[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Truuine | Nordpolarkreis | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Stand von Imperialis Sensus]
Theranos Zesh, Kael Reed, Ridley Quinn Solaris, Alizée Marre, Sarina (NPC), Ramo Carroon (NPC), Personal von Imperialis Sensus und weitere Galagäste
Theranos nahm Kaels abschließende Bemerkungen zu den einzelnen Weinen mit einem zufriedenen Nicken entgegen. Es freute ihn, dass der Lieutenant ihre unterschiedlichen Vorstellungen inzwischen ebenso einordnete wie er selbst. Nicht jeder Wein musste denselben Charakter besitzen, und die persönlichen Vorlieben eines erfahrenen Fachmanns waren schließlich noch kein allgemeingültiger Maßstab. Dass Reed dies ausdrücklich anerkannte, machte seine übrigen Hinweise für Theranos keineswegs weniger interessant. Besonders die Beobachtungen zur Frizzante-Ausführung des Rubor Nobilis wollte er bei nächster Gelegenheit mit Caelis Marron besprechen.
„Dann sind wir uns beim Rubor Nobilis zumindest darüber einig, dass wir uns nicht einig sein müssen“, erwiderte Theranos mit einem amüsierten Lächeln. „Ihre Anmerkungen zur Frizzante-Ausführung werde ich allerdings ausdrücklich mit Caelis besprechen. Gerade dort könnte eine etwas andere Abstimmung tatsächlich interessant werden.“
Auch Reeds Klarstellung bezüglich Rosa Aurea nahm er aufmerksam auf. Ein angenehmer, zugänglicher Wein konnte zweifellos erfolgreich sein, doch Kael hatte recht mit seiner Unterscheidung zwischen einem gelungenen ersten Eindruck und einer langfristigen Kundenbindung. Theranos beschäftigte sich beruflich häufig genug mit Marktpositionierungen, um zu wissen, dass eine anfängliche Begeisterung noch kein dauerhaftes Kaufverhalten begründete.
„Ich verstehe jetzt besser, worauf Sie hinauswollen. Eine Flasche zu verkaufen, ist schließlich etwas anderes, als jemanden dazu zu bewegen, Jahre später wieder genau danach zu fragen. Ob Rosa Aurea diesen Anspruch erfüllen kann, werden wir erst sehen, wenn wir ihn über einen längeren Zeitraum außerhalb unseres bisherigen Kundenkreises anbieten.“
Die beiden vorgeschlagenen Signaturreben blieben für ihn ebenfalls interessant. Dass Kael Arvessa und Valeruce ausdrücklich als mögliche langfristige Entwicklungen und nicht als notwendige Korrekturen verstand, entsprach ohnehin Theranos' eigener Auffassung. Er hatte wenig Interesse daran, bereits gelungene Produkte ausschließlich deshalb grundlegend zu verändern, weil sich eine technisch anspruchsvollere Möglichkeit bot. Andererseits gefiel ihm die Vorstellung, eines Tages eine Rebe zu besitzen, deren Eigenschaften über Generationen hinweg mit dem Namen Imperialis Sensus verbunden sein könnten.
Wesentlich stärker beschäftigte ihn jedoch Kaels anschließende Einschätzung des Unternehmens selbst.
Der Lieutenant hatte einige durchaus treffende Fragen gestellt. Besonders die Unterscheidung zwischen bewusst begrenzten Produktionsmengen und Kapazitätsgrenzen, die sich aus fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten ergaben, fand Theranos interessant. Beides konnte nach außen denselben Eindruck von Exklusivität vermitteln, beruhte jedoch auf vollkommen unterschiedlichen Voraussetzungen. Ein Unternehmer, der seine eigene geringe Produktionsmenge zur besonderen Tugend erklärte, weil er sich derzeit keine größere leisten konnte, machte es sich möglicherweise etwas zu einfach.
Theranos hatte keineswegs vor, Imperialis Sensus auf Dauer kleinzuhalten. Seine Vorstellungen reichten mittlerweile erheblich weiter als in jenen Tagen auf Corulag, als er und Caelis aus gemeinsamer Begeisterung begonnen hatten, sich mit der Herstellung eines eigenen Schaumweines zu beschäftigen. Dass daraus inzwischen ein Unternehmen mit eigener Produktion, verschiedenen Geschäftspartnern und mehreren Produktbereichen geworden war, erfüllte ihn mit einem gewissen Stolz. Trotzdem wusste er, dass die eigentliche Entwicklung womöglich erst begonnen hatte.
„Ich denke, ich sollte Ihnen zunächst erklären, was ich langfristig überhaupt mit Imperialis Sensus erreichen möchte, Lieutenant.“
Theranos stellte sein Glas ab und ließ den Blick über die Präsentation wandern.
„Mein Ziel ist keineswegs, den größten Getränkeproduzenten des Imperiums aufzubauen. Wenn unsere Flaschen irgendwann in jeder beliebigen Cantina für wenige Credits erhältlich wären, hätten wir vielleicht ein ausgesprochen erfolgreiches Geschäft geschaffen. Meinem eigentlichen Anspruch wären wir damit allerdings nicht unbedingt nähergekommen.“
Er lächelte leicht, bevor er fortfuhr.
