Prefsbelt IV

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Gouverneurspalast | Rang unter dem Balkon für Ehrengäste und den Gouverneur ] - Thade Skywalker und viele Offiziere und andere Würdenträger (NSCs)

Für die eigentliche Hinrichtung Robert Kerns hatte sich die Verwaltung für die martialische Methode der Köpfung entschieden. Wenngleich Thade nicht abstreiten konnte, wie bildstark und effizient die Henkersaxt war, so kam der Chiss doch nicht umhin, festzustellen, dass der Akt ausgesprochen barbarisch anzusehen war und damit nur begrenzt nutzbares Bildmaterial lieferte. Er persönlich hätte ein klassisches Erschießungskommando vorgezogen. Aber natürlich hatte Thade hier keinerlei Verfügungsgewalt und da er sich mit den möglichen Konsequenzen dieser Wahl nicht würde auseinandersetzen müssen, dachte er nach dem Abschluss der Zeremonie auch nicht allzu lange weiter darüber nach.

Stattdessen kam der Chiss auf dem Weg zum nächsten Tagesordnungspunkt im großen Festsaal des Gouverneurspalastes mit einigen Offizieren der Operation Small Hunt ins Gespräch und im Foyer des Saals kam dann sogar der ihm gut in Erinnerung gebliebene Akademiedirektor
Vikas Sanyal auf Thade zu, um sich im Erfolg seines Alumnus zu sonnen. “Ah, Direktor. Es ist gut, Sie hier anzutreffen. Ich sehe, die Militärakademie ist weiterhin in Ihrem Händen. Der Gouverneur hatte tatsächlich schon angesprochen, dass wir die Akadamie auf einen Freundschaftsbesuch hin aufsuchen sollten, sollte es unsere Zeit erlauben.”

Thade entging natürlich nicht das angespannte Lächeln des Direktors. Der Mann war nun einmal in seinem Denken festgefahren und ein starrer Befürworter der Neuen Ordnung. Damit kamen einige Vorstellungen des “richtigen” Offiziers einher, denen der Chiss schlicht nicht entsprach. Das begann schon damit, dass Thade nicht einer klassischen imperialen Militärfamilie angehörte und, schlimmer noch, noch nicht einmal auf Imperiumsterritorium geboren worden war. Dass Thade dann zu allem Überdruss auch noch ein Chiss und kein Mensch war, vervollkommnete dann das Bild des “falschen” Offiziers. Doch natürlich war der Direktor nicht so verblendet, echte Erfolge im Dienst nicht anzuerkennen.

Also biss der alte Mann in die saure Frucht und schüttelte öffentlich die Hände mit seinem Alumnus, um eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Thades Erfolg und Aufstieg zum Captain der imperialen Raumflotte war immerhin auch ein Erfolg der Militärakademie von Prefsbelt IV und nützte damit nicht zuletzt auch Vikas Sanyals Ansehen selbst. Der Chiss spielte da durchaus vorbehaltlos mit. Auch wenn er selbst ein Mann des Militärs und kein Politiker war, so war die Pflege und Förderung der eigenen Karriere doch ebenso ein politisches Kunststück wie das Ergebnis handfester militärischer Erfolge. etwaige persönliche Animositäten, die er also vielleicht oder vielleicht auch nicht während seiner Studienzeit an der Akademie entwickelt hatte, hatten da einfach keinen Platz und fanden schlicht nicht statt.

“Der Gouverneur ist aber ein viel beschäftigter Mann, ich kann Ihnen daher leider keine Versprechungen machen, Herr Direktor.” Und wie aufs Stichwort machte sich direkt auf diese Worte folgend Thades Kommunikator bemerkbar. “Entschuldigen Sie mich bitte.” Der Chiss hatte sich für die Dauer der heutigen Feierlichkeiten abgemeldet. Was auch immer für eine Nachricht da auf ihn wartete, musste also äußerst dringend sein. Er suchte sich also eine ruhige Stelle hinter einer der Säulen des Foyers und öffnete die Funkverbindung. “Sprechen Sie.”

