutlich einen Kreislaufzusammenbruch, sollten sie mal nicht irgendwelche chemische Plörre riechen dürfen, welche sie als Parfüm oder sonst was bezeichnen. Ihren Magen ausgekotzt hätten sie! Die haben da Jahrhunderte drin gelegen und gestanden, pah, was sich da entwickeln konnte...“

Irgendwie schien der Regen etwas gegen Ignavius zu haben. Der wurde immer heftiger und der Architekt dieses Gebäudes schien auch irgendwie unter Drogeneinfluss gestanden zu haben, denn das Abwasser vom Dach kam zwar nicht auf dem Hof, aber daneben runter und machte – weil dort wohl irgendwas metallisches stand – einen heidenlärm. Er konnte sein eigenes Wort noch recht gut verstehen, aber die anderen beiden wohl nicht mehr. Machte aber nichts, denn dafür konnte er ja aufstehen. Das tat er auch, schützte sich kurzzeitig mit einem Machtschild und brachte sich und seine wertvolle halb geleerte Flasche ins Trockene. Die Gläser hatte er vergessen und so blieben sie wo sie waren.


„Also, Vokk, sie haben gehört, es gibt dort vieles das man entdecken, vieles das man sich nehmen kann. Und wer es findet, der darf es behalten. Sofern Sie den rachsüchtigen Sith Geistern entkommen, aber okay, das gehört zum Geschäft. Haha.“


Merkwürdig. Wenn er sich an seine heroischen Taten erinnerte und sie sogar laut aussprach, dann schaffte er es sogar sich neben Sturn aufzuhalten und ihn nicht den Hals umzudrehen. Seine Wut war noch lange nicht verschwunden, aber auf ein erträgliches Maß zurückgegangen. Wäre doch nur Saphenus hier. Ihm könnte er noch unzählige Geschichten erzählen. Wie zum Beispiel die über Lady Gwahim. Oh, was das für eine bööööse Frau gewesen war. Ignavius lachte leise in sich hinein. Eine sehr böse Frau. Und nach seinem Geschmack. Schade, das sie bereits seit fünfhundert Jahren tot war. Aber das Gespräch, welches er mit ihrem Holocron-Hologramm hatte führen können, hatte Begehrlichkeiten in ihm geweckt. Aber leider hatte keine seiner Damen sie stillen können. Sie waren so .. phantasielos. Wie Puppen eigentlich. Er brauchte wieder wen mit Feuer … jemanden dessen Emotionen noch nicht abgetötet worden waren … jemanden … ja, genau sie! Ignavius unterdrückte ein bösartiges Grinsen und schaute Sturn und Vo-jetzt-reichts-mir-aber-ich-kann-mir-den-Namen-eh-nicht-merken-und-deshalb-heißt-er-absofort-Schüler von Sturn stattdessen überheblich an. Noch hatten sie sich nicht zu seinen Abenteuern geäußert, doch das war verständlich. Wer von Heldengeschichten erfuhr, und das auch noch von dem Protagonisten himself, der konnte ja nur vor Ehrfurcht verstummen. Sie würden es schon bald akzeptieren können wer er war und dann würden sie auch wieder reden. Bis dahin genoss der Sith die relative Stille. Merkwürdigerweise hatte der starke Regen just in dem Moment nachgelassen, als Ignavius zu den beiden getreten war. Sachen gabs...

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[Bastion – Sith Orden – Hangar – „Silver Spear“ – Torryn (Tier), Iouna, EsNine]



Da kam sie, seine Schülerin. Torryn musste daran denken, wie lange sie eigentlich schon zusammen waren. Seit Telos folgte sie ihm. Als ob Darth Keebo indirekt einen weiteren Schüler gehabt hätte. Sie hatte davon profitiert. Sie war mit Keebos Vergangenheit verknüpft und folgte ihnen deshalb und auch wegen ihm, Torryn. Zweifellos hatte Iouna während dieser Zeit einiges über die Dunkle Seite gelernt, obwohl sie nicht direkt unterwiesen worden war, denn das hatte sich während der Übungen hier auf Bastion gezeigt. Sie war keine einfache Jüngerin oder Adeptin mehr, sie war schon weiter. Selbst der Zwischenfall mit ihrem Bein und die folgende Anpassung der cybernetischen Prothese waren von ihr mit einer nahezu stoischen Ruhe aufgenommen worden. Es hatte sie eher verbissener gemacht, was das Lernen um die Wege der Macht betraf. Diese Verbissenheit konnte sie zeigen, wenn sie Übungskämpfe absolvierten. Wie ein wildes Tier konnte sie auf einen Gegner einschlagen, voller Wut und ohne Skrupel. Leider vergaß sie dann öfter die Defensive, aber kompensierte dies mit dieser Form der Zähigkeit, die sie beim Verlust ihres Beines gezeigt hatte oder früher schon in der kalten, ewigen Dunkelheit auf der Nachtseite von Ryloth.


Torryn hatte damals nur einen kurzen Moment das Aufblitzen eines Schuldgefühls wahrgenommen, als seine Lichtklinge durch Iounas Oberschenkel geglitten war. Reale Kampfbedingungen waren eben der beste Lehrer und Iounas Lichtschwert hatte unter diesen Bedingungen versagt. Danach war er allerdings den Technomanten des Ordens etwas schuldig. Zwar hatte Torryn das neue Bein von Iouna selbst konstruiert und implantieren können, aber das Material und die nötigen Geräte kamen aus einer anderen Quelle. Nun schuldete er jemandem aus den Reihen der Technomanten einen Gefallen. Ein Gefallen hatte einen hohen Wert, gerade bei den Sith, das hatte Torryn während seiner Jüngerzeit schnell gelernt. Ein Gefallen hatte im Machtgefüge der Sith durchaus seinen Platz, denn Intrigen und andere Machtspielchen waren omnipräsent im Orden. Torryn mochte diese Ränkespiele nicht und gerade jetzt fand eine große Benefizgala mit illustren Gästen auf Basion statt, die sicherlich die beste Bühne für einflussreiche und intrigierende Sith bot.


Die Arbeiten am Raumschiff waren fast beendet. Torryn wischte sich den Staub ab und zog den verschmutzten Arbeitsoverall aus, den er sofort in die Ablage für Wäsche beförderte. Noch beim Überziehen eines neuen Shirts, spürte er, wie ihn plötzlich ein Gefühl der Rastlosigkeit erfasste. Iouna. Es kam von Iouna, die gerade das Raumschiff betreten haben musste. Sie wollte fort, weg von Bastion, endlich wieder mal frei sein. Es waren wirklich viele, lange Tage gewesen, aber die Umbauten und Iounas Zustand hatten ihre Zeit gebraucht. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Imperium und der Republik waren nun auch abgeebbt. Es stand nichts mehr im Weg, den sicheren Hafen, Bastion, zu verlassen und das Training und die Ausbildung auf einer anderen Welt fortzusetzen. Torryn dachte bereits an eine wilde, unzivilisierte Welt, denn er wollte jagen, das Wilde kontrollieren, beherrschen. Die Annehmlichkeiten des Ordens ließen die Sinne abstumpfen. Der Geruch von Blut und Angst fehlten. Waren das wirklich seine Eindrücke? Er war Torryn und er war Tier. Es musste so sein. Iouna würde diesem Pfad folgen, weil sie an seiner Seite bleiben wollte. Den Blutrausch, die Rage hatte sie in sich und das war eine sehr gute Voraussetzung. Sie musste nur lernen zu jagen und lernen, wie sie mit dem Biss in das Genick oder die Kehle ihrer Beute den Tod brachte.



Rastlosigkeit wurde zu Vertrautheit. Iouna stand vor ihm und drückte ihm dann einen Kuss auf die Lippen. Torryn umfasste ihre Hüften und drückte ihren schlanken Körper fester an sich. Wie gut sich das anfühlte. Welche Kraft und Energie darin lag. Als sie sich voneinander gelöst hatten, begann Iouna voller Vorfreude das Menü der Kantine zu rezitieren. Torryn verzog den Mund und dachte an das Galadiner. Dann holte er ein paar Nahrungspacks aus dem Vorratslager der „Silver Spear“. Eine dampfende Mahlzeit in einer Plastikschale, als Alternative zur Kantine stand vor ihnen, so wie ein dampfender Kaffee in ihren Bechern, als sich EsNine über das Interkomm meldete.


„Sir, eine Textbotschaft aus dem Orden für sie. Die Botschaft trägt das Siegel der Technomanten. Soll ich die Nachricht zu ihnen durchstellen?“ fragte die künstliche Stimme des Droiden über die interne Sprechanlage. Die Modulation von EsNine war wirklich eigentümlich, aber man gewöhnte sich schnell daran. Immerhin wurde das binäre Signal zunächst in eine normale Zeichenfolge übersetzt und diese wurde dann zur Sprachausgabe moduliert, ein komplizierter und komplexer Vorgang. Torryn hatte sich an die Sprache des Droiden gewöhnt, er fand es so besser, als die Tonfolgen der binären Sprachen, obwohl er auch diese verstand.

Torryn schaute zu Iouna und seine Augen funkelten auf, als er zu ihr sagte: „Da will wohl jemand einen Gefallen einfordern. Irgendwie war es auch an der Zeit. Stelle die Botschaft durch, EsNine.“


Über der Tischplatte entstand ein leuchtendes, rechteckiges Feld, wie ein dünner Bildschirm. Buchstaben entstanden. Es war nur eine kurze Nachricht. Kurz, knapp, mit einer Aufforderung.

„Gefallen sind dazu da, um eingelöst zu werden, Krieger Endral. Ich weiß, dass Sie bereits Ryloth besuchten und dort interessante Entdeckungen machten. Eine weitere Entdeckung wartet möglicherweise auf Roon und die sollen sie für uns finden. Mein Kontaktmann dort wird sie weiter instruieren. Es wird sicherlich eine Herausforderung für sie werden, allein der Flug dorthin. Aber vergessen sie nicht, in wessen Schuld sie stehen.“ Das Siegel der Technomanten drehte sich unterhalb der Nachricht.


Roon, ein Planet nahe Ryloth und umgeben von einem Nebel und Gürtel aus Asteroiden, dem Mantel der Sith, wie man ihn oftmals nannte. Die flimmernde Nachricht schwebte weiter über dem Tisch. Das Essen hatte aufgehört zu dampfen.



[Bastion – Sith Orden – Hangar – „Silver Spear“ – Torryn (Tier), Iouna, EsNine]
 
[Weltraum | Sartinaynian-System | Bastion | Center | Sithtempel | Domäne der Lernenden | Großer Trainingsraum ] Sharoh, Hybris

Mit einer für Hybris sehr typischen Geste forderte der Mensch Sharoh dazu auf sich zu erheben. Das stellte sich als deutlich schwieriger heraus, als die Bewegung angedeutet hatte. Die Muskulatur des Trandoshaners war geschunden wie noch nie zuvor und er hörte alles durch das dumpfe pulsieren der Kopfschmerzen, die sich am heutigen Tage immer wieder eingeschlichen haben. Er rappelte sich auf und versuchte sich so gerade wie möglich hinzustellen, sodass er dem Menschen in die Augen gucken konnte. Auf seine Frage hin, ob die ganze Übung gut genug sei antwortete Meister Hybris ernüchternd. Zwar war ein Lob nicht abzuschreiben jedoch schaffte er es mit Bravur den guten Geschmack zu verderben ,indem er noch einmal betonte es seihe noch nicht gut genug, um Rake zu bezwingen. Das hatte Sharoh um Längen nicht erwartet. Dies schien die einzige Art und Weise zu sein in der sich der Sith-Lord dazu überreden ließ ein Lob auszusprechen, also nahm Sharoh dies zur Kenntnis. Immerhin war er laut Hybris den Aufwand der Ausbildung Wert, im großen Gegensatz zu Kerberos wie es schien. Nachdem Hybris dann die Nachricht des Inquisitors gelesen und sie restlos vernichtet hatte, gab er Befehl für den nächsten Morgen. 10Uhr Bastioner Zeit sollte er an der Domäne der Herrschenden sein. Falls er nicht dort war solle er das Wachpersonal ansprechen und sich zu ihm führen lassen. Eine Warnung nicht seinen Machtsinn zu verwenden wurde dazu gesetzt. Eine sehr wichtige Warnung. Es war verständlich, dass die "Herrschenden" ihr Wissen nicht unbedingt teilen wollten. Und wenn da dann ein dahergelaufener Apprentice anfängt mit dem Machtsinn rumzuschnüffeln, ja das würde wohl nicht auf Sympathie stoßen.

Damit war der erste Trainingstag zu Ende. Er wurde aufgefordert zu gehen und so verließ er leicht humpelnd den großen Trainingsraum in dem er diesen Morgen das erste mal bewussten Kontakt mit der Macht erlebt hatte. Es war beeindruckend. Der Trandoshaner hatte an einem Tag mehr gelernt als in einem Jahr Schul Ausbildung. Es war als hätte er an einem Tag einen komplett neuen Planeten entdeckt, ganz anders als alle anderen im Universum. Und heute hätte er mit Hilfe von Hybris das Basis Lager errichtet. Noch nie hatte sich der Reptiloid so lebendig gefühlt wie jetzt gerade. Alles in seinem Körper schmerzte ausnahmslos. Aber das war nicht wichtig, wichtig war das was nun vor ihm lag. Er hätte sich auf dem Weg nach Bastion nicht erträumen können, was diese Macht-Begabung genau bedeuten würde. Und dann hatte er auch noch das Glück von einem Sith-Lord einem direkten Vertrauten des Imperators, ausgebildet zu werden. Zunächst machte sich Sharoh auf den Weg in die Kantine. Da er den ganzen Tag innerhalb der Mauern des Tempels verbracht hatte war ihm nicht aufgefallen was für eine Uhrzeit sie genau hatten. Aber spätestens daran, dass die Kantine außer einiger wenigen Nachtschwärmer vollkommen leer war, war darauf zu schließen, dass sie wohl um die Mitternacht oder eventuell noch später hatten. Sharoh nahm sich eine ordentliche Portion mit genug Wasser für ein ganzes Battalion Storm Trooper und machte sich daran zu schmausen. Das Essen tat gut. Die Kopfschmerzen gingen langsam zurück, sodass er wieder aktiv seinen Machtsinn ausstreckte und sich anschaute, wer genau noch im Raum saß. Eine Gruppe von Drei Menschen befanden sich an einem der Tische auf der anderen Seite des länglichen Raumes. Einer der Drei war der schwarzhaarige Anwärter, den er noch am gestrigen Abend zur Schau gestellt hatte, die anderen beiden waren ihm fremd. Dazu kamen noch ein Zabrak und mehrere Fast-Menschen.

Vollgefressen stellte der Trandoshaner sein Tablett beiseite und machte sich auf noch eine angenehme Dusche zu nehmen und dann ordentlich zu schlafen, um sich für den morgigen Drill auszuruhen. Nach der letzten Übung sparte er sich den Plan noch einige Techniken nachzulesen dazu war später noch genug Zeit. Was Hybris wohl Morgen zum Thema machen würde? Er hatte gestern, oder war es nun schon vorgestern, noch Machtangriffe abwehren und den Machtstoß erwähnt, was das nachlesen anging. Also würde das wohl thematisiert werden. Oder eventuell noch ein wenig mehr ? Eventuell diese Perfektionierte Körperbeherrschung, die er erwähnt hatte ? Sharoh hoffte es. Alles was ihm in dem unterstützen konnte was er bereits beherrschte, also dem Schwertkampf, würde er nur zu gerne lernen. Auch wenn ein wenig komplett neues auch erfrischend wäre. So voll in Gedanken merkte Sharoh nicht wie sich besagte Drei Menschen sich schnell von hinten näherten. Messer blitzten im Fackelschein auf und der vordere trug ein arrogantes Lächeln auf den Lippen. Es war bereits zu spät, als Sharoh im Machtsinn erkannte wer da hinter ihm herspurtete, da hatten die beiden kräftigen Männer bereits seine Arme gepackt und ihn mit dem Rücken an die Wand gehämmert. Nun hatte der Trandoshaner ein Messer an der Kehle und eines an der Achselhöhle während sich der Anwärter vor ihm genüsslich die Hände rieb.

" Nun du hässliches Echsentier möchtest du dich für etwas entschuldigen ?"

Die Augen des Menschen glitzerten vor Spott. Es war nicht zu übersehen, dass er ein Spielchen spielen wollte.

" Komm zum Punkt Schwächling. "

Spuckte Sharoh ihm entgegen. Die Gesichtszüge des Menschen entglitten. Und in einer Sekunde auf die andere explodierte der Schmerz im Gesicht des Trandoshaners. Ein Hieb, Zwei Hiebe, Drei Hiebe. Ein Tritt. Die beiden Handlanger hielten ihn weiter fest im Griff.

" Spotte nicht über jemanden der mächtiger ist als du, Drecksechse. Du hast mich beleidigt. Du hast meinen Meister beleidigt. Nun wirst du dafür einen entsprechenden Preis bezahlen. "

Er ließ Sharoh keine Zeit zum anworten. Erneut hagelten die Schläge auf den Reptiloid hernieder. Er sah Sterne und blutete aus der Nase. Er konnte von Glück reden, dass er einen Brustpanzer trug, womit Schläge in die Brust und die obere Bauchregion vollkommen nutzlos waren. Sharoh spuckte einen Zahn aus.

" Ich hätte dich nicht verspottet, wärst du nicht so nutzlos im Schwertkampf Schwächling. "

Diesmal kamen die Worte etwas nuschelnd. Anscheinend hatte er sich bei einem der Hiebe auf die Zunge gebissen. Egal. Sharoh wehrte sich mit Händen und Füßen, nutzlos. Obwohl er wohl deutlich kräftiger und größer war als einer der Menschen im einzelnen reichte es nicht für zwei die ihn festhielten. Ein weiterer Schlag diesmal aufs Auge. Sofort fing das empfindliche Gewebe drum herum anzuschwellen und zu schmerzen. Sharoh verfluchte seinen Stolz, dass er nicht einfach um Gnade wimmern konnte. Es ging nicht.

" WAR DAS ALLES ? SCHWACH! WIE ALL IHR DRECKIGEN WEICHHÄUTER. ERBÄRMLICH ALLE MITEI- !"

Nun hatte der Anwärter vor ihm einen Schlagstock gezogen. Er hämmerte unermüdlich auf dem Kopf und Schulterbereich ein, bis er keuchend damit aufhörte und Sharoh aus diversen Platzwunden blutete. Er hatte keine Kraft mehr. Seine Muskeln waren zu ausgelaugt. Der Schmerz hämmerte aus so vielen Stellen gleichzeitig es war nicht auszuhalten.

" SCHWACH! "

Gab er spuckend von sich. Erneut holte der Humanoid vor ihm zu einem weiten Hieb aus. Der Trandoshaner sammelte seine letzte Kraft und zog seinen Kopf ein Stück bei Seite, wodurch die Faust schmetternd die Wand flog. Ein Schrei entfleuchte dem schwarzhaarigen, jedoch war das noch nicht alles. Wie ein Tier biss Sharoh in den Unterarm des Apprentice und zerrte daran wie ein Hund an einem Stück Fleisch. Ein kreischen war zu vernehmen und ein:

" STECHT IHN AB. STECHT DIESES MONSTER AB. STECHT IHN SCHON AAAAAAABBB! "

Gesagt getan. Erneut explodierte der Schmerz aber diesmal im Unterleib des Reptiloid. Immer und immer wieder stachen die beiden zu, bis Sharoh dazu gezwungen war den Arm los zu lassen. Ein dickes Stück Fleisch hing halb aus dem zerfetzten Ärmel.

" NIEMAND VERSPOTTET VICTARION GENDEWN! NIEMAND VOR ALLEM KEINE NICHTMENSCHLICHER ABSCHAUM WIE DU! "

Die Stimme war zu einem Kreischen verkommen. Sharoh bekam davon aber nicht wirklich viel mit. Ihm war schwarz vor Augen und er hörte alles, als wäre er Unterwasser. Ein letztes mal explodierte der Schmerz in seinem Gesicht. Dann war da nur leere. Einen kurzen Moment hörte er noch ein

" Schleift dieses Tier vor die Krankenstation. Wir wollen ja nicht, dass die Inquisition uns auf die Pelle rückt."

Danach verfiel Sharoh in einen tiefen Schlaf. Er konnte an nichts denken, als an die Schmach die ihm gerade widerfahren war. Er wurde besiegt. Zusammengeschlagen, abgestochen. War er Tod ? Er wusste es nicht. Das einzige was er sah, war der mahnende Blick seines Onkels.

[Weltraum | Sartinaynian-System | Bastion | Center | Sithtempel | Domäne der Lernenden | Krankenstation ] Sharoh und Stationspersonal.
 
Bastion, Center, Arthious-Gedächtnishalle, Damennasszelle: Saphenus, Zoey und Sane alias Krayne


Der unverschämte anmaßende Lord Saphenus, der ihr bis in die Damen-Nasszelle gefolgt war, widersprach ihr natürlich, dass er es nicht so gemeint hätte, wie sie es aufgefasst hatte. Allerdings dementierte er es anders als erwartet. Er gehöre hier ebenso nicht her, wie alle, die etwas Grips im Kopf hätten oder so ähnlich. Nun ja, Zoey teilte diese Meinung sogar und doch nahm sie ihm das nicht wirklich ab, es so gemeint zu haben. Sie wusste, dass er anders dachte! Und dann immer dieses abschätzige: “meine liebe Dr. Liviana!”! Da kam einem doch die Kotze hoch! Wieso nannte er sie nicht gleich Doktorchen!? So etwas Selbstherrliches! Abwertendes! Niedermachendes! Doch, sie vermied es ihm Paroli zu bieten, denn ihr Selbsterhaltungstrieb war stärker! Sie hatte schon genug gesagt! Doch plötzlich hielt der Lord mitten im Redefluss inne und sagte etwas Merkwürdiges. Mit ihr wäre auf der letzten Mission etwas passiert?! Worauf wollte er nur hinaus?

“Ich verstehe nicht, was Sie meinen?”

Sie merkte, dass ihre Stimme entsetzlich zitterte. Er wollte sich ein anderes Mal darüber mit ihr unterhalten. Nun meinte er, dass es schade wäre, dass sie keine Sith sei, sonst hätte sie sich gut vor dem Vogel, was wohl die Ursache des Ärgernisses war, selbst schützen können.

“Ja, ich wäre auch so manches Mal gerne in der Lage, mich selbst schützen zu können, doch leider ist mir das eben nicht vergönnt!”

Sie wäre zu gerne ein Machtnutzer, wer wäre das nicht und wäre nicht so auf deren Hilfe angewiesen, ganz besonders auf Missionen! Allerdings müsste sie nun wirklich nicht zwingend eine Sith sein, doch das erwähnte sie einem Sith gegenüber lieber nicht. Und, einer der Sith hätte ihr ja mal schnell helfen können! Sie dachte an die Jedimeisterin Kestrel, wie sie uneigennützig in großer Eile ein großes Schutzschild für eine ganze Gruppe, zu der sie gehörte, aufgebaut hatte, als eine Lavine herunter stürzte und alles begrub.

Zoey verstand nicht, warum er sie so belustigt anschaute, während er mit Worten fast Mitgefühl aussprach. Er heuchelte! Eindeutig! Und, er schob es dem Gouverneur in die Schuhe! Möglich wäre es und doch glaubte Zoey vordergründig, dass Saphenus dafür verantwortlich war. Sie sagte lieber nichts dazu!

Jetzt fasste er ihr auch noch ins Gesicht. Eine Gänsehaut und ein eisiger Schauer, der ihr über den Rücken glitt, waren die Folge, während ihr Atem stockte. Sein dürrer Finger erinnerte sie an die Berührung durch Darth Hybris, der ihr auch mit seinen ekligen Fingern, die eines Gerippes, ins Gesicht gefasst hatte. Doch Saphenus wischte ihr nur eine Träne weg, die sie doch nicht vermocht hatte, im Zaum zu halten. Sie fühlte sich wie ein kleines Kind! Und, obendrein erbärmlich und zerbrechlich!

Er begrüßte natürlich ihre Entscheidung und versprach ihr, dass Hybris sie nicht belästigen würde. Zoey sah ihm in sein einziges Auge, um zu ergründen, ob er die Wahrheit sagte und es ihm ernst damit war? Doch er war unergründlich für sie. Besonders Vertrauen erweckend war er nicht, wie alle Sith eigentlich! Sie hatte einmal den Fehler gemacht und einem Sith vertraut und das war Hybris, ihr ganz persönliches Monster! Und, er war sein Schüler und hatte eigentlich eine ganze Menge Ähnlichkeit mit ihm, wenn sie ihn näher betrachtete. Sprich, um so länger sie ihn kannte, um so mehr Ähnlichkeiten fielen ihr auf. Wie der Meister, so der Schüler!