„Ich wünsche mir vielmehr, dass Imperialis Sensus eines Tages zu jenen Namen gehört, die man innerhalb der imperialen Gesellschaft ganz selbstverständlich mit Qualität, Handwerkskunst und gehobener Lebensart verbindet. Wenn jemand einen besonderen Wein sucht, ein außergewöhnliches Schmuckstück oder eine hochwertige Einrichtung, möchte ich, dass unsere Marke zu den ersten Adressen gehört, die ihm einfallen. Im Idealfall kommt jemand, der Wert auf Qualität und Exklusivität legt, irgendwann kaum noch an uns vorbei.“
Theranos wusste selbst, wie ehrgeizig diese Vorstellung klang. Er empfand das allerdings keineswegs als etwas, das er verbergen müsste. Große Manufakturen, traditionsreiche Handelshäuser und bedeutende Marken waren schließlich auch nicht dadurch entstanden, dass ihre Gründer von Anfang an ausschließlich bescheidene Ziele verfolgt hatten. Ein gewisser Ehrgeiz gehörte für ihn zum Unternehmertum, solange man darüber nicht die wirtschaftliche Wirklichkeit aus den Augen verlor.
„Dafür muss allerdings auch die Qualität stimmen. Ich habe kein Interesse daran, ausschließlich teure Produkte herzustellen. Ich möchte Produkte anbieten, deren Qualität ihren Preis tatsächlich rechtfertigt. Wer für einen Wein, ein Möbelstück oder ein Schmuckstück einen entsprechenden Betrag bezahlt, soll einen Gegenwert erhalten, den er auch Jahre später noch zu schätzen weiß.“
Bei dieser Aussage lag eine persönliche Überzeugung in seiner Stimme. Theranos schätzte sorgfältige handwerkliche Arbeit, durchdachte Gestaltung und Gegenstände, deren Wert sich nicht ausschließlich aus einem bekannten Namen ableitete. Eine kostspielige Flasche konnte aufgrund ihrer Seltenheit begehrt sein; wenn ihr Inhalt jedoch enttäuschte, blieb von der Begeisterung meist wenig übrig. Und ein prachtvolles Möbelstück, dessen Verarbeitung nach wenigen Jahren Mängel zeigte, wäre für ihn kaum mehr als eine teure Fehlentscheidung.
„Selbstverständlich müssen wir dafür auch wachsen. Ein Teil unserer gegenwärtigen Produktionsbegrenzungen ergibt sich aus der noch jungen Struktur des Unternehmens. Andere Begrenzungen sind durchaus beabsichtigt. Ich möchte vermeiden, dass wir irgendwann höhere Mengen versprechen, die sich anschließend nur noch durch Abstriche bei unseren eigenen Qualitätsstandards erreichen lassen.“
Theranos deutete auf die verschiedenen Bereiche seines Standes.
„Unser gegenwärtiger Schwerpunkt liegt eindeutig auf Vitis, also den Weinen und verwandten Getränken. Hier liegen unsere Wurzeln, und hier wollen wir unsere Stellung zunächst weiter festigen. Der Vertrieb erfolgt bislang wesentlich über Vinotheken, Restaurants, Bars, ausgewählte Kundenkontakte und Veranstaltungen wie diese. Gerade in der gehobenen Gastronomie und Hotellerie sehe ich allerdings noch beträchtliche Möglichkeiten, sofern wir Partner finden, die unsere Produkte präsentieren.“
Er ließ seinen Blick kurz zu den ausgestellten Glasarbeiten wandern.
„Bei Schmuck, Accessoires und Einrichtungen verfolgen wir dagegen teilweise einen anderen Ansatz. „Mich interessieren dort besonders ausgewählte Kollektionen und individuelle Maßanfertigungen, die dennoch unsere eigene gestalterische Handschrift bewahren. Ich möchte nicht wahllos Möbel oder Schmuck in großen Stückzahlen herstellen lassen, nur damit wir möglichst viele Produktgruppen anbieten können. Viel reizvoller finde ich die Möglichkeit, persönliche Wünsche aufzugreifen und gemeinsam mit erfahrenen Kunsthandwerkern etwas Eigenständiges zu entwickeln.“
Theranos nahm eines der ausgestellten Gläser vorsichtig zur Hand und betrachtete dessen Verarbeitung.
„Unsere Zusammenarbeit mit Quarzite ist dafür ein gutes Beispiel. Imperialis Sensus muss nicht zwangsläufig jede Werkstatt selbst besitzen, solange wir mit Partnern zusammenarbeiten, deren Fähigkeiten und Qualitätsansprüche unseren Vorstellungen entsprechen. Gerade bei besonderen Materialien oder aufwendigen Sonderanfertigungen ist es häufig wesentlich sinnvoller, auf vorhandenes Fachwissen zurückzugreifen.“
Er stellte das Glas wieder zurück.