“Sir, wir haben eine Nachricht der Admiralität erhalten. Eingreifgruppe Huntress soll sich umgehend zurück zum Flottenhauptquartier im Kuatsystem begeben und vor Ort neue Befehle entgegen nehmen.” Damit war Thades Auftrag auf Prefsbelt IV offensichtlich abgeschlossen. Er ließ den Blick über die hier im Foyer anwesenden Offiziere gleiten und sinnierte kurz über das hier Erlebte, bevor er antwortete. Robert Kern war nun Geschichte und was von seinem Netzwerk noch übrig war, würde in Kürze ebenso aufhören, zu existieren. Doch das war eine Aufgabe für den ISB und vielleicht noch die lokalen Sicherheitskräfte. Thade wurde anderswo gebraucht. Insbesondere jetzt, wo die allgemeine Mobilmachung wegen des Kriegsausbruchs unmittelbar bevorstand. Er wusste zwar noch nicht, was als nächstes auf ihn zukam, aber so ziemlich jede Art von aktivem Einsatz war besser, als im Hinterland den befriedeten Orbit eines Werftplaneten zu beobachten.

“Verstanden. Die Eingreifgruppe soll sich für die sofortige Abreise bereit machen. Beginnen Sie mit den Berechnungen für die Hyperraumroute nach Kuat und bewegen Sie die Schiffe aus dem Masseschatten des Planeten heraus. Wir reisen ab, sobald ich wieder an Bord der Huntress bin. Sie haben zwei Stunden.” Der Chiss unterbrach die Verbindung, nachdem seine Befehle bestätigt wurden. Natürlich konnte er nicht kommentarlos einfach hier verschwinden. Dennoch würde er sich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit von Gouverneur Zesh verabschieden und sich dann mit der gebotenen Eile zum Hangar des Gouverneuspalastes begeben, um Prefsbelt IV fürs erste den Rücken zu kehren. Die Türen zum Ballsaal öffneten sich nun. Damit ging das Zeremoniell endlich los und Thade würde schon bald Gelegenheit zum Abschied haben.

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Gouverneurspalast | Festsaal ] - Kal Andrim, Theranos Zesh, Aren Vayliuar, Dr. T'rsop, Reyan Vexler, Thade Skywalker, diverse Würdenträger (NSCs)

Huntress: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Gouverneurspalast | Richtplatz ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Dr. T'rsop

Kaum hatte Aren mit seinen Worten geendet, brach der Jubel in der Menge los. Konfetti Kanonen wurden gezündet und die Imperiale Festhymne begann zu spielen. Ein makabreres Schauspiel, wenn man bedachte, was eben noch hier geschehen war. Aber Aren sah auch den Mehrwert darin, ja die Notwendigkeit. Dieser barbarische Akt an Gouverneur Kern war notwendig gewesen, notwendig, um zu zeigen, dass die Imperiale Gerechtigkeit wieder waltete, dass diese schreckliche Ära nun ein für alle Mal beendet war. Gleichzeitig war es auch notwendig, die Bevölkerung mit diesen düsteren Bildern nicht alleine zu lassen. Es mochten zwar zwei völlig verschiedene Welten sein, die aufeinanderprallten, aber dieser Festakt war nun notwendig um die Bevölkerung nicht nur wissen zu lassen, dass eine dunkle Ära vorüber war, sondern eine neue begonnen hatte.

