Klassiker, die ihr empfehlen könnt

Before Sunset

Richard Linklater - Julie Delphy, Ethan Hawke
Neun Jahre sind vergangen, seit sich Jesse und Céline in Wien begegnet sind. Aus einem möglichen Wiedersehen wurde nichts. Und doch ist diese eine Nacht nicht einfach verschwunden, sondern hat sich tief eingeprägt. Als sich die beiden zufällig in Paris wiedersehen, bleibt ihnen kaum Zeit. Ein Spaziergang, ein paar Gespräche, ein langsames Herantasten. Viel mehr passiert nicht, und doch passiert alles.

Der Film lebt davon, dass zwei Menschen reden. Das klingt zunächst unspektakulär, ist hier aber erstaunlich fesselnd. Die Gespräche wirken nie geschrieben, sondern gefunden. Sie sind mal leicht und verspielt, dann wieder direkt und unangenehm ehrlich. Man merkt, wie sich unter der Oberfläche etwas aufstaut, wie alte Fragen nie ganz verschwunden sind. Und wie beide versuchen, das Gesagte zu kontrollieren, obwohl längst klar ist, dass es um mehr geht als nur um ein Wiedersehen.

Ethan Hawke und Julie Delpy tragen diesen Film mit einer Selbstverständlichkeit, die selten ist. Ihre Chemie wirkt nicht gespielt, sondern gewachsen. Gerade in den kleinen Momenten entfaltet sich die eigentliche Stärke des Films. Ein kurzer Blick, ein Zögern, ein halber Satz. Man versteht, was zwischen ihnen steht, auch wenn es nicht ausgesprochen wird.

Richard Linklater inszeniert das Ganze mit Leichtigkeit. Nichts wirkt aufdringlich, nichts will sich in den Vordergrund drängen. Und gerade deshalb entsteht eine Intensität, die man in vielen aufwendigeren Produktionen vergeblich sucht. Der Film traut sich, ruhig zu sein. Er verlässt sich darauf, dass echte Gespräche genug sind. Selten fühlt sich ein Film so nah an echten Erinnerungen an wie dieser.
 
Weites Land

Der Film war ja eines der grossen Filmvorbilder für Kevin Costner und tatsächlich erinnern die epischen Bilder der Prärie an "Der mit dem Wolf tanzt".

Die Pazifismus Message des Films ist sehr schön und stellt sich gegen den Trend der damaligen Western (man stelle sich nur John Wayne in Gregory Pecks Rolle in dem Film vor). Auch ist erfrischend, dass der Film durchaus auch eine weibliche Perspektive hat, welche damals bei Genre Filmen alles andere als selbstverständlich war.

Auch wenn eines eine Hatefields-and-McCoy-artige Zwist-Story gibt, steht eigentlich die Beziehung Pecks zu seiner Hinterwäldler Braut und zu der Lehrerin viel mehr im Vordergrund.

Charlton Heston ist ebenfalls in einer Nebenrolle zu sehen. Sein Haudrauf-Charme passt perfekt zu ihm selbst und als Konterpart zu Pecks eher besonnener Figur.

In Sachen Action bietet das Finale beim Grand Canyon auch spektakuläre Bilder.

Insgesamt einer der besseren Western aus der Classic Hollywood Periode.

8 von 10 Punten!
 
Weites Land

Der Film war ja eines der grossen Filmvorbilder für Kevin Costner und tatsächlich erinnern die epischen Bilder der Prärie an "Der mit dem Wolf tanzt".

Die Pazifismus Message des Films ist sehr schön und stellt sich gegen den Trend der damaligen Western (man stelle sich nur John Wayne in Gregory Pecks Rolle in dem Film vor). Auch ist erfrischend, dass der Film durchaus auch eine weibliche Perspektive hat, welche damals bei Genre Filmen alles andere als selbstverständlich war.

Auch wenn eines eine Hatefields-and-McCoy-artige Zwist-Story gibt, steht eigentlich die Beziehung Pecks zu seiner Hinterwäldler Braut und zu der Lehrerin viel mehr im Vordergrund.

Charlton Heston ist ebenfalls in einer Nebenrolle zu sehen. Sein Haudrauf-Charme passt perfekt zu ihm selbst und als Konterpart zu Pecks eher besonnener Figur.

In Sachen Action bietet das Finale beim Grand Canyon auch spektakuläre Bilder.

Insgesamt einer der besseren Western aus der Classic Hollywood Periode.