„Ihre Warnung vor einer zu raschen Ausweitung des Sortiments nehme ich deshalb durchaus ernst. Ich habe vermutlich eine etwas größere Begeisterung für neue Projekte, als meinem Geschäftspartner gelegentlich lieb sein dürfte. Glücklicherweise verfügt Caelis über genügend Erfahrung, um mich daran zu erinnern, dass zwischen einer schönen Idee und einem tatsächlich marktreifen Produkt noch eine beträchtliche Menge Arbeit liegen kann.“
Ein leises Lachen begleitete die Bemerkung. Theranos wusste durchaus, dass er sich gelegentlich schneller von einer gestalterischen oder geschäftlichen Vorstellung begeistern ließ, als deren praktische Umsetzung bereits rechtfertigte. In seinem politischen Beruf hatte er gelernt, solche Entwicklungen nüchtern zu beurteilen. Bei Imperialis Sensus fiel ihm das nicht immer ganz so leicht, gerade weil er hier persönliche Leidenschaft und wirtschaftliche Überlegungen miteinander verband.
„Was die konkreten Jahresmengen, Produktionskapazitäten und wirtschaftlichen Kennzahlen betrifft, würde ich Ihnen bei einem späteren Termin gerne entsprechend aufbereitete Unterlagen zeigen. Ich halte es allerdings für sinnvoll, das gemeinsam mit Caelis vorzubereiten. Dann erhalten Sie ein vollständiges Bild und wir müssen nicht ausgerechnet hier zwischen zwei Weinflaschen beginnen, Zahlen aus unterschiedlichen Berichtsständen miteinander zu vergleichen.“
Während Kael anschließend die Unternehmensstruktur von Imperial Spirits erläuterte, hörte Theranos aufmerksam zu. Besonders die Trennung zwischen dem produzierenden Stammhaus und den spezialisierten Gesellschaften für Handel, Logistik, Veranstaltungen und Forschung fand er interessant. Eine solche Organisation konnte erhebliche Vorteile bieten, sofern die verschiedenen Bereiche tatsächlich miteinander arbeiteten und ihre jeweiligen Aufgaben vernünftig voneinander abgegrenzt waren. Theranos kannte aus seiner Verwaltungstätigkeit genügend Beispiele dafür, wie schnell eine unklare Verteilung von Zuständigkeiten selbst gut gemeinte Vorhaben unnötig erschwerte.
Die Erwähnung von Safetrade und dessen Zusammenarbeit mit kleineren Produzenten weckte dabei sein besonderes Interesse. Gerade im interstellaren Vertrieb konnten bestehende Netzwerke einen erheblichen Unterschied machen. Es war keineswegs notwendig, für jede zusätzliche Geschäftsbeziehung eigene Transportkapazitäten, Vertriebsbüros und Verwaltungsstrukturen aufzubauen.
Als Kael schließlich die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit einer größeren Unternehmensgruppe ansprach, wurde seine Aufmerksamkeit noch einmal merklich konzentrierter. Dass der Lieutenant ausdrücklich betonte, noch kein konkretes Angebot unterbreiten zu können, fand Theranos vernünftig. Eine ernsthafte wirtschaftliche Beziehung begann schließlich nicht damit, dass man ohne Kenntnis der tatsächlichen Zahlen umfangreiche Versprechungen machte.
„Ihre Überlegungen finde ich ausgesprochen interessant. Und ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, dass es wenig sinnvoll wäre, sämtliche Strukturen selbst aufzubauen, wenn bereits erfahrene Unternehmen existieren, die bestimmte Aufgaben wirtschaftlicher und womöglich sogar besser erfüllen können.“
Theranos ließ den Gedanken einen Augenblick stehen.
„Allerdings gibt es für mich eine wesentliche Voraussetzung. Imperialis Sensus soll seine Eigenständigkeit und seinen Charakter bewahren. Ich möchte nicht irgendwann feststellen müssen, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen unsere Qualitätsansprüche verändern oder neue Produkte ausschließlich deshalb entwickeln, weil sich eine bestimmte Absatzmenge damit leichter erreichen lässt.“
Sein Tonfall blieb freundlich, doch die Überzeugung dahinter war deutlich. Das Unternehmen gehörte nicht allein ihm, und selbst wenn dies anders wäre, hätte er kaum Interesse daran gehabt, die eigene Gestaltungsfreiheit leichtfertig aufzugeben. Für Theranos war Imperialis Sensus in gewisser Weise auch ein Gegenstück zu seinem politischen Beruf geworden. Dort verwaltete er Ressourcen, traf Entscheidungen und musste häufig zwischen Interessen abwägen, die sich nicht vollständig miteinander vereinbaren ließen. Hier wollte er zumindest die Möglichkeit behalten, etwas nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.
„Wenn uns eine Zusammenarbeit allerdings zusätzliche Möglichkeiten in Forschung, Vertrieb oder Logistik eröffnet, ohne diesen Anspruch zu gefährden, sehe ich durchaus Potenzial. Gerade Ihr Modell, bei dem kleinere Produzenten ihre Eigenständigkeit behalten und dennoch auf größere Strukturen zurückgreifen können, klingt interessant.“
Die Bitte des Lieutenants, den Produktionsstandort persönlich besichtigen und sich anschließend ausführlicher mit Caelis austauschen zu dürfen, nahm Theranos mit einem zustimmenden Nicken entgegen.