Schließlich ergriff auch noch der Gouverneur das Wort. Aren kannte diese Art von Rede nur zu gut. Es ging um die Opfer und das man ihnen gedenken müsse. Darum, dass eine dunkle Zeit vorüber war und man gemeinsam die strahlende Zukunft aufbauen würde. Um die Aufhebung von Notstandsmaßnahmen und die Rückkehr zur Normalität. Der Gouverneur traf die richtigen Töne und die Bevölkerung griff in einem Ruf der Begeisterung das "Lang lebe Prefsbelt" auf. Die Hinrichtung glitt über in die Feierlichkeiten, doch Arens Gemüt hing noch in der Position des Rechtssprechers und nicht des charmanten Politikers. Als die Fotos in verschiedensten Konstellationen aufgenommen wurden, ließ er sich davon nichts anmerken und strahlte und plauderte völlig gelassen, doch in seinem Kopf ließ ihn die Frage nicht los, wie viele der Leute, die später mit im Ballsaal feiern würden, genau so auch mit Gouverneur Kern in eben diesem Ballsaal die Hinrichtung von Gouverneur Zesh und Aren gefeiert hätten, wäre die Geschichte vor wenigen Wochen in andere Richtungen verlaufen. Die oberen Zehntausend richteten ihr Fähnchen nach dem Wind, so war es wohl schon immer gewesen.

Dann kam Gouverneur Zesh zu ihm um ihm mitzuteilen, dass er sich nun zum Ballsaal begeben würde und ob Aren ihn begleiten wollte.


,,Vielen Dank, aber ich würde später dazukommen und noch kurz hier verweilen."

Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete er sich von dem Gouverneur und verblieb mit Adriana noch einen Moment auf dem Balkon, welcher sich langsam leerte. Gemeinsam blickten sie hinunter auf die ausgelassene Menge, die nun zu feiern begann.

,,Manchmal denke ich mir, dass alles wäre so viel leichter, wenn wir auch einfach zu denen da unten gehören würden."

Adriana lächelte ihn an und gab ihm einen Kuss auf die Wange, sodass Aren seinen Blick von der gewaltigen Menge auf dem Platz abwandte und seine Verlobte anschaute.

,,Leichter und entspannter mit Sicherheit. Aber ich kenn dich, leichter und entspannter würde für dich vieles bedeuten, aber mit Sicherheit nicht, dass du glücklicher wärst."

Aren lächelte zurück, zum ersten Mal seit der Hinrichtung ein ehrliches Lächeln. Dann wandten sie sich von dem Platz ab und gingen in das Innere des Palastes. Die Zeit bis der Ball begann nutzten die beiden, um sich umzukleiden. Aren legte einen dunklen, maßgeschneiderten Frack an, nach wie vor mit seinem Imperialen Ritterorden um den Hals. Adriana wählte ein dunkel blaues Ballkleid, welches von Linien aus Saphiren durchzogen war, die aufblitzten, wenn sich das Licht im richtigen Winkel in ihnen fing. Adriana ließ sich noch ihre Frisur zurecht machen, sodass sie beide unmittelbar danach direkt zum Ballsaal eilen mussten.

Vor dem Ballsaal hatte sich bereits eine beachtliche Menge an Würdenträgern und Personen des öffentlichen Lebens gesammelt, von denen einige wenige auch Aren bekannt waren. Den ein oder anderen begrüßte er, ging aber mit zügigem Schritt in Richtung des Gouverneurs und ließ sich nicht von zu viel Geplauder aufhalten. Kurz konnten sich die beiden Männer begrüßen, bevor die Tore geöffnet wurden und die Menge in den Saal strömte. Ein wahnsinnig langer Akt. Doch der eigentliche Festakt würde erst danach beginnen. So folgte auf den "gemeinen Pöbel" ein Ehrenzug der Blauen Legion, welcher wiederum die Männer und Frauen folgten, welche sich im Kampf gegen Gouverneur Kern besonders verdient gemacht hatten. Alles begleitet von Fanfahren und einem äußerst würdigen Orchester. Danach folgten die Oberhäupter der hiesigen Verwaltung in den Ballsaal. Zurück blieben nun einzig und allein Aren und Adriana.