8 von 10 Punten!
Wer den Film sehen will: Es gibt ihn aktuell auf ARTE und ich kann ihn ebenfalls durchaus empfehlen. Insbesondere Gregory Peck als die Antithese zum Cowboy macht Weites Land wirklich sehenswert. Dass Costner ihn als Inspiration für Der mit dem Wolf tanzt genannt hat, wusste ich nicht, aber wirkt nachvollziehbar. Auch der Soundtrack ist für einen amerikanischen Western überraschend eingängig (sonst waren es ja eher die Italo-Western, die mit einer guten Filmmusik aufgewartet haben).
 
Memento

Christopher Nolan - Guy Pearce​

Im Mittelpunkt steht Leonard, gespielt von Guy Pearce. Nach einem brutalen Überfall kann er keine neuen Erinnerungen mehr speichern. Alles, was gerade passiert, ist kurze Zeit später wieder weg. Um trotzdem irgendwie handlungsfähig zu bleiben, hält er alles fest, was ihm wichtig erscheint. Fotos, Notizen, Tätowierungen auf seinem eigenen Körper. Er ist auf der Suche nach dem Mann, der seine Frau getötet hat, aber gleichzeitig weiß man nie, ob das, woran er glaubt, überhaupt stimmt.

Die Erzählweise macht den Film besonders. Die Handlung läuft rückwärts. Szene für Szene geht es weiter zurück in der Zeit. Das klingt erstmal wie ein Trick, ist aber viel mehr als das. Man erlebt die Geschichte genauso bruchstückhaft wie Leonard selbst. Orientierung gibt es kaum, und genau daraus entsteht die Spannung. Man versucht ständig, die einzelnen Teile zusammenzusetzen, nur um kurz darauf wieder alles infrage zu stellen.

Auch die Figuren um Leonard herum machen es nicht leichter. Carrie-Anne Moss spielt eine Frau, deren Motive nie ganz klar werden. Mal wirkt sie hilfsbereit, dann wieder berechnend. Joe Pantoliano bringt eine ähnliche Unsicherheit mit. Man kann niemandem so richtig trauen, und das gilt letztlich auch für Leonard selbst.

Der Film bleibt dabei eher kühl und zurückhaltend. Das kann auf Distanz halten, passt aber gut zu dem, was erzählt wird. Es geht weniger um Mitgefühl im klassischen Sinne, sondern um die Frage, wie verlässlich unsere eigene Wahrnehmung eigentlich ist.​
 
Eine Frage der Ehre

Rob Reiner - Tom Cruise, Jack Nicholson​

Im Kern geht es um zwei Marines, die nach einer tödlich endenden Disziplinarmaßnahme vor Gericht stehen. Ihr Anwalt, gespielt von Tom Cruise, ist zu Beginn eher ein glatter Karrierist, jemand, der Fälle lieber sauber abhakt, statt sich wirklich festzubeißen. Genau darin liegt aber auch der Reiz, weil man ihm erst einmal nicht zutraut, dass er sich mit voller Konsequenz gegen eine militärische Befehlskette stellt.

Was den Film stark macht, sind die Dialoge. Das Drehbuch lebt davon, dass jede Szene wie ein kleines Kräftemessen funktioniert. Es geht nie nur um Fakten, sondern immer auch darum, wer die Deutung für sich beansprucht. Sobald Jack Nicholson auftaucht, bekommt das Ganze eine deutlich schärfere Kante. Seine Figur verkörpert ein Weltbild, in dem Härte und bedingungsloser Gehorsam als notwendige Tugenden gelten, und genau das ist der Punkt, an dem der Film bewusst Reibung erzeugt. Diese Haltung wirkt kalt, fast zynisch, weil sie den einzelnen Menschen dem System unterordnet. Man versteht zwar, wie diese Denkweise funktioniert, aber gerade dieses Verständnis legt offen, wie problematisch sie ist. Und genau daraus zieht der Film seine Spannung.

Richtig intensiv wird es im Finale. Dieses Aufeinandertreffen im Gerichtssaal ist mehr als nur eine Befragung, es ist ein Duell. Cruise tastet sich Stück für Stück vor, reizt Nicholson gezielt, bringt ihn aus der Reserve. Nicholson hält dagegen, mit dieser Mischung aus Arroganz und Überzeugung, bis die Situation kippt. Der Moment, in dem die Fassade bricht, wirkt deshalb so stark, weil er nicht aus dem Nichts kommt, sondern lange vorbereitet wurde.
 