„Dazu lade ich Sie sehr gerne ein. Wenn es Ihre dienstlichen Verpflichtungen nach Ihrer Schulung und Versetzung zulassen, können wir einen entsprechenden Besuch auf Prefsbelt IV vereinbaren. Ich würde mich freuen, Ihnen unseren Standort bei Gold One persönlich zu zeigen.“
Er blickte kurz zu jener Mitarbeiterin, die sich am Stand um die geschäftlichen Kontakte kümmerte, während Kaels Begleiterin bereits die notwendigen Notizen auf ihrem Datapad festhielt.
„Für die Besichtigung stimmen wir uns dann gemeinsam mit Caelis ab, damit auch die zuständigen Fachleute vor Ort sind. Ich denke, das wäre für beide Seiten wesentlich aufschlussreicher als eine weitere theoretische Diskussion über Verfahren, deren praktische Umsetzung Sie noch gar nicht gesehen haben.“
Das Schmunzeln, das seine Worte begleitete, war aufrichtig. Theranos hatte durchaus Freude an theoretischen Gesprächen, wusste aber ebenso gut, dass manche Fragen erst vor einer tatsächlichen Anlage sinnvoll beantwortet werden konnten.
„Wenn Sie Imperialis Sensus innerhalb Ihrer Unternehmensgruppe erwähnen möchten, habe ich jedenfalls nichts dagegen. Ich würde Sie lediglich darum bitten, neben unseren gegenwärtigen Möglichkeiten auch zu berücksichtigen, wohin wir uns entwickeln möchten. Wir sind noch ein kleines Haus, wie Sie durchaus zutreffend festgestellt haben.“
Sein Lächeln wurde einen Hauch breiter.
„Aber ich habe nicht vor, dass das für immer so bleibt.“
Er sagte es mit einer Selbstverständlichkeit, die beinahe beiläufig wirkte. Für Theranos war es weder eine Prahlerei noch ein Versprechen, dessen Erfüllung bereits feststand. Es war schlicht sein Ziel. Vielleicht gefiel ihm gerade deshalb die Vorstellung, irgendwann einen Namen geschaffen zu haben, der auch ohne seine persönliche Anwesenheit für etwas stand. Einen Namen, den man nicht allein mit dem Amt Theranos Zeshs verband, sondern mit Produkten, deren Qualität und Gestaltung auch viele Jahre später noch überzeugten.
Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende geführt, bemerkte Theranos aus dem Augenwinkel eine Gestalt, die sich ihrem Stand näherte. Zunächst schenkte er der Bewegung wenig Aufmerksamkeit. Während der vergangenen Minuten hatten mehrere Gäste den offenen Bereich passiert, sich einzelne Ausstellungsstücke angesehen oder vom Personal beraten lassen. Als er jedoch den Kopf etwas weiter drehte, erkannte er ein Gesicht, das ihm aus zahlreichen Holoprojektionen ausgesprochen vertraut war.
Ridley Quinn Solaris.
Für einen kurzen Augenblick trat eine ehrliche Überraschung auf Theranos' Gesicht, gefolgt von einem Lächeln, das deutlich wärmer ausfiel als seine gewöhnlich kontrollierte Begrüßung gegenüber politischen Bekanntschaften. Es war tatsächlich bemerkenswert, wie lange sie mittlerweile miteinander zu tun hatten, ohne sich auch nur ein einziges Mal persönlich begegnet zu sein.
Theranos erinnerte sich noch gut an jene ersten Tage auf Prefsbelt IV, als die Freude über seine Ernennung zum Gouverneur ziemlich rasch von der Erkenntnis eingeholt worden war, wie viele Probleme sein neuer Planet tatsächlich besaß. Unter den ersten Nachrichten, die ihn damals erreicht hatten, hatte sich auch die persönliche Gratulation eines ihm bis dahin unbekannten Gouverneurs von Truuine befunden.
Ridley Solaris hatte ihm nicht nur zu seiner Ernennung gratuliert, sondern mit einer besonderen Kolto-Rarität sogar ein ungewöhnliches Geschenk übersandt und die Hoffnung auf eine zukünftige Zusammenarbeit ausgesprochen.
Theranos hatte diese Geste nie vergessen.
Inzwischen waren aus den anfänglichen Höflichkeiten gemeinsame wirtschaftliche Vorhaben entstanden. Das Projekt NEREUS, dessen schwimmende Stadt auf dem gleichnamigen Meer von der wasserbaulichen Erfahrung Truuines profitierte, war nur eines davon. Hinzu kamen die wirtschaftlichen Verbindungen rund um die ehemalige Schiffswerft von Alani Inc., deren weitere Entwicklung für beide Seiten von Interesse war, sowie die Zusammenarbeit ihrer Verwaltungen bei verschiedenen anderen Vorhaben. Auch die militärische Unterstützung durch die Blaue Legion hatte eine Verbindung geschaffen, die weit über den gewöhnlichen Austausch zweier Gouverneursbüros hinausging.
Und nun stand Ridley tatsächlich vor ihm.
Theranos wandte sich dem Neuankömmling vollständig zu.