Er meinte nun, dass ihre Zusammenarbeit sich für sie auszahlen würde. Sie hatte doch erwähnt, dass sie nicht so reich wie die Leute hier wäre. Nun ja, ein bisschen mehr hatte sie seit dem Buchverkauf schon auf dem Konto, doch war sie vom Reichtum dieser Leute hier auf der Gala meilenweit entfernt! Ihr Vermögen stieg Tag für Tag, doch es verdienten auch noch andere Leute wie ihre Agentin und ihr Verlag daran mit. Für die Finanzierung einer Forschungsmission würde es nicht reichen und nach Korriban kam sie wohl ohne die Sith nicht. Korriban war für die Sith so was wie heiliger Boden!

Nun musste er noch eine spitze dreiste unpassende Bemerkung machen! Das Blut im Gesicht hätte ihr gestanden?! Dann wurde er abfällig und sarkastisch Sane gegenüber. Er hätte Zoey kein Haar gekrümmt! So einem Sith war man doch auf Gedeih und Verderb ausgeliefert! Endlich schickte er sich an zu gehen! Zoey war die ganze Zeit angespannt wie ein Flitzebogen gewesen. Sie war jetzt völlig fertig! Sie konnte die Haltung kaum noch wahren und war kurz davor, erneut in Tränen aufgelöst zusammen zu brechen. Es war klar, dass er ihre Antwort einholen würde, aber es war noch so früh und Zoey hatte noch längst nicht damit gerechnet. Vor allem nicht direkt nach der Sache mit dem Blut und nicht hier an diesem Ort. In der Damen-Nasszelle hatte sie Zuflucht gesucht und nicht damit gerechnet, weil sie dachte, dass so ein Ort tabu wäre.


Plötzlich hielt der Lord inne und drehte sich nochmal um. Unwillkürlich bekam Zoey erneut einen Schreck und sah ihn fast erschrocken an. Was er dann sagte, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Sie musste sich unwillkürlich am Waschbecken fest halten. Hybris! Er war hier! Er fragte nach ihr?! Als Saphenus endlich wirklich draußen war, brach Zoey in Tränen aufgelöst zusammen. Ihr blieb doch keine Wahl! Oder? Jetzt hatte sie ihm zugesagt und er würde denken, sie würde kommen. Sie könnte statt dessen vielleicht doch flüchten!? Was, wenn er für seinen Meister arbeitete und sie erst zu ihm brachte? Aber, würde sie weit kommen? Wenn sie zu ihm freiwillig ging, wäre sie nützlich für ihn und er hätte keinen Grund ihr etwas an zu tun, oder? Vielleicht sagte er ja die Wahrheit und würde sie beschützen?! Sie vertraute ihm nicht! Sie hatte solche Angst vor Saphenus! Und, sollte auf sein Schiff kommen! Aber, Hybris hatte ihr den Tod versprochen! Sollte sie nun wirklich gehen oder doch lieber abhauen!? Sie heulte Herz ergreifend, furchtbar bitterlich und hatte auch allen Grund dazu!

“Bitte, lass mich ein wenig alleine! Ich muss jetzt einfach alleine sein!”,

bat sie schluchzend ihren Personenschützer. Sie war verzweifelt!


Bastion, Center, Arthious-Gedächtnishalle, Damennasszelle: Zoey und Sane alias Krayne
 
[Bastion - Center - Sith Orden - Domäne der Herrschenden - Meditationskammer - Darth Hybris]

Eine Stunde, sieben Minuten und ein paar Sekunden nachdem Hybris sich in die Tiefschlaftrance begeben hatte, klopfte es an der Tür. Es war kein herkömmliches Klopfen, sondern ein von der Sprechanlage übermitteltes. Sozusagen der Klingelton dieser Meditationskammer. Das er so einen überhaupt besaß, hatte der Sith Lord nicht gewusst, scherte sich aber auch nicht groß darum. Immerhin war es ein erträglicher Klang gewesen. Seine Blick zuckte zur Tür, während er in der Macht den Öffnungsmechanismus betätigte. Das schwere, zweigeteilte Schott fuhr gleichzeitig in Decke und Boden und ließ eine gebeugte Gestalt erkennen. Die Macht sagte dem Sith, dass es sich um einen der auserwählten Diener dieser Domäne handelte. Er war nicht machtsensitiv und litt an einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung. Es gab sicherlich auch einen Fachbegriff dafür, doch Hybris konnte nur im Gehirn des Menschen lesen und die Störungen erkennen. Um eine passende Diagnose stellen zu können, hätte er sich besser mit psychischen Erkrankungen auskennen müssen. Was der Lord aber definitiv erkennen konnte, denn er hatte in der Irrenanstalt auf Coruscant solche Fälle erlebt, war, das der Mann eine sogenannte Inselbegabung besaß. In irgendetwas war er besonders gut, dafür aber in vielen anderen Bereich völlig nutzlos. Ein nur allzu passender Diener. Er war vermutlich blind loyal, konnte sich weder Gesichter, noch Namen merken, sah niemanden an und war stets unterwürfig. Dafür aber konnte er sich gut Dinge merken, organisieren oder strukturieren. Irgendwas in der Richtung sicherlich. Und er würde sich niemals von sich aus von dieser Domäne entfernen, niemals per Gedankenmanipulation umgepolt werden können. Da hatte man sich sicherlich einige Gedanken gemacht und dann Inquisitoren und Alchemisten auf ihn angesetzt. Seinem Gehirn hatte man einiges angetan, aber vor allem verbessert, ohne aber die von Geburt an bestehende Entwicklungsstörung zu beseitigen. Sith waren doch wahrhaft Monster. Was sie ihrer Umwelt und Mitbürgern nicht so alles antaten.
All das hatte Hybris mit nur einem einzigen Körperscann herausgefunden und dann nochmals rund zehn Sekunden lang alles durchdachte. Erst dann meldete er sich zu Wort, denn der Diener schien es nicht zu tun. Wohl eine entsprechende Anweisung.

Was?“

Man sollte derart geistig beschränkte Personen nicht mit allzu vielen Worten überfordern. Selbst dann nicht, wenn sie entsprechend modifiziert worden waren. Außerdem war ein kurzes und knackiges „Was“ immer noch besser als drei oder vier Sätze, die im Endeffekt auf das selbe hinaus liefen.

„Euer Schüler, Anomander Rake. Er bat um Einlass, dem wir ihn verwehren mussten. Nun fragt er nach Euch, Mylord.“

Hybris Blick huschte kurz auf die Uhr – Rake war seiner Kalkulation nach zu früh dran -, dann stand er auf, sammelte während er hinaus ging alle Gegenstände von sich wieder ein, befestigte sie am Körper und verließ dann die Meditationskammer. Er war ohnehin fertig und hatte die letzte viertel Stunde nur noch genutzt um Aminosäuren aus sterbenden Zellen zu reproduzieren. Der Diener, den er nun besser sehen konnte, wenn auch im Augenblick nur den Rücken, ging leicht gebeugt und behielt seine Hände krampfhaft hinter seinem Rücken. Er machte viele kleine Schritte und das obwohl er eigentlich so groß wie Hybris war und deshalb entsprechend weiter ausholen konnte. Weil er sich aber, ob nun bewusst oder nicht, kleiner machte, wirkte das ganze Schauspiel doch etwas merkwürdig. Seine Kleidung wirkte edel, war makellos und saß wie angegossen. Der geschorene Kopf entblößte weder Narben, noch sonstige Fehler. Hätte ihn Hybris nicht zuvor noch durchleuchtet und würde er nicht so merkwürdig laufen, man hätte den jungen Mann für einen angehenden Beamten halten können. Aber so eine Position würde er niemals bekleiden. Wer einmal Diener dieser Domäne war, blieb es bis zu seinem Tod. Aber immerhin war er relativ sicher.

Am Eingang angekommen, verschwand der Diener nach einer letzten Verbeugung und Hybris trat vor das Tor. Rake stand an der Wand gelehnt und wirkte nicht sonderlich glücklich, aber auch nicht wütend. Enttäuscht traf es wohl besser. Es stellte sich schnell heraus wieso. Die Information, wann der Rat das nächste mal zusammen kam, hatte er nicht besorgen können. Zumindest nicht außerhalb dieser Domäne. Reingelassen hatte man ihn aber nicht, auch nicht als er meinte der Schüler von einem Sith Lord zu sein. Die beiden Wachen, die auch jetzt noch neben dem Tor standen und stur nach vorne sahen, schienen sich nicht so einfach abspeisen zu lassen. Was Hybris durchaus begrüßte, auch wenn es seine eigenen Schüler betraf. Lieber allen und dann auch meinen Schülern misstrauen, statt niemanden, dachte er und winkte ab. Daraufhin fragte er, ob er Sharoh begegnet war, doch der Feeorin konnte nur verneinen. Es mochte noch nicht der Zeitpunkt gekommen sein, wo Sharoh hätte hier sein müssen, doch etwas früher anzukommen konnte auch nicht schaden. Als ob allein der Gedanke an den Trandoshaner ausreichen würde, um die Sache zu beschleunigen, meldete sich plötzlich Hybris Kommunikator. Er nahm ihn aus der rechten Innentasche, sah kurz auf das Display – es war die Primäre Krankenstation des Ordens – und nahm dann das Gespräch an. Eines, das ebenfalls sehr kurz ausfiel. Sharoh schien in einen Vorfall verwickelt worden zu sein, einen „Vorfall“ der ihn fast umgebracht und auf die Krankenstation geschickt hatte. Da auch der Feeorin dort bis vor kurzem hätte sein sollen, blickte der Sith Lord den Apprentice an, doch der reagierte kaum. Höchstens zufrieden, aber gelogen hatte er nicht. Er war seinem Mitschüler nicht über den Weg gelaufen und freute sich jetzt nur über dessen Schaden. Sei es drum. Hybris kündigte sein Erscheinen an und legte dann auf.

Was jetzt schon wieder.

In Rakes Richtung machte er lediglich eine „folge mir“-Geste und begab sich dann auf kürzestem Wege zur Krankenstation in der Domäne der Lernenden. Dort angekommen dauerte es nur Sekunden bis er vor dem Tank stand, indem der Trandoshaner scheinbar schlafend vor sich hin schwebte. Man bemerkte Hybris recht schnell und schien es dieses mal für nötig zu halten, sogar einen echten Arzt zu schicken, obwohl ein Droide es genau so gut hätte machen können. Als ob er seine Meinung, Haltung oder Umgangsart gegenüber dem Personal ändern würde, nur weil ein organischer Arzt mit ihm sprach. Dieser erklärte ihm mit wenigen Worten was dem Trandoshaner angetan worden war und musste von Hybris nur kurz darauf hingewiesen werden, dass ihn nicht jedes Detail interessierte. Kurzum: Man hatte auf ihn eingeschlagen und eingestochen und dabei beinahe umgebracht. Wäre er kein Trandoshaner, er wäre vermutlich sogar tot. Auf Hybris Frage hin, wieso man ihn erst jetzt, am Ende der Regenerationsphase anrief, teilte man ihm mit, dass man ihn nicht hatte erreichen können, weil sein Kommunikator angeblich nicht aktiviert oder nicht innerhalb von Center gewesen ist. Ohne den Arzt darauf hinzuweisen, dass das nicht stimmte, machte sich Hybris seine eigenen Gedanken dazu. Vermutlich war die Domäne der Herrschenden speziell abgeschirmt worden. Zum Beispiel um Holocams oder halt auch Kommunikatoren, die ja ebenfalls über eine Miniholocam verfügten, zu stören. Ergab Sinn, nur daran gedacht hatte er vorher nicht. Er entließ den Mann also mit einem Nicken und darauffolgendem eisernen Schweigen und wartete einfach die letzten Minuten ab. Aber nicht ohne Sharoh in dieser Zeit in die inzwischen geöffneten Augen zu schauen. Der Sith Lord sparte es sich irgendetwas durch die Macht zu übermitteln, sondern wartete einfach geduldig ab. Dem Trandoshaner war die ganze Aktion nicht wirklich peinlich, doch sein Stolz war definitiv angekratzt. Er würde Rache wollen. Und je nach Ausgangssituation war Hybris durchaus bereit sie ihm zu gewähren.

Als der Trandoshaner schließlich vor ihm stand – Rake war noch immer vor der Krankenstation und wartete – und seine beschädigte Kleidung zurückbekam, wartete Hybris so lange bis niemand mehr in Hörreichweite war. Dann folgte lediglich eine knappe Geste mit der rechten Hand und die Andeutung eines fragenden Gesichtsausdruckes. Sharoh verstand und berichtete Hybris von dem Vorfall. Er ließ ein paar zu viele Details aus, vielleicht weil er glaubte das sie unwichtig sein oder weil er zu wütend war, doch Hybris würde schon nachfragen. Aber nicht hier. Er nickte deshalb einfach nur und als sie dann aus der KS raus und in Richtung Alchemisten-Pyramide waren, setzte Hybris das Gespräch fort.

„Ich fasse also nochmal zusammen. Du hast dich mit irgend einem unbedeutenden Schüler, diesen Gende-sowieso angelegt. Ihn locker bezwungen, verhöhnt und somit eine Racheaktion provoziert. Und weil er zu schwach ist um dich in einem fairen Duell zu besiegen, hat er sich zwei Kumpel geholt und dich verdroschen. Und weil du meintest, das wäre noch nicht genug und du hast das Maul noch nicht weit genug aufgerissen, hast du sie weiter provoziert und damit beinahe deinen Tod besiegelt. Stimmt das so in etwa?“

Interessanterweise war Rake gar nicht mehr so schadenfroh wie Hybris erwartete hätte. Tatsächlich empfand der Feeorin sogar Wut. Und die richtete sich nicht gegen seinen Mitschüler. Ja, interessant.
Sharoh hatte keine allzu große Wahl. Er musste Hybris Zusammenfassung so stehen lassen, selbst wenn er bei gewissen Details anderer Meinung war.

„Ich werde dir deinen Stolz ganz sicher nicht austreiben, denn der gehört wie deine Instinkte zu dir. Er macht dich zweifelsohne stärker. Was wir hingegen ändern müssen ist deine Sichtweise. Aber dazu kommen wir, wenn wir uns um die drei gekümmert haben.“

Die beiden gingen nebeneinander her, während Rake das Schlusslicht bildete und scheinbar auch keine Probleme damit hatte. Ordnete er sich etwa gerade freiwillig unter, damit die Angreifer von Sharoh ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden? Vermutlich stört ihn nur der feige Akt. Eine Art von Feigheit, die ihm beinahe seinen Lieblingsgegner gekostet hätte. Und da beide Apprentice bis unter die Kopfhaut stolz waren, würde er ihm seine große Klappe wohl kaum vorwerfen.


„Korrektur. Du wirst dich darum kümmern. Ich nehme an du willst dich an allen dreien rächen?“


Wollte er.

„Die beiden Jünger sind nicht Mitglieder des Ordens. Wer aber ein Mitglied des Ordens, also in diesem Falle dich, angreift oder gar zu töten versucht, den schützt niemand mehr, schon gar nicht irgendwelche Jünger. Was den Apprentice betrifft. Wie hieß er nochmal genau? Aha. Nie gehört. Informiere dich über ihn. Gehört er oder sein Meister keinem Zirkel an, mach mit ihm was du willst. Gehören sie einem Zirkel an, achte darauf das du sie allein, weit von ihrer Pyramide entfernt erwischst und mache dann was immer du willst. Sollte ein Inquisitor auftauchen, schicke ihn zu mir. Du sagst lediglich das du eine Rechnung beglichen hast. Reich das nicht, und das wird es wahrscheinlich nicht, verweise explizit auf mich. Ich erlaube dir hiermit alles … nein, nicht nur nötiges zu tun, sondern alles mit ihnen zu tun was du willst.“

Hybris blieb stehen und drehte sich zu Sharoh um, der seinerseits das selbe tat. Der rechte Zeigefinger des Sith Lords landete auf seiner Brust.


„Doch merke dir für die Zukunft: Wenn du erneut eine persönliche Fehde heraufbeschwörst, sorge dafür das du deinen Gegner früh genug tötest oder ihm selbst wenn er Verstärkung erhält, überlegen bist. Oder drei Schritte voraus. Du bist hier nicht mehr im Dschungel. Hier verbünden sich die Schwachen und Feiglinge und warten den richtigen Moment ab. Und können dann selbst dich umbringen. Bevor du dich aber um sie kümmerst, beenden wir das Training um die Grundlagen. Es wird nicht lange dauern. Und danach werde ich mich persönlich darum kümmern, dass du dich angemessen um die drei kümmern kannst. Ich werde es sicherlich nicht zulassen, dass irgendwelche Schwachköpfe anfangen sich zusammenzurotten und die Schüler von Sith Lords umbringen. Du wirst ein entsprechendes Zeichen setzen!“


Und damit ging er weiter, wobei seine ausnahmsweise von Wut begleiteten Worte noch im Gang widerhallten. Niemand kam damit durch wenn er seine Werkzeuge beschädigte oder zerstörte. Nicht, wenn er in der Lage war sich dafür angemessen zu revanchieren.

Obwohl das ungleiche Trio eigentlich in Richtung Alchemisten-Zirkel unterwegs gewesen ist, nahmen sie schließlich doch einen anderen Weg. Und zwar einen Turbolift, der sie direkt in die Domäne der Oberen führte. Beziehungsweise in einen Vorraum davon, denn auch hier mussten sich Nicht-Executoren und Lords erklären. Dank Hybris Anwesenheit waren aber keine längeren Identifikationsprozesse oder Erklärungen notwendig. Man ließ sie anstandslos passieren. Danach begaben sie sich zu einen der leeren Trainingsräume, welchen der Lord sogleich verschloss. Und im Gegensatz zu den Räumen weiter unten, konnte man hier sogar per Konsolenbefehl eingeben, das man verdammt noch mal nicht gestört werden wollte. Das war natürlich keine Garantie, aber immer noch besser als das was da unten passierte. Und das ständig. Immer diese nervtötenden Unterbrechungen. Wäre Sharoh die ganze Zeit über in dieser Domäne geblieben, sie hätten diese Verzögerung nicht gehabt. Hier gab es schließlich auch alles was man brauchte. Krankenstation, eine Art Kantine, Trainingsräume und Meditationskammern. Solange sich seine Schüler ausweisen konnten bzw. die schriftliche Erlaubnis von Hybris besaßen, würden sie hier oben bleiben können. Auch wenn das vermutlich nicht gern gesehen wurde und womöglich auch Probleme mit sich brachte. Deshalb hatte er es bisher auch nicht wirklich in Erwägung gezogen...

Der Trainingsraum war natürlich besser ausgestattet als die Standardräume unten. Hier gab es sogar echte Lichtschwerter, tonnenweise Trainingsdroiden, wobei die schwersten sogar Schilde, schwere Panzerung und Lichtschwerter trugen. Hier konnte man alleine auf einem sehr viel höheren Niveau trainieren.

„Rake. Dieses mal wirst auch du gut zuhören. Den Machtstoß magst du schon beherrschen, doch mir ist nicht entgangen, dass du noch Probleme mit der effizienten Energieverteilung und Umleitung hast. Du benutzt deine Macht nicht so effektiv wie du könntest. Und das reduziert die Macht die du aufbringen kannst und verkürzt damit deine Einsatzfähigkeit. Machtsinne auf mich.“

Da beide ausgeruht waren und die dunkle Seite in dieser Domäne stärker wirkte, hatten sie ihn quasi sofort erfasst. Er streckte daraufhin seine rechte Hand aus und begann die Macht durch seinen Arm, hindurch in seine Handfläche zu leiten. Sie schien regelrecht dahinzufließen, doch plötzlich stoppte sie am Rand seiner Fingerkuppen und kam einfach nicht weiter. Da aber immer mehr Macht nachkam, wurde sie in der Hand komprimiert. Und das so lange, bis sie – aus Sicht eines Machtnutzers welcher nur seine Machtsinne benutzte – hell leuchtete. Und dann gab er die Energie frei. Es gab einen recht lauten Knall und fast im selben Augenblick wurde die hintere Wand getroffen. Sie wurde nicht wirklich erschüttert, doch die Schränke an den angrenzenden Wänden wackelten kurz.

„Auch hier gibt es zwei Anwendungsmöglichkeiten. Die erste, die klassische, ist das was ihr eben gesehen habt. Macht in irgend einem Körperteil, vornehmlich der Hand, sammeln und dann irgendwann abgeben. Der Stoß ist stark, erfasst einen größeren Bereich und ist durchaus in der Lage selbst tonnenschwere Gegenstände, bis hin zu Gleitern und Jägern, wegzustoßen. Aber selbst auf mittlerer Entfernung ist er nicht mehr effizient. Sobald etwas weiter als zwanzig Meter entfernt ist, lässt der Nutzen des Stoßes stark nach. Für diesen Zweck gibt es dann die zweite Möglichkeit. Sie erforderte mehr Geschick, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und natürlich Erfahrung.“

Auch diese Technik demonstrierte er, indem er seine Hand wieder auf die selbe Wand ausrichtete, dieses mal aber ein Lichtschwert aus einer der Schränke levitierte und in der Luft gefangen hielt. Wieder bündelte er seine Macht, leitete sie in die rechte Hand, doch anstatt jetzt einfach loszulassen, brachte er seine Finger in eine Position, die es so aussehen ließ als würde er ein Ei halten. Es sah nicht ganz so elegant aus, als der Machtstoß jedoch schließlich seine verformte Hand verließ und das Lichtschwert zehn Meter entfernt traf, wurde die Wand dahinter gar nicht getroffen. Die gesamte Energie hatte lediglich das Schwert erwischt.

„Da die Energie so hoch konzentriert ist, könnt ihr damit Gegner oder Gegenstände noch in einer Entfernung von einhundert Metern treffen und wegstoßen. Es gibt noch eine dritte Anwendungsmöglichkeit, eine die ihr schon jetzt ausprobieren könntet, wo aber nicht viel bei herauskommen wird. Ich werde sie auch nicht demonstrieren, sondern nur kurz erklären.“

Seine Hände wieder hinter dem Rücken an sein Schwert gelegt – diese Position gefiel ihm inzwischen -, sah er die beiden Apprentice wieder direkt an.


„Ich sagte eben, man benutzt für den Machtstoß meist die Hände. Das liegt daran das man damit leichter zielen kann. Im Prinzip kann man sie aber mit jedem Körperteil abfeuern. Und auch mit dem gesamten. Die dabei entstehende Schockwelle ist äußerst zerstörerisch, wenn natürlich auch kräftezehrender. Auf dem Niveau eines Sith Lords oder Jedi Rates kann die Macht sogar derart stark konzentriert werden, das alles, was von der Welle erfasst wird, atomisiert wird. Es löst sich einfach auf, egal was es ist. Das ist mit einem normalen Machtstoß nicht möglich.“


Hybris nickte seinen beiden Schülern zu.

„Ihr seid beide Nahkämpfer, werdet eure Machtstöße also aus nächster Nähe abfeuern können. Sofern es euch möglich ist, spart euch das auf wenn der Moment günstig ist und ihr sie aus nur wenigen Zentimetern Entfernung treffen könnt. Du Sharoh. Falls du diesen anderen Apprentice nah genug kommst, sodass du ihm die Klaue auf die Brust legen kannst und schießt dann einen Machtstoß ab, kannst du davon ausgehen das weder sein Herz stehen bleibt oder seine Lungen kollabieren. Ein jeder Machtstoß wird von einer Druckwelle begleitet, welche vor allem organisches Gewebe leicht durchdringt und Knochen und Organen zerstören kann, ohne das die Haut auch nur verletzt wird. Unterschätzt den Machtstoß also nicht. Die meisten Machtnutzer scheinen ihn zu nutzen um sich Zeit zu erkaufen, doch er ist deutlich zerstörerischer als Machtblitze oder Gegenstände durch die Gegend levitieren und auf andere zu schmeißen. Und noch ein letzter Hinweis: Ihr werdet recht schnell eine Grenze erreichen, ab der es für euch schwieriger sein wird mehr Macht in euren Händen zu sammeln. Vorerst solltet ihr sie nicht überschreiten. Tut ihr es doch, müsst ihr für jeden weiteren Punkt gebündelter Energie zwei Punkte eurer Reserven opfern. Einen für die Energie an sich und den anderen um sie in der Hand zu halten, denn der Druck steigt natürlich an. Es macht demnach nur wenig Sinn, es sei denn ihr müsst es tun, weil ihr sonst verliert oder sterbt.
Rake, aktiviere schon einmal zwei Trainingsdroiden für euch. Passiv-Modus. Sharoh, wenn du noch Fragen hast, stell sie, ansonsten sorge dafür das der Droide einen Mechaniker braucht.“


Und damit zog sich Hybris leicht zurück, den Blick aber weiter auf Sharoh geheftet...

