@Jedihammer
Dass du
Flucht ins 23. Jahrhundert zu deinen liebsten Science-Fiction-Filmen zählst, kann ich gut nachvollziehen. Als Kind und Jugendlicher habe ich den Film ebenfalls geliebt. Diese Welt unter der Kuppel, das Lebensende mit dreißig und die Ungewissheit darüber, was draußen liegt, haben mich über Jahre beschäftigt. Ich habe mir eigene Geschichten dazu ausgedacht und überlegt, wie ich mich an Logans Stelle verhalten hätte.
Seine Grundidee finde ich nach wie vor stark. Das Beklemmende ist ja, dass die Menschen ihr Leben dort durchaus genießen. Sie werden versorgt, können ihren Vergnügungen nachgehen und glauben an die Erneuerung, die ihnen versprochen wird. Wer daran zweifelt und weiterleben möchte, wird verfolgt. Dass Logan selbst zu diesen Verfolgern gehört, bevor er die Ordnung hinterfragt, macht die Geschichte besonders reizvoll. Er muss sich schließlich auch damit auseinandersetzen, was er bislang für richtig gehalten und anderen angetan hat. Jugendkult, Todesangst und die Verlockung eines bequemen Lebens geben dem Film bis heute genug Substanz.
Auch die Begegnung mit dem alten Mann hängt bis heute nach. Für Logan und Jessica ist etwas ganz Alltägliches plötzlich eine ungeheure Entdeckung: Ein Mensch kann alt werden und dabei zufrieden sein, Erinnerungen haben und etwas erzählen, das über die eigene kleine Welt hinausreicht. Peter Ustinov bringt da eine Wärme hinein, die man unter der Kuppel vergeblich sucht.
Weniger gut gealtert ist für mich manches an der Umsetzung. Die Modellstadt sieht inzwischen deutlich nach Modellstadt aus, einige Kostüme sind sehr ihrer Zeit verhaftet, und beim Roboter fällt es mir heute schwer, die Bedrohung noch ernst zu nehmen. Damit kann ich aber leben. Schwerer wiegt, dass die Geschichte ihre interessanten Ansätze nicht konsequent genug verfolgt. Logans Wandel geht recht schnell, Jessica bekommt wenig eigenes Profil, und während der Flucht reiht sich manches Abenteuer etwas beliebig an das nächste. Als Kind hat mich das alles mitgerissen. Heute würde ich an einigen Stellen lieber mehr über die Figuren und ihre Gesellschaft erfahren, statt schon zur nächsten Gefahr weiterzuziehen.
Deshalb wäre der Film für mich tatsächlich ein Kandidat für ein Remake. In dem Stoff steckt noch einiges, das sich vertiefen ließe. Gerade Logans Weg vom überzeugten Vollstrecker zum Gejagten könnte viel packender sein, wenn seine Zweifel allmählich wachsen und er sich gegen Einsichten wehrt, die sein bisheriges Leben infrage stellen. Auch eine Jessica mit eigenen Überzeugungen und Zielen würde der Geschichte guttun. Für schönere Effekte allein bräuchte ich keine Neuverfilmung. Mich würde interessieren, wie man diese scheinbar lebenswerte Gesellschaft heute glaubwürdig erzählt und dabei spürbar macht, warum Menschen an ihr festhalten.