„Gouverneur Solaris! Welche Freude, Sie nun endlich persönlich begrüßen zu dürfen.“
Er trat dem Gastgeber ein Stück entgegen und bot ihm mit einem aufrichtigen Lächeln die Hand.
„Ich danke Ihnen für die Einladung. Und erlauben Sie mir zunächst, Ihnen zu dieser wirklich beeindruckenden Veranstaltung zu gratulieren. Ihre Gala als bescheiden zu bezeichnen, halte ich angesichts dessen, was ich heute bereits gesehen habe, für eine ausgesprochen großzügige Auslegung dieses Wortes.“
Sein Blick wanderte für einen Augenblick über die umliegenden Ausstellungsflächen und die dahinterliegenden Eisformationen. Das Licht, die Architektur und die gewaltigen natürlichen Strukturen des Gletschers boten eine Kulisse, wie er sie bislang nur selten erlebt hatte. Besonders gefiel ihm, dass die Veranstalter vielerorts darauf verzichtet hatten, die natürlichen Formen vollständig hinter künstlicher Gestaltung verschwinden zu lassen.
„Die Gestaltung, die Einbindung des Gletschers und insbesondere die Eröffnungszeremonie haben mich wirklich beeindruckt. Auch Ihre Rede fand ich ausgesprochen gelungen. Über einzelne Gedanken zu Ihrem Kunstverständnis ließe sich gewiss vortrefflich diskutieren, aber vielleicht sollten wir das auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Sonst stehen wir morgen noch hier.“
Ein leises Lachen begleitete die letzten Worte. Theranos hätte durchaus Freude daran gehabt, sich mit Ridley irgendwann eingehender über das Verhältnis von Kunst, Ordnung und persönlicher Freiheit auszutauschen. Gerade die Vorstellung, dass künstlerisches Schaffen beinahe zwangsläufig einer imperialen Ordnungsidee entspringen müsse, erschien ihm etwas zu umfassend. Die Rede war wirkungsvoll gewesen, doch das bedeutete für Theranos nicht, dass er sämtliche darin vertretenen Gedanken vorbehaltlos teilte.
„Wissen Sie, ich erinnere mich noch sehr gut an Ihre erste Nachricht nach meiner Ernennung zum Gouverneur von Prefsbelt IV. Sie gehörten damals zu den Ersten, die mir persönlich gratuliert haben. Und Ihr Geschenk war etwas, das sich zwischen den üblichen Glückwünschen durchaus hervorhob und ich bis heute unangetastet in meinem Büro aufbewahrt habe.“
Sein Lächeln wurde etwas nachdenklicher.
„Damals haben Sie geschrieben, dass Sie hofften, unsere beiden Planeten könnten eines Tages enger zusammenarbeiten. Wenn ich heute an NEREUS und unsere weiteren gemeinsamen Vorhaben denke, haben wir diesen Wunsch wohl bereits recht ordentlich umgesetzt.“
Theranos empfand darüber eine echte Zufriedenheit. Es gab in der Politik genügend Bekanntschaften, die ausschließlich aus höflichen Absichtserklärungen bestanden und nach einigen Monaten wieder in Vergessenheit gerieten. Bei Ridley war aus einer einfachen Gratulation eine Zusammenarbeit entstanden, deren Ergebnisse inzwischen durchaus sichtbar wurden. Dass sie sich ausgerechnet auf einer Gala der schönen Künste erstmals persönlich gegenüberstanden, gefiel ihm zusätzlich. Schließlich gehörten Kunst und Kultur zu jenen Interessen, die Theranos auch abseits seiner politischen Verpflichtungen besonders am Herzen lagen.
Als Ridley sich anschließend Kael zuwandte und ihm zur Begrüßung die Hand entgegenstreckte, ließ Theranos den beiden selbstverständlich Raum. Er nutzte die kurze Gelegenheit, um sich seinerseits der Majordoma der Gouverneurin von Bastion zuzuwenden.
Alizée Marre hatte den Auftrag erhalten, die Einzelheiten der angekündigten Weinlieferung zu klären. Theranos wollte die Gelegenheit nutzen, zumindest die grundlegenden Vorgaben persönlich festzulegen, ehe seine Mitarbeiter die weitere Abwicklung übernahmen. Er erkundigte sich bei ihr nach den geschmacklichen Vorlieben Liliviennes, nach bevorzugten Speisen und nach jenen Gerichten, die im Haushalt der Gouverneurin bei privaten Abendessen oder gesellschaftlichen Empfängen regelmäßig auf den Tisch kamen. Dabei hielt er sich an die Informationen, die ihm bereits bekannt waren, und bat darum, weitere Einzelheiten mit seinem zuständigen Verkaufsberater abzustimmen.
Anschließend ließ Theranos den Mitarbeiter hinzutreten und legte eine erste Auswahl fest. Als persönliche Gabe sollten mehrere großzügig zusammengestellte Mischkisten vorbereitet werden, wobei Luxa Solis, der Lilivienne bereits zugesagt hatte, besonders berücksichtigt werden sollte. Ergänzend nahm er Classic, Rosa Aurea, Argentum und einige Flaschen Rubor Nobilis auf. Sowohl Stillweine als auch Frizzante-Ausführungen sollten enthalten sein. Die endgültige Zusammenstellung konnte anhand jener Vorlieben angepasst werden, die Alizée im weiteren Gespräch mit dem Verkaufsberater noch mitteilen würde.