[Bastion - Center - Sith Orden - Domäne der Oberen - Trainingsraum - Sharoh, Darth Hybris und Anomander Rake (NPC)]
 
[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Vor dem 14. Stock eines Apatmentgebäudes / Gleiter ] Sikarius

Mittlerweile hatte der Regen deutlich an Heftigkeit gewonnen. Was vorhin noch ein leises Klopfen auf den Speederscheiben gewesen war, äußerte sich nun als dumpfes Grollen, während Schlieren aus Wasser die Scheiben hinabliefen. Ungeduldig wartete Sikarius darauf, dass Adria ihm endlich das Fenster öffnete, während kaltes Wasser seine komplette rechte Seite durchnässte, da er die Beifahrertür nicht wieder geschlossen hatte. Dann, endlich erschien das Mädchen am Fenster, schob es hoch und bat ihn mit einem kecken Grinsen hinein. Jetzt erst ließ der Mörder die Illusion fallen und wollte etwas sagen, doch da ertönte das Geräusch eines sich drehenden Schlüssels im Schloss der Wohnungstür.

Adria schloss dass dies der Sohn sein müsse, doch das war Sikarius in diesem Moment egal. Noch immer mit seinem schwarzen Tuch um das Gesicht gewickelt, schnellte er sich tropfend durch das geöffnete Fenster und hatte in ein paar schnellen Schritten die Tür erreicht. Platt drückte er sich neben ihr an die Wand und hielt die Luft an. Klickend öffnete sich die Tür und ein Junger Mann kam hineingetorkelt. Unwillkürlich stieg dem Mörder der penetrante Duft nach Alkohol in die Nase und sein geschundenes Gesicht teilte sich zu einem süßen, kleinen Grinsen.

Unauffällig wartete er, bis die Tür sich geschlossen hatte. Der Betrunkene trat in die Wohnung hinein, hielt dann jedoch schlagartig inne, als sein Blick auf den Küchentisch fiel, an dem seine Familie gefesselt und geknebelt saß und ihn aus flehenden Augen heraus anstarrte. Selbst der Taxifahrer war in der Zwischenzeit aufgewacht, doch der Betrunkene hatte keine Zeit mehr zu schreien. Bevor er sich über das zu Sehende vollständig klargeworden war, war
Sikarius hinter ihm aufgetaucht. In einer fließenden Bewegung schlang er das Tuch um den Mund seines Opfers, legte die Reste seines rechten Armes um dessen Kehle und drückte mit unsichtbaren Fingern zu.


„Schöne Träume…“

Murmelte er mit einem sanften Tonfall und wartete darauf, dass der Druck auf die Halsschlagader Wirkung zeigen würde. Wenige Sekunden später sackte der junge Mann in sich zusammen und schlug hart auf den Boden auf, als er nicht mehr von dem Mörder hinter ihm aufrecht gehalten wurde. Dieser war wieder zum offenen Fenster gesprungen, hatte in den Speeder gegriffen und zog mit einem triumphierenden Grinsen eine Rolle silbergrauen Panzertapes hinaus. Damit fesselte er den Betrunken ebenfalls an einen Stuhl und betrachtete dann zufrieden das Werk. Vier Stühle waren belegt, einer noch frei. Sikarius hatte einen Gedanken wer diesen besetzen würde, doch als erstes musste etwas anderes erledigt werden.

„Los, hilf mir den Speeder auszuladen!“

Sagte er und kletterte wieder zurück hinein. Halb mit Hilfe der Macht, halb mit der Hand reichte er Adria alles, was zum folgenden Vorhaben gebraucht werden würde. Plastikfolien und Mülltüten waren zum Glück noch nicht allzu sperrig oder schwer. Es dauerte also nicht sonderlich lange bis alles ausgeladen und ordentlich in einer Ecke gestapelt worden war.

„Ich werde den Speeder auf dem Dach parken gehen. Du verstärkst die Fesseln noch einmal mit Panzerband und besorgst dann den Portier, der dich gesehen hat. Was du ihm erzählst ist mit egal, aber pass beim Imperator auf, dass dich sonst niemand sieht. Ich hab nicht genug Tüten dabei um die ganze Population dieses Gebäudes mitzunehmen. Verstanden?“

Adria hatte verstanden und so schwang Sikarius sich wieder auf den Fahrersitz. Das Fenster einfach offen lassend gab er Gas und zog den Steuerknüppel in die Höhe. Ärgerlich pfiff er durch die Zähne. Warum musste dieses verdammte Hotel über fünfzig Stockwerke haben?! Immerhin ging es schnell und kurz darauf landete der Speeder mit den abmontierten Nummernschildern auf dem abgeflachten Dach des Gebäudes. Zwischendurch schien der Regen kurz nachgelassen zu haben, prasselte nun jedoch wieder mit unverminderter Gewalt auf den gelbbraunen Durastahl. Mit wütendem Gesichtsausdruck sprang er aus dem Fahrzeug und schüttelte sich wie eine nasse Katze, als der eisige Regen ihn binnen Sekunden bis auf die Haut durchnässte.

Vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend ging er über das Dach, bis er eine kleine Tür fand, die ins Innere des Apartmentkomplexes führen musste. Kurz rüttelte er daran und musste frustriert feststellen, dass man auch hier nicht an Sicherheit gespart hatte. Auf der Außenseite war noch nichteinmal ein Schloss angebracht.


Reiß die verdammte Tür raus!

Wollten wir nicht KEINE Spuren hinterlassen?!

Beinahe sofort begannen Denker und Würger sich zu streiten, was Sikarius so gut er konnte versuchte auszublenden. Schließlich streckte er die Hand aus und entsandte einen Miniaturmachtstoß auf die Stelle, wo er auf der Innenseite das Schloss vermutete. Es knirschte laut und eine deutliche Beule offenbarte sich auf dem Durastahl, doch dann schwang die Tür auf. Befriedigt grunzte der Mörder und trat hindurch. Inzwischen hatte er Gesicht und Haare wieder sicher verborgen. Demonstrativ blickte er in eine der sichtbar angebrachte Kameras und zwinkerte ihr zu, bevor er zügigen Schrittes zum Aufzug ging, in dem zu dieser späten Stunde zum Glück niemand mehr war. Unterdessen überlegte er fieberhaft ob er an alles gedacht hatte. Alle potentiellen Zeugen würden gleich im Apartment der Summers anwesend sein. Adria hatte nur einen Portier erwähnt, also war allem Anschein nach niemand im Aufzug gewesen als sie hochgefahren war. Hatten so teure Wohnungskomplexe nicht manchmal Aufzugjungen? Dieses offenbar nicht. Die Kameras würde man später noch loswerden. Dafür würde er sorgen. Doch jetzt galt es fürs erste zurück zur vierzehnten Etage zu fahren.

Als er die Wohnung der
Summers mit dem Schlüssel des Sohnes aufschloss, war Adria noch nicht wieder zurück. Offenbar brauchte sie ein wenig länger um die gewünschte Person aufzutreiben. Nun gut. Dann musste Sikarius wohl einen Teil der Arbeit alleine erledigen. Sich aufmerksam umschauend begann er von Raum zu Raum zu streifen und sich die Gegebenheiten anzusehen. Am geräumigsten war die Wohnküche in der die Familie saß, direkt gefolgt vom Schlafzimmer der Mutter, das von einem breiten Doppelbett dominiert wurde. Auf dem Nachttisch standen eingerahmte Familienporträts, die der Mörder sich genauer besah. Darauf zu sehen war die Mutter, einige Jahre jünger, die ihre Arme um einen gebräunten Mann in ihrem Alter schlang. Auf einem waren die Kinder zu sehen, der Junge vielleicht acht, das Mädchen jedoch maximal vier. Während er auf die Filmsiplastbilder starrte kam ihm eine lustige, kleine Idee und unter dem Tuch verbreiterte sich das Grinsen noch weiter. Doch zunächst ging es weiter. Das Zimmer des Mädchens bedachte er nur mit einem Seitenblick, blieb jedoch einen Moment länger in dem des Jungen stehen.

Es war ein heller Raum, bis zum Rand gefüllt mit allerlei Dingen, die
Sikarius als Kind nie gehabt hatte. Eifersüchtig biss er die Zähne auf einander und war versucht Holoconsole und Copmuter einfach an Ort und Stelle zu zerschlagen. Er hatte bereits seine Machtfühler ausgestreckt, besann sich dann jedoch eines Besseren. Diesem verwöhnten Balg das es sich leisten konnte abends sturzbesoffen heimzukehren würde er es schon zeigen. Der Mörder durfte weiterleben, der verwöhnte Schnösel jedoch nicht.

Zähneknirschend ging er zurück und griff sich die Plastikplanen, die er gekauft hatte. Damit legte er zunächst das Badezimmer und vor allem die Wanne aus und legte die Mülltüten säuberlich daneben. Dort wurde auch der kleine Koffer mit den Messern ausgelegt. Lediglich ein rasiermesserscharfes Skalpell nahm er für sich mit. Die zweite Plane fand ihren Platz im Schlafzimmer. Sie war groß genug um ungefähr den ganzen Boden abzudecken, hörte jeweils kurz vor den Wänden auf. Warum hatte er eigentlich noch mehr Planen mitgenommen? Nun gut, jetzt war es eh zu spät. An der Decke platzierte er einen Antigravhaken und stellte auf dem Boden eine Kontruktion aus dem Trichter, einem Schlauch und einem Kanister auf, die abfließendes Blut umgehend auffangen würden. Schließlich trat er zurück und betrachtete zufrieden sein Werk. Soweit so gut. Jetzt musste er nur noch dafür sorgen, dass auf dem Weg zwischen Schlafzimmer und Bad nichts auf den Boden tropfte. Dieses Problem löste er, indem er auch hier diverse Folien verlegte. Innerlicht lachte er laut, als er die verwirrten Gesichter seiner baldigen Opfer betrachtete.

Schließlich kam dann auch
Adria zurück. Der Portier war nicht länger bei Bewusstsein. Offenbar hatte sie ihm irgendetwas Schweres über den Hinterkopf gezogen, denn eine blutige Wunde war durch seine kurzgeschnittenen Haare erkennbar. Na hoffentlich hatte sie damit nicht den Boden vollgetropft. Mit ihm wurde genauso verfahren wie mit den anderen. Auch er wurde gefesselt und geknebelt und auf dem letzten Stuhl platziert. Endlich waren alle beisammen. Erleichtert nun endlich frei atmen zu können entfernte Sikarius das Tuch um sein Gesicht und trat vor sein geknebeltes Publikum. Das halb verbrannte Gesicht war zu einer Grimasse verzogen, dass ein breites Grinsen bezeichnete, jedoch nur auf der gesunden Hälfte wirklich zur Geltung kam. Sein eines Auge leuchtete vorfreudig-gelb als er noch einmal seine Schultern lockerte und dann mit der Faust leise auf den Tisch klopfte, wie um ein Meeting zu eröffnen. Irgendwo im Hintergrund stand Adria, doch das war ihm egal. Sie hatte schon auf Noe’ha’on Silvia töten dürfen. Jetzt war Sikarius an der Reihe.


„Sie fragen sich sicher alle, warum ich Sie hier heute versammelt habe“

Sagte Sikarius und beugte sich über den Tisch. Sein Blick fiel auf den Portier, der noch immer bewusstlos war. Ein schwacher Machtstoß schoss auf dessen Gesicht zu und klatschte mit der Macht einer saftigen Ohrfeige dagegen. Der Mensch stöhnte auf, rührte sich aber weiter nicht. Er setzte nach und schließlich öffnete der Mann seine Augen, die sich sofort mit Angst füllten. Zufrieden nickte der Mörder.

„Ich habe da ein kleines Projekt, für das ich Hilfe brauche. Aber zunächst will ich ein Spiel spielen. In diesem Haushalt lebte einst ein junger Mann, der Ehepartner dieser jungen Dame“

Mit seinem Armstumpf wies er auf die Matriarchin des Haushalts. Adria hatte sie Ninett Summers oder so ähnlich genannt

„Ich persönlich bin neugierig wie viel Wertschätzung seiner Erinnerung entgegengebracht wird. Ich werde verschiedene Fragen über ihn stellen und wer Sie nicht beantworten kann scheidet aus und hilft mir bei meinem Projekt. Wie, werden Sie dann schon sehen.“

Mit einem Gedanken zog er das Skalpell aus der Tasche und trat auf dem Taxifahrer zu. Mit der Macht packte er ihn am Hals um ihn am Schreien zu hindern und schnitt seinen Knebel durch.

„Zuerst einmal sollten wir uns vorstellen, nicht? Mein Name ist Sikarius und wie heißen Sie, guter Mann?“

Fragte er freundlich und beugte sich zu dem blonden Menschen hinab. Dieser kniff wütend die blauen Augen zusammen und machte den Eindruck ausspucken zu wollen. Die scharfe Schneide des Skalpells an seinem Hals brachte ihn auf sinnvollere Gedanken.

„Falmer…Delvarus.“

Keuchte der Mann schließlich und fügte in giftigem Tonfall hinzu

„Ich spiele keine kranken…Spiele mit! Ich kenne diese Familie noch nichteinmal! Mein Bruder wird…“

Weiter kam er nicht. Kommentarlos klebte Sikarius ihm einen Streifen Panzertape über den Mund, was den Menschen selbstverständlich verstummen ließ. Nun kam die Reihe an den Portier. Der kleine, dicke Mensch entschied sich fürs Flehen, musste jedoch nach einer Ohrfeige seinen Namen als Tighe Bordalla preisgeben. Der Rest war ohne Probleme möglich. Anstandslos nannte Familie Summers ihre Namen und wurde wieder geknebelt.

„Frage Nummer eins!“

Begann Sikarius schließlich und warf einen Seitenblick auf die Uhr. 0230. Das ging noch. Also konnte er sich etwas Zeit lassen.

„Wie hieß Herr Summers mit Vornamen?“

Wieder trat er zu Delvarus und erlaubte es ihm zu sprechen

„ICH KENNE DEN MANN NICHT!“

Presste dieser jedoch lediglich hervor. Kurz wartete Sikarius, doch es folgte keine Antwort. Nun gut. Wenn der Mann nicht wollte… Er knebelte ihn wieder und wandte sich an den Rest der Gesellschaft.

„Dann scheinen wir ja unseren ersten Freiwilligen für mein Projekt zu haben. Sie müssen nicht mehr auf die Frage antworten, Falmer hier hat sich ja noblerweise selbst geopfert“

Kurz konzentrierte er sich und zwang den Taxifahrer schließlich dazu aufzustehen. Dicht hinter ihm bleibend zwang er ihn ins Schlafzimmer, wo er ihm zunächst sämtliche Bekleidung vom Leib riss. Er wollte nicht, dass irgendwelches Blut daran haften blieb und sich auf dem Boden verschmierte. Anschließend schwebte Delvarus in die Höhe und wurde an den Füßen an den Antigravhaken gehängt. Selig lächelnd sah Sikarius ihm einen Moment lang zu wie er zappelte und versuchte sich zu befreien. In der Macht sog er die Todesangst in sich ein und zog daraus Kraft. Zwar hatte er die Macht heute schon viel und ausgiebig genutzt, doch die starken Gefühle füllten seine Reserven wieder um ein gutes Stück.

„Tja, Falmer. Hättest du mal geantwortet.“

Sagte er leise und setzte die Klinge an dessen Hals an. Ein schneller Schnitt und dunkler Lebenssaft ergoss sich gurgelnd in den Trichter und von da aus in den Kanister. Es dauerte mehrere Minuten bis Falmer Delvarus komplett ausgeblutet war. Schließlich kamen jedoch nur noch Tropfen aus dem geöffneten Hals und Sikarius nickte befriedigt. Ohne sich die Mühe zu machen die glasigen Augen zu schließen hängte er ihn ab und brachte ihn ins Bad, was in der Wohnküche von entsetztem Keuchen quittiert wurde. Den noch warmen Leichnam legte er in die Wanne und wandte sich dann an Adria.

„Mach ihn klein und füll ihn in die Mülltüten die ich dir ausgelegt habe. Und beeil dich. Gleich gibt es Nachschub“

Noch einmal ging er ins Schlafzimmer und wechselte den Kanister, bevor er zurück zu seinen Opfern ging. Die nächste Frage wurde gestellt, diesmal nach der Haarfarbe von Herrn Summers. Mutter und Kinder konnten antworten, doch diesmal schied der Portier aus. Ohne die Tränen der Angst mehr als nur eines Blickes zu würdigen, brachte er auch ihn ins Schlafzimmer, wo mit ihm exakt nach Plan verfahren wurde. Jedoch war Adria noch immer nicht mit dem ersten Körper fertig und so trieb er sie zu noch größerer Eile an.

Der nächste Unglückliche war der Sohn. Vermutlich aufgrund seines Alkoholpegels hatte er sich bei der Augenfarbe vertan und wurde dem gedämpften Schreien seiner Mutter ins Schlafzimmer gebracht. Zwar hatte
Adria ein wenig aufgeholt, doch war sie noch immer nicht mit dem Portier fertig, als der Junge hineingebracht wurde.

Die nächste Frage wurde von dem Mädchen nicht richtig beantwortet. Jedoch hatte auch
Ninett in einem verzweifelten Versuch ihre Tochter zu retten eine völlig falsche Antwort gegeben. Einen Moment überlegte Sikarius, nahm dann jedoch trotzdem das Mädchen mit. Die Emotionen der Mutter waren einfach zu köstlich, um das ganze jetzt schon zu beenden. Er hatte nur einen flüchtigen Blick für den nackten Körper des Mädchens, das etwa in Adrias Alter war, übrig. Zum einen war sie nicht Adria und zum anderen überdeckte seine Mordlust jegliche andere körperliche Reaktionen.

Ninett bekam überhaupt keine Frage mehr gestellt. Sie hätte ohnehin nicht mehr antworten können. Nach getaner Arbeit griff Sikarius Adria ein wenig unter die Arme und zusammen schafften sie es auch noch die letzten Reste zu verpacken. Anschließend ging es ans Aufräumen. Die Planen wurden zusammengerollt und die Kanister mit Blut in die Kühlboxen gestellt. Akribisch behandelte er alle Blutstropfen die danebengegangen waren mit Bleiche und ging anschließend die Wohnung noch einmal mit seinem Machtsinn durch um sicherzugehen auch wirklich alle organischen Spritzer erwischt zu haben.

Anschließend ging es wieder zum Dach, wo er in den Speeder stieg und wieder vor dem offenen Fenster hielt.


„Du belädst den Speeder. Pass auf dass nichts runterfällt oder tropft. Ich gehe mir jetzt die Kameraaufzeichnungen holen.“

[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Apartmentgebäude / 14. Stock / Ex-Wohnung der Summers ] Sikarius und Adria
 
[Bastion – Sith Orden – Hangar – „Silver Spear“ – Iouna, Torryn (Tier), EsNine]


Selbst ein eingeschweißtes Essen aus dem Vorratslager konnte unendlich lecker riechen, besonders, wenn man richtig Hunger hatte. Beschwingt löste sich Iouna von Torryn und schlenderte zum Spind, um das Besteck zu holen. Die Tür ließ sich nur mit Nachdruck öffnen. Sie klemmte immer noch, wie damals, genauso wie am ersten Tag, bei ihrem ersten Flug mit Torryn nach Ryloth. Sie nahm das Besteck aus dem Spind heraus und schloss die Tür wieder. Torryn zog gerade ein neues Shirt an. Einige Sekunden lang betrachtete sie seine Bewegungen, die Beschaffenheit seiner Haut auf den unbedeckten muskulösen Unterarmen. Seit ihrer ersten Begegnung war er noch größer geworden, seine Muskeln definierter. Wie ein einst geträumter Traum kam ihr all das vor, alles, was auf dem Schiff bereits geschehen war, was sie fühlte, alles so unwirklich und so lange her. Selbst die Mission auf Ryloth – alles vollkommen unwirklich.

Unwillkürlich glitt ihr Blick zum Eingang zur Schleuse, einem der wenigen Bereiche des Schiffes, der jetzt unbeleuchtet im Dunklen lag. Aber gleich bezwang sie sich von dort wegzuschauen, auch wenn es ihr plötzlich unglaublich schwer fiel. Sie musste weg schauen, weil sie sich gerade an Ian Dice erinnerte. An Ryloth zu denken hieß für sie auch, automatisch an Ian zu denken. In diesem Schiff zu sein, vor der Schleuse zu stehen, bedeutete ebenfalls, an ihn zu denken. Ryloth und Ian waren unzertrennlich. Ryloth und die „Silver Spear“. Ein Staunen stieg in ihr auf, eine nackte Verwunderung darüber, wie schnell doch alles verging, wie schnell ein Leben eine solche Wendung nehmen konnte. An Ian hatte sie schon so lange nicht mehr gedacht. Schon gar nicht an diesen Ian, den verletzten, den sie, Iouna und Torryn, durch diese Schleuse in das Innere der ‚Silver Spear‘ hineingetragen hatten. Aber sie wollte nicht mehr an Ian denken, sie war sich dessen überdrüssig. In ihr war kein bewusster Gedanke mehr, der sie mit Ian verband, und kein Gefühl.

Sie legte das Besteck neben die Schalen mit dem noch dampfenden Essen. Der Tisch war breit genug für ihre zwei Schalen, zwei Kaffeetassen und für das Besteck. Erneut verspürte sie Hunger und auch Torryn schien sich auf das Essen zu freuen. Ungeduldig rückte er den Stuhl näher an den Tisch, setzte sich hin und anfangs beäugte skeptisch das Essen, dann nahm aber den ersten Bissen zu sich.

Aber ob Torryn seinen Meister vermisste? Ob er sich von ihm verlassen fühlte? Schließlich war ihre Meister-Schüler Beziehung abrupt zu Ende gegangen, das war sicherlich nicht üblich in den Sith-Ausbildungspraxis. Sie fragte sich, wie ein Meister seinen Schüler einfach so und ohne Skrupel verlassen konnte, aber sie wusste keine Antwort darauf. Vor allen Dingen, hatte sie kein Verständnis dafür. Wie konnte ein Meister, ein Sith-Meister sich so leicht machen, die Schuld von sich weisen, die Schuld auf sie, Iouna abwälzen, um dann aus ihrem Leben einfach zu verschwinden? Danach wusste niemand, wo er sich befand. Das kränkte auch sie, Iouna. Das zehrte an ihr, das wühlte in ihr und beleidigte sie. Aber was fühlte Torryn? Sollte ein Sith, ausgerechnet ein Sith-Executor (Darth Keebo) nicht eher über den Dingen stehen? Sie, Iouna, würde unbedingt lernen wollen, über den Dingen zu stehen. Sie würde auch niemals einen Schüler, ihren Schüler, der ihr in jeder Hinsicht unterlegen sein mochte, auf diese Weise verlassen. Niemals.

Kräftig stach sie mit der Gabel in ein dampfendes Stück Fleisch, genoss den Geruch, den es verströmte und schob sich in den Mund. Trotz des köstlichen Duftes blieb es zäh und ließ es sich kaum zerbeißen. Iouna mochte den eisigen Geschmack, lutschte lange an dem Stuck Fleisch, saugte den köstlichen Saft, um dann den nicht ganz zerkauten Klumpen runter zu schlucken. Aber bevor sie sich der Speise weiter widmen konnte, regte sich schrillend Torryns Interkomm. Noch kauend an den im Mund verbliebenen Essresten, las sie die durchgestellte Textbotschaft aus dem Orden, die das Siegel der Technomanten trug. Wichtig genug, um ganz aufhören zu essen. Nun sollten sie beide, sie und Torryn, nach Roon, einem Planeten, der in der unmittelbaren Nähe Ryloths liegen würde. Dort würde ein Kontaktmann auf sie warten.

Nachdenklich, immer noch sprachlos, spürbar konsterniert sahen sie sich eine Weile an.

Ryloth also. Nun war es Iouna, die wieder zu essen begann, diesmal schnell und hastig, als ob sie auf die Abreise nicht länger warten könnte. Sie stillte jetzt den Hunger. Die Bissen stopfte sie automatisch in den Mund, kaute und schluckte, ohne an den Geschmack der Speise zu denken. Der noch heiße Kaffee schmeckte aber phantastisch. Schon beim ersten Schluck vermischte sich eine kribbelnde Freude mit Aufregung und ihr Herz machte einen Sprung. Sie atmete zufrieden durch und lehnte sich in ihrem Stuhl entspannt nach hinten.


