Die aktuelle Kinosituation

Spider-Man schafft es, die Kinosäle mal wieder zu füllen. Da werden sicherlich noch einige Rekorde fallen!

Einer unserer Jungs hat ihn sich am Dienstag angeschaut. Die 17-Uhr-Vorstellung war wohl komplett voll, trotz Schwimmbad-Wetter, Ferien-/Urlaubszeit und ungewöhnlicher Kino-Uhrzeit.

Bezahlt hat er (im Teenie-Tarif) erschwingliche 9,- EUR (Provinzkino, aber modernes Multiplex / kein 3D / kein Atmos).

Unser Älterer wird ihn sich am Wochenende mit Freunden anschauen - meine Frau und ich hätten auch Lust, wissen aber noch nicht, ob/wann wir's schaffen. Ich hoffe schon, denn der Film soll richtig gut sein und auf eine Disney-/Netflix- oder (gebührenfreie) Prime-Ausstrahlung werden wir sicher eine Weile warten müssen.
 
Wenn ich mir die aktuelle deutsche Top 20 anschaue, fallen gleich sechs Filme auf, die bereits im Streaming verfügbar sind. Sicherlich spielen dabei auch die zahlreichen Open-Air-Kinovorführungen eine Rolle. Dennoch zeigt sich auch hier, dass sich viele Zuschauer bewusst für das Kinoerlebnis entschieden haben, obwohl sie die Filme längst bequem zu Hause hätten ansehen können.

Platz 10: Glennkill: Ein Schafskrimi (12. Woche/10.445 Besucher)
Platz 11: Michael (15. Woche/10.212 Besucher)
Platz 12: Der Teufel trägt Prada 2 (14. Woche/9.462 Besucher)
Platz 16: Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (27. Woche/5.870 Besucher)
Platz 17: Extrawurst (29. Woche/5.649 Besucher)
Platz 19: Der Astronaut - Project Hail Mary (20. Woche/4.002 Besucher)

Und Obsession ist mittlerweile ebenfalls auf Prime Video erhältlich, gerade einmal sieben Wochen nach dem Kinostart. Dabei läuft der Film durchaus noch ordentlich im Kino: Am vergangenen Wochenende sahen ihn immerhin noch 42.971 Besucher auf der großen Leinwand.
 
Ich hab gestern 10,40€ für Spider-Man (2D Vorstellung) bezahlt. Das ist noch ein fairer Preis. Dienstag ist aber auch Kino Tag in unserem Kino.

Der Kinosaal war aber auf jeden Fall recht voll.

Achso, und der Film ist klasse. 2026 ist bisher echt ein tolles Kinojahr.
 
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Das war gestern im Cinecitta Nürnberg.
Da ist schon beachtlich viel los für einen Film der seit 2 Monaten im Kino läuft.
 
Die Halbjahreszahlen der FFA sind da, und nachdem das Kino in den vergangenen Jahren immer mal wieder vorschnell für halbtot erklärt wurde, darf man feststellen: Der Patient erfreut sich erstaunlich guter Gesundheit. Das erste Halbjahr 2026 war sogar das beste seit der Corona-Pandemie.

Ein paar Zahlen:

- 47,5 Millionen Kinotickets wurden verkauft. Das sind satte 16,9 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.

- Der Umsatz stieg noch kräftiger auf 502,2 Millionen Euro, ein Plus von 24,5 Prozent.

- Gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 fehlen bei den Besucherzahlen nur noch 11 Prozent. Beim Umsatz liegt man inzwischen sogar 9 Prozent über 2019, wobei natürlich die gestiegenen Eintrittspreise kräftig mithelfen.

- 14 Filme kamen auf mehr als eine Million Besucher. Im ersten Halbjahr 2025 waren es gerade einmal acht.

- Bemerkenswert stark lief der deutsche Film: 12,2 Millionen Tickets, satte 61 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Marktanteil kletterte auf 26,5 Prozent und damit, wenn man das Pandemiejahr 2020 ausklammert, auf den höchsten Wert seit zehn Jahren.