„Bitte stellen Sie Miss Marre außerdem unsere vollständigen Produktübersichten und die öffentlichen technischen Datenblätter zur Verfügung. Ergänzen Sie Empfehlungen für geeignete Speisen und gesellschaftliche Anlässe. Ich möchte, dass man bei späteren Bestellungen jederzeit nachvollziehen kann, welche Sorten sich für die jeweiligen Wünsche der Gouverneurin anbieten.“
Theranos ließ darüber hinaus den Haushalt der Gouverneurin für jene bevorzugten Kundenkonditionen vormerken, die Imperialis Sensus für regelmäßige Bestellungen aus entsprechenden gesellschaftlichen Kreisen vorgesehen hatte.
Bereits früh hatte er sich gemeinsam mit einem erfahrenen Vertriebsexperten ein umfangreicheres System verschiedener Kunden- und Rabattschlüssel ausarbeiten lassen. Privatkunden, Stammkunden, Gastronomiebetriebe, größere gewerbliche Abnehmer und ausgewählte repräsentative Haushalte wurden darin nach unterschiedlichen Kriterien behandelt. Während manche Kundengruppen hauptsächlich von höheren Bestellmengen profitierten, waren andere bereits ab der ersten Bestellung mit besonderen Konditionen versehen. Selbst die großzügigsten regulären Nachlässe waren jedoch so kalkuliert, dass eine kleine Gewinnmarge verblieb. Theranos unterschied hier sehr bewusst zwischen einem Verkauf und einer persönlichen Gabe. Die für Lilivienne bestimmten Geschenkflaschen würden entsprechend als Repräsentationsaufwand des Unternehmens erfasst; für weitere Bestellungen galten die vorgesehenen günstigen, aber dennoch geschäftlichen Konditionen.
„Die mehreren Mischkisten gehen selbstverständlich auf meine persönliche Zusage zurück. Für künftige Bestellungen verwenden Sie bitte die vorgesehenen Vorzugskonditionen des Haushalts. Stimmen Sie die endgültige Auswahl mit Frau Marre ab und veranlassen Sie den Transport nach Bastion so zeitnah wie möglich. Sollte Miss Marre selbst einige unserer Weine kennenlernen wollen, stellen Sie ihr bitte ebenfalls eine kleine Probierkiste zur Verfügung.“
Theranos lächelte freundlich, seiner Meinung nach machte man auch immer ein gutes Bild bei der rechten und linken Hand einer wichtigen Person.
Nachdem er die wesentlichen Anweisungen erteilt hatte, überließ Theranos die weitere Abstimmung seinem Mitarbeiter und der Majordoma. Er war überzeugt, dass Alizée die Auswahl noch wesentlich besser auf den Haushalt ihrer Dienstherrin zuschneiden konnte, als es ihm nach einer einzigen gemeinsamen Verkostung möglich gewesen wäre. Zufrieden mit dieser Lösung wandte er sich wieder seinen Gästen zu.
Kael hatte die Begrüßung inzwischen mit der Bemerkung erwidert, er sei gewissermaßen familiär vorbelastet, was Theranos ein amüsiertes Schmunzeln entlockte. Eine treffende Zusammenfassung, wenngleich der Lieutenant seine familiären Voraussetzungen während der vergangenen Minuten bereits recht eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte.
Auf Ridleys anschließende Frage nach dem Interesse an seinem Stand antwortete Theranos mit sichtlicher Zufriedenheit.
„Durchaus, Gouverneur. Wir haben inzwischen einige ausgesprochen interessante Besucher begrüßen dürfen, und die bisherigen Rückmeldungen sind erfreulich. Lieutenant Reed vertritt Imperial Spirits Incorporated und hat sich gerade die Zeit genommen, unsere Produkte einer bemerkenswert gründlichen fachlichen Prüfung zu unterziehen.“
Er warf Kael einen kurzen, amüsierten Blick zu.
„Nicht in allen Punkten waren wir einer Meinung, aber gerade deshalb war unser Gespräch für mich ausgesprochen aufschlussreich und lehrreich.“
Dass Ridley sich für die zuvor übersandten Kostproben bedankte, freute ihn ebenfalls. Theranos hatte gehofft, dass die Sendung einen guten Eindruck hinterlassen würde, und empfand es als angenehm, nun persönlich darüber sprechen zu können.
„Das freut mich sehr. Ich hatte gehofft, Ihnen damit eine kleine Freude machen zu können. Und nachdem Sie mir seinerzeit mit Ihrer Kolto-Spezialität zuvorgekommen waren, wollte ich bei meinem Gegengeschenk selbstverständlich nicht vollkommen einfallslos erscheinen.“
Mit einer einladenden Geste deutete er auf die Präsentation hinter sich.