„Haben wir eigentlich alles, was wir für eine Reise brauchen, oder muss noch etwas besorgt werden? Was hat es mit der schwierigen Route an sich? Was denkst du? Ich denke, wir sollten das auf jeden Fall ganz genau überprüfen.“



[Bastion – Sith Orden – Hangar – „Silver Spear“ – Iouna, Torryn (Tier), EsNine]
 
[Weltraum | Sartinaynian-System | Bastion | Center | Sithtempel | Domäne der Lernenden | Krankenstation ] Sharoh und Stationspersonal.

Sharohs Kopf war leer. Er träumte von nichts, außer von der Schuld von der Schande die er auf sich geladen hatte. Er hatte es nicht vorhergesehen, dass dieser Victarion sich zusammenrottet und ein Exempel statuieren wollte. Vor allem nicht in dieser Art und Weise. Die ganze Situation war völlig neu für den Trandoshaner gewesen. Eine solche Feigheit hatte bei ihm in der Heimat noch niemand begangen. Hatte man verloren so hatte man den Spott verdient. Man war eine Enttäuschung vor der Zählerin selbst und hatte dafür zu büßen. Das war vollkommen normal auf Dosha gewesen. Sharoh hatte schon von solchen Situationen in Familien Fehden gehört, jedoch war es ihm noch nie selbst untergekommen. Und es war nicht das erste Mal, dass er einen Gegner auf diese Art und Weise in Grund und Boden stampfte. Nun war er ein Schandfleck. Das schlimmste waren noch nicht einmal die Verletzungen die er im Traum jedoch kein bisschen wahrnahm. Das was Sharoh immer und immer wieder vor Augen geführt wurde, war die Hilflosigkeit in der er sich befunden hatte. Alleine gegen Drei und sie hatten ihm noch nicht einmal eine Chance gegeben sich zur Wehr zu setzen. Es gab nur einen Weg sich von dieser Schande zu entbinden. Rache, blutige Rache. Sharoh würde diese Weichsack und seine Handlanger umbringen. Langsam, grausam, als würde er wie ein Raubtier mit seiner Beute spielen.

Schlagartig erwachte er. Verschwommen erkannte er einige Medidroiden, die an seiner Bauch Region herumwerkelten und einen Menschen, der das ganze betrachtete. Komischerweise spürte er keinerlei Schmerz, ein hoch auf lokale Betäubung. Als er sich dann aber zu bewegen versuchte hörte er nur eine blecherne Stimme, die ihn aufforderte liegen zu bleiben und ohne Umschweife eine Nadel in den fixierte Unterarm des Reptiloiden bohrte. Kurz bevor das Betäubungsmittel wirkte röchelte Sharoh noch.

" Mei- . . ster Hybris. "

Sein Gesicht war geschunden und die wenigen Bewegungen brannten in dem kurzen Moment der Klarheit die ihm blieben bevor er zurück in die Traumwelt fiel. Diesmal fiel seine Traumwelt positiver aus. Er sah Victarion auf einen Stuhl gefesselt mit einem Blick der nichts anderes als Angst ausstrahlte. Das blutige Häutungsmesser in der Hand machte er sich auf dem Menschen eine neue Gesichtspartie zu verpassen, verpasste ihm ein ordentliches lächeln, denn sollte er sich nicht glücklich schätzen von einem Jäger wie ihm zur Strecke gebracht zu werden ? Jung, mit einer glänzenden Zukunft nur dieser verdammte Menschenabschaum hatte ihm rote Zahlen in seine Jagganath gebracht. Wut brandete durch seinen betäubten Verstand wie eine Flut Welle über ein Fischerdorf. Vernichtete alles ließ nichts zurück weder Leben noch Besitz. Verschlang es alles als wäre es nie da gewesen. Und genau das würde mit Gendewn passieren. Sharoh würde ihn vernichten, als hätte er nie einen Schritt in diesen Tempel gemacht.

Er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, jedoch erwachte er erneut, mit diversen Verbänden. Zwei kräftige Jungen, der eine ein Zabrak der andere ebenfalls ein Mensch bewegten ihn in Richtung der Bacta Kammer. Als der Arzt, den er bereits beim letzten Erwachen gesehen hatte das Wort erhob, hörte es sich an als würde er aus weiter Ferne sprechen. Nicht alles verstand Sharoh, aber einiges Verstand er. Er würde die nächsten Stunden im Bacta verbringen und sie konnten seinen Meister nicht erreichen. Hatte er Hybris enttäuscht ? Es wäre verständlich. Den Schwächling Kerberos war er losgeworden. Warum dann nicht ihn ? Im Gang abgestochen zu werden klang nicht nach einem Tod, den ein Sith sterben würde. Kurz darauf schwebte Sharoh auch schon in der wertvollen Flüssigkeit und schon spürte er das vertraute Kribbeln einer Wunde, die gerade verheilte. Das Bacta katalysierte die natürlichen Heilungsfertigkeiten seiner Rasse, sodass er beinahe erspüren konnte, wie sich seine Wunden am Bauch im Sekundentakt schlossen. Es würde nichts bringen weiter einfach aus dem Tank heraus zu starren, also schloss er die Augen um noch ein wenig zu schlafen. Würde er trainieren können ? Er hoffte es. Jetzt, da er im Bactatank war hatte der Trandoshaner die Gewissheit zu sterben abgelegt. Er hoffte nur nicht wegen solch einem Mist dauerhaft eingeschränkt zu sein. Das passierte normalerweise bei seiner Spezies nicht und Narben blieben auch selten erhalten, wegen der Jährlichen Häutung. Jedoch gab es einen geringen Prozentsatz, die doch zum Krüppel wurden. Ein Schauer lief ihm merklich über den Rücken als er daran dachte. Er versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren und fand dadurch auch schnell Schlaf.

Gut ausgeruht erwachte Sharoh einige Stunden später. Durch das dicke Glas des Tanks konnte er Hybris erkennen. Seine Augen musterten ihn ohne jedes Mitleid, ohne jedes Gefühl. Er hatte das Gefühl der Lord würde abwägen, ob der Trandoshaner die Mühe Wert wäre. Immerhin hatte er es geschafft sich innerhalb von Zwei Tagen einen Nemesis und einen Rivalen zu schaffen. Das Sprach nicht wirklich für eine problemlose Ausbildung, dass musste Sharoh zugeben. Die Kammer öffnete sich und auf wackligen Beinen verließ er diese. Ihm wurden seine zerstörte Kleidung gereicht, jedoch musste er sich zunächst einmal vernünftig hinstellen. Zwar schienen die Wunden oberflächlich geheilt zu sein, aber ein dumpfer Schmerz zog sich immer noch über seinen Bauch und seine komplette Kopfregion. Anschließend zog er sich an, ärgerte sich über die Löcher in seinem Oberteil und legte zusätzlich noch den Brustpanzer an. Er hatte nicht viel geholfen, aber trotzdem bevorzugte der Trandoshaner die schwere der Rüstung auf seinen Schultern. Sie hatte eine gewisse Sicherheit in sich, die kein Ort, keine Person ihm vermitteln konnte. Rake war nicht dabei, jedoch spürte Sharoh eindeutig seine Aura vor der Tür. Immerhin Hybris und Rake konnte er einwandfrei identifizieren und bemerkte sofort wenn die "bekannten Gesichter" in der Nähe waren. Mit einer knappen Geste der rechten Hand und einem fragenden Gesichtsausdruck vermittelte Hybris, dass er wissen wolle was geschehen sei. Wütend schnaufte Sharoh aus den Nasenlöchern.

" Ein Anwärter, den ich beim Tag meiner Ankunft im Schwertkampf besiegt habe war der Überzeugung er müsste ein Exempel statuieren und mich mit Zwei Jüngern überraschen. "

Er war sich eindeutig sicher, dass es Jünger waren. Obwohl sich genau neben ihm gestanden haben waren ihr Auren dermaßen schwach gewesen. Und außerdem waren sie so hörig, dass er sich nichts anderes vorstellen konnte.

" Zu Dritt haben sie mich zusammengeschlagen, wollten mich winseln sehen wie einen Welpen. Ich habe ihnen diese Genugtuung nicht gegeben, denn egal wie viele sie sind Beute bleibt Beute! Und weil diese Feiglinge selbst mit Dreien zu dumm waren habe ich dem Anführer besagtem Apprentice Victarion Gendewn ein Stück aus seinem Arm gerissen. Danach wussten sie nichts besseres als mich abzustechen. Abschaum! "

Während er die letzten Sätze mich einem solchen Hass ausgespuckt hatte, dass selbst ein Rancor Angst bekommen hätte, hatten sie bereits die Krankenstation verlassen und Rake hatte sich hinter den beiden eingegliedert. Während Hybris noch einmal das gesagte in seinen Worten und mit allem nötigen Spott zusammenfasste blickte Sharoh über die Schulter zu seinem Mitanwärter. Er fand keinen Spott in seinem Gesicht und spürte auch nichts in dieser Richtung. War der Feeorin solidarisch? Oder versteckte er diese Gefühle nur hinter einer Maske, die seine bescheidenen Machtsinne nicht durchdringen konnten ? Er wusste es nicht. Stattdessen stimmte er Hybris missmutig zu. Er hatte keine Racheaktion provoziert. Schande den schwachen Ehre den starken. So war es auf Trandosha schon immer gewesen. Aber hier unter diesem Menschenvolk schien das anders zu sein. Dabei waren auch sehr viele Nichtmenschen im Tempel, doch einen übermäßigen Großteil machten die humanoiden aus. Das Imperium mit ihrer menschlichen Dominanz. Wäre es um Sharoh gegangen er hätte wohl den Spieß umgedreht doch wer war er schon ? Ein Jüngling. Hybris machte noch einige mysteriöse Kommentare zu der Änderung seiner Sichtweise, bei denen sich der Trandoshaner vollkommen unsicher war, wie sie gemeint waren, aber immerhin hatte der Lord seinen Stolz gelobt. Als sein Meister hinzusetzte, er sollte sich selbst um die Rache kümmern war Sharoh einen kurzen Moment verwirrt. Wer hätte sich denn sonst darum kümmern sollen ? Und auf die antwortete Sharoh mit einem entrüsteten.

" Natürlich ! "

Erst sprach er von dem Stolz seines Schülers und dann solch eine Frage. Es war wohl eher rethorisch gemeint gewesen. Anschließend wies Hybris kurz auf alle Probleme, die während einer solchen Aktion entstehen könnten. Immerhin würde niemand seine schützende Hand über die Drei halten, das würde wohl die meisten Probleme ausschalten. Es folgte eine Mahnung. Der Mensch hatte sich vor ihm aufgebaut und den Zeigefinger aufgebaut und brachte alle Fehler, die Sharoh während des Konfliktes gemacht hatte auf den Punkt. Zwar lag seine Heimatstadt mitten in der Wüste und nicht im Dschungel aber woher sollte Hybris das auch wissen. Ja er hatte sich nicht genügend vorbereitet und nein er hatte nicht erwartet, dass sich Victarion Unterstützung holen würde. Rückblickend sehr naiv, aber nun war er schlauer. Er würde diesen Fehler nicht wiederholen niemals. Zunächst würde Hybris aber die Grundlagen zu Ende bringen und sich persönlich darum kümmern, dass Sharoh genug vorbereitet ist die Drei zur Strecke zu bringen. Die letzten Sätze des Lords waren so getränkt mit Wut, dass es Sharoh ein lächeln auf die Lippen zauberte. Das konnte nur gutes bedeuten. Ausrüstung und Männer, dass würde er brauchen. Und diese Ressourcen hatte sein Meister zur Verfügung, da war sich Sharoh sicher. Er würde diese verdreckte Weichhaut jagen wie ein Tier und ihn auch zur Strecke bringen. Genauso seine Diener.

Diesmal ging es nicht zum Trainingsraum, den sie am letzten Tag genutzt hatten, stattdessen stiegen sie in einen Turbolift nach oben. Der Trandoshaner wusste aus der Literatur der Vortage nur, dass alle oberhalb der Domäne der Lehrenden quasi Sperrzone für Jünger und Anwärter war. Doch mit Hybris an der Front wurden sie ohne Probleme durchgelassen und fanden schnell einen anderen Raum zum trainieren. Diese waren deutlich besser ausgerüstet als jene Etagen darunter. Droiden für Trainingszwecke, hochwertigere Trainingsgeräte und einige Konstruktionen, die Sharoh nicht sofort deuten konnte. Nach dem eintreten und dem verriegeln der Tür wies Hybris noch einmal darauf hin, dass Rake wohl heute mittrainieren könnte. Also aktiv. Nicht nur alleine in der Ecke.
Ich hole auf hm ? Sprach der Trandoshaner in Gedanken. Verwarf es aber gleich wieder als er sich falsch bewegte und seine Bauch Region zu pochen begann. Immerhin tat sein Kopf nur äußerlich weh und das ausstrecken des Machtsinnes in Richtung von Hybris barg keinerlei Problem. Hybris leitete die Macht durch seinen Arm, bis sie an seinen Fingern stoppte und sich langsam aufstaute. Bis sie dann frei gelassen wurde und in einem lauten Knall eine Schockwelle auslöste. Sharoh konnte sich diverse Möglichkeiten der Anwendung dieser Fertigkeit vorstellen und brannte nur darauf diese auszuprobieren. Aber zunächst erklärte der Lord, was er genau getan hatte. Er erklärte auch die geringe Reichweite der Fertigkeit und wies sofort auf die zweite Möglichkeit hin. Diesmal konzentrierte Hybris den Stoß, wodurch er wie ein Wurfspeer durch die Luft schoss. Das ganze war extrem akkurat und traf eine Lichtschwert, ohne das irgentwelche Kraft dabei verloren ging. Als aller letztes erklärte Hybris noch die Möglichkeit das ganze auch mit anderen Körperteilen als mit der Hand zu benutzen. Es wäre Kräftezehrender und schwieriger auszuführen jedoch genauso Möglich und genau so zerstörerisch. Die Schockwelle könne sogar Knochen zum zerbersten bringen ohne auch nur die Haut anzukratzen. Die ganze Erklärung gefiel dem Reptiloiden immer mehr und mehr vorallem das Beispiel mit Victarion.

Es war wieder Zeit für eine Übung. Fragen hatte Sharoh keine mehr. Also schüttelte er nur kurzerhand mit dem massigen Kopf und machte sich fertig den Trainingsdroiden zu zerlegen. Die Metallbestie war breit und wäre er nicht auf passiv hätte er wohl einen guten Gegner abgegeben. Stabil sah er auch noch aus. Das würde ein Spaß werden. Zunächst baute sich Sharoh vor seinem neuen Trainingspartner auf und hielt einfach nur die Hand in Richtung des "Gesichts".
Langsam immitierte Sharoh das, was Hybris demonstriert hatte. Es brauchte erneut einige Anläufe, die Kraft verpuffte meist in diverse Richtungen, da er es nicht schaffte in eine gewisse Richtung zu binden. Anstatt die Macht dann bis in die Fingerspitzen zu leiten versuchte Sharoh es mit der Handfläche. Zwar dazu mehr Kraftaufwand nötig, aber diesmal gab es einen Knall und ein Ruck ging durch den Droiden.
Erbärmlich . . . Dachte Sharoh und versuchte es erneut. Diesmal steckte er sich ein höheres Ziel. Immer mehr Energie pumpte der Trandoshaner und staute sie in seiner Hand, bis zu dem Punkt, den Hybris schon erwähnt hatte. Er brauchte zu viel Kraft den Druck zu kontrollieren also ließ Sharoh einfach los. Ein ohrenbetäubeneder Knall war so hören und sein Arm wurde zurückgeschmettert. Durch den Rückstoß hatte sich Sharoh falsch bewegt und sein Unterlieb gab ihm einen ordentlichen Stick wodurch er stöhnend auf ein Knie ging. Er fasste mit der anderen Hand zu Ort des Schmerzes. Es blutete nicht. Immerhin. Nun schaute in die Richtung des Droiden. Dem war es deutlich schlechter ergangen. Er war quer durch den Raum geflogen und war anscheinend auf dem Rücken gelandet. Was Sharoh beeindruckte war die Delle, die nun die Brust des Droiden zierte. Schrottreif ist der noch nicht. Fügte er gedanklich hinzu. Er ging erneut nah an seine Spielzeug heran. Diesmal ging er anders vor, er erhob den Droiden mit einer Hand mit der Levitation und ließ ihn langsam und vorsichtig nach oben schweben. Es funktionierte gut und bei etwas mehr als einem Meter stoppte er. Er legte die Hand auf den kalten Stahl und fing erneut an Energie zu sammeln. So viel es ging sammelte er die Macht in seiner Handfläche und schoss es ab. Ein knirschen war zu vernehmen und der Droide flog nun erst gegen die Decke, dann gegen die Wand und landete dann mit dem Kopf auf dem Boden. Diesmal erhob er sich aber nicht mehr. Vorher war er wie ein Stehaufmännchen einfach ohne jede Regung wieder aufgestanden. Egal. Immer noch ein gutes Geschoss.


Noch ein wenig probierte Sharoh herum und warf seinen metallenen Spielgefährten hin und her, sodass es nur schepperte. Rake war genau so gut beschäftigt, jedoch war er viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er große Aufmerksamkeit auf die Methoden des Feeorin werfen konnte. Hin und her schleuderte er den Droiden und als dann endgültig durch eine falsche Bewgung erneut ein keuchender Laut aus seiner Kehle drang machte Hybris eine knappe Bemerkung dazu, dass er kurz Pause machen sollte.

[Weltraum | Sartinaynian-System | Bastion | Center | Sithtempel | Domäne der Oberen | Abgeschlossener Trainingsraum ] Sharoh, Rake und Hybris
 
[Bastion - Center - Sith Orden - Domäne der Oberen - Trainingsraum - Sharoh, Darth Hybris und Anomander Rake (NPC)]

Während Hybris den beiden bei ihren Übungen zusah, dachte er noch einmal an das gar nicht mal so weit zurückliegende Treffen mit dem Imperator. Oder eher dem Ende davon. Er selber hatte den Machtstoß stets dazu genutzt um sich Zeit zu erkaufen und nicht um damit anzugreifen. Der werte Herr Ober-Sith hatte ihm aber eindrucksvoll demonstriert, wie viel unsichtbares Zerstörungspotential hinter dieser Art von Machtanwendung steckte. Nicht das er seinen Kampfstil deshalb ändern würde, aber sollte es sich einmal nicht vermeiden lassen, dass er in den Nahkampf gehen musste, wusste er jetzt wie er den Gegner mit einer simplen Attacke außer gefecht setzen konnte. Aber ob die beiden Apprentice vor ihm ebenso dazu in der Lage waren? Im Augenblick? Wohl kaum. Es zeigte sich recht schnell und offensichtlich, das sie noch nicht so weit waren die Macht schnell in die Extremitäten zu leiten und dann dort zu halten. Sharoh hatte zwar begriffen, wie er sie halten musste, kam aber noch nicht drauf klar es effizient zu gestalten. Das würde sich jedoch mit ausreichenden Wiederholungen ändern.


„Das reicht.“


Die beiden waren noch gut bei Kräften, hatten aber längst gezeigt das sie wussten was sie tun mussten.

„Wir kommen nun ohne weitere Unterbrechung zur Abwehr von Machtangriffen. Wir werden auch die Abwehr gegen psychische Angriffe und die gegen alle Arten von Materie anschneiden, uns aber hauptsächlich auf erstere fokussieren. Machtangriffe abwehren. Rake, da du das Prinzip bereits verstanden hast, werde ich es an Sharoh demonstrieren. Erfasse ihn und mich aber weiterhin mit deinen Sinnen. Sharoh, stell dich vor mich hin.“

Nachdem der Trandoshaner der Anweisung nachgekommen war, streckte Hybris seine rechte Hand aus feuerte unvermittelt einen sehr schwachen Machtstoß ab. Der Reptiloid wurde an der Brust getroffen und wankte kurz, blieb ansonsten aber ungerührt.

„Die einfachste Lösung, um einen Machtangriff abzuwehren, ist es ihm Macht entgegen zu schleudern. Einfach in der Ausführung, aber nicht wirklich sinnvoll. Manchmal dann aber eben doch, zum Beispiel wenn man bereits Sekunden zuvor mitkriegt was sein Gegenüber vorhat. Versuch meinen Machtstoß nun mit deinem zu negieren.“

Hybris wartete zwei Sekunden, dann feuerte er seinen Machtstoß erneut ab. Sharoh unterschätzte seine eigene Macht oder überschätzte die von Hybris jedoch, denn der Stoß des Apprentice fegte den des Lords einfach hinweg und prallte dann auf den passiven Schild des Fürsten. Äußerlich reagierte der überhaupt nicht, nicht mal geblinzelt hatte er.

„Es bedarf einer sehr guten Beobachtungsgabe und weit entwickelten Machtsinnen um Angriffe auf solche Weise zu neutralisieren. Es kann sich aber lohnen, denn bestimmte Fähigkeiten kann man weder ausweichen, noch ihnen mit anderen Mittel so leicht entgehen. Der Machtstoß ist dabei aber eigentlich die häufigste Angriffsmethode, die mit gleicher Macht geblockt oder abgelenkt wird. Da du dafür aber nicht großartig abgelenkt sein darfst und deine Klauen frei sein müssen, kommen wir lieber gleich zur nächsten Anwendungsmöglichkeit: Dem aktiven Machtschild. Es handelt sich dabei NICHT um jene Art von Verteidigung, die du auch um dein Lichtschwert legen kannst, sodass es dir niemand so leicht oder überhaupt entreißen kann. Der passive Schild ist immer aktiv, sogar wenn du schläfst. Er schützt dich marginal gegen Geisteskräfte und schwache Angriffe, vor allem gegen Griffe. Du kannst es dir so vorstellen, als wäre dein Körper so perfekt glatt poliert worden, das es keinen Punkt mehr an dir gibt wo man ansetzen könnte um dich zu packen. Das gilt aber nur für die schwachen Versionen, schützt dich aber auch vor den Auswirkungen der dunklen Seite. Diesen Schild kann man aber nicht trainieren. Mit steigender Erfahrung und stärkerer Verbindung zur Macht wird auch er stärker. Also, aktiver Schild.“

Hybris warf Rake einen Blick zu und machte dann eine scheinbar unbestimmte Geste, doch der Feeorin schien zu kapieren und streckte schon kurz nach der Handbewegung seines Meisters seine rechte Hand aus.

„Ich behaupte mal das die meisten Machtnutzer ihre eigene Methode haben um Machtangriffe abzuwehren. Es gibt nicht nur die eine. Ich werde dir aus Zeitgründen aber nur meine zeigen. Im späteren Verlauf der Ausbildung, wenn du auch mal länger alleine unterwegs bist, wirst du wechseln können. Rake, los.“

Der Hüne wusste das er sich nicht zurückhalten musste und feuerte daher, vielleicht auch um Sharoh zu deklassieren, einen mächtigen Machtstoß ab. Diesen hatte er über Sekunden hinweg aufgeladen, was dazu führte das der Machtknall entsprechend laut war. Die zielgerichtete Schockwelle raste auf Hybris zu, welcher jedoch in Sharohs Richtung blickte. Ohne auch nur einen Arm zu heben, wartete der Sith Lord einfach ab und ließ sich treffen. Und dann, aus Sicht eines Machtsinn-Nutzers, zerfaserte die Macht des Feeorin einfach an Hybris. Es wirkte eher so, als hätte der Apprentice ihn nicht mit Macht, sondern Grashalmen angegriffen, die nun, da sie auf ein Hindernis trafen, einfach in alle Richtungen weggedrückt und gleichzeitig zerstört wurden. Die gesamte Macht des Stoßes löste sich einfach auf, tanzte an ihrem Lebensende aber noch kurz an dem nur während des Angriffs sichtbaren Schild entlang.