The Misfits

Ein gutes Charakterdrama über den Abgesang des Wilden Westens. Gerade Merilyn Moroe konnte in dem Film zeigen, dass sie mehr als das blonde Püppchen drauf hat. Aber auch Clarke Gable hat als Mann ausserhalb der Gesellschaft überzeugen. Leider sollte es der letzte Film der beiden Hollywood Legenden werden.

In Sachen "moderner Western" erinnert der Film etwas an Taylor Sheridans "Yellowstone". Auch die Charaktere könnten teilweise daraus stammen.

Positiv ist, dass in dem Film die Jagd auf Wildtiere im Gegensatz zum vergleichbaren "Harari!" nicht glorifiziert, sondern letztlich kritisiert wird. Ändert aber nichts daran, dass die Pferdejagd doch auch in diesem Film ziemliche Tierquälerei war und teilweise mit realen Wildpferden gedreht wurde.

6 von 10 Punkten!




Cannibal Holocaust

Für einen Kannibalenfilm ist die Story überraschend medienkritisch. Auch ist der Film rassistisch aber nicht in dem Ausmass, wie es zu Beginn scheint, wenn man alles aus der Sicht des Filmteams sieht und der Film auf einmal eine Art "Rape and Revenge" wird.

Grösster Kritikpunkt sind für mich die Tiersnuffszenen. Hier wird der Film zu genau dem, was er eigentlich kritisiert: Ein voyeuristisches Machwerk wofür man über Leichen geht. Mir ist schon klar, dass man bei den Szenen erstmals die Verohtheit des Fimteams zeigen wollte, aber gerade bei der Message des Films hätte man nicht in seine eigene Falle tappen dürfen und die Szenen ohne reales Tierleid umsetzen müssen.

Gerade in der ersten Hälfte wirkt der Film ungemein rassistisch. Szenen wie die Bestrafung der Ehebrecherin oder das "Abendbrot für Kannibalen" waren schon heftig und hätte es vermutlich nicht gebraucht. Auch wenn mir schon bewusst ist, dass man zu Beginn die Eingeborenen wilder als sie sind darstellen wollte, damit der Twist, dass das Filmteam die eigentlichen Schurken sind, in der zweiten Hälfte besser aufgeht.

In Sachen Gewaltdarstellung (auch gegenüber Frauen) wäre weniger klar mehr gewesen. Wobei ich mir den Film (mit Ausnahme der echt grauslichen Tiersnuffszenen) letzten brutaler erwartet habe, als er ist. Ein völliger Splatterfilm ist er trotz des Titels mit Sicherheit nicht.

Schade, dass das Ende in seiner Medienkritik nicht konsequent genug war. Nachdem die Produzenten das Ende des Filmteams gesehen haben, beschließt man, das Material zu vernichten. Besser hätte ich gefunden, wenn die Produzenten es weiter verwenden hätten und man es so geschnitten hätte, dass das Filmteam eine weisse Weste hat und die Einheimischen als "Wilde" erscheinen.

Insgesamt ein überraschend kontoverser und medienkritischer Film, der aber über seine eigene Prämisse stolpert und bei den Tiersnuffszenen und manchen Szenen mit den Eingeborenen genau zu dem wird, was er eigentlich kritisiert

4 von 10 Punkten





Der Prozess

Die Idee des Films bzw des Romans von Kafka klingt nach einer interessanten Dystopie im Stil von 1984. Und tatsächlich beginnt der Film (mit Ausnahme der Bildermontage ganz am Anfang) ziemlich interessant: Ein Otto Normal Bürger wird am Morgen geweckt und auf freiem Fuss verhaftet ohne zu wissen wofür.

Leider verkommt der Film dann ziemlich schnell zu einem eher surrealen Alptraum, der eher anstrengend denn spannend war. Eigentlich wusste ich die meiste Zeit nicht worauf die einzelnen Szenen bzw der ganze Film hinauswollen (auch wenn Romy Schneider wie immer süss war und Anthony Perkings sowie Orson Wells recht gut gespielt haben).

Am Ende erfährt man leider immer noch nicht, was das Verbrechen sein soll. Und die Strafe ist genauso gaga, soll sich der Protagonist selbst richten, nachdem er es nicht macht, werfen die Henker ein Dynamit in die Grube und anstelle dieses wieder rauszuwerfen, wartet der Protagonist lachend auf sein Ende.

Sprich ein Film eher wie ein anstrengender Drogentrip anstelle einer wirklichen Auseinandersetzung mit der viel interessanteren dystopischen Prämisse

2 von 10 Punkten!
 