,,Genieß den Abend so gut du kannst. Ich glaube das ist der erste Abend seit langer Zeit, wo wir es uns wirklich gut gehen lassen können und das haben wir uns auch wirklich verdient."

,,Nun, ob ich ihn genieße hängt ganz davon ab, ob du genug Zeit zwischen "wichtige Gespräche führen" findest um mich zum tanzen aufzufordern und mir dabei am Besten auch nicht zu viel auf die Füße trittst."

Aren grinste sie an.

,,Du weißt genau, dass ich ein hervorragender Tänzer bin, im Zweifelsfall sind es deine Füße, die einfach nicht mithalten können."

Doch dann öffneten sich die großen Tore ein letztes Mal und mehrere Sturmtruppen, die bisher um sie herum Stellung gehalten hatten, betraten den Saal. Auf Arens Gesicht breitete sich nun ein bedeutungsschwangerer Ernst aus und ohne, dass er Adriana anschauen musste, wusste er, dass es bei ihr genau so war. Als schließlich der Zeremonienmeister sie angekündigt hatte, betraten sie den Saal und schritten, beinahe erhaben, in Richtung des Podestes, ohne zu winken oder zu lächeln, gänzlich auf den Moment fokussiert. In den Saphiren von Adrianas Kleid brach sich das Licht in verschiedenen Winkeln, sodass ihr Kleid leuchtete und glitzerte, während sie an der Oberschicht des Planeten vorbei gingen.

Schließlich nahmen sie auf den Ehrenplätzen auf dem Podest Platz, direkt neben Gouverneur Zesh, vor dem bereits einige Orden lagen, die zu einem späteren Zeitpunkt verteilt werden würden. Es würde nun kurz einen Moment geben, in welchem sich die Stimmung setzen konnte, in welchem man ankommen konnte und mit seinem Sitznachbarn erste Gedanken austauschen konnte. Und genau letzteres hatte Aren nun vor, auch, wenn es sich weniger um Gedanken handelte als vielmehr um irgendetwas zwischen einem Vorschlag und einem Befehl. Aren beugte sich zu seinem Gastgeber herüber.


,,Gouverneur Zesh, auf ein Wort."

Er strich sich durch den Bart und ließ kurz seinen Blick über die übrigen Anwesenden schweifen, bevor er sich völlig Gouverneur Zesh zuwandte.

,,Ich bin äußerst zufrieden mit ihrer Arbeit. Der Planet befindet sich durchaus auf einem guten Weg. Die Reststücke der alten Ordnung von Sanec und Kern wurden auf Prefsbelt IV wirklich gut beseitigt. Auf Sektor Ebene gelingt uns das zusehends auch. Damit geht aber zeitgleich ein Problem einher. All die korrumpierten Individuen die unter Moff Sanec in ihre Ämter gekommen sind und jetzt entfernt werden, hinterlassen ganz selbstverständlich Lücken, die nicht ohne Weiteres aufgefüllt werden können. Drei Sector Adjutanten Stellen sind noch unbesetzt und werden derzeit kommissarisch von Dezernenten und Staatssekretären der jeweiligen Ressorts geleitet. Wir haben zwar Kandidaten, aber die Prüfung dauert und dann fällt immer wieder etwas auf, was so nicht passt, auch wenn ich zuversichtlich bin, dass wir im Verlauf der kommenden Wochen die drei offenen Stellen besetzen können. Gleichzeitig wird Crix Mannic, der derzeitige Sector Adjutant für Wirtschaft, Industrie und Handel bald zu einem Sonderprojekt abberufen werden, sodass seine Stelle ebenfalls vakant wird. Und da kommen Sie ins Spiel. Sie besitzen in diesem Punkt Erfahrung und haben hier auf Prefsbelt IV bereits gezeigt, dass Sie diese auch praktisch anwenden können. Gleichzeitig wurden Sie bereits ausführlich überprüft, bevor Sie zum Gouverneur ernannt wurden."