„Ich stelle mich, wenn möglich, nicht dem gesamten Angriff. Ich treffe ihn an der Spitze und spalte ihn, sodass die eigene Kraft des Angriffes dafür sorgt das er auseinanderbricht. Das, was dann noch an Energie an mir ankommt, kann ich dann ohne weiteres kompensieren. Ich hätte auch seinen kompletten Stoß schlucken können. Das wäre jedoch ein Schritt in die falsche Richtung, denn er verbraucht weniger Energie für den Angriff als ich für die Abwehr. Ein solch aktiver Machtschild ist ungeheuer kostenintensiv. Bis du soweit bist Angriffe einfach so, ohne deinen Körper mit einzubinden, abzuwehren, solltest du deine Klauen als Keil benutzen. Die Macht prallt dann auf sie und zersplittert. Dein eigentlicher Körper wird nicht getroffen. Oder eben ein anderes Körperteil, Hauptsache du vermeidest einen direkten Treffer an Brust, Unterleib oder Kopf. Dich nicht zu schützen kannst du dir meist nicht leisten, dich aber zu schützen wird dich stark erschöpfen. Vermeide es also, denk nach wenn du glaubst deinen Machtschild nutzen zu müssen.“

Eine Geste zu Rake und der entspannte sich wieder.

„Es klingt vielleicht schwerer als es tatsächlich ist. Deinen Machtschild baust du genau so auf wie die Energie, die du brauchst um die Macht für deinen Machtstoß in den Händen halten zu können. Es ist das selbe Prinzip, eben nur auf einer größeren Fläche. Nehmen wir nun einmal an du kämpfst gegen diesen anderen Apprentice und merkst, er will dich nicht mit dem Lichtschwert, sondern mit Machtstößen fertig machen, ist aber nicht intelligent genug um Ressourcenmanagement zu betreiben. Dann, aber auch in unzähligen anderen Situationen, kann es durchaus sinnvoll sein einen Angriff nicht vollständig zu negieren, sondern sich treffen zu lassen. Dann musst du dich aber immer noch verteidigen, nur eben nicht zu gut. Dann ist es sinnvoller den Schild weniger wie eine Barriere aufzustellen, als viel mehr wie eine Wand aus Wasser. Der Angriff trifft darauf, durchdringt ihn, wird aber gleichzeitig abgeschwächt und abgelenkt. Dafür lenkst du deine Macht vor die betreffende Stelle, zwingst sie aber nicht in eine Form. Sie wird dann, wenn die Macht deines Gegners darauf trifft, mit dieser interagieren und beide Mächte werden zu gleichen Teilen aufgelöst. Diese Art von Schild kann fast permanent aufrechterhalten werden und kostet dich nichts, sofern du nicht getroffen wirst. Außer entsprechende Konzentration, denn der aktive Schild braucht immer ein aktives Bewusstsein. Die dafür aufzubringende Konzentration ist mit der vergleichbar, die du brauchst, um permanent wachsam zu sein. Stell dir vor du bist alleine an einem unbekannten Ort, Feinde können aus zig Richtungen kommen und du kannst sie nur anhand deiner Augen und Ohren wahrnehmen. Solch eine Belastung erwartete dich bei dieser Art von Schild. Im Endeffekt aber ein akzeptabler Preis. Ohne ihn zu beherrschen wirst du diesen Raum nicht verlassen und danach stets aufrechterhalten, wenn Machtnutzer in der Nähe sind, die dich angreifen könnten. Und nun probiere es aus. Rake, du auch.“

Für diese Übung würde er Sharoh höchstens eine halbe Stunde lassen. Bis dahin würde er, der schon oft genug gezeigt hatte, das er solche Dinge schnell erkennen, begreifen und anwenden konnte, damit durch sein. Und danach? Hybris war unschlüssig. Er hatte zwar gesagt das er sich danach mit ihm um das schon sehr bald tote Trio kümmern würde, doch irgendwas gefiel ihm noch nicht. Nein, eigentlich nicht „irgendwas“, sondern Sharoh. Es bedurfte noch nicht einmal längerer Überlegung und Hybris wusste schon was er gerne mit dem Trandoshaner tun würde. Seine inzwischen wieder geschlossenen Wunden waren durch schlichte Stichwaffen erzeugt worden. Keine Vibromesser, keine Vibroschwerter oder Lichtschwertklingen. Schlichtes, erbärmlich langweiliges Metall. Regenerationsfähigkeit hin oder her, es konnte doch wohl nicht sein das man seine Schüler einfach so abstechen konnte.

Nicht wenn ich es verhindern kann.

Davor musste sich der Trandoshaner aber beweisen. Sollte Hybris sich tatsächlich die Mühe machen, den Apprentice über das normale Maß hinaus zu modifizieren, musste der Apprentice zeigen, dass er den Zeitaufwand wert war.

Dann reicht es aber nicht ein guter Jäger zu sein. Er muss einen Jagdtrupp anführen können. Womit wir wieder bei seinem Stolz sind.

Die Augen des Sith Lords wanderten kurz durch den Raum und lagen dann wieder auf dem Trandoshaner. Der vollführte seine Übungen im Augenblick hauptsächlich regungslos, die Augen geschlossen und vollständig in die Macht eingetaucht.

Ich brauche einen fähigen Anführer, der nicht so stolz ist, das er dafür meine Ressourcen opfern würde. Aber ich weiß nicht einmal ob du überhaupt führen kannst. Dann muss ich den Ablauf deiner Rache eben abändern. Und danach … brauche ich geeignete Opfer für das Ritual.

Jetzt sah er Anomander an.

Du hältst viel aus und ich kann dich benutzen ohne dich dabei umzubringen. Gut, doch wen noch? Einfache Jünger? Lieber nicht, die zerbrechen zu schnell an dem was ich ihnen antun muss. Also zumindest zum Teil ausgebildete Sith, die aber auch sterben könnten. Alchemisten kann ich aber auch nicht nehmen, die brauche ich alle nach der Machtübernahme. Und aus anderen Zirkel kann ich nichts nehmen, weil man das sonst den Alchemisten in die Schuhe schieben würde. Also … normale Sith. Der Meister von diesem Apprentice vielleicht …

Im Endeffekt würde er es vermutlich nehmen müssen wie es kam. Es gab eigentlich genug ungebundene Sith Anwärter und Ordensmitglieder. Und falls er ihren Geist manipulieren musste, damit sie das Ritual überlebten, dann war das eben so...

[Bastion - Center - Sith Orden - Domäne der Oberen - Trainingsraum - Sharoh, Darth Hybris und Anomander Rake (NPC)]
 
[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Apartmentgebäude / 14. Stock / Vor der Ex-Wohnung der Summers ] Sikarius und Adria

Leise schloss Sikarius die Tür hinter sich. Seine Schritte machten leise Geräusche auf dem roten Teppichboden, mit dem der Flur ausgelegt war. Noch immer war keine Menschenseele zu sehen. Sie alle schliefen in ihren vermeintlich sicheren Wohnungen, träumten von ihren unwichtigen Leben, die von einer Sekunde zur anderen einfach ausgelöscht werden konnten, wenn Naturgewalten sich ihnen zuwendeten. Das Schicksal der Summers hatte eindrucksvoll bewiesen wie kapriziös Schicksal sein konnte. Welcher Normalsterblicher konnte schon voraussagen, wann er von einem irren Sith aus dem Bett geworfen werden würde, nur um in verschiedene Mülltüten verpackt abtransportiert zu werden. Es war ein Gefühl der Allmacht, das der Mörder schon geglaubt hatte vergessen zu haben. Die Macht über Leben und Tod, in dieser Intensität hatte er es schon seit Jahren nicht mehr gespürt. Doch dann war er gefasst worden und seither…

Mord als Reaktion war nichts woran man sich länger als ein paar Sekunden ergötzen konnte. Sicher, den Kopf dieses Twi’lek-Arztes in seiner eigenen Zentrifuge in Brei zu verwandeln hatte Spaß gemacht, doch es war ihm nicht für besonders lange im Gedächtnis geblieben. Das letzte vergleichbare Ereignis war der Mord an Sylvia und Mathis gewesen. Er hatte
Adria dazu gezwungen ihre frisch gebackene Mutterfigur zu vernichten. Das war befriedigend gewesen, doch auch nicht so das Wahre, immerhin hatte er es letztendlich nicht selbst getan. Auch war so gut wie keine Schwierigkeit darin gewesen das Ehepaar niederer Nichtmachtnutzer zu töten. Das hier war etwas anderes. Er befand sich auf Bastion, dem Herzen des Imperiums. Ein Teil von ihm wäre traurig, würde er einfach damit durchkommen. Die Möglichkeit sich ein weiteres Mal mit den Behörden zu messen, ihnen ins Gesicht zu reiben wie unfähig sie waren. Ein Egotrip, der nur einen Ausgang nehmen konnte, so viel Zeit beanspruchend, dass er das Sithsein und Adria vernachlässigen würde, alles für den blutigen Nervenkitzel der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Die Enttäuschung und Angst auf ihren Gesichtern zu sehen, wenn sie erkannten, dass sie es mit einem auf so vielen Ebenen überlegen Wesen zutun hatten. Skrupellos und wild, zwar unbedachte Fehler begehend, oder immer so überlegen intelligent, dass er dennoch überleben konnte…

Ein Pfad der
Sikarius töten würde. Und doch wollte er nicht sterben! Er wollte mehr über die Geheimnisse der Macht lernen, Macht gewinnen und sich mit Adria eine willfährige Dienerin heranzüchten. Der Mörder gab sich einen Ruck. Taris lag hinter ihm. Leto Fel lag hinter ihm. Er würde sich nicht unbedacht und nur weil er es konnte mit der Polizei messen. Sie waren unter seiner Würde. Im Orden lag seine Zukunft…und würdige Gegner. Eines Tages würde er Darth Aethernitas töten und die Inquisition würde ihm kein Haar dafür krümmen. Eines Tages würde der Imperator ihn wahrnehmen…

Der Aufzug näherte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit dem Boden. Die Videoaufzeichnungen würden im Verwaltungstrakt sein und dieser musste natürlich von der Lobby aus zugänglich sein. Vermutlich befand sich der Videoraum im Keller, vielleicht sogar ebenerdig. Mit einem leisen Ping hielt die Kabine an und öffnete sich. Hier, unter der Erde war es deutlich weniger hübsch als bei den Apartments oder unter dem Dach. Hier konnten die Bewohner ihren grade nicht gebrauchten Hausrat oder andere Dinge lagern, die in ihren Wohnungen keinen Platz mehr fanden. Jedes Fach wurde von einem sauberen Gitter abgetrennt, das nahtlos in die anthrazitgrauen Wände eingelassen war. Es gab zwei Abzweigungen, doch die wurden als irrelevant abgestempelt, als
Sikarius‘ Blick auf das Ende des Ganges fiel, wo eine stählerne Tür eingelassen war, wo in Großbuchstaben Unbefugten der Zutritt verwehrt wurde. Darüber prangte eine verstaubte, alte Kamera. Das musste es sein.

Mit zielstrebigen Schritten ging der Mörder auf die Tür zu und drückte probeweise dagegen. Verschlossen natürlich. Langsam streckte er seine Machtsinne aus. Direkt dahinter war niemand, jedoch in einem Raum einige Meter weiter befand sich eine Aura. Weiblich. Schlafend.
Sikarius grinste über die kleine Ironie. Hätte sie diese Nacht ihre Arbeit gemacht und wäre wach geblieben, würde sie nicht bis ans Ende der Zeit schlafen. Doch zuerst galt es sie nicht aufzuwecken. Noch aufmerksamer besah er sich die Sicherheitstür und stellte fest, dass man sie von innen einfach entriegeln konnte. Vorsichtig drückten unsichtbare Tentakeln die Klinke und die Tür schwang nach innen.

Dahinter sah es nicht viel anders aus als davor. Lediglich die Wände schienen vor nicht allzu langer Zeit weiß gestrichen worden zu sein. Der Farbeimer und der Pinsel waren immernoch vorort und waren unachtsam in einer Nische abgestellt worden.
Sikarius musste nicht lange suchen bis er den Überwachungsraum gefunden hatte. Nicht nur hatte er die Arbeiterin bereits geordnet, nein, ein großes, gelbes Schild prangte auf der Tür und gab mit dem Piktogramm Auskunft über was sich darin befand. Leise schob er die Tür auf und warf einen Blick hinein. Eine junge, rothaarige Frau schlief zurückgelehnt in einem mehr oder weniger bequemen Sessel, das ausdruckslose Gesicht auf eine Bildschirmwand gerichtet, die das gesamte Gebäude aus verschiedenen Blickwinkeln zeigte. Offenbar waren viele Kameras vorhanden, die selbst der Mörder übersehen hatte.

Auf leisen Sohlen trat er ein und überlegte für einen Moment ob er sie wecken sollte. Doch das würde die herrliche Ironie zerstören. Unsichtbare Hände griffen nach ihrem zarten Genick und brachen es mit nur einem winzigen Impuls. Als wäre nichts geschehen schlief sie einfach weiter, noch nicht wissend dass sie tot war. Sollte er sie liegen lassen? Als Fanal für die Ermittler sollten sie nach den
Summers suchen? Nein. Das wäre zu plump. Zu offensichtlich. Sikarius schüttelte den Kopf. Er würde sie mitnehmen. Eine Leiche mehr oder weniger würde nichts zur Sache tun. Jedoch konnte er etwas anderes tun. Noch einmal ging er hinaus und nahm sich den Farbeimer, mit dem er wieder zurückging. Ein starker Geruch nach Chemie quoll ihm entgegen als er den Deckel abnahm, doch das war ihm egal. Langsam levitierte er den Pinsel und tunkte ihn in das perfekte Weiß. Sich langsam drehend um ja nicht zu tropfen schwebte er zur Videowand und schrieb ihn perfekt geformten Buchstaben:


‚Was ist schlimmer als ein Baby in einer Mülltonne? Ein Baby in zehn Mülltonnen‘

Schließlich setzte er ihn wieder ab und nickte zufrieden. Das war eine angemessene Botschaft. Sollten sie sich ruhig fragen was das bedeutete. Doch es gab noch etwas anderes zu tun. Kurz ließ er sein Auge über die Konsole schweifen und betätigte dann einen Knopf. Eine kleine Datendisk wurde ausgegeben – das Speichermedium, das die Ereignisse dieser Nacht aufzeichnete. Mit flinken Fingern griff er danach und versenkte es in seiner Tasche. Sanft hob er die junge Frau von ihrem Sessel und legte sie sich über die Schulter. Noch einmal sah er sich um, ließ den Farbeimer samt Pinsel zurück an seinen angestammten Platz schweben und machte sich dann wieder auf den Weg nach oben, wobei er darauf achtete die Sicherheitstür wieder hinter sich zu verschließen.

Unbehelligt kam er wieder im Apartment der
Summers an, in dem Adria bereits auf ihn wartete. Frustriert erklärte sie, dass sie nicht alles hatte verladen können, da die Frachtkapazität des Speeders überschritten worden war.


„WAS?!“

Antwortete Sikarius und verzog das Gesicht zu einer unwilligen Grimasse

„Verdammte Technik. Wie viel hast du reinbekommen?“

Die Planen und die Schmiedeausrüstung waren drin, genauso wie Familie Summers und der Taxifahrer. Für die Boxen mit den Blutkanistern und den Portier hatte es jedoch nicht mehr gereicht. Das war nicht geplant gewesen! Doch zugegeben, er hatte sich vorher nicht darüber informiert wie viel Ladung in dem Platz fand. Er hatte auch nicht vorhergewusst wie viele Leichen er abtransportieren musste. Dass die Rothaarige noch nicht zerteilt war, war eine zusätzliche Komplikation. Er hatte keinen Kanister für ihr Blut, also würde das zwangsläufig eine mittelschwere Sauerei werden. Also musste er sie wohl in einem Stück mitnehmen…aber erst gleich.

„Okay. Dann muss ich zwei Mal fliegen. Du hältst ihr die Stellung, Schwesterherz. Ich bin gleich wieder da.“

Grade wollte er in den Gleiter steigen, da kam ihm noch eine Idee. Seine Schritte führten ihn ins Zimmer der Tochter, wo er eine Dose schwarzen Make-ups aus ihrem Ankleideschränkchen nahm. Damit ging er zurück ins Schlafzimmer, wo er genau wie unten einen Spruch an die Wand schrieb:

‚Was ist rot und sitzt in der Ecke? Ein Baby mit einer Rasierklinge.
Was ist grün und sitzt in der Ecke? Dasselbe Baby eine Woche später.‘


Leise kicherte er und ging nun endlich zum Gleiter. Behände kletterte er durch das Fenster und setzte sich auf den Fahrersitz. Einen Moment später gab er Gas. Das Fahrzeug ließ sich mit dem zusätzlichen Gewicht nur deutlich schwerer kontrollieren, doch er schaffte es, auch wenn er deutlich an seinem Fahrstil arbeiten musste. Sein Weg führte ihn ein weiteres Mal zum Sithtempel, wo er in die Garage zog. Noch immer hatte der stachelköpfige Jünger Aufsicht, der die Augenbrauen hob, als Sikarius ausstieg und den Blick auf die seltsam ausgebeulten Müllsäcke freigab.

„Wo willst du denn damit hin, Fel?“

Fragte er und verschränkte misstrauisch die Arme vor der Brust. Einen Moment lang überlegte der Mörder ihn einfach umzubringen und seinen nichtmenschlichen Arsch in einer finsteren Ecke verrotten zu lassen, doch dann besann er sich eines Besseren. Fieberhaft überlegte er wie er sich erklären konnte und begann dann:

„Das…sind Vorräte. Für die Zirkel. Ja. Für die Zirkel“

Sagte er, arg darum bemüht fest zu sprechen und nicht zu stottern. Wenn die verdammten Wachen ihn schon nicht mit lebenden Opfern durchließen, dann sollten sie doch wenigstens Säcke mit Leichenteilen nicht aufhalten!

„Welcher Zirkel denn? Die Alchemisten?“

Fragte der Stachelkopf nun etwas besänftigter

„Ja. Die Alchemisten“

„Hätte ich mir ja denken können. Für ihre Experimente brauchen die ja immer seltsames Zeug. Und falls du Lügen solltest fressen die Drohnen dich eh. In die Katakomben geht’s da runter, Antigravwagen stehen da in der Ecke.“

„Ist gut“

Murmelte Sikarius und jubelte innerlich. Ihn würde schon nichts fressen. Die eigentliche Hürde war gewesen überhaupt den Tempel mit seiner prekären Fracht betreten zu können. In den Katakomben war er ja schon gewesen, oder? Frohen Mutes holte er sich einen der Repulsorwagen und begann nach und nach die Leichensäcke und den ganzen Rest abzuladen. Noch einmal nickte er dem Jünger zu und ging dann zur Treppe, die ihm der Typ gewiesen hatte.

Mit vorsichtigen Schritten machte
Sikarius sich an den Abstieg. Er hatte den Eindruck, dass es mit jeder Stufe kälter um ihn herum wurde. Nicht kälter im Sinne der Temperatur, die natürlich auch abnahm, jedoch viel mehr im Sinne eines Gefühls. Als würden die Katakomben selbst es missbilligen etwas Lebendiges in sich aufnehmen zu müssen. Der Mörder war schon einmal hier unten gewesen. Ein Jahr lang hatte Aethernitas ihn gefoltert und doch, er war nicht HIER gewesen. Diese Mauern fühlten sich anders an als die Pyramide der Inquisitoren. Irgendwie lebendiger…

Die hellblauen Repulsoren des Wagens spendeten immerhin etwas Licht und beleuchteten die mattschwarzen, leicht unregelmäßigen Stufen. Dennoch schien der Schein immer schwächer zu werden, die Dunkelheit immer mehr an Stofflichkeit zu gewinnen. Völlig unvermittelt hörte die Treppe auf. Ein langer Gang, spärlicher als spärlich mit altersschwachen Fackeln ausgeleuchtet erstreckte sich vor ihm. Die Reste eines Schädels knirschten unter seinen Füßen, doch das dazugehörige Skelett war nirgendwo zu sehen. Stattdessen lagen hier und dort weißliche Splitter auf dem Boden.


Das ist ein gefährlicher Ort…

Murmelte der Denker und selbst seine lautlose Stimme schien von den schwarzen Wänden geisterhaft verzerrt und leicht hallend zurückgeworfen zu werden, so als gehöre sie nicht ihm sondern all jenen verlorenen Seelen, die hier unten gestorben waren.

Ich mag ihn nicht. Wir sollten so schnell wie möglich wieder nach oben gehen…

Stimmte auch der Würger ihm zu und – als würde das nicht schon selten genug geschehen – lag ein besorgter Tonfall in seinen Worten. Mit trockenem Mund holte Sikarius Luft und machte einige zögerliche Schritte nach vorne. Unvermittelt ging ein Gang nach rechts ab, von dem er hätte schwören können, dass er grade noch nicht da gewesen war. Hier hingen keine Fackeln. Lediglich ein bleiches Augenpaar gab Auskunft darüber, dass der grob behauene Türbogen nicht einfach in den Äther führte. Binnen eines Herzschlags hatte er seine Machete gezogen und erwiderte regungslos den fischigen Blick aus der Dunkelheit. Der Repulsorwagen schwebte vergessen nicht.

„Komm raus und zeig dich!“

Schnauzte er ungehalten das Was-auch-immer an, das sich dort vor ihm versteckte, doch die einzige Antwort war ein kurzes Blinzeln. Die Augen verschwanden, tauchten ein paar Zentimeter tiefer wieder auf und verschwanden wieder. Ein leises Tappen drang aus der Finsternis. Plötzlich erfüllte ein markerschütternder Schrei den Gang und das was einmal ein Karkarodon gewesen sein musste warf sich blindlings nach vorne, die blitzenden, viel zu langen Fangzähne gebleckt. Hastig wich Sikarius zurück und konnte sich grade noch zur Seite drehen, bevor das Ding seinen Arm packen und zerfetzen konnte.

So schnell er konnte konterte er mit der Machete und versenkte das kalte Metall in der Schulter der Drohne, die sich von einer derartigen Kleinigkeit jedoch nicht beirren ließ. Fauchen fuhr sie auf dem Absatz herum und machte Anstalten einen weiteren Angriff zu starten. Da hatte
Sikarius auch schon seine Starre überwunden. Mit einem wütenden Knurren warf er sich nach vorne und riss das Ding zu Boden. Der Karkarodon stieß einen gurgelnden Laut aus, als eine Hand seine Kehle packte und zudrückte. Muskulöse Arme tasteten nach dem weichen Gesicht des Mörders, doch endlich gab der Adamsapfel nach und die Drohne erschlaffte. Schwer atmend wich Sikarius zurück, die Augen vor Schreck weit aufgerissen. Damit hatte er nicht gerechnet! Mit fahrigen Bewegungen wischte er die Leichensäcke vom Wagen und haste im nächsten Moment wieder die Treppe hinauf. Den Ermittler wollte er sehen, der hier nach den Summers suchte!

Oben angekommen atmete er ersteinmal durch, machte sich dann jedoch gleich wieder auf den Weg. Die restlichen Schmiedeutensilien brachte er in sein Quartier, bevor er zum Gleiter zurückkehrte und erneut zum Apartmentkomplex flog.


[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Tempel der Sith / Fuhrpark ] Sikarius, sowie ein generischer Jünger
 
[Bastion – Sith Orden – Hangar – „Silver Spear“ – Torryn (Tier), Iouna, EsNine]



Leuchtende Sternenkarten schwebten im irisierenden Licht des Holoprojektors. Torryn vergrößerte und verkleinerte Ausschnitte, legte sie Übereinander, um sie dann mit einer wischenden Handbewegung wieder in den Ausgangszustand zu versetzen. Immer wieder wurde die gleiche Linie angezeigt, die die offizielle Route angab, die sie nehmen mussten, um nach Roon zu gelangen. Und genau diese Linie sollte es nicht sein, denn Iounas Recherche hatte sich als aufwendiger und interessanter herausgestellt, als von ihnen beiden vorher angenommen worden war.

Über den Planeten Roon, gab es genug Informationen, aber über den Weg zu ihm, waren die Daten sehr widersprüchlich. „Mantel der Sith“ wurde der galaktische Nebel mit seinem Asteroidenfeld genannt, der Roon umgab. Eine genaue Navigation mittels Sensorenunterstützung war darin praktisch unmöglich. Es gab viele Gerüchte über geheime Passagen, die die Schmuggler nutzten, und die auch nur unter Ihresgleichen weitergegeben wurden, so, wie es der Codex der „Black Sun“ verlangte. Damit war dies keine Option, die Torryn nutzen konnte, um an Koordinaten zu kommen, die ihnen eine vielleicht sichere Passage nach Roon gewährten.

Sicher würde der Flug ohnehin nicht sein, denn es gab nicht nur die Gefahren des Alls, die Asteroiden oder Trümmer, sondern Piraten waren im Schleier ebenso heimisch und nutzten dessen nahezu undurchdringliche Natur für ihre Zwecke. Überfälle im Schutze des Nebels waren keine Ausnahme, sondern fanden häufiger statt, so dass viele Händler, die Roons Handelsgüter aufkaufen wollten, oftmals mit Geleitschutz, natürlich gestellt von der „Black Sun“ nach Roon fliegen mussten. Sicher war der Gewinn aus dem Verkauf von Roonkristallen und Spice hoch genug, um solche Risiken einzugehen.