- Gleich fünf deutsche Produktionen schafften mehr als eine Million Besucher. Erfolgreichster deutscher Film war Extrawurst mit knapp zwei Millionen.

- Und Kino funktioniert offenbar keineswegs nur noch in den großen Städten. In Orten mit höchstens 50.000 Einwohnern stiegen die Besucherzahlen um 18 Prozent.

Richtig interessant wird nun das zweite Halbjahr. Die FFA hält für 2026 erstmals seit längerer Zeit wieder 100 Millionen Kinobesuche für möglich. Und angesichts der bisherigen Zahlen sowie des enormen Erfolgs von Spider-Man: Brand New Day und Die Odyssee ist das inzwischen keine besonders verwegene Prognose mehr.

Von der gelegentlich beschworenen unmittelbar bevorstehenden Beerdigung des Kinos muss man also wohl erneut Abstand nehmen. Der alte Laden ist hartnäckiger, als manche Streamingpropheten gedacht haben.

 
Kino-Beerdigungen, wie sie in der ersten Corona-Phase umherschwirrten, waren sicherlich vorschnell; es war eben eine einmalige, in dieser Form ungekannte Krise, die uns noch auf absehbare Zeit begleiten bzw. beschäftigen würde (und deren - v.a. wirtschaftl. - Folgen es leider nach wie vor tun).

Berechtigt bleiben allerdings langfristige Zukunftsüberlegungen zur Institution Kino, und wie sich diese (etwa im Hinblick auf AI) entwickeln wird. Ich würde nicht unbedingt darauf wetten, dass sich in 50-100 Jahren nicht neue "Formen" dessen auftun....oder gar Optionen, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Wer weiß, vielleicht werden einmal "Heimstudios" zur eigenen Filmschaffung Usus, wie heute die Werkzeughütte im Garten?
 
Den Gedanken finde ich spannend. Ich würde allerdings zwischen dem Kino als Ort und der Art unterscheiden, wie Filme in Zukunft entstehen und konsumiert werden. Dass KI die Filmproduktion in den kommenden Jahrzehnten massiv verändern wird, halte ich für ziemlich wahrscheinlich. Vielleicht kann tatsächlich irgendwann jeder mit überschaubarem Aufwand einen technisch beeindruckenden Film nach den eigenen Vorstellungen herstellen. Die filmische Variante der Werkzeughütte im Garten sozusagen. Nur bedeutet die Möglichkeit, selbst Filme zu produzieren, noch lange nicht, dass man deshalb keine Filme anderer Menschen mehr sehen möchte. Fotografieren können wir schließlich auch alle, ohne dass professionelle Fotografen verschwunden wären.

Beim Kino selbst bin ich deshalb weniger pessimistisch. Seine technische Exklusivität hat es eigentlich längst verloren. Einen Film kann ich heute zu Hause in einer Bild- und Tonqualität sehen, von der man vor dreißig Jahren nur träumen konnte. Trotzdem gehen Menschen weiterhin ins Kino. Sein Reiz scheint also nicht allein darin zu bestehen, einen Film möglichst groß und laut zu sehen. Kino ist eben auch ein sozialer und kultureller Ort. Man fährt hin, kauft seine Karte, sitzt mit anderen Menschen in einem dunklen Saal und erlebt für zwei Stunden gemeinsam denselben Film. Gerade weil sich immer mehr Unterhaltung ins Private verlagert, könnte dieses gemeinsame Erlebnis langfristig sogar wieder an Bedeutung gewinnen.

Wie das Ganze in 50 oder gar 100 Jahren aussehen wird, würde ich allerdings nicht vorhersagen wollen. Wer 1926 versucht hätte, Netflix, Smartphones, Virtual Reality oder KI-generierte Filme des Jahres 2026 zu beschreiben, wäre vermutlich schon an den Begriffen gescheitert. Ich würde deshalb eher darauf wetten, dass sich das Kino stark verändern wird, als darauf, dass es irgendwann vollständig verschwindet.
 
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