Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Gestern habe ich OBSESSION angeschaut. Ich wurde blendend unterhalten und geängstigt.
Es wurde hier auch schon Kritik geübt, diese konnte ich einigermaßen nachvollziehen.
Der Film zeigt mehrfach, dass Bear selbst bemerkt, wie verstörend sich Nikki verhält. Die Warnsignale sind offensichtlich. Er nimmt sie wahr. Er wirkt beunruhigt. Er wirkt verunsichert. Und trotzdem bleibt er.
Ich kann den Punkt verstehen. Aber ich glaube dass viele bei Partnern bleiben obwohl sie gewalttätig und kontrollierend sind.
Also dass er alleine den Absprung nicht schafft, finde ich beinahe logisch.

Was mich stört war der Abend mit den Freunden. Spätestens da muss die Polizei her und die Dame kommt in die Zwangsjacke. Dass es nach diesem Abend keine Konsequenz gab, war ein wenig lazy writing.

Trotzdem hat mich der Film gebannt..die Leistung der Hauptdarstellerin war monströs gut. Ein Brett wie man so schön sagt.

Der Anruf bei der Hotline war für mich extrem gruselig....hat mich einfach gepackt der Film.

Hoffentlich bald mehr von Curry Barker.

Nochmal für alle: Auf Youtube Curry Barkers "The Chair" anschauen und gruseln.
 
@Ansiv Reeblac

Bei Bear sehe ich das etwas differenzierter. Dass Menschen in einer toxischen Beziehung bleiben, obwohl längst alle Alarmglocken läuten, passiert leider immer wieder. Deshalb hatte ich mit der Grundidee überhaupt kein Problem. Mir fehlte eher der Weg dorthin. Ich hätte gerne noch stärker gespürt, warum er sich emotional so an Nikki bindet und weshalb er sich immer wieder selbst davon überzeugt, dass alles irgendwie noch gut werden kann. Dann wären seine Entscheidungen für mich noch nachvollziehbarer gewesen.

Bei dem Abend mit den Freunden bin ich dagegen vollkommen bei dir. Da hatte das Gefühl, dass der Film seine eigene Glaubwürdigkeit ein Stück weit verlässt. Nach so einer Eskalation hätte ich ebenfalls erwartet, dass die Situation ganz andere Konsequenzen nach sich zieht. Das wirkte auf mich etwas zu konstruiert.

Trotzdem hat mich der Film in vielen Momenten erwischt.

Und über die Hauptdarstellerin muss man eigentlich nicht viel sagen. Sie spielt Nikki mit einer Intensität, die den Film für mich über weite Strecken trägt. Ohne sie würde manches wahrscheinlich deutlich weniger funktionieren.

Danke auch für den Hinweis auf The Chair. Davon habe ich zwar in den letzten Wochen gelesen, aber bisher nie reingeschaut. Das werde ich jetzt wohl nachholen.
 
Ich hätte gerne noch stärker gespürt, warum er sich emotional so an Nikki bindet und weshalb er sich immer wieder selbst davon überzeugt, dass alles irgendwie noch gut werden kann. Dann wären seine Entscheidungen für mich noch nachvollziehbarer gewesen.

Verstehe. Aber gerade bei einer solchen obsessiven Liebe gibt es doch oft gar keinen wirklich Grund, bis auf fehlende Selbstliebe vielleicht.
Aber prinzipiell ist Bear der Böse in der Geschichte (zumindest nach dem Wunsch).
 
Ich hätte gerne noch stärker gespürt, warum er sich emotional so an Nikki bindet und weshalb er sich immer wieder selbst davon überzeugt, dass alles irgendwie noch gut werden kann. Dann wären seine Entscheidungen für mich noch nachvollziehbarer gewesen.

Der Film zeigt mehrfach, dass Bear selbst bemerkt, wie verstörend sich Nikki verhält. Die Warnsignale sind offensichtlich. Er nimmt sie wahr. Er wirkt beunruhigt. Er wirkt verunsichert. Und trotzdem bleibt er.​
Es ist ja seine Traumfrau, in der er ja schon eine lange Zeit verliebt ist. Sie hat ihm auch körperliche Liebe gegeben, die er sich sehnlichst gewünscht hatte. Außerdem ist er nicht der Frauenheld. Da besteht sicherlich auch die Befürchtung, wieder Single zu bleiben.
 
@Antiriad

Da bin ich grundsätzlich bei dir. Der Film liefert ja durchaus Gründe dafür, warum Bear so lange an Nikki festhält. Sie ist eben nicht irgendeine Frau für ihn, sondern jemand, in den er sich offenbar schon lange verliebt hat. Und dann passiert plötzlich genau das, womit er wahrscheinlich selbst nicht mehr gerechnet hat: Sie erwidert seine Gefühle, sucht seine Nähe, gibt ihm Aufmerksamkeit und lässt ihn glauben, dass er endlich angekommen ist. Für jemanden, der eher zurückhaltend wirkt und sich selbst vermutlich nie als besonders begehrenswert gesehen hat, ist das ein unglaublich starker Halt.

Gerade deshalb hätte ich mir aber gewünscht, dass der Film diesen inneren Konflikt noch deutlicher zeigt.

Am Anfang kann Bear die Warnzeichen ja noch ganz gut wegschieben. Wenn Nikki eifersüchtig reagiert oder sich seltsam verhält, lässt sich das noch erklären. Vielleicht ist sie einfach unsicher, vielleicht hat sie schlechte Erfahrungen gemacht. Solche Gedanken kennt man ja auch aus dem echten Leben, wenn man versucht, sich das Verhalten eines anderen schönzureden.