Torryn wollte aber gerade nicht die offizielle Handelsroute eben aus diesen Gründen nehmen, denn es war klar, dass Raumschiffe, die dort ohne Geleitschutz flogen, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Beute der Piraten werden würden.


Er lehnte sich auf der schmalen Bank im kleinen Aufenthaltsraum der „Silver Spear“ zurück und vergrößerte noch einmal die Karten, so dass sie fast den Bereich vom Boden bis zur Decke ausfüllten. Wo war der Durchgang?


Torryn nippte am kalten Kaffee und stellte den Becher auf seine rechte Handfläche. Dann schloss er seine Augen und seine Wahrnehmung veränderte sich. Keine visuellen Eindrücke mehr, durch ein primitives Sinnesorgan, sondern die andere Sicht in eine andere Welt. Die Welt, wie man sie durch die Macht sah, wenn man sich mit ihr im Einklang befand. Der Raum hatte sich verändert, die Hologramme waren matt, trübe und verschwommen. Lebendiges, Organisches hingegen war schärfer als vorher, anders. Torryn besah sich seine Haut. Lange, dunkle Härchen wuchsen aus ihr und bildeten innerhalb von Sekunden, ein dichtes tiefschwarzes Fell, das seine Haut bedeckte. Der samtene, dunkle Glanz täuschte. Es war nicht die Schönheit, die das Dunkle haben konnte, sondern auch die Schwärze seiner Grausamkeit, die es repräsentierte. Sie waren eins. Torryns Fingernägel waren zu langen, scharfen Krallen geworden. In dieser Welt, war er Tier und Tier war er. Der Metallbecher hingegen war so wie immer geblieben: matt, glanzlos. Langsam erhob sich der Becher aus Torryns Handfläche. Dünne, schwarze Fäden aus dem Dunkel der Macht umschlossen den Becher, trugen ihn, ließen ihn schweben. Es waren Tentakel der dunklen Seite, Werkzeuge ihres Dieners. Der Becher drehte sich. Die Fäden umschlossen ihn nun, krochen über seine Oberfläche bis sie ein grobes Netz bildeten und zogen sich enger um ihn, wie kleine Schlangen, die ihre Opfer langsam erdrücken wollten. Die Struktur des Bechers verformte sich.


Es schepperte, als der Metallbecher auf den Boden fiel. Die andere Wirklichkeit war zurück. Torryn bückte sich und hob den Becher auf, der nun mit rautenförmigen Verformungen verziert war. Manchmal musste man eben etwas komplett anderes machen, um auf eine Idee zu kommen. Er stellte den Becher auf den Tisch zurück und aktivierte das Interkomm.



„EsNine, ich brauche eine Hyperraumverbindung nach Ryloth. Es gibt dort jemanden, der mir noch einen Gefallen schuldet.“


So war das mit Gefallen. Damals hatten Iouna und er einer Familie auf Ryloth geholfen, die von Trandoshanern angegriffen worden war und die nun in ihrer Schuld stand. Vielleicht konnten sie auf diesem Weg an die Flugdaten kommen, denn Ryloth und Roon waren praktisch Nachbarplaneten und es gab Handel zwischen ihnen. Iouna und er würden einen Zwischenstopp auf Ryloth machen und dann von dort aus nach Roon fliegen.


Torryn tippte eine Nachricht und sendete sie dann ab. Es würde hoffentlich nicht allzu lange dauern, bis er eine Antwort erhielt. In der Zwischenzeit würde er nach Iouna sehen, die hinten im Frachtraum ihre Übungen fortsetzen sollte.





[Bastion – Sith Orden – Hangar – „Silver Spear“ – Torryn (Tier), Iouna, EsNine]
 
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[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Arthious-Boulevard ] Sikarius, sowie einige dezent wütende Verkehrsteilnehmer

Durch das fehlende Gewicht deutlich geschmeidiger schlängelte sich Sikarius durch den dichten Verkehr, der auch zu dieser späten Stunde auf dem Arthious-Boulevard nicht nachlassen wollte. Hier und dort ernteten seine Fahrkünste ein entrüstetes Hupen, doch das war ihm genauso Schnuppe wie Kometenschauer auf Corphelion. Inzwischen hatte der Regen aufgehört und kalter Fahrtwind wehte durch das offene Fenster herein und fühlte den Gleiter mit einem Geruchscocktail aus dem Aroma nasser Erde, in Wasser gelösten Staubes, Motoröl und Abgasen. Wahrlich, die imperiale Hauptstadt roch nicht nach Blumen wenn sie nass war, doch da musste man es halten wie mit den Frauen. Wenn sie sich einem öffnete und nicht grade nach Leichen stank, Augen zu und genießen. Nicht das Sikarius diesen Ausspruch zur Gänze verstanden hätte, doch er hörte sich nicht schlecht an. Vor allem da man ihn mit etwas Fantasie auf einen Mord beziehen konnte.

Manche mochten den Geruch von Center als unerträglich empfinden, doch er mochte ihn auf eine seltsame Art und Weise. Er erinnerte ihn die guten alten Tage auf Taris, als das Leben zwar einfacher, jedoch lange nicht so interessant gewesen war. Dennoch gab es Unterschiede. Hier fehlte das Öl im Wasser und das Brüllen der Rakghoul, das aus der Tiefe drang. Während er schon wieder sinnierte, bog er vom eigentlichen Boulevard ab und befand sich im nächsten Augenblick auf einer bei Tage gut befahrenen, bei Nacht jedoch wie ausgestorbenen Seitenstraße. Schnell sah er sich um und lenkte dann, als er niemanden in seiner unmittelbaren Umgebung sah, nach unten. So dicht er konnte näherte er sich der Außenwand des Apartmentkomplexes und bog dann um die Ecke. Die Wohnung der Summers war einfach zu finden, war sie doch das einzige hell erleuchtete mit einem offenen Fenster. Geräuschlos hielt der Gleiter und Sikarius öffnete ein weiteres Mal die Beifahrertür.

Mit einem Satz befand er sich im Inneren und warf Adria einen abschätzigen Blick zu, die sich auf dem Sofa fläzte und in irgendeinem Teeniemagazin blätterte, von dem der Mörder das Holocron Darth Siks‘ verwettet hätte, dass es vor einigen Stunden noch dem Summersmädchen gehört hatte. ‚Wie verführt man einen Soldaten‘ und ‚Abnehmen in fünf einfachen Schritten‘ waren Kapitelüberschriften die so klischeehaft waren, dass es ja fast schon körperliche Schmerzen bereitete. Gelangweilt schnappte er dem Mädchen das Magazin aus den Fingern und besah sich das Cover, wobei er den wütenden Protest einfach ausblendete. Ein bildhübscher Soldat, dem einige junge Mädchen schmachtend hinterhersahen. Natürlich. Abwesend warf er das Ding in den Müllsack in den er auch die zerrissenen Kleidungsstücke der Summers, des Portiers und des Taxifahrers verstaut hatte, bevor er sich an das Mädchen wandte.

„Irgendwelche Entwicklungen?“

Fragte er kurz angebunden und bekam eine leicht schmollende Antwort. Nein hatte es nicht gegeben. Was sollte auch passiert sein? Es war hier genauso ruhig geblieben wie bis jetzt auch. Immerhin hatte sie mitgedacht und die Rothaarige in die restlichen Müllsäcke eingewickelt. Also doch. Sie lernte.

„Gut gemacht. Jetzt hilf mir den Rest einzuladen und dann geht es in den Tempel. Wenn wir uns ranhalten können wir in ein, zwei Stunden schlafen. Danach wird weitergemacht.“

Das Mädchen äußerte ihre Freude, doch schon wieder hörte Sikarius nur mit halbem Ohr zu. Sie hatte heute Abend aber auch wirklich nichts Relevantes zu sagen, also interessierte ihn das alles nur marginal. Zusammen luden sie die restlichen Müllsäcke, die Blutboxen und schließlich den inzwischen steifen Körper der Rothaarigen ein. Noch einmal prüfte er ob sie etwas übersehen hatten, dann machte er das Licht aus und stieg zu Adria in den Gleiter. Mit der Macht schloss er das Fenster von innen und dann ging es auch schon weiter. Wieder einmal ordnete er sich in den Verkehr ein, fuhr jetzt jedoch deutlich umsichtiger – und nicht nur wegen dem Gewicht des Fahrzeugs. Dies war die letzte Runde und spätestens jetzt wollte er nicht mehr von der Polizei angehalten werden.

Doch seine Sorge war unbegründet. Auf dem ganzen Weg zur dunklen Pyramide des Tempels sah er keinen einzigen Ordnungshüter. Auch der Verkehr schien doch noch weniger geworden zu sein. Der Himmel im Osten hatte ein um eine Spur helleres Mitternachtsblau angenommen als der Rest. Oder war es der Westen? Der Norden, Süden? Sikarius hatte keine Ahnung wie Bastion sich drehte und wo folglich die Sonne aufging. Doch wenn er es recht bedachte war es ihm eigentlich auch egal. Der Morgen war auf jeden Fall nicht mehr allzu fern.

Wieder zog er in den Fuhrpark ein und diskutierte beinahe fünf Minuten mit dem Jünger darüber, dass das frauenförmige Müllsackpacket nicht der Versuch war ein nicht machtsensitives Wesen in den Orden zu schmuggeln. Der sture Idiot ließ sich schließlich damit besänftigen, dass Sikarius die Spitze seiner Machete durch die Kopfregion der Rothaarigen stieß. Innerlich seufzte er, dass er nun doch die hübsche Leiche verschandeln musste aber seis drum. Er belud einen weiteren Antigravwagen und machte sich erneut auf den Weg in die Katakomben, nachdem er Adria aufgetragen hatte die Blutboxen in sein Quartier zu bringen und dort auf ihn zu warten.

Die Katakomben waren genauso bedrückend, wie er sie von vor einer Stunde in Erinnerung hatte, jedoch nicht mehr ganz so still. Je näher er der Stelle kam an der er die Leichenteile abgelegt hatte, desto lauter wurde ein Knurren und Reißen, das er zuerst nicht zuordnen konnte. Erst als er beinahe angekommen war, fiel das Licht der Fackeln auf eine Handvoll Drohnen, die sich an dem leblosen Körper ihres Artgenossen, sowie den nicht mehr ganz so sauber verpackten Leichenteilen gütlich taten. Immerhin wurde hier vernünftig aufgeräumt. Kurz wartete der Mörder ob die Kreaturen ihn beachten würden, doch zum Glück waren sie zu beschäftigt. Mit der Macht wischte er den Nachschub in die Richtung der monströsen Karnivoren und machte sich an den Rückzug. Sollten sie alles haben. Besser so als anders.

Der Weg zurück zu seinem Quartier ging absolut flüssig und ereignislos über die Bühne. Adria wartete bereits und hatte sowohl die Boxen abgeladen, als auch den Antigravwagen zurückgebracht. Sikarius schickte sie ins Bad, während er selbst sich noch einmal seiner Comkonsole zuwandte und sich die jüngsten Ereignisse in diversen Nachrichtenportalen durchlas. Taris war noch immer republikanisch, ein Jammer. Ansonsten gab es nicht wirklich relevante Informationen. Abgesehen von ‚Das Imperium ist groß‘ und ‚Der Imperator ist unfehlbar‘ drang sowieso nichts durch die Zensur. Nicht das der Mörder das schlecht fand, doch irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass für ihn relevante Informationen zurückgehalten wurden. Als die Suche an dieser Front also nichts ergab, sah er sich zwei oder drei Tutorials über das Schmieden – ja Adria brauchte SO lange im Bad – auf HoloTube an und machte sich auf einem kleinen Filmsiblock den er neben der Konsole gefunden hatte Notizen.

Schließlich wurde das Mädchen fertig und auch Sikarius betrat die Nasszelle. Er duschte oberflächlich, betrieb die nötigste Körperpflege und legte sich dann auf das, von Adria gütigerweise frisch gemachte, Bett, auf dem das Mädchen bereits eingeschlafen war.

[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Tempel der Sith / Sikarius' Quartier ] Sikarius und Adria
 
[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Tempel der Sith / Sikarius' Quartier ] Sikarius und Adria

Unvermittelt schlug Sikarius sein Auge auf. Er hatte gut und traumlos geschlafen und fühlte sich erfrischt und bereit für die körperliche Anstrengung, die der folgende Tag für ihn bereithalten würde. Ein kurzer Blick auf das im Dunkeln leuchtende Chrono verriet ihm, dass er angenehme zehn Stunden geschlafen hatte und es inzwischen später Nachmittag war. Natürlich. Immerhin hatte er ja auch die Nacht durchgearbeitet. Geräuschlos streckte er sich und warf Adria aus dem Bett, die sich bis jetzt eng an ihn gekuschelt hatte. Schlaftrunken protestierte das Mädchen, doch er blendete sie einfach aus.

Die Nasszelle betrat er diesmal als erstes und versuchte den ekligen Geschmack den die Nacht auf seiner Zunge hinterlassen hatte mit lauwarmem Wasser auszuspülen. Die trübe, graue Plörre die er wieder ausspuckte bewies beunruhigend Eindeutig, dass noch nicht alles Gift der Charonschnecken und Noe’ha’on aus seinem Körper ausgeschieden worden war. Zweifelsohne würde das noch passieren. Hoffentlich.

Nachdem auch
Adria sich fertig gemacht hatte ging es in die Kantine um etwas zu Frühstücken, bevor es zur Sache ging. Der Raum war beinahe komplett mit Jüngern gefüllt, die vermutlich grade ihre Schichten in ihren tempelinternen Arbeitsplätzen abgeschlossen hatten und sich nun hier versammelten um zu essen, bevor sie ihren Feierabend genießen konnten. Erneut hatte Sikarius den Drang sich einen der dreckigen Nichtmenschen herauszugreifen und ihm an Ort und Stelle den Hals umzudrehen. Doch er beherrschte sich. Wenn er jemanden umbrachte dann konnte das nur im Verborgenen stattfinden, nicht in der überfüllten Kantine.

„Schau dir diesen ganzen Abschaum an…“

Murmelte er
Adria zu und ließ seinen stechenden Blick über die Bänke schweifen

„Der Bodensatz des Ordens, der ewig das bleiben wird was er ist, weil er die nötigen Veranlagungen nicht hat. Sie gehören weder Zirkeln an, noch lernen sie unter höheren Sith. Sie sind nicht besser als der Dreck an unseren Schuhen. Das einzige von den nichtmachtsensitiven Schafen außerhalb des Tempels unterscheidet ist eine latente Begabung, die sie aber zu nicht mehr als besserem Schlachtvieh macht“

Sein grünes Auge blieb schließlich an einem Gungan hängen, der inmitten einer ganzen Gruppe von Jüngern hockte. Er spürte, dass diesem Individuum Respekt entgegen gebracht wurde, auch wenn er in der Macht nicht allzu eindrucksvoll aussah. Oder verschleierte er sich etwa? Misstrauisch beobachtete er den Nichtmenschen, während er sich und
Adria sich etwas zu Essen holte. Schließlich quetschten sie sich an einen der leereren Tische in der Nähe. Die Pampe auf ihren Tellern war üblicher Kantinenfraß, doch immerhin besser als das meiste womit sie sich auf Noe hatten begnügen müssen. Dennoch hatte Sikarius da kein Auge für. Seine Aufmerksamkeit galt dem Individuum am Nachbartisch. Auf Taris war er dem ein oder anderen Vertreter dieser Spezies über den Weg gelaufen, doch dieser Typ wirkte in keinster Weise tollpatschig, lächerlich oder auf irgendeine andere Weise speziestypisch. Befand er sich in der Ausbildung und wenn ja bei wem? Es war etwas, das den Mörder aus irgendeinem Grund neugierig machte.

Doch bevor er den Gesprächen am Nachbartisch lauschen konnte um mehr über die rätselhafte Identität herausfinden zu können, leerte dieser sich und der Gungan verschwand in der Masse. Immerhin hatte
Sikarius die Aura gemerkt. Also würde er ihn im Zweifelsfall wiedererkennen. Endlich hatten auch sie ihr Mahl beendet und der Mörder schickte Adria los um einen Antigravwagen zu holen, während er noch einmal in sein Quartier ging. Dort angekommen lud er sich die Schmiedetutorials auf ein Datapad und legte die Boxen und die restlichen Utensilien sauber zusammen, bevor das Mädchen auch zurückkehrte.

Alles wurde auf dem Wagen gestapelt und dann ging es in die Keller, in denen der erkorene Raum noch immer so unangetastet dalag, wie er ihn verlassen hatte. Methodisch überprüfte er ob die Belüftung an der Decke funktionierte und befüllte dann die Becken am Boden mit Brennstoff. Der improvisierte Amboss wurde aufgestellt und zu guter Letzt die Styroplastboxen geöffnet. Die Blutkontainer waren immernoch intakt und derart gut isoliert worden, dass die rote Flüssigkeit trotz der Nacht Pause genauso gut war, als wäre sie grade eben erst gezapft worden. Mit einem leisen Gluckern füllte sich das oben offene Fass und ein metallischer Geruch breitete sich in dem Raum aus. Manche Leute mochten das Aroma von frisch gezapftem Blut als ekelerregend empfinden, doch
Sikarius verband damit nur positive Assoziationen. Darüber hinaus glühte es in der Macht vor den negativen Emotionen seiner vormaliger Besitzer. Leid, Angst, Wut, alles was sein Schwert nur noch stärker machen würde.

Mit einem Zischen entzündete er ein Streichholz und ließ es dann in das Becken auf dem Boden fallen, das sofort Feuer fing.
Sikarius‘ Auge leuchtete auf, als ihm Hitze entgegenschlug und bläuliche Flammen nach seinen Fingern leckten. Fasziniert betrachtete er wie sie hin- und herwogten, riss sich dann jedoch schließlich von dem hypnotisierenden Anblick los. Er griff nach dem Rucksack und zog drei größere Brocken Kortosis hinaus und legte sie vorsichtig auf die bereits glühenden Kohlen. In den Tutorials und den Texten die er gelesen hatte, hatte es geheißen dass man sie erst bearbeiten konnte, wenn sie glühten – und auch dass eine ausreichende Luftzufuhr gewährleistet sein musste. Mit einem Seufzer wurde dem Mörder klar, was er vergessen hatte: einen Blasebalg.

Wozu haben wir die Macht?!

Meldete sich der Denker irgendwo aus seinem Hinterkopf und erntete ein körperloses Nicken von seinem Konterpart. Also gut, dann eben mit der Macht.
Sikarius umfasste einige Liter Luft um setzte sie unter Druck. Schließlich öffnete er ein kleines Loch in seinem Griff und ein starker Luftstrom traf auf die Flammen. Der Effekt ließ sein Gesicht euphorisch aufleuchten. Die Flammen verdoppelten ihre Höhe und ein Schwarm Funken stob in die Höhe, wo er vom Abzug beinahe sofort aufgesogen wurde. Wieder und wieder führte er dem Feuer Sauerstoff zu, bis die Kortosisbrocken golden glühten.

„Nimm das Metall aus dem Feuer und halt es dann mit der Zange fest“

Wies er
Adria an, die der Anweisung nachkam. Der erste Brocken wurde herausgenommen und auf den Amboss gelegt. Sikarius hob einen der gestohlenen Hämmer auf und stellte sich dann wie er es im Holonet gesehen hatte breitbeinig vor sein Ziel. Sein linker Arm hob sich und sauste dann von der Macht verstärkt hinab. Funken sprühten und das Metall verformte sich leicht. Nochmal und nochmal schlug er zu, bis er keinen glühenden Brocken, sondern ein plattenförmiges Gebilde vor sich hatte, was dann wieder ins Feuer gelegt wurde, um sich erneut aufzuheizen. Dies wurde auch mit den anderen Brocken getan und schließlich wurden sie zu einem verbunden.

Stunde um Stunde hämmerte der Mörder auf das Metall ein und machte nur Pause, um
Adria in die Kantine zu schicken, um etwas zu Essen zu besorgen. Wieder und wieder faltete er Lage auf Lage und schließlich begann das Gebilde langsam die Form eines Schwertes anzunehmen. Das Ding war irgendwas unter anderthalb Meter lang und leicht krumm. Hier und dort waren kleine Kerben, wo der Hammer falsch getroffen hatte. Alles in allem war es keine schöne Waffe, doch schließlich ließ er den immernoch leicht glühenden Rohling vor seiner schweißgetränkten Brust schweben. Leicht grinsend betrachtete er sein Werk und wandte sich dann zu seiner Tonne mit Blut um, die noch immer neben ihm stand. Mit einer Handbewegung lenkte er das Schwert darüber und ließ es dann los.

Wütend zischte es, als das mehrere hundert Grad heiße Metall den verhältnismäßig kühlen Lebenssaft traf, der sofort zu kochen begann. Ein beißender Gestank breitete sich in dem Raum aus, der selbst
Sikarius an den Rand des Würgens brachte. Schwarzer Dampf stieg auf und wurde zum Glück vom Abzug an der Decke aufgesaugt. Hustend trat er näher und trat heftig gegen die Tonne, wodurch sie umkippte und ihren Inhalt über einen Abfluss ergoss. Klirrend rutschte das schlagartig abgekühlte Schwert über den Boden und schwebte schließlich tropfend in Sikarius ausgestreckte Linke. Probeweise vollführte er einige Schläge und wischte einige Krumen vermutlich getrockneten Blutes von der Klinge. Noch einmal blies er mit der Macht darüber und entfernte die letzten Tropfen noch flüssigen Lebenssaftes. Jetzt musste es nur noch geschärft werden und dann war die Waffe endlich vollendet. Doch nicht mehr heute. Der gesamte Körper des Mörders schmerzte von der heutigen Anstrengung und voll allem seine Arm- und Brustmuskulatur spannte unangenehm.

Da
Adria heute nicht wirklich viel getan hatte als eine Zange zu halten überließ er ihr das Aufräumen und überhörte ihren Protest darüber sich mit dem Blut auf dem Boden und der ausgebrannten Asche im Becken auseinandersetzen zu müssen. Sollte sie nur jammern. Schwere Arbeit war gut für die Persönlichkeitsbildung. Schließlich ging es dann wieder zurück in die Kantine um noch etwas zu essen, bevor sie sich erneut früh morgens schlafen legten.


[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Tempel der Sith / Sikarius' Quartier ] Sikarius und Adria
 
- Chief Investigator Kara Davenport, Imperial Sector Rangers –


[Braxant-Sektor, Sartinaynian-System, Bastion, Center, Arthious-Boulevard, Polizeigleiter]- Chief Investigator Davenport, Investigator Maelstrom


Der bullige, gepanzerte Gleiter in den Farben der Imperial Sector Rangers senkte sich langsam im flackernden Licht seiner rot-blauen Signalleuchten auf eine ausgedehnte Landefläche vor einem imposant in die Skyline Centers aufragenden Appartementkomplex und kam schließlich zwischen zwei weiteren Gleitern zum Stehen, die ihre Umgebung ebenso in rhythmisch flackerndes Licht tauchten, allerdings – abgesehen vom weißen „BSC“-Schriftzug – vollkommen schwarz lackiert waren. Die dazugehörigen Beamten des Bastion Security Corps, der Polizeibehörde der imperialen Zentralwelt, die als einzige auf dem Planeten unmittelbar dem Gouverneur unterstellt war, hatten sich vor dem Eingang des Komplexes postiert. Ihre Uniformen erinnerten in Schnitt und Farbgebung an das imperiale Flottenregiment – ein sichtbares Zeugnis der Militarisierung selbst der untersten Ebene imperialer Sicherheitskräfte – verfügten jedoch über andere Rangabzeichen, die zudem am Kragen der Uniform und nicht an der Brust befestigt waren. Auch fehlten die charakteristischen Helme, die die Angehörigen der Bodentruppen der imperialen Flotte an jedem Ort der Galaxis sofort erkennbar werden ließen.

Einer der Beamten machte, seine Hände gewichtig an den Gürtel seiner Uniform gelegt, einen unsicheren Schritt in Richtung des geparkten Gleiters, als Chief Investigator Kara Davenport, Agentin der Imperial Sector Rangers, das Fahrzeug verließ. Was die Abzeichen auf ihrer Uniform und Schutzweste sowie auf dem Gleiter, dem sie entstiegen war, bereits eindrücklich signalisierte, wurde noch offensichtlicher, als sie dem Polizisten mit einer lässigen Handbewegung ihre Holomarke präsentierte.

