[Bastion | Tempel der Sith | Domäne der Lernenden | Biblitohek] Saphenus; Cerus Vhal´Kor Und NPCs
Cerus befand sich gerade zwischen zwei Regalreihen, als sich die Stimmung im Raum merklich veränderte. Gespräche, die ohnehin leise gewesen waren, verstummten vollständig. Einige Köpfe hoben sich neugierig, andere vergruben sich mehr als zuvor in ihre Studien.
Cerus ging langsam weiter, ohne es eilig zu haben. Er wollte zuerst verstehen, wo er gelandet war.
Zwischen den Regalen sah er unterschiedlichste Dinge. Manche Abschnitte waren mit alten Schriftstücken gefüllt, dicke Bände, Pergamentrollen und versiegelte Kästen, die vermutlich Inhalte enthielten, die nicht einfach über ein Terminal abrufbar waren. In anderen Bereichen standen dagegen Reihen moderner Konsolen, an denen Jünger Daten aus Archiven abriefen, Berichte sortierten oder Aufzeichnungen in digitale Kataloge übertrugen.
Offensichtlich existierte hier beides nebeneinander. Alte Schriften, die offenbar zu wertvoll oder zu gefährlich waren, um sie vollständig zu digitalisieren – und die unzähligen Datenbanken des Ordens, die über die Terminals zugänglich waren.
Cerus blieb kurz an einer der Stationen stehen und beobachtete, wie ein anderer Jünger eine Reihe von Datakristallen in eine Konsole einsetzte, während daneben mehrere kleine Holoprojektionen erschienen und Informationen auflisteten. Offenbar wurde hier ständig neues Material katalogisiert.
Er merkte schnell, dass es keinen Sinn machte, einfach planlos herumzulaufen. Irgendjemand musste hier verantwortlich sein.
Nach einigen Minuten entdeckte er schließlich eine Gestalt, die sich deutlich von den anderen abhob. Ein Mann, menschlich, etwas älter als die meisten Jünger hier, der an einem zentralen Arbeitstisch stand und mehrere Datapads gleichzeitig überprüfte. Seine Bewegungen wirkten routiniert, beinahe gelangweilt, so als hätte er diesen Ablauf schon unzählige Male wiederholt.
Cerus trat näher heran und blieb in respektvollem Abstand stehen.
Der Mann hob kurz den Blick.
„Was willst du?“, fragte er schroff.
Cerus antwortete ruhig.
„Ich wurde von Darth Judicar hierher geschickt.“
Die Reaktion kam sofort. Der Mann hielt einen Moment inne, musterte Cerus erneut, diesmal deutlich genauer, und nickte schließlich leicht.
„Ah. Ein Neuling.“
Er legte eines der Datapads zur Seite und seufzte leise, als hätte er diese Situation schon oft erlebt.
„Gut. Dann folge mir und hör genau zu ich wiederhole mich ungern!“
Er führte Cerus zunächst einige Schritte durch den unmittelbaren Arbeitsbereich und deutete dabei immer wieder auf unterschiedliche Abschnitte der großen Halle, während er knapp erläuterte, welche Bereiche der Bibliothek für gewöhnliche Jünger zugänglich waren und welche besser gemieden werden sollten, sofern man nicht unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte. Einige Regalreihen und Archive standen den Lernenden offen, dort konnten sie studieren, Materialien sortieren oder Daten einsehen, während andere Zonen deutlich sensibler waren und nur von Mitgliedern des Ordens betreten werden durften, die bereits einen höheren Rang erreicht hatten.
Danach erklärte er ihm die Funktionsweise der Terminals, die überall zwischen den Regalen verteilt standen. Ein Großteil des Wissens des Ordens wurde über diese Konsolen verwaltet, archiviert und ständig erweitert. Neue Datakristalle oder Aufzeichnungen wurden zunächst in den Systemen registriert, katalogisiert und anschließend den entsprechenden Bereichen der Bibliothek zugeordnet. Alte Schriftstücke dagegen existierten oft noch in ihrer ursprünglichen Form, entweder weil sie nie vollständig digitalisiert worden waren oder weil ihr Inhalt als zu wertvoll galt, um ihn ausschließlich einer Datenbank anzuvertrauen. Deshalb arbeiteten in dieser Halle ständig Jünger daran, Dokumente zu registrieren, Datensätze zu aktualisieren oder neue Materialien einzuordnen, während im Hintergrund das leise Summen der Archive lief, das sich wie ein gleichmäßiger Atem durch den Raum zog.