„Wir stellen hier insgesamt fünf Produktlinien vor, jeweils als Premiumwein und als Frizzante. Luxa Solis und Classic dürften Ihnen aus unseren bisherigen Sendungen bereits bekannt sein. Dazu kommen drei neue Kreationen, die wir auf Truuine erstmals präsentieren.“
Er ließ den Blick über die ausgestellten Flaschen wandern, ohne gleich wieder zu einer ausführlichen Beschreibung sämtlicher Weine anzusetzen.
„Rosa Aurea ist unser neuer heller Rosé, fruchtbetont, elegant und mit einem angenehm trockenen Ausklang. Rubor Nobilis geht in eine kräftigere Richtung, ein samtiger Rotwein mit weichen Gerbstoffen und einer ausgeprägteren dunklen Frucht. Und schließlich hätten wir Argentum, einen zurückhaltenderen Vin Gris mit feiner Struktur und einer etwas ungewöhnlichen, silbrig schimmernden Farbgebung.“
Theranos betrachtete Ridley einen Augenblick.
„Nachdem Sie Luxa Solis und Classic bereits kennengelernt haben, würde ich Ihnen tatsächlich eine unserer Neuheiten empfehlen. Persönlich könnte ich mir vorstellen, dass Ihnen Argentum gefällt. Er ist etwas zurückhaltender und verlangt vielleicht einen zweiten Schluck, um seinen Charakter vollständig zu entfalten. Gerade das schätze ich persönlich sehr an ihm.“
Ein leichtes Schmunzeln folgte.
„Falls Ihnen dagegen mehr nach einem kräftigeren Rotwein ist, würde ich Rubor Nobilis vorschlagen. Wobei ich Sie ausdrücklich warnen muss: Lieutenant Reed und ich vertreten hinsichtlich seines Charakters durchaus unterschiedliche Auffassungen. Vielleicht gewinnen wir mit Ihnen ja einen dritten Standpunkt.“
Er deutete einladend auf die bereitstehenden Verkostungsgläser.
„Aber selbstverständlich müssen Sie sich nicht auf meine Empfehlung verlassen. Sie sind herzlich eingeladen, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Wir haben genügend Auswahl vorbereitet, und ich würde mich freuen, wenn Sie mir anschließend Ihre persönliche Meinung dazu sagen.“
Bevor sich Theranos jedoch weiter seinem neuen Gast widmen konnte, nutzte Kael eine passende Gesprächspause, um seine bevorstehende Abreise anzusprechen. Der Lieutenant musste sich offenbar bereits in wenigen Stunden zu seinem nächsten Dienstort aufmachen und hatte zuvor noch einige Angelegenheiten zu erledigen.
Theranos bedauerte das durchaus, auch wenn es ihn kaum überraschte. Er hatte selbst lange genug innerhalb imperialer Strukturen gedient, um zu wissen, dass militärische Dienstpläne ausgesprochen wenig Rücksicht auf interessante Gespräche nahmen.
„Natürlich, Lieutenant. Die Pflicht lässt sich bekanntlich nur selten von einem guten Glas Wein oder einem angenehmen Gespräch beeindrucken.“
Ein freundliches Lächeln begleitete seine Worte, während er die angebotene Hand ergriff und Kaels Händedruck erwiderte.
„Ich habe Ihnen zu danken. Sie haben sich heute ausgesprochen viel Zeit für unsere Produkte genommen, und ich weiß Ihre ausführlichen Einschätzungen wirklich zu schätzen. Auch wenn wir bei manchen Fragen unterschiedlicher Auffassung geblieben sind, nehme ich aus unserem Gespräch einiges mit.“
Er ließ Kaels Hand wieder los und ergänzte mit einem kleinen Schmunzeln.
„Sehr gerne, Lieutenant. Ich werde Caelis über unser Gespräch informieren. Sobald Ihr Dienstplan es zulässt, freuen wir uns darauf, Sie auf Prefsbelt IV begrüßen zu dürfen.“
Dabei dachte Theranos keineswegs ausschließlich an die vorgeschlagenen Signaturreben oder die Anmerkungen zur Entwicklung einzelner Weine. Vor allem Kaels wirtschaftliche Betrachtung hatte ihm einige interessante Fragen eröffnet, denen er gemeinsam mit Caelis nachgehen wollte. Eine mögliche Zusammenarbeit mit Imperial Spirits war durchaus reizvoll, doch Theranos würde auch ohne ein solches Ergebnis bereits von dieser Begegnung profitieren.
„Und vielleicht gelingt es uns bis dahin sogar, ein paar Ihrer Anmerkungen zum Rubor Nobilis so weit aufzuarbeiten, dass wir anschließend mit neuer Begeisterung darüber diskutieren können.“
Theranos meinte es freundlich. Gerade weil Reed seine Ansichten sachlich vertreten hatte, war ihm diese kleine Meinungsverschiedenheit keineswegs unangenehm geblieben. Er konnte mit Menschen, die ihm begründet widersprachen, wesentlich mehr anfangen als mit jenen, die aus Höflichkeit grundsätzlich alles für hervorragend erklärten.