„Sector Rangers“, informierte sie den jüngeren Mann kühl, dessen Augen sich für einen Moment verengten. Warum, konnte nicht abschließend geklärt werden – vielleicht, weil Kara eine Frau war, noch dazu eine, die man durchaus aus attraktiv bezeichnen konnte, auch wenn die Strenge des Knotens, zu dem sie ihr sattrotes Haar geflochten hatte, ihre jede noch so marginale Verspieltheit nahm. Vielleicht lag es aber auch schlicht und ergreifend daran, dass ein jedes Mitglied einer lokalen Polizeiorganisation in Abwehrreflexe verfiel, sobald die Sector Rangers auf den Plan traten. Schließlich bedeutete deren Anwesenheit meistens, dass irgendjemand die „normale“ Polizei für überfordert hielt.

Kurz huschte der Blick des Polizisten zur Seite, als Davenports Partner, Delak Maelstrom, sich zu ihr gesellte. Wie angesichts des Auftretens des anderen Rangers zu erwarten war, konzentrierte der Beamte sich schnell wieder auf Kara – niemand legte Wert darauf, Maelstroms Blick länger als nötig zu erwidern. Nicht, seit er in einem Gefecht mit einem Spicehändlerring unter dem Befehl eines gierigen Hutten sein rechtes Auge verloren und durch ein bösartig rot leuchtendes Cyberimplantat ersetzt hatte.

„Sie haben hier etwas zu tun, Ranger?“, erkundigte der BSC-Officer sich reserviert, offenbar dem Irrglauben unterliegend, dass er die beiden doch noch würde loswerden können. Kara schmunzelte finster.

„In der Tat, Officer. Wo finden wir Ihren Vorgesetzten?“

Die Kiefernmuskulatur des Mannes spannte sich sichtlich an, doch dann machte er einen Schritt zur Seite und nickte ruckartig den Kopf.

„Captain Lector ist im 14. Stockwerk, Appartement 543.“

„Danke.“

Erst, als sie ein paar Schritte gegangen waren, hörte sie ein gepresstes Seufzen hinter sich, gefolgt von Maelstroms kratziger Stimme.

„Immer diese Provinzpolizisten. Auf jeder Welt dasselbe.“

Kara verkniff sich ein Grinsen. Es stimmte, dass zivile – oder meist paramilitärische – Polizeikräfte im Galaktischen Imperium einen schweren Stand hatten. Auf zahlreichen Planeten des Reiches übernahm das imperiale Militär sämtlicher Polizeiaufgaben und selbst auf den Planeten, die über eigene Sicherheitskräfte verfügten, wurden deren Befugnisse stets durch überlappende Organisationen wie die Sector Rangers oder das Imperiale Sicherheitsbüro beschnitten, sodass die meisten Verbrechen, mit denen sie sich noch befassen konnten, Diebstähle, die eine oder andere Kneipenschlägerei und unzüchtiges Verhalten waren. Das bedeutete indes nicht, dass diese Polizisten schlecht ausgebildet waren – meistens waren ihre Fähigkeiten grundsolide und besonders das Bastion Security Corps genoss einen gewissen Ruf, soweit dies eben möglich war auf einem Planeten, bei dem es sich zudem um das Hauptquartier der Streitkräfte, der COMPNOR und des ISB handelte und der durch eine eigene Elitelegion der Sturmtruppen gesichert wurde. Anders als die Agenten der Sector Rangers und die Angehörigen des Sturmtruppenkorps hatten die lokalen Polizisten zudem nicht den „Luxus“, von Zeit zu Zeit in andere Sektoren transferiert zu werden, um sich dort mit Gegnern messen zu können, die man auf Bastion schlicht und ergreifend nicht vorfand.

„Sei nicht so streng“, schalt Kara ihren Partner daher scherzhaft, bevor sie in Hörweite des nächsten Schwarzuniformierten ankamen, der die Turbolifts des Komplexes bewachte. Bei diesem reichte bereits der Anblick der Rangeruniformen, um ihn den Weg freimachen zu lassen.

Das Appartement im 14ten Stock, das sie schließlich ansteuerten, war auf den ersten Blick nur dadurch bemerkenswert, dass es von zwei weiteren Beamten des BSC bewacht wurde und es in seinem Inneren von weiteren Beamten und mehreren Droiden bevölkert wurde. Einer dieser Beamten, die Abzeichen eines Captain am Kragen, schien beim Anblick der beiden Sector Ranger Probleme mit seinem Blutdruck zu bekommen.

„Oh, großartig!“, schnappte er, bevor einer der beiden Neuankömmlinge auch nur ein Wort hätte sagen können.

„Es reicht wohl nicht, dass ich mir erst von einem Legaten aus dem Büro des Gouverneurs und dann von einem Assistant Secretary der COMPNOR meinen Job erklären lassen musste, jetzt tauchen auch noch die Sector Rangers hier auf! Warum entziehen Sie mir diesen Fall nicht gleich?“

Kara hatte die Arme vor der Brust verschränkt und ihren Kopf leicht schief gelegt, in Erwartung einer Pause in der Tirade des Mannes.

„Ranger Command informierte uns, dass Sie es hier mit einem Vorfall zu tun haben, in dem möglicherweise sektorweit ermittelt werden muss“, sagte sie schließlich gemessen.

„Mehr wissen wir auch noch nicht.“

Und der Anblick dieses luxuriösen und offenbar bestens aufgeräumten Appartements half ihr auch nicht unbedingt weiter. Ihre Order war wirklich sehr spärlich gewesen, was Details anging.

„Sektorweit?“, erwiderte der Captain verwirrt.

„Ach, Sie meinen wegen der Kritzelei im Schlafzimmer?“

Kara und Maelstrom tauschten nun ihrerseits einen verwirrten Blick.

„Hören Sie, Captain… ich bin Chief Investigator Davenport, das ist mein Partner, Investigator Maelstrom. Warum erzählen Sie uns nicht einfach erst einmal, was hier passiert ist?“

Der andere zuckte mit den Achseln.

„Captain Lector. Wenn ich das nur wüsste…“

Lector kratzte sich am perfekt rasierten Kinn.

„Alles fing damit an, dass der Tagportier seinen Kollegen von der Nachtschicht als vermisst meldete… so weit, so gut. Wäre ja nicht der Erste mit solch einem lausigen Job, der sich um die Arbeit drückt. Aber als man dann noch feststellte, dass eine Mitarbeiterin des internen Sicherheitsdiensts verschwunden war… nun, da alarmierte das Management uns. Und wir stießen dann auf diese Wohnung.“

Kara und Maelstrom sahen sich erneut in der Wohnung um – doch auch dieses Mal förderte die kurze visuelle Inspektion nichts zu Tage. Lector, dem das Ganze nicht entgangen war, seufzte leise.

„Kommen Sie. Ich zeige es Ihnen.“

Nachdem die beiden Ranger dem Polizisten ins Schlafzimmer des Appartements gefolgt war, wurde ihnen endlich klar, was mit „Kritzelei“ gemeint gewesen war – während Kara langsam mit dem Kopf schüttelte, verengte sich Maelstroms organisches Auge zu einem Schlitz.

„Baby? Rasierklinge? Was soll dieser Mist?“

Lector zuckte mit den Schultern.

„Das wüsste ich auch gerne. Wir haben Holos davon gemacht und jemand in der Polizeidirektion entschied sich wohl aus irgendeinem Grund, die Sector Rangers einzuschalten, sonst wären Sie wohl nicht hier… aber Ihnen sagt das auch nichts?“

„Nun, das hinterlassen von kryptischen Botschaften gehört durchaus zum modus operandi einiger Serientäter, nach denen zum Teil imperiumsweit gefahndet wird“, erwiderte Kara und tätschelte beiläufig ihre im Holster am Gürtel ihrer Uniform steckende Blasterpistole.

„Aber das waren meistens Psychopathen, die zusätzlich zu den Botschaften noch hübsch zerstückelte Leichen hinterlassen haben… und die Sprüche waren zwar kryptisch… aber nicht derart sinnlos.“

„In der Überwachungszentrale findet sich ein weiterer solcher Spruch“, ergänzte Lector.

„Aber auch da keine Leichen. Nirgendwo. Wir können nicht mal sagen, ob die Besitzerin dieser Wohnung überhaupt involviert ist. Nach ihr wird gesucht, bisher ohne Ergebnis. Die einzige Verbindung zwischen zumindest dem Verschwinden der Sicherheitsangestellten und diesen Sprüchen ist die Tatsache, dass einer im Überwachungsraum war.“

Der Captain schnaubte.

„Oh, und die Speichereinheit für die Überwachungsvideos ist verschwunden. Zumindest bestätigt das wohl, dass hier irgendetwas passiert ist, was jemand unbedingt verschleiern will. Und das in dieser Nachbarschaft. Eine Katastrophe.“

Kara nickte beiläufig.

„Ja, das kann ich mir vorstellen…“

Das Arthious-Boulevard war eine der ersten Adressen Bastions. Hier residierten pensionierte Offiziere, Industriemagnaten, prominente Mitglieder der COMPNOR, Günstlinge des Gouverneurs… mehr als genug Einfluss, um einem armen Captain des Bastion Security Corps ordentlich Feuer zu machen, auch wenn keine einzige Leiche gefunden worden war.

„Ich verstehe das einfach nicht“, lamentierte Lector.

„Geht es hier vielleicht um Lösegeld? Aber warum dann diese Sprüche? Ein Code, den nur der Erpresste versteht? Aber wer soll das sein?“

„Gab es weitere Spuren?“, fragte Maelstrom mitleidlos.

„Nur eine. Offenbar wurde die Tür auf dem Dach aufgebrochen… wenn man das so nennen kann. Es wurden keine auf dafür üblicherweise genutzte Werkzeuge hindeutende Merkmale gefunden.“

Der Polizist schüttelte mit dem Kopf.

„Bei diesem Gekritzel hätte ich an einen Wahnsinnigen gedacht, aber welcher Wahnsinnige ist denn sorgfältig genug, die Überwachungsholos verschwinden zu lassen?“

„Sie würden sich wundern, Captain“, murmelte Kara.

„Irgendwelche Ausbrüche aus Nervenheilanstalten in der Umgebung wurden aber keine gemeldet?“

Maelstrom zog eine hässliche Grimasse.

„Das größte Irrenhaus auf diesem Planeten ist absolut ungesichert und nennt sich Tempel der Sith.“

Kara warf ihrem Partner einen tadelnden Blick zu. Manchmal vergaß sie, wie sehr er den Dunklen Orden verabscheute – warum auch immer – wenngleich er es trotzdem schaffte, diese Abscheu nicht auf seine Treue zum Imperium und zum Imperator – einem Sith – abfärben zu lassen.

„Nein, keine Ausbrüche“, antwortete Captain Lector auf die Frage der Ranger.

„Nun, ich denke, unsere beste Spur sind die Holoaufzeichnungen. Wenn sie jemand verschwinden lassen wollte, dann wird das auch einen Grund gehabt haben.“

Lector runzelte die Stirn.

„Ich sagte doch bereits, dass die Aufzeichnungen entwendet wurden, Chief Investigator.“

Mitleidig sah sie den Captain an. Offenbar war dies tatsächlich sein erster wirklich brisanter Fall.

„Ich bitte Sie, Captain… wir sind hier auf Bastion. Und hier wird jedes Überwachungsholo an mindestens zwei Orten gespeichert.“

Die Mimik ihres Partners verfinsterte sich bei diesen Worten merklich.

„Ein Besuch beim ISB“, brummte er wenig begeistert.

„Großartig.“

[Braxant-Sektor, Sartinaynian-System, Bastion, Center, Arthious-Boulevard, Appartementkomplex, 14. Stock, Appartement 453]- Chief Investigator Davenport, Investigator Maelstrom, Captain Lector, Officers des BSC
 
[Bastion | Bastion Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle | Innenhof] Janus, Darth Ignavius (NSC), Voth, Iriye, weiter weg: Zoey, Saphenus, Steven, Michael, Sane, Jorax Kevora, Ghost Squad (NSC), Edgar, Yui

Es gab Personen, dessen Bekanntschaft wollte man nicht machen. Weil sie furchteinflößend oder gefährlich waren, weil man in ihrer Gegenwart nicht gesehen werden wollte, oder... weil sie einem schlicht den letzten Nerv töteten.
Ignavius gehörte zu der letzten Kategorie. Voth wusste nicht, wie er sich nüchtern verhielt - er vermutete, dies war ohnehin sehr schwierig herauszufinden -, doch alkoholisiert bot er wirklich keine angenehme Gesellschaft. Vor allem dann nicht, wenn man den betrunkenen Sith nur wenige Zentimeter vom Gesicht entfernt an der Schulter hängen hatte.

Darth
Ignavius hörte einfach nicht auf zu reden. Die Worte sprudelten aus seinem Mund, der vom Alkohol vermutlich noch weiter gelockert worden war, ob sie nun Sinn ergaben oder nicht und ob man hören wollte, was er zu erzählen hatte oder nicht. Man merkte deutlich, dass der Gouverneur es schlichtweg genoss, sich selbst reden zu hören.

Gerade war
Ignavius damit beschäftigt, Janus' berechtigt sarkastische Anmerkungen zu kontern; so warf er ihm vor, nichts wirkliches zu vollbringen und sich stattdessen hinter gutem Benehmen zu verstecken. Voth zog leicht belustigt eine Augenbraue nach oben. Wenn es doch tatsächlich so leicht war, auf Etikette und Anstand zu achten, wie der Sith es beschrieb, wieso fiel es ihm dann augenscheinlich so schwer?

Besagter Sith hatte seinen schwabbeligen Körper währenddessen und zu Voths größter Freude schwerfällig wieder auf die Sitzbank verfrachtet. Doch nur, um einen Augenblick später wieder das Wort an den Twi'lek zu richten und zu einer umfangreichen Erzählung auszuholen, in der mehrere Namen und Beschreibungen irgendwelcher Gräber fielen. Voth hörte mit einem Ohr zu, währenddessen dachte er darüber nach, wie man den Gouverneur denn bloß davon abhalten konnte, die ganze Zeit zu reden.

Kurz pausierte der Sith. Als er daraufhin feststellend fragte, ob man ihn für einen Säufer oder unfähig hielte, machte Voth kurz den Mund auf, um eine Bemerkung zu machen, beschloss dann aber, ihn wieder zu schließen. Er hatte das dumpfe Gefühl, dass es nicht so klug wäre, den Gouverneur zu verärgern, auch wenn er in seinem derzeitigen Zustand wohl wenig würde ausrichten können.
Erneut forderte
Ignavius Voth auf, zu ihm nach Korriban zu kommen und Voth geriet ein wenig ins Nachdenken. Natürlich keinesfalls darüber, ob er tatsächlich unter dem Gouverneur lernen sollte, vielmehr darüber, wie es auf Korriban wohl wirklich war. Die Erzählung, die Ignavius nun leider in aller Gründlichkeit fortsetzte, schien stark übertrieben, aber dennoch war es auf Korriban sicher interessant. Allein schon wegen dem Jahrtausende alten Wissen, das bis heute erhalten geblieben war. Vielleicht würde er irgenwann einmal die Gelegenheit haben, diesen Planeten zu besuchen. Bloß schade, dass derzeit ein so inkompetenter Trottel auf dem Thron saß und Korriban über kurz oder lang in einen langweiligen Dreckklumpen ohne Wert verwandeln würde.


Eine Viertelstunde später konnte Voth nur mit Mühe ein Gähnen unterdrücken. Der Gouverneur hatte zu noch einer Geschichte angesetzt, in der es wohl irgendwie darum ging, dass er einen Tempel ganz allein durchsucht und geplündert hatte. Sicher, die Geschichte war schon irgendwie interessant, doch Voth zog es im Moment vor, die Blätter eines nahen Baumes zu beobachten, die sich leicht im Wind bewegten. Die waren irgendwie weniger anstrengend.

Endlich schien
Ignavius ans Ende gelangt zu sein. In einem Schlusssatz wandte er sich noch einmal an Voth, bevor er endlich - zumindest kurz - schwieg und eine wohltuende Stille eintrat. Der Gouverneur war aufgestanden und blickte nun leicht schwankend zwischen Voth und Janus hin und her. Für einen Moment genoss der Twi'lek die Ruhe, dann antwortete er.


"Vielen Dank für diese... bereichernden Erzählungen, Gouverneur. Ich bin mir sicher, Korriban bietet einiges an sammelnswerten Schätzen und Artefakten. Ich bin zwar kein direkter Freund des sinnlosen Raubens und Hortens nur um des Besitzens Willen, doch für den, der diesen Machenschaften zugeneigt ist, ist Korriban sicher ein idealer Ort. Fraglich nur, ob dies für den Planeten selbst so profitabel ist..."

[Bastion | Bastion Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle | Innenhof] Janus, Darth Ignavius (NSC), Voth, Iriye, weiter weg: Zoey, Saphenus, Steven, Michael, Sane, Jorax Kevora, Ghost Squad (NSC), Edgar, Yui
 
[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Tempel der Sith / Sikarius' Quartier ] Sikarius und Adria

Der nächste Tag begann beinahe genauso wie der vorherige. Sikarius erwachte erfrischt und voller Tatendrang. Es war erfrischend zu sehen, was regelmäßiges und gutes Essen, annehmbare Temperaturen und die finstere Aura des Tempels mit einem Organismus machen konnten. War er auf Noe’ha’on bis auf die Knochen abgemagert, begann er bereits jetzt schon, nach zwei Tagen neues Fleisch anzusetzen. Die Muskeln seines gesamten Oberkörpers schmerzten von der Anstrengung am vergangenen Tag, doch es war ein guter Schmerz.

Doch was die Laune des Mörders wirklich in ungeahnte Höhen trieb, waren die Träume die er in der vergangenen Nacht erlebt hatte. Detailliert hatte er den Mord an den
Summers noch einmal erlebt. Er hatte die Ektase erneut gespürt, als das dunkle Blut die zappelnden Körper verlassen hatte. Das Gefühl von Macht über Leben und Tod, so berauschend, dass sein Herz noch immer beim Gedanken daran schneller schlug. Doch was noch süßer war als die Erinnerung, war die Möglichkeit es wieder zu tun. Die Vorstellung die Ermittler dabei zu beobachten wie sie von Hinweis zu Hinweis stolperten, ihm jedoch nie wirklich auf die Schliche kommen konnten war so erfüllend, so verführend, dass er sich beinahe dabei ertappt hätte ein weiteres Vorhaben zu planen.


Wir müssen uns auf andere Dinge konzentrieren! Wir müssen uns darum kümmern ein Heilmittel für Adria zu finden, nicht mit unwichtigen Polizisten zu spielen!

Hakte sich dann immer der Denker ein. Wahrlich gab es andere Dinge zu tun als ein derartiges Wagnis einzugehen. Wer mit bloßen Füßen auf Messern tanzte musste damit rechnen sich zu schneiden – egal wie dick seine Hornhaut war. Und wahrlich, Sikarius Hornhaut war dick. Wer den Tempel der Sith als Versteck und Müllhalde hatte, der hatte bereits die halbe Miete bezahlt. Das war zumindest eines der Argumente des Würgers, der alles in seiner Macht stehende tat, um eine weitere Mordserie zu erzeugen. Doch alles was dieser als Antwort bekam war ein gemurmeltes

„Nicht heute“

unter der Dusche, ein etwas Lauteres beim Anziehen und schließlich einen lauten Ausspruch auf dem Weg zur Kantine, der Sikarius einige alarmierte seitens der vorbeigehenden Jünger und auch Adria einbrachte. Der Mörder tat dies jedoch mit einem Kopfschütteln ab. Der Raum war genauso überfüllt wie am vergangenen Tag und wieder saß der rätselhafte Gungan an Ort und Stelle, noch immer umringt von einer Traube aus Jüngern. Wer war der Kerl?!

Wieder verbrachte er das Essen damit ihn zu sondieren, kam jedoch zu keinem besseren Ergebnis als gestern. Doch auch heute war keine Zeit das weiter zu verfolgen, denn es ging direkt wieder in die Keller. Das Becken auf dem Boden wurde erneut mit Brennstoff befüllt und die Tonne ausgewaschen und in Ermangelung an Blut mit Wasser befüllt. Heute wollte er ja keine Waffe in dem Sinne schaffen…


Adria, deine Aufgabe ist es mein Schwert zu schleifen. Ich will es bis heute Abend so scharf haben, dass ich Haare durch bloßes Drauffallen durchtrennen kann, klar?!“

Wandte er sich an das Mädchen und drückte ihr den Rohling und einen Schleifstein in die Hand. Heute würde er alleine schmieden, hatte die Nacht ihm doch eine Idee beschert, die er zumindest einmal ausprobieren wollte. Das Schwert war eine grobe Arbeit gewesen, hatte er doch zum ersten Mal in seinem Leben einen Schmiedehammer in der Hand gehalten. Heute wollte er etwas deutlich komplizierteres angehen, doch das konnte er nicht einfach so.

Beinahe schon beiläufig Fachte
Sikarius das Feuer neu an und legte einige Brocken aus dem immer leerer werdenden Rucksack nach. Tief atmete er durch und blickte in die züngelnden Flammen, während er sich versuchte zu beruhigen. Um sich in der Macht zu versenken musste man doch alle äußeren Einflüsse abschalten, oder? Mehrere Minuten stand er reglos vor den Flammen, während innere Ruhe sich einfach nicht einstellen wollte. Wie das Feuer flammten seine Gedanken immer wieder neu auf und drifteten zurück zum Gungan oder dem Mord an den Summers.


„Ich kann mich einfach nicht konzentrieren!“

Rief er schließlich aus und pfefferte den zum Amboss umfunktionierten Metallblock mit einem Machtstoß in die Ecke. Laut klingend zermalmte er ein Rohr aus dem sofort ein Strahl eisigen Wassers austrat und Sikarius bis auf die Knochen durchnässte.

„BANTHASCHEIßE!“

Brüllte er und konnte sich grade noch davon abhalten den glühenden Inhalt des Beckens zu levitieren und dem frechen Rohr an den metaphorischen Kopf zu werfen. Zischend stieß er die Luft auf und begann rastlos hin und her zu gehen. Was machte er falsch?! Warum schaffte er es nicht in einen meditativen Zustand einzutreten, der für Machtnutzer angeblich so typisch war?!

Jetzt verhalt dich nicht wie ein Jedi!

Fauchte plötzlich der Würger und erntete verwundert-geschocktes Schweigen sowohl von Sikarius als auch vom Denker, der sich dann jedoch ein entgeistertes ‚Was?!‘ ausstieß.

Na verhalt dich nicht wie ein Jedi. Die brauchen Ruhe zum Meditieren. Wie sind ein SITH. Chaos ist unser Element. Meditation durch Emotion.

Das…ist vermutlich das Intelligenteste was du jemals von dir gegeben hast. Das ist so dämlich dass es funktionieren könnte…

Einen Moment lang war der Mörder unschlüssig wie er das jetzt zu deuten hatte. Verwirrt schaute er sich um, doch dann erklärte der Denker ihm gnädigerweise was gemeint war. Auf seinem Gesicht die perfekte Illustration eines Aha-Moments stellte Sikarius den Amboss wieder auf und nahm den Hammer in die Linke. Mit einem leichten Lächeln rief er sich die Ekstase des Tötens ins Gedächtnis und ein leises Kichern entrang sich seinen Lippen. Ein jäh aufkommender Wind versorgte das Feuer mit Sauerstoff und sein Lachen wurde lauter. Es gelang.

Wie der Irre der er war tanzte er schon bald zu einer nur für ihn hörbaren Melodie um den Amboss und hämmerte abwechselnd kichernd, lauthals lachend und summend auf das Kortosis ein. Ein Schleier lag vor seinem Auge, ließ er doch die Macht seine Schläge leiten. Er konnte nicht sagen wie lange dieser Zustand angehalten hatte, doch schließlich hielt er inne. Gespannt sah er auf sein Werk hinab. Sein Auge weitete sich vor Erstaunen und der Verwunderung über sein Werk. Sauber auf dem Boden ausgebreitet lagen die Einzelteile einer Handprothese. Einen Moment lang war er sprachlos. Hatte…hatte er das geschaffen? Sein schmerzender Körper bejahte es doch…wie?! Die Macht war wahrlich ein Wunder.