Während der Mann sprach, blieb sein Ton nüchtern und routiniert, so als wäre diese Einweisung nur ein weiterer Punkt auf einer langen Liste täglicher Aufgaben. Schließlich wandte er sich wieder dem Tisch zu, an dem er zuvor gearbeitet hatte, und deutete auf mehrere Stapel aus Datapads, Datakristallen und versiegelten Behältern, die dort neben den Konsolen lagen. In diesen Materialien, erklärte er knapp, befanden sich neue Einträge, die noch registriert und anschließend an ihre vorgesehenen Orte gebracht werden mussten. Einige davon gehörten in bestimmte Regalreihen, andere mussten zunächst über die Terminals erfasst werden, bevor sie weiterverteilt werden konnten.
Er erklärte außerdem, dass bestimmte Bereiche der Bibliothek über interne Transportsysteme verfügten, mit denen größere Mengen an Archivmaterial bewegt werden konnten, während kleinere Objekte von den Jüngern selbst durch die langen Gänge getragen wurden. All diese Arbeiten gehörten zu den täglichen Pflichten der Lernenden, und es war ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Ordnung des Archivs erhalten blieb.
Nachdem diese Erklärung beendet war, begann er damit, Cerus mehrere Aufgaben zuzuweisen. Zuerst sollte er die Materialien katalogisieren, die sich bereits auf dem Tisch befanden, anschließend einige Datakristalle in einen anderen Abschnitt der Bibliothek bringen und danach mehrere Schriftrollen neu einordnen, die aus einem anderen Bereich des Tempels hierher geliefert worden waren. Während er diese Anweisungen gab, hob er einmal drohend die Hand und warf dem Neuling einen strengen Blick zu, der keinen Zweifel daran ließ, dass Nachlässigkeit hier nicht geduldet wurde. Alles sollte sorgfältig erledigt werden, ohne Fehler, ohne Unordnung, und vor allem ohne unnötige Fragen.
Damit war die Einweisung beendet, und Cerus begann damit, die ihm zugewiesenen Arbeiten auszuführen.
Der restliche Tag verging in einem ruhigen, beinahe monotonen Rhythmus. Stunde um Stunde arbeitete er sich durch die Stapel aus Datapads und Archivmaterialien, registrierte Datensätze an den Terminals, transportierte Datakristalle durch die langen Regalreihen und sortierte alte Aufzeichnungen neu ein, während um ihn herum das gleichmäßige Treiben der Bibliothek weiterlief. Die anderen Jünger gingen ihren eigenen Aufgaben nach, sprachen kaum miteinander und schienen sich längst an die stille Routine dieses Ortes gewöhnt zu haben. Für sie war Cerus nichts Besonderes, nur ein weiterer Neuling, der seine ersten Pflichten erledigte.
Erst gegen Ende des Tages wurde das Licht in der Bibliothek langsam gedimmt und viele der Terminals fuhren herunter, während die verbliebenen Jünger nach und nach ihre Arbeiten beendeten und den Raum verließen. Kurz darauf wurde auch Cerus angewiesen, sich zu seinem Quartier zu begeben, das ihm in der Domäne der Lernenden zugeteilt worden war.
Die Gänge dieses Bereichs waren deutlich schlichter als die Hallen des Tempels selbst. Alles wirkte funktional, beinahe nüchtern, als hätte man hier bewusst auf jeden unnötigen Prunk verzichtet. Sein Zimmer war klein und einfach eingerichtet. Ein schmales Bett stand an der Wand, daneben ein einfacher Schreibtisch mit einer kleinen Lampe, während gegenüber ein Spind angebracht war, in dem er seine wenigen persönlichen Dinge verstauen konnte. Eine kleine Nasszelle mit Waschbecken, Dusche und Toilette bildete den einzigen weiteren Bereich des Raumes.
Cerus sah sich kurz um, stellte seinen Rucksack ab und setzte sich für einen Moment auf das Bett, während er den Tag in Gedanken noch einmal durchging.
Die Reise.
Der Tempel.
Das Mal.
Und der Kampf.
Unwillkürlich hob er die Hand an seinen Mund, als die Erinnerung daran zurückkehrte, und für einen kurzen Moment lief ihm ein unangenehmer Schauder über den Rücken. Der Gedanke daran, wie er im Kampf die Kontrolle verloren hatte, ließ ihn noch einmal innehalten, denn die Szene war ihm deutlicher im Gedächtnis geblieben, als ihm lieb war.
Schließlich atmete er langsam aus, legte sich auf das Bett und starrte einen Moment lang zur Decke.
Dieser Ort war fremd, kalt und voller Dinge, die er noch nicht verstand. Doch eines war klar geworden. Wenn er hier bestehen wollte, musste er lernen, sich zu beherrschen und sich diesem Ort anzupassen.
Mit diesem Gedanken schloss er schließlich die Augen.
Sein erster Tag auf Bastion war vorbei.
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