Später wird es allerdings deutlich schwieriger, das alles zu ignorieren. Nikki überschreitet mehrfach Grenzen, die auch für Bear nicht mehr zu übersehen sind. Man merkt ihm an, dass ihn das verunsichert und teilweise sogar ängstigt. Er wirkt angespannt, zieht sich zurück, schaut sie oft einfach nur fassungslos an. Und trotzdem landet er kurz darauf wieder in Situationen, in denen er sich auf sie einlässt. Genau da hätte ich mir mehr Einblick in seinen Kopf gewünscht.

Eigentlich bringt der Film dafür alles mit. Bear liebt ja nicht nur Nikki selbst, sondern auch das Bild, das er sich von ihr gemacht hat. Er hat sie lange idealisiert. Und als dieser Traum plötzlich greifbar wird, fällt es ihm schwer zu akzeptieren, dass die Realität vielleicht ganz anders aussieht. Dieser Gedanke, dieses Zerbrechen einer Vorstellung, finde ich interessanter als den eigentlichen Horror.

Ich hätte mir deshalb Szenen gewünscht, in denen man sieht, wie Bear sich seine Entscheidungen aktiv zurechtlegt. Dass er sich einredet, es sei alles halb so schlimm. Dass er glaubt, sie meine es im Grunde gut. Vielleicht sogar, dass er Angst hat, sie zu verlieren, weil er denkt, nie wieder jemanden zu finden, der ihn so sieht wie sie. Solche Momente hätten für mich sehr viel glaubwürdiger gewirkt.

Dann wäre Bear für mich wirklich tragisch gewesen. So hatte ich öfter das Gefühl, dass er vor allem deshalb bleibt, weil die Geschichte es so braucht. Das ist kein riesiger Unterschied, aber für mich ein entscheidender.
 
Aber prinzipiell ist Bear der Böse in der Geschichte (zumindest nach dem Wunsch).

Das ist für mich sogar einer der spannendsten Gedanken des Films.

Durch fen Zauber, ist Nikki letztlich nicht die Täterin, sondern das erste Opfer. Ihre Gefühle und ihr Wille werden von außen manipuliert. Sie liebt Bear nicht freiwillig, sondern weil er genau das erzwingen wollte. Damit beraubt er sie ihrer Selbstbestimmung.

In diesem Licht wirkt der Film plötzlich ganz anders. Vieles, was Nikki später tut, entspringt dann nicht ihrer eigenen Persönlichkeit, sondern ist die Konsequenz eines Wunsches, den Bear ausgesprochen hat. Er zwingt ihr eine Liebe auf, die sie sich nie ausgesucht hätte. Dass diese Liebe schließlich ins Obsessive und Zerstörerische kippt, ist letztlich die pervertierte Erfüllung seines eigenen Wunsches.

Nikki richtet zwar den größten sichtbaren Schaden an, handelt aber unter dem Einfluss einer Manipulation, die Bear ausgelöst hat. Er nimmt ihr ihren freien Willen und macht sie damit sowohl psychisch als auch körperlich zum Objekt seiner Wünsche. So gesehen missbraucht er sie, auch wenn ihm die Tragweite seines Handelns anfangs vermutlich gar nicht bewusst ist.

Gerade deshalb finde ich den Film im Nachhinein interessanter, als ich ihn während des Schauens empfunden habe. Die eigentliche Tragödie besteht gar nicht darin, dass Bear von einer besessenen Frau verfolgt wird. Sie besteht darin, dass sein egoistischer Wunsch einen anderen Menschen seiner Freiheit beraubt und dadurch beide ins Unglück stürzt.

Für mich macht genau das Bear zur zentralen Verantwortungsträgerfigur der Geschichte. Nicht, weil Nikki keine gefährlichen Taten begeht, sondern weil er die Ursache dafür setzt.
 
The Furious

Der Film wird ja gerade von Zusehern und Kritikern sehr gelobt. Tatsächlich fand ich die Matrial-Arts-Action im Stil von "The Raid" sehr gut. Die Choreographien sind toll und die Action ist schön Old School. Es gibt einiges an Gore, aber in einem erträglichem Rahmen.

Viele Matrial-Arts-Filme haben das Problem, dass sie nur sehr wenig Story haben, gerade genug um die Kämpfe zu verbinden und, dass die Filme emotional kaum zugänglich sind. Zwar ist die Story rund um den stummen Vater und den Cop im Kampf gegen einen Kinderhändlerring jetzt auch nicht gross tiefgründig, aber emotional greifbarerer, als man es von solchen Filmen gewöhnt ist.

Rainy nervt zwar etwas und warum sie den humpelnden Jungen (der sie in die Falle gelockt hat) als Freund betrachtet, dem sie sogar anbietet, bei ihnen zu wohnen, erschliesst sich mir nicht, aber trotzdem war die Kleine süss.

Insgesamt halte ich den Film jetzt nicht für ein absolutes Meisterwerk (bin auch nicht der grosse Matrial-Arts-Fan), aber er war schon für knapp 2 Stunden sehr unterhaltsam.

7 von 10 Punkten
 
Geht mir ganz genauso!

Der Regisseur hat übrigens gesagt, dass die One Wish Willows nicht grundsätzlich böse sind (wie es z.B. Wishmaster war), sondern der Wunsch einfach schlecht formuliert wurde.

Wobei letztlich jeder Wunsch, dessen Erfüllung vom Verhalten eines anderen Menschen abhängt, zwangsläufig in dessen Freiheit eingreift. Sobald der Wunsch nicht die eigenen Umstände, sondern den Willen eines anderen verändert, wird dieser Mensch manipuliert und seiner Selbstbestimmung beraubt.
 
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