„Wie weit bist du, Adria?“

Fragte er sich unvermittelt und wandte sich zu dem Mädchen um, das nun auch aufstand und ihm die Klinge hinhielt. Stolz verkündete sie, dass das Schwert nun scharf war, beschwerte sich jedoch im gleichen Atemzug über die Blasen, die sie davon bekommen hatte. Es muss garnicht erst betont werden, dass Sikarius nur ersterem Teil des Satzes Aufmerksamkeit schenkte. Mit immernoch leuchtendem Auge nahm er das Schwert entgegen und prüfte die Schneide mit seinem Daumen. Ein scharfer Schmerz und eine Menge Blut zeigten, dass ganze Arbeit geleistet worden war. Zufrieden nickte er. Damit konnte er arbeiten.

Jetzt ging erneut das Aufräumen los. Die Erzeugnisse des Tages schlug er sauber in ein Tuch ein und schließlich ging es wieder zurück in sein Quartier. Während
Adria duschte suchte er über das Holonet nach Kliniken in der Nähe, die Handprothesen anboten und folglich die technischen Einzelteile haben mussten. Als das Mädchen fertig war, hatte er sich schließlich eine ausgesucht. Das Phollow-Gesundheitszentrum war darauf spezialisiert vor allem Kriegsversehrten ein neues Leben zu ermöglichen.


Das ist unser nächstes Ziel. Wir müssen ohnehin einbrechen…warum nicht also auch ein wenig Spaß haben?

Nein. Wir sollten nicht zu sehr auffallen…

Wir sind überhaupt nicht aufgefallen! Wir sind ja deinem Plan gefolgt! Du darfst auch wieder ans Steuer!

Hmm ja…

Er hat ja gesagt. Wir machen‘s!

Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht fuhr Sikarius den Computer herunter und stellte sich einen Wecker für den Nachmittag. Diesmal würde er das Ganze noch besser vorbereiten als zuvor schon.

[ Weltraum / Bastion-System / Bastion / Center / Tempel der Sith / Sikarius' Quartier ] Sikarius und Adria
 
[Bastion | Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle] - Saphenus; in der Ferne: Zoey Liviana; Sane; Darth Ignavius (NPC); Mara Sakiko (EVE Yui); Chronor Tallax; Janus Sturn; Voth Terrix; Jorax Kevora; Steven und Michael

Stutzig blieb Saphenus stehen. Das Triumphgefühl ebbte ab und plötzliche Müdigkeit übermannte ihn. Zwar zwang ihm der Gedanke an die tränenverschmierte Zoey noch immer ein Grinsen auf sein Gesicht, doch das konnte die Last, die er plötzlich spürte, nicht mindern. Ein Gähnen entsprang seinem Mund, ein paar Gäste in der Nähe sahen ihn missmutig an. Er machte sich nicht die Mühe die Hand davor zu halten. Stattdessen starrte er solange zurück bis sich die Gäste wieder umdrehten und ihren unwichtigen Gesprächsthemen zuwandten. Zuerst im Begriff wieder hinauszugehen und sich zu den anderen Sith, zu seinesgleichen, zu gesellen, entschied er sich anders als er an Ignavius dachte. Er wollte es immer noch nicht wahrhaben, der amtierende Gouverneur des wichtigsten Planeten der Sith war ein Säufer, ein Taugenichts, unfähig und unwürdig dieses Amt zu bekleiden. Dennoch, Saphenus würde nichts anderes übrigbleiben als Interesse zu heucheln und ihm Honig ums Maul zu schmieren. Er war darauf angewiesen Korriban zu besuchen, er musste einfach dorthin und dafür war ihm die Unterstützung zu wichtig. Er würde vorher noch einmal mit Janus sprechen müssen, sie beide konnten nicht dulden wer über Korriban herrschte. Wie hatte es jemals so weit kommen können, dass der staubige Planet derart entweiht wurde? Diese Gala verkam immer mehr zu einem Albtraum, nicht einmal Zoey und der Graf konnten diese Enttäuschung aufwiegen. Umgeben von dem widerlichen Abschaum, der sich die Elite des Imperiums schimpfte, war Saphenus kurz davor zu gehen. Hatte er nicht alles, was er wollte? Was wollte er überhaupt, was konnte er noch von diesem Abend erwarten? Doch ihm wurde bewusst, dass er sich zumindest noch um die Archäologin kümmern musste. Sie hatte eingewilligt freiwillig mit ihm zu gehen und dafür würde er Sorge tragen.

Ein plötzliches Piepen seines Komlinks riss ihn aus seinen Gedanken. Ungeduldig kramte er nach dem hochtönenden Geräusch und warf einen Blick auf die Anrufer-ID. Es war eine Nachricht von Darth Hybris. Irritiert zog Saphenus eine Braue nach oben. Was wollte der Sith nun von ihm, hatte er seine Meinung geändert? Wollte er ihm einen weiteren Auftrag geben? Das Piepsen verstummte während der Zabrak noch immer auf das Gerät starrte. Zum einen fürchtete er die Stimme des Albtraums zu hören und was sie sagen würde, zum Anderen war er jedoch neugierig auf das was kommen würde. Saphenus sah sich um, für seinen Geschmack waren ihm die Gäste zu nah. Also humpelte er durch die Gedächtnishalle ohne ein Auge für die ausgestellten Exponate zu haben und verschwand durch die Türe nach draußen, zu eben jener Stelle an der er vor Kurzem noch mit Hybris geredet hatte. Die Wachen im Blick rief er die Nachricht ab.


„Wegen der am 13. 3. besprochenen Umstrukturierungen sind seit dem heutigen Tag 10.00 Uhr Standardzeit Ressourcen für Ihre Unternehmung freigeschaltet worden und können nun ganz nach Eurem belieben genutzt werden. Ein Nachweis ist im Augenblick nicht notwendig, wobei wir uns jedoch vorbehalten, diese doch zu einem von uns gewünschten Zeitpunkt einzufordern. Einen schönen Tag noch.“

Zweimal hörte sich Saphenus die Nachricht an und verstand dennoch kein Wort. Was zur Hölle hatte das zu bedeuten, welche Unternehmung war gemeint? Seine Reise nach Korriban, auf Zoey aufzupassen oder etwas ganz anderes? Ärger kam in ihm hoch und er spürte wie sein Zorn auf Hybris ans Tageslicht kam. Saphenus war ein Spielball und ließ sich auch noch so behandeln. Schnell wählte er die Nummer Lom Feys und wartete ungeduldig bis sein Diener endlich den Anruf annahm.

„Was hat das so lange gedauert?“,


blaffte Saphenus und war damit unfreundlicher als er eigentlich wollte. Doch der Ärger steckte ihm zutiefst im Hals.


„Ich habe mich um Euren Gegenstand gekümmert, Mylord.“,

antwortete der Pau’aner mit der nervig höflichen Stimme, die über allem zu stehen schien.


„Gut, ist er sicher?“


„Ja, Mylord. Aber ich glaube nicht, dass Euer Anruf dieser Sache gewidmet ist.“

Für einen Augenblick blieb Saphenus stumm.


„Ich habe eine Nachricht bekommen, die ich nicht einordnen kann.“,


sagte er schließlich durch zusammengepresste Zähne hindurch. Er hasste es vor seinem Diener schwach zu erscheinen, wiederholte dann aber den Inhalt dessen, was Hybris ihm geschickt hatte.


„Einen Moment, Mylord.“,

erwiderte Lom Fey während Saphenus die Finger über seinen Oberschenkel tanzen ließ. Das alles dauerte immer viel zu lange, warum ging das nicht schneller? Gerade als er den Pau’aner zurechtweisen wollte, meldete der sich wieder.


„Wie es scheint habt Ihr nun Zugriff auf Ressourcen, die Euren Rang bei Weitem überschreiten.“,

klärte er ihn auf.


„Tatsächlich entsprechen sie eher denen eines Sith-Fürsten, wenn auch nicht in vollem Maße. Anbei ist schließlich noch eine Liste mit Kontodaten und vom Orden beschlagnahmter Schiffe.“

Dann legte sich Stille über sie beide. Saphenus dachte fieberhaft nach und kam doch zu keiner Lösung. Hybris gewährte ihm Zugriff auf seine Mittel im Orden, doch warum? Zwar hieß es in der Nachricht, dass er damit seine Unternehmung unterstützen wollte, doch warum sollte der Albtraum das tun? Um ihn unter Kontrolle zu haben, um sicher zu stellen, dass er sich um Zoey kümmerte? Seine Hand schloss sich fester um den Komlink bis seine Knöchel weiß unter der blassroten Haut hervortraten.


„Wir sind nicht darauf angewiesen.“,


sagte er knapp. Bevor er das Gespräch beenden konnte, meldete sich Lom Fey zu Wort.


„Mylord, Ihr braucht zumindest ein Schiff um Korriban zu erreichen.“

„Ein Schiff kann mir der Orden stellen.“,


fauchte Saphenus.


„Und dann? Unsere Geldmittel sind beschränkt und werden sich auf Korriban schnell dem Ende neigen. Allein um ein angemessenes Schiff zu beschaffen müsste man schon sehr viele Credits aufwenden.“


„Der Graf könnte uns aushelfen, wir beide haben gemeinsame Interessen.“


„Ihr wollt wirklich bei Graf Sturn in der Schuld stehen? Das macht Euch angreifbar. Darth Hybris hingegen steht ohnehin über Euch wenn ich das so offen anmerken darf. Es macht keinen Unterschied ob Ihr von seinen Mitteln zehrt.“


Saphenus biss die Zähne zusammen. Würde Lom Fey jetzt vor ihm stehen, er würde ihm das Genick brechen und sich seinen Kopf an die Wand hängen. Doch er war zu weit entfernt. Wieder einmal hatte er das Bedürfnis laut zu schreien, er verfluchte den Albtraum und dessen Finger in seinem Schicksal.


„Dann besorg uns eben ein Schiff aus dieser Liste.“,


gab er schließlich leise und widerwillig nach.


„Darf ich Euch einen YT-2400 empfehlen? Er bietet genug Platz für gewisse…Modifikationen.“

Saphenus glaubte einen Hauch von Überheblichkeit in der Stimme des Pau’aners zu hören, doch das bildete er sich nur ein.


„Mach was du willst. Ich erwarte, dass wir startklar und ausgerüstet sind sobald die Gala beendet ist und ich mich noch um eine Sache gekümmert habe. Es wird uns ein weiterer Gast nach Korriban begleiten.“


„Ich fürchte so schnell wird das nicht gehen. Darf ich fragen wer uns begleiten wird?“

„Dafür wirst du sicherlich Sorge tragen und nein, darfst du nicht!“,


höhnte Saphenus und beendete das Gespräch. Er wollte keinen Gedanken mehr an den Albtraum verschwenden, er schwirrte ihm schon viel zu oft im Kopf herum. Sein Auftauchen heute hatte wieder einmal alles verändert. Schnellen Schrittes humpelte er wieder in die Gedächtnishalle hinein, dabei warf er den Wachen einen missmutigen Blick zu. Drinnen blieb er nicht stehen sondern begab sich geradewegs in die Richtung des Innenhofes, in dem sich die Schande von Korriban wohl noch immer befand. Ein schneller Blick auf die Flasche des ach so kostbaren Schnapses von Naboo verriet ihm, dass der Gouverneur der Versuchung doch nicht widerstehen konnte. Wankend stand er bei Janus und Voth und lehnte sich an den Twi’lek. Vermutlich würde er sonst das Gleichgewicht verlieren und fallen, dachte Saphenus spöttisch. Er atmete noch einmal durch und gesellte sich wieder zu den Sith.


„Entschuldigt meine lange Abwesenheit, Dr. Liviana war wirklich außer sich wegen des ganzen Blutes. Ihre Eitelkeit steht ihr wohl ein bisschen im Weg. Aber sie wird sich sicherlich bald wieder zu uns gesellen. Ich hoffe ich habe nicht allzu viel verpasst?“,


fragte er und zwang sich zu einem Lächeln.


[Bastion | Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle] - Saphenus; Janus Sturn; Voth Terrix; Darth Ignavius (NPC); in der Ferne: Zoey Liviana; Sane; Mara Sakiko (EVE Yui); Chronor Tallax; Jorax Kevora; Steven und Michael
 
Bastion - Sith-Tempel, Aricas Turm - in Aricas Privatgemächern – Nik (alleine)

Der Raum war riesig – und leer. An der runden Außenwand konnte Nik erkennen, dass er den Großteil einer gesamten Etage des Turmes ausmachte. Es lebte also wirklich niemand sonst hier, nur Arica (und ihre Schüler und Diener)? Dies beeindruckte den Halbzabrak sehr, führte es ihm doch plastisch vor Augen, bei welch einer mächtigen und einflussreichen Person er gelandet war. Und er lief einfach so in ihren Gemächern herum – bei den Implantaten des Imperators, was hatte er sich dabei nur gedacht? Vielleicht war es besser, umzukehren und draußen zu warten, bis er gerufen wurde. Mit knapper Not hatte Nik es geschafft, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und der Gedanke, dass er, indem er Aricas Privatsphäre verletzte, ihn stattdessen gleich auf das nächste Schaffott legte, machte ihm Angst. Das war schlecht, nicht wahr? Sith konnten die Angst anderer spüren, hieß es. Ja, sie nährten sich von ihr. Manche fielen dadurch in eine Art Blutrausch, hatte zumindest Laser einmal behauptet. Er musste seine Angst unterdrücken!

Jeder, auch Nik, wusste, dass es ein Mittel gegen Nervosität anderen Leuten gegenüber gab: man musste sie sich diese einfach nackt vorstellen. In einer potentiell peinlichen Situation. Verletzlich. Aber man musste warten, bis man vor ihr stand, vorab funktionierte nicht, oder? Aricas neuester Diener versuchte es, aber seine Phantasie war wirklich nicht sonderlich ausgeprägt. Am entfernten Ende des riesigen Raumes befand sich eine offene Tür, die Wahrscheinlichkeit war also groß, dass seine Herrin sich dort befand und das bedeutete: entweder direkt hin gehen oder sich doch noch zurückziehen. Nik entschied sich für erstes und erkannte zu spät, dass es sich um ein ebenfalls riesiges Badezimmer handelte. In den Kreisen, in denen er normalerweise verkehrte, gab es keine Bäder, sondern bestenfalls eine kleine Nasszelle, die im wesentlichen aus weißen Plastfliesen bestand, und nicht… sowas! Seinen Fehler bemerkte er erst, als er Arica erblickte, und zwar geradewegs so, wie die Macht sie geschaffen hatte!

Es war nur kurz gewesen, und von der Seite, aber was für ein Anblick! Dennoch wünschte Nik sich, er hätte den Blick abgewendet, weil man nicht hinstarrte, wenn eine nackte Frau an einem vorbei lief, aber es ging nicht, wie in einer Art Schockstarre war er unfähig gewesen, zu handeln oder zu denken, bis die Sith-Lady hinter der nächsten Tür verschwunden war. Er hatte sie nackt gesehen! Sicherlich gab das jetzt mächtigen Ärger (und trotzdem war es das irgendwie wert gewesen). Sie musste ihn doch wahrgenommen, aber schlichtweg ignoriert haben! Das hieß auch, dass der Trick gegen Nervosität bei ihr nicht funktionierte, aber allein der Gedanke daran löste Dinge in ihm aus…

Eines der Dinge war, dass der Halbzabrak nicht aufpasste, wohin er lief, sodass er prompt über einen niedrigen Tisch stolperte und dabei eine Vase zerdepperte. Auch das noch! Mit blutrotem Kopf und zitternden Händen sammelte er die Scherben ein und versenkte sie hektisch im Müllschacht an der Wand. Als Arica, frisch eingekleidet im adretten Hosenanzug, den Raum betrat, war keine Spur mehr von dem Malheur zu sehen, und nach wie vor nahm sie keinerlich Notiz von seiner Anwesenheit – bis die Frage kam, die er gefürchtet hatte. In dem Moment wünschte er sich, sie hätte ihn noch etwas länger ignoriert, doch bevor er dazu kam, sich zu rechtfertigen, wechselte sie das Thema und fragte ihn scheinbar jovial, wie es ihm nun gefiel.


»Äh, nun, ja, dies ist alles so groß und fantastisch und, ähm, eine riesige Ehre für mich, Euer bescheidenster Diener sein zu können und, öh,«

Stammelte er hypernervös hervor und auch sich den Hosenanzug wegzudenken hätte nicht das geringste geholfen. Wo dieser allerdings perfekt saß, war Niks dunkle Robe seit dem Unfall ein noch größeres modisches Debakel als davor schon. Darauf angesprochen begann er unwillkürlich, daran herumzuzupfen, um seiner Herrin wenigstens halbwegs unter die Augen treten zu können. Bei Aricas nächstem Satz hörte er augenblicklich auf damit, denn jetzt rutschte ihm sein Herz so richtig in die Hose. Jetzt folgte die Strafe für das unerlaubte Eindringen! Mit ihren Sachen spielen! Vor einer Sith konnte man nichts verbergen! Ohneinohneinohneinohnein!

Er hatte es vermasselt! Noch einmal kam er bestimmt nicht mit vagen Versprechungen von theoretischer Nützlichkeit davon! Dieselbe unsichtbare Gewalt wie im Verließ packte ihn und klatsche ihn bäuchlings auf einen nahen Schreibtisch und so eine Art Folterknecht näherte sich, Vorschläge unterbreitend, von denen keiner Nik auch nur im entferntesten zusagte. Arica entschied sich für den Arm. Man würde ihm den Arm amputieren! Vergeblich stemmte der unsportliche Halbzabrak sich gegen die unsichtbare Gewalt und flehte:


»Es tut mir leid! Wirklich! Es war nicht meine Absicht… ich wollte nicht! Es kommt nie wieder vor, aber nicht den Arm, bitte!«

Als die Säge anfing zu laufen, kneifte Nik die Augen zu. Nicht hinsehen! Schon durchschnitt etwas seine Haut, oder Nik glaubte es zumindest. Es war grauenvoll! Schmerzhaft! Unerträglich! Nicht das erste Mal! Ganz recht, der ehemalige Fuhrparkverwalter erkannte das Gefühl wieder: er wurde tatowiert, wie bei seinem Übergangsritus zum Erwachsenenwerden. Damals war der Halbzabrak schon alles andere als tapfer gewesen und er fühlte sich in diese Zeit zurückversetzt.

»Nur einmal, hast du gesagt, und dann wäre es vorbei! Nie wieder, hast du mir versprochen!«

Rief er aus, dann gab es einen langen, schmerzhaften Fahrer über seinen Unterarm, und dann war es urplötzlich vorbei. Nik öffnete die Augen und sah eine Art dreivierteltfertige Rune auf seinen Unterarm tatöwiert und einen langen, blutigen Strich, der mittendurch lief, als eine dieses Mal von Nik ausgehende unsichtbare Gewalt den Arm des Tätowiers weggestoßen hatte. Es tat höllisch weh, und mehr noch:


»Sieht's doof aus?«


Fragt er den »Folterknecht« ebenso wie Arica.


»Was passiert jetzt?«


Bastion - Sith-Tempel, Aricas Turm - in Aricas Privatgemächern – Arica und Nik
 
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[Bastion | Bastion Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle | Innenhof| Janus, Darth Ignavius (NSC), Voth, Iriye, weiter weg: Zoey, Saphenus, Steven, Michael, Sane, Jorax Kevora, Ghost Squad (NSC), Edgar, Yui

Die Gegenwart des Gouverneurs zehrte erheblich mehr an Janus´ Nerven, als ihm recht war. Wie konnte irgendjemand diesen einfältigen Säufer auch nur länger als fünf Minuten ertragen, ohne in Versuch zu geraten, seine molekularen Bestandteile neu zu arrangieren. Der blasse Graf war es gewohnt, sich mit Leuten abgeben zu müssen, die nicht an seine Brillianz und seinen hervorragenden Habitus heranreichten, doch hatten die meisten dieser niederen Kreaturen zumindest den Anstand besessen, sich höflich und demütig zu verhalten oder nützlich zu sein.

Die Gedanken des Sith-Kriegers wanderten kurz zu seiner Vergangenheit auf Taris. Ja, selbst mit den Repräsentanten der Swoop-Gangs dort hatte man einigermaßen vernünftig sprechen können, und diese rauen Gesellen waren effektive Werkzeuge gewesen, um Konkurrenten einzuschüchtern oder zu beseitigen und Kontakte zu Schmugglern und Söldnern zu helfen. Janus war ein vorsichtiger Mann und schon damals hatte er zu Treffen stets fähige Leibwächter mitgenommen, Männer und Frauen, auf die man sich verlassen konnte und denen man beigebracht hatte, zu kämpfen und zu gehorchen.

Im Vergleich zu Ignavius wirkten selbst die übelsten Gangbosse wie Repräsentanten der galaktischen Hochkultur. Doch leider konnte Janus dem wohlbeleibten Sith nicht einfach das Genick brechen oder einen Scharfschützen anweisen, ihm aus einem Kilometer Entfernung via eines Blasterschusses endlich das Mundwerk zu stopfen. Eine unangenehme Erinnerung daran, dass seine Macht trotz aller Fortschritte noch bei weitem nicht unbegrenzt war. Er würde sich noch mehr darum kümmern müssen, sie auszubauen.

Die Kommentare von Ignavius ignorierte der Halbechani beflissentlich. Der Gouverneur verstand nicht, dass Macht weitaus besser schmeckte, wenn sie durch Höflichkeit versüßt wurde. Natürlich fühlte sich der Graf allen anderen Kreaturen überlegen, doch war es ein gutes Mittel, ihnen dennoch eine gewisse Höflichkeit zu gewähren und ihnen das Gefühl zu geben, dass man sie wertschätzte und sich für sie interessierte. Umso leichter wurde es, sie zu manipulieren und unter Kontrolle zu behalten. Ein kluger Sklavenhalter setzte auf Zuckerbrot und Peitsche und trieb seine Diener nicht zur Rebellion.

Nur bedingt interessiert lauschte Janus den großspurigen, schier endlosen Erzählungen des Gouverneurs und konnte sich dabei des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser reichlich übertrieb, sowohl was seine Macht als auch seine Rolle bei der Entdeckung von Artefakten anging. Kurz flackerte Neugier in den grünen Augen des Grafen auf, als Ignavius vom Grab eines Hexers berichtete, der schwächere Sith geopfert hatte und sich so große Macht gesichert hatte.


„Ein überaus kluger Zeitgenosse, dieser Darth Kayh. Vielleicht sollte man seinen Idee mehr Beachtung schenken.“

Meinte der Sith-Krieger trocken, ein schmales Lächeln auf den Lippen, als er dem Gouverneur einen kurzen Seitenblick zuwarf. Dieser war noch nicht fertig – natürlich nicht, dachte sich Janus seufzend – und meinte, dass ein Raum dem Grafen wohl gefallen hätte, dann fuhr er fort.

„Ich bin überrascht, dass Ihr den Gestank überhaupt wahrgenommen habt. Schließlich sollte er Euch nicht so fremd sein.“

Kommentierte Janus die Erzählung über untote Wesen giftig. Vermutlich wäre die Geschichte glaubwürdiger, wenn der Gouverneur die Kreaturen mit seinem Atem in die Flucht geschlagen hätte. Der Graf ging einige Schritte zur Seite, um einsetzendem Regen zu entgehen, und hörte weiter beiläufig. So ganz uninteressant war die Geschichte nicht, und einige Details weckten sein Interesse, doch konnte sich der blasse Fastmensch schlicht nicht für den Erzähler begeistern und war daher froh, als dieser endlich schwieg.

Die Ruhe war überaus angenehm und verbesserte Janus´ Laune erheblich, wozu auch Voths bissiger und kluger Kommentar beitrug, der Graf lächelte seinem Schüler kurz zu.


„Eine interessante Geschichte, in der Tat. Korriban hat schon viele Sith angelockt, die nach Macht und altem Wissen streben. Und natürlich auch Schmuggler und andere Kriminelle, die die Schätze unseres Ordens in Credits zu verwandeln suchen. Eine überaus bedenkliche Sache. Wie gedenkt Ihr, die Sicherheit Korribans zu gewährleisten, Gouverneur? Gewiss hat ein kluger Mann wie Ihr bereits Pläne, um diese Machenschaften zu unterbinden.“

Der Graf lächelte schmal. Vielleicht sollte man einfach vor jedem Grab eine Statue des Gouverneus aufstellen. Jedes Lebewesen, das auch nur über einen Funken ästhetischen Gefühl verfügte, würde schreiend die Flucht ergreifen, und kein Sammler würde auch nur daran denken, etwas aus der Nähe einer solchen Abscheulichkeit auch nur anzusehen.

[Bastion | Bastion Center | Darth Arthious-Gedächtnishalle | Innenhof| Janus, Darth Ignavius (NSC), Voth, Iriye, weiter weg: Zoey, Saphenus, Steven, Michael, Sane, Jorax Kevora, Ghost Squad (NSC), Edgar, Yui
 
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