Aren nippte an seinem Glas Sekt, welches bereits vor ihm stand. Er blickte seinem Gesprächspartner in die Augen und versuchte den Mann einzuschätzen, den er nun seit nicht mal einem Tag persönlich kannte.

,,Sie werden sich denken können, in welche Richtung dieses Gespräch geht. Dieser Besuch auf Prefsbelt war eine gewisse ... persönliche Prüfung meinerseits von Ihnen und ich denke, ich kann Ihnen mit gutem Gewissen die Stelle von Sector Adjutant Mannic anbieten. Sie sind dafür meiner Ansicht nach geeignet. Am Ende des Tages liegt die Entscheidung selbstverständlich bei Ihnen, ich brauche in meinem Kabinett keine Leute, die nicht von sich selbst oder dem Posten, den sie bekleiden überzeugt sind. Aber wenn Sie diese Möglichkeit abschlagen, müssen Sie sich im klaren sein, dass sie so schnell nicht wieder kommen wird, wenn sie den überhaupt wiederkommt. Ich werde niemandem hinterherlaufen. Sie haben Zeit mir ihre Entscheidung mitzuteilen, bis mein Besuch auf Prefbelt IV endet."

Mit unverändert ernstem Blick schaute Aren seinem Gegenüber in die Augen.

,,Wenn Sie denn überhaupt soviel Zeit brauchen."

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Gouverneurspalast | Festsaal ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Dr. T'rsop, Kal Andrim, Thade Skywalker
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast / Ballsaal] - mit Dr. T'rsop, Theranos Zesh und vielen anderen
T'rsop schlenderte durch die Gänge des Palastes. Jedoch ohne Augen für die Schönheit und Ausdruckskraft seiner Architektur zu haben. Stattdessen hatte er, kaum dass er seine hiesige Dienstwohnung verlassen hatte, sein Datapad gezückt und sich ans Arbeiten gemacht. Die Nachrichten überflog er nur im Betreff - es war nichts eingetrudelt, was unbedingt direkt beantwortet werden musste. Nur die üblichen Anfragen über Raumnutzungen in Monspolis, Fragen von Studenten und diverse Standardberichte.
Daher machte sich der Gelehrte wieder wieder an die Arbeit. Die Tunnelverbindung konnte noch warten - und erforderte mehr Aufmerksamkeit, als sie jetzt zwischen Tür und Angel zu klären. Aber er konnte schon einmal die Feierlichkeiten der Kultur und schönen Künste weiterplanen, die er nach Red One verlegt hatte.
"So, dann wollen wir das Gemüt mal hegen und pflegen, damit es sich beruhigt und nicht doch verborgen und unterschwellig Rebellion köchelt", dachte der Pau'aner, während seine Finger sich schon ans Schreiben machten. Wie zu erwarten waren natürlich einige der für das Fest eingeplanten Größen der Kultur etwas verwirrt darüber, dass sie nun nach Red One kommen sollten. Aber sollten sie ruhig murren - oder von
T'rsops wegen der Veranstaltung auch fern bleiben. Genug Schwergewichter würden sicherlich kommen. Und er hatte auch seine Connections. Und er würde dafür sorgen, dass diese Veranstaltung mit den großen Festen und Kulturhöhepunkten der Hauptstadt mindestens mithalten könnten.

