Sam Rockwell
durch Titel Gebeutelter
Disclosure Day
Wenn Steven Spielberg einen neuen Science-Fiction-Film ins Kino bringt, sind meine Erwartungen automatisch hoch, auch wenn es schon eine Weile her ist (A.I. - Künstliche Intelligenz, Minority Report), dass mich ein Spielberg echt begeistert hat. Das liegt nicht nur an seinem Namen, sondern auch daran, dass einige seiner besten Filme genau aus diesem Genre stammen. E.T., Unheimliche Begegnung der dritten Art oder auch Krieg der Welten haben gezeigt, wie gut Spielberg darin ist, das Fantastische mit dem Menschlichen zu verbinden.Mit Disclosure Day kehrt er nun zu einem ähnlichen Themenfeld zurück. Es geht um einen Whistleblower, der Informationen veröffentlichen will, die jahrzehntelang geheim gehalten wurden. Gleichzeitig erlebt eine Meteorologin ein Ereignis, das ihr Leben komplett aus der Bahn wirft.
Schon nach wenigen Minuten dachte ich, dass Spielberg als Regisseur nichts von seinem Können verloren hat. Der Film ist hervorragend inszeniert. Die Kameraarbeit wirkt oft mühelos, obwohl hinter vielen Einstellungen ein enormer Aufwand stecken muss. Selbst einfache Gespräche bekommen durch die Bildgestaltung eine Dynamik, die man in den meisten aktuellen Blockbustern vergeblich sucht. Der Auftakt des Filmes war für mich sehr verheißungsvoll.
Handwerklich gibt es an Disclosure Day für mich kaum etwas auszusetzen.
Leider kann man das über das Drehbuch aber nicht sagen.
Der Film hat mehrere interessante Figuren, macht aber erstaunlich wenig aus ihnen. Joshua O'Connor und Emily Blunt spielen ihre Rollen überzeugend, bekommen aber nicht genug Material, um wirklich zu glänzen. Man verbringt viel Zeit mit diesen Menschen, erfährt aber vergleichsweise wenig über sie. Am Ende bleiben sie seltsam blass.
Noch deutlicher fällt das bei den Gegenspielern auf. Die Geheimorganisation, die im Hintergrund die Fäden ziehen soll, wirkt nie wirklich bedrohlich. Immer wieder behauptet der Film, wie mächtig und gefährlich diese Leute seien. Spüren kann man das allerdings kaum. Dadurch fehlt vielen Szenen die Spannung.
Überhaupt hat mich überrascht, wie wenig Thriller in diesem vermeintlichen Science-Fiction-Thriller steckt. Die Trailer lassen einen deutlich actionreicheren Film erwarten. Tatsächlich gibt es nur wenige größere Spannungsmomente. Die sind ordentlich gemacht, aber sie bleiben die Ausnahme.
Das eigentliche Problem liegt woanders.
Disclosure Day möchte ein großes Mysterium erzählen. Dafür hält der Film Informationen lange zurück. Normalerweise kann so etwas Neugier erzeugen. Hier führt es eher dazu, dass die Geschichte über weite Strecken auf der Stelle tritt. Immer wieder hat man das Gefühl, dass gleich etwas Entscheidendes passieren müsste. Oft passiert dann aber erstaunlich wenig.
Dabei geht es gar nicht darum, dass der Film langsam erzählt ist. Hier fehlt eher das Gefühl, dass die Geschichte wirklich vorankommt.
Besonders im letzten Drittel macht sich das bemerkbar. Der Film arbeitet auf eine große Enthüllung hin, die letztlich weniger überraschend ausfällt, als Spielberg offenbar selbst glaubt. Vieles lässt sich schon früh erahnen. Und gerade dann, wenn die wirklich interessanten Fragen beginnen würden, endet der Film.
Was mich dabei am meisten beschäftigt hat, ist sein Grundton. Spielberg glaubt sichtbar an das Gute im Menschen. Das ist sympathisch und ehrlich. Gleichzeitig wirkt diese Haltung in Disclosure Day manchmal erstaunlich naiv. Der Film setzt voraus, dass eine große Wahrheit die Menschheit zusammenbringen würde. Dass Menschen ihre Unterschiede überwinden und gemeinsam reagieren würden.
Vielleicht hätte man das vor fünfzig Jahren leichter geglaubt.
Heute im Jahre 2026 wirkt diese Vorstellung deutlich schwieriger nachzuvollziehen.
Trotzdem i.st es kein schlechter Film. Es gibt viele Momente, die funktionieren. Einzelne Bilder bleiben im Kopf. Die Inszenierung ist stark, die Schauspieler sind gut.
Gerade deshalb ist die Enttäuschung am Ende etwas größer. Denn das Material hätte das Potenzial für einen wirklich großen Spielberg-Film gehabt.
So bleibt ein Film, den ich respektiere, aber nicht wirklich liebe. Einer, der gut aussieht, interessante Ideen anreißt und trotzdem nie die emotionale oder erzählerische Wucht entwickelt, die man sich von einem Regisseur wie Steven Spielberg erhofft.