„Ich wünsche Ihnen eine angenehme Weiterreise, Lieutenant, und viel Erfolg. Wir bleiben in Verbindung.“
Er wartete, während Kael sich noch von Ridley verabschiedete, und nahm dessen abschließende Bemerkung, der Gouverneur befinde sich bei Imperialis Sensus in guten Händen, mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis.
„Ich werde mich bemühen, Ihr Vertrauen nicht zu enttäuschen, Lieutenant.“
Nachdem Reed den Stand verlassen hatte, sah Theranos ihm noch kurz nach. Ein interessanter junger Mann, zweifellos fachlich versiert und offenbar bereits mit einer recht klaren Vorstellung davon ausgestattet, wie gute Produkte und erfolgreiche Unternehmen beschaffen sein sollten. Theranos fragte sich, wie sich dessen weitere Laufbahn entwickeln würde. Zwischen militärischem Dienst, familiären Verpflichtungen und wirtschaftlichen Interessen schien es jedenfalls genügend Möglichkeiten dafür zu geben.
Für den Augenblick war er vor allem gespannt, ob aus dem angekündigten Besuch tatsächlich ein engerer Kontakt entstehen würde. Ein Geschäft musste daraus nicht zwangsläufig werden. Allein die Gelegenheit, Caelis und Kael miteinander bekannt zu machen, versprach bereits ein interessantes Gespräch.
Mit dieser Überlegung wandte Theranos seine Aufmerksamkeit wieder seinem verbliebenen Gast zu.
„Verzeihen Sie, Gouverneur Solaris. Es wäre ausgesprochen unhöflich von mir, Sie nun ebenfalls mit einer ausführlichen Abhandlung über die Zukunft unserer Weinproduktion aufzuhalten. Lieutenant Reed und ich haben uns darin heute bereits recht ausgiebig geübt.“
Ein leises Lachen folgte. Theranos war die besondere Gelegenheit dieser Begegnung durchaus bewusst. Vor ihm stand schließlich nicht irgendein Besucher, der zufällig Interesse an seinen Weinen gefunden hatte, sondern ein Mann, mit dem ihn inzwischen mehrere bedeutende wirtschaftliche Projekte und eine längere Geschichte gegenseitiger Unterstützung verbanden.
Dabei kam ihm noch einmal jener frühe Glückwunsch zu seiner Ernennung auf Prefsbelt IV in den Sinn. Damals hätte Theranos kaum vermutet, dass aus diesem ersten freundlichen Kontakt gemeinsame Großprojekte entstehen würden. Dass Ridley nun als Gastgeber einer derart aufwendig gestalteten Gala vor ihm stand, empfand er durchaus als erfreuliche Entwicklung.
„Und selbstverständlich würde ich mich freuen, wenn wir bei Gelegenheit auch über NEREUS, die ehemalige Alani-Inc.-Schiffswerft und unsere weiteren Vorhaben sprechen könnten. Inzwischen dürfte sich auf beiden Seiten einiges getan haben, das einen ausführlichen Austausch verdient, auch hoffe ich, dass Sie mich irgendwann mal auf Prefsbelt IV besuchen.“
Theranos hielt kurz inne, ehe ein amüsiertes Lächeln seine Züge erreichte.
„Allerdings verspreche ich Ihnen, daraus heute keine unangekündigte Wirtschaftskonferenz zu machen. Sie haben diese Gala schließlich mit einem etwas erfreulicheren Ziel veranstaltet.“
Er deutete noch einmal einladend auf die bereitstehenden Gläser, ohne Ridley mit weiteren Empfehlungen zu überhäufen. Die Auswahl lag nun bei der Gouverneursperson, und Theranos würde sich freuen, wenn sie gemeinsam eine der neuen Kreationen probieren könnten.
Während er auf deren Entscheidung wartete, ließ Theranos den Blick einen Augenblick über den Stand schweifen. Zwei Gouverneure waren inzwischen zur Ausstellung Quarzites weitergezogen, ein Lieutenant hatte ihm eine umfassende fachliche und wirtschaftliche Einschätzung seiner jungen Marke gegeben, und nun stand endlich jene Person vor ihm, die ihm einst als eine der Ersten zu seiner Ernennung auf Prefsbelt IV gratuliert hatte.
Aber auch die kürzliche Nachricht über Major Varros möglichen Wechsel in Ridleys Garde hatte er keineswegs vergessen. Sie beschäftigte ihn weiterhin ein wenig, wenngleich er sich vorgenommen hatte, diesen Punkt zu gegebener Zeit und unter vier Augen anzusprechen. Eine solche Angelegenheit musste nicht ausgerechnet die ersten Minuten ihres persönlichen Kennenlernens bestimmen.
Vorerst war Theranos schlicht froh über die Begegnung.
„Auf jeden Fall, Gouverneur Solaris, hoffe ich, dass Sie zwischen Ihren zahlreichen Verpflichtungen heute auch selbst noch ein wenig Zeit finden, Ihre Gala zu genießen. Nach allem, was Sie und Ihre Mitarbeiter hier auf die Beine gestellt haben, hätten Sie es sich wohl verdient.“
Theranos lächelte aufrichtig, griff wieder nach seinem Glas und überließ Ridley die Entscheidung, welchen Wein er als Erstes probieren wollte.
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