Und so ging er das Programm durch: Auftakt sollte eigentlich ein Vortrag über die Schönheit und der Gewalt in der Natur und ihre Bedeutung für das gemeinsame Leben sein. Diesen Punkt verkürzte
T'rsop stark.
"Das wird Dr. Lamed überhaupt nicht freuen - aber auch sie wird sich damit abfinden müssen", dachte er, während er in die dadurch gewonnen Zeit einen Kommers über die Geschichte und Bedeutung von Red One einsetzte. Nicht nur das Thema sollte gefeiert werden, sondern auch die Örtlichkeit wieder positiv besetzt werden in den Köpfen und Herzen der Anwesenden. Und dazu sollte er unbedingt nachher auf dem Ball mit dem Interims-Statthalter
Kris Meiner sprechen, wer für diesen Anlass wohl ein geeigneter Redner wäre - oder am besten gleich mit Meiners Babysitter, diesem einen Captain aus der Blauen Legion.
Nach diesem mentalen Vermerk überflog er das weitere Programm, welches aus Musikaufführungen, Diskussionspodien und Kunstausstellungen bestehen würde. Und wo er noch schauen müsste, wie er diese noch besser mit dem Charakter von Red One in Symbiose bringen könnte.

Und dann war das Wegstück zum Ballsaal auch schon überwunden. Und erneut wurde
T'rsops Identität bestätigt und er nach Waffen abgesucht. Natürlich hatte er wieder keine dabei und kam so recht schnell durch die Kontrolle. Und war erneut einerseits genervt von der peniblen Pflichterfüllung der Wachen - aber andererseits auch stolz darauf, dass sie ihrem Dienst nachkamen, ohne sich von seinem Rang oder seiner Erscheinung einschüchtern zu lassen. Also rang er sich durch, nickte den Wachen freundlich zu und sprach ihnen ein Lob aus:

"Gut, dass wir euch haben. Ihr erledigt eure Aufgabe gewissenhaft - und gestattet uns Hochblütigen dadurch einen Abend ohne Sorgen und in Gelöstheit" Wenn man nicht gerade zu Tode gelangweilt oder auf dem Zahnfleisch gehend ist von diesem ganzen Trubel der sogenannten hohen Gesellschaft, wie er in Gedanken seinen Satz ausklingen ließ.

Und dann sah er sie: Die Würdeträger, Stabsmitglieder und persönliche Sekretäre, und hohe Militärs, die schon eingetroffen waren.
T'rsop gehörte zwar auch zu den Früheren. Aber manche wollten keinen einzigen Augenblick verpassen und von Anfang an - also schon vor dem Anfang - da sein, um guten Eindruck zu machen. Und natürlich schon da und sich im Zentrum der Unaufdränglichkeit befindend waren Gouverneur Theranos und enge Mitarbeiter seines Stabes. Der Sonderberater steckte sein Datapad wieder in die Tasche und sprach sich mit den Worten aus seinem Gespräch mit Gregor Bayl Mut zu. Und trat dann auf Theranos zu.
"Werter Gouverneur, auf ein Wort?", sprach er diesen an - in einem Tonfall, der dem des Gouverneurs ähnlich war, ohne ihn plump nachzuäffen. Dazu machte er eine leichte ausladende Armbewegung, die auf einen Bereich leicht außerhalb der Gesprächskreise deutete. Nur die, die T'rsop gut kannten und in der Lage waren, die unterschwelligen Nuancen einer Millisekunden zu lang gehaltenen Geste und den Schatten des Schalks hinter einer nach außen hin perfekt neutralfreundlichen Miene zu lesen, - also Theranos und Gregor - verstanden darin eine freundschaftliche Spöttelei. Für alle anderen war es die normale höfliche Anrede, die sich gebührte, um kurz vor einem großen offiziellen Akt noch schnell etwas auf dem kurzen Dienstweg in die Wege zu leiten.
Theranos stimmte natürlich zu und die beiden gingen ein Paar Schritte in den Hintergrund.

Dann beugte sich
T'rsop leicht nach vorne und legte - in dem vollen Bewusstsein, dass das zu Gerüchten und Überlegungen führen würde - seine Hand so um seinen Mund, dass niemand seine Lippenbewegungen sehen konnte und flüsterte dem Gouverneur zu:
"Theranos. Vor dir steht der neue Vize-Gouverneur von Prefsbelt IV. Falls du wirklich sicher bist, dass du mich in dieser Position den Rest deiner Gouverneurszeit an deiner Seite haben willst."