Cannibal Holocaust

(mit Ausnahme der echt grauslichen Tiersnuffszenen)
Einen Film als Klassiker zu empfehlen, in dem ein Tier real zu Tode gequält wird (die Filmemacher hatten dort gedreht, wo die Tierschutzgesetze weniger streng waren), finde ich schon etwas unangemessen. Obwohl der Film unter Horrorfilm-Fans als Klassiker gilt. Was mich auch etwas wundert: Der Thread heißt „Klassiker, die ihr empfehlen könnt“. Ist ein Film, den man selber nur vier Punkte von zehn gibt, wirklich empfehlenswert?
 
Siehst du das bei Apocalypse Now und Der weiße Hai auch so ?
Ich habe es ja begründet.

Bei Apocalypse Now weiß ich jetzt nicht genau, was du meinst. Ich erinnere mich noch an die Szene, wo der Wasserbüffel mit der Machete geschlachtet/zerhackt wird. Falls das jetzt auch extra für den Film gemacht worden sein sollte, wäre es sehr fragwürdig. Ich muss gestehen, dass ich den Film nie als besonders gut empfunden habe. Er fängt stark an, verliert sich dann aber sehr schnell im dunklen Dschungel.

Ich weiß, dass „Der Weiße Hai“ ein absoluter Klassiker ist und welche (filmische) Qualität er zu bieten hat. Aber ich schaue mir diesen Film persönlich heute nicht mehr an.
 
Bei Apocalypse Now weiß ich jetzt nicht genau, was du meinst. Ich erinnere mich noch an die Szene, wo der Wasserbüffel mit der Machete geschlachtet/zerhackt wird. Falls das jetzt auch extra für den Film gemacht worden sein sollte, wäre es sehr fragwürdig.
Klar wurde das für den Film gemacht, auch wenn Coppola freilich etwas anderes behauptet.
 
Wenn der Thread schon einmal oben ist: Vor ein paar Tagen habe ich mir wieder einmal Casablanca angesehen und gemerkt, wie stark ich den Film eigentlich finde. Ähnlich wie z. B. bei Goethes Faust sind viele Zitate in die Alltagssprache übergegangen - seien es die usual suspects, die Augen der Kleinen, ein (eben nicht nicht noch einmal) spielender Sam oder der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Gerade vor dem historischen Hintergrund ist insbesondere die Szene, in der die Marseillaise angestimmt wird, für mich ein absoluter Gänsehaut-Moment. Ich kann den Film nur empfehlen - aktuell gibt es ihn auf HBOmax.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was viele heute gar nicht mehr so präsent haben: Casablanca ist eben kein Film, der nur zufällig im Zweiten Weltkrieg spielt. Er entsteht genau in dem Moment, in dem sich die Lage kippt. 1942/43 merkt man erstmals, dass Hitlers Expansion nicht unaufhaltsam ist. Die Alliierten landen in Nordafrika, und gleichzeitig treffen sich Roosevelt und Churchill in Casablanca. Der Film hängt also direkt an dieser historischen Nervensituation.

Das erklärt für mich auch, warum die Marseillaise-Szene so unfassbar wirkt. Die ist nicht einfach nur gut inszeniert oder emotional clever gebaut. Sie steht für diesen Moment, in dem aus Angst und Zersplitterung plötzlich so etwas wie gemeinsamer Widerstand wird. Heute würde man das vielleicht subtiler erzählen, aber hier ist es ganz klar Gut gegen Böse.

Was ich beim Wiedersehen immer stärker merke, ist, wie der Film mit seiner Liebesgeschichte umgeht. Eigentlich ist das ja ein klassisches Dreieck, das normalerweise in Eifersucht endet. Hier passiert das Gegenteil. Rick entscheidet sich gegen das Private und für etwas, das größer ist als er selbst. Das wirkt auf den ersten Blick pathetisch, aber im Kontext dieser Zeit erscheint es fast zwingend.

Was ich lange unterschätzt habe: Wie viel Realität da im Hintergrund mitschwingt. Viele der Schauspieler waren selbst aus Europa geflohen. Das heißt, wenn man diese Szenen mit den Flüchtlingen sieht, ist das nicht nur gespielt.

Der für mich eigentliche Grund, warum der Film so gut altert: Er trägt eine echte historische Spannung in sich. Und genau die bricht dann in solchen Momenten wie der Marseillaise-Szene einfach durch.
 
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