Theranos lächelte zufrieden und ehrlich-freundlich und nahm diese Zusage in seiner kontrollierten Art und passender Erwiderung entgegen. Und rief T'rsop, als dieser sich schon wieder auf den Weg machte in den Hintergrund, noch halb-leise hinterher:
"Und denkt dran, dass Ihr natürlich auch in die Reihe unserer Ehrengäste gehört, Doktor."
Und der Pau'aner wusste nicht, ob er schmunzeln oder die Augen verdrehen sollte. Daher ließ er sich äußerlich nichts anmerken und ging seinen Kurs leicht korrigierend wieder zu den Gesprächsgruppen aus dem direkten Stab des Gouverneurs. Während dieser sich wieder den Höflichkeiten für die anderen ankommenden Gäste zuwandt.

Und dann hieß es, zu warten. Für
T'rsop im Besonderen lange zu warten. Äußerlich ließ er sich nichts anmerken. Während er innerlich vor Langeweile zu vergehen schien. Das war wieder so ein Anlass - der zweite an einem Tag - an dem er nicht nebenbei weiter arbeiten oder recherchieren oder sich bilden konnte. Und die Gespräche waren meist Floskeln und Smalltalk. Zudem hinzukam, dass mit ihm kaum einer überhaupt reden wollte - und die, die es wollten und taten, waren entweder langweilig äußerlich oder aber schnell auch wieder bei anderen Gesprächspartnern.
Aus inszenatorischer Sicht konnte der Gelehrte verstehen (und wusste es auch bestens einzusetzen), dass Warten und Erwartungenaufbauen entscheidende Schritte waren, um die Aufmerksamkeit und die Stimmung der Anwesenden zu für sich zu gewinnen und zu beeinflussen. Bei Reden, im Theater. Aber bei solchen Festen? Das beste für eine Feier war, wenn sie begann und leben durfte - und nicht vorher schon die Luft wegen des Wartens raus war. Aber scheinbar hatten die meisten der Anwesenden hier einen längeren Atem als der Pau'aner.

Als es schließlich - und endlich! - losging, atmete
T'rsop zweimal bewusst ein und aus. Nun gab es kein Zurück mehr. Dann straffte er sich und richtete sich auf. Und anders als bei sonstigen Anlässen dieser Art legte er nun sein Selbstbewusstsein und seine Präsenz in den Auftritt. Wo er sonst unauffällig in den Hintergrund verschwand, vermittelte er nun, hervorzustechen - ohne dass er sich in den Vordergrund drängte. Ein würdevoller und analytischer Blick durch die Reihen der Gäste zeigten ihm, dass er - natürlich - mit seinem Vorhaben erfolgreich war. Manch Blick blieb an ihm hängen und manch einer fing an auf ihn zu zeigen und mit den Nachbarn zu reden. Zweifelsohne über diesen Pau'aner, der warum auch immer, im engsten Stab des Gouverneurs war.

Die erste Hürde war genommen. Jetzt würde die zweite kommen, die ein gefühltes Zeitalter dauern würde: Den formellen und zeremoniellen Teil über sich ergehen zu lassen. Und er durfte dabei weder arbeiten, noch sich ablenken, noch zeigen, wie zuwider ihm das alles war. Heute musste er seiner Kenntnis der Präsenz und Präsentation aus dem Vollen schöpfen und zeigen, dass er in Theorie
und Praxis ein Meister der Kommunikation im intersozialen Bereich sowie des Gemütsflüsterns war.
Hoffentlich würde nach all dem wirklich noch ein Teil des Abends kommen, an dem auch er etwas entspannen und vielleicht sogar Spaß haben könnte.


[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast / Ballsaal] - mit Dr. T'rsop, Theranos Zesh, Aren Vayliuar und vielen anderen
 
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